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Literatur-Blog

Elfenschrift 15: Vampire

Ulrike Stegemann (Hrsg.)
Elfenschrift 15: Vampire

Elfenschrift 15: Vampire, Gronau, 9/2007
Phantastische Literaturzeitschrift, A5, Fantasy, Horror, ISSN 1613-3293, 40/250 (im Abo über 4 Ausgaben pro Jahr: EUR 12.-)
Titelillustration von Rosi Dombach
Innenillustrationen und Fotos von Shaggy Buttler, Tina Müllner, Manfred Lafrentz, Michael Stegemann, Manuela P. Forst, Pat Hachfeld, Petra Hartmann, Uwe Vöhl
Bezug: Ulrike Stegemann, Stichstr. 6, 31028 Gronau, info@elfenschrift.de
www.elfenschrift.de

Auch die 15. „Elfenschrift“ steht wieder ganz im Zeichen eines Themas. Dieses Mal geht es wohl um die düsteren Seiten der Phantastik, wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf ‚Vampiren’ liegt. Wem es gefällt… Aber man beginne vorn:

Der Marburg-Con ist eine der eher düsteren Conventions, zumindest nach allem, was man so hört. Umso erstaunlicher, wenn man, wie Herausgeberin Ulrike Stegemann, munter drauflos plaudert und einen lockerflockigen Con-Bericht abliefert über das Event. Und dass man sich dort natürlich wieder selbst als Crème de la Crème feiert, ist ebenso bekannt, wie berüchtigt. Man ist ja eine große, glückliche Phantastik-Familie – die Leichen lassen wir aber besser im Keller, die stinken immer so.

Auf dem Marburg-Con traf Ulrike Stegemann Uwe Vöhl, der sich selbstverständlich sofort zu einem Interview bereit erklärte und dort auch kräftig auf die Pauke schlug, für seinen „Coco-Zamis“-Band und für sein neues Portal – kurioserweise aber werden die anderen Macher von „literra.info“ nicht erwähnt. Woran das wohl liegen mag?

Damit ist dann der Kurzgeschichtenreigen eröffnet. Den Anfang macht Maike Schneider mit „Dieser Sonnenaufgang“. Eine melancholische Vampir-Geschichte, die man beinahe auch anderen Autoren zugetraut hätte.

„Der zornige Phlegmat“ stammt aus Christiane Grefs Feder und ist – natürlich – wieder ein Vampir. Aber zumindest sind Stanis Kapriolen irgendwie witzig, wenn sich auch nicht so ganz erschließt warum. Trotzdem zaubert diese Story ein Grinsen aufs Gesicht.

Über „Die erste Nacht“ weiß Philipp Bobrowski zu berichten – besser gesagt, der Protagonist darf diese durchleiden. Dabei kann er sich gar nicht so wirklich erinnern, was eigentlich passiert ist.

Ein „Date mit Wolfgang“ hätte Manuela P. Forst sicher nicht, zumindest nicht, wenn das gleiche dabei herauskommt wie bei ihrer Protagonistin Nicole. Zumindest der Dreh mit dem Hund wusste zu gefallen, ansonsten allerdings war das ganze eher mau – vor allem der Polizist, der da in der Tür auftaucht, sollte dringend einen Augenarzt aufsuchen…

„Cayla und der fremde Gast“ von Oliver Hohlstein fällt ein wenig aus dem Rahmen, immerhin spielt diese Geschichte in einer Fantasy-Welt und bescheinigt sich damit zumindest auch die Zugehörigkeit zu diesem Genre. Allerdings scheint diese Story aus einem größeren Ganzen gelöst zu sein; so bleibt der Leser denn am Ende doch etwas verwirrt zurück und fragt sich, warum er ganze Teile der Story nicht wirklich versteht.

Tanja Thomsen berichtet über die „Andreasnacht“ und hat sich von dem gleich betitelten Gedicht dazu inspirieren lassen – oder doch etwas mehr? Was in der Lyrik gut wirkt, muss es in der Prosa nicht tun, und damit ist dann auch schon die Schwäche dieser Geschichte mehr als deutlich erklärt. Besser eigene Ideen aus Gedichten ziehen als diese in ‚Erzählform’ umzuwandeln – oder sich Leser suchen, die das Gedicht nicht kennen.

In der „Bücher-Ecke“ wird, drei Jahre nach deren erstmaligem Erscheinen, von Nancy Leyda „Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik“ vorgestellt, die im BLITZ-Verlag erscheint oder erschienen ist. Nun, die gute Neuigkeit ist, dass es sich damit bald haben dürfte, da der Verlag diese Reihe nach Bd. 11 einstellen wird. Merke: Wo Hohlbein draufsteht, ist nicht unbedingt Hohlbein drin – manchmal leider, manchmal leider nicht…

Auch andere Bücher werden, wie immer, in der „Bücher-Ecke“ vorgestellt, wobei der Schwerpunkt eindeutig nicht nur mehr auf den Kleinverlagen liegt, sondern sich offensichtlich auch die Lesegewohnheiten der Herausgeberin dergestalt ändern, dass man sich sucht, wer ‚in’ ist. Ob man solche Bücher nun wirklich bewerben muss, sei dahingestellt, über manches allerdings sei besser der Mantel des Schweigens gebreitet – gleiches gilt für die Ausschreibungen.

Die Grafiken, Bilder und Fotos stammen dieses Mal von Rosi Dombach, die das Cover gestaltete, Shaggy Buttler, Tina Müllner, Manfred Lafrentz, Michael Stegemann, Manuela P. Forst, Pat Hachfeld, Petra Hartmann und Uwe Vöhl.

Alles in allem ist die 15. Ausgabe der „Elfenschrift“ wohl auch bisher die schwächste, zumindest die mir bekannte. Mag am persönlichen Geschmack liegen, da Vampire nun wirklich zu den Gestalten gehören, die allmählich unter einem ganzen Feld von Knoblauch, umkränzt von Kruzifixen gehören. Doch auch ein Teil der Euphorie, die den vorherigen Ausgaben innewohnte, ist weg. Man hat sein Ziel gefunden, man hat einen festen Leser- und Autorenkreis, mehr braucht es nicht. Schade um eine gute Idee. (RSch)

Updated: 9. Februar 2009 — 01:15

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