sfbasar.de

Literatur-Blog

AUFERSTANDEN (Leseprobe zu:) DER FÜRST DER SKORPIONE – Science Fiction-Roman von Marcus Hammerschmitt

Erstellt von Detlef Hedderich am 19. Dezember 2011

A U F E R S T A N D E N

~

Leseprobe zu:

DER FÜRST DER SKORPIONE

Science Fiction-Roman

von

Marcus Hammerschmitt


Er wusste nicht genau, wie er gestorben war. Das letzte, woran er sich erinnerte, war die Farbe von Getreide. Die Käfer liefen durch ein Kornfeld. Es war ein großes Kornfeld, Quadratkilometer um Quadratkilometer groß. Er lag in der Kanzel unter dem Bauch des Käfers und träumte.

Da unten, all das viele Korn. Wenn man bedachte, dass da früher nur Sand gewesen war. Stattdessen diese Fruchtbarkeit. „Kornkammer”, sagten sie immer in den Nachrichten. Und es stimmte genau.Manchmal Funksprüche in seinem Kopf. Sie hatten eine niedrige Priorität und zupften nur leicht an seinen Nerven. Positionsmeldungen, keine besonderen Vorkommnisse. Sie liefen gemächlich und ruhig. Gemächlich, weil sie nur eine Patrouille waren. Und weil sie keinen zu großen Schaden anrichten wollten. Die Käfer waren sehr viel besser für die Landwirtschaft als Panzer.

Oh, Panzer, was waren die primitiv gewesen im Vergleich zu den Käfern. Käfer waren viel schonender für das Getreide und gleichzeitig viel effektiver. „Die Sahara – Kornkammer Europas!”, hieß es immer.

Man stampfte nicht wie ein Elefant durch die Kornkammer. Nur die Käfer selber durften fressen, so viel sie wollten, damit sie bei Kräften blieben.

Der Raum, in dem sie jetzt saßen, war kahl, nicht einmal Regale oder Plakate gab es, nur ihn selbst, den Entlassungsoffizier, zwei Stühle und einen Tisch. Das Licht kam von allen Seiten.Der Entlassungsoffizier trug eine EuroForce–Uniform der Heimatfront, mit einem Schildemblem an der Brust, die Schulterklappen zierte ein silberner Stern.

Er tippte auf der berührungsempfindlichen Platte des Datentischs herum. Er schien Björns Akte nicht zu finden. Dieser Mann würde ihn aus der Armee entlassen. Ihm konnte er alle Fragen im Zusammenhang mit seiner neuen Aufgabe stellen. Björn formulierte die Frage gut in seinem Kopf vor. Er hatte gelernt, dass das hilfreich sein konnte.

„Was soll ich meinem Schützling sagen, wie ich gestorben bin?”

Der Entlassungsoffizier blickte auf.

„Einen Moment, bin gleich so weit”, sagte er.

Dann suchte er wieder nach Björns Akte.

Natürlich durfte er nicht träumen. In seinem Essen waren Sachen, die ihn am Träumen hindern sollten. Der Wiegeschritt und das wogende Korn lullten ihn trotzdem ein. Der Himmel war bedeckt, der Käfer warf dennoch einen Schatten, diffus an den Rändern, dunkler in der Mitte, dort war das Korn dunkelbeige. Es war alles in Ordnung, er fühlte sich sicher. Dann starb er. Es war wohl eine Mine. Eine, die springt. Er bemerkte nichts von dem Angriff.

Nur diesen plötzlichen, weißglühend aufstrahlenden Todesschmerz würde er nie vergessen. Die Explosion hatte ihn sicher nicht zu sehr zerfetzt, denn sonst wäre er nicht wiedererweckt worden. Man konnte auch die ganz Zerfetzten wiedererwecken, wenn man mindestens 85% der Körpermasse erhalten blieben. Aber es lohnte sich nicht. Das Verfahren wurde dann zu teuer. Die Wiedererweckung war daher eine Gnade, die nicht allen zuteil wurde.

Das Gesicht des Entlassungsoffiziers hellte sich auf. Offenbar war er fündig geworden. Er tippte mit dem Zeigefinger ein paar Punkte in der Akte an, hackte einen kurzen Text in ein Datenfeld, und schloss das Dokument. Der Schirm erlosch, die Tischoberfläche sah jetzt wieder aus, als sei sie aus Holz.„Tja dann”, meinte er lächelnd. „Alles Gute in deinem neuen Leben.” Er stand auf.

Björn musste schnell denken. Er beschloss, seine Frage von vorhin einfach zu wiederholen.

„Aber was sage ich dem Schützling über meinen Tod?”

„Da mach dir mal keine Sorgen. Da sagst du einfach gar nichts. Denk dran, du bist die Vaterfigur, du entscheidest, wo es lang geht. Und Anweisungen zu den wichtigsten Themen findest du im Grünen Buch.” Er stand auf und begab sich in Habachtstellung.

Björn fand fir Antwort des Offiziers plausibel. Er erhob sich ebenfalls. Dann salutierten sie beide.

Es war wie bei einem Loch im Zahn. Man weiß, man macht es nicht besser, aber man muss immer wieder mit der Zunge hin. Manchmal tastete er nach den Schnittstellen für die Käferganglien an seinem Hinterkopf. Sie waren inzwischen verheilt. Das kam vom Wiedererweckungsprozess, er heilte alle Wunden, und medizinisch gesehen waren die Schnittstellen Wunden.Björn hatte Phantomschmerzen und Sehnsucht nach den Käferganglien. Er würde nie mehr Kanonier sein. Ein Käfer hätte ihn in seinem Zustand ja gar nicht akzeptiert.

Er hätte ihn ganz neu besiedeln müssen, die Schnittstellen an seinem Kopf hätten neu angelegt werden müssen, allein schon das hätte Monate gedauert. Dann waren da die Abstoßungsreaktionen, die immer drohten, wenn Käfer von Soldaten besiedelt wurden; der Käferorganismus wollte dann die Menschen in seinem Inneren nicht haben, behandelte sie als Fremdkörper und verdaute sie, oder er tötete sie durch Entzündungen und allergische Reaktionen.

Wie man früh festgestellt hatte, Abstoßungsreaktionen besonders häufig auf, wenn der Soldat ein Wiedererweckter war. Ein Käfer, der auf die Besiedlung so negativ reagierte, war unbrauchbar und musste selbst getötet werden. Das wollte man nicht riskieren. Außerdem waren Wiedererweckte viel zu langsam. So langsam, dass sie von normalen Menschen „Zombies” genannt wurden.

Die Käfer brauchten die Menschen in ihrem Leib zur Leistungssteigerung, nicht zur Verlangsamung. Mit Zombie-Kanonieren konnte eine Käfereinheit nichts anfangen. Deswegen hatte Björn jetzt eine andere Aufgabe. Er würde sich um eine der vielen Kriegswaisen kümmern, ein Mädchen, das in einer besonders schwierigen Phase seiner Entwicklung war, in der Pubertät nämlich.

Was Björn dazu wissen musste, wurde ihm in einem einwöchigen Trainingskurs beigebracht, der fast beendet war. Den Kurs empfand Björn als anstrengend. Die Trainer waren nicht sehr freundlich, aber das kannte er aus seiner Militärzeit. Schlimmer war, dass er mit seinem wiedererweckten, verlangsamten Körper eigentlich alles so schnell machen sollte wie ein normaler Mensch.

Obwohl er sich große Mühe gab, ließ er manchmal Dinge fallen. Er sprach auch so schleppend, dass die Ausbilder oft ungeduldig wurden, und das war besonders bitter, weil Björn die Sätze in seinem Kopf meist längst fertig hatte, aber die Sprechmuskulatur kam einfach nicht mit. Das überfordert selbst die Geduldigsten, dachte Björn.

Langsam erwachte er aus seinen Grübeleien. Die Mittagspause war vorbei. Er bemerkte, wie feucht seine Hände waren. Wäre er ein normaler Mensch gewesen, hätte sein Herz wild gepocht, aber es war ja wie der Rest seines Körpers verlangsamt.

Björn versuchte sich mit den Drei Gewissheiten aus dem Grünen Buch zu beruhigen: >Jedes Problem hat eine Lösung<, <Wer an das heilige Kind denkt, an den denkt das Heilige Kind<, >Geschwindigkeit ist nicht alles<. Aber es wirkte nicht. Er hatte Angst vor dem Rest des Arbeitstages, denn seine Trainingsgruppe würde heute noch das Einkaufen üben.

„Scheiße!”, fluchte Tabea. Sie war in einer furchtbaren Stimmung. Die geblümte Tapete ihres Zimmers machte sie rasend. Das Hologramm ihres Beraters stand ruhig und gelassen da, wie immer, wenn sie ihn aufrief.

„Mir geht’s gut! Ich komme allein klar! Ich brauchte keinen Zombie! Ist das wegen dem WG–Stress mit Günter und Norma? Oder war’s der letzte Gesundheitstest?”

Natürlich war es bescheuert gewesen, in der Gesundheitsprüfung aus Langeweile einfach alles anzukreuzen. Vielleicht hatten auch Günter und Norma sie bei ihren Beratern verpetzt, sie als streitsüchtig angeschwärzt, obwohl sie selbst die ganze Zeit Stress gemacht hatten. Deswegen brauchte sie doch noch lange keinen Zombie.

Wer einen Zombie abkriegte, der konnte sich vergessen, der war unten durch. Günter und Norma taten jetzt zuckersüß, aber hinter Tabeas Rücken zogen sie Gesichter und machten Witze. Die wollten sie ja schon länger loswerden, und hatten jetzt ihre Chance gewittert.

„Was du natürlich vergisst, Tabea”, sagte der Berater mit ernstem Gesicht, „ist der Diebstahlverdacht, der gegen dich vorliegt.”

„Aber ich hab nichts geklaut!”, rief sie. „Die haben nichts bei mir gefunden!”

„Das ist nicht logisch, Tabea. Die Kaufhausdetektive haben nichts bei dir gefunden, aber das beweist nicht, dass du unschuldig bist. Einer von ihnen schwört, er habe dich was einstecken sehen. Ich habe die Akte hier.”

Tabea stiegen die Tränen in die Augen.

„Glaub doch, was du willst. Ich hab nichts geklaut. Und ich brauch keinen verdammten Zombie!”

„Da bin ich anderer Meinung. Du bist jetzt seit acht Jahren Vollwaise. Es klingt vielleicht hart, aber ich halte dich im Moment für labil. Es ist zu deinem eigenen Besten.”

Dann löste sich ihr Berater in Luft auf. Tabea ließ ihren Tränen freien Lauf.

Was sie jetzt schon rasend machte, war die Langsamkeit. Wie diese Zombies sich bewegten, wie sie sprachen. Es wurde behauptet, dass sie viel schneller denken konnten, aber dass ihr Körper einfach nicht mitkam. Das wollte sie sich überhaupt nicht vorstellen, mit einem normalen Kopf in einem zu langsamen Körper eingesperrt zu sein, das fand sie einfach nur Scheiße.

Und sie waren schon einmal tot gewesen. Erst tot, dann wiedererweckt, für ein paar Jahre Extraleben. Erst neulich hatte sie im Supermarkt eine Zombiegruppe beim Üben gesehen. Das hatte so furchtbar arm ausgesehen. Diese ganzen Drecksjobs, die sie machen mussten. Zombies waren eklig.Das einzige, was sie derzeit ein wenig aufheitern konnte, war die Tatsache, dass Tanjas Vater gefallen war. Sein Eiskäfer war vom Feind umzingelt und mit Enzymwaffen zerstört worden. Tanja hatte jetzt seine beiden Orden (nichts Besonderes), seine Hundemarke, ein paar seiner Zähne (mehr war von ihm nicht übrig geblieben) und zwei Bücher, die man in seinem Spind gefunden hatte.

Tanja war so blöd gewesen, den Kram in die Schule mitzubringen (bestimmt ein Tip ihres Beraters, die kamen immer auf so Ideen). Bleich, gefasst und ehrlich stolz auf ihren Vater hatte sie alles herumgezeigt. Dabei war die Sache mit den Enzymen so furchtbar eklig. Es kam ja nichts darüber in den Nachrichten, aber Tanja hate gehört, es bliebe nur Schleim, der erst nach Wochen wegtrocknete, weil er irgendwie noch lebte.

Manche behaupteten sogar, dass man aus diesem braunen Schleim noch was wiedererwecken konnte, es sei bloß zu teuer. Wie alle anderen, hatte Tabea Tanja mit traurigem Gesicht die Hand gegeben und „Für uns gefallen!” gemurmelt. Dabei war sie total schadenfroh gewesen, war es jetzt noch.

Tanja hatte immer die Nase so hoch getragen, weil sie als eine der wenigen in der Klasse noch einen lebenden Elternteil gehabt hatte. Die Kuh, die blöde.

Würde hart für sie werden. Die musste sich erst noch daran gewöhnen, dass sie jetzt wirklich allein war, keine Briefe von der Front mehr, in denen Daddy versprach, dass er bald wieder kommen würde, keine Geschenke mehr, nichts. Tanja musste damit schon lange klar kommen, und sie kam damit klar. Sie brauchte keinen Zombie. Sie brauchte ein Rollerbike.

(…)

© patmos Verlag, 2007

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (http://www.chaosrigger.org/pixel02/upload/2011/02/06/20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Cyborgs01-89-26-minus54.jpg” (Originaltitel: 20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Wie die Geschichte weiter geht erfährt man hier:

Im Jahr 2040 können Maschine und Mensch zu einer Einheit verschmelzen, Tote werden wiedererweckt.

Björn ist ein solcher Wiedererweckter: Er fiel im Krieg und bekam dann ein neues Leben als Ersatzvater von Tabea, einer Waise. Doch Wiedererweckte werden “entsorgt”, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Um Björn zu retten, flieht Tabea mit ihm nach Nordafrika. Dort geraten die beiden in die Gewalt von Rebellen-Chef Nasrid. Er will die Europäer vertreiben, die Nordafrika besetzt halten – einen wie Björn kann er dazu gut gebrauchen. Tabea will Björn vom Kämpfen abhalten, doch Nasrids geheime Operation ist schon in vollem Gange …

Bestsellerautor Andreas Eschbach über das Buch: “Was für ein starkes Buch! Packend und zugleich nachdenklich stimmend, rasant und vielschichtig, zudem sprachlich von höchster Qualität, wie von Marcus Hammerschmitt nicht anders zu erwarten. Es würde mich nicht im mindesten wundern, wenn »Der Fürst der Skorpione« dereinst als Kultbuch gehandelt würde.”

Für Science-Fiction-Interessierte ab 13 geschrieben, sollte das Buch auch Erwachsenen zugänglich sein.

Titel bei amazon.de
Titel bei Booklooker.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln mit Pressemeldungen, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Es gibt auch eine eBook-Version:

Zum Bestellen auf das Cover klicken!

Andreas Eschbach sagt: “Was für ein starkes Buch! Packend und zugleich nachdenklich stimmend, rasant und vielschichtig, zudem sprachlich von höchster Qualität, wie von Marcus Hammerschmitt nicht anders zu erwarten. Es würde mich nicht im mindesten wundern, wenn »Der Fürst der Skorpione« dereinst als Kultbuch gehandelt würde.”

Rezensionen:

Schwäbisches Tagblatt
Westdeutsche Zeitung

Jugendbuchtipps

Media Mania

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Jugend, Leseprobe, Nominierungen (sfb), Science Fiction, Storys | 11 Kommentare »

DIE LOKOMOTIVE (Leseprobe:) Auftrag – Eine Erzählung von Marcus Hammerschmitt

Erstellt von Detlef Hedderich am 6. Dezember 2011

DIE LOKOMOTIVE

Erzählung

von

Marcus Hammerschmitt

(Leseprobe:)

Auftrag
Dass die Revolution das Unmögliche von mir verlangt hat, ist nicht ihre Schuld. Ich hätte bei meinem Strukturat für Kartonagen- und Papierverarbeitung bleiben können, ich hätte dort weiterhin die Maschinen warten können, aber es sollte nicht sein. Die Arbeit war nicht schlecht, aber ich wollte mehr. Es war mein Kopf, der mich hierher geführt hat, mein eigener Wille. Wer hätte ahnen können, dass mich hier eine Aufgabe ereilen würde, der ich nicht gewachsen war? Wer hätte ahnen können, dass ich an ihr wachsen, sie bewältigen und dann trotzdem an ihr scheitern würde?

Ich war kein Ingenieur, oder jemand mit vergleichbarer Qualifikation. Ich war ein Maschinist. Wenn ich mich heute an den Tag erinnere, als ich zum ersten Mal den Aushang am schwarzen Brett vor den Umkleidekabinen las, verfluche ich ihn. „Metallstrukturat Kolja Grishkov in Neténde sucht Ingenieure oder Praktiker mit vergleichbarer Ausbildung: Maschinenbau, Metallverarbeitung, Fräsen und Zerspanen.

Meldung beim Centurio.“

Ich fluche wie ein Kesselflicker, wenn ich daran denke, aber das nützt nichts – schlimmer noch: Es ist irrational. Dieser Aushang ist nicht verantwortlich, genauso wenig wie die Revolution selber. Ich hätte ihn nur nicht zu beachten brauchen. Ich hätte meine Jacke in den Spind hängen, meine Privatkleider ausziehen sollen, hätte mich, wie jeden Morgen, ein wenig über die zu niedrigen Temperaturen in der Umkleide ärgern sollen, dann den Overall überstreifen, die Stiefel anziehen, den Spind schließen und zur Arbeit gehen sollen.

Aber ich blieb stehen. Und las den Aushang. Und dachte den ganzen Tag über ihn nach. Und den nächsten auch, und den übernächsten auch.

Nach einer Woche war ich dann so weit: Ich würde es wagen. Ich wollte weg von den Kartonagen, schon lange. Und jetzt wusste ich auch, wo ich hin wollte. Ich würde ein Verbrechen begehen. Ich würde meine Papiere fälschen.

Warum funktioniert die Revolution auf Ladania? Eigentlich fragen sich das nur ihre Feinde. Sollen sie, dann sind sie mit etwas anderem beschäftigt, als transnational gegen den Volkswillen zu intrigieren. Bis zur „Zeit der Auflösung“, wie die große Umwälzung nach 2012 bei uns genannt wird, hieß Ladania „Fürst-Josefs-Insel“, gehörte zu Chile, und war eigentlich nur Spezialisten bekannt. Eine große Insel im kalten Scotiameer, unbeachtet, bedeutungslos. Der Diktator Pinochet hatte die Fürst-Josefs-Insel – für ihn Teil der „chilenischen Antarktis“ – als Gefängnisinsel benutzt, aber selbst einem Verrückten wie ihm war das einerseits bald zu aufwändig geworden, andererseits hatte dem Charakter einer Gefängnisinsel eine Eigenart Ladanias widersprochen, die wir heute zu schätzen wissen: Auf Ladania ist es, gemessen an seiner geographischen Lage, erstaunlich warm. Die Durchschnittstemperatur entspricht etwa der Alaskas. Zu warm für Delinquenten, fand Pinochet, zu angenehm.

Das Kuriosum war bekannt, aber wer wollte schon zur Fürst-Josefs-Insel? Erst 2005 wurden die gewaltigen Kohle- und Eisenvorkommen auf Ladania entdeckt. 2012, zum Zeitpunkt der Auflösung, waren schon seit einigen Jahren Prospektoren auf Ladania zugange, die im Auftrag großer Konzerne Probebohrungen anlegten. Sie taten das nicht mit besonderer Energie. Öl war keins vorhanden, im Grund war die Montanzeit vorüber, und man betrachtete Ladania bestenfalls als Reservetank für schlechte Zeiten. Dass Antonio Nefardi mit zweihundert Genossinnen und Genossen auf der Fürst-Josefs-Insel landete und Ladania gründete, wurde überhaupt nicht wahrgenommen. Als die Restauration um 2017 überall gesiegt hatte, feierte sie sich selbst, und die paar Spinner in der Antarktis störten sie nicht. Um 2020 bemerkte man, dass auf der Fürst-Josefs-Insel ein kaltes Kuba entstanden war, mit mittlerweile mehreren Millionen Einwohnern.

Da die Bodenschätze der Revolution wie reife Früchte in den Schoß gefallen waren, lag die Entscheidung des Volkswillens auf der Hand: Man würde zum Lebensstil der ersten industriellen Revolution zurückkehren – unter veränderten sozialen Bedingungen.

Zuerst hatte ich Glück. Ich fälschte Belege über den erfolgreichen Besuch von Abendkursen zur Ingenieursausbildung, und mein kleiner Betrug gelang bei allen Stellen, die über eine Verlegung nach Neténde zu entscheiden hatten, von meinem Centurio an. Ingenieure werden auf Ladania immer händeringend gesucht, und die Prüfungen sind nicht ganz so streng, wie sie vielleicht sein sollten.

Meine Aufgabe in dem Metallstrukturat bestand in dem Entwurf, der Fertigung und der Wartung fortgeschrittener Dampfmaschinen. Das war insofern nicht schwierig, als ich mit Dampfmaschinen vertraut war.

Vor meiner Zwangsverlegung zu dem Kartonagenbetrieb war ich Techniker in einer Großkraftstation gewesen, dauernd mit Dampfmaschinen und –turbinen befasst, von daher auch auf dem Stand der Technik. Von heute aus gesehen ist es klar: Die Verlegung von der Kraftstation in die Kartonagenfabrik war für mich eine persönliche Kränkung. Die Arbeit im Kartonagensektor war mir leicht gefallen, und ich sah ein, dass sie getan werden musste. Aber ich hatte mich doch immer nach den Dampfmaschinen zurückgesehnt. Jedenfalls erkläre ich mir das heute so.

Mit den Genossen meiner Centurie kam ich sofort gut aus. Die Ingenieure respektierten mich als einen der Ihren. Wie hätten sie ahnen können, dass ich keiner der Ihren war? Ich hatte in der Kraftstation pausenlos mit Ingenieuren zusammengearbeitet, Konstruktions- und Reparaturaufgaben mit ihnen gemeinsam gelöst. Die Theorie des Maschinenbaus war mir in Grundzügen von meiner gründlichen Technikerausbildung her vertraut, technisches Zeichen hatte zu meiner Ausbildung gehört. Die Genossen Ingenieure in der Kraftstation hatten mich immer als Praktiker mit Verstand respektiert, im Metallstrukturat fiel mir das Auftreten als Ingenieur leicht.

Nur mit einem hatte ich gleich Probleme: Svevo, der Parteisekretär der Centurie, lag mir nicht. Normalerweise hätte mich das gewundert. Ich hatte noch nie mit einem Kader des Volkswillens Probleme gehabt. Aber ich stellte nach kurzer Zeit fest, dass Svevo in der Centurie ganz allgemein unbeliebt war, und beruhigte mich. Ich musste nicht mit jemandem gut auskommen, der sich 80 von 100 Genossen zum Feind gemacht hatte. So was kam vor, auch bei uns.

Ich arbeitete ziemlich hart, um die Stellung auszufüllen, die ich mir erschlichen hatte, und es gelang mir. Ich führte einige geringfügige Verbesserungen in die Konstruktion feststehender Dampfturbinen zur Elektrizitätsgewinnung ein (mein altes Fachgebiet), und behielt sogar meine besten Ideen für mich, um keinen Neid unter den Genossen zu erzeugen. Ich wurde zweimal mit dem roten Rad ausgezeichnet – bei unüblich kurzer Betriebszugehörigkeit. Ich sparte auf eine private Limousine, ein ehrgeiziges Ziel, auch für einen Ingenieur (der ich nicht wirklich war, wie ich mir manchmal selber sagen musste, um nicht abzuheben). Das ging – alles in allem – zwei Jahre so.

Auch im persönlichen gelang zunächst viel. Kurz vor meinem Umzug nach Neténde hatte ich mich von meiner bisherigen Lieblingsfrau getrennt. In der Hauptstadt hatte ich bald eine neue gefunden, sie hieß Pani. Wir stellten uns gemeinsam beim Rat meines Wohnheims vor und bemühten uns um ein verbindliches Auftreten – die Sitzung dauerte nur kurz, der Rat nahm uns an, Pani konnte in das Haus ziehen, in dem auch ich lebte. Wir wohnten nur durch ein paar Türen getrennt, und man hatte uns sogar in Aussicht gestellt, bald Nachbarn zu werden. Wir konnten unser Glück kaum fassen, als uns auch noch eine Zeugungserlaubnis erteilt wurde. Pani besuchte die Krippe des Wohnheims, fand sie hervorragend und stellte sofort die nötigen Anträge.

Das Unglück setzte ein, als sich ein Jahr später herausstellte, dass wir keine Kinder haben würden, weil ich unfruchtbar war. Mich schockierte das mehr als sie. Sie war inzwischen zum Centurio in ihrer Abteilung bei der Registratur aufgestiegen und konnte mit mir nicht mehr alles besprechen, was dort vorging – Dienstgeheimnis. Da sie sich mit anderen Männern traf, schien ihr auch unsere Präferenz nicht mehr so wichtig zu sein. Eigentlich hätte ich ihr das Misstrauen aussprechen und die Präferenz von mir aus lösen müssen. Ich tat es nicht.

Man muss dazu wissen, dass Fruchtbarkeit bei uns in Ladania ein großes Thema ist. Wir leben lange, und es werden nur wenige Kinder geboren, um die Bevölkerung stabil zu halten. Der Volkswille ist in dieser Hinsicht sehr strikt. Es gibt Gerüchte, dass man uns etwas ins Essen tut, um die Fruchtbarkeit allgemein zu dämpfen. Es wird auch behauptet, dass sich nur die hohen Kader des Volkswillens selbstbestimmt fortpflanzen können, entweder, weil sie nicht der chemischen Unterdrückung unterliegen, oder weil sie Zugriff auf die medizinischen Fortpflanzungstechniken haben, die es in Ladania offiziell gar nicht gibt.

Das ist alles Unfug. In solchem Gerede drückt sich der Unwille der Leute darüber aus, dass bei uns nicht wild durcheinander geboren werden kann, wie im Rest der Welt. Wir haben die Ressourcen nicht, und die Welt hat sie eigentlich auch nicht, aber sie tut so als ob, immer noch.

Pani und ich waren vor unserer Entfremdung sehr glücklich über die Zeugungserlaubnis gewesen. Hätte zum Zeitpunkt der Diagnose ein Kind noch viel von uns gehabt? Das ist eine Frage, die ich mir interessanterweise gar nicht stellte. Ich war verletzt, gekränkt, verwirrt.

Zeitweise verlegte auch ich mich auf die Theorie, meine Fruchtbarkeit sei mir künstlich genommen worden. Pani lachte mich deswegen aus, und wies mich darauf hin, dass man uns wohl kaum eine Zeugungserlaubnis erteilt und mich gleichzeitig heimlich sterilisiert haben würde. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, und hielt trotz der veränderten Umstände an Pani und der fixen Idee einer Familie fest. Auf sehr unladanische Weise hoffte ich auf ein Wunder.

Ich hatte all das noch nicht ganz verdaut, als eines Tages Svevo in meinem Büro erschien. Einerseits brachte mich schon die Tatsache, dass er nicht angeklopft hatte, gegen ihn auf. Svevo klopfte nie an, er hielt das nicht für nötig, weil er Kader des Volkswillens war. Wenn man ihn deswegen zur Rede stellte, konnte er sehr unangenehm werden: „Was sind denn das für bürgerliche Mätzchen?“, usw. Andererseits hoffte ich insgeheim auf eine Beförderung, eine Verbesserung, irgendein einschneidendes berufliches Ereignis, das mein angeknackstes Selbstbewusstsein wegen der Unfruchtbarkeit wieder heilen würde. Ich hatte privat so viel Unglück erlebt, meinte ich, dass ich jetzt eine Wiedergutmachung verdiente.

„Genosse Reiszman!“, rief Svevo, nachdem er sich vor meinem Schreibtisch aufgebaut hatte. „Bei der Arbeit, wie ich sehe!“

Svevo war am widerlichsten, wenn er jovial sein wollte.

„Immer, Genosse“, sagte ich, „immer.“

„Ja, ja, das wissen wir, das wissen wir.“

Svevo fing an, vor meinem Schreibtisch hin und her zu gehen als sei ich gar nicht da. Noch eine seiner Marotten.

„Was ist die Revolution?“, fragte er ins Leere.

In der trockenen und kalten Luft kondensierte sein Atem. 16 Grad Zimmertemperatur, streng nach Vorschrift.

„Die Revolution ist unsere Mutter. So müssen wir das sehen. Sie gibt uns alles, Nahrung, Unterkunft, Sinn. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: alles. Mit dieser Haltung, mit dieser Dankbarkeit für das Kleine und das Große geben wir der Revolution Kraft. Wo stehen wir im Vergleich zu Kuba? Wir sind weit voraus im brüderlichen Wettkampf: besseres Gesundheitssystem, besseres Schulwesen, niedrigere Kindersterblichkeit, höhere Lebenserwartung, höherer durchschnittlicher Lebensstandard!“

Niedrigere Durchschnittstemperatur, dachte ich bitter. Mir wurde Zeit gestohlen.

„Und wir halten das für selbstverständlich – du auch, ich auch. Wir fragen uns nicht: Was kann ich tun, was können wir tun, damit diese Errungenschaften erhalten bleiben? Diese nicht selbstverständlichen?“

Manchmal fragte ich mich, ob Svevo uns nicht vielleicht doch alle auf den Arm nahm mit seinem komischen, pedantischen Eifer, der so gar nichts Begeisterndes an sich hatte. Dann glaubte ich wieder, die Komik sei ausschließlich unfreiwillig. Möglicherweise war er auch damals schon nicht mehr ganz klar im Kopf.

„Genosse Schmitz …“

„Wir können das! Wir können etwas beitragen!“

Wenn auch der Beitrag nur darin bestünde, andere von der Arbeit abzuhalten, indem man ihnen stundenlang dummes Zeug erzählt, dachte ich.

„Und du, Genosse Reiszman, kannst in ganz besonderer Weise etwas zur Verteidigung unserer revolutionären Errungenschaften beitragen.“

Ich wurde innerlich still. Svevo sah mich mit manischen Augen an.

Die eng beieinander stehenden Augen, das schmale Gesicht, die großen Zähne: Man konnte schon verstehen, warum er hinter seinem Rücken „Das Wiesel“ genannt wurde.

„Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was die Revolution von unserer Centurie braucht. Und was braucht sie?“

Er schlug mit der flachen Hand auf den Schreibtisch.

„Eine Lokomotive braucht sie. Und du, Genosse Reiszman, konstruierst sie.“

Ich war so überrascht, mir stand wohl der Mund offen.

„Da bist du platt, was? Aber genau so ist es. Das Allokationskommissariat, der Interstrukturatsplan und die Parteigremien sind einverstanden. Du baust uns die schnellste Dampflokomotive der Welt. Ich habe mich erkundigt. Dafür gäbe es sogar im Ausland Bedarf.“

„Aber“, sagte ich lahm – und hielt mich gerade noch zurück. Ich hatte fortfahren wollen: Das kann ich nicht. Ich bin gut in stationären Dampfmaschinen. Lokomotiven sind nicht mein Gebiet. Ich bin kein Ingenieur. „ ja-“, brachte ich stattdessen zuwege. „Das ist eine große Ehre.

Eine große Aufgabe. Ich bin … überrascht. Eine große Ehre.“

„Was ist?“, fragte Svevo, leicht misstrauisch. „Traust du dir das nicht zu? Ich habe der Partei versprochen, dass wir das in einem halben Jahr schaffen.“

„In einem halben Jahr“, wiederholte ich tonlos.

„Exakt! Genauso lange laufen auch die AK- und ISPSondergenehmigungen.“

Ich war noch immer gelähmt. Aber ich konnte schon wieder hassen.

Was gibst du Hund Versprechen, die andere halten müssen?, hätte ich gerne gefragt. Was reißt du dein Maul über Sachen auf, von denen du nichts verstehst? Eine brauchbare Lokomotive in einem halben Jahr!

Wohl wahnsinnig geworden, was? All das hätte ich fragen und sagen wollen. Aber ich sagte nur gepresst: „Genosse Schmitz. Danke für diesen ehrenvollen Auftrag. Er verändert meine Prioritäten völlig. Bei dem anspruchsvollen Ziel muss ich mich umgehend an die Arbeit machen. Sofort.“

Genau das hatte er hören wollen. Man erkannte es an seinem dummzufriedenen Grinsen.

„Genosse Reiszman: Viel Erfolg! Der Rest der Brigade hört noch heute von mir.“

Und er stolzierte ab, der dumme Hahn. In Wirklichkeit tat ich bis zum Ende der Schicht so gut wie nichts mehr. Ich war verloren. (…)

© Marcus Hammerschmitt, 2006

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (http://www.chaosrigger.org/pixel02/upload/2011/02/06/20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Cyborgs01-89-minus94-minus54.jpg” (Originaltitel: 20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Die ganze Erzählung ist erschienen in: Der Moloch, Shayol Verlag, 2007, 350 S., 14,90 Euro, ISBN 978-3-926126-74-0:

Der Moloch
und andere Visionen

Herausgegeben von Mommers, Helmuth W
Verlag :      Shayol – Ronald Hoppe
ISBN :      978-3-926126-74-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,90 Eur[D] / 15,40 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Seiten/Umfang :      352 S. – 20 x 13 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      09.2007

Medien :
Leseprobe(PDF)

Kurzgeschichten von Karl Michael Armer, Christian von Aster, Sascha Dickel, Marcus Hammerschmitt, Frank W. Haubold, Desire & Frank Hoese, Michael K. Iwoleit, Heidrun Jänchen, Thorsten Küper, Thor Kunkel, Uwe Post und Bernhard Schneider.

BESTELLUNGEN WERDEN GERNE ENTGEGENGENOMMEN UND ERHÖHEN DIE PREISGELDER FÜR UNSERE AUTOREN BEI UNSEREM STORYWETTBEWERB – EINFACH HIER KLICKEN:

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Storys | 11 Kommentare »

Adventskalender von Marcus Hammerschmitt 1. – 24. Dezember!

Erstellt von Detlef Hedderich am 1. Dezember 2011

Auf das Cover klicken, dann geht der Kalender auf: Jeden Tag öffnet sich ein Türchen, wenn man es anklickt. Was sich dahinter findet? Es kann ein Gedicht sein, ein Zitat aus einem Text (mit Link zu einer größeren Leseprobe oder zum Volltext) oder manchmal auch eine Spur zu einer Sounddatei.

Was unterstrichen ist, kann angeklickt werden. Manchmal auch das, was nicht unterstrichen ist. Genau wie die Hände. Die eine führt weiter, die andere führt zum Kontakt. Es ist einfach, versuch es nur.

Alle Rechte vorbehalten. Auch an der Musik und so. Wer schummelt und sich in einem Rutsch durchklickt, geht an Heiligabend leer aus.

Letztes Jahr war auch nicht schlecht.

Marcus Hammerschmitt.

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Diskussionen, News, Präsentation, Weihnachten | 5 Kommentare »

Der WDR 5 bringt am Di. 15.11.2011 um 20:05 den Science-Fiction-Thriller POLYPLAY von Marcus Hammerschmitt als Hörspiel!

Erstellt von Detlef Hedderich am 30. Oktober 2011

WDR 5 – Das Hörspiel am Dienstag (15.11.2011 20:05)

Polyplay
Von Marcus Hammerschmitt

Komposition: Martin Daske
Bearbeitung und Regie:
Barbara Meerkötter
Produktion: WDR 2008/54’

Mit Judith Engel, Ulrich Matthes, Horst Kotterba, Steffen Scheumann, Suzanne von Borsody u.a.

Redaktion:
Georg Bühren

http://www.wdr5.de/sendungen/hoerspiel-am-dienstag/s/d/15.11.2011-20.05.html

Die Buchvorlage für dieses Hörspiel zum Bestellen:

Hammerschmitt, Marcus
Polyplay

Im Buch blättern

Verlag :      Argument Hamburg
ISBN :      978-3-88619-974-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,00 Eur[D] / 12,40 Eur[A] / 17,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 09.06.2011
Seiten/Umfang :      192 S. – 20,0 x 13,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      2002
Gewicht :      194 g
Aus der Reihe :      Social Fantasies 5006

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Auferstanden aus Ruinen?

Rüdiger Kramer, Oberleutnant der Volkspolizei, wird am 3.4.2000 zu einem Tatort gerufen: Der 16-jährige Michael Abusch liegt mit zertrümmertem Schädel vor den Computerspielautomaten eines Jugendclubs. Erste Zeugenbefragungen ergeben, dass der Junge geradezu besessen war von einem altertümlichen Computerspiel namens »Polyplay«. Kramer beginnt zu ermitteln, doch schlagartig lösen sich alle Spuren in Luft auf. Und man munkelt, der Fall habe politische Implikationen …

Volkspolizei? Im April des Jahres 2000? In Marcus Hammerschmitts Alternativwelt-Thriller konnte der historische Börsenkrach von 1987 nicht abgefedert werden, sondern mündete in eine Weltwirtschaftskrise. Die DDR-Ökonomie erholte sich aber überraschend schnell: Die Entdeckung einer revolutionären Energiequelle schuf unbegrenzte Energiereserven – und so nahm die Geschichte einen anderen Verlauf: Die DDR schluckte die BRD und übernahm die wirtschaftliche und politische Führung in Europa.

Dies alles ist für Oberleutnant Kramer selbstverständlich. Und doch droht der von höchster Instanz blockierte Mordfall Abusch seine Normalität auf den Kopf zu stellen. Was für ein Spiel wird hier gespielt?

Marcus Hammerschmitt, 1967 in Saarbrücken geboren, studierte in Tübingen Philosophie und Literaturwissenschaft. Seit 1994 ist er freier Schriftsteller. Er wurde mit dem Essaypreis der Büchergilde Gutenberg und dem Würther Literaturpreis ausgezeichnet. Bisher im Argument Verlag: Der Opal (SF 2060) und Der Zensor (SF 5003).

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln mit Pressemeldungen, Berichten und Artikel, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Argument Verlag, Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Film und TV, Hörbücher/Hörspiele, News, Pressemeldungen, Science Fiction | 3 Kommentare »

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Marcus Hammerschmitt – Der Zensor.

Erstellt von Detlef Hedderich am 7. Oktober 2011

Marcus Hammerschmitt
Der Zensor

Argument Verlag, Hamburg, 2001
(hier Titelbild der 2. Auflage von 2005)
Reihe “SF Social Fantasies”
Science Fiction
Taschenbuch
Umfang 256 Seiten
ISBN 978-3-88619-970-9

www.argument.de
www.hoerbuchnetz.de

Titel erhältlich bei Amazon.de

Vorbemerkung zur Reihe “SF Social Fantasies” des Ariadne/Argument-Verlages:

Es ist eine Tatsache, das über Jahrzehnte hinweg, Science-Fiction den Stempel Trivialliteratur aufgedrückt bekommen hatte. Von wem? Von Vertretern der Hochliteratur und vor allem von Leuten, die keine Ahnung hatten und wahrscheinlich immer noch keine haben und sicher nicht mehr als zwei oder drei Bücher aus diesem Genre wirklich gelesen haben. Zugegeben gab und gibt es auch heute immer noch Texte – quer durch alle Genre -, die man mit diesem abwertenden Begriff bezeichnen kann und darf, aber längst gibt es nicht nur Hunderte, sondern nach Tausenden zählende Science-Fiction Bücher, die diesen Makel nicht tragen.

Zwischen den Jahren 1997 und 2004 hatte es sich der Ariadne/Argument-Verlag auf die Fahnen geschrieben, gegen das auch damals – trotz aller Erfolge im Buch- und vor allem im Filmbereich – hartnäckig existierende Vorurteil ein Gegengewicht zu setzen: Die Reihe “SF Social Fantasies”. Mit der Publikation längst vergriffener Juwelen des Genres in ungekürzten und überarbeiteten Neufassungen präsentierte man Fans und Kritikern (s. o.) des Genres Titel, die zeigten, dass es sehr wohl gute, nein sehr gute SF-Literatur gab und gibt. Welchen Gesetzen des gnadenlosen Buchmarktes es anzulasten ist, dass die Reihe nach rund 30 Titeln eingestellt wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Aber die Reihe hätte ein längeres Leben – und die Fans weiterhin Zugang zu längst vergriffenen Titeln – absolut verdient.

Gerade in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts war es in vielen Verlagen Usus, Texte auf ein vorgegebenes Maß, dass der Stärke und damit dem Standardpreis einer Reihe entsprach, ohne große Rücksicht zu kürzen. Ich denke da mit Grausen an die erste Auflage von “Dune – Der Wüstenplanet”; gekürzt von rund 650 Seiten auf 320! Die Zeit schien – zumindest bei den Verlagen – noch nicht reif zu sein, für dicke Bücher mit 500, 700 oder gar 1.000 Seiten. Bei vielen Fans führte das zu massiven Protesten und erst in späteren Jahren wagten – mit Erfolg – viele Verlage, die Originaltexte ungekürzt und mit variablen Taschenbuchpreisen auf den Markt zu bringen. Oft sind hier die 2. Auflagen das begehrte Objekt des Fans.

Und so zählt dann also diese kleine Reihe “SF Social Fantasies” zu den Highlights dessen, was Verlage auf den SF-Markt gebracht haben. Wir werden hier an dieser Stelle immer wieder Rezensionen zu Titeln aus dieser Reihe bringen.

Zum Autor:

Marcus Hammerschmitt, geboren 1967 in Saarbrücken ist Journalist und freier Schriftsteller. Er hat mehrere Science-Fiction und einige Sachbücher (s. u.) geschrieben. Mit einigen seiner Kurzgeschichten ist er mehrfacher Träger des Kurd-Laßwitz-Preises, sowie des Deutschen Science-Fiction Preises. Seit 1995 ist er Mitglied des Verbands deutscher Schriftsteller. Im sfbasar findet man einige Leseproben aus seinen neuesten Werken (“Das Herkules-Projekt” und “Azureus & Pygmalion”).

Zum Buch:

Im Jahr 2136 herrschen in Spanien und einigen Teilen Südeuropas die Mayas. Sie haben die vor 600 Jahren stattgefundene Invasion durch die Conquistadores überwunden und sich auf ihren Maya-Ursprung besonnen. Mit Hilfe modernster Nano-Technologie haben sie sich von ihren Unterdrückern befreit und in einer Gegenoffensive die iberische Halbinsel überrannt. In den ehemaligen Hauptstädten des spanischen Königreiches ragen Steinpyramiden und Tempel wie Hochhäuser aus dem Stadtbild auf. Auf den zermalmten Resten katholischer Kirchen und Kathedralen thronen nun sie als Zeichen der Macht.

Und die Mayas herrschen auch durch ihre angestammten Riten. Menschen – vorzugsweise Feinde, aber auch Landsleute – fallen blutigsten Ritualen zum Opfer. Natürlich fördert das Widerstand zutage und die FPLE (Frente patriótico para la Liberación de Espana) plant einen Anschlag auf die Hauptstadt Nano-Tikal. Sie will mit einem Schlag den Herrscher, Ahau Chan Balum, den Kopf des Maya-Geheimdienstes Ahau Yaqui und die gefürchteten Elitekrieger der Raben vernichten. Enrique, ein führender Kopf der Untergrundorganisation, macht sich auf den Weg, um eine Nano-Bombe fürchterlichster Art mitten ins Herz des Maya-Reiches zu bringen …

Doch auch die katholische Kirche, an ihrer Spitze natürlich der Papst, hat Pläne, um die Herrschaft über ein angestammtes katholisches Land wiederzuerlangen. Sie schickt einen Vertreter, Don Rodriguez, nach Nano-Tikal, um dem Herrscher ein weiteres der extrem seltenen Maya-Codizes auszuhändigen, dass angeblich seit 600 Jahren in den Archiven des Vatikans schlummerte.

Fazit:

Um es kurz zu machen: “Der Zensor” hat seinen Platz in dieser exquisiten SF-Reihe zu Recht erhalten. Ich gebe zu, dass die Verknüpfung von Historie, alternativem Geschichtsverlauf und modernster Technologie zu meinen Lieblings-Sujets zählt. Aber Marcus Hammerschmitt reitet nicht auf solchen Elementen herum, sondern fügt sie intelligent in eine wirklich beklemmende Zukunftsvariante ein. Den einzigen Malus, den ich finden konnte – ohne danach gesucht zu haben -, war die Kürze des Romans. Gerade die gemeinsame Flucht von Yaqui und Enrique, der Wandel von aussichtsloser Flucht zur Lösung ihrer Probleme wird leider am Ende ein wenig gerafft beschrieben. Und auch das Ende kommt ein wenig kurz daher. Rund 50 Seiten mehr Lesespaß hätten aus diesem sehr guten Roman einen Bestseller gemacht, davon bin ich wirklich überzeugt. Also freuen wir uns auf die anderen und neuen Romane des Autors. Müßte ich Punkte vergeben, würde ich 9 von 10 verteilen.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Amazon.de

Weitere Titel des Autors:

2011 Azureus & Pygmalion, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-8094-3
2010 Yardang, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-8082-0
2007 Der Fürst der Skorpione, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-7046-3
2006 Das Herkules-Projekt, Sauerländer-Verlag, ISBN 3-7941-7043-2
2002 PolyPlay, Argument Verlag, ISBN 3-88619-974-7
2001 Der Zensor, Argument Verlag, ISBN 978-3-88619-970-3. Als Hörbuch Radioropa 2008: ISBN 978-3-86667-711-1
2000 Der Opal, Argument Verlag, ISBN 978-3-88619-960-0
1998 Target, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-39347-5
1997 Wind, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-39278-2
1995 Der Glasmensch, Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-518-38973-7

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer ein Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Die Mayas haben die Invasion durch die Conquistadores überwunden und sich auf ihren Maya-Ursprung besonnen. In welchem Jahr herrschen sie nun auch in Spanien und einigen Teilen Südeuropas? Sobald 30 richtige Mails eingetroffen sind, werden die Gewinner daraus gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Die Gewinner lauten: Ilona Lorenz, Sascha Trott und John Kula. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN TEILNEHMERN!

Abgelegt unter Argument Verlag, Buchrezension, Bücher, Diskussionen, Science Fiction, beendete Preisrätsel | 2 Kommentare »

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 1 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR MIT PERSÖNLICHER WIDMUNG DES AUTORS (!): Marcus Hammerschmitt – Das Herkules-Projekt.

Erstellt von Detlef Hedderich am 30. August 2011

Hammerschmitt, Marcus
Das Herkules-Projekt

Verlag :      Carlsen
ISBN :      978-3-551-31025-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      6,95 Eur[D] / 7,20 Eur[A] / 11,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      ca. 176 S. – 18,7 x 12,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 09.2011

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Menno, Flex und Paula sind jugendliche Datenpiraten. Musik, Filme oder Spiele können sie direkt in ihrem Körper speichern, in dem sie winzige Nanocomputer tragen. Das geht so lange gut, bis Paula eines Tages erwischt wird. Ein Deal mit einem Polizisten scheint der Ausweg zu sein, erweist sich jedoch bald als noch viel größere Gefahr, denn ihre Körpernetze wurden heimlich manipuliert und die drei werden unfreiwillig zu Versuchskaninchen eines Geheimprojekts von skrupellosen Wissenschaftlern.

Mein Roman “Das Herkules-Projekt” handelt von drei Jugendlichen der Zukunft, die die Frage nach dem geistigen Eigentum auf ihre Weise beantworten und dabei in Gefahr geraten. Für Science-Fiction-Interessierte ab 13 geschrieben, sollte das Buch auch Erwachsenen zugänglich sein. Marcus Hammerschmitt.

Marcus Hammerschmitt wurde 1967 geboren und studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Tübingen. Seit 1994 arbeitet er als freier Journalist und Schriftsteller. Seine Sciencefiction-Romane wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. 1997 bekam er den Thaddäus-Troll-Preis des Förderkreises deutscher Schriftsteller.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Preisrätsel 1 x 1 Exemplar mit persönlicher Widmung des Autors (!): Wer dieses Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!):  Wie heißen die drei Protagonisten, deren Körpernetze heimlich manipuliert wurden und die unfreiwillig zu Versuchskaninchen eines Geheimprojekts von skrupellosen Wissenschaftlern wurden? (Antwort darauf findet sich auf unserer Homepage!) Sobald 10 richtige Mails eingetroffen sind, wird der Gewinner daraus gezogen und an die Autorin weitergeleitet, die dann mit dem Gewinner die Widmungen bespricht und die Zusendung des Titels abspricht! Wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! DER GEWINNER LAUTET: Birgit Sommerfeld! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR BEDANKEN UNS BEIM AUTOR UND BEI ALLEN TEILNEHMERN!

Abgelegt unter Bücher, Diskussionen, Jugend, News, Pressemeldungen, Science Fiction, beendete Preisrätsel | 23 Kommentare »

GEFANGEN – Leseprobe zu “DAS HERKULES-PROJEKT”, Roman von Marcus Hammerschmitt.

Erstellt von Detlef Hedderich am 30. August 2011

G E F A N G E N


Leseprobe zu


“DAS HERKULES-PROJEKT


Roman

von

Marcus Hammerschmitt


Die Plastik-Handschellen taten weh, besonders, weil ihr die Hände auf den Rücken gefesselt waren, aber da gab’s schlimmere Schmerzen. Die der Scham zum Beispiel. Menno hatte Recht gehabt. Wie immer. Und sie nicht. Wie öfter. Einmal zu oft. Sie fuhr jetzt ein. Sie konnte einpacken.

Beim Auschecken einer Lovebox. Das würde Abzug geben, den konnte sie nicht aufholen, bis zur nächsten Eiszeit nicht. Ganz schwerer Abzug, Genossin. Sie war ein Loser mit Doppel-O. Jetzt hatten die Bullen sie drangekriegt. Aber das hatte sie ja reizen müssen, diese Sache mit den Liebesradios. Dass niemand wusste, woher die silbrigen Retrokisten kamen. Diese Aufschrift an der Vorderfront: Dem lieben Hörer! Dass sie nie richtig benutzt wurden, obwohl es kostenlos war, obwohl man hören konnte, ohne zu bezahlen, sich anzumelden, etwas zu unterschreiben. Dass man mit ihnen sprechen, sich was wünschen konnte, Pop, Klassik, Jazz, alles, und dass es dann gespielt wurde, nur für einen selbst, im Schädel des lieben Hörers. Paula hatte es wissen wollen. Wo die Musik herkam. Und wer sie bezahlte. Und wie das genau ging mit der Knochenresonanz. Wo doch nirgends ein Lautsprecher zu sehen war. Und natürlich hatte sie, Paula, das Kind, mit Menno vorher darüber reden müssen, wie sie immer mit Menno über alles reden musste, weil Menno ihr gehasster Gott war, der über alles Bescheid wissen musste, was Paula tat, weil Paula für alles Erlaubnis brauchte, verfluchter Dreck. Menno hatte es natürlich nicht gefallen, er hatte gesagt:

“Das ist Pfusch, eine Falle. Das geht nicht, die Dinger sind link. Lass das, du machst dich zum Affen.”

Und Paula hatte einmal erwachsen sein wollen. Sie pfiff auf Menno, der sie mal sonst was konnte. Sie hatte sich überlegt, was ging.

So eine Lovebox, die würde sie knacken, die würde sie scannen, alle würden Respekt haben, es gäbe Tribut.

Ihre Aura was sauber gewesen. Ihre Auren waren immer sauber, die kamen von Flex, der konnte was. Was Paula abstrahlte, sah aus wie der Datendunst eines beliebigen gesetzestreuen Bürgers, sogar jetzt noch, hier im Copshop. Paula war sicher gewesen in ihrer Aura. Paula Hübner, Schülerin, hatte sie in die Umgebung abgestrahlt, und einen bunten Blumentrauß anderer Daten, von ihrer kompletten DNA-Sequenz bis zu ihrer Kreditwürdigkeit (beides ok). Ihre Schuhgröße auch (die stimmte sogar). Warum hatte der Bulle – nicht einmal DaSi, sondern ganz normale Streife – überhaupt Verdacht geschöpft? Weil sie sich so auffällig lange in der Nähe einer Lovebox aufgehalten hatte? Egal. Für den Augenblick war an nichts anderes zu denken, als an die Tatsache, dass sie dran.

“Aha”, sagte der Cop auf der anderen Seite des Tischs. Dann knallte er Paulas OmniK auf die Platte, dass es ihr durch Mark und Bein fuhr. Empfindliche elektronische Geräte. Mit viel Seele darin. Ihrer Seele. Auch der OmniK hatte seine falsche Aura, die passte zu der von Paula. Eine Brille mit den passenden Gläsern machte die Datenstrahlung von Geräten und Menschen sichtbar. Der Cop gegenüber trug so eine Brille. Er drehte das schwarze, handtellergroße Gerät um und schaltete es ein. Der Bildschirm leuchtete auf, und Paulas Erkennungsmelodie erklang leise.

“Wahrscheinlich nicht einmal geimpft!”, sagte der Mann drohend.

Er roch nach Schweiß. Wie das ganze Zimmer. Paula schwitzte ja auch, sie war sich sicher, dass man das sehen konnte. Natürlich war der OmniK geimpft. Wie der eines jeden rechtschaffenen Bürgers. Und unter der Aura, unter der Impfschicht, unter verschiedenen Schichten von digitalem Isolierband, da war die Seele des OmniKs. Paulas Sammlung. Ihre illegalen Daten. Ihr Leben. Und sie selbst trug ihr Leben noch einmal am Leib. Denn auch ihr Körper war geimpft worden, wenn auch auf andere Art als der OmniK. Vor ihrer Einschulung hatte eine Injektion mit Nanomaterial einen Großteil der Zellen ihres Körpers in winzige Computer verwandelt, die über Funk miteinander in Verbindung standen, die Daten austauschen, speichern und verändern konnten. Am dichtesten war das Netz in ihrem Kopf, aber ihr ganzer Körper war ein doppeltes Netzwerk, ein biologisches und ein elektronisches. Den elektronischen Teil kontrollierte sie mit dem OmniK. Wie jeder normale Mensch. Nur war sie kein normaler Mensch. Sondern eine Piratin. Und deswegen hatte sie eben auch keinen normalen OmniK.

“Ah”, sagte der Bulle, nachdem er den OmniK eine Zeit lang durch seine Brille studiert hatte. “Also doch geimpft. Aber mit abgelaufenen Signaturen. Primitiv, aber auf den ersten Blick glaubhaft.”

Paula wusste genau, was hier passierte. Der Bulle, der kein Spezialist, sondern ein ganz normaler Angestellter der SecurAG war, wollte ihr weismachen, er gehöre zur Datensicherheit. Aber DaSi-Leute hätten nicht so viel geredet. Sie waren eine kältere Sorte Mensch. Sie redeten überhaupt nicht, sondern handelten. Ein DaSi-Agent hätte einfach mit dem Entschlüsseln begonnen, um zu Paulas Sammlung vorzudringen, die sie so sorgfältig in ihrem OmniK und ihrem Körper versteckt hatte. Bei der DaSi beschäftigten sie Leser. Leute mit Intuition und Rechenpower, die buchstabierten >Kryptographie< in jedem Fall richtig. Nachdem sie ihre Opfer zum Stillhalten veranlasst hatten. Aber sie waren dem Staat zu teuer, die Spezialisten mit den grauen Köfferchen, und es gab zu wenige von ihnen für all die Fälle, in denen sie gebraucht wurden. Das wusste die Öffentlichkeit nicht. Aber Paula wusste es. Sie wusste vieles, was die Öffentlichkeit nicht wusste. Nein, dieser Schwätzer da wollte sie nur weichkochen, bis ein DaSi-Leser frei war.

“Ich bin Paula Hübner”, sagte Paula, “Schülerin am Carl Einstein-Gymnasium Wandlitz. Sie halten mich hier widerrechtlich fest. Ich habe nichts getan. Lassen Sie mich gehen oder wenigstens mit einem Anwalt reden.”

“Aber natürlich, du dummes Huhn. Ich lasse dich gehen. Oder noch besser, mit einem Anwalt reden. Damit zehn Minuten später deine Freunde hier aufkreuzen und ein Heidenchaos veranstalten, bis wir nicht mehr wissen, wo links und rechts ist.”

Er beugte sich vor. Er hatte vor nicht allzu langer Zeit Zwiebeln gegessen.

“Sei froh, dass ich dich nicht ein wenig kitzeln darf. Es riecht hier nach Piraterie. Morgen bist du blank.”

Die Tür ging auf. Paula fürchtete, der Leser sei bereits angekommen, aber nein, es handelt sich nur um einen SecurAG-Kollegen des Zwiebelessers. Groß, vierschrötig, kahlrasiert. Der Schocker an seinem Gürtel glänzte wie ein frisch gewienerter schwarzer Schuh. Er zog Paula von ihrem Stuhl hoch, als sei sie aus Papier.

(…)

© 2006 der Leseprobe by Sauerländer Verlag, 2011 mit freundlicher Genehmigung des Autors!


Die Fortsetzung dieser Leseprobe ist bestellbar:

Hammerschmitt, Marcus
Das Herkules-Projekt

Verlag :      Carlsen
ISBN :      978-3-551-31025-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      6,95 Eur[D] / 7,20 Eur[A] / 11,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      ca. 176 S. – 18,7 x 12,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 09.2011

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Menno, Flex und Paula sind jugendliche Datenpiraten. Musik, Filme oder Spiele können sie direkt in ihrem Körper speichern, in dem sie winzige Nanocomputer tragen. Das geht so lange gut, bis Paula eines Tages erwischt wird. Ein Deal mit einem Polizisten scheint der Ausweg zu sein, erweist sich jedoch bald als noch viel größere Gefahr, denn ihre Körpernetze wurden heimlich manipuliert und die drei werden unfreiwillig zu Versuchskaninchen eines Geheimprojekts von skrupellosen Wissenschaftlern.

Mein Roman “Das Herkules-Projekt” handelt von drei Jugendlichen der Zukunft, die die Frage nach dem geistigen Eigentum auf ihre Weise beantworten und dabei in Gefahr geraten. Für Science-Fiction-Interessierte ab 13 geschrieben, sollte das Buch auch Erwachsenen zugänglich sein. Marcus Hammerschmitt.

Marcus Hammerschmitt wurde 1967 geboren und studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Tübingen. Seit 1994 arbeitet er als freier Journalist und Schriftsteller. Seine Sciencefiction-Romane wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. 1997 bekam er den Thaddäus-Troll-Preis des Förderkreises deutscher Schriftsteller.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys und Leseproben unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 1 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR MIT PERSÖNLICHER WIDMUNG DES AUTORS (!): Marcus Hammerschmitt – Das Herkules-Projekt.

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Jugend, Leseprobe, News, Pressemeldungen, Science Fiction, Storys | 12 Kommentare »

EINTAUCHEN – Leseprobe (Kapitel 1) aus “AZUREUS & PYGMALION”, Roman von Marcus Hammerschmitt

Erstellt von Detlef Hedderich am 11. April 2011

EINTAUCHEN

Leseprobe (Kapitel 1) aus “AZUREUS & PYGMALION”, Roman

von

Marcus Hammerschmitt

Die Welt ist ein Dorf

“He, du.”

Die Stimme war tief und warm. Eine Stimme, der man vertrauen konnte. Azureus drehte sich trotzdem nicht um und lief einfach weiter. Den Schirm in seinem Rücken zog er nur aus Prinzip hoch.  Er würde ihm nicht gegen seinen Verfolger schützen. Azureus hörte keine Schritte hinter sich, genau wie er es erwartet hatte.

“Brauchste nich”, sagte die vertrauenswürdige Stimme , “Bin dein Freund.”

Azureus biss sich auf die Zunge. Beinahe hätte er widersprochen. Was war bloß mit ihm los? Erst hatte er bei einem einfachen Routine-Rundgang durch das Dorf  elementare Vorsichtsmaßnahmen missachtet, und nun ließ er sich auf so billige Weise provozieren.

Der Mond stand hell über dem Dorf. Hier in den Außenbezirken war alles ruhig, die meisten Gäste schliefen schon. In einer Viertelstunde würde seine Schicht zu Ende sein. Aber jetzt hatte er ein Problem. Azureus bog in die Mauerstraße, eine der wenigen ungemütlichen Gassen dieses Bezirks. Eng war sie, dunkel, und so gut wie nicht beleuchtet. Typisches Niemandsland zwischen zwei Domänen, wie es dorfplanerisch eigentlich gar nicht vorkommen sollte, aber doch  immer wieder selbst in den besten Gegenden auftrat. Vielleicht ließ sich sein Verfolger hier abschütteln. Er mochte Niemandsland nicht, so viel wusste Azureus.

“Hier würd ich aber nich langlaufen”, sagte die Stimme. “Miese Gegend hier.”

“Du mich auch”, dachte Azureus, und lief weiter. “Hoffentlich gefällt sie dir so wenig, dass du mich in Ruhe lässt.”

Unabsichtlich kickte er eine leere Konservenbüchse  zur Seite. Nur, um sich abzulenken, wechselte  er in den Strukturmodus und prüfte ihre Signaturen. Das rostige Blech hatte seit drei Jahren hier gelegen. Wirklich eine miese Gegend. Was sollte er bloß tun? Der Verfolger blieb ihm auf den Fersen, das konnte er genau spüren. Manchmal hörte er ihn schnaufen, wie ein großes Tier, das leicht außer Atem war. Wie hatte er nur so unachtsam sein können?

Plötzlich merkte er, dass er sich in einer Sackgasse befand. Und das Ende der Sackgasse wurde nicht von einer einfachen Backsteinmauer begrenzt. Die Mauer erwies sich als ein echter Flussblock. Eines der Bewegungshindernisse im Dorf, die auf Regelniveau die Bewegungen der Dorfbewohner begrenzten. Sicher, Azureus hätte seine Adminprivilegien bemühen können, um die Mauer zu überwinden. Aber erstens hätte das seinem Verfolger eine Menge über ihn verraten, zweitens kostete es Zeit, die er nicht hatte, drittens zog die Benutzung von APs immer eine Untersuchung durchVorgesetzte nach sich. Manchmal auf PE-Basis. Persönliches Erscheinen. Azureus hielt an. Das war nicht sein Tag. So viel war schon mal klar.

Er drehte sich um. Der Troll stand wenige Meter von ihm entfernt. Er war vielleicht anderthalb mal so groß wie ein ausgewachsener Mann, und, wie bei Trollen üblich, fast genauso breit. Sein dunkles Fell glänzte im Mondlicht. Der massive Kopf war gut zu erkennen. Er schien direkt auf den Schultern aufzusitzen. Handtellergroße Augen, eine platte, unbehaarte Nase, zwei Hörner, eins davon kürzer als das andere, und zwei gewaltige Hauer, die aus dem Maul herausragten. Der klassische Troll. Wenigstens stank er nicht, wie manche seiner Kumpels.

“Was willst du?”, fragte Azureus. Er musste sich nicht einmal bemühen, extrem genervt zu klingen.

Der Troll hob eine Pranke und kratzte mit den langen Klauen seinen Trollschädel. Fragen nach den Gründen für ihre Handlungen, nach ihren Motiven und Strategien konnten Trolle schnell überfordern.

“Bin dein Freund”, sagte der Troll stupide. “Heiß Pygmalion. Ich beschütz dich jetzt.”

Das konnte ja heiter werden. Azureus hatte sich offenbar ein ganz besonders helles Exemplar der Gattung eingefangen.

“Hör mal, du dämlicher Fellsack. Ich brauch keinen Schutz, klar? Und jetzt verzieh dich, aber pronto.”

Der Troll guckte unglücklich. “Gleich weint er”, dachte Azureus.

“Geht nicht”, sagte Pygmalion. “Bin dein Beschützer.”

Da riss Azureus der Geduldsfaden. Er trat einen Schritt auf den Troll zu, und schrie:

“Ich brauche keinen Beschützer! Geht das in deinen Schädel, Fellsack? Verpiss dich!”

Der Troll, der sich während der Attacke von Azureus noch mehr zusammengeduckt hatte, schien etwas entgegnen zu wollen – dann aber sah Azureus seine Augen aufblitzen, der Trollkörper straffte sich, und viel schneller, als  er selbst hätte reagieren können, wurde er umgerannt. Azureus war total verblüfft. Trolle waren für viele unangenehme Eigenschaften bekannt, aber nicht für Aggression gegenüber den Leuten, die sie angeblich beschützen mussten. Aber noch im Fallen kehrte die Wut zurück. Und seine antrainierten Reflexe setzten ein. Er rollte geschickt ab, schnellte wieder hoch und zog seinen Haken aus dem Holster an seinem Gürtel. Das Gerät, das Ahnungslose vielleicht für einen Karabinerhaken gehalten hätten, öffnete sich und fing in Azureus Fingern blau zu glühen an. “Jetzt bist du zu weit gegangen, Arschloch. Jetzt mache ich aus dir Hackfleisch.”

Der Troll stand gleich bei der Mauer, gebückt, intensiv mit einer Sache beschäftigt, die Azureus nicht sehen konnte. Zum Kampf bereit  und fest entschlossen,  den Haken in den Körper des Trolls zu schlagen, ging Azureus langsam auf seinen Gegner zu. Der Troll drehte sich um. In seinen dicken Pranken hielt er einen Fuchs. Azureus schreckte zurück.

“Wenn de keinen Beschützer brauchst, warum sind dann Füchse hinter dir her?”

“Wer sagt, dass der hinter mir her war?”

Der Troll hob den Fuchs langsam an, schob ihn in Azureus’ Richtung, wie zum Beweis. Das Tier wirkte leblos, aber sein intensiv rotes Fell schimmerte, als sei der Fuchs von innen beleuchtet. Seine kalten Augen waren geöffnet, und ein Zischen und Knistern ging von ihm aus, als sei Wasser auf eine heiße Herdplatte geraten. Wo der Troll den Fuchs umklammerte, stieg Dampf auf.

“Verdammt”, knurrte Azureus. “verdammt.” Sein Herz hämmerte. Ein echter Fuchs. Da hörte der Spass nun wirklich auf. Mit großer Vorsicht näherte er sich dem Zischen. Gerade, als er den Haken in den Schädel des Fuchses schlagen wollte, bäumte der sich noch einmal auf, bellte, und spuckte aus. Aber  der Troll hatte aufgepasst und dafür gesorgt, dass die Spucke weder ihn noch Azureus treffen konnte. Der Fuchsspeichel fiel zu Boden. Wo er auftraf, begann der Asphalt zu brennen. Azureus hatte endgültig genug, und schlug seinen Haken in den Schädel des bösen Geists. Der Fuchs zuckte, leuchtete hellrot auf, und zerfiel dann in den Pranken des Trolls zu Staub.

Azureus atmete schwer.

“Danke”, sagte er zu dem Troll.

Der grinste wie ein Honigkuchenpferd.

“Ist doch mein Job”, sagte er.

“Nein”, erwiderte Azureus, während er den Haken wieder in sein Holster schob. “Ist es nicht.”

Irgendwas war hier ziemlich komisch. Der Fuchs hätte eigentlich alle Alarmsysteme von Azureus zum Anschlagen bringen müssen. Füchse waren Klasse-A-Infowaffen. Gegen sowas führte ein Scout wie Azureus eine ganze Menge Defensiv- und Offensivoptionen mit sich herum, nicht nur den Haken. Aber ein Fuchs war bis auf fünf Meter an ihn herangekommen, ohne dass er es auch nur gemerkt hatte. Es gab dafür nur eine gute Erklärung: Der Fuchs hatte sich hinter  dem Flussblock versteckt – dem Flussblock, den man eigentlich nur mit Adminprivilegien überwinden konnte. Dort hatte er den Moment abgepasst, in dem Azureus mit seinem neuen Troll beschäftigt war, und nicht allzu genau auf seine Umgebung geachtet hatte. Sehr unangenehme Schlussfolgerungen drängten sich auf. Füchse arbeiteten nie selbstständig. Jemand war hinter ihm her. Aber halt – jetzt kam er schon zu den gleichen Einschätzungen wie der Troll . Und Pygmalion, der da immer noch vor ihm stand und immer noch breit grinste, war doch selbst einigermaßen seltsam. Er hatte eben einen Fuchs gefangen. Was Trolle normalerweise nicht konnten, weil sie zu dumm und zu langsam dazu waren. Mit zwei entschlossenen Schritten ging Azureus auf Pygmalion zu und griff ihn ins Fell. Durch den direkten Kontakt wurde ihm die Datenstruktur des Trolls viel feinkörniger aufgeschlüsselt, und was er da sah, verblüffte ihn schon auf den ersten Blick: Das war vollkommen aktuelle Software. Speicher, Intelligenzlevel, Zugangsberechtigungen: Pygmalion strotzte nur so vor Ressourcen, von denen normale Trolle nur träumen konnten. Und Azureus konnte nicht sagen warum, aber er hatte den bestimmten Eindruck, dass Pygmalion dies nicht wusste. Mit anderen Worten: Er hielt sich für einen gewöhnlichen Troll, war aber etwas anderes. Zumindest ein massives Troll-Upgrade, von dem Azureus bishernoch nichts gehört hatte. Er ließ das Fell los.

“Muss ich alles melden”, murmelte er vor sich hin.

“Biste jetzt mein Freund?”, fragte Pygmalion.

“Oh Mann”, dachte Azureus und loggte sich aus.

(…)

© Sauerländer Verlag, 2011 mit freundlicher Genehmigung des Autors!

Bildrechte: Coverillustration “Märchen.jpg” (Originaltitel: nixe01.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Märchen-72-48-100.jpg” (Originaltitel: nixe01.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.


Die Fortsetzung dieser Leseprobe ist bestellbar:

Hammerschmitt, Marcus
Azureus & Pygmalion

Verlag :      Sauerländer Düsseldorf
ISBN :      978-3-7941-8094-3
Einband :      gebunden
Preisinfo :      12,95 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      ca. 200 S.
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      15.02.2011

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Was für ein Tag: Job weg, Troll eingefangen und dann auch noch entführt werden!

Doch wenn sich dein Auftraggeber Böhmischer Bischof nennt, dein Partner ein Troll mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt ist und bald sämtliche Sicherheitsleute des Dorfs hinter dir und dem Buch her sind, ist die Sache ziemlich klar: Das ist ein richtig beschissener Tag!

Azureus & Pygmalion – Pressemitteilung:

Eine Zeit, in der das Internet so selbstverständlich geworden ist, dass man es “das Dorf” nennt – frei nach dem Spruch, dass die Welt ein Dorf ist? Ein jugendlicher Held namens  Azureus, der im “Dorf” als Scout arbeitet, als Informationsschnüffler, der findet, was andere übersehen? Und dem bei der Suche nach einem geheimnisvollen Buch das Abenteuer seines Lebens geboten wird? Das alles ist Thema von “Azureus & Pygmalion”, dem neuen Jugendroman von Marcus Hammerschmitt, der sich nicht nur an Jugendliche richtet. Der All Ages-Band bietet rasante Spannung, eine ungewöhnliche Mischung aus Science Fiction und Fantasy, die die Grenzen beider Genres sprengt. Wer wissen will, was Trolle und Füchse im Netz treiben, was es mit Azureus und dem wertvollsten Buch des Dorfs auf sich hat, der ist bei “Azureus & Pygmalion” goldrichtig.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

PREISRÄTSEL / GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Hammerschmitt, Marcus – Azureus & Pygmalion.

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Fantasy, Leseprobe, News, Pressemeldungen, Science Fiction, Storys | 10 Kommentare »