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Literatur-Blog

REISEERZÄHLUNGEN EINES WELTRAUMABENTEURERS – AUFBRUCH – Science Fiction von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 30. April 2013

Reiseerzählungen eines Weltraumabenteurers

Science Fiction
von
Günther K. Lietz

Aufbruch

Viele Wege führen nach Rom, liebe Leser. Aber das ist eine Untertreibung, denn alle Wege führen nach Rom. Jedenfalls im Jahre 3010. Das ist zufälligerweise auch genau das Jahr, in dem ich von der Akademie abging und meine Forschungsreisen aufnahm. Zur damaligen Zeit noch eine gefährliche Tätigkeit, die einem unglücklichen Expeditionsteilnehmer schnell einmal das Leben kosten konnte. Doch der jugendliche Tatendrang und die damit verbundene Neugierde auf das Leben sind Dinge, die ich im Nachhinein keinesfalls missen möchte. Und ich muss gestehen, trotz all der Gefahren war es eine aufregende und schöne Zeit. Meistens.

Wie von mir bereits angedeutet, liegt Rom im Zentrum der dem Menschen bekannten Welt. Und diese Welt ist sehr groß, umfasst sie doch mehr als eintausend bewohnte Planeten. Das sind jedenfalls offizielle Schätzungen und die Dunkelziffern dürften ein wenig höher liegen. Aber dabei handelt es sich weitgehend um kleine Felsbrocken im All, auf denen sich niedere Charaktere und der Abschaum des Imperiums vor den Augen des Gesetzes verborgen halten.

Im Zentrum des Imperiums liegt also Rom, ein wunderschöner Planet und Sitz des Senats. Der setzt sich wiederum aus Vertretern der imperialen Planeten zusammen und erlässt die imperialen Gesetze, die dann über den planetaren Gesetzen stehen. Man sollte nun meinen da könnten rasch Streitigkeiten aufkommen, aber weit gefehlt. Die Planeten handeln weitgehend in Eigenverantwortung und nur die grundlegenden Gesetze müssen befolgt werden. Dabei handelt es sich um die Menschenrechte, Zölle und Abgaben.

Damit es zu keinen Ungerechtigkeiten kommt, muss jemand ein waches Auge auf den Senat haben und in der Lage sein, sämtliche Angelegenheiten des Imperiums zu koordinieren. Das macht der Imperator, der für eine Dekade regiert, dann abdankt und seinem Nachfolger Platz macht.

Der Imperator wird übrigens vom Volk aus den Reihen der Senatoren gewählt. Das bedeutet natürlich alle zehn Jahre ein großes Spektakel, dass im ganzen Universum übertragen wird und einem großen Volksfest gleicht. Auf den meisten Planeten wird eine ganze Woche lang gefeiert und in Rom dauern die Feierlichkeiten sogar einen ganzen Monat an.

Sicherlich fragen Sie sich jetzt, was ich mit Woche und Monat meine. Nun, im Imperium gilt der imperiale Standard. Meistens. Es gibt viele Planeten, Stationen und Schiffe, für die der Standard unmöglich einzuhalten ist. Dann muss man schon ein wenig rechnen und es ist von Vorteil einen Agenten zu besitzen. Liebe Leser, ich sollte ihnen vielleicht auch kurz einige erklärende Worte zu Agenten erzählen.

Bei dem Agenten eines fortschrittlichen imperialen Bürgers, handelt es sich um eine virtuelle Sache. So besitze ich unter meiner Haut einen kleinen Chip, der sämtliche wichtigen Daten meines Lebens beinhaltet und sichert. Durch entsprechende Geräte ist es mir nun möglich die Daten auszulesen, zu bearbeiten und auch wieder abzuspeichern. Ich benutze dazu meine Armbanduhr, die zwar schlicht aussieht, aber allerlei nützliche Spielereien beinhaltet.

Wichtig zu erwähnen ist auch noch, dass jeder Agent eine eigene Persönlichkeit besitzt. Die technischen Details würden an dieser Stelle nur unnütz aufhalten, doch sei gesagt, dass Agenten eine künstliche Intelligenz sind und ihr Verhalten durch den jeweiligen Benutzer mitbestimmt wird.

Zu erwähnen sei ebenfalls, dass moderne Agenten in ihren Fähigkeiten eingeschränkt sind. Es gab eine Zeit, in der ein Agent viel mehr Möglichkeiten besaß, mit seinem Besitzer zu interagieren und Agenten auch mit allerlei Implantaten verbunden waren. Das führte zu Konflikten und Krieg, denn einige der Agenten erklärten sich für unabhängige Individuen und übernahmen die Kontrolle über ihre Besitzer. Dieser Abschnitt in der Geschichte des Imperiums ist blutig und traurig – und sicherlich keines weiteren Wortes mehr wert.

Jedenfalls hatte ich das Sommersemester 3010 an der römischen Akademie als Jahrgangsletzter absolviert. Sicherlich kein Grund darauf stolz zu sein, doch muss ich es erwähnen, um falsche Vorstellungen bezüglich meiner Person zu vermeiden. Glauben Sie bitte nicht ich wäre ein unfähiger junger Mann, der gerne große Worte spricht. Nein.

Es ist viel mehr so, dass ich ein Mann der Praxis bin und Theorie als eher langweilig empfinde. Das soll nun keine Rechtfertigung sein, sondern nur eine Feststellung. Und in dem ich mich Ihnen hier mit meiner beschämenden Leistung offenbare, sollte ich meine Glaubwürdigkeit unterstreichen. Denn somit wissen Sie ja, dass ich kein Mann bin, der etwas verbirgt.

Ich hatte in den letzten zehn Jahren verschiedene Studienfächer ausprobiert und keines hatte mir gefallen. Schlussendlich schrieb ich mich in Xenophilosophie ein und machte mit Mühe und Not meinen Abschluss. Das war auch dringend angeraten, erreichte mich doch eine traurige Nachricht aus dem Hause meiner Eltern auf Sodium Prime: Sind bankrott, zählen nun auf Dich.

Das war eine sehr knappe Nachricht, aber die Kosten für die Nachrichtenübertragung innerhalb des Imperiums mittels Hyperpulsgeneratoren sind sehr hoch. Man kann zwar Nachrichten mit Hilfe von Postbooten versenden, aber da sind wiederum die Transportzeiten sehr lang. Das meine Eltern trotz ihrer finanziellen Probleme eine Nachricht per Hyperpulsgeneratorstation übermittelten mag aufzeigen, wie schlimm es ihnen ging.

Also packte ich meinen kleinen Koffer, zog aus dem Studentenwohnheim aus und saß erst einmal auf der Straße. Glücklicherweise ist das Klima auf Rom sehr milde und die Straßen sauber, sodass die ersten Tage noch recht angenehm waren. Doch das Leben als Obdachloser ist kein sorgloses Leben. Zwar gibt es imperiale Organisationen die Abhilfe schaffen, doch ich wollte zu diesem Zeitpunkt keinesfalls als Pionier auf ein Kolonieschiff eingeladen werden. Dieses imperial verordnete Pionierleben klingt nun vielleicht nach ein wenig staatlichem Zwang, aber so hat jeder Bürger des Imperiums die Gelegenheit, etwas aus seinem Leben zu machen.

Da saß ich also im Park, fütterte mit meinem letzten Brot die Enten und überlegte, was für eine Karriere ich einschlagen wollte.

Das Militär schied aus, denn mir schwebten Abenteuer vor – und das Leben eines imperialen Legionärs ist eher langweilig, setzt es sich doch aus Büroarbeit, Protokolle schreiben und Wache stehen zusammen. Aber in der Not ist eine jede Arbeit verlockend die ein Auskommen ermöglicht. Also stieß ich einen tiefen Seufzer aus und machte mich auf den Weg zum Rekrutierungsbüro der Legion.

Während ich nun langsamen Schrittes förmlich durch die Straßen schlich, ließ ich meinen Blick über die leuchtenden und blinkenden Anzeigen der Geschäfte und Büros schweifen. Und dieser Blick verweilte dann zufällig auf der Anzeige einer großen Reederei im Schaufenster einer Reiseagentur, die Arbeitskräfte für ein Luxuskreuzfahrtschiff suchte. Bezahlung gut, Arbeit einfach, viel Freizeit und die Möglichkeit das Imperium und seine Planeten aus erster Hand genauer kennenzulernen. Ich muss sagen, ich war begeistert.

Also griff ich kurzerhand meinen Koffer fester, drückte die Türe zum Büro auf und trat ein. Das Büro selbst war nur ein kleiner und unbedeutender Raum, in dessen Mitte ein gläserner Tisch stand, über dessen Oberfläche Bilder und Texte flimmerten. Vor dem Tisch standen drei wacklige Metallstühle.

Hinter dem Tisch saß ein kleines Kerlchen mit kahl geschorenem Schädel. Seine schiefe Nase zuckte nervös und seine winzigen Äuglein fixierten mich abschätzend. Das Kerlchen trug einen schlichten grauen Anzug, mit einer schief sitzenden Fliege in rosa und grün. „Ja?“ Die Frage war vorsichtig und gedehnt vorgebracht.

Mit einem breiten Grinsen ließ ich meinen Koffer zu Boden poltern und setzte mich auf einen der freien Stühle. „Leeds, Gee Point Leeds mein Name. Ich habe Ihre Anzeige im Fenster gesehen und muss sagen, dass ich begeistert bin.“

„Was denn für eine Anzeige?“ Hoffnung schwang in seiner Stimme mit.

„Dass Sie auf der Suche nach jungen und motivierten Arbeitskräften sind, die das Abenteuer suchen.“

Das Kerlchen schürzte die Lippen und blickte mich kurz enttäuscht an. „Ach ja, stimmt, diese Anzeige meinen Sie, Herr Leeds. Ja, gut, Vrock Kent mein Name, bin Manager hier und arbeite für die Starline-Reederei. Bei mir sind Sie genau richtig. Schon mal als Steward tätig gewesen?“

„Nein.“

„Haben Sie denn Erfahrung auf Kreuzfahrtschiffen?“

„Ebenfalls nein.“

„Können Sie irgendein Arbeitszeugnis vorlegen?“

„Sieht auch schlecht aus.“

Kent runzelte nun die Stirn und tippte nervös auf der Glasplatte des Tischs. „Studium?“

„Ja, aber reden wir lieber nicht darüber.“

„Haben Sie eine Ahnung, was auf Sie zukommt?“ Kent rieb sich mit der linken Handfläche über seinen blanken Hinterkopf.

„Ungenau. Weiß nur das, was ich eben in der Anzeige im Fenster gelesen habe.“ Meine offene Art schien das Kerlchen überzeugt zu haben.

Seufzend fertigte Kent einen Vertrag an und drehte ihn zu mir. Ich beugte mich also über den Tisch und überflog eilig die ersten Absätze, dann sprang ich sofort zum Ende und drückte meinen Daumen auf die Glasplatte. „Gee Point Leeds, Bürger des Imperiums“, bestätigte ich hörbar meinen Abdruck und hatte somit den Vertrag unterzeichnet. Stolz lehnte ich mich im Stuhl wieder zurück.

Kent speicherte den Vertrag und schickt mit einem Knopfdruck eine Kopie an die Starline-Reederei. Dann reichte er mir seine Hand zum Einschlagen.

„Willkommen bei Starline, mein Junge. Sie haben die richtige Entscheidung getroffen. Bei Starline werden Sie echte Abenteuer erleben, die große weite Welt kennenlernen und was zu sehen bekommen. Die nächsten fünf Jahre werden die schönsten Jahre Ihres Lebens sein. Bin mir sicher, dass es Ihnen gefallen wird.“

„Fünf Jahre?“ Ich war verblüfft und ehrlich überrascht.

„Ja, mein Junge, stand ja im Vertrag. Irgendwo in der Mitte, so um Paragraf dreißig oder vierzig, hinter dem Haftungsausschluss meine ich. Selten jemand gesehen, der so flink unterzeichnet hat.“

„Ja, nun, ich stehe natürlich zu meinem Wort. Wann trete ich denn meine Arbeit an? Und vor allem wo?“

Kent lächelte. „Das werden Sie mir jetzt kaum glauben, aber es geht sofort los. Sie haben Glück, die Queen Britt ist im Orbit, wartet scheinbar nur noch auf Sie. Großes und modernes Schiff, genau das Richtige, mein Junge. Sachen haben Sie alle gepackt, wie ich sehe. Mann von schneller Entscheidung. Lobe ich mir.“

Nun, zu diesem Zeitpunkt keimte in mir zum ersten Mal der Verdacht auf, einen großen Fehler begangen zu haben. Doch wie meine Mutter mir immer sagte: „Fehler sind zum Korrigieren da“. An diesen Leitspruch wollte ich mich in dieser Situation halten. Immerhin musste meine Mutter wissen was sie mich lehrte, war sie doch Lehrerin.

Das Kerlchen übertrug meinem Agenten die nötigen Papiere, dann reichten wir uns die Hand und ich machte mich auf den Weg zur nächstgelegenen Transport-Station.

Diese Stationen müssen Sie wissen, befinden sich auf jedem Planeten. Mal mehr, mal weniger. Es handelt sich dabei um eine Art großen Bahnhof, von dem aus Personen in den Orbit gebracht werden, um dort an Bord eines großen Schiffes zu gehen, da diese, aufgrund ihrer Masse und Konstruktion, kaum zum Landen taugen. Zu einer dieser Transport-Stationen ging nun auch ich.

Meine neuen Papiere beinhalteten eine Flugkarte zur Queen Britt. Die Flugkarte war allerdings nur für einen Linienflug tauglich. So musste ich zuerst mit einem beengten Zwei-Personen-Schweber zur Transport-Station Himmelfahrt und dann in einen Linientransporter umsteigen, der vollkommen überfüllt war.

Die Fahrgäste stammten offensichtlich aus allen denkbaren sozialen Schichten der Arbeiterklasse. Mit prallen Koffern drängten sie sich in den bananenförmigen Transporter und ich musste regelrecht um einen Sitzplatz kämpfen. Schlussendlich saß ich eingepfercht zwischen zwei Gestalten, die nur als kurios zu bezeichnen sind.

Der Eine war ein Mann von großer und kantiger Statur. Sein massiger Körper schien nur aus gestählten Muskeln zu bestehen, die sich unter seinem blauen Overall prall spannten. Sein blondes Haar hatte er kurzgeschoren und einige violette Strähnen eingeflochten, die sich in unregelmäßigen Abständen rosa färbten, einmal glitzerten und dann wieder violett wurden. An seinem linken Ohr baumelte ein kleiner silberner Ohrring, der die Form einer Ananas hatte. Ich schätzte diesen Hünen auf Mitte dreißig.

„Leonardo Rosin.“ Er reichte mir mit einem freundlichen Lächeln seine Pranke zum Einschlagen. Ich nahm die Geste ebenfalls freundlich lächelnd an und stellte mich vor. Dabei klang mein Name wohl etwas gequetscht, denn Leonards Händedruck war fester, als ich vermutet hatte. Schmerzhaft schüttelte ich die Finger aus und massierte mit zusammengekniffenen Augen die wehe Hand.

„Oh, entschuldigen Sie.“ Leonard guckte mich erschrocken an. Seine hellblauen Augen zeigten offene Bestürzung und unwillkürlich kam in mir der Eindruck auf, es mit einem unbedarften Riesensäugling zu schaffen zu haben. „Das passiert mir immer wieder. Ich kann meine Kraft einfach nicht einschätzen.“

„Das stimmt“, kommentierte nun mein anderer Sitznachbar, ein dürrer und knochiger Mann, der wohl auf die sechzig Jahre zuging. Dürr dürfte eigentlich kaum zutreffend sein, verdorrt beschreibt es eher. Ich habe selten einen so mageren Gesellen gesehen, wie diesen Kerl.

Er trug einen gut geschnittenen Nadelstreifenanzug mit zurückgeschlagener Kapuze. So war sein wettergegerbtes Gesicht zu erkennen, in das sich tiefe Falten gegraben hatten, die nun lustig seine Mundwinkel und seine warmen braunen Augen umspielten. Sein blaues Haar war sehr schütter und bestand aus nur drei Strähnen, die er mittels Haarfestiger regelrecht an seinen kahlen Schädel in Schneckenhausform geklebt hatte. Es wirkte beinahe wie eine Tätowierung.

„Beau Drexel.“ Er reichte mir die linke Hand und ich erkannte, dass ihm der kleine Finger und der Ringfinger fehlten. „Sie können mich Beau nennen.“ Entweder hatte er für eine Korrektur der deformierten Hand kein Geld oder lehnte den kleinen Eingriff aus persönlichen Gründen ab. „Meinen Mann haben sie bereits kennengelernt.“

„Freut mich, Beau.“ Ich reichte ihm meine wehe Hand zum Gruße, die er rücksichtsvoll drückte. „Gehören sie beide denn ebenfalls zum Personal der Queen Britt?“

„Ja, wir sind schon seit zwei Jahren dabei. Ich vermute, das hier ist ihr erster Job auf einem Luxuskreuzfahrtschiff, Gee?“

„Ja, woran haben Sie das erkannt?“

„Nun, Ihre etwas unbeholfene Art und Ihr Auftreten zeigen, dass Sie noch keine echten Weltraumbeine haben.“

„Weltraumbeine?“

Leonard nickte. „Ja, Weltraumbeine. Wissen Sie, Gee, an Bord eines Raumschiffs entwickelt man einen leicht anderen Gang. Trotz der künstlichen Schwerkraft ist es doch ein Unterschied, sich auf einem Planeten zu bewegen. Das werden Sie noch feststellen. In wenigen Wochen haben Sie aber sicherlich  selbst Weltraumbeine. Als was haben Sie denn angeheuert?“

„Steward.“ Ich grinste breit, als sei Steward etwas Besonderes. Meine beiden neuen Bekannten grinsten ebenfalls, doch mehr freundschaftlich über meinen Stolz, als dass sie meine Tätigkeit als etwas Besonderes empfinden würden.

„Steward also.“ Beau schnalzte mit der Zunge. „Wohl Ihr erster Job würde ich wetten. Steward, das ist der Job für die Neulinge, für die ohne Ahnung. Steward, das ist die Bezeichnung für den Kerl, der man überall einsetzt. Steward nennt man genau den Knaben, von dem man noch nicht weiß, was er kann oder dem man nichts zutraut. Steward, da will jeder Bursche mit genug Verstand schnell von weg. Steward ist eine Sache, die man im ersten Jahr macht. Dann hat man sich einen Namen an Bord verdient und sieht zu, dass man woanders landet. Steward, wer das nach zwölf Monaten noch macht, der hat den Weltraum und die Luxuskreuzschifffahrt nicht verstanden. Steward, das ist in Ordnung – für den Anfang.“

Ich nickte mit großen Augen und offenem Mund. Scheinbar fing ich an Bord ganz unten an und würde mich nach oben arbeiten müssen. Doch in Leonards und Beaus Augen sah ich, dass sie es nicht böse, sondern dass sie es nur ehrlich mit mir meinten. Ich erkannte, dass ich hier zwei neue Freunde gewonnen hatte. „Und was für Tätigkeiten üben Sie an Bord aus?“

„Haardesigner“, antwortete Leonard. „Ich bin auf dem Gebiet ziemlich talentiert. Wenn Sie eine neue Frisur brauchen, Gee, kommen Sie einfach bei mir vorbei. Geht natürlich aufs Haus.“

Beau grinste. „Mein Kleiner kann es nicht lassen. Aber genau deswegen liebe ich ihn so.“ Er reichte mit seiner gesunden Hand an mir vorbei und tätschelte Leonard am Kinn. „Ich bin übrigens Steward.“

Mein Blick war innerhalb eines Augenblicks sehr verblüfft und Beau lachte auf. „Chefsteward. Ich bilde die Neuen aus und zeige ihnen, worauf es ankommt. Das wird dann wohl auch für Sie gelten, Gee. Und ich werde keine falsche Rücksicht üben, mein Lieber. Das gebe ich Ihnen als Warnung im Vorfeld mit.“

Ich lachte ebenfalls und auch Leonard stimmte mit ein. Diese beiden Männer waren originelle Kerle, die man einfach nur lieben konnte.

Ich bemerkte nun, wie der Transporter langsamer wurde. Die Zeit war wörtlich wie im Fluge vergangen und wir hatten unser Ziel erreicht: die Queen Britt. Das Abenteuer begann.

ENDE

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Dominique Manotti: Das schwarze Korps – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. März 2013

Dominique Manotti
Das schwarze Korps

(sfbentry)

Argument Verlag 2012
Ariadne Kriminalroman 1206
Gebunden mit Schutzumschlag
Übersetzt von Andrea Stephani
ISBN 978-3-86754-206-7
288 Seiten, mit Lesebändchen

http://www.ariadnekrimis.de

Titel erhältlich bei Buch 24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Manche Geschichten muss man erst einmal ein wenig sacken lassen, bevor sie gänzlich begriffen werden. Der Kriminalroman “Das Schwarze Korps” aus der Feder von Dominique Manotti gehört eindeutig dazu, positioniert sich an der Spitze von Büchern mit Reflektionspotenzial. Es ist keine leichte Kost, die hier geboten wird. Doch die Schwergewichte der historischen Geschichte sind erst einmal verhüllt.

“Das Schwarze Korps” stammt aus der Feder von Dominique Manotti. Ein Pseudonym, hinter dem sich eine Historikerin und Autorin verbirgt, die sich mit der Entscheidung für ein Pseudonym sicherlich etwas dachte und deren Wunsch deswegen respektiert wird. In der heutigen Zeit offenbart das Internet innerhalb weniger Sekunden die wahre Identität von Autoren – wer unbedingt möchte, der mag eine der vielen Suchmaschinen bemühen. Für die Kriminalgeschichte ist das ohne Belang, denn schlussendlich zählen keinesfalls die Lorbeeren der Vergangenheit, sondern die Substanz der Gegenwart.

Madame Manottis Roman spielt im Jahre 1944, von Anfang Juni bis Ende August, zeitlich gesehen zwischen der Landung der Alliierten und der Befreiung von Paris. Sie wählt dabei zwar ein bekanntes Thema, unterlässt aber die französische romantisierte Sichtweise, sondern zeigt auf, dass es die Abgründe der Menschlichkeit, die Gier, das Grauen, der Ekel und die Fassungslosigkeit auf allen Seiten gab. Die Deutschen gehören zu diesem Abschnitt der Historie dazu, sind aber keinesfalls Mittelpunkt der Geschichte. Nein, dass sind die Franzosen selbst, deren Geschichte hier erzählt wird, in einem realen historischem Kontext. Die Fiktion trifft auf die Realität, vermischt sich zu einer bedrückenden Einheit.

Die Geschichte selbst ist an sich ziemlich einfach gestrickt, gewinnt aber Dank der Kulisse an Rasanz und Brisanz. Vor der Hintergrund der deutschen Besatzer agieren Maulwürfe, Verräter, Desillusionierte, Folterer, Kriegsgewinnler und Idealisten. Ein jeder hat seine Schattenseiten, taucht ab ins das schwammige Grau des realen Wahnsinns, um darin sogar umzukommen. Dabei bedient sich Manotti eines harten, direkten und beinahe verstörenden Stils. Sie erzählt nicht in der Vergangenheitsform, sondern konfrontiert ihre Leserschaft mit einer Gegenwartserzählung. Das wirkt erst einmal verstörend, kalt, fremdartig. Aber dann, mit jedem weiteren Wort, mit jedem weiteren Satz, wird der Leser in die Geschichte hineingezogen und mutiert zum scheinbaren Zeitzeugen.

Dominique Manotti verzichtet darauf Gefühle vorzuschreiben, Gedanken zu leiten oder Geisteshaltungen zu definieren. Das alles überlässt sie ihren Lesern selbst. Sie legt knallharte Fakten auf den Tisch, nimmt kein Blatt vor den Mund, präsentiert eiskalt was geschieht. Die Eindrücke und Erlebnisse zu sortieren, zu schlussfolgern und den Irrsinn des Krieges zu begreifen, zu realisieren was für Menschen agieren, das wird dem jeweiligen Leser selbst überlassen. Und während sich die alles zusammenhaltende Kriminalgeschichte auf ihren Höhepunkt zubewegt, fallen die Puzzleteile an ihren Platz und zeigen ein gar schreckliches Bild auf. Manotti belehrt nicht, Manotti lehrt.

Das kann sie, auf Grund ihrer Ausbildung und ihres beruflichen Werdegangs (promovierte Historikerin), hervorragend. Vor allem die Vermischung von Fiktion und Realität, erfundenen und realen Personen, sind besonders reizvoll. Und jedes neue Kapitel schreitet in der Chronologie der Weltgeschichte voran, wird eingeleitet von kleinen Informationshäppchen. Der Wahnsinn in der Geschichte, der Wahnsinn in der Historie.

Auf den ersten Blick wirkt “Das schwarze Korps” natürlich wie ein weiterer Ableger der Weltkriegsschwemme, die seit Jahren in allen Medien stetig ansteigt und Quantität vor Qualität stellt. Der Zweite Weltkrieg ist erschreckender weise zur Mode verkommen. Dokumentationen, Filme, Serien, Bildbände, Romane, Jugendbücher – Bücher und Geschichten die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, solche Bücher und Geschichten sind selten. “Das schwarze Korps” besitzt eindeutig Qualität und gehört zu eben jenen seltenen Kostbarkeiten. Dabei dominiert der genaue historische Kontext zwar die spannende kriminalistische Erzählung, aber gerade das macht den Reiz aus.

Zudem ist das Buch schön aufgemacht. Die Stockart-Illustration auf dem Cover wirkt in ihrer Künstlichkeit zwar deplatziert, geht aber in Ordnung. Es ist vor allem die Handlichkeit des Covers, die Griffigkeit der Seiten und schlussendlich auch der Geruch nach Buch, der das Leseerlebnis gekonnt aufwertet. Das Buch fühlt sich einfach richtig an, absolut passend zur Geschichte die erzählt wird. Perfekt!

Titel erhältlich bei Buch 24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Copyright © 2012 by Günther Lietz, all rights reserved

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte, einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Madame Manottis Roman spielt in welchem Jahr? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!


GEWINNER: Gisela Barlhardt, Alexander Brinkmeyer, Felix Peddenpohl. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND SPONSOREN!

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HAINLEINS EXPERIMENTE – Eine utopisch phantastische Kurzgeschichte von Günther K. Lietz (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2013 – Geteilter Preis)

Erstellt von Günther Lietz am 31. Januar 2013

Hainleins Experiment

Eine utopisch phantastische Kurzgeschichte
von
Günther K. Lietz

Patrow saß vor den Rechnern der Universität und beobachtete genau, was auf den großen Röhrenmonitoren geschah. Professor Hainleins Experiment lief nun seit mehr als dreißig Tagen, doch erst seit wenigen Stunden lagen tatsächlich messbare Ergebnisse vor. Irgend etwas war anders. Die Computersimulation registrierte eine höhere Aktivität in einer der Galaxien. Um was es sich genau handelte, wusste Patrow nicht zu sagen. Eigentlich war es auch nur eine Nuance, die Patrow bemerkte. Eine winzige Veränderung in den Datenströmen. Eigentlich unbedeutend, aber dennoch signifikant. Im schlimmsten Falle war es ein Fehler im Programm und das Experiment musste abgebrochen werden.

Hainlein und seine Kollegen erhofften sich anhand dieser komplexen Simulation Aufschluss über das Universum. Wie war es entstanden, was machte es aus, wie wirkten die kosmischen Kräfte auf lange Sicht miteinander, könnte es auch auf anderen Planeten intelligentes Leben geben? Die modernen Computer waren in der Lage die nötige Rechenleistung aufzubringen. Viele Jahre waren in der Erstellung der Simulation investiert worden und nun endlich sollte sie Früchte tragen. Für einen Normalbürger waren diese wissenschaftlichen Erkenntnisse allerdings bedeutungslos. In Zeiten von gewaltigen Finanzkrisen sahen sie nur Verschwendungssucht. Aber trotz knapper Finanzdecke hatte Hainlein das Projekt ins Laufen gebracht.

“Neue Ergebnisse?” fragte Professor Hainlein jovial.

Patrow zuckte zusammen. Sein Chef war leise wie eine Maus und machte sich einen Spaß daraus, an die Angestellten heranzuschleichen. “Nein. Keine ungewöhnlichen Aktivitäten. Nur ein kleiner Fehler in einer der Balkengalaxien. Ich habe es aber aus den Daten herausgerechnet, Herr Professor.”

Hainlein runzelte die Stirn. Seine Stimme war leicht ungehalten: “Herausgerechnet? Ohne mich zu konsultieren? Rufen Sie die Galaxie auf und zeigen Sie mir mal, was Sie da einfach herausgerechnet haben.”

Mit zittrigen Fingern tippte Patrow auf der Tastatur herum. Was bildete sich dieser Mann nur ein, ihn so anzufahren?

Auf dem Monitor zoomte das Programm auf eine Galaxie zu. Daten ploppten kurz auf, verschwanden wieder, wurden durch neue ersetzt. “Stop!” rief Hainlein aus und tippte auf den Monitor. “Wann haben Sie die ungefragte Modifikation meiner Simulation vorgenommen?”

“Vor einer halben Stunde.” Patrow war nervös. Falls er doch einen Fehler gemacht haben sollte, würde ihn das seinen Job kosten. Ausgerechnet in diesen Zeiten.

“Spielen Sie das Backup auf, Patrow”, befahl Hainlein und beobachtete, wie Patrows Finger auf die Tastatur des Computers hackten. Dann nickte er zufrieden. “So ist es richtig. Simulation wieder laufen lassen und in die Galaxie rein. Das will ich mir genauer ansehen.”

Patrow nickte. Er hoffte, dass kein Irrtum seinerseits vorlag und Hainlein die Anweisung gab, den Fehler doch wieder herauszurechnen. Stattdessen bekam der Professor große Augen.

“Sehen Sie das, Patrow?” Er drückte seinen dicken Zeigefinger auf den Monitor. Ein Fettfleck blieb auf dem Glas zurück. “Das ist kein Fehler. Das ist ein Ergebnis.”

“Aha”, sagte Patrow mit trockenem Mund. In Gedanken sah er schon die Kündigung auf seinem Schreibtisch liegen. Aber vielleicht war Hainleins Laune auch gut genug, um die Sache einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

“Sie wissen, was das bedeutet?” fragte Hainlein begeistert.

“Nein”, kam es Patrow tonlos über die Lippen. Er starrte auf den Bildschirm. Irgendwo in seinen Gedanken wusste er vielleicht, was es bedeutet. Aber seine Gedanken waren gerade mit allem anderen, als diesem Experiment beschäftigt.

Hainlein grinste. “Erst einmal, dass Sie gefeuert sind. Niemand spielt an meinem Experiment herum. Herausrechnen? Sie sind ein Idiot, Patrow. Beinahe hätten Sie mich den Ruhm gekostet, den dieses Ergebnis mitbringt. Ich werde Artikel in Fachzeitschriften veröffentlichen. Sie sind dann nicht einmal mehr eine Fußnote.”

Patrow schluckte schwer. Er hatte es geahnt. In einem ersten Anflug von Widerwillen keimte Zorn in ihm auf, aber dann knickte er wieder ein und der Zorn verebbte. Sich aufzulehnen war einfach gegen Patrows Natur. Da sein Schicksal besiegelt war, konnte er jetzt in Ruhe die Daten und Grafiken betrachten.

Mit einigen Tastendrucken speicherte Hainlein das Projekt zwischen. “Sehen Sie mal, in meiner Simulation hat sich tatsächlich Leben entwickelt. Dort auf diesem kleinen blauen Planeten. Eigentlich ein unbedeutendes Sonnensystem. Interessant, oder?”

“Äh, ja”, stimmte Patrow bei und schaltete auf einem weiteren Monitor in den Beobachtungsmodus. Langsam zoomte er heran. Merkwürdige kleine Kreaturen wimmelten Bakterien gleich auf dem Planeten herum. Er drückte auf den schnellen Vorlauf und beobachtete, wie der Planet ordentlich gebeutelt wurde. Aber die kleinen Kreaturen erwiesen sich als ziemlich widerstandsfähig. Das war aber wie auf jedem anderen simulierten Planeten auch.

Patrow sprang zu dem Zeitindex, den sich jetzt auch Hainlein ansah und verstand, was der Professor so interessant fand. Einige dieser Kreaturen hatten sich weiterentwickelt und zeigten Anzeichen von Intelligenz. Sie benutzten Werkzeug, hüllten sich in Kleidung und bauten Unterkünfte. Lustige kleine Viecher, dachte Patrow bei sich.

“Sehen Sie Patrow, wie schnell die Entwicklung voranschreitet? Das könnte die Antwort auf viele Fragen sein, die wir haben. Vielleicht hat unsere Evolution ebenfalls so stattgefunden”, erklärte Hainlein.

“Vielleicht. Aber funktioniert unsere Simulation wirklich perfekt? Das Verhalten könnte aufgrund der Programmierung entsprechend stattfinden.” Patrow war schon immer ein Zweifler. Hainlein war der Evolutionsbiologe im Team, Patrow der Evolutionsprogrammierer.

Hainlein schüttelte den Kopf. “Wir haben alles richtig gemacht. Was wir hier simulieren, ist echtes künstliches Leben. Sehen Sie nur, Patrow. Hier entwickelt sich eine wahrhaftige Intelligenz. Zwar primitiv, aber dennoch echt. Diese Objekte haben gar keine Ahnung von ihrer Künstlichkeit. Sie leben, so wie wir. Sie sind sich ihrer zwar bewusst, aber sie sind sich nicht unserer bewusst. Das macht meine Simulation ja gerade so perfekt.”

Patrow nickte stumm. Seine Simulation, dachte er. Dabei habe ich die ganze Arbeit erledigt, sogar Überstunden geschoben und die ein oder andere Sache von Hand erledigt, anstatt alles dem Programm zu überlassen. Das war zwar auch gegen die Anweisungen Hainleins, aber Patrow in der Zwischenzeit vollkommen egal.

“Was ist denn das?” fragte Hainlein tonlos und sprang im Zeitindex auf die aktuelle Entwicklungsstufe und verlangsamte das Programm soweit, dass er bequem die Evolution auf dem Planeten beobachten konnte. “Aha, hier haben es. Diese Nuance. Diese eine Kreaturenart ist in den Weltraum vorgestoßen und hat begonnen, innerhalb des Sonnensystems Veränderungen vorzunehmen. Allgemein ein kriegerisches Völkchen, die Kleinen. Wahrscheinlich brauchen sie Ressourcen, um sich weiterhin gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.”

Hainlein lächelte versonnen. In Gedanken verfasste er bereits seinen Artikel. Kleine Objekte schossen nun zwischen den Planeten umher. Der Professor sah plötzlich verdutzt aus. “Was ist denn das?” Er rückte mit den Augen näher an den Bildschirm des Monitors heran. “Sie führen keine Kriege mehr. Anscheinend …”, er stockte kurz. “Anscheinend arbeiten jetzt alle an einem großen Projekt. Die Kleinen verlassen ihr Sonnensystem. Zum Glück wächst das Universum in unserer Simulation mit, sobald es nötig ist. Egal wie weit die Kleinen kommen, unser Universum dehnt sich mit ihrem Voranschreiten aus.”

Patrow nickte. Immerhin hatte er mit seiner Programmierung dafür gesorgt. Neugierig sah er zu, wie die Kreaturen in großen Röhren durch den Weltraum flogen und auf unterschiedlichen Planeten landeten. Und dann – explodierten hunderte der Planeten gleißend. Patrow und Hainlein sahen verdattert aus.

“Was ist das denn?” fragte der Professor, ohne von Patrow eine Antwort zu erwarten. “Das macht doch keinen Sinn.” Der Professor kratzte sich am Ohr. “Warum nur? Da steckt doch was dahinter. Da, weitere Explosionen. Die sprengen ganze Planeten. Wozu? Das ist doch selbstzerstörerisch. Sie machen sich irgendwann selber kaputt. Außer …” Heinlein aktivierte ein weiteres Programm. “Die Anordnung ist doch kein Zufall. Das ist …” Er sah verblüfft aus. “Das ist Mathematik, die universelle Sprache allen intelligenten Lebens.”

“Aber wie sollen die eine Ahnung von unserer Mathematik haben?” fragte Patrow. “Das sind doch nur Ergebnisse eines Programms. Pixel. Algorithmen.”

Hainlein schüttelte den Kopf. “Unsere Mathematik ist Grundlage ihres Lebens. Immerhin haben wir das Programm auf Grundlage unserer Mathematik erstellt und auch die Physik in ihrer Welt definiert. Also sollten wir in der Lage sein, die richtigen Ergebnisse zu erhalten.”

Aufgeregt sah sich Hainlein die Berechnungen an. “Sie versuchen mit uns Kontakt aufzunehmen”, murmelte er.

“Was?” Patrow sah den Professor entgeistert an. “Die Viecher? Die sind doch gar nicht echt.”

Hainlein schüttelte den Kopf. “Nicht ganz richtig, Patrow. Nicht ganz richtig. Natürlich, sie sind künstlich. Aber künstliche Intelligenzen. Faszinierend.” Er sah sich das Ergebnis genauer an. “Sie haben die Planeten gesprengt, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Kleinen sind sich ihrer Künstlichkeit doch bewusst. Sie wissen, dass sie Teil eines Programms sind. Patrow, die Kleinen wissen, dass jemand vor einem Computer sitzt und sie beobachtet. Faszinierend. Das ist ein Meilenstein im Bereich künstlicher Intelligenzen.”

Patrow sah zu Hainleins Monitor hinüber, um sich ebenfalls das Ergebnis anzuschauen, während der Professor auf Pause drückte und abspeicherte. “Schaltet uns nicht ab!” stand auf dem Bildschirm. Patrow grinste. Was für ein Unsinn, dachte er.

“Wir machen Morgen weiter”, sagte Hainlein. “Ich muss noch einige Anrufe machen. Diese Entdeckung ist einfach großartig.” Dann schlug er sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. “Ach, Sie sind ja gefeuert. Werfen Sie den Schlüssel in den Briefkasten, wenn Sie gehen, Patrow.” Hainlein eilte aus dem Labor hinaus. “Leben Sie wohl, Patrow. Leben Sie wohl”, rief er noch.

Patrow sah dem Professor verdattert hinterher, dann blickt er auf den Bildschirm. Was soll mir schon passieren, dachte er bei sich. Ich bin ja eh arbeitslos. Unterdrückter Zorn flammte in ihm auf. Er hackte auf einige Tasten und bestätigte dann den Löschbefehl. Dann fang noch mal ohne mich an, du Arsch! Patrow grinste breit, nahm sich seine Jacke und ging ebenfalls. Den Schlüssel warf er beim hinausgehen in den Mülleimer, während hinter ihm ein ganzes Universum im Nichts verschwand.

ENDE

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LESERATTEN – Phantastische Kurzgeschichte von Günther K. Lietz (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 4/2012)

Erstellt von Günther Lietz am 27. September 2012

Leseratten

Phantastische Kurzgeschichte
von
Günther K. Lietz

1. Platz im RATTUS LIBRI Kreativwettbewerb (2012)
1. Platz im sfbasar.de-Storywettbewerb (4/2012)

Hubertus flitzte über das rostige Rohr, das knapp unter der Decke befestigt war. Seine Krallen kratzten über das feuchte Metall, und mit den Schnurrhaaren fand er sicher seinen Weg. Hubertus’ Mantel flatterte während dem Laufen, an der Seite baumelte eine stockige Stofftasche. Mit seinen kräftigen Hinterbeinen stieß sich Hubertus von dem Rohr ab und landete an der Wand. Geschickt drückte er sich durch einen Spalt, und schon stand er in der großen Kammer.

Seine Brüder waren bereits eingetroffen und hatten sich um eine brennende Tonne versammelt. Die ewige Flamme der Bruderschaft erleuchtete mit ihrem warmen Licht die Kammer. Zwei Brüder erklommen die Rampen seitlich der Tonne und warfen Abfälle hinein. Das ewige Feuer stürzte sich gierig auf die dargebrachten Opfer. Und dann erschien der große Alte, der Meister, Abt Xavier – Xavier Seitenschnüffler.

Das Fell der alten Ratte war grau und schütter, die Augen halbblind, der Mantel der Bruderschaft fleckig weiß. Xavier erklomm die Bühne über der Tonne. Wärme und Licht ließen ihn mystisch erscheinen. Alle Ratten der Bruderschaft schwiegen und lauschten den Worten des großen Alten.

„Brüder!” Aus den hinteren Reihen war ein vorwurfsvolles Räuspern zu hören. „Und Schwestern! Unsere Spione haben erfahren, dass die Sippe aus dem siebten Stock ein Buch der Ahnen in ihrem Besitz hat. Sie fanden es tief in den Mauern und versuchten, es vor unseren Augen zu verbergen. Doch nichts bleibt vor den Augen unserer Sippe verborgen, denn wir sind die Sippe aus dem zwölften Stock, die Bruderschaft der Bücher!”

Ein zustimmendes Murmeln drang zur Bühne hinauf. Abt Xavier wartete noch einen Augenblick, bis wieder Ruhe einkehrte, dann fuhr er fort. „Deswegen habe ich beschlossen, dass drei unserer Brüder aufbrechen, um bei den Siebten einzudringen und das Buch für die Zwölften zu stehlen. Denn wir sind die Bruderschaft der Bücher!”

Zustimmende Rufe wurden laut. Erneut wartete Xavier, bis sich die anderen Ratten beruhigt hatten. „Für diese wichtige Mission habe ich drei Brüder ausgesucht, die sich noch einen Namen machen müssen.” Erneut war aus den hinteren Reihen ein Räuspern zu hören, diesmal jedoch mehr wütend als vorwurfsvoll.

Beschwichtigend hob Abt Xavier seine linke Vorderpfote. „Ja, ja, ich weiß. Ruhe jetzt. Die Namen der Brüder, und der Schwester, lauten Sepp, Wally und Hubertus.” Ein lautes Jubeln wurde laut, und die Sippe schob vereint die drei namentlich genannten Ratten vor, bis diese vor der Tonne standen. Vor Aufregung sträubten sich ihnen die Felle.

Xaviers strenger Blick war nach unten gerichtet. „Ihr drei seid auserwählt, um uns das Buch der Siebten zu holen, das Buch, das uns vorenthalten werden soll. Wie ihr das anstellt, das ist eure Sache. Doch wir wollen keinen Krieg mit der siebten Sippe riskieren. Deswegen wird die Bruderschaft jegliche Kenntnis dieser Mission abstreiten.”

Sepp, Wally und Hubertus nickten. Sie waren sich der Wichtigkeit ihrer Aufgabe bewusst. Und Stolz erfüllte ihre Brust. Die Bruderschaft des Buchs pinkelte sich gegenseitig an, dann machten sich die drei Auserwählten auf den Weg.

Zuerst rannten sie zu den äußeren Mauern mit den großen Löchern. Einige der Löcher waren von den Ahnen mit durchsichtigen Mauern versiegelt, andere lagen offen und ließen die Luft hinein. In solchen Gebieten mussten die Ratten besonders vorsichtig sein, denn Raubvögel nutzten manchmal die Gelegenheit und suchten sich hier ihre Opfer. Zudem wurden die offenen Zugänge in den Mauern auch von anderen Räubern genutzt.

Sepp, Wally und Hubertus hatten sich eine der Öffnungen als Ziel auserkoren. Sie nahmen es lieber mit einem Raubtier auf, als von den Siebten entdeckt zu werden. Es war dunkel außerhalb der Mauern, und es wehte ein starker Wind. Fremdartige Gerüche eroberten die Mauern von Außen. Hubertus machte den Anfang. Mit einem weiten Sprung erreichte er eines der Rohre und krallte sich daran fest. Wally war ein Stück kleiner, machte diesen Umstand aber mit Eifer und Können wieder wett. Sie sprang zwar zu kurz, drehte sich aber im freien Fall ein Stück zur Wand und machte einen weiteren Satz, um damit ebenfalls das Rohr zu erreichen. Einige Sekunden später hatte Hubertus zu ihr aufgeschlossen. Sepp, ein wahrer Gigant von einer Ratte, machte eher einen Hopser und hing dann ebenfalls am Rohr.

Den Wind im Fell rannten die drei Ratten am Rohr hinab, bis zum siebten Stock. Sie wurden vorsichtiger, denn sicherlich kannten die Siebten diesen Zugang. Hubertus hielt Ausschau und gab seinen Kameraden dann ein Zeichen. Nur wenige Sprünge unter ihnen lag ein Wächter auf der Lauer. Die Ratte hatte ein verfilztes Fell und ein vernarbtes Gesicht. Tief kauerte sie in der Dunkelheit, doch für die scharfen Augen von Hubertus war kein Versteck gut genug.

Sepp nickte, er würde die Angelegenheit übernehmen. Vorsichtig schob er sich nach unten und ließ sich dann einfach fallen. Die Schwerkraft zog ihn hinab. Geschickt steuerte Sepp den Sturz und traf mit den Krallen zuerst den Wächter. Der Aufprall der schweren Ratte presste dem Siebten die Luft aus den Lungen, dann gab es nur noch einen kurzen Schmerz im Nacken und absolute Dunkelheit. „Schnell und sicher.” Wally war ganz angetan von Sepps Angriff auf den Wächter. „Wenn wir zurück sind und unsere Namen haben, sollten wir einen Wurf zeugen.”

Sepp stolperte beinahe, dann rannte er mit stolz geschwellter Brust weiter. Sein Wurf würde sicherlich aus vielen schönen und starken Ratten bestehen. Schön wie Wally und stark wie …

Hubertus blickte voller Bedauern auf Sepps Leiche. Der Schnappbügel hatte die Ratte mitten im Laufen erwischt und genau das Genick getroffen. Jede andere Stelle wäre für die dicke Ratte wohl ungefährlich gewesen, aber der Genicktreffer war tödlich. Wally schnupperte traurig an Sepps Fell und bepinkelte ihn dann. „Das werden die Siebten büßen.”

Hubertus nickte. „Das werden sie, Schwester.” Er übernahm nun die Führung und verlangsamte den Schritt. Die Siebten waren klug und hatten Fallen aufgebaut. Es galt nun, größere Wachsamkeit walten zu lassen.

Nach einer halben Stunde erreichten Hubertus und Wally die große Kammer der Siebten. Sie hielten sich im Dunkeln verborgen und beobachteten die fremde Sippe. Sicherlich würden sie das neu entdeckte Buch an einem gut bewachten Ort verstecken. Nun hieß es herauszufinden wo genau, bevor die Siebten den Tod ihres Wächters bemerkten.

Es dauerte nur kurz, dann flitzten Hubertus und Wally los. Hubertus hatte sich für eines der Rohre auf der rechten Seite entschieden, das tief in die Eingeweide der Mauern führte. Dort lagen zwei Wachen der Siebenten auf der Lauer. Sie auszuschalten musste schnell gehen. Leider war Sepp tot, aber Hubertus vertraute auf die Fähigkeiten von Wally.

Lautlos schlichen sie sich von oben an die Wachen heran. Sie warteten einen günstigen Augenblick ab, in dem niemand in ihre Richtung sah. Dann, auf ein Zeichen von Wally hin, sprangen die beiden Ratten der Bruderschaft des Buches hinab.

Wally landete zwischen den Wächtern und kratzte ihnen mit den Krallen über die Augen. Blut spritzte hervor und machte alle Kämpfer rasend. „Geh, such das Buch, ich halte sie auf!” Wally drückte einen der Wächter mit ihrem Körper gegen die Wand und bearbeitete den zweiten mit den Hinterpfoten. Würde Hubertus ihr helfen, dann könnten sie die Wächter sicherlich überwältigen und fliehen. Doch die Aufgabe, die ihnen Xavier gegeben hatte, war wichtiger. Hubertus nickte seiner kleinen Schwester dankend zu, dann rannte er los. Hinter ihm wurden Rufe laut, und er beschleunigte das Tempo.

Das Rohr führte in einen kleinen Raum. In der Mitte hatten die Ratten einen rostigen Farbeimer platziert, und darauf lag das Buch. Hubertus sah sofort, dass es für ihn alleine zu groß war. Ohne Sepp oder Wally gab es keine Möglichkeit, das Buch zu stehlen. Außerdem schälten sich weitere Wächter aus dem Dunkeln. Sie grinsten höhnisch und bleckten ihre Zähne.

„Wen haben wir denn da? Ein Mitglied der Zwölften. Was für eine Diebesbande. Aber diesmal habt ihr Pech, diesmal seid ihr gescheitert. Es wird keine Beute geben.”

Hubertus wusste, nun würde sein Leben enden. Doch eines würde er noch machen, bevor er sein Leben aushauchte. Mit einem wilden Schrei stieß er sich vom Boden ab und landete mit allen Vieren voran auf dem Buch. Bevor sein Leben endete, würde er noch den Titel erfahren. Dieses Wissen würde ihm niemand mehr nehmen können. Und so las er den Titel, der da lautete: „Rattus Libri – Gesammelte Ausgaben”.

Ende

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Buchtipp der Redaktion:

Hammelmann, Lydia
Linse Ratz und ihre Freunde

Von Puppen und Ratten – Eine Fabelmär für Jung und Alt

Verlag :      HÖLLverlag
ISBN :      978-3-928564-62-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      10,00 Eur[D] / 10,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 07.08.2012
Seiten/Umfang :      ca. 220 S. – 19,0 x 13,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 01.09.2012

Dachböden sind dem Himmel näher als der Erde. Es sind geheimnisvolle Orte. In alten Truhen ruhen vergessene Dinge, alte Zeitungen, Puppen und Teddybären. Hier fühlt sich die Stadtratte Linse Ratz sehr wohl. Doch soll das Haus mit dem heimatlichen Dachboden schon bald einem Hotel weichen. Auch ihrer Base, der Bachratte Schwabsy, droht Unheil. Sie lebt in einem Talgrund unweit der Stadt, dort soll eine Straße gebaut werden. Damit ist auch dieser Lebensraum in Gefahr. Auf dem Weg in die Stadt lernt Schwabsy die Kanalratte Otolf kennen und gemeinsam erreichen sie die Stadt. Der Bürgermeister der Stadt will dem Minister und den Bürgern die Planungen bekanntgeben. Doch es regt sich Widerstand in der Bevölkerung.

Auch die drei Ratten schmieden einen Plan, um das Vorhaben der Zerstörung des Auengebiets zu verhindern. Wie wird die Entscheidung zum Wohle und Wehe des Auengebiets ausfallen? Könnte es vielleicht einen Kompromiss geben?

Titel bei amazon.de
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DER BIOBAUERNHOF – Eine futuristische Kurzgeschichte von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 29. Juli 2012

DER BIOBAUERNHOF

Eine futuristische Kurzgeschichte von

Günther K. Lietz

Rainer saß auf der Bank, ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen und kaute gemütlich auf einem Grashalm herum. Es war ein guter Tag. Alles war ruhig auf dem Hof. Die Bienen summten und die Blumen dufteten angenehm. Leise klassische Musik war zu hören. Rainer lächelte glücklich. Er hob seine linke Pobacke, furzte kräftig und kratzte sich dann im Schritt. Wohlig seufzte er. Das tat gut, sehr gut. Er griff nach seinem kalten Bier und nahm einen Schluck.

Gaby trottete an ihm vorbei und lächelte ihm zu. Sie war zwar schon in die Jahre gekommen, sah aber noch immer gut aus. Ihre vollen Brüste wippten in der prallen Sonne und kleine Schweißperlen rannen über die gebräunte Haut. Gaby ging hinüber zur Melkmaschine und Rainer sah ihr nach. Auch ihr Hintern ist erstklassig, dachte sich Rainer.

Vor ein paar Jahren noch wäre er aufgesprungen und auf Gabys Flirt eingegangen. Aber die Zeiten waren vorbei. Rainer war in die Jahre gekommen und ging sein Leben langsamer an.

Stets bedauerte er die Männer, die in der Stadt lebten. Als Junge war er einmal in der Stadt gewesen und es hatte ihm Angst gemacht. Rainer hatte mit seinem Großvater an einer Auktion teilgenommen. Die Erinnerung schmerzte noch immer. Die großen Gebäude, die vielen Menschen, überall Lärm und dann war sein Großvater im Gedränge verloren gegangen. Ein schlimmer Tag. Rainer schüttelte den Kopf, um die dunklen Erinnerungen zu vertreiben.

Dabei fiel sein Blick auf Elsa. Sie war vor einer Woche auf den Biobauernhof gekommen. Rainer schätzte sie auf vierzehn oder fünfzehn Jahre. Mit geübtem Auge hatte er sie in den letzten Tagen bereits taxiert. Backfischware von bester Qualität, war sein Fazit. Blond, blauäugig und schon ziemlich fraulich. Das mochte er.

Elsa drängte sich bei den anderen Frauen herum. Sie war noch immer etwas eingeschüchtert, musste sich einleben. Ihr Blick glitt zu Rainer hinüber und er lächelte sie freundlich an. Elsa wurde rot und blickte verschämt zu Boden. Rainer grinste und spürte, wie sich in seinem Schoß etwas regte. Elsa blickte wieder auf und bekam große Augen. Einige der Frauen lachten, bei anderen loderten eifersüchtige Blicke.

Behäbig stand Rainer auf, reckte sich und ließ dabei die warme Sonne auf seine Erektion scheinen. Er war gut gebaut, dass wusste er. Ein gut gebauter und potenter Kerl. Rainer grinste und trabte auf Elsa zu. Sie war bereits seit einigen Tagen auf dem Hof und nun wurde es Zeit, dass sie lernte, wie die Sache zu laufen hatte. Immerhin war er hier der Mann und hatte das Kommando.

Schüchtern presste sich Elsa mit dem Rücken gegen die Wand des Stalls. Grob drückte sich Rainer gegen ihren zierlichen, schlanken Körper. Er hatte sich vorgenommen, sie erst einmal zu streicheln, sie zu küssen, aber sie machte ihn einfach geil. Also drückte er sie ungeduldig auf den Boden. Elsa wehrte sich zwar zaghaft, aber schlussendlich ergab sie sich ihrem Schicksal und Rainer konnte ungehindert in sie eindringen. Elsa schrie überrascht auf.

Zwei Stöße später stöhnte Rainer wohlig und rollte sich erschöpft zur Seite. Überrascht sah Elsa erst an ihm, dann an sich hinab. Enttäuschung zeichnete sich in ihrem Gesicht ab.

Rainer war dagegen mehr als zufrieden mit seiner Leistung. Müde stand er auf, ging hinüber in den Stall und suchte sich eine ruhige Ecke. Er gähnte, beschloss nach dem Aufstehen Elsa erneut zu besteigen und schlief selig ein.

Plötzlicher Lärm ließ ihn aus dem Schlaf hochschrecken. Was war da los, verdammt noch mal? Rainer sprang wütend auf und stürmte aus dem Stall. Die Frauen standen zusammengedrängt in einer Ecke und blickte zum Himmel hinauf. Dort war ein Transporter im Anflug. Ein eckiger Kasten.

Die blöden Weiber, dachte sich Rainer und grinste. Er wusste was der Transporter bedeutete. Einen niedlichen Neuzugang, den er in ein paar Tagen flachlegen konnte. Im Gegensatz zu ihm fiel es den Frauen schwer, sich an die Transporter zu gewöhnen.

Der Transporter flog einen Halbkreis über den Hof und senkte sich dann langsam ab, bis er mit den Landestelzen den Boden berührte. Rainer trabte betont gelassen hinüber und warf einen neugierigen Blick auf die Ladeluke. Am liebsten wäre ihm etwas Brünettes.

Die Luke öffnete sich. Im Innenraum blieb es dunkel. Der Pilot piepte ungeduldig aus der Kanzel hinab. Rainer nickte verstehend. Den jungen Frauen fiel es immer schwer, aus dem Transporter zu kommen. Da, endlich waren zaghafte Schritte zu hören. Alle blickten auf die Öffnung, aus der sich ein junger, muskulöser Mann schob. Er blinzelte geblendet, legte eine Hand über die Augen und trat dann auf den Hof hinaus. Die Luke wurde wieder geschlossen, der Transporter hob ab und ließ die Menschen auf dem Biobauernhof zurück.

Rainer war fassungslos. Ein Mann. Kein Junge, sondern ein Mann. Die Jungen verließen spätestens nach zehn Jahren den Hof. Keiner von ihnen kehrte zurück. Mehr als dreißig Jahre hatte es auf dem Hof nur einen Mann gegeben: Rainer. Und jetzt das. Entsetzt fiel Rainers Blick auf das imposante Glied des Neuankömmlings. Die Frauen sahen ebenfalls hin und kicherten. Der Neue wurde rot, lächelte zurück und bekam prompt eine gewaltige Erektion. Rainer sah rot!

Mit einem wütenden Grollen aus tiefster Kehle stürmte er los und traf den Neuen frontal. Der segelte einige Meter durch die Luft und kam schwer auf. Regungslos blieb er liegen. Es dauerte einige Sekunden, bis er wieder zu Atem kam und sich aufsetzte. Ängstlich blickte er zu Rainer. Der stand triumphierend und breitbeinig vor dem Neuen. Plötzlich erwischte Rainer ein gewaltiger elektrischer Schlag. Der Bauer war offenbar wegen irgendetwas wütend.

* * *

Die nächsten Tage waren für Rainer ziemlich unangenehm. Der Neue hatte einen Namen bekommen: Carlo! Und die Frauen mochten ihn. Sie lächelten ihm zu, sie wippten mit ihren Brüsten vor seinen Augen herum und reckten ihre Hintern in seine Richtung. Eine ungewohnte, bedrohliche Situation für Rainer. Und der Bauer schien Carlo ebenfalls zu mögen. Jedesmal wenn sich Rainer Carlo vornahm und zusammenschlagen wollte, ging der Bauer dazwischen. Also war Rainer dazu übergegangen, günstige Augenblicke abzuwarten, um Carlo einen schnellen Schlag oder Tritt zu verpassen.

Am schlimmsten war aber, dass Elsa dem Neuen ebenfalls schöne Augen machte. Aber noch war Rainer der Mann. und das zeigte er ihr bei jeder Gelegenheit, wenn sich mal wieder eine Erektion einstellte. Doch als er das letzte Mal Elsa bestieg, war der Bauer wütend geworden. Aber was hätte Rainer machen sollen?

Genau in dem Augenblick als er in sie eindrang, warf sie Carlo schmachtende Blicke zu. Das hatte Rainer abgelenkt und er hatte länger gebraucht, um fertig zu werden. Merklich länger. Das schien wiederum Elsa gefallen zu haben, die trotzdem dem Neuen schmachtende Blicke zuwarf. Also hatte Rainer ihr einen Hieb in den Bauch verpasst, sobald er fertig war. Und prompt erwischte ihn ein elektrischer Schlag. Und zwar ein besonders heftiger.

Missmutig saß Rainer nun wieder auf seinem Lieblingsplatz und beobachtete müde den Hof. Er war unzufrieden und unglücklich. So viele Jahre hatte er treu seinen Dienst verrichtet. Und das war der Lohn.

Mit halb geschlossenen Augen sah er zu, wie Gaby mit ihren schweren Brüsten zur Melkmaschine ging. Sie presste ihren Oberkörper gegen die metallischen Halbkugeln, die summend zum Leben erwachten. Wohlig seufzend lehnte sich Gaby nach vorne, während die Milch abgepumpt wurde. Normalerweise mochte Rainer diese Augenblicke. Dann war es am leichtesten eine der Frauen zu bespringen.

Nach dem Melkvorgang öffnete sich eine Klappe und ein brauner Riegel war zu sehen. Die Halbkugeln lösten sich von den Brüsten und die Maschine verstummte. Glücklich nahm Gaby den Riegel aus der Klappe und biss hinein. Bis vor ein paar Jahren noch hatte es keine Riegel gegeben und der Bauer war noch selbst in den Stall gekommen, um die Milch abzupumpen. Rainer seufzte und sah zur Seite. Entsetzt und wütend riss er die Augen auf.

Etwas Abseits hatte sich Elsa weit nach vorne gebeugt. Ihr Kopf war hochrot und die Gesichtszüge verzerrt. Hinter ihr stand Carlo und presste seinen Unterleib rhythmisch gegen den Hintern der Kleinen. Das war zuviel für Rainer.

Er stürmte entschlossen los. In gerader Linie und mit erhobenen Fäusten auf Carlo zu. Beim Näherkommen hörte Rainer das wohlige Seufzen von Elsa und beschleunigte weiter. Ungebremst prallte er gegen Carlo, der vollkommen überrascht zu Boden ging. Noch bevor der Bauer reagieren konnte, donnerten Rainers Fäuste nach unten und brachen zwei von Carlos Rippen. Dann kam der elektrische Schlag. Doch Rainers Wut war viel zu groß, um den Schmerz zu bemerken und erst der nächste, stärkere Schock, fegte Rainer zur Seite.

* * *

Der Bauer hatte Rainer ordentlich bestraft. Doch schlimmer als die elektrischen Schläge, waren die triumphierenden Blicke von Carlo, als Rainer, an allen vorbei, zum Transporter gebracht wurde. Gaby sah traurig zu Boden. Er würde sie vermissen. Rainer wollte einen Schritt auf sie zumachen, um sie tröstend zu streicheln, aber der Bauer ließ es nicht zu.

Kurz darauf saß Rainer im Transporter auf einer kalten Metallbank. Es waren auch weitere Menschen hier. Viele Frauen, alt und mit hängenden Brüsten. Einige alte Männer mit schlaffen Muskeln. Einigen der Männern fehlten die Hoden. Die Blicke der Menschen waren leer, hoffnungslos. So wie bei Rainers Großvater.

Irgendwann senkte sich der Transporter wieder ab und die Luke wurde geöffnet. Ein stechender Geruch füllte den Innenraum aus. Es stank nach Fäkalien und Schlimmerem. Der Geruch der Stadt, erkannte Rainer.

Ein Bauer stand an der Luke. Mehrere feine Antennen ragten aus seinem tonnenförmigen Metallkörper und winkten die Menschen heraus. Einige folgten der Aufforderung, andere blieben sitzen. Ein elektrisches Summen war zu hören, die Androhung einer Bestrafung. Nun setzten sich alle in Bewegung. Bis auf zwei Frauen, die regungslos in der Ecke kauerten.

Der Bauer schwebte in den Transporter und bohrte einige seiner Antennen ins Fleisch der Frauen, die er dann in ihren Körpern zu Haken umwandelte, um die beiden Kadaver hinter sich herzuziehen. Draußen wurde Rainer von zwei weiteren Bauern in Empfang genommen.

Sie befanden sich in einer großen Halle. Von überall waren laute Geräusche zu hören. Vor allem kreischendes Metall, vereinzelt sogar ein lauter Schrei. Hier gibt es noch Menschen, die sprechen können, dachte Rainer. Sein Großvater war auch einer von ihnen gewesen. Er hatte zur letzten Generation gehört, die noch ihre Zunge besaß. Die wurden normalerweise in jungen Jahren entfernt. Das wusste Rainer vom Hof. Danach waren die Babys still und alle hatten ihre Ruhe.

Rainer wurde von einem der Bauern in Empfang genommen und einen langen Gang entlanggeführt. Wohin bringen sie mich wohl, dachte er sich. Er hoffte auf einen anderen Hof, ohne einen Carlo, der ihm die Frauen streitig machte. Ein Hof mit viel Bier und viel Sonne. Rainer lächelte verträumt.

Der Weg endete in einem kleinen Raum. Blut und Wasser schwappte über den Boden. Auf einem langen Metalltisch lagen aufgeschlitzte Menschen, in einem Eimer schwappten Innereien. Es dauerte einen Augenblick, bis Rainer die Szene vollends begriff und schreien wollte. Doch dazu fehlte ihm die Gelegenheit. Einer der Bauern legte Rainer zwei Antennen an die Schläfe und dann gab es einen elektrischen Schlag. Rainer sackte zu Boden, alles fühlte sich taub an und er konnte nur noch schlecht sehen. Aber noch war er bei Bewusstsein, wenn auch bewegungsunfähig.

Was soll das alles? Rainer war ratlos, entsetzt und er hatte Angst. Wahnsinnige Angst. Einer der Bauern kam auf ihn zu und schlug Haken in Rainers Füße, an denen der Mensch dann hochgezogen wurde. Langsam kehrte das Bewusstsein wieder zurück und der Schmerz. Rainer sah wie der Bauer einen leeren Eimer unter ihn schob und sich eine der Antennen in ein Gerät mit scharfer, rotierende Scheibe am Ende umwandelte. Dann schlitzte die Säge Rainer auf.

Ende

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Buchtipp des Autors:

Dahlke, Ruediger
Peace Food

Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt

Verlag :      Gräfe und Unzer Edition
ISBN :      978-3-8338-2286-5
Einband :      gebunden
Preisinfo :      19,90 Eur[D] / 20,50 Eur[A] / 28,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 11.08.2011
Seiten/Umfang :      ca. 336 S. – 21,0 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      4. Aufl. 01.09.2011

Unsere Ernährung kann uns krank machen – oder heilen. Dies ist das flammende Plädoyer des Ganzheitsmediziners Rüdiger Dahlke für eine Ernährung des Friedens. Aus seiner Sicht enthält unsere Nahrung zu viel Totes und macht deshalb unglücklich. Die Auswirkung der Angsthormone des Schlachtviehs auf unsere Seele sind zwar noch nicht erschöpfend erforscht, eine umfangreiche chinesische Langzeitstudie hat aber zweifelsfrei bewiesen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Krebsinzidenz gibt. Und Krebs ist aus Dahlkescher Sicht eindeutig eine Krankheit der Seele.

Diesem Szenario stellt er die heilende Ernährung entgegen: Die neuesten neuroendokrinologischen Erkenntnisse zeigen welche Hormone unsere seelische Balance bestimmen und wie sie mit hochwertigen Kohlenhydraten und Fetten befeuert werden. Kein Dahlke-Buch ohne direkten Nutzen: Ein Rezeptteil mit dreißig veganen Genussrezepten zeigt, wie schmackhaft Nahrung für die Seele sein kann.

Dr. med. Ruediger Dahlke, Jahrgang 1951, studierte Medizin in München. Weiterbildung zum Arzt für Naturheilweisen, in Psychotherapie und Homöopathie. Seit 1978 ist er als Psychotherapeut, Fasten-Arzt und Seminarleiter tätig. Als Autor und Referent ist er eine Instanz im Bereich der Psychosomatischen Medizin und Gesundheitsbewegung. Im Heil-Kunde-Zentrum Johanniskirchen/Niederbayern wird seine Arbeit seit 15 Jahren in die Praxis umgesetzt. Seine Fasten-Seminare “Körper – Tempel der Seele” (für Einsteiger) und “Fasten, Schweigen, Meditieren” (für Fortgeschrittene) erfreuen sich regen Zuspruchs.

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DER GHOSTWRITER – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 14. Mai 2012

Der Ghostwriter

Kriminalkurzgeschichte
von
Günther K. Lietz

Mit einem zufriedenem Lächeln klickte Peer auf Speichern. Endlich, er hatte es geschafft und das Manuskript fertiggestellt. Pünktlich, wie immer. Peer hing die Datei an eine E-Mail und schickte sie los. An einen unbekannten Auftraggeber. Jetzt noch alle Dateien wie gewünscht löschen und fertig.

Peer war Ghostwriter. Er schrieb Texte für andere Menschen, die dann nur noch ihren Namen daruntersetzten und seine Werke als die ihren Ausgaben. Vor allem der letzte Auftrag hatte es in sich. Peer war angestellt worden, um mehrere Romane für eine Art Detektiv-Serie zu schreiben. Sein Auftraggeber legte allerdings übertrieben viel wert auf Anonymität, zahlte aber auch gut.

Insgesamt fünf Romane waren in Auftrag gegeben worden. Eine der Vorgaben war dabei, dass die Geschichten und Morde so real wie möglich beschrieben werden sollten. Also aus dem Leben gegriffen und für den Leser stets nachvollziehbar, beinahe lehrbuchartig.

Für Peer kein Problem. Er recherchierte gerne und solange das Geld stimmte, schrieb er alles was sein Kunde wünschte. Wobei ihm bei diesem Auftrag schon mulmig zumute war. Der geisteskranke Protagonist nahm nämlich das Recht selbst in die Hand und richtete die Unschuldigen auf bestialische Art und Weise hin, war also im Grunde selbst der gesuchte Massenmörder im überspannenden Handlungsbogen.

Fünf Romane hatte Peer schon fertiggestellt. Aber bisher war noch keiner seiner Texte bei irgendeinem Verlag aufgetaucht. Das alleine war nicht ungewöhnlich. Aber stets, einige Wochen nach Abgabe, war in der Zeitung von einem bestialischen Mord an einem Kriminellen zu lesen. Und stets wurden die Morde genau so verübt, wie sie Peer beschrieben hatte. Er hatte bereits überlegt zur Polizei zu gehen, das aber wieder verworfen. Sicherlich war das pure Spinnerei. Immerhin wartete der letzte Roman mal mit einer etwas anderen Handlung auf.

Darin ging es nämlich um einen Autoren, der unwissentlich einem Serienmörder dabei half, seine Opfer zu töten. Und nun wollte der Serienmörder den Autoren aus dem Weg schaffen, um die Spuren zu verwischen. Peer fand die Sache witzig, erinnerte sie ihn doch ein wenig an seine derzeitige Auftragssituation. Zufälle gibt es, dachte er …

Ende

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Krimizwerge”

Erstellt von Günther Lietz am 8. Mai 2012

“Krimizwerge”

sfbasar.de-Anthologie Band 8

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial: Liebe Freunde, liebe Besucher, liebe Leser, liebe Community und vor allem liebe Freunde der kriminalistischen Unterhaltung!

Inspiriert von guten Krimis, einem nebligen kalten Wetter und der Lust auf ein neues Projekt, habe ich mich entschlossen ebenfalls eine Anthologie zu betreuen. Mein gewähltes Thema ist der Krimi und der Titel der Anthologie lautet “Krimizwerge”.

Warum der Krimi, vor allem in seiner kurzen Form? Weil ich es kann! Weil wir es können! Und weil es mal etwas anderes ist als die phantastisch-utopischen Themen, denen ich mich sonst widme. Nach einer langen Strecke unterhaltsamer, aber dennoch kräftezehrenden Strecke Phantastik und Utopie, brauche ich auch mal eine kleine Pause, um den Kopf freizubekommen, mal einen Gang zurückzuschalten und mich zu sammeln. So ein Stück kriminalistischer Text ist sozusagen mein Energydrink, der mich erquickt und mir neue Flügel verpasst, mit denen ich wieder durchstarten kann.

Alle Communityautorinnen und -autoren sind natürlich herzlich zur Anthologie eingeladen und je mehr liebe Kreative sich daran beteiligen, um so schneller füllt sie sich und um so abwechslungsreicher die Storys. Ich werde jedenfalls fleißig versuchen “Krimizwerge” mit Leben zu füllen und freue mich über jeden weiteren Beitrag.

Liebe Grüße vom Tatort!
Günther K. Lietz

NEU! – DIE CLIQUE AUS DER INQUISITIONSTREET – Eine Kriminalkurzgeschichte von Miriam Kleve

PIRATEN – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

BABYMORD – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

VIELE KÖCHE VERDERBEN DEN BREI – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

DAS VERHÖR – Eine Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

FESSELNDES ALTER – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

KAMERA AB! Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

HAUPTSACHE ÜBERSTUNDEN – Eine Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

GLAS – Eine Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

DIE KINDER AUS DER INQUISITIONSTREET – Eine Kriminalkurzgeschichte von Miriam Kleve

DER LÖWE – Kurzkrimi von Michael Pick

VOR UND ZURÜCK – Kurzgeschichte von Sascha Ladra

BLUMBERG WILLS WISSEN – Eine Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

DER MANN IM SCHRANK – Eine Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

DER TWIST – Eine Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

HÄNDE.RINGEND.GESUCHT. – Eine Kriminalgeschichte von Miriam Kleve

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Außerdem planen wir davon ein eBook und am Ende vielleicht sogar eine Druckausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

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i.A. Günther K. Lietz

Bildrechte: Coverillustration “Krimizwerge© 2012 by Günther K. Lietz.

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DIE DUNKELHEIT – Eine Science Fiction Kurzgeschichte von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 30. April 2012

Die Dunkelheit

Science Fiction Kurzgeschichte
von
Günther K. Lietz

Mehr als alle Wunder dieser Welt wünschte sich Nick ein sorgenfreies und erfülltes Leben. Doch in seinem jetzigen Zustand war er weit davon entfernt, dass eines seiner Luftschlösser auch nur ansatzweise entstehen könnte. Anstatt zu Hause bei seiner Familie zu sitzen und sich mit den Kindern zu beschäftigen, nach ihren Leistungen in der Schule zu fragen oder seine Frau wild und hemmungslos zu lieben, trieb er einsam in seinem Tank.

Der Tank war seit mehr als vier Tagen sein neues Zuhause. Oder waren es bereits fünf Tage? Oder nur einer? Nick wusste es nicht. In der absoluten Dunkelheit hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. Die Dunkelheit hatte ihm geflüstert, Tankmenschen würden durch den andauernden Schwebezustand, die Stille und die Dunkelheit, innerhalb weniger Stunden wahnsinnig. Aber Beweise gab es keine. Oder flunkerte die Dunkelheit nur? Nick hatte keine Ahnung.

Er nahm einen tiefen Zug Sauerstoff, der von außerhalb zugeführt wurde. Das Atmen fiel ihm seit einiger Zeit schwerer. Ein Zeichen dafür, dass seine Lunge bereits angegriffen war. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis auch die anderen Organe ihm ihren Dienste versagten. Jedenfalls nach Meinung der Dunkelheit.

War jetzt nicht der Augenblick gekommen in Panik auszubrechen? Spätestens jetzt? Doch es geschah nichts. Nick wunderte sich darüber, denn immerhin nagte der Tod bereits an seinen Knochen. Doch es blieb bei der Verwunderung.

Was hatten sie mit ihm angestellt? Was hatten sie mit ihm gemacht? Er spürte wie sich ein Fetzen Haut von seinem Rücken langsam abschälte und in der Dunkelheit versank. Doch es bereitete ihm keine Schmerzen. Nur Bedauern – des Verlustes wegen. Mit der Haut war ein alter Freund gegangen.

Etwas schien sich unter ihm zu regen, kroch an seinem Po entlang nach oben, strich über seine Hüfte, floss über das bloße Fleisch und zerplatzte mit einem leisen Knall, als es die Oberfläche der Flüssigkeit durchstieß. Es roch nach faulen Eiern, und Nick fragte sich, ob er ohne Nahrung überhaupt Blähungen haben könne. Doch er vermutete, dass der Tank mit irgendeinem Gas geflutet wurde. Oder mit etwas anderem, hörte er die Dunkelheit wispern.

Nick nahm noch einen weiteren, tiefen Zug nun bitter schmeckenden Sauerstoff und stieß sich mit den Füßen ein wenig ab. Sein Kopf stoppte nach wenigen Zentimetern an der metallenen Tankhülle. Einige Haare und etwas Kopfhaut lösten sich ab. Ein Stück Schädelknochen lag blank.

Sie wissen, schon was sie machen, sprach sich Nick selbst Mut zu. Bald werde ich bei Linda und den Kindern sein. Wir werden lachen, singen und Spaß miteinander haben.

Täuschte er sich oder verabschiedete sich gerade der linke Ringfinger von seinem Körper? Er tastete mit der Rechten nach der Linken und fühlte nichts. Nun, dann waren jetzt wenigstens Ringfinger und Zeigefinger irgendwo im Tank miteinander vereint. Oder auch nicht.

Waren nun Stunden oder Minuten vergangen, seitdem der Finger sich selbstständig gemacht hatte? Oder nur Sekunden? Nick versuchte nachzudenken und rieb sich gedankenverloren sein rechtes Ohr. Doch er griff nur ins Leere, was ihm nichts mehr ausmachte. Die Geräusche waren bisher nur gedämpft zu hören gewesen. Dann hört er jetzt eben gar nichts mehr.

Nick gähnte und fand es nur normal, dass sich sein Kiefer ohne Worte verabschiedete. Es gab ein leise Platschen, dann war er weg. Kann ich so überhaupt überleben, fragte sich Nick. Oder war es die Dunkelheit?  Nick begann müde zu werden. Er wurde schnell müde in letzter Zeit. Oder knipste nur jemand einfach sein Lebenslicht aus? Er wusste es nicht.

Dann geschah es. Geist und Körper wurden voneinander getrennt. Die Dunkelheit seufzte bedauernd.

Nick konnte nun alles ganz genaue sehen und mit seinem Blick das Wasser durchdringen. Dort unten sank sein Körper tiefer ins düstere Nass hinein. Sie hatten seinen Tod wohl bemerkt und die Halterungen gelöst. Der Körper begann zu trudeln und die restlichen Knochen, Sehnen und Muskeln lösten sich langsam auf. Nick konnte die Bakterien fast fühlen, die sich um die Verwertung der Reste kümmerten und Platz für den nächsten Kandidaten schafften.

Ein einsamer, warmer Lichtstrahl durchdrang von oben den Tank und wurde immer größer, bis er Nicks Geist vollkommen erfasste. Es war ein seltsames Gefühl, in dieses Licht getaucht zu werden. Ein angenehmes Gefühl. Nick fühlte sich zu dem Licht hingezogen und ließ sich auf seine Quelle zutreiben. Nicks Geist begann aufzusteigen, verschwand und das Licht erlosch – die Dunkelheit schwieg …

***

“Verdammt!” brüllte Heidler und knallte seine dürre Faust kraftlos gegen den großen Metalltank. “Schon wieder! Der wievielte war es, Brösler?”

Heidlers Assistent rief die Daten auf seinem Pad ab. “Nummer Zehn.”

“Familie?”

“Frau und zwei Kinder. Wir haben ihnen gesagt, er sei unheilbar  krank. Sie kommen jeden Tag und wollen ihn sehen. Wir haben sie immer vertröstet.”

“Die übliche Standardausrede”, wies Heidler Brösler an. Der alte Mann drehte seinen dürren Körper zu dem Tank herum und funkelte die Maschine böse an. “Vielleicht war er zu alt. Bestellen Sie die Kinder zu einer Routineuntersuchung. Faseln Sie etwas von Erbkrankheiten und bereiten Sie einen weiteren Tank vor. Wir steigern das Bakterienniveau und beginnen vor dem Tod mit der Übertragung. Wir nehmen die Kinder von Nummer Zehn. Vielleicht klappt es diesmal.”

“Vielleicht”, entgegnete Brösler und schaltete das Pad ab.

“Wir haben das Genom entschlüsselt. Wir haben Krankheiten besiegt. Wir haben uns Bakterien und Viren untertan gemacht. Wir sind die Herren und Meister der modernen Technologie.” Brösler klopfte auf den metallenen Korpus des Tanks. „Körper, Verstand, Geist und Seele sind auch nur Bauteile einer Schöpfung. Und ich werde diese Bauteile separieren und neu arrangieren. Irgendwann jedenfalls.“

Brösler verließ wortlos das Labor und bereitete sich in Gedanken auf seinen eingeübten Text vor. Hoffentlich würden die Angehörigen nicht weinen. Das hielt immer unnötig auf.

Nachdem Brösler gegangen war, streichelte Heidler über das Gehäuse des Tanks und lächelte. Die Dunkelheit sang ihm ein Lied.

ENDE

Copyright © 2001 by Günther K. Lietz, all rights reserved.

Buchtipp:


Alexander Kröger
Fundsache Venus

Verlag: Projekte-Verlag Cornelius
ISBN: 978-3-86237-846-3
Einband: Paperback
Seiten/Umfang: ca. 352 S. – 19,6 x 13,8 cm
Erscheinungsdatum: 2. Aufl. 19.04.2012

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In „Fundsache Venus“ entdeckt Wally 327 Esch als Überlebende einer Rettungsexpedition das geborstene Raumschiff, und sie findet Dirk, ihren Lebensgefährten, aus dessen toter Hand sie ein Souvenir entnimmt, das, so glaubt sie, für sie bestimmt ist. 18 Jahre hütet sie das Geheimnis dieses Geschenks. Dann berichtet sie dem Sohn Mark von der Operation in einem verlassenen Urwaldhospital und von Bea, einem Mädchen mit Tigeraugen … Sie bürdet damit dem jungen Mann eine Verantwortung auf, die er allein nicht tragen kann.

Maren 021 Call kämpft leidenschaftlich gegen die Entstehung von „Anderen“ auf der Erde und dem Mars. Sie fürchtet auf lange Sicht den Untergang des ursprünglichen Menschen.

Alexander Kröger richtet in einer mitreißenden Handlung – in Sicht auf heutige Realitäten und Tendenzen wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung – das Augenmerk des Lesers auf die Verantwortung der Menschen für ihre Zukunft.

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PIRATEN – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 30. April 2012

Piraten

Kriminalkurzgeschichte
von
Günther K. Lietz

Sie freute sich seit Tagen auf das lange Wochenende mit Jochen und den Kindern. Die Koffer waren gepackt, die Miezen bei den Großeltern untergebracht und der Hund bei Tante Agathe geparkt. Alle Geräte aus, die Taschentücher lagen bereit und das Navigationssystem war programmiert.

“Gabi, wo bleibst du denn?” rief Jochen. Benni und Susi saßen schon auf dem Rücksitz und streckten sich gegenseitig die Zungen raus.

“Noch einen Augenblick, Schatz.” Gabi steckte zwei Krimis ein, ein Rätselheft und mehrere Kugelschreiber, kontrollierte nochmals Waschmaschine und Herd, sah nach dem Bügeleisen und schloss dann die Haustüre. Jochen hockte schon hinter dem Steuer des Kombis und sah ungeduldig auf die Uhr, “Mausi, mach hin. Wir kommen sonst zu spät.”

Jochen war aufgeregt, immerhin war der Miniurlaub seine Idee und ein Hochzeitsgeschenk, an dem er die ganze Familie teilhaben ließ. Gabi wusste, dass ihr “Großer” vor allem an sich selbst gedacht hatte. Jochen liebte alles, was mit Piraten in Verbindung stand. Also hatte er einige Tage im Piratenland gebucht, einer großen Indoor-Ferienanlage. Während sich Draußen der letzte Schnee noch gegen die aufkommende Frühlingssonne wehrte, würde die ganze Familie karibisches Flair am künstlichen Strand genießen. Mit einem fantastischen Ausblick auf Piratenschiffe, abendliche Lichtershow und nachgespielte Freibeutergeschichten. Jochen war schon ganz gespannt. Zudem war es eigentlich eine Dienstreise und deswegen kostenlos. Und das fand Jochen besonders gut.

Das Piratenland war ausgebucht. Überall standen oder saßen Besucher in Badesachen. Animateure in Kostümen sorgten für Unterhaltung. Mit den Koffern schwer bepackt kämpften sich Jochen, Gabi, Benni und Susi bis zu den kleinen bunten Rundhäusern. Jochen hatte Tortuga gebucht, was einiges mehr kostete. Die Ausstattung war mit den anderen Häusern identisch und Gabi ging davon aus, dass der Aufpreis einfach nur wegen dem Namen zustande kam.

Im Haus gab es nur zwei Schlafzimmer, was die Kinder natürlich aufschreien ließ. Sie wollten getrennte Zimmer und nach einer halben Stunde Kinderjammern wurde Benni bei Jochen und Susi bei Gabi einquartiert. Nun war es an Jochen ein langes Gesicht zu ziehen, denn er hatte auf erotische Piratenspiele gehofft. Gabi hoffte dagegen auf Ruhe und Entspannung.

“Du ziehst dir sofort einen ordentlichen Badeanzug an, Fräulein!” donnerte Jochen durchs Haus. Er hatte vor Wut einen knallroten Kopf, was Susi vollkommen egal war.

“Papa, das ist heute ganz normal. Alle meine Freundinnen tragen einen Bikini”, versuchte Susi ihren Vater zu überzeugen, doch der war wie ein Fels in der Brandung.

“Sofort umziehen! Mir sind deine Freundinnen egal, mein Fräulein. Umziehen oder du bleibst im Haus!”

Susi zuckte mit den Schultern. “Bleibe ich halt im Haus und Simmse meinen Freundinnen, wie Steinzeit mein Vater ist.”

Jochen wollte erneut zum Brüllen ansetzen, aber Gabi packte ihn bei der Schulter. “Schatz, so sind Teenager einfach. Werde erwachsen.” Mit einem Lächeln verließ sie die Hütte und Jochen trabte seiner Frau grummelnd hinterher. Benni und Susi trotteten ebenfalls mit.

Am Strand gab es einen zum Haus gehörenden Strandkorb, den Jochen und Gabi augenblicklich in Beschlag nahmen. Benni stürzte sich sofort in die Wellen und hatte sichtlich seinen Spaß an der Sache. Susi machte sich dagegen auf den Weg zur Eisbar und genoss dabei sichtlich die Blicke der Jungs.

“Warum kann Susi nicht wie Benni sein?” schmollte Jochen und lehnte sich zurück, um seinen Sohn zu beobachten.

Gabi schlug ihren Krimi auf. “Weil Susi älter und reifer ist und neugierig auf Jungs.”

Das setzte Jochen erst recht zu. Er verkniff sich eine Antwort. “Ich hole mir einen Piraten-Hot-Dog. Willst du auch einen, Schatz?”

Gabi schüttelte geistesabwesend den Kopf. “Nein, ich lese lieber etwas. Schau dir doch mal alles an, damit sich wenigstens einer von uns hier auskennt. Wie wäre das?”

“Das wäre ganz fantastisch.” Jochen strahlte über das ganze Gesicht. “Wir sehen uns später.”

Gabi nickte. “In Ordnung. Viel Spaß. Aber arbeite nicht zuviel.”

Schon war er weg und Gabi atmete erleichtert auf. Endlich etwas Ruhe. Da traf sie auch schon ein tropfender Wasserball und durchnässte ihren Krimi. Erschrocken sah Gabi auf.

Ein junger Mann stürmte auf sie zu. Braungebrannt, durchtrainiert und mit einem verschmitzten Lächeln. “Entschuldigen Sie bitte, mir ist das Ding einfach so abhanden gekommen.”

“Kein Problem”, erklärte Gabi und warf ihm den Ball zurück.

Der junge Mann ließ den Wasserball zu Boden plumpsen und reichte Gabi die Hand. “Kevin Schmidt. Freut mich, Sie kennenzulernen.”

Gabi musterte den jungen Mann kurz, dann schüttelte sie seine Hand. “Gabriele Neubauer. Angenehm.”

Kevin setzte sich einfach neben Gabi und lächelte sie an. “Ich bin fast jedes Wochenende im Piratenland. Sie habe ich hier noch gar nicht gesehen. Neu?”

“Ja, mein Mann liebt Piraten über alles.” Gabi betonte das Wort Mann deutlich. “Sein Geschenk zum Hochzeittag.”

Kevin lachte auf. “Entschuldigen Sie, ich wollte nur höflich sein. Das soll keine Masche sein, um Sie anzubaggern.”

Gabi kam sich nun dumm vor. Was sollte ein junger Mann auch von ihr wollen. “Tut mir leid, ich weiß gar nicht, was in mich gefahren ist.” Gabi seufzte. “Ist halt mein erster Urlaub nach langem.”

“Keine Ursache. Mit dem Piratenland habe Sie die richtige Wahl getroffen. Hier ist es einfach wunderbar. Super zum Entspannen. Vor allem für Familien.”

“Ja, es hier ist hier sehr idyllisch.”

Kevin lächelte und deutete dann mit dem Kopf zum Strand hinunter. “Wollen Sie vielleicht mal ein paar Bälle werfen? Das macht richtig Spaß.”

Gabi dachte nach. Kevin war ein verdammt sympathischer Kerl. Also ließ sie sich breitschlagen. “In  Ordnung. Ich muss nur noch ein Lesezeichen einlegen.” Während sich Kevin schon mal den Ball schnappte und die paar Meter zu Strand schlenderte, griff Gabi ihren Ausweis aus der Tasche und legte ihn in den Krimi. Dann ging sie Kevin hinterher.

Die beiden spielten eine halbe Stunde mit dem Ball und die Zeit verging wie im Fluge. Kevin hatte sich am Wasser aufgebaut und immer wenn er den Ball verfehlte, musste er ihm in die Wellen hinterherspringen. Irgendwann schüttelte Kevin seinen Kopf und tausende von Tropfen flogen in alle Richtungen.

“Ich muss leider Schluss machen. Meine Freundin wartet schon”, erklärte er und reichte Gabi zum Abschied die Hand.

“Warten Sie einen Augenblick, Kevin.” Gabi lachte. “Ich möchte Ihnen noch etwas zeigen.”

“Nein, das ist nicht nötig. Ich habe es wirklich eilig.”

“Ach, Quatsch. Auf die Minute kommt es auch nicht mehr an.” Gabi lächelte Kevin freundlich an und griff ihn bei der Hand. “Kommen Sie schon. Ist schnell erledigt.” Mit sanfter Gewalt zog sie ihn zum Strandkorb und ließ sich dort in den Sitz fallen. “Puh, das war anstrengend. Aber auch unheimlich lustig.” Gabi klopfte neben sich auf den Platz. “Setzen Sie sich doch.”

Kevin sah unbehaglich drein. “Ich weiß nicht. Was wird Ihr Mann sagen?”

“Ach, dem ist das egal. Glauben Sie mir.” Sie grinste. “Der macht sein eigenes Ding, dieser Freibeuter.”

Mit einem gequälten Grinsen setzte sich Kevin. “Ich hoffe es geht schnell.”

“Aber sicher doch”, beruhigte ihn Gabi und kramte in ihrer Tasche. “Geldbörse, Handy, MP3-Player und der Schlüssel vom Häuschen. Alles weg. So ein Mist aber auch, ich bin wohl ausgeraubt worden.”

“Was? Sie sollten sofort den Bademeister verständigen”, empfahl Kevin. “Da muss doch was getan werden. Sie müssen unbedingt zur Polizei.”

Gabi winkte ab. “Quatsch. Ich bin auf alles vorbereitet. Haben Sie mal keine Angst.” Sie griff nach ihrem Krimi. “Bin ja nicht ganz blöd.” Gabi schüttelte ihren Ausweis aus dem Heft und hielt ihn Kevin vor die Nase. “Ich bin nämlich die Polizei. Mein Mann übrigens auch. Der Betreiber vom Piratenland hat uns gemeldet, dass sich in letzter Zeit vermehrt Trickbetrüger und Taschendiebe hier herumtreiben, mein lieber Kevin. War ja sehr geschickt von Ihnen mich abzulenken, während ihre Freundin die Tasche ausraubt und sich in unserem Häuschen umsieht.”

Kevin sah sich gehetzt um und entschloss sich aufzugeben. In Badehose aus dem warmen Piratenland in die kalte Natur zu fliehen, wahrscheinlich ohne Aussicht auf Erfolg, das ließ er dann doch lieber sein.

Gabi winkte zwei Kollegen in Zivil heran, die ihr Wochenende ebenfalls im Piratenland verbrachten. “Wissen Sie, Kevin, Ihre Freundin hätte mal einen Blick in meinen Krimi werfen sollen. Dann hätte sie gewusst, dass sich Verbrechen nicht lohnt.”

ENDE

Copyright (c) 2012 by Günther K. Lietz, all rights reserved.

Buchtipp:


Viveca Sten
Die toten von Sandhamn
Komissar Andreassons dritter Fall

Übersetzt von Dagmar Lendt
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04388-4
Einband: gebunden
Seiten/Umfang: ca. 352 S.
Produktform: B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 1. Auflage 14.05.2012

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Titel bei Libri.de

Der Nummer-Eins-Bestseller aus Schweden. Thomas Andreasson wird nach Sandhamn gerufen: Ein Mädchen ist verschwunden. Obwohl sofort eine fieberhafte Suche einsetzt, bleibt sie ohne Erfolg. Wo steckt Lina, und wer ist für ihr Verschwinden verantwortlich?Als Thomas’ Jugendfreundin Nora durch einen Zufall herausfindet, dass ihr Mann sie hintergeht, fährt sie trotz Eis und Schnee mit ihren Söhnen nach Sandhamn, um in Ruhe nachdenken zu können. Die Inselbewohner sind erschüttert, denn gerade ist ein Mädchen verschwunden – noch geben die Eltern die Hoffnung nicht auf, dass sie ihre Tochter lebend zurückbekommen. Doch dann machen ausgerechnet Noras Söhne beim Spielen eine schreckliche Entdeckung …

Knapp 100 Jahre zuvor: Der kleine Thorwald leidet unter den brutalen Ausbrüchen seines Vaters. Dieser vergöttert die Tochter, misshandelt aber den Sohn; die Mutter schaut untätig zu. Thorwald möchte von der Insel fliehen. Geschickt flicht Viveca Sten aus diesen beiden Erzählsträngen einen Roman, der jeden sofort in seinen Bann zieht und viel über das Leben auf der Schäreninsel im Lauf der Zeiten erzählt. Thomas Andreassons dritter Fall wurde in Schweden gleich nach Erscheinen ein Nummer-Eins-Bestseller und gilt für viele Leser als Stens bisher bester Krimi.

Viveca Sten ist Chefjuristin bei der dänischen und schwedischen Post. Sie wohnt mit Mann und drei Kindern vor den Toren von Stockholm. Seit sie ein kleines Kind war, hat sie die Sommer auf Sandhamn verbracht, wo ihre Familie seit mehreren Generationen ein Haus besitzt. In Schweden dominieren ihre Bücher die Bestseller listen, und auch in Deutschland wächst die Anzahl ihrer Fans.

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BABYMORD – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 23. April 2012

Babymord

Kriminalkurzgeschichte

von

Günther K. Lietz

Fassungslos starrte Allistair O’Neill auf die sterblichen Überreste seiner Frau June. Mitleidlos zog der Leichenbeschauer das blaue Tuch wieder über die blutigen Einzelteile. Neben dem Mann stand ein Mitarbeiter des Departments, seine Sonnenbrille locker in der Hand wippend. Der Beamte wartete einige Sekunden, dann ergriff er das Wort: “Die Leiche ist ziemlich verstümmelt. Da hat jemand ganze Arbeit geleistet. Das Baby haben wir einige Meter weiter gefunden. Der Mörder hat das Ungeborene aus dem Bauch geschnitten. Es liegt in einem extra Fach. Wollen Sie es sehen?”

Allistair blickte langsam auf. “Baby?” kam es ihm schwer über die Lippen. “Was?”

“Sorry, ich wusste nicht, dass Ihnen das unbekannt war. Sehen Sie es mal so, das spart einiges an Alimenten.”

Der Schlag kam ansatzlos und traf den verblüfften Beamten am Kinn.

***

Der Richter hatte ihn zwei Monate in den Knast gesteckt. In dieser Zeit hatten die Cops die Ermittlungen eingestellt. Ermittlungen gegen ihn, den gehörnten und verlassenen Ehemann. Allistair saß im Central Park auf einer Bank und fütterte die Tauben mit Brotresten. Seine Kleidung war ungepflegt, er roch nach billigem Fusel und die Spaziergänger machten einen Bogen um ihn.

Junes Mörder lief irgendwo da draußen herum. Und niemanden kümmerte es. Allistair verdankte nur seinem wasserdichten Alibi, dass er auf freiem Fuß war. Eigentlich hatte er alleine draußen in der Hütte sein wollen. Zum Angeln. Wie jedes Jahr. Auch nach der Trennung war das ein fester Termin für ihn. Er brauchte diese Auszeit, um wieder zu Kräften zu kommen. Ohne June mehr denn je.

Auf der Fahrt zur Hütte war er auf einen Jeep aufgefahren. Der Fahrer des anderen Wagen war sauer gewesen und es hatte eine Rangelei gegeben. Der Sheriff war hinzugekommen und hatte beide in die Ausnüchterungszelle gesteckt. Damit sie wieder zu Sinnen kamen. Ein gutes, starkes Alibi. Allistair hatte Glück gehabt. Ohne den Unfall säße er jetzt sicherlich auf dem elektrischen Stuhl.

Er sah sich den letzten Brocken Brot an, holte aus und donnerte das große trockene Vollkornteigstück einer Taube gegen den Kopf. Der Vogel fiel tot um, irgendwo kreischte ein Kind und jemand empörte sich lautstark. Doch das alles war Allistair egal.

***

“Mann, Alter, mach keinen Scheiß” wimmerte Frank Sander und wedelte abwehrend mit beiden Händen vor dem Gesicht. Er warf einen Blick nach hinten und erschauerte. Zwölf Stockwerke tiefer verliefen die Straßen von Manhatten. “Wir sind doch Freunde.”

Allistair grinste müde. “Wir waren Freunde. Bis du was mit June anfangen musstest, Frank. Mein bester Freund spannt mir meine Frau aus.”

“Mann, das ist auf Junes Mist gewachsen. Sie hat mich angebaggert. Verstehst du? Sie mich!” Franks Stimme überschlug sich. Ängstlich sah er auf die Pistole, die Allistair in der Hand hielt. “Es tut mir leid, Mann. Es tut mir ehrlich leid.”

“June ist tot, Frank. Und niemand will wissen, wer sie umgebracht hat. Nur ich. Aber ich habe gar keine Ahnung, was die letzten Monate passiert ist. Du schon, Frank. Aber du drehst lieber Däumchen, als nach dem Mörder zu suchen.”

Frank sah erneut über die Schulter. Nur noch zwei Schritte und er würde in den sicheren Tod stürzen. “Allistair, Mann, ich habe keine Ahnung. June hatte sich verändert. Ich war nur das Sprungbrett, glaub mir. Sie hat sich an mich herangemacht, um dann weiterzukommen.”

Allistair beherrschte sich mühsam. Es dürstete ihn abzudrücken oder zuzuschlagen, aber er musste sich zusammenreißen. June zuliebe. “Was meinst du? Komme endlich raus damit. Oder ich mach dich auf der Stelle kalt.” Er ging einen Schritt vor und Frank wich einen Schritt zurück.

“Mein Boss, Henry Silverstein, der ist Anwalt. June war gerade frisch mit mir zusammen und ich habe sie auf eine Party unserer Kanzlei mitgenommen. Sie ist sofort auf Silverstein los. Hat ihn umgarnt, heiß gemacht. Eine Woche später waren die beiden zusammen.”

“Und das soll ich dir glauben, Frank? Davon hätte ich gehört.”

“Mann, Alter, ehrlich. Das war mir einfach zu peinlich. Ich habe behauptet, wir wären noch ein Paar. Wollte Gras über die Sache wachsen lassen und irgendwann mal mit der Wahrheit herausrücken. Wollte ja auch keinen Stress mit Silverstein. June ist bei mit ausgezogen und dann in ein Apartment, was er bezahlt hat. Seine Frau durfte ja nichts davon mitbekommen.”

Allistair atmete tief ein. Seine geliebte June ein Flittchen, eine Schlampe? Das konnte er kaum glauben. Aber wenn doch? Mit einem leisen Knurren machte Allistair noch einen Schritt vor und stieß Frank in den Tod.

***

Henry Silverstein in die Finger zu bekommen, war schwer. Der reiche Anwalt war nie alleine anzutreffen. Jedenfalls die ersten Wochen. Doch Allistair lag auf der Lauer und nutzte seine Chance, als sie ihm sich bot.

Silverstein hatte eine neue Geliebte, der er ein Apartment in der City einrichtete und das er stets ohne Leibwächter aufsuchte. Allistair musste nur einen geeigneten Zeitpunkt abwarten, den Anwalt niederschlagen, im Kofferraum verstauen und einen Tag schmoren lassen. Dann war Silverstein bereit zum Plaudern.

Das Auto stand oberhalb der Klippe. Tief unten krachte unermüdlich die Brandung gegen die Felsen. “O’Neill, was soll der Quatsch? Kommen Sie zur Vernunft! Wir können über alles reden. Über alles.”

Allistair lachte auf. “Sie haben meine Frau auf dem Gewissen, Silverstein. Und dafür werden sie bezahlen. Mit ihrem Leben.”

Der Anwalt fuhr sich mit der Hand über die ausgetrockneten Lippen. Seine Stimme war nur noch ein heißeres Krächzen. “Ich habe nichts damit zu tun, O’Neill. Mein Ehrenwort.”

“Ihr Ehrenwort? Das ist nichts wert, Silverstein. Ich weiß nicht was passiert ist, aber Sie tragen Schuld daran. June ist tot. Und mein Kind auch.”

“Ihr Kind?” krächzte Silverstein überrascht.

Allistair sah den Anwalt abschätzend an. “Sie haben es für Ihr Kind gehalten, oder? Denn nur so ergibt Ihre Frage einen Sinn. Das June schwanger war, dass auch das Kind getötet wurde, dass stand in allen Zeitungen. Warum sollten Sie also überrascht sein?”

“O’Neill. Wir können doch über alles reden. Ihre Frau, ich meine, es war nichts Ernstes. Der Skandal, Sie müssen das doch verstehen. Sie wurden von Ihr doch auch betrogen. O’Neill, Sie müssen doch wissen was für eine Schlampe June war. Sie hat mich erpresst, mit dem Kind. Was sollte ich denn machen? O’Neill, legen Sie die Waffe weg. O’Neill …!”

ENDE

Copyright (c) 2012 by Günther Lietz

Buchtipp:


Rosemarie Bus
Es sterben immer drei
Kriminalroman

dtv Paperback
Seiten/Umfang: ca. 384 S. – 19,1 x 12,0 cm
ISBN: 978-3-423-21364-6
Erscheinungsdatum: 01.05.2012

Titel bei Amazon.de
Titel bei Buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Die Münchner Journalistin Stella, Mitte dreißig, erhält den Auftrag, eine Geschichte über den Tod einer Kollegin zu schreiben. Valerie wurde in Umbrien erschossen, wo sie mit ihrem älteren Liebhaber Jochen und einigen anderen Deutschen in der »Casa Pornello« wohnte. Unterstützt von ihrer beherzten Mutter Irma und dem Fotografen Luis geht Stella auf Mördersuche. Ist es einer der Mitbewohner, die alle ihre Probleme mit der exaltierten, nymphomanen Valerie hatten? Oder ist etwa die Mafia im Spiel? Während ihrer Recherche verliebt sich Stella in den schönen Maresciallo Luca – und findet heraus, dass er Valerie viel besser kannte, als seine Kollegen von den Carabinieri wissen dürfen.

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