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Literatur-Blog

“Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger” von Werner Karl ist nun käuflich erhältlich!

Erstellt von Galaxykarl am 13. April 2013

Liebe Freunde, Römer, Schriftgelehrte,
liebe Freunde des gedruckten und geschriebenen Wortes,
liebe Marsianer,

ihr hört gerade den donnernden Startschuss meiner Fantasy-”Spiegelkrieger”-Trilogie. Der Band I: “Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger” ist nun käuflich erhältlich. Zum sagenhaften Preis von 2,99 € für das E-Book. Eine kostenlose XXL-Leseprobe soll euch Lust auf den ganzen Band machen. Hier der Link zu neobooks/Droemer-Knaur:

http://www.neobooks.com/werk/20331-tuan-mac-ruith-druide-der-spiegelkrieger.html

Natürlich habe ich eine Bitte an euch: Lest die Leseprobe und gebt einen Kommentar oder eure Meinung dazu ab. Wer im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt hat, kann sich gerne den ganzen Roman downloaden; für gerade mal 2,99 €. Und dann – wenn er/sie möchte – eine kleine Rezension dort veröffentlichen. Einfach bei neobooks als Rezensent anmelden, Rezi schreiben, fertig.

Neobooks/Droemer-Knaur wird sich in regelmäßigen Abständen genau diese Publikumsreaktionen ansehen und mir vielleicht den Weg zu einem gedruckten Buch ermöglichen.

Ich werde bis zum Sommer warten und dann den Band II: “Arianrhod mac Ruith – Königin der Spiegelkrieger folgen lassen; denn fertig ist er schon. Und gerade schreibe ich die letzten Kapitel von Band III: “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger”

Viel Spaß beim Lesen (und Gruseln) wünscht euch euer
Werner ;-)
galaxykarl
www.wernerkarl.org

Und hier schon mal alle drei Cover (Fotos © Copyright by shutterstock):

Coming soon ...

Coming soon ...

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Federwelt Nr. 99, April/Mai 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Erstellt von Galaxykarl am 3. April 2013

Federwelt Nr. 99, April/Mai 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, April/Mai 2013
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Artikel & Interviews: Sandra Uschtrin
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelfoto: Carola Vogt und Peter Boerboom

www.federwelt.de
www.facebook.com/uschtrin.verlag/
www.boerboom-vogt.de

Hier wieder die Beiträge, die mir am besten gefallen haben:

Liiert mit einem Autor / Der Part der Partnerin, Folge 2: Ulrike Kirchhoff
Schreiben und Familienleben sind zwei Dinge, die sich nicht unbedingt vertragen. Welche/r AutorIn kann hiervon nicht selbst ein Liedchen singen? Schreiben ist ein einsamer Beruf, viele müssen sich völlig abschotten und konzentrieren, jegliche Störung rollt den roten Teppich für soziale Konflikte aus. Wie man zu einer Lösung findet, die beides – Schreiben und Familie – in Einklang bringen kann, wird hier am Beispiel von Ulrike und Bodo Kirchhoff beschrieben. Ein Modell, das sicher nicht auf jeden passt.

Schreiben für Daily Soaps und Telenovelas, Teil 2: Die Entwicklung von Antagonisten
Das Böse ist immer und überall. Sowohl im realen Leben wie auch in Geschichten und Romanen. Jens Schleicher führt am Beispiel von Antihelden in Daily Soaps und Telenovelas auf, dass öfter der Antiheld im Gedächtnis des Publikums verhaftet bleibt, als der eigentliche Held; z. B. J. R. Ewing gegenüber dem eher faden Bobby oder moderner: Darth Vader als der anfänglich sehr blasse Luke Skywalker. Und der Antagonist ist nicht nur um des Bösen willen selbst böse, er hat auch Gründe dafür. Sie zu entwickeln, der Figur einzuverleiben, ist eine der Quellen für logische Handlungen und vielschichtige Konflikte. Ein super Beitrag, aufgrund dessen ich sofort meine aktuelle Arbeit einer entsprechenden Kontrolle unterzogen habe … und erfreut feststellen durfte, dass meine Finsterlinge nicht nur tumbe Schläger sind.

E-Books unter die Lupe genommen von Wolfgang Ehrhardt Heinold
Natürlich kann auch diese Ausgabe der Federwelt nicht ohne einen Beitrag zum Thema E-Book auskommen. Und das ist gut so, denn schließlich verunsichert aktuell (und wahrscheinlich noch sehr lange) kein Thema die Buchszene mehr. In diesem 2. Teil der Reihe geht es um Chancen, welche diese Publikationsform AutorInnen eröffnen kann. Der Titel des Beitrages lautet: „Zahlen, Trends und Prophetien unter die Lupe genommen“. Hier die einzelnen Punkte, die Sie sehr aufmerksam lesen – und dabei einen Teil der Angst vor E-Books verlieren – sollten:
Modell „Zielgruppenverlag“
Modell „Gigant ohne Geist“ Wer damit gemeint ist? Natürlich Amazon.
Modell „Fall der Preisbindung“
Modell „small is beautiful“
Modell „Der Buchhandel stirbt aus“ Leider fehlen hier die konkreten Beiträge.
Modell „E-Books in den USA“ Die Frage, ob diese Entwicklung auch in Deutschland stattfinden wird, bleibt leider ebenfalls ungeklärt.
Modell „Buchhandel in den USA“
Modell „Self-Publishing“

Kolumne: Vorlesen für Fortgeschrittene, Folge 39: Lampenfieber von Michael Rossié
Natürlich hat jeder Künstler Lampenfieber, wenn er einem zahlenmäßig mittleren oder größeren Publikum entgegentritt. Hier habe ich Balsam auf meine (typisch deutsche) Seele bekommen: Vorbereitung ist alles. Ein Mitglied einer Gruppe baumlanger Kanadier hatte einmal vor vielen Jahren mir lächelnd auf die Schulter geklopft und meine offensichtliche Nervosität mit folgenden Worten weggewischt: „You´re a german, you´re prepared!“ Stimmt. Einige kleine Dinge beachten und man kann sich auf den Vortrag selbst konzentrieren.

Ein Autor lässt die Hosen runter von Stephan Waldscheidt
Wo lässt man die Hosen runter? Nein, nicht im Schlafzimmer. Im Finanzamt! Stephan Waldscheidt hat hier mal eine Aufstellung seiner Einnahmen und Ausgaben als Schriftsteller für das Steuerjahr 2012 aufgelistet. Wenn Sie das lesen, werden Sie zwischen (Galgen) Humor und Entsetzen hin und hergerissen sein. Versprochen.

Weiterhin im Heft:
- Die bunte Welt der Pseudonyme
- Der Deutsche Literaturfonds
- Eine lyrische Stimme entwickeln
- Textküche, Folge 8: Humor; Zutatenliste
- Rezensionen: Digest; karawa.net
- Impulsbar: Personen beobachten und beschreiben
- Terminkalender
Und noch viel mehr …

Copyright © 2013 by Werner Karl
www.wernerkarl.org

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DAS MÄDCHEN (Teil 2) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar

Erstellt von Detlef Hedderich am 1. April 2013

DAS MÄDCHEN (Teil 2)

Leseprobe aus dem Fantasy-Roman

“Der letzte Engel”

von Zoran Drvenkar

(Zum vorherigen Teil)
Lazar sah die Gouvernante und das Mädchen zwischen den Klippen verschwinden und lud seine Armbrust nach. Er war nervös und er war vorher nie nervös gewesen. Die letzten vierzehn Jahre hatten ihn aus dem Gleichgewicht gebracht. Er war alt geworden und während dieser Pause in eine träge Passivität verfallen, und dann tauchte dieses Haus hier wie aus dem Nichts auf, und die Nervosität brach aus. Niemand hatte nach der langen Zeit damit gerechnet. Aber wirklich niemand.

Lazar versuchte, sich zu konzentrieren. Er spürte, dass sich sein Fokus zu verschieben begann. Konzentration. Es war nicht seine Aufgabe, der fliehenden Gouvernante und dem Mädchen hinterherzurennen. Er hatte sich um das Haus zu kümmern.

Also schickte er Tulli Marsden.

Tulli holte die beiden ein, bevor sie den Strand erreichen konnten. Die Gouvernante war ohne Bedeutung, sie hörte ihn nicht einmal kommen. Er trat ihr die Beine weg, sah sie zwischen die Klippen stürzen und im Meer verschwinden. Tulli hatte gedacht, das Mädchen würde automatisch stehen bleiben, sobald die Frau nicht mehr an ihrer Seite war.

Er hatte sich getäuscht.

Das Mädchen sprang wie eine Katze von Fels zu Fels und erreichte den Strand, lange bevor Tulli die Klippen runtergestiegen war. Ihr Nachteil war, dass Lazars Männer sich mit dem Terrain vertraut gemacht hatten. Tulli folgte einem Pfad zum Meer hinunter, umrundete die Bucht und schnitt so dem Mädchen den Weg ab. Er wartete geduldig hinter den Felsen, hörte ihre Schritte über den Sand näher kommen und bereitete sich darauf vor, sie zu überraschen.

Vier Tage bevor Mona durch Tulli Marsdens Hand sterben sollte, berührte sie das erste Mal eine Erinnerung und stieß damit die Tür auf, die Lazar und seine Söldner an diesen Küstenstreifen führen sollte.

Der Morgen hatte mit einem Schauer begonnen, dann kam die Sonne durch die Wolkenfront und spannte einen mageren Regenbogen über den Küstenstreifen.

Es war der richtige Tag für ein Abenteuer.

Mona und Jasmin versteckten sich seit dem Frühstück zwischen den Klippen. Sie hatten eine Wolldecke auf den Felsen ausgebreitet und konnten von ihrem Platz aus die Kormorane im Auge behalten. Seitdem es wärmer geworden war, schlichen die zwei Mädchen jeden Tag zu den Klippen und beobachteten den Nestbau und wie das Gerüst aus Ästen entstand und mit Seetang ausgelegt wurde. Letztes Jahr hatten sie gesehen, wie die Eier ausgebrütet wurden; dieses Jahr wollten sie eines stehlen.

Die Mädchen hatten gelesen, dass Kormorane in Japan fürs Fischen gezähmt wurden. Seitdem wollten sie eins der Eier selbst ausbrüten. Auch wenn keine von ihnen Fisch besonders mochte, stellten sie sich vor, was Stella für ein Gesicht machen würde, wenn plötzlich Tüten voller Fisch vor der Tür standen. Dummerweise schienen die Kormorane zu wissen, was die Mädchen planten – sie bauten seit drei Wochen an ihren Nestern, weigerten sich aber, Eier zu legen.

»Es gibt Blumen, die haben dasselbe Blau wie die Eier«, sagte Jasmin.

»Was für Blumen?«, fragte Mona und gähnte.

Zwei Stunden hockten sie hier schon und nichts geschah.

Jasmin hob die Schultern und meinte, sie hätte die Blumen bestimmt schon mal gesehen, sie wüsste nur nicht, wo das war.

»Erinner dich«, sagte Mona.

Jasmin dachte kurz nach und stellte mit einem dramatischen Seufzer fest, sie würde sich nicht erinnern. Mona lachte.

»Du hast dir ja nicht gerade viel Mühe gegeben«, sagte sie. »Ich könnte dich wieder hypnotisieren.«

Ohne eine Antwort abzuwarten, kramte sie in ihrer Rocktasche und zog ein Pendel heraus. Seitdem Mona im Fernsehen einen Bericht über Hypnose gesehen hatte, war Jasmin ihr Versuchskaninchen. Das Pendel war ein in Alufolie gewickelter kleiner Stein, der an einem Bindfaden hing. Es gab für Jasmin nichts Langweiligeres, als auf dieses alberne Pendel zu starren, während Mona irgendwelche Sprüche vor sich hinmurmelte.

»Das ist langweilig.«

»Nur weil du immer einschläfst.«

»Nur weil du mit dem Ding vor meiner Nase rumfuchtelst.«

»Das ist kein Ding, das ist ein Pendel.«

»Das ist ein Stein in Alufolie, Mona.«

Sie grinsten sich an und wurden wieder still, sie schauten den Kormoranen zu, die taten, als wären die Mädchen nicht anwesend. Mona legte ihrer besten Freundin den Arm um die Schulter, sie lehnten aneinander, und genau da geschah es – Mona berührte ungewollt Jasmins Erinnerung und diese Erinnerung hatte rein gar nichts mit der Kindheit einer Zehnjährigen zu tun.

Sie waren weit weg von der Küste. Wind umwehte sie und brachte den Duft von satter Erde mit sich. Jasmin saß auf einem Pferd und schaute sich um und Mona folgte ihrem Blick – sie sah durch Jasmins Augen, sie hörte mit ihren Ohren und atmete mit ihr die Luft. Das Pferd stand auf einer Wiese, die mit blauen Blumen bewachsen war und an das Meer im Sommer erinnerte. Das ist also das Blau, an das sie sich erinnert hat, dachte Mona, als hinter der Anhöhe eine Frau angeritten kam und laut rief:

»Wo bleibst du nur?!«

Die Frau trug ein rotes Kleid, die Lederstiefel gingen ihr bis über die Knie, ihr Hals war mit nadelfeinen weißen Tattoos bedeckt. Auf halbem Wege beugte sie sich so weit aus dem Sattel, dass sie mit einer Hand durch das Blumenmeer streichen konnte. Die Blüten flogen durch die Luft, lila Pollen stob auf, aber Mona sah das nicht wirklich. Sie hatte nur Augen für die Flügel auf dem Rücken der Frau, die eng an ihrem Körper lagen, um dem Wind so wenig Widerstand wie möglich zu bieten. Als die Frau sich wieder aufrichtete, roch sie den Duft der Blüten an ihren Fingern und brachte ihr Pferd neben Jasmin zum Stehen.

»Schwester, sie warten auf uns«, sagte sie.

Im selben Moment wusste Mona ihren Namen.

Lisk.

Und sie wusste auch, dass sie Zwillingsschwestern waren.

»Dann lass sie warten«, antwortete Jasmin in einer Sprache, die Mona fremd war, dennoch verstand sie jedes Wort, und es wurde ihr warm im Bauch, als sie den Klang –

»Bist du eingeschlafen?«

Mona schreckte hoch, die Freundinnen lehnten aneinander und hatten die Köpfe auf den Felsen gelegt. Die Wiese, die Pferde und die Reiterin waren verschwunden. Jasmin gähnte. Mona bewegte den Mund, als könnte sie die fremde Sprache im Nachhinein schmecken. Sie wusste, sie hatte nicht geschlafen. Schlaf fühlt sich anders an, dachte sie und sagte:

»Ich war da. Ich glaube, ich war in deiner Erinnerung.«

Jasmin lachte.

»Ohne mich oder was?«

»Mit dir«, sagte Mona und erzählte von dem Pferd und der Frau mit den Flügeln.

»Tattoos?«, wiederholte Jasmin mit einer Spur Neugierde.

»Bis hierhin«, sagte Mona und malte eine Welle auf Jasmins Hals.

»Netter Traum.«

»Das war kein Traum.«

»Dann eben nicht. Aber wo auch immer du gewesen bist, da war ich noch nie.«

Jasmin schaute wieder zu den Nestern, ein Kormoran breitete seine Flügel aus und faltete sie wieder zusammen. Mona legte ihrer Freundin die Hand zwischen die Schulterblätter.

»Und was ist, wenn du mal Flügel hattest?«, fragte sie.

Jasmin stand auf. Sie hatte keine Lust auf dieses Spiel, was auch immer es für ein Spiel war. Sie wollte zurück zum Haus, die Kormorane würden auch morgen noch da sein.

»Kommst du?«

»Gleich«, antwortete Mona.

Jasmin ging vor, und Mona blieb sitzen und wunderte sich, ob es vielleicht Erinnerungen gab, die man selbst nicht kannte. Dann nahm sie einen Stein und warf ihn nach den Kormoranen. Die Vögel rührten sich nicht, denn auch das waren sie gewöhnt – zornige Mädchen, die Eier stehlen wollten und ungeduldig wurden. Der Stein verfehlte die Nester um gute zwei Meter und prallte mit einem klackenden Ton von den Felsen ab. Mona stand auf und war dabei, die Wolldecke zusammenzulegen, als sie die Blume sah. Sie hing zwischen den Falten und war ein wenig zerdrückt. Mona hob sie auf, ihr Duft war herb und kühl, als wäre die Pflanze in der Dunkelheit gewachsen. Jasmin hatte sich richtig erinnert, die Blüte hatte dieselbe Farbe wie die Kormoraneier. Falls wir diese bescheuerten Eier jemals wieder zu sehen bekommen, dachte Mona und verstaute die Blume in ihrer Rocktasche, um sie Jasmin später zu zeigen.

Erst gab es Mittagessen, dann hatte Mona sich mit Helen um den Gemüsegarten zu kümmern und am Nachmittag saßen die Mädchen vor einem Film und Mona vergaß die Blume völlig. Die Haushälterin fand sie am Abend, als sie die dreckige Wäsche einsammelte. Stella war es gewöhnt, Zettel, Steine, Bänder und Süßigkeiten in den Rocktaschen zu finden. Manchmal eine Vogelfeder oder eine Muschel. Aber nie Blumen.

Stella stutzte. Sie kannte die Pflanzen in diesem Landstrich und eine von dieser Art hatte sie noch nie gesehen. Auch wenn sie nur die Haushälterin war, hatte Stella eine Verantwortung für die Mädchen. Deswegen achtete sie auf Zeichen, deswegen war sie mehr als nur die Haushälterin.

Stella gab ihren Fund an die Hausherrin weiter, die den Gouvernanten vorstand und sich um die Verwaltung des Hauses kümmerte. Natalia Hakonson war sechsundvierzig Jahre alt, und bis zu diesem Tag kannte niemand ihre Geschichte, woher sie kam oder wer sie wirklich war. Das sollte sich sehr bald ändern.

Die Hausherrin rief Mona am Montagmorgen nach dem Frühstück zu sich und fragte, woher sie die Blume hätte. Mona sagte die Wahrheit, lügen kam ihr nicht in den Sinn. Sie erzählte, wie einfach es gewesen war, Jasmins Erinnerung zu berühren. Als Natalia Hakonson das hörte, lehnte sie sich auf ihrem Stuhl zu rück und war mehr als verwirrt. Nicht nur von Monas Geschichte, sondern auch von der Tatsache, dass sie die Blume gestern Nacht auf ihrem Schreibtisch liegen gelassen hatte, und jetzt war sie spurlos verschwunden. Das Büro war abgeschlossen gewesen, nichts sonst fehlte. Mona konnte sehen, wie der Hausherrin der Schweiß auf die Stirn trat. Zweimal ließ sie sich erzählen, was genau Mona in der Erinnerung erlebt hatte.

»Und du hast Jasmin einfach nur berührt?«

»Ich habe sie einfach nur berührt.«

»Zeig es mir.«

Mona verstand nicht. Die Hausherrin beugte sich vor und streckte dem Mädchen ihre Hand entgegen. Es war eine Einladung. Mona wurde rot. Sie stellte sich vor, wie sie die Hand berührte und nichts geschah. Und dann bin ich die Doofe, dachte sie und berührte die Hand. Nach wenigen Sekunden ließ sie los. Die Hausherrin wirkte enttäuscht.

»Es tut mir leid«, sagte Mona.

»Vielleicht musst du meine Hand länger halten.«

»Nein, es tut mir leid, dass du gehen musstest«, sagte Mona.

Natalia zog ihre Hand zurück. Sie saß da, als hätte ihr Mona ins Gesicht geschlagen.

»Was … Was genau hast du gesehen?«

»Ich habe nichts gesehen, ich war dort«, sagte Mona und erzählte von dem Jungen, dem sie in Natalias Erinnerung begegnet war. Sie erzählte von dem Hotel und dass es kein gutes Versteck gewesen sei. Mona sagte aber nicht, dass sie die Verzweiflung der Hausherrin körperlich gespürt hatte und dass Natalia Hakonson für eine lange Zeit so mutlos gewesen war, dass sie ernsthaft darüber nachgedacht hatte, sich umzubringen.

»Du wolltest helfen«, sagte Mona. »Deswegen bist du hier.«

Die Hausherrin starrte auf die Tischplatte, als würden ihre Gedanken dort verstreut liegen und darauf warten, geordnet zu werden.

»Mona, hör mir jetzt sehr gut zu«, sagte sie nach einer langen Pause und ohne aufzublicken. »Ich will, dass du mit niemandem über deine Gabe redest. Mit wirklich niemandem. Für eine Weile zumindest nicht. Versprichst du mir das?«

Mona versprach es ihr. Die Hausherrin sagte, das sei dann alles. Mona stand auf und wollte das Zimmer verlassen, sie blieb aber an der Tür stehen. Die Neugierde war einfach zu groß.

»Heißt er wirklich Motte?«

Die Hausherrin rührte sich nicht, sie war so erstarrt, dass sich Mona wunderte, ob ihre Gedanken jetzt vielleicht vom Tisch gerutscht waren und auf dem Boden lagen. Endlich blickte sie auf. Die Hausherrin hatte Tränen in den Augen, und Mona bereute es sehr, ihr diese Frage gestellt zu haben.

»Er heißt in Wirklichkeit Markus«, antwortete sie. »Aber der Name hat nie zu ihm gepasst.«

Mona wartete, ob da noch mehr kommen würde.

»Du kannst jetzt gehen.«

Mona schloss die Tür hinter sich, und als drei Tage später das Haus der Kormorane in Flammen aufging, ahnte niemand von den Bewohnern, dass die Farbe einer Blume der Auslöser dafür war. (…)

(wird fortgesetzt!)

Copyright (C) 2012 by Zoran Drvenkar. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Atoren und des cbj/cbt Bertelsmann-Jugendbuchverlag

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestellinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen! Anbei zur Orientierung noch zwei Buchrezensionen:

Zoran Drvenkar
Der letzte Engel

cbj, 2012
ISBN 978-3-570-15459-5
Fantasy, Thriller, History, Jugendbuch
Hardcover mit Schutzumschlag
Umfang 448 Seiten
Umschlaggestaltung: Zeichenpool, München
Das abgebildete Cover zeigt das unkorrigierte Vorab-Exemplar

www.cbj-verlag.de
www.drvenkar.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Vorwort:

„Motte“, der eigentlich Markus heißt, bekommt eine anonyme E-Mail mit folgendem lapidaren Inhalt:

sorry für die schlechte nachricht
aber wenn du aufwachst, wirst du tot sein
wir wollten nur, dass du das weißt

Dieses Zitat aus dem Roman hat genügt, um meine Neugier anzufachen. Ich war sehr gespannt auf den Werkstattband (und wurde nicht enttäuscht), den wir im sfbasar vor Kurzem vorgestellt haben, dazu ein kleines Interview mit dem Autor. Hier der Link für diejenigen, welche diesen Beitrag vielleicht übersehen haben: http://sfbasar.filmbesprechungen.de/fantasy/zoran-drvenkar-der-letzte-engel-%e2%80%93-werkstattband-und-interview/

Zum Titel:

Wenn man kein gläubiger Mensch ist, tut man sich schwer, an mystische Wesen wie Engel zu glauben. Noch mehr, wenn man ein Teenager von 16 Jahren ist und einem alles Mögliche durch den Kopf geht und das Interesse an Religion, den Tod und Engel – sagen wir mal – gering bis praktisch nicht vorhanden ist. Da ist der Schock, dass es Engel wirklich gibt, enorm. Noch viel mehr, wenn man feststellt, dass man selbst zum Engel geworden ist, komplett mit Flügeln. Nun ja, komplett trifft es nicht ganz: Motte vermisst seine männlichen Geschlechtsteile, schließlich sind echte Engel weder Mann noch Frau.

Doch das ist nicht sein einziges Problem. Motte wird gejagt und weiß nicht von wem und warum. Und auch sein wirklich trauernder Vater verhält sich seltsam: Motte belauscht – tot, wie er ist – ein Telefonat, in dem sein Vater jemandem vorwirft, dass sein Sohn 3 Jahre zu früh gestorben sei. Dad hat also damit gerechnet, nein, erwartet, dass Motte im Alter von 19 Jahren stirbt?

Natürlich ist das nur der Auftakt zu einer Reise durch die Welt … und längst vergangene Zeitalter. Zwei Gruppen zeigen mehr Interesse an Motte, als ihm lieb sein kann. Zum Einen ist da „Die Bruderschaft“, die mordend und brennend durch viele Länder der Erde zieht und besondere Häuser heimsucht, dort alle Bewohner massakriert und dann die Flammen die Spuren verwischen lässt. Zum Anderen „Die Familie“, welche bemüht ist, sich dem Zugriff der Bruderschaft zu entziehen und seit zwei Jahrhunderten ein Ziel verfolgt, dass ein Christ wohl befürworten würde … und das ich hier nicht verrate.

Mein Eindruck:

Ich möchte hier an dieser Stelle den weiteren Verlauf der Handlung nicht vorwegnehmen, aber so viel sei gesagt: Es gab in den letzten Monaten nur wenige Bücher, die mich gleichermaßen gefesselt haben. Und das meine ich wörtlich. Ich bin kein besonders schneller Leser, aber „Der letzte Engel“ habe ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen.

Am Anfang sind die beiden sich abwechselnd verwendeten Schreibstile Gegenwart und Vergangenheit verwirrend, zumal sie aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten die Handlung zeigen. Dazu kommt noch, dass der Autor häufig Zeitsprünge nach vorn und hinten vollführt, die manchmal Stunden, manchmal Jahre auseinanderliegen können. Erst nach und nach verdichtet und klärt sich, was eigentlich passiert. Und das ist nach dem ersten Drittel wirklich suchterzeugend. Also nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, sondern unbedingt dranbleiben!

Den besten Satz, den ich in dem Buch gelesen habe, war auch der Letzte: „Ende vom ersten Buch“. Und was Drvenkar auf der letzten Seite angedeutet hat, lässt mich nur zu dem Schluss kommen, dass der zweite Band mindestens genauso spannend wird wie dieser erste Teil.

Nachwort:

Es ist ein seltsames Gefühl, ein „unkorrigiertes Vorab-Exemplar“ zu lesen. An manchen Stellen fragt man sich: „Bleibt das so oder wird das noch geändert?“ Über kleinere Tippfehler sieht man hier jedoch eher hinweg, als bei einem fertigen Buch, das dann einfach einen schlampig gemachten Eindruck hinterlässt. Nachdem der Verlag cbj allerdings sogar ein Hardcover mit Schutzumschlag auflegt, dürften in der Endfassung sicher alle Kleinigkeiten ausgemerzt sein.

Copyright © 2012 by Werner Karl

… und noch eine Rezension:

Zuerst schenkt Motte der mysteriösen E-Mail keinen Glauben, die seinen baldigen Tod prophezeit. Doch zu vorrückender Stunde wird er zunehmend nervöser. Schlussendlich beschließt er einfach nicht zu schlafen, so kann er ja auch nicht am nächsten Morgen tot sein. Doch Motte verliert den Kampf gegen den Schlaf und schläft beim Lesen eines Comics ein. Am nächsten Morgen erwacht er – leider tot. Kein Puls mehr und mit nichts bekleidet als Boxershorts. Außerdem wachsen seltsame flügelähnliche Gebilde auf seinem Rücken. Motto muss mit erschrecken feststellen, dass er nun ein Engel ist. Auch eine weitere Erkenntnis erschüttert ihn bis ins Mark: Er hat seinen Körper auf seinem Bett zurückgelassen und für seinen Vater ist er unsichtbar. Dieser nimmt die Nachricht von seinem Tod anders auf, als Motte das vermutet hätte, fast erscheint es so, als hätte er seinen Tod erwartet.

Zu seinem Glück kann ihn wenigstens sein bester Freund sehen, den er leider ziemlich schnell aus den Augen verliert. Als dieser Motte dann wiederfindet, ist es für den Engel schon fast zu spät …

Fazit

Die ersten paar Kapitel waren zugegebener Maßen gewöhnungsbedürftig. Schnelle Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit und zwischen den Perspektiven aus denen erzählt wurde, überforderten den Leser, der sich auf eine leichte Kost im Sinne des Jugendromans eingestellt hatte. Hatte man sich jedoch erst einmal an diese recht ungewöhnliche Handhabung des Handlungsstrangs gewöhnt, ließ einen das Buch nicht mehr los und das, obwohl der Autor einen recht neutralen Schreibstil an den Tag legt. Streckenweise kam es einem schon vor, als würde man einen Bericht lesen und nicht einen Roman. Dies dürfte vor allem männliche Leser begeistern, die mit dem zugegebenermaßen gefühlsbetonten Schreibstil von Frauen wenig anfangen können. Wem der Schreibstil nicht liegt, den entschädigt die Handlung um so mehr, schnell wird einem klar, dass hier literarische und gesellschaftliche Grundmotive gut verpackt wurden.

Schnell findet man sich mitten in einem Machtkampf der verschiedenen Glaubenssysteme wieder, ohne sagen zu können, wer den nun “richtig” liegt. Dies macht die ganze Geschichte sehr realistisch, beschäftigt doch die Frage nach dem “richtigen” Glauben die gesamte Welt. So verschwimmen in der Geschichte sehr schnell die Grenzen zwischen gut und böse, richtig oder falsch, der Rettung der Welt und der Herbeiführung ihres Untergangs. Der Roman macht auf jeden Fall Lust auf mehr und ich bin schon sehr gespannt, wie es im Fortsetzungsband weitergeht.

Ein Roman, der einen bis zur letzten Seite überraschen und fesseln kann.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

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Die Leipziger Buchmesse 2013 oder: Wer hat gesagt, Leipzig sei klein?

Erstellt von Galaxykarl am 21. März 2013

Über die Frankfurter Buchmesse habe ich ja schon zwei Mal berichtet. Ergo lag es auf der Hand, einmal den Weg zum zweiten großen Bücher-Event eines Jahres einzuschlagen: der Leipziger Buchmesse. http://www.leipziger-buchmesse.de/

Vor 1945 war Leipzig die Bücherstadt Deutschlands. Aber das ist eine andere Geschichte, die schon oft erzählt wurde. Auf jeden Fall hat nach 1945 Leipzig an Bedeutung verloren … zumindest für die westliche Buchbranche. Erst nach der Wiedervereinigung belebte sich Leipzig wieder auch für die internationale Bücherwelt erfreulich und gewinnt von Jahr zu Jahr wieder an Bedeutung. Trotzdem haftet der Leipziger Buchmesse immer noch das Etikett des kleinen Bruders an. Attribute wie gemütlicher, kleiner, überschaubarer kursieren in Buchkreisen und Vertreter der westdeutschen („Heh, es gibt gottseidank nur noch ein Deutschland!“) Buchbranche neigen dazu, Leipzig nicht ganz ernst zu nehmen. Doch weit gefehlt.

Das Gelände ist modern, die Straßen und Beschilderungen schlichtweg top und die Messemitarbeiter überaus freundlich und hilfsbereit. Am Südtor den Presseausweis hochhalten und man wird auf einen schnuckligen Presseparkplatz geleitet, der direkt an den Empfang und die Halle 1 anschließt. Die Mädels am Empfang schalten den Code frei, man erhält einen kostenlosen Parkplatzausweis, Messekatalog, Messeplan und das Programm von „Leipzig liest“. http://www.leipzig-liest.de/ Aber dazu später mehr.

4 von 5 vorhandenen Messehallen sind propper vollgestopft mit allen Verlagen, die man auch aus Frankfurt kennt. Vielleicht erscheinen einem manche Stände ein wenig kleiner und jetzt könnte man anführen, in Frankfurt wären alle Hallen – und dazu mit großen oder sehr großen Ständen – belegt. Wenn man sich aber den Ansturm der Menschen ansieht, vergisst man sofort alle abwertenden Bemerkungen. Leipzig liest! Und wer das zu einem überraschend großen Teil ist, wird sofort klar, wenn man vom Eingang West (nomen est omen) Zugang zu den Hallen anstrebt. Der Eingang West ist eine halbrunde Glashalle, von der man in die einzelnen Messehallen gelangt. Hier findet man auch zig Stände mit der üblichen Messeverpflegung, zu, nun ja … Messepreisen.

Mich traf fast der Schlag, als ich sah, wie dicht gedrängt die Lesehungrigen auf das Öffnen der Tore warteten. Ich war früh dran und hatte ausgiebig Gelegenheit, die Bücherfreunde zu beobachten: Darunter massenhaft Jugendliche, ob mit oder ohne Manga-Verkleidungen. Diese Cosplayer sind eine Fraktion für sich und sie genießen sichtlich das Event zur Selbstdarstellung und Pflege ihres Hobbys. Ich habe aus zweierlei Gründen auf direkte Fotos verzichtet. Zum Einen, weil die meisten Kostüme weniger toll gelungen waren und die dazugehörigen Mädchen – es sind eben überwiegend Mädchen – auch nicht immer die Figur hatten, die dem Original gerecht wurde. Zum Zweiten aus dem Grund, weil eben ein kleiner Teil der Mädels schlichtweg atemberaubend gut aussah und jedweder Fotowunsch meinerseits vielleicht zu Missverständnissen geführt hätte. Aber die Teenager haben sich selbst ohnehin ständig fotografiert und sicher wird das Internet eine neue Schwemme guter und weniger guter Aufnahmen erleben.

Sicherlich sind nicht alle Cosplayer gekommen, um sich über Bücher zu informieren oder sie zu kaufen, sondern sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und einfach zu feiern. Wenn man den Fehler macht – und ich habe ihn gemacht -, sich in die Halle 2 zu begeben – dort steppt der Manga-Bär -, dann steckt man fest zwischen Orks und Elfen, Zauberern und Nymphen, Japan-Girlies und Schwertkämpfern. Die einschlägigen Verlage müssen sich eine goldene Nase an den Teenagern verdienen, denn die Stände waren nicht von Menschentrauben, sondern von Menschenmassen umlagert.

Zurück zur Größe der Messe und der Stände im Vergleich zu Frankfurt. Ja, bei manchen Verlagen hatte man das Gefühl, sie seien mit kleinem Gepäck angereist, andere hatte ihre bekannten und beeindruckenden Stände mitgebracht und zeigten damit durchaus, dass sie Leipzig mit Frankfurt auf einer Ebene sehen. Allein die Fantasy-Lesesinsel bot Platz für locker mehr als 100 Zuhörer. Und das unabhängig, ob ein jüngerer, älterer, bekannter oder noch nicht so bekannte/r Autor/in las. Die überwiegend jugendlichen Zuhörer hingen gebannt an den Lippen der AutorInnen. Und das allerorten.

Ich war von o.g. Vorurteilen beeinflusst und bildete mir ein, ein Tag Leipzig genüge und nahm mir Zeit. Später sollte ich es bereuen. Gegenüber meiner üblichen (Frankfurter) Gewohnheit hatte ich dieses Mal gänzlich auf Termine und Interviews verzichtet und wollte mich völlig auf meine Belange konzentrieren und Fragen beantwortet bekommen, für die in Frankfurt wohl nicht immer Gelegenheit war. Allein unter der Bezeichnung „autoren@leipzig“ (http://www.indie-autor-preis.de/) wurden viele Vorträge angeboten. Einige davon habe ich mir angehört, Fragen gestellt und auch Antworten bekommen. Leider die, die ich erwartet hatte und nur wenige, die für mich neu waren. Andere Zuhörer schienen aber völlig unbedarft das Gehörte aufzunehmen. An ihren Fragen konnte ich feststellen, dass immer noch viel Unwissen und Unsicherheit vorherrschen, wie der Buchmarkt mittlerweile funktioniert.

Im Einzelnen hörte ich folgende Vorträge:

„Verlage suchen und Verlage finden oder: Brauche ich überhaupt einen Verlag?“ von Wolfgang Tischer http://www.literaturcafe.de

Laut Auskunft des Redners gibt es immer noch Autoren (und solche, die es werden wollen), die sich tatsächlich nicht einmal die Mühe machen nachzusehen, ob ihr Manuskript/Genre zu dem ausgewählten Verlag passt. Auch unverlangt eingesandte Manuskripte werden scheinbar immer noch zuhauf abgeschickt und landen zum größten Teil im Papierkorb. Hart, aber es ist so. 50 Manuskripte oder Leseproben mit Exposé pro Tag sollen hier der Mittelwert sein. Wer soll das alles lesen? Apropos Manuskripte lesen: Dies tun immer weniger festangestellte Verlags-Lektoren, sondern freie Lektoren (siehe dazu auch weiter unten).

Die Frage im Vortragstitel führt einen schnell zum Thema Selfpublishing. Auch dazu später mehr. Im Grunde hat mich die Naivität und Unwissenheit eines Teils der Zuhörer erschüttert. Trotz Internet, massenhaft Blogs und Foren scheint hier immer noch ein frappierender Kenntnismangel vorzuherrschen. Es ist also leider notwendig, immer und immer wieder hier für Klarheit zu sorgen.

„Was bietet ein Autorenverband?“ Diskussion mit den Mitgliedern T.A. Wegberg, Birgit Burkey, Moderation Inge Beer.

Die – wie bei allen Vorträgen – halbe Stunde Redezeit erschien mir hier von Anfang an als sehr knapp. Und dazu noch eine Diskussion? Sicher kann man auf einer Messe nicht in die Tiefe gehen, nicht einmal ansatzweise. Aber was dann hier kam, war dann doch mehr als enttäuschend. Vier Personen präsentierten sich. Und zwar genau so, wie ich es hier erwähne: Sie präsentierten sich selbst, nicht den Verband und nicht die Aktionen, Tätigkeiten, Veranstaltungen oder was auch immer dieser Regional-Verband tat oder tun will. Ein älteres Pärchen – sie im hohen Rentenalter, er vielleicht noch älter, dafür aber mit leiser und fistelhoher Stimme – hatten mehr ihren Weg zum Verband erzählt, anstatt auf die Tätigkeiten des Verbandes einzugehen. Ein anderes Mitglied, ein Autor jüngeren Alters, hat nur erzählt, dass er seit wenigen Jahren Mitglied ist. Was er tut? Fehlanzeige.

Ich bin mir sicher, dass es genügend Autorenverbände gibt, die aktiv sind, ideenreich, hilfreich für neue und schon anerkannte Autoren, die etwas leisten und es wert sind, ihnen beizutreten. Aber dieser Auftritt war definitiv keine Positiv-Werbung. Chance vertan. Sehr schade. Nichtsdestotrotz werde ich „meinem“ regionalen Autorenverband beitreten.

„In 3 Schritten zum eigenen Buch“ Redner von epubli

(Name weder im Programm noch von ihm selbst verständlich hörbar; trotz funktionierendem Mikrofon in der Hand)

Soso, 3 Schritte sollen also genügen, um ein eigenes Buch zu erstellen? Ich erinnere hier an oben erwähnte Naivität. Für wie blöd halten eigentlich solche Anbieter die angehenden Autoren? Genau dafür! Hier wird suggeriert, dass man nur wenige Mausklicks von (s)einem Buch entfernt sei. Ab dem Moment, als der Redner – ja, beinahe schon stolz – aufführte, dass er, bzw. seine Firma schon 100.000 Veröffentlichungen auf den Markt gebracht habe, war für mich klar: 100.000 Bücher ohne professionelles Lektorat, Korrektorat, Coverlayout, Coverbild und vor allem ohne jegliches Marketing. Dafür aber die Kosten auf die Autoren abgewälzt. Wie heißt das heute? Richtig: Druckkostenzuschussverlag.

„Wie finde ich den richtigen Lektor?“ mit André Hille und Wolfgang Tischer (Moderation)

http://www.text-manufaktur.de

Alleine die Frage impliziert schon, dass hier der Selfpublishing-Autor angesprochen wird und nicht der Autor, der das Glück hatte bei einem Verlag unter Vertrag genommen zu werden. Denn dort wird dem Autor ein/e Lektor/in zugewiesen. Was nicht abwertend gegenüber freien Lektoren verstanden werden soll. Die leisten sicher hervorragende Arbeit, auch wenn Herr Hille – selbst freier Lektor – hier zugibt, dass es wie in jeder Branche auch hier schwarze Schafe und einfach Dilettanten gibt. Leider klang in seinen Worten auch durch, dass es sehr beratungsresistente Autoren gibt, die jede Anmerkung des Lektors als Angriff auf ihr Leben verstehen und nicht als das, als was sie gedacht sind: als Hilfe, dem Text seine Mängel zu nehmen und seine Verkaufbarkeit zu steigern. Aber genau das kennen wir ja zur genüge.

Herr Hille nannte Preise von 6,– bis 10,– €, also als Mittelwert 7,– € pro Normseite als übliches Lektorenhonorar. Er selbst verhandele mit Autoren bei kompletten Werken auch schon mal über einen Paketpreis. Allerdings erst nach einem Lektorat der ersten 50 Seiten. Hier können Autor und Lektor sich gegenseitig beurteilen, was die Qualität des Rohtextes und des Aufwandes der Lektorenarbeit betrifft. Hier berechnet Herr Hille in meinen Augen eben sehr vernünftige 350,– €. Für mich einer der informativsten Beiträge des Forums „autoren@leipzig“; vor allem Herrn Tischers Moderation war fachkundig, locker und professionell.

Wenn sich ein Autor zu einer Selbstvermarktung entscheidet, dann sollte er vor professioneller Hilfe nicht zurückschrecken. Ein sehr gutes Lektorat ist hier der erste Schritt. Wie viel weitere man sich gönnen will oder leisten kann, ist eine ganz andere Frage.

Den letzten Beitrag dieses Tages habe ich mehr oder weniger im Vorbeigehen entdeckt und leider den Anfang verpasst. Doch die Dame hatte so gekonnt verschiedene Internet-Marketing-Maßnahmen präsentiert, dass ich einfach zuhören musste. Das Thema schien zu lauten: „Was kann ich im Netz tun, um mein Werk bekannt zu machen“ … oder so ähnlich. Neben den Klassikern Autorenwebsite und Facebook-Präsenz verwies sie auf Youtube-Trailer/Präsentationen und selbstverständlich Rezensionen, Nutzung frei zugänglicher und legaler Bilder/Filmchen, die man auf seine Bedürfnisse anpasst, siehe Gangnam-Style mit anderen Botschaften, Grumpy-Cat usw. Wie gesagt, habe ich leider die Hälfte des Vortrages verpasst. Es zeigt aber doch, dass es mehr Wege des Selfpublishing gibt als nur Flyer, Lesezeichen und Poster für die nächste Lesung.

Das Thema Selbstvermarktung/Selfpublishing werde ich in meinen nächsten Schreibtipps ausführlich behandeln.

Den Abschluss meines Leipzig-Buchmesse-Tages bildete der NOEL-Abend in der soziokulturellen Einrichtung „Villa Leipzig“. Zunächst präsentierte Frau Link vom Noel-Verlag das aktuelle Winter/Frühling-Programm, danach kamen die Siegerehrungen der Gewinner des letzten Weltentor-Wettbewerbes und die Überreichung der Siegerprämien. Als Teil des Riesenprogrammes „Leipzig liest“ mit über 700 Lesungen fanden sich auch hier über 50 Gäste ein und genossen ein sehr freundliches, fast schon familiäres Abendprogramm: Schokoleckereien auf den Stühlen, Sekt und andere Getränke bis zum Abwinken, kleine Knabbereien und die Gelegenheit, sich mit anderen Autoren im Gespräch auszutauschen. Und natürlich die Lesungen der Gewinner und … auch meine kleine Story „Das goldene Licht des ewigen Lebens“, die es in die Anthologie Weltentor 2012 geschafft hat. http://www.noel-verlag.net/siegerbuch-2012.html

Fazit: Leipzig ist – mindestens! – einen Messetag wert; vielleicht nicht jedes Jahr, aber doch eine sinnvolle Ergänzung zur Frankfurter Buchmesse.

Copyright © 2013 by Werner Karl

P.S. Ich hatte gehofft, vom Verlag Fotos der Lesungen zu erhalten, wollte aber jetzt nicht länger mit dem Bericht warten. Vielleicht trudeln die Fotos ja noch ein …

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Fremdwesen”

Erstellt von Galaxykarl am 27. Februar 2013

“Fremdwesen”

sfbasar.de-Anthologie Band 5

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial

Liebe Besucher, liebe Leser, liebe Community-Autoren

Wieder kann ich Euch einen neuen Beitrag unserer Anthologie auf sfbasar.de vorstellen. Zu erkennen an der roten Bezeichnung “NEU” vor dem Link! Weiterhin sind sämtliche Community-Autoren und solche, die es werden wollen, aufgerufen die Anthologie mit zahlreichen Beiträgen zu bereichern. Rückmeldungen in Form von Lob, Kritik oder Verbesserungsvorschlägen sind auch diesmal ausdrücklich erwünscht.

Der Titel der neuen Anthologie: FREMDWESEN

Dieser Begriff bezieht sich nicht nur auf Aliens im Genre Science-Fiction, sondern gilt ausdrücklich für alle Wesen, die nicht menschlich sind, also auch Vampire, Werwölfe, Drachen usw. Manche Männer – mich eingeschlossen – sind ja der Meinung, dass Frauen definitiv nicht von dieser Welt sind, aber für diese Anthologie möchte ich sie doch zur Spezies Mensch zählen. Frauen sind einfach göttlich. Ergo fallen sie NICHT in die Kategorie, die hier behandelt werden soll. Auch irdische Tiere würde ich nicht unbedingt zu Fremdwesen zählen, Ausnahme Drachen und ähnliche Fabelwesen, das sie bis dato nicht historisch und archäologisch nachgewiesen werden konnten.

Ich bin trotzdem begeistert von Lothar Bauers Bild. Diese Femme Fatale, mit düsteren, unheimlichen Katzenaugen und blasser Haut trifft den Nagel auf den Kopf. Sie kann Vampir, Catwoman, Sirene oder sonst was sein. Sie soll alle in die Stimmung versetzen, hier mit richtig tollen FREMDWESEN-Beiträgen teilzunehmen.

Grundsätzlich ist hier jeder Beitrag, der sich mit dem Thema befasst, willkommen. Wir suchen nicht nur Geschichten sondern auch Gedichte, Leseproben und Artikel. Das Copyright der eingereichten Beiträge, unabhängig von der Art des Beitrags, muss wie immer beim jeweiligen Autor liegen.

Die zahllosen Beiträge unserer Community-Autoren erwarten wir ebenso gespannt, wie die Kommentare unserer Leser.

Mit galaktischen Grüßen
euer galaxykarl ;-)

Und jetzt zu den Beiträgen:

FILMBESPRECHUNGEN: ABSENTIA (USA 2011) – Regie/Drehbuch/Schnitt: Mike Flanagan – Rezension von Michael Drewniok

DAS LIED DER SIRENE  – Science-Fiction-Story von Werner Karl

BUCHBESPRECHUNG: DENN DAS BLUT IST LEBEN. GESCHICHTEN DER VAMPIRE – von Frank Fest (Hg.) – Rezension von Michael Drewniok

DER ERSTE MORGEN – eine Fantasy-Horror-Geschichte von Leon Ferri (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2012)

DES TEUFELS MUSTERSCHÜLER – Kurzgeschichte von Margret Schwekendiek

BUCHBESPRECHUNGETERNITY – MEENA HARPER – LIEBE MIT BISS (Band 1) – von Meg Cabot – Rezension von: Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: FEUER DER GÖTTER von Stefanie Simon – Rezension von Walter Gasper

BUCHBESPRECHUNG: FLÜSTERNDES GOLD von Carrie Jones – Rezension von Petra Weddehage

HOTEL, HOTEL – Auszug (Kapitel) aus dem Roman: “Es gibt kein Ende …” von Vera Anschütz

KEIN SPIEGELBILD – Vampir-Story von Alfred Bekker

KORREKTUR MIT FOLGEN – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

BUCHBESPRECHUNG: MONSTER. DÄMONEN, DRACHEN & VAMPIRE – von Christopher Dell – Rezension von: Michael Drewniok

MORGENGRAUEN – eine Kurzgeschichte von little_wonni

MORGENGRAUEN II – eine Kurzgeschichte von little_wonni

BUCHBESPRECHUNG: OCEAN ROSE – ERFÜLLUNG von Tricia Rayburn – Rezension von Petra Weddehage

PLASMAABWEISEND – eine Kurzgeschichte von Simone Wilhelmy

RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN II – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN IV – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN V – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

SCHICKSAL – Fantasy-Story von Barbara Wegener

NEU - STONEHENGE – Leseprobe (Teil 3) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

FILMBESPRECHUNG: SUPER 8 (USA 2011) – Regie/Drehbuch: J. J. Abrams – Rezensiert von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: VON DER NACHT VERZAUBERT – 1. Band der Trilogie von Amy Plum – Rezension von Iris Gasper

WESEN DER NACHT – Horror-Leseprobe aus der Titelstory aus der Anthologie “Wesen der Nacht” Hrg. Wilfried A. Hary von Vera Anschütz

(wird weiter fortgesetzt!)

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Werner Karl

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Federwelt Nr. 98, Februar/März 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Erstellt von Galaxykarl am 9. Februar 2013

Federwelt Nr. 98, Februar/März 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, Februar/März 2013
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Artikel & Interviews: Sandra Uschtrin
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelfoto: Sandra Uschtrin

www.federwelt.de
www.facebook.com/uschtrin.verlag/
www.boerboom-vogt.de

Ich habe oft das Gefühl, dass angehende und sogar renommierte Autoren mit der Zeit unsichtbare Scheuklappen entwickeln, die ihnen auf lange Sicht nicht gut tun. Sich mit etwas anderem als mit der Schreibarbeit zu beschäftigen, scheint unter ihrer Würde zu liegen. Desto mehr freut es mich, wenn man z. B. in der FEDERWELT Beiträge findet, die man sich ganz genau ansehen sollte. In der Kolumne „Reich werden (mit Goetz Buchholz)” geht es diesmal um Vorsorge-Vorurteile. Die ach so geschmähte Riester-Rente ist besser als ihr Ruf. Zitat: „Aber solange es noch nichts Besseres gibt, ist es allemal besser als Hartz IV. Und vor allem besser, als gar nichts zu tun.“ Zitat Ende. Sic!

In den beiden Artikeln „neobooks entdeckt die Bestseller von morgen“ von Yvonne Keller und „E-Books unter die Lupe genommen“ von Wolfgang Ehrhardt Heinold kann man – wieder mal – Einblicke in den Bereich der elektronischen Bücher nehmen, die vielen AutorInnen Schrecken und Ängste bereiten, in Wahrheit aber (nur) ein weiterer Weg sind, sein Werk zu verbreiten.

Die Kolumne „Rezitationskurs … die Endung „ig“ hat sofort alle Sprachalarmglocken in mir erklingen lassen. Dass Worte wie König, Honig, wenig und zackig korrekt Könich, Honich, wenich und zackich ausgesprochen werden sollen, lässt selbst mein fränkisches Sprachgefühl laut protestieren. Ich konnte es nicht glauben und forschte im Ausspracheduden nach. Tatsächlich: Der Kolumnenautor hat recht! Mir ist aber noch kein Autor begegnet, der sich an diese – in meinen Ohren grässliche – Regelung gehalten hätte. Sollte ich einmal ein wenig fränkisch – wenich – vorlesen, dann werde ich das unübertroffene aweng verwenden.

Und auch AutorInnen haben ihre speziellen „10 Gebote beim Schreiben von Prosatexten“. Raymond Obstfeld listet sie auf und ich kann – zumindest für mich – in wahrem Glauben folgen.

Darüber hinaus bietet die FEDERWELT 98:
- Liiert mit einem Partner. Der Part der Partnerin (Folge 1: Sonja Moor)
- Interview mit der Bastei Lübbe Academy
- Schreiben für Daily Soaps und Telenovelas: Charaktere mit Charakter (neue Serie mit Jens Schleicher)
- Textküche: Spannung erzeugen
- Neu: Impulsbar (Treffende Vergleiche finden)
- Neu: Rechtskolumne mit Prof. Lutz
- Neu: Krimikolumne mit Glaser & Klönne
- Prosa und Lyrik aus Kurt Drawerts Darmstädter Textwerkstatt
- Kolumnen von Michael Rossié u.v.m.
- Terminkalender

Also wie immer eine vollgepackte Zeitschrift, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

Copyright © 2013 by Werner Karl
www.wernerkarl.org

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“Leipzig liest”: “Weltentor”-Autor Werner Karl liest am Sa, 16.03. in der Villa Leipzig; Veranstalter NOEL-Verlag

Erstellt von Galaxykarl am 28. Januar 2013

Weltentor Fantasy / Science Fiction / Mystery

Eine phantastische Geschichtensammlung
NOEL-Verlag, 2012
Hardcover ISBN 978-3-95493-002-9

Im Rahmenprogramm der Leipziger Buchmesse finden zahlreiche Lesungen statt. Wie schon in den vergangenen Jahren lädt der NOEL-Verlag in die Villa Leipzig ein. Einlass ab 18:00 Uhr. Näheres findet ihr unter: www.villa-leipzig.de/

Hier die aktuelle Liste, auf der alle Namen eingetragen werden, die am NOEL-Abend in der Villa Leipzig lesen wollen. Lesezeit pro Autor: ca. 20 Minuten

Feste Zusagen:
1. Arndt Waßmann
2. Werner Karl
3. Conny Geisler
4. Rudolf Görner
5. Dr. Grieser
6. Harald Kaup

Anschrift:
Soziokulturelles Zentrum “Die VILLA”
Lessingstraße 7
D-04109 Leipzig, 
Info-Telefon: 0341 – 35 52 04-0
E-Mail: hauszentrale@villa-leipzig.de

54 Geschichten aus Fantasy, Science Fiction und Mystery (darunter erneut meine Wenigkeit). Also über 600 Seiten frische und fantastische Unterhaltung. Dieses Mal in einem dicken Hardcover. Das Titelbild stammt von Mark Freier.

Ich würde mich freuen, wenn ich den einen oder die andere in der Villa begrüßen dürfte. Außerdem lesen noch andere Weltentor-Autoren, also frühzeitig kommen.

Mit galaktischen Grüßen
galaxykarl ;-)
Werner Karl
www.wernerkarl.org

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DAS MÄDCHEN (Teil 1) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Winter 2012″)

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. Januar 2013

DAS MÄDCHEN (Teil 1)

Leseprobe aus dem Fantasy-Roman

“Der letzte Engel”

von Zoran Drvenkar

Die Männer kamen im Morgengrauen. Sie stiegen über die Klippen zum Haus hoch, nur einer von ihnen nahm die Küstenstraße. Sein Name war Dimitri Lazar und er leitete die Jagd seit vier Jahrzehnten. Lazar war einundsechzig Jahre alt und bewegte sich wie ein Sportler, der täglich trainiert. Er ging betont aufrecht und hielt die Armbrust so selbstverständlich an seiner Seite, als wäre sie ein Teil seines Körpers.

Links von ihm breitete sich die karge irische Felslandschaft aus, rechts lagen die Klippen und eine aufgehende Sonne, die aussah, als hätte sie die Nacht durchgemacht und wäre zu erschöpft, um sich voll und ganz aus dem Meer zu erheben. Jeder andere hätte einen Moment verweilt und sich das angeschaut, Lazar hatte nur Augen für das Haus und die dunklen Fenster. Er suchte nach einem Zeichen, dass ihre Ankunft bemerkt worden war.

Kein Rauch stieg aus dem Kamin auf, es war zu früh, die Fenster blieben schwarz.

Am Vorabend hatte Lazar den Lageplan mit seinen Söldnern ein letztes Mal studiert – zwei Stockwerke, eine Treppe, ein Dachboden, ein Keller und zehn Zimmer. Die Raumaufteilung war ihnen vertraut, es war nicht das erste Haus, das sie stürmten, dennoch wünschte sich Lazar, sie hätten mehr Zeit für die Vorbereitung gehabt. Ein Tag reichte einfach nicht. Dabei war es der Keller, der Lazar am meisten Sorgen machte. Sie würden im Erdgeschoss anfangen und sich hocharbeiten.

Der Keller kam immer zum Schluss.

Lazar brauchte ein paar Sekunden, um die Haustür aufzubrechen. Danach stand er im Vorraum und lauschte in die Stille. Die Armbrust lag schwer in seiner Hand. Lazar spürte den Herzschlag im Hals. Er war ausgelaugt von der Jagd, hätte es aber nie zugegeben.

Das Haus blieb still.

Lazar stellte die Funkverbindung her und gab den Befehl.

Lautlos traten seine Männer ein.

Die letzten zwei Jahrhunderte hatte sich im Haus der Kormorane kaum etwas verändert. Bücher und Kleidung kamen per Post, die Lebensmittel wurden zweimal in der Woche geliefert. Die Bewohner waren nicht rückständig. Sie hatten Fernsehen und Internet. Sie lebten in der Gegenwart, ohne ein Teil von ihr zu sein. Zeit hatte hier eine andere Bedeutung. Wer die Zeit akzeptiert, dem ist die Ungeduld fremd, lautete das eingemeißelte Motto über dem Eingang. Geduld war ihre oberste Pflicht. Sie bewahrten das Erbe, sie boten ihm Schutz, ihre Zahl war immer dieselbe.

Acht Mädchen, acht Gouvernanten und eine Hausherrin.

Sobald die Mädchen neunzehn wurden, nahmen sie den Platz der Gouvernanten ein. Es gab ein Fest, es wurde Abschied genommen und acht neue Kinder kamen dazu. Kein Mädchen im Haus der Kormorane wusste, wohin die Gouvernanten danach verschwanden, so wie auch keine von ihnen wusste, woher die Säuglinge kamen.

Die Mädchen teilten sich einen Schlafraum und hatten tagsüber die Zimmer des Hauses zur Verfügung. Die Gouvernanten waren rund um die Uhr zur Stelle und unterrichteten sie. Niemand wollte, dass die Mädchen weltfremd aufwuchsen, und so wurden ihnen keine Informationen vorenthalten.

Wenn jemand nachfragte, bekam er zu hören, es sei ein Waisenhaus. Aber kaum jemand fragte nach oder wusste, wie sich das Haus auf den Klippen finanzierte. Es lag am äußersten Ende einer Landzunge und blieb von Touristen unberührt. Der Landstrich galt als unwirtlich, nicht einmal Schafe verirrten sich hierher. Es gab keine Anlegestellen, es gab nur die Klippen und das Meer.

Das Haus der Kormorane war ein sicherer Ort für das Erbe.

Lazars Söldner arbeiteten sich vom Erdgeschoss hoch. Sie sprachen kein Wort miteinander, während sie von Zimmer zu Zimmer gingen. Fünf der Mädchen starben an der Seite ihrer Gouvernanten innerhalb der ersten zwei Minuten. Sie wurden im Schlaf überrascht. Die Männer waren lautlos, ihre Bewegungen aufeinander abgestimmt. Auf dem Weg nach oben begegneten sie ihrem ersten Problem.

Stella O’Niven war Mitte vierzig, einen Meter achtzig groß und wog keine sechzig Kilo. Die O’Nivens arbeiteten schon seit Generationen für das Haus der Kormorane und kümmerten sich um den Gemüsegarten, strichen die sturmgepeitschte Fassade im Frühjahr neu und erledigten anfallende Arbeiten. Als Haushälterin machte Stella jeden Morgen dieselbe Runde – heizte ein und setzte Teewasser für das Frühstück auf, holte den vorbereiteten Teig aus dem Kühlschrank und formte Brötchen. Sie deckte dann den Tisch und nahm eine Dusche, während die Brötchen backten und die Mädchen langsam erwachten. Jeder Tag hatte denselben Rhythmus. Nur an den Wochenenden übernahm eine der Gouvernanten die Aufgaben der Haushälterin. In dieser Zeit kümmerte sich Stella um ihre Mutter und ihre zwei erwachsenen Söhne. Sie erledigte Einkäufe, ging spazieren und spielte Karten im Club. Alles in ihrem Leben verlief in einer geordneten Bahn.

Auch dieser Morgen fing so an.

Stella war zwei Minuten vor sechs angezogen, hatte sich das Haar hochgesteckt und verließ ihr Zimmer. Sie hörte das Wasser im Badezimmer laufen, sie hörte flüsternde Stimmen und versuchte zu erraten, welche der Mädchen wach waren.

Im Halbdunkel erinnerte Stellas kerzengerade Gestalt an eine strenge Lehrerin, aber sie war alles andere als streng. Stella war die gute Seele für die Mädchen. Wann immer es Schwierigkeiten gab, kamen sie zu ihr und holten sich Rat. Stella mochte diese Rolle. Sie hatte keine Tochter, und so fühlte es sich an, als wäre sie die Mutter von acht Mädchen.

Am obersten Treppenansatz angelangt, blieb Stella für einen Moment stehen und genoss die Ruhe des Hauses. Sie kannte jede knarrende Diele und jede Ritze, durch die der Wind an den stürmischen Tagen pfiff. Es war so sehr ihr Zuhause, wie es das Zuhause der Mädchen war. Als die Standuhr im Erdgeschoss den sechsten Glockenschlag von sich gab, war Stella bereit, nach unten zu gehen.

Die fünf Männer im Eingangsbereich erstarrten und sahen zu ihr hoch.

»Aber …«

Mehr konnte Stella nicht sagen. Der Schalldämpfer gab ein sanftes Ploppen von sich. Die erste Kugel durchschlug das Herz der Haushälterin, die zweite riss ein Loch in die Hand, die sie schützend vor sich hielt. Stella war auf der Stelle tot.

Zwei der Männer fingen ihren Sturz ab und standen danach wieder still.

Niemand rührte sich.

Sie lauschten, sie hörten das Knarren von Dielen über sich, sie hörten hastige Schritte.

Lazar gab ein Zeichen, die Männer eilten die Treppe hinauf.

Alles musste jetzt schneller gehen.

Vier der Gouvernanten hatten mit Hilfe der Hausherrin die Tür zum Hauptsaal verbarrikadiert. Sie zögerten nicht, sie reagierten sofort, als wären sie auf einen Angriff vorbereitet gewesen. Lazars Männer versuchten nicht, die Tür aufzubrechen. Sie legten eine Sprengladung neben dem Türrahmen an und kamen durch die Wand.

Eine Gouvernante fehlte.

Ennis war neunundzwanzig Jahre alt und stand mit zwei der Mädchen im Badezimmer, als Lazars Männer die Wand zum Hauptsaal sprengten. Sie dachte keine Sekunde an Widerstand, sie hatte nur Flucht im Kopf und ergriff die Mädchen bei den Händen. Lautlos stiegen sie über das Balkongeländer und kletterten am Rankengerüst hinunter. Sie trugen noch ihre Schlafanzüge, und als sie unten ankamen, klatschten ihre bloßen Füße auf den Felsen.

Die Mädchen hießen Mona und Jasmin, sie waren zehn Jahre alt und beste Freundinnen. Ennis befahl ihnen, nicht zurückzuschauen. Ihr Ziel waren die Stufen, die zu den Klippen hinunterführten. Ein Pfad lief am Wasser entlang, und wenn sie dem Pfad folgten, würden sie zum Hof der O’Nivens kommen, und dort wären sie sicher, versprach die Gouvernante und schob die Mädchen vor sich her.

Sie hätten Schuhe tragen sollen.

Jasmin rutschte nach zwanzig Metern auf den nassen Stufen aus und fiel. Mona zog sie wieder hoch, als Jasmin aber versuchte aufzutreten, knickte ihr Fuß weg und sie brach in Tränen aus. Ennis nahm sie auf den Arm und hätte beinahe selbst losgeheult, weil sich Jasmin so sehr an ihr festklammerte. Es fühlte sich an, als hätte das Mädchen überhaupt kein Gewicht.

»Keine Sorge«, sagte die Gouvernante. »Wir werden jetzt …«

Das Brechen von Glas war zu hören. Ennis schaute zurück. Sie hätte sich nicht umdrehen sollen. Eine Rauchwolke stieg aus dem Dachstuhl des Hauses auf und wuchs dem Himmel entgegen. Auch Mona blieb stehen. Sie hätten einfach weiterlaufen sollen. Der Pfeil kam aus dem Nichts und durchschlug Jasmins Nacken mit solch einer Wucht, dass die Spitze unter ihrem Kehlkopf wieder hervortrat. Jasmin schaute Ennis ungläubig an und hustete. Ein feiner Nebel aus Blut bedeckte das Gesicht der Gouvernante, dann schloss Jasmin die Augen und ihre Arme lösten sich von Ennis’ Hals und fielen leblos herab.

Die Gouvernante spürte, wie ihre Knie nachgaben. Das Gewicht auf ihren Armen schien sich verzehnfacht zu haben, als hätte das Mädchen all die Tage mit in den Tod genommen, die sie jetzt nicht mehr leben durfte. Ennis konnte Jasmin nicht mehr halten und legte sie auf die Steine. Sie wollte sich setzen und das tote Mädchen festhalten, da riss Mona an ihrem Arm. Ennis taumelte einen Schritt auf sie zu, und der zweite Pfeil zerbrach an dem Felsen, vor dem die Gouvernante eben gestanden hatte.

»Wir müssen weiter«, sagte Mona.

»Aber …«

»Komm!«

Und so sind sie zum Strand runtergerannt und haben die Pfeile ignoriert, die mit einem knallenden Echo von den Felsen wiederhallten und die Kormorane aus ihren Nestern schreckten. Ihr Ziel war das Meer, und sie sahen kein einziges Mal zurück, während hinter ihnen ihr Zuhause in Flammen aufging. (…)

(wird fortgesetzt!)

Copyright (C) 2012 by Zoran Drvenkar. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autoren und des cbj/cbt Bertelsmann-Jugendbuchverlag

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestellinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen! Anbei zur Orientierung noch zwei Buchrezensionen:

Zoran Drvenkar
Der letzte Engel

cbj, 2012
ISBN 978-3-570-15459-5
Fantasy, Thriller, History, Jugendbuch
Hardcover mit Schutzumschlag
Umfang 448 Seiten
Umschlaggestaltung: Zeichenpool, München
Das abgebildete Cover zeigt das unkorrigierte Vorab-Exemplar

www.cbj-verlag.de
www.drvenkar.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Vorwort:

„Motte“, der eigentlich Markus heißt, bekommt eine anonyme E-Mail mit folgendem lapidaren Inhalt:

sorry für die schlechte nachricht
aber wenn du aufwachst, wirst du tot sein
wir wollten nur, dass du das weißt

Dieses Zitat aus dem Roman hat genügt, um meine Neugier anzufachen. Ich war sehr gespannt auf den Werkstattband (und wurde nicht enttäuscht), den wir im sfbasar vor Kurzem vorgestellt haben, dazu ein kleines Interview mit dem Autor. Hier der Link für diejenigen, welche diesen Beitrag vielleicht übersehen haben: http://sfbasar.filmbesprechungen.de/fantasy/zoran-drvenkar-der-letzte-engel-%e2%80%93-werkstattband-und-interview/

Zum Titel:

Wenn man kein gläubiger Mensch ist, tut man sich schwer, an mystische Wesen wie Engel zu glauben. Noch mehr, wenn man ein Teenager von 16 Jahren ist und einem alles Mögliche durch den Kopf geht und das Interesse an Religion, den Tod und Engel – sagen wir mal – gering bis praktisch nicht vorhanden ist. Da ist der Schock, dass es Engel wirklich gibt, enorm. Noch viel mehr, wenn man feststellt, dass man selbst zum Engel geworden ist, komplett mit Flügeln. Nun ja, komplett trifft es nicht ganz: Motte vermisst seine männlichen Geschlechtsteile, schließlich sind echte Engel weder Mann noch Frau.

Doch das ist nicht sein einziges Problem. Motte wird gejagt und weiß nicht von wem und warum. Und auch sein wirklich trauernder Vater verhält sich seltsam: Motte belauscht – tot, wie er ist – ein Telefonat, in dem sein Vater jemandem vorwirft, dass sein Sohn 3 Jahre zu früh gestorben sei. Dad hat also damit gerechnet, nein, erwartet, dass Motte im Alter von 19 Jahren stirbt?

Natürlich ist das nur der Auftakt zu einer Reise durch die Welt … und längst vergangene Zeitalter. Zwei Gruppen zeigen mehr Interesse an Motte, als ihm lieb sein kann. Zum Einen ist da „Die Bruderschaft“, die mordend und brennend durch viele Länder der Erde zieht und besondere Häuser heimsucht, dort alle Bewohner massakriert und dann die Flammen die Spuren verwischen lässt. Zum Anderen „Die Familie“, welche bemüht ist, sich dem Zugriff der Bruderschaft zu entziehen und seit zwei Jahrhunderten ein Ziel verfolgt, dass ein Christ wohl befürworten würde … und das ich hier nicht verrate.

Mein Eindruck:

Ich möchte hier an dieser Stelle den weiteren Verlauf der Handlung nicht vorwegnehmen, aber so viel sei gesagt: Es gab in den letzten Monaten nur wenige Bücher, die mich gleichermaßen gefesselt haben. Und das meine ich wörtlich. Ich bin kein besonders schneller Leser, aber „Der letzte Engel“ habe ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen.

Am Anfang sind die beiden sich abwechselnd verwendeten Schreibstile Gegenwart und Vergangenheit verwirrend, zumal sie aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten die Handlung zeigen. Dazu kommt noch, dass der Autor häufig Zeitsprünge nach vorn und hinten vollführt, die manchmal Stunden, manchmal Jahre auseinanderliegen können. Erst nach und nach verdichtet und klärt sich, was eigentlich passiert. Und das ist nach dem ersten Drittel wirklich suchterzeugend. Also nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, sondern unbedingt dranbleiben!

Den besten Satz, den ich in dem Buch gelesen habe, war auch der Letzte: „Ende vom ersten Buch“. Und was Drvenkar auf der letzten Seite angedeutet hat, lässt mich nur zu dem Schluss kommen, dass der zweite Band mindestens genauso spannend wird wie dieser erste Teil.

Nachwort:

Es ist ein seltsames Gefühl, ein „unkorrigiertes Vorab-Exemplar“ zu lesen. An manchen Stellen fragt man sich: „Bleibt das so oder wird das noch geändert?“ Über kleinere Tippfehler sieht man hier jedoch eher hinweg, als bei einem fertigen Buch, das dann einfach einen schlampig gemachten Eindruck hinterlässt. Nachdem der Verlag cbj allerdings sogar ein Hardcover mit Schutzumschlag auflegt, dürften in der Endfassung sicher alle Kleinigkeiten ausgemerzt sein.

Copyright © 2012 by Werner Karl

… und noch eine Rezension:

Zuerst schenkt Motte der mysteriösen E-Mail keinen Glauben, die seinen baldigen Tod prophezeit. Doch zu vorrückender Stunde wird er zunehmend nervöser. Schlussendlich beschließt er einfach nicht zu schlafen, so kann er ja auch nicht am nächsten Morgen tot sein. Doch Motte verliert den Kampf gegen den Schlaf und schläft beim Lesen eines Comics ein. Am nächsten Morgen erwacht er – leider tot. Kein Puls mehr und mit nichts bekleidet als Boxershorts. Außerdem wachsen seltsame flügelähnliche Gebilde auf seinem Rücken. Motto muss mit erschrecken feststellen, dass er nun ein Engel ist. Auch eine weitere Erkenntnis erschüttert ihn bis ins Mark: Er hat seinen Körper auf seinem Bett zurückgelassen und für seinen Vater ist er unsichtbar. Dieser nimmt die Nachricht von seinem Tod anders auf, als Motte das vermutet hätte, fast erscheint es so, als hätte er seinen Tod erwartet.

Zu seinem Glück kann ihn wenigstens sein bester Freund sehen, den er leider ziemlich schnell aus den Augen verliert. Als dieser Motte dann wiederfindet, ist es für den Engel schon fast zu spät …

Fazit

Die ersten paar Kapitel waren zugegebener Maßen gewöhnungsbedürftig. Schnelle Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit und zwischen den Perspektiven aus denen erzählt wurde, überforderten den Leser, der sich auf eine leichte Kost im Sinne des Jugendromans eingestellt hatte. Hatte man sich jedoch erst einmal an diese recht ungewöhnliche Handhabung des Handlungsstrangs gewöhnt, ließ einen das Buch nicht mehr los und das, obwohl der Autor einen recht neutralen Schreibstil an den Tag legt. Streckenweise kam es einem schon vor, als würde man einen Bericht lesen und nicht einen Roman. Dies dürfte vor allem männliche Leser begeistern, die mit dem zugegebenermaßen gefühlsbetonten Schreibstil von Frauen wenig anfangen können. Wem der Schreibstil nicht liegt, den entschädigt die Handlung um so mehr, schnell wird einem klar, dass hier literarische und gesellschaftliche Grundmotive gut verpackt wurden.

Schnell findet man sich mitten in einem Machtkampf der verschiedenen Glaubenssysteme wieder, ohne sagen zu können, wer den nun “richtig” liegt. Dies macht die ganze Geschichte sehr realistisch, beschäftigt doch die Frage nach dem “richtigen” Glauben die gesamte Welt. So verschwimmen in der Geschichte sehr schnell die Grenzen zwischen gut und böse, richtig oder falsch, der Rettung der Welt und der Herbeiführung ihres Untergangs. Der Roman macht auf jeden Fall Lust auf mehr und ich bin schon sehr gespannt, wie es im Fortsetzungsband weitergeht.

Ein Roman, der einen bis zur letzten Seite überraschen und fesseln kann.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

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Preisausschreiben des Autors Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 29. Dezember 2012

Preisausschreiben des Autors Werner Karl

www.wernerkarl.org

Es ist nun das zweite Mal, das eine meiner SF-Kurzgeschichten den Sprung in eine Anthologie des NOEL-Verlages geschafft hat. Aus diesem erfreulichen Anlass möchte ich hier nicht nur den Titel kurz vorstellen (siehe unten), sondern euch gleichzeitig zu einem kleinen Preisausschreiben einladen.

Teilnahmebedingungen:
Mitspielen kann jeder, außer Mitglieder der Verlage Tredition und Noel. Die Antwort – und eure E-Mail-Adresse – muss im Gästebuch meiner Website eingetragen werden. Gewinner ist jeweils der erste richtige und vollständige Eintrag. Bitte achtet auf die exakte Schreibweise. Jeder Teilnehmer kann nur zu einer Frage und zu dem dortigen Gewinn teilnehmen. Mehrfachteilnehmer werden nicht berücksichtigt, schließlich sollen 3 Gewinner ein Buch erhalten und nicht nur ein einziger Mitspieler. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner erhalten von mir eine E-Mail, in der ich nach deren Lieferadresse frage. Die Gewinne werden am nächstmöglichen Versendetag auf den Weg gebracht. Die Namen der Gewinner – und zwar nur deren Namen – werden im Anschluss an dieser Stelle bekannt gegeben.

Frage 1:
Wie lautet der Arbeitstitel von Band III meiner ersten Fantasy-Trilogie?
Für die richtige Antwort gibt es 1x mein Taschenbuch “Danger Zone” mit 12 Science-Fiction-Stories, ISBN 978-3-8424-0091-7, im Wert von 13,49 € zu gewinnen.

Frage 2:
Wie lautet der Titel meiner SF-Story, welche es in “Weltentor Science Fiction II” geschafft hat?
Für die richtige Antwort gibt es 1x “Weltentor Science Fiction II” (2011) als Taschenbuch, ISBN 978-3-942-80253-6, im Wert von 16,90 € zu gewinnen.

Frage 3:
Wie lautet mein erstes Haiku?
Für die richtige Antwort gibt es 1x “Weltentor Fantasy – Science Fiction – Mystery” (2012), ISBN 978-3-954-93002-9, im Wert von 19,90 € zu gewinnen.

Kleiner Tipp:
Die Antworten finden sich recht leicht auf meiner Website; einfach auf den Link oder mein Foto klicken.

“Weltentor Fantasy – Science Fiction – Mystery” (2012), ISBN 978-3-954-93002-9
Das Buch liegt als Hardcover mit insgesamt fetten 609 Seiten auf. Das Titelbild stammt wieder von Mark Freier.

Ihr findet darin Geschichten dieser Autoren:
Philipp Börner – Kilian Braun – Andrea Delveaux – Ida Nadine Eisele – Dr. Erika Hemmersbach – Andreas Hinkel – Sven Linnartz – Annika Modis – Alisha Pilenko – Nils Radmacher-Nottelmann – Friederike Stein – Dieter Stiewi – Jutta Swietlinski – Andreas Lothar Thiel – Marc Thorbrügge – Arndt Waßmann – Andreas Weirich – Rüdiger Zuber – Lija Belinskaja – Martina Bernsdorf – Dr. André Hahn – Fyona A. Hallé – Judith Holle – Christiane Kromp – Anja Kubica – Katrin Langmuth – Karl Plepelits – Martina Räke – Norbert Scheitacker – Benjamin Blizz – Torsten Schröter – Angela Schwarzer – Andreas Suchanek – Vivian Vierkant – Günter Wirtz – Andreas Wöhl – Bernd Holzhauer – Werner Karl – Christopher Laske – Frank Lauenroth – Lara Möller – Wilko Müller jun. – Heike Pauckner – Bianka Thon.

Viel Spaß beim Besuch meiner Website. Selbstverständlich freue ich mich auch über Gästebucheinträge, die nichts mit dem Preisausschreiben zu tun haben.

Euch allen viel Glück und Gesundheit für das neue Jahr!

Mit galaktischen Grüßen
Werner Karl ;-)

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Schreibtipps (6. aktualisierte und überarbeitete Version)

Erstellt von Galaxykarl am 17. Dezember 2012

Schreibtipps (6. aktualisierte und überarbeitete Version)

An dieser Stelle möchte ich sporadisch den einen oder anderen Schreibtipp ergänzen, der mir – und vielleicht auch anderen – das Schreiben erleichtert. In Klammern stehende und/oder mit einem Pfeil versehene Begriffe verweisen auf den entsprechenden Schreibtipp.

Hinweis:
Wer weitere Tipps rund ums Schreiben kennt, darf sie gerne als Kommentar hinzufügen oder mir per E-Mail mitteilen. Ich baue sie gerne ein. Natürlich mit einem Vermerk auf den Tippgeber.
Dez. 2012 www.wernerkarl.org

Inhaltsangabe:

  • Denglisch und Fachbegriffe für Autoren und Verlage NEU
  • Am Anfang steht eine Idee
  • Produktives Faulenzen
  • Prämisse
  • Ambiente
  • Handlungsbogen / Kapitelaufbau
  • Personenregister / Protagonisten NEU: Alterstabelle
  • Tiere / Fremdwesen
  • Zeigen, nicht erzählen!
  • Erzählformen / Auctor und Reflector
  • Monologe / Dialoge / mehrere Sprecher
  • Sprache des Erzählers / Sprache der Romanfiguren NEU
  • Recherche
  • Texte laut und mit Betonung sich selbst vorlesen
  • Überarbeitung, die Erste: Rechtschreibprüfung
  • Überarbeitung, die Zweite: Chronologie
  • Überarbeitung, die Dritte: Menschenjagd
  • Überarbeitung, die Vierte: Die Kunst des Streichens / Füllwörter NEU
  • Lektorat / Korrekturzeichen
  • Die Grenze zwischen Autor, Lektor und Verlag

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  • Denglisch und Fachbegriffe für Autoren und Verlage

Auch der Literaturbetrieb pflegt eine spezifische Sprache – samt deutschen, englischen oder sogar denglischen Wörtern – die international ist (sein soll) und manchmal bei uninformierten Beteiligten zu Verwirrung führen kann. Und nichts ist peinlicher als ein Begriff, der Ihnen als Autor von einem scheinbar gebildeten und superwichtigen Vertreter eben dieses Literaturbetriebes um die Ohren gehauen wird: und sie verstehen immer nur Bahnhof. Damit das nicht so bleiben muss, hier eine Auswahl von Begriffen, auf die Sie mit Sicherheit stoßen werden.

Kommen Begriffe innerhalb der nachfolgenden Tipps ohnehin vor, habe ich hier auf ihre Auflistung verzichtet. Diese Begriffe finden Sie eben innerhalb des Tipps erklärt bzw. besprochen. Bei den anderen hier kurz und knackig. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Ambiente
Individuelle Definition, was ein angenehmes Ambiente für Sie als Autor ist. Schaffen Sie sich die Umgebung, in der Sie kreativ sein können.

Antagonist
Gegenspieler Ihres Protagonisten (Helden/Hauptfigur) 

Autorenvita
Vita = das Leben; also eine Art sehr geraffter Lebenslauf. Verzichten Sie bitte hier auf alle Schulbesuche, Seminare usw. sondern konzentrieren Sie sich auf Ihr Profil als Autor. Geben Sie nur Informationen an, die Ihr Bild als Autor und Ihr (bisheriges) Werk betreffen.

Backlist
Alle lieferbaren Titel eines Verlags, außer den Neuerscheinungen.

Copyright
Urheber- und Verlagsrecht der USA, Copyright-Vermerk: © 2013 by xxx mit Urheber- oder Verlagsname und Jahr der Erstveröffentlichung.

Cover
Umschlag eines Werkes, z. B. Softcover bei Romanheften, Weichbroschur gemeinhin bekannt als Taschenbuch, etwas fester als Paperback, schließlich Hardcover für Bücher mit festem Karton/Leinen/Lederumschlag.

Desktop-Publishing (DTP)
Publizieren (kleiner Auflagen) mit PC und Drucker vom Schreibtisch aus.

EAN-Strichcode
Die European Article Number auf der vierten Umschlagseite ermöglicht es, das Buch mit dem Scanner zu identifizieren, zu berechnen und den Verkauf zu registrieren für Nachbestellungen, wie bei anderen Produkten.

Epilog
Nachwort oder Schlusswort zu einem Text. Oft nutzt ein Autor einen Epilog, um auf sein vorher abgedrucktes Werk einzugehen.

ISBN
Internationale Standard-Buch-Nummer: dreizehnstellige Nummer, welche zur Suche und Identifizierung eines Buches dient. In Deutschland steht 978-3-xxx-xxxxx-x für: Produkt (eben Buch) – deutschsprachig – Verlag – Titel – Publikationsform (z. B. Taschenbuch)

Layout
Gestaltung eines Druckwerks oder einer Seite.

Oxymoron
Ein Widerspruch in sich, z. B. „der bekannte Geheimagent“, „der schwarze Schimmel“ oder „eiskalte Hitze“. Als ernst gemeinter Teil eines Textes natürlich ein frappierender Fehler. Als provozierender Titel oder Kapitelüberschrift kann so ein Oxymoron durchaus legitim sein, um z. B. Neugier zu erwecken.

Prolog
Einleitung, Vorgeschichte, Vorwort zu einem Text.

Pseudonym
… wird als Künstlername oder auch als Deckname genutzt, z. B. wenn man unter (s)einem Namen in einem bestimmten Genre publiziert und sich diesen Namen nicht mit einem anderen Genre (negativ) beeinflusst sehen will. Es kann auch sein, dass ein Verlag auf dem Echtnamen besteht, da er hier Investitionen für Werbemaßnahmen gesteckt hat und ein anderer Verlag nicht davon partizipieren soll. Oder der Autor selbst in einem zweiten Genre unter einem neuen Namen – eben dem Pseudonym – veröffentlichen will. Es gibt auch Fälle, in dem unter einem Pseudonym Autorenpaare/gruppen Texte publizieren.

Setting
Schauplatz der Handlung/der Szene/der Geschichte/das Milieu/die Umgebung.

Teaser
Englisch tease = reizen, necken. Im Literaturbetrieb ein (sehr) kurzer Werbetext, um zum Weiterlesen, zum Kauf, zum Weiterklicken zu verleiten.

  • Am Anfang steht eine Idee

Eine Idee? Ja, eine gute oder sehr gute Idee trägt einen guten Teil einer Geschichte. Aber kann sie wirklich als eine einzige Idee den Leser bei der Stange halten? Eher benötigt man um die Hauptidee herum (siehe Prämisse) eine ganze Reihe an Einfällen. Ein Romanautor sollte eben sehr viel Fantasie, Einfalls- und Ideenreichtum mitbringen und diese um die Hauptidee herumbauen.

Nun verlangt niemand, dass Sie sich hinsetzen und plötzlich nur so sprühen von genialer Ideenvielfalt. Viel einfacher und beruhigender ist es, sich alle Ideen in einer Datei zu sammeln. Ob dies nun Namen, Begriffe, kleine Szenen oder andere Dinge sind. Sammeln Sie diese in einer Ideen-Datenbank. Lieber 50 Ideen sammeln und nach einiger Zeit die weniger tollen wieder streichen, als um eine vermeintlich gute Idee, die sich dann doch als Flop herausstellt, mühsam einen Text zu schaffen, der irgendwann im Sand verläuft. Oder eine wirklich zündende Idee vergessen und sich schwarz ärgern.

Wenn man seine Augen und Ohren offen hält, bietet einem der angeblich so schnöde Alltag mehr als genug Anlässe für Ideen. Ein Beispiel: Ich hörte im Radio einen Beitrag zu dem SF-Film „Robot & Frank“ (Kinostart 25.10.2012). Anstatt dem Beitrag konzentriert zu lauschen – es geht um einen Pflegeroboter – läuft in meinem Kopf eine parallele Gedankenkette ab: Roboter – Science-Fiction – mein SF-Projekt „Die Odyssee von Spacetrooper Bérénice Savoy“ – dort bisher kein Roboter aufgetreten – defekter* Roboter – usw. usw. Und schon klickt es weiter und weiter und ein neues Kapitel entsteht vor meinem geistigen Auge.

*Apropos „defekter“ Roboter. Warum nur müssen Roboter – der Inbegriff angeblich störungsfreier Mechanik/Elektronik immer defekt sein? Weil es schlichtweg interessanter ist, die Art und Auswirkungen defekter Roboter zu beschreiben. Die Ideen (!) hierzu sind unendlich. Ein perfekt funktionierender Roboter ist einfach zu langweilig. Nun, man kann ihn zu Beginn als scheinbar perfekt agierende Maschine einführen; einfach um sein späteres – von Menschen zunächst unbemerktes – Versagen um so drastischer auszuweiden.

Andere Quellen für neue Ideen sind schlichtweg unsere Sinne: 1. Sehen, 2. Hören (s. o.), 3. Riechen, 4. Fühlen und 5. Schmecken. Und diese Reihenfolge ist nicht zufällig so aufgeführt, sondern sie entspricht exakt unserem Wahrnehmungshorizont. Wir werden i. d. R. zu allererst etwas hören und sehen, weil unsere Ohren und Augen als Sinnesorgane am weitesten Eindrücke aufnehmen können. Einzig die Ablenkungen unserer Umgebung und der Horizont lassen hier einmal die Augen und einmal die Ohren Erster sein. Dann folgt die Nase, da sie als nächste aus der Umgebung Signale empfangen kann, gefolgt von unseren Extremitäten und anderen Körperstellen bei Kontakt mit fremden Dingen und Lebewesen. Zuletzt der Geschmackssinn, denn für ihn müssen wir etwas in unseren Körper gelangen lassen.

Ein Beispiel: Ich befühlte die Oberfläche eines Kunststoffes und der Verkäufer blubbert mir die Vorzüge des Produktes ins Gehör. Noch bevor meine Ohren die Wörter Nanobeschichtung und Schmutz abweisend aufnehmen können, leiten meine Fingerspitzen die Beschaffenheit des Materials an mein Gehirn weiter. Und wieder klickt es sofort: Glätte – keine Unebenheiten zu fühlen – Mikroskopaufnahme – Mikrokosmos – dortige Lebewesen – keine Mikroben, sondern intelligente Lebewesen – unentdeckter Kosmos … usw. usw.

Natürlich kann es dem Schicksal gefallen haben, dass schon jemand vor Ihnen die gleiche Idee hatte. Die Gefahr eines Plagiats schwebt ja über jedem Kreativen. Da hilft nur die (siehe) Recherche oder die einfache Tatsache, dass Sie aus der Idee – ob nun schon vorhanden oder nicht – etwas Neues machen, sie in eine andere Richtung weiterentwickeln, als das evtl. schon Existierende.

  • Produktives Faulenzen

Was das ist? Natürlich ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Aber ich meine das völlig Ernst.

Zunächst richten wir einmal einen Lichtstrahl – besser einen entlarvenden Scheinwerfer – auf unseren Alltag: Permanent werden wir berieselt. Ja, wir sorgen sogar selbst dafür. Schon beim Aufstehen schalten viele das Radio ein, um wach zu werden oder um Musik und Nachrichten zu hören. Andere machen gleich die Glotze an; in Amerika laufen die Geräte gerne in jedem Raum. Wie immer gilt hier natürlich die Ausgewogenheit zwischen Belästigung und erwünschter Inspiration. Auf dem Weg zur Arbeit blubbert das Autoradio, in gefühlten 90 % aller Lifte eine schrecklich nichtssagende „Liftmusik“ (mein Gott, die armen Komponisten, die solchen Mist produzieren müssen). In der Arbeit nerven uns Computer, Maschinen, Kollegen und wieder Unterhaltungsgeräte. Und zuhause geht es munter weiter: Abendnachrichten, evtl. ein wenig Kultur, ein guter Spielfilm, schließlich: gute Nacht. Am Wochenende stürzen sich viele in Freizeitstress: Familie, Freunde, Verpflichtungen.

Wie soll da ein Autor, eine Autorin kreativ sein? Bei all den mannigfaltigen Ablenkungen kommen wir nicht mehr dazu, unser wichtigstes Werkzeug zu benutzen: unser Gehirn. Sich einen Freiraum (siehe Ambiente) schaffen allein genügt nicht. Wir setzen uns nicht einfach an den Schreibtisch oder den Computer und legen los und sind genial, oder strukturiert, oder behalten den Überblick. Wir achten nicht stilsicher auf Kausalität, Logik und all die anderen Dinge, die aus unserem Text einen tollen Roman machen sollen. Also, was tun?

Nutzen wir die Phasen der Ruhe. Besser: Suchen wir sie und nehmen sie ohne schlechtes Gewissen wahr. Ein Nachmittag in der Hängematte ohne Buch, ein entspannendes Bad ohne Radiountermalung, einen Spaziergang ohne MP3-Player. Unser Gehirn können wir ohnehin nicht ausschalten; es arbeitet weiter und das ist gut so. Geben wir ihm die Chance eine Figur zu überdenken, stellen wir uns den Charakter eines Protagonisten vor und überlegen, wie er wirklich reagieren würde, wenn ihm dies oder jenes widerfährt. Am Bildschirm lenken uns die leere Seite oder auch die vorangegangenen Zeilen ab, die Technik summt und erinnert uns ständig daran, dass wir scheinbar unproduktiv davor hocken. Falsch!

Schließen wir die Augen und versetzen uns in die Figur. Unser Körper ruht, unser Gehirn nicht. Und wenn wir darüber einschlafen? Na und? Wenn wir erwachen, sind wir erfrischt und setzen uns mit Freude und Lust ans Werk. Das Einzige, was wir bei dieser scheinbaren Faulheit benötigen, ist ein Blatt Papier und ein Stift.

  • Erheben Sie sich nicht!
  • Schreiben Sie diese Idee nicht sofort ins Reine!
  • Bleiben Sie liegen und denken Sie weiter nach!
  • Notieren Sie sich nur Stichpunkte!

Das Gehirn ist fantastisch; es wird nach der Ruhephase die Stichpunkte in entsprechende Texte umsetzen können.

  • Prämisse

Was zur Hölle ist eine Prämisse? Und wie antworten Sie, wenn Sie eine Agentur, ein Lektor, ein Verlag nach Ihrer Prämisse für Ihr aktuelles Romanprojekt fragt? Keine Antwort? Sehr gefährlich …

Eine Prämisse ist etwas „Vorausgeschicktes“, eine Annahme, der Gag, die Idee, auf der Ihr Roman beruht. Sie kennen die Eingangsfloskel: „Ich schicke ´mal voraus, Sie wissen, dass Wasser keine Balken hat.“ Und dann kommt eben die Handlung, die darauf beruht, das Wasser keine Balken hat … oder eben vielleicht doch. Wenn dies Ihre Prämisse ist. Denn eine Prämisse kann auch falsch sein! Wichtig ist nur, dass sie in sich stimmig ist und so ihre Romanhandlung ermöglicht. Beispiele? Aber bitte sehr:

Schicken wir voraus, dass es – sagen wir einmal – einfacher wäre, eine giftige Atmosphäre, z. B. die der Venus, durch Atmosphärenwandler in eine für uns atembare zu verändern, anstelle auf einem anderen Planeten, z. B. dem Mars, eine völlig fehlende Atmosphäre erst mühsam künstlich zu erschaffen. Vorausgesetzt wir hätten solche fantastischen Atmosphärenwandler. Wenn diese Prämisse verwendet wird, dann ist eine Besiedlung der Venus wahrscheinlicher, als die des Mars, der ja ohne Atmosphäre die harte Strahlung auf die Kolonisten nicht abwehren könnte.

Schicken wir voraus, es gäbe tatsächlich Vampire, dann hätte die Menschheit ein wirklich schreckliches Problem. Wenn, ja wenn da nicht die Annahme wäre, dass es eine Handvoll effektiver Mittel gäbe, wie man dieser Bedrohung Herr werden könnte und man die Viecher wieder dorthin schickt, wohin sie gehören. In einen Sarg.

Schicken wir voraus, dass es wirklich so etwas wie Zauberei gäbe, dann wären eben Zauberer mächtige Wesen und allerlei Unheil und auch Gutes könnten unserem Protagonisten passieren.

Sie sehen also, dass sogar die fantasievollsten Prämissen nichts mit der Realität zu tun haben müssen. Nur in sich müssen sie stimmig und mit einem oder zwei Sätzen beschreibbar sein.

  • Ambiente

In welcher Umgebung sind Sie am kreativsten? Können Sie schreiben, wenn das Radio, der Fernseher läuft? Wenn Familienmitglieder im Raum sind und irgendwelche lärmenden Dinge tun oder sie in ein Gespräch verwickeln wollen? Oder permanent fragen: „Schatz, hast du Hunger?“, „Was macht denn dein alter Freund Willy?“ und „Wann gehen wir mal wieder aus?“

Schreiben ist ein einsamer Job. Denn ich unterstelle einmal, dass ich nicht der Einzige bin, der nur dann effektiv, kreativ und mit Lust schreiben kann, wenn er Ruhe hat. Darüber hinaus entwickelt man fast automatisch bestimmte Rituale, um sich in Schreiblaune zu versetzen: Alle elektronischen Ablenkungen sind abgeschaltet, das Telefon und die Türklingel in der Toter-Mann-Stellung (also: Stecker raus) und ein entspannendes Glas Rotwein – oder was auch immer Sie bevorzugen – steht griffbereit auf dem Schreibtisch.

Ich habe gehört, dass auch andere Autoren sich diese Ruhezeiten und -zonen mühsam einrichten, ja sogar von ihren Lieben erkämpfen müssen. Die Einen schreiben nur nachts, Andere in Tabuzonen oder schlichtweg außer Haus. Egal, trotz all der stimmigen Bedingungen kann es dann passieren, dass man vor dem Blatt Papier oder dem Computer sitzt und es läuft einfach nicht.

Entweder ist es dann zu lange her, dass Sie das letzte Mal an Ihrem Text gearbeitet haben (Sie sind „draußen“) oder es stört noch irgendetwas. Ich mache in so einer Situation einfach Fleißarbeit: Recherche, eine der Überarbeitungen (von denen man eh´ nie genug machen kann), stöbere in meiner Ideen-Datenbank oder Ähnliches. Und schwupp: Nach kurzer Zeit hat mich das Fieber wieder gepackt und ich steige am Ende des bisherigen Textes ein und haue in die Tasten.

Wenn die Buchstaben dann wieder förmlich aus den Fingerspitzen schießen, spielt ein neuerlicher Störenfried mit seinem Leben. Kleiner Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Partner über so eine Gefahrensituation und entschuldigen Sie sich besser schon vorher.

  • Handlungsbogen / Kapitelaufbau

Genies setzen sich mit ihrer Idee spontan an den Schreibtisch, greifen zur Feder oder hauen munter in die Tasten. Das kann was werden … wenn man eben ein Genie ist. Alle anderen – und das dürften inklusive meiner Wenigkeit sehr, sehr viele sein – sollten sich doch mehr Gedanken darüber machen, wie denn die Handlung ablaufen sollte.

OK, in der Schule haben wir gelernt: Anfang, Hauptteil, Höhepunkt, Schluss. Leider ist es nicht so einfach und wir wollen ja weit mehr, als ein „Befriedigend“ oder „Gut“ erreichen. Es gibt Geschichten, die laufen schnurgerade und bauen sich sukzessive auf und können grandios sein. Viel häufiger jedoch hat man Abschnitte, verschiedene Handlungsebenen, die ineinandergreifen und sich kreuzen, verlieren, überschneiden, schließlich auf einen Höhepunkt zusteuern und … upps! Ach ja, (siehe) das Ende. Nun ist schon beim Sex ein abruptes Ende wenig befriedigend, bei einer noch so tollen Geschichte gilt dies auf andere Weise aber genauso.

Für jede Variante aber gilt, dass man als Schreibende/r sehr schnell den Überblick verlieren kann. Die Aus-dem-Bauch-Schreiber werden recht schnell den Punkt erreichen, an dem sie nicht weiter wissen, an dem sie sich in eine Sackgasse manövriert haben. Und dann? Peng! Schreibblockade, Pause, Grübeln und langsam aufkommende Panik machen sich breit. Hat man sich einmal so ins literarische Aus manövriert, ist es sehr mühsam, nachträglich den angerichteten „Schaden“ wieder umzubauen.

Um dies zu vermeiden – und auch um der ganzen Geschichte ein Gesicht, einen Guss zu ermöglichen – ist zumindest eine Grundplanung vonnöten. Die kann wie folgt aussehen:

Sie haben Ihre Grundidee – Ihre Prämisse – definiert und einen groben Verlauf der Handlung im Kopf. Schreiben Sie diese in Stichpunkten untereinander. Schon hier werden Sie sehr rasch bemerken, dass der eine Punkt besser weiter nach oben gehört, andere nach unten usw. Wenn Sie diese erste Aufstellung gemacht haben – auch wenn sie nur aus noch sehr wenigen Einzelpunkten besteht – ergänzen Sie die einzelnen Stichpunkte durch zwei oder drei Sätze, welche die Punkte etwas genauer beschreiben. Stellen Sie dabei fest, dass ein Stichpunkt nicht durch diese wenigen Sätze definiert werden kann, teilen Sie das, was in diesem Abschnitt passieren soll, doch lieber in zwei oder drei Teile auf. Beachten Sie hierbei auch den chronologischen Ablauf Ihrer Geschichte.

Sollte Ihre Geschichte eben nicht wie oben erwähnt schnurgerade verlaufen, sondern eine zweite oder dritte Handlungsebene aufweisen, dann markieren Sie die verschiedenen Ebenen evtl. farbig. Stellen Sie sich z. B. bei einem Krimi vor: Rot für den Mörder, Grün für das Opfer und Blau für den Blickwinkel des Ermittlers. Drei Handlungsebenen – oder Perspektiven – die Abwechslung bieten und einen ganz wichtigen Punkt ermöglichen: den (siehe) Spannungsaufbau. Doch dazu mehr unter einem eigenen Punkt.

Recht rasch erstellen Sie auf diese Weise eine Struktur. Sie bekommen ein Gefühl für die großen Zusammenhänge. Sie behalten den Überblick! Benutzen Sie dieses Stadium, um der Geschichte ein Auf und Ab zu ermöglichen, planen Sie kleinere Höhepunkte und Erholungsabschnitte ein, steigern Sie die Spannung durch geschickte Schnitte und treiben Sie die Handlung stetig voran. Moderne Hollywood-Filmproduktionen erschlagen uns mit einem – im wahrsten Sinne des Wortes stattfindendem – Feuerwerk (meine Familie und ich nennen so etwas Pyro-TV und Pyro-Kino) und pausenloser Action. Am Ende kommen wir geplättet aus dem Kino und spüren aber bei aller Bildgewaltigkeit eine Leere in uns: Wir haben keine Geschichte erlebt, geschweige denn genossen, sondern nur Bilder konsumiert. Bei einem Roman ist dies exakt genauso. Unentwegte Action wirkt darüber hinaus unglaubwürdig und ist auch für den Leser strapaziös.

Ich pflege seit meinem zweiten Roman eine strukturierte Arbeitsweise und schätze mittlerweile dieses immer noch grobe Gerüst und hangele mich daran entlang. Es gibt AutorInnen, die das bis ins Extrem betreiben, andere wählen den goldenen Mittelweg und wieder andere halten von dieser Methode gar nichts. Ob und inwieweit Sie so vorgehen wollen, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Es soll ja niemanden in seiner Kreativität einschränken, es sollen nicht selbst errichtete Schranken aufgebaut werden, die sie eingrenzen und bremsen.

Im Gegenteil bietet so eine – in Detail und Umfang den eigenen Wünschen angepasste – Planung einen Schutz vor Irrwegen. Bei einem Romanprojekt hatte ich zu Beginn vielleicht ein Dutzend (Kapitel) Punkte aufgelistet. Schon bei den ersten geschriebenen 50 Seiten wuchs die Anzahl der Kapitel auf 25. Am Ende waren es dann 34 Kapitel und der Roman hatte ca. 440 Seiten. Betrachten Sie also den Kapitelaufbau nicht als Dogma, sondern als lebendiges Werkzeug.

Der amerikanische Autor Simon Haynes hat eine eigene Freeware dazu programmiert: yWriter5
Wer wirklich planvoll arbeiten und schreiben will, kann sich hier diese kostenlose Software downloaden:

Hier der Link

Personenregister / Protagonisten

Man hat mir einmal vorgeworfen, es würden sich in einem meiner Romane zu viele Personen tummeln. OK, wer schon mal die Chung-Kuo-Serie von David Wingrove gelesen hat, weiß, was die Kritiker hier meinen. Aber das krasse Gegenteil sind z. B. Agentenfilme wie James Bond: Bei den ersten Filmen mit Sean Connery war einfach der Zeitgeschmack so, dass man permanent den Agenten alles erleben, alles wissen, alle Probleme lösen ließ. Leider hat man das fast genauso auch dem modernsten – und härtesten James Bond aller Zeiten -, nämlich Daniel Craig, zugestanden. Ich glaube aber nicht, dass selbst der beste Geheimagent immer den vollen Durchblick hat. Es liegt doch allein schon – im echten, wie im fiktiven – Milieu begründet, dass ein Agent niemals alles verstehen, richtig interpretieren und im Alleingang abarbeiten kann.

Sie brauchen mehrere Personen, Hauptfiguren, eben Protagonisten und dazu eine möglichst glaubwürdige Anzahl von Nebenpersonen und Randfiguren. Auch hier besteht die Gefahr, dass man den Überblick verliert: Hat auf Seite 38 die Heldin noch blonde Haare, kann sie schlecht 30 Seiten später ihre wallende brünette Mähne einem Mann um die Nase wedeln lassen. Außer, sie hat sie sich aus irgendeinem Grund gefärbt. Einfach nur, weil sie das blond über hatte, oder weil sie in möglicherweise böser Absicht, den Mann mit einer anderen Haarfarbe von ihrer wahren Identität ablenken wollte. Wie auch immer, solche Informationen gehören in ein Personenregister.

Manche Autoren basteln sich ihre Protagonisten schon im Grundaufbau ihres Romans zusammen, komplett mit Charakterprofil und führen sogar virtuelle Interviews mit ihnen. Wichtig dabei ist, dass diese handelnde Figur in sich schlüssig strukturiert ist. Das heißt aber nicht, dass sie ihre Macken, mit denen sie von Ihnen versehen worden ist, ständig praktiziert. Und erst recht heißt das nicht, dass diese Figur die ganze Handlung über immer so bleibt, immer gleich reagiert, vorausberechenbar ist … und damit langweilig. OK, ein Serienmörder hat seinen individuellen Hau weg, agiert nach seinem Schema und hat vielleicht ein Markenzeichen, das er seinen Opfern zufügt.

Aber selbst er wird eine Entwicklung durchmachen, von harmlosen Seltsamkeiten bis hin zu perversen Gelüsten. Im Gegenzug kann ein gnadenloser Rächer im Laufe seines Lebens erkennen, dass ihn alle seine Morde keine Befriedigung gebracht haben, er trotzdem leer bleibt und sich am Ende besinnt und das Morden aufgibt. Was ich damit sagen will, ist dies: Wenn Sie Ihre Hauptpersonen erschaffen, gehen Sie aus deren Sicht die geplante Handlung durch. Wie würde sich Ihr Held an dieser Stelle entscheiden, was würde er sagen, wenn man ihm dies oder jenes offenbart, wenn er ein Geheimnis erfährt oder das er angelogen wurde. Ein Mensch verändert sich aufgrund seiner Umwelt, seiner Erlebnisse, ob guten oder schlechten.

Und noch etwas: Jemand kann sehr gerne auch in Wahrheit ein ganz anderer sein, als dass er zu Beginn der Handlung erscheint. Überraschungen, Wendungen liegen zu einem guten Teil in den Absichten, Zielen und Wünschen der auftretenden Personen begründet.

Sie können Ihren Protagonisten einige Schlüsselfragen stellen:

  • Wer bist du und wo kommst du her?
  • Welche Ziele und Wünsche hast du?
  • Was motiviert dich, diese Ziele zu erreichen?
  • Welchen Charakter hast du und wie wirst du auf ein bestimmtes Ereignis reagieren?

Die Antworten auf diese Fragen werden Sie vielleicht selbst überraschen. In jedem Fall gewinnt aber die Person an Profil. Je früher Sie bei Ihrer Arbeit an Ihrer Geschichte sich diese Fragen stellen – und die Antworten darauf auf Herz und Nieren prüfen, damit sie auch glaubwürdig sind -, desto schlüssiger wird sich der Charakter der betreffenden Figur entwickeln.

Sie müssen nicht von Anfang an ein vollständiges Personenregister erstellen. Es genügt, wenn Sie die Hauptpersonen zu Leben erwecken, ihnen erste Merkmale verpassen, die sie augenscheinlich haben müssen. Andere offenbaren sich erst nach und nach. Vermeiden Sie in jedem Falle die plattesten Klischees, ergehen Sie sich aber auch nicht in extremen Gegensätzen. Ein spindeldürres Teenagermädchen wird kaum einen Vergewaltiger in kleine Stücke hauen können. Aber vielleicht kann sie durch ein erfolgreich absolviertes Kung-Fu-Training ihn so verletzen, dass sie entkommen kann. Ein Fettkloß mit einem Körpergewicht von schlappen 180 Kg wird kaum elegant über die Tanzfläche schweben, ohne nach wenigen Minuten schweißgebadet zu sein. Und eine abgrundtief grässliche Hexe wird kaum Odysseus verführen können … es sei denn, sie spiegelt ihm eine wunderschöne Fata Morgana vor. Und auch solche Eigenschaften gehören in ein Personenregister.

Kleiner Praxistipp während des Schreibens:

Alle im Kapitel auftretenden Personen kurz unterhalb der Stelle, an der man gerade schreibt, mit ihrem Profil (in etwas kleinerer Schriftgröße und/oder Farbe) auflisten. Da man ständig das „Bild“ der Personen vor Augen hat, können fehlerhafte Beschreibungen praktisch nicht entstehen. Ergänzungen ihres Charakters oder Äußeren kann man sofort oder mit der Zeit zu einem stimmigen Gesamtbild anwachsen lassen. Doppelnennungen oder eine zu häufige Erwähnung typischer Merkmale lassen sich so vermeiden. Und: Man hat alle Personen einer Szene/Kapitels ständig vor Augen und vergisst nicht, sie auch agieren, reagieren oder sprechen zu lassen. Außerdem entfällt damit das lästige Hin- und Herspringen zwischen der Schreib- und der Faktendatei oder die Teilung eines Bildschirms. Ist das Kapitel beendet, kopiert man sich die Gruppe komplett in die Faktendatei oder pickt sich den Personenkreis heraus, den man für das nächste Kapitel benötigt.

Praxistipp Zwei:

Erstellen Sie sich eine simple Excel-Tabelle, in der Sie alle Ihre Personen alphabetisch auflisten und mit bekannten, also im Text erwähnten oder offensichtlichen* Altersangaben versehen. Dazu in die Vergangenheit und Zukunft entsprechend des Zeitrahmens des kompletten Romans das Alter berechnen. Konkret: War Ihre Heldin 1980 25 Jahre alt, muss sie 2013 also das Alter von 58 erreicht haben. Sie meinen das ist einfach? Ja, wenn Sie nur eine Handvoll Protagonisten auftreten lassen.

*Offensichtliche – aber nicht im Text bezifferte! – Altersangaben:
Eintritt ins Rentenalter: Früher mit 65, aber jetzt gestaffelt …?
Erreichen der Volljährigkeit: heutzutage mit 18
Erreichen der (vollen) Geschäftsfähigkeit: heutzutage mit 21
Schuleintritt: normalerweise mit 6, aber … 

… was halten Sie von diesem Anfang – sagen wir mal – eines Jugendromanes?

„Frank war 9 Jahre alt und der Star der 6. Klasse.“ Moooooment, sagen Sie? Wenn er mit 6 eingeschult wurde, kann er im Alter von 9 doch erst die 4. Klasse erreicht haben. Richtig … wenn er eben nicht der Star wäre. Denn Frank ist ein Hochbegabter und hat zwei Klassen übersprungen. Upps, und schon haben Sie die Neugier des Lesers geweckt. Zumindest von denen, die rechnen und nachdenken können. Der Grund für Franks Voranschreiten kann ja auch ein ganz anderer, als der o. g. sein.

Auch das ist Ihnen noch zu offensichtlich? Aber bitte gerne, dann eben dieses Beispiel:

„Luise war eine Granate. Mit ihren 19 Jahren war sie das Küken im Team. Aber unumstritten die Anführerin. Selbst Robert – nur drei Jahre älter und schon von Anfang an dabei – und selbst Paul, sogar zehn Jahre älter als Robert, konnten ihr nicht das Wasser reichen.“

Verstehen Sie, was ich meine? Natürlich. Es ist ganz leicht, den Überblick über das Alter der Protagonisten zu verlieren und sich von Kapitel zu Kapitel in immer tiefere Logikfehler zu verstricken. Eine Tabelle hilft Ihnen sich zu orientieren, Beziehungen zu erkennen und logisch aufzubauen und vor allem: sie richtig einzusetzen.

  • Tiere / Fremdwesen

Nun kann es ja sein, dass in Ihrem Roman, ihrer Geschichte, Handlungsträger vorkommen, die keine Menschen sind. Ob dies nun irdische Katzen, Hunde, Schweine – ja selbst King Kong – oder magische oder gruselige Wesen wie Elfen, Zwerge, Monster, Zombies oder außerirdische Lebensformen wie Romulaner, Aliens und Wookies sind: Sie alle werden sich wahrscheinlich nicht wie wir – wie Menschen – verhalten. Außer, Sie übertragen menschliche Handlungsweisen absichtlich auf andere Lebewesen. Dann können Sie diesen Tipp überspringen. Wenn nicht, dann aufgepasst!

Sie werden mir recht geben müssen, wenn ich behaupte, dass das Wedeln mit dem Schwanz und das Anlegen der Ohren eng an den Kopf bei einer Katze etwas völlig anderes aussagt, als bei einem Hund. Ein Schwein wird sicherlich andere Dinge fressen als eine Elfe. Und ein Drache wird sich nicht mit Kleidung bedecken, wie man es selbst einem Romulaner zutrauen könnte.

Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Gerade der Einsatz nichtmenschlicher Protagonisten, selbst in Nebenrollen, erfordert ein ebenso stimmiges Bild wie für Ihre menschlichen Helden. Erstellen Sie gerade bei solchen Wesen ein Bild, dem man als Leser Glauben schenken kann. Übergroß ist natürlich hier die Gefahr, sich in altbekannten Klischees zu bedienen: Der Hund ist immer dem Menschen zugetan, die Katze ist immer eigensinnig, die Elfen sind immer edel, der Zauberer ist immer mächtig usw. usw.

Egal wie Sie Ihr Wesen definieren: Es muss ein geschlossenes Bild ergeben, an das sich der Leser gewöhnen kann. Am Anfang der Figureneinführung mag es sogar eine Überraschung sein, wenn z. B. ein Zauberer überhaupt keine Zauberkräfte verfügt. Der Leser wird sich fragen: „Warum?“ Es kann witzig sein, einer Katze völlige Tapsigkeit und Ungeschick anzudichten, wenn es zu der Figur und zur Geschichte passt. Es kann durchaus sein, dass es Klingonen gibt, die sich beim Anblick von Gagh ekeln; aber das wäre nur ein Insiderwitz. Schon allein in Ihrer Vorstellung, wie ein fremdes Wesen zu sein hat, liegt ein unglaubliches Potenzial für Ideen, für Szenen mit Witz, Spannung und Überraschungseffekten.

Wenn Sie also ein nichtmenschliches Wesen erschaffen, verfahren Sie, wie es im vorherigen Tipp Personenregister beschrieben ist. Nur noch genauer. Denn Ihrer literarischen Schöpfungskraft muss der Leser folgen können; er muss Wort für Wort ein ihm unbekanntes, vielleicht sogar noch nie beschriebenes Wesen im Geiste nachformen können.

  • Zeigen, nicht erzählen!

„Die Hunnen überfielen Europa und versetzten alle Menschen in Angst und Schrecken.“
„Sie verführte ihn nach allen Regeln der Kunst.“

Das ist Erzählen. Kurz, aber im Grunde langweilig und wenig mitreißend.

„Einige Tausend wilder Reiter stürzten sich in die Schlacht. Ihre schnellen Pferde waren den schwer gepanzerten Reittieren der europäischen Ritter sowohl an Geschwindigkeit als auch an Beweglichkeit haushoch überlegen. Noch bevor die Ritter ihre Schilde zur Abwehr heben konnten, waren die dunkelhäutigen Horden heran und schossen Pfeil auf Pfeil mit unglaublicher Treffsicherheit ab. Viele edle Kämpfer starben schon im ersten Ansturm. Dem Anführer der Ritter stand das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben.“

„Ihre Hand strich sanft über seine braune Haut und gekonnt verhielt sie einige Momente, um ihm Gelegenheit zu geben, ihre Zärtlichkeit zu erwidern. Mit geradezu entnervender Langsamkeit schob sie einen Träger ihres Tops zur Seite, und als der Träger nicht völlig abglitt, half er mit einem Lächeln im Gesicht nach und das Top fiel endgültig zu Boden. Nun standen sie beide völlig nackt voreinander, nur Millimeter voneinander entfernt.“

Das ist Zeigen. Und wie Sie sicher bemerkt haben, auch ein längerer Text. Das soll nicht bedeuten, das viel Text gut und weniger Text schlecht ist, nein. Es bietet Ihnen aber die Möglichkeit, das Geschehen im Detail zu beschreiben, ein Bild, eine Stimmung im Kopf des Betrachters – des Lesers – zu erzeugen.

Der Leser sieht praktisch die über die Ebene preschenden Hunnen auf die vor Schreck erstarrten Linien der Verteidiger zurasen. Wild, ohne schützende Rüstung und trotzdem absolut tödlich. Der Leser wird Bestandteil des Liebespaares oder bleibt Voyeur je nach Veranlagung.

Durchforsten Sie Ihren Text nach Erzählsätzen und tauschen Sie diese gegen echte, packende Handlung aus.

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Erzählformen / Auctor und Reflector

Es gibt mehrere Erzählformen und etliche Varianten davon, experimentelle Formen. Hier möchte ich nur auf die beiden wichtigsten eingehen, eben Auctor und Reflector.

auktorial
Persönlich anwesender, “allwissender”  Erzähler, der den Erzählvorgang initiiert und lenkt. Erzähler ist nicht identisch mit dem Autor!

personal
Dargestellte Wirklichkeit wird nicht von einem persönlich konturierten Erzähler vermittelt, sondern spiegelt sich im Bewusstsein einer Figur. 

neutral
Erzähler zieht sich ganz aus der Figurenwelt zurück.

Ich-Form
Anwesenheit eines Erzähler-Mediums in Ich-Form

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Monologe / Dialoge / mehrere Sprecher

Monologe

Ein Mensch spricht. Sie denken, das sei eine einfache Sache? Möglich. Aber das gilt – und das auch nur begrenzt – z. B. bei einer Robinsonade. Sie können Ihren Protagonisten entweder tatsächlich akustisch hörbare Selbstgespräche führen lassen, was in einsamen Situationen übrigens eine Schutzfunktion ist. Wer´s übertreibt und den Bezug zur Realität verliert, verfällt allerdings bald in Wahnvorstellungen. Oder ihr Held bleibt akustisch stumm und sie offenbaren seine Gedanken, die in der Regel in Kursivschrift gesetzt werden. Das kann ein Plot für eine spannende Geschichte sein. Oder Sie erzählen eine Geschichte aus Sicht Ihres Helden/Ihrer Heldin in der Ich-Form (siehe Erzählformen).

Die so scheinbar einfache Sache kann aber für den Leser sehr schnell langweilig werden, außer Sie sind ein genialer Autor, der dieses Risiko nicht hat. Das Problem ist, dass in der Ich-Form immer nur ein Blickwinkel zur Verfügung steht und man auf viele Informationsquellen verzichtet: auf die Gedanken anderer Romanfiguren. Lediglich deren schriftliche und mündliche Äußerungen kann Ihr Protagonist erfahren. Die Gedanken anderer sind ihm nicht zugänglich. OK, bei Science-Fiction-Romanen kann Ihr Held Telepath sein. Man kann dieses Problem elegant umgehen. Wenn der Protagonist ein sehr guter Beobachter ist (z. B. „Sherlock Holmes“,  „Patrick Jane“ in „The Mentalist“ oder „Dr. Cal Lightman“ in „Lie to me“), die ihre Informationen aus Mimik, messerscharfer Beobachtung oder der Kombination von Informationsbruchstücken beziehen. Einfach genial, wenn man so eine Gabe oder ein Gespür dafür hat und seiner Romanfigur geben kann. Wenn nicht, wird man rasch unglaubwürdig. Und sie alle können von schauspielerisch hochbegabten Verbrechern trotzdem angelogen und hinters Licht geführt werden. Sie können rein optisch verfügbare Informationen schlichtweg falsch auslegen und so auf die falsche Fährte gelockt werden und allerlei Unheil anrichten.

Dialoge

Ein Gespräch zwischen zwei Menschen. Der eine sagt etwas, der andere antwortet darauf. Auch eine einfache Sache? Nicht unbedingt, denn es muss ja nicht sein, dass der andere richtig zugehört hat, oder einfach nicht versteht. Der eine lügt, der andere nimmt es für bare Münze. Richtig gute Dialoge kann man mit den Gedanken des Sprechenden verknüpfen und der Leser erfährt zweigleisig das gesprochene Wort und die Wahrheit dahinter. Die Gefahr dabei ist immer, sich in Klischees zu verlieren. Fragen Sie sich immer: Warum sagt jetzt die Person das jetzt? Ist es notwendig für den Verlauf des Gespräches? Kann man auch stumm einen Dialog führen? Oder beides gleichzeitig, um Dritte (Beobachter) in die Irre zu führen? Sehr genial gemacht in „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert: Zwei Bene-Gesserit-Hexen sprechen offen über Belanglosigkeiten und ihre Finger führen das wirklich wichtige Gespräch.

In Agenten-, Terroristen- und Krimiromanen ist einen Codesprache Tagesgeschäft. Aber Vorsicht! Die Codesätze sollten wirklich auch für sich Sinn machen, denn sonst sie sie ja als solche sofort erkennbar und ein Lauscher erkennt, dass er an der Nase herumgeführt wird.

Mehrere Sprecher

Jetzt wird es richtig kompliziert. Es sind mehrere Personen anwesend und jeder gibt seinen Senf dazu. Aber bitte nicht in der Weise: Sprecher A, dann B, dann C und dann wieder A, B und C. Der Gesprächsverlauf kann und sollte auch durcheinanderlaufen, denn auch in der Realität wird nicht schön der Reihe nach gesprochen. Einer hält sich zurück, ein anderer sagt erst mal gar nichts und haut am Ende einen Satz rein, der alle verblüfft und das Ende dieses Kapitels mit einem Cliffhanger zum nächsten Kapitel krönt (siehe Spannungsbogen).

Egal wie Sie Ihre Gespräche stattfinden lassen, egal wie viele Personen daran teilnehmen: Der Leser sollte bitte immer mitbekommen dürfen, wer gerade spricht. Den auf der Hand liegenden Fehler, den man hier machen kann, ist dieser: „…“, sagte er. „…“, sprach sie. Immer und immer wieder. Das ist fürchterlich und auch langweilig. Schöner ist es, wenn Sie die wörtliche Rede in Handlungen des Sprechenden einbauen, z. B.: Tom nagte an dem dürren Knochen und verzog abfällig den Mund. „Is´ nich viel dran an dem Vieh. Wer soll da denn satt werden?“ Und auch seinen Partner am Lagerfeuer kann man meinetwegen so antworten lassen. „Hast´ recht, Alter. Aber besser ´n dürrer Hase, als gar kein Fleisch.“ Und eine dritte Person: Melinda verzog ebenfalls das Gesicht. Aber ihr abfälliger Ton hatte noch eine humorvolle Färbung. „Fleischesser, pah! Kaut ihr doch an dem armen Karnickel herum, ich bleib bei meinem Gemüsetopf.“

Vergessen Sie auch nicht, jeden Protagonisten so reden zu lassen, wie es seinem Charakter und seiner momentanen Gefühlsregung entspricht. Stehen o. g. Personen kurz vor dem Hungertod, würden sie sicher nicht so entspannt miteinander frotzeln. Sind es militante Tierschützer, würde das Gespräch mit gleicher Aussage völlig andere Wörter, Tonlagen und eine andere Dramatik benötigen.

  • Recherche

Ob Sie nun ein Sachbuch oder einen Roman schreiben: Das, was drin stehen wird, sollte auch der Realität, den Fakten, einem stimmigen Zusammenhang entsprechen. Das gilt für fiktive Geschichten genauso wie für fantastische Abenteuer. „Was“, sagen Sie? „Warum soll ein Science-Fiction Roman reale Fakten enthalten, ist doch eh´ alles nur erfunden?“ Schon, aber bestimmte Dinge müssen einfach stimmen, sonst verlieren Sie an Glaubwürdigkeit. Auch Superman kann in Chicago nicht auf das Empire State Building hüpfen, denn dieses steht in New York im Stadtteil Manhattan. Spidermans Haut besteht nicht aus Schuppen, denn er ist ja von einer Spinne gebissen worden und nicht von einem Fisch. Sie verstehen, was ich meine? Natürlich.

Und trotzdem fallen mir als Rezensent in manchen Romanen Behauptungen auf, die so nicht stimmen können, Zauberei, Fantasy und obskure Erklärungen hin oder her. Auch für Romanautoren gilt es, Objekte, Umstände, reale oder fiktive Orte genau zu recherchieren oder zu konstruieren. Und dazu ist ein gerüttelt Maß an Recherche unerlässlich. Der modernen Kommunikationstechnologie sei Dank, können wir dazu das scheinbar unerschöpfliche Internet nutzen. Vorbei die Zeiten der aufwändigen Büchersuche in Bibliotheken und Archiven. Die schönste Variante der Recherche sind natürlich Reisen an die Orte der Handlung. Aber wer hat so viel Zeit und kann sich das auch finanziell leisten?

Ernüchternd ist es aber dann doch, wenn man die gesuchte Information partout nicht finden kann, entweder, weil sie niemand weiß oder sie noch nicht ins Netz gestellt wurde. Suchen Sie z. B. mal nach Informationen zur Sprache der schottischen Pikten. Da wird die Luft schon dünn im World Wide Web. Trotzdem ist das Internet Autors Liebling: in der Regel schnell, billig und jederzeit verfügbar.

  • Texte laut und mit Betonung sich selbst vorlesen

Irgendwann an einem Abend ergab sich im Gespräch mit meiner Familie, dass sie der Meinung war, Texte können stumm nur ohne Betonung gelesen werden. Ich meine, dass dies sehr wohl auch stumm funktioniert und zusätzlich mehr Lesespaß verursacht.

Selbst geschriebene Texte – die ja stumm eingetippt werden – fehlt in der Sekunde des Schreibens aber ein wesentlicher Bestandteil: Emotion. Auch als gefühlvoller Mensch werden sie just nicht dann weinen, wenn es Ihre Heldin tut, sie werden kaum Mordgelüste empfinden, wenn Ihr Killer gerade sein Opfer angreift. Sie werden (leider) nicht die Exstase erleben, die Ihr Liebespaar in diesem Moment in einen Sinnesrausch versetzt. Wer sich seine Texte aber abschnittsweise selbst laut vorliest, kann hören, ob der Satz klingt. Ob das, was man mit Worten ausdrücken will, als Laut auch bestätigt oder unterstrichen wird. Drückt die Zeile die Verzweiflung, die Angst, die Freude aus, die der Protagonist gerade empfinden soll? Man merkt recht schnell, dass die vermeintliche Leidenschaft einer Szene plötzlich gar nicht mehr so leidenschaftlich rüberkommt, wie man gedacht hatte.

Natürlich mache ich das nur dann, wenn niemand in der Nähe ist. Sozusagen im stillen Kämmerlein. Da ist es nicht peinlich, wenn man eine weinerliche, entschlossene, mutige, drohende, verführerische Betonung auch ein wenig übertreibt. Ist das Liebesgeständnis des Verehrers ehrlich gemeint, oder ist er ein Schleimbolzen, der die Jungfer nur abschleppen will? Ist das Versprechen ernst gemeint oder ist der Redner ein Lügner? Plötzlich gewinnt eine Figur an Profil, sie entspricht besser dem verabreichten Charakter und auch Wandlungen im Verlauf der Geschichte können so subtil vorangetrieben werden.

Sogar die (siehe) Rechtschreibung profitiert von einem laut ausgesprochenen Satz. Man wird eher akustisch einen Fehler entdecken, als dass man ihn sofort optisch wahrnimmt. OK, die „automatische Rechtschreibfunktion“ Ihres Textverarbeitungsprogramms tut Einiges, aber eben halt nicht alles.

Weiterhin wird das eigene Sprachgefühl trainiert. Klingt der Satz rund, harmonisch und vor allem: Ist er sprachlich gut? Nach dem einzelnen Satz kann man sich einen ganzen Abschnitt vorlesen und fühlt dabei, ob diese Szene sozusagen aus einem Guss ist. Wer an spätere (siehe) Lesungen denkt, kann hierbei auch seine eigene Stimme trainieren und wird dann auch vor Publikum seine Betonungen, das Auf und Ab einer Geschichte, seinen Sprechrhythmus besser rüberbringen können.

  • Überarbeitung, die Erste: Rechtschreibprüfung

Als Autor sind Sie natürlich ein Künstler. Schließlich ist Schreiben ein kreativer, ein schöpferischer Akt. Aber weder Sie noch ich sind Gott, der angeblich keine Fehler macht. Wenn Sie nun glauben, dass Sie in der Schule ohnehin als Einserschüler perfektes Deutsch abgeliefert haben und Sie als Künstler ohnehin „über“ den Dingen schweben, dann, ja dann, darf ich Sie ganz rasch auf den harten Boden der Realität herunterholen.

Selbst wenn Sie gut in unserer Muttersprache sind, vielleicht sogar sehr gut, sind Sie nicht vor dem bösen, bösen Fehlerteufel gefeit. Sie hauen in die Tasten, die Geschichte sprudelt nur so aus Ihnen heraus. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass Sie sich bei mehreren Hundert Seiten zig-mal vertippen werden. Und das sind keine Druckfehler! Ich hasse dieses Wort; schließlich komme ich aus und arbeite in der Druckbranche. Ein Drucker kann nur das drucken, was die Druckform beinhaltet. Das, was man inflationsmäßig in gedruckten Medien vorgesetzt bekommt, geht auf keine Kuhhaut! Und in Emails und Internet-Foren sind scheinbar sämtliche rechtschreiberischen Dämme gebrochen. Für mich sind das keine Belanglosigkeiten, sondern ein Verfall von Kultur. Und wer permanent unsauber geschriebene Texte vor Augen hat, wird selbst schlampig schreiben. Punctum!

So richtig nach hinten geht so ein Schuss dann, wenn Sie ihr Textwerk anderen Personen anbieten, die wirklich relevant sind: Literaturagenturen, Lektoren und Verlagskaufleuten. Denn sie sind es, die darüber entscheiden, ob Ihr Meisterwerk angenommen wird. Oder eben nicht. Strotzt Ihr Meisterwerk nur so vor Rechtschreib-, Grammatik- und Tippfehlern, wird die entscheidende Person Ihr Manuskript innerhalb weniger Augenblicke weiter befördern. In den Papierkorb. Außerdem empfinden solche Leute – zu Recht – schlampige Texte als persönliche Beleidigung.

Es bricht sich niemand etwas aus der künstlerischen Krone, wenn er die einfachsten – und oft dazu kostenlosen – Möglichkeiten nutzt, seinen Text gründlich zu überarbeiten. Jedes vernünftige Rechtschreibprogramm hat diese Funktion. Leider aber eben mit sehr unterschiedlichen Qualitäten. Als Mindestanforderung kann man sich sehr preisgünstig den Duden Korrektor 7.0 anschaffen, sei es als CD oder Download.

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Um die Mühsal der Überarbeitung noch zu steigern, hier ein weiterer Stolperstein: Sie haben Ihrem Text die magischen vier Buchstaben ENDE verpasst und o. g. Rechtschreibkorrektur brav durchgeführt. Sobald Sie aber an die textliche, sprich inhaltliche Nacharbeit gehen, werden Ihnen evtl. erneut Tippfehler und andere Grausamkeiten passieren. Also, die Zähne zusammenbeißen und ganz, ganz am Ende noch einmal in die Korrektur gehen. Nervig, aber die Leser werden es Ihnen danken. Wie? Ganz einfach: Sie werden auch Ihren nächsten Roman kaufen. Denn Lesevergnügen beginnt bei einem sauberen Text.

Es gibt sicher viele Quellen, wo man sich mit der deutschen Sprache und deren korrekter Anwendung beschäftigt. Ich habe vor langer Zeit ein Mini-Radioprogramm des Bayerischen Rundfunks entdeckt: „So I zu I sa I gen – Bemerkungen zur deutschen Sprache“ auf Bayern 2. Jeden Freitag von 15:20 bis 15:30 Uhr. Das sind immer 10 launige Minuten, in denen ein kleines Thema behandelt wird. So während einer langweiligen Autofahrt ein wenig Kultur streichelt die Seele und pflegt das eigene Sprachempfinden. Im Download-Center von B2 kann man sich natürlich auch verpasste Folgen anhören.

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  • Überarbeitung, die Zweite: Chronologie

Manche Geschichte verläuft schnurgerade. Viele andere haben zwei oder mehr Handlungsstränge und ungezählte Erzählungen besitzen Rückblicke, Zeitsprünge, parallele Geschehnisse, Überschneidungen usw. usw. Am kompliziertesten sind hier im Bereich der Science-Fiction natürlich Zeitreisen und aufgrund von absichtlichen oder unbeabsichtigten Eingriffen Veränderungen im Geschichtsverlauf. Doch egal welche Geschichte Sie erzählen: Sie sollten den Überblick behalten!

Schon bei Ihrer groben Planung eines Romans sollten Sie also Klarheit schaffen:

  • Welche Handlungsstränge gibt es und wie ist deren Zeitablauf?
  • Gibt es Lücken und Zeitsprünge vor oder auch zurück?
  • Was muss zuerst passieren, damit die nachfolgende Handlung stimmig ist?
  • Können die Protagonisten über den gesamten Zeitablauf am Leben sein? (Wenn Ihr Held ein Vampir ist, ist das scheinbar kein Problem, aber wenn Sie die Geschichte einer Eintagsfliege erzählen, kann die Handlung keine Woche lang sein).

Sie erkennen natürlich, was ich damit sagen will. Aber jetzt fragen Sie sich: „Moment! Hier steht doch Überarbeitung.“

Genau! Sie haben bei der Kapitelplanung o. g. Fragen beantwortet und Ihren Text so geschrieben. Aber Sie können sich nun vorstellen, dass es ein Leichtes ist, hier den Überblick zu verlieren. Je länger Ihr Roman ist, desto schwieriger ist es. Also, was tun? Nun, eben die dritte Überarbeitung …

  • Überarbeitung, die Dritte: Menschenjagd

Ich helfe mir hier mit einem ganz primitiven Trick: Ich gebe im Bearbeiten-Menü meines Textprogrammes als Suchwort den Namen meines Protagonisten ein und hangele mich so personengebunden durch den Roman. Ich teile dabei den Bildschirm (links den Text, rechts mein Personenregister) und überprüfe bei jedem Erscheinen meiner Figur nicht nur das Charakterprofil, sondern auch die Timeline, die Chronologie, die zeitliche Logik auf Stimmigkeit.

Diese Methode hat nur einen Fehler: Es werden keine Treffer erzielt, in der über meine gerade im Suchlauf befindliche Figur ohne Namensnennung berichtet wird. Daher muss ich Verweise auf meine Hauptfigur auch beim Suchlauf aller anderen Handlungsträger berücksichtigen. Sogar ggf. bei einigen Nebenfiguren, soweit diese keine Eintagsfliegen (siehe hierzu auch: Die Kunst des Streichens) sind.

  • Überarbeitung, die Vierte: Die Kunst des Streichens / Füllwörter

Wir hatten gerade den Begriff Eintagsfliegen. Natürlich kann das eben dieses Tier sein, aber ich meine hier Personen, die nur ein- oder zweimal auftauchen, eben Randfiguren. In jeder Geschichte sind sie zu finden. Mehr oder weniger gut beschrieben, entsprechend der Häufigkeit ihres Erscheinens. Mit oder ohne Namen, mit Gesicht, spezifischer Kleidung und Ausrüstung oder eben ohne all dies. Mir ist es schon passiert, dass sich so eine Person plötzlich selbstständig gemacht hat. Sie hat mich gezwungen, Buchstaben in die Tastatur zu hämmern, im verzweifelten Bemühen, von mir nicht gleich wieder massakriert zu werden. Nebenfiguren wollen leben!

Allerdings ist es mir aber auch passiert, dass in eine anfangs als Randerscheinung gedachte Figur plötzlich immer mehr Bedeutung einfließt. Wenn dies der Geschichte eine neue Würze gibt, Sie dabei neue Ideen entwickeln, die ihre Geschichte interessanter macht, dann Hurra! Aber Vorsicht. Beachten Sie dabei den gesamten Handlungsverlauf und überlegen, inwieweit der durcheinandergebracht wird. Die Gefahr sich zu verzetteln ist genauso groß, wie die Gefahr, eine neue, gute Idee nicht weiter zu verfolgen.

Ein gesundes Maß ist notwendig, jede überflüssige Person verwirrt aber nur. Und auch zu wenige Personen sind unglaubwürdig, siehe Personenregister. Also überlegen Sie genau:

  • Braucht es diese neue Figur?
  • Ist sie nur Statist ohne nähere Beschreibung?
  • Kann eine andere, bereits vorhandene Figur, hier einspringen?
  • Muss diese Figur denn überhaupt einen Namen haben oder ist das egal für die Geschichte?

Nur betrifft die Kunst des Streichens natürlich nicht nur Romanfiguren, sondern komplette Abschnitte, Ausflüge ins Salbadern und Philosophieren, kurz: Sie schweifen ab. Überprüfen Sie ihren Text auf solche Abschnitte:

  • Trägt der thematische Ausflug zur Geschichte bei?
  • Hat eine Exkursion z. B. zum Thema Religion in Ihrer Geschichte eine Daseinsberechtigung? Wenn Sie an Frank Herberts Dune-Zyklus denken sehr wohl. Auch bei Star Wars ist Religion ein wichtiger Fakt, eben die „gute“ Jedi- und die „böse“ Sith“-Religion. Bei einer Zombie-Geschichte wäre das Thema aber fehl am Platz.
  • Hat ein solcher Abschnitt mit einem der Protagonisten zu tun und offenbart sich das eventuell erst am Schluss des Romans als Auflösung, als Gag, als Aha-Effekt? Dann können Sie solche Textstellen getrost beibehalten.

Auch innerhalb der Handlung muss man aufpassen, nicht unnötig Text zu produzieren, den es im Grund nicht braucht. Während eines Kampfes muss der Held nicht mehrfach die Waffe ziehen, er hat sie ja schon in der Hand (außer er hat sie verloren und muss sie erneut greifen). An jeder Stelle, an der ihr Protagonist auftaucht, muss man nicht erwähnen, dass er schwarzes Haar hat, oder die Frau unglaublich sinnliche Lippen besitzt. Wiederholungen von Eigenschaften können den Leser rasch ermüden und eine langsam innere Abwehrhaltung zum gesamten Text entwickeln. Die Lust am Weiterlesen schwindet. Streichen Sie gnadenlos solche Sätze.

Zur Kunst des Streichens gehören auch Füllwörter. Sie blähen einen Text auf und behindern den Lesefluss und das Lesevergnügen. Jeder hat hier so seine Lieblingswörter, die er gerne und (zu oft) benutzt. Um den eigenen Füllwörtern auf die Spur zu kommen, gibt es verschiedene Methoden. Ein sehr schönes Werkzeug bietet hier das Schreiblabor unter dem Punkt Füllwörter-Überprüfung  an.

Hier der Link

Wenn man einmal erkannt hat, welches die eigenen Füllwörter sind, dann wundert man sich, warum sie einem vorher nicht schon aufgefallen sind. Ich sage nur: textblind! Fegen Sie hier mit dem eisernen Besen durch Ihren Text, erhöhen Sie auch damit die Akzeptanz durch einen Agentur- oder Verlagslektor.

  • Lektorat / Korrekturzeichen

Sie haben es geschafft! Eine Agentur oder ein Verlag hat Ihr Manuskript gelesen und angenommen. Herzlichen Glückwunsch! Sie glauben jetzt, dass Sie als Autor nun fertig sind? Dann liegen Sie falsch. Denn Sie können noch so gut sein, auch Sie werden Fehler übersehen haben und ein Teil der Arbeit eines Lektors ist die Perfektionierung Ihres Textes. Auch in Sachen Rechtschreibkorrektur, Duden Korrektor hin oder her.

Sie erhalten in der Regel Ihr komplettes Manuskript, oder nach und nach in Teilen, mit zahlreichen Korrekturzeichen versehen zurück. Der Lektor merkt nur an! Er verbessert nicht Ihre Fehler. Schließlich haben Sie als Autor das Urheberrecht auf Ihre Arbeit und die wird in Deutschland Gott sei Dank in der Regel respektiert und geachtet. Ergo haben Sie die Ehre diese Fleißarbeit zu erledigen. Kennen Sie alle Korrekturzeichen und Ihre Bedeutung? Ich kannte nicht alle.

Hier der Link: sehr schön gemacht von Text’up Lilian Kura

  • Die Grenze wischen Autor, Lektor und Verlag.

Ja, wo ist die Grenze zwischen der Arbeit des Autors und des Lektors?

Dazu muss man erst mal vorher erwähnen, dass heutzutage immer mehr das sogenannte Grundlektorat von einer Literaturagentur ausgeführt wird/werden sollte. Nachdem pro Jahr Tausende von Manuskripten auf die Agenturen und Verlage einprasseln, landen bei Direkteinsendungen (vom Autor zum Verlag) mindestens 90 % im Papierkorb. Stellen Sie sich vor, Sie sind Verlagslektor und erhalten pro Woche 50 Romanmanuskripte. Völlig unmöglich diese – neben der prall gefüllten Tagesarbeit – auch noch alle fair und unvoreingenommen lesen zu wollen. Also verlagert sich diese Arbeit längst auf “Freie Lektoren” oder eben Literaturagenturen. Sie dienen den Verlagen als Filter und der größte Mist – oder auch schon mal der eine oder andere gute Roman – bleibt auf der Strecke.

Warum tun dies überhaupt die Agenturen? Weil Sie Ihr eigenes Image aufwerten, wenn Sie einem passenden Verlag schon mal ein Textwerk in die Hand geben können, das nicht mehr viel – oder im Idealfall – gar kein Nach- oder Feinlektorat mehr benötigt. Das ist so wie eine Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt: Siebt die Agentur gut aus, schafft sie sich eine Vertrauensposition bei den Partner-Verlagen. Diese werden dann von der Agentur präsentierte Projekte mehr und mehr ernsthafter betrachten und eben in ihr Programm aufnehmen. Eine seriöse Literaturagentur nimmt dafür 15-20 % vom Autorenhonorar.

Dazu muss man noch wissen, dass weder die Agentur noch ein Verlag auf Anhieb bei einem Erstlingswerk eines Autors nennenswertes Geld verdienen, außer der Autor heißt Joanne Rowling, Frank Schätzing oder so ähnlich. Warum? Weil der Autor erst “aufgebaut” werden muss: Werbemaßnahmen wie Flyer, Poster, Displays für die Buchketten, Messestände, Präsentationshilfen wie Buchboxen, Aktionen, honorarträchtige Lesungen, Reisekosten usw. usw. Dazu das Risiko, dass der Markt den neuen Autor übersieht oder nicht annimmt. Die Vorauszahlung an den Autor muss – bei einem anständigen Verlagsvertrag – auch bei einem Flop nicht mehr vom Autor an den Verlag zurückgezahlt werden und dergleichen Dinge mehr.

Der Autor …

… hat natürlich die Aufgabe sein Werk selbst zu schreiben. Außer man heißt Guttenberg. Plagiatsvorwürfe sind der Todesstoß für jeden Autor, das ist literarischer Selbstmord. Also gilt hier wie sonst im Leben auch: Ehrlichkeit währt am längsten. Wer schreibt, sollte auch vorher sehr viel gelesen haben. Wer also Tausende Seiten korrektes Deutsch vor Augen hatte, wird schon beim Schreiben selbst viele Fehler gar nicht erst machen. Ein – für mich – absolutes Must-do ist die konsequente Anwendung der Rechtschreibfunktion, die jedes Schreibprogramm heutzutage bietet. Oder auch der „Duden Korrektor“ und ähnliche Software. Jedes hat seine kleineren Mängel, aber jeder Lektor sieht sofort, ob der Autor diese Funktion nutzt oder sträflich vernachlässigt hat. Die Folge: Der Text wird „aus handwerklichen Mängeln“ abgelehnt. Vielleicht mag es Fälle geben, in denen eine geniale Geschichte trotz solcher Mängel angenommen wird; aber verlassen würde ich mich darauf definitiv nicht.

Hat der Autor also a. seinen Text geschrieben, b. mehrfach Korrekturgelesen, c. o.g. Rechtschreibprüfung durchgeführt, gibt es noch mehrere weitere Checks, die er selbst vornehmen kann (siehe Überarbeitungen). Trotz all dieser Arbeit (und wenn ein Autor diese nicht macht, schraubt er selbst seine Chancen gegen Null) ist man als Autor textblind. Die Kunst des Streichens beherrschen nur wenige Autoren. Wer will schon scheinbar gelungene Sätze und Formulierungen rausschmeißen, in die man verliebt ist?

Die Literaturagentur …

… ist aber eben nicht textblind. Zunächst wird sie schon gar nicht mit der Lektüre von einigen Hundert Romanseiten beginnen, sondern mit dem Exposé (siehe hierzu auch: Drei Seiten für ein Exposé). Dies sollte der Autor so aussagekräftig und kurz ausgefertigt haben wie möglich. Gefällt das Exposé, liest der Agent das 30-50seitige Manuskript. Findet auch das Gefallen, nimmt die Agentur den Autor und sein Werk unter Vertrag. Der Agent ist entweder selbst auch Lektor oder reicht den Autor und sein Werk an den Lektor der Agentur weiter. Und jetzt geht es erst richtig los. Die Lektorin wird zu Ihrer Zweitfrau, ein Lektor zu einem väterlichen Freund. DIE LEKTOREN SIND NICHT IHRE FEINDE, SONDERN IHRE VERBÜNDETEN! Warum ich das hier so betone? Weil viele Autoren eingeschnappt sind, wenn sie ihren Text mit blutroten Markierungen übersät zurückbekommen und den Eindruck gewinnen könnten, sie hätten zeitlebens in Deutsch eine 6 erhalten. Das ist beinahe der Normalzustand, und wenn man mal die Anmerkungen genau analysiert, betrachtet und konsequent durcharbeitet, versteht man, wie die Lektorin „tickt“. Natürlich sind auch sie Menschen mit Vorlieben und Abneigungen. Ideal ist, wenn man einen Partner gefunden hat, dem generell das Genre liegt.

Also, die Literaturagentur erledigt in enger Zusammenarbeit mit dem Autor das Grundlektorat. Das kann schon mal 3, 4 oder 5x hin und her gehen. Natürlich wird man mit fertig lektorierten Kapiteln schon auf Verlagssuche gehen und nicht – sagen wir mal – 500 durchlektorieren und dann findet sich leider doch kein Verlag, der das Werk unter Vertrag nimmt.

Der Verlag …

… erhält von der Agentur ein Präsentationspaket, bestehend aus einem Exposé, das die Agentur erstellt hat, sozusagen in ihrem hauseigenen Stil und ggf. genau auf die Reihe des Zielverlages abgestimmt ist. Dazu ein lektoriertes Manuskript, die Vita des Autors und eine kurze Vorstellung DER WEITEREN PROJEKTE DES AUTORS! Ein Verlag ist definitiv nicht an Eintagsfliegen interessiert (s. o. Kosten), sondern will mit Folgetiteln dann seine Grundinvestitionen rasch wieder reinholen und richtig Umsatz machen, was sich ja alle Beteiligten wünschen und völlig legitim ist. An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für die Begriffe Umsatz, Gewinn, Marge usw. brechen: Leider sind diese Wörter fast schon negativ belegt und von naiven Menschen sogar verpönt. Was ist denn verdammt noch mal schlecht daran, wenn man mit seiner Arbeit Geld verdient?

Zurück zu den Grenzen Autor/Lektor/Verlag:

Der Verlag wird im Bedarfsfall das Feinlektorat vornehmen, außer die Agentur hat es mit dem Autor schon druckfertig hinbekommen. Der Verlag wird in der Folge dann – mit Abstimmung des Autors – aus dem Arbeitstitel einen verkaufsträchtigen Titel formulieren, ein Cover in Auftrag geben, in einer passenden Reihe des Verlages einen Titelplatz und Veröffentlichungsdatum bestimmen und das Werk natürlich in Druck geben. Parallel dazu o. g. Werbemaßnahmen.

Wie heißt es in Hollywood so schön?
To be continued …

6. aktualisierte und überarbeitete Version
Copyright © 2012 by Werner Karl

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