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Literatur-Blog

SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Virtuelle Welten”

Erstellt von Martina Müller am 2. April 2013

Virtuelle Welten

sfbasar.de-Anthologie Band 27

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Was sind VIRTUELLE WELTEN? – Leitthema dieser Anthologie. In der Regel bezeichnet man damit Welten, die sich nicht in der “Gegenständlichen Wirklichkeit” befinden, sondern in einem Computerprogramm oder Ähnlichem (obwohl die neueste Forschung davon ausgeht, dass es diese “Gegenständliche Wirklichkeit” überhaupt nicht gibt, sondern der Inhalt unseres Universums lediglich eine dreidimensionale Projektion seiner zweidimensionalen Oberfläche darstellt). Wichtiges Indiz einer Virtuellen Welt ist die simultane Partizipation mehrerer Teilnehmer oder einer handlungstragenden oder -erzeugenden Künstlichen Intelligenz, die sich voneinander unabhängig darin bewegen. Das reicht von rein textbasierten Produkten bis zu komplexen, dreidimensionalen Umgebungen. Für die Beiträge für diese Anthologie spielt es keine Rolle, welchen bestimmten physikalischen, sozialen und biologischen Gesetzen diese Virtuellen Welten unterliegen, die vom Erfinder, Designer oder Entwickler oder einem Gott festgelegt wurden. Was aber auch paßt – und an das Thema Androiden/Roboter angrenzt – sind Avatare, normalerweise Figuren, durch die Menschen in solchen Virtuellen Welten handeln und wirken, welche in die gegenständliche echte Welt überwechseln oder dort Funktionen übernehmen, dennoch virtuelle Personen bleiben (wie etwa in dem Comic/Film “Surrogates” – hier in der Anthologie vertreten), ganz im Gegensatz zu Robotern und Androiden. Nicht zu vergessen: der virtuelle Raum als Kommunikations- und Arbeitsfeld. Wie also wird in Zukunft die Kommunikation zwischen den Menschen aussehen? Wird man sich in virtuellen Räumen als Avatare treffen und sich gegenüberstehen oder -sitzen, in Wirklichkeit aber tausende von Kilometern, oder vielleicht sogar Lichtjahre von einander getrennt sein – wie in ELEVIN VOM HINDUKUSCH?

Wir würden uns freuen, wenn viele Autoren und Community-Autoren uns bei dieser Ausgabe unterstützen, indem sie uns reichlich Beiträge zur Verfügung stellen. Wir bedanken uns schon mal artig im Voraus und sehen uns im Virtuellen Raum unserer Anthologie – besser gesagt – in den Geschichten, Gedichten, Rezis und Artikeln – wieder.

DAS TRAUMMÄDCHEN 2 – Eine Fortsetzung von Christa Kuczinski

EINTAUCHEN – Leseprobe (Kapitel 1) aus “AZUREUS & PYGMALION”, Roman von Marcus Hammerschmitt

ELEVIN VOM HINDUKUSCH – Textauszug (Teil 1) aus dem 1. Kapitel des geplanten SF-Romans “Das Paradies der Schriftlosen” von Detlef Hedderich

ELEVIN VOM HINDUKUSCH – Textauszug (Teil 2) aus dem 1. Kapitel des geplanten SF-Romans “Das Paradies der Schriftlosen” von Detlef Hedderich

ELEVIN VOM HINDUKUSCH – Textauszug (Teil 3) aus dem 1. Kapitel des geplanten SF-Romans “Das Paradies der Schriftlosen” von Detlef Hedderich

HAINLEINS EXPERIMENTE – Eine utopisch phantastische Kurzgeschichte von Günther K. Lietz (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2013 – Geteilter Preis)

HEILE WELT – eine Science-Fiction-Story von Wilfried Hary

BUCHREZENSION: KRIEG DER SEELEN – KULTUR-ZYKLUS BAND 7 von Iain Banks. – Rezension von Armin Möhle

PLOPP! – Science-Fiction-Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 3/2011)

BUCHREZENSION: THE RING III – LOOP von Kôji Suzuki – Rezension von Michael Drewniok

COMICREZENSION: THE SURROGATES von Robert Venditti und Brett Weldele – Rezension von Frank Drehmel

COMICREZENSION: THE SURROGATES von Robert Venditti und Brett Weldele – Rezension von Christel Scheja

FILMBESPRECHUNG: SURROGATES – MEIN ZWEITES ICH (USA 2009) – Regie: Jonathan Mostow – Rezensiert von Werner Karl

NEU - VERLINKT – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Die Geister der Landes – Das Erwachen” von Judith C. Vogt

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Außerdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muß das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A.
Martina Müller & Mona Mee

Bildrechte: “Virtuelle Welten” (http://sfbasar.filmbesprechungen.de/wp-content/uploads/virtuelle-welten-cover.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Alltagsgeschichten (en gros)”

Erstellt von Martina Müller am 28. März 2013

“Alltagsgeschichten (en gros)”

sfbasar.de-Anthologie Band 9

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial: Liebe Freunde, liebe Besucher und liebe Leser: Heute möchte ich Euch wieder einen neuen Beitrag für diese Anthologie vorstellen, die nach und nach mit immer weiteren Beiträgen und Kurzgeschichten unserer Autoren gefüllt werden soll, die den Themenschwerpunkt “Alltagsgeschichten (en gros)” zum Inhalt haben.

Oft sind es die Geschichten, die einem im Allttag begegnen, die einen staunen lassen und bei denen man zweimal überlegt, ob das denn wirklich so gewesen sein konnte. Der Alltag beinhaltet das ganze Spektrum, welches das Leben bereit hält. Liebe Autoren, bitte öffnet alle Sinne und schaut und horcht und merkt Euch das, was Euch im täglichen Leben begegnet. In all diesen alltäglichen Erlebnissen steckt eine Story, die hier in unserer Anthologie erzählt werden möchte. Haltet also nicht hinterm Berg mit Euren Beiträgen und laßt uns zusammen diese Anthologie füllen, auf das auch alle Leser staunen können über das, was alltäglich in unserem Leben an spannenden Geschichten passiert!

Diese Anthologie soll offenstehen für allerlei  Beiträge, Geschichten, Artikel, Leseproben und auch andere Formen der Literatur. Dabei sehe ich die Grenzen eher fließend zu anderen Themen. Ich werde also sehr großzügig mit der Beurteilung sein, ob eine Story hier hineinpasst oder vielleicht doch nicht so ganz. Habt Mut und bietet mir Eure Geschichten an, von denen Ihr meint, dass sie hier reinpassen. Aber genug der Worte. Lassen wir jetzt die Beiträge zum Themenkreis “Alltagsgeschichten (en gros)” sprechen:

BUCHBESPRECHUNG: AN EINEM TAG IN PARIS von Ellen Sussman – Rezenion von Iris Gasper

AUS DEM TAGEBUCH EINES LEHRERS – Eine Kurzgeschichte von Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: AUSGELACHT von Steffi von Wolff – Rezenion von Iris Gasper

DAS AMT – ein Gedicht von Felis Breitendorf

DAS LEBEN: EINE HANDVOLL TON? – Eine Kurzgeschichte von Martina Müller

DER GEKAPERTE GIGANT – GELEBTE UTOPIE DER ÄRMSTEN – ODER BLOSS DER TEMPORÄRE WAHNSINN? – Ein Story-Bericht von Martina Müller

DIE EWIGEN STUDENTEN – Eine Kurzgeschichte von Irene Salzmann (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2013 – Geteilter Preis)

DIE MUTPROBE – Leseprobe (Teil 3) aus dem Roman: “Der Feenturm” von Aileen P. Roberts

EIN HÄUFCHEN ELEND – Shortstory von Mona Mee und Felis Breitendorf

ERSCHRICK NICHT, ICH WILL DOCH NUR HEIRATEN – eine humorvolle Kurzgeschichte von Sascha Ladra

FAHRRADTOUR ZUM GOETHETURM – eine Kurzgeschichte von Martina Müller

FROM ABOVE – eine Kurzgeschichte von Malena Uttich

GÖTTERGATTEN – ein Gedicht von Felis Breitendorf

HILFE, ICH WILL MICH DOCH BLOSS ERNÄHREN! – Eine Kurzgeschichte von Felis Breitendorf

JOHANNA – Leseprobe aus: “ÜBER DIE LINKSHÄNDIGKEIT DER MÄNNER UND DIE LANGMÜTIGKEIT DER FRAUEN”, unveröffentlichter Roman von Thomas Rocha

KOPF ODER ZAHL – Leseprobe (Teil 2) aus dem Roman: “Der Feenturm” von Aileen P. Roberts

HÖRBUCHBESPRECHUNG: KUCKUCKSMÄDCHEN (Hörbuch) von Eva Lohmann – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: LAKE WOBEGON – von Garrison Keillor – Rezension von Michael Drewniok

MEIN ERSTER BRUCH – eine Kurzgeschichte von Martina Müller

MÄNNER – eine Kurzgeschichte von Susan Ott

NEU - MÜTTER BRAUCHEN LANGE ARME! – Eine Shortstory von Petra Weddehage

PACKMASCHINE MIT KORREKTURKNOPF (Überarbeitete Fassung) – eine Erzählung von Martina Müller

BUCHBESPRECHUNG: PAPA ANTE PALMA von Stefan Keller – Rezension von Alisha Bionda

PATCHWORKFAMILIENGLÜCK – Eine Kurzgeschichte von Mona Mee (und Martina Müller)

RUCKSACKTOUR – Leseprobe (Teil 1) aus dem Roman: “Der Feenturm” von Aileen P. Roberts

RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN III – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

SCHNEE IN DER STADT – ein Gedicht von Ariana Lazar

HÖRBUCHBESPRECHUNG: SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT – von Patrick Ness und Siobhan Dowd – Rezension von Iris Gasper

SPRITZE ZUM HALBEN PREIS – Real-futuristische Shortstory von Felis Breitendorf

STONEHENGE – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

TELEFONRECHNUNG – Eine Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz

THE NEXT GENERATION – eine gesellschaftskritische Kurzgeschichte von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: UND MORGEN AM MEER von Corina Bomann – Rezenion von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: WAHRHEIT WIRD VÖLLIG ÜBERBEWERTET von Heike Abidi – Rezension von Iris Gasper

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

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Das sfbasar.de-Team
i.A. Martina Müller

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Apokalypsen – Dystopien, Katastrophen- & Weltuntergangsgeschichten”

Erstellt von Felis Breitendorf am 23. März 2013

Apokalypsen – Dystopien, Katastrophen- & Weltuntergangsgeschichten

sfbasar.de-Anthologie Band 29

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Liebe Leser, heute dürfen wir Euch eine neue Leseprobe für diese Anthologie vorstellen, deren Themenbreite recht vielfälltig genannt werden darf. Es geht um APOKALYPSEN – ferner um Dystopien, Katastrophen- & Weltuntergangsgeschichten aller Art. Was genau darf sich der Leser darunter vorstellen?

APOKALYPSEN (griechisch: Enthüllung / Offenbarung) war ursprüngich eine spezielle Schiene religiösen Literatur. In dieser Literatur ging es vor allem um den Weltuntergang, eine Zeitenwende oder gar um das Gericht Gottes, also vom Ende der bisherigen Welt und dem Kommen einer anderen, in der die „Enthüllung göttlichen Wissens“ im Mittelpunkt steht.

Kurz und gut: In prophetisch-visionärer Sprache berichtete eine Apokalypse damals vom katastrophalen „Ende der Geschichte“ und vom Kommen und Sein des „Reichs Gottes“. Hierfür gibt es viele überlieferte Schriften aus der Antike, dem Judentum und dem Urchristentum. Der Grundgedanke der apokalyptischen Theologie ist die Bestrafung der Welt durch Gott.

Als WELTUNTERGANG wird ein natürlich auftretendes, übernatürliches oder künstlich herbeigeführtes Ereignis bezeichnet, das die Menschheit, den Planeten Erde, unser Sonnensystem, die Milchstraße oder gar das gesamte Universum betrifft. Für einen Weltuntergang können KATASTROPHEN durch Menschenhand, durch Außerirdische oder durch die Natur hervorgerufen werden. Was alles durch Menschenhand geschehen kann, muß man nicht erklären, das liegt auf der Hand. Das sind Dinge, von denen man nicht weiß, ob und wann sie eintreten werden.

Genauso ist es mit Naturkatastrophen, von denen man nicht weiß, ob und wann sie eintreten, wie etwa einem Einschlag eines ausreichend großen Kometen oder Asteroiden, Kollision mit oder zumindest erhebliche Bahnstörung durch einen nahe vorbeifliegenden anderen Himmelskörpern, durch eine Supernova in nächster Nähe, oder durch einen Gammablitz (Gamma Ray Burst), der die Erde direkt trifft, oder dem Eintritt der Erde in den Anziehungsbereich eines Schwarzen Lochs ausreichender Größe.

Unvermeidbare Naturkatastrophen, sind jene, von denen man ganz genau weiß, daß sie geschehen werden und auch ungefähr wann. Dazu gehören etwa solche Geschehnisse, wie die Tatsache, dass unsere Milchstaße in zwei bis zehn Milliarden Jahren mit dem Andromedanebel kollidieren wird, einer Galaxy in der Größe unserer Milchstraße.

Eine weitere unvermeidbare Katastrophe für uns Menschen wird am Ende der Entwicklung unserer Sonne zu einem Roten Riesen stehen. Bisher wurde eine Zeitspanne von etwa vier Milliarden Jahre geschätzt, bis die Sonne ein solches Stadium erreicht hätte. Neuere Rechnungen legen aber nahe, dass die Sonne schon vorher ihre Strahlkraft langsam und kontinuierlich steigern wird, so dass in ca. 900 Millionen Jahren aufgrund der Hitze kein (höheres) Leben auf der Erde mehr möglich sein wird.

Die unvermeidbaren Katastrophen, die sicher kommen werden, bewegen sich aber oft in einer sehr weiten Zukunft. Was in naher Zukunft passiert, ist jedenfalls alles, was in Menschenhand liegt. Doch hier sind es nicht nur Geschichten, die zur Apokalypse oder zum Weltuntergang führen, die wir für diese Anthologie von Euch erhoffen, sondern auch Geschichten, darüber, wie sich das Leben der Menschen zum negativen verändern wird, durch die Schuld von uns Menschen selbst.

Diese Geschichten nennt man auch DYSTOPIEN (englisch dystopia) dem Gegenentwurf einer positven Weltentwicklung, die man auch Utopien nennt. Eine solche Dystopie erzählt in der Regel eine Geschichte aus, von oder um eine diktatorische Regierungsform oder eine Form repressiver sozialer Kontrolle. Hervorstechenstes Merkmal einer Dystopie ist der Umstand, dass dem Individuum jegliche Freiheit genommen wird, die Kommunikation untereinander eingeschränkt oder gestört und das Bewusstsein der Mitglieder einer solchen Welt oder eines solchen Staates, sich nicht entfalten können oder dürfen.

Von all diesen Dingen und Voaussetzungen sollen die Geschichtem, die Storys, Gedichte, Artikel, Buch- und Filmbesprechungen dieser Anthologie handeln, die wir von Euch erhoffen. Bitte unterstützt uns dabei. Wir haben schon mal einige Beiträge aus den Seiten der sfbasar-Redaktionen zusammengetragen, die wir Euch hiermit vorstellen möchten:

ALTE TRADITIONEN HABEN AUCH IHR RECHT! – Eine Kurzgeschichte von Martina Müller

AUFERSTANDEN (Leseprobe zu:) DER FÜRST DER SKORPIONE – Science Fiction-Roman von Marcus Hammerschmitt

BUCHBESPRECHUNG: BLACK OUT – MORGEN IST ES ZU SPÄT von Marc Elsberg – Rezension von Rebecca Humpert

BUCHTIPP der sfbasar-Redaktion: C-SYSTEME von Johan Lagerkvist

NEU - DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 1) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

IN VORBEREITUNG: DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 2) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

DAS LETZTE ZEICHEN – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Roman von Gemma Malley

DAS LETZTE ZEICHEN – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Roman von Gemma Malley

BUCHBESPRECHUNG: DAS LETZTE ZEICHEN – von Gemma Malley – Rezension von Yvonne Rheinganz

DAS SPÄTE ERBE DER ROTEN KHMER – ein Science Fiction-Szenarium von Felis Breitendorf

BUCHBESPRECHUNG: DEAD MOON VERTICAL 2013 von Luis Royo – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: DER ZUCKERKREML von Vladimir Sorokin – Rezension von Gunther Barnewald

BUCHBESPRECHUNG: DIE ASCHE DER ERDE von Eliot Pattison – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: DIE BESTIMMUNG (Band 1) – von Veronica Roth – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: DIE BESTIMMUNG (Band 1) – von Veronica Roth – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: DIE BESTIMMUNG – TÖDLICHE WAHRHEIT (Band 2) – von Veronica Roth – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: DIE BESTIMMUNG – TÖDLICHE WAHRHEIT (Band 2) – von Veronica Roth – Rezension von Yvonne Rheinganz

DIE BIOLOGISCHE UHR DER STÖRCHE – eine Science Fiction-Kurzgeschichte von Detlef Hedderich

BUCHBESPRECHUNG: DIE LETZTE ARCHE von Stephen Baxter – Rezension von Michael Drewniok

ERNTEZEIT – eine kurze Erzählung von Martin Ott

BUCHBESPRECHUNG: FÖRCHTBAR MASCHIEN von Iain Banks – Rezension von Michael Drewniok

GEFANGEN – Leseprobe zu “DAS HERKULES-PROJEKT”, Roman von Marcus Hammerschmitt

FILMBESPRECHUNG: HEARTLESS (GB 2009) – Regie u. Drehbuch: Philip Ridley – Rezensiert von Michael Drewniok

HERRSCHAFT DER ALTEN – Zukunftsroman von Alfred Bekker (Leseprobe)

BUCHBESPRECHUNG: INFERNO von Thomas N. Scortia/Frank M. Robinson – Rezension von Michael Drewniok

KANINCHEN AUF DEM MARS Oder: DIE KORREKTUR DER ARTENDOMINANZ IM SOLSYSTEM – eine Science Fiction-Kurzgeschichte von Felis Breitendorf

BUCHBESPRECHUNG: LIBERTY 9 – SICHERHEITSZONE (Band 1) von Rainer M. Schröder – Rezension von Yvonne Rheinganz

RITTERSPORN – Leseprobe (1) aus dem SF-Jugendroman “BETA” von Rachel Cohn

SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 1) – Phantastische Erzählung von Magret Schwekendiek

SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 2) – Phantastische Erzählung von Magret Schwekendiek

SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 3) – Phantastische Erzählung von Magret Schwekendiek

STONEHENGE – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

STONEHENGE – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

STONEHENGE – Leseprobe (Teil 3) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

FILMBESPRECHUNG: VAMPIRE NATION (USA 2010) – Regie u. Schnitt: Jim Mickle – Rezensiert von Michael Drewniok

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Außerdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muß das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A.
Felis Breitendorf & Martina Müller

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

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PACKMASCHINE MIT KORREKTURKNOPF (Überarbeitete Fassung) – eine Erzählung von Martina Müller

Erstellt von Martina Müller am 22. Februar 2013

PACKMASCHINE MIT KORREKTURKNOPF

eine

Erzählung

von

Martina Müller

(2011/2013)

In den 80er Jahren war ich auf der Suche nach einem Job. Ich wollte eine Fahrerstelle beim Funkboten-Kurierdienst, so wie mein Kumpel Rolf. Doch ich hatte bei der Führerscheinprüfung gepatzt. Jetzt mußte erstmal ein Lückenfüller her: ein Job bis zur nächsten Fahrprüfung.

In einer Zeitungsanzeige fand ich das Angebot bei einer Firma in Korbach, einem Zeitungsvertrieb für ausländische Zeitungen in Deutschland. Nach einem kurzen Anruf am nächsten Tag stellte ich mich dort vor und wurde auch sofort für die Stelle im Versand genommen. Man zeigte mir in der großen Halle, wie das Ganze funktioniert. Hier sah man viele Rollbandschienen nebeneinander, auf der die Zeitungsstapel aufgebaut waren. Drumherum gab es eine Rollbandschine, die an diesen Stapeln vorbeiführte, vor denen Mitarbeiter standen und die jeweils von ihnen betreuten Zeitungen raussuchten und auf ein Brett legten, das von Mitarbeiter zu Mitarbeiter auf dem umlaufenden Rollband weitergeschoben wurde.

Jeder dieser Mitarbeiter hakte auf dem Bestellschein die Zeitungsmengen und -arten ab, für die er zuständig war und die er mit auf den rollbaren Stapel legte und weitergab. Am Ende führte das Rollband in einer eleganten Kurve in Hufeisenform an einem Mitarbeiter vorbei. Dessen Aufgabe bestand darin, Spezialausgaben obendrauf zu legen. Da diese in nur geringer Menge bereits in kleinen Päckchen verpackt waren, so wie sie im Vertrieb angeliefert wurden und nicht als Zeitungspakete, wie die anderen Zeitungen, hatte dieser Mitarbeiter keine Zählereien zu absolvieren. Stattdessen schnitt er von den Lieferscheinen der zu ihm gerollten Sendungen die Adressen ab und klebte sie auf ein großes Packpapier, ähnlich dem, auf dem schon der gesamte Stapel lag. Anschließend schob er die Sendung weiter zum Packer, der das Ganze vom Rollband kommend in Empfang nahm und mit einem Ungetüm von einer eisernen grünen Packmaschine zweimal quer und einmal längs, jeweils mit einem Metallband verpackte. Danach schubste er das Paket durch die Packmaschine hindurch auf das leicht abschüssig angebrachte Rollband. Am Ende des Rollbands führte dieses in das Innere eines Transporters – heute würde man sagen “Sprinter” – also meist ein Kastenwagen mit oder ohne Fenster, in dem der Fahrer des Fahrzeugs die Sendungen aufstapelte.

Die Sendungen waren so sortiert, dass die Fahrer, wenn sie ihr Auto vollgepackt hatten, anhand ihrer Auslieferungslisten sofort loslegen konnten und dann in einem bestimmten Gebiet innerhalb Deutschlands ihre Touren absolvieren konnten. Das zuletzt eingeladene Paket bildete dabei die als erstes auszuliefernde Sendung. Wenn das jeweilige Fahrzeug voll war, kam der nächste Fahrer mit seinem Fahrzeug an die Reihe. Jeder Fahrer hatte eine andere Route, bei der dieser Zeitungskioske, Bahnhofsbuchhandlungen und Zeitschriftenhändler belieferte. All das war so organisiert und wurde so zusammengestellt, dass die Fahrer nicht lange in ihren Autos suchen mußten, weil die Sendungen ja in umgekehrter Reihenfolge bestückt wurden.

Als neue Kraft wurde ich am nächsten Tag eingesetzt und durchlief in den darauf folgenden Tagen alle Stellen, damit ich auch sämtliche Zeitungen und ihre Besonderheiten kennenlernte und auch die Mengen, die sehr unterschiedlich waren von Sorte zu Sorte. Die größte Menge wurde dabei von einer türkischen Tageszeitung gestellt, die exklusiv für Deutschland direkt auf dem angrenzenden Gelände des Zeitungsvertriebs gedruckt wurde. Das hatte den Vorteil, dass der Staplerfahrer die druckfrischen Zeitungen nach dem Falten und Binden ohne Umweg in unsere Halle fahren konnte, wo er die Zeitungspakete auf das Sammelrollband hievte.

Als ich schließlich alle Stellen des Vertiebs in der Versandhalle durchlaufen hatte, stand ich am Ende vor dem Monster von Stahlbandpackmaschine. Am Anfang hatte ich ziemlichen Respekt vor dem Ungetüm, denn die Storys, die ich zu hören bekommen hatte, waren nicht ganz ohne: von Mitarbeitern, die sich selbst die Hände eingeschnürt hatten oder versehentlich den Kopf durch die Maschine gesteckt und dabei fast zu Tode gekommen wären.

Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit wurde die Maschine, die ich liebevoll “Grünes Monster” nannte und hin und wieder zärtlich tätschelte, mein bester Freund. Absurderweise war sie es, die mir zukünftig eine ganze Menge Freizeit ermöglichte und nicht nur mir, sondern allen Mitarbeitern in der Halle. Um das zu verstehen, muß man wissen, dass die Firma ein großes Interesse daran hatte, dass die Fahrer möglichst schnell auf den Weg kamen. Um die Mitarbeiter zu motivieren ein bißchen Geschwindigkeit zu machen, gab es eine Regel: Bedingt durch die ungewöhnliche Arbeitzeit von 14 bis 22 Uhr, zählte die Geschäftsführung darauf, dass die Mitarbeiter möglichst schnell nach Haus wollten. Deshalb durften auch alle gehen, sobald alle Zeitungen verteilt waren. Die Zeit wurde trotzdem bis 22 Uhr bezahlt, was zusammen mit dem sowieso schon um etwa 50% höheren Stundenlohn für eine solche Tätigkeit, eine nahezu traumhafte Bezahlung war.

Normalerweise ist es so, dass ein Mitarbeiter, nachdem er alle Stellen durchlaufen hatte, für die Bereiche eingesetzt wurde, die er besonders zügig handhaben konnte. Und jetzt kommen wir zurück zur Packmaschine: ich hatte ja schon gesagt, dass ich ein sehr inniges Verhältnis, fast so etwas wie eine symbiotische Beziehung zum “Grünen Monster” aufgebaut hatte.  Nach wenigen Wochen war ich der schnellste Packer, der jemals an dieser Packmaschine gearbeitet hatte. Das kam allen Mitarbeitern zugute und selbst die Geschäftsführung konnte früher nach Hause. Aus diesem Grund wurde ich nur noch an der Packmaschine eingesetzt. Ich war darüber nicht unglücklich. Am Ende schaffte ich es, dass wir im Durchschnitt etwa drei Stunden vor dem eigentlichen Arbeitsende nach Haus konnten. Natürlich liebten mich die anderen Mitarbeiter.

Weil in dem Zeitungsversand sieben Tage in der Woche gearbeitet wurde und man einen freien Tag in der Woche hatte, an dem dann ein anderer Mitarbeiter meinen Job übernahm, zeigte es sich immer wieder, dass ich mindestens eine Stunde mehr herausholen konnte als andere. Früher ließen sich die Mitarbeiter mehr Zeit beim Aussortieren, denn die fertigen Pakete stauten sich traditionell fast immer an der Packmaschine. Oft so sehr, dass dadurch kleine Zigarettenpausen vor der Tür möglich wurden. Meine Vorgenesweise aber unterschied ich von der anderer Packer dermaßen, dass solche Pausen nicht mehr entstanden. Wie kam es dazu? Zuerst einmal hatte ich alles sehr genau beobachtet und wußte, in welchem Rhythmus die Sendungen an der Maschine ankamen. Das erste, was ich änderte, war die Höhe des Rollbandes, wenn es an der Packmaschine ankam. Die Höhe stimmte nämlich nicht völlig mit der Höhe der Packmaschinenauflage überein. Danach mußten die fertigen Sendungen vom Packer nicht mehr angehoben werden, sondern brauchten nur einen leichten Schupps  und schon lagen sie direkt vor ihm.

Ein weiterer Vorteil entstand dadurch, dass ich die Auflagenfläche vor der Gebindeeinheit anders nutzte: Ich schob bereits eine neue Sendung auf die Auflage, während die vorherige noch ihr letztes Gebinde bekam. Das ging nur gut, wenn man den Rhythmus einhielt, der dadurch entstand. Mit anderen Worten, ich arbeitete wie ein Krake mit vielen Armen. Ich packte das Paket erst einmal quer und danach zweimal längs, wobei ich mit dem neuen Paket, das dann wieder quer reinkam, das alte fertige Paket mit einem Schupps aufs Rollband zu den Autos beförderte. Dadurch war das neue Paket sofort an der richtigen Stelle, worauf es sein erstes Gebinde bekam. Das war natürlich sehr heikel, denn wenn man sich mal vertat, hatte man ein heilloses Durcheinander.

Der Witz daran war, dass man normalerweise einen “Buzzer”  (auch “Grobhandtaster” genannt) in Bauchhöhe auf der rechten Seite an der Packmaschine mit der rechten Hand betätigen mußte, während man mit der linken Hand das obere Blatt und die Sendung zusammenhielt. Ich hatte jedoch eine Packtechnik entwickelt, die es mir erlaubte, anders vorzugehen. Wie bereits erwähnt, packte ich entgegen der herkömmlichen Technik, die Sendung zuerst quer. Dabei brauchte man allerdings zwei Hände, um die Sendung zu positionieren und festzuhalten, so konnte man aber den Buzzer nicht betätigen. Ich half mir dadurch, dass ich den Buzzer einfach mit dem Knie betätigte.

Normalerweise packt man erst eine kurze Seite, bei der man das Paket mit einer Hand festhalten konnte, damit man den Buzzer mit der anderen betätigen konnte. Anschließend packte man die zweite kurze Seite auf die selbe Weise. Bei der dritten Seite braucht man nur noch eine Hand zum Festhalten, da durch die beiden vorherigen Bänder die Sendung nicht mehr verrutschen und auch das Deckblatt samt Adressenaufkleber nicht mehr durcheinandergeraten konnte. Anschließend mußte man das Teil aber wieder um 90 Grad drehen sonst wäre es auf dem Rollband zum Auto hin vom Band gefallen oder hätte sich auf diesem kaum bewegen lassen, da es an den Rollbandrändern abgebremst wurde. Man mußte die Pakete also immer in der selben Richtung auf den Rollbändern bewegen, da diese nur so breit waren, wie die schmalen Seiten der Pakete.

Bei meiner Technik schubste ich mit der neuen Sendung die alte durch die Öffnung der Packmaschine, um sofort die neue Sendung quer vor der Gebindeeinheit liegen zu haben. Dabei ging es vor allem darum, die Maschine ohne Pause arbeiten zu lassen. Eigentlich packt man jedes Gebinde einzeln, läßt den Buzzer los, positioniert die Sendung neu oder dreht sie oder schubst sie weg, um dann das nächste Paket oder das nächste Gebinde mittels Buzzer zu packen. Das war die herkömmliche Technik, die unterm Strich mindestens ein bis zwei Stunden pro Tag länger dauerte.

Meine zeitsparende Vorgehensweise brachte mir großes Ansehen. Auch die Tatsache, dass ich von alle Mitarbeitern am Band im Laufe der nächsten Wochen den höchsten Stundenlohn erreicht hatte, neidete mir niemand. Alle wußten: auf mich und meine Packfähigkeiten kam es an! Ich war die wichtigste Person in dem Prozeß, so dass mich selbst die Geschäftsführung mit Erfurcht und Respekt behandelte. Unterm Strich hatte ich viel Freizeit, einen sehr guten Verdienst und berufliche Anerkennung. Auf der anderen Seite kam aber die neue Fahrprüfung auf mich zu. Ich steckte in einem Dilemma oder in einem Gewissenskonflikt.

Sollte ich die Prüfung bestehen, würde ich mich als Kurierdienstfahrer verdingen wollen und ich freute mich  schon seit Monaten darauf, endlich meinem Traumjob nachgehen zu können. Auf der anderen Seite hatte ich auch hier einen Traumjob: Konnte bis Mittags schlafen, verdiente sehr viel Geld, und da die Firma außerhalb der Stadt war, nutzte ich die Zugfahrt hin und zurück für meine Leidenschaft Bücher zu lesen. Aber alles sollte ganz anders kommen.

Als ich eines mittags in die Halle kam, stand neben meinem “Grünen Monster” ein “Oranger Zwerg”: Eine winzige Packmaschine, die nur etwa halb so groß und halb so breit war, wie mein “Grünes Monster”. Dafür aber angeblich mit der Fähigkeit, schneller zu arbeiten und keine Metallbänder mehr zu benötigen. Beim “Grünen Monster” wurden diese Bänder mit Metallklammern befestigt. Bei der neuen Maschine war das Band aus Plastik und wurde mittels Hitze zusammengeschweißt. Laut Geschäftsleitung hatte man diesen Maschinentyp jetzt an allen Standorten der Firma eingeführt. Sie war uns sozusagen von oben herab diktiert worden. Die Änderung wurde damit begründet, dass die neue Maschine nur halb soviel Materialkosten produzieren würde und man ja auch mit der Zeit gehen und neuen Entwicklungen eine Chance geben wolle.

So begab ich mich in mein Schicksal. Guten Willens versuchte ich mich mit dem “Orangen Zwerg” anzufreunden. Man erklärte mir, dass man mir sogar zur Eingewöhnungszeit einen zusätzlichen Mitarbeiter zur Seite stellen würde. Dieser schob die Sendungen vom Rollband über das “Grüne Monster”, um es dann auf den “Orangen Zwerg” runter zu setzen. Leider war die neue Plastikpackmaschine etwas niedriger als die Rollbänder und das “Grüne Monster”. Nun gut, ich wollte kein voreiliges Urteil fällen. Vielleicht war die neue Packmaschine ja tatsächlich nicht so schlecht? Ich lies mir also vom Mechaniker, der die Maschine angeliefert hatte und am Anfang betreuen und an den Arbeitsprozeß anpassen würde, erklären und zeigen, wie das Gerät arbeitete und worin die Vorzüge lägen. Er zeigte mir also, dass die Maschine viel schneller das Band um die Sendung schlug, um es dann mittels eines heißen Schweißkopfes zusammenzukleben. Mein Einwand, dass dieser Schweißvorgang den Zeitvorteil wieder zunichte machte, schien er entweder überhört zu haben oder nicht gelten zu lassen. Jedenfalls hob er stolz den Zeigefinger und erklärte, dass die “Neue” etwas könne, was die alte nicht drauf hätte: Es gab den KORREKTURKNOPF!

Sofort führte mir der gute Mann vor, dass, wenn man einmal das Band irgendwie falsch um das Paket geschnürt hätte, der Korrekturknopf diesen Vorgang rückgängig machen könne. Ich war gespannt. Der Mechaniker wackelte beim Packvorgang mit der Sendung hin und her und erreichte dadurch, dass das Band zu locker um die Sendung verschweißt wurde. Nun drückte er stolz auf den Korrekturknopf und wir konnten beobachten, wie die Maschine den Schweißpunkt, der das Band zusammenhielt wieder durch Hitze erwärmte und wieder löste. Anschließend wickelte die Maschine das Plastikband wieder von der Sendung und zog es in ihr Inneres. Leider hatte die Erhitzung das Band zwar aufgetrennt, aber an das Deckblatt der Sendung geklebt. Das bewirkte, dass die Maschine nun nicht nur das gelöste Band, sondern auch das gesamte Deckblatt mit in ihr Inneres drosch.

Der Mechaniker fuchtelte wie wild um sich und drückte den Notknopf der Maschine. Ich wollte dem Mann zwar nicht auf die Nerven gehen, aber ich fragte, ob das so gewollt sei oder wenn nicht, ob das schon mal woanders vorgekommen sei? Der Mann sah mich mit solch durchdringenden Augen an, dass ich automatisch einige Schritte rückwärts von ihm abrückte. Nach zwei Stunden hatte er die Maschine wieder zum Laufen gebracht. Er erklärte mir kleinlaut, dass die Hitze beim Korrigiervorgang wohl zu hoch sei für ein solches Deckblatt. Da andere Sendungen meist in einem Karton stecken würden und dieser dann zu schwer sei, um von der Maschine in ihr Inneres gezogen zu werden, sei dies der erste Fall, bei dem er das erlebt hätte.

Er empfahl uns, diesen Knopf erstmal außer acht zu lassen. Falsch geschnürte Pakete sollten mit einer Schere wieder aufgeschnitten werden. Als ich mich unter den Augen des Mechanikers nun der Maschine zuwandte, fragte ich ihn, ob er denn nun die Deckwand am Rücken der Maschine aufschrauben könne, damit wir das Rollband anbringen könnten, das dann zu den Autos führen würde. Der Mann sah mich erstmal stumm einige Momente an, verzog merkwürdig das Gesicht, so dass ich schon Angst hatte, er würde gleich zu heulen anfangen. Schließlich gab er kleinlaut zu, dass die neue Packmaschine gar keine Durchreiche besitzen würde. Stattdessen ließe sich auf der linken Seite das Rollband ja gut anbringen.

Ich war etwas irritiert, doch der Mechaniker gab nicht auf und meinte, dass meine Hilfe, die mir die jeweils neuen Sendungen über die alte Maschine zureichte, in der Zeit, während ich das Paket zuschnürte, hinter mir um mich herum laufen könnte, um dann das fertige Paket in Empfang zu nehmen. Mittels Rollband neben der Maschine, würde dieser das fertige Paket in Richtung der Autos schubsen können. Jetzt war ich völlig irritiert. Wo waren noch mal die Vorzüge der neuen Maschine? Ich traute mich nicht mehr zu fragen. Nicht, dass der Mechaniker sich am Ende noch vor den heranrasenden Stapler der türkischen Tageszeitung warf. Nachdem ich mich eine Woche lang mit der neuen Maschine (mit nicht funktionierendem Korrekturknopf!) bis abends um 21 Uhr herumgequält hatte, was ich froh, als ich endlich meinen Führerschein in den Händen hielt und beim Zeitungsvertrieb kündigen konnte.

Copyright (c) 2011/2013 by Martina Müller

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Kaufempfehlung der Autorin:

Terboven, Nicola
Obstsalat. Bauanleitung für 4 Personen

Kurzweilige Geschichten ad Absurdium

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Verlag :      KUUUK
ISBN :      978-3-939832-27-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      8,00 Eur[D] / 8,00 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 19.01.2011
Seiten/Umfang :      78 S. – 19,0 x 12,0 cm
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 17.02.2011

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Ein Buch vom Obstsalat, der dann allerdings ‘gebaut’ wird und eine ‘Bauanleitung’ braucht? Geht so etwas? Mutet das nicht fremd an?

Was erlaubt sie sich? Eine Bauanleitung? Und dann für einen Obstsalat?

Wieso spricht sie von dieser Welt als einer, wo das Obst vielleicht noch gehämmert werden muss, damit ein Salat sich aus allem ergeben kann?

Mit ihrer Literatur macht Nicola Terboven manches möglich. Wir sind erst verwirrt, aber genau deshalb auch erfreut. Denn ihre Art zu schreiben bewirkt in uns ein neues Denken. Und das Lesen dazu ist ein großes Vergnügen: Kurze herrliche Geschichten ad Absurdium!

In der Literatur aber darf alles werden und geschehen. Wie schön! Die Geschichten dieser Sammlung beweisen es, weil sie uns in das Absurde führen, in ungekannte Welten, eine seltsame Art, diese Welt zu erleben, und uns vorher nie sagen, wann und wo dezente Ironie in den Sarkasmus sich umverwandelt, bis alles dann auch noch irgendwie zusammenkracht – rein gedanklich gesprochen.

Diese Kurzprosa geht Wege des Abgründlichen, die uns zu überraschen wissen. Hinter und unter der Folie der Realität tun sich Dinge auf, die uns die Realität des Lebens ganz anders zeigen wird.

Nicola Terboven wurde 1967 in Düsseldorf geboren und ist dieser Stadt auch treu geblieben. Sie arbeitet dort als Schulsozialarbeiterin. Diese Frau liebt das Ungewöhnliche, fordert und fördert es. Schon seit 1998 schreibt sie Kurzprosa.

Mit dieser Obstsalat-Prosa-Sammlung tritt sie endlich als Schriftstellerin ganz offiziell ins Licht der Öffentlichkeit.

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PATCHWORKFAMILIENGLÜCK – Eine Kurzgeschichte von Mona Mee (und Martina Müller)

Erstellt von Mona Mee am 24. November 2012

PATCHWORKFAMILIENGLÜCK

Eine Kurzgeschichte

von

Mona Mee und Martina Müller

Mein Papa hatte sich schon früh von meiner Mama getrennt und nach Übersee ins Ausland verdrückt. Ich habe nie wieder von ihm gehört. Als meine Mama vor zwei Jahren meinen Stiefpapa kennengelernt und kurz darauf geheiratet hat, schien sie endlich den Richtigen gefunden zu haben. Leider ereignete sich ein Flugzeugabsturz, bei dem mein Stiefvater zu Tode kam. Meine Mama hat danach sehr schnell ihren dritten Mann gefunden. Der hatte zwei Söhne, die etwa halb so alt waren wie ich. Nach sechs Monaten gab es dann Nachwuchs. Meine Halbschwester wurde geboren. Sie wurde noch von meinem Stiefpapa gezeugt. Wir waren nun zu fünft und bezogen eine Villa auf dem flachen Land. Meine Mama betätigte sich als Hausfrau und Mutter. Mein Patchworkpapa, denn ich deshalb so nenne, weil er nie mit meiner Mama verheiratet war, hatte zu dieser Zeit über den zweiten Bildungsweg sein Architekturstudium absolviert, da er vorher mit seiner Arbeit als Banker nicht glücklich gewesen war.

Drei Jahre später hatten meine Mama und mein Patchworkpapa einen Autounfall. Dabei starb meine Mama und mein Patchworkpapa kam mit dem Schrecken davon. Ich wurde zu dieser Zeit gerade volljährig und mir tat der Vati meiner beiden Patchworkbrüder leid. Ich half ihm bei der Erziehung seiner beiden Jungs und meiner kleinen Halbschwester. Das Architekturbüro meines Patchworkpapas befand sich etwa 20 Kilometer entfernt in der nächsten Stadt. Unser Haus war ein schönes Landhaus und da ich wenig Lust hatte, nach der Schule noch zu studieren, kümmerte ich mich um die Familie. Als die beiden Jungs in die Schule kamen, wurden sie von mir jeden Tag in die Stadt gefahren und wieder abgeholt.

Mein Patchworkpapa war froh, wenn er von der Arbeit nach Hause kam, dass alles von mir geregelt und in Ordnung gehalten wurde. Oft saßen wir dann noch gemeinsam im Wohnzimmer auf der Couch und tranken ein Gläschen Rotwein. Die beiden Jungs und das Baby waren bereits im Bett und so waren das für uns beide die schönsten Stunden des Tages. Nach einigen Wochen passierte es dann. Wir hatten an diesem Abend vielleicht ein Gläschen zuviel getrunken und so wurden unsere Hemmungen und die Trauer über den Tod meiner Mama hinweggespült. Jedenfalls haben wir an diesem Abend miteinander geschlafen. Es war sehr schön. Es war mein erstes Mal. Ich war von diesem Moment an total in meinen Patchworkpapa verliebt.

Nachdem aus unserer Partnerschaft eine feste Liebesbeziehung wurde, entschlossen wir uns zu heiraten. Viele unserer Freunde, vor allem die meiner Mama, waren entsetzt darüber. Schließlich war mein Mann auch noch dreimal so alt wie ich zu diesem Zeitpunkt. Die Verwandten beider Familien mieden uns von diesem Moment an. Wir verstanden, dass es offenbar Vorbehalte, wenn nicht gar Tabus in der Gesellschaft gab, wenn Menschen, die vorher in anderen  Rollen in der Familie in Beziehung standen, plötzlich diese auf den Kopf stellten. Ich war jedenfalls zufrieden mit meiner neuen Rolle als Hausfrau und Ersatzmutti für meine kleine Halbschwester und den beiden Patchworkbrüdern. Es hätte eigentlich wunderbar so weitergehen können, doch das Schicksal hatte einen anderen Weg vorgesehen.

Als mein Patchworkpapa, der jetzt mein Ehemann war, eines Tages auf eine Tagung für Architekten ins Ausland ging, kehrte er von dieser Reise nicht mehr zurück.  Ich erhielt die Nachricht, dass man ihn im Ausland ermordet hat, als er bei einem Raubüberfall sein Portmonee nicht herausgeben wollte. Für mich brach die Welt vollends über mich zusammen. Ich war jetzt für zwei schulpflichtige Jungs, die langsam in die Pubertät kamen und einem kleinem Mädchen, das unter starkem Asthma und Pseudokrupp litt, verantwortlich und hatte keinen Ernährer mehr. Zwar befand sich noch etwas Geld auf den Konten, doch die Lebensversicherung meines Mannes weigerte sich vehement, die Versicherungssumme auf den Tod meines Ehemannes auszuzahlen. Sie beharrte auf eine Vertragsklausel, die besagt, dass sich der Versicherte nicht leichtsinnig selbst in Gefahr bringen dürfe.

Ich war ziemlich gestreßt, vor allem die Krankheit meiner kleinen Halbschwester machte mir zu schaffen. Die beiden Jungs fingen zunehmends an, aggressiver in der Schule zu werden, verhauten andere Kinder und wurden so manches Mal von der Polizei nach Hause gebracht. Nachdem die Versicherung mich dazu zwang, unser so dringend benötigtes Geld einzuklagen,  blieb mir nichts anderes übrig als das Architekturbüro zu verkaufen, um uns über Wasser zu halten. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich all diese Schwierigkeiten meisterte. Doch letztlich wurde alles gut. Ich gewann die Gerichtsverhandlung gegen die Versicherung und meiner kleinen Halbschwester konnte dank eines neuen Medikamentes geholfen werden. Von diesem Zeitpunkt an lief endlich alles besser.

Wir waren schon eine ziemlich merkwürdige Familie. Zum Glück hatte ich meinen Patchworkpapa geheiratet sonst hätte es ziemliche Probleme gegeben, meine beiden Patchworkbrüder zu adoptieren. Und das selbe galt auch für meine kleine Halbschwester. Jetzt waren wir jedenfalls eine glückliche Familie. Was Außenstehende jedoch bestimmt sehr merkwürdig gefunden hätten, war der Umstand, dass wir zum Zeitpunkt des Todes meines Mannes alle Vier in einem Bett schliefen. Irgendwann veränderte sich dieser Zustand aber. Zuerst war es der jüngere der beiden Jungs, der irgendwann den Wunsch in die Tat umsetzte, in seinem eigenen Zimmer zu schlafen. Ein halbes Jahr später war meine kleine Halbschwester an der Reihe und verlangte, zukünftig ebenfalls alleine in ihrem Zimmer zu übernachten.

Ob es nun daran lag, dass ich von diesem Moment an mit dem älteren der beiden Jungs alleine im großen Bett schlief oder ob es einfach Schicksal war, das weiß ich heute nicht mehr. Jedenfalls wurde ich eines Tages schwanger von meinem Patchworkbruder, der die Rolle des Vaters aber sehr gerne übernahm. Acht Jahre später war meine kleine Halbschwester an der Reihe, ein Kind zu empfangen. Sie und mein jüngerer Patchworkbruder haben sich ebenfalls ineinander verliebt. Jetzt sind wir also zu Sechst. Das Leben kann schon ziemlich verrückt sein.

-Ende-

Copyright (c) 2012 by Mona Mee und Martina Müller

Bildrechte: “Tabu-Brecher” (tes-tabu2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Alltag-100-minus50-0.jpg” (Originaltitel: Alltag3.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Kaufempfehlung der Autorin:

Glaschke, Stefanie
Unsere Patchwork-Familie

Hilfestellung für ein stressfreies Zusammenleben

Verlag :      Urania
ISBN :      978-3-451-66019-1
Einband :      kartoniert
Preisinfo :      12,99 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 19,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 31.07.2012
Seiten/Umfang :      128 S., durchgeh. zweifarbig – 21,0 x 16,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 09.2012
Gewicht :      308 g

Jede siebte Familie zählt als so genannte Patchwork-Familie. Kinder müssen sich auf eine neue Mutter, einen neuen Vater oder auf Stiefgeschwister einstellen, Eltern auf nicht-leibliche Kinder. Das Zusammenfügen dieser neuen Konstellation erfordert Geduld und macht Mühe. Jeder muss seine Rolle erst finden, Patentrezepte gibt es nicht. Dieses Buch gibt Hilfen und Hinweise, was man tun kann, um aus einem »Patchwork« eine Familie aufzubauen, in der sich alle als zusammengehörig erleben.

Stefanie Glaschke studierte Theologie, Germanistik und Politikwissenschaft und absolvierte dann eine Ausbildung in angewandter Psychologie und Psychosomatik. Die Mutter von sechs Kindern ist als Persönlichkeitstrainerin für Lernen, Kommunikation und Verhalten tätig und arbeitet vor allem auch mit Kindern und Jugendlichen.

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DER GEKAPERTE GIGANT – GELEBTE UTOPIE DER ÄRMSTEN – ODER BLOSS DER TEMPORÄRE WAHNSINN? – Ein Story-Bericht von Martina Müller

Erstellt von Martina Müller am 22. November 2012

DER GEKAPERTE GIGANT – GELEBTE UTOPIE DER ÄRMSTEN – ODER BLOSS DER TEMPORÄRE WAHNSINN?

Ein Story-Bericht

von

Martina Müller

Wenn der antisoziale Druck nach einer gewissen
Zeit der sozialen Evolution zu überwiegen beginnt,
ist es für eine soziale Spezies theoretisch möglich,
auf ein niedrigeres soziales Niveau oder sogar zu
einem Zustand der Vereinzelung zurückzukehren.
E.O. Wilson

Er ist ein Klotz in den Augen der Leute des Geschäftsvirtels von Caracas. Man nennt diese unfertige fünfundvierzig Stockwerke hohe Bauruine nach dem Namen seines Erbauers: Torre de David. Nach der Pleite der Investoren vor über fünfzehn Jahren und der Enteignung durch die Hand von Präsident Chavez leben nun dreitausend selbsternannte Besitzer in diesem Betonturm. Sie leben hier jetzt seit über fünf Jahren und nie hat jemand versucht, sie zu vertreiben. Auch wenn es den Nachbarn nicht gefällt, wird sich an dieser Situation so schnell nichts ändern, denn Präsident Chavez wird einen Teufel tun und das Gebäude räumen lassen. Schließlich leben nicht nur dreitausend Bürger, sondern auch dreitausend Wähler hier. Darüber hinaus, wohin mit diesen siebenhundert Familien? Und was würde wirklich passieren, wenn er räumen ließe? Gäbe es vielleicht sogar einen Aufstand? Das wird der – von den meisten Bewohnern von Torre de David verehrte – Präsident wahrscheinlich nicht riskieren.

Von den insgesamt fünfundvierzig Stockwerken haben die neuen Bewohner bislang achtundzwanzig bewohnbar gemacht. Ein Rohbau nach dem anderen wird in Wohnungen umgewandelt. Es wird gemauert, gehämmert, verputzt und gestrichen. Fenster und Türen werden eingesetzt. Schließlich werden Leitungen verlegt: Frischwasser und Strom. Das mit dem Abwasser muß noch erledigt werden. Die Menschen richten sich hier ein. Es sind die Ärmsten und es sind die Chancenlosen, die hier ihr Glück versuchen, denn alles ist besser als im Elend zu leben. So schleppt man lieber alles die vielen Stufen hinauf, denn einen funktionierenden Aufzug gibt es nicht. Aber Not macht erfinderisch. Zum Hochhausturm gehört nämlich auch ein zehnstöckiges Parkhaus. Wer es sich leisten kann und mag, einen Euro zu bezahlen, der läßt sich im rasenden Tempo die Serpentinen mit dem Motortaxi bis zum zehnten Stockwerk hochkutschieren. Ab dem Zehnten geht es dann nur noch zu Fuß weiter. Nichts im Turm ist anders nach oben gekommen, als über die endlosen Treppen…

Wer zu Besuch kommt, muß sich von seinem Gastgeber unten abholen lassen, denn am selbstorganisierten Sicherheitsdienst kommt niemand vorbei. Die Bewohner treffen sich im “Supermarkt” oder an einem der anderen Orte. Viele der Etagen haben Treffpunkte, und inzwischen gibt es sogar schon Schneider, Frisöre, Bäckereien, Imbisse, eine Zahnarztpraxis und vieles mehr. Hinter den Geschäftsräumen wohnen die Menschen. Zumeist wird noch immer daran gebaut, die Trennwände zwischen Geschäfts- und Wohnzimmern herzustellen. Die Bewohner sind froh, dass sie hier ihre Ruhe haben vor dem Treiben der Menschen draußen. Hier drin fühlen sie sich sicher und geborgen, hier haben sie alles, was sie zum Leben brauchen, hier leben ihre Freunde und Bekannte. Diejenigen, die außerhalb des Turms einer Beschäftigung nachgehen, so wie Adolfina Noriega und ihr Mann Diogenes, müssen die vielen Stufen Tag für Tag erklimmen. Sie leben davon, auf der Straße, direkt vor dem Turm gefüllte Maistaschen zu verkaufen. Früher, als sie noch weit außerhalb wohnten, mußten sie erst zwei Stunden laufen, um zu ihrer Kundschaft zu finden.

Doch die Sicherheit des Turms ist auch trügerisch. Oft haben die Bewohner Panik, wieder ausziehen zu müssen. Hier zahlen sie nicht mal Miete und draußen gibt es kaum noch Wohnungen zu mieten. Jeder Vermieter, der mit seinem Haus Geld verdient, läuft Gefahr von Präsident Chavez enteignet zu werden und vermietet deshalb erst gar nicht. Daher findet in Venezuela auch kaum noch jemand mehr eine Wohnung. Das Leben in der Bauruine ist höchst illegal. Natürlich. Das ist auch allen bewußt, doch es ist keineswegs gesetzlos. Jeden Abend wird eine Messe gehalten, bei dem Alexander Daza, der Bürgermeister von Torre de David, seinen Schäflein predigt. Als Schwerstkrimineller hat er seine Strafe schon lange abgesessen und wurde dabei zum Evangelismus bekehrt. Keinen Satz sagt er heute mehr ohne Gottesbezug, dennoch führt er den Torre de David mit harter Hand. Er macht die Regeln, die für alle gelten, und er entscheidet, wer kommen darf und wer gehen muß, und immer im Namen Gottes. Er sieht seine Arbeit darin, den Leuten beizubringen, wie man gottesfürchtig zusammenlebt. Er sieht es als seine Aufgabe an, hier eine Ordnung zu schaffen und den Glauben zu vermitteln. Dafür habe Gott ihn auserwählt. Von Mördern und Dieben hat er den Turm gesäubert. Und alle, die übrig blieben, sehen sich als eine einzige große Familie an. Und natürlich sind alle gleich!

Der Turmprediger und Bürgermeister ist gefürchtet und es fällt einem nicht leicht, ihm seine Nächstenliebe abzunehmen. Neben Gott verehrt er selbstverständlich nur noch Präsident Hugo Chavez, solange jedenfalls, bis dieser eines Tages vielleicht doch plötzlich mit seinen Soldaten vor der Tür steht…

-Ende-

Copyright (c) 2012 by Martina Müller

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

SPIEGELONLINE FOTOSTRECKE

BUCHTIPP DER AUTORIN:

Torre David
Anarcho Vertical Communities (englischsprachig)

Herausgegeben von Brillembourg, Alfredo / Klumpner, Hubert
Verlag :      Müller, Lars
ISBN :      978-3-03778-298-9
Einband :      Paperback
Preisinfo :      45,00 Eur[D] / 55,00 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      ca. 240 S. – 26,0 x 19,0 cm
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 08.2012

Torre David ist ein 45-stöckiger Wolkenkratzer in Caracas, der aufgrund der Wirtschaftskrise in Venezuela 1994 nie zu Ende gebaut wurde. Heute ist er das improvisierte Zuhause von mehr als 750 Familien, die ohne offizielle Genehmigung in diesem besetzten Raum leben, der von manchen als «vertikaler Slum» bezeichnet wird. Urban-Think Tank, die Autoren von Torre David: Informal Vertical Communities, haben ein Jahr lang die räumliche und soziale Organisation des Ortes untersucht. Anhand zahlreicher Fotografien von Iwan Baan dokumentiert dieses Buch, wie die Menschen hier leben und ihre Infrastruktur selbst organisieren, von Friseursalons und einem Fitnessstudio zu Lebensmittelläden und weiteren Einrichtungen des täglichen Bedarfs. Dieses zum Nachdenken anregende Buch zeigt die informellen Gemeinschaften des Hochhauses und die Architektur, in der sie leben. Die Autoren möchten Denkanstösse bieten, informelle Gemeinschaften als Orte zu sehen, die Innovationen und neue Ideen generieren – im Dienst einer gerechteren und nachhaltigeren Zukunft.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
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STRASSENFUND – Eine visionäre Erzählung (überarbeitete Fassung) von Mona Mee (und Martina Müller)

Erstellt von Mona Mee am 22. Oktober 2012

STRASSENFUND

Eine visionäre Erzählung

(überarbeitete Fassung)

von

Mona Mee und Martina Müller

Ich bin mit dem Van unterwegs, komme von einem kleinen Besäufnis mit den Kumpels vom Bau. Mein Alkoholspiegel ist wohl an der oberen Grenze. Weil mir vor Erschöpfung und Müdigkeit fast die Augen zufallen, hätte ich beinahe das Teil vor mir auf der Fahrbahn übersehen. Ich gehe voll in die Eisen, ohne es zu überrollen. Mit der Taschenlampe aus dem Handschuhfach springe ich aus dem Auto. Das Hindernis ist offenbar in eine Plane eingewickelt, nicht ganz transparent, so dass sich nicht genau erkennen lässt, um was es sich  handelt.

Ich leuchte mit der Taschenlampe drauf. In Umrissen sehe ich einen kleinen Körper. Ich angle mein Schweizer Messer aus der Tasche und schneide die Plane auseinander. Es durchfährt mich ein regelrechter Schock. Vor mir liegt ein verdrecktes und abgemagertes totes Baby. Ich zücke mein Handy, um auf dem Polizeirevier anzurufen.  Der Akku ist leer! Mit einer Kordel aus meinem Wagen knote ich das Bündel zusammen und lege es auf die Ladefläche. Ich wende und mache mich auf den Weg zum Polizeirevier.

Dort empfangen mich zwei Beamte, eine Polizistin und ein Polizist, die auch gleich mit mir vor die Tür gehen. Ich öffne vorsichtig die Ladetüren des Vans. Die beiden leuchten mit ihren Taschenlampen auf die Plastikplane, in der sich jedoch nichts befindet. Ich leuchte in alle Ecken des Vans und hüpfe hinein um wirklich sicher zu sein, dass das Baby nicht irgendwo hingerutscht ist. Doch es ist nichts zu finden. Die beiden schauen sich fragend an und einer der Polizisten meint: „Haben Sie getrunken?“

Ich antworte: „Ja schon, aber nicht so viel, dass ich mir sowas einbilde!“

Die Polizistin: „Bestimmt sind sie nur überarbeitet und ihre Sinne haben Ihnen einen Streich gespielt.“

Ich nicke nur, denn ich möchte nicht als Spinner oder Verrückter gelten, der ihnen den Feierabend zu verderben vor hat.

Der Polizist: „Naja, da wollen wir mal auf eine Alkoholprobe verzichten, wenn sie versprechen, sofort nach Hause zu fahren.“

Ich nicke nur, bedanke mich kurz und steige ein. Die Beamtin verabschiedet sich und gibt mir noch mit auf den Weg: „Morgen werden Sie sehen, dass alles nur ein Irrtum gewesen ist und selbst drüber lachen.“

Nachdem ich wieder auf der Landstraße bin, muss ich in mich hineinlachen. So etwas ist mir noch nie passiert. Ich biege von der Landstraße in den Feldweg ein, der direkt zu meinem Anwesen führt. Ein schönes Haus mitsamt Nebengebäuden, groß genug für Frau und Kinder. Aber irgendwie hat es sich nie ergeben. Der Job hat es nicht zugelassen. Als ich so vor mich hinsinne, spüre ich plötzlich eine Hand auf meinen Rücken. Wie elektrisiert halte ich sofort an. Hinter dem Fahrersitz steht ein etwa 8-jähriges Mädchen mit total verschmutztem Gesicht.

Nachdem ich die Kleine auf dem Beifahrersitz festgegurtet habe, bemerke ich, dass ich mich mit dem Alter verschätzt habe. Sie ist wohl eher 10 oder 11 Jahre alt. Ich hole aus dem Handschuhfach einen Schokoriegel. Das Mädchen verschlingt ihn regelrecht. Zum ersten Mal lächelt es mich an. Es hat ein schönes Gesicht trotz des Schmutzes und ein sehr schönes Lächeln. Ich überlege, ob ich kehrt machen und zurück zum Polizeirevier fahren soll. Doch ich bin verunsichert. Wie sollte ich die plötzliche Existenz der Kleinen erklären? Würde man mir nach dem ersten Zwischenfall noch irgendetwas glauben? Ich entschließe mich dazu, erstmal nach Hause zu fahren.

Als ich vor dem Haus die Beifahrertür öffne, fällt mir auf, dass es alleine aussteigt und unmöglich 10 oder 11 Jahre alt ist, eher 14 oder 15. Wir gehen ins Haus und ich zeige ihr das Badezimmer. Auf einem Hocker neben der Badezimmertür deponiere ich noch eine alte Jeans und einen Pulli .

In der Zwischenzeit richte ich etwas zu Essen her. Als ich damit fertig bin, kommt das Mädchen aus dem Bad. Die alten Sachen passen ihr zwar nicht wirklich, sind aber besser als  ihr verdreckter Overall, den ich inzwischen in die Waschmaschine geworfen habe. Trotz der zu weiten Klamotten sieht das Mädchen niedlich aus. Wieder muss ich meine vorherige Schätzung auf 18 oder 19 Jahre erhöhen. Als es das Essen sieht, stürzt es sich darauf. Nachdem es seinen Teil verdrückt hat, während ich nicht mal die Hälfte von meinem Teller gegessen habe, schaut es noch immer hungrig aus, so dass ich ihr meinen Rest rüberschiebe.

Anschließend mache ich das Sofa im Wohnzimmer zurecht, so dass sich die junge Frau erst einmal ausschlafen kann. Nachdem ich den Tisch abgeräumt habe, liegt sie bereits unter der Decke und hat die Augen geschlossen. Wieder muss ich meinen Eindruck von ihrem Alter auf 21 bis 22 Jahre revidieren. Ich lösche das Licht und begebe mich ins Bad. Als ich mich unter den heißen Wasserstrahlen entspanne, lasse ich den Tag revue passieren. Nachdem auch ich endlich ins Bett falle, schlafe ich sofort ein.

Als ich einige Zeit später im Dunkeln ein Geräusch höre, öffne ich ein Auge, denn richtig wach bin ich nicht. Ich sehe, dass die junge Frau langsam auf mein Bett zukommt und dabei nichts an hat. Ich denke zuerst, dass mir meine Sinne wieder einen Streich spielen, als die junge Frau sich zu mir ins Bett legt und ganz dich zu mir rückt. Sie fasst mich überall an und ergreift meine Hände, legt sie auf ihre Brüste und in ihren Schoss. Anschließend massiert sie mein Geschlechtsteil, so dass ich eine gewaltige Erektion bekomme, wie schon seit Jahren nicht mehr. Ich schaue ihr ins Gesicht. Als sie sich auf mich setzt, erkenne ich, dass diese Frau mindestens 3o bis 33 Jahre alt sein muss und phantastisch aussieht und einen tollen Körper besitzt, den sie meisterlich einzusetzen weiß. Nach einigen Stößen ereilt mich ein gewaltiger Orgasmus, so stark, wie ich ihn im ganzen Leben nicht hatte. Während sie stöhnend ihre Schenkel an mich presst, spüre ich, dass sie ebenfalls ihren Höhepunkt erreicht hat. Wir begeben uns in Löffelchenstellung und ich schlafe zufrieden ein.

Die Sonnenstrahlen, die zwischen der Gardine und dem Vorhang hervorlugen, wecken mich. Ich blinzle, kann mich aber nicht dazu durchringen, die Augen völlig zu öffnen. Ich drehe mich auf die Seite und spüre einen Körper neben mir, der sich klebrig und nass anfühlt. Ich reiße die Augen auf und schaue ins Gesicht einer etwa 40-jährigen Frau, die mich mit starrem Blick ansieht. Ich schaue an ihr herunter und sehe die erschlafften Brüste, die mit Blut besudelt sind. Ich bin so geschockt, dass ich einen Moment brauche, um aus dem Bett zu springen. Ich ziehe die Bettdecke von dem Körper der Frau zurück. Ich kann es kaum glauben: In ihrem Bauch steckt eines meiner Steakmesser und aus vielen Löchern tropft Blut heraus. Ich drehe der Leiche den Kopf, so dass ich ihr ins Gesicht schauen kann. Die etwa 50 jährige Frau hat den Mund wie zu einem Schrei weit geöffnet. Sie ist eindeutig tot! Ich bin in Panik. Weiß nicht weiter. Ich decke den Körper wieder zu, ich kann den Blick ihrer toten Augen nicht ertragen.

Nachdem ich mich ein wenig beruhigt habe und die letzten 24 Stunden im Geiste an mir vorüberziehen lasse, finde ich keine Erklärung für all das. Entweder bin ich verrückt geworden oder jemand spielt mir einen fürchterlichen Streich. Aber wer würde einen solch widerlichen abartigen Scherz mit mir abziehen? Mir fällt niemand ein, dem ich das zutrauen würde. Zuerst überlege ich noch, die Leiche zu entsorgen und danach sauber zu machen. Ich weiß aber, dass die Forensik  so weit fortgeschritten ist, dass das alles nichts nützen würde. Und wenn jemand hier in der Gegend vermisst werden würde, würde man dank meines Auftretens gestern Abend im Polizeirevier sicher auch an mich denken und die Sache eingehend untersuchen. Letztlich entscheide ich mich, auf dem Revier anzurufen, auch wenn das möglicherweise heißt, für die nächsten 20 bis 30 Jahre ins Gefängnis zu müssen. Nach einigem Zögern greife ich zum Telefon und benachrichtigte die Polizei. Ich erkläre dem Beamten am Telefon die gesamte Situation und auch, dass ich gestern Abend bereits auf dem Revier war. Der Mann reagiert etwas betreten und teilt mir mit, dass er mir seine Kollegen vorbeischicken werde, um die Sache zu klären.

Ich sitze im Wohnzimmer, hatte mich vorher gewaschen und vernünftig angezogen, sogar eine kleine Reistasche hatte ich gepackt mit allem, was man meiner Meinung nach für einen Gefängnisaufenthalt benötigt. Dann male ich mir aus, wie mein Leben weitergehen würde in einer Zelle sitzend. Als die Klingel schrillt, wirft mich das Geräusch aus meinen Gedanken. Ich gehe zur Tür und lasse das halbe Dutzend Polizisten und Forensik-Beamten hinein. Einer der Männer spricht mich an und fragt nach der Leiche. Ich gehe mit ihm zur Schlafzimmertür und schaue ihn mitleidig an; der Anblick der Toten wird ihm mit Sicherheit den Tag verderben. Ein anderer Beamter mit offenbar psychologischer Ausbildung nimmt mich zur Seite und bedeutet mir, nicht mit in das Zimmer zu gehen. Ich bin einverstanden und sehe, wie die Polizisten und die Forensiker ins Schlafzimmer gehen und die Tür hinter sich schliessen.

Nach geschätzten zehn Minuten kommt der führende Beamte ins Wohnzimmer und schaut mir ins Gesicht. Er scheint verunsichert. Ich kenne den Blick bereits von den Beamten vom Vorabend und fragte frei heraus: „Keine Leiche zu finden?“

Der Beamte verkneift sein Gesicht und antwortet: „Doch, es gibt eine Leiche.“

Für mich bricht die Welt zusammen.

„Aber“, sagt er, „die Dame ist nicht heute Nacht gestorben. Genaugenommen nicht mal diese Woche oder diesen Monat. Möglicherweise nicht mal dieses Jahr.“

Ich schaue dem Beamten, der vor mir steht, von meinem Sitzplatz auf der Couch ins Gesicht und stammle etwas Undefinierbares.

Der Beamte faßt mir an die Schulter und bewegt mich, aufzustehen. Dann führt er mich ins Schlafzimmer. Als er die Decke von der Leiche hebt, sehe ich den verschrumpelten Körper einer uralten Frau, die bestimmt ihre 80 bis 90 Jahre auf dem Buckel haben dürfte. Dabei wirkt sie auf mich wie eine ausgetrocknete Mumie, so wie man das aus dem TV kennt. Der Beamte bemerkt: „Wie sie sehen, kann diese Frau unmöglich hier gestorben sein. Und wie Sie sicher schon bemerkt haben, ist auch kein Blut zu sehen.“

Ich schaue genauer hin. Und tatsächlich, die Laken sind nicht von Blut durchnäßt. Eher schmutzig, erdig, als wenn sich jemand an der Mumie zu schaffen gemacht hat. Mich schüttelt es und ich muß würgen. Der Beamte stützt mich, da mir die Beine wegknicken als mir klar wird, dass ich es wohl war, der sich mit dieser Mumie im Bett vergnügt hat. Der Beamte bemerkt: „Sie wissen sicherlich, dass das eine strafbare Handlung ist, oder?“

Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll und nicke nur kurz.

Er erklärt mir: „Das ist zwar nicht so schlimm wie ein Mord, trotzdem müssen sie wegen Störung der Totenruhe mit einer Strafe rechnen. Sie müssen sagen, woher die Tote stammt, wo haben sie die alte Frau ausgegraben?“

Ich antworte nur: „Ich weiß es nicht mehr…“

Er erklärt mir noch: „Ich rate Ihnen dringend zu einer Therapie!“

Ich bin froh, keinen Mord begangen zu haben. Doch das Ganze ist ein absolutes Mysterium für mich. Ich kann nicht begreifen, wie das alles geschehen konnte…

Ende

Copyright (C) 2012 by Mona Mee und Martina Müller

Bildrechte: Untot – Wiedergänger-, Gespenster-, Geister- & Zombiegeschichten” (Zeichnung untot.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “TräumeundVisionen-86-minus72-minus16.jpg” (Originaltitel: 20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Leseempfehlung der Autorin:


Chance, Karen
Verlockend untot

Roman

Übersetzt von Brandhorst, Andreas
Verlag :      Piper
ISBN :      978-3-492-26851-6
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 15.06.2011
Seiten/Umfang :      496 S.
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      13.01.2012
Aus der Reihe :      Piper Taschenbuch 6851
Fantasy  6851

Cassie Palmer ist zurück! Nun muss sich die Seherin der magischen Gemeinde mit den Problemen herumschlagen, die so ein Job mit sich bringt. Nach einer Zeremonie wird ihre Macht sich nämlich erst vollständig entfalten – doch so weit wollen es ihre Feinde am liebsten gar nicht kommen lassen. Sie versuchen, Cassie vorher zu töten, und gehen dabei nicht gerade zimperlich vor: Ein Dämon bemächtigt sich Cassies Körper, und es erfordert all ihre Tricks und die Kräfte ihrer Freunde, allen voran eines gewissen attraktiven Kriegsmagiers Pritkin, um sie aus den Klauen ihres Peinigers zu befreien. Und wenn möglich, bevor der Dämon sie in ihrer eigenen Badewanne ertränkt.

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Besinnliche Momente und Reflexionen”

Erstellt von Martina Müller am 14. Oktober 2012

“Besinnliche Momente und Reflexionen”

sfbasar.de-Anthologie Band 18

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial: Liebe Freunde, liebe Besucher und liebe Leser: Heute möchte ich Euch wieder einen neuen Beitrag für diese Anthologie vorstellen, die nach und nach mit immer weiteren Beiträgen und Kurzgeschichten unserer Autoren gefüllt werden soll, die den Themenschwerpunkt “Besinnliche Momente und Reflexionen” zum Inhalt haben.

“Besinnliche Momente und Reflexionen“, was ist damit gemeint, liebe Leser? Ich möchte es mal so erklären: Wir alle erwarten von einer Geschichte, von einem Roman, von einer Erzählung, dass uns eine Story, ein Plot erzählt wird. Das ist zumeist ja der Hauptsinn einer Geschichte, dann ist da noch die Genrezugehörigkeit, die viel davon ausmacht, was erzählt wird und wer so was lesen möchte. Bei den Beiträgen für diese Anthologie ist das alles außer Kraft gesetzt. Hier ist die Genrezugehörigkeit unbedeutend, soll heißen, spielt keinerlei Rolle, alle Genres sind willkommen, es wird nicht polarisiert. Als weiter wichtiger Aspekt ist zu nennen, dass Beiträge für diese Anthologie nicht unbedingt eine Geschichte erzählen müssen. Das Hauptanliegen der Beiträge für diese Anthologie stützt sich auf die Möglichkeit, Gefühle, Stimmungen und dergleichen zu transportieren, sie den Leser nachvollziehen, sie ihn empfinden zu lassen. Ich hoffe, mein Ansinnen ist damit klar geworden, wenn nicht: einfach einen Kommentar hier reingestellt, und ich werde innerhalb meiner Möglichkeiten die gestellten Fragen beantworten.

“Besinnliche Momente & Reflexionen” ist das Thema für das sich nicht jeder Leser begeistern lassen wird, aber wie es schon der Untertitel dieser Anthologie sagt: “Geschichten jenseits des Mainstream” gibt uns anderen die Möglichkeit, diesen Bereich auszuloten, auszutesten und auszukosten. Liebe Autoren, bitte überlegt, ob es bei Euren Geschichten welche gibt, die hier passen könnten, oder schreibt einfach etwas, von dem ihr glaubt, dass es sich um genau so eine Geschichte jenseits des Mainstream handelt. Selbstverständlich nehme ich auch gerne andere Formen wie Gedichte, Buch- und Filmempfehlungen hier auf. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Und jetzt viel Spaß beim Lesen und Schreiben und scheut Euch nicht, Eure Meinung hier im Kommentarteil zur Anthologie zu posten!

ABSCHIED – Kurzgeschichte von Sascha Ladra

NEU - AUGENBLICKE – eine Kurzgeschichte von Martin Ott

BUCHBESPRECHUNG: DER ENGELSEHER von Laura Flöter – Ars Litterae Band  7 (Hrsg.: Alisha Bionda) – Rezension von Elmar Huber

BUCHBESPRECHUNG: DUNKEL KOMMT DIE ZUKUNFT von Robie Macauley – Rezension von Michael Drewniok

EIN BLATT IM WIND – Heiter besinnliche Erzählung von Silke Bekker

BUCHBESPRECHUNG: EIN STERN IN DUNKLER NACHT – DIE SCHÖNSTEN WEIHNACHTSGESCHICHTEN von Willi Fährmann (Hrsg.) – Rezension von Irene Salzmann

EIN WEIHNACHTSENGEL AUF VIER HUFEN – eine Kurzgeschichte von Aileen P. Roberts (sfb-Preisträger Platz 3 im Storywettbewerb 1/2011)

BUCHBESPRECHUNG: EINE FLIEGENDE FESTUNG von Günter Herburger – Rezension von Wolfgang Wieser

FERNBLEIBEN VON DER SCHULE – Leseprobe aus dem Roman “XO” von Francis Nenik. Mit einem Vorwort des Verlegers

FLIESSEN – eine Kurzgeschichte von Sascha Ladra

GEH WEITER… – Eine Reflexion über die Beziehungslosigkeit von Bella C. Moremo

BUCHBESPRECHUNG: INTRUSION von Will Elliott – Rezension von Yvonne Rheinganz

MEIN HOHLES HOLOGRAMM – Eine Reflexion über das Menschsein von Mona Mee

STERNENSUCHE – eine Kurzgeschichte von Stephan Lössl

VON ERINNERUNGEN GEFESSELT – Fantasystory von Simone Wilhelmy

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Außerdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muß das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Martina Müller

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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ICH HATTE NOCH NIE EINE INTIME BEZIEHUNG ZU EINER FRAU – Eine Shortstory von Martina Müller.

Erstellt von Martina Müller am 5. Oktober 2012

ICH HATTE NOCH NIE EINE INTIME BEZIEHUNG ZU EINER FRAU

Eine Shortstory

von

Martina Müller

Ich bin ein normal aussehender Mann mit 52 Jahren Alter und hatte noch niemals eine intime Zweierbeziehung  zu einer Frau. Das äußerste, was ich bisher erleben durfte, war eine Umarmung mit einer trauernden Frau, die ich trösten durfte, als ihre Beziehung kaputt ging. Das war das einzige mal, dass meine Lippen flüchtig, die einer Frau berührt haben.

Ich meine, dass das bislang an mir lag, ich zu unsicher, zu schüchtern war und es mir an Selbstbewußtsein mangelte. Meistens bin ich zuhause und schaue mir Filme an oder ich bin am Lesen. Selten gehe ich mal aus dem Haus. Als Versicherungskaufmann bin ich tagtäglich mit Unglücksfällen konfrontiert. Meine Aufgabe ist es, festzustellen, welche Lebensweise zu wie vielen Unfällen in den eigenen vier Wänden führt. Ich bewerte die Fälle, die mir auf den Tisch gelegt werden und trage diese in den Computer ein. Eine solche Arbeit treibt einen schnell in Depressionen, für die ich sogar seit Jahren in Therapie bin.

Vor vier Monaten hat sich mein Leben komplett geändert: Ich habe einen anderen Mann kennengelernt. Einen jungen Mann, der bei einem Botendienst arbeitet und mir gelegentlich Pakete mit Filmen und Büchern liefert. Dieser junge Mann, nennen wir ihn Dieter, ist ein sportlicher, gut aussehender 24jähriger. Bei unserem geschätzten zehnten Kontakt hat mich das Klingeln auf dem falschen Fuß erwischt, als ich kurz vorher aus einem langen Schlaf aufgewacht war und anfing zu onanieren. Als es klingelte hatte ich nicht mehr die Zeit mich anzukleiden und ging deshalb nackt an die Tür, die ich nur ein kleines Stückchen öffnete.

Bei dem was folgt, denken Sie bestimmt, dass ich komplett verrückt bin, aber dem ist nicht so. Der genannte Botenjunge hatte zwei Sendungen für mich und ließ mich zuerst die Bestätigung unterschreiben, dann gab er mir umständlich die beiden Pakete. Dabei klappte die Tür ein wenig mehr auf und der Junge sah, dass ich mit einer Erektion vor ihm stand. Ich packte die beiden Päckchen und warf sie kurz hinter mich. Schnell wollte ich die Tür wieder schließen, doch der Junge hatte plötzlich meinen Penis in der Hand und fing an, diesen zärtlich zu massieren. Ich schluckte und schaute ihn an und mußte mich räuspern. Mir verschlug es die Sprache.

Was man jetzt vermuten könnte, ist, dass dieser junge Mann ein Homosexueller ist, das ist aber nicht der Fall. Dieter hat selbst seit zwei Jahren eine Freundin. Und er ist glücklich mit ihr, wie er mir später in einem Brief mitteilte. Ich selbst hatte auch noch niemals eine Beziehung zu einem Mann, noch fühlte ich mich jemals zu Männern hingezogen.

Ich verstehe es selbst nicht. Und auch Dieter hat keine Erklärung dafür, warum er mich angefaßt hat. In seinem Brief teilte er mir mit, dass er, obwohl er nur kurz meinen Penis massierte und ich noch an der Tür einen heftigen Orgasmus bekam und ejakulierte, er sich nicht erklären konnte, warum er das überhaupt gemacht hat. Er bat mich in seinem Schreiben, ob wir die Sache nicht einfach vergessen könnten und er nun wieder nur mein Paketbote sein kann. Ansonsten würde er sich versetzen lassen.

Als Dieter mir nach drei Wochen wieder eine Sendung zustellte, erklärte ich ihm, dass ich mit allem einverstanden bin, was er in seinem Brief vorschlug. Er lächelte mich glücklich an und schien total erleichtert, als er die Treppen hinunterging.

Manchmal muß ich noch an dieses Erlebnis denken und ich verstehe nicht, wie mich das so elektrisieren konnte. Ich bin noch immer ohne Beziehung, aber ich sehe das Leben jetzt total anders. Ich bin der Meinung, dass ich doch überhaupt nicht so schlecht dran bin: Ich habe einen Job, ein Auto, eine Wohnung, Geld zum Essen und kann mir jedes Jahr einen Urlaub leisten. Ich habe keine ernsthaften Krankheiten und meine Depressionen sind inzwischen auch stark zurückgegangen.

Irgendwie hat mich das Erlebnis mit Dieter verändert. Er hat mich nicht schwul gemacht, wie man jetzt vielleicht vermuten könnte. Ich sehe lediglich das Leben in einem ganz anderen Licht. Ich frage mich, ob eine Frau das verstehen und sich vorstellen könnte, trotz dieser Sache meine Partnerin zu werden?

-Ende-

Copyright (c) 2012 by Martina Müller

Bildrechte: “Tabu-Brecher” (tes-tabu2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

BUCHTIPP DER AUTORIN:

Kaiser-Mühlecker, Reinhard
Wiedersehen in Fiumicino

Roman

Verlag :      Fischer Taschenbuch
ISBN :      978-3-596-19370-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 20.08.2012
Seiten/Umfang :      ca. 320 S. – 19,0 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 17.08.2012
Aus der Reihe :      Literatur 19370

Joseph geht für eine NGO nach Argentinien, um sieben Monate in Buenos Aires zu arbeiten. Seine Freundin hat er ohne ein Wort im heimatlichen Österreich zurückgelassen. Unbeirrbar folgt er seinem Interesse, seinem Inneren, seiner Intuition. Doch immer wieder kommt er an den Punkt, an dem er das Gefühl hat, es ginge nicht weiter. Dann wendet er sich ab. In Buenos Aires begegnet er Savina, doch auch bei ihr wird er nicht bleiben. Auf seine Mitmenschen übt Josephs grenzenlose Unabhängigkeit eine eigenartige Faszination aus. Unvermittelt kehrt er nach Österreich zurück und muss erkennen, dass die Welt sich weitergedreht hat.

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WER ANDEREN EINE FALLE STELLT – Eine Kurzgeschichte von Martina Müller (und Detlef Hedderich)

Erstellt von Martina Müller am 18. August 2012

WER ANDEREN EINE FALLE STELLT

Eine Kurzgeschichte

von

Martina Müller und Detlef Hedderich

(Lektorat: Bella C. Moremo)

Sie ist sich nicht sicher, aber immer wenn ihre Freundin Caroline und deren Mann Timm sich mit ihnen in Brittas Landhaus treffen um zusammen mit ihr und ihrem Mann Pitt zu kochen und anschließend genüsslich zu speisen, hat sie das Gefühl, dass Timm sie lüstern anschaut. Er tut das aber immer so geschickt, dass Brittas Mann es nicht mitbekommt, und auch Caroline scheint nichts zu bemerken. So ist es auch an diesem Freitag. Diesmal möchte Britta der Sache auf den Grund gehen und stellt ihrem Gast eine Falle. Sie hat vor, ihm so richtig eins auswischen, denn sie findet es unmöglich, dass Timm auf die Freundin seiner Frau scharf ist und Britta das bei jeder Gelegenheit spüren lässt.

Als die Vier schon einige Gläser Wein getrunken haben, setzt sie ihre List in die Tat um, nimmt eine Zigarette aus ihrem Etui, führt diese lässig zum rot geschminkten Mund und hält inne. Quer über den Tisch greift sie nach Timms Feuerzeug, das er vor sich neben seinem Weinglas abgelegt hat und nimmt nach dem Anzünden einen tiefen Zug. Anschließend bläst sie den Rauch langsam über den Tisch hinweg in seine Richtung. Wie unbeabsichtigt lässt sie das Feuerzeug von der Tischkante fallen, so dass es zwischen ihre Stuhlbeine fällt. Sie deutet an,  sich danach runterzubeugen aber Timm kommt ihr zuvor: “Laß mal, ich hebe es auf.”, worauf er  unter den Tisch krabbelt und zwischen Brittas Stuhlbeine greift. Diesen kurzen Moment nutzt Britta für ihren teuflischen Plan: Sie zieht ihr Kleid unauffällig etwas in die Höhe. Britta ist sich sicher, dass Timm bemerken wird, dass sie kein Höschen drunter hat und die Geste von ihr zu verstehen glaubt.

Spät am Abend verabschieden sich Caroline und Timm von ihren Gastgebern. Am nächsten Tag ist Pitt bereits auf der Arbeit als Britta ihn anruft und ihm mitteilt, dass sie etwas später in ihre Stadtwohnung käme, da sie in ihrem Landhaus noch ein wenig sauberemachen würde. Anschließend ruft sie Timm an, der gerade als Taxifahrer unterwegs ist, und fragt ihn, ob er sie nicht vom Landhaus zurück in die Stadt bringen könne. Der scheint gar nicht mal erstaunt und fragt, ob sie vielleicht noch andere Wünsche habe. Britta durchschaut sein Spiel sofort: “Ach, da gäbe es einiges, aber dafür bräuchte ich 500 Euro.” Schnell versicherte ihr Timm, dass er ihr gerne unter die Arme greifen würde, doch da er nicht genügend Geld dabei habe, würde er sich einfach etwas leihen oder kurz zur Bank fahren.

Zwei Stunden später fährt Timm mit seinem Taxi vor dem Landhaus vor und hat tatsächlich 500 Euro dabei, die er ihr mit einem triumphierendem Lächeln im Gesicht überreicht. Britta nimmt den großen Schein, mit dem sie sich die neue Handtasche kaufen will, von der sie ihrem Mann vor kurzem berichtet hatte, das die lediglich achtzig Euro kosten würde. Sie war froh, dass ihr Mann nicht weiter nachgefragt hat, denn Pitt hätte ziemlich schnell herausgefunden, dass Britta ihn mit dem Preis anflunkerte. Ihm konnte sie einfach nichts vormachen und jede Lüge ihm gegenüber hatte Pitt bisher immer aufgedeckt. Dieses Mal würde er nichts merken, denn die Tasche würde angeblich ganz normale 80 Euro kosten und nicht 580.

Der Schein verschwindet in ihren Ausschnitt, anschließend nimmt sie den Mann ihrer Freundin an die Hand und zieht ihn in Richtung Schlafzimmer. Zwar will sie ihn für seine Lüsternheit in Form der 500 Euro bluten lassen, aber dafür wird er auch bekommen, worauf er wohl insgeheim gehofft hat…

Einige Stunden später wird Britta von Timm eine Straße vor ihrer Stadtwohnung enfehrnt abgesetzt, die wenigen Meter bis zu ihrem Haus legt sie, wie sie glaubt, völlig unbehelligt zurück.

Dort angekommen sucht sie in ihrer Handtasche nach dem Schlüssel und ist gerade im Begriff, die Haustür aufzuschließen, als ihr jemand von hinten die Hände auf die Augen legt und mit seltsam tiefer Stimme sagt: “Geld oder Leben, junge Frau!” Britta ist im ersten Moment geschockt, bis sie schließlich erkennt, dass Pitt ihr einen Streich spielt und durchaus gekonnt seine Stimme verstellt. Sie dreht sich um, küsst ihn auf den Mund und entgegnet: “Schatz, was fällt dir ein, mich so zu erschrecken?” Pitt konterte mit einem Augenzwinkern: “Ich weiß doch, dass du viel Geld in der Tasche hast. Da dachte ich mir, ich jage dir mal einen gehörigen Schreck ein und das ist mir ja scheinbar auch gelungen.”

Bevor sie antwortet, schluckt Britta unmerklich: “Welches Geld denn?”

“Schatz, du weißt doch, dass du mich nicht anlügen kannst, ich weiß genau, dass du 500 Euro in deiner Tasche bei dir hast!” Britta reißt die Augen auf und es durchfährt sie wie ein Stromschlag. “Ähem, ja, das stimmt…” Sie steht kurz davor ihm alles zu beichten als sie sieht, wie Pitt sie angrinst: “Heute war Timm bei mir im Büro, er hat sich 500 Euro geliehen und versprochen, noch heute seine Schulden zurück zu bezahlen und dir das Geld ins Landhaus vorbeizubringen. Das hat er doch auch getan, oder?”

Ein verhaltenes Nicken war alles, was Britta zu wege brachte, nur widerwillig kramt sie den Schein hervor und reicht ihn an Pitt weiter. Der steckt ihn in seine Geldtasche: “Schatz stell dir mal vor, ich habe heute auf dem Weg ins Büro das Auto etwas weiter weg geparkt und diese tolle Handtasche, von der du mir berichtet hast, in einem Laden im Schaufenster gesehen. Die wollten aber unglaubliche 580 Euro dafür…!”

-Ende-

Copyright (c) 2012 by Martina Müller und Detlef  Hedderich

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “WEIHNACHTSGESCHICHTEN-60-minus-70-0-20110114100400-0d964f2a.jpg ” (Originaltitel: 20110114100400-0d964f2a.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Kaufempfehlung der Autoren:

Sigg, Stephan
Die 7 Todsünden
Geschichten aus unserer Zeit

Umschlaggestaltung von Schütte, Niklas
Verlag :      Gabriel Verlag/Thienemann
ISBN :      978-3-522-30283-8
Einband :      gebunden
Preisinfo :      12,95 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 27.10.2011
Seiten/Umfang :      144 S. – 21,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      24.01.2012

Stephan Sigg interpretiert die sieben Todsünden (Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit) neu – herausfordernd und am Puls der Zeit. Geschichten, die nicht mehr loslassen und zeigen, dass die Todsünden kein alter Hut sind, sondern auch die Verlockungen unserer Zeit widerspiegeln.

Stefan Sigg, 1983 geboren, lebt in Rheineck (Ostschweiz), 2007 schloss er sein Theologiestudium in Chur ab.

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