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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 6)

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. April 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 6

»Ich sagte doch bereits, dass Feierabend ist!« sagte der Wirt ärgerlich, als Borodin das Lokal betrat. Jetzt erst bemerkte Sten Öberg, dass ein Fremder eingetreten war. »Oh, entschuldigen Sie!« rief er verwirrt. »Ich dachte, es wäre…«

Borodin lächelte nur und trat näher.

»Darf ich Ihnen etwas anbieten?« wurde er gefragt. Sten Öberg deutete auf die Wanduhr.

»Es ist zwar schon längst Feierabend, aber wenn Sie wollen… Falls der Constabler tatsächlich unerwartet kommen sollte, wird er das wohl verstehen.«

»Einen Whisky, bitte, wenn es Ihnen nichts ausmacht.«

Geschäftig wandte sich der Wirt an das Spiegelregal, um eine Flasche vom Bord zu holen.

»Das Beste vom Besten für meinen späten Gast«, sagte er, deutlich erfreut, einmal etwas Abwechslung zu haben. Plötzlich erstarrte er. Mit geweiteten Augen blickte er in den Spiegel hinter den Flaschen. Langsam wandte er sich zu Borodin um. Sein Blick wanderte zwischen Borodin und dem Spiegel hin und her.

Endlich verstand Borodin, was passiert war. Er trat ein paar Schritte vor und stellte sich direkt in Front des Regals. Da sah er es selbst: Sein Bild spiegelte sich nicht!

Ein erstickter Laut entrang sich der Kehle des Wirtes. Er ließ die volle Flasche fallen, die klirrend am Boden zersprang. Würgend griff er sich an die Kehle. Borodin sah ihn erbarmungslos an. Ein seltsames Feuer glomm in seinen Augen auf, loderte stärker und stärker, sprang auf den feisten Wirt über. Gurgelnd griff der Mann in die Luft, fand keinen Halt, rutschte am Regal langsam abwärts, Flaschen und Gläser mit sich reißend.

Der kalte Schweiß stand auf Borodins Stirn. Er verfluchte seine Unaufmerksamkeit und wollte dem Wirt seinen Willen aufzwingen.

Doch der Mann erwies sich als ungeheuer zäh. Verzweifelt wehrte sich sein Geist. Borodin, der seine neuen Kräfte noch immer nicht ganz beherrschte, steigerte seine Konzentration.

Der Körper des Wirtes erschlaffte. Borodin atmete erleichtert auf.

Im nächsten Augenblick schrak er zusammen und rannte hinter die Theke.

»Hoffentlich lebt der Mann noch«, keuchte er bestürzt und tastete nach dem Puls des Wirtes. Ganz schwach war er fühlbar.

Auf dem Flur näherten sich Schritte. Borodin fuhr hoch und lauschte. Sein veränderter Geist ließ ihn erkennen, wer sich näherte. Es war eine junge Frau: Betty Field, die Kellnerin. Der Wirt hatte sie früher zu Bett geschickt, weil er gehofft hatte, dadurch endlich die Zechrunde auflösen zu können. Am Ende hatte er aber doch zu härteren Maßnahmen greifen müssen. Durch den Lärm der zerbrechenden Flaschen und Gläser war sie aufgeschreckt worden und wollte nun nach dem Rechten sehen.

Dietrich Borodin suchte das Weite. So schnell er konnte, hetzte er zur Tür, riss sie auf, schloss sie hinter sich wieder, jagte über den Parkplatz zum Wald.

Unvermittelt traf ihn ein Schock. Der Boden unter ihm begann zu wanken. Kopfüber stürzte er zu Boden, riss sich Gesicht und Hände auf. In seinem Innern breitete sich Todesangst aus, Panik, Schmerzen, unglaubliche Schmerzen. Die Vision eines dämonischen Tieres war da, dann nur noch undurchdringliche Schwärze, die allerdings nur für Sekunden anhielt.

Benommen blieb Dietrich Borodin danach liegen. Sein Verstand bemühte sich verzweifelt, zu verstehen. Was war nun schon wieder mit ihm passiert? Er versuchte, die chaotischen Eindrücke, die in seiner Erinnerung haften geblieben waren, zu ordnen. Plötzlich wusste er es. Einer der Männer, die das Lokal verlassen hatten, war eines unnatürlichen Todes gestorben. Es hatte ihn übermannt. Nicht er selber hatte dieses Erlebnis gehabt.

Fast körperlich spürte Dietrich Borodin jetzt diese tödliche Gefahr. Er taumelte hoch.

Mario Cruchillo war umgekommen. Auf ihn hatte sich Dietrich besonders konzentriert.

Offenbar hatte das zu einer unsichtbaren Verbindung geführt. Im Augenblick des Todes war diese Verbindung plötzlich erstarkt und Borodin war unvermittelt Zeuge des entsetzlichen Ereignisses geworden, gerade so, als wäre er selber der Sterbende…

Fieberhaft überlegte Dietrich Borodin, was das für ein schreckliches Wesen gewesen sein mochte, das Marios Leben auf dem Gewissen hatte. Und dann hatte er die Lösung. Er, Jane Murphy und dieser Werwolf waren nicht die einzigen, die Opfer des seltsamen Verzerrungsphänomens geworden waren! Irgendein normalerweise harmloses Tier musste durch Zufall denselben Weg gegangen sein und hatte eine dämonische Veränderung erfahren.

»Sollte es wirklich so sein?« murmelte Borodin vor sich hin. Sein Erlebnis mit dem Wirt verdrängte er im Moment erst einmal. »Ja, es kann sein«, beantwortete er sich die Frage selbst. »Wir waren alle so beschäftigt gewesen, dass wir es nicht bemerkt haben. Das Tier braucht nur ein wenig scheu gewesen zu sein. Sobald es uns entdeckte, floh es in den Wald.«

Die Konsequenz, die diese Schlussfolgerung nach sich zog, ließ Borodin erschauern: Eine tödliche Gefahr streifte durch den Wald. Die friedlichen Menschen im Dorf ahnten nichts davon.

*

David schlief tief und fest. Er war ein Kämpfertyp, der einfach abschalten konnte, wenn es sein Körper verlangte. Jane hingegen konnte kein Auge zutun.

Das ist also meine Hochzeitsnacht, dachte sie in einem Anflug von Verbitterung. Ein Mädchen stellte sie sich wohl immer ganz anders vor. Sie blickte zu der runden Scheibe des Vollmonds empor. Die Nacht mit ihrem sternenübersäten Himmel, der vergeblich versuchte, das Licht des Mondes zu übertreffen, hätte romantisch sein können, hätte Jane nicht immer wieder an das Schreckliche denken müssen, das sie erlebt hatten.

Ein kratzendes Geräusch. Fast gleichzeitig schlug David die Augen auf. Obwohl er tief und fest geschlafen hatte, war er plötzlich hellwach. Jane runzelte die Stirn. Sie war die ganze Zeit über wach gewesen und hatte das Geräusch kaum wahrgenommen. Zum ersten Mal wurde ihr bewusst, was für einen Mann sie geheiratet hatte. David Murphy war ein liebevoller Partner, zärtlich zu seiner Frau und voller Romantik – aber wehe dem, der ihn zum Feind hatte.

Fast geräuschlos erhob er sich und lauschte. Das kratzende Geräusch wiederholte sich.

»Was ist das?« raunte er.

Sie wollte etwas sagen, aber seine breitflächige Hand legte sich auf ihren Mund. Er bedeutete ihr, zu schweigen. Sanft schob er seine Frau beiseite und starrte durch die Fensterscheibe. Draußen war es nicht sehr hell. Dennoch konnte David den Schatten erkennen, der sich neben dem Wagen bewegte. Er tastete nach dem Türgriff. Blitzschnell stieß er den Wagenschlag auf. Das Tier, das sich draußen zu schaffen gemacht hatte, wurde mehrere Meter weit weggeschleudert. Fauchend wirbelte es herum.

»Eine Katze!« entfuhr es David. Jane beugte sich vor, um besser sehen zu können. Da setzte die Katze zum Sprung an. Erst jetzt bemerkte David, dass es sich unmöglich um ein normales Tier handeln konnte. Ihre Augen glühten, sie strahlten Grauen aus. Dann sprang sie. Geistesgegenwärtig zog David die Tür zu. Die Katze prallte gegen die Scheibe, ohne diese zerstören zu können. Für den Bruchteil einer Sekunde sahen sich die beiden Wageninsassen Auge in Auge mit dem Tier. Jane stieß einen Entsetzensschrei aus.

»Mein Gott«, flüsterte David, »was ist das für ein Untier?«

»Das Blut«, stammelte Jane fassungslos und starrte hinaus.

Die Katze war ein paar Schritte zurückgewichen und beobachtete sie unverwandt.

»Sie ist über und über voll Blut.« Janes Stimme zitterte. Blitzschnell öffnete sie den Wagenschlag und sprang nach draußen. David schrie auf und wollte nach ihr greifen, sie aufhalten, doch sie war schneller. Mit drei, vier Schritten stand sie vor dem Wagen, außerhalb seiner Reichweite.

Das Fell der Katze sträubte sich. Sie setzte abermals zum Sprung an. Schreckliche Laute kamen aus ihrem Maul. Diesmal würde es keine schützende Scheibe zwischen ihr und Jane geben!

»Jane!« brüllte David, Verzweiflung in der Stimme. »Jane, komm sofort zurück! Sie wird dich in Stücke reißen. Das ist keine normale Katze, sondern ein Ungeheuer!«

Seine junge Frau schien ihn nicht zu hören. Jedenfalls reagierte sie nicht. Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Sie ging einen Schritt auf die Katze zu. Diese quittierte das mit einem lang gezogenen Klagelaut und wich zurück. David wollte aus dem Wagen springen, um Jane zu helfen – so aussichtslos das auch erschien. Da wurde ihm plötzlich schwindlig. Er griff sich an die Brust. Jemand schien ihm das Herz herausreißen zu wollen. Es würgte ihn. Verzweifelt rang er nach Atem. Er hatte das Gefühl, als verenge sich der Wagen, als rückten die Wände zusammen, um ihn zwischen sich zu zerquetschen.

Er musste heraus aus dem engen Gefängnis.

Er sprang nach draußen. Ein Zucken ging durch seinen Körper. Er hörte nicht den erschreckten Ausruf Dietrich Borodins, der gleichzeitig auf die Lichtung trat und auch nicht das Fauchen der Katze, die plötzlich jegliches Interesse an Jane verloren hatte und sich David zuwandte. Er blickte an sich herab. Mit geweiteten Augen sah er, dass es sich unter der Kleidung, die er trug, zu bewegen begann. Die Hose spannte sich an den Oberschenkeln, knisterte verdächtig in den Nähten und platzte schließlich. Dasselbe geschah auch an seinen Armen und an seiner Brust. Seltsame Gefühle durchfluteten ihn.

Er wusste plötzlich, dass diese Gefühle für ihn nicht neu waren. Da waren Instinkte, die noch von seinen Urvätern stammten und die in jedem Menschen schlummerten. Sie wurden auf einmal stärker als alles andere.

Die Katze wich fauchend zurück. Aber noch war die Verwandlung nicht ganz vollzogen.

Das Tier spürte, dass es noch eine winzige Chance hatte. Es sprang. Einer richtigen Katze wäre es unmöglich gewesen, eine solche Entfernung mit einem einzigen Sprung zu überwinden, aber dieses Tier war nicht mehr mit normalen Maßstäben zu messen.

David, der kein Mensch mehr war, sah aus den Augenwinkeln den Schatten, der wie von einer gewaltigen Sehne geschnellt auf ihn zuflog.

Er wich schneller als ein Gedanke beiseite und… biss zu. Das Genick der Katze zerbarst mit einem überlauten Krachen.

Das Untier versuchte dennoch, sich zu wehren, aber der Werwolf schüttelte nur unwillig sein Opfer und warf es dann in den Dreck, wo es verendete.

Der Biss eines ausgewachsenen Werwolfs war auch für ein solches Untier zuviel!
(Wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


Der gesamte Roman ist auch käuflich zu erwerben:

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Lesen Sie auch die Besprechung von Petra Weddehage:

W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 5)

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. April 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 5

Borodin irrte fast eine halbe Stunde durch den finsteren Wald. Erstaunt bemerkte er, dass er eine gewisse Nachtsicht besaß. Er nahm Dinge wahr, die er nie für möglich gehalten hätte. Euphorie stieg in ihm empor. Hatte er noch vor Minuten mit dem Schicksal gehadert, so war er ihm jetzt fast dankbar für die Bereicherung seiner Sinne.

Die Ernüchterung kam schnell. War er nicht zu einer Art Gespenst geworden?

Unwillkürlich dachte er an den Geist, den er hatte beseitigen müssen, ehe jener sie vernichtet hätte. Würde auch er einmal so sein? Plötzlich fürchtete er sich.

Das war der Zeitpunkt, an dem er das Dorf entdeckte. Der Wald endete unvermittelt an einem weiten Parkplatz. Auf der anderen Seite stand ein Gasthof. Hundert Meter dahinter begann das Dorf, malerische Häuschen, deren Fassaden mit Holzschindeln verkleidet waren. Borodin zwang sich dazu, den Wald zu verlassen. Vorsichtig nach allen Seiten sichernd, überquerte er den Parkplatz und ging auf das Dorf zu. Unter einem erleuchteten Fenster des Pubs blieb er stehen und lauschte.

Undeutliche Worte drangen an sein Ohr. Borodin runzelte verärgert die Stirn und konzentrierte sich. Normalerweise war er alles andere als neugierig, aber er wusste noch immer nicht, was wirklich vorgefallen war und wollte kein Risiko eingehen.

Noch immer verstand er nichts von dem Gesprochenen. Langsam schob er seinen Kopf über die Fensterbank und starrte in den hell erleuchteten Raum. Einen Moment war er geblendet. Seine Augen brauchten Sekunden, bis sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatten.

Dann übersah Borodin den Gastraum mit einem Blick. Nur wenige Menschen befanden sich darin. Hinter dem Tresen stand der feiste Wirt, eine speckige Schürze vor den Schmerbauch gebunden. Dietrich Borodin widmete ihm seine Aufmerksamkeit.

Im nächsten Augenblick zuckte er zusammen wie unter einem Peitschenhieb. Deutlich hatte er die Worte gehört: »Verdammtes Pack! Seit sie diese Umgehungsstraße gebaut haben, verirrt sich keine Menschenseele mehr in das Kaff. Mit diesen Idioten muss ich vorlieb nehmen. Aber denen werde ich Beine machen!« Borodin hatte es gehört, doch der Wirt hatte nicht die Lippen bewegt. Verstohlen sah sich Borodin um. Er war allein und versuchte vergeblich, das Geschehene zu begreifen.

Dann kam ihm die Erkenntnis: Nichts hatte er gehört! Was er vernommen hatte, waren die ärgerlichen Gedanken des Mannes gewesen!

Borodin kauerte sich auf den Boden. Er brauchte eine Weile, bis er sich mit dieser Tatsache abgefunden hatte. Dann versuchte er es bei den Gästen. Es funktionierte nur, wenn Gedanken sozusagen schon fast auf der Zunge lagen, also sehr deutlich waren.

Außerdem musste sich Borodin direkt auf einen einzelnen Menschen konzentrieren.

Unvermittelt kam Bewegung in die Szene. Der Wirt trat an den Stammtisch und fauchte:

»Feierabend, meine Herren!« Er deutete auf die große Uhr hinter der Theke.

»Red keinen Unsinn, Sten!« lallte einer. Borodin wusste im gleichen Moment, dass er Mario Cruchillo hieß und einer der Gäste war, die den größten Teil ihrer Freizeit in dieser Kneipe verbrachten. »Wir feiern doch Renzos Geburtstag!«

Italienischer Abstammung, durchfuhr es Borodin. Jetzt, da er sich auch auf die Gedanken der Leute konzentrierte, begriff er alles.

Sten Öberg winkte ab. Das kannte er. Marios Bruder hatte mindestens zwanzigmal im Jahr Geburtstag – nur feierte er ihn nie selbst. Doch das Feiern besorgte schon Mario zur Genüge.

»Du solltest dich schämen, Mario«, sagte der Wirt ernst. »Während dein Bruder von morgens bis abends schwer schuftet, lungerst du hier herum und säufst dir die Hucke voll.«

»Jetzt mach aber mal einen Punkt, Sten«, lallte ein weiterer Gast. »Schließlich hast du an Marios Durst schon eine Menge verdient.«

Die Augen des Wirtes blitzten zornig.

»Schluss!« rief er. »Ich muss meinen Laden schließen, bevor mir die Polizei auf den Pelz rückt. Ihr wisst, dass Constabler Fletcher recht unnachgiebig ist.«

»Quatsch, der ist doch gar nicht da!« Der Sprecher machte eine wegwerfende Handbewegung.

Der Freundeskreis der Saufkumpane wich dennoch der Gewalt. Sie erhoben sich schwankend und peilten die Garderobe an. Wenig später polterten sie aus der Gaststube.

Dietrich Borodin gab schleunigst seinen Beobachtungsposten auf und ging in Deckung.

Mario Cruchillo verabschiedete sich vor dem Pub von seinen Kumpanen, die grölend ins Dorf zogen. Der Mann italienischer Abstammung schwang sich auf ein altes Fahrrad und fuhr zum Waldrand. Borodin wartete, bis er weg war, dann beschloss er, sich das Gasthaus einmal von innen anzusehen.

*

Der Dynamo des Fahrrades summte gleichmäßig und spendete genügend Strom, um der winzigen Lampe flackerndes Licht zu entlocken. Die schwarze Wand aus Bäumen rückte auf den einsamen Radler zu, wich etwas auseinander und nahm ihn auf. Das Licht reichte nicht, um viel vom Weg erkennen zu lassen, aber da war der pralle Vollmond mit seinem milchigen Schein. Marios vom Alkohol verschleierte Augen starrten nach vorn. Minuten später machte der Pfad eine leichte Biegung nach links, dann wieder nach rechts.

Ausgerechnet an der zweiten Kurve gabelte sich der Weg. Der Betrunkene nahm das gar nicht richtig wahr. Er verpasste die richtige Abzweigung und radelte weiter.

Unbeholfen trat er in die Pedale. Er hatte große Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Der unruhige Lichtstrahl tastete sich mal hierhin, mal dorthin. Mario Cruchillo brabbelte sinnloses Zeug vor sich hin, wenn er durch ein Schlagloch fuhr oder über einen Stein holperte. Bis die zweite Weggabelung kam und er abermals in die falsche Richtung lenkte.

Er atmete schwer. Das Radfahren strengte ihn an. Ein paar mal blies er missmutig die Wangen auf, dann versuchte er es mit einem Lied. Spröde und lallend kam es über seine Lippen.

Da, rechts von ihm, huschte etwas durch die Dunkelheit. Mario Cruchillo sah nicht die bösartig glitzernden Augen, die jeder seiner Bewegungen folgten, aber er ahnte etwas. Er verstummte. Gleichzeitig rückten die Bäume immer dichter zusammen und der Weg wurde holpriger. Hier kam nicht oft jemand vorbei. Der Pfad war kaum ausgetreten.

Außerdem schien es noch dunkler zu werden.

Die Fahrradkette schepperte durch das ständige Auf und Ab gegen das Schutzblech. Das Geräusch mahnte Mario zur Vorsicht. Er hatte wieder begonnen, ein Liedchen zu lallen, doch der nächste Ton blieb ihm im Halse stecken. Er stierte in die Finsternis vor sich, dennoch sah er nicht die Bodenwelle, die quer über den Pfad lief. Mit unverminderter Geschwindigkeit fuhr er darüber. Der Lenker wurde ihm aus der Hand gerissen, das Vorderrad stellte sich quer. Abrupt wurde das Fahrrad zum Stoppen gezwungen und Mario flog in hohem Bogen vom Sattel. Schwer und unbeholfen schlug der Mann auf dem Boden auf. Ein heißer Schmerz durchzuckte seinen rechten Arm, ein lautes Stöhnen drängte sich über seine Lippen.

Eine Minute blieb Mario regungslos liegen. Dann kam wieder Leben in ihn. Obwohl er total betrunken war, spürte er den heftigen Schmerz in seinem Arm. Es gelang ihm nicht, sich zu erheben. Fluchend rollte er sich auf die linke Seite und blickte den Weg entlang. Das Mondlicht drang nur mühsam durch das Dach aus Baumwipfeln. Dennoch erkannte Mario Cruchillo im gleichen Augenblick, dass er sich verfahren hatte. Angst stieg in ihm auf, schnürte ihm die Kehle zu.

»Ach was!« rief er, um sich selbst Mut zu machen. »Was soll mir schon passieren?«

Aber da waren die Geschichten, die die Alten immer erzählten. In dieser Gegend war schon viel geschehen. Angeblich sollte es hier auch einen mächtigen Geist geben.

»Albernes Gewäsch!« sagte Mario Cruchillo verächtlich. »Habe bisher noch keinen Geist gesehen.« Er winkte ab und stöhnte im nächsten Moment laut auf. Für einen Augenblick hatte er die Schmerzen in seinem Arm vergessen. Ob er gebrochen war?

Mario verlagerte sein Gewicht ganz auf die linke Seite und zog die Beine an. Mühsam wuchtete er seinen schweren Körper hoch, bis er kniete. Langsam sah er auf. Da lag das Fahrrad. Das Hinterrad drehte sich noch immer fast geräuschlos. Mario ließ seinen Blick weiter gleiten, richtete ihn gegen die Wand aus Bäumen, die ihn umgab – und erstarrte.

Etwas hatte sich in dem Gestrüpp bewegt!

Ein heiserer Laut drang über seine Lippen. Ein Raubtier? Nein. Er verwarf den Gedanken wieder. Hier gab es seit einem Jahrhundert keine Raubtiere mehr, die einem Menschen gefährlich werden konnten. Dafür hatten die Dorfbewohner schon gesorgt.

Etwas leuchtete in der Dunkelheit.

Mario blickte genauer hin. Es krampfte sich alles in ihm zusammen.

Das Leuchten kam näher.

»Wahrhaftig«, flüsterte Mario, mit einem Male stocknüchtern, »glühende Augen!«

Er wollte aufspringen, aber er war wie benommen und kam nicht auf die Beine. Er plumpste rücklings wieder zu Boden. Und die glühenden Augen schoben sich immer näher – lautlos wie der Tod? Mario streckte seinen gesunden Arm aus.

»Nein!« schrie er entsetzt. »Weiche von mir!«

Doch das Wesen ließ sich nicht beirren. Es kam immer näher.

»Hilfe!« brüllte Mario mit sich überschlagender Stimme, das Grauen in seiner Brust. Doch es konnte ihn niemand hören. Er war allein – allein mit dem Tod.

Jetzt sah er das Wesen genauer. Es war eine Katze, die zum Sprung ansetzte. Er konnte sich nicht wehren. Die Katze war nicht groß, aber die glühenden Augen lähmten Mario.

Er spürte schon Sekunden später die tödlichen Zähne, die sich in seinen Körper schlugen.
(Wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


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W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 4)

Erstellt von Detlef Hedderich am 22. April 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 4

In Jane Murphy überstürzten sich die Gedanken. Alles, was sie in den letzten Minuten erlebt hatte, war so unfassbar, so schrecklich gewesen. Sie hörte die verzweifelten Rufe des Fremden hinter sich. Verzweifelt? Unwillkürlich spürte sie den Impuls in sich, stehen zu bleiben, doch das Grauen in ihr war stärker, beschleunigte ihren raschen Lauf. Da war der Wagen. Sie lief vorbei, um die Lichtung zu überqueren. Die Mauer aus Bäumen auf der anderen Seite erschien ihr wie ein Schutzwall, der sie aufnehmen musste.

Dann blieb sie plötzlich stehen. Was war da gesagt worden? Eine Schattenwelt – eigentlich unsichtbar für jeden normalen Menschen? Sie wirbelte herum. Ihre Augen weiteten sich. Der Mann mit dem dicken Bauch: Die Schauergestalt, beugte sich langsam zu ihm hinab.

Wie war das gewesen? Ein Hexenmeister, der frische Lebensenergie brauchte, um sich erneuern zu können? Jane schrie gellend auf und begann zu laufen – diesmal in die umgekehrte Richtung, nämlich zurück. Sie war zu allem entschlossen. Noch war es nicht zu spät. Da lag der Knüppel, der der Hand des Fremden entglitten war. Sie hob ihn auf. Und ihre schlanken Arme schlugen mit aller Kraft zu. Das Ding sauste an dem dicken Mann vorbei und traf das durchscheinende Skelett.

Über Dietrich Borodins Lippen drang ein lang gezogener, klagender Laut. War der Unheimliche schon mit ihm vereint? War es schon zu spät für ihn? Er richtete sich auf und presste die Hände gegen seinen Schädel, als wolle er so verhindern, dass er auseinander platzte. Der Schrei schien gar nicht mehr abreißen zu wollen.

Mit einem Mal war Dietrich Borodin wieder er selbst. Er wusste, was beinahe mit ihm passiert wäre. Ein Grollen stieg von dem Geist auf, den man mit einem Knüppel nicht vernichten konnte – ein Grollen, das die Erde erzittern ließ.

Dietrich fiel dem rasenden Mädchen in den Arm und schrie: »Lassen Sie! Es ist genug. Es hat keinen Zweck.«

Sie hielt ein und warf sich ihm schluchzend an die Brust.

Es raschelte am Boden. Das Skelett kroch näher, hatte sie fast erreicht. Sanft drückte Dietrich das bebende Mädchen von sich. Er durfte keine Zeit verlieren. Der Geist kämpfte um sein Fortbestehen und kannte keine Gnade. Aus den Augenwinkeln sah Borodin den angeblichen Werwolf, der sich erhob und näher taumelte.

»Halten Sie ihn auf!« befahl er dem Mädchen, das vor den tierischen, teuflischen Augen zurückweichen wollte.

»Wie soll ich das tun?« fragte sie entsetzt.

Für einen Sekundenbruchteil begann sich auf Borodins Gesicht ein verzerrtes Lächeln zu bilden. In einem Anflug von Galgenhumor gab er zurück: »Was fragen Sie mich? Sie sind doch die Hexe!« Dann wandte er sich der Aufgabe zu, die er sich gestellt hatte. Er glaubte, den einzig gangbaren Weg gefunden zu haben.

Suchend blickte er umher. Überall lag Reisig. Er sammelte es ein und türmte es auf die Skelettreste.

»Nein!« grollte es. Ein paar Knochen bewegten sich hilflos.

»Was tun Sie da?« rief das Mädchen.

»Sie sollen sich um den Werwolf kümmern!« wurde sie von Borodin angefahren. Eine Spur sanfter fügte er hinzu: »Ich bin sicher, dass es Ihr Freund David ist!«

Er sah nicht das Grauen in den Augen der jungen Frau. Immer mehr Reisig stapelte er, bis er sicher war, dass es genügte. Sein Feuerzeug funktionierte auch in dieser Welt. Doch bevor er das Reisig in Brand stecken konnte, grollte der Geist darunter hervor: »Du machst einen großen Fehler. Ich könnte euch helfen, hier, in eurem jetzigen Dasein. Allein seid ihr verloren. Ich kenne eure geheimsten Gedanken und weiß mehr über euch als ihr selbst. Höre auf mich. Lasst euch von mir helfen.«

»Du uns helfen? Indem du uns alle Lebensenergie raubst, wie?«

Furchtbare Flüche kamen aus dem Reisigberg, Flüche, die immer mehr in Wimmern und Winseln und Betteln übergingen, als die Flammen höher und höher schlugen und die Hitze zischend auf das Skelett übersprang. Das Grollen der Grabesstimme verstummte endlich mit einem schrecklichen Laut. Borodin ließ die Flammen hoch lodern, bis nur noch Asche und Blut übrig waren. Der Unglückliche, den der Zufall oder eine teuflische Macht hierher verschlagen hatte, war endlich erlöst.

»David?« flüsterte Jane. Sie hatte auf einmal alles um sich herum vergessen, außer jenem wolfsähnlichen Wesen vor ihr. Der Werwolf stieß klagende Laute aus und wandte sich zur Seite. Jane ging langsam auf ihn zu und streckte eine Hand aus. Der Werwolf schnappte danach. Jane zog ihre Hand nicht zurück, auch als das seltsame, unirdische Wesen sein furchtbares Gebiss zeigte.

»David!« sagte sie zärtlich und schöpfte aus der neuen, unbegreiflichen Kraft, die sie seit ihres Hier seins erfüllte. Es war unglaublich, aber der Werwolf ließ sich tatsächlich von ihr berühren.

»Bald wirst du wieder du selbst sein«, versprach Jane. Hinter sich hörte sie das Knistern des Feuers. Sie wartete noch einen Augenblick, dann ging sie mit dem unglücklichen Geschöpf, das einmal David Murphy gewesen war und vielleicht auch mal wieder sein würde, zu dem Fremden, der neben der verglimmenden Glut stand. Dietrich Borodin wandte sich ihr zu.

»Ich habe das untrügliche Gefühl, meine Liebe, als säßen wir hier gründlich in der Falle!« sagte er.

»Warum gehen wir nicht einfach zurück in unsere Welt?« fragte sie unschuldig. »Wenn ich richtig verstanden habe, was das Ungeheuer behauptet hat, dürfte damit alles wieder in Ordnung sein.«

Borodins Augen wurden groß und rund. Mit der flachen Hand hieb er sich gegen die Stirn.

»Natürlich, dass ich daran nicht gleich gedacht habe!« Er ging an ihr vorbei. Nach ein paar Schritten blieb er stehen und wandte den Kopf. »Also glauben auch Sie an diese Geisterwelt, in der wir nur die Astralkörpern von allem Gegenwärtigen sehen und in der wir vielleicht für die reale Welt unsichtbar sind?«

»Natürlich. Wie sonst ließe sich Davids gegenwärtiger Zustand erklären?« sagte sie einfach. »Allerdings glaube ich nicht so recht an unsere Unsichtbarkeit.«

Borodin ging zu der Stelle, an der die Wagenspur begann.

»Hier muss es sein«, meinte er, vergeblich bemüht, das Zittern in seiner Stimme zu verbergen. Mit einem großen Schritt überquerte er die Grenzlinie.

»Hier war es!« erwiderte Jane Murphy trocken, als nichts geschah. Betreten blickte er sie an.

»Haben Sie sich verletzt?« erkundigte sich Jane besorgt und deutete auf sein Gesicht. Er stutzte und tastete nach seiner Stirnwunde. Aber dort war alles glatt, als wäre nie etwas gewesen. Nur das getrocknete Blut zeugte davon, dass er dort eine Wunde gehabt hatte.

»Das ist der letzte Beweis«, flüsterte er. »Dieser lebende Leichnam hatte recht. Hier bin ich so was wie ein Hexenmeister.« Er sah zu dem Werwolf. »Aber wieso ist er hier ein solches Untier? Was ist der Grund und: Was machen wir mit ihm?«

»Vielleicht sollten wir jene geheimnisvollen Kräfte einsetzen, die diese Welt in uns geweckt hat – aus welchen Gründen auch immer?« fragte sie leise.

Der Werwolf knurrte sie an und fletschte die Zähne, als sie sich zu konzentrieren begannen. Sein Körper duckte sich zum Sprung. Für eine Sekunde sah es so aus, als wollte er die beiden Menschen im nächsten Augenblick zerreißen. Da brach er zusammen. Sein Körper zuckte wild. Klagende Laute entrangen sich der nichtmenschlichen Kehle – Laute, die mehr und mehr menschlich wurden. Minuten später lag David Murphy vor ihnen, wie Jane ihn kannte. Er war ohne Bewusstsein. Schluchzend beugte sich Jane über ihren Mann.

Ein paar Minuten vergingen, bis David Murphy zu sich kam. Verständnislos schaute er sich um. Da war etwas in ihm, eine vage Erinnerung, gegen die sich sein Innerstes sträubte. Er fasste sich an den Kopf. Dann erst kam ihm zu Bewusstsein, dass er am Boden lag, dass vor ihm ein Fremder stand.

»Was – was ist geschehen?« stammelte er. Zum ersten Mal sah Jane ihren geliebten Mann ratlos, ja, sogar ein wenig hilflos. David wurde das bewusst. Behände sprang er auf die Beine, blickte umher. Alles erschien ihm seltsam unwirklich. Er ballte die Hände, als er seinen Wagen mitten auf der Lichtung stehen sah. Sein Erinnerungsvermögen funktionierte wieder, doch er wollte nicht wahrhaben, was geschehen war.

»Wie sind wir hierher gekommen?« David wandte sich an Dietrich Borodin. »Wer sind Sie?«

Dietrich deutete eine ironische Verbeugung an und stellte sich vor.

Zehn Minuten später blieb David Murphy nichts anderes übrig, als die Tatsachen zu akzeptieren. Borodin und Jane hatten ihn über alles aufgeklärt. Was er als eine Art Werwolf erlebt hatte, war mehr oder weniger verworren in seinem Gedächtnis haften geblieben. Der Kämpfer des Lichtes erwachte nun wieder in ihm. Stirn runzelnd betrachtete er die Stelle, an der der Geist verbrannt war.

»Es wird also noch mehr von dieser Sorte hier geben«, stellte er tonlos fest und stocherte mit der Fußspitze in der Asche.

»Das glaube ich nicht«, widersprach der Handelsreisende. »Ich nehme vielmehr an, dass solche Unwesen recht selten sind. Bedenken Sie, wie lange der Geist in dem schrecklichen Zustand war. Eine Verzerrung, wie er es nannte, tritt wohl höchst selten ein. Außerdem scheint es Machtkämpfe zu geben. Der Hexenmeister wollte uns keine Chance geben und uns an Ort und Stelle gleich vereinnahmen.«

David kratzte sich am Kinn.

»Ich habe mir da eine Theorie zurechtgelegt. Sie kennen die Phänomene wie Geistererscheinungen, Hexen und so weiter, obwohl Sie so etwas bisher als Ammenmärchen abgetan haben. Jane bemerkte schon richtig, dass alles, was wir hier tun, direkte Einwirkungen auf die Realwelt hat. Auch glaube ich, dass wir für jeden Menschen sichtbar sind.« Er machte eine Kunstpause. Sein Blick ruhte auf Dietrich Borodin, dessen Augen sich weiteten. Er ahnte, was David Murphy hinzufügen wollte: »In Wirklichkeit hat sich nicht unsere Umgebung verändert, sondern wir!«

Obwohl David sich vergeblich fragte, wieso aus ihm ein Werwolf und aus seiner geliebten Jane eine Hexe geworden war. Ja, WIESO?

Es gab keine Antwort auf diese brennendste aller Fragen – vorerst jedenfalls nicht.

Jane stieß einen erstickten Laut aus. Sie hatte das Unausgesprochene jetzt ebenfalls verstanden. Wie Hilfe suchend tastete sie nach dem Arm ihres Mannes.

»Wie – wie meinst du das alles?« kam es stockend über ihre Lippen.

»Die Zukunft wird erweisen, ob ich recht habe, Jane«, sagte David Murphy mit brüchiger Stimme. »Denke daran, was der Geist gesagt hat. Es fand eine Verzerrung statt. Wir wurden Wesen ohne Seele! Unsere Geister wurden selbständig, verließen uns!«

Dietrich Borodin begann unvermittelt zu lachen. Es klang irr. Er barg sein Gesicht in den Händen und konnte sich nicht mehr beruhigen. Jane und ihr Mann sahen ihn entgeistert an.

Schlagartig riss Dietrich die Hände vom Gesicht und ballte sie zu Fäusten. Seine Stimme zitterte, als er ausstieß: »Sie irren sich, Mr. Murphy! Sie irren sich gewaltig! Nur in einem haben Sie recht: Unsere Körper wurden ihrer Seelen beraubt. Wenn es aber so wäre, wie Sie es sehen, müssten Astralleib und Körper auf einer Ebene leben.«

David Murphy verstand, worauf Borodin hinaus wollte.

»Um Himmels Willen, wenn das stimmt, dann sind wir die Seelen! Durch die Verzerrung wurden wir von unseren Körpern weggerissen.«

»Nein«, schrie Jane hysterisch. »Was ist mit dem Wagen? Er kam mit. Ihr müsst euch beide irren!«

Borodin und David Murphy sahen sich betroffen an. Es wurde ihnen bewusst, dass sie das Geheimnis um die Dinge noch längst nicht gelöst hatten, die mit ihnen geschehen waren.

Sie diskutierten noch ein paar Minuten hin und her. Dann beschlossen sie, sich zu trennen. Borodin bestand darauf, sich noch in derselben Nacht in der Umgebung umzusehen. Er wollte mehr erfahren. David konnte aus Rücksicht auf Jane nicht mitkommen. Sie blieben beim Wagen und sahen zu, wie Borodin in den Wald stapfte und bald darauf ihren Blicken entschwand.

»Hoffentlich war es kein Fehler, dass wir uns getrennt haben«, sagte Jane.

David zuckte mit den Achseln.

»Ich glaube kaum, dass uns im Moment Gefahr droht.«

Jane kuschelte sich eng und schutzsuchend an ihn. David fühlte den weichen, federnden Druck ihrer Brüste und streichelte über das seidige, rotblonde Haar. Die Nähe der geliebten Frau berauschte ihn und ein Funke sprang auch auf Jane über. Sie küssten sich leidenschaftlich.

»Meine geliebte Hexe«, flüsterte er ihr ins Ohr. Sie lachte über den Scherz und flüsterte zurück: »Mein geliebter Werwolf!«

Eine Woge der Leidenschaft überflutete sie und ließ sie für Minuten alles andere vergessen.
(Wird fortgesetzt!)

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Lesen Sie auch die Besprechung von Petra Weddehage:

W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 3)

Erstellt von Detlef Hedderich am 20. April 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 3

Ganz langsam, fast zögernd, tauchte ihr Bewusstsein aus der Tiefe der Ohnmacht auf. Sie erwachte.

Als erstes hatte sie das alarmierende Gefühl, dass irgend etwas nicht stimmte.

Sie riss die Augen weit auf und starrte um sich.

Da wusste sie, was geschehen war. Die nächtliche Fahrt nach der Hochzeit, das furchtbare Gewitter, das sie überrascht hatte, die plötzliche Kurve, die Gestalt…

Etwas krampfte sich in ihr zusammen. Was war das nur für ein Wesen gewesen?

Sie barg ihr Gesicht in den Händen. Ihre Schultern zuckten, als sie lautlos schluchzte.

Schließlich gewann ein Gedanke die Oberhand: Wo war David?

Jane Murphy sah zur Seite. Der Fahrersitz war leer.

Erst jetzt kam ihr zu Bewusstsein, dass der Wagen auf einer Waldlichtung stand.

Der Motor war abgewürgt, aber die Lichtkegel der Scheinwerfer leuchteten mit inzwischen merklich verminderter Kraft in die Dunkelheit. Rings um die Lichtung stand eine dichte Wand aus Bäumen.

Langsam wandte sich Jane um, gleichzeitig nach dem Türgriff tastend. Sie bemerkte eine seltsame Szene da hinten auf der Lichtung. Drei Gestalten. Eine hatte ein langes Gewand an. Ihr Kopf wurde von einer Kapuze verborgen. Die Gestalt schien leicht durchsichtig zu sein.

Jane Murphy stieg aus. Die Gestalt mit der Kapuze stand mit dem Rücken zu ihr. War eine der anderen beiden David, ihr Mann?

Jane zögerte, dann rief sie laut den Namen ihres Mannes. Sie lief auf die drei Gestalten zu.
Die Gestalt mit der Kapuze wandte sich ihr zu.

Jane blickte direkt hinein in die leeren Augenhöhlen.

Der Schrei blieb ihr im Halse stecken. Das Grauen hatte ihr die Kehle zugeschnürt.

Sie spürte ihr pochendes Herz, ihren zitternden Körper und wusste plötzlich, dass während ihrer Bewusstlosigkeit etwas Unbegreifliches passiert sein musste.

Das Schlimmste aber an allem war: Sie war allein! David war nicht mehr bei ihr.

Sie wollte ihren Blick von der Kapuzengestalt lösen, aber es gelang ihr nicht. Im Gegenteil.

Ihre starren Augen begannen zu tränen. Das verschwimmende Bild des Geistes schien größer zu werden, immer größer.

Ein Gedanke erfüllte sie mit tiefer Panik, ließ alles andere zurücktreten: Warum hatte David sie allein gelassen?

Dann war plötzlich alle Angst wie verflogen. Sie spürte Zorn in sich aufsteigen. All dies erschien ihr auf einmal nicht mehr wie ein Alptraum, eher wie ein schlechter Scherz. Ein Scherz, ja, das musste es sein. Mit aller Kraft klammerte sie sich an diese Erkenntnis, denn sie wusste, dass es keine Geister gab. Sie hatte doch nur so getan, als würde sie David glauben. Weil sie ihn liebte und weil sie intelligent genug war, um zu wissen, dass alles dies real war, was die Menschen fest glaubten. Zumindest wurde es real für diese. Im Laufe der Zeit würde sie und ihre Liebe es schaffen, David von diesen wahnwitzigen Vorstellungen zu lösen…

Und das hier, ja: Es konnte nur ein makabrer Scherz sein, den sich jemand ausgedacht hatte, sie zu erschrecken. David, warum hast du das zugelassen? Ihr Zorn wuchs. Ihre Augen sprühten förmlich Blitze, als sie auf den Geist zuging. Das Totengesicht hatte jetzt keine Wirkung mehr auf sie.

Etwas Unglaubliches geschah: Die Gestalt wich vor ihr zurück, grollende Laute ausstoßend. Jane Murphy schritt schneller aus. Triumph erfüllte sie. Nein, sie war nicht darauf hereingefallen. Denen würde sie es zeigen!

Unvermittelt kam Bewegung in den Mann mit dem dicken Bauch. Er trat nach der gespenstischen Gestalt. Es klapperte. Jane Murphy blieb abrupt stehen, tastete nach ihrer Kehle. Plötzlich war die Angst wieder da.

»David!«, schrie sie verzweifelt.

Die dritte Gestalt krümmte sich zusammen, als habe sie mit einem Male Leibschmerzen.
»David!«, wiederholte Jane Murphy. Der Mann fiel zu Boden.

»Genug!«, rief der Fremde mit dem dicken Bauch herüber.

Die Kapuzengestalt begann zu rennen. Der Mann folgte ihr, hob unterwegs einen Knüppel vom Boden auf. Er konnte trotz seiner Figur erstaunlich schnell laufen und kam dem Verfolgten immer näher.

»Stehen bleiben!«, befahl er keuchend. »Wenn du nicht stehen bleibst, zerschlage ich dich mit dem Knüppel!«

Das wirkte. Die Kapuzengestalt verhielt im Schritt.

»Gnade!«, kam es aus der hohlen Brust. »Ich brauche frische Lebensenergie, sonst muss ich noch in dieser Nacht für immer in mein Grab zurück. Seit über einem Jahr bin ich nun wieder tot. Ihr wart meine letzte Chance.«

Der Geist fiel vor Dietrich Borodin auf die Knie.

»Was redest du für einen Unsinn?«, sagte Dietrich. »Nimm endlich diese abscheuliche Maske ab.«

Der Tote stutzte.

»Du verstehst es nicht, denn du stammst nicht von dieser Welt«, grollte er.

In Borodins Magen entstanden Krämpfe. Seine Sinne drohten zu schwinden. War dies alles vielleicht Wirklichkeit und nicht nur der Fiebertraum eines Kranken?

»Was sagst du da von einer anderen Welt?«, zwang er sich zu einer Frage. Die gespenstische Gestalt kroch langsam rückwärts. Borodin schwang drohend den Knüppel in seiner Faust.

»Nicht!«, grollte es. »Die Knochen sind mein letztes. Einst war ich ein stolzer Jüngling.

Aber das ist schon…« Weiter kam er nicht. Dietrich Borodin unterbrach ihn mit schallendem Gelächter. Er hieb sich klatschend auf die Schenkel und wollte sich gar nicht mehr beruhigen.

»Ich habe noch nie etwas Komischeres gehört«, gluckste er zwischendurch.

Die Grabesstimme ernüchterte ihn jäh: »Spotte nicht, Dietrich Borodin, sonst wird es dir schlecht bekommen!«

Stirn runzelnd starrte Borodin auf das wimmernde Bündel vor sich im Staub.

»Vergeblich griffen die titanischen Mächte der Unterwelt nach der Erde«, sagte der Tote.

Es klang wie ein schauriges Orakel. »Da schufen sie ein Spiegelbild von ihr, eine Schattenwelt. Doch die Kräfte, die sie damit weckten, beraubten sie ihrer Macht. Ein Plan soll sie diese Macht wieder zurückgewinnen lassen und sie warten über ewige Zeiten hinweg auf die Erfüllung ihres Planes.«

»Was soll der Quatsch?«, fuhr Borodin den Geist ärgerlich an. Sein Intellekt hatte sich auf die neue Situation eingestellt. Es kam ihm keine Sekunde zu Bewusstsein, dass er hier mit einem Verstorbenen verhandelte. Sein Verstand schützte sich durch Ignorierung dieser Tatsache vor dem Wahnsinn.

»In Wahrheit ist jedes Wesen ein Doppelgeschöpf. Der sichtbare Körper weilt in der realen Welt, der unsichtbare Astralleib aber hier«, erklärte das Wesen. »Immer wieder kommt es zu Verschiebungen. Unvermittelt sind Negativ und Positiv, Körper und Astralkörper nicht mehr an derselben Stelle, sind voneinander versetzt. Bei euch ist das geschehen – bei euch und bei mir vor langer, langer Zeit. Eine seltsame Verwandlung ging mit mir vor. Die Schatten der Geschöpfe wurden von Mächten des Jenseits, von Mächten des Bösen, wie ihr sagt, erschaffen. So wurde ich zu einem großen Geist, zu einer Art Hexenmeister, der sogar den Tod bezwang. Aber ich brauche zur Erneuerung immer wieder reales Leben. Die Astralleiber der Menschen, die ich erreichen kann, nähren mich nicht. Ich muss immer wieder warten, bis es eine Verzerrung gibt. Zurückkehren kann ich nicht. Ich würde zu einem normalen Menschen und zu Nichts zerfallen, da ich seit Jahrhunderten in mein Grab gehöre.«

Dietrich Borodin konnte nicht mehr. In sinnloser Wut ließ er den Knüppel niedersausen, zerfetzte das modrige Gewand, ließ alte Knochen zersplittern und… Ja, jetzt sah Dietrich den unbedeckten Knochenkörper des Hexenmeisters, der schon seit Jahrhunderten immer wieder starb und sich nur durch menschliche Lebensenergie erneuern konnte.

Mit bleichem Gesicht wandte sich Dietrich Borodin ab. Der Knüppel entglitt seiner Hand.

Der Mann taumelte davon.

»Du kannst mich nicht töten!«, grollte es hinter ihm, »denn ich bin schon tot. Erst wenn diese Nacht vergangen ist, werde ich mich nicht mehr erneuern können.«

Borodin wirbelte herum. Zersplitterte, phosphoreszierende Knochen hatten sich lose zusammengefügt. Der Geist konnte sich schon wieder bewegen, obwohl kaum mehr etwas von ihm am Stück übrig geblieben war. Mühsam kroch er durch das Gras, auf Borodin zu.

»Ich bin ein großer Hexenmeister – ein größerer jedenfalls als du. Dir fehlt noch sehr viel Erfahrung. Ich bin dir im Moment unterlegen, weil dir ein Hexengeist zur Seite steht und die Verkörperung eines Werwolfs, der innerlich mit dieser Hexe verbunden ist.«

Dietrich Borodin sah zu dem zierlichen Mädchen hinüber. Eine Hexe? Ein Werwolf? Welch ein Unsinn! Das Mädchen stand da und war offenbar nicht fähig, sich zu bewegen. Und Borodin erinnerte sich, dass der angebliche Werwolf zusammengebrochen war, als dieses Mädchen den Namen David gerufen hatte. Noch immer lag der Mann in seltsam verkrümmter Haltung am Boden.

Jane Murphy erwiderte Borodins Blick. Dietrich sah das Entsetzen in ihren Augen.

Plötzlich warf sie sich herum und rannte davon.

»Bleiben Sie!«, rief Borodin erschrocken. Er wusste, dass er allein gegen den Geist nichts ausrichten konnte. Er wusste aber darüber hinaus, dass auch das Mädchen allein keine Chance hatte. Der Hexenmeister würde sie für sich opfern. Er würde durch ihre Lebensenergie wieder jahrzehntelang aufblühen können. Und das Mädchen rannte kopflos davon – direkt in das Verderben, ohne es zu ahnen.

»Um des Himmels willen, kommen Sie zurück!«, brüllte Borodin. Sie hatte den Wagen erreicht, lief daran vorbei. Er wollte ihr folgen, um sie aufzuhalten, aber da war plötzlich eine seltsame Macht, die nach seinem Gehirn griff und alle seine Bewegungen lähmte.

Langsam, unendlich langsam wandte er sich wieder dem Geist zu, der nur zwei Schritte hinter ihm am Boden lag. Und auf einmal konnte er sich nichts Schöneres mehr vorstellen, als mit diesem Skelett vereint zu sein.
(Wird fortgesetzt!)

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W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 2)

Erstellt von Detlef Hedderich am 17. April 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 2

Dietrich Borodin pfiff vergnügt vor sich hin. Er äugte nach der Aktentasche neben sich auf dem Beifahrersitz, was seine gute Laune auf den Höhepunkt brachte. Warum sollte er sich nicht freuen? Er hatte eine wichtige Hürde in seinem Beruf genommen.

Es war normalerweise nicht seine Art, weite Nachtfahrten zu unternehmen. Seine Frau würde überrascht sein, ihn zwei Tage früher als erwartet zurückkehren zu sehen, doch er konnte nicht anders. In den letzten Monaten waren seine Geschäfte stark rückläufig gewesen. Jetzt endlich gab es eine Wende. Der Auftrag, den er für sich und die Firma, für die er arbeitete, hatte buchen können, enthob ihn mit einem Schlag sämtlicher Sorgen.

Dietrich Borodin schaltete das Radio ein. Ein flotter Rhythmus tönte aus den beiden Stereolautsprechern im Fond des Wagens. Dietrich war völlig unmusikalisch. Trotzdem versuchte er, die Melodie pfeifend nachzuahmen.

Der erste Blitz erschien wie eine Mahnung ob seines Frevels an der Komposition. Statische Störungen kratzten in den Lautsprechern. Stirn runzelnd blickte der Handlungsreisende zum Himmel. Ein Gewitter. Auch das noch.

Seine gute Laune hatte er dennoch schnell wieder gewonnen. Achselzuckend schaltete er das Radio ab. Der Donner rollte über ihn hinweg. Borodin trat stärker auf das Gaspedal. Hoffentlich dauerte das Gewitter nicht zu lange. Aber er pfiff schon wieder. Sein Wagen folgte dem Licht der Scheinwerfer, das den Weg durch die Nacht wies. Das Gewitter wurde heftiger. Jetzt pfiff der Handelsreisende nicht mehr. Seine gute Laune hatte merklich einen Dämpfer bekommen. Mürrisch blickte er nach vorn.

Da stutzte Dietrich Borodin. Stand da nicht ein Wagen mitten auf der Straße? In diesem Augenblick flammten dort die Scheinwerfer auf. Geblendet schloss Dietrich Borodin die Augen. Als er sie wieder öffnete, befand er sich mitten in der Kurve. Es war zu spät für ihn, zu reagieren. Mit aller Kraft stemmte er sich gegen das Lenkrad, als könnte ihm das etwas nützen. Bäume rasten auf ihn zu. Für den Bruchteil einer Sekunde sah es so aus, als würde der Wagen gegen einen der dicken Stämme prallen. Aber er raste knapp vorbei und schoss in wildes Gestrüpp. Dietrich Borodin wurde schwarz vor den Augen.

*

David Murphy sah den Wagen des Handelsreisenden nicht. Er nahm überhaupt nichts mehr wahr – außer jener Gestalt, die vor ihm stand und langsam den Arm hob. Der zerlumpte Ärmel, der den Arm verdeckte, rutschte zurück und gab eine Knochenhand frei. David verlor die Nerven. Drei Wochen im Liebetaumel hatten ihn anscheinend alles vergessen lassen, was er in all den Jahren in der Praxis als Kämpfer des Lichtes gelernt hatte. Vor diesen drei Wochen hätte er niemals so kopflos gehandelt. Soviel stand fest. Er startete den Motor, der ausgegangen war und trat voll auf das Gaspedal. Der Wagen machte einen mächtigen Satz nach vorn, auf die Gestalt zu.

Im selben Augenblick verschwand diese. Sie löste sich einfach in Nichts auf.

Was war da gewesen? Nur eine Halluzination?, fragte sich David bestürzt. Zu einem weiteren Gedanken kam er nicht mehr. Sein klappriger Buick raste in den Wald.

Da geschah etwas Eigenartiges. Die Bäume begannen seltsam zu flimmern und verschwanden – wie vordem die Gestalt. Der Wagen befand sich mit einem Mal auf einer weiten, morastigen Lichtung.

David Murphy schnappte wie ein Karpfen nach Luft. Mit aus den Höhlen quellenden Augen sah er sich um. Ein eigenartiges Murmeln war in der Luft. Alles erschien so unwirklich.

Mein Gott, was ist geschehen? Wo bin ich?

Das Wort Gott ließ wahre Schauer durch seinen Körper rieseln. Hoch am Himmel hing die runde, volle Scheibe des Mondes. Eine ungeheure Anziehungskraft ging von ihr aus, eine Kraft, der sich David nicht entziehen konnte und er merkte, dass eine Veränderung mit ihm vorging, gegen die er sich nicht wehren konnte.

*

Er erwachte. Da waren Schmerzen. In seiner Brust, in seinen Gliedern, im Kopf, überall. Aber vor allem im Kopf. Er fasste sich an die Stirn. Etwas Warmes rann über sein Gesicht. Dietrich Borodin starrte seine Hand an. Sie war voller Blut, das konnte er trotz der Dunkelheit erkennen, die nur gelegentlich von aufgrellenden Blitzen durchbrochen wurde.

Allmählich kehrte sein Erinnerungsvermögen zurück. Der Wagen, der auf der Straße stand, das plötzliche Licht und… Wut packte ihn, Wut auf den Fahrer des anderen Fahrzeuges. Er rüttelte an der Tür. Sie ließ sich nicht öffnen. Dietrich tastete nach dem Schloss des Sicherheitsgurtes, der ihm wahrscheinlich das Leben gerettet hatte und ließ es aufschnappen. Es würde ihm wohl keine andere Wahl bleiben, als durch das Fenster nach draußen zu klettern. Aber vorher hielt er Ausschau nach seinem Handy.

Es hatte in der Halterung gesteckt – vor dem Unfall! Jetzt war es zerbrochen, mitsamt der Halterung…

Endlich war er draußen. Er folgte der Schneise, die sein Wagen geschlagen hatte. Die Straße war ein beträchtliches Stück entfernt. Borodin schüttelte den Kopf. Er hatte wirklich tolles Glück gehabt. Es schien fast so, als habe eine göttliche Hand den Wagen sicher durch die schmalen Lücken zwischen den Bäumen geleitet, damit ihm nicht allzu viel passieren konnte.

Als Dietrich Borodin die Straße erreicht hatte, musste er sich gegen einen der Bäume lehnen. Der Regen hatte inzwischen wieder etwas nachgelassen, der Donner klang entfernter als zuvor und schien zu verebben. Für eine Sekunde riss sogar die dichte Wolkendecke auf und ließ den Mond hervorlugen. Dietrich holte ein sauberes Taschentuch aus seiner leicht lädierten Anzugjacke und tupfte die Stirnwunde ab. Es schmerzte.

Borodin überlegte. Vielleicht hätte er sich erst verbinden sollen? Sollte er zu seinem Wagen zurückkehren? Nein, erst einmal wollte er sehen, wo der Fahrer des anderen Fahrzeuges geblieben war.

»Scheint längst das Weite gesucht zu haben«, murmelte er. »Hätte mich auch gewundert, wenn es anders gewesen wäre.« Trotzdem ging er über die Straße und suchte nach Spuren. Er wusste selbst nicht, warum er das tat. Irgendein unbestimmbares Gefühl war in ihm. Die ganze Sache kam ihm seltsam und vor allem… unwirklich vor. Dunkel erinnerte er sich an eine Gestalt, die vor dem Wagen gestanden hatte.

Er schüttelte entschieden den Kopf. Nein, er musste sich geirrt haben. Aber da waren deutliche Reifenspuren. Der Boden rechts und links der Straße war durch den kurzen Regenguss aufgeweicht. Deutlich erkannte man, dass der Wagen die Straße verlassen hatte. Und dann waren die Spuren wie abgeschnitten.

»Was soll’s?«, sagte er sich, »schließlich habe ich jetzt Wichtigeres zu tun. Mein Auto ist ein Wrack und ich brauche Hilfe. Besser, wenn ich nach einem vorbeikommenden Wagen Ausschau halte.« Trotzdem ging Dietrich Borodin noch ein Stück weiter. Bis er genau die Stelle erreicht hatte, an der die Spur endete. Plötzliche Schwindelgefühle packten ihn.

Borodin fasste sich an den Kopf, schloss unwillkürlich die Augen und taumelte weiter.

In diesem Augenblick veränderte sich alles um ihn herum. Mit einem Mal fühlte er sich innerlich leer und ausgehöhlt. Weit riss er die Augen auf. Unvermittelt sah er sich auf einer Lichtung. Die Straße hinter ihm war verschwunden. Und da vorn – ja, da war auch dieser fremde Wagen. Borodin war ganz sicher, dass es sich nur um diesen handeln konnte. Die Szenerie erschien real, aber irgendwie, auf eine besondere Art, war es die Realität eines überdeutlichen Traumes, bestenfalls eines dreidimensionalen Filmes.

Nur mühsam gelang es ihm, sich zu bewegen. Erstaunt stellte er fest, dass er seinen Körper nicht mehr in der gewohnten Weise beherrschte. Seltsame Kräfte zerrten an seinen Gliedern, kneteten seinen Körper, seine Gedärme, rissen an den Nervensträngen seines Gehirns. Die Schmerzen wuchsen, wallten auf wie eine Woge, die ihn überschwemmte und zu Boden warf. Die wilde Panik in seinem Innern verstärkte sich. Auf dem Bauch kroch er weiter. Sein Gesicht war von namenloser Qual verzerrt. Sein Innerstes wehrte sich verzweifelt, aber vergebens gegen die Vergewaltigung durch die fremdartige Kraft. Sie zwang ihn zu bleiben, schürte seine Pein, bis er wimmernd liegen blieb. Seine Arme blieben vorgestreckt, wenige Zoll von dem Punkt entfernt, von dem er sich instinktiv Rettung erhoffte, der aber für immer unerreichbar erschien.

Sobald Dietrich Borodin seinen Widerstand aufgab, verebbten die höllischen Qualen.

Gleichzeitig konnte er sich wieder frei bewegen. Er richtete sich auf. Seine Augen suchten den fremden Wagen. Ein Schatten befand sich dort, nein, zwei. Langsam kam der erste Schatten näher. Borodins Blick löste sich von ihm, richtete sich empor, verlor sich in der strahlenden Weite des Sternenhimmels und blieb schließlich an der runden Scheibe des Vollmondes hängen. Alles war scheinbar genauso, wie es hätte sein sollen und dennoch hatte sich etwas Entscheidendes geändert. Aber was?

Und plötzlich schien es Dietrich Borodin, als erfülle feiner Sphärengesang die Atmosphäre.

Er fühlte sich seltsam leicht, als habe er seine körperliche Hülle abgestreift. Er konnte sich das Gefühl nicht recht erklären.

Verwirrt sah er wieder nach der Gestalt, die sich vom Wagen gelöst hatte und langsam auf ihn zukam. Die zweite war zurückgeblieben. Der Fremde kam näher, hatte ihn fast erreicht.

Das Licht des Vollmondes war hell genug, um Dietrich Borodin jetzt Einzelheiten im Gesicht des Mannes erkennen zu lassen.

Es war eine verzerrte Grimasse, die mehr an ein Tier als an einen Menschen erinnerte!
Dann tat er etwas, was er selbst nicht verstand: Er hob beide Arme dem Fremden entgegen und näherte sich ihm.

»Weiche von mir«, flüsterte Borodin beschwörend. Er tat es wie in Trance, wurde sich der traumhaften Unwirklichkeit der Situation nicht bewusst.

Da löste sich auch die zweite Gestalt von dem Wagen. Dietrich Borodin wunderte sich für den Bruchteil einer Sekunde über den Wahnwitz der Situation.

Was war mit ihm geschehen? Hatte sich sein Geist verwirrt? War das alles nur ein Alptraum?

Ja, so musste es sein, denn wo war plötzlich die Straße, wo das sich entfernende Gewitter?

Unvermittelt war der Himmel klar gewesen, hatte sich Borodin in einer anderen Umgebung wieder gefunden, die Angst in ihm weckte, in der Dinge Realität waren, die dem irren Geist eines Wahnsinnigen entsprungen zu sein schienen.

Und da war die Scheibe des Vollmondes. Kein Wölkchen verdeckte sein Antlitz, das mit hohlen Augen herab grinste – mit hohlen Augen, wie die zweite Gestalt, die jetzt nur noch ein paar Schritte entfernt war.

Borodin schreckte die Totenfratze nicht. Sein Verstand revoltierte und er war auf einmal gewiss, die Lösung für alles dies gefunden zu haben.

Unwillkürlich dachte er an seine Schädelverletzung, an die plötzlichen Schwindelgefühle, die nach ihm gegriffen hatten, als er der Spur des Wagens gefolgt war.

Ja, das war die Erklärung. Er befand sich nicht wirklich in dieser skurrilen Umgebung, sondern lag in Wahrheit im Wald neben der Straße.

Dietrich Borodin schloss die Augen und redete es sich immer wieder ein: »Ich liege da mit einer Kopfverletzung. Alles um mich herum, was so unwirklich und dennoch real erscheint, ist das Produkt meiner gestörten Phantasie. Nimm dich zusammen, alter Junge, bevor du vollends dem Wahnsinn verfällst!«

Dietrich Borodin öffnete die Augen wieder. Nichts hatte sich geändert. Die Szene war wie vorher.

Die Gestalt mit dem Totenschädel hob beide Arme. Knochenhände kamen zum Vorschein.

Erst jetzt erkannte Borodin, dass das geisterhafte Wesen teilweise durchsichtig war.

Dann sprach es mit grollender Stimme: »Neues Leben kommt in unsere Welt. Ich werde wieder lange Jahre der Jugend verbringen können, habe ich erst einmal eure Lebensenergie in mich aufgenommen.«

Borodin hörte ein irr klingendes Gelächter, das lauter und lauter wurde und vielfach widerhallte.

Da erst erkannte er, dass dieses Lachen aus seiner eigenen Kehle kam.

Er hob den Fuß und trat nach dem wandelnden Toten. Es gab ein klapperndes Geräusch.

Die Gestalt taumelte ein paar Schritte zurück.

Also war sie doch bis zu einem gewissen Grad stofflich!

Dietrich Borodin folgte dem Gespenst.

In diesem Augenblick hörte er zorniges Knurren neben sich. Der Tiermensch! Er ging gemeinsam mit Dietrich Borodin gegen den Geist vor.

Da deutete die rechte Knochenhand auf die Schauergestalt, mit der eine jähe Verwandlung geschah. Die glühenden Augen starrten Borodin an. Ihr gieriger Blick wanderte über dessen Gesicht und blieb schließlich an der Stirnwunde hängen. Dietrich sah die plötzliche Gier in diesen Augen wachsen.

Er wich zurück und wusste im selben Augenblick, dass er verloren war.

Geisterhafte Kräfte waren hier am Werk. Unglaubliche Dinge geschahen.

Es schien tatsächlich so, als befände er sich plötzlich in einer anderen, irrealen Welt, in der Alpträume von Gespenstern, Geistern und schaurigen Dingen Wirklichkeit wurden.
(Wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


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Lesen Sie auch die Besprechung von Petra Weddehage:

W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

Copyright © 2010 by Petra Weddehage (PW)

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 1)

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. April 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 1

David Murphy beugte sich vor und blickte durch die Windschutzscheibe zum Himmel. Noch war die Nacht klar, aber am Horizont türmten sich mit beängstigender Geschwindigkeit schwarze Wolken auf. Noch nie zuvor hatte David erlebt, dass sich ein Gewitter so schnell zusammen braute. Die elektrischen Spannungen, die auf baldige Entladung harrten, waren fast körperlich spürbar. David Murphy verstand das nicht. Der Wetterbericht war doch so positiv gewesen.

Er verdrängte die Beklommenheit, die sich seiner bemächtigen wollte und konzentrierte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße. Die beiden Scheinwerfer seines billig geliehenen und darum so klapprigen Buicks schnitten Lichtkegel aus der Dunkelheit, zitterten über Bäume und Sträucher hinweg und versuchten vergeblich, die Sterne zu erreichen, wenn der Wagen über eine Bodenwelle fuhr.

David Murphy warf einen Blick zur Seite und lächelte. Für einen Moment vergaß er seine düsteren Ahnungen. War Jane Marvin nicht wunderbar?

David betrachtete ihr fein geschnittenes, im Schlaf entspanntes Gesicht, ihre schlanke, fast zierliche Figur mit den hoch angesetzten Brüsten. Das Kleid war hoch gerutscht und zeigte makellose Schenkel. Gewaltsam musste sich David von dem Anblick losreißen. Kaum zu fassen: Er, der Kämpfer des Lichtes, normalerweise gefeit gegenüber solchen Reizen – und jetzt allein mit Jane, mit diesem sündhaft schönen Mädchen! Jane Marvin? Nein, seit einem halben Tag hieß sie… Jane Murphy!

Sein Herz pochte stärker, als er leise vor sich hin murmelte: »Welcher Mann würde mich nicht um dich beneiden?« Sie hörte es nicht, denn sie schlief fest. Ein aufregendes und anstrengendes Hochzeitsfest hatten sie hinter sich, im Kreise ihrer wenigen Bekannten und Verwandten – von Seiten Murphys war verständlicherweise niemand zugegen gewesen – und die Strapazen forderten ihren Tribut.

Nicht zu fassen, wahrlich: Er, der Kämpfer des Lichtes, mitten drin, alles zu vergessen, was seine eigentliche Aufgabe war…

Er dachte unwillkürlich an die Warnung eines Ordensbruders: »Wir leben nicht zwangsläufig im Zölibat, wie du weißt. Wir sind ja auch nicht ganz so offiziell als Orden… Aber pass bloß auf, David«, hatte dieser gesagt, »du bist und bleibst ein Ordensbruder, hast kein festes Einkommen, ein sehr unsicheres Leben und eine noch wesentlich unsicherere Lebenserwartung. Sieh dich an. Mit deinem breiten Kreuz, diesen Pranken und einer solchen Größe siehst du aus, als könntest du einen Ochsen heben. Lass die Finger von Jane Marvin. Lass die Finger von ihr, sage ich. Sie ist nicht einmal halb so schwer wie du und über zwanzig Zentimeter kleiner. Bleibe keusch oder sieh dich wenigstens nach einer richtigen Walküre um, die besser zu dir passt!«

David Murphy lächelte stärker bei diesem Gedanken. Klar, Karl Falker, der deutsche Freund aus dem Orden, hatte nicht ganz unrecht, wenn er auch maßlos übertrieb, doch nun war er, David Murphy, mit seiner frisch angetrauten Jane auf dem Wege nach Schottland, um dort so etwas wie Ferien zu verbringen. Genauer: die Flitterwochen!

Er und Ferien? Gar: Flitterwochen? Noch vor drei Wochen undenkbar, aber vor drei Wochen hatte er ja auch Jane noch nicht gekannt. Sie waren sich zufällig auf der Straße begegnet, hatten sich angeschaut und… peng! Wie im Märchen, sprichwörtlich! Eine Macht, stärker als die der verhassten Dämonen, weil süßer und weitaus verführerischer… Er hatte sich nach Kräften dagegen gewehrt, aber weder ein Bannspruch noch ein Ritual hatten ihn vor etwas retten können, was man im allgemeinen wohl… Liebe nannte! Ja, er, David Murphy, der noch nicht einmal genau wusste, wie alt er eigentlich war, der seine richtige Vergangenheit vergessen hatte über all dem Chaos, das er hinter sich hatte bringen müssen… Er hatte sich Hals über Kopf und unrettbar verliebt!

Und seine Ordensbrüder hatten sogar Verständnis gezeigt! Etwas, was er genauso wenig jemals auch nur für möglich gehalten hätte.

Ja, zugegeben, zunächst hatte er an eine Falle der Dämonen der Dämmerung glauben wollen, aber Jane war so etwas von unschuldig… Und dann hatte er sie abschrecken wollen, indem er ihr die Wahrheit erzählt hatte – die Wahrheit über sich.

Jane hatte ihn nur lächelnd angesehen, hatte ihren süßen Kopf schief gelegt und gesäuselt: »Aber, Liebster, so verrückt dies alles auch klingen mag: Wir gehören zusammen. Ich spüre das in aller Deutlichkeit. Wenn es Gefahren gibt für dich, werde ich diese Gefahren mit dir teilen. Erwartet dich der Tod, dann erwartet er uns beide! Oder soll ich mich abwenden von dir, allen Gefahren aus dem Weg gehen – und trotzdem zugrunde gehen und zwar an Liebeskummer?«

Niemand hatte das besser verstehen können als er, David Murphy, der noch einen Tag vorher eher angenommen hatte, kein richtiger Mann, sondern so etwas wie ein geschlechtsloses Neutrum zu sein…

Er erschrak – nicht in Anbetracht dieser Tatsache, sondern weil es draußen schlagartig taghell wurde. Davids Hände krampften sich um das Steuer. Ein mächtiger Blitz zuckte über den Himmel. Dann war es wieder dunkel. David lauschte auf das gleichmäßige Brummen des Motors, als hätte sich das stete Geräusch angesichts der entfesselten Naturgewalten verändern müssen. Es war und blieb der einzige Laut, bis rollender Donner den Wagen erreichte.

Jane bewegte sich unruhig. David sah besorgt zu ihr hin. Eine steile Falte war auf ihrer Stirn erschienen und sie flüsterte etwas im Schlaf. Durch die Bewegungen rutschte eine Locke ihres langen, rotblonden Haares über ihr Gesicht. Das weckte sie vollends. Sie fuhr mit einem leisen Schrei hoch.

»Was – was ist passiert?«, erkundigte sie sich erschrocken.

»Nichts Besonderes«, lächelte David, »wir sind nur unerwartet in eine Gewitterfront geraten.« Er lehnte sich vor und starrte nach draußen. Seltsam ist es dennoch, dachte er bei sich. Irgendwas Unbestimmbares lag in der Luft, als müsse sich bald etwas Schlimmes ereignen. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Wie kam er nur auf so absurde Gedanken? Er war doch sonst nicht so ängstlich. Ja, ängstlich war das richtige Wort. David Murphy ärgerte sich über sich selbst.

»Wo sind wir eigentlich jetzt?«, gähnte Jane und streckte sich ausgiebig. David konnte seinen Blick nicht von ihren festen Schenkeln lösen, die nun völlig frei lagen. Sie lächelte und zog ihr Kleid herunter. David erwiderte das Lächeln und wandte sich wieder nach vorn.

»Ich habe keine Ahnung«, sagte er. »Irgendwo zwischen London und Schottland. Verflucht einsame Gegend hier. Wir sind schon lange an keinem Hinweisschild mehr vorbei gekommen und die letzten habe ich mir nicht gemerkt. Einfach geradeaus müssen wir. Das ist alles, was ich weiß.«

»Was nicht viel ist«, versetzte Jane gutmütig.

Jane rückte näher und kuschelte sich an ihn. David merkte, dass sie zitterte.

»Ist dir kalt?«, erkundigte er sich besorgt.

Sie schüttelte den Kopf.

»Aber, Jane, du brauchst doch keine Angst zu haben. Es ist nur ein Gewitter. In einer Viertelstunde werden wir die Schlechtwetterfront hinter uns haben. Du weißt, dass der Wetterbericht schönes Wetter vorausgesagt hat. Viel kann es also nicht sein, was uns erwartet.«

Wie zur Antwort zuckten Blitze über den schwarz verhangenen Himmel. Die Wolken türmten sich wie Felsen. Jane kuschelte sich enger an ihren Mann. Dann rollte wieder der Donner. In David krampfte sich alles zusammen. Noch nie hatte er ein so furchtbares Grollen gehört. Es klang, als verkünde es das Ende der Welt.

Die Kurve war plötzlich da. David riss die Augen auf. Jane öffnete den Mund, kam aber nicht mehr zum Schreien.

Eine wertvolle Sekunde verstrich, bis David reagierte. Sein rechter Fuß trat mit aller Kraft auf das Bremspedal. Das war zuviel gewesen. Der Wagen kam ins Schleudern, schlitterte mit schreienden Pneus in die Kurve hinein, drehte sich halb um sich selbst und kam schließlich ächzend zum Stehen.

Blitze grellten auf und beleuchteten für den Bruchteil einer Sekunde die gespenstische Gestalt, die am Straßenrand stand. David blickte direkt hinein in die leeren Augenhöhlen eines Totenschädels, in denen ein unheimliches Feuer glomm.

Der Donner kam und mit ihm ein dichter Vorhang aus Regen. Das junge Ehepaar war wie gelähmt. Die Gestalt stand wie ein Mahnmal vor den hohen Schatten der Bäume.

Jetzt erst merkte David, dass die Scheinwerfer seines Wagens ausgeschaltet waren. Wahrscheinlich war er bei dem wilden Manöver gegen den Schalter gekommen. Seine zitternde Hand griff danach. Alles sträubte sich in ihm dagegen. Aber dann ließ er das Licht doch aufflammen.
(wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


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MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

Copyright © 2010 by Petra Weddehage (PW)

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