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MORGENGRAUEN III – eine Kurzgeschichte von little_wonni

Morgengrauen III


eine


Kurzgeschichte


von


little_wonni

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Er ließ seinen Mantel fallen und fing sie auf, kurz bevor sie mit dem Kopf auf das Straßenpflaster krachte. Die beiden Taschen landeten mit einem dumpfen Geräusche im Straßendreck und beinahe hätte er sie mit dem Riemen ihre Handtasche, die sie um sich geschlungen hatte, stranguliert. Ihre Knochen zeichneten sich unter ihrem dünnen Pullover ab und er musste feststellen, dass sie leicht war wie eine Feder. Schnell prüfte er ihren Puls. Schwach aber gleichmäßig. Erleichtert atmete er auf. Er legte sie auf den Tragetaschen ab und schloss erst einmal die Tür des Hellhounds auf. Die Tür quietschte in den Angeln, als sie vom leichten Wind aufgedrückt wurde. Schon seit Monaten hätte er sie einmal ölen wollen, war aber nie dazu gekommen. Er hob ein paar Stühle von einem nahe gelegenen Tisch, sodass er die Elfe darauf ablegen konnte. Schließlich war es eine schlechte Idee, eine bewusstlose Frau vor seiner Ladentüre liegen zu lassen.

Sie gab ein leises Wimmern von sich, als er sie auf dem rustikalen Holztisch ablegte, erwachte jedoch nicht. Während Brandon die Taschen hereinholte, überlegte er fieberhaft, was er denn nun mit ihr machen sollte. Hier konnte sie auf keinen Fall bleiben. Dieser Ort war einfach zu hart für eine so zierliche Elfe. Die Anderen würden sie womöglich für ein neues Spielzeug halten. So stand er nun in seinem Laden, verdreckt, verrußt und vollkommen planlos. Seufzend verschloss er die Tür. Brandon überlegte kurz, Paul anzurufen, verwarf aber die Idee wieder, weil die Sonne schon am Himmel stand und er eine warme Dusche brauchte. Er betrachtete die erschöpfte, dürre Elfe und beschloss, ihr für die nächsten Nächte Obdach zu gewähren. Anschließend schnappte er sich mit einer Hand die beiden Taschen der Elfe, schwang sich hinter den Tresen und schloss den Durchgang zum Treppenhaus seiner Wohnung auf. Er schleppte die Taschen nach oben und bugsierte sie durch seine schmale Wohnungstür. Fluchend wich er zunächst einem Haufen Bierflaschen, die im Flur lagen aus, nur um gleich darauf, von einem Müllsack und einer schmutzigen Jeans, die sich um seine Knöchel wickelte, zu Fall gebracht zu werden. Stöhnend rappelte er sich wieder auf und schleuderte die Jeans wutentbrannt in eine andere Ecke des Flurs. Dann nahm er die Taschen und drückte zaghaft die Klinke der Tür hinunter, von der er gedacht hatte, sie niemals mehr in seinem Leben öffnen zu müssen.

Schmerz durchflutete ihn, als er in das Zimmer blickte, das er seit jenem verhängnisvollen Tag nicht mehr betreten hatte. Alles sah so aus, wie in seiner Erinnerung, nur von einer dicken Staubschicht überzogen. Er stellte die Taschen auf dem Schreibtisch ab, der gleich rechts neben der Tür stand. Dann ging er in den Raum hinein und öffnete erst einmal ein Fenster. Staub wirbelte auf und hüllte ihn ein wie ein Schneesturm an einem kalten Wintertag. Er fröstelte und ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. Sein Blick fiel auf die ehemals schwarze Ledercouch, über die ein verstaubter cremefarbener Überwurf gezogen war. Hier hatte sie immer gesessen, wenn sie sich nicht auf ein Fernsehprogramm hatten einigen können. Der zweite Fernseher, war echt ihre Rettung gewesen. Er rieb sich die Augen und öffnete eine weitere Tür, die in die zweite Hälfte des Raums führte. Die Trennwand hatte er kurz vorher in das Zimmer eingezogen. Die Staffelei am Fenster mit dem halbfertigen Bild darauf brachte ihn fast dazu, den Raum wieder zu verlassen. Niemals würde dieses Bild seine Vollendung finden. Er ging daran vorbei und öffnete das Fenster, das den Blick zum Park freigab. Erneut wirbelte Staub auf und er musste ganz fürchterlich Husten. Dass ihm nun die Tränen über die Wangen liefen, schob er auf den vielen Staub, der nun in der Luft lag und seine Augen reizte. Er drehte sich herum, und raffte das Bettzeug vom Bett, das sie einmal für Gäste hineingestellt hatten. Die Elfe war der erste Gast, der in den Genuss dieses Bettes kommen sollte.

Im Nebenraum zog er die Bettwäsche ab und schüttelte Kissen und Decken am geöffneten Fenster aus. Dann ging er in sein Schlafzimmer und zog frische Bettwäsche aus dem Schrank. Diese roch zwar nicht mehr allzu frisch, war dafür aber nicht vollkommen verstaubt. Beides unter den Arm geklemmt ging er wieder ins Atelier und bezog das Bett, das erste Mal seit zehn Jahren, mit frischer Bettwäsche. Nun musste er nur noch die Elfe von unten holen.

Es war nicht schwer, die Elfe nach oben zu tragen. Sie rührte sich nicht und gab auch keinen Ton von sich. Der einzige Hinweis darauf, dass sie noch lebendig war, war ihr Geruch nach Blumenwiese und ihr flacher Atem. Er machte sich schon Hoffnungen darauf, sie schlafend ins Bett zu bekommen, als er sie unsanft mit dem Kopf an den Türrahmen stieß. Flackernd öffneten sich ihre Augenlider und ein Stöhnen drang aus ihrem Mund. Ihre smaragdgrünen Augen und zartrosa-farbenen Lippen waren ihm bisher gar nicht aufgefallen.

Sie drehte ihren Kopf zur Seite, öffnete ihren Mund und kotze ihm einen Schwall Undefinierbares auf sein eh schon recht mitgenommenes Shirt. Sie nicht fallen zu lassen kostete ihn einiges an Beherrschung, als ihm der Geruch von Galle und halb verdautem Haferschleim in die Nase stieg. Doch dann setzte Panik ein, als er auf die wimmernde Elfe blickte, die etwas vor sich hinmurmelt was nach “mein Kopf, warum immer nur mein Kopf” klang und die Augen wieder schloss. ‘War Erbrechen, nicht das erste Zeichen einer ernsthaften Gehirnerschütterung? Was musste man da tun? Kühlen!’, schoss es ihm durch den Kopf.

Er bahnte sich in halsbrecherischem Tempo, nun vollkommen verklebt, den Weg durch den Flur, stolperte dabei abermals über die Jeans, die sich ihm mit einem lauten Ratsch fügte und ihm den Weg freigab. Der Weg durch das Atelier fiel ihm dank seiner kopflosen Rennerei gar nicht mal mehr schwer. Wenigstens stand die Tür des zweiten Badezimmers offen. Er legte die Elfe in der mit einer dicken Staubschicht bedeckten Duschwanne ab und lehnte ihren Oberkörper an die Wand der Kabine. Dann drehte er den Hahn auf, und ließ erst einmal einen Schwall kaltes Wasser über die Elfe laufen. Schnell schnappte er sich ein verstaubtes Handtuch vom Halter, weichte es ein, und wickelte es ihr um den Kopf. Nun würde ihre Beule hoffentlich aufhören weiter anzuschwellen. Er wischte gerade, mittlerweile auch vollkommen durchnässt, die letzten Reste von Erbrochenen von der Elfe, als ihr Wimmern erstarb.

Erschrocken blickte er auf und durfte mit einem Anflug von Erleichterung feststellen, dass die Kleine endlich wieder die Augen geöffnet hatte und ihn wütend anblickte.

“Das hast du mit Absicht gemacht”, zischte sie ihn an.

WIRD FORTGESETZT…

Copyright (c) 2012 by little_wonni

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Andreas Gößling, geboren 1958, lebt und arbeitet als freier Autor in Coburg. Der promovierte Literatur- und Kommunikationswissenschafter beschäftigt sich seit vielen Jahren mit mythen- und kulturgeschichtlichen Themen, insbesondere mit der alten Maya-Kultur, mit Drachenmythen und der Voodoo-Religion. Neben Romanen für erwachsene und junge Leser hat er auch zahlreiche mythen- und kulturgeschichtliche Sachbücher publiziert.

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Updated: 11. März 2014 — 04:25

2 Comments

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  1. Wirst du dass noch weiter fortsetzen, little_wonni?

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