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Literatur-Blog

SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Invasionsgeschichten”

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. April 2012

“Invasionsgeschichten”

sfbasar.de-Anthologie Band 13

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial: Liebe Freunde, liebe Besucher und liebe Leser: Heute möchte ich Euch diese Anthologie vorstellen, die nach und nach mit immer weiteren Beiträgen und Kurzgeschichten unserer Autoren gefüllt werden soll, die den Themenschwerpunkt “Invasionsgeschichten” zum Inhalt haben.

Woran denken wir unbewusst beim Stichwort „Alien“? Richtig. Ridley Scott schlachtet unsere Urangst vor dem Fremden nur bildgewaltig aus. Erfunden hat er sie nicht. Es geht nicht nur um das Monster aus unseren Albträumen. Es geht vielmehr um den andersartigen Lebensentwurf, der uns durch seine bloße Möglichkeit den unseren streitig macht. Weil er sich als der überlegene erweisen könnte. Es geht um die Auseinandersetzung um den verfügbaren Lebensraum und seine Ressourcen.

Die tiefsitzende Angst vor dem Fremden ist eine Frucht der Evolution und alle naiven Vertreter von Multikulti sollten sich diese Wurzel vergegenwärtigen: Die Xenophobie als Reflex auf eine uralte Erfahrung in der Konkurrenz um Nahrung und Fortpflanzung, in der sich jede Lebensform bewähren muss oder verdrängt wird. Und sie pflanzt sich bis in den Clash of Cultures fort. Diese Angst zu überwinden bedarf größerer Anstrengung als die Vorstellung, es sei für alle und überall genug da und man könne doch hinter die Menu-Vorschläge des Lebens wahlfrei sein Häkchen machen. Die Botschaft „Wir kommen in Frieden“ haben wir uns nämlich selbst nie geglaubt. Deshalb glauben wir sie auch anderen nicht.

Die Anthologie INVASION gibt allen Auseinandersetzungen mit diesem Thema Raum, angefangen von der Viren-Invasion über die berechtigte Angst der Anderen vor uns bis hin zu den Begegnungen, die schließlich zur friedlichen Symbiose führen. Ich freue mich auf eure Beiträge! Folgende Geschichten stehen bereits zur Verfügung. Viel Spass beim Lesen:

500 PFUND KARTOFFELSALAT – Science-Fiction-Story von Werner Karl

DIE EROBERUNG – Science Fiction-Story von Carl Reiner Holdt

EWIGE – Fantasyroman von Barbara Wegener (Leseprobe)

INVASION – eine Kurzgeschichte von Yvonne Rheinganz

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Carl Reiner Holdt

Bildrechte: Coverillustration “Invasionsgeschichten1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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DIE MUTPROBE – Science Fiction-Story von Carl Reiner Holdt

Erstellt von Carl Reiner Holdt am 1. April 2012

DIE MUTPROBE

Science Fiction-Story

von

Carl Reiner Holdt

(Anm> Leseprobe aus “Gezeitenwechsel” diesmal nicht mit einem technischen Thema ;-) )

1355 Uhr. Marcella und Ragan sitzen in den letzten begehbaren Räumen des Lager-Komplexes fest. Jetzt ist auch klar, warum X’Rschins Truppen nicht stürmen. Sie warten auf Joris’ Befehl

(Anm.> Joris: Gegenspieler aus Marcellas Vergangenheit als Agentin des „Büros für Anschlussfragen“, er hat den beiden im Auftrag von Alien-Admiral X’Rschin eine Falle gestellt. Joris und Marcella sind dank biotechnischer Maßnahmen mehrere hundert Jahre alt).

Durch das Fenster sehen sie, wie es draußen dunkel wird. Ein Schatten legt sich über den Platz. Das typische Summen von MinusG-Feldern erfüllt die Luft. Die Panzer, die schon bis auf Sichtweite herangerückt sind, ziehen sich zurück wie Wüstenfüchse vom Kadaver beim Erscheinen des Löwen. Zwei Sprinter verdampfen gleich nach ihrem Abschuss. Der Störsender verstummt. Plötzlich knacken ihre Ohren.

„Jagdbomber eins-drei-eins-acht Hornisse unter den Fähnrichen der Hangarmannschaft eins-acht meldet sich zur Stelle! Kapitän eins-acht Ragan, sind Sie da unten? Wir sollen Sie und Lady Marcella de Brivio abholen. Befehl von Major Reuters.“

Marcella klappt der Unterkiefer herunter.

Auch Kapitän Ragan sieht aus, als hätte ihr jemand auf den Schwanz getreten.

(> Kapitän Ragan: Verbündetes Alien, > Major Reuters: Held der Geschichte, Gegenspieler von Admiral X’Rschin.)

Marcella und Ragan warten, bis das Beiboot der Hornisse genau vor ihrem Fenster steht. Dann springen sie durch die offene Luke hinein. Die Hornisse schwebt einen halben Kilometer über ihnen. Marcella schätzt, dass der Rumpf 800 Meter lang und 100 Meter breit ist. Das Beiboot steigt bis unter die Feldleitwerke. Dann fliegen sie wie ein Küken im Schutz seiner Mutter zum Stadtzentrum von Freiburg. Über dem alten Rathaus bleibt die Hornisse stehen. Das Beiboot steigt ab hinter die Martinskirche. Da warten schon eine Menge Menschen und R’rall. Sieht eher nach Evakuierung aus als nach Empfangskomitee. Kaum sind sie ausgestiegen, wird das Beiboot beladen.

1403 Uhr. Reuters im Smoking mit roter Schärpe und viel Lametta für den Festakt in Stuttgart. Er schließt Marcella in die Arme und küsst sie kurz. Sie lässt es verdutzt geschehen.

„Schnell, wir müssen uns beeilen! Du kannst dich nachher auf dem Flug nach Stuttgart umziehen. X’Rschin wird mordsmäßig sauer, wenn er merkt, dass sein kleiner perfider Plan gescheitert ist. Ragans Clan-Geschwister werden uns etwas Rückendeckung verschaffen, aber höchstens 20 Minuten.“ Dann zieht er sie hinter sich her in das Nebengebäude mit den Resten des Kreuzganges.
„Du hast von unserer Operation gewusst?!“

Ja klar. Ich erkläre dir ein andermal, woher. Das wäre jetzt zu kompliziert.“

Warum hast du nichts gesagt? Wir hätten draufgehen können!“ Marcella bleibt stehen und zwingt Reuters sie anzuschauen. Der schaut sich nervös um.

„Äh, du hast doch auch nichts gesagt. Außerdem kannst du sehr gut auf dich selbst aufpassen. Nur eure Rückendeckung war zu schwach. Da musste ich nachhelfen.“ Er will sie weiterziehen.

„Stopp, Herr von Reuters! Schön, dass wir uns jetzt Duzen, obwohl ich nicht mal deinen Vornamen kenne! Schön auch, dass alle Welt weiß, dass wir zusammen sind… außer mir natürlich! Aber Joris zum Beispiel.“ Sie ist nicht bereit, noch einen Schritt weiter zu gehen. Sieht ihn herausfordernd an. Er druckst verlegen.
„Tja, ich habe Berkenstein (> Doppelagent von X’Rschin) gesagt, dass wir heute heiraten. Im Vertrauen natürlich.“
„Du hast
was!?“ Marcella holt tief Luft. Gut, dass sie noch nicht ihr schulterfreies Abendkleid an hat. Er kommt ihr zuvor.

„Ja also, sieh es mal so: X’Rschin hatte auf jeden Fall eine Sauerei vor. Dann ist es besser man weiß vorher, an welcher Sauerei er arbeitet, als dass man sich überraschen lässt. Da kam der Streit zwischen Joris und dir gerade recht. Taktisch gesehen …“

„Taktisch gesehen … du machst mich zum Köder, taktisch gesehen …“ Marcella ist so wütend, wie seit 50 Jahren nicht mehr. „… Spielst den Loverboy, natürlich rein taktisch gesehen, und inszenierst eine Scharade von Hochzeit, um …“ ihr bleibt die Luft weg. Da fasst sie Reuters an beiden Schultern, schüttelt sei sanft und sieht ihr sehr ernst ins Gesicht.

„Was Joris angeht, hatte ich Vertrauen zu dir, dass du mit ihm fertig wirst. Außerdem wusste ich, dass Ragen das Talent hat, allen Einschlägen auszuweichen. Selbst ihre Entscheidung mit dem Sportflieger abzuhauen, war davon beeinflusst. Sonst hätte ich dein Leben niemals riskiert. Niemals!“

Woher weißt du …“

Schhht …“
Er legt ihr einen Finger auf den Mund. Beugt sich vor. Flüstert ihr seinen Namen ins Ohr. Zieht sie in seine Arme und küsst sie.

Marcella verliert den Boden unter den Füßen.

Nach einer schwindelerregenden Ewigkeit lösen sie sich voneinander. Sie ist noch etwas taumelig, als er sie schon weiterzieht.
„Und die Trauung ist auch keine Scharade. Komm, Pater Franziskus wartet auf uns!“ Jetzt muss sich Marcella setzen. Sie sind inzwischen in der Sakristei.

Wäre es nicht nett gewesen, mich zu fragen?“ , sagt sie schwach.

Äh, mache ich doch … gleich vor dem Altar!“ Sie sieht ihn mit großen Augen an. „Ich dachte, Menschen in unserer Position können eine Lebensentscheidung schon mal aus dem Stand treffen.“ Er wirkt selbst aber nicht lebensentscheidend selbstsicher.
„Das werde ich, Carl Christoph von Reuters, das werde ich! Jetzt lass uns vor den Altar treten, dass du meine Entscheidung hören kannst.“ Dann nimmt sie ihn bei der Hand und zieht ihn ins Kirchenschiff.

Die Kerzen auf dem Altar brennen. Davor warten zwei Messdiener und ein alter Priester. Die Messdiener fungieren als Trauzeugen.
„Kürzen Sie die Zeremonie bitte auf das Allernötigste, Hochwürden! Die Formalitäten erledigen wir später.“ Reuters stellt Marcella rechts neben sich. Sie will aber links von ihm stehen. Der erste stumme Ehekrach bahnt sich an. Schließlich gibt Reuters nach.
„Ja, äh, ist denn Ihre Zukünftige auch katholisch? Wissen Sie, es liegen noch keine Dokumente vor und …“

„Ich bitte Sie Hochwürden, Contessa de Brivio ist seit 700 Jahren katholisch! Wie ich gerade erfahre, haben unsere Feinde meine Desinformations-Kampagne überwunden und organisieren den Gegenangriff. Uns bleiben höchstens zehn Minuten!“
„Ja, wenn das so ist … die jungen Leute heutzutage … immer in Eile.“ Und dann beginnt die Trauung.

Marcella ist innerlich in Aufruhr. Weiß immer noch nicht, was sie tun wird. Bekommt kaum etwas von den Worten des alten Priesters mit. Sie hatte nie die Absicht, zu heiraten! Sie hat alle ihre Männer überlebt. Den letzten erst heute morgen: Joris. Oder sie musste sie zurücklassen. Der Aufbruch zu den Sternen hat etwas Endgültiges, selbst wenn man irgendwann wiederkommt. Die Zurückgebliebenen sind längst Staub.

Jetzt wird etwas von ihr erwartet. Der alte Priester schaut sie an. Christoph hängt mit bangem Blick an ihren Lippen. Sie zögert immer noch … dann begreift sie, dass auch er nicht nur eine Tradition hochhält. Er beginnt heute ein neues Leben. Und er kann nicht, er will es nicht ohne sie! Für ihn bedeutet das ein vorbehaltloses ja, vielleicht zum ersten Mal, und er verbindet es mit ihr, Marcella. So wahr ihm Gott helfe, Amen!

Das wäre zwar auch passend, ist aber die falsche Antwort. Sie erinnert sich gerade noch rechtzeitig.

„Carl Christoph von Reuters: Ja, ich will!“

Sofort ist alle Unsicherheit weggeblasen. Sie weiß, dass sie das Richtige getan hat. Besonders als sie sein Gesicht strahlen sieht.
Der Priester gebraucht noch eine Schlussformel.

„Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau. Sie können die Braut jetzt küssen!“

Statt sie zu küssen, wirft Christoph sich auf sie. Reißt auch den Priester zu Boden. Das Altarkreuz zerplatzt zu einem Funkenregen. Sie robben hinter den Altar. Die Messdiener verdrücken sich seitlich zwischen den Bänken.
„Ich hatte mir meine Hochzeit romantischer vorgestellt … mehr Kerzen und Freunde, weißt du? Weniger Schießereien …“ Marcella feuert mit ihrem Nadler auf X’Rschins Soldaten, die durch das Westportal eindringen.
„Wir holen das nach, versprochen!“ Reuters wendet sich an den Priester. „Bleiben Sie hier ruhig sitzen. Sie sind nicht hinter Ihnen her.“ Der Priester schaut ihn nur mit stummen Entsetzen an.

„Ich will eine richtige Hochzeitsparty!“
Marcella versucht die Schwachstellen der Panzerung zu treffen. Die Soldaten sind seltsam desorientiert. Einer fällt sogar über eine Kirchenbank. „Und ich will eine Hochzeitsnacht!
Bis dass der Tod euch scheidet hat er gesagt. Du musst dich also beeilen, Carl Christoph!“

Kriegst du alles. Noch heute!“ Dann schnappt er ihre Hand. Zerrt sie aus der Deckung. Rennt zur Sakristeitür. Marcella schreit.

Kein Lasergewitter stoppt sie. Sie rennen durch den Kreuzgang. Niemand hält sie auf. Sie springen in das wartende Beiboot. Weit und breit keine Verfolger.

1422 Uhr. Sie kommen durch die Schleuse in die Hornisse. Jubel brandet auf unter den dichtgedrängten, evakuierten Passagieren. Einer wirft sogar mit Reis.

Ende

Copyright (c) 2012 by Carl Reiner Holdt

Bildrechte: “Liebesgeschichten” (Liebesgeschichten.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Subcover-Liebesgeschichten-minus-100-minus-160-100.jpg” (Originaltitel: Liebesgeschichten.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Wie es weitergeht erfährt man hier:

Holdt, Carl Reiner
Gezeitenwechsel

Verlag :      Südwestbuch
ISBN :      978-3-942661-76-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,50 Eur[D] / 12,90 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 08.10.2011
Seiten/Umfang :      ca. 260 S. – 19,0 x 12,5 cm
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      31.12.2011
Gewicht :      260 g

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

„Der Himmel im Schwarzwald ist immer schwarz, kein städtisches Streulicht, nur Sterne. Normalerweise. Jetzt wurden die Sterne von einem runden Schatten gefressen, bis der ganze Himmel über Reuters’ Haus verschwunden war. Der Sieger war angekommen.“

Die Erde ist Zankapfel zweier galaxisweit konkurrierender politischer Systeme, der Liga und dem Kaiserreich der R’rall. Major a. D. von Reuters, Kampfpilot und Gentleman der alten Schule, hätte im Traum nicht gedacht, welche Dienste der Kavalleriesäbel seines Ur-Großvaters ihm noch leisten würde, als er zwischen die Fronten gerät. Er erobert im Duell mit einem R’rall -Admiral einen Ring, der als Insignie der Macht gilt. Mit diesem Ring, einer Truppe von Freischärlern und einer 320-jährigen Liga-Agentin schafft er das scheinbar Unmögliche: die Befreiung der Erde.

Lokalkolorit, packende Kampfszenen mit ausgefeilter Nano-Technik, erotische Begegnungen der dritten Art und eine erstaunliche Interpretation der Geschichte von Luther und Napoleon machen diesen Sci-Fi-Thriller zum faszinierenden Gesamtkunstwerk.

Carl Reiner Holdt wurde 1958 in Rom geboren. Nach dem Studium der Mathematik und Allchemie arbeitete er als Gärtner, Krankenpfleger, Erzieher und Lehrer. 20 Jahre verbrachte er im Kloster. Seit sieben Jahren ist er verheiratet und lebt heute in der Nähe von Tübingen.

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Buchrezension von Carl Reiner Holdt zu Werner Karls “Danger Zone – Science-Fiction Stories”

Erstellt von Detlef Hedderich am 1. März 2012

Werner Karl
Danger Zone – Science-Fiction Stories
Eine Hommage an The Twilight Zone®

(sfbentry)
Tredition, Erscheinungsdatum: 05.04.2011
Science Fiction
ISBN: 978-3-8424-0091-7
Bindung: Paperback
Seitenanzahl: 188
Titelbild von Crossvalley Smith “2 Million Lightyears from Home”
s/w-Illustrationen von Dennis Glies (1) und Antje Jürgens (2-5)

http://sfbasar.filmbesprechungen.de/fantasy/autorenportrat-werner-karl/
http://www.crossvalley-design.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Danger Zone ist eine Hommage an Twilight Zone®, einer Kult-Serie aus den 50er und 60er Jahren, noch bevor Klassifizierungen wie SCI-FI, Fantasy oder Phantastik üblich waren. Sie lief daher in Deutschland unter dem Titel „Unwahrscheinliche Geschichten“. Und das sind sie auch, die zwölf Stories von Werner Karl: Unwahrscheinliche Geschichten!
Ich habe mich keine Minute gelangweilt. Auch der Ausgang einer Story nahm für mich immer eine überraschende Wendung.

Danger Zone wird im Untertitel als eine Sammlung von Science Fiction Stories angekündigt. Das trifft nur bedingt zu, es handelt sich eher um Phantastische Literatur. Jede Zeit hat ihr eigenes Verhältnis zur Wissenschaft und zu den Verheißungen und Gefahren ihrer Technik. Darin zeigt sich eine gewisse Begrenzung des Genres SCI-FI, weil die tatsächliche Veränderung der Lebensumstände eher selten vorausgesehen und statt dessen nur der Ist-Zustand fortgeschrieben wird. So knüpft auch Danger Zone an das Technikbild der 60 Jahre an:  Lebewesen (ggf. auch exoterrestrische) vor Schaltpulten, „Geräte“ als erratische Blöcke in einem sonst eher psychologischen Handlungsgefüge. Dass Nano- und Gentechnik in naher Zukunft unter die Haut gehen und die Vernetzung von Mensch/ Mensch/ Maschine kurz bevor steht, wird nicht thematisiert. Oft wird überhaupt nicht auf Technik eingegangen. Sie erscheint in der Erzählperspektive vielmehr als Deus ex Machina. Manchmal zeigt sie sich sogar wie ein fremdes Artefakt in den Händen von Barbaren, wenn z.B. Strahl- und Distanzwaffen aus dramaturgischen Gründen lieber im massenhaften Nahkampf eingesetzt werden oder sogar nur als Ergänzung zum guten alten Schwert (Das Lied der Sirene, Die letzte Schlacht).

Kurz: Technik oder wissenschaftliche Spekulationen sind nicht die Themen des Autors. Das tut der psychologisch Relevanz seiner Stories keinerlei Abbruch! Vielmehr liegen para-psychische Fähigkeiten unter dem Stichwort „Mutanten“ in seinem Interesse: Die Geschichten sind bevölkert von Empathen mit besonderen Fähigkeiten (Zerrissene Herzen), Teleportern (Spring!), Gestaltwandlern (Das Lied der Sirene, Der perfekte Spion), der Fähigkeit, das Raumzeit-Kontinuum zu verbiegen (Das Krokodil) – was ich sonst nur aus Iljon Tychys „Sterntagebüchern“ kenne – und vor allem Gedankenlesern und -manipulatoren aller Art (Tage der Bestien, Das Krokodil, Das Lied der Sirene, 500 Pfund Kartoffelsalat).

Getreu der Devise von Dürrenmatt, eine Geschichte sei erst dann aus-erzählt, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen habe, befinden sich die Protagonisten mit wenigen Ausnahmen (Die Blase, Zerrissene Herzen, Zurück auf Anfang) kurz vor eben dieser Wendung. Ob sie ihre Lage einem fundamentalen Missverständnis zwischen Aliens verdanken, selbst dafür verantwortlich oder Opfer einer lieblosen, grausamen und manipulatorischen Mitwelt sind, sei der Neugier und Entdecker-Freude des Lesers überlassen.

Die Geschichten sind stilsicher geschrieben und gut lesbar mit solide aufgebauten Spannungsbögen. Einzig einer Story (Spring!) merkt man die mehrjährige Schaffenspause des Autors aufgrund unnötiger Partizipial-Konstruktionen und verschachtelter Sätze an. Kleinigkeiten, die ein gutes Lektorat beseitigen kann.

Insgesamt kann ich sagen: sehr gerne gelesen!

Copyright © 2012 by Carl Reiner Holdt

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Titel ist auch als Ebook erhältlich

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Buchrezension von Werner Karl zu Carl Reiner Holdts “Gezeitenwechsel”

Erstellt von Detlef Hedderich am 19. Februar 2012

Carl Reiner Holdt
Gezeitenwechsel

Südwestbuch, Stuttgart
1. Auflage 2011
ISBN 978-3-942661-76-8
Science-Fiction
Taschenbuch, 259 Seiten
Titelfotos: James Thew
Titelgestaltung: Julia Karl

www.swb-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Über den Autor:

Carl Reiner Holdt wurde 1958 in Rom geboren. Nach dem Studium der Mathematik und Allchemie arbeitete er als Gärtner, Krankenpfleger, Erzieher und Lehrer. 20 Jahre verbrachte er im Kloster. Seit sieben Jahren ist er verheiratet und lebt heute in der Nähe von Tübingen.

Klappentext:

„Der Himmel im Schwarzwald ist immer schwarz, kein städtisches Streulicht, nur Sterne. Normalerweise. Jetzt wurden die Sterne von einem runden Schatten gefressen, bis der ganze Himmel über Reuters’ Haus verschwunden war. Der Sieger war angekommen.“ Die Erde ist Zankapfel zweier galaxisweit konkurrierender politischer Systeme, der Liga und dem Kaiserreich der R’rall. Major a. D. von Reuters, Kampfpilot und Gentleman der alten Schule, hätte im Traum nicht gedacht, welche Dienste der Kavalleriesäbel seines Ur-Großvaters ihm noch leisten würde, als er zwischen die Fronten gerät. Er erobert im Duell mit einem R’rall -Admiral einen Ring, der als Insignie der Macht gilt. Mit diesem Ring, einer Truppe von Freischärlern und einer 320-jährigen Liga-Agentin schafft er das scheinbar Unmögliche: die Befreiung der Erde. Lokalkolorit, packende Kampfszenen mit ausgefeilter Nano-Technik, erotische Begegnungen der dritten Art und eine erstaunliche Interpretation der Geschichte von Luther und Napoleon machen diesen Sci-Fi-Thriller zum faszinierenden Gesamtkunstwerk.

Vorbemerkung:

Eine Rezension zu schreiben, scheint für Außenstehende eine einfache Sache zu sein: Du bekommst ein Buch, liest es und gibst deine Meinung dazu ab. Punkt. Fertig. Das Internet ist voll von solchen Stellungnahmen. Die Anzahl dürfte bei den großen Buchverkaufsplattformen Legion sein. Wenn man ein Genre, einen Autor oder einen Plot nicht mag, wird aus der Rezi schnell ein Verriss und das oft genug zurecht. Und den Verlagen ist ein Verriss sogar noch lieber, als wenn das Buch gar nicht besprochen wird.

Aber was tun, wenn der Plot an sich gut ist, der Autor nett, ja sogar freundschaftlich mit dem Rezensenten verbunden ist? Tut man ihm einen Gefallen, wenn man seinen Text lobt? Noch schlimmer: Wenn der Rezensent selbst schreibt und auch für sich selbst längst nicht in Anspruch nimmt, besser oder gar perfekt zu sein? Gilt hier nicht der Spruch: „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“?

Oder ist es für beide – Autor und Rezensent – nicht ehrlicher, wenn man bei den Fakten bleibt und beide(!) daraus lernen und beim nächsten Roman besser, schlichtweg professioneller werden? Ich weiß, dass man es nicht allen Menschen recht machen kann und ich ohnehin schon den Ruf der Korinthe, des Oberlehrers und vielleicht sogar eines Meckerers weghabe. Aber ich kann nicht anders.

Zum Buch:

Ich will hier jetzt nicht noch einmal die Geschichte skizzieren, dafür genügt der Klappentext völlig. Jedes weitere Wort würde einem Käufer den Spaß verderben. Denn Lesespaß hat mir die Story tatsächlich bereitet. Der Grundplot ist gut, ja sogar außergewöhnlich: Zwei Alien-Rassen streiten sich um die Erde. Zumindest fällt mir auf Anhieb kein Roman ein, wo ich diese Idee schon mal gelesen hätte. Und viele kleine Ideen fand ich schlichtweg super, manchmal sogar witzig, z. B. die katzenähnlichen R´rall-Soldaten sind alle weiblich, haben vier Zitzen/Brüste und tragen bei passender Gelegenheit auch schon mal High Heels, welche perfekter zu ihrer Anatomie passen, als die gleichen Qualtreter für Menschenfrauen.

Auch das Lokalkolorit ist ein nettes Bonbon, aber nicht unbedingt für das Funktionieren der Story notwendig. Die Querverweise auf geschichtliche Verstrickungen treffen ohnehin eines meiner Lieblings-Untergenre und die Anklänge von Military-SF sowieso.

Was „Gezeitenwechsel“ aber von einem sehr guten Roman trennt, ist zuallererst einmal das mangelnde Lektorat. OK, es wird in unserer schnelllebigen Zeit immer schwieriger, einen wirklich fehlerfreien Text zu erstellen. Aber genau dafür ist das Lektorat eben da; vor allem wenn noch betont wird, dass auch ein Korrektorat stattgefunden haben soll. Hier im Klappentext noch von einem „faszinierenden Gesamtkunstwerk“ zu schwadronieren, tut dem Text unrecht und leistet dem Autor einen Bärendienst, weil völlig überhöht und sicher nicht auf Bestreben des Autors so formuliert. Würde ein Verlag ähnliche Übertreibungen bei einem meiner Texte vorschlagen, würde ich sicher auf die Barrikaden gehen und für die Streichung solcher Wörter kämpfen.

Was man dem Autor als Einziges vorwerfen kann, ist schlichtweg, dass er seine tolle Idee so gerafft (magere 250 Seiten) erzählt. Holdt nutzt seine eigenen guten Einfälle nicht und nach der dritten oder vierten verpufften Chance fällt es immer mehr auf. An vielen Stellen ist er sprunghaft, nutzt an sich fesselnde Geschehnisse nicht, um sie auszuleben, den Leser mitzureißen, echte Gefühle zu zeigen und diese im Idealfall beim Leser zu wecken. Leider fehlt ihm die Fähigkeit, aus der packenden Geschichte eben auch einen packenden Text zu machen. Sicher ist „Gezeitenwechsel“ kein Liebesroman, aber die distanzierte Kühle der Erzählweise lässt es nicht zu, sich als Leser mit dem Protagonisten zu identifizieren, mit ihm zu kämpfen, zu sterben und … upps, beinahe was verraten.

Dramatische Ereignisse werden in zwei Sätzen abgehandelt, beinahe schon, als wäre es ihm peinlich, die Schrecken von Kampfhandlungen beim Namen zu nennen. Faszinierende, weil außerirdische Waffen müssen doch auch ihre überlegene Funktionalität zeigen dürfen. Natürlich verlangt niemand nach der detaillierten Beschreibung offenliegender Gedärme, aber kein einziger Protagonist ist geschockt, erschüttert, zeigt Anteilnahme, Verzweiflung. Ständig tauchte beim Lesen in mir das Bild von Bruce Darnell von DSDS auf, der die Hände in die Luft wirft und „Gefuhle! Gefuhle!“ ruft.

Fazit:

Hätte Holdt ein Lektorat nutzen können, dass diese Bezeichnung verdient, wäre „Gezeitenwechsel“ ein wirklich guter Roman geworden, hätte eine Länge von locker 550 oder 650 Seiten erreicht, ohne eine einzige Seite langweilig geworden zu sein. Auch der beabsichtigte Schwenk von Teil 1 aus der Stilform einfache Vergangenheit (Präteritum) in die einfache Gegenwart (Präsens) bei den Teilen 2 und 3 verwirrt mehr, als das es dem Lesefluss oder der Handlung wirklich nützt. Aber vielleicht musste sich hier der Titel niederschlagen; gebraucht hätte es das nicht.

Alles in allem zeigt mir doch dieses vorliegende Beispiel, wie wichtig ein zweites, drittes oder viertes Augenpaar ist, das einem Autor zur Seite steht. Einem guten Lektorat wären all die o. g. Punkte mit gnadenloser Sicherheit aufgefallen und der Autor hätte eine Chance erhalten, aus seiner guten Idee ein Hammerbuch zu machen. Und wenn das Ziel beim fünften Überarbeiten eben noch nicht erreicht wurde, dann eben beim sechsten oder siebten Mal.

Und es macht mir höllische Angst, dass es mir mit meinen Texten genauso gehen könnte. Ich wünsche mir Freunde, Kollegen, Lektoren und Agenten, die mir helfen, meine Fehler auszumerzen. Denn ich mache sie ganz sicher auch. Ich hoffe nur, das es immer weniger werden. Und Carl: ich würde mich freuen, wenn du einer dieser Freunde bist.

Ein Verriss? Nein, von meiner Seite aus nicht. Für das (schwache) Lektorat kann der Autor nichts, die Story ist wirklich gut und insgesamt hat sie mir gefallen. Kritik? Ja, und zwar eine ehrlich gemeinte. Ich kann das Buch Hardcore-SF-Fans durchaus empfehlen. Und ich werde auch weitere Titel des Autors lesen und sehen, wie er sich entwickelt.

Copyright © 2012 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR MIT PERSÖNLICHER WIDMUNG DES AUTORS (!): Holdt, Carl Reiner – Gezeitenwechsel.

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Holdt, Carl Reiner – Autorenporträt

Erstellt von Carl Reiner Holdt am 19. Februar 2012

Carl Reiner ist nicht mein richtiger Name. Ich habe im Kloster schon Lyrik veröffentlicht und wollte nicht, dass sich meine Mitbrüder oder die Gäste mehr Gedanken darüber machten, wer denn die Dulzinea aus diesem oder jenen Liebesgedicht in Wirklichkeit sei, als sich auf das Gedicht einzulassen.

Als ich dann nach 20 Jahren aus dem Kloster austrat und heiratetet, habe ich aufgehört, Gedichte zu schreiben – ob da ein Zusammenhang besteht?

Jedenfalls habe ich den Kindskopf und Jule-Verne-Fan in mir die Zügel schießen lassen und einen Teil der vielen Ideen, die ich zu SCI-FI im Laufe der Jahrzehnte angesammelt hatte, zügig auf’s Papier gebracht.
Das Ergebnis hat mich selbst überrascht.
Der bisherige Verlauf der Veröffentlichung auch.

Ja, und jetzt bin ich hier und freue mich auf euch und wer weiß, vielleicht kann ich etwas von der Erfahrung aus den Lyrik-Foren mit einbringen?

Den Rest meiner Biographie könnt ihr ja unter meiner Buchveröffentlichung nachlesen…

Buchrezension von Werner Karl zu Carl Reiner Holdts “Gezeitenwechsel”
PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR MIT PERSÖNLICHER WIDMUNG DES AUTORS (!): Holdt, Carl Reiner – Gezeitenwechsel.
DIE EROBERUNG – Science Fiction-Story von Carl Reiner Holdt

Grüße, Carl

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PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR MIT PERSÖNLICHER WIDMUNG DES AUTORS (!): Holdt, Carl Reiner – Gezeitenwechsel.

Erstellt von Detlef Hedderich am 4. Februar 2012

Holdt, Carl Reiner
Gezeitenwechsel

Verlag :      Südwestbuch
ISBN :      978-3-942661-76-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,50 Eur[D] / 12,90 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 08.10.2011
Seiten/Umfang :      ca. 260 S. – 19,0 x 12,5 cm
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      31.12.2011
Gewicht :      260 g

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Titel bei Booklooker.de
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„Der Himmel im Schwarzwald ist immer schwarz, kein städtisches Streulicht, nur Sterne. Normalerweise. Jetzt wurden die Sterne von einem runden Schatten gefressen, bis der ganze Himmel über Reuters’ Haus verschwunden war. Der Sieger war angekommen.“

Die Erde ist Zankapfel zweier galaxisweit konkurrierender politischer Systeme, der Liga und dem Kaiserreich der R’rall. Major a. D. von Reuters, Kampfpilot und Gentleman der alten Schule, hätte im Traum nicht gedacht, welche Dienste der Kavalleriesäbel seines Ur-Großvaters ihm noch leisten würde, als er zwischen die Fronten gerät. Er erobert im Duell mit einem R’rall -Admiral einen Ring, der als Insignie der Macht gilt. Mit diesem Ring, einer Truppe von Freischärlern und einer 320-jährigen Liga-Agentin schafft er das scheinbar Unmögliche: die Befreiung der Erde.

Lokalkolorit, packende Kampfszenen mit ausgefeilter Nano-Technik, erotische Begegnungen der dritten Art und eine erstaunliche Interpretation der Geschichte von Luther und Napoleon machen diesen Sci-Fi-Thriller zum faszinierenden Gesamtkunstwerk.

Carl Reiner Holdt wurde 1958 in Rom geboren. Nach dem Studium der Mathematik und Allchemie arbeitete er als Gärtner, Krankenpfleger, Erzieher und Lehrer. 20 Jahre verbrachte er im Kloster. Seit sieben Jahren ist er verheiratet und lebt heute in der Nähe von Tübingen.

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Preisrätsel 3 x 1 Exemplar mit persönlicher Widmung des Autors (!): Wer ein Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Die Erde ist Zankapfel zweier galaxisweit konkurrierender politischer Systeme, welcher? (Antwort darauf findet sich auf unserer Homepage!) Sobald 300 richtige Mails eingetroffen sind, werden die Gewinner daraus gezogen und an den Autor weitergeleitet, der dann mit den Gewinnern die Widmungen bespricht und die Zusendung der Titel abspricht! Wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen!

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Die Gewinner lauten: Nadin Heil, Lars Baumert und Michael Hildebrand. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND DEM AUTOR FÜR SEINE MÜHEN! LIEBE GEWINNER SCHREIBT DOCH BITTE EINEN KURZEN KOMMENTAR WENN EURE GEWINNTITEL ANGEKOMMEN SIND, DA GEWINNTITEL MIT WIDMUNG JA SCHON WAS BESONDERES SIND, VIELEN DANK SCHON MAL DAFÜR!

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DIE EROBERUNG – Science Fiction-Story von Carl Reiner Holdt

Erstellt von Detlef Hedderich am 31. Januar 2012

DIE EROBERUNG

Science Fiction-Story

von

Carl Reiner Holdt

Kapitän X’Ragan und der Todesstern, Abschnitt 3.1:

“Kapitän Eins-acht an Staffel: Statusbericht!”

Das virtuelle Display flackert. Der Reaktor fährt hoch. Zündung der Vakuum-Energie-Konverter. Sicherheits-Abstand zum Trägerschiff erreicht. Schilde bauen sich auf. Schub auf Maximum. Alle Waffensysteme klar. Standby der Staffel kommt. Die roten Lichter erlöschen nach und nach. Der erste kritische Moment nach dem Sprung ist geschafft!

Ein Angriff bei Lichtgeschwindigkeit dauert nur wenige Sekunden. Wenn du ihn registrierst, hast du ihn schon überlebt. Oder es hat keinen Angriff gegeben. So wie jetzt.

Unmittelbar nach dem Sprung funktioniert keine Nanotronik. Deshalb stecken die X’ingu-Jagdbomber in ihren Schächten wie Pfeile in einem Blasrohr. Der Auswurf für die erste Welle ist pneumatisch. Bis die Systeme rebooten sind Trägerschiff und X’ingu nackt. Deine Übelkeit legt sich langsam.

Also jetzt der zweite kritische Punkt: Wo steht der Feind? Verdammt, wie lange dauert das! Langsam baut sich via Feuerleitzentrale des X’ingu-Trägers ein Bild auf.

Abfangjäger der Liga, hauptsächlich Smart-Klasse! Eine dichte Wand steht zwei Lichtminuten prograd. Dann müssen die X’ingu von der Steuerbordseite schon Vollkontakt haben. Eine Smart ist klein, wendig und schnell wie eine Sand-Echse. Aha, dort gibt es erste Verluste auf beiden Seiten. Aber in deinem Raumsektor ist weit und breit nichts zu sehen. Merkwürdiger Aufmarsch…

Da kommen die neuen Kursvektoren vom Flaggschiff: ausweichen, weiter retrograd, Vollschub. Wir liegen schon vor Sprung bei 99% Licht ins System rein. Können mit dieser Vorlage die Smarties fürs erste abhängen. Aber wo beim Xi haben die bloß ihren Stützpunkt?

Die nächsten zwei-acht Minuten passiert nichts. Ist normal. Erst geht alles blitzschnell und dann passiert nichts. Oder umgekehrt. Dazu kommt die Relativität der Gleichzeitigkeit. Was auf einem andern Teil des Schlachtfeldes passiert, ist je nach Bewegungs-Zustand für die einen schon Vergangenheit und für die andern noch Zukunft. Das taktische Display zeigt alle möglichen Bahnen eines Gegners nach Bordzeit. Die ergeben zusammen einen Trichter, der sich um so mehr öffnet, je weiter man vorausrechnet. Welche Kurve ist unter diesen Bedingungen die richtige? Das bleibt allein deiner Intuition als Pilot überlassen…

Die Smarties bummeln hinter uns her. Das ist nicht normal… da stimmt was nicht! Die Entscheidung vom Admiral ist falsch, sagt dir dein Gefühl… Wir haben schon 77 Millionen Meilen Vorsprung vor dem Haupt-Konvoi…. Noch mal die Aufklärungsdaten von System XQB125 prüfen.

“Kapitän Eins-acht an Staffel: Base-Line für Fernaufklärung schalten! Da muss es einen Asteroiden ca. 16 Lichtminuten auf  -23,5° spin, +1° top geben. Den checken wir mal!”

Und da schält sich der Asteroid auch schon aus dem statischen Rauschen. Der Stützpunkt der Smarties.

“Heiliges Xi!” Dein Flügelmann Leutnant Vorkennan’xi trifft es auf den Punkt. Als die einlaufenden Daten das Bild weiter differenzieren, erscheinen auch die Abfangjäger. Es sind Tausende. Aber damit hast du schon gerechnet, das ist noch nicht die Arsch-Karte.

“Kapitän Eins-acht an Flaggschiff. Wir haben ein Problem. Kampfstation auf (+1,6431|-22,147|+1,823) Bordzeit-Polar. Daten kommen jetzt…”

Der Wachhabende über die Bug-Hangars unterbricht sein Lieblings-Holo: Kapitän X’Ragan und der Todesstern. Das Holo ist noch keinen Umlauf alt und basiert auf nackten Tatsachen! Kein Scheiß! Der Wachhabende war selbst dabei, in der Gefechts-Leitzentrale. Alle waren sie dabei – die 8. Flotte ist Teil der Großoffensive zur Front-Begradigung in diesem abgelegenen Arm der Galaxis. Sie waren gerade ins System XQB125 um es der Liga abzujagen , die sich diesen Hinterwäldler-Stern kürzlich unter die Klauen gerissen hatte.

Auf dem X’ingu-Träger Jagd-Clan ist Nachtschicht. Der erste ruhige Achttag seit Aufhebung der Alarmstufe Bodenkontakt. Vorhin dröhnten noch dumpfe Schläge durch Dock 7, als der reguläre Truppen-Transporter vom eroberten Planeten anlegte.

Seitdem wird auf Deck zwei-fünf wieder mal eine Herde W’nabu durch die Freizeit-Center der 6. Division getrieben. Sonst liegt das riesige Schiff völlig still und umkreist den Planeten in fünf-acht-acht Meilen Höhe. Es ist so groß, dass man es nur um seine Querachse drehen muss, damit das Heck über den Boden schrappt.

Keinerlei Abweichungen von den Ablaufprotokollen.

Er wendet sich wieder seinem Holo zu. Die ganze 8. Flotte war direkt in die Arme einer Kampfstation vom Typ Gigant geflogen. Irgendein Idiot auf der Brücke hat die Daten falsch gedeutet.

Die Soldaten der Liga haben zwar keine Unze Xi in den Knochen, aber Kanonen können sie bauen! In diesem Fall sind es 688 PW Neutron-Woofer mit einer Kohärenzlänge von unglaublichen zwei Lichtstunden. Wer den Weg eines der verschränkten Neutronen-Pakete kreuzt und die Wellenfunktion kollabieren lässt, von dem bleibt nur poröser Schrott. Wenn dann noch die Nullpunkt-Felder der Konverter asymmetrisch zusammenbrechen, gibt es ein nettes Feuerwerk gratis.

Aber es gibt keinen Schutz dagegen! Man kann nicht mal wenden, wenn man ein Prozent unter der Lichtgeschwindigkeit zum Zielobjekt liegt. Die einzige Chance sind Ausweich-Manöver nach dem Zufallsprinzip. Trotzdem haben sie schon zwei schwere Kreuzer der SprungKlasse und einen Träger der ClanKlasse verloren. Vier-acht-hoch-fünf Soldaten! Von dem Materialverlust nicht zu reden.

Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Die Verstrebungen der Schiffe auch, durch die Ausweich-Manöver. Vor sich noch eine Stunde Acht verliert! Dann erst sind sie außer Reichweite… das reinste Hoppvogel-Schießen.

Ein Riese kann mit seinen Fäusten keinen Hoppvogel-Schwarm abklatschen. Deshalb hat die Kampfstation eine gigantische Raumabwehr. Und die Abfang-Jäger sind gut. Das muss ihnen der Wachhabende lassen, jetzt, wo er ihre Taktik aus seinem sichern und bequemen Sessel beurteilen kann. Aber damals hat er sich die Hose vollgepisst. Er schämt sich deswegen, aber nur wenig. Wie sich herausstellte, war er nicht der einzige…

Der Admiral wirft alle X’ingu der Flotte gegen die Abwehr. 7788 Jäger sind im Einsatz. Zwecklos. Sie haben großartige Abschuss-Raten, aber sie kommen einfach nicht durch. Keine Schuss-Distanz zum Todesstern. Und ständig laufen neue Verlustmeldungen ein…

Sperrfeuer! Die Hülle bruzelt unter einem Streifschuss. Supraleitung auf Feld-Leitwerk X3/X4 bricht zusammen! EM-Schilde auf 78%! Der Ionen-Sturm zerknistert die Funkverbindungen. Nur die Schwerkraft-Sensoren liefern noch Bilder. Kompensator 6 springt an. Uff … zum Glück kein größerer Schaden. Dein linker Flügelmann hat weniger Glück… ach, X’arran’chi… machs gut, Alter… du ballst deine vier Finger zur Faust als letzten Gruß…

“Kapitän Eins-acht an Staffel vier-eins bis fünf-acht…” und wer von euch noch übrig ist: “Angriff auf den Vektoren A17, 18 und 19! Daten kommen jetzt…” Verdammt! Du musst so viele reinwerfen, sonst merken sie, dass es ein Ablenkungsmanöver ist!

“Eins-acht an drei-eins bis vier-acht: Ihr gebt ihnen Feuerschutz! Partikel-Beschuss und Cluster-Bomben auf Sektor M3 und M4 legen. Dann verzögern, prograd versetzt. Bei Ausfällen sofort aufschließen. Daten kommen jetzt…” Das ist massiv genug. Hoffentlich bleiben dir noch welche für den eigentlichen Durchstoß.

“Staffel sechs-eins bis acht-acht: Feind auf Vektor A20 abfangen! Daten kommen jetzt…” Damit haben sie sogar eine kleine Chance… du kannst deine Jungs nicht einfach verheizen. Jetzt zu dir selbst:

“Staffel eins-eins bis zwei-acht…” Bei allen Krokodilen, wir sind bloß noch acht!”… wir bleiben zurück, täuschen B2 an, und brechen auf Vektor B3 durch! Daten kommen jetzt…”Da ist die dickste Suppe, beim Xi, ich weiß!”Macht’s gut Jungs! War mir eine Ehre mit euch zu fliegen!”

Dann die Erlösung!

“Staffel eins-acht ist time-out! Heiliges Xi, das gibt’s nicht! Staffel eins-acht ist time-out! TIMEOUT!!”

Ein unbeschreiblicher Jubel lässt die Jagd-Clan nach dieser Durchsage erzittern. Die Reste der Staffel, die Sand-Echse, die Zahn, die Fangschuss, die Sturzflug sind aus dem Ereignis-Horizont der Abwehr gekippt! Das heißt in der Sprache der Flieger: Hi, ich bin dir davon geflogen! Du kannst nichts mehr machen…

Das Gespür für die richtige Flugbahn… der Wachhabende ist bei der Prüfung durchgefallen. Aus der Traum vom Fliegen. Jetzt sitzt er hier und managt die Hangars. Aber Kapitän Eins-acht hat es drauf! Hat das einzige Fenster gefunden, das die Abwehr übersehen hat. Um das zu bestätigen, brauchen die Groß-Computer nachträglich eine halbe Stunde Rechenzeit. Einfach unglaublich!

Dann geht alles ganz schnell…

Bevor der Wachhabende dazu kommt, sich die Erlebnisse von Kapitän X’Ragan weiter über sein Neuro-Link in die Großhirnrinde schießen zu lassen, blinkt eine Meldung auf seinem inneren Display auf. Der Zentral-Computer stellt Codes routinemäßig durch, wenn sie nicht zum Standard-Protokoll gehören.

Mit den Zugangs-Berechtigungen ist alles in Ordnung. Trotzdem traut er seinen Augen nicht. In Hangar 6 wird eine X’ingu gefechtsklar gemacht! Es ist die Sand-Echse. Er checkt die Mannschafts-Listen. Mit dem letzten Transporter sind zwei Fähnriche hoch gekommen.

“Eins-drei-eins-acht Sand-Echse, hier ist der WO, Identifizierung nach Protokoll P3. He, was geht ab bei euch? Ich dachte ihr seid alle unten bei der Fete!? Eins-drei-eins-acht kommen!”

“Hier eins-drei-eins-acht Sand-Echse. Erster Fähnrich der Hangar-Mannschaft eins-acht meldet sich zur Stelle! P3-Code kommt… Was wir hier machen?? Unseren sauer verdienten Freigang verplempern natürlich! Kapitän eins-acht X’Ragan ist unten im Hauptquartier geblieben.”

“Ihr macht gerade eine X’ingu scharf! Für einen Bodeneinsatz! Hallo!? Wenn ihr dort unten bloß falsch einparkt, ist der halbe Planet hin.”

“Kann ich vielleicht was für den Blödsinn, den sich die Bonzen für ihre Partys ausdenken, du Sessel-Furzer? Du hast die Order gelesen. Vielleicht braucht der Admiral noch was zum Nachwischen. Frag ihn doch selber, wozu er unten eine X’ingu will!”

Der WO seufzt. Für diese Bemerkung kann er dem Fähnrich ein Disziplinar-Verfahren anhängen. Für jeden anderen das Karriere-Aus. Aber er weiß, was in diesem Fall dabei rauskommt. Eine Extra-Schicht und Schluss. Nicht mal ein Eintrag in die Akte. Dafür kann sich der WO über den originellen Zunamen Sessel-Furzer freuen, und zwar den Rest seines Lebens. Wo er den wohl her hat? Flieger können sich alles erlauben! Aber er ist nicht wirklich sauer. Flieger retten ihnen immer wieder das Fell. Unter hohem Blutzoll. Sie haben so wenige. Und er hängt an seinem Fell.

“Du, sei vorsichtig Bürschchen! Das gibt noch eine Abreibung…“, grollt er und bleckt die Fangzähne. Dann denkt er darüber nach: Man teilt keinen kostbaren Lebensraum. Eine eroberte Bevölkerung dezimiert man standardmäßig über den versorgungstechnischen Kollaps. Was passiert mit großen Metropolen, wenn man Wasser und Energie kappt? Genau! … Den Rest besorgen Plünderungen, Seuchen, der ganze Domino-Effekt eben. Zugegeben, hier ist die Kultur primitiv genug, dass man sie so nicht destabilisieren kann. Man wird nachhelfen müssen. Aber eine X’ingu? Nein, hier geht es um Clan-Politik. Irgendwer will ein möglichst großes Stück vom Kuchen und zeigt Präsenz. Hoffentlich nur Imponiergehabe!

„Ist doch Blödsinn, das mit dem Nachwischen! So was machen unsere Gen-Techniker… Ich werde eure Order auf jeden Fall überprüfen. WO Ende.”

“Mach das. Hoffentlich ist sie falsch! Dann schaff ich’s vielleicht noch ins Finale der Championship für Pioniere. Und was die Abreibung angeht: jederzeit! Eins-drei-eins-acht Sand-Echse Ende.”

Der WO gibt die Startfreigabe an die Raumüberwachung durch und sieht dem Start der Sand-Echse über die Außenkameras zu.

Elegant kippt das 788-Ellen lange Schiff ab und stürzt zum Planeten. Stromlinien-förmig, obwohl es nicht für die Atmosphäre gebaut ist. Aber was innerhalb des Sternsystems wie Vakuum aussieht, hat im Kampf bei Lichtgeschwindigkeit die Eigenschaft eines Sandstrahl-Gebläses. Wenn ein Staubkorn die Aufschlagswucht einer Pistolen-Kugel entfaltet, müssen die Disruptor-Schilde entsprechend stark sein. Sie zerlegen Materie in Kernbausteine und die elektro-magnetischen Schilde leiten das Plasma großräumig ums Schiff. Den Rest besorgen die Quaddrupol-Schwerefelder. Brocken bis zur Größe eines Hauses werden vorher von Laser-Batterien in Millisekunden pulverisiert. Wer braucht da noch Angriffs-Waffen? Allein die passive Abwehr kann dort unten ganze Städte einäschern. Nicht, dass es schade darum wäre! Alles Stahlbeton. Der WO stößt ein verächtliches Schnauben aus.

Sie überfliegen gerade einen Ozean, unendliches Blau unter einem einzigen weißen Wolken-Strudel. Hinter dem Horizont-Bogen taucht ein brauner Kontinent in Form eines Schulter-Blattes auf: endlose gelbe Steppen mit weiß behauchten Bergen, grüne Regenwälder an riesigen Strömen mit seltsamen Tieren, Sand-Echsen, aber im Wasser lebend und mit vier statt sechs Beinen, Herden von langbeinigen, gelb-braun-gefleckten W’nabus, aber mit zehn Ellen langen Hälsen, und Kolosse auf vier Säulen mit zwei Schwänzen, einen vorne und einen hinten. Der WO hat alle Berichte gesehen: das perfekte Homeland.

Open Range Burgen zu bauen, einen Jagd-Clan zu gründen und Kinder großzuziehen! Neidisch sieht der WO die Sand-Echse kleiner werden und im Blau-Weiß des Planeten verschwinden.

Dann seufzt er wieder. Die Dienstvorschrift ist eindeutig. Alle Vorkommnisse außerhalb des Standard-Protokolls sind zu melden. Er überlegt, was schlimmer ist. Seinen Vorgesetzten zu wecken? Oder ihn aus dem illegalen Endkampf um die Meisterschaft der Pioniere zu holen?

Deshalb entscheidet er sich gegen den direkten Ruf und für eine Memo der Dringlichkeits-Stufe zwei. Damit hat er das Problem vom Hals. Die Clans und ihre Intrigen! Wir halten auch nur unter äußerem Druck zusammen… wie jetzt gegen die Liga denkt er und wendet sich wieder seinem Holo zu.

Durch! Du bist durch! Durch!!

Das Prasseln und Jaulen hat schlagartig aufgehört. Hinter dir verschiebt sich das Universum mit deinen Verfolgern ins unendliche Rot. Jetzt können sie deinen Hintern nicht mehr heiß schießen… Dafür fällt dir die Kampfstation mit 99,999% der Lichtgeschwindigkeit entgegen. Und dazwischen liegt: nichts! Der Weg ist frei!

“Eins-acht an Staffel eins-eins bis zwei-acht: Status!”

Beim Alten Drachen! Wir seid nur noch vier! Und gleich ist es mit der himmlischen Ruhe vorbei.

“Eins-acht, Achtung: Sperrfeuer der Boden-Abwehr in Minus 78 Sekunden. Fangschuss-Distanz bei Minus 284. Torpedos klarmachen!”

Minus 178. Zufallsgenerierte Ausweichmanöver bei 100%. Noch knallt das Meiste an dir vorbei….

Minus 121. Partikeleinschläge in Y2/Y3. Front-EM auf praktisch Null deformiert. Disrupter bei 110%. Schwerkraft-Kompensatoren überlastet. Du wirst in deinem Sitz umher geschleudert wie eine Puppe…

Minus 75. Volltreffer! Die zwei-vier Zahn verschwindet vom Schirm.

Minus 24.     ”knister…eins-fünf Stur… krietsch …in getroffen… kratsch … Schleichflug… knister…” Aus. Die Sturzflug muss aufgeben.

Minus 15. Feuerleitsequenz: ein. Rohre 1-4: je zwei Grätenbrecher. Gefechtsköpfe: scharf…

Minus 8… 7… Treffer auf  Y3: EM bricht zusammen… 5… 4… heftige Erschütterungen. Gleich verlierst du das Bewusstsein… 2… 1… Feuer! Die Abschüsse dröhnen durchs Schiff.

Plus 2. Abdrehen! Vollschub antispin…

Plus 11. Auf  Schleichflug gehen. Alle Systeme Not-aus. Chemische Motoren verwischen Geschwindigkeits-Vektoren. Feind kann nicht extrapolieren. Nur passive Raum-Ortung läuft…

Einschlag der Grätenbrecher bei plus 214 Sekunden.

Plus 25. Diese Ruhe… himmlisch… ob Vorkennan’xi es geschafft hat?

Ja! Ja! Es gibt zwei-acht Kennungen. Er hat seine Grätenbrecher auch abgeschossen. Leider ist jetzt Funkstille, wegen Feind-Ortung.

Plus 78. Ein Blip nach dem andern verschwindet vom Schirm… 11… 10… Mann, ist die Bodenabwehr gut! Die Grätenbrecher legen nämlich noch drei 9er zu. Fliegen Ausweichmanöver jenseits der Materialfestigkeit! Werden praktisch nur von ihren Feldern zusammen gehalten… aber einer reicht! Ein Torpedo! Zehn Tonnen Anti-Materie reichen…

Plus 156. Noch sieben Blips… Da! Das Flag-down-Signal! Sie geben auf! Wollen kapitulieren… Du gibst die Abbruch-Sequenz frei – zögerst – deine Hand schwebt über der manuellen Bestätigung…

Mal ehrlich: Wer eben einem Sand-Krokodil aus der Klappe gehüpft ist, macht der Gefangene?

Du drückst. Es ist sowieso zu spät. Die Zeitverzögerung…

Plus 211. Die passive Ortung schaltet ab. Dafür fahren die Schild-Generatoren wieder hoch. Wegen dem, was gleich kommt…

Plus 214. Einschlag!! Der Gamma-Zähler knallt über den roten Bereich.

Gut, dass deine Eier zuhause eingefroren sind…

Der Wachhabende unterbricht das Holo schweißgebadet. Er atmet tief ein und aus. Der Rest ist Geschichte: Die Kampfstation radioaktiver Staub. Die tödliche Falle aufgebrochen. Kapitän Eins-acht X’Ragan der Held der Stunde. Und die Bahn zum inneren Planeten von System XQB125 frei: Zu dieser schönen, blauen Perle, die ihre Bewohner Erde nennen.

Ende

Copyright (c) 2012 by Carl Reiner Holdt

Buchtipp des Autors:

Holdt, Carl Reiner
Gezeitenwechsel

Verlag :      Südwestbuch
ISBN :      978-3-942661-76-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,50 Eur[D] / 12,90 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 08.10.2011
Seiten/Umfang :      ca. 260 S. – 19,0 x 12,5 cm
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      31.12.2011
Gewicht :      260 g

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