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Die Kolonialisierung der Pressefreiheit – Ein Statement von Rüdiger Heins

Die Kolonialisierung der Pressefreiheit

Ein Statement

von

Rüdiger Heins

Eine bombensichere Methode, die Auflage einer Zeitung zu steigern, ist die Abbildung von Mohammed–Karikaturen. Was wie Satire klingt, ist, wie uns die Pariser Ereignisse gezeigt haben, keine. Dennoch, einige Karikaturen wäre dieses Thema aus satirischer Sicht schon wert: Pressefreiheit garantiert. Satire wird gelegentlich von der Realität eingeholt. Ein Satiremagazin wird selbst zur Satire, indem es Karikaturen über oder gegen einen Propheten veröffentlicht, der bereits lange tot ist. Und jetzt sind diese Karikaturisten ebenfalls, na ja Sie wissen schon … Die Medienlandschaft schreit auf und fühlt sich in ihrer Pressefreiheit bedroht. Warum eigentlich? Da war doch gar niemand, der die Blattmacher von „Charlie Hebdo“ zensiert hat, denn die Karikaturen wurden veröffentlicht, nur das Schicksal nahm seinen Lauf. Pressefreiheit kann, so die Realität, manchmal über Leichen gehen. Was sollten diese Karikaturen eigentlich bewirken? – Etwa eine Reformation des Islam?

Schließlich wissen wir seit „Jyllands – Posten“ 2005, dass die islamische Welt „tödlich sensibel“ auf derartige Abbildungen ihres Propheten reagiert. Auf den Punkt gebracht ist es respektlos, wenn die westliche Medienlandschaft mit Abbildungen Mohammeds gläubige Muslime in ihrer religiösen Ethik beleidigt.

Das Grundgesetz garantiert in Artikel 4 die Unverletzlichkeit „-der Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses-“.

Es gilt also abzuwägen, was mehr Bedeutung hat, die Pressefreiheit oder die Unverletzlichkeit der religiösen Weltanschauung.

Was sagt eigentlich der Koran über Abbildungen des Propheten Mohammed? Ganz einfach nichts, denn dort finden sich keine Suren, die ein Bilderverbot Allahs oder des Propheten Mohammed beinhalten. Koransuren, in denen Allah als der größte Bildner und Schöpfer dargestellt wird, sind zum Beispiel: Sure 3, Vers 6; Sure 7, Vers 11; Sure 40, Vers 67. In Sure 59, Vers 24, wird Gott als „Schöpfer, Erschaffer und Gestalter“ gehuldigt. Dennoch werden die oben zitierten Koranstellen in der Koranexegese nicht mit einem Bilderverbot in Zusammenhang gebracht.

Sterben da also Menschen sinnlos, nur weil militante Islamisten einem Gebot im Namen Allahs folgen, das es gar nicht gibt?

Die Antwort ist: ja.

Der Mainstream der westlichen Medienlandschaft konzentriert sich heldenhaft auf die Verteidigung der freien Meinungsäußerung. Da kämpfen selbst Boulevardzeitungen für die Unantastbarkeit der Menschenwürde, deren tägliches Geschäft es normalerweise ist, genau diese Menschenwürde zu missachten, indem sie gezielt und systematisch in menschliche Biografien eingreifen und somit zerstören.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass diejenigen arabischen Länder mit muslimischem Hintergrund, die im Augenblick mit roher Gewalt im Namen Mohammeds und des Islam ihre Gräueltaten zu verteidigen versuchen, eines gemeinsam haben: Sie waren ab etwa 1520 Kolonien europäischer Staaten. Als die Kolonien nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst wurden, ging das Militär, die Ölkonzerne kamen und die Ausbeutung der arabischen Völker durch Europa ist geblieben.

Jetzt wundern wir uns darüber, dass ausgerechnet diese Staaten kein Vertrauen in die europäischen Werte von Freiheit und Demokratie mehr haben. Haben wir ihnen doch immer und regelmäßig Bomben geschickt, um sie von der Suche nach ihrer eigenen, der arabischen Identität abzuhalten, damit weiterhin westliche Interessen gewahrt bleiben.

Wir befinden uns im tiefsten Mittelalter. Fast unbemerkt haben wir uns in einen religiösen Konflikt begeben, der die Menschheit in zwei Lager aufgeteilt hat: Islam und Christentum. Die Kreuzzüge sind wieder eröffnet. Die Gerechten gegen die Ungerechten. Nur: Was ist richtig und was ist hier falsch? Bomben können nicht sprechen, Bomben können nur töten. Was bleibt also in dieser Auseinandersetzung, die unzählige Menschenleben gekostet hat und vielleicht noch viele kosten wird? Wir müssen miteinander reden. Die Moslems und die Christen, die Juden und die Buddhisten, die Hindus und die -was weiß ich. Nur im gemeinsamen Dialog finden wir Lösungen, die uns auf Wege des Miteinander führen.

„Der Islam gehört zu Deutschland.“ Sie kennen dieses Zitat Christian Wulffs, eines der betroffenen Menschen, die von den gleichen Medien, die jetzt um die Pressefreiheit und die Würde des Menschen kämpfen, medial vernichtet wurden.

Ich würde dieses Zitat Christian Wulffs noch ein wenig verändern: „Der Islam gehört zu uns.“ Wir haben das nur noch nicht bemerkt.

Copyright (c) 2015 by Rüdiger Heins

Rüdiger Heins ist Autor des Theaterstücks „Allahs Heilige Töchter“, das unter Polizeischutz aufgeführt wurde. Das Stück beschäftigt sich mit Muslimas, die in Deutschland leben und unter der Unterdrückung ihrer Männer leiden müssen. Bewusst hat er im Stück auch Koransuren übernommen, um die Rolle der Frau im Islam zu beleuchten. Er lebt immer noch. Es ist also auch möglich, sich kritisch mit muslimischer Kultur auseinander zu setzen, wenn bestimmte religiöse Ethiken respektiert werden.
Informationen zum Autor: www.ruedigerheins.de

„Allahs Heilige Töchter“ erschien in folgendem Band:



Heins, Rüdiger
Urstrom: Vier Theaterstücke vom Jenseits ins Diesseits
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Verlag :      Bertugan-Verlag
ISBN :      978-3-939165-26-2
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,50 Eur[D] / 14,50 Eur[A] / 21,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 08.10.2012
Seiten/Umfang :      145 S. – 21,0 x 13,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 09.2012
Gewicht :      200 g
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4 Theaterstücke:

“Gilgamesch und Enkidu”
“Fee: Ich bin ein Strassenkind”
“Vision der Liebe” (Hildegard von Bingen)
“Allahs heilige Töchter”

Titel erhältlich bei Amazon.de

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