DIE RUINE (1) – Eine Kurzgeschichte in zwei Teilen von Irene Salzmann

Langsam schlenderte Carla auf der Aussichtsplattform umher und spähte immer wieder durch das Schutzgitter. Unter ihr ragten die dunklen Wipfel der Fichten, zwischen den Wiesen schlängelte sich ein Weg, und weiter hinten, auf Spielzeuggröße geschrumpft, befand sich das Dorf, in dem die ersten Lichter aufleuchteten. – Sie war die einzige Besucherin der Ruine um diese Jahreszeit. Doch auch sonst verirrten sich eher selten Touristen oder Ausflügler hierher. Dafür war das alte Gemäuer zu abgelegen; man musste den Wagen unten im Dorf stehen lassen und zu Fuß einem Trampelpfad folgen. Was man dann vorfand, lohnte den Marsch kaum: Außer dem runden Turm war nicht viel von der Burg übrig geblieben …