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Literatur-Blog

SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Vintage – Steampunk-, Retro-Science-Fiction- und Alternativwelt-Geschichten”

Erstellt von Michael Bahner am 25. April 2013

“Vintage – Steampunk-, Retro-Science-Fiction- und Alternativwelt-Geschichten”

sfbasar.de-Anthologie Band 25

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

(…) In einer Wolke aus heißen Abgasen und wirbelndem Pulverschnee kommt der Cruiser zum Stehen, auf dem Parkplatz direkt vor dem Laden. Das gute Stück ist funkelnagelneu, vor knapp zehn Minuten hat er auch noch so ausgesehen. Und jetzt: bis zum Verdeck verspritzt von Dreck und Kacke aus den Straßen. Nichts mehr zu erkennen vom feuerroten, glitzernden Lack. Meine schöne Steam Lizzy wird erstmal eine Menge Streicheleinheiten brauchen, ein dampfendes Schaumbad und einen gehörigen Schuss Schmiermittel. Langsam senkt sie sich auf ihr ausgeklapptes Fahrwerk, pfötchensanft, begleitet vom sonoren Summen der Steam-Stream-Turbine – eine aufgemotzte Josh 100. Der Klang sträubt mir die Nackenhaare bis in die Spitzen, trotz der Kälte jagt er mir heiße Schauer über den Rücken, die mir den Bauch wärmen und die Lenden zum Glühen bringen. Währenddessen kämpfe ich mich durch den Schnee zum Schaufenster, fest verpackt in Trenchcoat, Schal und Handschuhe. Den Bogart bewahre ich mit der Rechten vor einem Rundflug über den Parkplatz. Hinter den beschlagenen Scheiben flimmern eine Reihe von Televisoren. Alle flackern synchron, sie zeigen dieselben Bilder, dasselbe Programm, milchig und trübe durch die Schicht kondensierter Wassertröpfchen. Aber natürlich erkenne ich ihn sofort: JFK mit dem Arm in der Schlinge. Oder sollte ich sagen: den Kopf? Sein geliebter Ford Spinup Roadster spinnt – haha, schönes Wortspiel! -, sackt auf einer Seite ab, und die Kugeln von diesem Karnickel, diesem Oswald the Rabbit oder so ähnlich, tackern den Fahrer aus dem Sitz. Gerade mal so dem Tod von der Schippe gesprungen. Möglicherweise ist was dran, dass er in der Sache Robert Zimmerman die Hände im Spiel hat. Er und das FBI sollen das Idol einer jungen aufmüpfigen politischen Bewegung gekidnappt und für ihre eigenen Ziele … naja … umerzogen haben, einen Typen, Zimmerman, der sich zusammen mit seiner schauerlichen Mundharmonika Bob Dylan nennt. Was ich in dieser Sache allerdings noch unternehmen werde, kann ich nicht sagen. Ich bin ein bisschen planlos … sagen wir uninspiriert, das hört sich besser an. (…)

Liebe LeserInnen, liebe Community-AutorenInnen,

was haben wir denn da? Die dampfgetriebenen Autos gehören zum Steampunk und die geschichtlich verdrehten, erdichteten beziehungsweise neu verwobenen Ereignisse in das Szenario einer Alternativweltgeschichte. Retro-Science-Fiction ist das alles: es gibt fliegende Autos, wir haben die Zeit rückwärts gedreht und befinden uns in einer Handlung in vergangenen Zeiten, die sich so allerdings nie zugetragen haben könnte. Was eine Alternativwelt von einer Parallelwelt unterscheidet, hat Leon Ferri bereits ausführlich und sehr anschaulich in seinem Editorial zur Zeitlinien-Anthologie beschrieben, deshalb möchte ich an dieser Stelle lediglich darauf verweisen. Nur so viel: bei Parallelwelten besteht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Welten hin- und herzuspringen, bei Alternativwelten nicht. Das bedeutet, eine Alternativweltgeschichte spielt einzig und allein in einer alternativen Realität ohne Bezug zu anderen Welten. Prinzipiell sind also alle Steampunk-Geschichten gleichermaßen Alternativweltgeschichten. Retro-Science-Fiction-Geschichten wiederum können in unserer Welt spielen, müssen aber nicht. In ihnen werden vergangene Zeiten wieder lebendig. Allerdings sollten diese nicht zu lange zurück liegen. Am besten beschränken wir uns auf, sagen wir, die Epochen ab Anfang des 20. Jahrhunderts. Das hört sich jetzt ein bisschen restriktiv an – vielleicht ist es das, vielleicht auch nicht. Das sollte euch aber nicht davon abhalten, eure Geschichten für diese Anthologie zu nominieren. Diskutieren können wir immer noch darüber. Andere kennen sich in Steampunk-Universen bestimmt besser aus als ich, aber die Epochen dieser Geschichten liegen nach meiner Vermutung oft noch ein oder zwei Jahrhunderte davor! Ihr seht, ich habe reichlich Spielraum und Möglichkeiten, mir eure Geschichten einzuverleiben – euer Einverständnis vorausgesetzt.

Einem dieser drei Themen müssen eure Geschichten, Essays oder sonstigen literarischen Ergüsse also zuzuordnen sein. Da diese Begriffe an sich schon gemeinsame Schnittmengen implizieren (Steampunk- und in großen Teilen auch Alternativweltgeschichten sind per se im Thema Retro-Science-Fiction enthalten) und die Grenzen schon recht weit gesteckt sind, werdet ihr sicherlich keine Schwierigkeiten haben, in diese Vintage-Welten hinein zu finden.

Wieso, zum Kuckuck, heißt diese Anthologie eigentlich Vintage? Was ist Vintage überhaupt? Handelt es sich vielleicht um eine wochenendliche Fress- und Sauftour durchs Elsass, die von ortsansässigen Wirtsleuten und alkoholgeilen Tingelbrüdern und -schwestern nach dem letzten Viertele in weinseliger Eintracht aus der Taufe gehoben wurde, in dem Bestreben, unter anderem auch beider Sprachen zu vereinen? Auch wenn mir der Gedanke an das Bouquet eines würzigen Roten, der in kristallener Karaffe neben dampfenden Flammkuchen auf mich wartet, buchstäblich das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, hat das leider nichts mit dieser Anthologie zu tun.

Zugegeben, ich musste erst recherchieren, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Da reichte es leider nicht, das betagte Englisch-Deutsch-Wörterbuch zur Rate zu ziehen, denn dort – im kleinen Gelben – fand ich nur die Weinlese. Erst im Internet wurde ich fündig und belehrt, dass es sich bei Vintage um eine Mode- bzw. Designrichtung handelt. Kleidung und Möbel wurden im Stil der 1930er bis 1970er Jahre angefertigt, in gewisser Weise in einem Retro-Look (Quelle: Wikipedia). Automobilisten haben den Begriff bereits auf Wagen ausgeweitet (Vintage Cars), die im Stil den Autos vergangener Jahrzehnte nachempfunden sind. Jetzt dehnen wir ihn noch weiter und packen alles rein, was … also … im Untertitel steht: Steampunk-, Retro-Science-Fiction- und Alternativweltgeschichten. Und warum machen wir das? Der Begriff Vintage ist kurz und griffig und weist im Wesentlich in die Richtung, die wir mit dieser Anthologie beschreiten wollen.

Liebe Community-AutorInnen, spitzt also die Bleistifte, schwärzt die Federn, entbröselt eure Tastaturen, lasst die Hirne qualmen, respektive dampfen, und rückt leeren Blättern und Festplatten zu Leibe.

Euer Herausgeber Michael Bahner … kann’s kaum erwarten. Neue Beträge sind in Rot gekennzeichnet!

BUCHBESPRECHUNG: Cherie Priest – Boneshaker – Rezensiert von: Rezensiert von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: DAS SERUM DES DOCTOR NICOLA von Petra Hartmann – Rezension von Michael Drewniok

DER FALL DER GESTOHLENEN BROSCHE – Fantasy-Story von Günther Kurt Lietz

DER HUND – Science Fiction Story von Ralf Boldt

BUCHBESPRECHUNG: DER KURIOSE FALL DES SPRING HEELED JACK – BURTON & SWINBURNE (BD. 1) von Mark Hodder – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: DER ZENSOR von Marcus Hammerschmitt – Rezension von Werner Karl

DIE LOKOMOTIVE (Leseprobe:) Auftrag – Eine Erzählung von Marcus Hammerschmitt

BUCHBESPRECHUNG: DIE NEUEN HERSCHER – von Lyon Sprague de Camp und P. Schuyler Miller – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: DIE RÄDER DER WELT von Jay Lake – Rezensiert von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: EIN QUANTUM TOD von Simon R. Green – Rezension von Petra Weddehage

BUCHBESPRECHUNG: ERINNERUNGEN AN MORGEN – STEAMPUNK 1 von Alisha Bionda (Hrsg.) – Rezension von Elmar Huber

BUCHBESPRECHUNG: GRAU – Eddie Russett 1 von Jasper Fforde – Rezensiert von Armin Möhle

BUCHBESPRECHUNG: IMMORALITY ENGINE – NEWBURY & HOBBES 3 von George Mann – Rezension von Alisha Bionda

FILMBESPRECHUNG: IRON SKY – WIR KOMMEN IN FRIEDEN – Regie: Timo Vuorensola Finnland/Deutschland/Australien 2012 – Rezension von Michael Drewniok

ISOLA LUCRETIA – Leseprobe aus dem gleichnamigen Science-Fiction-Kurzroman von Michael Pick

BUCHBESPRECHUNG: OSIRIS RITUAL – Hobbes & Newbury 2 von George Mann – Rezensiert von: Alisha Bionda

OTTERMAN´S – Leseprobe (Teil 1) aus dem Roman “Silenus” von Robert Jackson Bennett

IN VORBEREITUNG – OTTERMAN´S – Leseprobe (Teil 2) aus dem Roman “Silenus” von Robert Jackson Bennett

BUCHBESPRECHUNG: SILENUS von Robert Jackson Bennett – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: SILENUS von Robert Jackson Bennett – Rezension von Yvonne Rheinganz

NEU - VENEDIG AN EINEM WINTERTAG – Leseprobe aus dem Steampunk-Roman “Die zerbrochene Puppe” von Judith und Christian Vogt

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Michael Bahner

Bildrechte: “Vintage (Steampunk5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Luca Novelli: Newton und der Apfel der Erkenntnis (Hörbuch) – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 16. Januar 2013

Luca Novelli
Newton und der Apfel der Erkenntnis

Originaltitel: Newton e la formula dell’ antigravità (2008)
Verlag: audiolino
ISBN: 978-3-86737-133-9
Sachbuch, Hörbuch, Biographie
Erschienen: April 2012
Sprecher: Jürgen Uter, Peter Kaempfe, Rolf Becker, Anne Moll, Jeannine Platz u.v.a.
Übersetzerin: Anne Braun
Umfang: Audio-CD; Gesamtlänge ca. 70 min

www.audiolino.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Der Autor

Luca Novelli, Autor und Illustrator, arbeitet als wissenschaftlicher Berater für die RAI, das staatliche italienische Fernsehen, und leitete zehn Jahre lang eine Zeitschrift für Grafik und Design. Für die Reihe „Lebendige Biographien“ erhielt er 2004 den italienischen Andersen-Preis als bester populärwissenschaftlicher Autor. Diese Biografien der genialsten Denker und Erfinder aller Zeiten sind im Arena Verlag erschienen.
(Quelle: audiolino)

Sprecher der Erzähltexte

Peter Kaempfe lebt als Schauspieler, Regisseur und Autor in Bremen. Nach dem Schauspielstudium gründete er mit zwei Kollegen die Bremer “Shakespeare Company” sowie das “Theater aus Bremen”, mit dem er bis heute international weit über 2000 Vorstellungen gab. Daneben tritt er in Funk und Fernsehen auf, unter Anderem im “Tatort” und in der Kinderradiosendung “Bücherwurm grüsst Leseratte” des Norddeutschen Rundfunks. Dank seiner ausdrucksstarken Stimme wurde er zu einem der erfolgreichsten Kommentatoren für Fernsehdokumentationen aller deutschen Sendeanstalten. Heute ist er in etlichen Hörspielen und Hörbüchern zu hören und tourt mit Live-Lesungen und einem Soloprogramm durch die Lande.
(Quelle: audiolino)

Hörbuch

Auch wenn Sir Isaac Newton kein einfacher Mensch und in gewissen Angelegenheiten unversöhnlich gewesen war, vergessen ist auch ein anderer Zeitgenosse nicht: Gottfried Wilhelm Leibniz. Immerhin ist nach ihm der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland benannt, der erst kürzlich an drei Stuttgarter Physiker vergeben wurde. Dennoch war und ist seine Popularität bei Weitem nicht so groß wie die von Newton. Denn, Hand auf’s Herz, wer kennt schon diesen Förderpreis und wer dagegen kennt das Newtonsche Gravitationsgesetz?

Leibniz war, wie gesagt, ein Zeitgenosse Newtons und hatte, ebenso wie dieser, mit der Entwicklung der Infinitesimalrechnung eine großartige Leistung vollbracht. Beide bezichtigten sich in der Folge gegenseitig des geistigen Diebstahls, auch wenn keine der Anschuldigungen gerechtfertigt war, da beide unabhängig voneinander gearbeitet hatten. Was Newton von Leibniz und von anderen Wissenschaftlern seiner Zeit abhob und ihn zweifellos zum größten Physiker – oder eher Naturphilosophen – seiner Zeit und einem der größten aller Zeiten machte, waren in wissenschaftlicher Hinsicht seine berühmten Gesetze, insbesondere die quantitative Formulierung des Gravitationsgesetzes, das seither untrennbar mit seinem Namen verbunden ist. Ob den Anstoß zu diesem Gesetz allerdings tatsächlich jener gern zitierte “Apfel der Erkenntnis” gab, den Newton beim Fallen beobachtet haben soll, sei dahingestellt. Jedenfalls ist dies eine Anekdote – oder Legende? -, die sehr eingängig ist und die man so schnell nicht wieder vergisst.

Fazit

Newtons Biographie zu hören ist ein unbeschwertes Vergnügen. Man lauscht gerne der sonoren Stimme des Erzählers, ebenso den anderen Sprechern und den entspannenden Passagen leichter Gitarrenklänge. Die Texte sind interessant und anschaulich, verziert mit Anekdoten und Kommentaren bekannter Menschen jener Zeit wie beispielsweise Voltaire. Das kleine Booklet bietet einen knappen Glossar von physikalischen Begriffen, die im Zusammenhang mit Newton wichtig sind. Biographische Daten findet man in diesem Büchlein allerdings nicht, was insbesondere bei einem Hörbuch zu wünschen gewesen wäre. Für jugendliche Hörer ab 10 Jahren – wie vom Verlag vorgeschlagen – ist “Newton und der Apfel der Erkenntnis” eine kurzweilige und informative Lektüre für die Ohren. Auch mir als Erwachsenem hat sie Spaß gemacht.

Copyright © 2012 by Michael Bahner

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte, einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Laut Rezensension war Leibniz war ein Zeitgenosse von welcher bekannten Person der Wissenschaft? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!



GEWONNEN HABEN: Valentina Larisch, Nina Krause, Hermann Roller. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH. WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND UNSEREM SPONSOREN!

Abgelegt unter Hörbuchrezension, Hörbücher/Hörspiele, Wissenschaftliche Spekulationen, beendete Preisrätsel | 2 Kommentare »

“Sternzeit 2013 – Eine astronomische Reise in Raum + Zeit” als riesiger Kalender mit 50,0 x 70,0 cm Ausmaß jetzt dreimal im Preisrätsel auf sfbasar.de!

Erstellt von Detlef Hedderich am 25. November 2012

Sternzeit 2013 – Eine astronomische Reise in Raum + Zeit

Verlag: Palazzi
ISBN: 978-3-942231-23-7
Kalender
Erschienen: 08.2012
Textredaktion: Rüdiger Vaas
Umfang: ca. 14 S. – 50,0 x 70,0 cm; Spiralbindung

http://www.palazzi.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Besprechnung und Fazit

“Sternzeit 2013 – Captain Kirk …” So oder so ähnlich beginnt jede Folge um das Raumschiff Enterprise und deren Besatzung, die durch die Weiten des Alls kreuzen, um “fremde Welten zu erforschen, fremdes Leben und fremde Zivilisationen.” In diesem Sinn bietet der Kalender “Sternzeit 2013 – Eine astronomische Reise in Raum + Zeit” zwar keine Reise durch das Weltall, wartet aber mit ein paar der schönsten Aussichten auf, die von der Erde – damit beziehe ich auch den erdnahen Weltraum ein – und mit einigen der besten Teleskope möglich sind. Zwölf herrliche Ausblicke in die nächste Nähe und die tiefsten Tiefen unseres Universum begleiten mit diesem Kalender durch das kommende Jahr.

Im Juni wölbt sich der Ausstoß einer riesigen Sonneneruption über der glutheißen Sonnenoberfläche: ein Bogen aus leuchtendem Plasma, mit einer Höhe, die dem Abstand des Mondes von der Erde entspricht (Bildquelle: Solar Dynamics Observatory; SDO NASA). Formatfüllend kreiselt im Oktober die riesige Spirale einer Galaxie um ihr dotterfarbenes Zentrum, ihre mächtigen Arme sind durchsetzt von roten filamentartigen Strukturen und übersät mit den Lichtpunkten der hellsten Sterne (Bildquelle: Hubble-Weltraumteleskop; NASA, ESA, S.Beckwith/STScI, Hubble Heritage Team/STScI/AURA). Es gibt Bilder von farbenprächtigen Nebeln, Supernova-Überresten verschiedener Formen, Galaxien, die sich durchdringen und einem mit Galaxien übersäten Feld, das sich in einer Entfernung von 3.5 Milliarden Lichtjahren befindet. Man muss aber kein Astronom sein, um das alles zu erkennen. Unter jedem Bild ist ein Infokasten mit Erklärungen zum jeweiligen Thema, sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache.

Manche der Bilder sind rein optisch, sprich im sichtbaren Spektrum aufgenommen; andere setzen sich aus Aufnahmen verschiedener Spektralbereiche zusammen, die geeignet farbkodiert wurden. Das macht aber gerade den ganz besonderen Reiz dieser Art von Fotografie aus, denn – um den anfangs erwähnten Captain Kirk wieder ins Spiel zu bringen – kein Raumfahrer, auch wenn er mit Warp-Geschwindigkeit durch das All jagt, wird viele dieser Motive je mit unbewehrtem Auge in dieser Farbenpracht bestaunen können.

Druck und Bilder sind durchweg von sehr guter Qualität. Die Daten der dargestellten Motive und der Aufnahmegeräte, sowie die Namen der Künstler befinden sich auf der Rückseite des Kalenders. Außerdem gibt es dort, sozusagen als Schmankerl, zusätzlich zwölf Postkarten mit den Motiven des Kalenders. Für alle, die Spaß an der Schönheit außerirdischer Natur haben, ist dieser Kalender ein wunderschönes Geschenk.

Im Übrigen sind es nicht zuletzt solche Bilder, die für so manchen den Ausschlag geben, sich näher mit Naturwissenschaft im Allgemeinen oder der Astronomie im Besonderen zu beschäftigen.

Copyright © 2012 by Michael Bahner

Der Kalender ist überall im Buchhandel oder unter palazzi.de erhältlich.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Was findet sich auf der Rückseite des Kalenders? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!


GEWONNEN HAT: Nele Lotichius, Bernardo Grafe, Martina Meyer-Brecht. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND AUCH UNSEREM SPONSOREN! VIELEN DANK!

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RENO – Kapitel 4 – Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte von Michael Bahner

Erstellt von Michael Bahner am 30. Oktober 2012

Reno

Kapitel 4

Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte

von

Michael Bahner

Was bisher geschah …

Im Zentrum der Lichtung scharrten vier Büffelmännchen, trampelten bedrohlich, machten kurze Ausfälle und zogen sich rasch wieder zurück. Finten, um die Menschen abzuhalten. Sie kreisten um den Kadaver als führten sie ein geheimes Ritual aus. Immer wieder stießen sie mit ihren massigen Leibern gegen das tote Männchen in der Mitte und versuchten es wach zu rütteln, bis sie schließlich erkannten, dass es sich nicht mehr regte. Ein durchdringendes Röhren erscholl und drang bis in die Höhen, von wo aus die Libellenspäher die Lichtung auskundschafteten. Für einen Moment waren sie irritiert, schwirrten im Zickzack durcheinander wie Teilchen in einer Brown’schen Bewegung. Für einen Moment erlosch auch das Blitzgewitter, mit dem die Himmelsmenschen den Landeplatz belegten und auf diese tragisch hoffnungslose Weise versuchten, sich der Büffel zu erwehren. Keiner der Strahlen hatte eines der Tiere getroffen, geschweige denn niedergestreckt. Als die schaurigen Rufe verklungen waren, zogen sich die Kolosse polternd und schnaubend in den Busch zurück. Vier riesige im Infrarot pulsierende Körper wurden vom Dickicht verschluckt, und zurück blieb das verblassende Bild eines langsam erkaltenden Kadavers.

Kurz darauf erleuchtete wieder das grelle Netz der Strahlenwaffen. Aber als die Menschen bemerkten, dass sich auf der Lichtung keine Büffel mehr befanden, erstarb nach und nach das Kreuzfeuer, und sie krochen aus ihren Deckungen. Es gab einige unter ihnen, die auf der Lichtung lagen und deren Infraleuchten verging. Vielleicht waren sie in das ziellose Feuer ihrer eigenen Leute geraten. Wer konnte das wissen? Mit der Zeit gruppierten sie sich nahe der Flugmaschine. Einige der Soldaten sicherten das Schiff, während andere damit beschäftigt waren, die Verletzten zu bergen. Der Großteil war bereits im Schiff verschwunden.

Was sich jedoch im Innern abspielte, blieb den Libellen weitgehend verborgen. Durch die wenigen Fenster und Bullaugen ließ sich nicht erkennen, was vor sich ging.

Dennoch, vorerst hatten sie genug gesehen. Es war an der Zeit, sich zu ihrem Stützpunkt auf der Himmelsglanz zurück zu ziehen.

***

Zwei blasse goldene Kreise bildeten sich im Rund des Kristalls, wurden heller und fingen an, die Umrisse des fremden Fluggerätes zu formen.

Fasziniert beugte sich Mom Chao über den Späherstein. Das Medium saß im Lotossitz auf einer Matte und barg den Kristall zwischen seinen Beinen. Groß wie ein Servierteller ruhte er da, hob und senkte sich fast unmerklich im Rhythmus seiner Atmung. An manchen Stellen war der Kristall spiegelglatt, zeigte scharfe Bilder mit glitzernden Lichtern, an anderen wirkte er diffus und trübe. Von seinem Rand ging ein Flimmern aus, als wäre in seinem Inneren eine Kerze verborgen, die in einer leichten Brise flackerte. So erweckte er den Anschein, über dem Schoß des Mediums zu schweben. Lange knochige Hände strichen an den Seiten entlang. Immer wieder veränderte sich das Leuchten, und Muster tanzten im Lichtspiel.

Inzwischen waren mehrere Stunden vergangen. Im ersten Licht des heranbrechenden Morgens meldete einer der Beobachtungsposten die Sichtung des Himmelsschiffes. Weithin sichtbar erhob sich der glänzende Leib seines Rumpfes über den Bodennebel und die vom Tau schwere Vegetation. Das Gelände um den Landeplatz machte einen weit weniger verwüsteten Eindruck, als nach den nächtlichen Vorfällen zu vermuten gewesen wäre. Auch das Schiff zeigte keine offensichtlichen Schäden. Viele der Himmelsleute kauerten immer noch darunter. Weiter draußen auf der Lichtung bildeten einige der gepanzerten Soldaten in mehreren Reihen eine improvisierte Schutzzone. Dabei vermieden sie es tunlichst, dem stinkenden Kadaver zu nahe zu kommen.

Zwei ihrer Trupps waren währenddessen den riesigen Büffeln nachgeschlichen. Die Schneisen, die diese im Buschwerk hinterlassen hatten, machten es den Soldaten leicht, ihrer Spur zu folgen. In einer Senke fanden sie die Tiere, wo diese laut schlürfend Wasser aus einem Tümpel tranken und an der Böschung ästen. Immer wieder stieß eines von ihnen spitze, klägliche Rufe aus, dann versuchten es die anderen zwischen sich zu drängen und zu beruhigen.

Aber es waren nur vier Tiere! Die Stampede, die den Landeplatz überrannt hatte, hatte aus einer Horde von mindestens vierzig Exemplaren bestanden. Wo waren die anderen?

»Psychobüffel?« stieß Mom Chao erstaunt hervor.

»Ja, Kommandantin«, ergänzte der Spähmeister leise. »Eine Gruppe junger Stiere.«

Hrinkel schickte sich an zu erklären: »Bei Gefahr oder wenn sie in Panik geraten, rufen sie bei Tieren und Menschen in ihrer Umgebung Hallunzinationen hervor. Sie vervielfältigen sich, aus einem werden fünf oder zehn. Die Fremdweltler haben einen von ihnen erlegt, das muss sie furchtbar in Rage gebracht haben. Eine wildgewordene Gruppe halbwüchsiger Psychobüffel … haha, bei den Göttern, ich möchte nicht in ihrer Nähe gewesen sein. Die Fremdweltler müssen den Eindruck gehabt haben, einer ganzen Herde … «

»Danke für die Belehrung, Hauptmann«, unterbrach ihn Mom Chao, ohne aufzublicken. Hrinkel schwieg augenblicklich.

Contenance, meine hitzige Prinzessin, dachte sie dann. Das ist eines der Attribute, die ich noch lernen muss, um mich an anderer Stelle nicht zu unüberlegten Bemerkungen hinreißen zu lassen. Es würde mich nicht wundern, wenn der Kaiser auch hier seine Spione hätte. Nur allzu oft habe auch ich schon davon profitiert. Vielleicht der …

»Beben«, schrie der Spähmeister mit sich überschlagender Stimme und riss beschwörend die Arme in die Höhe. »Überall Beben! Die Zeichen der Arachniden!«

Die Büffel am Wasserloch erstarrten, standen da mit tropfenden Mäulern, die Ohren kerzengerade in die Höhe gereckt, während ihre Körper von den Erschütterungen des Untergrunds erzitterten. Im nächsten Moment trampelten sie durcheinander, wurden zehn, eine Herde und noch mehr. Panisch stampften sie die Vegetation nieder, stoben durch den Tümpel und den Matsch, schwangen hektisch ihre schweren Häupter. Schließlich preschten sie wild brüllend die Böschung hinauf, hinter dem größten Bullen und dessen Abbildern her, und verschwanden hinter der Kuppe.

Wie gebannt beobachteten die Gepanzerten das Schauspiel, aber jetzt trieb sie die Angst zurück zur Lichtung, wo sie mit ansehen mussten, wie der Boden unter ihrem Schiff plötzlich weg sackte. Die Stützen, die den Rumpf trugen, knickten ein, brachen, sein ganzes Gefüge ächzte, als das schwere Raumschiff auf die Erde schlug und, Heck voraus, wie auf einer Rampe unter ohrenbetäubendem Kreischen im Untergrund versank. Doch auf halbem Weg verkeilte es sich und saß fest. Die Leute, die darunter Schutz gesucht hatten, waren auseinander gesprengt, weg von dem Loch. Blindlings stolperten sie über die Lichtung und ins Dickicht. Hinter dem Raumschiff, jenseits der Lichtung, brachen weitere Gruben auf, und einige der Himmelsmenschen stolperten hinein. Aber nicht viele, denn gleich darauf fuhren unter Furcht erregendem Geklacker und Schlagen dunkle Schatten aus den Erdlöchern. Ganze Schwärme quollen aus der Tiefe, flankiert von Klumpen glühender Geschosse, die ihre Kurven über den Himmel zogen und ihre Ziele in der Nähe der Lichtung fanden. Wie viele der Geschöpfe aus der Erde strömten, konnte man im Dunst des Morgens nicht erkennen, nicht einmal der Infrarotblick der Libellen. Aber dem Lärm nach zu urteilen, war es ein ganzes Arachnidenheer.

»Ein Heer?« stieß Mom Chao zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Der Spähmeister nickte stumm.

»Ein Heer!« Sie ballte die Fäuste und fixierte den leuchtenden Späherstein. »Wir haben nicht genug Soldaten und auch nicht die nötige Ausrüstung, um es mit einem ganzen Heer aufnehmen zu können.«

Abgesehen von den Verlusten von Mensch und Tier, die verschmerzbar wären, würde ich mein Ziel nicht erreichen. Ich brauche Gefangene unter den Himmelsmenschen, und ich brauche das Fluggerät oder wenigstens einen Teil davon.

»Mitkommen«, befahl sie, während sie aus dem Raum stürmte. Die Schutzmaske hatte sie bereits übergestülpt, als sie dem Hauptmann ihre Anweisungen diktierte. Die Leibwache folgte ihnen zu den Flugschächten hinab.

»Ihr wollt mit drei Schwärmen angreifen?« Hrinkel sah sie fassungslos an. »Den Arachniden in die Flanken fallen? Sie werden sie mit ihren Geschossen in kürzester Zeit vom Himmel geholt haben.«

Mom Chao blieb so abrupt stehen, dass Hrinkel sie beinahe überrannte. »Stellen Sie meine Befehle infrage, Hauptmann, oder liegt es an meiner undeutlichen Aussprache?«

Hrinkel blinzelte nervös zu den Leibwachen und raunte: »Haltet mich nicht für anmaßend oder respektlos, Hoheit. Ich bin Ihr Berater, auch in strategischen Fragen. Und dieser Zug wäre, mit Verlaub, Verschwendung unserer Kräfte.« Er wich unwillkürlich vor ihrer eisigen Miene zurück. »Oder hattet Ihr vor, zum Schein zwei Fronten an den Flanken zu errichten, um die Kräfte der Arachniden zu binden?«

»Weiter, Hauptmann, weiter.«

»Wenn ja, müssten wir Schneisen schlagen mit Bomben, Granaten und Petroleum, Feuer legen, damit die Arachniden gestoppt werden. Die Zeit, die wir dafür benötigten, wäre länger, als wir zur Verfügung haben. Allerdings glaube ich nicht …«

»Lassen Sie Ihren Glauben aus dem Spiel«, unterbrach sie ihn barsch. »Die Arachniden müssen nur für kurze Zeit abgelenkt werden. Außerdem werden so unsere Luftstreitkräfte und die Bodentruppen beschäftigt.« Hier senkte sie die Stimme. »Natürlich mit Ausnahme von vier Libellen. Mann, vor allem die Treuen des Kaisers sollen sich mit dem Gemetzel befassen … und sich meinetwegen aufreiben.« Mom Chao hatte gute Lust, den Hauptmann zu packen und zu schütteln. Warum war er nur so begriffsstutzig?

»Die Verluste sind zweitrangig«, zischte sie ihm zu. »Möglicherweise ist auch das Fluggerät verloren, aber es gibt auf der Lichtung genug lebende Himmelsmenschen, die wir noch vor den Arachniden erreichen können. Nur müssen wir uns beeilen.«

»Und unsere Libellentrupps verschaffen uns die nötige Zeit zum Handeln …«

Dem Himmel sei Dank, er hat es verstanden, dachte Mom Chao.

»Ihre Taktik könnte Erfolg versprechen, Kommandantin, allerdings …«

Pass genau auf, was du sagst, Hauptmann. »Allerdings, was«, fragte sie langsam, ihren finsteren Blick auf ihn geheftet.

»… allerdings ist das nicht die Taktik, die der Kaiser für gut heißen würde, angesichts der Übermacht des Feindes.« Trotz der Kälte glänzten Schweißperlen unter seinem Haaransatz.

»Der Kaiser«, lachte Mom Chao laut auf. »Der Kaiser hätte eigenhändig die Gasblasen seines Luftschiffes zerfetzt und die Himmelsglanz auf die ganze Spinnenbrut geschleudert, nur um sie daran zu hindern, das Schiff der Fremdweltler zu erreichen.«

Sicher nicht, Prinzessin, dachte der Hauptmann. Ich bin vielleicht nicht halb so schlau wie Ihr, aber unterschätzt den Kaiser nicht.

Trotz zischender Ventile und puffender Rohre, trotz des Klackerns der unruhigen Libellen in den Abflugschächten, wandten sich der Stallmeister und ein paar seiner Knechte um. Als sie jedoch bemerkten, wer da gelacht hatte, duckten sie sich eilig wieder über ihre Arbeit.

Ein wenig gefasster fuhr Mom Chao fort: »Den Kaiser lass meine Sorge sein.« Sie atmete tief ein. »Kann ich mich darauf verlassen, dass meine Befehle ausgeführt werden?«

»Das steht außer Frage, Herrin«, erwiderte Hrinkel unterwürfig.

Natürlich, mein großer Dummkopf.

»Und du wirst mich begleiten.«

»Ich … natürlich … aber wollt Ihr wirklich selbst …«, begann Hrinkel und riss die Augen auf. Dann verbeugte er sich schnell, eilte durch die Stallungen und bellte Befehle.

***

In was war er da nur rein geraten? Um ihn herum blitzte und donnerte es, und sein Kopf brummte und dröhnte, als hätte sich ein Bienenschwarm eingenistet.

Dann erinnerte er sich wieder an die Party und Tschangs selbstgefällige Präsentation seiner Jagdtrophäe, an den Überfall dieser grässlichen stinkenden Viecher, an die Hektik, während der er an Lenas Seite … Lena!

Reno versuchte aufzustehen, knickte aber wieder ein. Die ganze Welt dröhnte und lärmte, und der Boden wankte und drehte sich. Doch schließlich ließ das Kreisen nach, und es gelang ihm, sich auf den Beinen zu halten. Aus dem Getümmel hinter der Kyrie Hyperion stiegen Säulen dichten Qualms in die Höhe, dazwischen loderten helle Flammen. Inmitten der gleißenden Blitze des Laserfeuers tauchten große gewölbte Schemen aus den Schwaden hervor und verschwanden wieder. Gedämpftes Poltern und Hacken war zu hören wie eiserne Schwerter, die auf hartes Holz trafen. Bellende Rufe, Schreie und dann dieses fremdartige Klackern, das er schon bei ihrer Wanderung durch den Busch vernommen hatte.

Keine zwanzig Meter entfernt entdeckte er Despina, die mit Mühe ein Bündel vom Boden aufnahm und sich über die Schulter legte. Aber das war kein Bündel, das war …

»Lena«, entfuhr es Reno.

Obwohl der Kampflärm hinter dem Raumschiff jedes Geräusch übertönte, schien Despina ihn bemerkt zu haben. Sie machte eine Bewegung, die ein Winken hätte sein können, aber unter ihrer ungewohnten Last eher so wirkte, als wollte sie ihn vertreiben.

In wenigen Sätzen hätte er bei ihnen sein, sie beide, alle drei aus der Gefahrenzone bringen können, einfach weg, wenn nicht plötzlich – wie aus dem Nichts – ein mächtiger Fels aus dem Boden empor geschossen wäre, übermannshoch und schwarz wie die Nacht. Mit Schwung knallte Reno gegen eine Oberfläche, die hart und glatt war wie ein polierter Schiffsrumpf und doch soweit nachgab, dass er sich nicht den Schädel einschlug. Der Berg zitterte und bebte, ruckte und zuckte hin und her, dann setzte ein metallisches Schnarren ein, dasselbe seltsame Geräusch, das er hinter dem Raumschiff gehört hatte – nur hundertmal lauter.

Als das fremdartige Wesen seine stelzenartigen gebogenen Gliedmaßen aus der Grube lupfte, erhielt er einen harten Schlag gegen die Rippen, der ihn hoch hob und mehrere Meter weit über die Lichtung schleuderte. Ein Gebüsch dämpfte seinen Aufprall, dennoch blieb er schwer atmend vorerst dort liegen. Wie das Wesen so geduckt vor ihm hockte, sah es aus wie eine überdimensionale Spinne mit viel zu kleinen Beinen. Reno hielt die Luft an. Es war nicht zu entscheiden, ob es ihn bemerkt hatte oder wo sich sein Kopf befand, wenn es überhaupt einen besaß.

Von einer Seite zischten Laserblitze über den vibrierenden Panzer des Spinnenwesens und hinterließen an mehreren Stellen kokelnde Kerben. Unter dem Beschuss wich sie ein paar Meter zurück und duckte sich wie zum Sprung. Allerdings sprang sie nicht, sie hockte nur regungslos da und erweckte fast den Anschein, als schliefe sie. Da durchschnitt ein Knall die Luft, scharf wie von einer Peitsche. Der Umriss des Soldaten schwankte, stürzte, doch bevor er den Boden erreichte, fiel er auseinander, nein, ein Teil wurde regelrecht heraus gerissen. Unweit von Reno klatschte es in eine Pfütze. Der Gewehrarm mit sauber kauterisierter Schnittfläche, die warmen Finger noch um den Griff der Waffe gekrampft. Etwas, das aussah wie ein dünner Tentakel schwirrte durch die Luft und zurück in den Spinnenpanzer.

Reno hatte genug gesehen, um zu erkennen, dass er sich am besten ruhig verhielt.

So rasch, wie er es nie für möglich gehalten hätte, rannte die Spinne von ihm weg, verharrte einen Augenblick und heftete sich einen grauen länglichen Kokon auf den Rücken. Ihm blieb fast das Herz stehen, als sie mit einem Sprung ein paar Meter von ihm entfernt wieder erschien. Aber gleich darauf rüttelte sie sich in ihre Höhle zurück, aus der sie vor wenigen Momenten hervor geschlüpft war, umhüllt von dichten Wolken aus Staub und Dreck.

Der Kokon war das letzte, was Reno von dem Wesen sah, ein Kokon mit lebenden Inhalt und angsterfüllten Augen, die ihn daraus anstarrten. Schimmerndes Grün, Lenas Augen, flehend, und ein Mund, der stumme Worte formte.

Etwas von ihm versank mit in der unergründlichen Tiefe, etwas, das eine traurige schmerzende Leere hinterließ.

Der Staub hatte sich längst gelegt, als Reno endlich wieder zur Besinnung kam. Er konnte sie doch nicht einfach diesen Monstern überlassen, so leicht sollten sie es nicht haben. Auch, wenn er vielleicht nichts ausrichten konnte, musste er versuchen, sie zu befreien. Es kostete ihn einige Kraft, das Sturmgewehr aus dem Klammergriff des abgetrennten Armes zu befreien. Aber er schenkte dem ebenso wenig Beachtung, wie der Tatsache, dass er mit dieser Waffe gegen die Spinnenwesen offensichtlich nichts ausrichten konnte.

Kaum, dass er an den Rand der Grube getreten war, und den Hohlraum darunter mit dem Visier und den Zielsuchsensoren abgetastet hatte, erkannte er die Unsinnigkeit seines Vorhabens. Nichts als Geröll und dunkle Nischen und Gänge. Es war nicht die geringste Spur zu erkennen, und er hatte keine Ahnung, womit er es zu tun bekommen würde. Vor lauter Hilflosigkeit und Wut brüllte er in die Grotte hinab und feuerte mehrere Salven in die Dunkelheit.

Aber was sollte er sonst machen, als hinab zu steigen? Zur Station zurückkehren, falls er jemals von hier weg kommen sollte, und eine Vermisstenmeldung schreiben? Unmöglich. So würde er nie wieder in den Spiegel schauen können, und vor allem konnte er ihr, Yamura, nie mehr unter die Augen treten.

Da hörte er hinter sich ein Brausen. Einige mächtige Flugtiere senkten sich bockend und geifernd auf die Lichtung, Libellen, aber viel größer als die, die ihren Sphärenhopper angegriffen hatten. Bewaffnete Eingeborene in Lederwams und Metallharnisch sprangen flink von den Rücken der Insekten und verteilten sich. Und ehe Reno reagieren konnte, stand ein gewaltiger Krieger vor ihm und holte zum Schlag aus.

***

»Halt!« Mom Chao war in voller Rüstung von ihrer Libelle gesprungen, noch ehe diese den Boden berührt hatte. Unerschrocken trat sie vor ihren Hauptmann und betrachtete den Fremdweltler, der unschlüssig und sichtlich verwirrt neben dem Eingang des Arachnidenstollens stand.

»Wir sind Freunde, sieh her.« Mit diesen Worten hob sie beide Arme mit den geöffneten Handflächen nach vorne, zum Zeichen, dass sie unbewaffnet war. »Du hast einen Gefährten an die Arachniden verloren?« Sie lüftete die Pilotenhaube. Schwarze verschwitzte Strähnen fielen ihr über die Schultern, während sie seine verstörte Miene zu deuten versuchte. »Oder … eine Gefährtin?«

Ein Mann nach meinem Geschmack. Er kann mir mehr sein, als ein Verbündeter im Himmel, und wir können mehr vereinen, als unsere Kräfte und unser Wissen. Bedauerlicherweise muss ich ihn vorerst meinem groben Hauptmann überlassen. Er soll sich nur nicht unterstehen, ihm ein Haar zu krümmen.

Der beruhigende Klang ihrer Stimme, ihre beschwichtigenden Worte, die der Himmelsmensch nicht verstand, und ihre auffordernden Gesten genügten dennoch, ihn zu den Libellen zu führen – und zu den Sarkophagen. An seine Waffe klammerte er sich jedoch wie an einen Talisman.

Sein Liebchen wird als Mahlzeit enden, soviel ist sicher. Aber besser, er erfährt es nicht. Die Hoffnung wird ihn stärken. Ihn und mich.

Fortsetzung folgt …

Copyright © 2012 by Michael Bahner

Leseempfehlung des Autors:

Bhuiya, Josefine; Gerstenmayer, Klaus; Heinzinger, Anton
Der Nabel der Zeit
Science-Fiction-Erzählungen und Visionen

Verlag : Engelsdorfer Verlag
ISBN : 978-3-86268-984-2
Einband : Paperback
Seiten/Umfang : 296 S. – 21,0 x 15,0 cm
Produktform : B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum : 1. Aufl. 20.09.2012

Titel erhältlich bei Amazon.de

Eine einsame tote Raumstation verbirgt ein ungeklärtes Geheimnis. Werden die Astronauten die geschehenen Vorgänge lüften? Lassen Sie sich nicht von den gefährlichen Glitschenbäumen fangen! Lesen Sie wie der rote Hengst bezwungen wird von wabernden Halluzinationen! Der Band versammelt in der Mehrzahl Science-Fiction-Erzählungen, aber auch einige Reisen in Fantasiewelten sind zu finden. Ausflüge in frühere Zeitepochen finden statt. Dabei gelingt die Rückkehr nicht ohne Komplikationen. Der Band enthält viele spannend geschriebene Erzählungen.

Titel erhältlich bei Amazon.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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GARTENLANDIA IST ÜBERALL – von Michael Bahner

Erstellt von Michael Bahner am 5. August 2012

Gartenlandia ist überall

von Michael Bahner

ganz links ist Nacht, deshalb dunkel ;-)

Ist der Garten zu klein, der Urlaub zu teuer oder (wie bei mir) schon vorbei? Dann holt euch die fremden Lande einfach in den Garten. Wer keine Kühe, Pferde oder Schafe mag kann es ja mit Delfinen, Korallen, mit bunten Fischen, einer Krake oder Haien probieren – Taucherbrille und Schnorchel nicht vergessen ;-) . Mit Kindern macht die Sache nochmal soviel Spaß (die Putzaktionen danach sind längst verdrängt).

Vorher noch ein paar Fingerübungen ;-) :

Copyright (c) 2011 by Michael Bahner

Copyright (c) 2011 by Michael Bahner

An die Pinsel – fertig – LOS!

Lasst euch von den unten aufgeführten Büchern inspirieren und viel Spaß beim kreativen Urlaub in eurem neuen Domizil.

Euer Mit-Community-Autor Micha

Gecko Keck
Erfolgreich zeichnen: Blumen, Landschaften, Porträts, Tiere (TOPP 6054)

Frechverlag GmbH
ISBN: 978-3772460548
Malen & Zeichnen
Erschienen: 1. Auflage 2012
Umfang: 216 Seiten, 21 x 28 cm, Hardcover mit Halbleinen-Einband

www.topp-kreativ.de
www.geckokeck.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Der Autor

„Der Autor Gerhard Wörner, geboren 1967 in Stuttgart, ist unter seinem Künstlernamen GECKO längst aus der kreativen Szene Deutschlands nicht mehr wegzudenken. Schon 1989 gründete er eine Agentur für Karikatur und Illustration und lernte dann als Grafiker den Alltag in der Produktion kennen. Seit 1993 ist er wieder selbstständig und hat mehr als 5.000 Entwurfszeichnungen und über 300 Modelle für die heiß begehrten Überraschungseier gefertigt sowie an allen großen Lizenzen wie „Herr der Ringe“, „Asterix“, „Tabaluga“, „Sendung mit der Maus“, „Peanuts“, „Incredibles“, „Harry Potter“, „Sponge Bob“, „Bob der Baumeister“ und „Winnie Pooh“ mitgearbeitet. 1998 eröffnete er eine eigene Kunstgalerie in Stuttgart (Malerei, Grafik, Skulpturen) und veröffentlichte sein erstes Buch „Comic-Zeichnen für Einsteiger“ im frechverlag. Seit 2004 arbeitet er im eigenen Kieselsteiner Verlag und gibt Kurse zum Thema Malen und Zeichnen u.a. auf der Insel Elba.“
(Quelle: Frechverlag)

Vorbemerkung

Das vorliegende Buch ist eine Zusammenstellung folgender Titel von Gecko Keck:

Tiere – TOPP 6237, ISBN 9783772462375
Landschaften – TOPP 6236, ISBN 9783772462368
Porträts – TOPP 6231, ISBN: 9783772462313 (nicht mehr im Verlagssortiment)
Blumen – TOPP 6232, ISBN 9783772462320
Pferde – TOPP 6239, ISBN 9783772462399
Akt – TOPP 6234, ISBN 9783772462344 (nicht mehr im Verlagssortiment)

Diese Titel sind in der Reihe “Werkstatt Zeichnen” ebenfalls im Frechverlag erschienen. Daraus sind im vorliegenden Buch die Einführungen in die jeweiligen Themen enthalten, sowie etwa ein Drittel der Motive, die dem Leser als Vorlagen dienen.

Zum Buch

„Erfolgreich zeichnen – Blumen, Landschaft, Porträts, Akt, Tiere“ bietet einen Zeichenkurs für Anfänger oder Wiedereinsteiger, die ihre verschüttgegangenen oder schlummernden Fähigkeiten reaktivieren oder aufspüren wollen. Wie üblich wird mit einer allgemeinen Einführung in die Materie des Zeichnens begonnen: verschiedene Materialen werden ebenso vorgestellt, wie auch verschiedene Zeichenwerkzeuge und deren Handhabung. Die ersten Übungen in diesem Teil machen den Leser mit Schraffuren, Darstellung verschiedener Oberflächenstrukturen, Farbe, der Wirkung von Zeichnungen auf farbigem oder schwarzem Zeichengrund, Licht und Schatten und Perspektive vertraut. Dies alles ist auf zwanzig Seiten recht kompakt, aber dennoch übersichtlich und im Allgemeinen ausführlich genug dargestellt, zumal keine malerischen Aspekte, wie beispielsweise die Verwendung von flächenhaft aufgetragener Farbe, behandelt werden müssen. Es folgen einige Tipps, wie das Sehen geschult werden kann, sich schnelle Skizzen erstellen lassen und Motive beispielsweise vom Foto auf einen Zeichengrund übertragen werden können. Zum Abschluss dieser Einführung wird noch die Verwendung der Motivvorlagen des Hauptteils beschrieben.

Der Hauptteil gliedert sich in fünf Kapitel, die jeweils eines der Themen – Blumen, Landschaft, Porträts, Akt oder Tiere – abdecken. Bevor es hier richtig zur Sache geht, werden in jedem Kapitel die besonderen Merkmale des Themenbereichs erläutert, auf Schwierigkeiten hingewiesen und Impulse gegeben, wie sich die Zeichnungen nach eigenen Vorstellungen variieren lassen. Schließlich kommen die Motive an die Reihe, an denen sich der Leser selbst üben kann. Auf jeweils zwei Doppelseiten wird die Erstellung jeder Zeichnung Schritt für Schritt erklärt mit kleinen Tipps und Detailbetrachtungen. Jedem Motiv ist ein Schwierigkeitsgrad zugeordnet, dazu die Angabe der ungefähren Dauer zur Erstellung der Zeichnung und eine Liste der benötigten Werkzeuge und Materialien. Allerdings ist gerade die Dauer eine sehr individuelle Größe und hängt ganz entscheidend von der persönlichen Arbeitsweise und von der Erfahrung ab. Man sollte sie daher nicht als absolutes Maß sehen, sondern eher als Orientierung. Wenn man einmal seinen „individuellen Zeitfaktor” bestimmt hat, kann man in etwa einschätzen, wie lange ein Motiv tatsächlich in Anspruch nimmt.

Fazit

Der Einband ist stabil und die Seiten klappen, wenn das Buch aufgeschlagen ist, nicht zurück. Das ist wichtig, wenn man die Motive als Vorlage verwenden möchte. In angenehm lockerem Stil, mit fundiertem Wissen und sicherem Blick für das Wesentliche führt der Autor durch den Kurs; die Zeichungen sind gekonnt und spornen an, sofort mit dem Zeichnen zu beginnen. Und die Vorlagen mit den Schritt-für-Schritt-Anleitungen bieten alles, was für die ersten Erfolgserlebnisse nötig ist. Wenn also Wert darauf gelegt wird, dass der Zeichenkurs mehrere Motivthemen abdeckt, sollte man dieses Buch unbedingt in die engere Wahl ziehen.

Zwei Kleinigkeiten seien noch angemerkt, die der Verlag beziehungsweise der Autor für die nächste Auflage beherzigen könnten: Vorlagen in Form von Fotos bei den Motiven wären hübsch. Wenn der Autor beispielswiese schreibt, man solle die Umrisse skizzieren, dann ist das im Grunde nur mit der originalen Vorlage, in diesem Fall mit einem Foto möglich. Nicht essenziell, aber eine gute Abrundung wäre noch die Angabe der Größe des vom Künstler erstellten Werks. Bei jedem Motiv werden Details verschiedener Zeichenphase vergrößert und kommentiert. Möchte man diese Tipps entsprechend umsetzen, tut man sich auf einem DIN A4-Blatt schwer, dieselbe Detailtreue zu erzielen, wenn der Künstler auf DIN A3 oder größer gearbeitet hat.

Copyright © 2012 by Michael Bahner

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Rosa M. Curto
Mein erster Mal- und Zeichenkurs: Dschungelabenteuer

Originaltitel: Learn To Draw The Jungle (2009)
Edition Michael Fischer
ISBN: 978-3-939817-87-1
Sachbuch, Malen & Zeichnen, Kinder & Jugend
Erschienen: 1. Auflage 2011
Umfang: ca. 96 S., durchg. vierfarb. – 28,0 x 23,0 cm; B: Einband – fest (Hardcover)

www.edition-m-fischer.de/

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Titel erhältlich bei Libri.de

Vorbemerkung

Aus der Reihe “Mein erster Mal- und Zeichenkurs” gibt es in der Edition Michael Fischer zwei Bände: der erste Band heißt “Mein erster Mal- und Zeichenkurs” ohne Zusatztitel. Der zweite Band, der hier rezensiert wird, trägt neben den Zusatztitel “Dschungelabenteuer”.

(Link Rezension: Mein erster Mal- und Zeichenkurs)

Das Buch

Wie schon im ersten Band zeigt die Autorin auch hier auf vielen bunten Seiten, wie aus einfachen Formen schrittweise lustige Gegenstände und Pflanzen und herrliche Figuren entstehen.

Dieser Band – “Dschungelabenteuer” – enthält allerlei typische Dschungel-Motive wie Palmen, Affen und Tiger, aber auch alles, was man im weitesten Sinne mit Urwald in Verbindung bringen kann: wilde Tiere aus Afrika und Südamerika, Eingeborene, Forscher und deren Fortbewegungsmittel.

Die Autorin entwickelt auch hier alle Zeichnungen in mehreren Schritten von der ersten einfachen Skizze bis zur fertig kolorierten Zeichnung. Dabei ist keine Anleitung länger als eine Doppelseite. Lästiges Vor- und Zurückblättern erübrigt sich also, was bei der Bearbeitung einer Vorlage nicht nur für Kinder sehr angenehm ist. Im Laufe des Buches werden die Motive immer komplexer und auch schwieriger, wobei der Schwierigkeitsgrad insgesamt moderat bleibt. Am Ende des Buches gibt die Autorin noch eine Einführung, wie man Perspektive in seine Zeichnungen bringen kann.

Die Texte sind kindgerecht, nicht zu tiefgreifend, die Illustrationen machen Spaß und das Ausprobieren und Nachahmen sowieso. Kinder im Grundschulalter werden mit diesem Buch sicherlich gefordert, aber nicht überfordert. Es ist eines jener Bücher, die bestimmt nicht im Regal verstauben. Ob man sich diesen zweiten Band anschaffen möchte, wenn man den ersten schon besitzt, mag jeder selbst entscheiden. Ich finde, als Fundus für Motive lohnen sich beide.

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Rosa Maria Curto
Mein erster Mal- und Zeichenkurs

Originaltitel: Let’s Draw Together (2007)
Edition Michael Fischer
ISBN: 978-3-939817-86-4
Sachbuch, Malen & Zeichnen, Kinder & Jugend
Erschienen: 1. Auflage 2011
Übersetzerin: Hanne Henninger
Umfang: ca. 96 S., durchg. vierfarb. – 28,0 x 23,0 cm; B: Einband – fest (Hardcover)

www.edition-m-fischer.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Vorbemerkung

Aus der Reihe “Mein erster Mal- und Zeichenkurs” gibt es in der Edition Michael Fischer zwei Bände: der erste Band, der hier rezensiert wird, heißt “Mein erster Mal- und Zeichenkurs” ohne Zusatztitel. Der zweite Band trägt den Zusatztitel “Dschungelabenteuer”.

(Link Rezension: Mein erster Mal- und Zeichenkurs: Dschungelabenteuer)

Das Buch

Ein paar einfache Formen, Füße anfügen, Hände oder Flügel, dann noch die Farbe – je nach Geschmack – und schon sind sie fertig: die Tiere, Menschen oder Pflanzen.

“Mein erster Mal- und Zeichenkurs” beginnt mit den einfachsten Objekten, verschiedenen Blättern, Bäumen und Pilzen, die in wenigen Zeichenschritten erstellt werden können. Jeder Schritt ist dabei in einer eigenen kleinen Skizze dargestellt. Vor allem für Kinder ist diese Vorgehensweise gut nachvollziehbar. Bei etwas fortgeschritteneren Motiven wie Vogel, Wolf und Hirsch wird es dann schon schwieriger, was auch daran zu erkennen ist, dass sich die Zahl der Schritte bis zur fertigen Zeichnung erhöht. Eine kleine Herausforderung sind schließlich die Anleitungen für die Märchenwesen mit noch mehr Schritten und noch mehr Details. Wirklich kompliziert oder unverständlich sind die Anleitungen jedoch nie. Alle Darstellungen sind kindgerecht gehalten, manchmal beinahe comichaft.

Daneben zeigt die Autorin noch, wie man durch Veränderung von Gesichtsmerkmalen Stimmungen ausdrücken und verändern kann, und sie macht mit Hilfe eines Strichmännchens Bewegung und Stellung von Körper und Gliedmaßen deutlich.

Am Ende des Buches findet sich außerdem ein kleiner Exkurs in die Farbenlehre: der Farbkreis wird vorgestellt; ebenso wird erklärt, welche Farben warm und welche kalt sind.

Fazit

Für Kinder im Grundschulalter bietet das Buch eine Menge Material zum schrittweisen Erstellen der unterschiedlichsten Objekte aus Flora und Fauna. Alle Zeichnungen und Texte sind kindgerecht gestaltet, in der Auswahl der Motive fehlen weder Hexen noch Zauberer oder Feen. Ich finde das Buch toll für Kinder zum Stöbern und Ausprobieren, und empfehlenswert für Eltern, die mehr wollen, als ihren Kindern nur den obligatorischen “Hasen von hinten” zu präsentieren – der im Übrigen auch enthalten ist.

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Fiona Watt
365 Ideen zum Malen und Zeichnen
TOPP 5734

Originaltitel: 365 things to draw and paint (Usborne Publishing Ltd., 2009)
Verlag: frechverlag GmbH
ISBN: 978-3772457340
Malen & Zeichnen, Kinder & Jugend
Erschienen: 2011
Hardcover, 128 Seiten, 25 x 27,7 cm, mit verdeckter Spiralbindung

www.topp-kreativ.de/

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“Du möchtest gerne etwas zeichnen oder malen und weißt nicht was? Dann ist dieses Buch genau das richtige für dich! 365 tolle Ideen für jeden Tag im Jahr.”
(Covertext)

Bunt geht es jedenfalls zu in Fiona Watts Buch “365 Ideen zum Malen und Zeichnen”, und es bietet ein Sammelsurium an kreativen Vorschlägen, Vorlagen und Anleitungen unter Verwendung der verschiedensten Materialien und Techniken.

Gegliedert ist das Buch in 60 doppelseitige farbige Themenseiten, auf die die erwähnten 365 Ideen oder Tipps verteilt sind. Man findet skurrile Hunde in allen Größen und Formen; mit Hilfe von Pappschablonen und Radiergummis werden Haie und andere Fische gepinselt; einmal sind es mit Pastellkreide gemalte Katzen, die einen Hinterhof bevölkern, ein  anderes mal Telefonleitungen, auf denen Scharen von Vögeln aus Stoffresten hocken. Der Ideenreichtum der Autorin ist wirklich sehr groß und verleitet nicht nur Kinder dazu, das Buch immer wieder durch zu blättern.

Alle Zeichnungen sind kindgerecht einfach und witzig. Manche, wie beispielsweise die Flamingos aus Seifenfarbe, könnte man ohne Weiteres als Illustrationen eines Kinderbuches hernehmen. Dennoch sind auch sie, folgt man der Anleitung und den Tipps, im Grunde genommen einfach herzustellen. Jede Themenseite hat ihre eigene Farbgebung und ihren eigenen Stil. Manche wirken wie Kritzeleien in einem Schulheft, wie beispielsweise die Blumenkinder mit ihren runden Köpfchen, die auf verzierten Filzstiftblüten balancieren – und Röckchen und Kopfschmuck aus echten Blüten tragen. Fiona Watt macht auch vor der Küche nicht halt und erschafft aus aufgeschnittenen Gemüsen skurrile gedruckte Monster.

Das Buch ist mit einem stabilen Einband und einer Ringbindung ausgestattet, sodass es bequem als Vorlage auf den Tisch gelegt werden kann, und die robusten Seiten halten auch dem herzhaften Griff von Kinderhänden stand. Für Kinder oder Eltern mit Kindern, hält das Buch so viele Ideen bereit, dass beim Zeichnen, Malen oder Basteln so schnell keine Langeweile mehr aufkommt.

Copyright © 2011 by Michael Bahner

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Die Kunst des Zeichnens: Menschen
Die große Zeichenschule: praxisnah & gut erklärt

frechverlag GmbH
ISBN 978-3-77246-072-2
Malen & Zeichnen, Comic & Manga
3. Auflage 2011
Konzept, Übersetzung, Lektorat: Verena Zemme, punktum. Text- & PR-Agentur, Miesbach
Gebunden, 22.9 x 30.5 cm, 240 Seiten

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Vorbemerkung

Das vorliegende Buch ist wie der Band “Die Kunst des Zeichnens: Tiere” dieser Reihe eine Zusammenstellung verschiedener Titel der Zeichenbücher von Walter Foster.

Zum Buch

Nach einer kurzen Einführung in die Grundbegriffe des Zeichnens im Allgemeinen werden die Proportionen des Kopfes, sowie die Stellung und Abstände der Gesichtsmerkmale herausgearbeitet. Hier kommt die bekannte Aufteilung des Kopfes in dreieinhalb übereinander liegende Abschnitte zur Anwendung. Verwirrenderweise werden aber noch Hilfslinien verwendet, die den Kopf vertikal halbieren beziehungsweise vierteln. Für den Einsteiger ist das äußerst irritierend, und so wird er eine Weile benötigen, um die verschiedenen Aufteilungen auseinander zu halten.

Zusammen mit dem ersten Skizzieren von Mund, Nase und Augen werden die Grundlagen geschaffen für die “Wege zum perfekten Porträt”. Kopfform und Gesichtsdetails werden hier noch genauer vorgestellt und in zahlreichen Abbildungen illustriert. Die in jedem Kapitel eingestreuten Übungen zu den verschiedenen Themen sind in an dieser Stelle besonders hilfreich. Schließlich werden in den bewährten Schritt-für-Schritt-Anleitungen diverse Beispiele der Erstellung von Porträts vorgeführt.

Ein eigenes Kapitel ist dem Kinderporträt gewidmet und das aus gutem Grund. Es zeigt sich, dass es deutliche Unterschiede in den für ein Porträt relevanten Details zwischen Erwachsenen und Kindern unterschiedlicher Altersstufen gibt. Nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass Kinder Emotionen ganz anders zeigen als Erwachsene, was ein Porträt ebenfalls vermitteln sollte.

“Dem Menschen auf der Spur” ist man im nächsten Kapitel, das zeigt, wie der menschliche Körper als Ganzes dargestellt wird. Ein mehrseitiger Ausflug in die Anatomie hilft dem Verständnis auf die Sprünge, wie diverse Stellungen von Gliedmaßen zustande kommen oder Wölbungen und Kuhlen von Muskeln, Knochen und Sehnen gebildet werden. So schärft man den Blick für Details, die teilweise unauffällig sind, also leicht übersehen werden, durch ihr Fehlen jedoch das Gefühl eines “komischen Körpers” vermitteln würden. Schließlich werden mit einfachen Formen Menschen in Bewegung in Szene gesetzt. Viele Beispiele mit Detailansichten helfen auch hier den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Einige Anleitungen von der ersten Skizze bis zur fertigen Zeichnung schließen das Kapitel ab.

Beim “Aktzeichnen für Einsteiger” werden verschiedene Techniken besprochen, wie ein unbekleideter Körper in verschiedenen Posen dargestellt werden kann. (Da es mitunter schwierig ist, hierfür geeignete oder überhaupt Modelle zu finden, bietet es sich beim diesem Thema an, einen Kurs zu besuchen. Die Modelle sind routiniert und die Kosten für die Sitzungen in der Regel in der Kursgebühr enthalten.)

Im Kapitel “Meisterklasse Porträtieren” wird das Erlernte aus den vorherigen Kapiteln aufgegriffen, werden Techniken wiederholt und verfeinert, damit den eigenen Porträts der letzte Schliff verpasst werden kann.

Den Abschluss des Buches bildet ein Kapitel über “Comics und Cartoons”, und ein zweites verspricht, Einsteigern das Zeichnen von Mangas bei zu bringen. Beide bieten Entspannung pur. Hier kann man, zumindest bei Comics und Cartoons, ohne sich an allzu feste Vorlagen halten zu müssen, seiner Fantasie freien Lauf lassen und gegebenenfalls das bisher Erlernte bis zum Exzess karikieren.

Fazit / Meine Meinung

Das Buch führt auch Anfänger sehr gut an die einzelnen Aufgaben heran. Es ist reich an Beispielen, Übungen und Detailbetrachtungen. Dabei ist es nicht schlimm, wenn das eine oder andere nicht von Anfang an verstanden wird. Die Vielfalt an Zeichnungen und Erklärungen über viele Kapitel verteilt hilft dabei, den Faden und – was noch wichtiger ist – die Geduld und den Spaß nicht zu verlieren.

Ich schätze es sehr, dass in diesem Handbuch nicht so linear vorgegangen wird wie in manch anderem Zeichenbuch, und deshalb ist für mich dieses “Walter Foster-Buch” wieder eine klare Empfehlung – und ein rundum zufriedenes Porträt wert!

Copyright © 2011 by Michael Bahner (MB)

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Die Kunst des Zeichnens: Tiere
Die große Zeichenschule: praxisnah & gut erklärt

frechverlag GmbH
ISBN 978-3-7724-6073-9
Genres: Malen & Zeichnen, Natur & Tiere, Comic & Manga
1.Auflage 2011
Übersetzung: Wiebke Krabbe und Verena Zemme
Gebunden, 22.9 x 30.5 cm, 240 Seiten

http://www.frech.de/

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Vorbemerkung:
Als Basis für das vorliegende Buch dienten verschiedene Titel von Walter Fosters Zeichenbüchern.

Zum Buch:
Zu den reizvollsten aber gleichzeitig auch zu den schwierigsten Zeichenmotiven gehören Tiere. Das vorliegende Buch verspricht, dem interessierten Hobbykünstler bei diesen Motiven mit Tipps und Übungen zur Seite zu stehen.

Am Anfang werden viele allgemeine Themen angesprochen, mit denen man sich beschäftigen sollte – von der Auswahl der Zeichenmaterialien, über das Arbeiten mit einfachen Grundformen bis hin zur Beobachtung von Tieren. Einsteiger sollten sich die Übungen in diesem Teil zu Herzen nehmen, die sie mit der Handhabung und der Wirkung ihrer Materialiensammlung vertraut machen. So simpel diese anfangs auch zu sein scheinen, so wertvoll sind die eigenen Erkenntnisse und Fertigkeiten, die man daraus erhält. Und daraus macht das Buch im Übrigen keinen Hehl: nur durch genaues Beobachten und geduldiges Ausprobieren erlangt man immer bessere Ergebnisse und kann so seinen Zeichnungen Leben einhauchen und Charakter verleihen. Interessant und hilfreich sind die Anleitungen zum Darstellen der verschiedenen Arten von  Fell und Haut. Davon gibt es mehrere über das ganze Buch verteilt. Die speziellen Anleitungen über Hunde-, Katzen- und Pferdefell findet man in den entsprechenden Kapiteln.

Den Hauptteil bilden vier Kapitel über Tiere: “Tiere aus aller Welt” mit den Unterkapiteln “Wilde Tiere” und “Haustiere”, sowie die Einzelabhandlungen über Hunde, Katzen und Pferde in eigenen Kapiteln. Den größten Teil nehmen dabei die Schritt-für-Schritt-Anleitungen ein. Auf einer oder mehreren Seiten sind die Entstehungsphasen einer Zeichnung dargestellt, von der ersten groben Skizze bis hin zur fertigen Zeichnung. Damit wird auch dem Einsteiger ein Werkzeug an die Hand gegeben, sodass er direkt mit dem Zeichnen loslegen kann. Der Text ist ebenso locker geschrieben wie er zwischen den einzelnen Skizzen eingestreut ist.

Zu Beginn der Einzelkapitel über Hund, Katze und Pferd befinden sich kurze Einführungen in die Anatomie des jeweiligen Tieres. Details von Augen, Ohren und Kopf werden ebenfalls eingehender betrachtet. Insgesamt bekommt man einen reichhaltigen Fundus von nachahmenswerten Ideen präsentiert.

Den Abschluss der realistisch dargestellten und der realen Tiere bildet das Kapitel “Meisterklasse: Tiere zeichnen”. Dort werden wieder allgemeinere Themen behandelt, beispielsweise Bildkomposition, die Grundlagen der Perspektive, aber auch wie man Tiere in einer Landschaft in Szene setzt, was in vier mehrseitigen Beispielen eindrucksvoll gezeigt wird.

Zwei kleinere Kapitel über die Darstellung von Tieren in Comics sowie über “Fantastische Tiergestalten” finden sich schließlich am Ende des Buches.

Fazit:
Ich finde das Buch überaus ansprechend und die Zusammenstellung sehr gelungen. Die Zeichnungen sind durchweg von hervorragender handwerklicher Qualität, wobei mir persönlich der gekonnte und dennoch lockere Stil Walter T. Fosters am besten gefällt. Die Texte lassen sich flüssig lesen und bilden mit den Zeichnungen und Bildern eine harmonische Einheit.

Ab und zu allerdings stößt man auf unklare Begriffe, wenn beispielsweise auf den “Schraffurgriff” oder die “Unterhand-Position” bei der Stifthaltung verwiesen wird. Beides wird zwar im Kasten “Den Stift halten” beschrieben, unglücklicherweise jedoch nicht benannt. Und dass gerade beim Stichwort “Fell” im Register nur auf die Anleitung im allgemeinen Teil zu Beginn des Buches verweisen wird, ist verwunderlich, da das Buch mehrere Anleitungen dieser Art enthält.

Die beiden letzten Kapitel sind eine nette Ergänzung. Vor allem der Ausflug in die Welt der Comics lädt zum unverkrampften Skizzieren ein. Hierzu gibt es allerdings ausführlichere Zeichenbücher.

Trotz allem ist das Buch sehr empfehlenswert – so macht zeichnen Spaß!

Copyright © 2011 by Michael Bahner

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Waldemar Bonsels, Frauke Nahrgang: Die Biene Maja und ihre Abenteuer. – BEI UNS DREIMAL IM PREISRÄTSEL!

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. Mai 2012

Waldemar Bonsels, Frauke Nahrgang
Die Biene Maja und ihre Abenteuer

cbj, 2012
ISBN: 978-3-570-15440-3
Kinder & Jugend
Umfang: 96 S., mit fbg. Illustrationen – 24,0 x 17,0 cm; Hardcover
Illustratorin: Verena Körting

www.randomhouse.de/cbjugendbuch
www.waldemar-bonsels-stiftung.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Frauke_Nahrgang
www.verena-koerting.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Die Autoren

Waldemar Bonsels (1880-1952) bereiste nach einer Ausbildung zum Missionskaufmann Indien, später Europa, Ägypten sowie Amerika und war zeitweise als Verleger in München tätig. Seine Leser begeisterte er nicht nur mit “Die Biene Maja und ihre Abenteuer“, dem weltweit erfolgreichen und vielfach verfilmten Kinderbuchklassiker, sondern auch mit Reise- und Naturschilderungen. Das Gesamtwerk Waldemar Bonsels ist bei DVA erschienen.
(Quelle: cbj)

Frauke Nahrgang ist Grundschullehrerin, Autorin und ein leidenschaftlicher Fußballfan. Ideale Voraussetzungen also, um eine Fußballserie für Kinder im Grundschulalter zu schreiben. Als ihre eigenen Kinder klein waren, hat sie ihnen immer gern vorgelesen und schließlich eigene Geschichten für sie erfunden. Inzwischen sind ihre Kinder groß und sie selbst ist mittlerweile eine erfolgreiche Autorin zahlreicher Kinderbücher.
(Quelle: cbj)

Die Illustratorin

Verena Körting, geboren und aufgewachsen in Köln, studierte an der Fachhochschule Düsseldort. Seit sie ihr Diplom hat, lebt und arbeitet sie in Hamburg.
(Quelle: cbj)

Vorbemerkung

Die erste Auflage von Waldemar Bonsels’ “Die Biene Maja und ihre Abenteuer” erschien 1912. Zum 100-jährigen Jubiläum wurde das Buch von Frauke Nahrgang neu bearbeitet.

Das Buch

Kaum ist die kleine Biene Maja aus ihrem Ei geschlüpft, fängt sie schon an zu nörgeln, ist neugierig und naseweis. Ihre Amme, eine ältere Bienendame namens Kassandra, kann ihr nicht mehr viel mit auf den Weg geben, bevor Maja bei Tagesanbruch mit den Honigsammlerinnen aus dem Stock schlüpft – und auf und davon ist. Sie findet die bunte Welt, die Blumen und den Sonnenschein und die fremden Geschöpfe viel zu aufregend und spannend, als dass sie sich von der Bienengemeinschaft ihren Tagesablauf diktieren lassen wollte.

So macht sie die Bekanntschaft von Peppi, dem Rosenkäfer, der sie in sein Heim in einer Rosenblüte einlädt, erfährt von einem Brummer am Waldsee von den Wohnungsproblemen in der Gegend – kurz bevor dieser von der betörend schönen Libelle Schnuck genüsslich verspeist wird. Sie trifft den starken Kurt, den der Liebeskummer plagt, einen Grashüpfer, mit dem es besonders mühsam ist, eine Unterhaltung zu führen, und viele andere Tiere. Mit ihrer freundlichen, aufmerksamen Art kommt sie bei allen gut an und erfährt auf diese Weise einiges über das Leben der anderen Parkbewohner. Aber es gibt nicht nur Sonnenschein und freundliche Zeitgenossen, überall lauern Gefahren und Tod: die Libelle und die Spinne, der die hilflose Maja ins Netz gegangen ist und der sie nur mit knapper Not entkommen kann, und auch die Hornissen, die einen Raubzug gegen Majas Stock planen. Jetzt ist es an ihr, ihre eigenen Interessen zurückzustellen, sich erst aus den Fängen der Hornissen zu befreien und schließlich den Plan der Räuber zu vereiteln.

Die Neubearbeitung der “Biene Maja” ist ein wunderschönes Buch. Frauke Nahrgang hat hervorragende Arbeit geleistet und Waldemar Bonsels Original so adaptiert, dass der Text ohne Mühe von Kindern verstanden werden kann. Es gibt keine umständlichen Formulierungen und keine ausufernden Beschreibungen mehr, der Text präsentiert sich in einer selbst für erwachsene (Vor-)Leser angenehmen und bilderreichen Sprache.

Ein klein wenig gibt es für die Kinder schon zu überlegen, wenn Hans Christoph, dem Brummer, der Kopf abgebissen wird, oder die geduldige Spinne Thekla einen günstigen Zeitpunkt abwartet, zu dem sie die gefangene Maja verspeisen wird. Aber das ist der ganz normale Lauf der Welt, wenn auch im richtigen Leben die Opfer nicht so menschlich sind, wie sie hier dargestellt werden.

Die Illustrationen

Eine einzelne rote Kleeblüte unten rechts, der Text über Kleeblättern und Gräsern, dann auf der Wiese zwischen Brennnessel und Windröschen, umschwärmt von Bienen, Majas Zuhause – ihr Bienenstock. Löwenzahnsamen, die über die Ränder einer Doppelseite schweben; Text, der sich zwischen die eingesponnene Maja und die haarigen Beine der lauernden Spinne duckt. Ganzseitige Bilder wechseln mit Illustrationen an den Seitenrändern; hier markiert ein kleiner Marienkäfer das Ende eines Kapitels, dort muss sich die Beschreibung der Geschichte den Konturen des Tausendfüßlers anpassen. Die herrlichen Illustrationen von Verena Körting geben dem Buch nicht nur den letzten Schliff, sondern verleihen ihm eine zusätzliche farbige Dimension.

Fazit

Der Originaltext der “Biene Maja” von Waldemar Bonsels ist heutzutage eher für das erwachsene Publikum interessant. “Die Biene Maja und ihre Abenteuer” in dieser Jubiläumsausgabe dagegen ist eine klare Empfehlung für Kinder ab fünf Jahren zum Vorlesen und zum Selbstlesen ab sieben Jahren.

Copyright © 2012 by Michael Bahner

Titel erhältlich bei Amazon.de
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Titel erhältlich bei Libri.de

UND EINE ZWEITE BESPRECHUNG:

Autorenporträt

Waldemar Bonsels (1880–1952) bereiste nach einer Ausbildung zum Missionskaufmann Indien, später Europa, Ägypten sowie Amerika und war zeitweise als Verleger in München tätig. Seine Leser begeisterte er nicht nur mit “Die Biene Maja und ihre Abenteuer“, dem weltweit erfolgreichen und vielfach verfilmten Kinderbuchklassiker, sondern auch mit Reise- und Naturschilderungen. Das Gesamtwerk Waldemar Bonsels ist bei DVA erschienen.

Zum Buch

100 Jahre Biene Maja: Die überarbeitete und neu illustrierte Jubiläumsausgabe

»Das Leben ist schön!«, jubelte die kleine Biene und flog mitten hinein. Kaum ist Maja geschlüpft, gibt’s für sie kein Halten mehr: Im Bienenstock ist es ihr viel zu langweilig, sie will hinaus und die große weite Welt kennen lernen! So macht Maja bei ihrem Ausflug zunächst nicht nur Bekanntschaft mit dem netten Rosenkäfer Peppi und einem flippigen Grashüpfer, sondern muss auch prompt von Mistkäfer Kurt aus den Fängen der hinterhältigen Spinne Thekla befreit werden. Doch dann erfährt Maja von dem bösen Plan der Hornissen, die ihren Bienenstock überfallen wollen! Maja muss die anderen unbedingt warnen – und fliegt mitten hinein ins Abenteuer! (Quelle: cbj)

Fazit

Hier wird eine kindgerecht überarbeitete Version des Kinderliteraturklassikers vorgelegt. Wer die Geschichte der Biene Maja noch nie selbst gelesen hat und sein wissen auf die bekannte Zeichentrickserie beschränkt, dem sei gesagt, das Buch ist nicht nur besser, sondern auch vollkommen anders. Die Figuren Willi und Flip sucht man hier vergebens, dafür trifft man aber auf viele Freunde der Biene Maja, die man aus der Zeichentrickserie nicht kennt. Hier findet jedes Kind nicht nur spannende kleine Geschichten, sondern auch viele nützliche Informationen über die heimische Flora und Fauna.

Ein Kinderbuchklassiker, der in jeden heimischen Bücherschrank gehört.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Maja erfährt von dem bösen Plan der Hornissen. Welchem? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Eine alternative Teilnahme per Kommentar findet sich hier!

Gewonnen hat: Dirk Vormann-Hiepler, Sebastian Dietrich und Kathie Schulte. Herzlichen Glückwunsch! Wir danken unserem Sponsoren und auch allen Teilnehmern.

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RENO – Kapitel 3 – Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte von Michael Bahner (sfb-Preisträger Platz 2 im Storywettbewerb 2/2012)

Erstellt von Michael Bahner am 25. April 2012

Reno

Kapitel 3

Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte

von

Michael Bahner

Was bisher geschah …

Reno rappelte sich auf und machte aus Gewohnheit eine Geste, als wollte er den Schmutz abwischen. Natürlich half es nichts, der Anzug stand vor Dreck und Schlamm. Aber es half ihm, sich nach dieser sinnlosen Rauferei einen Hauch von Würde zu erhalten – trotz seines derangierten Äußeren, trotz ihres zu Klump geflogenen Raumbootes und trotz seiner wütenden Pilotin, die sich gerade keuchend und schwitzend aus dem Griff der schäbig grinsenden Wache befreit hatte.

Misstrauisch beobachteten die Soldaten, wie Reno seine Waffe aufhob. Er schob sie langsam ins Holster zurück. Sie wirkten entschlossen und erweckten nicht den Eindruck, als wäre ihnen körperliche Gewalt zur Erfüllung ihrer Aufgaben fremd – oder unerwünscht. Dann machte er einige Schritte auf den Soldaten zu, den Tschang als Neurofeedback-Sklaven benutzte. Sofort verstellten ihm zwei der anderen den Weg. Sie hielten ihre Waffen gesenkt, aber er rechnete sich keine Chancen gegen sie aus, jetzt, wo er kein Überraschungsmoment ausnutzen konnte. Es lag auch nicht in seiner Absicht, den Sklaven anzugreifen, obwohl er innerlich kochte. Er brannte darauf, sich an irgend etwas oder irgend jemandem abzureagieren, gerade weil Tschang überhaupt Sklaven benutzte.

Dieser Mistkerl.

Einen Augenblick hielt er inne, um sich zu sammeln und seine Erregung unter Kontrolle zu bringen.

„Herr Tschang! Sie sind widerrechtlich in den Orbit von Aladin I eingedrungen”, verkündete er laut und so offiziell wie es ihm möglich war angesichts seines Gegenübers, das immer wieder von spastischen Zuckungen geschüttelt wurde und in einem irren, nicht menschlichen Grinsen seine Zähne fletschte. Entweder war sein Neurofeedback-Implantat defekt oder die Verbindung gestört. Reno leierte schnell alle Verstöße herunter, an die er sich erinnern konnte. Lange konnte er den Anblick nicht mehr ertragen.

„Rrrch … gut … gut … aarrrchh”, röchelte der Sklave, sabberte zwischen zusammengebissenen Zähnen, schnarchte und verdrehte die Augen, bis man nur noch das Weiße sah. „Ich bekenne mich schuldig und werde ihnen selbstverständlich vorbehaltlos folgen. Wollen Sie mich jetzt festnehmen?”

Er schwenkte den Kopf suchend wie eine Radarschüssel hin und her, bis er das Wrack anvisiert hatte.

“Oh, wie ich sehe, bedarf Ihr Shuttle offensichtlich der einen oder anderen … äh … Reparatur.” Ein Röcheln stahl sich aus seinem Mund, das ursprünglich ein Lachen gewesen war.

“Darf ich Ihnen einstweilen meine Gastfreundschaft anbieten? Die Eskorte wird Sie beide zu meinem Landeplatz begleiten. Dort gibt es alles, was Sie in Ihrer jetzigen Situation benötigen und was Ihnen vermutlich verloren oder in den diversen Teilen Ihres Shuttles zu Bruch gegangen ist. Verpflegung, Kleidung, vielleicht eine Dusche? Nein, nein, das ist keine Bestechung, glauben Sie mir. Wie gesagt, lassen Sie es sich gut gehen und vergnügen Sie sich. Sie sind meine Gäste.”

Er brach ab und sackte zusammen, als hätte jemand den Stecker gezogen. Reno starrte ihn argwöhnisch an.

Gerade als er dachte, das Gespräch wäre beendet, schnellte der Sklave wie an Fäden gezogen in die Höhe und verkündete laut plärrend: “All… allerdings fürchte ich, dass weder mein Schiff noch die Kommunikationsanlage zurzeit betriebsbereit sind. So gerne ich sie Ihnen zur Verfügung gestellt hätte. Ich habe gerade mit dem Kapitän gesprochen, beides benötigt dringend Wartung. Es gibt offenbar auch irgendwelche magnetischen oder elektrischen Störungen. Sie vergeben mir, damit kenne ich mich nicht aus. Genaueres erfahren Sie von meinen Offizieren.”

Dann ertönte ein Laut wie aus einer verbeulten Orgelpfeife, während sich der Sklave vorbeugte, als müsste er sich übergeben.

„SCHLUSS JETZT!”, entfuhr es Reno, „Nur noch persönliche Kommunikation!”

“Ok, Großer, lassen wir ihn”, sagte Lena, die neben ihn getreten war.

Die Soldaten, die den Sklaven flankierten, schien dessen Zustand nicht im Geringsten zu stören. Der Sklave keuchte schwer, während Speichelfäden in seinen Mundwinkeln wippten. Dann gab er etwas von sich, was entfernt an ein Kichern erinnerte, wankte ein paar Schritte und kippte kopfüber zwischen die Büsche.

Tschang hatte die Verbindung unterbrochen.

***

“Ich gehe auf Kontrollgang”, sagte Mom Chao.

Der Kapitän wandte seine Aufmerksamkeit beiläufig vom Fernglas ab und nickte, während einer der Wachoffiziere dienstbeflissen salutierte und rief: “Kommandantin verlässt Brücke.”

Ohne sich um das Deckpersonal zu kümmern, ging Mom Chao auf den Gang hinaus, der entlang der Längsachse die oberen Beobachtungsräume der Himmelsglanz mit der Kommandokanzel verband. Ein Offizier und zwei seiner Leute folgten ihr. Als sie die Druckschleuse betraten, stülpten sie sich wortlos die Atemmasken über. Sie kletterten hinab zum oberen Waffendeck, vorbei an Munitionskammern und Gefechtsständen; weiter hinunter zu den Schleusen der Mannschaftsdecks, durch das untere Waffendeck, bis sie vor den Schotts standen, die zu den Kielräumen und den Seilkammern führten. Das Surren der Wellen und das tiefe Brummen der nahen Dampfkerne war hier viel stärker als auf dem Kommandodeck.

Die Fahrthöhe der Himmelsglanz betrug jetzt mehr als zehntausend Ellen. Die Luft war dünn und kalt, vor allem hier in den unteren Decks, wo es weder Heizung noch Luftdruckregulatoren gab. Ihr Atem bildete kleine Wölkchen.

Mom Chao zog die Wattierung ihres Kragens höher, bis sie den unteren Rand der Atemmaske bedeckte.

“Hier?” fragte sie stirnrunzelnd, zu leise, um die Schiffsgeräusche zu übertönen.

Hauptmann Hrinkel las es ihr von den Augen ab. Er überragte Mom Chao um einen guten Kopf, brachte es aber trotz seiner Größe, seiner massigen Gestalt und seiner wilden Erscheinung zustande, ihrem Blick unterwürfig zu begegnen.

“Ja, Herrin”, antwortete er, sein breites Gesicht nahe an ihren geröteten Wangen – zu nah.

Mom Chao widerstand jedoch dem Reflex, vor ihm zurück zu weichen. Ein verhaltenes Lächeln umspielte seine faltigen Augenwinkel.

“Dort lagern normalerweise Enterwerkzeug und Ballast.”

Dieser Tölpel soll sich unterstehen, mich in Gegenwart anderer mit Herrin anzureden. Für ihn wie für alle anderen bin ich die Kommandantin! Die Dienerin Kaiser Nangklaos, meines Vaters – dieses Heuchlers! Ich weiß von Spionen, die von den Lippen ablesen können. Wenn einer der beiden da hinten von dieser Sorte ist, wüssten sie sofort, dass der Hauptmann mir ergeben ist – und nur mir. Und wenn, ja, wenn die Atemmasken nicht unsere Worte verbergen würden.

Hrinkel schien die Gedanken der Kommandantin zu erraten, denn er beeilte sich zu erklären, die beiden Soldaten seien ihm treu ergeben und gäben ihr Leben für ihn und seine Herrin. Er wusste auch, sollte Prinzessin Mom Chao nur den leisen Verdacht hegen, er hinterginge sie, eine ihrer Klingen wäre nicht mehr als eine Schrecksekunde von seiner Kehle entfernt. Jederzeit. So, wie er dastand – groß und wuchtig wie ein Fels vor ihrer schlanken zerbrechlichen Gestalt – könnte sie ihn innerhalb eines Augenzwinkerns niederstrecken.

Er schluckte trocken, als sie sich zum Weitergehen wandte.

Während Hrinkels Männer das Schott sicherten, stiegen Mom Chao und der Hauptmann in die warmglänzende Tiefe. Der Lärm der Maschinen drang jetzt nur noch gedämpft zu ihnen herunter. Gut versteckt war achtern zwischen den kupfernen Wänden eine Stallung eingerichtet. Heizwasser gluckerte in behelfsmäßig verlegten Rohren und verbreitete mollige Wärme. Es roch nach Stroh und Ton und blutigem Fleisch, und über allem lag der schwere modrige Geruch der Exkremente und Ausdünstungen von Libellen. Vier große Tiere schabten und zuckten im Halbdunkel, die Flügel eng an die langen Körper geschmiegt. Die Facetten ihrer großen Augen warfen den Schein der wenigen Lampen vieltausendfach zurück, sie glitzerten wie riesige Diamanten. Ihre Mandibeln begannen zu klackern und schnappten leer in Richtung der Menschen, als sie ihre Witterung aufnahmen.

An der Seite befanden sich vier mit Leder überzogene metallene Zylinder festgeschnürt in Gurtzeug, mit dem sie an den Libellen befestigt werden konnten.

Vier Futterale für vier Himmelsmenschen.

“Werden sie groß genug sein für die Fremden? Und die Libellen, können sie die Last tragen bis zu den Grünen Zinnen?”

“Sicher, Herrin”, grollte der Hauptmann. “Die Späher und die Medien sind sich sicher, dass die Fremden in Gewicht und Größe uns entsprechen. Die Libellen werden es schaffen.”

Uns entsprechen? Mir oder dir, mein lieber getreuer Hrinkel, der du doppelt so viel wiegst wie ich in meiner stärksten Panzerung.

“Verbürgst du dich dafür?”

Hrinkel straffte sich und erwiderte entschlossen: “Mit meinem Leben!”

Womit sonst?

Mom Chao nickte, während sie eins der Futterale öffnete. Wie erwartet, befand sich in seinem gepolsterten Innern ein Neuroserph am Kopfende, dehydriert und durch eine Membran geschützt. Die Berührung mit einem lebendigen Organismus sollte das dünne Häutchen auflösen, und die kleine Meduse würde sich in der Luftfeuchtigkeit regenerieren. Sie war dann imstande, Angreifer oder Wesen, die ihr zu nahe kamen, mit ihren Giften zu töten oder ihnen viele Stunden unruhiger Träume zu verschaffen.

“Werden die Fremden das hier überleben?” Sie wies vage über die Gerätschaften.

Hrinkel stutzte. Keiner der Späher und keines der Medien konnte solche Informationen beschaffen.

“Wir werden sehen”, murmelte Mom Chao. Sie schloss das Futteral und atmete tief und zischend durch die Maske.

“Und um die restlichen Himmelsmenschen, die den Arachniden bis dahin nicht zum Opfer gefallen sind, wirst du dich persönlich kümmern. Bei solchen Einsätzen kommt es unweigerlich zum Kampf – muss es zum Kampf kommen! Mit den Fremden, den Arachniden … und leider wird keiner der Fremden dabei überleben.”

Sie blickte ihrem Hauptmann in die Augen.

“Keiner, von denen der Kaiser je erfahren wird.”

***

Der Soldat mit dem Neurofeedback-Implantat hatte sich wieder halbwegs erholt und bildete mit einem seiner Kameraden die Nachhut.

Das Gelände war hügelig, was sie aber wegen des mannshohen Bewuchses nicht unmittelbar erkennen konnten. Nur der Pfad, den die Soldaten von ihrem Lager eingeschlagen hatten und dem sie jetzt wieder zurück folgten, wies deutliche Steigungen und Gefälle auf.

An einer mit lockerem Kies bedeckten Stelle rutschte Reno über die Böschung und landete kaum zwei Meter tiefer in einem schmalen algengrünen Gewässer. Lena schlidderte hinterher, konnte sich aber gerade noch halten.

Um einen Bach handelte es sich offenbar nicht. Es war keinerlei Strömung auszumachen. Reno stand bis zur Hüfte im Wasser und versuchte, nachdem er die erste Überraschung überwunden hatte, sich an Wurzeln und knorrigen Geäst nach oben zu ziehen. Wer konnte schon wissen, welche Art Parasiten sich in dieser Brühe tummelten – und was sonst dort auf der Lauer lag.

“Hilf mir”, raunte er Lena zu.

“Wie soll ich das machen, ohne selbst rein zu fallen?”

Sie reckte den Kopf und rief den Soldaten zu: “Und was ist mit Euch, ihr starken Jungs? Könntet ihr vielleicht mit anpacken?”

Über ihnen auf dem Pfad grinsten die Söldner hämisch. Sie unterließen es allerdings, ihnen zu helfen. Es sei denn, sie dachten, zu kichern oder mit den Waffen zu fuchteln wäre hilfreich.

Plötzlich erstarrten sie.

Ein dumpfes Grollen weit unterhalb der Hörschwelle ließ den Boden erzittern, erzeugte ein Muster kleiner Wellen auf der Oberfläche des Tümpels. Ganz kurz nur hielt es an, dann war es schlagartig wieder verschwunden und die Kräuselungen des Wassers verebbt. Der Pfuhl lag still und modrig da wie zuvor, vielleicht noch stiller – aber jetzt schien er zu lauern.

Tier oder Maschine? Ein Erdbeben? fuhr es Reno im ersten Moment durch den Kopf. Aber als im nächsten Augenblick ein seltsames hohes Klackern und Zirpen zu hören war – fernes und nahes, wie Signale, Meldung und Antwort? – war diese Frage schnell vergessen, und sie machten, angestachelt und fokussiert vom Adrenalin, dass sie auf den Pfad zurück kamen.

Das Klackern und Zirpen verlor sich bald in Geräuschen, die in diesem Buschland offensichtlich normal waren und Wind, Flora und scheuer Fauna zuzuschreiben waren.

Die einzige Orientierung lieferten die Orter der Soldaten – Lenas und Renos waren seit ihrer Bruchlandung hinüber – und die Sonne, die aber schon die obersten Äste der verkrüppelten Bäume erreicht hatte.

In der Ferne – Reno hatte ja keine Ahnung, in welcher Entfernung sie tatsächlich standen – ragten riesige unregelmäßig geformte Spitzen in den Himmel. Was zuerst noch blaugrau und vibrierend von Dunst und Hitze kaum erkennbar gewesen war, erstarrte in der abkühlenden Luft und entflammte allmählich im Feuer der Abendsonne. Sie leuchteten wie die Zähne eines Riesen vor dem dunklen Osthimmel.

Auf vielen Welten gab es ähnlich merkwürdige Erscheinungen. In den meisten Fällen waren sie natürlichen Ursprungs. Reno fragte sich, ob diese Gebilde dort nicht vielleicht künstlich waren. Aber von wem erschaffen?

Das war allerdings nicht die einzige Frage, die ihm im Kopf herum ging. Ihr Landungsboot lag zerbröselt irgendwo im Morast, und sie beide, Lena und er, waren im Schlepptau der Soldaten auf dem Weg in das Lager dieses geheimnisumwitterten Magnaten Tschang. Mehr oder weniger als seine Gefangenen. Aber nur dort konnten sie mit der Orbitalstation Kontakt aufnehmen. Zumindest mussten sie es versuchen. Denn eins war Reno klar, dass sowohl Schiff als auch Kommunikation ausgefallen sein sollte, war nichts anderes als eine taktische Lüge. Tschang war nicht einer jener Typen, die sich ohne Zwang irgendeiner Obrigkeit unterwarfen. Sie konnten also nur hoffen, dass sich im Lager eine Gelegenheit ergab, das Kommando über das Schiff zu erlangen oder zumindest einen Funkspruch abzusetzen. Falls nicht, mussten sie beten, von den automatischen Trackern gescannt zu werden, die im tiefen Orbit ihre Bahnen zogen.

Als die Dämmerung hereinbrach, sie waren bereits über eine Stunde unterwegs, trieben die Soldaten plötzlich zur Eile. Entweder wussten sie nicht, was ihnen in der Dunkelheit begegnen könnte oder sie wussten es nur zu gut. In jedem Fall erschien es auch Reno und Lena vernünftig zu sein, so schnell wie möglich in den Schutz des Lagers zu kommen.

Nach einer weiteren Viertelstunde machten sie das bläuliche Schimmern eines Wallfeldes aus. Das Feld hatte einen Durchmesser von mindestens hundert Metern. Es war vollkommen undurchsichtig. Außer seiner ölig schillernden Oberfläche und dem sich darin spiegelnden dämmerungsgrauen Busch konnte man nichts erkennen. Links hinter dem Wall ragte der Umriss von Tschangs Raumschiff über dem schwarzen Buschland empor. Dicht an den Wall geschmiegt schien es diesen zu durchdringen. Und er bemerkte die heißen Triebwerksgase, in denen die dunklen Schemen der Vegetation flimmerten.

Ich fresse meine Stiefel, wenn Lena es nicht fertig brächte, das Ding sofort und auf der Stelle in Gang zu bringen und loszuzischen.

Aber solche Gedanken waren Makulatur, solange sie nicht an die Steuerung kamen.

Sie entfernten sich vom Schiff und gingen einige Meter am Feld entlang. Reno war beeindruckt, obwohl er es nie zugegeben hätte. Ein Feld dieser Klasse in dieser Größe hatte er noch nie gesehen.

Oder doch?

Ja, einmal. Aber das war sehr lange her.

Früher – in einem anderen Leben – hatte er ein Match in einem Hangar ausgetragen, dessen raumwärtige Öffnung durch ein ähnliches Feld geschützt gewesen war. Ein Spiel in den Docks der Hauptstreitkräfte von Hogg in einem hohen Orbit um den Hauptplaneten. Eine ganze Schar von Generälen und hohen Würdenträgern, die hohe Prominenz von Hogg und zugereiste VIPs waren unter den Zuschauern. Die Tore hätten genauso gut geschlossen werden können, aber dann wäre der Effekt, der Nervenkitzel, den man diesem erlesenen Publikum angedeihen lassen wollte, dahin gewesen. Natürlich hatte sich jede Person, auf deren Meinung auch nur das kleinste bisschen Wert gelegt wurde, gebührend beeindruckt gezeigt. Aber nichtsdestotrotz war es reine Prahlerei gewesen, eine Zuschaustellung ihrer technischen Möglichkeiten, ihrer Überlegenheit. Und für ihn und sein Team hatte es ein weiteres Neuro-Extend erfordert und letztlich, wegen der schnellen und unzureichenden Integration, auch beinahe den Sieg gekostet.

Aber seine Zeit beim Spinball war längst vorüber.

Als sie sich dem Wallfeld näherten, begann sich auf dessen Oberfläche ein Portal abzuzeichnen, wurde transparent und gab den Blick ins Innere einer Sicherheitsschleuse frei.

Außerhalb des Walls war die Luft noch erfüllt gewesen vom auffrischenden Wind und seinen fremden Gerüchen, von den Geräuschen ersterbender Tag- und erwachender Nachtaktivität. Im Inneren war alles wie verwandelt: die Kuppel, die das Wallfeld bildete, wurde von einem anderen, sehr fernen Blick in die Galaxis erhellt, von farbig schimmernden Nebeln und gleißend hellen Sternhaufen im Hintergrund, und einem exotischen und überaus beeindruckenden Planetenaufgang im Vordergrund. Der projizierte Planet war erst zur Hälfte aufgegangen, überdeckte aber beinahe zehn Grad am Himmel und setzte mit seinem Schein das Treiben unter der Kuppel effektvoll in Szene.

Auf der entfernten Seite ragte der goldene Rumpf der Kyrie Hyperion durch den Wall. Gestützt auf filigrane gebogene Stelzen sah er aus wie ein abgeschnittener glitzernder Käfer. Der gepfeilte Bug mit seiner gewölbten Pilotenkanzel, der vordere Teil der elegant geschwungenen Tragflächen für den Atmosphärenflug und die schmalen Zylinder der beiden Lifte, die beidseitig am Rumpf angebracht waren, befanden sich diesseits. Jenseits rauchten unsichtbar die Triebwerke.

Auf dem Platz vor dem Raumschiff standen mehrere Dutzend Menschen in Gruppen. Sie unterhielten sich und lachten, aßen und tranken und promenierten zwischen farbenprächtigen Pavillons und Zelten. Girlanden aus Lampions schmückten die Fassaden, bunte Wimpel und Fahnen an Stangen und langen Masten gaben dem Ganzen das Aussehen eines exotischen Basars. Das Treiben wurde untermalt von den fröhlichen Klängen einer Jazz-Kapelle. Hier war eine regelrechte Party im Gange.

Als sie die Wachen am Portal hinter sich gelassen hatten und bereits auf dem Weg an den geschmückten Zelten vorbei zum Raumschiff waren, wurden sie plötzlich von einer schrillen Stimme gestoppt.

“Halt, halt, warten Sie!”

Aus einer Gruppe vor einem der Pavillons hatte sich eine Frau gelöst. Sie war füllig, mit steil aufgetürmten silbernen Locken und wurde von einer bodenlangen Toga umweht, die ihre Proportionen mehr als dürftig verhüllte. Das leichte, durchscheinende Tuch ließ einen ungehinderten Blick auf ihren nackten Körper zu: die vollen wogenden Brüste, die bei jeder Bewegung erzitternden Falten ihres Bauches und die kegelförmigen Beine. Energisch und so schnell es für ihren Stand schicklich war eilte sie auf den Trupp zu – in der einen Hand ein kristallenes Gefäß, aus dem bei jedem Schritt Flüssigkeit schwappte, mit der anderem ihr Gewand raffend.

Die Soldaten sahen sich unschlüssig an.

“Habe ich Sie noch erwischt, Matrose”, schnaufte die dicke Frau völlig außer Atem und blickte einen der Soldaten, den sie für den Anführer hielt, zornig an.

“Frau Tekanawa, lassen Sie uns weiter gehen. Wir sind auf dem Weg zu Herrn Tschang.”

“Werden Sie bloß nicht frech, Matrose”, knurrte sie ihn an. Ihre Brüste reckten sich angriffslustig in die Höhe.

Schien es nicht so, als ob ihre Brustwarzen zu glitzern anfingen? Als ob das, was gerade noch tiefrosa war, jetzt metallisch schimmerte? Reno rieb sich die Augen, und Lena puffte ihn heftig in die Seite.

“Männer und ihr Testosteron induzierter Tunnelblick”, zischte sie.

“Nichts für ungut, aber solche Pilotenoveralls habe ich noch nie gesehen”, flüsterte er zurück. “Aber darum geht es gar nicht. Hast du nicht bemerkt, dass ihre … äh … ihre …”

“Für Sie ist mein Name immer noch Lady Tekanawa DeHogg”, herrschte sie den Söldner an. “Wenn Sie sich das nicht merken können, dann lassen Sie es sich in Ihr … Ihr Implantat drucken.” Das Wort spuckte sie regelrecht aus. “Und außerdem ist Lord Tschang überhaupt nicht mehr hier. Er ist fort, ausgeflogen und kommt erst sehr spät nach Hause. Inzwischen soll ich mich um unsere lieben neuen Gäste kümmern!”

Sie machte eine gezierte Geste mit der Hand und stellte eine unschuldige Miene zur Schau. Das schien den Soldaten kurzzeitig aus dem Konzept zu bringen. Geschickt nutzte Lady Tekanawa den Moment der Verwirrung, um dem Anführer ihr mittlerweile leeres Glas in die Hand zu drücken.

Der runzelte nur die Stirn, unterdrückte jedoch weitere Bemerkungen und konsultierte stattdessen sein Kommgerät.

“Und jetzt zu Ihnen …”

Mit einer erstaunlich behänden Drehung wandte sie den Soldaten den Rücken zu, flocht ihren Arm um Renos und umhüllte ihn mit ihrem betäubend süßen Parfüm.

“… Sie großer und ausgesprochen gut aussehender Kerl. Wie ich höre sind Sie Pirat und sie …”, sie warf einen kurzen, jedoch nicht ungnädigen Blick auf Lena, “… sie ist Ihre kleine Piratenbraut?”

“Ich bin nicht … wir sind keine …”, schnappte Lena aufgebracht.

Lady Tekanawa klimperte mit den Augen und formte entschuldigend einen Kussmund. “Nicht doch, Kleines, das war doch nicht so gemeint. Ich weiß doch, wen ich hier eingefangen habe”, damit blickte sie wieder zu Reno empor. “Sie sind Ritzo, der Recke von Parastar.”

“Mein Name ist Reno, Lady … äh …”

“Sage ich doch”, fuhr sie im Plauderton fort. “Und Sie, Matrose”, sie wandte sich wieder zornfunkelnd den säuerlich dreinblickenden Soldaten zu, “nehmen Sie endlich Ihre Küchenburschen und machen Sie, dass Sie an Ihre … Maschinen kommen … oder was auch immer. Aber halten Sie hier nicht Maulaffen feil.”

Damit zog sie Reno mit sich fort und winkte Lena, ihr zu folgen. Die Soldaten trollten sich murrend.

“Frau Tekanawa, wir müssen mit Herrn Tschang sprechen und vor allem …”

“Despina. Für euch, meine Hübschen, bin ich nur Despina. Wir sind schließlich Freunde, und ihr seid jetzt meine Mitverschwörer gegen diese erbärmliche Meute unsäglich tumber Toren.” Sie klimperte listig mit ihren Augen und ließ dann ein glockenhelles Lachen ertönen.

Fasziniert bemerkte Reno, wie der metallene Glanz ihren Brüsten entwich und diese, statt kampfbereit die Warzen zu recken, ihnen lustig wippend ihr Ziel wiesen.

“Ach jaa”, sang Despina gedehnt, “der Signore Tschang, unser aller zauberischer Zeremonienmeister”, wieder entfuhr ihr vor Entzückung ein klingendes Lachen. “Er ist einfach so verschwunden, stellt euch vor, ohne uns über seine Absichten in Kenntnis zu setzen. So ein alter Geheimniskrämer. Er sollte jedoch bald wieder hier sein! Das einzige, was er uns versprochen hat, ist eine Überraschung. Haach, seine Überraschungen, ihr Süßen”, sie fasste Lenas Arm und zog beide in verschwörerischer Eintracht zu sich heran, “die sind immer von ganz herrlich aufregender Art.”

Ihr massiger Leib zitterte vor Erregung.

“Aber vorher, müsst ihr euch stärken. Also, auf zur Gulaschkanone, ihr seht ja ganz blass aus.”

Das Grüppchen schlenderte auf einen Pavillon zu, der mit Fress-Fähnchen beflaggt war und in dessen Schutz Stewards mit turmhohen Kochmützen herrlich duftende Speisen kredenzten.

“Gibt es eine Möglichkeit, eine Kommverbindung … nach draußen zu machen?” Lena nagte skeptisch an etwas, das aussah wie eine Hähnchenkeule.

“Nach draußen! Was wollt ihr denn draußen? Papperlapapp, schaut euch um”, Despina breitete die Arme aus, “hier ist die Feier.”

In diesem Moment erschollen helle Fanfarenklänge. Die Musik der Kapelle verstummte. Das Partygeplauder und das Lachen erstarben. Alle Aufmerksamkeit war nach Osten gerichtet. Dort, wo vorher der virtuelle Planet über den Horizont gestiegen war, verschwamm die Projektion, das Wallfeld wurde durchsichtig und gab den Blick auf das im Flutlicht schmachtende Buschland frei.

Sechs mächtige Schimmel bahnten sich ihren Weg durch das Gehölz, kraftstrotzend und ungestüm an ihrem Geschirr zerrend. Die Leute reckten die Hälse, Ahs und Ohs waren zu hören. Die aufgeschreckte heimische Fauna keckerte, schrie und brüllte, duckte sich ängstlich oder floh panisch vor den fremden leuchtenden Wesen. Unter wildem Gewieher und mit sichtlicher Anstrengung zogen die Pferde einen glänzenden Streitwagen ins Licht, auf dem ein kleiner Mann stand. Aufrecht, das Kinn stolz erhoben, selbstgefällig lächelnd, hielt er die Zügel lässig in der Linken, hob triumphierend die Rechte und lenkte sein Gespann direkt auf die Versammlung zu. Sein markantes herrisches Portrait wurde auf beide Flanken der Öffnung im Wallfeld projiziert.

Aristoteles Robert Tschang.

Nette Inszenierung, dachte Reno, der zusammen mit Lena und Despina ein wenig abseits dem Schauspiel beiwohnte.

Hinter Tschangs Wagen brach von starken Tauen gezogen noch etwas aus dem Dunkel des Busches in den Kreis der Scheinwerfer: ein riesenhafter Berg aus Fleisch und Horn, drei säulenartige Beine im Dreck, drei schlaff aus der Seite baumelnd. Eine monströse Chimäre teils Büffel, teils Elefant. Staub wirbelte auf, als das Tier auf die trockene Lichtung vor dem Wallfeld gezerrt wurde und nebelte sowohl das Ungetüm, als auch den Streitwagen ein.

Einige Gäste hielten sich geziert Schnupftücher vor Nase und Mund, als der süßliche Geruch frischen Blutes heranzog. Ein Spalier aus Tschangs Soldaten hielt die Menge zurück und bildete eine Gasse bis unter den Scheitel des Wallfeldes.

“Sehr schön”, konstatierte Lena zu Reno gewandt, “jetzt kommt noch Wilderei dazu.”

“Wir werden uns darum kümmern, wenn wir wissen, wie wir hier raus kommen.”

Despina jauchzte “Huuh”, die leuchtenden Augen auf das tote Tier gerichtet.

Als die Pferde den Bereich des Wallfeldes erreichten, wurden ihre Konturen diffus und die Illusion löste sich auf. Ihr Wiehern verlor sich im Aufheulen des E-Grummans von Tschangs Kettenfahrzeug, das hinter dem kaum noch sichtbaren Hologramm des Streitwagens erschien.

Die Menge und die Soldaten wichen zurück, als Tschang aufdrehte und mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Gasse brauste, den riesigen Kadaver im Schlepptau. Sein zufriedenes Lachen prangte von den Projektionen, war aber erst zu hören, nachdem das Heulen des Elektrotriebwerks verstummt war.

Beifall und Jubelgeschrei brandete auf, Hochrufe ertönten. Einen Moment sonnte er sich darin, dann hob er die Arme wie ein Dirigent und bat sich Ruhe aus.

Tschang begann mit seiner Rede. Bevor er aber den ersten Satz vollendet hatte, gab es einen scharfen Knall außerhalb der Kegel der Scheinwerfer. Dann wieder einen. Und noch einen! Berstendes Holz und peitschende Äste! Und mit einem Mal fing der Untergrund an zu beben, Teller und Tassen schepperten auf den Tischen. Die Partygäste sahen sich zunächst verwirrt um, und ergriffen dann die Flucht. Da sie allerdings nicht wussten, wohin sie flüchten sollten, hatte das Ganze etwas Regelloses an sich, etwas Verzweifeltes.

Reno und Lena und Despina tanzten mit im Reigen allgemeiner Panik, versuchten aber, nahe an die Innenseite des noch intakten Wallfeldes zu kommen. Dort erschien es ihnen am sichersten – wovor auch immer. Die Soldaten hatten sich unterdessen an der Öffnung des Wallfeldes gesammelt und spähten, die Waffen im Anschlag, angestrengt auf die Wand der hell erleuchteten Blätter und Hölzer. Ein paar machten sich hektisch an einem Feldprojektor zu schaffen und versuchten, die Öffnung wieder zu schließen.

Was Reno zuerst wahrnahm, war eine Walze aus undurchdringlichem Staub und Sand, Steinchen und Holzsplittern. Der Lärm wurde ohrenbetäubend. Dann brach die Stampede aus dem Dickicht, dutzende, hunderte der sechsbeinigen Kolosse, keuchend, mit hängenden Zungen, die weißen weit aufgerissenen Augen stur geradeaus gerichtet, strömten durch die Öffnung und überrannten das Wallinnere.

Im Grunde war der Ort nicht schlecht, den sich Reno, Lena und auch Despina zu ihrem Schutz ausgesucht hatten. Aber bevor die Tiere die Wallprojektoren zertrümmert hatten und so ihrer Falle wieder entkommen konnten, rannten einige von ihnen kreuz und quer durch das Lager, so auch dorthin, wo sich die Gruppe aufhielt.

Die verschmelzenden Schemen riesiger sechsbeiniger Büffel und der betäubende Gestank nach Moschus, Despinas schriller Schrei, Lenas vorgehaltene Pistole, die, neben der seinen, Salven dünner Laserblitze in die Schatten der heranstürmenden Tiere spuckte: die letzten Eindrücke brannten sich wie Schlaglichter in Renos Bewusstsein. Dann waren die Kolosse da. Ihr heißer Atem und der Staub drückten ihm die Kehle zu. Lena wurde zur Seite gestoßen, sie wirbelte herum und ihre Waffe traf Reno an der Schläfe.

Er nahm noch wahr, wie die kräftigen Hufen neben seinem Kopf aufschlugen, dann schwanden ihm die Sinne.

Fortsetzung folgt …

Copyright © 2012 by Michael Bahner

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Leseempfehlung des Autors:


Brosowski, Melanie
Gestrandet in der weißen Hölle

Verlag : Mohlberg, H
ISBN : 978-3-942079-72-3
Einband : Paperback
Seiten/Umfang : 215 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform : B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum : 15.03.2012
Aus der Reihe : Ad Astra 15

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Titel erhältlich bei Libri.de

Chet Morrow und seine Begleiter sind auf dem Weg zu der Heimatwelt der Makis. Da das Transmittersystem der Außerirdischen eine begrenzte Sprungweite hat, müssen die Menschen und die sie begleitenden Makis immer wieder Zwischenstation auf teilweise mehr oder weniger unwirtlichen Welten einlegen. Und so kommt es, wie es kommen muss – sie stranden auf einer Eiswelt!!!

Ohne technische Hilfsmittel und die Möglichkeit, über Funk Hilfe anzufordern, scheinen sie dem Tode nahe – aber dann treffen sie auf einen ebenfalls Gestrandeten. Dieser Sternenmischling hilft ihnen nach anfänglicher Zurückhaltung und für Chet Morrow eröffnet sich ein neues Kapitel in der Geschichte menschlicher Zusammenarbeit.

Sollte die Geschichte dieser Mischlinge und die Erkenntnis daraus der Menschheit eine neue Richtung aufzeigen…?

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RENO – Kapitel 2 – Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte von Michael Bahner

Erstellt von Michael Bahner am 29. Oktober 2011

Reno

Kapitel 2

Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte

von

Michael Bahner

Was bisher geschah …

Kilometerweit zog sich eine rauchende Schneise durch das Buschland. Überall lagen brennende Äste und Sträucher auf den Böschungen und in deren näherer Umgebung. Im einsetzenden Nieselregen verwandelten sie sich schnell in qualmendes und stinkendes Holz. Die aufgeworfene Erde war übersät mit glitzernden Glaspartikeln, geschmolzen im heißen Strahl der Plasmajets. Sie zischten und klirrten leise im Regen.

Am Ende der Furche steckte der Hopper in einer Moräne aus Dreck, Steinen und Wurzeln. Ein kokelndes, zerfetztes Stück Weltraumschrott, bei dem die Pilotenzelle das einzige Teil zu sein schien, das einigermaßen intakt geblieben war. Was von dem Wrack noch heraus schaute war über und über bedeckt von einer pulsierenden Schicht dicker, weißer Raupen. Ein letztes klägliches Fauchen drang noch tief aus den Eingeweiden der Jets, dann regte sich nichts mehr.

Der Regen wurde allmählich stärker, bis er zu einem undurchdringlichen Schauer angeschwollen war, mit rauschenden grauen Schleiern, die den Hopper bald vollständig eingehüllt hatten und den Graben, in dem er lag, schnell mit schlammiger Brühe füllten.

Jetzt konnte die Libelle nichts mehr erkennen, aber sie fühlte, dass alle Informationen ihr Medium erreicht hatten. Außerdem wurde es immer schwieriger, im strömenden Regen zu manövrieren. Ihr Pelz, obwohl gut eingefettet, begann schon merklich schwerer zu werden. Wenn sie noch länger in diesem Unwetter blieb, würde sie überhaupt nicht mehr fliegen können und kriechen müssen.

Hier, in diesem von Arachniden verseuchten Land kann das tödlich sein!

Sie selbst konnte diese komplexen Überlegungen nicht anstellen, sie selbst hatte nichts von den Arachniden zu befürchten, aber sie spürte die dunkle Angst in den Gedanken ihres Mediums. Sie waren in dieser Mission ein untrennbarer Teil von ihr. Daher schwirrte sie so weit und so schnell, wie es ihr möglich war, in die Höhe und machte sie sich eilig auf den Rückweg.

Ihre wilden Artgenossen waren schon lange verschwunden.

***

Von Westen her soll ein Unwetter aufziehen? Ich hoffe, dass unser Unternehmen dadurch nicht gefährdet wird.

Kaiser Nangklao stand auf dem Balkon des Audienzsaals und wartete einen Moment, bis der kaiserliche Berater, der Spähmeister und das Medium des Spähers den Saal verlassen hatten.

Die tiefstehende Abendsonne wärmte ihm die Stirn, und er genoss den lauen Wind, der von der Ebene herauf wehte. Ihr Licht verwandelte die Dächer und Mauern unterhalb des Palastes in ein Pastellbild aus unwirklichem Rot; grobkörnig und verschwommen schimmerte es durch die Dampfwolken, die aus den Fahrzeugen, den Maschinen und den Schornsteinen der Häuser pulsierten. Und es zauberte funkelnde Splitter auf die Schindeln und Metallverkleidungen von hunderten von Türmchen und Giebeln.

Obwohl der Palast hoch über der Stadt lag, konnte der Kaiser noch den Gestank der Abgase und des Öls wahrnehmen. Er spürte auch die Feuchtigkeit, die die vielen Dampfmaschinen erzeugten. Aber es zogen auch andere Gerüche heran: von Pulver und Raketenbrennstoff. Es roch nach Ärger – nach Krieg.

Vielleicht auch nach beidem, sinnierte der Kaiser und musste unwillkürlich lächeln.

Als das erste Objekt vom Himmel gestürzt war, hatten sie zwei Späher losgeschickt. Schnelle Libellen, die zu klein waren, um Menschen tragen zu können. Stattdessen waren sie so gezüchtet und trainiert, dass sie eine Reihe simpler Befehle verstanden und einfache Aufträge, wie das Beobachten bestimmter Regionen aus großer Höhe, selbstständig ausführen konnten. Allen diesen Tieren waren Medien zugeteilt, die sich mit deren Gedanken verbinden konnten. Auf diese Art war ein Medium in der Lage, alle Sinneseindrücke seines Spähers zu empfangen und das zu fühlen und zu sehen, was auch das Tier fühlte und sah.

Es gab nur wenige Menschen, die diese wunderbare Gabe hatten; sie konnte weder erlernt noch vererbt werden. Es handelte sich um eine Mutation, eine äußerst seltene Laune der Natur, die einerseits kostbarer war als irgendein Metall auf dieser Welt, aber andererseits auch gefährlicher als die schärfste Klinge oder das größte Schlachtschiff, wenn sie richtig eingesetzt wurde. Niemand außer dem Kaiser selbst oder von ihm ernannte Personen waren befugt, über die Medien und ihre Späher zu verfügen.

Einer der Libellenspäher, die sie losgeschickt hatten, war aus heiterem Himmel von einem zweiten Himmelsobjekt getroffen worden, als sie dabei gewesen waren, die Landestelle des ersten zu erkunden. Der Schock hatte sich sofort auf das Medium übertragen und es auf der Stelle getötet. Der zweite Späher hatte sich noch aus der Gefahrenzone retten und beobachten können, wie das Objekt von dem Schwarm wilder Libellen angegriffen worden war, bei denen sie sich verborgen hatten. Die letzten Bilder, die er seinem Medium übermittelt hatte, waren jedoch umso interessanter und wichtiger: es handelte sich tatsächlich um ein Gefährt, das von Menschen gesteuert wurde. Ein Gefährt, das womöglich in den Himmel und zu den Sternen fliegen konnte – oder von dort kam!

Ich muss diese Fluggeräte besitzen, dachte der Kaiser. Wenn diese Menschen noch leben, muss ich sie mir zu Verbündeten machen – oder gefügig. Wer solche Fluggerräte bauen kann, muss auch Waffen haben, die allen unseren überlegen sind. Ich muss ihre Technik besitzen, ihre Macht. Unbewusst ballte er die Fäuste, und sein Mund verengte sich zu einem schmalen Strich. Diese Macht wird es mir ermöglichen, in jedem Land dieses Planeten die Herrschaft zu übernehmen.

Die weite Ebene hinter der Stadtmauer lag golden da und breitete sich bis zum Horizont aus. Irgendwo dort draußen waren die Grenzen seines Reiches und dahinter lagen die Objekte, die für ihn so unsagbar wichtig waren. Irgendwo dort draußen würde sich auch die Zukunft seines Reiches entscheiden.

Was für eine friedliche Szenerie, dachte er bei sich und entspannte sich wieder. Fast zu friedlich. Die Stadtwachen sind in Alarmbereitschaft und mein Heer und die Luftwaffe sind schon mobilisiert. Wir wissen ja nicht, mit wem wir es zu tun haben.

In diesem Moment schob sich von Norden ein riesiger zigarrenförmiger Schatten vor den glühenden Himmel. Er breitete sich schwarz über die Stadt aus, wild umschwirrt von einer Eskorte Libellen. Dieser Blimp war das größte der kaiserlichen Luftschiffe und maß von Bug bis zum Heck über tausend Ellen. Ein Titan von einem Schlachtschiff – aber was für ein Spielzeug mochte es gegen die Macht der Himmelsmenschen sein?

An der Seite seiner Gashülle prangte golden das geschwungene kaiserliche Wappen. Drohend und majestätisch schwebte er beinahe lautlos dahin auf seinem Weg zurück zu den Hangars, die im Windschatten der Berge auf der anderen Seite der Stadt lagen. Nur das dumpfe Brummen der Rotoren und das auf- und abschwellende Surren der Libellenflügel drang aus der Ferne zum Balkon herüber.

Jäh riss ihn ein kurzes hohes Zischen aus seinen Gedanken und signalisierte ihm, dass sich die Türen bewegt hatten. Er vernahm das leise Knirschen von Stiefeln. Leichte Schritte in geschmeidigem Leder: Mom Chao. Die Tochter seiner sechsten Konkubine, stand hinter ihm und betrachtete ihn schweigend: seine hagere Gestalt, seinen langen Umhang mit den roten samtenen Streifen, die wie Lava von innen heraus zu leuchten schienen, und seinen schmalen Kopf, der bis auf den Spitzbart umbehaart war.

Was will er nur von mir? Wie Respekt einflösend er aussieht, sein sehniger Körper, seine erhabene Haltung, seine ganze Erscheinung, dachte sie bitter. Ein großer, hagerer, alter, widerlicher Despot – und doch stark und mächtig.

An seiner Seite sah sie einen kleinen mit Saphiren besetzten Dolch in den Falten seines Umhangs funkeln. Sie wusste, dass sie trotz ihrer Jugend, ihrer Kraft und ihrer Gewandtheit einen Zweikampf nicht gewinnen würde; sie wusste auch, dass der Kaiser keine Gnade kannte, nicht für seine Feinde und nicht für sie, sein Blut.

„Das ist die Himmelsglanz”, erklärte der Kaiser unnötigerweise. „Sie ist das größte Luftschiff unserer Streitkräfte.”

Ich weiß, alter Mann, dachte Mom Chao, und sie sollte von Rechts wegen mir unterstehen, mein Schiff sein. „Ja, Vater”, antwortete sie stattdessen nach einer kurzen Pause.

Der Kaiser ahnte, was in ihr vorging. Sie war Leutnant bei seinen Luftstreitkräften und befehligte dort eine Kompanie Libellen. Aber sie war auch die Tochter des Kaisers, und als solche hätte ihr eine höhere Stellung zugestanden. Dennoch wollte er ihr nicht mehr Verantwortung übertragen – noch nicht. Sie hatte zwar ein gutes Gespür für Strategie und Taktik und war auch sehr versiert im Umgang mit Waffen. Aber sie besaß auch noch diese jugendliche Arroganz, alles besser wissen zu wollen, widersprach in ihrem Jähzorn Befehlen und ließ sich noch zu oft von ihrem Enthusiasmus hinreißen. Solche Ausbrüche konnte sie am Hof ausleben, wo außer gebrochenen Herzen oder Kränkungen kein Schaden entstand. Hier konnte sich ihr Verhalten glattschleifen, bis sie sich ganz und gar auf ihr Talent konzentrieren konnte. Aber bis es soweit war, musste sie der Kaiser bei der Stange halten.

Er lächelte verhalten. „Unsere dringendste Aufgabe ist die Untersuchung dieser seltsamen Fluggeräte.” Er überlegte einen Moment. „Wir werden umgehend eine Expedition ausrüsten, ein Bergungskommando. Es darf uns niemand zuvor kommen.”

Mom Chao stutzte. „In diesem von Arachniden verseuchten Gebiet? Wer soll uns da schon zuvor kommen?”

„Ich … wir müssen diese Geräte haben und die Menschen, die darin waren. Ich bin mir sicher, dass wir nicht die einzigen sind, die hinter diesen Fremdweltlern und ihren Maschinen her sind. Aber wir müssen die ersten sein, um jeden Preis”, zischte der Kaiser. „Die Arachniden sind dabei nebensächlich, auch wenn sie nicht leicht abzuwehren sind. Aber diesen Preis müssen wir zahlen. Durch die Beobachtung unserer Späher kennen wir den genauen Standort, wo die Fremdweltler gelandet sind”, fuhr der Kaiser ungerührt fort. „In der Morgendämmerung wird die Expedition aufbrechen.”

„Es sind mehrere Tagesreisen bis dorthin”, gab Mom Chao zu bedenken, „eine lange Reise. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir so lange gegen die Spinnen bestehen können.”

„… was es unumgänglich macht, dass wir aus der Luft operieren. Und sie …”, er zeigte auf die Himmelsglanz, die sich eben zu den Hangars senkte, „… sie wird das Herzstück der Operation sein. Im Übrigen habe ich angeordnet, dass sie in der Nacht ausgerüstet wird.”

Und ich befehlige sicher wieder einen Schwarm mickriger Libellen, dachte Mom Chao und presste die Lippen aufeinander.

Kaiser Nangklao drehte sich um und fixierte seine Tochter, die sich bemühte, sich ihre Verärgerung nicht anmerken zu lassen.

Ein kleiner, begrenzter Einsatz als Kommandantin ist genau die Art Geschenk, die sie wieder gefügig macht und ihre Aufsässigkeit im Zaum hält, überlegte der Kaiser. Laut sagte er: „Es erübrigt sich vermutlich, dich zu fragen, ob du dir das Kommando zutraust?”

Mom Chao war völlig verblüfft. Sie sollte das Kommando über die Himmelsglanz bekommen, hatte sie das richtig verstanden? Sie hätte in die Luft springen mögen, vor Freude schreien, aber sie hielt sich zurück und erwiderte stattdessen mit rauer Stimme: „Natürlich traue ich es mir zu – Vater.”

JA. Es geht voran, aber das ist nur der Anfang. Und wenn du glaubst, mich mit diesem Zuckerbrot abspeisen zu können, hast du dich getäuscht, alter Mann. Die Himmelsglanz habe ich, und die Fremdweltler, wie du sie nennst … nun, was für dich so wunderbar und wertvoll ist, kann für mich nur von Vorteil sein.

„Und wenn ihnen etwas zustößt?”

„Den Fremdweltlern?”

„Ja. Wenn sich die Arachniden vor uns um sie kümmern.”

„Das wäre bedauerlich, und ich wünsche es nicht.” Die letzten Worte murmelte der Kaiser nur noch, dann wandte er sich wieder um und beobachtete, wie die Himmelsglanz mit ersterbendem Motorengeräuschen hinter den Bergen verschwand.

Sonst was, alter Mann?

Aber der Kaiser schwieg. Die Unterredung war beendet.

***

„Licht …“, stöhnte Reno, aber nichts geschah.

Obwohl er die Augen geöffnet hatte, konnte er rein gar nichts sehen. Es roch stumpf und muffig wie in einem alten Keller. Er hing vorne über in den Gurten und fühlte sich wie ein Fisch im Netz. Der Hopper hatte wenigstens zwanzig Grad Neigung und steckte vermutlich wie ein Pfeil im Boden. Mit wenigen Handgriffen hatte er sich von seinem Gurt befreit. Aber er konnte er seine Beine kaum bewegen. Als er nach unten griff, bemerkte er, dass sie mit Erde bedeckt waren. Neben seinem Sessel war ebenfalls alles voll. Das erklärte auch den Gestank. Die Schicht, die jetzt den Boden des Cockpits bedeckte, war vielleicht einen Meter tief, glücklicherweise nicht mehr.

Langsam kam ihm wieder in Erinnerung, dass sie abgestürzt waren. Wie lange mochte das her sein? Mit Mühe befreite er seine Beine und suchte in der Dunkelheit nach dem Pilotensessel. Dort fand er Lena immer noch vorschriftsmäßig angeschnallt und offenbar ohnmächtig. Sie rührte sich nicht und gab auch keinen Laut von sich als er sie berührte. Es dauerte ein paar hundert nervige Sekunden bis er sie losgefummelt hatte. Er musste aufpassen, dass sie nicht mit dem Kopf auf den Boden fiel.

Schließlich zog er sie nach achtern, wo der Untergrund frei von Erdreich war. Ihre Atemmaske baumelte nutzlos an der Seite ihres Anzugs herunter; beim Ziehen schlug sie ständig gegen sein Knie.

Was soll’s, dachte Reno. Wozu noch die Maske? Er hatte es während ihrer sauberen Landung nicht mal geschafft, seine überzuziehen, also konnte die Luft nicht so schlimm sein. Trotzdem checkte er sie sicherheitshalber. Der Anzug gab sein Okay.

„Hey, Süße”, flüsterte er, den Kopf ganz nah an ihrem Gesicht. „Mach jetzt nicht schlapp. Komm schon, wach auf.” Er fühlte ihren schwachen Puls, aber sonst keine Reaktion. „Warte einen Moment …” – was für eine bescheuerte Bemerkung! – „… ich hole Licht und … und die Med-Ausrüstung.”

Vorsichtig tastete er sich weiter in die Richtung, in der er die Schleuse vermutete, als ihn ein kurzer durchdringender Schrei zusammenzucken ließ.

Lena? – Nein!

Ein fahler, Faden dünner Lichtstrahl befand sich plötzlich direkt vor ihm in der staubigen Luft und verband Backbord mit Steuerbord. In rascher Folge erschienen immer mehr, jedesmal von einem unangenehmen Quietschen begleitet. Doch bevor Reno sich orientieren konnte, um zu erkennen, woher sie kamen, brach ein mannshohes Stück kreischend aus der Seitenwand. Nur durch einen beherzten Sprung konnte er sich in letzter Sekunde in Sicherheit bringen. Das Bruchstück schlug gegen einen Sitz, der ohne nennenswerten Widerstand zusammenknickte.

Wenigstens hatten sie jetzt Licht und einen Ausgang gefunden – doch die Ränder dieser neuen Öffnung wimmelten und sonderten zähflüssiges Sekret ab, und an hauchdünnen Fäden baumelten winzige, sich krümmende Leiber.

„Verdammt, die Mistkäfer“, entfuhr es Reno. Sie mussten so schnell wie möglich raus. „Ich möchte nicht wissen, worauf die sonst noch Appetit haben – außer auf Raumboote.”

Ein leises Stöhnen drang aus dem Komm-Interface an seinem Anzug. Lena war erwacht. Gottseidank! Sie war noch vollkommen desorientiert und ließ sich mehr ziehen und schleppen, da sie noch nicht in der Lage war, ihren Beinen Befehle zu erteilen. Durch die neue Öffnung war bereits wieder Erde eingedrungen, matschiger als die im Cockpit und durchsetzt von weißen zuckenden Maden. Sie drohte, immer weiter zu rutschen und das Loch wieder zu verschließen.

Reno kämpfte sich mit seiner Pilotin über die glitschigen Massen nach draußen. Er zog und ruderte und versuchte mit den glatten Sohlen seiner Raumstiefel auf der rutschigen Oberfläche nicht den Halt zu verlieren. Plötzlich merkte er, dass Lena nicht mehr schlaff an seinem Arm hing. Offensichtlich hatte sie sich wieder einigermaßen berappelt. Sie war neben ihm und stapfte mühsam nach oben. Ihre Pistole benutzte sie wie einen Eispickel, mit dem sie sich Stück für Stück bergan zog.

„Eine der wenigen sinnvollen Anwendungen für die Dinger”, keuchte sie und schaffte es trotz der Anstrengung, über ihre Bemerkung zu kichern.

Schnell hatte Reno seine Waffe ebenfalls gezogen. Eigentlich ein Sakrileg, dachte er, machte es ihr aber nach. Dann waren sie oben, wo sie sich erschöpft auf die nasse Erde fallen ließen.

Allerdings blieb ihnen nicht viel Zeit zum Verschnaufen, denn im nächsten Moment wurde Reno von kräftigen Händen gepackt und den Abhang hinunter geschleift. Er fingerte hektisch an seiner Pistole herum, während ihm Steine und Gestrüpp gegen den Kopf knallten, wollte sich aufrichten und den Angreifer ins Visier nehmen, aber die Waffe entglitt seinem Griff. Eben hatte er sie wieder umklammert, da sah er dicht vor sich die Mündung eines Sturmgewehrs auftauchen und hörte, wie jemand in seiner Nähe „Feuer!” befahl.

Dann rollte eine Welle wie eine Feuerwalze über ihn hinweg. Reno spürte die Gluthitze noch durch den Anzug, also behielt er zur Sicherheit den Kopf unten. Über und hinter ihm knisterte und ploppte und zischte es. Schließlich verebbte das fauchende Geräusch des Feuerwerfers, nur das Poppcorn-Ploppen der zerplatzenden Raupen blieb.

Reno reagierte blitzschnell. Mit der Linken schlug er den Gewehrlauf weg und rammte seine Pistole in das, was er für Kniekehlen hielt. Die Gestalt knickte sofort ein – es war ein Mensch. Im nächsten Moment war er auf ihm und raufte mit ihm im Morast herum. Bald hatte er ihm das Gewehr entrungen und weggeschleudert, da ertönte das beißende Knacken einer Laserpistole, und auf dem Brustharnisch einer der Leute, die sie beobachteten, erblühte ein blauer Fleck, der sich schnell verflüchtigte.

Lena hatte geschossen! Aber als Reno überrascht zu ihr hinüberblickte, hing sie schon im Schwitzkasten eines anderen Soldaten.

Die Kerle ist gut gepanzert – das müssen Tschangs Leute sein! schlussfolgerte er messerscharf. Leider war das genau die Ablenkung, die sein Sparringpartner benutzte, um ihn zu überwältigen.

„Hätten wir die Formalitäten also geklärt.” Nicht weit von der Böschung entfernt stand noch ein Soldat – auf wackeligen Beinen, mit hilflos baumelnden Armen – und versuchte mäßig erfolgreich, seinen irren Blick auf die Neuankömmlinge zu heften.

Himmel, auch das noch, durchfuhr es Reno, ein ferngelenkter Sklave, ein Besessener! Dieser Mistkerl übernimmt tatsächlich Menschen.

„Ich heiße sie herzlich Willkommen auf Aladin I, meine Dame und mein Herr“, verkündete der Mann die Worte seines Meisters. „Mein Name ist Aristoteles Robert Tschang.”

Fortsetzung folgt …

Copyright © 2011 by Michael Bahner

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Leseempfehlung des Autors:

Flugmaschinen

Verlag : Dorling Kindersley
ISBN : 978-3-8310-1880-2
Einband : gebunden
Seiten/Umfang : ca. 72 S., durchg. farb. Fotos, Ill. – 28,0 x 21,6 cm
Produktform : B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum : 09.2011
Aus der Reihe : memo 41

Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Seit Jahrtausenden wollen sich die Menschen wie Vögel in den Himmel erheben, doch erst vor gut 200 Jahren ermöglichten Ballons, die leichter als Luft waren, das Fliegen. Welche Flugmaschinen gibt es? Wie fliegt ein Flugzeug? Und was ist ein künstlicher Horizont? Auf diese und viele weitere Fragen bekommen Kinder in Band 41 der großen neuen Wissensreihe memo Antworten. Spektakuläre Bilder von Doppeldeckern, Propellermaschinen und superschnellen Düsenjets sind mit gut gegliederten, kurzen Texten kombiniert. So werden auch schwierigere Sachverhalte leichter begreifbar. Rubriken wie “Erstaunliche Fakten”, “Fragen und Antworten” oder “Rekordverdächtig” vertiefen das vermittelte Wissen. Ein Glossar am Ende des Buches gibt noch einmal einen Überblick über das ganze Thema. Ideal auch für Referate und Schulprojekte.

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RENO – Kapitel 1 – Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte von Michael Bahner

Erstellt von Michael Bahner am 20. September 2011

Reno

Kapitel 1

Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte

von

Michael Bahner

Ihr Auftrag war klar. Runter auf Aladin I, die markierten Quadranten abchecken, bis sie den Kerl entdeckt hatten, ihn und seine Spießgesellen einsammeln und dann nichts wie zurück zum Schiff. Hörte sich an wie eine runde Sache, im Handumdrehen erledigt.

Natürlich steckte auch hier wie immer der Teufel im Detail.

Eben trat der Sphärenhopper in die obersten Schichten der Stratosphäre ein. Als die ersten Wirbel gegen die Unterseite trommelten, begann er gleich in Panik zu bocken, kriegte sich aber mit der Zeit wieder ein und entschied sich, Insassen und Inventar nur in einem gemäßigt wilden Rock ‘n’ Roll durch die turbulente Strömung zu rütteln. Währenddessen versuchte Bill Haley aus voller Kehle mit shake, rattle and roll über das Intrakomm gegen das Trommeln anzubrüllen. Von oben züngelten noch erste helle Flammen über die Fenster, bevor sich die fotoaktiven Scheiben abdunkeln konnten. Das Brummen der vibrierenden Tragflächen und des Rumpfes wurde immer lauter und aggressiver, bis Bill mit seinen Comets schließlich in der Geräuschkulisse unterging.

Der Kerl war übrigens nicht irgendwer. Leider. Sein Name war vielleicht sogar bekannter als der des Präsidenten, wenngleich auch die wenigsten wussten, wer die Person war, die sich tatsächlich dahinter verbarg. Aristoteles Robert Tschang, Multimilliardär, einer der mächtigsten Menschen des Bundes.

Mit seiner Jacht war er vor wenigen Stunden im Orbit von Aladin I erschienen und sofort mit einem Shuttle zur Oberfläche abgetaucht. Schon das Eindringen in den Orbit des Planeten war ein offenkundiger Gesetzesverstoß, da über Aladin I immer noch ein Tabu verhängt war, aber die letzte Aktion, die Landung, ging nun gar nicht. Dass er nicht direkt von den Weltenhütern abgefangen worden war, war nicht ganz so erstaunlich, da in einer Orbitalüberwachung, die nur aus einer Station bestand, erwartungsgemäß große Lücken klafften.

Immer noch rappelte und holperte der Hopper durch die Atmosphäre. Lena saß neben Reno im Pilotensessel – ihr Gesicht war hinter der Insektenmaske des Raumhelms verborgen – und wackelte wie ein Cocktail-Shaker. Leidenschaftslos und kalt wie gecrashtes Eis, dachte Reno. Nur nicht die Beherrschung verlieren. Das war auch ihre Aufgabe. Als das Rütteln zu stark wurde, startete sie widerwillig einen der Plasmajets. Aber nur kurz. Reno vermutete, dass sie wegen dieser Aktion eine Schnute zog. Das tat sie immer, wenn ihr etwas gegen den Strich ging. Die Jets konnten über weite Entfernungen registriert werden, auch von außerhalb der Atmosphäre. Wenigstens trat die beabsichtigte Wirkung sofort ein: der Hopper beruhigte sich fast augenblicklich.

Ein weiteres Detail ihres Auftrags war, dass sie unerkannt bleiben mussten, und das aus gutem Grund. Aladin I war einer der Planeten, die sich am Rande des Gebietes befanden, das die Menschen bisher erforscht und auch teilweise besiedelt hatten. Der Planet war zwar noch unerforscht, aber er beherbergte eine reiche Flora und Fauna – und intelligentes Leben in Form einer offensichtlich humanoiden Rasse, einer Zivilisation der Prä-Raumfahrt-Ära. Solche Zivilisationen waren zunächst tabu. Warum? Erstens damit sie in aller Ruhe erforscht und ausgespäht werden konnten; zweitens damit aufgrund dieser Ergebnisse Pläne ausgearbeitet werden konnten, in welcher Art mit diesen Leuten kommuniziert und gegebenenfalls verhandelt werden musste; und drittens damit genug Zeit blieb, um schweres Kampfgerät in die Umlaufbahn zu schaffen, falls von Seiten der Eingeborenen nicht der Wunsch bestand, nach den Regeln des Bundes zu kommunizieren.

Aber drittens gab es natürlich offiziell nicht. Auf der Militärakademie beschränkte sich die höhere Mathematik, die Zahlen über drei einschloss, auf die Leute, die die Offizierslaufbahn einschlugen; die niedrigeren Dienstgrade mussten sich mit eins, zwo und jawoll begnügen. Und das Militär bestimmte die Regeln auch weitab der Kolonien.

Und für uns brave Weltenhüter gilt dasselbe, dachte Reno und runzelte die Stirn. Dann studierte er wieder die Aufzeichnungen der Tiefenscans. Ausgedehnte Waldlandschaften durchzogen von glitzernden Flussbändern. Weiter. Gebiete, in denen Steppe in Wüste überging. Weiter. Übergang in vertrockneten Wirsing, braunes faltiges Land, Hügel und Berge ohne oder nur mit kümmerlicher Vegetation. Weiter. Schimmliges Grün über den Falten mit braunen Ringen und immer mehr weißen Häubchen. Weiter. Hinter den Schnee bedeckten Gipfeln fiel das Land schnell wieder ab und lief in eine weite grüne Ebene aus ohne sonstige erkennbare Struktur. Das war ihr Ziel.

Allmählich wurden die Fenster wieder durchsichtig, und das Sonnenlicht verteilte glitzernde Lichter und schwere schwarze Schatten über die Armaturen. Der Hopper fegte im steilen Gleitflug zwischen den Wolken hindurch, um möglichst schnell an Höhe zu verlieren. In weniger als zwei Kilosekunden würden sie ihr Ziel erreichen; wie zur Bestätigung tanzte ihr Zielpunkt auch wieder lustig über das Suchholo.

Reno seufzte tief, brachte Roy Orbison mitten im Vibrato von Pretty Woman zum Schweigen und nahm seine Atemmaske ab. Das Rauschen in seinen Ohren, der Nachhall Abstiegs und der Musikbeschallung, ebbte langsam ab. Und dann war nur noch das leise Singen der weit ausgestreckten Flügel zu hören.

„Ich möchte nur wissen, was er auf der Oberfläche will“, sinnierte Lena. „Nach Rohstoffen forschen? Das kann er doch per Satellit machen oder anderen überlassen.“

„Sklavenhandel, Waffen verschieben, sich als König aufspielen, was weiß ich“, brummte Reno. „Mit Sicherheit ist es illegal. Was glaubt er überhaupt? Dass wir ihn nicht finden? Na, so ausgebufft, scheint er doch nicht zu sein. Der kann sich auf was gefasst machen, alles was recht ist.“

„Komm schon, Großer, cool down,“ nuschelte Lena hinter ihrer Maske hervor. Sie steuerte den Hopper in eine lange Linkskurve, sodass der Punkt auf dem Suchholo wieder ins Zentrum mäanderte. „Reize niemanden, der größer und stärker ist als du selbst. Du kannst sicher sein, dass er kooperativ ist, in seinen kleinen goldenen Vogel steigt und abzwitschert. Er weiß ja ganz genau, was er darf und was nicht. Und ganz offen wird er uns oder das Militär nicht gegen sich aufbringen. So dumm ist er nicht.“ Vorsichtig knetete sie das Steuer, um ihre steifen Finger zu entkrampfen. „Außerdem, was kann ihm schon passieren? Er ist einer der reichsten Leute im Bund. Mit ein paar Tausendern an den richtigen Stellen, vielleicht einer geeigneten Beförderung …“

„… haben wir ihn nur auf einer kleinen Sightseeing-Tour begleitet, uns mit Tee, Plätzchen und Ekstasims eingeschleimt, und am Schluss küssen und umarmen wir uns und haben uns schrecklich lieb“, beendete Reno mürrisch den Satz und beäugte seine Pilotin skeptisch.

„Richtig, mein Held,“ bestätigte Lena und lächelte unter ihrem Helm still in sich hinein.

„Ok, du hast das Kommando – so lange wir in der Luft sind -, aber wenn er unten Sperenzchen macht“, sagte Reno und tätschelte seine Pistole, „dann werde ich ihn als Grillfleisch im Kühlfach zurück transportieren.“

Als der Hopper in die Zielgerade einschwenkte, überließ Lena der KI das Steuer und nahm ebenfalls ihre Maske ab. „Lass deine Artillerie stecken“, sagte sie beiläufig und strich sich ein paar rote Strähnen aus der Stirn. „Wir werden die Sache ganz ruhig über die Bühne bringen, ganz ohne Hauen und Schießen.“

Dann sah sie ihn mit ihren großen hypnotisch grünen Augen an und fragte mit gespielter Schüchternheit: „Meinst du, dass du das hinbekommst?“

Reno brachte als Antwort nicht mehr als ein zustimmendes Grunzen zustande.

Genau in diesem Moment heulte der Alarm auf und rote Lichter fingen an, hektisch zu blinken. Ehe einer von ihnen reagieren konnte, übernahm die Abwehr-Automatik das Schiff. Die Gurte strafften sich augenblicklich und zogen sie mit einem so heftigen Ruck in die Polster zurück, dass den beiden nur noch ein kränkliches „Hmmpf“ entfuhr. Statt der Gleitflügel ragten jetzt die Hochgeschwindigkeitsstummel aus dem Rumpf, und die sanften Bewegungen wichen einem brutalen Impuls-Staccato, als die KI mit den reaktivierten Plasmajets Ausweichmanöver flog.

Jetzt ist’s vorbei mit der Heimlichkeit, dachte Reno ernüchtert.

Soweit er erkennen konnte, wurden sie von mehreren schnellen Flugkörpern attackiert; neun oder zehn, vielleicht auch ein Dutzend. Bei den Beschleunigungen fiel es ihm schwer, die Instrumente zu fokussieren. Alles verschwamm vor seinen Augen; Lichter, Wolken, Instrumente; rot, weiß, blau, schwarz, schillerndes Grün überlappten sich und wurden eins. Er schloss die Augen und sah nur noch rosa Irrlichter und helle Blitze, die über seine Lider zuckten. Das hochfrequente Kreischen der Plasmajets dröhnte in seinen Ohren. Dann legte ein lauter Knall seine Hörfähigkeit lahm, und der Schlag kurz darauf hätte ihn beinahe auch seines Denkvermögens beraubt.

Unter pochenden Schmerzen öffnete er wieder die Augen. Gleich würden die Endorphine wirken und Schmerzen und Sternchen vertreiben. Lena hatte bereits wieder das Steuer übernommen. Wann was das denn passiert? Vielleicht war er doch länger weg gewesen als er gedacht hatte. Reno wusste, wie ergeizig sie war und wie wenig sie der KI in kritischen Situationen vertraute. Ganz im Gegensatz zu ihm. Außerdem hatte sie es irgendwie geschafft, die Maske während dieser wilden Achterbahnfahrt wieder überzustülpen. Wie war ihm völlig schleierhaft; er wagte kaum, seine Arme aus der Fixierung zu lösen, weil er Angst hatte, sich bei den gegenwärtigen hektischen Manövern damit k.o. zu schlagen. Er konnte also nur noch abwarten, auf Lenas Fähigkeiten vertrauen – und anständig Schiss haben.

Lena kurvte scheinbar ziellos durch die Gegend, schien aber mit ihrer undurchschaubaren Kunst einigen Erfolg zu haben. Zumindest waren auf dem Holo weniger feindliche rote Punkte als zu Beginn zu erkennen.

Ein dumpfer Schlag lenkte Renos Aufmerksamkeit auf das linke Seitenfenster, an dem eine grünliche schleimige Substanz klebte und mit surrealer Behäbigkeit von der enormen Luftströmung in Richtung Heck verzerrt wurde. Es musste sich um eine extrem zähe Masse handeln. Dunkle Schlieren zerfaserten langsam und gaben etwas frei, das entfernt einem riesigen Insektenflügel ähnelte, der über eine lange schwarze Sehne mit einem bunt schillernden ovalen Objekt verbunden war. Das gewölbte Ding zitterte wie verrückt in der Strömung, sodass Reno nicht genau erkennen konnte, was es war. Plötzlich stand es jedoch still, für einen kurzen Moment, als es von einem vorüberziehendem Schleimklumpen fixiert wurde, und war dann in der nächsten Sekunde verschwunden.

Ich flippe aus, dachte Reno entgeistert. Facettenaugen, groß wie meine Hand! „He, Lena,“ keuchte er. „Hallunziniere ich oder sind das … da draußen … äh … Scheiß … Rieseninsekten.“

Er konnte sie kaum verstehen, als sie unter ihrer Maske mit zusammengebissenen Zähnen zu murmeln begann. „Sie haben eher …“ Rasches Abtauchen über die Steuerbordseite, und sie pfiffen durch ein paar Wolkenfetzen auf die beunruhigend detaillierte und viel zu nahe Oberfläche zu. „… eher Ähnlichkeit mit Libellen auf der Erde …“

Ein Schuss Amphetamine bewahrte Reno vor einer Ohnmacht, als sie nach einem halsbrecherischen Turn wieder auf den azurblauen Himmel zurasten. „Wenn wir nur ein paar Waffen hätten, könnten wir das Viehzeug einfach abknallen.“

„… außerdem scheinen sie …“ Jetzt schossen sie in einer ballistischen Flugkurve abwärts, wie ein Meteor. „… direkt über unserem Ziel zu sein …“ Vorne durch das Fenster konnten sie die Libellen auf diese Entfernung nicht erkennen, nur die Holos verrieten ihnen, dass sie sich genau auf ihrer Flugbahn befanden. Doch dann zogen sie sich im Zickzack zurück, wie wenn sie sich entschlossen hätten, den Weg endlich frei zu geben.

Aus den Augenwinkeln sah Reno, wie sie die riesenhaften Libellen in einiger Entfernung mit aberwitziger Geschwindigkeit passierten. Doch dann erkannten sie, leider viel zu spät, warum sie zurück gewichen waren.

Zuerst sah es so aus, als seinen sie in Nebel geraten, bis sie mit Schrecken feststellen mussten, dass dieser Nebel sich an den Scheiben, dem gesamten Rumpf und den Flügeln festsetzte – und wuselte! Tausende und abertausende winziger Raupen oder Maden begannen, sich durch das harte Material des Hoppers zu fressen, von dem Reno bis zu diesem Zeitpunkt gedacht hatte, es sei unzerstörbar.

Lena riss das Steuer hastig an sich und fuhr gleichzeitig die Tragflächen aus, um den Hopper abzufangen. Sie musste versuchen, ihn so schnell wie möglich runter zu bringen und ihn dabei so gut wie möglich abzubremsen. Mit einem Mal krachten die ersten Bruchstücke aus den Tragflächen und von der Unterseite des Rumpfes, sodass der Hopper zunehmend an Auftrieb verlor und durchsackte.

Sie rasten bereits wenige zehn Meter über eine niedrigere Vegetation aus Büschen und verkrüppelten Bäumen dahin, jedoch immer noch mit viel zu großer Geschwindigkeit. Ihr Fluggerät jaulte ohrenbetäubend und strich jetzt so knapp über dem Boden, dass sein enormer Luftdruck eine kegelförmige Schneise im Buschwerk hinterließ und sich die Störung schwingender Gräser und Äste wellenförmig ausbreitete. Das letzte, was sie wahrnahmen, war, dass die steuerbordseitige Tragfläche beim ersten Bodenkontakt wie ein Holzbalken zersplitterte und den Hopper um seine Gierachse wirbelte. Schlamm, Äste und Steine wirbelten hoch, durchschlugen die Fenster, drangen ins Cockpit und begruben sie unter sich.

zur Fortsetzung  …

Copyright © 2011 by Michael Bahner

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Dr. Melanie von Orlow, Berlin, studierte u. a. Biologie. Seit ihrer Kindheit beschäftigt sie sich mit Bienen & Co. Sie ist Sprecherin der NABU-Bundesarbeitsgruppe Hymenoptera. Ihre Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet.

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IM PSYCHIVERSUM – Eine fantastische Kurzgeschichte von Michael Bahner

Erstellt von Michael Bahner am 17. April 2011

Im Psychiversum

Eine fantastische Kurzgeschichte

von

Michael Bahner

Nebel. Schwarze Nebel, von hinten, von vorne, von unten, von überall kamen sie her.

#Das ist normal, wenn man Kontakt aufnimmt. Vor allem, wenn man’s eilig hat; und eilig hat man es meistens. Am Anfang kitzelt es etwas im Psychosensorium. Und da man nicht lachen kann, wird das Ganze leicht unangenehm. Aber mit ein bisschen Übung hat man die Sache sehr schnell im Griff. Das wirst du auch bald merken.#

::Au.::

#Nicht so hastig. Wenn du so unvorsichtig mit den Fühlern umgehst, wirst du ruckzuck rausgeworfen. Bleib dicht hinter mir, und sei vor allem vorsichtig mit deinen Bewegungen. Siehst du da vorne den gelben Fleck? Gut. Da gehen wir zuerst hin.#

::Warte auf mich, ich komm nicht vorwärts.::

#Ach herrje, das habe ich ganz vergessen. Du darfst nicht deinen Körper motivieren, der nützt dir hier überhaupt nichts. Pass auf. Fühle, wie ich mich bewege. Ungefähr hier hier muss es dich anstrengen. Probiere es mal.#

::Ja, da strengt’s an. Und, schau her, ich bin schon vorwärts gekommen.::

#Gut, gut. Du musst zwar noch üben, aber für den Anfang war’s schon recht gut. Weißt du, deine Bewegungen dürfen nicht deinen Körper bewegen, das kann sonst recht gefährlich werden. Natürlich passen andere Leute auf, dass ihm nichts passiert. Aber so hundertprozentig sicher ist das auch nicht. Komm, besuchen wir den gelben Fleck.#

Beide kamen sie an den gelben Fleck und nahmen in ihm Platz. Die große Psyche hüllte sich um die kleine und vermittelte ihr eine andere Welt.

#Merk dir alles gut.#

Die dunklen Nebel verschwanden, formten Gebäude – sehr seltsame Gebäude –, schufen Wesen in jeder Größe, Farben, den Himmel, Dimensionen, gaben jedem Ding und jeder Kreatur einen Namen und machten sie mit der Kleinen bekannt. Und die Kleine freute sich so sehr, sodass die Große sie etwas bändigen musste. Beide verließen den gelben Fleck, um sich in der Welt umzusehen und um sich in ihr zurecht zu finden. Die Große war immer ganz dicht bei der Kleinen und immer in Sorge um deren Körper, der sich mit jeder ihrer psychomobilen Kapriolen mit bewegen musste. Schließlich rief sie die Kleine zur Ordnung, ermahnte sie, wieder brav zu sein und mit ihr nach Hause zu gehen.

#Für heute ist es genug. Außerdem kann man nie sicher sein, ob die Leute, die deinen Körper pflegen und vor Schaden bewahren sollen, gerade aufpassen. Aber wenigstens hast du jetzt mal das Psychiversum ein wenig kennengelernt. Und das behalte für die Zukunft: wie sicher du auch immer deine Psyche zu motivieren vermagst, tue nie unüberlegte Handlungen. Dein Körper wird immer an die hängen, bis zum Tod und wird immer mit motiviert werden. So, für heute lassen wir es gut sein. Sei also schön brav bis morgen, dann hole ich dich wieder ab. Gute Nacht.#

::Gute Nacht.::

Beide kehrten wieder heim.

Die Schwester beruhigte das Kind, legte es in sein Bett und setzte sich ein wenig daneben. Nach einigen Minuten war es eingeschlafen, und die Schwester löschte das Licht und verließ das Zimmer. Nach und nach erloschen auch die anderen Lichter in der Therapieanstalt für geistesgestörte Kinder.

Ende

Copyright © 1984 by Michael Bahner

Bildrechte: “Psychogenese – Dem Wahnsinn auf der Spur” (Psychogenese5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Psychogenese-50-minus150-0.jpg” (Originaltitel: Psychogenese5.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Varus, Chiara / Norstrøm, Sven
Das vierte Stockwerk

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Verlag :      AAVAA E-Book Verlag UG
ISBN :      978-3-86254-161-4
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Die Studenten Kai und Simon haben nur eins im Sinn: Saufen und Kiffen. Aus akuter Geldnot nehmen sie einen Job als Nachtwächter in der Psychiatrie an. Eigentlich prima, doch hier lauert ein uralter Dämon. Der ergreift Besitz von Kai und hat ebenfalls nur eins im Sinn: Chaos und Zerstörung. Nun ist es an Simon, seinen Freund zu retten – und nebenbei die Menschheit. Gemeinsam mit seinem Nachbarn, dem übergewichtigen Programmierer Achim, nimmt er den Kampf auf. Dabei stellen sich ihre Gegner als ebenso skurril heraus wie ihre Mitstreiter. Doch was tun, wenn jeder Plan schief geht? Wenn jeder Verbündete einen verarscht? Und wer geht Bier holen? „Etwas in ein Buch zu schreiben, bedeutet auch immer, eine Geschichte zu erzählen. Soll diese Geschichte etwa von fünf Versagern handeln?“

Sven Norstøm (geb. 1978) plante Apple aufzukaufen. Leider reichte sein Erspartes nicht mal für einen gebrauchten Amiga 500. Nun spart er auf Google. Als unverbesserliche PC-Userin („Ein Mac zum Zocken?“) strebte Chiara (geb. 1976) die Weltherrschaft mit Windows-basierten Kampfdronen an. Windows 98. Noch Fragen? Beide besuchten dieselbe Grundschule, lernten sich aber erst viel später kennen. Da blickten sie bereits auf eine lange Karriere voller Callcenter- und Studentenjobs zurück. Aber was soll’s. Man kann immer noch in die Politik gehen.

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