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RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN III – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

Rückkehr mit Hindernissen III


eine


Fantasy-Kurzgeschichte


von


little_wonni


>> Zum vorherigen Teil <<

Nun war es offiziell: Ihr Leben war nur noch eine einzige große Katastrophe. Zunächst einmal hatte es sie etliche Minuten und einige Tränen gekostet, den Taxifahrer dazu zu überreden, sie in ihrem Zustand ins Taxi steigen zu lassen. Zugegeben, auch sie fand den fleckigen Mantel nicht besonders vertrauenerweckend und ihre mittlerweile schwarzen, nackten Füße schmeichelten ihr auch nicht besonders, aber normalerweise ließ man ein Mädchen in Not doch immer ins Taxi.
Sie hatte ihr Selbstvertrauen gerade damit verarztet, dass der Taxifahrer entweder schwul oder halbblind sei, als ihr siedendheiß einfiel, dass sie gar kein Portmonee dabei hatte. Schnell begann sie unter den misstrauischen Blicken des Taxifahrers den Mantel zu durchwühlen.

Was sie da zu Tage beförderte nagte wirklich an den letzten kümmerlichen Resten ihres schon sehr verstümmelten Nervenkostüms. Neben einer abgetrennten Hasenpfote fand sie ein blutverschmiertes Taschentuch, die Visitenkarte und ein Klappmesser in der einen Manteltasche. Aus der anderen fischte sie jede Menge Tabakkrümel und Zigarettenstummel, eine tote Maus (Ihhh) und 50 Dollar in kleinen Scheinen, was ihre Rettung war. Sie wollte gerade den ganzen Müll im Aschenbecher entsorgen, als sie den Blick des Taxifahrers auffing, der ihr verkündete, dass er gleich jegliche Toleranz gegenüber seinem Fahrgast verlieren würde. Mit spitzen Fingern steckte sie also die ganzen Hinterlassenschaften zurück in die Manteltasche und hielt lächelnd das kleine Bündel mit den Geldscheinen hoch. Dies veranlasste den Taxifahrer dazu, sie wenigstens nicht aus dem Taxi zu werfen. Er verlegte sich stattdessen darauf, sie böse anzustarren.

Vor ihrer Haustür angekommen, bezahlte sie dem Taxifahrer zähneknirschend 30 Dollar inklusive Trinkgeld. Dieser bedankte sich dafür, indem er sie schnellstmöglich aus dem Taxi jagte und mit quietschenden Reifen davon fuhr.

Bekannterweise macht das Unglück nie vor der eigenen Haustür halt. Sie musste feststellen, dass an der Türklingel weder ihr Name, noch der ihres Bruders zu finden war. Also beschloss sie kurzerhand, bei ihrer uralten und schon ziemlich klapprigen Nachbarin Frau Rosenberg zu klingeln. Sie wollte gerade aufgeben, nachdem diese nach dem fünften Sturmklingeln immer noch nicht geöffnet hatte, als der Türsummer betätigt wurde. Die Gegensprechanlage schien wieder einmal kaputt zu sein, denn aus ihr drang nur ein unverständliches Rauschen.

Warum hätte auch der Fahrstuhl funktionieren sollen, dachte sie sich, nachdem sie sich die sieben Stockwerke bis zu dem Apartment von Frau Rosenberg hochgequält hatte. Keuchend und schnaufend kam sie endlich an der Tür an.

“Hast dir ganz schön Zeit gelassen! Ich hab ja nicht den ganzen Tag Zeit hier herumzustehen und auf dich zu warten”, wurde sie krächzend begrüßt.

Im Hintergrund hörte sie in kaum ertragbarer Lautstärke irgendeine dieser furchtbaren Quizshows, mit denen alte Menschen ihren Lebensabend zu verschwenden schienen. Sie holte gerade Luft und setzte zum Reden an, als sie von Frau Rosenberg unterbrochen wurde.

“Kommst jetzt rein und nimmst deinen Krempel mit oder soll ich ihn der Heilsarmee spenden? Der steht mir schon seit Monaten in den Füßen rum. Mach! Ich will meine Quizshow nicht verpassen. Und bleib mit deinen dreckigen Füßen und dem Hippie-Aufzug bloß auf der Flurmatte.”

“Wie meinen Krempel …”, setzte sie gerade an, als die Alte sich herumdrehte und in ihrer Abstellkammer verschwand.

Im nächsten Augenblick krachten ihr zwei große Tragetaschen und ihre Handtasche vor die Füße.

“Hat dir dein Bruder da gelassen”
, teilte ihr die Alte mit, “hat gemeint du würdest bestimmt kommen und es holen, wenn du von deinem Back-to-the-Nature-Tripp zurück bist. Haste ja wohl auch nötig bei dem Aufzug! Netter junger Mann übrigens und so adrett gekleidet. Ganz im Gegensatz zu anderen Leuten.”

Wäre die Frau nicht so alt und zerbrechlich gewesen, hätte Dahlia an dieser Stelle ihren letzten Rest Beherrschung verloren. Anstatt sie anzubrüllen und ihren Bruder als rücksichtloses Arschloch zu titulieren, atmete sie mehrmals tief durch.

“Das wird jetzt aber nicht so’ n Mediationskrams, oder wie der Mist heißt in meinem Flur, junge Dame. Das kannste nämlich draußen machen, wegen dir habe ich schon fast meine ganze Quizshow verpasst.”

Es blitzte rot am Rande ihres Gesichtfeldes auf …

FORTSETZUNG FOLGT…

>> Zum nächsten Teil <<

Copyright (c) 2012 by little_wonni

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Alltag-100-minus70-0.jpg” (Originaltitel: Alltag3.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Updated: 14. April 2012 — 12:37

23 Comments

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  1. Christa Kuczinski

    Hallo little_wonni,

    nicht schlecht. Allerdings wundert es mich, dass der Taxifahrer eine halbe Stunde mit ihr verhandelt. Zeit ist Geld und im Zweifelsfall möchte er doch sicherlich (bei ihrem Aufzug) direkt Geld sehen. Das könnte die Wendung einleiten. Ansonsten fehlt hier das Argument, warum er sich am Ende erweichen lässt.
    Innerhalb einer halben Stunde müssten an diesem Taxistand doch sicherlich vereinzelt Taxis auftauchen? Vielleicht könntest du die Diskussionszeit auf wenige Minuten beschränken?
    Die Idee mit der Nachbarin ist gut, allerdings hätte ich erwartet, dass Frau R. zumindest eine Frage zu ihrem merkwürdigen Aussehen/Aufenthaltsort stellt. Nur wenn sie ähnliche Eskapaden gewöhnt ist, rechtfertigt das ihr Verhalten. Ein solcher Zusatz würde es deutlich machen: …Ich will gar nicht wissen wo du dich herumgetrieben hast…..
    Der letzte Satz ist spitze. 😉

  2. Du hast recht! Habe die entsprechenden Stellen etwas abgeändert und hoffe, dass nun alles schlüssiger erscheint.

  3. Dieser Teil paßt ja eigentlich nur in die Anthologie „Altagsgeschichten“, denn was in diesem Teil passiert ist ja nichts anderes, oder? Was meinst du little_wonni?

  4. Der Link „zurück ist“ verkehrt, denn er macht ein neues Fenster auf! Bitte noch ändern!

  5. Wenn ich das mal sagn darf: ich finde diesen Teil mal wieder viel zu kurz! Doppelte Länge wäre ok! Was meinen die anderen?

  6. Das Cover vom Buch ist zu groß und bei mir nicht mittig. Kannst du das noch ändern?

  7. Du kannst die gerne in Alltagsgeschichten reinnehmen. Das Buch war links, weil ich bisher immer nur beschwerden bekommen habe, wenn die Grafiken mittig waren, weil das dann bei verschiendenen Monitoren nicht richtig angezeigt wird. Zu kurz finde ich diesen Teil nicht. Ich habe es immer lieber, wenn die Artikel etwas kürzer sind, ich mag es persönlich nicht, wenn ich einen ewig langen Artikel vor mir habe, bei dem nicht ersichtlich ist, an welcher Stelle ich einen guten Lesebrake machen kann.

  8. Das kam mir grad: Haben wir vielleicht eine unterschiedliche Definition von Kurzgeschichte? Kurzgeschichte bedeutet für mich, dass der Leser mitten in die Geschichte hineingeworfen wird und am Ende vor einem offen Schluss steht, sodass er das Ganze erst einmal allein weiterspinnen muss. Keinesfalls ist eine Kurzgeschichte für mich eine abgeschlossene Einheit.

  9. Das mag alles sein, aber ich finde auch hier deine Teile sollten jeweils eine eigene Pointe haben und nicht nur den Leser darauf hoffen lasen, dass er im nächsten Teil eine bekommt.

  10. Christa Kuczinski

    Also eine Kurzgeschichte ist für mich, eine Story die durchaus kurz oder länger sein kann. Eine Pointe sollte sie schon haben, damit der Leser am Ende nicht im Regen steht und sich „betrogen“ fühlt. Obwohl ich mich selbst an einigen probiere (meine Leidenschaft gilt allerdings dem Roman)kenne ich mich mit den Möglichkeiten, eine Kurzgeschichte zu einem „guten“ Ende zu bringen nicht wirklich aus. Wenn du dich für ein offenes Ende entschließen solltest, müsste der Leser deutliche Hinweise (Leitfaden) erhalten, um zu erkennen was sich der Autor/rin dabei gedacht hat.
    Eine sehr schöne Kurzgeschichten-Sammlung enthält übrigens das Buch: Kleine Scheißhausgeschichten von Markus Walther. Absolut lesenswert.
    Bisher finde ich deine Story sehr interessant, bin gespannt wie es weitergeht.

  11. Christa Kuczinski

    Detlef, wie meinst du das, dass jeder eingestellte Teil für sich eine Pointe haben muss? Das Umzusetzen stelle ich mir gar nicht so einfach vor.
    Bisher hat Little_wonni am Ende einen Cliffhanger gebracht,also gehe ich davon aus, dass es weitergeht und es am Ende eine Pointe gibt. 😉

  12. Das mit dem Cliffhanger ist schon ok und das mit der Pointe am Schluss von allem. Trotzdem sollte auch jeder Teil eine Minipointe haben, so wie du das in deinem vorherigen Kommentar schreibst!

  13. Pointe ist doch egal, Hauptsache die Geschichte weiß mich zu unterhalten. Außerdem sind wir doch dafür da, unterschiedliche Geschmäcker zu bedienen und experimentieren zu können. ^^

  14. Also ich möchte schon einen gewissen Handlungsrahmen, dem ich folgen kann und nicht nur Bruchstücke. Bis der nächste Teil kommt, habe ich den davor bereits wieder vergessen.

  15. Christa Kuczinski

    Günther, aber eine Geschichte ohne Pointe oder einer Wendung mit der man nicht unbedingt rechnet, läuft ins Leere…

  16. Eine Geschichte ohne Pointe oder Wendung ist dich eine Geschichte mit einer Wendung, mit der man nicht unbedingt rechnet. Zudem mag ich philosophische Ansätze und bin gegen die Gleichschaltung von Kreativität. ^^

  17. Ein Allegorist?

    (Allegorie: Darstellung eines eigentlich gemeinten Komplexes durch uneigentlich Gesagtes, das mit diesem in einer Ähnlichkeits- oder Analogiebeziehung steht)

  18. na da hab ich mal eine schöne Diskussion losgetreten 😉 Vielleicht sollte ich einfach Kurzgeschichte in Fortsetzungsgeschichte umändern, dann wären doch alle Probleme gelöst 😛

  19. Also Etikettenschwindel? 😉

  20. Ich dachte ich bin hier die Korinthe, aber ihr seid ja noch viel schlimmer als ich.

    Am Ende wird schon einen Gag geben, also ganz locker bleiben.

    mgg
    galaxykarl 😉

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