HEXENFEUER – Kurzgeschichte von Petra Weddehage

„Ich sah des Nachts, wie der schwarze Reiter an die Tür der Hexe klopfte. Sein Roß war schwarz wie des Teufels Seele. Aus den Nüstern des Dämonentieres kamen Feuer und Rauch. Gar seltsame Geräusche erklangen später in ihrem Hause. Vor Anbruch des neuen Tages war er wieder verschwunden“, sagte die alte Vettel. Bei ihrem Gerede hatten die Zuhörer schaudernd den Atem angehalten. Einige Blicke, vor allem die der Männer, fielen lüstern oder hasserfüllt auf die Angeklagte. Stolz stand sie vor ihnen. Ihr einst hüftlanges, lackschwarzes Haar war bis zum Nacken gekürzt. So kamen ihre zarten Gesichtszüge, die elfenhaft schön wirkten, sogar noch besser zur Geltung, was den Unmut einiger junger Dorfmädchen erregte.