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OFF – Geschichte aus dem Cyberspace von Frank Hebben

OFF

Geschichte aus dem Cyberspace

von

Frank Hebben

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In ihrem Kopf ein Raum – schwarz und weit. Stromausfall in der Stadt. Magdalena hatte die Kabel nicht aus den Buchsen gezogen, auch wenn der Kosmos und alles Licht und alle Daten in ihren Nerven nur noch Echos von Echos warfen. Ein Flimmern in der Dunkelheit. Sie war allein, nach über zwanzig Jahren, in denen sie Tag und Nacht die Kabel bis zum Bett gezogen hatte, sobald sie schlafen musste. Und zur Tür und zum Klo, zu den Fenstern, zum Balkon.

Online, immer.

Als Magdalena langsam die Augen öffnete und von der Tastatur aufsah, wurde ihr erst bewusst, was sie soeben getan hatte: der Stadt das Lebenselixier geraubt, den Strom aus sechs Fusionskraftwerken. Aber es war ruhig, weder Stimmen noch Sirenen. Nichts.

Regen klickerte gegen die Scheiben wie Zähne, dann übermannte sie völlig der Daten-Flashback und surreale Bilder schossen von Wand zu Wand, im Schatten sich windend, rauchig fließend: Maul des Haifischs, Fleisch und Knochen und eine azurblaue Rose, die welkte und verblasste. Magdalena würgte trocken, als der Schwindel stärker wurde und – verschwand. Sie atmete tief durch.

»Das war’s«, sagte sie und stand auf, um die Jalousien einen Spalt breit anzuheben. Unten die Straße mit grauen Pfützen, in denen eben noch Neonreklame verschwamm. Drei Schemen vor einer Laterne; kein Auto weit und breit.

Magdalena wickelte das Kabel am Armgelenk auf und zog es weiter zu einem Tisch, von dem sie eine Schachtel Pinkstar aufnahm. Das Feuerzeug flammte hell auf, und Stuhl und Kleiderständer warfen Schlagschatten gegen die Tapete; ein Muster aus anderen Zeiten: vergilbte Ähren auf rotem Grund.

Magdalena lächelte, und das Licht der Zigarette grub sich in ihre Falten. »Das war’s«, wiederholte sie leise. »Der letzte Job ist gelaufen.«

Sie überlegte, ob sie etwas schlafen sollte, doch stattdessen ging sie zurück zum Arbeitsplatz und setzte sich in den Sessel.

Vor ihr die Wand aus Rechnern, Konsolen, Kabeln und Servern, deren Lüfter und Ventilatoren schwiegen. Nur Blöcke aus Schatten; keine Kontrolllampe brannte.

Du solltest die Feuerbarone wegen des Kontos anmailen, dachte sie, bevor sie begriff, dass alle Leitungen tot waren. Lahmgelegt, nichts geht mehr.

Magdalena horchte nach dem 5Sense, den ihre Nachbarin abends auf volle Lautstärke stellte; Ruhe von allen Seiten, nur der Regen klickerte gegen das Glas.

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Skin steuerte den alten Van durch die Dunkelheit, die Hauptstraße entlang bis zum Innenbezirk. Im Regen konnte sie kaum etwas sehen, nur die Schemen von anderen Fahrzeugen, Häuser und Geschäfte am Rand; manche ihrer Neonschilder fluoreszierten nach – ein schales, gelbliches Glimmen wie von Nachtinsekten.

»Wir hängen dem Zeitplan hinterher«, sagte sie, ein Motorrad umfahrend, das neben einem Tacostand gehalten hatte. »Hab doch gesagt, dass der Köter nur Scherereien macht!«

»Cool bleiben, Darling!«, rief Mephisto vom Rücksitz aus. »Ist alles einkalkuliert.«

Seine Stimme hatte den haarlosen Akita Inu hochgeschreckt, der neben ihm hockte; Tattoos bedeckten Schnauze und Rippen, japanische Schriftzeichen: Geist in den Schatten.

Mephisto drosch gegen den Maulkorb. »Leg dich hin! Platz!«

Winselnd gehorchte der bullige Hund und rollte sich ein.

»Glaub zwar nicht, dass der Köter das viele Geld wert ist …«, begann Skin, als sie an einer Kreuzung rechts abbog; schwarze Ampeln.

»Soll ich’s noch mal erklären?«, fragte Mephisto kalt. Er richtete sich auf. »Die Drohnen im Erdgeschoss erfassen fremde Geräte, kein Infrarot, keine Taschenlampe, wir können nichts benutzen. Nada, Girl. Niente!«

»Ja, schon kapiert, ich dachte nur … Ach, ist ja auch scheißegal.

« Skin warf einen Blick in den Rückspiegel; alles, was sie von Mephisto erkennen konnte, waren die massigen Schultern, der Nacken und sein Kopf; hinterm Ohr stand ein Geflecht aus Drähten ab. »Und die Implantate?«

»Müssen raus.« Mephisto beugte sich vor; Nägel stachen aus seiner Lederjacke, weiße Schminke im Gesicht. Sein linkes Auge war entzündet. »Halt da vorne an.«

Skin lenkte das Fahrzeug in eine Parkbucht und schaltete den Motor aus. »Welcher Bonzenknast ist es?«

»Der da«, sagte Mephisto. Er zeigte auf eine mintgrüne Villa ohne Fenster, oberhalb der Straße. Selbst die Bäume waren eingezäunt.

»Hübsch«, antwortete Skin; sie stieß die Wagentür auf. »Ein trautes Heim für paranoide reiche Arschlöcher.«

»Klar doch!« Mephistos Lippen kräuselten sich. »Steig aus, Darling, und hilf mir beim Hund.«

Magdalena erinnerte sich – jetzt, wo sie in die Dunkelheit starrte, rauchend; und ihr der glimmende Tabak die Finger rot färbte. Achtunddreißig Jahre lebte sie in diesem Zimmer, eingezogen mit ihrem ersten Mann, den alle nur Zeus nannten: »Weil ich der verflucht beste Rekreator nach Gott bin!« So hatte Chris vor ihr rumgeprahlt, und sie war drauf eingestiegen, da sie in der Szene neu war und dringend Kontakte brauchte. Streit und Versöhnung und Streit, dann wurde sie schwanger und er verschwand und kam nicht zurück. »C‘est la vie, Schätzchen, das ist nichts für mich!«

Sein Equipment behielt sie, sein Kind nicht; dann folgten Einsamkeit und Drogen, Phobien und eine neue Identität: Hekate.

weissstreifen

Nachdenklich drehte Magdalena den Stummel auf der Tischplatte aus. Die Stille hatte etwas Vertrautes; und neue Erinnerungen kamen, um die Leere in ihrem Kopf zu füllen, während sie unbewusst eine Programmsequenz in die Tastatur eintippte: Blechkonserven und Hardware, der Keller im Haus ihrer Eltern, ausgebrannt bis auf den nackten Beton. Vor Jahren schon.

»Du wirst alt«, sagte sie in die Stille, »du denkst zu viel nach.«

Sie hob ein Glas mit kaltem Kaffee und trank einen Schluck – wartete, mit geöffneten Augen.

»Mephisto?«

»Was?«

»Und echt, der Kerl ist nicht zu Hause?«, fragte Skin und verfolgte, wie er die Eingangstreppe hochstieg, den Goldknauf packte und mühelos die Tür aufmachte; alle Sicherungen waren deaktiviert.

»Holt sich Hautkrebs auf Hawaii«, murmelte er. »Hab ich aus sicherer Quelle.« Vorsichtig spähte Mephisto ins Haus, sah eine Halle, dunkel – marmorierte Wände, an denen Monitore hingen. Eine Kommode aus Tropenholz, ein Teppich, ein Kronleuchter an der Decke. »Los, bring den Hund rein.«

Skin folgte seinem Befehl und zerrte den Akita Inu die Stufen empor. »Noch kann ich was sehen.«

»Das wird sich ändern, wenn ich die Tür schließe.«

»Lass sie offen …«

Mephisto riss ihr die Hundeleine aus der Hand. »Tolle Idee, Darling. Damit uns auch jeder von draußen sehen kann!«

»Ist ja gut … Sei nicht so laut«, flüsterte Skin. »Wo ist der Tresor?«

»Im Keller.« Mit der Rechten hielt er die Leine, mit der Linken schlug Mephisto die Haustür zu. Totale Finsternis; er hörte den Hund keuchen. »Ich lass den Köter jetzt dran riechen.«

»Okay«, sagte Skin, nach seinem Arm tastend. »Mal sehen, ob’s klappt.«

»Das werden wir gleich wissen.«

»Bluten die Implantatkanäle noch? Hätt nicht so dran reißen sollen.«

»Nicht stark, kümmere ich mich später drum.«

Plastikfolie raschelte, dann schnaufte und schnüffelte der Hund; die Leine spannte sich, und Mephisto ließ sich in die Dunkelheit ziehen. Skin, bei ihm eingehakt, verließ als Letzte die Halle. Ein klebrig süßer Rosengeruch stieg ihr in die Nase, als sie nach links abbogen. »Hier finden wir nie wieder –«

Plötzlich Geräusche von Hydraulik und Rädern; sie hatten die Patrouillenroute der Drohnen gekreuzt.

»Können die uns hören?«, fragte Skin gepresst.

»Nein, dafür sind andere Systeme zuständig, die der Stromausfall gefressen hat. Bleib einfach stehen und rühr dich nicht.«

Die schleifenden Geräusche wurden deutlicher – drei Dioden blinkten auf, dann nahm die Lautstärke wieder ab.

Stille.

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»Weiter«, befahl Mephisto und trat nach dem Hund. Dieser setzte sich jaulend in Bewegung, nach rechts und eine Treppe runter. Sie erreichten einen Raum, in dem es muffig nach Papier roch. »An der Stirnseite ist der Tresorraum, die Tür müsste offen stehen.«

»Ich schau nach«, sagte Skin, sich von ihm lösend. Sie ging ein paar Schritte, bis ihre ausgestreckte Hand eine Wand, danach Metall berührte. Aufgeregt befühlte sie die Platte. »Sie steht offen, wir können rein.«

»Ein perfekter Plan«, bemerkte Mephisto, »hat auch ’ne Stange Geld gekostet, selbst als Trittbrettfahrer. Hoffentlich ist er auch da drin.«

»Was ziehen die Feuerbarone gerade ab?«

»Acht Banküberfälle gleichzeitig, zu groß für unsere Gang.«

»Die haben ja auch hundertfünfzig Mitglieder mehr.« Skins Stimme drang dumpf aus dem Tresor: »Mensch, da liegt er, ich kann die geschliffenen Glaskanten fühlen.«

Mephisto lachte auf. »Wunderbar! Steck den Holowürfel in den Beutel, den ich dir gegeben habe, dann nichts wie raus hier, Darling. Hey, was zum –!«

Gold, Licht. Schall. Wie eine Injektion spritzte der Kosmos durch ihr Gehirn, ein Strudel aus Tönen und wässrigen Farben – Meeresrauschen von allen Seiten, quadrophonisch und dumpf.

Magdalena schrie, dann setzte ihr Frontallappen aus und sie konnte nichts weiter tun, als gelähmt im Sessel zu kauern, während der Kosmos sich in ihr aufbaute. Kalter Schweiß perlte in ihren Nacken.

Ich hab nicht ausgesteckt, nicht ausgesteckt! Die Erkenntnis setzte mehr Adrenalin frei; Herzrasen und Schwindel. Das Backup baut mich direkt auf der Insel der Stadtwerke auf! Großer Gott, das Tarnnetz

Aus dem Augenwinkel sah Magdalena, dass drei der Rechner erst hochfuhren.

… noch offline. Verflucht, wann hört dieser Krampf endlich auf?

Schon wurden die Konturen klarer, und der Kosmos flackerte gleichmäßig, ein Horizont aus Stacheldraht, goldener Himmel und ein Meer aus Datensplittern, darin Fische – Magdalenas interaktive Oberfläche, neu gestaltet, jedes Jahr. Die Sonne gerann zu einem Schädel.

SCHNITTKOPF

Ihr Avatar stand am Strand und starrte auf den Kadaver eines Haifischs, der blutend im Sand lag. Andere Haie umkreisten das Boot; sein Kiel schabte über die Knochen des Meergrundes.

Jetzt drehte sich der Avatar, schaute zurück, und Magdalena konnte die bronzene Pyramide erkennen, an deren Spitze das Zeichen der Stadtwerke prangte. Raubvögel kreisten darüber, Abwehrdronen des Konzerns – wie die Haie im Meer.

Draußen bekam Magdalena die Lähmung unter Kontrolle.

Mit lang geübten Handgriffen stöpselte sie Kabel um und belebte zwei Konsolen, die neben den Rechnern für das Tarnnetz standen. Buntes Licht legte sich auf ihre Hände, als die Neonreklame ansprang; das fünfte Fusionskraftwerk war wieder ans Stromnetz gegangen. Mann, wie zur Hölle konnten die meine Störwanzen so schnell finden und; keine Ahnung, was –

Im Kosmos war ihr Messenger erschienen. Er glich einem verrosteten Fernseher mit Antenne, der frei in der Luft schwebte.

Sie öffnete ihn.

<#Feuerbaron23>: Sag mal, spinnst du? Deine Signatur leuchtet im öffentlichen Netz! Da: X27453,Y3678-Hekate, Stadtwerke, Schaltzentrale

<#Hekate>: Ich weiß, hab nicht ausgesteckt.

<#Feuerbaron23>: Wundervoll, ganz große Klasse!

<#Hekate>: Ich stecke nie aus, Feuerbaron23, also entspann dich. Lass mich hier in Ruhe arbeiten. Was macht der Bruch?

<#Feuerbaron23>: Sind dabei, kriegen das Schließfach nicht zu.

<#Hekate>: Wann überweist ihr das Geld?

<#Feuerbaron23>: Wenn alles gelaufen ist, heute Nacht!

<#Hekate>: Okay.

<#Feuerbaron23>: Bin weg! Deine Signatur grad auch.

ROTEBALKEN

Magdalena richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Raubvögel über der Pyramide. Noch patrouillierten sie in gleichmäßigen Kreisen, ein Indiz dafür, dass die Scanner des Konzerns nicht liefen. Das Tarnnetz umhüllte ihren Avatar wie Stoff; sie konnte durch die Maschen spähen. Auch das Boot war jetzt nur ein Schatten, eine vage Illusion, Datenmüll aus dem letzten Jahrhundert, der nicht durchgecheckt wurde.

Vorsichtig stieg Magdalena hinein, nahm ein Stahlpaddel, stieß das Boot vom Strand ab; und es glitt rückwärts aufs Meer hinaus – vorbei an den Haifischen.

Jetzt war der Tresorraum hell erleuchtet, drei Strahler beschienen das Podest, auf dem der Glaswürfel lag. Über ihm rotierte das Hologramm – ein Delfin, gezeichnet aus eisblauem Licht. Mephisto kam hereingerannt und wischte die Erscheinung fort, als er den Kristall hastig in seine Tasche stopfte.

»Los, wir hauen ab!«

»Was ist mit den Gemälden?«, rief Skin, während sie ebenfalls den Tresor verließ und hinter ihm und dem Hund die Galerie entlanglief. Zu ihren Seiten rauschten Kunstwerke vorüber, Bilder und Skulpturen von Voght und Elvira Miró, 2189 bis 2218.

»Vergiss die Dinger, wären wir sowieso nicht quitt geworden!«

Am Treppenabsatz bog Mephisto um die Ecke, rannte den Gang hinunter. Zwei Drohnen kamen ihm entgegen; er kickte sie mit dem Fuß beiseite, und der Alarm schrillte los. »Weg, nur weg!

In drei Minuten ist die Schutzwehr hier!«

Durch die Halle und raus in den Vorgarten – Skin war auf gleicher Höhe wie Mephisto, der Hund keuchte vor ihnen, zerrte würgend an der Leine, als Mephisto ihn nach hinten zog, um das Tor aufzuschlagen. Sie folgten dem Zaun zu ihrem Auto, sprangen rein; Skin drückte den Zündknopf und gab Gas. Mit quietschenden Reifen preschte der Van davon, buntes Licht auf dem Lack.

»Wir haben’s geschafft!«, brüllte Mephisto und riss an Skins Schulter. »Mann, Darling, das war knapp!«

Noch ein Stück, dann kann ich unbemerkt ins öffentliche Gewässer wechseln, dachte Magdalena, wobei sie die Haie im Blickfeld behielt. Weiter, nur weiter

Nicht weit genug.

Die Abwehrdrohnen griffen an, als Magdalena die Insel des peripheren Callcenters passierte: Hundert Telefonzellen unter Palmen, so surreal wie alles andere. Zielstrebig schossen die Haie heran, teilten die Datensplitter, die glitzernd über ihre Rücken abflossen. Dann sprangen sie, mit schnappenden Zähnen; Magdalena reagierte sofort und fror den Datenstrom des Kosmos für mehrere Sekunden ein: Die Haie hingen an und über ihrem Boot, reglos schwebend; und Magdalena hatte genug Zeit, draußen nach einem Memostick zu greifen und ihn an eine Konsole anzuschrauben: Ein Gewehr in den Händen des Avatars, als die Haie näher sprangen. Der erste Schuss zerfetzte ein Maul, der zweite traf schillernde Flossen, die blutig davon sprühten. Magdalena wollte gerade neu zielen – plötzlich Stromausfall. Der ganze Kosmos floss abwärts, runter, runter; alles wurde mitgerissen und löste sich auf, Schädel und Stacheldraht und die Haifetzen.

Wieder draußen.

Brüllend vor Schmerz versuchte Magdalena, sich die Kabel vom Kopf zu reißen, aber die Buchsen waren mit den Steckern verwachsen. Sie riss und riss, und erst beim vierten Mal gab das Gewebe nach und die Stecker kamen raus. Erschöpft kauerte sie im Sessel, und vor ihren Augen tanzten die surrealen Bilder, lösten sich nach und nach auf. Schatten und Stille und Off – Sirenen in der Ferne.

»Ein neues Leben«, sagte sie leise. »So oder so.«

Copyright © 2008 by Frank Hebben

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (Evolution2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de

Bildrechte: “Virtuelle Welten” (http://sfbasar.filmbesprechungen.de/wp-content/uploads/virtuelle-welten-cover.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: (4 Bilder im Text) © 2016 by Courtage. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

 

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Der Algorithmus des Meeres (Gebunden)
von Hebben, Frank

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Verlag:  Begedia
Medium:  Buch
Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  2015
Gewicht:  217 g
ISBN-10:  3957770491
ISBN-13:  9783957770493

Beschreibung
Und, was steht drin?, fragt Maro schließlich.
Eine der zwei Geschichten, erklärt die alte Lina: Ein Mann geht auf Reisen oder ein Fremder kommt in die Stadt.
Ihr Stövchen, ein Teelicht; die Kanne dampft. Draußen rauscht die Flut über den Sand.
Jetzt sag schon …
Junge trifft Mädchen? Licht gegen Schatten? Sie zwinkert, während sie eine Tasse aus dem Regal nimmt.
Ach, du bist doof.
Nein. Du hörst mir nicht zu!

Autor
Frank Hebben, 1975 in Neuss geboren. Neuromancer, Werbetexter, Magister der Germanistik/Philosophie. Hat jahrelang in Düsseldorf zwischen Kunst und Chaos gehaust, lebt nun friedlich und frei in Bielefeld.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

Kleiner Teaser:
VIOLETT IST das Meer, morgens; und abends, wenn die Dunkelheit fällt; mittags am Fenster so grell, dass der Schaum zerplatzt – weit unten kratzt es am Beton, wühlt zwischen Abfall und Tang, rollt gurgelnd ein Ölfass, das angeschwemmt wurde und stinkt. Dumpf, weil die Luft an der Haut klebt, hört er den Wellen zu, wie sie knistern und zischen, schlaflos, verloren, bis er die Augen öffnet: das Zimmer, sein Bett. Maro streift das Laken von seinen Füßen, zu heiß, und liegt nackt, lange Zeit. Mit zwei Fingern wischt er einen Tropfen von der Wand, schmeckt ihn: salzig; der ganze Bau schwitzt, die Tapeten sind blasig, gewellt; rechts die Regale mit Pflanzen, ein Windspiel aus Gabeln, das ihm Kassandra geschenkt hat, blinkt, und das Bad, mit einer Wasserpumpe; keine parfümierte Seife, keine bestickten Handtücher – wie es im Hotel üblich war, früher; meint die alte Lina.

Eine flache Hand auf dem Bauch, den er reibt, an Härchen zupft und sich selbst anfassen will, als ein Vogel keift, sodass er den Arm zurückzieht, still wartet, dann hustend aufsteht, nur um wieder am Tisch zu sitzen, Kopf unten, sein Nacken glänzt. So starrt Maro die Skizzen an: Flügel auf Papier. Er greift nach dem Bleistift, zeichnet eine Feder nach, seufzt. Diese Hitze. In einer Brise weht schlechter Atem herein; das Besteck klimpert. Die Sonne steigt auf. Maro wartet, mit brennenden Augen, während er zum Horizont schaut, die Tränen wegblinzelt. Wie das Meer heute blendet – ein Spiegel, und kaum Schaum; erst bei der Treppe werden die Wogen kraus, bevor sie über Miesmuscheln lecken, am Plastik ziehen: Trinkflaschen und strähnige Tüten, zu Fetzen zerschnitten. Ich weiß nicht, sagt Maro. Etwas ist anders.

Ihr Glöckchen am Halsband, es funkelt und schellt, als seine Katze aufs Fenstersims springt: Loreley – sie legt die Pfote ans Glas, maunzt; und er öffnet spaltbreit, damit sie auf den Tisch klettern kann, wo sie moosige Tatzen auf dem Papier hinterlässt. Maro beugt sich vor, steckt seine Nase ins Fell, das nach Sand und Tabak riecht: Die Katze ist bei ihr gewesen; und zur Begrüßung leckt sie ihm das Salz von den Fingern, streift vorbei, plumpst in sein Bett, wie jeden Tag, und rollt sich ein und döst – ein Umriss an der Wand, die Ohren sind zwei Zacken.

Frank Hebben, 1975 in Neuss geboren. Neuromancer, Werbetexter, Magister der Germanistik/Philosophie. Hatte jahrelang in Düsseldorf zwischen Kunst und Chaos gehaust, lebt nun friedlich und frei in Bielefeld. Erste Veröffentlichung einer Science-Fiction-Geschichte 1998 im Magazin „Neuss Literarisch“. Danach stille Jahre des Stilfeilens. Von 2004 bis 2009 als Moderator für SF bei kg.de tätig.

Von 2008 bis 2012 Mitherausgeber bei NOVA, verantwortlich für Website und Grafik-Redaktion. 2013 hat er „Fieberglasträume. Kybernetische Kurzgeschichten“ mit André Skora herausgegeben.

Diverse Veröffentlichungen in der C’T, in NOVA, EXODUS, Space View, phantastisch!, ALIEN CONTACT und weiteren Anthologien, vorrangig im WURDACK-Verlag.

Nominierungen:

▪2009 Doppel-Nominierung für den DSFP für die Geschichten „Imperium Germanicum“ und „Côte Noir“

▪2009 erste Nominierung für den „Kurt-Laßwitz-Preis“, ebenso für den „Deutschen-Phantastik-Preis“, Story: „Côte Noir“

▪2007 „Das Fest des Hammers ist der Schlag“ für den „DSFP“

▪2006 „Memories“ für den „Deutschen Science Fiction Preis“

▪Zweifacher Gewinner des CAPco.de, 2005 und 2006.

Erste Story-Sammlung „Prothesengötter“ im April 2008 bei Wurdack erschienen. Der Folgeband „Maschinenkinder“ 2012 bei Shayol. Seit März 2013 ist „Das Lied der Grammophonbäume“ bei Begedia erhältlich. 2014 erschien dort auch sein Gedichtsband „Oubliette“; im September 2015 seine erste, längere Erzählung: „Der Algorithmus des Meeres“.

Die Website zum ersten Buch: prothesengoetter.de

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