sfbasar.de

Literatur-Blog

Aileen P. Roberts und Stephan Lössl – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 15. August 2011

Interview mit Aileen P. Roberts und Stephan Lössl

Das Interview führte Werner Karl

sfbasar: Herzlich willkommen Claudia und Stephan Lössl. Oder soll ich lieber Aileen P. Roberts sagen? Denn schließlich publizierst du, Claudia, unter diesem Pseudonym. Und warum benutzt du, Stephan, keines?
SL: Ich habe mir bislang zu einem Pseudonym ehrlich gesagt nur wenige Gedanken gemacht und die waren eher von der lustigen Art. Deshalb kam außer Esswerkzeug (z. B. Stephen T. Löffl) wenig dabei raus. Somit werde ich wohl einfach bei meinem richtigen Namen bleiben, obwohl ich ein Pseudonym auch nicht gänzlich ausschließen möchte.
APR: Ich höre auf beides.

sfbasar: Ihr beiden teilt viele Dinge miteinander, lebt sie zum Teil sogar: Die Liebe zu Schottland, Pferden – ihr habt sogar welche –, Fantasy und das Schreiben von Romanen. Waren es diese Gemeinsamkeiten, die euch zusammengeführt haben, oder haben sich diese erst nach eurem „Aufeinandertreffen“ gezeigt?
APR: Eines unserer ersten Aufeinandertreffen war meine Pferdebürste, die ich gezielt auf Stephans Kopf geworfen habe *räusper* und die anderen Gemeinsamkeiten? Na ja, die kamen erst nach und nach. Vor allem nach unserem ersten England/Schottlandurlaub Ende September, als es hier in Strömen gegossen hat und uns alle einstimmig für verrückt erklärt haben, mit dem Zelt in ein “kaltes Land“ zu fahren, in dem es vermutlich nicht mal sanitäre Anlagen oder Bäcker gibt?
SL: Wusstet ihr, dass Bürste und Brüste besonders für „Nichtmuttersprachler“ schwer auseinander zu halten sind? Aber nee, die Angaben oben sind korrekt, nur um Missverständnissen vorzubeugen.

sfbasar: Ihr seid beide in Bayern geboren und lebt auch hier. Andere Menschen schwärmen für die Südsee, einsame Inseln und ähnlich romantische Orte. Wie kam es zu eurer Leidenschaft ausgerechnet für Schottland? Ein Land außerhalb des Kontinentes und i. d. R. kühler und regnerischer als eure Heimat. Ist es die Magie, die sich dort scheinbar in jedem Fels, in jedem Baum finden lässt?
SL:  Der Pingelige würde jetzt auf Franken bestehen, aber wir sind da ja nicht so. Aber mal im Ernst: Schottland, ja, tatsächlich könnte man meinen, die Magie aus uralten Tagen schwelt noch heute im Nebel, verweilt in den Tälern oder träumt in den Tieren, die die Highlands bevölkern. Wenn man dann von einer prähistorischen Höhle aus Hochlandhirsche beobachtet, die dem Berggipfel nahe dahinziehen, ihre Geweihe teils verborgen in den tiefhängenden Wolken, dort wo sich Traum und Wirklichkeit vereinen, dann beginnt man an Magie zu glauben.
APR: Ich bin weder in Bayern noch in Franken geboren, sondern in Düsseldorf. Bin aber schon als kleines Kind hierher gezogen. Sagen wir´s mal so, ich gehöre zu der seltenen Spezies, der es in Deutschland im Sommer zu warm ist (okay, dieser nicht). Als “Heimat” im eigentlichen Sinne sehe ich D eigentlich nicht an. Es ist soweit ganz okay, aber als ich die ersten Male in den Highlands war, wusste ich, wo ich wirklich leben möchte!

sfbasar: Ihr habt beide Berufe gelernt, die auf den ersten Blick wenig mit magischen Welten, unerschrockenen Helden und zauberhaften Feen zu tun haben. Betrachtet ihr das Schreiben von Fantasy als Realitätsflucht – was ja generell der gesamten Zunft fantastischer Autoren unterstellt wird – oder was fasziniert euch an diesem Genre?
SL:  Fantasy als Realitätsflucht bekommt man tatsächlich oft zu hören. Ich behaupte genau das Gegenteil: Fantasy bedeutet, sich der Realität zuzuwenden, oder diese zu erweitern! Schreibt man, taucht man in eine andere Welt ein und oft enthüllen sich Dinge über einen selbst, Dinge, die mitnichten surreal sind, sondern Wahrheiten über die eigene Persönlichkeit zeigen können.
Es ist so eine Art Sehnsucht, die einen antreibt, sich auf eine phantastische Reise zu begeben und eine Welt samt ihrer Wesen und Charaktere entstehen zu lassen, die irgendetwas in uns widerspiegelt, eine tiefere Realität sogar. Dem Leser geht es da sicher meist ähnlich: er liest und manche Geschichten bewegen etwas in ihm, etwas Verborgenes im Unbewussten, für den Verstand bis dahin nicht greifbar, dennoch ist es präsent.
Mir fallen da gerade meine oben erwähnten Hirsche wieder ein. Während ihre Beine fest auf dem schottischen Boden fußen, so tragen sie doch mit Stolz ihr Geweih, auch wenn es im selben Moment für den Betrachter von den Wolken verhüllt bleibt.
Oder mit anderen Worten: Wohin könnten wir schon fliehen, sei es körperlich oder mit dem Geist, wo die Realität uns nicht folgt?
APR: Ich glaube auch, dass verdammt viel Realität in Fantasyromanen steckt – nur etwas anders verpackt. Und mal abgesehen davon, wenn einen die Realität manchmal nervt – was ganz sicher bei jedem von uns irgendwann der Fall ist – was spricht dagegen mal für ein paar Stunden zu fliehen?

sfbasar: Aileen: Du hast 2006 auch einen eigenen Verlag – Cuillin – gegründet. Dort sind bisher fast ein Dutzend Pferderomane und mehrere Fantasybücher erschienen. Inwieweit spiegelt das deine oben erwähnte Liebe zu Land und Tier wider, bzw. inwiefern hattest du weibliche Teenager als Zielgruppe im Auge? Scheinbar ist das ja ein unverwüstliches Thema: (Pubertäre) Mädchen und Pferde.
APR: Die spiegelt sich sehr deutlich in Rhiann und Deana wider und ganz sicher sind weibliche Teenager die Hauptzielgruppe, obwohl ich auch schon jede Menge Emails von begeisterten Müttern bekommen habe, denen die Bücher ebenfalls gefallen. Ich wollte mal etwas anderes schreiben, ein Buch, das ich mit 15, 16 oder 17 selbst gern gelesen hätte. Nicht das typische: Mädchen kauft Pferd, gewinnt nach kurzer Zeit jedes Turnier und bekommt am Ende den Sohn des Stallbesitzers noch mit dazu.
Rhiann dreht sich um Probleme in der Pubertät, Stress mit den Eltern, davon seinen eigenen Weg zu gehen, ja, Pferde kommen auch vor, aber eben keine “tollen Turnierpferde” sondern die in Deutschland sehr seltenen Highlandponies. Außerdem natürlich Schottland, Land und Leute – und klar – ein bisschen Romantik, das muss einfach sein.
SL: Und die Highlandponies geben durchaus brauchbare Turnierpferde ab.

sfbasar: Stephan: Du bist im Hauptberuf selbstständiger Lehrer für Tai-Chi-Chuan und Qi-Gong, darüber hinaus TCM-Ernährungsberater. Beides, meditatives Körpertraining und bewusste Ernährung, erhalten mehr und mehr Zulauf. Zum einen als Gegengewicht zu unserer hektischen Berufswelt und zum anderen wegen permanenter Lebensmittelskandale. Fast hat man den Eindruck, dass intelligentere Menschen – und Haushalte, die sich nicht mit Fast Food begnügen wollen und müssen – in beidem ein Leben wie zu früheren Zeiten erhoffen und dies eben damit wenigstens zum Teil ermöglichen. Stimmst du dieser Einschätzung zu oder liege ich hier völlig falsch?
SL:  Leider muss ich gestehen übe ich die gesundheitsorientierten Berufe nicht hauptberuflich aus. Dennoch kann ich sagen, es gibt zwar den Trend zu gesundheitsbewusstem Leben, aber es herrscht häufig noch die „Ich zahle, also sorgst du gefälligst dafür, dass es mir gut geht“–Mentalität vor. Bewusste Ernährung und Bewegungskünste wie Tai-Chi erfordern aktives Tun, der Praktizierende muss sich häufig umstellen und bewusst und regelmäßig an sich selbst arbeiten. Daran scheitert es häufig – leider, denn in der TCM Ernährung oder auch 5-Elemente Ernährung vermag man durchaus ein Leben wie in früheren Tagen zu finden. D.h. sich beispielsweise im Rhythmus der Jahreszeiten zu ernähren, möglichst naturbelassene Lebensmittel dann zu essen, wenn sie tatsächlich draußen wachsen, also keine Erdbeeren aus Spanien im Winter oder mit Vitamin C versehene Orangenmilch.

sfbasar: Noch einmal Stephan: Gesunde Ernährung und respektvoller Umgang mit dem eigenen Körper gehen an vielen Gesellschaftsschichten völlig vorbei. Sei es, weil sie es sich nicht leisten können, sei es, weil sie es nicht ernst nehmen oder einfach, weil viele Couch-Potatoes zu bequem geworden sind. Siehst du eine Gefahr für die Gesundheit der Menschheit, vor allem dann, wenn du an verfettete Amerikaner und Bürger anderer Industrienationen denkst?
SL: Ja, die sehe ich durchaus. Gesund sein bedeutet ja nicht nur, sich gesund zu ernähren oder den Körper mit regelmäßiger Leibesertüchtigung zu erfreuen, sondern setzt auch eine entsprechende Geisteshaltung voraus. Letztere erachte ich persönlich sogar als das wichtigste Element und da macht es uns unser Gesellschaftsystem schwer. Wir leben in steter Hektik, oft geben Firmen den Takt vor, der, einem Flächenbrand gleich, auf unser Privatleben übergreift.  So fällt es schwer, Zeit für sich zu finden und die Stille zu erfahren, in der unser Geist Heilung finden könnte. Die Folge: immer mehr Menschen brennen aus und das bewusst gekochte Essen fällt Fastfood, Mikrowelle und Tiefkühlkost zum Opfer. Aber: Ich glaube auch an den Wandel, und der wird vieles ändern.
APR: Da muss ich leider mal wieder widersprechen, was mich in Anbetracht der folgenden Frage zum Schmunzeln bringt. Die verfetteten Amerikaner – wobei man u.U. gar nicht unbedingt über den großen Teich schauen muss – wird ganz sicher die Einsicht nicht treffen und wenn, dann erst nach einem Tsunami, der es krachen lässt, dem Yellowstone der in die Luft geht oder einem dezenten Meteoriteneinschlag … Von selbst? Das wird wohl leider nur ein sehr kleiner Teil der Menschheit bleiben.
SL: So, schon ist der Ehekrach perfekt. Aber Tsunamis und Erdbeben sind ja gerade der Wandel von dem ich spreche.  Nichts anderes geschieht gerade in der Welt, so in Japan und der Bewusstseinswandel folgt ja auch. Zugegeben: in Amerika wird’s noch dauern.

sfbasar: Ihr beide wirkt auf mich als Paar völlig in sich stimmig, wenn ich mich so ausdrücken darf: Stephans Tätigkeiten, eure Liebe für ein mythisches Land und faszinierende Tiere, dazu eben Fantasy als Genre, in dem ihr beide schreibt. Das ist so wie aus einem Guss. Seht ihr euch selbst auch so oder müsst ihr hier lächeln?
SL: Ein Stück weit könnte man das sicher so beschreiben, aber auch wir kämpfen mit den alltäglichen Herausforderungen, wie zum Beispiel liegen gelassene Socken, deren Spuren man bis zur Einfahrt des Nachbar verfolgen kann.
APR: Kleine Anmerkung: Es handelt sich um meine Socken *g* und nicht zu vergessen die Rübenschnitzel im Fußraum des Autos.

sfbasar: Aileen: Du hast mittlerweile auch im Fantasybereich bei Goldmann einige Romane veröffentlicht und mit der „Weltennebel“-Trilogie haust du einen neuen Kracher auf den Tisch. Wie lange schreibst du an einem Buch und ab welchem Punkt weißt du, das wird ein Einzelroman und das wird ein Mehrteiler?
APR: Das ist jetzt nicht so ganz einfach zu beantworten, weil ich teilweise 2 Sachen parallel schreibe/geschrieben habe bzw. ein Buch noch korrigiert/lektoriert wird und das andere gerade in der Entstehung ist. Aber Weltennebel habe ich zum Beispiel 2009 begonnen. Also knapp 2 Jahre für 3 Teile.

sfbasar: In der Gerüchteküche hört man, dass nach Abschluss und Veröffentlichung aller drei Weltennebel-Romane bei euch ein gemeinsames Projekt – auch Fantasy – in Angriff genommen werden soll. Stimmt das Gerücht und wenn ja, was könnt ihr beide darüber schon den Fans verraten?
APR: Allzu viel können wir da noch nicht verraten, weil auch noch gar nicht raus ist, ob es jetzt wirklich High Fantasy oder doch eher in die historische Richtung geht. Sicher ist erst mal ein Fantasy/Zeitreise-Roman von mir, der voraussichtlich im September 2012 erscheint. Was danach kommt – mal sehen.
SL: Psst !
APR: Schon gut, die brave Ehefrau schweigt gehorsamst (wäre auch das erste Mal, *hihi*)

sfbasar: Ich habe auch einmal mit einem Freund eine Co-Produktion eines Science-Fiction Romans begonnen. Er sollte aus Alien-Sicht schreiben, ich aus Sicht der Menschen. Trotzdem haben wir uns nach einigen Kapiteln sozusagen auseinandergeschrieben und das Projekt vorerst auf Eis gelegt. Wie bekommt ihr das hin?
APR: Wir haben mehrere Schaukampfschwerter im Haus – also können wir das “ausdiskutieren”.
Nein, mal im Ernst, manchmal kracht es schon, aber irgendwie haben wir uns bisher immer geeinigt. Meist haben wir kapitelweise geschrieben und jeder das durchgelesen, was der andere zuvor geschrieben hat. Und das Grundgerüst haben wir gemeinsam erstellt.
SL: Da kann ich mich nur anschließen. Wichtig ist auch, sich vorher ein wenig abzusprechen, was in der Szene, die geschrieben werden soll, passieren muss.

sfbasar: Wenn ihr – jeweils für euch – einen neuen Roman beginnt, wie viel Vorarbeit macht ihr und in welchem Stadium beginnt ihr mit dem eigentlichen Schreiben? Vor allem: Hat jeder hier seine eigene Methode, Technik oder pflegt ihr hier eine ähnliche Arbeitsweise?
APR: Also ich für meinen Teil überlege mir den groben Plot. Anfang, Mittelteil, Ende (wobei bei Weltennebel das Ende relativ lange offen für mich war) und einige wichtige Stationen innerhalb des Buches. Dann natürlich die einzelnen Charaktere, die in einer Liste festgehalten werden, die sich nach und nach füllt. Dann lasse ich mir aber relativ viele Freiheiten, wie sich alles entwickelt. Haargenau planen liegt mir nicht …
SL: Nun, ich mache mir auch eine grobe Vorstellung, von dem was passieren soll und wie die Geschichte enden soll. Ich finde es gut, vorab schon ein Exposé zu erstellen, so dass man einen Leitfaden hat. Allerdings sehe ich das Exposé nicht als zwingend an, da eine Geschichte ihre ganz eigene Dynamik entwickelt und man einfach Raum braucht. Ich finde, man merkt einem Buch auch an, ob dessen Verlauf ganz genau geplant, oder besser gesagt konstruiert ist. Manchmal nimmt das der Geschichte die Lebendigkeit und das Leben selbst ist ja auch nicht wirklich planbar.

sfbasar: Ich nehme an, dass ihr euch gegenseitig als Kritiker nutzt und zu Ideen, Szenen und Handlungsabläufen austauscht. Wenn einer von euch dem anderen sagen muss, dieses oder jenes sei nicht gelungen, belastet das eure Partnerschaft? Könnt ihr als Ehepaar mit Kritik umgehen oder klammert ihr das aus und überlasst die Kritik anderen, z. B. Agenturen und Lektoren?
SL: Wir lesen gegenseitig die Bücher (deswegen werden meine Werke ja dauernd ausgebremst), aber bisher gab es hier noch keine Probleme mit Kritik. Gewiss, es brechen Diskussionen aus, aber es fliegen keine Bürsten mehr. Was Kritik im Allgemeinen anbelangt, so finde ich es immer nur schade, wenn die Geschichten mit anderen, in der Regel sehr bekannten Büchern verglichen werden, anstatt die Geschichte nur ganz allein für sich zu betrachten. Jedoch gibt es das bei uns in der Ehe nicht.
APR: Dem schließe ich mich mal an – wobei ich ja auch deine Bücher lese und mich selbst ausbremse.

sfbasar: Wie haltet ihr das mit dem komplexen Aufbau eines Romans? Plant ihr hier Kapitel für Kapitel und haltet euch mehr oder weniger dran oder lasst ihr euch – und eure Fantasie – „gesteuert“ treiben (hah, ein Oxymoron!) und seid selbst am Ende überrascht, wo ihr gelandet seid?
APR: Wie schon oben erwähnt, eigentlich eine Mischung aus beidem. Grobe Planung und dann “treiben lassen”.
SL: Genau, es muss wachsen, manchmal zur Sonne, manchmal in die Dunkelheit. Und tatsächlich, die Überraschung wartet häufig auf einen, wenn das Buch beginnt zu enden. (Ist das nicht noch so ein Oxy-dings-bums? Wäre auch ein guter Name für einen Ork)

sfbasar: Jeder Autor scheut sich davor, Textstellen, evtl. sogar ganze Abschnitte oder Nebenpersonen zu streichen, wenn sie für die Handlung nicht relevant sind und der Lektor mit dem Zeigefinger droht und unmissverständlich auf die Löschtaste deutet. Trifft euch das hart oder bleibt ihr hier cool und professionell? Und macht es dann auch so?
APR: Textstellen zu streichen ist ein Stück weit normal, und auch wenn man meist zuerst schlucken muss, gewöhnt man sich daran. Ehrlich gesagt bin ich meiner Lektorin sogar dankbar, weil es mir selbst ausgesprochen schwer fällt zu streichen und ich ohnehin zu dicken Wälzern neige.
2 Personen “musste” ich in Weltennebel streichen, aber die waren nicht wirklich wichtig und damit konnte ich ganz gut leben. Wären es jetzt Hauptcharaktere oder Figuren, die mir besonders am Herzen liegen, hätte ich vermutlich schon ein Problem damit.
SL: Ist mir mangels Veröffentlichungen noch nicht passiert, sollte aber nicht so das Problem sein. Manchmal ist es ja gut, wenn der Lektor das Geschriebene etwas distanzierter betrachtet und da Tipps gibt.

sfbasar: Überhaupt: Wie macht ihr eure Überarbeitungen? Wann habt ihr das Gefühl oder die Sicherheit „Ich bin fertig.“ Und wie lange plagen euch Zweifel? Oder verlasst ihr euch – ab welchem Zeitpunkt? – auf das Lektorat der Agentur oder des Verlages?
APR: Ich glaube, man hat nie das Gefühl, wirklich fertig zu sein, aber irgendwann muss man sein Buch einfach “gehen lassen”, denn im Endeffekt ist die Gefahr größer, etwas schlechter zu machen wenn man zu lange überlegt, was man noch anders oder besser machen könnte. Bei jedem meiner Bücher würde ich vermutlich im Nachhinein zumindest eine Kleinigkeit anders machen.
SL: Ich denke auch, man muss es irgendwann sein lassen, obwohl ich dazu neige, die Geschichte immer anzupassen, zu modifizieren oder sprachlich zu verbessern.

sfbasar: Auch wenn Schottland und das Genre Fantasy recht ergiebig für Romanstoffe sind, habt ihr Ideen oder zukünftige Projekte in petto, die andere Themen aufgreifen, evtl. sogar die Grenzen der Fantasy sprengen?
SL: Ja, da gibt es einige Ideen, aber bislang sind das eben nur Ideen. Sicher kann man das Thema Schottland verlassen, aber ich glaube die Phantasie niemals. Wie heißt es so schön in Michael Endes unendlicher Geschichte: Phantasien hat keine Grenzen, sprach zumindest der Gmork, und der muss es ja wissen.
APR: Vorstellbar ist so ziemlich alles, aber ich habe noch so viele Ideen, dass ich wohl vorerst bei Schottland/Fantasy bleiben werde.

sfbasar: Auf einer Autorenlesung habe ich euch beide in entsprechender Kleidung angetroffen. Sind solche Rollenspiel-Treffen ein Teil eurer Freizeit oder Teil des Autorengeschäftes? Verbindet ihr hier das Angenehme mit dem Nützlichen?
APR: Gelegentlich gehen wir schon auf Mittelaltermärkte und ähnliche Veranstaltungen. Teil des Autorengeschäfts – ich weiß nicht … Man muss sich ja nicht gewanden. Aber ich für meinen Teil tue es ganz gerne und ich finde, es passt gerade zu Fantasylesungen gut.
SL: Da schließe ich mich einfach mal an.

sfbasar: Ich hätte noch tausend weitere Fragen, aber leider würde das zu viel von eurer Zeit fürs Schreiben rauben und schließlich hoffen wir auf viele neue fantastische Geschichten von euch. Ich bedanke mich im Namen des sfbasars herzlich für eure Antworten und wünsche euch weiterhin viel Erfolg.
APR: Dir vielen Dank für deine interessanten Fragen und Gruß an den sfbasar
SL: Auch von mir Vielen Dank und einen herzlichen Gruß.

Copyright © 2011 by Aileen P. Robert, Stephan Lössl und Werner Karl

Aktueller Lesungstermin: 20.08.2011 umd 15:00 Uhr in der Buchhandlung Thalia in Erlangen

Autorenporträt Aileen P. Roberts im sfbasar
Autorenporträt Stephan Lössl im sfbasar

Bibliografie:

- 2011: “Weltennebel 3 – Im Schatten der Dämonen” (Dezember)
- 2011: “Weltennebel 2 – Das Reich der Dunkelelfen”
- 2011: “Weltennebel 1 – Das magische Portal
- 2010: Kurzgeschichte: “Kapitän Norwinns Rumkuchen” in der Fantasyanthologie “Die Köche – Bis(s) zum Mittagessen” vom Ulrich Burger Verlag
- 2010: Kurzgeschichte “Das Herz eines Kriegers” in der Fantasyanthologie “Weltentor” vom Noel Verlag
- 2010: „Im Schatten der Xashatâr“
- 2009: „Thondras Kinder – Am Ende der Zeit“
- 2009: „Thondras Kinder – Die Zeit der Sieben“
- 2009: „Deana und der Feenprinz: Ciarans Geheimnis“
- 2008: „Deana und der Feenprinz: “Highlandsommer”
- 2008: „Jenseits des Nebelmeers“
- 2008: „Dìonàrah – Das Geheimnis der Kelten: Band 2“
- 2007: „Dìonàrah – Das Geheimnis der Kelten: Band 1“
- 2007: „Die Tochter des Mondes“
- 2007: „Rhiann – Verschlungene Pfade“
- 2006: „Rhiann – Sturm über den Highlands“
- 2006: „Rhiann – Nebel über den Highlands“

Vorschau:
2012: Voraussichtlich September: Ein Fantasy/Zeitreiseroman wird bei Goldmann erscheinen

Bibliografie Stephan:
Synnivan – Das Buch der Flammen (noch unveröffentlicht)
Synnivan – Der Ruf des Blutes (noch unveröffentlicht)
Die Feuer von Erenor (noch unveröffentlicht)
Weitere Romane in Planung

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Fantasy, Interviews, sfb-Interviews | 20 Kommentare »

STERNENSUCHE – eine Kurzgeschichte von Stephan Lössl

Erstellt von Stephan Lössl am 24. Januar 2011

STERNENSUCHE

eine

Kurzgeschichte

von

Stephan Lössl


Wie von einer Albfee gebissen schoss Gwendilor in die Höhe.

Nach dem merkwürdigen Traum, den er eben gehabt hatte, dauerte es eine Weile, ehe er wusste, wo er sich befand und dass er nur geträumt hatte.

Verschlafen blickte er sich um, betrachtete das heruntergebrannte Feuer, dessen Wärme ihm die Nacht zwar nicht gerade bequemer gemacht, ihn aber zumindest am Leben gehalten hatte.

Als er sich mit steifen Gliedern erhob, sah er zu seiner Freude, dass im Osten bereits das erste zaghafte Blau eines neuen Tages durch die Bäume des kleinen Eichenhains hindurch schimmerte.

Der Herbst war vorüber und der eisige Atem des Winters ergriff zunehmend Besitz von Eskyndor, jenem Land im Norden des Ryonischen Reiches, welches von den dunklen Wesen des Shakratgebirges als Erstes überrannt worden war.

Sein Volk, das Volk der Hylaren, hatte die Gefahr rasch erkannt, die sich in den finsteren Bergen nördlich von Eskyndor zusammengebraut hatte, doch die anderen Länder hatten den Kundschaftern keinerlei Glauben geschenkt und die Kunde von einer neuen, bösartigen Rasse als Gerücht, ja sogar als irre Fantasien eines Volkes abgetan, das im Schatten der Shakratberge ein abgeschiedenes Dasein führte.

Doch schon kurze Zeit später war der Sturm über Nacht hereingebrochen, Gwendilor hatte das Heulen der Namenlosen vernommen, hatte ihre lauten, polternden Schritte gehört, als sie mit brutaler Gewalt gehaust hatten.

Im letzten Moment war es ihm gelungen, sich rechtzeitig in einer Hütte, nicht mehr als ein alter Holzverschlag, zu verstecken, und zu seinem Glück hatten die Namenlosen ihn wohl übersehen. Als er später, lange Zeit nachdem die Feinde weitergezogen waren, mit zitternden Beinen sein Versteck verlassen hatte, war er einfach nur gerannt. Er hatte nicht sehen wollen, was die Fremden mit seinen Freunden und Verwandten und all den anderen gemacht hatten und so hatte er sein Heil in der Flucht gesucht.

Zwei Tage war dies nun her und hatte es ihn am gestrigen Abend, nachdem er nur mit Mühe ein Feuer hatte entzünden können, gedrängt, zum Dorf zurückzukehren, so verspürte er plötzlich den Drang weiterzugehen.

Zwar verwunderte ihn dieser Wunsch, der über Nacht in seinem Inneren entstanden war, denn er hatte seit seiner Geburt und somit achtzehn Sommer in dem Dorf gelebt, aber er wusste, dass dies lediglich an dem Traum der letzten Nacht lag.

Gwendilor setzte sich vor das heruntergebrannte Feuer und stocherte gedankenverloren in der kalten Asche herum. Drei Männer waren es, die ihm im Traum erschienen waren, drei Könige sogar, die einem Stern folgten, der in einer anderen, fernen Welt lag.

Der Stern sollte sie Könige zu einem Kind von großer Bedeutung führen, auch wenn Gwendilor sich nicht vorzustellen vermochte, welches Kind wohl von solcher Wichtigkeit sein sollte. Dennoch waren es weniger die Könige und das Kind, um die seine Gedanken unablässig kreisten, nein, es war vielmehr der Stern.

Ein glitzernder Stern war ihm im Traum erschienen, ein funkelnder Diamant im Mantel der Nacht, der heller als alle anderen leuchtete. Die Hylaren selbst lebten immer an einem festen Ort, bauten Edelmetalle in den Bergen ab, manchmal fanden sie sogar Edelsteine im dunklen, kalten Fels und der Gedanke, den Sternen zu folgen, war seinem Volk fremd. Dennoch verspürte Gwendilor etwas Verheißungsvolles, ein Versprechen, welches das Licht des Sterns in sein Herz gebrannt hatte, genauso hell, wie der Stern seines Traumes am nächtlichen Firmament.

Gwendilor blickte zum Himmel, doch alle Sterne waren mittlerweile verblasst. Ein kühler Wind raschelte in den wenigen verbliebenen Blättern der großen Eichen, unter denen er Zuflucht gesucht hatte und er beschloss zu warten, bis die Nacht hereinbrach, so dass er den Himmel absuchen konnte, um seinen eigenen Stern zu finden, dessen Licht er folgen konnte.

Während des Tages fing Gwendilor noch zwei Fische, sammelte Beeren und einige Kräuter, um sich Proviant für seine Suche anzulegen.

Immer wieder ertappte er sich selbst dabei, dass er zum Himmel blickte, stets in der Hoffnung, endlich das ersehnte Glitzern zu entdecken. Je weiter die Sonne ihren Bogen über den Himmel zog, desto ungeduldiger wurde er, bis ihn schließlich ein aufgeregtes Gefühl in der Magengegend überkam, als sich das erste Rot der untergehenden Sonne am westlichen Firmament ausbreitete. Seine Vorfreude wurde jedoch jäh erstickt, als sich dicke Wolken auftürmten, die bald schon nicht nur die Sicht auf die Sterne verhüllten, sondern die Welt auch mit einer ersten weißen Schneeschicht bedeckten.

So musste Gwendilor eine weitere Nacht und einen weiteren Tag ausharren, eher er endlich zu einem kalten, aber klaren Sternenhimmel aufblicken konnte. Unzählige Sterne funkelten und glitzerten in den dunklen Weiten und zum ersten Mal in seinem Leben bemerkte Gwendilor erstaunt, wie viele Sterne es gab. Zu Tausenden bevölkerten sie den Himmel, breiteten sich in der großen nächtlichen Himmelskuppel aus, als können man sie einfach herunter pflücken. Fasziniert spähte Gwendilor empor, ließ seinen Blick sehnsüchtig von Stern zu Stern wandern, denn er suchte nicht irgendeinen Stern, sondern DEN Stern, seinen ganz eigenen Stern.

Bald wurde seine Aufmerksamkeit von einem hellen Blinken im Süden angezogen und er glaubte, endlich gefunden zu haben, was er suchte. Doch schon bald erreichte sein Auge ein weiteres Glitzern und er zweifelte daran, dass der Stern im Süden der Richtige war.

Gwendilor legte den Kopf in den Nacken, drehte sich im Kreis und je mehr er suchte, desto weniger konnte er sich für einen Stern entscheiden. Jener, der ihm im Traum erschienen war, war irgendwie größer und heller gewesen, als alle Sterne, die heute Nacht am Himmel standen.

Doch Gwendilor gab nicht auf. Er schwor sich, weiterhin jede Nacht Ausschau zu halten und wenn er seinen Stern an diesem Ort nicht finden sollte, so würde er sicher an einem anderen Ort fündig werden.

So kam es, dass er wenige Tage später tatsächlich Richtung Osten aufbrach und jede Nacht erfüllte ihn mit Vorfreude, der jedoch die Enttäuschung darüber folgte, seinen Stern abermals nicht gefunden zu haben.

Eines Tages, Gwendilor machte gerade im Schutze eines Birkenwäldchens Rast, hörte er ein Rascheln. Jemand bewegte sich unbekümmert durch das herbstliche Laub, dass den gefrorenen Boden bedeckte. Langsam ergriff er seinen Stab, der ihm als Wanderstock diente und den er notfalls auch als Waffe einzusetzen gedachte.

Die Schritte kamen näher, Gwendilor hielt den Atem an. Endlich nahm er zwischen den hellen Stämmen der Birken eine Bewegung wahr. Eine Gestalt in einen langen grünen Umhang gehüllte, kam direkt auf ihn zu. Wenige Schritte noch und sie wäre bei ihm. Entschlossen sprang Gwendilor auf.

»Was willst du«, fuhr er den Fremden an, als dieser plötzlich direkt vor ihm stand. Die Gestalt zuckte zusammen, hatte Gwendilor offenbar nicht bemerkt, fasste sich jedoch schnell wieder. In einer ruhigen Handbewegung zog sie sich die Kapuze vom Kopf und Gwendilor klappte der Unterkiefer herunter.

Vor ihm stand ein junges Mädchen, vielleicht ein oder zwei Jahre jünger als er selbst, und blickte ihn aus großen dunklen Augen an. Lange kastanienbraune Haare fielen ihr über die Schultern und umrahmten ein gleichmäßiges, fein geschnittenes Gesicht.

»Wer … wer bist du«, stammelte er und konnte fühlen, wie ihm die Hitze ins Gesicht schoss, sicher glühten seine Wangen ebenso rot wie die Abendsonne.

»Ich bin Arykin, und wer bist du?«

»Gwendilor«, erwiderte er rasch, als er bemerkte, dass er Arykin nur angestarrt hatte. Das Mädchen vor ihm erschien ihm ungewöhnlich schön, wenngleich er nicht sagen konnte, was ihre Attraktivität wirklich ausmachte.

»Was tust du hier, Arykin?«

Arykin entspannte sich und ließ sich auf dem umgestürzten Baumstamm nieder, auf dem Gwendilor eben noch selbst gesessen hatte.

»Ich bin vor den Finsteren aus den Shakratbergen geflohen.«

»Den Finsteren? Meinst du etwa die Namenlosen?«, unterbrach er sie sogleich aufgeregt.

Arykin zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht, wer sie wirklich sind, aber sie haben unsere Stadt im Norden der Berge überrannt. Chaos entstand und es gab ein heilloses Durcheinander. Viele wurden getötet, ich aber konnte auf einem Pferd fliehen.«

»Deine Stadt? Meinst du damit etwa Alkrystan, die hohe Stadt des Nordens?«

Arykin nickte und ihre dunkelbraunen Augen wirkten traurig. Gwendilor konnte es kaum fassen. Er hatte Alkrystan noch nie zu Gesicht bekommen. Der direkte Weg von seinem Dorf aus führte durch die gefährlichen und unwirtlichen Berge und darum herum zuwandern hätte ewig gedauert. Offensichtlich war es Arykin gelungen, dank eines schnellen Pferdes die Shakratberge in östlicher Richtung zu umreiten, wo sie schließlich auf ihn gestoßen war.

Das Volk von Alkrystan galt als sehr gebildet und sollte von uraltem Blute sein. Einst, vor langer Zeit war es ein kriegerischer Stamm gewesen, doch hatten sie die Kriegkunst begraben und sich zu einem wohlgebildeten Volk entwickelt, stets bestrebt ihr Wissen über die Welt und ihre Geheimnisse zu erweitern.

»Die Finsteren kamen wie eine Flut über uns«, fuhr Arykin fort und ein Schatten legte sich über ihr Gesicht. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele überlebt haben. Es war so schrecklich, dass ich nie wieder zurück gehen möchte.«

»Mir geht es genauso«, entgegnete Gwendilor und berichtete dem Mädchen, was in seinem Dorf geschehen war.

Dann erzählte er ihr von seinem Traum und das Mädchen mit den großen dunklen Augen lauschte seinen Worten aufmerksam.

Auch sie fand es mehr als seltsam, dass drei Könige einem Stern folgen sollten, um ein Kind zu finden, aber irgendetwas an diesem Gedanken schien ihr zu gefallen, denn auf ihrem Gesicht zeigte sich ein Lächeln, dass Gwendilor in seinen Bann zog.

»Drei mächtige Männer, Herrscher ihres Landes, folgen dem Stern, nur um einem Kind zu huldigen. Die Starken verbeugen sich vor den Schwachen und üben sich in Demut«, sinnierte sie, »ein Kind, wie Wasser, dass sich an der tiefsten Stelle sammelt und irgendwann beugt sich selbst der Mächtige zu ihm herab.«

»Was?«, fragte Gwendilor verdutzt.

»Ach nichts. Nur etwas, das mein Vater mich lehrte.« Bei diesen Worten wirkte Arykin sehr traurig und obwohl Gwendilor sie erst vor wenigen Augenblicken kennen gelernt hatte, konnte er nicht anders und legte einen Arm um sie. Sie ließ es geschehen und schmiegte sich sogar an ihn. Es fühlte sich gut an.

So kam es, dass Gwendilor und Arykin gemeinsam weiterzogen und nach dem Stern suchten. Sie ritten zusammen auf Arykins dunkelgrauer Stute, die immer angetrabt kam und freudig wieherte, wenn das Mädchen den Namen des Pferdes, nämlich Elahira, rief.

Eines Nachts, nur wenige Tage nachdem sie sich getroffen hatten, rasteten sie am Fuße eines kleinen Hügels. Noch immer hatte Gwendilor keinen Stern gefunden, der, wie er glaubte, dem seines Traumes auch nur annähernd glich.

»Wir werden deinen Stern niemals finden«, sagte Arykin. »Mit jedem Tag, den wir länger suchen, wird der Stern in deinem Kopf immer größer und strahlender. Kein Stern an diesem Himmel«, sie zeigte hinauf in die dunkelblaue Nacht, »kann mit dem in deinem Kopf konkurrieren.«

»Aber ich muss ihn finden. Ich weiß, dass es ihn gibt, Arykin.«

Sie schüttelte den Kopf, wollte etwas erwidern, doch da wieherte Elahira nervös und Arykin und Gwendilor fuhren erschrocken auf.

»Was war das?«, fragte Gwendilor.

»Ich weiß nicht.« Arykin lauschte angestrengt in die Dunkelheit. Da, da war es wieder. Ein Knacken, gefolgt von einem Geräusch, das wie rasselnder Atmen klang.

Gwendilor wollte rasch nach den Zügeln des Pferdes greifen, doch da schnellte etwas aus dem Unterholz und griff nach Arykin. Zu Gwendilors Überraschung jedoch fuhr sie schnell herum und hatte sogar eine schlanke Schwertklinge unter ihrem Umhang hervor gezogen.

Als Gwendilor erkannte, dass es einer der schwarz verhüllten Namenlosen war, der seine bleichen, skelettartigen Finger nach Arykin ausstreckte, zuckte er erschrocken zusammen und war wie gelähmt vor Schreck.

So konnte er es auch kaum fassen, dass Arykin in einer raschen Bewegung die Klinge herumwirbelte und den Angreifer niederstreckte, auch der Zweite fiel ihrem surrenden Schwert zum Opfer. Ein dritter kam und Gwendilor erkannte, dass sie dieses Mal nicht schnell genug sein würde, zu schnell sauste der Gegner von hinten an das Mädchen heran.

Endlich jedoch packte Gwendilor seinen Stab und schlug ihn dem Angreifer so fest auf den Kopf, dass dieser zu Boden ging.

»Nichts wie weg«, schrie Arykin und schwang sich auf Elahiras Rücken. Nur wenige Schläge seines pochenden Herzens später saß Gwendilor hinter Arykin und beide preschten in rasantem Galopp davon.

»Hat dir das Kämpfen auch dein Vater beigebracht?«, wollte er wissen.

Arykin lachte nur und nickte, während der Wind ihre Haare nach hinten wehte, so dass Gwendilor immer wieder die Sicht verdeckt wurde. Das Arykin mit ihrer schnellen Reaktion ihm in dieser Nacht das Leben gerettet hatte, sollte ihm erst später bewusst werden.

Sie zogen weiter und bald schon verband die beiden mehr, als lediglich die Tatsache, dass ihre Völker von den Namenlosen überrannt und getötet worden waren, ja sogar mehr noch als die Suche nach dem Stern, denn etwas viel mächtigeres brachte sie einander so nahe, wie es zwei Menschen nur sein konnten.

Sie verliebten sich ineinander und irgendwann wurde Arykin der Suche nach Gwendilors Stern überdrüssig. So errichtete er eine Hütte an den Ufern eines kristallblauen Sees, in einem Land, dass im Osten lag, weit entfernt von den Shakratbergen. Sie verbrachten einen kalten, aber glücklichen Winter miteinander, doch als der Frühling kam, wurde Gwendilor unruhig.

Es war der Stern. Noch immer drängte es ihn, den Stern zu finden, dem die drei Könige aus einer fernen Welt einst gefolgt waren. Auch wenn Arykin nicht begeistert war, ließ sie ihn gehen und er versprach, bald wieder hier zu sein.

Tatsächlich blieb Gwendilors Suche erfolglos und er kehrte nach wenigen Tagen zu Arykin zurück, die ihn glücklich in die Arme schloss. Doch bald schon plagte ihn erneut diese Unruhe. Des öfteren saß er bei Nacht draußen und starrte zum Himmel, aber kein Stern war ihm gut genug.

Abermals zog er los und kam zurück, ohne gefunden zu haben, was er so sehr begehrte. Immer wieder machte er sich auf die Suche und die Zeit, in der er fort war, wurde immer länger, doch den Stern seines Traumes fand er nicht. Jedes mal wenn er zurückkehrte, empfing ihn Arykin mit einem Lächeln voller Liebe und schloss ihn in seine Arme. So zogen die Winter und die Sommer ins Land und eines Tages bemerkte er in Arykins Lächeln, dass auch in ihrem Gesicht der Herbst Einzug gehalten hatten.

Aus Liebe ließ sie ihn stets ziehen und in Liebe erwartete sie ihn vor der Tür ihrer Hütte. Eines Tages jedoch, als Gwendilor, über dessen Haare nun auch der Reif des Winters hinweggezogen war, von seiner Sternensuche zurückkehrte, erschrak er und hielt abrupt inne.

Irgendetwas stimmte nicht. Arykin wartete diese Mal nicht vor der Tür, es gab keine liebevolle Umarmung, kein Lächeln.

Gwendilor rannte los, stürmte durch die Holztür, so dass diese beinahe aus den Angeln gerissen wurde und blieb laut keuchend in dem Zimmer stehen.

Als seine Augen sich an das Dunkel gewöhnt hatten, erkannte er Arykin, die schwer atmend auf dem Bett lag. Er war zu lange fortgewesen, viel zu lange.

»Was ist mit dir?«, fragte er und ließ sich neben ihrem Bett nieder.

»Ich bin alt und krank geworden, mein Liebster. Mir bleiben nicht mehr viele Tage.«

»Aber du …«, stammelte Gwendilor, brach aber ab, als er sah, wie schwach sie war.

Grau durchzog ihr einst kastanienfarbenes Haar und Falten hatten sich um ihre dunklen Augen gelegt. Sicher sah auch er nicht jünger aus, aber Arykins Lebenskraft war verbraucht.

Hatte seine Suche, seine ständige Abwesenheit sie so sehr erschöpft? Zum ersten Mal in seinem Leben kam im dieser Gedanke und insgeheim kannte er die Antwort.

»Gwendilor, gib mir meinen alten Umhang, du weißt schon, den Grünen, den ich trug als wir uns kennenlernten.«

Gwendilor kramte den Umhang hervor und legte in ihr auf das Bett. Mit zitternden Händen griff sie in eine der Innentaschen und holte eine fein gearbeitete Silberkette hervor, die sie sich um den Kopf legte, Gwendilor hatte inzwischen einige Kerzen entzündet, um den Raum zu erhellen und als er sich Arykin zuwandte hielt er plötzlich inne.

Alles Blut wich ihm aus dem Gesicht, ihm wurde kalt um die Nase und schwindlig obendrein. Langsam und mit zittrigen Knien zog er einen Stuhl an Arykins Bett und betrachtete die Halskette, die sie sich um den Kopf gelegte hatte und in deren Mitte ein Diamant eingearbeitet war, der nun auf ihrer Stirn im Kerzenlicht funkelte und glitzerte.

»Ich habe es dir nie erzählt«, begann sie, »aber ich bin Arykin Askillion, die Tochter des Königs von Alkrystan. Dieses Diadem ist das Zeichen meines Erbes, das Zeichen des Königshauses. Bitte, ich will es tragen, wenn du mich begräbst.«

Gwendilor vernahm ihre Worte wie aus weiter Ferne. Sein Blick ruhte nur auf dem Edelstein auf Arykins Stirn und er wusste, wo er dieses Funkeln, dieses ganz besondere Glitzern, dass nun durch seine Tränen um ein Vielfaches verstärkt wurde, schon einmal gesehen hatte.

Er kannte es, hatte es bewundert in seinem Traum, dem Traum vom großen Stern. Endlich begriff er, verstand, dass das, wonach er all die Zeit gesucht hatte, schon seit langem zu ihm gekommen war.

Sein ganz persönlicher Stern hatte ihn längst gefunden und er trug den Namen Arykin.

ENDE

Copyright © 2010 by Stephan Lössl

Kaufempfehlung des Autors:

Kinslow, Frank
Quantenheilung

Wirkt sofort – und jeder kann es lernen

Übersetzt von Seidel, Isolde
Verlag :      VAK
ISBN :      978-3-86731-039-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,95 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 20,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Seiten/Umfang :      ca. 144 S. – 20,5 x 13,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      13. Aufl. 09.2010
Gewicht :      192 g
Aus der Reihe :      Quantum Entrainment (R)

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Das Neue Denken hat in den letzten Jahren das Bewusstsein vieler Menschen für eine neue Weltsicht geöffnet. Jetzt sind faszinierende Methoden auf dem Vormarsch, die auf der Grundlage des Neuen Denkens von Vorreitern entwickelt wurden. Matrix Energetics ist eine davon, und Quantenheilung, die wir Ihnen hier vorstellen, ist die neueste Entwicklung auf diesem Gebiet. Neu ist auch, dass diese Methoden sehr rasch zu lernen sind – ohne jegliche Vorkenntnisse – und dass sie sowohl von Laien in der Selbsthilfe angewendet werden können, als auch jede professionelle Behandlungs- und Veränderungstechnik wirksamer machen.

Was ist Quantenheilung? Quantenheilung arbeitet mit sanfter Berührung und versetzt das vegetative Nervenssystem spontan und sofort in den Zustand, in dem tiefe Heilprozesse stattfinden: Das Nervensystem schaltet unmittelbar auf Heilung um – und kann all das reorganisieren, was nicht optimal funktioniert. Und das Erstaunliche daran ist: Nicht nur der Behandelte, sondern auch der Behandler erleben ein unmittelbares, lang anhaltendes Wohlgefühl. Probieren Sie es aus — Sie werden garantiert überrascht sein, was diese Methode zu leisten vermag!

Dr. Frank Kinslow ist Chiropraktiker und arbeitet als Dozent an der Everglades-Universität in Sarasota, Florida. Der Autor hält regelmäßig Vorträge und ist häufig zu Gast in Radio- und TV-Sendungen. Er lebt in Sarasota, wo er auch eine eigene Praxis betreibt.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Allgemein, Autorenwerkstatt, Bücher, Fantasy, News, Storys | 11 Kommentare »

Lössl, Stephan – Autorenporträt

Erstellt von Galaxykarl am 12. September 2010

Kurzbiografie

Stephan Lössl wurde am 03.01.1969 in Erlangen geboren und wuchs in Kunreuth, einem kleinen Ort in der fränkischen Schweiz auf.

Einer Lehre als Industriekaufmann folgte später eine Ausbildung zum Lehrer für Tai-Chi-Chuan und Qi-Gong, sowie zum TCM-Ernährungsberater. Schon als Kind entwickelte er sein Interesse für Pferde, Reiten und asiatische Kampfsportarten. Da neben diesen Aktivitäten auch die fantastische Literatur ein wichtiger Bestandteil seiner Freizeitgestaltung war, lag es nahe, selbst mit dem Schreiben zu beginnen und Literaturseminare zu besuchen.

Sein Roman Synnivan – Das Buch der Flammen und Synnivan – Der Ruf des Blutes sowie der erste Band des Romans Die Feuer von Erenor – Im Schatten des Araaken ist mittlerweile abgeschlossen, der Folgeband hierzu ist in Arbeit.

Abgelegt unter Allgemein, Autorenporträts, Autorenwerkstatt | 3 Kommentare »

DIE NEBEL VON MERAGON – Leseprobe von Stephan Lössl

Erstellt von Galaxykarl am 12. September 2010

Auszug aus dem unveröffentlichten Roman

“Synnivan – Das Buch der Flammen”

von

Stephan Lössl


Nach seinem Gespräch mit Rangfarn lief Wyras die Stallgasse entlang. An einer geräumigen Box mit der Aufschrift ›Tronax‹’ hielt er schließlich an und begrüßte den braunen Hengst mit der wallenden, schwarzen Mähne, der sein Lieblingspferd war. Wyras hatte Tronax vor zwei Sommern selbst zugeritten und mochte das Pferd sehr. Obwohl ihm das Tier anfangs häufig Schwierigkeiten bereitet hatte, hatten sich Reiter und Pferd doch nach einiger Zeit irgendwie arrangiert. Weniger reine Schnelligkeit war es, was Tronax auszeichnete, sondern seine Ausdauer und Zähigkeit und ganz besonders die ungewöhnliche Nervenstärke, die er an den Tag legte. Auf Tronax würde man sich immer verlassen können, er verlor nie die Nerven.

Ein Pfleger hatte das Pferd bereits gesattelt, doch nicht nur Wyras und Tronax stand heute ein langer Übungsritt bevor, sondern allen Reitern und Pferden, die zur berittenen Armee von Hammasidras gehörten. Tuark forderte ein starkes und ausdauerndes Heer. Schließlich sollten die Reiter und ihre Pferde in wenigen Tagen aufbrechen, um auf Umwegen in das Elfenreich und dann bis nach Syrlion zu gelangen, wo sie natürlich immer noch genügend Reserven für die bevorstehende Schlacht haben mussten. Aus diesem Grund zogen die Reiter seit vielen Tagen immer wieder durch die Stadttore von Hammasidras hinaus in die östlichen Ebenen der Ringmark, um sich auf den Kampf vorzubereiten, in dem sie die Ausdauer der Pferde ebenso trainierten, wie das rasche Formieren unterschiedlicher Kampfabteilungen.

Als Wyras, der junge Anführer der berittenen Armee, auf Tronax hinausgaloppierte, sah er dort bereits mehr als tausend Reiter, die, aufgeteilt in vier Abteilungen, auf ihn warteten. Hatten sie während der letzten Tage immer wieder in den südlich der Stadt gelegenen Dun-Hügeln verschiedene Manöver durchexerziert, so sollte sie heute ihr Weg nah Osten führen. Im Schritttempo ritten sie los, um dann in einen gemächlichen Trab zu fallen. Nach einiger Zeit gab Wyras das Kommando zu einem disziplinierten Galopp und kurz darauf jagten die vier Abteilungen nebeneinander über die Ebene. Als Wyras schließlich die Reiter wieder in ein ruhiges Schritttempo zurückfallen ließ, hatten sie Hammasidras bereits seit langem hinter sich gelassen. Vor sich konnten sie sogar schon eine Wand aus Nebel sehen.

»Die Fälle von Larosh«, erklärte Hammit. Hammit führte eine der Reiterabteilungen an und seine blauen Augen blickten nun skeptisch in die Nebelwand.

Wyras nickte nachdenklich. »Seit ewigen Zeiten stürzen die Wasserfälle dort in die Tiefe und die Gischt vermischt sich mit dem Nebel, der wie ein Leichentuch über dem versunkenen Waldreich von Meragon liegt.«

»Wir sollten nach Norden abwenden, um in einem Bogen zurück nach Hammasidras zu reiten. Die Pferde werden bereits nervös!«

Wyras wandte seinen Blick von der riesigen Wand aus Nebel ab und bemerkte, dass Hammit Recht hatte. Die meisten Pferde tänzelten unruhig. Manche stiegen sogar und ihre Reiter hatten Mühe, sie zu besänftigen. Er klopfte Tronax den Hals, da das Pferd wie immer gelassen blieb, und gab dann schließlich das Kommando zum Abwenden.

So drehten sie nach Norden ab, nur um sich bald schon mit plötzlichem Entsetzen einer höchst sonderbaren Erscheinung gegenüber zu sehen. Erneut parierte Wyras sein Pferd durch, hob die Hand und ließ damit das große Reiterheer anhalten. Was er dort vor sich sah, raubte ihm den Atem, und ein Blick auf einige der Soldaten verriet ihm, dass auch seinen Männern wohl gerade aufgrund des Wetterschauspiels, dessen sie ansichtig wurden, dass Blut in den Adern gefror. Im Nordosten, direkt über den Schattenbergen, lagen schwarze Wolken. Dunkel wie die Nacht tanzten sie, tobenden Riesen gleich, direkt über den Bergen. Begleitet von lautem Krachen zuckten immer wieder gezackte Blitze herab und schienen direkt im Wald von Ungold einzuschlagen. Allerdings war es nicht das Wüten des Unwetters, was die Männer entsetzte, sondern das Loch in den schwarzen Wolken. Dort stand die Sichel eines blutroten Mondes direkt über den dunklen Bergen. Zwar war es später Nachmittag und der Mond bereits aufgegangen, doch noch nie zuvor hatte ihn Wyras in einer derart grausigen Szenerie gesehen. Wie eine sichelförmige Fleischwunde, gebrannt in das Firmament von einem glühenden Brandeisen, klaffte der Mond am Himmel, unwirklich, grauenvoll, unheilschwanger.

Wie gebannt beobachtete die Reiterarmee von Hammasidras die Sturmfront, die nun weiter nach Süden, direkt auf das alte Waldreich von Meragon zog. Der Sturm wütete gnadenlos und peitschte die schwarzen Wolken, die gigantischen Festungen glichen, immer weiter auf die Wand aus Nebel zu, die, ausgehend von den Fällen von Larosh, sich über das ganze Waldreich ausbreitete. Das Loch in den Wolken allerdings blieb und die feurige Sichel des Mondes verharrte unablässig am Himmel, sichtbar für jeden der aufschaute.

Zu Wyras Erstaunen schien es jedoch, als ob der Sturm an der Nebelwand hängen blieb und nicht weiter ziehen konnte, gerade so, als würde sich etwas im Nebel bewegen und sich gegen die schwarze Front, die aus Norden kam, auflehnen.

Die Männer konnten das Rollen des Donners hören, das wütend über den Himmel jagte, als wolle das Unwetter seinem Zorn Ausdruck verleihen, dass es nicht nach Süden weiterzuziehen vermochte. Die wirbelnden Nebel von Meragon schienen eine unüberwindliche Mauer zu bilden.

»Welch teuflische Magie ist da bloß am Werk«, flüsterte Hammit, der Mühe hatte, sein Pferd zu beherrschen.

Wyras schüttelte nur den Kopf und beobachtete die Schlacht, die dort am Himmel stattfand. Nach wenigen Augenblicken aber drehte die Sturmfront plötzlich ab und hielt direkt auf die Reiter von Hammasidras zu, die nun das nackte Entsetzen packte. Sturmböen heulten auf, fegten wie zornige Geister über das Grasland.

»Wir müssen weg!«, schrie einer der Reiter.

»Flieht!«, brüllte ein Soldat.

»Reitet so schnell ihr könnt!«

Die Männer riefen wild durcheinander, Wyras erkannte, dass Panik nach ihnen griff, als sie der wütende Sturm erfasste und die schwarzen Wolken auf sie zusteuerten.

»Wartet, es ist bereits zu spät«, schrie er gegen den anschwellenden Wind, »auf der Ebene sind wir dem Sturm schutzlos ausgeliefert.«

Wyras, der auf einem immer noch gelassenen Tronax saß, versuchte die Soldaten zu beruhigen. »Hammit, wir müssen in dem Wald dort drüben Schutz suchen, gib den anderen Bescheid!«

Hammit jedoch schüttelte den Kopf. »Wir können nicht in den Wald, die Blitze werden in die Bäume einschlagen. Außerdem liegt ein Teil des Waldes bereits außerhalb der Ringmark und der andere Teil grenzt an das alte Waldreich und das ist verflucht. Ihr seht doch, was sich dort hinten abspielt. Nicht mal dieser rasende Sturm kann den Nebel durchdringen.« Hammit hatte mittlerweile einen roten Kopf bekommen. Er musste gegen das Brüllen des Sturmes anschreien, was ihm sichtlich schwer fiel.

»Hammit, ich führe die Reiter«, betonte Wyras. »Ich war bereits in diesem kleinen Wald, dort gibt es viele versteckte Senken, wo wir uns in Sicherheit bringen können. Los jetzt, die schwarze Flut hat schon die Grenze der Ringmark erreicht und nur in der Nebelwand finden wir Sicherheit.« Wyras deutete auf den fernen Nebel. »Du siehst doch selbst, dass nicht einmal diese wütende Naturgewalt in Meragon einzudringen vermag.«

Wyras blickte Hammit eindringlich an. Dieser sah unsicher nach Osten, wo sich der Sturm an der nördlichen Grenze von Meragon entlang bewegte und Blitze bereits auf die Grenze der Ringmark herabprasselten. Sichtliches Unbehagen war in Hammits Gesicht zu sehen, aber er gehorchte und brüllte den Männern Befehle zu, ihre vier Abteilungen zu halten und so rasch wie möglich nach Osten, auf den Wald zu zureiten, um in Senken oder wo auch immer Schutz zu suchen. Die Männer rasten umgehend los, ihre Pferde konnten sie ohnehin kaum mehr halten.

Wyras versuchte sich an die Spitze zu setzen, um den Abteilungen Führung zu geben, um einen einigermaßen geordneten Ritt zu erreichen, doch viele der Soldaten stürmten panisch in die andere Richtung, zurück nach Hammasidras und damit auf das offene, ungeschützte Grasland hinaus. Der Großteil der Reiter allerdings erreichte schon bald den Rand des Waldes. Die ersten Regentropfen peitschten ihnen mittlerweile direkt von vorne ins Gesicht.

»Haltet auf den südlichen Teil des Waldes zu«, schrie Wyras gegen den Wind. Er wollte die Armee möglichst nahe an die Grenzen von Meragon bringen, dort, wo der dichte Nebel war. Der Sturm tobte nun immer lauter und in den Regen mischten sich kleine Eisbrocken, die ihnen schmerzhaft und mit hoher Geschwindigkeit wie Geschosse ins Gesicht prasselten. Blitze zuckten mittlerweile überall vom Himmel.

Endlich erreichten sie den Waldrand und ritten direkt unter die Bäume. Die vier Abteilungen hatten sich allerdings während des scharfen Rittes aufgelöst und viele der Männer hielten auf den nördlichen Teil des Waldes zu. Sie wollten sich lieber direkt dem Sturm aussetzen, als den Schrecken des alten Waldreiches.
Wyras führte die Männer, die ihm gefolgt waren, nun im Schritt weiter. Riesige Bäume, deren lange Stämme in den Himmel wuchsen, umgaben sie und bildeten hoch droben einen schützenden grünen Blätterbaldachin, über dem es heftig krachte und wütete. Wyras ließ die Männer wieder antraben und bald schon fiel das Gelände leicht ab. Nach kurzer Zeit konnten sie zwischen den Bäumen auch schon die wallenden Nebel sehen.

Mit Hammits Unterstützung redete Wyras seinen Männern gut zu und schließlich folgten sie, wenn auch mit sichtlichem Unbehangen, in den Nebel. Sie ritten weiter bergab und bald fanden sie eine große, weitläufige Senke, in der sie zwischen knorrigen, hoch aufragenden Bäumen Halt machten. Wyras blickte sich um, sah in die ängstlichen Gesichter seiner Männer, die mit einer Hand die Zügel ihres Pferdes gefasst und die andere am Griff ihres Schwertes gelegt hatten. Der Nebel war überall und verbreitete eine eigentümliche Stille, dämpfte das Zwitschern der Vögel, jedoch nicht, als wolle er es ersticken, sondern viel mehr, als wolle er behüten, so zumindest kam es Wyras vor, auch wenn er annahm, dass er dies als einziger so empfand. Das wallende Weiß umschmiegte die Bäume, lag wie ein Hauch auf den Gräsern am Waldboden, macht Spinnweben sichtbar und verbarg dennoch die wahren Tiefen der Wälder von Meragon unter seinem endlosen Mantel.

Keiner der Männer sprach ein Wort, jeder sah sich nur ängstlich um und schwieg, als wage es niemand diese Ruhe zu stören. Wyras bemerkte auch, dass das Wüten des Sturmes kaum noch zu hören war. Lediglich der ein oder andere Donnerknall drang gedämpft durch die Nebeldecke. Kein einziger Blitz war mehr zu sehen und die Bäume schwankten nur ganz leicht im Wind. Es war still, so als ob die Stille ein Wesen wäre, das außer der friedvollen Ruhe des Waldes keinen Lärm duldete.

»Wyras, wir sollten nicht hier sein. Wir sind direkt im Nebel, der Meragon seit Ewigkeiten bedeckt. Wir befinden uns unter dem Leichentuch, welches sich seit undenklichen Zeiten über diesen Wäldern ausbreitet.« So leise sie auch gesprochen waren, lösten Hammits Worte doch Unruhe bei den umstehenden Männern aus. Wyras hob die Hand und brachte sie zum Schweigen.

»Fürchtet euch nicht, wir sind immer noch in der Ringmark, auch wenn die Grenze direkt vor uns liegt. Wir warten ab.«

Die Männer schienen nicht wirklich beruhigt zu sein, verharrten jedoch geduldig. Auf die Pferde hatte der Nebel seltsamerweise eine besänftigende Wirkung, denn viele begannen sogar, das saftige Gras zu fressen, welches die Senke bedeckte.

Wyras starrte angestrengt in die Nebelwand, die sich zur Grenze hin zu verdichten schien. Plötzlich schrak er zurück und dieses mal zuckte selbst Tronax zusammen. Irgendetwas hatte sich dort bewegt. Oder war es nur eine Täuschung? Nein, etwas war vor ihm im Nebel. Es sah aus, als ob manche Nebelschwaden sich sogar entgegengesetzt zu anderen bewegten, so als gäbe es unterschiedliche Strömungen, die durcheinander gewirbelt wurden. Auch die Soldaten schienen ebenfalls zu bemerken, dass dort etwas geschah. Gebannt starrten sie nach vorne in das wabernde Weiß. Mit einem Mal begann es im Nebel zu krachen und zu rumoren. Es klang, als würde etwas die Erde aufreißen oder Holz spalten. Unruhe machte sich bei den Männern breit und die Pferde wieherten nervös. Wyras, dem nun auch ein wenig unbehaglich zumute wurde, bedeutete seinen Leuten sich langsam, ganz langsam, zurückzuziehen. Es krachte und rumpelte im Gehölz und der Nebel wirbelte immer wieder hin und her, doch nach wie vor war nichts zu erkennen. Aber dann war so etwas wie Schritte zu hören. Etwas Gewaltiges stapfte auf sie zu und sein Atem röchelte irgendwo vor ihnen im Nebel. Es kam ihnen wie eine Ewigkeit vor, als Hammit und die Soldaten die Umrisse einer riesigen Gestalt erkennen konnten, die sich aus dem Nebel herausschälte. Als die Kreatur gänzlich sichtbar geworden war, stockte den Männern der Atem und sie zogen ihre Schwerter. Etwas Derartiges hatten sie noch nie gesehen.

Auch Hammit, der neben Wyras stand, zog langsam seine Klinge. Einige Schritte von ihm entfernt, blieb das Geschöpf schließlich stehen. Hammit ließ seinen Blick unsicher über eine Gestalt schweifen, die wie ein riesiger, beinahe zwanzig Fuß großer Erdklumpen aussah. Nur, dass dieser Erdklumpen Arme und Beine hatte, an dessen Händen sich anstatt Finger und Zehen unzählige knorrige Wurzeln befanden. Der Kopf glich einem Felsen, der anstelle von Augen zwei Felsspalten hatte, hinter denen sich so etwas wie dunkle Höhlen befanden. Nebel wallte immer noch um das fremdartige Wesen und hüllte es ein, so als wolle er die Kreatur nicht gänzlich freigeben. Die beiden Felsspalten im Gesicht des schrecklichen Geschöpfes, die Hammit als zornige Augen empfand, blickten direkt auf ihn herab. Er konnte hören, wie die anderen Männer ihre Klingen zogen und dabei zurückwichen. Die Soldaten bewegten sich langsam und vermieden dabei hastige Bewegungen. Alle, bis auf Wyras, der plötzlich stehen blieb und wie gebannt auf die merkwürdige Kreatur blickte.

»Wyras, zurück, schnell«, zischte Hammit, doch Wyras drehte ihm nur den Kopf zu und flüsterte.

»Was soll das? Senkt die Schwerter, es tut euch nichts!«

Wie die anderen auch, hörte Wyras die Schritte im Nebel. Irgendetwas näherte sich ihm und seinen Männern, die sich gerade zurückzogen. Langsam kristallisierte sich die Gestalt aus dem schweren Dunst heraus, wenngleich sie der Nebel auch nicht vollends freigab. Wyras riss erstaunt die Auge auf. Noch nie zuvor hatte er so etwas gesehen und er spürte, wie sich sein Herzschlag plötzlich beschleunigte, obwohl die Zeit um ihn herum mit einem Mal zu erstarren schien. Vor ihm stand ein riesiges weißes Einhorn, welches aus sanften dunklen Augen, die dennoch eine ungeahnte innere Stärke ausdrückten, auf ihn herabblickte. Ein gewaltiges, glitzerndes Horn wuchs aus der Stirn des Tieres, mit einer tödlichen Spitze am Ende.

»Wyras, zurück, schnell«, konnte er Hammit rufen hören. Wyras drehte sich kurz zu ihm um, schüttelte kaum merklich den Kopf und meinte:

»Was soll das? Senkt die Schwerter, es tut euch nichts!«
Dann bestaunte er wieder die außerweltliche Schönheit des Wesens, welches vor ihm stand.

»Es gibt nicht viele, die unser wahres Gesicht sehen. Besonders nicht bei den Menschen, die vergessen haben, die Wunder der alten Welt zu erblicken.«

Die Stimme, die eindeutig zu einer Frau gehören musste, kam irgendwo aus dem Nebel rechts von Wyras. Sie klang angenehm und melodisch, genauso weich und sanft wie der Nebel selbst umschmeichelte sie seine Sinne. Kurz darauf wurde die Gestalt, zu der sie gehörte, auch schon sichtbar. Unter einem hellen Umhang, den Kopf mit einer Kapuze verhüllt, bewegte sie sich mit fließenden Bewegungen auf Wyras zu. Als sie ihn erreicht hatte, legte sie die Hand, es handelte sich eindeutig um eine zarte Frauenhand, auf den Hals des Einhorns. Ebenso dunkle und braune Augen, wie die des anmutigen Tieres, sahen Wyras aus den Schatten der Kapuze heraus an. Nach einigen Augenblicken gelang es Wyras endlich, sich aus seiner Erstarrung zu lösen.

»Wer seid Ihr?«, fragte er erstaunt.

Hammit wollte gerade auf seinen Kommandanten zugehen, um ihm von dem riesigen Erdklumpen wegzuziehen, doch eine krächzende Stimme lenkte ihn ab.

»Es gibt nicht viele, die unser wahres Gesicht sehen. Besonders nicht bei den Menschen, die vergessen haben, die Wunder der alten Welt zu erblicken.«
Eine alte Frau löste sich aus dem Nebel, ging auf die grauenvolle riesige Kreatur, die einem Erdklumpen ähnelte, zu und legte dieser schließlich die Hand auf die Seite.
Hammit hielt inne, da Wyras begann, sich mit dem alten Weib zu unterhalten.

»Ich bin, was Ihr seht und ich bin nicht, was die meisten von euch sehen. Somit bin ich immer etwas anderes und niemals das Gleiche. Ich bin der Wandel und als solcher ändere ich mich nie. Aber den Tod kann ich für jeden von euch bedeuten.«

Wyras verstand die rätselhaften Worte nicht. Doch als die seltsame Frau den Tod erwähnte, senkte das Einhorn drohend die Spitze seines tödlichen Horns, wie um ihre Worte zu unterstreichen.

»Alanis kamryat, Wahyranon.« Die Frau, deren Gesicht Wyras immer noch nicht erkennen konnte, flüsterte in einer fremdartigen Sprache zu dem schönen Tier, welches sich sofort entspannte und wieder stolz den Kopf hob. Dann wandte sie sich Wyras zu, während das Einhorn zur Seite trat und das Geschehen aufmerksam beobachtete.

»Warum kommt Ihr mit so vielen bewaffneten Männern hierher?«, fragte die geheimnisvolle Frau.

»Wir suchen nur Schutz vor dem Sturm. Dann ziehen wir wieder zurück nach Hammasidras«, erklärte Wyras.

Die Frau blickte ihn aus dem Dunkel ihrer Kapuze heraus an.
»Schutz sei Euch gewährt. Aber bedenkt, der Tod ist Euch gewiss, solltet Ihr die Grenzen missachten, die Euch gesetzt sind.«

Wie gebannt blickte Wyras auf das Wesen vor sich, nickte dann aber. »Sobald der Sturm vorüber ist, werden wir weiterziehen.«

»Gut, denn bedenkt, auch der Nebel wandelt sich ständig und als Verbindung zu anderen Welten ist nie gewiss, zu welch fremden Reichen er gerade ein Tor öffnet. Daher wachen wir!«

Die Stimme dieser Frau klang so eigenartig, war von einer tiefen Sehnsucht erfüllt, dass Wyras beinahe bei jedem ihrer Worte einen süßen Schmerz in seinem Inneren spürte. Als sie sprach, erhob sich plötzlich ein leichter Wind, der ihre Kapuze etwas zur Seite bewegte und für einen kurzen Moment glaubte Wyras, einen flüchtigen Blick auf ein ebenmäßiges und zeitloses Gesicht erhaschen zu können und erneut fühlte er ein Ziehen in seiner Brust.

»Wir? Du meinst du und das Einhorn?«, fragte Wyras.
Ein leises, aber angenehmes Lachen erklang unter der Kapuze.

»Nicht nur wir beide. Viele wachen im Nebel. Der Nebel ist unruhig dieser Tage, Dunkles treibt sich herum in Wendalon.«
Bei diesen Worten strich wieder ein milder Luftzug durch den Nebel, so als spiele der Wind mit dem zarten weißen Hauch, der sich sanft um die hohen Bäume schmiegte. Das Einhorn blähte die Nüstern und schnaubte und noch einmal konnte Wyras einen kurzen Blick auf große Augen erhaschen.

»Der Sturm ist vorüber, Ihr und Eure Männer könnt jetzt gehen. Geht, aber blickt nicht zurück und dann trefft eure Wahl.« Damit drehte sich die Frau um und verschwand im Nebel. Das Einhorn jedoch verweilte noch einen Augenblick.

Wyras allerdings zuckte kurz zusammen und runzelte die Stirn.
»Was meinst du damit, welche Wahl?«

»Wahyranon!« Nur der Ruf kam aus dem Nebel und das anmutige Tier drehte sich um. Es folgte der Frau ohne ein Geräusch zu verursachen und verschwand im Nebel.

»Welche Wahl?«, rief er erneut, dieses mal etwas lauter.
Wyras bekam keine Antwort, nur der Wind bewegte den Nebel und für die Dauer eines Herzschlages hatte er den Eindruck ein Wispern im Wind zu vernehmen, Worte, einen Namen, den er jedoch nicht verstand.

»Wyras, kommt jetzt, bevor das grauenhafte Ding zurückkehrt und uns alle tötet!«, rief Hammit aufgebracht.

»Grauenhaftes Ding?«, fragte Wyras verständnislos. »Ich möchte nicht wissen, was Ihr dann als schön bezeichnet, Hammit.«

Nachdenklich ging Wyras an Hammit vorbei und legte ihm kurz die Hand auf die Schulter. »So viel Schönheit habe ich in meinem ganzen Leben nicht gesehen«, sagte er abwesend, denn in Gedanken war er noch immer bei den letzten Worten der Frau. Dass Hammit ihn nur irritiert musterte und dann mit einem verständnislosen Kopfschütteln die Zügel seines Pferdes packte, bekam er gar nicht mit.

Auch Wyras schwang sich auf Tronax’ Rücken und führte die Männer aus dem Wald. Er hatte zunächst Schwierigkeiten sich zu orientieren, allerdings hinterließ eine Reiterarmee in einem Wald deutliche Spuren und so fanden er schließlich den Weg hinaus. Von den anderen Männern, die weiter nördlich in den Schutz der Bäume geritten waren, fehlte allerdings jede Spur und Wyras ließ daher mehrfach ins Horn blasen. Es dauerte eine ganze Zeit lang, bis schließlich die ersten Reiter aus dem Wald kamen. Nach weiterem geduldigen Warten jedoch musste er sich eingestehen, dass niemand mehr kommen würde. Von den über tausend Reitern fehlten immer noch beinahe einhundert. Der Abend war nicht mehr fern und so führte Wyras die Männer zurück nach Hammasidras. Unterwegs sahen sie immer wieder kleine Gehöfte, die vom Sturm schwer beschädigt oder gänzlich niedergebrannt worden waren. Auch einige der Reiter und Pferde trafen sie, die zurück nach Westen geritten waren, anstatt ihrem Anführer zu folgen. Sie waren alle tot.

Es war bereits stockfinster, als Wyras die Reiter schließlich anhalten ließ. Die Männer und Pferde wirkten sehr müde und nach Hammasidras würden sie es heute ohnehin nicht mehr schaffen. So übernachteten sie unter einem Himmel, der aussah, als wäre noch nie ein Sturm über ihn hinweggezogen, auch die Sichel des Mondes war dieses mal von silbernen Farbe.

Am nächsten Morgen kehrten sie schließlich nach Hammasidras zurück, wo sie ein ungeduldiger Rangfarn erwartete.
Über seine Begegnung mit der geheimnisvollen Frau und dem Einhorn erzählte Wyras niemandem etwas. Während des Rittes bemerkte er jedoch immer wieder, wie sich die Männer über diesen schrecklichen Erdklumpen und die alte Hexe unterhielten. So verstand er nun auch Hammits merkwürdige Reaktion und, mehr noch, er verstand die Worte der Frau.
›Ich bin, was ihr seht und ich bin nicht, was die meisten von euch sehen‹, hatte sie gesagt. Offensichtlich hatten seine Männer etwas anders gesehen. Wyras beließ es dabei, musste aber während der folgenden Tage immer wieder an diese eigenartige Begegnung denken, ganz besonders jedoch an die Wahl, die zu treffen ihm bevorstand.

Ende

Auszug aus dem unveröffentlichten Roman “Synnivan – Das Buch der Flammen” von Stephan Lössl.

Copyright (c) 2010 by Stephan Lössl

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-160-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.


Leseempfehlung der Redaktion:

Letsche, Julian
Auf der Walz. Die abenteuerliche Reise des Hannes Fritz

Historischer Roman

Verlag :      Gmeiner, A
ISBN :      978-3-8392-1141-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,90 Eur[D] / 13,30 Eur[A] / 19,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 02.12.2010
Seiten/Umfang :      ca. 464 S. – 20,0 x 12,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 07.03.2011
Aus der Reihe :      Historischer Roman

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Reutlingen im 16. Jahrhundert. Der 17-jährige Zimmergeselle Hannes Fritz geht nach seiner Gesellentaufe auf die traditionelle Walz. Seine dreijährige abenteuerliche Wanderschaft führt ihn in die freie Reichsstadt Esslingen, in das Benediktinerkloster Lorch und nach Frankfurt am Main. Er trifft den Humanisten Ulrich von Hutten, gerät zusammen mit einer jüdischen Familie in die Fänge von skrupellosen Räubern und begegnet der Kaufmannstochter Anna, seiner ersten großen Liebe …

Julian Letsche, Jahrgang 1961, ist Unternehmer und Zimmermann. Der Reutlinger Autor und Handwerkerdichter kennt das Leben auf der Walz aus eigener Erfahrung, woraus sein Interesse an der Geschichte der Handwerkerzünfte resultierte. Mit seiner Irish-Folk-Band »Lads go buskin« lässt er alte Zunftlieder wiederaufleben. »Auf der Walz« ist sein erster historischer Roman.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Allgemein, Autorenwerkstatt, Fantasy, Storys | 4 Kommentare »