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REINE ENERGIE – Gedanken von Daniel Sand

Gedanken

von

Daniel Sand

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Gierig auf der Suche willkürlich Leben zu vernichten suchte es sich seinen Weg mit unglaublicher Gewalt. Es fraß sich gespeist von hochverdichteter Energie voran und verschlang alles, was sich auf seiner martialischen Reise ihm entgegen stellte.

Beseelt von purer Zerstörungskraft ohne Rücksicht, nicht gehemmt durch Begriffe wie Moral oder Gewissen. Der Grund für seine Erschaffung war ihm gleichgültig, kein Gedanke daran, weshalb so etwas grausames existieren musste und durfte. Es hinterfragte nicht seine Existenz.

Würde man es als Monster bezeichnen? Gleichgültig, welche schrecklichen Namen man sich eines Tages erdenken mochte, es spürte nur seine eigene Energie. Unerschütterliche, reine und unfassbare Mengen nuklearer Energie, welche es blitzartig freilassen wollte. Und auch musste. Müsste man es in Form eines Gefühls beschreiben, würde man sicherlich das Wort Ekstase verwenden. Ein unvergleichlicher Drogenrausch mit dem unstillbarem Zwang zu fressen, zu vernichten!

Es begann in jenem Moment, als man es erweckte, das Raubtier aus seinem Käfig entließ. Ein Licht erschien, ein zweiter Sonnenaufgang, gleich der Geburt eines neuen Sterns. Von diesem Zeitpunkt an, dem Moment seiner Geburt, kannte es wie jedes Neugeborene nur einen einzigen Drang; fressen!

Und das damit verbundene Wachstum. Sich auszubreiten wie ein Mensch, Territorien zu erobern und die vorherrschende Umwelt zu zerstören, um etwas anderes, neues zu erschaffen. Der einzige Unterschied hier lag darin, dass es nicht vor hatte, etwas zu erschaffen, es wollte nur annihilieren.

Entlassen aus dem zu engen Gefängnis, initialisiert durch pure Energie wollte es nur wachsen, expandieren. Tödlicher und schneller als ein Virus strebte es danach, sich immer weiter auszubreiten und dabei eine Schneise der Zerstörung zu hinterlassen. Es würde nicht ruhen, bis seine gesamte Lebenskraft aufgebraucht sein würde, das Erlebnis dieses berauschenden Trips ein jähes Ende finden sollte.

Dabei kümmerte es sich nicht um Beständigkeit. Es gab keine Zukunft. Nicht für sich oder das, was es tilgte. Trotzdem konnte es nicht ablassen, nicht zurückstecken. Dieser Rausch, diese Kraft; es musste zerstören, töten, alles vernichten. Nur diese Motivation trieb es an und es fühlte sich lebendig, wenn es alles um sich herum tötete.

Doch die unfassbare Menge und Kraft der explosionsartig freigesetzten Energie würde irgendwann versiegen und das bedeutete nichts anderes, als seinen Tod. Der Rausch würde dann ein plötzliches Ende nehmen. Es würde sterben, alle Erinnerung verlieren, aufhören zu existieren in demselben Nichts verschwinden, aus dem es gekommen war. In seiner eigenen Welt wäre es dann so, als hätte dieser Trip niemals stattgefunden.

Anders in der Welt, die es gefressen hatte. Niemand konnte das ignorieren, was es vernichtet hatte. Keiner der Menschen, die es erschaffen hatten, gezeugt, vermochte die Augen davon wegzudrehen, was es verursacht hatte. Und auch viele Generationen später würde man sich noch an sein Werk erinnern, den Schrecken, welchen es in den wenigen Augenblicken seines Lebens verursacht hatte.

Vielleicht würde man eines Tages diesen Akt als sinnlos bezeichnen, als Katastrophe und mit Scham an die Nutzlosigkeit der atomaren Explosion denken. Es selbst lebte nur den Augenblick, den Funken der Zeit, den es hatte, die berauschende Episode des Augenblicks, Quell puren Glücks und Lebendigkeit.

Es begriff nicht weshalb man zuließ, dass es das tat, wofür es erschaffen wurde. Es begriff nicht, warum man eines Tages mit Trauer an diesen Tag denken würde und von einer grenzenlosen Schande sprach. Es begriff nicht, warum es diese Erfahrung machen durfte, oder weshalb etwas immer einen Sinn und Zweck erfüllen musste.

Und es wollte auch das ganze drumherum nicht verstehen. Es würde sich sowieso nicht erinnern, für immer verschwinden und nichts hinterlassen, als Tod und Vernichtung. Und gefährlicher Strahlung als tödliches Brandzeichen. Als der Tod sich seiner bemächtigte, die Energie versiegte, fühlte es Frieden. Die unstillbare Gier verebbte und es starb mit der Gewissheit, dass die Hinterbliebenen es niemals vergessen werden würden.

Ich lebe, also zerstöre Ich
-ENDE-
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Copyright © 2016 by Daniel Sand (um auf die Homepage des Autoren zu gelangen, einfach auf das Bild unten klicken!)

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) und Eingangsbild „Abendrot“ © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: „dan vad1“ Copyright © 2016 by Daniel Sand; mit klick auf das Bild zur Seite des Autors!

dan_vad1

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

 

Mit strahlenden Augen

Mit strahlenden Augen (Kartoniert)
Jugend der 80er Jahre und die atomare Endzeitstimmung des Kalten Krieges
von Loecker Erhard Verlag

Verlag:  Loecker Erhard Verlag
Medium:  Buch
Seiten:  200
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erscheint:  Januar 2015
Neuerscheinung/Neuauflage 1.Halbjahr 2016.
ISBN-10:  3854096607
ISBN-13:  9783854096603

Beschreibung
Zehn Autorinnen und Autoren der Jahrgänge 1965 bis 1972 erzählen von einer vom nuklearen Albtraum geplagten Epoche, deren soziale und kulturelle Wirkung in der Erforschung des Kalten Krieges bisher nur unzureichend Beachtung gefunden hat.

Das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs andauernde Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion erreichte in den 80er Jahren immer größere Dimensionen und machte das Schicksal des gesamten Planeten zum unberechenbaren Poker der Nuklearstreitmächte.

Während jedoch mit dem Gleichgewicht des Schreckens die apokalyptische Vorstellung von der militärischen Selbstauslöschung der Menschheit bis zuletzt ein Angstszenario geblieben ist, wurde die tödliche Gefahr mit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 erstmals erlebbar.

Das Reaktorunglück setzte eine radioaktive Wolke über Mitteleuropa frei und damit auch eine neue Dynamik in der Untergangsrhetorik des Ost-West-Konflikts. Kollektive Furcht, ausweglose Ohnmacht und weltweite Friedens- und Anti-Atom-Proteste prägten die Erfahrungen einer Generation, deren Zukunftshoffnungen sich ebenso verdüsterten wie der Erdball in dem von Film- und Medienindustrie profitabel fiktionalisierten nuklearen Winter.

„Mit strahlenden Augen“ sammelt Erinnerungen einer Jugend der 80er Jahre, die sich von der Endzeitstimmung in ihren Träumen und Sehnsüchten nicht beirren lassen durfte. Der Strahlentod war entrückt und unsichtbar, durch die mediale Abbildung von Interkontinentalraketen, Schutzbunkern und dem Super-GAU aber dennoch stets vor Augen.

Autoren
Mit Beiträgen von Sonja Ablinger, Lena Doppel, Hikmet Kayahan, Verena Langegger, Eva Linsinger, Corinna Milborn, Christina Nemec, Michel Reimon, Mirjam Unger und Martin Wassermair.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
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Updated: 10. März 2016 — 03:16

8 Comments

Add a Comment
  1. Den Buchtipp find ich klasse 🙂

  2. Könntest du vielleicht auch mal bei den anderen neuen Storys was im Kommentar zu sagen? 🙂

    Was macht eingentlich deine Milena-Story? 😉

  3. Und das Eingangsbild von Lothar Bauer ist nicht klasse? 🙁

  4. Was sagst du eingentlich zum neu designten sfbasar.de? Günter Lietz hat sich soviel Mühe gegeben!

  5. Das Design finde ich gut gelungen. Mit der Farbwahl finde ich es vielleicht etwas nüchtern, aber es deutlich aufgeräumter, als davor. Muss mich noch etwas zurechtfinden in der Navigation, aber vom ersten Eindruck her scheint man sich besser orientieren und schneller navigieren zu können, von da her schon mal ein *Daumen-hoch*

  6. Bin gerade privat in einer etwas rastlosen und von wenig Freizeit geprägten Phase, kann nur schwer die nötigen Auszeiten finden.
    Ja, die Milena Story. Heute morgen beim Gassi gehen, hatte ich sie wieder vor meinem geistigen Auge und ebenso wie andere Ideen drängt sie sich in meinem Kopf vor, um endlich abschließend zu „Papier“ gebracht zu werden.
    Die Faktoren Zeit und Ruhe haben es bisher nur immer erfolgreich verhindert, was auch der Grund dafür ist, dass ich mich, was den restlichen Lesestoff hier im Blog betreffend, etwas sehr rar gemacht hatte die letzten Monate.

  7. Lotgar Bauers Grafik ist gut und treffend, ich frage mich nur, ob sie mit etwas Rauch darum herum nicht noch etwas dramatsicher gewirkt hätte.
    Ansonsten finde ich sie echt gut gelungen und wie erwähnt, ist sie rehct stimmig zu der Geschichte 😉

  8. *Ups*, Schreibfehler, sorry 🙁
    Ich sag ja, derzeit hab ich nicht wirklich den Kopf frei…

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