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Literatur-Blog

Autorenwerkstatt Antje Jürgens: Wie ich zum Schreiben kam…

Über mich

gibt es genau genommen sehr wenig zu sagen. Ich liebe das Meer und stundenlange Strandspaziergänge (was ganz praktisch ist, wenn man einen Hund hat, der sowohl Spaziergänge als auch Strände mag und sich sogar ab und an ins Wasser traut). Ich liebe Kinder, mag Kino, ganz normale Dinge also. Lesen ist, seit ich lesen kann, eines der Themen in meinem Leben, wobei die Lektüre querbeet durch alle Richtungen geht. Derzeit habe ich ein Faible für Vampir-Geschichten. Ich liebe auch Musik. Leider kann ich keinen Ton halten, vom Treffen ganz zu schweigen. Es gibt so einiges was ich mag. Fotografiert werden gehört allerdings nicht dazu, weshalb es hier auch kein wirklich aktuelles Foto von mir gibt. Ich scheine eine chronische Allergie gegen Kameras zu haben. Sobald ich eine sehe, zucken meine Hände von selbst nach oben ….

In den blutigen Anfängen…

Nein, das hat noch nichts mit meinen Vampirgeschichten zu tun. Aber Geburten sind nun mal nicht unblutig, soweit ich weiß. Und ich wurde im Dezember 1967 in einem kleinen, ziemlich verschneiten Ortsteil von Schwäbisch Gmünd geboren. Im Sternzeichen bin ich also Schütze und obwohl ich nicht wirklich an Astrologie glaube, muss ich ja feststellen, dass die Charaktereigenschaften eines Null-acht-fünfzehn-Schützen so ziemlich auf mich zutreffen. Übrigens, ich war das vierte von fünf Kindern.

Im Werdegang ….

Wie alle musste natürlich auch ich ein paar Jahre nach meiner Geburt zur Schule. Nach meiner Mittleren Reife habe ich eine Ausbildung gemacht und jahrelang im Büro gearbeitet. Na ja nicht nur: Ich habe auch zwei kleine Ausflüge in den Verkauf – beispielsweise als stellvertretende Filialleiterin im Bahnhofsbuchhandel – gemacht. Irgendwann allerdings wurde mir klar, dass diese Tätigkeiten allein mich nicht glücklich machen. Ähm, nein, zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nicht mit Schreiben angefangen, obwohl viel Schriftliches zu erledigen war. Vielmehr habe ich nochmals eine Ausbildung begonnen (Heilpraktikerin) und diverse Kurse (alternative Behandlungen und Wellness) belegt. Das Ganze geschah nebenberuflich und war ziemlich stressig. Und eigentlich verfolgte ich damit das Ziel eine Privatpraxis für ganzheitliche, alternative Behandlungen und Wellnessanwendungen zu eröffnen.

Das Schreiben ….

Mitten in alle Kurse hinein, erfolgte Anfang 2006 ein familiär bedingter Umzug von Baden-Württemberg nach Schleswig-Holstein. Und damit verbunden bis Mitte 2008 ein ausbildungs- und berufsbedingtes Pendeln zwischen den beiden Bundesländern. Im Juli 2008 habe ich dann alle Zelte in Baden-Württemberg abgebrochen und plante eigentlich die baldige Eröffnung der bereits erwähnten Praxis.

Ich bin sicher, der eine oder andere kennt das auch: Das Leben ist wie eine Straße. Wunderschön gelegen, schnurgerade aber eben stellenweise auch kurvig, voller Schlaglöcher und Stolpersteine, voller Abzweigungen und Sackgassen. Dadurch kommt im Leben vieles anders, als man sich das im Stillen so ausmalt und plant. Ein besonders holpriges Stück begann für mich, als ich meine Zelte in Baden-Württemberg endgültig abgebrochen hatte und ganz in Dithmarschen ankam. Die Eröffnung der Praxis verschob sich wieder und wieder. Die Praxis ist jetzt – im Dezember 2009 – nach wie vor ein Traum von mir, deshalb habe ich sie gedanklich noch nicht ad acta gelegt, allerdings ist sie auch nicht wirklich existent. Nun ja. Statt also fleißig Kunden zu bedienen, musste ich plötzlich feststellen, dass ich viel mehr Zeit hatte, als ursprünglich geplant. Was tun? Wenn man zu viel Zeit zum Nachdenken hat, kommt man auf die dümmsten Gedanken. Oder erinnert sich an Dinge, die das Unterbewusstsein irgendwo verankert hat.

Wie gesagt, ich lese gerne und rede auch mit diversen Leuten über das was ich lese. Das führte im Juni 2008 zu einem Gespräch mit einer Bekannten, in welchem sie anregte selbst einmal eine längere Geschichte zu schreiben. Nur um zu wissen, wie schwierig so etwas ist. Im Juni ging dieser Gedanke in meinem Tagesstress unter. Im September des gleichen Jahres, fiel mir dieses Gespräch allerdings wieder ein, während ich mit meinem Hund durch das hiesige Moor stapfte. Nur Stunden zuvor hatten meine Nichte und ich zu unserem Entsetzen festgestellt, dass der Folgeband einer bestimmten Vampir-Reihe erst im Februar 2009 auf den Markt kommen sollte. Ein grauenvoller Gedanke (für uns).

Jedenfalls setzte ich mich sofort nach dem Heimkommen an meinen PC und begann die Entstehungsgeschichte der Etanaer zu schreiben. Im Hinterkopf spukte mir dazu das Gilgamesch-Epos herum.

Von der Idee zur Geschichte

Ich fing also an zu schreiben und danach konnte ich nicht mehr aufhören. Vor allem nicht, als meine Nichte eine Leseprobe davon bekam und tatsächlich mehr wollte -ohne zu wissen, von wem das war. Nach einer zweiten Leseprobe fragte sie jedoch nach Autor, ISBN, usw. und ich musste mich outen. Und weil ihr die Geschichte gefiel und mir meine Finger vom vorübergehenden Stillhalten sowieso juckten, schrieb ich munter weiter.

Ursprünglich war meine erste Vampirgeschichte nur mit 200 Seiten angedacht. Es sollte eine Liebesgeschichte mit einem Vampir sein. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich alles aber irgendwie nach dem Hefeteigprinzip. Die Geschichte ging auf und immer weiter auf und plötzlich standen an Leóns Seite erst mal Alejandro und Nathan und dann schwuppdiwupp noch 9 weitere Etanaer und ihre Frauen. Und in die eigentliche Liebesgeschichte kam Erzsébet hinein, ihre Elevinnen im Schlepptau. Mit ihr bemühte ich weitere Götter und Weise Frauen. Und damit teilte sich die Geschichte in vier Teile. Um die Sache nicht noch weiter ausufern zu lassen, plante ich ein spektakuläres Showdown, einen Streit der Götter, bei dem alle Etanaer vernichtet werden (auch hier kam es anders als geplant).

Nachdem meine Nichte so positiv auf die Leseprobe reagierte, erzählte ich einer Bekannten von meiner Geschichte, als sie wieder einmal fragte was ich denn tagsüber so mache. Prompt bat auch sie um eine Leseprobe. Dann kam noch jemand dazu und dann noch jemand, bis ich erst mal 20 Stammleser hatte. Innerhalb eines Jahres haben sich aber weitere Interessenten sich bei mir gemeldet und ich habe insgesamt größere und kleinere Leseproben an 375 Personen verschickt.

Irgendwann kam die Frage, ob ich auch plane, die Geschichte zu veröffentlichen. In Buchform. Der Gedanke überraschte mich erst mal völlig. Für mich hatte das alles nicht mehr Stellenwert als ein überdimensionierter Aufsatz. Es hätte mir damals eigentlich noch gereicht, wenn beispielsweise nur meine Nichte die Geschichte gelesen hätte. Die Dimension meiner Vorab-Lesegemeinde schockierte mich einigermaßen, als ich mir darüber klar wurde, wer schon alles etwas von Etanas Söhne erhalten hatte.

Relativ früh schickte jemand ohne mein Wissen etwas an einen Verlag und von dort wurde tatsächlich zaghaftes Interesse bekundet. Mutig geworden, habe ich mich auch an andere Verlage gewandt. Hätte ich im Vorfeld gewusst, was für ein Fiasko das für No-Name-Schreiberlinge wie mich ist, hätte ich mich das nie getraut. So bin ich total naiv daran gegangen mich an Heyne, Goldmann, etc. zu wenden. Ein paar haben die Manuskripte mit einem freundlichen Schreiben zurückgeschickt.Ein paar haben es vermutlich nicht mal angesehen und es mit einer schief kopierten Absage wieder an mich gesandt. Ein paar haben gar nicht reagiert. Okay, das war abzusehen – aber frustrierend war es trotzdem. So frustrierend, dass ich kurz davor stand, alles in meinen Daten-Shredder zu packen und zu vernichten. Meine Nichte hat mich davon abgehalten. Monatelang habe ich die Dateien nicht angerührt und Etanas Söhne völlig aus meinem Kopf verbannt. Weitergeschrieben habe ich trotzdem – an einer anderen Geschichte.

Dann hat dieselbe Person, die ohne mein Wissen einen Manuskriptausschnitt versandte, angeregt, dass ich Etanas Söhne doch auch als e-Book veröffentlichen könnte. Und mir gleich ein paar Plattformen genannt. Ich habe geschluckt – e-Book? Damit musste ich mich erst anfreunden. Ich lese selbst ab und an welche, aber da ich keinen Reader besitze, geschieht das am PC oder Notebook und damit ist man angebunden. Ich käme nie auf den Gedanken die Dinger mit in die Wanne zu nehmen, am Strand stelle ich sie mir ebenfalls unpraktisch vor, im Garten, je nach Sonnenstand, könnte es auch Probleme geben. Außerdem waren da noch immer hartnäckig die Vorab-Leser, die nach wie vor nach der gedruckten Version fragten. Nicht mehr so zahlreich wie noch Monate zuvor – aber die Fragen waren da.

Von der fertigen Geschichte zum gedruckten Buch

Jedenfalls zum ersten Band davon. Trotz der kurzen Entstehungszeit der Geschichte von wenigen Monaten oder der Drucklegung von Band 1 nach etwas mehr als einem Jahr, war es ein holpriger Weg. Ich bin schließlich auf die tredition GmbH gestoßen – der ich an dieser Stelle herzlich danken möchte und die ich jedem mutlos gewordenen Schreiber wohl getrost empfehlen kann.

Bei den allseits bekannten großen Verlagen unterzukommen. womöglich sogar noch mit Vertrag, ist faktisch gesehen in etwa so wahrscheinlich wie ein größerer Lottogewinn. Und kleine Verlage, die sich vielleicht durchaus für die Geschichte die man geschrieben hat interessieren, gibt es zwar eventuell durchaus. Aber ob die immer die Mittel haben, einen noch in ihr Verlagsprogramm aufzunehmen ist fraglich. Dann gibt es natürlich noch die Druckkostenzuschuss-Verlage. Eine tolle Sache – allerdings nicht unbedingt für den Autor. Der kann da viel Geld liegenlassen. Als gebürtiger Schwäbin widersprach das einfach meinen Grundsätzen. Zumal man für dieses viele Geld nichts geboten bekommt. Wenn man nicht aufpasst, wird das richtig teuer. Dabei dachte ich immer, mit Schreiben kann man was verdienen. Gut – keine Millionen (die meisten Autoren sind vermutlich froh, wenn sie mit den Provisionen mal einkaufen gehen können <Lebensmittel, keine Luxuswaren> – aber selbst 20 Euro sind ja schon mal so was wie verdientes Geld.

Trotzdem hatte ich in gewisser Weise Blut geleckt, als die Fragen einfach nicht aufhörten. Nur – wie soll ich diese Fragen bewerten? Lohnt sich der Aufwand denn? Ist die Geschichte so gut, dass irgendjemand Geld dafür ausgibt? So gut, dass vielleicht sogar mehr als 375 Leser zusammenkommen?

Der Verlag tredition bietet zumindest die Möglichkeit, dass außer meinem Bekannten- und Freundeskreis (der übrigens bei weitem keine 375 Personen umfasst) andere Personen an Band 1 herankommen können. Genau wie an Bücher anderer Autoren, die dort untergekommen sind, weil sie vielleicht wie ich keinen Agenten oder nicht das nötige Quentchen Glück haben, um bei einem der großen Verlage angenommen zu werden.

Vom fertigen Buch zum Leser

Der Weg ist ebenfalls lang, beschwerlich und holperig. Nur weil das Buch bei Anbietern wie Libri, Umbreit, Amazon, etc. gelistet ist, heißt es noch nicht, dass es sofort erhältlich ist. Und selbst wenn es erhältlich ist, wie soll jemand darauf aufmerksam werden. Wie gesagt, der Weg ist lang und beschwerlich – so viel steht fest. Aber das war von vorn herein klar, schließlich ist aller Anfang schwer. Aber wisst ihr was? Trotz diverser frustverdächtiger Rückschläge: das Schreiben und alles drum herum macht mir immer noch richtig Spaß….

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Updated: 10. März 2010 — 20:27

2 Comments

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  1. Von Druckkostenzuschuss-Verlage ist dringend abzuraten!

  2. Ganz meiner Meinung, ich hatte selbst mal einen Freund, der sowas versucht hatte und voll auf die Nase geflogen ist und zum Schluss auf 2000,- DM sitzen geblieben ist…

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