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DIE KINDER AUS DER INQUISITIONSTREET – Eine Kriminalkurzgeschichte von Miriam Kleve

Die Kinder aus der Inqusitionstreet

Kriminalkurzgeschichte

von

Miriam Kleve

Ach Herrjemine, war das ein Rums! Timmi, Kelly, Anna-Marie und Andy kullerten ein Stück über die Wiese. Mitten im hohen Gras blieben sie regungslos liegen. Bienen summten, Vögel zwitscherten und ein angenehmer Windhauch streichelte über ihre Gesichter.

Kelly war zwar die Jüngste des Quartetts, aber sie war auch die Klügste von ihnen. „Wir sollten im Sommer eine Schneise in die Wiese mähen. Sonst kommen wir nie problemlos zum Baumhaus.“

„Ich kann meinen Dad fragen, ob wir seinen alten Spindelmäher bekommen. Der wird von Hand geschoben und rasiert alles weg“, erklärte Ann-Marie und stand auf. Sie sah sich um. „Timmi? Andy? Alles in Ordnung?“ Ann-Marie klopfte sich Dreck und Gras vom Kleid.

Die beiden Jungs lagen etwas Abseits auf dem Rücken und sahen zum blauen Himmel hinauf. Andy kramte in seiner Tasche. Er zog einen Schokoriegel hervor und gab ihn Timmi. Der griff gerne zu, entpackte den Riegel und begann ihn aufzuessen. „Danke. Das ist pure Nervennahrung. Die habe ich jetzt gebraucht.“

Die Mädchen kamen herüber und legten sich neben die Jungs. „Was gibt es zu sehen?“ fragte Ann-Marie. „Kleine Wölkchen?“

„Ich sehe ein großes Piratenschiff, dass über den Atlantik segelt und erbeutetes spanisches Gold nach Tortuga bringt“, meinte Kelly.

„Für mich sehen die Wolken wie saftige Burger aus. Sie kommen gerade vom Grill. So wie Mister Eree sie macht“, sagte Timmi. Der Rest des Schokoriegels verschwand in seinem Mund.

Ann-Marie nickte. „Ja, mein Dad grillt tolle Burger.“

„Ich sehe Bill Cosby in den Wolken.“ Andy kniff die Augen zusammen. „Und Theo. Und Denise …“

Timmi schlug harmlos mit der flachen Hand nach seinem Freund. „Ach, Quatsch. Du siehst überall Billy Cosby. Selbst an der Bushaltestelle.“

„Ich schwöre euch, der Mann sah aus wie Bill Cosby“, ereiferte sich Andy. „Ich schwöre.“

„Vielleicht hast du jemanden gesehen, der Bill Cosby ähnlich sieht. Das gibt es durchaus. Öfter als ihr denkt. Ich habe letzte Woche einen Artikel dazu gelesen“, steuerte Kelly ihr Wissen bei. „Wenn ihr wollt, kann ich ihn euch ausleihen.“ Sie lächelte.

Anna-Marie schüttelte den Kopf. „Nö, lass mal. Ich will lieber zum Baumhaus.“

„Gehen wir vorher den Spindelmäher von deinem Dad holen?“ Timmi wälzte sich zur Seite und stemmte sich dann hoch. Zusammen mit Kelly stellte er den Rollstuhl auf, während Ann-Marie Andy erst einmal in eine aufrechte Sitzposition zog.

„Das wird heute auch so gehen“, meinte sie und lächelte zuckersüß. Wenn Ann-Marie lächelte, oder schmollte oder gar weinte, dann drehte sich das Universum nur noch um sie. Das galt vor allem für Jungs. Ann-Marie war bildhübsch und süß. Kaum einer konnte ihr etwas abschlagen. Jeder sah in ihr das niedliche, puppenhafte Mädchen. Vor allem ihr Vater. Ann-Marie hasste das. Sie war am liebsten mit ihren Freunden unterwegs und ruinierte dabei ständig ihre Kleider und Blusen.

Timmi, Kelly und Ann-Marie kümmerten sich nun um Andy. Im Laufe der letzten Jahre war es zur Routine geworden, Andy wieder in seinen Rollstuhl zu setzen. Seine Mutter schüttelte regelmäßig den Kopf, wenn sie die Kratzer und Beulen begutachtete, die das Gefährt abbekommen hatte. Andy bekam dann immer ordentlich Schelte. Aber keiner verbot ihm seine Ausflüge. Die Kinder hatten manchmal sogar den Eindruck, dass Andys ganze Familie froh war, wenn er mit seinen Freunden um die Häuser zog und Abenteuer erlebte.

Andy kontrollierte seinen Rollstuhl und rückte den roten Wimpel zurecht, den Timmi aus dem Sommercamp mitgebracht hatte. So wie einen dicken Sonnenbrand, eine laufende Nase, eine tote Maus und ein paar Zentimeter mehr um die Hüften. Ann-Marie war der festen Überzeugung Timmi würde in diesem Jahr vier neue Pfandfinderuniformen brauchen. Vor allem weil der große Keksverkauf erst noch anstand. Und Timmi verkaufte die Kekse immer nur in der Nachbarschaft und ließ sich dann auch sofort zu einem Keks einladen. Die Leute konnten einfach nicht anders. Das lag sicher an Timmis Hundeblick. Kelly nannte es den Fütter-mich-Blick. Und er funktionierte fast immer.

„Wir können weiter“, sagte Andy. „Und los!“

Die Kinder arbeiteten sich gemeinsam durch die Wiese. Und mehr als einmal kippte der Rollstuhl zur Seite oder fuhr sich fest. Aber gemeinsam bekamen sie ihn immer wieder frei. Lachend erreichten sie das Baumhaus. Ann-Marie und Kelly kletterten die Strickleiter rauf, während Timmi seinen Freund auf den Schaukelsitz packte. „Fertig!“ rief er hoch und klopfte Andy auf die Schulter. „Bis gleich.“

Die beiden Mädchen begannen zu ziehen. Zum Glück hatte Kelly in einem Buch nachgelesen, wie ein Flaschenzug funktionierte. Und so war es ein Leichtes Andy nach oben zu befördern, ins Geheimversteck der Bande. „Geheim“ war vielleicht zu viel gesagt, denn ihre Eltern und Geschwister hatten beim Aufbau geholfen. Und manchmal kam ein Nachbar vorbei, um nach dem Rechten zu sehen oder Cupcakes vorbeizubringen.

Andy suchte sich seinen Platz und packte dann eine Stadtkarte aus. Ganz Rome war darauf zu sehen. Die anderen Kinder drückten sich nun um ihn herum. Auf der Karte waren einige Punkte rot angekreuzt. Kelly nahm einen dicken Filzstift und machte noch einige weitere Kreuze auf der Karte. „Mein Onkel hat gestern meinem Daddy erzählt, dass es weitere Vorfälle gegeben hat. Genau hier überall.“

„Und dein Onkel hat noch keine Spur?“ Timmi suchte in seiner Hosentasche nach einem Streifen Kaugummi und schob ihn sich in den Mund.

Kelly schüttelte den Kopf. „Nein. Das ganze Revier ist Abends auf den Beinen, aber keine der Streifen hat den Täter zu Gesicht bekommen. Er ist regelrecht unsichtbar.“

Andy sah sich die Karte genauer an. „Ich glaube Jimmy Glass ist der Täter.“

Ann-Marie stöhnte auf. „Du glaubst immer Jimmy Glass ist der Täter. Nur weil er mal deine Familie und dich beschimpft hat.“

„Hey, das waren richtig fiese Beleidigungen“, setzte sich Timmi augenblicklich für seinen Freund ein. „Jimmy ist deswegen auch für eine Woche von der Schule suspendiert worden. Du kannst doch niemanden wegen seiner Hautfarbe so fertigmachen.“

Die Kinder sahen bedrückt zu Boden. Ann-Marie entschuldigte sich kleinlaut bei Andy. „Ich wollte ihn nicht in Schutz nehmen, Andy. Aber du hast einfach keine Beweise.“

Die Kinder sahen wieder auf die Stadtkarte. Die meisten Kreuze befanden sich in ihrem Viertel. Und das war ihr Problem. Jemand zog seit zwei Wochen Abends um die Häuser, warf Autoscheiben ein und stahl Kleinigkeiten aus dem Wageninneren. Es waren niemals wirklich teure Sachen dabei. Deswegen hegte die Polizei den Verdacht, dass es sich um eine Bande Jugendlicher handelte, die einfach randalierte.

Eines der Autos hatte Andys Bruder Lamar gehört. Und dadurch wurde die Sache persönlich. Die Bakers waren stets knapp bei Kasse und steckten das ganze Geld in die Ausbildung ihrer Kinder. Alle halfen dabei mit, auch die Großeltern. Sobald eines der Bakerkinder alt genug war, leistete es ebenfalls seinen Beitrag. Das galt auch für Lamar. Für die Reparatur eines Autofensters war derzeit einfach kein Geld vorhanden.

„Schaut mal“, sagte Kelly und zeigte auf die Kreuze. „Als der Ärger angefangen hat, da waren es nur wenige Kreuze. Dann nimmt die Anzahl der Kreuze sprunghaft zu und ebbt nach einigen Tagen wieder ab.“

„Und das bedeutet?“ fragte Timmi neugierig.

„Keine Ahnung. Mir ist das nur aufgefallen. Ich wette, dass hat etwas zu bedeuten.“

Die anderen Kinder nickten zustimmend. Wenn Kelly etwas auffiel, dann hatte es immer etwas zu bedeuten. Still saßen sie nun um den Stadtplan herum und grübelten.

„Vielleicht sollten wir uns auf die Lauer legen?“ schlug Andy vor. „Wir könnten Streife fahren. Wie die Polizei.“

Ann-Marie schüttelte energisch den Kopf. „Das wird mir mein Daddy niemals erlauben. Ich habe doch total strenge Zeiten.“

„Wegen dem vielen Nachdenken habe ich Hunger bekommen“, jammerte Timmi und zog die Schublade der Kommode auf. „Sind alle Schokoriegel leer?“

„Nein“, sagte Andy. Er lächelte. „Ich habe einen extra für Notfälle versteckt. Drüben, zwischen dem ganzen Schokoriegelpapier.“

Timmi lächelte zurück. „Mensch, Danke.“ Glücklich suchte er im zerknüllten Papierhaufen nach dem Riegel. „Habe ihn. Wow, das ist ja ein extra dicker. Super.“

Kelly starrte Andy und Timmi abwechselnd an. „Freunde, ich glaube, ich weiß was die ganzen Kreuze bedeuten.“

***

Lamar hatte die Kinder auf dem Weg zur Arbeit mitgenommen und in der Pinnaclestreet abgesetzt. Auf dem Plan waren dort die meisten Kreuze eingezeichnet.

Andys Bruder hatte ihnen eingeschärft, keine Dummheiten zu machen. Außerdem drückte er jedem einen Zettel mit der Telefonnummer seiner Halbtagsstelle in die Hand. Lamar vergewisserte sich noch, dass der Rollstuhl seines kleines Bruders in Ordnung war. Dann erinnerte er Andy noch daran, rechtzeitig zum Essen Zuhause zu sein. Timmi versprach dafür zu sorgen.

Als die Kinder aus der Inqusitionstreet alleine waren, machten sie sich an die Arbeit. Kelly hatte eine Idee. Und die wurde nun umgesetzt. Genau dort wo die meisten Kreuze waren wollten sie ihre Suche starten. „Wie sollen wir denn hier was finden?“ fragte Ann-Marie und guckte sich um. „Hier wohnen ganz viele Leute.“

„Wir gehen systematisch vor“, erklärte Kelly. „Immer zwei von uns nehmen sich eine Straßenseite  und dann klappern wir ganz einfach die Leute ab. Bis wir eine heiße Spur haben.“

„Glaubst du wirklich die Erwachsenen reden mit uns?“ fragte Andy skeptisch. „Wir sind doch nur Kinder.“

Kelly strahlte über das ganze Gesicht. „Deswegen sollte Timmi doch die Vorbestellzettel für die Kekse mitbringen. Wir helfen ihm einfach dabei, die Kekse zu verkaufen und fragen nebenbei die Leute aus.“

„Vielleicht sollten wir mit Mister Church anfangen“, schlug Ann-Marie vor und zupfte sich ihr Kleid zurecht. „Der ist immer so schnell wütend. Deswegen habe ich Angst vor ihm. Lasst uns da anfangen. Dann haben wir ihn schnell hinter uns.“

Timmi hatte sich zwei Streifen Kaugummi auf einmal in den Mund geschoben und sprach nur noch undeutlich. „Woher kennst du denn diesen Mister Church?“

„Mein Dad macht für ihn die Versicherung. Und vor zwei Wochen kam er dann wütend bei uns daheim vorbei, um einen Diebstahl zu melden. Mein Dad hat gemeint, Mister Church sei selber schuld. Man dürfe keinen wertvollen Gegenstand einfach so im Auto liegen lassen.“

Kelly stand mit offenem Mund vor ihrer Freundin. Es dauerte etwas, bis sich die jüngste der Gruppe wieder gefasst hatte. „AM, warum hast du das nicht vorher gesagt?“

„Warum? Es kommen oft Kunden bei meinem Dad vorbei. Das ist in seinem Job so“, erklärte Ann-Marie. „Können wir jetzt los? Ich muss pünktlich Zuhause sein.“

Kelly kniff energisch die Lippen zusammen. „In Ordnung. Wir gehen alle zu Mister Church. Er steht jetzt auf meiner Liste ganz oben.“ Gemeinsam machten sie sich auf den Weg.

Mister Malcolm Church war überrascht als eine kleine Bande Kinder an seiner Türe klingelte. Zuerst wollte er sie wegjagen. Aber Ann-Marie hatte ihr süßestes Lächeln aufgesetzt. Und einen schwarzen Jungen im Rollstuhl fortzujagen, das brachte nicht einmal Malcolm Church übers Herz. Was würden nur die Nachbarn sagen.

„Kann ich euch helfen?“ fragte Mister Church also unfreundlich.

Timmi hielt dem alten Mann einen Zettel mit Schokoladenfingerabdrücken unter die Nase. „Kekse“, meinte er nur und wartete. Mister Church sah auf den Zettel.

Kelly gab Ann-Marie einen Knuff in die Seite. „Schon gut“, flüsterte Ann-Marie. Dann trat sie vor Timmi. „Guten Tag, Mister Church. Ich helfe Timmi beim Verkaufen. Was für ein Zufall. Sie wohnen ja hier.“

Mister Church sah Ann-Marie nachdenklich an. Dann erinnerte er sich an sie. „Du bist doch die kleine Eree, oder? Ich kenne deinen Dad. Bist du nicht etwas ab vom Schuss?“

Ann-Marie dachte darüber nach was Mister Church meinte, dann schüttelte sie den Kopf. „Ich hoffe es geht ihnen wieder besser.“

„Besser?“ hakte Mister Church nach. „Ich war doch gar nicht krank.“

Nun knuffte Kelly Timmi in die Seite. Der schluckte die Kaugummis runter und zog Ann-Marie energisch hinter sich. „Sie waren doch so wütend. Weil ihnen was gestohlen wurde.“

„Woher weißt du das denn?“ Mister Church war verwirrt. „Ich nehme drei Packungen Schokolade mit Kokosflocken.“

„Die Kekse mit Schokostückchen sind auch lecker.“ empfahl Timmi und hielt den Zettel nochmals hoch. „Einfach die Anzahl eintragen. Am besten eins mehr. Zum Verschenken.“

„Ach so, ja. Wenn du meinst.“ Mister Church bestellte ganze fünf Packungen. Kelly nutzte die Ablenkung und trat gegen Andys Rollstuhl.

„Mister Church, was wurde ihnen denn gestohlen?“ fragte Andy und setzte sein bestes Lächeln auf. So wie Theo aus der Cosby-Show. Das hatte Andy vor dem Spiegel lange geübt.

„Ach, mein Schachspiel. Ich fahre bei schönem Wetter immer in den Park und treffe mich dort mit Freunden. Wir spielen Schach. Deswegen liegt mein Spiel immer hinten im Auto. Eingewickelt in eine alte Decke.“

„Dann kaufen sie sich doch ein neues Schachspiel“, meinte Andy.

Mister Church guckte zornig. „Das war ein besonderes Spiel. Aus Jade, Elfenbein, Krokodilleder und teuren Edelhölzern. Das Spiel stammte aus China und ist sehr alt. Es gehörte bereits meinem Vater und dessen Vater. Ein Familienerbstück. So ein Schachspiel ist sehr wertvoll, Kinder. Der emotionale Wert ist sogar unermesslich.“ Der alte Mann sah betrübt zu Boden. Tränen sammelten sich in seinen Augen. „Ich habe so viele schöne Erinnerungen an das Schachspiel.“

Schritte wurden hinter Mister Church laut. Ein schlaksiger Kerl schob sich an seine Seite. „Was ist denn los, Onkel?“ fragte er flapsig. Dann sah er Andy. „Was machst du denn hier? Onkel, dass ist der Idiot, von dem ich dir erzählt habe. Wegen dem sind wir alle eine Woche von der Schule geflogen.“

„Caleb Vilmer“, keuchte Andy und griff nach seinem Asthmaspray. „Ein Kumpel von Jimmy.“

Kelly dachte blitzschnell nach. Während Mister Church verwundert die Kinder anstarrte und dann seinen Neffen ansah, flüsterte sie Timmi etwas ins Ohr. Timmi hörte gut zu. Dann streckte er die Hand in Andys Richtung. „Nervennahrung“, bat er. Schon hatte er einen Schokoriegel in der Hand und wickelte ihn genüsslich aus.

Mister Church stand kurz davor die Kinder doch wegzujagen. Da setzte Timmi kauend zu einer Erklärung an: „Mister Church. Sie haben Glück. Wir sind …“ Timmi kam ins Stocken, dann fuhr er fort: „Wir sind die Kinder aus der Inqusitionstreet. Und das ist unser Fall. Hören sie gut zu. Denn wir wissen wer ihr Schachspiel gestohlen hat.“

„Was?“ rief Mister Church wütend aus. „Einer von euch etwa?“

Während Ann-Marie hinter Andy in Deckung ging, fuhr Timmi unbeirrt fort. „Die ganzen kaputten Autoscheiben in der Gegend haben uns auf die Spur des Diebes gebracht. Das waren keine Randalierer. Nur ein einziger Täter. Er hat diese kleinen Diebstähle inszeniert, um einen großen Diebstahl zu verbergen. Sozusagen eine Ablenkung.“

Caleb zupfte seinen Onkel am Hemd. „Komm, lass uns reingehen. Dad kommt gleich vom Revier zurück. Der hat doch mehr Ahnung, als so ein paar Kinder.“

Mister Church sah seinen Neffen wütend an. „Caleb, sei für einen Augenblick einfach mal ruhig. Oder geh an deinen neuen Computer, diesen C irgendwas. Ich will hören, was die Kinder aus der Inqusitionstreet zu sagen haben.“

Timmi lächelte, während er den Rest des Schokoladenriegels hinunterschluckte. Er ließ sich von Kelly noch etwas ins Ohr flüstern. Und dann erzählte er weiter: „Der Dieb hat es nur auf ihr Schachspiel abgesehen. Aber sie hätten den Dieb ja sofort erkannt, wäre nur das Spiel gestohlen worden. Also hat der Dieb noch weitere Autoscheiben zerschlagen und Sachen gestohlen. Er hat also für einen Haufen Müll gesorgt und darin das eigentliche Verbrechen versteckt.“

„Ja, aber wer ist denn der Dieb?“ fragte Mister Church ungeduldig. Dann sah er begreifen Caleb an. Der sprang plötzlich an seinem Onkel vorbei und stieß Andy mitsamt des Rollstuhls um. „Verdammter Bengel!“ schimpfte Mister Church los und hob drohend die Faust. „Wenn ich dich erwische!“

Weit kam Caleb jedoch nicht. Nach ein paar Schritten lief er einem Polizisten in die Arme, der ihn überrascht festhielt. „Was ist hier los?“ fragte der Mann und zog Caleb hinter sich her. „Malcolm, was soll der Lärm?“

Caleb zitterte am ganzen Leib. Er war vollkommen bleich. „Dad, lass mich dir die Sache erklären.“

***

Kelly, Marie-Ann, Timmi und Andy saßen in ihrem Baumhaus. Die Kinder waren überglücklich. Mister Church war wider allen Erwartungen doch ein netter Mann, denn er hatte jedem als Belohnung einen Walkman zukommen lassen.

Für Caleb sah es finsterer aus. Er hatte gestanden das Schachspiel gestohlen zu haben. Da Calebs Vater bei der Polizei arbeitete, hatte er auch gewusst wann Streife gefahren wurde. Dadurch war es Caleb ein Leichtes gewesen unentdeckt die Autoscheiben einzuschlagen, um vom eigentlichen Diebstahl abzulenken. Um seine Strafe würden sich jetzt die Erwachsenen kümmern. Die Kinder aus der Inqusitionstreet kümmerten sich lieber um ihre Belohnung.

ENDE

Copyright © 2012 by Miriam Kleve

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Boot Camp

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Updated: 1. März 2012 — 15:51

3 Comments

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  1. Klasse Kindergeschichte! Aber was hat es eigentlich mit dem Strassennamen auf sich, ist doch sehr merkwürdig, oder?

  2. Nach dem Lesen der Geschichte war ich mir sicher, dass man im Brennglas einen Schokoriegel sieht, doch was verbirgt sich eigentlich dahinter?

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