DER ANDERE BAHNSTEIG – Eine Story von Daniel Sand

Ach seit wie langer Zeit stehe ich nun an diesem Bahnsteig meines Lebens. Als ich ihn betrat, erschien er mir neu, frisch und unbenutzt. Zumindest präsentierte er sich nicht derartig abgenutzt und verschlissen wie jetzt. Ich erinnere mich noch daran, wie ich hier auf den mittlerweile bemoosten, von Unkraut durchzogenen Pflastersteinen gespielt habe. Damals sah ich mich als Herrscher dieses Steigs an. Nur wo kein Volk, da ein Herrscher.Niemand besuchte mich hier, jemals auch nur eine Menschenseele, niemand wollte mit mir sprechen oder gar mir helfen, von dem grauen Steig zu fliehen. So friste ich mein Dasein und jeden Tag frage ich mich, seit wann ich hier bin oder wie lange ich noch hier stehen muss.