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Literatur-Blog

Ranulf-Hardcover im Überformat!

Erstellt von W. A. Hary am 30. November 2010



Ranulf-Hardcover im Überformat!

Dieser Prachtband sollte in keiner Sammlung der Abenteuer des Meister-Exorzisten Ranulf O’Hale fehlen – das Hardcover im Überformat. 15,5 x 23,5 cm mißt dieser Band bei einer Rückenstärke von fast 2,5 cm mit insgesamt 320 Seiten.

Unter dem Titel “Himmel, Hölle und dazwischen” sind hier 25 ausgewählte Geschichten von 16 Autor(innen) versammelt, die miteinander verknüpft eine Gesamterzählung bilden: Nach dem hinterhältigen Meuchelmord an seiner Frau Shoshanna durch Dämonenhand lebt der einstmals erfolgreiche, aber nun desillusionierte Exorzist Ranulf O’Hale mit seinem Sohn Fionn auf seinem Familiensitz Cloveley Manor in Irland.

Das Auftauchen von Asmodis, der als oberster Herrr der Hölle den Titel ‘Luzifer’ trägt, bildet nur den Auftakt einer turbulenten Kette von Aufträgen, die Ranulf rund um den Globus führt.

Bei seinem Kreuzzug gegen die nichtmenschlichen Mächte macht Ranulf die erstaunliche Erfahrung, dass es zwischen den beiden Extremen Schwarz und Weiß auch noch “Grautöne” gibt: Kreaturen, die weder eindeutig gut noch böse sind.

Henry Altmann, Simon Rhys Beck, Ensifer Clarus, Charlotte Engmann, Thorsten Grewe, Wilfried A. Hary, Dominik Irtenkauf, Markus Kastenholz, Theo Klein, Ralf Leismann, Alain Meesschaert, Michael Mittelbach, Marten Munsonius, Irene Salzmann, Christel Scheja und J.C. Walkin berichten von dem unfreiwilligen Heldenschicksal des Exorzisten Ranulf O’Hale.

Jede der Einzel-Kapitel ist illustriert. Zudem runden eine 9-seitige Galerie sowie ein Sekundärtext über das Phänomen des Exorzismus diesen Band ab.

Nähere Informationen, eine Titelansicht sowie eine Bestellmöglichkeit gibt es hier.

“Himmel, Hölle und dazwischen” im übergroßen Hardcover ist ein besonderes Schmuckstück der Reihe.

Quelle: Thorsten Grewe (Redaktion Ranulf O’Hale bei www.hary-production.de)

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HEILE WELT – eine Science-Fiction-Story von Wilfried Hary

Erstellt von Detlef Hedderich am 28. September 2010

HEILE WELT


Science-Fiction-Story

von

Wilfried Hary


Raimond Scott stand breitbeinig In der Zentrale seines gigantischen Raumschiffs. Zu seinen Füßen befand sich der Panoramaschirm. Als öffnete sich dort ein Loch in die Unendlichkeit. Ein Planet war zu sehen Scott betrachtete den Planeten und wog ab, ob sich eine Landung lohnte.

Raimond Scott war unermeßlich reich. Er war in wallende Stoffe gekleidet, von erlesener Art. Auf Brust und Rücken waren die Embleme seines Wirtschaftsimperiums von Hand eingestickt. Er regierte diese Machtballung mit der Härte eines römischen Imperators. Außer ihm waren nur noch zehn Männer der Besatzung anwesend. Sie waren seine besten Freunde, wenn er Freunde brauchte, und seine ergebenen Sklaven, falls ihn danach gelüstete. Niemand würde es wagen, sich ihm zu widersetzen oder ihm auch nur zu Widersprechen. Er war der unumschränkte Herr über Leben und Tod.

“Landung!” befahl er knapp. Seine Wangenmuskeln spielten. Er gefiel sich in der Rolle des Mächtigen, der eisenhart regierte. Die Natur hatte ihn mit beeindruckender Größe und enormen Kräften ausgestattet. Seine körperliche Konstitution war die eines Supermanns. Ein Umstand, den er gern und bei allen Gelegenheiten betonte. Raimond Scott prahlte – und alle anderen klatschten Beifall. Daran hatten sie sich gewöhnen müssen, sonst wären sie nicht mehr am Leben.

Sein Befehl wurde befolgt. Das gigantische Schiff senkte sich der Planetenoberfläche entgegen. Raimond Scott war zum ersten Mal in diesem  Winkel der Galaxis und darum besonders neugierig. Normalerweise landete niemand mit einem solchen Schiff direkt auf einem Planeten. Das war nicht nur aufwendig und kostspielig, sondern auch gefährlich. Nicht für Scott, aber für die Planetarier.

Einer seiner Offiziere näherte sich in unterwürfiger Haltung.

“Was dienerst du?” fragte Raimond Scott theatralisch. “Straffe deinen gebeugten Körper, erhebe dein stolzes Haupt. Bedenke, daß dich das Schicksal und Raimond Scott zum Kommandanten des größten und besten Raumschiffs gemacht haben, das es im Universum gibt. Das sollte dich nicht mit Demut, sondern mit Stolz erfüllen.”

Der Kommandant strahlte. Er freute sich offensichtlich über das besondere Wohlwollen seines Herrn und Meisters. “Mit Verlaub, ich wollte melden, daß der Präsident des Planeten persönlich zu Eurem Empfang kommt. Seine Tochter befindet sich in Begleitung erlauchter Gesellschaft, die für Euch eine Empfangsdelegation bildet. Ich soll Euch nach Sonderwünschen befragen und auch danach, ob alles in Eurem Sinne geschieht.”

Raimond Scott lachte überheblich. “Richte den Planetenläusen aus, daß sie tun sollen, was sie für richtig halten. Ich werde danach erst urteilen, ob es mir gefällt oder nicht, und wehe, wenn sie in Ungnade fallen.” Er spuckte aus. “Herrscher über einen Planeten. Als ob das etwas wäre.” Er runzelte die Stirn. “Hm, sagtest du etwas von Tochter? Wie sieht die denn aus?”

Der Kommandant antwortete so leise, als wäre es nur für die Ohren seines Herrn bestimmt. Er beugte sich dabei vor und blickte vorsichtig in die Runde. “Sie gilt als das schönste Mädchen dieses Planeten, und das soll schon was heißen, mächtiger Scott.”

“Verdammt, gehe er mir aus den Augen. Ich kann es nicht leiden, wenn er mich mächtigen Scott nennt. Es galt vorhin noch, aber von nun an bin ich der ehrenwerte Gönner oder so. Verstanden?”

Der Kommandant verbeugte sich tief und bewegte sich rückwärts von Scott weg. Als er über die Projektion schritt, sah es so aus, als würde er den Planeten mit Füßen treten.

Aber das war ja einzig und allein einem Raimond Scott vorbehalten.

Das Raumschiff senkte sich nieder. Brüllend wich die so vergewaltigte Atmosphäre dem Ungetüm, dessen Flug von Antigravfeldern stabilisiert wurde. Die Luftmassen donnerten und röhrten und entfachten einen Sturm, der über die Oberfläche raste und vielerorts Dächer abdeckte oder Bäume entwurzelte.

Raimond Scott kümmerte das nicht. Er registrierte es nur am Rande. Viel interessanter war der Gedanke, daß es jetzt wohl niemanden mehr gab, der nichts von seiner Ankunft bemerkt hatte. Er liebte den Aufwand, das Theater und die spektakulären Auftritte.

Der riesige Raumhafen war in aller Eile für ihn geräumt worden. Andernfalls wäre es nicht möglich gewesen, mit einem so großen Raumschiff hier zu landen. Normalerweise blieben Schiffe von dieser Größenklasse im Raum und entsandten kleinere Beiboote. Raimond Scott jedoch wäre es niemals eingefallen, mit einer für ihn viel zu kleinen Landeeinheit irgendwo zu erscheinen. Man sollte gleich sehen und spüren, mit wem man es zu tun hatte.

Wenige Meter über der Fläche aus gehärtetem Betonplastik verharrte das Schiff freischwebend in der Luft. Noch immer wurde es von den Antigravfeldern stabilisiert. Bevor Raimond Scott ausstieg, warf er einen Blick auf die Panoramagalerie. Auf dem weiten Feld stand eine einsame, irgendwie verloren wirkende Gruppe von Menschen: die avisierte Delegation. Raimond Scott rümpfte die Nase: Wo waren denn die jubelnden Massen?

Kaum hatte er daran gedacht, stürmten auch schon Tausende von Menschen aus den umliegenden Gebäuden, gewaltsam den Absperring der Polizei sprengend. Der stabile Umgrenzungszaun des Raumhafens wurde ebenfalls von der Menschenmasse niedergetrampelt. Es dauerte nicht lange, und schon gab es eine Ansammlung, die erst am fernen Horizont ein Ende nahm. Der gesamte Planet schien auf den Beinen zu sein.

Raimond Scott lächelte. Er wandte sich zum Ausgang. Ein paar hündisch ergebene Offiziere begleiteten ihn.

Als Raimond Scott in der offenen  Schleuse sichtbar wurde, brandete  orkanartiger Beifall auf. Die Menschen waren völlig außer sich.

Ein einziger Ruf kristallisierte sich  heraus und wurde von Millionen  Kehlen  wiederholt: “Göttlicher!  Göttlicher! Göttlicher!” Der Ruf brauste so übermächtig heran, daß Raimond Scott beinahe Gefahr lief, davon hinweggefegt zu werden. Aber er war ein Mann, der sich in einem solchen Ruf höchstens sonnte und sich keineswegs unter dermaßen demonstrierter Macht der Masse ängstlich duckte.

Mit geschwellter Brust und angewinkelten Armen trat er vor. Seine Offiziere blieben unschlüssig zurück. Da er ihnen kein Zeichen gab, folgten sie ihm auch nicht.

Raimond Scott wurde von einem separaten Feld ergriffen, das er mit seinen Gedanken lenken konnte. Er schwebte in der Luft und stieß die Arme in die Höhe. Es war weithin sichtbar.

“Göttlicher!” Das wollte nicht mehr verebben.

Bis Raimond Scott die Arme langsam sinken ließ. Die Millionen gehorchten. Es kehrte wieder Ruhe ein. Das Antigravfeld ließ Raimond Scott zu Boden schweben. Zu Fuß ging er der Delegation entgegen. Es machte ihm Spaß, die Muskeln seiner nackten Oberarme spielen zu lassen und damit Blicke darauf zu lenken. Raimond Scott lachte in den Wind, der dieses Lachen zu den Ohren seiner grenzenlosen Bewunderer trug. Aber der Wind tat noch etwas, und das erregte Scotts Aufmerksamkeit: Er zauste an den Haaren einer blonden Schönheit, die inmitten der Delegation stand.

Scott verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen. Trotz der Entfernung war es ihm möglich, Einzelheiten auszumachen. Es war die schönste Frau, die er jemals gesehen hatte. Sie war schön und – stolz. Mit einer energischen Bewegung warf sie das Haar in den Nacken. Ihr Blick erfaßte die Gestalt des “Göttlichen”. Was sie sah, schien ihr zu gefallen.

Scott wunderte sich nicht darüber. Dies also war die Tochter des Weltpräsidenten? Sie würde in seinen Armen schmelzen wie Butter in der Sonne. Raimond Scott hatte es noch niemals erlebt, daß ihn eine Frau abwies. Auch diese Frau würde ihm gehören. Er brauchte es nur zu verlangen.

Dies war jedoch der Augenblick, wo es sich zeigte, daß Raimond Scott unter all den Millionen, die ihn hier empfingen, nicht nur Freunde hatte. Es gab auch Feinde – zumindest einen einzigen. Mit ohrenbetäubendem Lärm raste ein kleines Fluggefährt über die versammelte Menschenmasse hinweg. Gewaltsam durchbrach das Gefährt die Schallmauer und erzeugte eine Druckwelle, die die Wartenden umwarf. Das Fluggefährt hielt genau auf Raimond Scott zu.

Der “Göttliche” blieb lässig stehen. Er stemmte die Arme in die Seite und blickte dem Fluggefährt mißbilligend entgegen. Schon war das Ding heran. Ein sonnenheller Energiestrahl löste sich von der Bugspitze, raste mit Lichtgeschwindigkeit auf Raimond Scott zu – und traf auch mit großer Präzision. Raimond Scott war sich seiner Sache zu sicher gewesen. Raimond Scott hätte niemals mit einem solchen Frevel an seiner Person gerechnet. Und Raimond Scott konnte diesem Energiestrahl nicht mehr ausweichen. Dazu war er zu langsam.

Aber Raimond Scott hatte auch gar kein Interesse daran, auszuweichen. Er wurde in eine Gluthölle gehüllt, heiß wie im Innern einer Sonne. Dieser Hölle konnte kein Lebewesen entrinnen – kein gewöhnliches Lebewesen. Raimond Scott indessen breitete die Arme aus. Heiliger Zorn erfüllte ihn. Das Fluggefährt donnerte über ihn hinweg. Doch es kam nicht mehr weit. Raimond Scott steuerte mit seinen Gedanken die Supertechnik seines überlegenen Raumschiffs, das ihn nicht nur vor dem Tode bewahrte, sondern ihm sogar half, die furchtbaren Energien zu beherrschen. Sie strahlten von ihm weg und holten den Flüchtenden ein.

Das Flugboot wurde getroffen. Es widerfuhr ihm genau das, was der Pilot Raimond Scott zugedacht hatte. Der Ansturm der vernichtenden Energien riß es höher in den Himmel, damit es für jeden der Millionen sichtbar wurde. Ein Raunen ging durch die Versammelten, als sich das Fluginstrument mitsamt seinem Piloten in eine künstliche Sonne verwandelte. Sie expandierte rasch, schickte ihre sengenden Strahlen auf die Millionen hinab, war tausendmal heller als die natürliche Sonne am Himmel und fiel wieder in sich zusammen.

Die Luft flimmerte noch von der ungeheuren Hitze, eine Schockwelle raste nach allen Seiten, hoch über die Köpfe der Menschen hinweg und ohne großen Schaden anrichten zu können, aber von dem Fluggefährt war nichts mehr zu sehen. Sekundenlang herrschte atemlose Stille, als das Inferno verklungen war. Doch dann begann ein unbeschreiblicher Jubel – lauter noch als zuvor. Im Orkan des frenetischen Beifalls schritt Raimond Scott weiter auf die Delegation zu.

Der Weltpräsident löste sich von der Gruppe und taumelte Raimond Scott entgegen. Er schien am Ende zu sein und erwartete die furchtbare Strafe des “Göttlichen”. Scott betrachtete ihn ungerührt. Als er dem Präsidenten gegenüberstand, hob er die Arme und ließ die Massen verstummen.

“Für – für diese Schande gibt es keine Entschuldigung”, murmelte der alte Mann. “Göttlicher, wähle die furchtbarste Strafe, die dir in den Sinn kommt. Ich werde für diese Gemeinheit büßen.”

“Wer war der Attentäter?” fragte Raimond Scott knapp.

“Der – der Verlobte meiner Tochter. Er drehte durch und wußte nicht mehr, was er tat. Hätte ich es doch nur vorausgesehen und…”

“Er hat für sein Vorhaben gebüßt. Aber wie steht deine Tochter dazu?”

Raimond Scott blickte an dem Präsidenten vorbei, der keine Worte mehr fand. Er hatte das Schlimmste erwartet, und nun sah es so aus, als würde ihn der “Göttliche” verschonen. Er konnte es nicht fassen. Oder hing es jetzt von seiner Tochter ab?

Raimond Scott schob den zitternden Mann einfach beiseite und näherte sich der Frau, die allein schon mit ihrem Anblick seine Sinne berauschte. Hatte er es jemals für möglich gehalten, einem solchen Geschöpf zu begegnen? Und der Stolz, den sie zeigte, machte sie zu etwas Besonderem. Und nur er, der göttliche Raimond Scott, würde diesen Stolz brechen können.

Dieser Verlobte hatte gezeigt, daß auch er aus einem besonderen Holz geschnitzt war. Kein Duckmäuser, kein Jammerlappen wie dieser Weltpräsident, der jeden Augenblick in Ohnmacht fallen konnte. Der Verlobte war nur an den Falschen geraten. Nur logisch, daß eine so schöne und so stolze Frau sich dem Sieger zuwandte. Und Raimond Scott hielt sich für den besten Sieger aller Zeiten, weil er sich für den Größten hielt.

Da spürte er ihren bewundernden Blick. Sie hatte ihren Verlobten vergessen, nutzte sein Vorgehen und Scheitern vielleicht nur, um ihr Selbstbewußtsein noch zu steigern. Ja, das war eine Frau genau nach Scotts Geschmack. Eine, die genau wußte, was gut für sie war.

Er hatte sie noch nicht erreicht, und schon schmolz sie förmlich dahin. Er lächelte sie an, und dieses Lächeln brachte sie um den Verstand. Sie hatte nichts dagegen, als er sie in die Arme schloß. Ganz im Gegenteil. Sie klammerte sich an ihn, bog ihren Kopf zurück und sah ihn mit glutvollen Augen an…

Raimond Scott vergaß alles um sich herum. Das Universum begann sich um den kirschroten Mund zu drehen – immer schneller und schneller. Ein feuriges Rad, in dem Gestirne explodierten und die Welt im Inferno verging. Nur noch der Funkenregen spritzte nach allen Seiten, in seinem Zentrum die Schwärze des absoluten Untergangs erzeugend. Die Schwärze überfiel Raimond Scott, und diesmal war er nicht gegen das Ende gefeit.

Es war ein furchtbares, marterndes, quälendes, himmelschreiendes Ende, als alle Herrlichkeit verschwand. Mit aller Gewalt hielt er zwar an seinem Leben als der mächtige, reiche, herrliche Raimond Scott fest. Er spürte noch die Schöne in seinen Armen. Ihr Körper war so weich, so warm – und schmolz zu einer unförmigen Masse, die keinerlei Bedeutung mehr hatte – wie alles.

Aus  der  sich  ausbreitenden Schwärze der Apokalypse drangen plötzlich schrille Geräusche. Sie kreischten in seinem Innern, ließen noch einmal Wellen von Schmerz durch seine Adern jagen. Die Pein drängte Schreie über seine Lippen, bis sämtliche Wahrnehmungen wie eine Seifenblase zerplatzten. Was blieb, war die nüchterne Wahrheit. Was blieb, war die Erkenntnis der eigentlichen Existenz.

Raimond Scott blickte sich um. Die Überlebensmaschine hatte sich geöffnet, und der Traumzylinder hatte seinen Schädel freigegeben. Er richtete sich auf. Die Schwindel vergingen rasch, nachdem das kreislaufstabilisierende Medikament seine Wirkung voll entfaltet hatte. Abgesehen von den furchtbaren Entzugserscheinungen, die sich augenblicklich einstellten, fühlte er sich gesund und munter und ausgeruht. Dafür hatte die perfekt konstruierte Überlebensmaschine gesorgt, die nicht nur für seine körperliche Erholung, sondern auch für seine umfassende Ernährung gesorgt hatte – während der langen Traumphase. Das war auch dringend erforderlich, damit er die Strapazen der noch längeren Wachperiode überhaupt lebend überstehen konnte.

“Bitte verlassen!” schnarrte die Automatenstimme. “Bitte verlassen, Traumzeit ist abgelaufen. Bitte verlassen, Traumzeit ist abgelaufen. Beginn der Wachperiode… jetzt!”

Die Worte wurden so oft wiederholt, bis Raimond Scott ganz aufgestanden war. Die Wand teilte sich. Alles sträubte sich in ihm dagegen, doch er hatte keine Wahl. Er mußte die Traummaschine verlassen. Seine Zuteilung war abgelaufen. Den nächsten Traum mußte er sich erst mühsam verdienen.

Und gemeinsam mit all den anderen, deren Traumzeit abgelaufen war, schlurfte er gebeugt seinem eigentlichen Alltag entgegen. Es ging durch endlos erscheinende Gänge, über Förderbänder, durch Lifts. Er fand den Weg im Schlaf, wenn es sein mußte. Man hatte ihn zu einem gutfunktionierenden Weltbürger erzogen, der genau wußte, wie man es schaffte, das nötige Geld zu verdienen, um die nächste Traumzeit antreten zu können.

Er war wie alle anderen süchtig nach den Träumen. Raimond Scott war Minenarbeiter. Das war einer der härtesten Berufe, die es gab. Aber dafür war die Bezahlung so gut, daß er eine viel größere Zeit seines Lebens in einer Traummaschine verbringen durfte. Viel größere Zeit im Verhältnis zu anderen. Zunächst jedoch warteten Wochen schlimmster Strapazen in der Hölle unter der Erde auf ihn.

Er ließ sie verstreichen, wie er es immer getan hatte, ließ sich am Ende der Periode Samen für die Samenbank entnehmen, um den Nachwuchs für die Weltbevölkerung zu sichern, und erlebte den bedeutsamen Tag, da sich die Tür der Traummaschine erneut vor ihm öffnete – und hinter ihm schloß.

Er hatte den Alptraum mit Namen reales Leben hinter sich. Der Traum, der auf nun ihn wartete, war längst zum WAHREN Leben für ihn geworden.

Halbwegs belustigt gedachte er vergangener Tage, da der Alltagsmensch noch auf die Entspannung durch Kino, Fernsehen, Computer, Theater und Bücher angewiesen gewesen war. Inzwischen gab es längst etwas, was viel perfekter war. Besser sogar als sämtliche Drogen zusammengenommen. Weil die einen zerstörten, aber die Traummaschine ließ einen gesunden. Zumindest körperlich, damit man die schwere Arbeit packte – dort, wo man als Mensch immer noch billiger und effektiver als Automaten war. Weil man nicht mehr für Geld fleißig arbeitete, sondern nur noch… für Traumeinheiten.

Raimond Scott legte sich nieder und wartete voller Ungeduld auf den Traumzylinder, der sich selbsttätig über seinen Schädel stülpte. Und dann war es wieder soweit: Raimond Scott war mächtig und reich, unermeßlich reich. Und er vergaß, daß im Grunde genommen nur die reich und mächtig waren, denen seine Arbeitskraft und… die Traummaschinen gehörten!

E N D E

Erstveröffentlicht in anderer Fassung:
Pabel Verlag 1984
Reihe: TERRA ASTRA Nr. 598


Copyright (C) 2010 by Wilfried Hary

Buchvorschlag des Autors:

Tödliche Träume

GAARSON-GATE 8

Band Nr. 8

Autor: Alfred Wallon und W. A. Travers

Titelbild: Gerhard Börnsen

Preis: 12,95 Euro

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Autorenporträt Wilfried A. Hary

Erstellt von W. A. Hary am 23. September 2010

Die Webseite “Zauberspiegel” ist nicht nur mit die bekannteste und beliebteste ihrer Art (“ein lebendiges Fanzine der elektronischen Art” will ich es mal nennen), sondern bringt auch wirklich gut recherchierte Portraits. Der Beweis ist erbracht, denn jüngst erschien ein Portrait über – mich! Ich war zutiefst beeindruckt von der Genauigkeit und Ausführlichkeit – nicht nur von dem Foto, das mich in wesentlich “frischerem” Zustand zeigt. Nun, mit gegenwärtig knapp 63 Jahren ist man ja leider nicht mehr ganz so “taufrisch”…

Wer es sich trotzdem einmal ansehen möchte, der sei gern eingeladen, unauffällig diesem Link zu folgen.

Herzlich
Wilfried A. Hary
www.hary-production.de

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Dunkelerde – All Age Fantasy für die Ohren!

Erstellt von Detlef Hedderich am 31. Mai 2010

Der All Age-Fantasy-Roman “Dunkelerde”  von Ashley Parker erschien jüngst als Komplettlesung im Action Verlag und ist bei www.audible.de lieferbar.

Durch den Abgrund der Dimensionen von uns getrennt existiert eine zweite Erde in einem Paralleluniversum. Eine Erde, die durch das fehlgeleitete Experiment von Alchimisten entstand.

Der vierzehnjärige Pet und seine fast gleichaltrige Freundin Jule stoßen durch Zufall auf einen geheimnisvollen Hinweis, wie sich der Weg durch Raum und Zeit finden lässt, um in die mittelalterliche Epoche der zweiten Erde zu gelangen. Voller Überraschungen ist ihre Reise, als sie sich schließlich der magischen Grenze nähern und die phantastische Barriere durchbrechen. Vor ihnen liegt plötzlich eine gefährliche und faszinierende Welt.

Eine Buchausgabe des Romans läuft seit 2004 erfolgreich bei www.personalnovel.de und kann unter dem Titel “Abenteuer in Dunkelerde” in einer personalisierten Fassung bestellt werden, bei der Personennamen nach Wahl für die Romanfiguren eingesetzt werden können, sofern man dies möchte.

Unter dem Namen Ashley Parker stecken Alfred Bekker und W.A.Hary, die unter demselben Pseudonym auch den Piratenroman “Fluch der Meere” (Ausgaben bei Ullstein/Moments/Weltbild/Club Bertelsmann) verfassten,von dem ebenfalls eine Komplettlesung im Action-Verlag in Vorbereitung ist.

Abenteuer in Dunkelerde

Je nach Einband ab 24,95 Euro inkl. 7% MWSt. zzgl. Versandkosten

Ashley Parker

Aus Dreck Gold machen – das war von jeher ein Menschheitstraum. Auch die Alchimisten des Mittelalters versuchten sich daran. Doch anstatt der Erfüllung dieses Traums wurde durch ein fehlgeleitetes Experiment ein Albtraum Realität: Dunkelerde entstand, eine Parallelerde, getrennt von uns durch den Abgrund der Dimensionen.
Mit Hilfe der Alchemie eines Geheimbuches gelingt es zwei Jugendlichen, diesen Abgrund zu überbrücken. Sie finden sich in einer Welt wieder, ungleich gefährlicher als unsere, in der sie ein Abenteuer nach dem anderen bestehen müssen. Dabei haben sie stets den Tod im Nacken… ca. 204 Seiten

Zu diesem Buch gibt es ein Exposee als PDF-Datei

Dunkelerde

Hörbuch: Dunkelerde

  • Hörprobe
  • Merkzettel

Hörbuch Inhalt

BESCHREIBUNG

(c)+(p) 2010 Action Verlag

Autor: Ashley Parker
Sprecher: Claudia Valtierra
Spieldauer: 07 Std. 44 Min. (ungekürzt)
Bewertung: (0)
Anbieter: Action Verlag
Veröffentlicht: 2010

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 12)

Erstellt von Detlef Hedderich am 13. Mai 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 12

Jane Murphy beobachtete ihren Mann. Es war kurz vor Mitternacht. Sie saßen da, als warteten sie auf etwas. David war so wie immer – oder etwa nicht? Er sprang auf und begann unruhig auf und ab zu laufen.

»Es macht mich ganz krank«, sagte er. »Borodin verschwindet plötzlich, reichlich eigenartige Erklärungen dafür gebend und wir sitzen hier herum und hoffen, dass ich nicht zum Werwolf werde.«

Am Fenster blieb er stehen, riss die Übergardine beiseite.

Der Vollmond. Es sah aus, als habe er ein Gesicht.

David öffnete das Fenster und lehnte sich hinaus. Genießerisch atmete er die kühle, würzige Bergluft. Oh, sie hätten hier schöne Flitterwochen verbringen können. Sanft wellte sich das Land zu seinen Füßen. Dahinter die aufragenden Berge. In etwa zehn Meilen Luftlinie funkelnde Lichter. Bei jedem Licht ein Menschenschicksal.

David schloss die Augen. Ja, hier oben war es recht einsam, doch für sie konnte das nur richtig sein.

Er wollte sich vom Fenster abwenden, da erstarrte er. Täuschte er sich, oder stand eine schwarze Gestalt im Schatten der verkrüppelten Tannen?
Sein Herz schlug unwillkürlich ein paar Takte schneller. Er blickte genauer hin. Möglich, dass er sich irrte, aber er hätte schwören können, dass da tatsächlich jemand war. In diesem Augenblick kam in den schwarzen Schatten Bewegung. Er kam näher. Für Sekunden stand Davids Herz still. Seine Hände umklammerten so fest den Fenstersims, dass die Knöchel weiß hervortraten – so weiß wie das Gesicht des Fremden.

Jetzt sah ihn David genauer. Hatte er einen Moment gehofft, es sei Borodin, der zurückgekommen war, so sah er sich jetzt getäuscht. Es war eine hohe Gestalt, in einen schwarzen, fast bodenlangen Umhang gehüllt.
Das Gesicht war ein weißer Fleck in der Dunkelheit. Nur die Augen in dem wächsernen Antlitz schienen zu leben. Eine unglaubliche Kälte ging von ihnen aus.

Unvermittelt wandte sich die Gestalt ab, trat in den Schatten der Tannen und… verschwand. David konnte sie nirgendwo mehr entdecken. Er rieb sich die Augen und zog sich zurück.

»Was ist los?« erkundigte sich Jane besorgt.

»Nichts.« David schüttelte benommen den Kopf und schloss das Fenster.
Durch die Scheibe spähte er hinaus. Die Tannen bewegten sich im sanften Wind. Mit einem Ruck zog David den Vorhang vor. Einen Moment blieb er reglos stehen. Jane näherte sich ihm langsam.

»Du kannst mir nichts vormachen«, sagte sie leise. »Warum sagst du nichts? Spürst du den Zwang zur Verwandlung?«

Er kam zu keiner Antwort, denn in diesem Augenblick pochte es von draußen gegen die Tür. Sie zuckten zusammen wie unter einem Peitschenhieb. Gehetzt blickte sich Jane um. Wer konnte das sein, um diese Zeit? Dietrich Borodin? Sie ging hinüber, fasste nach dem Türgriff.

»Nein«, keuchte David hinter ihr. Er spürte etwas in sich, was er nicht erklären konnte. Es machte ihm Angst. Erstaunt wandte Jane den Kopf.

»Es ist nicht Dietrich Borodin«, sagte David heiser. »Ich – ich ahne es.« Er wollte auf seine Frau zugehen, aber seine Beine versagten ihm den Dienst. Irgend etwas ging mit ihm vor sich. Verdammt, spürte Jane denn nichts?

Eine steile Falte war auf ihrer Stirn erschienen. Sie lauschte in sich hinein. Abermals klopfte es. Diesmal eindringlicher, wenn auch nicht direkt aufdringlich. Entschlossen öffnete Jane, trotz der Warnung ihres Mannes.

Man konnte nichts erkennen – doch, eine dunkle Gestalt. Eiskalte Schauer liefen David über den Rücken. Die Gestalt trat näher, kam ins Licht. Der weite, schwarze Umhang wehte in dem Wind, der durch die Tür hereinkam und eiskalt in jeden Winkel drang. David fühlte sich auf einmal wie ein Eisklotz, erfroren, zu keiner Bewegung fähig. Langsam glitt sein Blick an dem wehenden Umhang empor, blieb an dem fremden Gesicht hängen. Es kostete ihn unendlich viel Mühe.

Nein, dieses Gesicht war alles andere als bleich. Es war tiefbraun gebrannt. Der Mund lächelte fast spöttisch. Die Oberlippe zierte ein verwegenes Bärtchen. David Murphy wollte schon aufatmen, die Beklemmung wollte ihn verlassen, aber dann wanderte sein Blick über die gerade Nase weiter nach oben, zu den Augen und er hatte im nächsten Augenblick das Gefühl, ein Blitz habe ihn getroffen. In diesen Augen loderte ein unheimliches, grausames Feuer.

»Sie sollten die Tür wieder schließen, Frau Mattes«, riet der Mund, den David plötzlich schmal und brutal fand.

David runzelte die Stirn. Wie kam der Fremde auf den Namen Mattes? Dann wusste er es. Borodin hatte so die Besitzer der Hütte bezeichnet.

Jane Murphy lachte. Es war ein helles Lachen – wie tausend feine Glöckchen. David erschrak. Wann hatte er es zum letzten Mal gehört?
Jane war auf einmal wie ein junges Mädchen, das erstmals der großen Liebe begegnete.

Mein Gott!, dachte David Murphy. Es gelang ihm, den Arm zu heben und mit der Hand über seine Stirn zu reiben, um so endlich den Alpdruck loszuwerden.

Die Tür schloss sich. Der Fremde kam mit wehendem Umhang näher.

»Mich dünkt, Verehrtester, eine Krankheit mag Euch heimgesucht haben. Ich sehe Euch an, dass Euer Körper Kraft verloren hat.«

Es hatte schrecklich ölig und unecht geklungen – so, als wäre er gar nicht von dieser Welt.

Von dieser Welt? David blickte dem Fremden in die Augen. Ihm schwindelte. Alles war so unwirklich. Seine Gedanken verwirrten sich mehr und mehr. Da war wieder dieses Feuer. Es loderte und brannte. Und da waren Funken, die übersprangen auf David, die auch in ihm ein Feuer zu entfachen begannen – ein Feuer, das schmerzte, das ihn von innen heraus auszuhöhlen drohte.

Der Fremde verbeugte sich galant vor Jane, deren Gesicht ein seltsam entrücktes Lächeln zeigte.

»Verzeiht, Madam, dass ich vergaß, mich vorzustellen. Es ist schier unverzeihlich, aber ich…«

»Wer sind Sie?« brachte David hervor. Es klang wie das Knurren eines gereizten Hundes. Der Fremde unterbrach sich einen Moment.

»Schon wieder muss eine Entschuldigung über meine Lippen. Oh, Madam, ich bin in der Tat untröstlich. Mir scheint, so ich mich nicht irre, dass es meine Art zu sprechen ist, die Ihrem Gatten missfällt. Nicht wahr, Mr. Mattes?«

»Mein Name ist David Murphy«, keuchte David.

Der Fremde tat erstaunt.

Jane gönnte ihrem Mann einen flammenden Blick.

»David, ich bitte dich. Kannst du nicht etwas höflicher sein, unserem Gast gegenüber?« Sie wandte sich wieder dem Fremden zu. Zum zweiten Mal ertönte dieses engelhafte Lachen, das geeignet gewesen wäre, David in den siebenten Himmel zu heben, das jedoch ganz und gar… nicht ihm galt. Nicht ihm!

Der Fremde lächelte entwaffnend.

»Ich habe gefragt, wer Sie sind!« knurrte David. Er spürte etwas in sich. Es war nicht die Verwandlung zum Werwolf, die sich anbahnte, aber etwas durchaus Ähnliches. Der Fremde hingegen schien nicht sonderlich berührt zu sein. Er nahm Janes Rechte und küsste sie flüchtig. Die Berührung schien die junge Frau zu elektrisieren. Ein überirdischer Glanz erhellte ihr Gesicht.

»Mein Name ist Guy Green.« Der Fremde machte eine wegwerfende Handbewegung. »Ich weiß, fürwahr ein hässlicher Name. Ich bin fast geneigt, mich seinetwegen zu entschuldigen.«

»Wieso?« säuselte Jane, »ich finde den Namen wunderschön. Ich könnte ihn immer wieder hören – von Ihren Lippen, Mister…«

In gespieltem Erschrecken hob der Fremde beide Arme.

»Nicht, meine Liebe, sprecht ihn nicht aus. Nie sollte ein hässliches Wort über Eure Lippen kommen – nicht in meiner Gegenwart.« Er gönnte David einen Blick, der normalerweise eine Bombe zum Zünden gebracht hätte – allein, David Murphy fühlte sich nur schrecklich elend und unglaublich unterlegen.

»Oh, noch ein Wort zu meiner Art zu sprechen, Madam Mattes.« Der Fremde verbeugte sich abermals gekonnt. »Es ist weniger die Herkunft, die es notwendig macht, denn eher eine Art – nun, lasst es mich einfach formulieren und doch treffend: eine schlechte Gewohnheit.«

»Was könnte größer sein als Eure Bescheidenheit?« Jane sang es fast. »Wie könnte ich beschreiben, wie wunderbar es klingt, wenn Sie etwas sagen?«

»Was führt Sie hierher?« stammelte David Murphy. Niemand achtete auf ihn.

»Ich muss gestehen«, flötete seine junge Frau, »auch ich heiße nicht Mattes, sondern Marvin. Ja, Jane Marvin ist mein Name. Paul Mattes ist wohl der Besitzer dieser Hütte, jedoch…«

»Kein Wort mehr, Madam.« Der Fremde schien immer größer zu werden, bis er in einer plötzlichen Verbeugung aus der Mitte seines schlanken Körpers nach vorn klappte. »Kein Geheimnis soll Eure herrlichen Lippen verlassen. Und dennoch will ich mich erdreisten, Euch eine Einladung zu überbringen. Kommt in mein Haus, das ganz in der Nähe steht. Seid mir willkommen.« Er warf einen Blick auf David. »Beide!« fügte er kühl hinzu.

Er schwebte fast, als er zur Tür ging. David spürte die Aura, die diesen Mann umwehte, fast körperlich. Wie gern hätte er sich auf ihn gestürzt, den Unverschämten windelweich geprügelt, doch es war ihm unmöglich, auch nur einen Finger zu rühren. Wie aus weiter Ferne hörte er die Stimme, die sagte: »Auch meine Schwester wird zugegen sein. Sie wird Euch gern empfangen, Mr. Murphy.«

Die Tür schloss sich hinter dem Mann, der das Grauen in David Murphy zurückließ.

ENDE

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W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 11)

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. Mai 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 11

Dietrich Borodin bog ab. Die Straße wurde merklich steiler.
»Es ist nicht mehr weit«, gab Borodin Auskunft.

Auf dem Beifahrersitz saß sein zweites Ich. Jane hielt es mit ihren Hexenkräften in Schach. Jetzt, da sie die Zusammenhänge kannte, funktionierte es auch.

Eine weitere Stunde fuhren sie schweigend dahin. Die Straße war hier nicht mehr asphaltiert. Überall waren Schlaglöcher und Steine lagen auf dem Weg. Borodin hatte alle Mühe, den Hindernissen auszuweichen.

Dann endlich waren sie angelangt. Der Wagen rollte über einen abzweigenden Schotterweg, an dessen Anfang ein Schild mit der Aufschrift »Privat« hing. Am Ende des Weges erhob sich ein flaches, etwa zehn mal zwanzig Meter großes Felsplateau. Eine steile Holztreppe überbrückte den Höhenunterschied von etwa zehn Fuß. Auf dem Plateau stand eine Berghütte, eng an die steile Felswand geschmiegt, die sich dahinter empor reckte. Der oberste Punkt des Felsens verlor sich in einer Höhe von mindestens zweihundert Fuß. Jane Murphy und ihr Mann waren sichtlich beeindruckt.

Borodin stieg aus. Die beiden anderen folgten seinem Beispiel, nachdem Jane dem Doppelgänger zu schlafen befohlen hatte. Erst jetzt erkannten sie, welch großartige Aussicht sich von hier oben bot. Zwischen den Krüppeltannen gegenüber der Hütte schimmerten schroffe Bergrücken, die sich weit in der Ferne auftürmten.

Die drei Menschen stiegen die Holztreppe hinauf. Von irgendwoher holte Dietrich Borodin einen Schlüssel und schloss auf.

Bevor sie eintraten, blickte Jane noch einmal zurück. Jetzt konnte ihr Blick ungehindert über die Krüppeltannen hinweggehen. Über den Horizont zog sich ein blutroter Streifen. Die Sonne war bereits untergegangen und es war reichlich düster. Tief unten im Tal bewegten sich winzige Lichter.

Borodin bemerkte ihren Blick und sagte lächelnd: »Im Talkessel befinden sich mehrere kleine Ortschaften. Trotzdem ist es hier sehr einsam. Es wächst kaum etwas auf dem kargen Boden. Touristen wollen aber keinen nackten Fels. Sie wollen wohl unberührte, aber auch belebte Natur.«

Die Tür schloss sich hinter ihnen. In der Hütte war es stockfinster.

Dennoch fanden sich die drei Menschen mit ihrer Nachtsichtigkeit gut zurecht. Eine Tür führte direkt in den Felsen. Die aus dem Gestein gemeißelte Kammer barg einen winzigen Stromgenerator. Borodin warf ihn an und schaltete das Licht ein. In der Ecke gab es sogar eine elektrische Kochplatte. Ein Kühlschrank barg konservierte Nahrungsmittel für mehrere Tage. Obwohl er nicht eingeschaltet war, hatten sich die Sachen gut gehalten. Schuld daran war wahrscheinlich nicht zuletzt die Tatsache, dass das Gerät in einer Felsennische stand.

Dietrich Borodin erklärte den beiden Jungvermählten alles. Das tat er so gründlich, dass sich David zu der Bemerkung hinreißen ließ: »Sie tun ganz so, als wollten Sie uns für eine Weile verlassen.« Kaum hatte er das ausgesprochen, ging eine seltsame Verwandlung mit Borodin vor. Er wandte sich erbleichend ab.

»Es war unvorsichtig gewesen, meinen Doppelgänger zu der Reise zu zwingen. Den Wagen hat er im Dorf geliehen. Irgendwann muss er ihn zurückbringen. Außerdem muss er nach Hause. Wir hätten uns ein anderes Beförderungsmittel suchen müssen. Wir haben nicht das Recht, ihn zu etwas zu zwingen, was er…«

»Das ist doch nicht der Grund«, unterbrach ihn David misstrauisch. »Was haben Sie vor?«

Ein dumpfer Laut entrang sich Borodins Kehle. Er tastete nach einem Halt. Seine Augen flackerten. David wollte ihm zu Hilfe eilen, wurde aber abgewehrt. Bestürzt beobachteten er und Jane ihren Schicksalsgefährten.

Plötzlich brach es aus Borodin hervor: »Mein Kind! O Gott, meine kleine Tochter. Warum haben sie das getan?«

David konnte sich nicht mehr beherrschen.

»Verdammt, nun sagen Sie uns endlich, was plötzlich in Sie gefahren ist!«

Borodin antwortete nicht. Er wankte zur Tür, riss sie auf, trat hinaus.

»Ich – ich komme wieder«, sagte er über die Schulter zurück. Dann schlug er die Tür hinter sich zu.

David und Jane sahen sich verständnislos an, rannten zum Fenster und sahen Dietrich Borodin zum Wagen gehen.

Jane riss das Fenster auf und rief hinaus: »Das dürfen Sie nicht tun! Bleiben Sie hier! Ihr Doppelgänger kann doch auch allein wegfahren. Wir dürfen uns nicht trennen. Es ist zu gefährlich.«

Borodin reagierte gar nicht. Jane wollte ihm folgen, aber David hielt sie am Arm zurück.

»Lass ihn, Jane, er wird wissen, was er zu tun hat.« Eine steile Falte war auf seiner Stirn erschienen. »Ich habe das Gefühl, dass er sich durch keine Macht der Welt aufhalten lässt.«

»Aber, was hat er auf einmal?« begehrte Jane auf. »Ich verstehe das alles nicht.«

David zuckte mit den Achseln.

»Ich auch nicht«, gab er zu. »Er wird es uns sagen, wenn er zurückkommt.« Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er zog Jane näher zu sich heran.

Sie verstand sofort und erwiderte sein Lächeln. »Du schlimmer Junge«, flüsterte sie zärtlich. »Was hast du mit mir vor?«

Ein leidenschaftlicher Kuss ließ sie verstummen. Seine riesigen Hände streichelten zärtlich über ihr seidiges Haar, glitten tiefer, umfassten die festen Brüste, kneteten sie sanft, berührten die Hüften. Ein Zittern ging durch ihren Körper. Ihre Erregung wuchs. Bald darauf sank er mit seiner geliebten Jane auf das schmale Lager, innig vereint.

Ihre Sorgen waren für Augenblicke unwichtig und vergessen.
(wird fortgesetzt!)

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Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 10)

Erstellt von Detlef Hedderich am 6. Mai 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 10

»Ein erneutes Phänomen, mit dem wir uns konfrontiert sehen und mit dem wir fertig werden müssen«, sagte David Murphy brüchig.

Er hatte die Initiative ergriffen und den Wagen mit seinen Schicksalsgefährten in einen Seitenweg gefahren. Borodins Doppelgänger, der in Wirklichkeit der Originalkörper war, hatte noch nicht wieder das Bewusstsein erlangt.

David fuhr fort: »Er konnte Jane nicht sehen, da er keinen Astralkörper mehr besitzt, mit dem er in Verbindung steht. Jane wiederum konzentrierte sich automatisch auf den Astralleib, was natürlich keinen Erfolg haben konnte.«

Borodin hatte den Schock, den die Konfrontation mit sich selbst in ihm hervorgerufen hatte, inzwischen einigermaßen überwunden, wenn er auch noch reichlich blass aussah.

»Irgendwie erkannte ich das. Deshalb gelang es mir, den Wagen zum Stehen zu bringen. Wieso aber sehen wir an dem Fahrzeug nicht einmal eine Beule? Jane müsste eigentlich – es tut mir leid, dass ich es aussprechen muss… tot sein. Kein Lebewesen könnte einen solchen Aufprall überleben.«

David nickte.

»Was haben wir gesehen? Es gab gar keinen Aufprall im üblichen Sinne. Vergessen Sie nicht, dass wir mit der toten Materie nur eine Art indirekten Kontakt haben. Irgendwie hat sie auch Auswirkungen in der Schattenwelt.«

»Vielleicht ist das von Element zu Element sogar verschieden?« überlegte Borodin. Seine Wangen hatten sich im Eifer der Diskussion leicht gerötet. »Das könnte einiges erklären. Wahrscheinlich sind die Auswirkungen von Silber am stärksten. Wenn man auf uns schießt, bedeutet das nur unseren Tod, falls man Silberkugeln benutzt – wie bei Ihnen als Werwolf. Es trifft offensichtlich auch auf uns zu. Silber vermag, unsere Körper zu zerstören.«

David zwang sich zu einem Lächeln. »Ich glaube, wir waren der Lösung des Problems noch nie so nahe. Jetzt, da wir wissen, dass es diese Schattenwelt und alle Phänomene, die damit zusammenhängen, wirklich gibt, werden die meisten okkulten Dinge, die von vielen Menschen einfach ignoriert werden, für uns erklärbar. Das Ganze ist alles andere als mystisch. Es bewegt sich im Rahmen der Naturgesetze – nur, dass bisher noch kein Wissenschaftler in der Richtung geforscht hat.«

Auch ich nicht!, fügte er in Gedanken hinzu. Er hatte sich intensiv als Kämpfer des Lichtes mit allen Phänomen beschäftigt, aber eigentlich hatte ihn noch nie die Frage interessiert, wie diese Phänomene eigentlich ursprünglich entstanden. Er hatte sie einfach so akzeptiert, wie sie waren.

Inzwischen war das etwas anderes: Er war hier und er war… kein Mensch mehr. Nachweislich!

Er war genau so eine Kreatur, wie er sie bisher… vernichtet hatte!

»Sie irren«, widersprach Borodin, »in Russland hat man seit langem schon die Existenz von Astralkörpern in allen belebten Wesen nachgewiesen! Leider dringen die Erkenntnisse nur bruchstückhaft in den Westen. Außerdem wurden in den letzten Jahren durch die in Moskau stärker werdenden Demokraten westlicher Prägung alle Forschungen dieser Art unterdrückt, weil sie sich als fortschrittlicher dünken.« Borodins Gedanken schweiften ab.

Noch einmal dachte er an die orakelhaft klingenden Worte des Geistes. Er murmelte sie vor sich hin.

David horchte auf.

»Sie sagten das schon einmal. Was bedeutet es?«

Borodin erklärte ihm, woher er sie hatte. Dann fügte er hinzu: »Ich habe schon einmal den Verdacht geäußert, dass hinter allem, was uns widerfährt, eine bestimmte Absicht steht. Es gelingt mir nicht, diesen Gedanken loszuwerden.«

»Ein Plan soll sie ihre Macht zurückgewinnen lassen und seit Urzeiten warten sie auf die Erfüllung ihres Planes«, zitierte David einen Teil.

Er sah keinen Sinn dahinter – noch nicht!
(Wird fortgesetzt!)

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MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
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Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 9)

Erstellt von Detlef Hedderich am 1. Mai 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 9

Stundenlang hatten sie sich versteckt. Als sie es endlich wagen konnten, sich wieder einigermaßen frei zu bewegen, zog es sie wie mit magischer Gewalt zur Landstraße – zu der Stelle, an der die ganze Misere begonnen hatte. Doch sie kamen nicht weit. Eine Gruppe Polizisten suchte die Umgebung ab.

»Wahrscheinlich wird mein Doppelgänger verhört«, sinnierte Dietrich Borodin. Er hatte sich mit den Tatsachen bereits weitgehend abgefunden.

Anders Jane und David. Die beiden hatte es hart getroffen, dass ihre Realkörper ums Leben gekommen waren. Sie unterhielten sich darüber.

David vertrat die Ansicht, dass durch das Auftreten der ungeheuren Verzerrungskräfte der Wagen den »Sprung« mitgemacht hatte und ihre beiden Realkörper in den Wald geschleudert worden waren. Was danach geschehen war, stellte er sich lieber nicht vor. Tatsache blieb, dass die Sache für sie beide tödlich geendet hatte.

Es gab noch einen wichtigen Punkt, das war die Kleidung. Dietrich Borodin nahm an, dass auch ehemals belebte Dinge, aus denen ja Kleider hergestellt wurden, noch immer eine Art Astralkörper besaßen, wenn vielleicht auch nur mit verminderter Intensität. Das hieß, dass auch hier eine Verdoppelung stattgefunden hatte. Das Gespräch endete letztlich in einer Sackgasse – wie jedes mal. Trotzdem waren sie den Hintergründen der Vorgänge wieder ein wenig mehr auf die Spur gekommen, wenn es auch immer noch genug Ungeklärtes gab.

Kurz spielte David Murphy mit dem Gedanken, Meister Darenius zu kontaktieren. Vielleicht konnte ihm der Oden weiterhelfen? Aber dann fiel ihm ein: Ich bin ein Werwolf! Ich stehe nicht mehr auf der Seite des Guten! Ich bin kein Adept des Lichtes mehr, sondern… Ja, was war er ansonsten? Zumindest keiner mehr, der… lebte!

Nein, unter diesen Umständen konnte er vom Orden des Lichtes wohl kaum Hilfe erwarten.

*

Es war später Nachmittag, als sie sich endlich zu einem Entschluss durchgerungen hatten. Inzwischen hatte die Polizei ihre Arbeit an der Landstraße beendet. Zwei Zivilisten setzten ihre Ermittlungen im Dorf fort. Es wäre für die drei Schicksalgefährten interessant gewesen, zu erfahren, wie diese verliefen, doch dafür hatten sie keine Zeit. Sie mussten so schnell wie möglich aus der Umgebung verschwinden.

Dietrich Borodin erzählte ihnen, dass er schon häufig diese Strecke befahren hätte. Er war Londoner, wenn auch russischer Abstammung und hatte oft in Schottland zu tun. Den überraschten Flitterwöchnern berichtete er, dass ein Freund von ihm irgendwo in den Bergen zwischen Gateshead und Carlisle eine Blockhütte besaß. Das waren zirka fünfzig Meilen von ihrem jetzigen Standort entfernt. Er schlug vor, sich vorerst einmal dorthin zu begeben und alles weitere abzuwarten.

Die beiden Jungvermählten stimmten zu. Ihre Urlaubspläne hatten sie längst schon aufgegeben. Sie bedauerten nur, dass es ihnen nicht möglich war, einen Teil ihres Gepäckes mitzunehmen. Vorderhand aber bestand nun erst einmal das Problem, die riesige Entfernung von fünfzig Meilen zu überwinden. Zu Fuß würde das kaum möglich sein. Deshalb stellten sie sich an die Landstraße, die nicht gerade häufig frequentiert wurde und warteten auf ein geeignetes Beförderungsmittel.

Jane Murphy machte von allen dreien den besten Eindruck. Sie zeigte sich am Straßenrand, während sich die beiden Männer im Hintergrund hielten.

»Ich komme mir vor wie ein Straßenräuber«, murrte David. »Reiner Wahnwitz, mit Hexenkräften ein Fahrzeug anhalten zu wollen und das auch noch mit MEINER Unterstützung – ausgerechnet!«

Als wäre dies ein Signal gewesen, brauste ein Wagen heran.

Um jedes Risiko von vornherein auszuschalten, hatten die drei das Dorf im weiten Bogen umgangen und befanden sich nun mehrere Meilen von der Stelle entfernt, an der ihnen das Missgeschick widerfahren war. Jane stand mitten auf der Fahrbahn und winkte, David sah an ihrem Mienenspiel, dass sie sich konzentrierte, um den Fahrer des Wagens in ihre Gewalt zu bringen. Der Wagen näherte sich mit unverminderter Geschwindigkeit. In David krampfte sich alles zusammen. Funktionierten Janes Hexenkräfte nicht mehr? War der Fahrer dagegen immun?

Der Mann hinter dem Steuer, auf die Entfernung nur sehr undeutlich erkennbar, reagierte nicht. Ja, er schien Jane gar nicht zu sehen und hielt direkt auf sie zu.

Mit einem erstickten Laut wollte Jane zur Seite springen, aber es war bereits zu spät. Borodin und David Murphy hielten unwillkürlich den Atem an. Wie in Zeitlupe sahen sie, wie sich die Kühlerhaube des kleinen Wagens an Jane heran schob. Verzweifelt ruderte die junge Frau mit den Armen und wollte sich in Sicherheit bringen. Sie war viel zu langsam.

Die Kühlerhaube stieß sie mit einer Geschwindigkeit von mindestens fünfzig Meilen in der Stunde an. Metall kreischte auf. Es war ein seltsam singender Laut. Von Janes Lippen löste sich ein furchtbarer, qualvoller Schrei. Das Bild des Fahrzeuges war plötzlich seltsam verschwommen. Janes Körper wurde von ungeheuren Kräften hin- und hergeschleudert. Dann war der Wagen durch sie hindurch! Jane wirbelte wie ein welkes Blatt im Herbstwind durch die Luft und klatschte auf die Straße.

David hörte nur noch ihr Wimmern. Er stöhnte gequält auf und sprintete los, nicht mehr sehend, was hinter ihm vorging.

Dietrich Borodin hatte sich mit totenbleichem Gesicht dem davonbrausenden Wagen zugewandt. Seine Augen schienen Blitze zu verschleudern. Seine Haltung war leicht gekrümmt, sein Körper wie eine Stahlfeder gespannt.

Plötzlich verlangsamte der Wagen sein Tempo, blieb schließlich sogar stehen.

Borodin sah nicht ein einziges Mal zu seinen beiden Leidensgenossen hinüber. Mit hölzernen Schritten folgte er dem Fahrzeug, erreichte es, schaute hinein. Eine eiskalte Faust griff nach seinem Herzen. Für einen Moment verlor er die Kontrolle über sich und sank auf die Knie. Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder erheben und überwinden konnte, einen zweiten Blick in das Wageninnere zu werfen. Mit einem gurgelnden Laut griff er sich an die Kehle und lehnte sich gegen das Fahrzeug.

Sein Blick irrte umher, heftete sich auf die Szene, die sich weiter hinten auf der Straße abspielte.

David hatte Jane aufgeholfen. Sie lebte, war unverletzt, litt aber unter einem Schock. David redete ihr ununterbrochen zu. Es schien zu helfen. Sie überwand ihre Lethargie. Zu zweit stolperten sie schließlich näher.

»Wie – wie konnte das passieren?« stammelte David verwirrt.

Der große, starke Mann erschien in diesem Augenblick wie ein hilfloses, verängstigtes Kind. Doch es sollte noch viel schlimmer für ihn werden.

Dietrich Borodin wollte etwas sagen, brachte aber keinen Laut über seine bebenden Lippen. Stumm deutete er in den Wagen.

David und Jane taumelten näher, sahen die hinter dem Steuer zusammengesunkene Gestalt und – erkannten sie. Beide prallten erschrocken zurück. Ihre Blicke irrten zwischen Dietrich Borodin und dem Fahrer des Wagens hin und her. Sie konnten es nicht fassen und doch gab es keinen Zweifel: Der Fahrer war mit Dietrich Borodin absolut identisch!
(Wird fortgesetzt!)

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Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 8)

Erstellt von Detlef Hedderich am 29. April 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 8

Sie arbeiteten wie die Besessenen.

»Wenn einer uns entdeckt hat, werden es auch noch andere tun«, hatte David gesagt. Die anderen hatten ihm recht geben müssen: Sie durften keine Spuren hinterlassen. Mit viel Mühe war es ihnen gelungen, den Wagen von der Lichtung herunterzubekommen. Jetzt stand er zwischen den Bäumen, mitten im Gestrüpp. Während ihn Jane mit Reisig bedeckte, verwischten die anderen beiden die restlichen Spuren ihrer Anwesenheit.

Endlich war alles so, wie es sein sollte. Den Wagen konnte nur der entdecken, der genau wusste, wo er ihn zu suchen hatte. Jane hatte ganze Arbeit geleistet. Mit den Reifenspuren hatten sie wohl Schwierigkeiten gehabt, aber im großen Ganzen konnten sie mit sich zufrieden sein.

Erschöpft ließ sich David auf einen Stein sinken. Borodin tat es ihm gleich.

»Ich muss sagen, dass ich schon lange nicht mehr körperlich gearbeitet habe«, gab er zu.

»Außerdem müssen wir wohl noch lernen, mit unseren neuen Kräften besser umzugehen, um solche körperlichen Schwächen zu vermeiden. Ich jedenfalls habe noch nie von einem erschöpften Werwolf gehört.« Er grinste.

David erwiderte das Grinsen.

»Seit heute weiß ich auch, dass es sogar richtige Hexenmeister gibt, die schlappmachen«, konterte er gutmütig.

Jane trat näher.

»Vielleicht ist es besser, wenn wir diesen Ort so schnell wie möglich verlassen?«, sagte sie besorgt.

»Erst einmal eine kleine Rast«, widersprach David müde. »Am liebsten würde ich mich hinlegen und schlafen. Werwölfe vertragen das Tageslicht nicht besonders.«

»Sei doch vernünftig.« Jane rüttelte an seinen breiten Schultern. »Wir haben wahrscheinlich einen weiten Weg vor uns, da wir nur in einer größeren Stadt sicher sind.«
Dietrich Borodin erhob sich.

»Sie hat recht«, sagte er. »Die brauchen nur auf die Idee zu kommen, organisiert und systematisch nach dem verschwundenen Mario Cruchillo zu suchen. Ich habe das Dorf gesehen: Die Menschen werden zusammenhalten wie die Kletten.«

Als wäre dies ein geheimes Zeichen gewesen, hörten sie plötzlich lautes Knacken im Wald.

Es klang, als würden mehrere Menschen rücksichtslos durch das Unterholz brechen. Jane stand wie versteinert.

»Ich glaube, es ist schon zu spät«, flüsterte sie.

»Kommt!« Dietrich Borodin lief am Waldrand entlang in die entgegen gesetzte Richtung der Geräusche. David und Jane folgten ihm auf dem Fuße.

Kaum hatten sie die Lichtung überquert, brachen die ersten Männer aus dem Wald. Sie trugen Mistgabeln und Sicheln bei sich.

»Ich habe jemanden gesehen!« rief einer. Offenbar waren sie doch nicht schnell genug gewesen. »Verdammte Hexenbrut, wir werden euch erwischen!«

»Ich habe es geahnt!« rief ein anderer. »Nur ein Dämon konnte den armen Mario so zugerichtet haben. Der alte Hexenmeister ist wiedererwacht und treibt sein Unwesen, wie schon seit Hunderten von Jahren. Er hat Verbündete. Los, Freunde, wir werden sie erwischen!«

Die drei liefen, als säße ihnen der Teufel im Nacken. Gegen die aufgebrachte Menge hatten sie vielleicht auch mit ihren Hexenkräften keine Chance. Noch wussten sie nicht, wie verwundbar sie waren. Außerdem wollten sie nicht, dass Unschuldige zu Schaden kamen und ein Risiko konnten und wollten sie nicht eingehen.

Die Männer waren hinter ihnen her wie Treiber auf der Jagd. Lärmend schwärmten sie aus, damit ihr Wild nicht zur Seite ausbrechen konnte.

Abrupt blieb David Murphy stehen und hielt mit den Armen die beiden anderen auf.

»Wie Treiber!« sagte er.

»Was ist los?« In Borodins Stimme schwang Angst mit. »Wir müssen weiter.«

»Verdammt, sehen Sie denn nicht, dass wir in eine Falle laufen?« fuhr David ihn an. »Die wollen das Tier jagen, das den Bauern getötet hat. Dabei trafen sie auf uns. Die da hinten durchkämmen lärmend den Wald und irgendwo da vorn ist der wirkliche Gegner. Wir werden…«

»Du hast recht!« keuchte Jane. »Aber, was sollen wir tun?«
David deutete nach oben.

»Borodin müssen wir helfen. Allein wird er es nicht schaffen.«

»Schnell, die kommen immer näher«, drängte Jane.

Mit vereinten Kräften hievten sie den korpulenten Borodin hinauf und folgten nach. Auch Murphy hatte einiges an Übergewicht, aber darunter waren stahlharte Muskeln.

Keine Sekunde zu früh schafften sie die Klettertour. Kaum hatten sie sich in dem dichten Blätterwerk versteckt, brachen unter ihnen auch schon die Bauern durchs Gestrüpp. Sie waren alles andere als leise. Davids Vergleich mit Treibern auf der Jagd schien tatsächlich zuzutreffen.

»Endlich sind sie vorbei«, stöhnte Dietrich Borodin. Er schickte sich an, sich nach unten rutschen zu lassen. Seine momentane Haltung schien ihm wenig Freude zu machen.

»Nein, zurück!« zischte David, der immer noch nicht zufrieden war. Er wollte konsequent sein. »Wollen Sie alles gefährden?«

»Aber ich…« David hielt Dietrich den Mund zu.

Und er hatte sich auch diesmal nicht geirrt. Hinter den »Treibern« kamen noch andere, die den Wald absuchten. Inzwischen hatte Dietrich Borodins Gesicht eine leicht grünliche Färbung erhalten.

»Ich kann nicht mehr!« keuchte er verzweifelt, als unten alles ruhig war. David ging nicht darauf ein. Sorgfältig peilte er durch das Blätterwerk. Das Geschrei der Bauern hatte sich entfernt. Es schien im Moment keine Gefahr mehr zu drohen. Gewandt kletterte er nach unten. Jane, die gottlob lange Jeans angezogen hatte, folgte ihm. Dietrich Borodin hätte es wohl allein geschafft, aber das wäre seinem Anzug schlecht bekommen. So halfen sie ihm auch beim Abstieg.

Sie bahnten sich einen Weg durch den Wald. Nicht einmal eine Rast legten sie ein. Immer wieder mussten sie an die Bauern denken. Es war für sie nicht schwer, sich auszumalen, was passierte, wenn sie denen in die Hände fielen. Die Bauern hätten sie schnell entlarvt, denn sie waren abergläubisch und würden keine Sekunde zweifeln.

Plötzlich hörten sie drei Schüsse. Wie angewurzelt blieben sie stehen. Dass diese Schüsse und auch alle folgenden ihnen galten, merkten sie erst, als rechts und links von ihnen Kugeln in die Bäume klatschten. Erschrocken ließen sie sich zu Boden fallen. Jemand brach weit hinter ihnen durch das Gehölz.

»Dem Geräusch nach zu urteilen, ist es diesmal eine Einzelperson«, flüsterte Dietrich Borodin. »Leider nützen mir meine Hexenkräfte wenig, denn ich kann mich nicht richtig konzentrieren.«

David neben ihm ging nicht darauf ein. Er robbte vorwärts.

»Wohin?« hörte er hinter sich die gedämpfte Frage seiner Frau.

»Ich versuche, den Burschen von hinten anzugehen.«

Wie eine Schlange verschwand er im Gestrüpp. Wenig später hörte man nichts mehr von ihm.

»Er ist auch am Tag ein Wolf!« Jane wusste nicht, wie Dietrich das gemeint hatte. Wie ein Scherz hatte es nicht geklungen, eher wie eine Feststellung. Sie antwortete nicht.

»He, wo seid ihr?« rief in diesem Augenblick jemand. »Es tut mir leid, wenn ihr mit der ganzen Sache nichts zu tun habt und friedliche Bürger seid. Aber ich muss sichergehen und behalte deshalb lieber mein Gewehr im Anschlag.«

»Er ist näher, als ich dachte«, raunte Borodin.

»Na los, zeigt euch, oder soll ich mit dem Gewehr das Gestrüpp in Fetzen schießen. Auch Zufallstreffer sind tödlich.«

Dietrich Borodin zögerte. Dann erhob er sich langsam. Jane folgte seinem Beispiel. Ein älterer Mann geriet in ihr Blickfeld. Sein Gewehr zeigte unmissverständlich auf Dietrich Borodins Bauchnabel. Es war schussbereit. Der feiste Mann hatte den Finger am Abzug.

Borodin spürte ein eigenartiges Gefühl in der Magengegend. Es war nicht angenehm. Er hob seine Hände noch höher.

»Mit wem haben wir die Ehre?« erkundigte er sich, obwohl er den Wirt aus dem Dorf sofort erkannt hatte.

»Donnerwetter, Sie kenne ich doch!« entfuhr es Sten Öberg.

Dietrich Borodin hielt unwillkürlich den Atem an. Ob sich der Mann an das nächtliche Intermezzo erinnerte? Nicht auszudenken wäre das.

»Kamen Sie nicht heute morgen ins Dorf? Oh, ich glaube, es war noch dunkel. Aber, ich dachte, Sie wären…« Die Augen Öbergs verengten sich misstrauisch. Er hob das Gewehr etwas höher. Sein Zeigefinger spielte mit dem Abzug. »Wart ihr nicht eben auch zu dritt gewesen?«

»Ganz recht!« erwiderte David trocken und richtete sich hinter ihm auf. Sten Öberg wirbelte herum, war aber viel zu langsam. David entriss ihm das Gewehr und drehte es herum.

*

»Wie ich schon sagte: Losgelöst von seinem Körper wird der Astralleib das, was das Individuum schon immer verkörperte. David Murphy ist und war ein Wolf – obwohl er mir eigentlich sympathisch ist. Vielleicht ist der eine oder andere Handelsreisende in seinem Innern ein hervorragender Hexenmeister?« Lächelnd sah Borodin Jane an, die an seiner Seite schritt, zu David Murphy und seinem Gefangenen.

Sie vermied absichtlich seinen Blick. Starr blickte sie zu Sten Öberg. Wenig später hatte dieser alles vergessen und trottete gemächlich davon – das Gewehr am langen Arm.

»Moment«, rief Dietrich Borodin. »Ich habe noch eine Frage an Sie.« Gehorsam kehrte der feiste Wirt zurück. »Was meinten Sie damit, als Sie behaupteten, ich sei heute morgen im Dorf gewesen?«

Der vergewaltigte Geist des Mannes bäumte sich sichtlich auf, hatte aber keine Chance.
»Sie kamen an und klopften am ersten Haus. Man öffnete Ihnen. Wenig später wusste es das ganze Dorf: Sie hatten einen Verkehrsunfall. Jemand blendete Sie mit seinem Wagen.

Sie folgten den Spuren, die seltsamerweise plötzlich aufhörten. Vergeblich versuchten Sie, den beiden Menschen zu helfen, die in dem Morast, den die Bäume am Straßenrand verdecken, untergingen. Es war bereits zu spät. Beide sind tot. Ein Pärchen. Den Papieren nach, die sie am Körper trugen, David Murphy und Jane Marvin. Die beiden haben am selben Tag, Stunden vor ihrem Tod, geheiratet. Sie waren völlig aufgelöst. Ein paar Männer gingen hin. Von dem fremden Wagen fehlt jede Spur.« Sten Öberg ging nach seiner Erklärung ungerührt fort und ließ das Grauen zurück.

Eine Weile sprach keiner der drei ein Wort, bis David schließlich die Stille unterbrach.

»Warum habt ihr ihn nicht gleich beeinflusst?«, sagte er tonlos. »Ich hätte mir eine Menge Schweiß ersparen können.«

»Es wäre zu gefährlich gewesen«, antwortete Jane brüchig. »Wenn ich gleich versucht hätte, diesen Öberg zu beeinflussen, hätte sich vielleicht ein Schuss gelöst.«

»Aufhören!« rief Borodin aus. »Wie könnt ihr jetzt so belanglose Dinge erörtern, während…« Er brach ab.

Jane schlug weinend die Hände vor das Gesicht. David nahm sie liebevoll und tröstend in die Arme.

»Bitte, beruhige dich, Jane, wir können es nicht ändern.« Borodin warf er einen hilflosen Blick zu. »Wir leben und sind gleichzeitig tot!«

»Ich kann nicht mehr«, schluchzte Jane. »Ich kann einfach nicht mehr.«
(Wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


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Lesen Sie auch die Besprechung von Petra Weddehage:

W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 7)

Erstellt von Detlef Hedderich am 28. April 2010

“Murphy reist ins Jenseits”

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 7

Der Kampf war nur kurz gewesen und David konnte ihn eindeutig für sich entscheiden. Allerdings war er alles andere als glücklich darüber, als sich seine Verwandlung sofort nach dem Kampf rückgängig machte: Jane hatte tatkräftig nachgeholfen und er konnte sich an alles erinnern diesmal: »Es ist furchtbar«, klagte er und barg sein Gesicht in den Händen. »Ich bin ein solches Untier geworden, wie ich es stets bekämpft habe: Wer soll mich ständig kontrollieren? Ich kann mich in jeder Minute erneut in diese Schreckgestalt verwandeln.« David sah wieder auf. »Meines Wissens bin ich sogar unverwundbar in jenem Zustand.«

Dietrich Borodin nickte ernst. Er konnte David nicht in die Augen sehen.

»Sie haben recht, mein Freund. Es ist ein ernstes Problem.«

»Es ist vielleicht weniger schlimm, als wir es sehen«, warf Jane ein.

Borodin antwortete nicht darauf. »Wissen Sie«, sagte er vorsichtig, »ich habe mir über alles inzwischen wieder und wieder Gedanken gemacht.« Er erzählte von dem Zwischenfall mit dem Wirt. »Ich hatte kein Spiegelbild. Kehren wir also zu unserer Theorie zurück. Wir sind sozusagen die Geister von uns selbst – man verzeihe mir diesen Ausdruck. Menschen können uns wahrnehmen. Sie bilden mit ihrem Astralkörper eine fast untrennbare Einheit.

In Wirklichkeit aber sind es ihre Geister, auf deren Sensorium wir ansprechen. Auf reale Gegenstände trifft das nicht zu. Unsere Bilder spiegeln sich nicht, da tote Dinge kein Double besitzen.«

David schüttelte den Kopf.

»Es überzeugt mich nicht. Ich habe mein Leben dem Kampf gegen das Böse gewidmet.« er hatte beschlossen, vor Borodin keine Geheimnisse haben zu müssen. »Noch niemals habe ich von solchen Phänomen gehört. Ich weiß von jenseitigen Welten, von Parallelwelten, aber das hier…?«

»Na und?« entgegnete Borodin beinahe lässig. »Es ist real, ob wir es nun akzeptieren wollen oder nicht. Und wenn es jetzt real ist, dann war es das schon immer. Wenn Sie so ein Kämpfer gegen das Böse aus dem Jenseits und dem Diesseits waren, wie Sie andeuten:

Vielleicht hat es halt nie zuvor in Ihrer Laufbahn eine solche Verzerrung gegeben? Sie ist halt selten, aber nicht auszuschließen, wie wir unmissverständlich von unserem eigenen Schicksal vor Augen geführt bekommen.«

David Murphy schüttelte den Kopf und schaute nach seiner jungen Frau.

Wieso bin ich hier, in diesem Zustand, ein Werwolf und sie eine Hexe?, fragte er sich erneut, ohne die geringste Chance auf eine Antwort zu sehen.

»Egal, wie auch immer: Wenden wir uns den Dingen zu, die wir zu begreifen hoffen: Wieso können wir alles sehen, auch wenn wir keine direkte Verbindung mehr mit der Wirklichkeit haben – um es einmal so auszudrücken?«

»Vergessen Sie nicht unsere neuen Fähigkeiten. Ich habe heute Nacht bereits die Erfahrung machen können, auch bei Dunkelheit recht gut zu sehen. Konzentrieren Sie sich. Sie werden feststellen, dass sich Ihre Sinne verfeinert haben, vielleicht sind auch noch neue Sinne hinzugekommen?«

Bestürzt sahen sich David und Jane an. »Aber ich wollte im Grunde etwas anderes sagen«, fuhr Borodin fort. »Ich zögerte, weil es nicht gut über meine Zunge geht. Wir sind nicht nur Astralmenschen. Durch die Loslösung von unserer realen Hülle sind wir selbst geworden. Das heißt, wir haben uns in Wirklichkeit gar nicht verändert, sondern stellen unser wirkliches Ich dar. Ich war also schon immer so eine Art Hexenmeister, wenn mir auch gewisse Fähigkeiten fehlten. Sie, meine liebe Jane, waren eine Hexe und brauchten das nicht erst zu werden. Was Sie betrifft, Mr. Murphy, so muss ich sagen…«

Weiter kam er nicht.

»Was erlauben Sie sich?« funkelte ihn Jane an und baute sich vor ihm auf.

David schob sie sanft beiseite. »Lass ihn nur, Jane. Mr. Borodin hat recht!«

Verständnislos schaute sie ihn an.

»Wie meinst du das?«

Borodin antwortete an seiner Stelle: »Sie wissen, was Ihr Mann von Beruf ist. Ich glaube, das ist nichts Alltägliches, oder? Wenn ich Ihren Mann richtig einschätze, ist er alles andere als ein sanfter Exorzist, sondern er sucht in seiner Tätigkeit auch eine gewisse Dosis Abenteuer. Er ist ein Mann, der keine Sehnsucht nach einem ruhigen, erfüllten Leben hat. In seinem Innersten war er immer schon ein wahrer Wolf. Beides lebte in ihm:

Wildheit und Sanftheit. Letzteres kam wohl in Ihrer Gegenwart mehr zum Tragen, Mrs. Murphy. Seine barbarischen Instinkte erwachten stets dann, wenn Gefahr drohte. Jetzt ist er befreit. Das heißt, dass in ihm das wahre Ungeheuer erwacht, wenn die Situation brenzlig wird. Denken Sie nach, Jane und dann werden Sie mir recht geben.«

Jane Murphy starrte ihn Zorn bebend an, sagte aber nichts. In ihrem Innersten musste sie dem Handelsreisenden beipflichten.

David gab sich einen Ruck. Er wollte die Peinlichkeit der Situation kompensieren und sagte daher leichthin: »Es hat wohl keinen Zweck mehr, wenn wir uns für den Rest der Nacht zur Ruhe legen.« Er deutete zum Horizont. »Es wird Tag, Freunde.« Er zupfte an den Kleidungsresten, die an ihm hingen. »Erst einmal will ich für eine Erneuerung dieser Fetzen sorgen. Gottlob haben wir unser gesamtes Gepäck bei uns.« Er schritt zum Wagen.

Jane folgte ihm widerstrebend. Borodin blieb Stirn runzelnd zurück.

»Vergeblich griffen die titanischen Mächte der Unterwelt nach der Erde«, murmelte er.

»Da schufen sie ein Spiegelbild von ihr, eine Schattenwelt. Doch die Kräfte, die sie damit weckten, beraubten sie ihrer Macht. Ein Plan soll sie diese Macht wieder zurückgewinnen lassen und sie warten seit Urzeiten auf die Erfüllung ihres Planes…«

David blieb stehen und wandte den Kopf.

»Was sagten Sie?«

Borodin ließ sich die Worte des Geistes, die Worte, die wie ein Orakel geklungen hatten, noch einmal durch den Kopf gehen. Dann winkte er ab.

»Ach, nichts. Mir ist eben nur der Gedanke gekommen, dass dies alles hier vielleicht kein Zufall ist, sondern von irgendeiner teuflischen Macht gesteuert wird!«

»Es beobachtet uns jemand«, flüsterte Jane plötzlich. »Tut beide so, als würden wir nichts merken.«

David gönnte ihr einen erstaunten Blick.

»Was ist los? Wo hast du ihn denn gesehen?«

»Das ist es ja eben. Gesehen hab ich gar nichts! Ich fühle es. Es ist ein Mann, der sehr misstrauisch ist.«

»Ich spüre es auch«, bestätigte Dietrich Borodin.

*

Inzwischen war die Dunkelheit längst dem neuen Tag gewichen. Die drei Menschen hatten den Katzenkadaver begraben und, so gut es die Umstände eben zuließen, Toilette gemacht und dann gefrühstückt.

Unvermittelt trat ein Mann aus dem Wald. Er war einfach gekleidet, der Erscheinung nach ein Landwirt. David tat erschrocken. Er räusperte sich.

»Oh, guten Morgen. Wir haben Sie gar nicht kommen hören.«

Der Mann erwachte aus seiner anfänglichen Erstarrung. Immer noch misstrauisch, kam er näher.

»Ich sehe, Sie machen Picknick.« Er deutete auf die Stelle, an der sie eben noch gegessen hatten.

»Keine Angst«, lachte David, »wir verlassen die Lichtung so, wie wir sie vorgefunden haben.«

»Wie – hm…?« Der Fremde kratzte sich an seinem stoppeligen Kinn. »Wie sind Sie eigentlich hergekommen?«

David deutete auf den Wagen.

»Damit natürlich.«

»Durch den dichten Wald und den Morast neben der Straße?« wunderte sich der Bauer.

»Zu Fuß ist es wohl zu weit und zu umständlich.« Davids Lächeln schien verzerrt. Die drei Menschen warfen sich bestürzte Blicke zu.

Das Misstrauen des Bauern wuchs. Nervös knetete er seine Hände. Plötzlich drehte er sich herum und rannte davon.

»Halt, bleiben Sie stehen!« schrie Jane erschrocken. Es war gar nicht auszudenken, was geschah, wenn der Mann die Schlüsse, die er zog, bei anderen ausplauderte.

Es war Mario Cruchillos Bruder Renzo. Er suchte seinen Bruder Mario und war – sehr abergläubisch. Wenn er ins Dorf ging, würde er vielleicht die sterblichen Überreste seines Bruders finden. Man würde Jane Murphy, ihren Mann und Dietrich Borodin als Mörder verdächtigen und jagen, wenn nicht noch Schlimmeres eintrat.

Das alles ging in Sekundenschnelle durch Janes Kopf. Ihre Augen blitzten. Und das Unglaubliche geschah: Der Bauer gehorchte. Seine Schritte verlangsamten sich. Er schien unter einem unsichtbaren Zwang zu stehen, gegen den er vergeblich anzukämpfen versuchte. Die drei gingen auf ihn zu, umringten ihn. Wimmernd fiel der Mann zu Boden.

»Bitte, lasst mich laufen. Ich habe euch doch nichts getan. Ich werde nichts sagen, obwohl ihr meinen Bruder…« Schluchzend brach er ab.

»Wofür hältst du uns?« fragte Borodin.

Die Augen des Mannes weiteten sich.

»Heilige Mutter Gottes, schütze mich. Die Pforten der Hölle haben sich geöffnet«, murmelte der Bauer. Für die drei gab es nun keinen Zweifel mehr. Der Mann ahnte mehr, als gut war.

Jane hatte in ihrer Bestürzung ihre Kraft gelockert. Renzo Cruchillo schien es zu spüren.

Er sprang unvermittelt wieder auf. David war schneller und erwischte Renzo am Arm.

»Seien Sie doch vernünftig, Mann!« fuhr er den Bauern an.

»Tun Sie ihm nichts«, sagte Borodin besorgt. Der Bauer tat ihm leid.

»Verlasse die Lichtung«, murmelte Jane beschwörend. »Vergiss, dass du uns gesehen hast. Suche weiter nach deinem Bruder. Hier auf der Lichtung gibt es nichts.«

Der Mann wandte sich, steif wie eine Marionette, dem Waldrand zu. Langsam trottete er davon. Wenig später war er ihren Blicken entschwunden.

David hatte dem fassungslos zugeschaut. Schließlich blickte er seine Frau an, Entsetzen in seinen Augen.

»Jane«, sagte er mit bebender Stimme. »Ich habe fast Angst vor dir.«

Dann dachte er daran, dass er sich schon zweimal selber in ein grausiges Ungeheuer verwandelt hatte. Wie hatte er da auf Jane gewirkt?

Aber jetzt weiß ich wenigstens, wieso sie eine Hexe wurde und ich ein Werwolf…, dachte er zerknirscht. Allerdings beruhigte ihn dieses Wissen keineswegs. Wieso sollte es ihm auch gefallen, im Grunde seines Herzens schon immer ein… Werwolf gewesen zu sein?

Er lauschte in sich hinein: Aber er war ansonsten noch der Alte! Er wollte noch immer auf der Seite des Guten stehen und gegen die Horden des Bösen kämpfen. Er wollte noch immer verwunschene Seelen befreien und die Dämonen der Dämmerung dorthin jagen, wohin sie gehörten, nämlich in die Hölle!

Dämonen der Dämmerung? Schattenwelt? Gehörte das etwa irgendwie zusammen?

Steckten etwa sie hinter alledem?

Es wäre ja mal ganz was Neues!, dachte er zerknirscht und verdrängte alle weiteren Gedanken daran, denn im Moment erschienen sie ihm zu fruchtlos.
(Wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


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W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

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