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Literatur-Blog

LOUNGENGEFLÜSTER – Eine Kurzgeschichte von Christa Kuczinski

LOUNGENGEFLÜSTER

Eine Kurzgeschichte

von Christa Kuczinski

„Was guckst du so?“

„Ich denke gerade darüber nach, wie es sein kann, dass du dich, so schmutzig wie du bist, wohlfühlst. Ist es dir nicht, ähm, unangenehm?“

Tassilo beugte sich vor, balancierte dabei gefährlich nahe auf die Tischkante zu und erwiderte gelassen: „Nö, wieso? Wer Beachtung finden will, muss über so etwas hinwegsehen. Das sind doch nur Nebensächlichkeiten, auf den Inhalt kommt es schließlich an.“

Wie zu erwarten, ließ sich Mausi mit dieser löchrigen Erklärung nicht abspeisen. Insgeheim liebte sie die kleinen Machtkämpfe in der WG. Diese waren für sie, dass Salz in der Suppe und lenkten von einem sonst eher tristen Dasein ab.

„Aber heute siehst du wirklich besonders klebrig aus. An deiner Stelle würde ich mich gegen eine solche Behandlung zur Wehr setzen. Wie wäre es mit grauenhaft kalten Kaffee? Oder noch besser, lass Detlef sich mal so richtig die Finger an dir verbrennen.“

„Du bist ja nur neidisch, dass er mir weitaus mehr Aufmerksamkeit schenkt als dir. Ich zumindest, würde mich niemals an die Kette legen lassen.“

„Er weiß eben, was er an mir hat und ist um meine Sicherheit besorgt!“

„Quatsch, er beachtet dich doch gar nicht. Immerzu starrt er auf den blöden Monitor und lässt dich links liegen.“

Mausis zartrosa Teint wechselte schlagartig zu karminrot.

„Das durch deinen Henkel zu hören, ist wirklich unerhört. Mir streicht er zumindest hin und wieder über den Rücken.“

Tassilo, der nach zwei Litern starken Kaffee völlig aufgedreht war, kam in Fahrt.

„Darauf musst du dir wahrhaftig nichts einbilden. Das macht er doch nur, wenn der verflixte Computer hängt und er dir die Schuld an dieser Misere gibt. Mich hingegen sieht er immer mit einem verklärten Blick an, bevor er mich leidenschaftlich küsst.“

„Das ist alles andere als ein Kuss und von Leidenschaft zu dir kann keine Rede sein. Er schlürft nur genüsslich den heißen Kaffee, glaube mir, das ist etwas völlig anderes…“

*

Ein gedämpftes Geräusch, gefolgt von einem herzhaften Gähnen, ließ die beiden Kontrahenten schlagartig verstummen.

Aus der linken Sofaecke ertönte Pillows verschlafene Stimme.

„Werdet ihr nun endlich Ruhe geben, ich brauche meinen Schönheitsschlaf, sonst sehe ich völlig zerknittert aus und bin in einem solchen Zustand kaum zu gebrauchen!“

Zeitgleich sahen Mausi und Tassilo zu dem Störenfried hinüber und stampften ihn zurück in die verstaubte Sofaritze, wo er hingehörte.

„Maul halten, du hast hier gar nichts zu melden, dich schaut er ja noch nicht einmal mit dem Arsch an“, tönte Tassilo.

„Uns hingegen braucht er, um den Tag zu bestehen“, ergänzte Mausi.

Pillow blähte sich auf und hätte Mausi um ein Haar von der Sofakante gekickt.

„Macht mal halblang. Ohne mich, der ihm die schönsten Träume beschert und ihn voller Energie in den Tag starten lässt, wäre er verloren!”, entgegnete er hochnäsig.

„Ohne mich, würde er erst gar nicht in den Tag starten können”, zischte Tassilo verächtlich.

„Eigentlich ist es eher der Kaffee der ihn starten lässt…”, berichtigte ihn Mausi kleinlaut.

„Du sei ganz ruhig!”, knurrte Tassilo. „Wegen deinen Unpässlichkeiten hat er dauernd schlechte Laune!”

„Dafür kann ich nun wirklich nichts. Das liegt einzig an seinem altersschwachen Computer!“, versuchte sich Mausi aus der Affäre zu ziehen und war froh, dass der Pc inzwischen stocktaub war und seinen Senf für sich behielt.

„Nein, wegen euch, braucht Detlef dauernd Ruhe und Schlaf. Gute Nacht!“, konterte Pillow und sackte in sich zusammen.

„Blödes Kissen!“, fauchte Tassilo.

„Versiffte Tasse“, nuschelte Pillow, bevor er endgültig einschlief.

„Zickige Tasse und arrogantes Kissen!“, zischte Mausi, die immer das letzte Wort haben musste.

„Geh und pieps den PC voll “, kam es einstimmig zurück.

*

Kurz darauf betrat Detlef die Lounge und freute sich über die angenehme Stille, die ihm nach einem langen, arbeitsreichen Tag entgegenschlug.

Er klopfte sich das weiche, braune Kissen zurecht, füllte die leere, blaue Kaffeetasse auf und griff automatisch nach der roten Pc- Maus, die neben ihm auf dem Sofa lag. Voller Tatendrang nahm er eine neue Kurzgeschichte in Angriff, zu deren nichtssagendem Titel „Loungengeflüster“ ihm leider immer noch nichts eingefallen war.

Ende

Copyright (C) 2012 by Christa Kuczinski

Bildrechte: “Skurrile Geschichte” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Skurrile Geschichte” (Originaltitel: 20110114083935-8edac2f8.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

 

Buchtipp der Autorin:

Mischke, Thilo
In 80 Frauen um die Welt

Von einem, der auszog, die Liebe zu finden

Verlag :      Droemer Knaur
ISBN :      978-3-426-78379-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 13.08.2012
Seiten/Umfang :      336 S. – 19,0 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      06.01.2012

Thilo Mischke, gerade frisch von seiner Freundin getrennt, schwelgt in Selbstmitleid, als seine Kumpel bei einem Wodka-Red-Bull-getränkten Disco-Abend die Idee zu einer total absurden Wette haben. Thilo soll eine Weltreise machen und dabei 80 Frauen verführen. Schafft er das, zahlen ihm seine Freunde den Trip. Topp, die Wette gilt! Entstanden ist ein unglaublich mitreißender, anrührender und aufs höchste amüsanter Reisebericht der anderen Art. Natürlich schafft Thilo die 80 Frauen nicht annähernd, aber das ist am Ende gar nicht mehr schlimm. Denn auf der verrücktesten Reise seines Lebens findet er schließlich – irgendwo zwischen den Fidschi-Inseln und Argentinien – die ganz große Liebe.

Thilo Mischke, geboren 1981, arbeitet als freier Journalist für “Neon”, “GQ” und andere Zeitschriften. Mit seiner Produktionsfirma PartizipZwei entwickelt er Fernseh- und Dokuformate, in denen er häufig auch als Moderator zu sehen ist. Darüber hinaus hatte er vier feste Freundinnen und einige Affären. Er lebt in Berlin.

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14 Comments

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  1. Christa Kuczinski

    Zum besseren Verständnis, der Text entstand durch ein Bild, dass ich in Detlefs Beitrag: „Willkommen in der Loggia Lounge von Detlef Hedderich“, gesehen habe.*

  2. Tassilo? Wäre der Kaffeekanne dann nicht Madame Pottine? 😉 Und ein Kissen gab’s auch noch, hatte allerdings keinen Namen, oder?

    Link zur Loggia Lounge …

    @ Detlef
    Dein Kaffeepott fehlt noch auf den Fotos 😉

  3. Soweit ich weiss, benutzt Detlef keine Kannen, da er ein Fan von Capomaschinen ist!

  4. +Christa

    Super Story, so etwas gefällt mir außerordentlich gut. Ich mag einfach Stories mit einem gewissen Pfiff, bei denen die kreativen Ideen zu erkennen sind und funkeln wie ein Diamant in der Sonne. Erstklassig. Spritzig, humorvoll und dabei auch intelligent geschrieben. Großartig! Dürfte ich hier ranken, es gäbe das Maximum von 5 Sternchen. ^^

  5. Vielleicht stellt Christa das ja in den nächsten Wettbewerb? Christa?

  6. Christa Kuczinski

    Günther
    Danke, für das Lob*
    Ich hätte nicht gedacht, dass sie so gut ankommen würde. Deshalb freut es mich um so mehr ***
    Martina, das ist eine schöne Idee, die ich gerne übernehme 😉

  7. Der noch ellenlang hin ist. BtT plz.

  8. Ach Günther,

    kannst du uns Computer-Stümpern bitte deine kryptischen Abkürzungen erläutern?

    BtT plz?

    galaxykarl

  9. BtT plz bedeutet so viel wie „zurück zum Thema, bitte!“

  10. Back to theme? please? Wenn schon englisch, dann wenigstens pls. Sorry, aber diesen Kürzelscheiß kann ich nicht ab.

    galaxykarl 🙁

  11. Christa Kuczinski

    Ich wusste, ich muss nur lange genug warten, dann erledigt sich die Frage mehr oder weniger von selbst. 😉

    Lg Christa

  12. Interessant, wie hier im Kommentar das Thema zur Story mutiert ist.

  13. Warum sehe ich das jetzt erst?

    Wenn der … pardon … Chef nicht zu Hause ist, tanzen die Zicken auf dem Tisch. Oder so.
    Sehr schön. Nur der zweite N im Titel verstehe ich einfach nicht, auch bei wiederholtem Lesen nicht.

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