sfbasar.de

Literatur-Blog

phantastisch! – Ausgabe 35

Achim Havemann (Herausgeber), Klaus Bollhöfener (Chefredakteur)
phantastisch!
Ausgabe 35

Verlag Achim Havemann; Softcover; 66 Seiten
Ausgabe 3/2009; 9. Jahrgang; ISSN 1616-8437
Cover: David von Bassewitz
www.phantastisch.net

Interviews
Carsten Kuhr: Interview mit Matthew Rilley
Susanne Picard: Interview mit Claudia Kern
Nicole Rensmann: Interview mit Bernd Rümmelein

Bücher, Autoren & mehr
Johannes Rüster: phantastisch! leben: Babyturnen
Christian Hoffmann: Beinahe unsere Welt: Thomas Pynchon
Olaf Kemmler: Wie viel Science verträgt die Fiction? – Teil 3
Petra Hartmann: 10 Jahre Storyolympiade
Nicole Rensmann: Corpus Delicti in Utopia – Juli Zeh im Porträt
Christian Endres: J. G. Ballard – Ein Nachruf
Jochen Adam: Die Osten-Ard-Saga
Achim Schnurrer: Klassiker der phantastischen Literatur: Jean Paul -Teil 1

Comic & Film
Carsten Polzin: Meilensteine des phantastischen Films: »Die Delegation«

Storys
Frank G. Gerigk: »Die Geschichte vom Ogel «
Heidrun Jänchen: »Im dreizehnten Stock «

Mit Ausgabe 35 des Magazins „phantastisch!“ aus dem Verlag Achim Havemann, präsentiert sich eine bunte Sammlung mit Neuigkeiten aus anderen Welten. So weist Horst Illmer in seiner Rubrik Update auf den bedauerlichen Tod von John Updike und James Graham Ballard hin, nebst Hinweisen zu den Werken der Verstorbenen. Dazu eine Auflistung der wichtigsten Neuerscheinungen des Quartals und Illmer stellt in einem Beitrag gar die Frage „Wer ist eigentlich Juli Zeh?“ Dazu gibt es auch den passenden Artikel von Nicole Rensmann mit aufschlussreichen Informationen und Interview-Auszügen. Juli Zehs Buch „Corpus Delicti – Ein Prozess“ wird sofort im Anschluss daran von Nicole Rensmann und Horst Ilmer besprochen und zeigt auf, wie unterschiedlich der Roman betrachtet werden kann.

Neben dem Portrait von Frau Zeh gibt es noch zwei weitere Autoren, denen sich zugewandt wird. So führte Carsten Kuhr ein Interview mit Matthew Rilley, während Susanne Picard Claudia Kern ausquetscht und Nicole Rensmann Bernd Rümmelein um Antworten bittet. Vor allem die Interviews mit Actionautor Rilley und der humorvollen Claudia Kern sind unterhaltsam und aufschlussreich. Bern Rümmelein wirkt dagegen ein wenig arrogant oder übertrieben selbstbewusst. Sein Seitenhieb auf Reihen wie „Das Schwarze Auge“ oder „Warhammer“ wirken sogar fehl am Platze, da Rümmelein zwar darauf hinweist (angeblich) keine Ahnung von Rollenspielen zu haben, dann aber doch seine Meinung zum Besten gibt.

Bei den Kurzgeschichten in der vorliegenden Ausgabe des Magazins handelt es sich um die Fantasyerzählung „Die Geschichte vom Ogel“ und die phantastische Story „Im dreizehnten Stock“. Frank G. Gericks Ogel ist sehr humorvoll inszeniert und weist in seinem Witz etliche Pointen auf, über die der Leser erst einmal nachdenken muss. Heidrun Jänchens Hochhausgeschichte ist dagegen viel direkter und lässt am Ende die Frage offen, was überhaupt geschehen ist. Traum oder Realität? Beide Geschichten sind gelungen, dabei ist „Die Geschichte vom Ogel“ allerdings sehr originell, während „Im dreizehnten Stock“ ein bekanntes Thema aufgreift.

In der Rubrik „Comic & Film“ wendet sich Carsten Polzin einem Meilenstein des phantastischen Films zu: „Die Delegation“. Polzin hat mit diesem Film ein ziemlich unbekanntes, aber dennoch glitzerndes Schmuckstück ausgegraben, das er hier informativ unter die Lupe nimmt.

Der Artikel „Wieviel Science verträgt die Fiction“ von Olaf Kemmler – mit dem abschließenden dritten Teil – sticht ebenfalls hervor und dürfte für kontroverse Gespräche sorgen, wie allgemeingültig seine Thesen denn tatsächlich sind. Kemmler ist sich sehr wohl bewusst, dass es Andersdenkende gibt, bezeichnet deren Verhalten als Ignorant und unterstellt ihnen mangelnde Bildung. Ob diese Ansichten wirklich Bestand haben, mag jeder selbst beurteilen. Tatsache ist jedoch, dass die Artikelreihe zum Nachdenken einlädt und das ist ja, was Olaf Kemmler unter anderem erreichen will: Nachdenken über Gedankenexperimente.

Ein weiteres Glanzlicht der 35. Ausgabe von „phantastisch!“ ist der erste Teil der Reihe „Klassiker der phantastischen Literatur“. Achim Schnurrer fertigt ein Portrait von Jean Paul an. Dabei gibt es keine Zusammenfassung des Lebenswerks, sonder pickt sich Schnurrer ein Werk heraus (in diesem Falle „Wunderbare Gesellschaft“) und nähert sich der Person subjektiv an. Mit einer guten Schreibe und klaren Formulierung, bringt er dem Leser Jean Paul ein gutes Stück näher. Die gewählte Betrachtungsweise sorgt auch dafür, dass man sich mit dem Autoren verbundener fühlt und das Thema mehr versteht, als es ein Blick aus großer Höhe auf das Gesamtwerk überhaupt ermöglichen würde.

„phantastisch! – Nummer 35“ ist eine sehr gelungene Ausgabe, die eine bunte Mischung aus dem Gebiet der phantastischen Literatur und Unterhaltung anbietet. Das Cover von David von Bassewitz ist dabei ein wahrer Blickfang und sehr gelungen. Vor allem die im Bild eingefangene Dynamik des weiblichen Motivs ist ein Augenschmaus.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

Updated: 21. Oktober 2009 — 21:58

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme