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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Waffentod – Im Meer der Zeiten”

Erstellt von Cameo Flush am 14. Juni 2013

“Waffentod – Im Meer der Zeiten”

sfbasar.de-Anthologie Band 10

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial

Liebe Besucher, liebe Leser, liebe Community-Autoren

Die Anthologie wächst – heute kann ich Euch neue Leseproben anbieten! Sämtliche Community-Autoren und solche, die es werden wollen, sind weiterhin aufgerufen, die Anthologie mit zahlreichen Beiträgen zu bereichern. Rückmeldungen in Form von Lob, Kritik oder Verbesserungsvorschlägen sind ausdrücklich erwünscht.

Der Titel dieser Anthologie lautet: WAFFENTOD

Der Tod ist Teil des Lebens und in der Regel dürfte ihm niemand entgehen können. Den Tod nicht durch Altersschwäche, durch Unfall oder Krankheit zu erleben, sondern durch den Einsatz einer Waffe, wird ebenso sicher niemand erleben wollen. Sicher? Was ist aber mit hoffnungslos Kranken? Ist Sterbehilfe – ob nun durch ein Medikament oder durch eine Waffe – nicht etwas, was der/die Leidende sich sogar erhofft? Oder ein stolzer Krieger, der nur ehrenvoll im Kampf sterben will, um dann an der Seite seiner Ahnen und Götter ein neues Dasein zu genießen? In allen Zeitaltern wurden Menschen durch Waffen getötet, ob barbarisch, modern oder futuristisch. In vielen Fällen dürfte so ein Waffentod eine Qual, eine Überraschung, ein Drama gewesen sein. In manchen Fällen eine Erlösung. Von all diesen Facetten soll diese Anthologie handeln.

Grundsätzlich ist hier jeder Beitrag, der sich mit dem Thema befasst, willkommen. Wir suchen nicht nur Geschichten sondern auch Gedichte, Leseproben und Artikel. Das Copyright der eingereichten Beiträge, unabhängig von der Art des Beitrags, muss wie immer beim jeweiligen Autor liegen.

Die zahllosen Beiträge unserer Community-Autoren erwarten wir ebenso gespannt, wie die Kommentare unserer Leser.

Euer Cameo Flush

Und jetzt zu den Beiträgen:

BOMBARDEMENT – Leseprobe 2 aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon – Band 1: Die standhafte Feste” von Horus W. Odenthal

BROT UND SPIELE – Leseprobe aus dem historischen Roman “Marcus – Soldat Roms” von Michael Kuhn

DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 1) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

IN VORBEREITUNG: DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 2) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

DAS HERZ DER ZIVILISATION (Teil 1): IDIRIUM – Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon” – Band 2: “Der Keil des Himmel” von Horus W. Odenthal

DAS HERZ DER ZIVILISATION (Teil 2): DER ANGRIFF – Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon” – Band 2: “Der Keil des Himmel” von Horus W. Odenthal

DAS LICHT DER STERNE – Fantasy-Kurzgeschichte von Aileen P. Roberts

DAS MÄDCHEN (Teil 1) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Winter 2012″)

DAS MÄDCHEN (Teil 2) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar

(IN VORBEREITUNG) DAS MÄDCHEN (Teil 3) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar

DAS TESTAMENT – Science-Fiction-Story von Werner Karl

DER STOFF, DER DIE GEDANKEN TRÄGT – Leseprobe aus dem Roman: “Die Papiermacherin” von Conny Walden.

BUCHBESPRECHUNG: DIE GANGS VON NEW YORK – von Herbert Asbury – Rezension von Michael Drewniok

DIE MACHT DER ASCHE – Eine Science Fiction Geschichte von Michael Bahner

DIE NEBEL VON MERAGON – Leseprobe von Stephan Lössl

FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 1 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

NEU - FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 2 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

(IN VORBEREITUNG) FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 3 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

BUCHBESPRECHUNG: HINTER GOTTES RÜCKEN von Bastian Müller – Rezension von Irene Salzmann

IM FEUER – Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon – Band 1: Die standhafte Feste” von Horus W. Odenthal

BUCHBESPRECHUNG: IM MOND DES STYX von Alexander Lohmann – Rezension von Andrea Tillmanns

JÄGER VERSUS MENSCH – SF-Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz

KREUZ UND PFAHL – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

BUCHBESPRECHUNG: KRIEGSGEBIETE von Roland Spranger – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: PARANOIA – DER HINTERHALT – Band 1 von Trevor Shane – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: RED SKY von Nate Southard – Rezension von Michael Drewniok

SKOTENPACK – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

STONEHENGE – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

FILMBESPRECHUNG: The Hunter (Australien 2011) – Regie: Daniel Nettheim – Rezension von Michael Drewniok

ÜBERFALL AUF DER KURISCHEN NEHRUNG – Leseprobe aus dem Roman: “Die Bernsteinhändlerin” von Conny Walden.

BUCHREZENSION: VOM TODE VERWEST von Jesse Bullington – Rezension von Michael Drewniok

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:



Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Cameo Flush

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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“Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger” von Werner Karl ist nun käuflich erhältlich!

Erstellt von Galaxykarl am 13. April 2013

Liebe Freunde, Römer, Schriftgelehrte,
liebe Freunde des gedruckten und geschriebenen Wortes,
liebe Marsianer,

ihr hört gerade den donnernden Startschuss meiner Fantasy-”Spiegelkrieger”-Trilogie. Der Band I: “Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger” ist nun käuflich erhältlich. Zum sagenhaften Preis von 2,99 € für das E-Book. Eine kostenlose XXL-Leseprobe soll euch Lust auf den ganzen Band machen. Hier der Link zu neobooks/Droemer-Knaur:

http://www.neobooks.com/werk/20331-tuan-mac-ruith-druide-der-spiegelkrieger.html

Natürlich habe ich eine Bitte an euch: Lest die Leseprobe und gebt einen Kommentar oder eure Meinung dazu ab. Wer im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt hat, kann sich gerne den ganzen Roman downloaden; für gerade mal 2,99 €. Und dann – wenn er/sie möchte – eine kleine Rezension dort veröffentlichen. Einfach bei neobooks als Rezensent anmelden, Rezi schreiben, fertig.

Neobooks/Droemer-Knaur wird sich in regelmäßigen Abständen genau diese Publikumsreaktionen ansehen und mir vielleicht den Weg zu einem gedruckten Buch ermöglichen.

Ich werde bis zum Sommer warten und dann den Band II: “Arianrhod mac Ruith – Königin der Spiegelkrieger folgen lassen; denn fertig ist er schon. Und gerade schreibe ich die letzten Kapitel von Band III: “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger”

Viel Spaß beim Lesen (und Gruseln) wünscht euch euer
Werner ;-)
galaxykarl
www.wernerkarl.org

Und hier schon mal alle drei Cover (Fotos © Copyright by shutterstock):

Coming soon ...

Coming soon ...

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DIE GEFÄHRTIN – Leseprobe aus “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger” von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 10. Februar 2013

DIE GEFÄHRTIN

Leseprobe aus “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger”
Band III der Spiegelkrieger-Trilogie

von Cameo Flush

Kapitel XXVII

A. D. 196, Januar
Die Gefährtin

Vibia stöhnte unter den harten Stößen Brannons. Doch nicht aus Lust, sondern vor verzweifelter Anstrengung. Wäre sie als Hetäre nicht mit mehr als ausreichend professioneller Erfahrung gesegnet gewesen, so hätte sie seine kraftvollen Bewegungen nur mit größten Schmerzen und zahlreichen blauen Flecken überstanden. So jedoch gelang es ihr, seine immer wilderen Zuckungen so abzuschwächen, dass sie es überleben würde.

Sie und ihr Kind.

Brannon nahm auf ihren immens angeschwollenen Bauch keine Rücksicht. Er ackerte seine Lust an ihr ab, so wie er es schon bei vielen Frauen getan hatte und auch immer noch tat. Und doch war es bei Vibia anders. Er verzichtete auf Bisse in ihre Brüste oder den Hals. Er schaffte es sogar, seine Fingerkrallen in den Boden zu schlagen, anstelle in ihr Fleisch. Und natürlich verzichtete er darauf, sie in Stücke zu reißen und zu fressen, wenn er befriedigt war. Sie erschauerte bei dem Gedanken an die Vergewaltigungen und Tötungen, die er bei anderen Frauen fast täglich vollzog. Vibia konnte sich seine erstaunliche Zurückhaltung ihr gegenüber nicht erklären. Vielleicht tobte er sich und seine Perversion an den anderen ab und sie erfuhr nur den Rest seiner Lüsternheit. Sie dankte den Göttern dafür, dass ihre Vagina und ihr Scheidengang von Jugend an sehr weit gewachsen waren. Wäre es anders gewesen, wäre ihr Schoss längst eine einzige blutende Wunde. So manche Frau war nach einer Vergewaltigung durch Brannon einfach an Blutverlust gestorben.

Vibia hatte als blutjunge Frau in verschiedenen römischen Bordellen gearbeitet und vielerlei Abartigkeiten ihrer Kunden erlebt. Doch anstelle, wie andere daran zu zerbrechen, hatte sie es geschafft, den Wünschen der Männer mit einer gewissen Haltung nachzukommen, die sie schnell zu einer Berühmtheit gemacht hatte. Nach wenigen Jahren hatte sie den Status einer Edelprostituierten erklommen und konnte sich ihre Kundschaft aussuchen. Im Umgang mit den Freiern legte sie einen Stolz an den Tag, der die Männer zu faszinieren schien und sie ihr im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen legte.

Als sie von Brannons Horden gefangen genommen worden war und das Schicksal vieler anderer Frauen hatte mit ansehen müssen, wurde ihr klar, dass sie aus der Masse seiner Opfer herausragen musste, um überleben zu können. Ob ihr jemals die Flucht gelingen würde, bezweifelte sie von Tag zu Tag mehr. Auf eine verwirrende Weise spürte sie – wie scheinbar auch er – dass sie beide irgendein Schicksal, vielleicht eine Laune der Götter zusammengeführt hatte.

Vibia saß rittlings auf Brannon und drehte ihm ihren Rücken zu. Diese Position schien ihr am sichersten für ihren Leib … und das Kind zu sein.

Warum versuche ich, seinen Balg zu schützen?, dachte sie und spürte, wie endlich seine Erregung explodierte und ihr in den Körper schoss. Der Ekel, den sie dabei empfand, ließ sie erzittern. Seine Bewegungen erlahmten rasch und wieder dankte sie den Göttern dafür, dass sie erneut einen Akt ohne körperliche Wunden überstanden hatte. Hätte sie nicht einen so ausgeprägten Überlebenswillen besessen, hätten ihr all die Grausamkeiten und schrecklichen Szenen, die sie miterleben musste, längst den Verstand geraubt.

Mir liegt nichts an dieser Kreatur. Sobald sie meinen Körper verlässt, werde ich zu fliehen versuchen. Erschöpft sackte sie auf ihm zusammen. Dann ließ sie sich schwer atmend zur Seite wegkippen.

Schon oft hatte sie in Gedanken alle möglichen Fluchtpläne erwogen … und wieder verworfen. Keiner hatte in ihrer nüchternen Beurteilung auch nur einen Hauch von Aussicht auf Erfolg.

Ich muss mir etwas anderes ausdenken, überlegte sie und spürte wie Brannon sich verhalten bewegte und Anzeichen machte, als wolle er auf der Stelle einschlafen. Er grunzte zufrieden und hatte die Augen geschlossen.

„Das Kind wird bald kommen“, begann sie und bebte innerlich schon jetzt vor diesem Ereignis.

„Mhmm“, antwortete er brummend.

„Wird es so wie die anderen sein?“

Er öffnete die Augen und beugte sogar sein Gesicht über ihres. Das unheimliche grüne Leuchten konnte die Kälte seines Blickes nicht mildern.

„Dir ist doch klar, dass du allein aus diesem Grund noch lebst?“

Sie nickte.

„Ich weiß nicht, was mit einem Teil meiner Kinder los ist … sie sind schwach und sterben, bevor sie ausgewachsen sind. Diejenigen, welche nicht sterben, sind dumm und mehr Tier als Mensch. Auch sie sind nicht von der Art, wie die Erschaffer es von mir erwarten.“ Er hielt inne und schien sich zu fragen, warum er ihr das erzählte. Dann klatschte er ihr auf den Hintern und legte sich wieder zurück. „Ich habe aber das Gefühl, dass aus deinem Schoss ein gesundes … Wesen hervortreten wird. Würdig, meine Macht zu vergrößern und …“

Vibia hatte das Gefühl, dass er sich gerne mitteilen würde, ihr aber nicht traute. Es war ihr schon immer ein Leichtes gewesen, Männer zu Äußerungen zu verleiten, die ihr mehr als einmal Vorteile verschafft hatten. Natürlich sehr vorsichtig und behutsam eingesetzt. Brannon würde da wahrscheinlich keine Ausnahme machen. Genauso wahrscheinlich war es aber auch, dass sie seine Geheimnisse nur dann von ihm erführe, wenn er sich sicher war, dass sie sie niemanden verraten könnte.

Sie überlegte eine Weile und fasste dann einen Entschluss. Sterben würde sie früher oder später ohnehin. Die Kenntnis seiner Geheimnisse, vielleicht sogar weiterer Schwächen, erschien ihr aber als die einzige Möglichkeit, doch einen Weg zur Flucht zu finden.

„Die Erschaffer? Von was?“

„Was glaubst du, wie ich es zuwege bringe, Tote wieder auferstehen zu lassen?“, antwortete er mit einer Gegenfrage. „Wie gelingt es mir, viele Abbilder eines Gefallenen erschaffen zu können?“ Er hatte sich wieder aufgesetzt und schien den Gedanken an Schlaf zurückgedrängt zu haben.

„Du hast den Leichen etwas eingeflößt und dabei Beschwörungen gesprochen“, antwortete sie lapidar. „Welcher Gott hat dir diesen Zauber geschenkt?“

„Geschenkt? Hahahahaha“, lachte er zu ihrer Überraschung und sie konnte seinem Gelächter nicht die Spur von Freude entnehmen. „Nein, geschenkt trifft es wahrlich nicht. Alles hat seinen Preis.“ Er senkte seine Stimme und blickte sie an. „Ob es Götter waren, kann ich nicht sagen. Ich für meinen Teil nenne sie die Erschaffer.“

„Von was?“, wiederholte sie.

Im gleichen Augenblick sah sie in seinen Augen ihr Todesurteil aufflammen.

„Der Tafel mit dem Rezept für diesen Trank und der Formel, die erst in Verbindung damit eine Wirkung ermöglicht.“

Eine Tafel?

Sie war enttäuscht und offensichtlich hatte sie für einen Moment ihre Selbstkontrolle vernachlässigt und dies in ihrem Gesicht gezeigt.

„Sie muss uralt sein“, fuhr er fort, „denn ich kenne keinen römischen, germanischen oder pictischen Gott, der über solche Macht verfügen kann. Vielleicht fürchten sich selbst die Götter vor den Erschaffern. Sie scheinen alle Zeit der Welt zu haben, wenn sie es zulassen konnten, dass die Tafel für Jahrzehnte, wahrscheinlich sogar Jahrhunderte, nicht zum Einsatz kam. Sie sind mächtig … und geduldig.“ Wieder schien er über etwas nachzudenken. „Mein Vater hat sie von seinem Meister Kennaigh erhalten. Und dieser hatte sie einst nach Breith gebracht.“

„Von woher mag sie wohl stammen?“, fragte Vibia und hoffte, er würde die Frage als echtes Interesse ansehen und nicht als Neugier.

„Ich hatte Gelegenheit, einen alten Druiden genau das zu fragen“, grummelte Brannon und ein genießerisches Grinsen huschte über sein Gesicht. „Die Tafel wurde Kennaigh von einem Seher übergeben … hier in Germanien.“

Mit aller Macht zwang sich Vibia, nicht vor Überraschung die Augen aufzureißen.

„Aus Germanien?“ Mehr wagte sie nicht zu sagen und hoffte er würde in seiner mitteilenden Laune verbleiben.

„Ja, obwohl das noch lange nicht heißt, dass sie auch von hier stammte oder in Germanien erschaffen wurde.“

Plötzlich fiel Vibia ein Kunde in Gestalt eines römischen Senators ein, der sich über sein sexuelles Versagen mit großspurigen Geheimnissen hinwegretten wollte.

„Aus welchem Material besteht diese Tafel? Aus Gold oder anderen Metallen? Etwa gar aus Ton oder Holz?“

Er schien verwundert zu sein, dass sie in Erwägung zog, dass eine uralte Tafel aus verderblichen Materialien oder solchen bestehen könnte, die längst hätten eingeschmolzen und verkauft werden können. Doch sie hatte die Frage ganz bewusst so gestellt.

„Natürlich aus Stein, dummes Weib.“

„Aber Stein ist zerbrechlich, Brannon. Wieso wurde sie noch nicht vernichtet? Es wird sicher Völker und Menschen geben, die sie niemals benutzen würden, sondern sie zu Staub zermahlen sehen wollen.“ Sie befürchtete, dass er ihr diese Absicht oder Verrat unterstellen würde. Doch wieder lachte er nur abfällig.

„Haha, die Tafel kann nicht zermalmt werden. Zumindest nicht von etwas, was ein Mensch ersonnen hat.“ Dann fiel sein Gesicht in Finsternis und die Silben seiner Worte klangen wie das kalte Knistern von Eis, wenn man auf es tritt. „Es soll eine Macht geben, welche die Tafel vernichten kann. Ich habe aber keine Ahnung, um was es sich handeln könnte. Ich ahne aber, dass sie hier in Germanien versteckt sein könnte …“

Das muss es sein, schoss es Vibia durch den Kopf. Wenn ich ihm meinen Verdacht mitteile, kann ich ihm ein Versprechen abringen … an das er sich ohnehin nie halten wird. Aber es wird mir zumindest eine Zeit lang eine gewisse Sicherheit einbringen, auch nach der Geburt. Zeit für einen neuen Fluchtplan …

„Du sagtest gerade, alles habe seinen Preis.“ Sie überwand sich und nahm sein erschlafftes Glied in die Hand und klopfte darauf herum. „Ich besitze eine Information, von der ich denke, dass sie dich zu dieser … Waffe bringen könnte. Erscheint dir mein Leben als Preis für diese Information als angemessen?“

Er sah sie mit einer Mischung aus Misstrauen, nur schwach verborgener Gier und Grausamkeit an.

„Sicher. Was ist dein Leben schon gegen diese Waffe? Wenn ich sie vernichten kann, steht mir die Welt offen.“

„So ist es also abgemacht?“

Er nickte und wieder hatte er den Ausdruck von vorhin in den Augen.

„Du bleibst solange am Leben, bis ich die Waffe gefunden und zerstört habe.“ Er packte sie fest aber ohne Brutalität am Hals und drückte nur so weit zu, dass sie an seine Kraft erinnert wurde. „Sag, was du weißt!“

Vibia schluckte und er lockerte seinen Griff ein wenig.

„Ein Senator hat mir von einem germanischen Stamm erzählt, der eine Wunderwaffe behüten soll, die allen römischen Waffen überlegen sei.“ Sie lächelte und erinnerte sich, wie sie dem armen Kerl ausgelacht hatte. „Allerdings konnte er mir nicht erklären, warum die Germanen sie nicht längst gegen uns Römer ins Feld geführt haben.“

„Weiter!“

„Ich weiß nur noch zwei Einzelheiten, und ich hoffe für mein Leben, dass sie der Wahrheit entsprechen.“

„Sprich schon!“

„Der Stamm hat seinen Namen abgelegt, um nicht gefunden zu werden … sehr schlau, wie ich finde …“

Der Dämon hing an ihren Lippen wie ein kleines Kind. Er vergaß sogar, weiter ihren Hals zu drücken und ließ die Hand sinken.

„Ich habe erst jetzt durch deine Worte erkannt, dass der Senator wohl die Wahrheit sprach; soweit er sie selbst kannte.“ Sie genoss sein gespanntes Gesicht und formte dabei im Hinterkopf vage Ideen für ihre Flucht.

„Es soll sich bei der Waffe um eine Steintafel handeln …“

Verwirrt blickte Brannon sie an. Gleichzeitig zeichnete sich auf seinem Gesicht ein Ausdruck ab, der ihr sagte, dass er ihr jedes einzelne Wort glaubte.

„Ein zweiter Stein …“, murmelte er.

… to be continued

Copyright © 2013 by Cameo Flush
www.wernerkarl.org

Buchtipp:

Kraft, Helen B.
Höllenjob für einen Dämon

Verlag :      Machandel-Verlag
ISBN :      978-3-939727-20-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,80 Eur[D] / 13,20 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 10.09.2012
Seiten/Umfang :      ca. 362 S. – 19,3 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 17.09.2012
Gewicht :      447 g

Klappentext
Die Hölle ist ungemütlich, selbst für Dämonen. Shatan kann ein Lied davon singen. Sein Verhältnis zur Höllenfürstin Luzifer ist nicht gerade das Beste. Aus purer Schikane dreht Luzifer ihm den denkbar schlimmsten Job an. Shatan soll ihre Tochter in die Hölle holen. Lebendig und unberührt. Doch die Sache hat einen Haken. Oder auch mehrere. Die reizende Evangelina ist in einem katholischen Waisenhaus aufgewachsen und ahnt nichts von ihrer Herkunft. Deshalb kann sie nicht einfach in die Hölle zwangsverfrachtet werden. Shatan muss sie dazu bringen, ihm freiwillig zu folgen. Nur – wer geht schon freiwillig in die Hölle? Als wäre das nicht genug, hat auch der Himmel schon spitzgekriegt, was unten auf der Erde läuft, und Erzengel Gabriel geschickt, um die junge Dame vor der Hölle zu retten. Gabriel, ganz Krieger, denkt pragmatisch: Wenn er Evangelina tötet, kommt sie sofort in den Himmel. Shatan muss sie also vor seinem himmlischen Kollegen schützen. Und vor sich selbst, denn Evangelina ist zum Anknabbern schön. Ein wahrhaft höllischer Job für einen Dämon!

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

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GRANOCK – Ein Fantasy-Fragment von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 31. Oktober 2012

GRANOCK

Ein Fantasy-Fragment

von

Cameo Flush

Dieses Textstück wurde für den “Granock” Wettbewerb des Piper Verlages geschrieben. Der Autor Michael Peinkofer gab knapp 2 Seiten Text vor und die Teilnehmer sollten die Szene weiterführen. Dies war mein Beitrag (der leider nicht gewonnen hat). Trotzdem möchte ich ihn hier einem weiteren Publikum und einer Jury präsentieren.
(Anm. der Autors)

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Granock fragte sich, wie lange ihn die Bestie noch belauern wollte, bis sie auch ihn zerfetzen würde.

Sie spielt mit mir, kam ihm ein wenig erbaulicher Gedanke.

Granock schüttelte die Vorstellung von sich und tastete sich mit seiner freien Hand an der Wand entlang. Mit Grauen erinnerte er sich daran, dass er selbst mit den geschärften Sinnen eines Zauberers sie nicht hatte kommen hören. Nur einen Wimpernschlag, bevor sie seinen ersten Begleiter gepackt hatte, war ihm ein Schwall ekelerregenden Gestanks in die Nase geraten, der ihm fast den Atem geraubt hatte. Zumindest hatte dieser stinkende Odem verhindert, dass er rechtzeitig reagieren konnte.

Farawyn hat also recht, dachte er bitter, wenn er mir vorwirft, ich würde das Training meiner Reflexe vernachlässigen. Nun, vielleicht sollte ich mich wirklich nicht allein auf magische Kräfte verlassen.

Er warf einen sinnlosen Blick durch die Dunkelheit auf seinen Zauberstab und dem ebenfalls stockdunklen Elfenkristall an dessen Spitze.

Warum nur lässt sich flashyn hier nicht entzünden? Welch dämonische Macht lässt selbst Elfenwerk versagen?

Wieder blitzte die schreckliche Szene vor ihm auf, als würde er sich immer noch mit Baldouin und dessen Vetter Merywyn auf dem steilen Weg zum Stolleneingang befinden.

Die beiden Männer hatten es sich nicht nehmen lassen, ihn auf seiner Suche zu begleiten. Selbst sein Hinweis, wohin er gehen wollte – nein, musste – hatte sie nicht abschrecken können. In zu vielen Schlachten hatten sie sich als Sieger bewährt. Zwar hatten auch sie Verletzungen davongetragen, einige davon wirklich lebensbedrohlich. Aber niemals hatte in ganz Andaril jemand daran gezweifelt, dass sie zu den besten Kriegern des Landes zählten. Jedes Wort, mit dem er sie davon abhalten wollte, seinen Begleitschutz zu bilden, hatte sie nur noch mehr darin bestärkt, ihn nicht allein zu lassen. Selbst jetzt – auf diesem Weg in den Abgrund – hörte Granock noch die dröhnende Stimme Merywyns in seinem Kopf nachhallen:

„Du glaubst doch nicht einen Augenblick, dass wir dich allein dort hinunterlassen, Zauberer?“

Und sein Vetter Baldouin hatte in die gleiche Kerbe geschlagen:

Wenn es dort dieses … Ding wirklich gibt, dann werden wir es uns holen!“

Er hatte es schließlich aufgegeben, sie umzustimmen. Ja, als er ein wenig darüber nachdachte, kam ihm der Gedanke, von zweien der besten Krieger eskortiert zu werden, sogar vorteilhaft vor. Ihre beiden Schwerter ermöglichten es ihm, auf ein eigenes zu verzichten.

Ich brauche beide Hände für meine Magie. Die Rechte trägt den Stab mit flashyn, meine Linke gibt die Richtung an, in der ein Zauber wirken soll. Da bleibt keine Hand für irgendwelche Waffen übrig!

Neue Bitterkeit stieg in ihm auf, als seine Erinnerung ihm mit gnadenloser Schärfe erneut das Bild des blitzartigen Überfalls präsentierte: Baldouin wurde plötzlich in die Höhe gerissen und sein grässlicher Schrei fast augenblicklich in einem Gurgeln erstickt, gefolgt von einem wahren Regen aus Blut.

Granock und Merywyn hatten nur einen grauen Schatten und Reißzähne in der Länge von Unterarmen sehen können. Mehr nicht.

Merywnys Reflexe waren eindeutig schneller als seine gewesen. Der Krieger stieß einen Schrei aus, der Angriff und Entsetzen zugleich ausdrückte, und schaffte es tatsächlich noch, sein Schwert zu ziehen. Geholfen hatte es ihm nicht. Ein langes Ding – von dem Granock immer noch nicht wusste, ob es ein dornenbesetzter Schwanz oder ein ebensolcher Tentakel gewesen war – war durch die Luft gepeitscht und hatte den Vetter Baldouins einfach in der Mitte durchschnitten wie ein frisch geschliffenes Messer einen Laib Brot.

Merywyns geteilter Körper war in einer Wolke aus Blut in die Tiefe gestürzt und noch im Fallen starrten seine ungläubigen und toten Augen zu Granock empor, der in diesem Augenblick nicht in der Lage war, auch nur einen Finger zu rühren. Erst als ein Schatten an ihm vorbeistürzte und Granock in diesem den Körper Baldouins erkannte, hatte er seine Starre überwinden können, sich herumgeworfen und war in den nur wenige Meter entfernten Stolleneingang mehr gestolpert als gerannt.

Warum hat mich die Bestie in diesem Moment nicht auch getötet?

Wieder hatte er das Gefühl, dass die Kreatur ein böses Spiel mit ihm trieb.

Er tastete sich vorsichtig weiter im Stollen entlang und bemühte sich, kein unnötiges Geräusch zu machen. Gleichzeitig ahnte er, dass die Sinne der Kreatur – irgendwo vor ihm in der Finsternis – auch seine leisesten Geräusche registrieren würden.

Wieder stießen seine Füße gegen etwas, was sein Verstand sofort mit Knochen assoziierte. Abrupt blieb er stehen und lauschte angestrengt in die Dunkelheit. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

Ich bin wirklich viel zu sehr auf meine magischen Fähigkeiten fixiert, dachte er ärgerlich und verfluchte sich selbst.

„Die mir auch nicht das Geringste zu nutzen scheinen“, murmelte er leise vor sich hin und ging ganz langsam in die Knie. Seine Linke tastete am Boden herum und hatte bald einen größeren Knochen gefunden, der deutlich schwerer wog, als es der größte menschliche Knochen vermochte.

Welches Futter gibt man denn der Bestie hier zu fressen?, dachte er und wunderte sich, dass sein Unterbewusstsein sich scheinbar entschlossen hatte, hinter dem Vieh – welcher Art es auch immer angehören mochte – einen Besitzer zu vermuten. Gleichzeitig gefiel ihm der Gedanke gar nicht, das noch mehr von seiner Sorte existieren könnten. Granock schob diese unerfreulichen Aussichten in die Tiefe seines Gehirns und fragte sich, was er um den Knochen wickeln könnte, um eine primitive Fackel herzustellen.

Du kommst wirklich aus der Übung, du Anfänger, verspottete er sich selbst. Du hast dich viel zu schnell daran gewöhnt, ein paar Wörter auszustoßen und schon spendet dir der Elfenkristall so viel Licht, wie du benötigst.

Seine Hand suchte eine Weile auf dem Boden herum, konnte aber außer weiteren Knochen, kleinen Steinen und Erdkrumen nichts Brauchbares finden. Granock hielt in seiner Suche inne und lauschte in die Dunkelheit. Mehr als zwanzig Herzschläge lang wartete er und konnte nichts anderes hören als seinen eigenen Atem und – so schien es ihm zumindest – immer lauter schlagenden Herzens.

„Na schön“, murmelte er leise vor sich hin. „Probier es einfach.“

Er legte mit übertriebener Sorgfalt seinen Stab auf die Erde und suchte nach dem Saum seiner Kutte. Das Geräusch, das der Stoff erzeugte, als er mit beiden Händen breite Streifen davon abriss, kam ihm viel zu laut vor.

Da kann ich das Vieh ja gleich mit einem herzlichen Hallo hierher rufen.

Mit raschen Bewegungen wickelte er die Streifen fest um den Knochen und steckte das Ende des Letzten zu einem festen Knoten zusammen. Für einen Moment schwebte seine Rechte wieder über dem Zauberstab, ließ ihn aber dann doch liegen. Stattdessen glitt seine Hand in die Falten seiner Kutte, suchte nach dem kleinen Feuerstein und fand ihn auf Anhieb. Noch in dem Moment, als er mit schnellen Schlägen dem Stein kleine Blitze entlockte und in dem fast nicht wahrzunehmenden Licht, dass sie erzeugten, sein Werk in die Funken hielt, war ihm klar, dass die Fackel nicht lange brennen würde.

Der Stoff ist zwar trocken, aber mit nichts getränkt, was ihn länger brennen lassen würde. Ich werde mich beeilen müssen.

Er sah sich schon tief im Berg stehen, halb nackt mit einer endgültig erloschenen Fackel in der Dunkelheit, das unsichtbare und dankbare Grinsen der Bestie vor sich, die sich freute, dass er so freundlich gewesen war, ihr Mahl von der geschmacklosen Kleidung befreit zu haben.

Als der Stoff endlich Feuer fing und sich zu seiner Überraschung nur langsam in Brand setzte, fiel ihm ein, dass die Weber, von denen die Zauberer ihre Kutten bezogen, ihre Stoffe auch mit Elfenfäden durchwebten. Wahrscheinlich würde ein Stoff aus reiner Elfenseide sich nur sehr schwer oder gar nicht entzünden lassen. Jetzt entpuppte sich die Kombination aus einfacher Baumwolle und einem geringen Anteil an Elfenseide als überaus geeignetes Material für eine Fackel.

Das werde ich mir merken. Für später. Wenn es für mich ein später geben wird.

Dann griff er nach seinem Stab und erhob sich. Rasch blickte er in beide Richtungen des Ganges. Der Teil hinter ihm machte einen Bogen, den er in der Dunkelheit nicht bemerkt hatte. Das Stück vor ihm verlief etwa dreißig Schritte gerade und verlor sich dann in der dahinter herrschenden Finsternis.

Plötzlich erscholl ein Geräusch, das nicht anderes sein konnte als das feste Aufsetzen eines Beines auf Erdboden. Granock vermeinte darin das Knacken brechender Knochen erkennen zu können, war sich aber nicht sicher. Worin er sich aber felsenfest sicher war, das war die Richtung, aus welcher das Geräusch gekommen war.

Hinter ihm!

Ein eiskalter Schauer fuhr über seine Haut und gleichzeitig stellte er fest, dass die Wände vor ihm nicht matt erschienen, sondern dem Licht seiner Fackel einen leicht glänzenden Schein zurücksandten. Er machte rasch einige leise Schritte weiter den Gang entlang und warf nur einen bestätigenden Blick auf die Wände.

Feuchtigkeit.

Ein leichter Luftzug, der ihm entgegenwehte, schmeckte feucht und modrig auf seiner Zunge. Seine Nase sog prüfend die Luft ein und ein seltsamer Geschmack legte sich auf seinen Gaumen, die Schleimhäute und schien sie verkleben zu wollen. Je weiter er in den Gang hinein ging, desto feuchter wurde die Luft. Jeden Atemzug konnte er von der Nase, über seine Luftröhre bis tief hinunter in seine Lungen verfolgen. Erschrocken blieb er stehen und horchte in sich hinein.

Welcher Brodem schwebt hier in diesen Gängen? Ist es der Furz dieser Bestie, die mir das Atmen erschwert oder die Ausdünstungen von etwas noch Gefährlicherem?

Wieder hatte er den Eindruck, dass hinter dem Vieh, das ihn unzweifelhaft jagte, ein noch mächtigerer Gegner lauerte.

Granock riss sich zusammen und packte die Fackel und seinen Stab fester. Er überwand die anfänglich beleuchteten dreißig Schritte und entdeckte in einer gleich langen Entfernung eine Abzweigung auf der rechten Seite.

Entweder hat mich die Kreatur umgangen oder ich bin in der Dunkelheit schon einmal an einer solchen Abzweigung vorbeigekommen, ohne es zu merken. Ein weiterer Schauer ließ ihm die Gänsehaut aufsteigen. Womöglich bin ich an der Bestie vorbeigegangen. Und sie hat mich nicht getötet und gefressen!

Granock war zwar noch ein recht junger Zauberer, aber nicht auf den Kopf gefallen.

Sie treibt mich vor sich her! Sie spielt nicht mit mir, sie drängt mich irgendwohin, durchfuhr es ihn. Und ein weiterer frustrierender Gedanke trug wenig dazu bei, seinen Mut und seine Zuversicht zu steigern. Entweder ist es eine Falle oder man … erwartet mich bereits.

Ersteres erschien ihm unsinnig zu sein, denn die Bestie hätte ihn sicher längst genauso rasch und unausweichlich zerfetzen können, wie sie es mit Baldouin und Merywyn getan hatte.

Und wenn dort unten jemand oder etwas auf mich wartet, dann will man etwas von mir. Also wird mich die Bestie nicht töten. Zumindest nicht, bis ich das getan oder gesagt habe, was man von mir erwartet …

„Na schön“, sagte Granock immer noch leise, aber mit deutlich mehr Hoffnung in der Stimme als zuvor.

Er war vielleicht eine Stunde durch ein Labyrinth aus immer feuchter werdenden Gängen und Abzweigungen geschlichen und hatte an jeder Gabelung oder Kreuzung angehalten. Beim ersten Mal wählte er scheinbar den falschen Weg, denn kaum hatte er seinen Fuß in dessen Richtung gesetzt, zischte es hinter ihm – und erschreckend nah – fauchend auf und er blieb stehen. Wählte er den vorgeschlagenen Kurs, hörte er nichts.

Außerdem hatte er sicher mehr als fünfzig Mannslängen Höhenunterschied überwunden und der Weg ging weiterhin abwärts. Die zunehmende Feuchtigkeit bereitete ihm auch Schwierigkeiten einen sicheren Tritt zu fassen und zweimal wäre er beinahe gestürzt, so glitschig und schleimig wurde der Boden. Gerade als er wieder einmal ins Wanken geriet, ging die Neigung unvermittelt in ebenerdigen Boden über.

Und dort vorne endet der Gang, dachte er, als sich das Licht seiner erfreulicherweise immer noch brennenden Fackel nicht an einer Wandung spiegelte, sondern sich in einem leeren Raum verlor, der große Ausmaße zu besitzen schien. Als hinter ihm ein aufforderndes Stampfen den Boden erzittern ließ, legte er die letzten Schritte des Ganges zurück und fand sich am Rand einer offensichtlich riesigen Höhle wieder. Wasser tropfte mehrfach von einer weit entfernten Decke und manche Tropfen klangen so, als würde sie auf eine Wasserfläche treffen.

Ein unterirdischer See.

Granock hielt die Fackel weit über seinen Kopf, um nicht selbst von ihrem Licht geblendet zu sein und sah weit im Hintergrund der Höhle tatsächlich eine spiegelglatte Fläche blitzen.

Und am äußersten Rande des Sees …

Ihm stockte der Atem.

Das Bild, das sich ihm bot, hätte er nun wirklich nicht erwartet. Er blinzelte mehrere Male, doch der Anblick blieb unverändert bestehen.

„Willkommen … Zauberer“. Die Stimme der Frau war genauso faszinierend wie ihr Gesicht, ihr Körper, ihre ganze Erscheinung.

Granock hatte schon viele Frauen gesehen: Marketenderinnen, Dirnen, edle Damen und sogar Elfenfrauen mit ihrer unglaublichen Anmut und Schönheit. Doch dieses weibliche Wesen stellte sie alle in den Schatten. Und das im wahrsten und doppelten Sinne. Ihre Haut leuchtete makellos und nackt durch die Dunkelheit der Höhle. Sie strahlte ein so helles Licht aus, dass Granock aus den Augenwinkeln die Größe der Höhle nur zum Teil wahrnahm, und trotzdem mehr als beeindruckt war. Sie musste gigantisch sein. Fast automatisch sank seine Linke mit der Fackel nach unten.

„Richtig, du kannst dein Licht ruhig löschen. Ich bin in der Lage uns allen genug Helligkeit zu spenden“, sagte sie und erst jetzt hatte Granock soviel von seiner Überraschung überwunden, dass er in ihrer glockenhelle Stimme den darin eingebetteten schmeichelnden Ton bewusst hörte.

Aber bei aller Bewunderung für ihre atemberaubende Schönheit hatte er doch nicht vergessen, warum er hier war und vor allem: wie er den Weg hierher gefunden hatte. Und wie sie das Wörtchen allen betont hatte, gefiel ihm noch viel weniger. Er drehte sich langsam um und sah nur ein halbes Dutzend Schritte hinter sich die Bestie im Gang lauern.

„Hab keine Angst, Zauberer. Thyranno wird dir nichts zuleide tun. Vorerst …“

Und auch sein Name gefällt mir nicht, dachte Granock und fletschte die Zähne. Gleichzeitig fühlte er ein Bitzeln in den Fingerspitzen seiner rechten Hand aufkommen. Es fühlte sich an, als würden Tausende Ameisen über seine Haut krabbeln.

Ich kenne dieses Gefühl …

„Was ist das für ein Wesen“, sagte er und steckte langsam die brennende Fackel neben sich zwischen einige mit Moos bewachsene Steine.

Jetzt habe ich die Hand wieder frei.

„Thyranno? Er ist ein Rhurak, ein Höhlendrache. Es gibt nicht mehr sehr viele von seiner Art. Die Zwerge haben die meisten getötet. Sie störten sie ein wenig bei ihrer Jagd nach Schätzen.“

Granock glaubte ihr kein Wort.

„Wie sollten Zwerge gegen eine ganze Brut von solchen Biestern siegreich sein können, wenn nur eines von ihnen genügte, um meine beiden Begleiter in kürzester Zeit in blutige Stücke zu zerreißen?“

Sie blickte ihn trotz der Entfernung mit einem so durchdringenden Blick an, dass Granock die darin nur mühsam verhaltene Wut erkennen konnte.

„Wie ich bereits sagte: es gibt nicht mehr viele von ihnen. Auch vor dem Eindringen der Zwerge in das Massiv existierten nur wenige Hundert.“ Ihr Gesicht verzog sich zu einem hinreißenden Lächeln und wäre es das Einzige gewesen, was sie an Signalen zu ihm geschickt hätte, dann wäre Granock versucht gewesen, ihr zu glauben. Aber ihre Augen loderten für einen Moment verräterisch auf, als sie fortfuhr. „Allerdings hege ich die Hoffnung, aus den verbliebenen Exemplaren eine neue Population heranziehen zu können“, säuselte sie und Granock fühlte kalte Schauer seinen Rücken hinunterlaufen. „Die Rhuraks sind so leicht zu beherrschen und so … nützlich.“ Schlagartig veränderten sich ihr Ausdruck und auch der Tonfall ihrer Stimme. „Die Zwerge jedoch kamen in Massen und scherten sich nicht um die Bedürfnisse der angestammten Bewohner des Berges. Sie interessierte nur Gold, Edelsteine und Erz. Als mehr und mehr Zwerge in den Stollen spurlos verschwanden, machten sich Hundertschaften bewaffneter Zwerge auf und massakrierten meine Lieblinge einen nach dem anderen. Oh, die Zwerge hatten Verluste, ohne Zweifel. Aber sie scheinen sich zu vermehren, wie Karnickel auf saftigen Wiesen. Meine Rhuraks dagegen sind sehr langlebig und dadurch ist ihr Fortpflanzungstrieb, nun ja … eingeschränkt.“

Schön zu wissen, dachte Granock und stellte neben ihrem Wortschwall zwei Dinge gleichzeitig fest, die ihm seine Situation deutlich besser erscheinen ließen.

Seine Augen hatten sich mittlerweile an die Lichtverhältnisse angepasst und so konnte er sehen, dass die Frau nicht etwa auf einem Felsen am Ufer des spiegelglatten Sees stand, sondern mindestens eine Handbreit darüber schwebte.

Die zweite Feststellung lieferte ihm seine rechte Hand. Das Prickeln hatte sich in einen beständigen Strom fließender Energie verwandelt, dessen wohltuende Kraft seinen Körper bis in die letzte Faser erfüllte.

In dieser Höhle ist wieder Magie möglich!

Diese freudige Überraschung ließ ihn aber nicht leichtsinnig oder unaufmerksam werden. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich der Höhlendrache völlig lautlos aus dem Gang heraus bewegt und ein Stück seitlich von ihm in sprungbereiter Haltung niedergelassen hatte. Jetzt konnte er ihn ganz genau im Schein seiner Herrin betrachten.

Thyranno hatte etwa die Größe eines Ochsen und seine schuppige Haut schien hart wie Granit zu sein. Sein Körper war lang gezogen und endete in einem Schwanz, der eine ganze Reihe von messerscharfen Stacheln aufwies. Noch jetzt klebte an ihnen das Blut von Granocks toten Gefährten. Der Zauberer wandte sich nun ganz offen in Richtung der Kreatur und für einige Momente trafen sich ihre Blicke.

Das ist ein Jäger, schoss es Granock durch den Kopf. Und als sein Blick auf die Haut des Höhlendrachen fiel, sank seine Zuversicht wieder um einige Grade. Die Schicht aus kleingliedrigen Schuppen ermöglichte dem Tier die Wendigkeit, die es vor dem Stollen – und auch darin – mehr als bewiesen hatte. Die sechs Beine endeten in weit auffächerbaren Füßen, die zwischen den Zehen Schwimmhäute erkennen ließen. Nur die Sohlen besaßen keine harten Platten, sondern wirkten auf Granock eher wie die Ballen von überdimensionierten Katzenpfoten.

Ein lautloser Jäger!, korrigierte sich Granock und fand bestätigt, dass weder ein einzelner Zwerg, noch ein Paar ausgewachsener Krieger aus Andaril, eine Chance gegen so einen Gegner haben konnten.

Aber ein Zauberer?

Er wandte sich wieder der schwebenden Schönheit zu, die ihm die ganze Zeit mit Besitzerstolz und einer dahinter mühsam unterdrückten Ungeduld beobachtet hatte.

Sie ist alles Mögliche, nur keine Jungfrau!

Granock bemühte sich, die Bestie an seiner Seite vorläufig zu ignorieren und konzentrierte sich auf die Lichtgestalt, die keine Absichten erkennen ließ, zu ihm zu kommen. Er war versucht, mit einer Hand den Schein seiner primitiven Fackel abzuschirmen. Er unterließ es, als er sah, dass sie schon ziemlich weit abgebrannt war und es nicht mehr lange dauern dürfte, bis sie erlosch.

Ich muss wissen, wer oder was sie wirklich ist, überlegte er und spürte das beruhigende Gefühl der Magie durch seinen Körper fließen. Weiß sie von dem, was die Zwerge wirklich in diesem Berg suchten? Hat sie es vielleicht sogar selbst gefunden? Aber dann schüttelte er den Kopf. Nein, denn dann wäre sie längst aus dem Berg heraus und würde das Land verheeren. Nur für einen Wimpernschlag spielte er mit dem Gedanken, sie könnte eine Gefangene des Höhlendrachen sein. Aber ein Blick in ihre Augen offenbarte ihm die wahren Herrschaftsverhältnisse.

„Wie heißt du und wie kommst du in diese Abgründe?“, fragte er. Er war auf ihre Antwort tatsächlich gespannt, auch wenn er fest damit rechnete, dass sie ihm etwas vorlügen würde. Gleichzeitig bereitete er sich innerlich auf einen Angriff vor.

„Gefalle ich dir?“, wich sie aus und öffnete ein wenig ihre Beine, sodass er ungehindert ihre Scham sehen konnte.

„Du bist die schönste Frau, die ich je in meinem Leben gesehen habe“, gab er unumwunden zu und bemerkte einen weiteren Umstand, der sich bisher seiner Aufmerksamkeit entzogen hatte. Um die schwebende Frau herum schien es ganz leicht zu flimmern, so als stiege warme Luft nach oben wie in einer Wüste. Doch hier war es kalt und feucht und sein forschender Verstand hatte die Erklärung scheinbar schon gefunden.

Das, was ich sehe, entspricht nicht der Wahrheit.

„Du hast mir immer noch nicht gesagt, wie du an diesen Ort kommst. Und vor allem: was dich hier hält?“

„Das Gleiche könnte ich dich fragen, Zauberer: Was willst du hier?“

Sie hat zugegeben, überlegte Granock, dass ihre Kreaturen zumindest einen großen Teil der Zwerge in diesem Berg kaltblütig umgebracht haben. Die Überlebenden – wenn es denn welche geben sollte – werden nach ihrem Kopf schreien. Thyranno hat Baldouin und Merywyn auf dem Gewissen. Aufgrund ihrer Anordnung! Und auch jetzt bedroht mich dieses Vieh und wartet nur darauf, dass sie den Befehl dazu gibt. Mehr als genug für viele auf dieser Welt, zum Schwert zu greifen. Leide habe ich kein Schwert. Vielleicht sollte ich sagen: Den Göttern sei Dank habe ich bessere Waffen aufzubieten! Machen wir dem Schauspiel ein Ende, entschloss er sich und legte absichtlich Hohn in seine Antwort.

„Ich wollte die Zwerge besuchen und stelle nun fest, dass dein Schoßtier sie alle umgebracht hat. Und meine Begleiter“, sagte er kalt. „Und du trägst die Verantwortung dafür!“, fuhr er donnernd fort und verlegte sein Gewicht auf seinen rechten Fuß.

Scheinbar hatte auch sie eingesehen, dass er ihr nicht die Antworten liefern würde, die sie sich vielleicht erhofft hatte und auch ihr Trugbild ihn nicht täuschen konnte. Das Flimmern steigerte sich von einem Augenblick zum nächsten, weitete sich immens aus und füllte, mit die Augen verwirrendem Wabern, Granocks gesamtes Sichtfeld. Die Leuchtkraft nahm dabei ebenfalls zu und der Zauberer musste seine freie Hand erheben, um noch etwas erkennen zu können. Gleichzeitig drangen nun merkwürdige und entsetzlich klingende Geräusche an sein Ohr.

Granock warf einen raschen Blick auf Thyranno, doch die Bestie blickte ihn nur unverwandt an und schien auf einen Befehl seiner Herrin zu warten. Der lauernde Blick des Drachen traf Granock wie ein Stich. Kaum hatte er sich von diesem Blick gelöst, ließ ihn das neue Bild der Frau erbeben, wie ein Eisen auf einem Amboss, wenn der Hammer auf es niederfährt. Anstelle eines bezaubernden Weibes, hing dort nun ein Wesen über dem See, dass selbst den abgebrühten Farawyn erschüttert hätte.

Keine makellose Haut mehr sondern nass glitzernde Schuppen. Kein wohlgeformter Leib sondern monströse und verunstaltete Glieder, sich windend, schlängelnd, vor Kraft strotzend. Das, was bei dem Trugbild noch golden glitzerndes Haar gewesen war, flog nun wirr und sabbernd durch die Luft. Schleimige Tropfen fielen auf den See und dort, wo sie auftrafen, zischte und rauchte es. Der Kopf des Unwesens war groß wie ein Zelt und tatsächlich hatte Granock das Bild flatternder Bespannung und Seilen vor Augen, als er sich abgestoßen einen Schritt zur Seite bewegte.

Sofort fauchte Thyranno auf und machte ebenfalls einen mächtigen Schritt auf ihn zu.

Granock blieb wie angewurzelt stehen und doch drängte in ihm alles zur Flucht.

Ich habe keine Chance gegen beide zugleich, dachte er und fasste seinen Stab mit dem Elfenkristall fester. Mit Grauen beobachtete er, wie sich ein riesiges Maul auffaltete und anstelle einer Zunge ein glibberig glitzender Rüssel ausrollte und genau auf ihn zielte.

Was auch immer aus diesem Schlund dringen mag, ich werde nicht warten, bis es mich trifft.

Er hatte den Gedanken noch nicht beendet, als ein dicker Strahl einer gelblichen Flüssigkeit hervorschoss und mit rasender Eile genau auf ihn zuflog.

„Sym tabbue nu e mórr!“, schrie er mit aller Kraft und stieß den Elfenkristall mit beiden Händen hoch in die Luft. Neun Schritte näher dem Tod! Und kaum hatte er die letzte Silbe beendet, erstarb das Getöse des Untiers und jegliches andere Geräusch in der riesigen Höhle.

Granock atmete auf, als er sah, dass der gelbe Speichel des Monsters nur eine Armlänge vor ihm wie ein giftiger Speer in der Luft verharrte, gefangen in der eingefrorenen Zeit.

Neun Schritte, dachte er und dankte den Göttern und Elfen für diesen mächtigen Zauber. Überleg dir gut, wohin du neun Mal deine Füße setzt!, mahnte er sich selbst und sah sich um. Beim letzten Schritt bricht die Starre und die Zeit fließt, als wäre nichts geschehen.

Doch Granock hatte diesen Zauber schon zwei Mal in seinem Leben einsetzen müssen und hatte sich vor der ersten Silbe an den bestmöglichen Anfangspunkt für die Schritte gebracht. Er machte zwei Schritte und hielt an, tat einen Dritten und stoppte erneut.

Ich benötige einen weniger, um den perfekten Standpunkt zu erreichen, dachte er und legte mit Vorsicht die Schritte Vier bis Acht zurück. Ein letzter Blick auf den Drachen und seine Gebieterin, dann machte er einen winzigen Schritt.

Aber er genügte.

Die Starre brach und jedwede Bewegung setzte dort an, wo sie so abrupt geendet hatte.

Der Strahl aus dem Maul des Monsters traf Thyranno mitten in den aufgerissenen Rachen. Der Höhlendrache würgte und spuckte sofort, doch es war zu spät. Innerhalb weniger Augenblicke verwandelte sich seine zahnbewehrte Schnauze in einen blubbernden und zischenden Albtraum.

Aber Granock hielt sich nicht mit dem Todeskampf des Höhlendrachen auf, sondern rannte die wenigen Schritte in den Stollen, durch den er getrieben worden war. Er warf nur einen Blick zurück und sah, dass die schleimige Ausgeburt der Finsternis verwirrt in der Luft schwebte und nicht begriff, was gerade geschehen war. Dann verschwand er im Dunkel des Gangsystems.

Thyranno ist tot, überlegte er befriedigt und hastete vorwärts. Und das riesige Monster kann mir in diesen engen Gängen nicht folgen. Wenn es einen Weg aus dem Berg gefunden hätte, hätte es ihn schon längst genommen. Die Zwerge in diesem Teil des Massivs sind ebenfalls tot und nichts deutet darauf hin, dass sie die Waffe gefunden haben.

Granock tastete sich an den Wänden entlang so schnell er konnte.

Für eine neue Fackel ist noch Zeit genug, wenn ich aus der unmittelbaren Umgebung dieses Untiers entkommen bin, dachte er und ignorierte die Verletzungen an Füßen und Händen, die er sich an scharfen Steinen zuzog.

Was sind diese Wunden schon gegen die 27 Schritte, die ich nun insgesamt meinem Tod näher gekommen bin. Alles hat seinen Preis.

Mit diesem Gedanken floh Granock durch die Dunkelheit und nur ein kleiner Teil seines Verstandes beschäftigte sich mit der Befürchtung, dass in dem Labyrinth vor ihm noch Artgenossen Thyrannos auf ihn lauern mochten.

Copyright © 2012 by Cameo Flush

Bildrechte: Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten” (Magie neuer Hrsg und heller.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

DIE GEWINNERSTORY IST ALS E-BOOK BESTELLBAR

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Michael Peinkofer
Das Zauberer Handbuch

Piper Verlag
ISBN 978-3-492-26791-5
Bildung, Sachbuch
Erschienen 2012
Titelbild Alan Lathwell
Umschlaggestaltung Guter Punkt, München
Umfang 332 Seiten

www.piper-verlag.de
www.michael-peinkofer.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Autorenporträt

Michael Peinkofer, 1969 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Kommunikations-wissenschaften und arbeitete als Redakteur bei der Filmzeitschrift »Moviestar«. Mit seiner Serie um die »Orks« avancierte er zu einem der erfolgreichsten Fantasy-Autoren Deutschlands. Seine Romane um »Die Zauberer« wurden zu Bestsellern. 2012 hat Michael Peinkofers neue Trilogie um das Schicksal der »Splitterwelten« begonnen.

Zum Buch

Michael Peinkofer beschreibt, gegliedert in 5 verschiedenen Kapitel mit einer unterschiedlichen Anzahl von Unterkapiteln die Entstehung eines Romans von der Pike an. Hierbei berichtet er meist aus seinen persönlichen Erfahrungen heraus, wie er gleich zu Anfang des Buches deutlich macht. Er beginnt bei den Vorbereitungen, wie etwa die Erstellung einer Grobskizze des Handlungsaufbaus bis hin zur Skizzierung der Figuren und führt hierdurch in den Schreibprozess ein. Daran anknüpfend erfolgt eine Einordnung des Fantasyromans, bei dem sowohl auf den Aufbau, im Sinne des klassischen Dramas, wie auch auf Archetypen eingegangen wird. Erst danach wird zur Ausgestaltung des Romans übergegangen, in Szenen und Perspektivfragen eingeführt, sowie auf grundlegende stilistische Mittel und Dialogführung eingegangen. Anschließend wird noch kurz darüber aufgeklärt, mit welchem Personenkreis sich der werdende Autor herumschlagen muss oder darf, um dann damit abzuschließen, wie man am besten sein Buch an den Mann (in diesem Fall der Agent) oder an einen Verlag bringt. Durchdrungen ist der ganze Band nicht nur von Szenen aus seinen eigenen Büchern, sondern auch von Rückbezügen auf Tolkien und Star Wars.

Fazit

Das Buch war ein guter Ratgeber für den Einstieg ins Schreiben. Allerdings wurde ich nicht mit ihm warm. Das lag nicht am Schreibstil, denn der war sehr gut und auch nicht daran, dass es an praktischen Beispielen zur Veranschaulichung gemangelt hätte, sondern einfach an mir selbst und meiner Persönlichkeit als Schreiber. Zum einen hätte ich bei jedem Kapitel mehr gewollt, was aber eine kurze Einführung einfach nicht liefern kann und zum anderen passte der Ratgeber nicht zur Grundstruktur meines eigenen Schreibens. Ich bin einfach kein Plotter. Allerdings habe ich auch noch nie die Ansprüche an mich selbst gestellt einen ganzen Roman zu verfassen, vielmehr lebe ich immer in den einzelnen Momenten mit meinen Charakteren auf. Für jemanden allerdings, der den Anspruch an sich hat, einen Roman zu verfassen und dem das Plotten, mit Kapitelstrukturierung liegt, für den ist das Buch Gold wert. Nach dieser kurzen Einführung ins Schreiben weiß man nämlich genau, wo man noch tiefer bohren und mehr Wissen sammeln muss: Sei es bezüglich des Erzählstils oder des Dialogschreibens. Besonders gut gefiel mir, dass am Ende des Romans noch eine kurze Literaturliste zu finden war – da werde ich mir so manchen Band einmal zur Vertiefung zu Gemüte führen.

Ein gutes Einstiegswerk für werdende Autoren, die sich mit dem Plotten nicht allzu schwer tun.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

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DER GEFANGENE – aus: “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger” von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 29. Juli 2012

DER GEFANGENE

aus: “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger”

von Cameo Flush

Kapitel  1

A. D. 194, Dezember

Es war dunkel und jegliches Gefühl für Zeit war Cumail längst verloren gegangen. Zu Beginn seiner Gefangenschaft hatte er noch versucht, die Tage mittels in die Wand geritzter Striche zu zählen. Aber seine Kerkermeister nahmen ihm alles weg, was dazu dienlich sein konnte, kaum das sie Cumails Markierungen entdeckten. Auch die Abstände, in denen man ihm Wasser und Dinge brachte, die er essen sollte, zu Beginn seines Aufenthaltes aber nicht hinuntergebrachte, halfen ihm nicht, die verstrichene Zeit zu messen. Mit perfidem Vergnügen kamen seine Wächter zu den unterschiedlichsten Zeiten und warfen ihm das Essen vor die Füße. Mittlerweile aß er auch das, was er auf Ynys Môn niemals über die Lippen gebracht hätte. Trotzdem litt er ständig Hunger. Lediglich den Krug mit Wasser stellten sie ab. Widerwillig wie ihm schien und mehr als einmal stieß einer der Wächter ganz zufällig dagegen und er musste zu dem Krug eilen, um wenigstens den Rest zu retten, der sich noch darin befand.

Cumail verfluchte sich, dass er so dumm gewesen war zu glauben, er könne aus dem Sohn der Königin einen anständigen Picten machen. Er wenig tröstete ihn der Gedanke, dass er nicht der einzige Druide war, der sich etwas vorgemacht hatte. Jahrelang ignorierte er mit bewundernswerter Geduld die ständigen Obszönitäten, die ihm sein Schüler an den Kopf warf. Auf Beleidigungen antwortete er mit Wissen, höhnisches Gelächter erwiderte er mit leiser, betonter Stimme und bösartiges Grinsen vergalt er mit freundlichen Worten. In all den Stunden seiner Lehrtätigkeit war er immer zu der Einsicht gelangt, dass sein Schüler jedes seiner Worte aufsog wie trockener Boden die lang ersehnten Regentropfen. Das Gesicht seines Schülers mochte bei aller äußerlichen Schönheit noch so abstoßend verzerrt gewesen sein, die Augen jedoch ließen eine unendliche Neugier und permanente Wachsamkeit erkennen, die ihn erfreute und erschreckte zugleich.

In Diskussionen mit Yan mac Ruith und Púca wurde lange darüber debattiert, wo sie die Grenze ziehen sollten zwischen dem Wissen, dass sie Brannon mac Ruith, ihrem Schutzbefohlenen, angedeihen lassen wollten und dem Wissen, dass er nie erfahren durfte. In vielen Details waren sie sich uneins gewesen und stets hatte am Ende Yan mac Ruith, der Vaterbruder Brannons, entschieden. Doch in einem Punkt waren sich alle Druiden einig gewesen:

Brannon mac Ruith durfte niemals erfahren, dass sein Vater ein Druide war und seine Mutter die Königin aller Cruithin ist.

Und kein einziges Wort über die Tafel.

Niemand von ihnen ahnte damals, dass er dieses Wissen längst besaß.

 *

Cumail wusste nicht, ob es Tag oder Nacht war, als man ihn wieder einmal aus dem Schlaf riss, mit harten Griffen auf die Beine half und ihm die Augen verband. Sie kamen immer zu dritt und er fühlte sich durch diese Zahl tatsächlich geschmeichelt. Zeigte es ihm doch, dass sie es immer noch für nötig befanden, einem alten Druiden wenigstens drei ausgewachsene Krieger gegenüberzustellen. Natürlich war er längst so abgemagert und entkräftet, dass auch ein einziger Krieger vollauf genügt hätte, um ihn zu bändigen.

Er lachte bei diesem Gedanken auf und dachte an die Zeiten zurück, als die zehnfache Menge an Kriegern nicht ausgereicht hätte, um ihn und seine Kräfte auszuschalten. Doch die miserable Ernährung, die ständige Kälte, der Hunger und nicht zuletzt die Folterungen machten aus ihm ein wandelndes Skelett. Der unregelmäßige Schlaf, ständig unterbrochen und die fast permanente Dunkelheit zehrten an seinen inneren Kräften und verweigerten ihm jedweden Zugriff auf druidisches Wissen und die dafür zwingend notwendige Konzentration. Er fühlte sich wie ein leerer Eimer, der sich daran erinnerte, wie es einmal war, mit frischem Wasser bis an den Rand gefüllt zu sein. Im Grunde sehnte er sich längst nach dem Tod und eine Ahnung in ihm wurde von Tag zu Tag stärker, dass es ein Gnadenakt wäre, würde er einfach an Entkräftung sterben und zu Boden stürzen. Doch genauso ahnte er, dass ihm diese Gnade vorenthalten bleiben würde.

Wie sehr habe ich versagt?, dachte er und nahm den Schlag des Wärters hin, der sein Auflachen missverstand.

„Halt´s Maul, alter Sack!“

Er kannte längst den Weg zu der Kammer, in der ihn Brannon verhören würde. Oder auch Alain, dessen Sklave. Mit Schock und allergrößter Bitterkeit hatte Cumail reagiert, als er in einer der Stimmen seiner Bewacher die des Sohnes von Fionnghal mac Carnonacae, des Fürsten des Bärenclans, erkannte. Er fragte sich ununterbrochen, wie es Brannon geschafft hatte, aus diesem Bär von einem Mann einen gehorsamen Schoßhund zu machen. Es erschreckte ihn, dass ein Mann, nein, im Grunde ein Kind – ohne jegliche druidische Ausbildung – sich eines ausgewachsenen Pictenkriegers bemächtigen konnte.

Seine Gedanken wurden von der Erkenntnis unterbrochen, dass sie nicht den üblichen Weg nahmen. Anstelle zwei Mal links, dann geradeaus und anschließend rechts abzubiegen, waren sie nur einmal links, dann geradeaus und wieder links gelaufen. Er erhielt er mit einem erneuten unerwarteten Richtungswechsel die Bestätigung, dass sie tatsächlich nicht in den üblichen Verhörraum liefen, als ihm klar wurde, was das bedeuten konnte.

Heute werde ich sterben.

Ein Teil von ihm erschrak und auch die Furcht vor Schmerzen schwappte an die Oberfläche seines Bewusstseins, sodass er strauchelte und ihn die Gänsehaut aufsteigen ließ. Ein anderer Teil begrüßte sein kommendes Ende mit Erleichterung.

„Reiß dich zusammen!“, fuhr ihn einer der Männer an und schlug ihm die Faust in den Rücken. Er torkelte blind durch den Gang und musste sich mit den Händen an den rauen Wänden abfangen. Schon einmal hatte er versäumt, sich vor den nur sehr grob behauenen Steinen der Gänge zu schützen und sich das Gesicht daran aufgerissen. Die Wunde hatte lange geblutet, blieb natürlich unbehandelt und war sogar jetzt noch nicht richtig verheilt.

Wahrscheinlich bleibt mir nicht mehr die Zeit, dass sie sich wieder erholt, dachte er und wurde von einem anderen Mann am Genick gepackt und nach vorn gestoßen.

„Bleib dort stehen!“

Er befolgte den Befehl und hörte mit einem dumpfen Schlag eine offensichtlich massive Tür hinter sich zufallen. Die Schritte seiner Eskorte entfernten sich und Cumail stand ein wenig zittrig in einem kalten Raum. Zumindest vermutete er, dass es ein Raum war, denn die Geräusche seiner Bewegungen wurden von nahe stehenden Wänden zurückgeworfen. Er hatte schon immer ein ausgezeichnetes Gehör besessen.

Ein kleine Zelle.. 

Als einige Zeit nichts geschah, wagte er es, eine Hand an die Binde zu heben, die man ihm über die Augen gebunden hatte. Fast zögerlich berührte er den dreckigen Stoff.

„Nur zu, Cumail“, drang die Stimme Brannon mac Ruiths plötzlich auf. Cumail hasste diesen süßlichen Ton.

Glaubt er, mich damit einlullen zu können?, dachte er und schob die Binde von den Augen. Doch es blieb dunkel. Er ließ die Binde einfach fallen und hob den Kopf. Konnte es sein, dass die Stimme seines obersten Wärters ein wenig von oberhalb gekommen war? Cumail hob den Kopf etwas höher und drehte ihn nach links und rechts.

„Streng dich nicht an, alter Mann, ich bin hier“, kam es im gleichen Tonfall von rechts über ihm.

Cumail blinzelte in diese Richtung und konnte immer noch nichts sehen.

Mein Augenlicht ist trotz meines Alters noch sehr gut und bei den bisherigen Folterungen hat man fast peinlich darauf geachtet, dass meine Augen unversehrt blieben.

Nicht das Cumail sich über dieses Vorgehen beschwert hätte. Aber es war ihm klar, dass Brannon eine entsprechende Anweisung ausgesprochen und er die Verschonung der Augen aus einem ganz bestimmten Grund befohlen hatte.

Er will mir etwas zeigen oder mich mit dem Anblick von etwas gänzlich Schrecklichem besonders quälen. Nur mit was?

Plötzlich wurde eine Kerze entzündet und ihre kleine Flamme erschien ihm wie ein glühendes Eisen, das in seine Augen stach. Sofort schloss er die Lider und erinnerte sich nur zu gut echter Eisen, die man ihm mehrfach in die Haut gedrückt hatte. Es erstaunte ihn noch jetzt, dass er diese Marter mit grässlichen Schreien und Herzrasen überstanden hatte und nicht zusammengebrochen oder einfach gestorben war.

Die Kunst des Foltermeisters ist es, den Delinquenten so lange am Leben zu lassen, wie es ihm befohlen wurde. Oder bis man jede Information aus ihm herausgepresst hatte, die man haben wollte.

„Soll ich die Kerze wieder löschen Cumail?“, kam es von oben und der Angesprochene empfand die gespielte Besorgnis genauso abstoßend wie diese ekelhafte Süße in Brannons Stimme. Er erwiderte nichts auf die Frage, sondern senkte einfach den Arm, den er zusätzlich vors Gesicht gehoben hatte. Er blinzelte ein paar Mal, dann konnte er das Licht der Kerze ertragen, ohne weiße Flecke auf seiner Netzhaut tanzen zu sehen.

„Du fragst dich sicherlich, warum du heute in diesem Raum befragt wirst und nicht in deiner gewohnten Zelle.“

Als ob man sich an Folter gewöhnen könnte, dachte der Druide und sah sich in der Kammer um. Alle vier Wände des rechteckigen Raumes waren mit Regalen bedeckt, nur von der massiven Tür unterbrochen. Doch in den Regalen stand kein einziger Gegenstand, außerdem waren die Bretter nach vorn mit dichten Gittern versehen.

Was soll ein Regal, in das man nicht hineingreifen kann, um dessen Inhalt in die Hand zu nehmen? Und als Schutz für wertvolle Gegenstände scheint mir der ganze Raum nicht gedacht, überlegte er und versuchte die weiteren Worte Brannons von sich zu drängen, gänzlich unhörbar machen konnte er sie leider nicht.

„Weißt du, Cumail, heute ist ein besonderer Tag“, schwatzte die klebrige Stimme weiter. „Ich habe die Zeit mir dir genossen, wirklich. Und ich bin dir sogar dankbar für deine Ausbildung.“

Oh ja, zuckte es durch Cumails Kopf und beinahe hätte er seine Nichtbeachtung seines Gastgebers fallen lassen. Wie falsch lagen wir? Wir dachten, dass man mit Lehre und Wissen einen verderbten Geist heilen könnte. Nun haben wir aus einem dummen Mörder einen gelehrten Mörder gemacht!

„Ich habe mich entschlossen, deinen Aufenthalt hier zu beenden.“

Cumails Kopf ruckte nach oben und im gleichen Augenblick ärgerte er sich, dass er sich nicht besser in der Gewalt hatte. Seine Wut auf sich selbst half ihm jedoch den Anblick zu ertragen, den er im schwachen Licht der einzigen Kerze deutlicher sah, als ihm lieb war.

Brannon stand an der Kante einer der Wände, die sich nun als Bestandteil einer kleinen Grube erwiesen. Mit einem schnellen Blick erkannte Cumail, dass die Grube die Mitte eines größeren Raumes darstellte.

Wie eine Galerie mit Sitzplätzen für Zuschauer, zuckte es durch sein Hirn. Er will meinen Tod zu einem Schauspiel machen. Genügt es ihm nicht mehr, sich selbst an Perversitäten zu ergötzen? Braucht er nun schon ein Publikum, um sich zu erhöhen?

Aber außer Brannon schien sich niemand weiterer auf der Galerie aufzuhalten. Vielleicht standen sie aber auch reglos im Schatten und würden erst zu Beginn der Folter nach vorne treten. Cumail verlegte sich wieder auf die Musterung der Grube, in der er stand.

Der Boden war festgetretene Erde, durchsetzt mit kleinen Steinchen und allerlei Flecken, von denen er überzeugt war, dass sie getrocknetes Blut waren. Die Gitter überzogen tatsächlich alle Wände. Nun, da er genauer hinsah, sah er an manchen Stellen kleine Scharniere, die jeweils einen handgroßen Teil der Gitter in kleine Öffnungen verwandelte. Wieder kam ihm die ganze Konstruktion sehr befremdlich vor. Er konnte sich keinen Zweck vorstellen, der Öffnungen erklärte, die einen begrenzten Zugriff – auch mit dünnen Armen – in die Regale erforderte.

„Ich sehe, du machst dir Gedanken um mein kleines Spielzeug hier.“

Hätte Cumail irgendeinen Gegenstand besessen, hätte er ihn mit aller verbliebener Kraft der Quelle der pappig-ätzenden Stimme entgegengeschleudert. Stattdessen hob er den Kopf und blickte seinem Widersacher endlich in die Augen.

„Ich bin nicht zu Spielen aufgelegt, Jungchen!“, donnerte er. „Sag, was du sagen musst und dann mach ein Ende. Von mir wirst du niemals das Versteck der Tafel erfahren.“

Dabei musste er sich wirklich zusammenreißen, um den Anblick des jungen Mannes zu ertragen, zu dem Brannon geworden war: Mindestens zwei Meter groß, wenn nicht sogar ein wenig mehr. Dabei nach dem Alter immer noch ein Jüngling von nicht einmal 14 Jahren!

Ein blutjunger Dämon im Körper eines erwachsenen Mannes.

Cumail fand immer noch keine Erklärung für dieses enorm beschleunigte Wachstum. Alle, die Königin, ihr Schwager und der gesamte Druidenorden auf Ynys Môn, rätselten seit Brannons Geburt über dessen rapide Entwicklung. Und was sie alle noch mehr erschreckte, war die unverhohlene Bosheit, Aggressivität und Perversion des Jungen. Cumail schüttelte – wie er glaubte – unmerklich den Kopf, aber Brannon sah die Bewegung sehr wohl.

„Schüttelt es dich bei meinem Anblick? Gefällt dir etwa meine neue Haut nicht?“, sagte er provozierend und bewegte seine Arme in den Lichtschein der Kerze.

Cumail fühlte weiteren Ekel in sich aufsteigen, als er die Haut- und Fellfetzen an Brannon kleben sah. Plötzlich nahm er den Geruch frischen Blutes wahr, der durch die Bewegung scheinbar zu ihm herunterdringen konnte. Die meisten Teile waren Stücke von Tieren, doch andere waren eindeutig menschlichen Ursprungs. Als wären sie besondere Trophäen, präsentierte Brannon ihm Hautstücke mit weiblichen Brustwarzen, die nun seine starken Oberarmmuskeln zierten. Auf seiner breiten Brust pappten mehrere Nasen und Ohren, großzügig umgeben von der Gesichts- und Kopfhaut der Opfer. Als Cumails Blick auf die Bauchmitte Brannons fiel, würgte er hart; doch in seinem Magen befand sich nichts, was er hätte herauskotzen können. Der Anblick sich in raschem Takt vor- und zurückziehender Bauchmuskeln – und der darauf mit Blut befestigten Vagina – färbte sein Gesicht grünlich. Er spuckte verächtlich aus und wandte sich ab.

„Oh, freut dich dieser Anblick nicht?“, höhnte Brannon. „Ich wollte dir zum Schluss eine Freude machen, alter Mann. Ich glaube nämlich, dass es schon sehr her lange ist, seit du eine feuchte Fotze so pulsieren gesehen hast.“ Dann wandelte sich die süße Stimme plötzlich in ein eiskaltes Knirschen.

„Oh doch, du wirst mir das Versteck der Tafel verraten, alter Mann. Ich habe viele Freunde, die mir dabei behilflich sein werden. Und ein paar – zumindest am Anfang – wirst du sogleich kennenlernen.“

Mit einer raschen Bewegung löschte Brannon das spärliche Licht der Kerze und nur Augenblicke später knirschte es metallisch an mehreren Stellen rings um Cumail.

Die Scharniere, blitzte es durch den Druiden.

Dann hörte Cumail zunächst ein leises Fiepen, gefolgt von zwei, drei antwortenden Pfiffen. Und bald darauf das leise Rascheln und Trappen vieler Füße. Mit einem Mal war Cumail klar, wofür die vergitterten Regale dienten. Es waren Lauframpen für das, was nun auf ihn zurannte.

Ratten.

- Ende -

Copyright © 2012 by Cameo Flush

 

Spiegelkrieger-Trilogie:
Band 1: “Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger”
Band 2: “Arianrhod mac Ruith – Königin der Spiegelkrieger”
Band 3: “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger”

Buchtipp des Autors:

Meißner, Tobias O.
Die Dämonen

Am Ende der Zeiten

Verlag :      Piper
ISBN :      978-3-492-70232-4
Einband :      Paperback
Preisinfo :      15,99 Eur[D] / 16,50 Eur[A] / 22,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      464 S.
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      2. Aufl. 11.2011

Adain ist ein Wiederkehrer, ein Dämon, der seine Form verändern kann, und der Einzige seiner Art, der die Schlacht von einst überlebt hat. Nachdem er jahrhundertelang die Lehren des Dämonenkönigs studiert hat, treibt ihn nun die Neugier aus der Tiefe. In Menschengestalt verschafft er sich Zutritt in jene zerstörte neue Welt, die nicht nur fremdartiges Leben erschaffen hat, sondern auch abscheuliche Gefahren. Und als Adain in den Besitz der wertvollsten Substanz der alten Zeit gelangt, sieht er den Moment für eine neue dämonische Invasion endlich gekommen.

Tobias O. Meißner, geboren 1967, studierte Kommunikations- und Theaterwissenschaften. Seit 1997 verdient er seinen Lebensunterhalt zur Hälfte als Farbrikarbeiter, zur Hälfte als freiberuflicher Schriftsteller. Der Autor lebt in Berlin.

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SCHÄUFELE AUF ALIEN-ART – Science-Fiction-Story – mit Rezept – von Cameo Flush

Erstellt von Galaxykarl am 24. Juli 2011

SCHÄUFELE AUF ALIEN-ART

Science-Fiction-Story – mit Rezept

von

Cameo Flush

„Liebe Freunde galaktischer Kochkunst, herzlich willkommen hier bei unserem alljährlichen Kochwettbewerb auf Sagittarius V!

Vielleicht haben schon einige von Ihnen von dieser neu entdeckten Spezies – den Menschen – am Arsch der Milch-stra-ße gehört. So nennen diese seltsamen Wesen unsere Spiralgalaxis. Entschuldigung, aber an dieser Stelle muss ich immer lachen. Diese Hominiden halten sich doch tatsächlich für die Spitze der biologischen Entwicklung. Hahahaha! Aber egal, das wird sich bald ändern.

Nun, für die Wenigen, die mich nicht kennen sollten oder für die Wesen, die vielleicht noch nie an Kochen oder gar über einen Koch-Wettbewerb nachgedacht haben, hier meine offizielle Vorstellung:

Mein Name ist Mmhshalabbri-5 und ich stamme hier aus dem Zentrum für intergalaktische Küche. Meine Existenz wurde vor 182 Sonnenumläufen downgeloadet und ich darf von mir behaupten, alle bekannten und unbekannten Rezepte in meinen Speichern zu tragen. Und letztere Kategorie wird nun um eine ganze Reihe neuer, aufregender Gerichte erweitert. Ich hatte die Gelegenheit und die große Ehre, als einer der ersten VR-Koch-Avatare auf diesem kleinen Planeten der Menschen – hihihi, diese einfachen Gemüter nennen sie schlicht Er-de – die wichtigsten kulinarischen Erfahrungen machen zu dürfen.

Selbstverständlich haben mein Team und ich alle Zutaten meines Rezeptes auf Verträglichkeit aller Galaktikervölker – und insbesondere der Jurymitglieder – getestet. Mit Stolz kann ich verkünden, dass diese Menschen eine recht einfache Grundbiologie aufweisen, die selbst die verschiedensten Mägen und Verdauungssysteme der Galaktiker-Gemeinschaft ohne Weiteres vertragen. Ob Sie – ja Sie, das Publikum – die menschlichen Gerichte aber als schmackhaft, eventuell sogar als delikat bezeichnen werden, überlasse ich Ihren Gaumen. Oder was immer Sie an Geschmacksorganen besitzen mögen, hahaha.

Bevor ich jedoch mit meinem Koch-Beitrag beginne, möchte ich Sie kurz einstimmen auf diese neue Spezies: Sie haben eine glatte Haut und nur sehr wenig Fell. Ganz erstaunlich ist die Tatsache, dass manche Exemplare recht borstige, dafür aber sehr vereinzelte Haare tragen. Andere dagegen besitzen viel mehr Fell, dafür aber deutlich feiner. Sehr seltsam. Außer einem recht hässlichen Kopf aus dem zwei – tatsächlich nur zwei! – Augen dümmlich glotzen, tragen sie mitten im Gesicht ein Riechorgan mit ebenfalls zwei Atemöffnungen. Diese Nase ist rund geformt; fast so wie die eleganten Rüssel der Baldoorianer. Weiterhin haben diese Menschen vier Extremitäten, auf denen sie sich mehr oder weniger geschickt vorwärtsbewegen. Den Abschluss bildet ein – in der Regel -spiralig geringelter Schwanz, über dessen Funktion unsere Exobiologen noch rätseln. Der ganze Körper dieser Menschen ist aber das Erstaunlichste an ihrer Erscheinung: Es gibt in nämlich in Hunderttausenden, ja vielleicht sogar Millionen Varianten. Bei unserem ersten Besuch haben wir kein Exemplar gefunden, das exakt einem anderen glich.

Doch nun zurück zu unserem Koch-Wettbewerb. Auf der Suche nach einem siegverdächtigen Gericht stieß ich bei einem kleinen Volk auf der nördlichen Hemisphäre auf einen Begriff, der alleine schon beim Aussprechen meine virtuellen Verdauungssäfte zum Sprudeln bringt: Schäu-fe-le! Ich betone diese kulinarische Rarität deswegen so besonders, da sie von den Einheimischen mit einer schon fast religiös zu nennenden Ehrfurcht ausgesprochen wird. Im gleichen Augenblick, als ich dieses Wort hörte, wusste ich: Das ist mein Sieger-Rezept!

Bitte stellen Sie also Ihre sämtlichen sensorischen Systeme auf höchste Sensibilität und ich verspreche Ihnen eine Überraschung. Selbstverständlich dürfen Sie wie gewohnt Downloads dieser Präsentation vornehmen und vor allem ihre Geschmackstransmitter auf vollen Empfang schalten. Viel Vergnügen!

Ich beginne mit der natürlichen Umgebung, in der wir das Rohmaterial für Schäufele angetroffen haben. Es war an einem Meeresstrand mit feinstem weißen Sand. Am Ufer wälzten und sonnten sich die Tiere, die den Hauptbestandteil des Gerichtes bilden. Wie gesagt, die körperliche Differenziertheit auf diesem kleinen Planeten, der übrigens von den Menschen Terra genannt wird, ist äußerst vielseitig. Auch diese Tiere am Strand spiegelten diese Vielfalt wider. Manche Exemplare hatten helle, fast weiße Haut, andere hatten Brauntöne in allen Schattierungen und wieder andere besaßen rote, strahlende Flecken, die seltsam mit der weißen Haut kontrastierten.

Wir fingen ohne Probleme eines dieser Tiere und wunderten uns nur kurz, dass es weder einen kurzen noch einen geringelten Schwanz aufwies, sondern eher einen gestreckten, an dem zwei kleine Kugeln hingen. Doch das ist für die Zubereitung von Schäufele nicht relevant. Denn das leckerste Teil dieses Tieres stellt das Fleisch rund um die Schulterknochen dar, von denen es – wieder einmal – zwei besitzt. Das Tier zappelte zwar etwas, als wir es betäubten, schließlich sind wir ja keine Barbaren, aber ein wirklich seltsamer Laut ließ uns kurzfristig innehalten. Er klang irgendwie so ähnlich wie: „Naaaainnn!“ Aber ich kann mich auch täuschen. Wie gesagt, unsere Exobiologen sind zurzeit mit der Klassifizierung noch schwer beschäftigt.

Man trennt also zwischen Halsansatz und Körper die Schulter vom Rest und entfernt anschließend die wenigen Fellteile. Das Blut sollte nicht völlig auslaufen, denn sonst verliert das Fleisch seine Saftigkeit. Das von uns ausgewählte Exemplar wies eine ausreichend dicke Fettschicht auf, die sehr wichtig für den perfekten Abschluss des Gerichtes ist. Doch dazu später mehr. Es war richtig lustig anzusehen, wie das Exemplar versuchte, mit seinem fetten Leib dem Jagdteam zu entkommen. Es erhob sich sogar unter kräftigem Schnauben auf zwei seiner Extremitäten und wollte sich ins Meer retten. Wahrscheinlich seine eigentlich natürliche Umgebung. Unsere Forscher vermuten, dass diese Unterart gerade dabei ist, den endgültigen Schritt vom Meer aufs Land zu vollziehen. Ach, wie war das aufregend.

Doch weiter mit der Zubereitung. Und ich bitte Sie nun um allerhöchste Aufmerksamkeit. Anstelle die natürliche Frische zu erhalten, wird das Schäufele nicht roh genossen, sondern es wird erhitzt, ja richtiggehend verbrannt! Die Menschen setzen dieses wunderbare Stück Natur echtem Feuer aus. Und dies nicht nur wenige Zeiteinheiten lang, sondern sage und schreibe 5 Priklacks! Um die Exotik noch zu steigern, muss das gute Stück alle halbe Priklacks mit der austretenden Flüssigkeit übergossen werden. Sollten Sie diesen Schritt vergessen, werden Sie am Ende ein vertrocknetes braunes Stück Kohle auf dem Teller liegen haben. Der wahre Kenner macht dazu aber noch Folgendes: Die möglichst dicke obere Fettschicht wird in Rauten eingeschnitten. Nur Barbaren und Kulturbanausen schneiden Rechtecke – oder noch schlimmer: Quadrate. Wagen Sie es niemals, Ihren Gästen solch verhunzte Schäufele aufzutischen. Damit gewinnen Sie keinen Kometen am blauen Band!

Während der Garzeit des Fleisches – und bitte nicht das Übergießen vergessen!  -, können Sie sich mit den Beilagen des Gerichtes beschäftigen. Absolut zwingend – und ich meine das todernst – ist es, runde weißlichgelbe Bodenknollen zu servieren, die man vorher geschält, in feine Fasern zerrieben und – halten Sie sich fest – ge-schwe-felt hat. Sollten Sie diesen Schritt vergessen, werden diese Knollen eine ungesund grünliche Farbe annehmen. Sie müssen die geschwefelte Masse zu faustgroßen Kugeln formen und in kochendes Wasser werfen. Für etwa ein Zehntel der Zeit, die Sie für das Fleisch benötigen, verbleiben diese Kugeln im heißen Wasser. Sie sehen also, diese Terraner kennen den Begriff Zeitmanagement.

Der Perfektionist unter Ihnen reicht zu Schäufele mit Bratensaft und den Knollenkugeln noch Vegetarisches. Hier gibt es wiederum eine Vielfalt an grünem Zeug, was auf Terra an jeder Ecke wächst. Im krassen Gegensatz zu dem angebrannten Fleisch, den in kochendes Wasser gestürzten Knollenkugeln, wird die vegetarische Beilage roh verzehrt. Ich habe beobachten können, wie Einheimische zwei verschiedene Flüssigkeiten darüber gegossen haben. Wahrscheinlich dient es dazu, das ansonsten recht trockene Blattwerk durch den Schlund in die Verdauungssysteme zu transportieren.

Und nun zum Schluss die Krönung und sozusagen die finale Kontrolle, ob Ihr Schäufele gelungen ist oder nicht: Die rautenförmig eingeschnittenen Fettteile sollten am Ende der Garzeit einen Farbton angenommen haben, der zwischen Hell- und Dunkelbraun liegt. Der Fachmann nimmt ein Besteck und klopft damit auf eines dieser Rautenteile. Ist es perfekt, muss es sich hart anhören. Im Munde soll es beim Kauen krachen. Daher nennt man diese Teile auch in Fachkreisen Krachele.

Natürlich haben mein Team und ich auf Terra eine Weile gebraucht, um dieses Gericht in allen Details korrekt zubereiten zu können. Und glauben Sie mir, es waren etliche Versuche nötig, um die vorgeschriebene Konsistenz aller Bestandteile zu erzielen. In unserer Verbundenheit gegenüber diesem neuen Mitglied unserer großartigen galaktischen Gemeinschaft haben wir natürlich auch mehrere der Einheimischen eingeladen, um an diesem von uns zubereiteten Festmahl teilzunehmen.

Als wir jedoch die Hauben unsere Servierplatten hoben, stießen viele wieder diesen komischen Laut aus, den auch das Tier von sich gab, als wir es fingen: „Naaaainnn!“

Nun ja, wir wissen ja aus Erfahrung, dass es nicht leicht ist, eine neue Spezies – und dazu noch eine recht primitive – in unsere Gemeinschaft aufzunehmen. Wie auch immer: Ich wünsche Ihnen guten Appetit!“

Die Zutaten:
- Ein möglichst frischer Terraner mit ausreichender Fettschicht
- Ein Korb voll Bodenknollen, Klasse festkochend
- Diverse rohe Vegetationsexemplare, sortenrein oder gemischt, je nach Geschmack
- Zwei Flüssigkeiten; eine davon sehr schmierig, die andere verursacht pur genossen Schütteln
- mehrere Gewürze, ich empfehle hier, die heimischen zu verwenden
Vorbereitung:
Das schwierigste ist die richtige Produktauswahl. Achtung: Fluchtgefahr
Gesamtzubereitungsdauer:
5 Priklacks

Ende

Copyright © 2011 by Cameo Flush

Bildrechte: Erstkontakt” (http://sfbasar.filmbesprechungen.de/wp-content/uploads/Erstkontakt2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Buchtipp des Autors:

Ringlein, Birgit
Apfelkiechla und Zwiebelblootz

Die besten fränkischen Spezialitäten

Foto(s) von Pump, Günter
Verlag :      Husum Druck- und Verlagsgesellschaft
ISBN :      978-3-89876-323-3
Einband :      gebunden
Preisinfo :      9,95 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 18,00 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Seiten/Umfang :      96 S., zahlr. farb. Abb.
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      2. Aufl. 03.2011

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Bodenständig ist das Essen in Franken, deftig und lecker. Ob Fleisch, Fisch, Gemüse oder Süßspeisen, die Gerichte sind immer reichhaltig. Aus der Vielfalt traditioneller fränkischer Küche hat Birgit Ringlein die besten Rezepte ausgewählt: Von Weinsuppe und der andernorts schon fast exotisch anmutenden Maronisuppe über Eintöpfe und deftige Hauptgerichte wie Würzburger Fuhrmannsbraten und Bamberger Bierzwiebel reicht das Repertoire. Der Schwerpunkt liegt auf der kunstgerechten Zubereitung von traditionell Bewährtem und Geliebtem. Auch Gemüse wie „Krehgmies“ oder „Sauergraud wie bei da Oma“, die in der fränkischen Küche unentbehrlichen „Gleeß“ (Klöße), Nachspeisen wie Kirschenmichel oder Apfelstrudel im Blätterteig und Rezepte für eine zünftige Brotzeit machen schon beim Lesen Appetit. Im Kapitel „Gebäck“ findet man u. a. den Klassiker „Elisenlebkuchen“ und die Dinkelsbühler Schneckennudeln. Zu den einzelnen Gerichten gibt die Autorin Getränkeempfehlungen, und im Bier- und Weinland Franken haben natürlich auch Rezepte für Warmbier und „Kirschglüher“ ihren selbstverständlichen Platz. Wer fränkische Spezialitäten gemütlich zu Hause bei einem Bocksbeutel oder zünftigen Bier genießen möchte, der wird hier garantiert fündig.

Birgit Ringlein, geb. 1956 in Bayreuth, lebte lange Zeit unter anderem in den USA und in Tunesien, wo sie als Geschäftsführerin arbeitete. Im Jahr 2000 kehrte sie nach Bayreuth zurück und ist seitdem als Lehrstuhlsekretärin bei der Universität Bayreuth beschäftigt. Einige Zeit war sie Vorstandsmitglied der Uni-Gourmets e.V. Bayreuth. Die begeisterte Hobby-Köchin widmet sich in ihrer Freizeit dem Schreiben von Koch- und Backbüchern.

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KREUZ UND PFAHL – aus: “Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger” Fantasy-Roman von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 2. April 2011

Der nachfolgende Beitrag stammt aus “Túan mac Ruith - Druide der Spiegelkrieger”
Die Figur steht dem Kapitel deshalb vorangestellt, da es sich beim Protagonisten um den späteren Druiden handelt. (Anm. d. Redaktion)

Kapitel IV
 

167 n. Chr., Herbst
Kreuz und Pfahl

Tuan duckte sich blitzschnell und glitt mit leisem Rascheln in ein dichtes Gebüsch hinein. Er dankte dem Waldgott dafür, dass die Büsche noch reichlich – und vor allem bunte – Blätter trugen und es noch einige Wochen dauern würde, bis diese herab fielen. Jetzt hatte er diese hervorragende Deckung auch bitter nötig, denn etwa hundert Schritte vor ihm bewegte sich ein großer Trupp Römer durch den Wald.

Der Junge verhielt sich völlig still, als die vorwiegend zu Fuß marschierenden Soldaten einem schmalen Tierpfad folgten. An ihrer Spitze ritt ein einzelner Offizier, ein Centurio, wie Tuan wusste. Rasch zählte er die Legionäre, die in wenigen Augenblicken nur Meter an ihm vorbeiziehen würden und kam zu dem Schluss, dass es sich um eine Manipel handeln musste. Er hatte diese römische Bezeichnung, und viele andere, hitzigen Debatten der Dorfältesten entnommen und sie aber erst später einer bestimmten Anzahl Soldaten zuordnen können. Diese Manipel bestand aus rund 100 Mann und Tuan wunderte sich, dass er so gut wie keine Verletzten entdecken konnte. Und keinen einzigen Gefallenen.

Sein Herz stockte für einen Moment, als er darüber nachdachte, was dies wahrscheinlich – nein, ziemlich sicher – bedeutete. Es war ihm völlig klar, dass diese Einheit für die Rauchsäulen über seinem Dorf verantwortlich sein musste und Angst und Wut kämpften augenblicklich um die Vorherrschaft in seiner Brust und in seinem Herzen.

Er ließ sich noch ein wenig niedriger in das Blattwerk des Busches einsinken, als der Reiter nur noch wenige Pferdelängen von ihm entfernt war.

Tuan musterte den Mann genau. Er war noch jung, nicht älter als 20 oder 21 Jahre alt. Also gerade einmal acht oder neun Jahre älter als Tuan. Auch er war so gut wie unverletzt, nur wenige Kratzer zeigten sich auf der Haut. Staub und Asche, vermischt mit Schweiß, überzogen Körper und Kleidung. Der Gesichtsausdruck des Centurio drückte … Genugtuung aus. Und eine grimmige Entschlossenheit, das hinter ihm Liegende immer wieder zu tun, wenn es seine Vorgesetzten von ihm verlangen würden.

Tuans Blick war scheinbar so intensiv, dass der Mann im Sattel plötzlich genau in Tuans Richtung sah.

Jetzt wagte Tuan nicht einmal mehr zu atmen und er lenkte seine Augen vom Gesicht des Mannes ab. Tuan hatte einen wachen Verstand, doch einen gewissen Anteil an abergläubischer Furcht konnte auch er nicht von sich weisen. Einige der ältesten Frauen im Dorf erzählten immer wieder Geschichten vom Bösen Blick, den so manche für sich in Anspruch nahm, ihn zu besitzen.

Doch auch wenn Tuan seine Augen abwandte, konnte er nicht vermeiden, dass er an einem Körperteil des Römers förmlich hängen blieb. Ein Muttermal an der rechten Halssehne zog seine Augen magisch an. Das Mal hatte die Form eines Fisches. Deutlich konnte man den pfeilförmigen Leib und die Flosse erkennen. Je näher ihm der Römer kam, desto lebendiger erschien Tuan der Fisch. Bei jeder Körperbewegung des Halses zuckte der Schwanz des Tieres. Nur mit Mühe konnte Tuan endgültig seinen Blick abwenden und auch der Römer sah wieder auf den Weg vor ihm.

Die gesamte Manipel zog an dem Piktenjungen vorbei, ohne zu ahnen, dass einige von ihnen in der Zukunft wieder auf den Jungen treffen würden.

Tuans Lunge gab erste leichte Pfeiftöne von sich, als er den Rand seines Dorfes im vollen Lauf erreichte. Er war die Strecke bis hierher in einem gewaltigen Tempo gerannt, ohne Rast, ohne Blick zurück. Je näher er kam, desto stärker wurde der beißende Geruch verbrannten Fleisches, desto dichter hoben sich grauschwarze Rauchwolken vor seinen mit Angst erfüllten Augen gen Himmel und sein Herz pochte zehnmal so stark wie normal. Mit aller Gewalt unterdrückte er die Gedanken, die ihm erbarmungslos zubrüllten, was hier auf ihn wartete. Sein Unterbewusstsein hatte längst offenbart, was sich vor seinen Blicken noch gnädig verbarg.

Als die Erkenntnis dieses Umstandes doch an die Oberfläche seines mit Panik erfüllten Verstandes drang, hielt er im Lauf inne, fast zu abrupt, so dass er beinahe gestürzt wäre. Vielleicht versagte ihm sein Gehirn auch den Zutritt zum Dorf, um ihn vor dem Anblick zu verschonen.

Doch all seine Befürchtungen und schrecklichen Erwartungen wurden übertroffen von dem, was sich nun mit aller Brutalität aus den schon abnehmenden Feuern und dem dünner werdenden Qualm herausschälte.

Das ganze Dorf war niedergebrannt, keine Hütte, kein Wagen, kein menschliches Werk war unversehrt. Jegliches Vieh war sinnlos abgeschlachtet worden, anstatt es wenigstens mitzunehmen. Doch all dies war nichts gegen die Pfähle und Kreuze, die in dichtem Abstand im gesamten Dorf verteilt waren. Hoch stand so ein Pfahl, schwarz angesengt, und an seinem oberen Ende geschmückt mit einem Leichnam, durch dessen blutige Brust die Spitze des Pfahles ragte oder dessen Glieder von fingerdicken Eisen durchbohrt ihn an ein Kreuz nagelten. Jeder Pfahl trug einen Menschen, den er nur zu gut kannte, mit dem er gelebt, gesprochen, gespielt hatte. Tuans Herz verkrampfte sich in der Erwartung, seine Eltern auf diese fürchterliche Art platziert an den Stämmen gemartert vorzufinden. Die gleichen Stämme, die einmal einen Pferch für die Rinder gebildet hatten.

Mit einem Mal vernahm er keinen Laut mehr, kein Knistern verlöschender Feuer, kein Brutzeln brennenden Fleisches, keinen Wind mehr, nichts, gar nichts. Wieder schien sein Gehirn ihn in Schutz nehmen zu wollen, doch seine Nase nahm trotzdem die ekligen Gerüche wahr, die von allen Seiten auf sie einströmten.

In seiner inneren Stille zerbrach etwas in ihm, dass bisher sein Leben erfüllt hatte. Der glückliche Junge war mit einem Schlag verschwunden und eine neue Identität zeigte ihre ersten Schatten.

Tuan lief wie ein Schlafwandler durch das, was einmal ein lebendiges Dorf gewesen war, mit lachenden Kindern, von denen – den Göttern sei Dank – kein einziges die Pfähle zierte oder tot am Boden lag. Ein Dorf, mit jungen und alten Männern und Frauen, die ihrer Arbeit nachgingen und sich Scherze zuriefen.

Tuan blieb stehen und benötigte mehrere Minuten, um seinen Körper zu zwingen, sich herumzudrehen. Er stand fast in der ehemaligen Mitte der Siedlung und nahm alle Kraft zusammen, um seinen Kopf nach oben zu richten. Mit trockenen, vom Rauch geröteten Augen sah er von Pfahl zu Pfahl und versuchte die Geschändeten zu identifizieren. Erst nach einer ganzen Weile fiel ihm auf, dass es sich fast ausschließlich um Krieger handelte, mit mehreren Wunden, abgeschlagenen Extremitäten, manch einer ohne Kopf. Doch alle erkannte er an ihrem Haar oder den Zeichnungen, welche allesamt trugen.

Nun gesellte sich zu seinem Entsetzen die Wut. Sie verdrängte seine Angst und sein Herzschlag beschleunigte sich mit harten Schlägen. Seine Gedanken rasten und lieferten ihm alle möglichen Erklärungen, wo der Rest seines Stammes geblieben war. Sicher war jedes Kind, das noch nicht das Jünglingsalter erreicht hatte, gefangen genommen worden, genau wie jede hübsche oder arbeitsfähige Frau. Sie würden den Römern als Sklaven dienen, ohne jede Chance, diese Ruchtat jemals zu sühnen. Die Männer jedoch, ob Bauer, Händler oder Handwerker würden auf die Galeeren geschickt werden. Oder in die Erzminen oder wo auch immer sie den Römern bis zum nahen Tod dienen konnten. Die Krieger hingegen, die das Pech gehabt hatten zu überleben, würden in den Arenen und Kampftheatern in Rom und anderswo um ihr Leben kämpfen müssen. Gegen besser Bewaffnete, stärkere und erfahrene Gladiatoren, gegen blutrünstige, aufgestachelte wilde Tiere. Nur die Wenigsten würden dies überleben. Vielleicht fand sich einer, der mehr als einen Kampf in so einem Blutpfuhl überstand. Wenn er in ferner Zukunft seine Freiheit wieder erlangen könnte, was würde er tun? Würde er sich bemühen, längst Verstorbene, an die sich niemand mehr erinnerte, zu rächen? An wem? Konnte er die Legionäre und Schlächter beim Namen nennen, könnte er sie herausfordern, womöglich zum Zweikampf zwingen?

Plötzlich fiel ihm der Centurio ein. Dessen Mal am Hals würde es ihm, Tuan, ermöglichen, diesen Mann und seine Einheit irgendwann in der Zukunft zu identifizieren. Das Bild mit dem Fisch am Hals des Mörders brachte ihn dazu, vorwärts zu taumeln. Seine Beine mussten sich jetzt bewegen. Wenn er schon keine Chance hatte der Manipel nachzueilen, sie anzugreifen und sie für ihre Tat noch heute büßen zu lassen, dann musste er sich jetzt wenigstens bewegen. Wie ein Trunkener taumelte der Junge durch das schwelende und brennende Dorf. Er nahm all die Bilder der Verwüstung wie durch einen blutroten Schleier wahr. Er fand nicht eine Hütte die noch intakt war, kein einziges Vieh, das noch lebte, nur Kadaver und Vernichtung. Er stürzte zu Boden, rappelte sich auf, torkelte durch kleine Flammen, die ihm die Beinhaare versengten, aber er spürte nichts davon.

Bis ihn sein Zickzackkurs an die Kante des kleinen Berges brachte, an dem sein Dorf lag und über die  manchmal zum Tode Verurteilte gestürzt wurden. Sein Schritt verlangsamte sich, auch deswegen, weil hier keine Tierkadaver mehr lagen und das freie Gelände noch den Anschein des Normalen erweckte.

Wäre da nicht von einem Moment zum anderen eine dumpfe Ahnung in ihm erwacht, dass er besser keinen Blick über die Kante werfen sollte. Doch Tuan war nicht der Mensch, der vor Ahnungen zurückschreckte. Mit kleinen Schritten ging er vorsichtig näher und sein Körper bereitete sich auf das vor, was hinter der Kante liegen mochte. Die Tränen in seinen Augen versiegten und legten den roten Schleier ab. Das Zittern seiner Glieder erstarb und er machte den letzten Schritt.

Für Sekunden rührte er sich keinen Millimeter. Seine geweiteten Augen nahmen das Bild in sich auf und wie zäher Schleim kroch die Information die Sehnerven entlang zum Gehirn. Dort verharrten die Eindrücke, als weigere sich sein Gehirn, das Bild aufzunehmen und in verwertbare Information umzuwandeln. Doch schlussendlich tat das Gehirn, was es tun musste.

Dort unten lagen sie. All jene, die nicht gepfählt worden waren. Alte Männer und Frauen, Bauern, Handwerker, alles, was kein Krieger oder Kriegerin war. Und auch Frauen … mit ihren Kindern. Tuan sah, dass man ihnen allen die Kehlen durchgeschnitten hatte, ausnahmslos.

Tuan stand lange dort und das Bild stanzte sich in sein Gehirn, das es nun plötzlich aufsog, als wäre es erpicht, es nie wieder in seinem ganzen Leben zu vergessen. Jedes entsetzte Gesicht, jede klaffende Wunde und jeder einzelne Blutstropfen prägte sich ihm ein.

Sie waren alle tot, niemand war entführt worden, keinem drohte lebenslange Sklaverei, niemand aus seinem ganzen Clan war mehr am Leben.

„Neeeiiiiiin!“

Der lang gezogene Schrei hallte laut durch die Klamm, in der die Leichen lagen. Tuan mac Ruith, letzter Spross des Clans der Ruith schüttelte den Kopf. Er rannte von der Kante weg zurück ins Dorfzentrum.  Die Wut, die in ihm kochte, steigerte sich zu tiefem Hass auf die Römer, die es sich nicht nehmen hatten lassen, auch noch ihr Zeichen inmitten des vernichteten Dorfes aufzupflanzen. Der neue Tuan, der in ihm wuchs, zeigte ein anderes Gesicht. Verloren war die kindliche Unschuld, die Freude am Leben und der Natur. Es brodelte in ihm und mit jeder Sekunde formte sich ein neuer Mensch, der mit dem vorherigen nichts, aber gar nichts gemein hatte.

Mit wenigen Schritten ging er zur Standarte und trat sie mit einem wuchtigen Tritt in den Staub, nur um sie sofort wieder aufzunehmen und mit einem wütenden Schrei in den nächsten noch brennenden Schutthaufen zu werfen. Die Funken stoben auf und das Feuer fand neue Nahrung am trockenen Schaft des Heereszeichens.

Tuan blieb so lange stehen, zitternd vor maßloser Wut, bis die Standarte völlig im Feuer vergangen war, dann hob er sein Haupt und blickte ohne Ziel über das Dorf.

Genau in diesem Augenblick, in dieser Sekunde, vollzog sich der Wandel vom Jungen zum Mann, auch wenn er an Größe, Kraft und Alter noch weit davon entfernt war. Seine Muskeln, seine Stärke noch nicht in der Lage waren, einem Feind mit der Vehemenz entgegenzutreten, die in seinem Geist bereits anwuchs, sich mit einem Feuer erfüllte, das heller und wilder loderte als alles, was um ihn herum züngelte. Die Bilder, die er hier sah, verschmolzen zu einer gefährlichen Glut, die sein Innerstes erfassten, wie ein tief in der Erde fließender Lavastrom. Tuan fühlte diese Macht in sich aufwallen, spürte jede Faser seines Körpers bis ins Kleinste hinein durchdrungen von diesem verheerenden Brand, der wie ein grummelnder Vulkan darauf wartete zu explodieren, alles niederzuwalzen, zu töten und zu vernichten.

Seine Gedanken kehrten zu der ohnmächtigen Erkenntnis zurück, dass diese verbrannte Standarte für lange Zeit das einzige sein würde, was er den Römern heimzuzahlen vermochte. Ein finsteres Funkeln trat in seine – jetzt endlich von Tränen überströmten – Augen. Halb aus Trauer um seine Eltern, seinen Clan, seinen Stamm, halb aus Zorn für die Mörder. Zu dem Funkeln fügte sich ein freudloses Lächeln, die Mundwinkel grausam verzogen, halb die Zähne fletschend. Aus tiefer Brust bahnte sich ein Grollen, ein Brodeln seiner Stimme, wie ein langsam aus der Hölle kriechender Lindwurm hervor. Der helle Ton des Jungen war verschwunden, der kräftige, brüllende Schrei, der sich über diesen Ort des Grauens erhob, war der eines Mannes. Ringsum stoben Vögel in Scharen davon, Rehe, Hasen und anderes Wild floh ob der brachialen Wut in dem Schrei, der lang und mächtig durch die Bäume brach. Nun, jetzt konnte er nichts anderes tun, als zu überleben. Jetzt konnte er seine Rache nicht vollziehen. Aber seine Zeit würde kommen. Mit diesem letzten Gedanken drehte Tuan sich um und schritt langsam zurück in den Wald.

Copyright © 2011 by Cameo Flush

Spiegelkrieger-Trilogie:
Band 1: “Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger”
Band 2: “Arianrhod mac Ruith – Königin der Spiegelkrieger”
Band 3: “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger”

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-150-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Kaufempfehlung des Autors:


Jürgen Diethe – Die Pikten: Geschichte und Mythos eines rätselhaften Volkes

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Buchverlag König; Auflage: 1., Auflage (April 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3939856444
ISBN-13: 978-3939856443
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren


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In Europa gibt es wohl kaum ein Volk, über dessen Ursprung und Kultur so wenig bekannt ist und das deshalb mit Legenden umwoben wurde, wie die Stammesgeschichte der Pikten auf schottischem Gebiet. Es sind fast nur späte Bildsteine und Stelen erhalten, die jedoch mit Schriftzeichen und Ornamenten verziert sind, die noch einer genauen Forschung bedürfen. Nach dem Abzug der Römer interagierten sie mit den anglischen Reichen in Northumbria, waren eine zeitlang tributpflichtig, konnten deren Joch aber in der Schlacht von Dunnichen abschütteln, was lange als die Geburt Schottlands gefiert wurde. Ihre Sprache und Kultur verschwanden, als die Königreiche der Pikten und der keltischen Skoten 843 n. Chr. unter Kenneth Mac Alpin vereinigt wurden und das sagenhafte Königreich Alba entstand. Der promovierte Autor, der in Großbritannien durch verschiedene geschichtliche Fernsehdokumentationen bekannt wurde, legt mit diesem Buch erstmals eine ausführliche literarische Arbeit zur Forschung der Pikten vor und geht auch der Frage nach, ob die heutigen Einwohner von Schottland letztlich die aus der Geschichte verschwundenen Pikten sind. Ein Anhang in dem Band gibt darüber Auskunft, an welchen historischen Stätten noch Zeugnisse des rätselhaften Volkes zu finden sind, und lädt dazu ein, diese im Gebiet zwischen Perth und Dundee oder auch im Edinburgher Museum zu besuchen.

Jürgen Diethe, 1947 in Bad Harzburg geboren, arbeitet als freier Journalist und Fernsehsprecher und lebt seit über dreißig Jahren in Großbritannien, die letzten zehn Jahre in Schottland. Seine journalistischen Sporen verdiente er sich beim deutschen Programm der BBC, in den Abteilungen Nachrichten, Politik und Sport und berichtet nun hauptsächlich über Golf im deutschen Bezahlfernsehen. – Er ist promovierter Politikwissenschaftler, nach einem Studium in Englisch, Geschichte …

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DIE BLASE – eine Fantasy-Kurzgeschichte von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 8. Januar 2011

DIE BLASE

eine

Fantasy-Kurzgeschichte

von

Cameo Flush


Die Dunkelheit war absolut. Nicht der winzigste Schimmer versuchte die alles umfassende Schwärze zu erhellen. Es war auch still, sogar sehr still, aber nicht vollkommen. Leises und gleichmäßiges Atmen durchdrang die Finsternis und zeugte von der Existenz von etwas Lebendigem. Außer den Atemgeräuschen störte nichts die Lautlosigkeit. Vielleicht hätte ein anderes Lebewesen oder ein empfindliches Messgerät noch das Schlagen eines Herzens registriert, aber beides war nicht in der Nähe des Wesens zu finden. Weder in dessen unmittelbarer, noch näherer oder sogar weiterer Umgebung.

Wie weit zählt ein beliebig großer Raum noch zur Umgebung eines Lebewesens? Doch wohl nur so weit, wie nicht andere Exemplare in dem gleichen Raumvolumen existieren und sich gewisse Relationen ergeben. Einzelne Wesen, zufällige oder absichtliche Gruppierungen, dichte oder weniger dichte Ballungen ergeben erst durch ihre Anordnung ein Bezugsystem, in dem es möglich ist, Individuen so etwas wie eine eigene Umgebung zuzuordnen.

Aber auch dies war hier nicht möglich. Das Wesen war allein, so völlig allein, wie man es nur sein konnte. Doch solche Gedanken füllten nicht den Traum der Gestalt, die entspannt und gerade dalag und weiterhin regelmäßige und kräftige Atemzüge tat. Das Geschöpf träumte keine Bilder oder Szenen, denn dafür war es noch nicht bereit, sondern sein Geist wurde erfüllt von angenehmen Gefühlen, beruhigenden Strömungen, die außer einem Wohlsein keine weitere Aussage beinhalteten. Und das sollten sie auch nicht, noch nicht.

Nach einigen hunderttausend Herzschlägen erwachte das Geschöpf aus seinem Schlaf, blieb aber mit geschlossenen Augen liegen. Es fühlte sich weiterhin wohl, ausgeruht und seine Gedanken waren ohne Definition. Diffuses Wirrwarr und zäh sich lichtende Nebel.

Als aller ersten klaren Gedanken erkannte das Geschöpf sich selbst als männlich, obgleich ihm das wenig sagte, fehlte ihm doch der Inhalt dieser Aussage. Gleichzeitig wurde es sich seines Körpers bewusst, stark und anscheinend voll funktionsfähig. Das Lebewesen lauschte in die Stille der Finsternis und in seinen eigenen Körper, vernahm selbstverständlich das Geräusch des Atemholens und Ausstoßen der Luft aus der Nase als leises Rauschen, dazu das regelmäßige Klopfen seines Herzens.

Abrupt öffnete es beide Augen, doch die völlige Schwärze blieb bestehen.

Bin ich blind? fragte es sich und verneinte sofort selbst die Frage.

Langsam richtete das Wesen sich auf und ein weiterer klarer Gedanke brach an die Oberfläche seines Bewusstseins: Mensch.

Ich bin ein Mensch.

Wieder konnte er mit dem Begriff nichts anfangen, aber irgendwie beruhigte es ihn zu wissen – wissen? – was er war.

Eine Weile stand er so da, mit offenen Augen, die in die Dunkelheit starrten, bewegte sich nicht und versuchte Klarheit in seine Gedanken zu bringen.

Plötzlich konnte er ein weiteres Geräusch hören und im gleichen Moment orteten seine Ohren den Ursprung des neuen Lautes: Sein Magen gab einen knurrenden, kullernden Ton von sich, der sich nach kurzer Zeit wiederholte. Automatisch fuhr eine seiner Hände an den Bauch und löste eine Kettenreaktion aus.

Nackt – hungrig – Mensch – männlich – Mann – Mann – hungrig – durstig – allein – dunkel – nackt – allein – allein.

Allein.

In einer fließenden Bewegung setzte sich der Mann wieder und fühlte dabei den weichen Boden, auf dem er - wie lange wohl? – gelegen hatte.

Wie komme ich hierher? Was will ich hier? Oder bin ich etwa unfreiwillig hier? Und wer bin ich? fragte er sich und konnte für den Augenblick keine Antworten finden. So blieb er lange Zeit sitzen, versuchte das Knurren seines Magens zu ignorieren und starrte weiterhin ins Nichts. Ein paar Mal schloss er die Augen wieder, weil es ihm unsinnig erschien, sie offen zu halten und trotzdem nichts zu sehen, doch jedes Mal öffnete er sie wieder.

Ich muss etwas zu Essen finden.

Schließlich erhob er sich und begann auf dem seltsam weichen Untergrund zu laufen. Nach wenigen Schritten stieß er mit dem Kopf auf Widerstand, der sich genauso weich anfühlte wie der Boden unter seinen Füßen. Er drehte sich um und lief in die andere Richtung, aber nach acht oder neun Schritten stand er erneut vor einem Hindernis. Daraufhin streckte er die Arme so weit auseinander wie er konnte und tastete sich mit der rechten Hand an der Wand – oder was immer es auch war – entlang. Nach einigen Dutzend Schritten war er sich sicher, dass er im Kreis lief.

Ich bin eingesperrt! durchzuckte es ihn, berührte ihn aber seltsamerweise nicht.

Nein, nicht eingesperrt, eher … aufbewahrt, sogar ein dumpfes Gefühl von Beschütztsein erfüllte ihn.

Ich soll hier sein! Also muss es hier auch etwas zu Essen geben. Es wäre unlogisch – von wem? – mich hier sicher aufzubewahren, ohne dafür zu sorgen, dass ich keinen leiblichen Schaden nehme.

Also ließ er sich auf alle Viere herab und begann mit fächernden Bewegungen den Boden abzusuchen. Fast gleichzeitig stieß eine Hand an etwas ebenfalls Weiches, aber in einer anderen Konsistenz als der Boden, während die zweite Hand in einer muldenartigen Vertiefung in Flüssigkeit eintauchte. Ohne zu Zögern legte er sich flach an den Rand der Mulde und trank die Flüssigkeit, die frisch und kühl, aber nicht zu kalt seine Kehle hinab rann.

Als sein Durst fürs erste gestillt war, löste er ein kleines Stück der Masse vom Rest und steckte es in den Mund. Es schmeckte vorzüglich, leicht süß und stillte mit wenigen Bissen seinen Hunger. Er nahm noch einen Schluck aus der Mulde und spülte damit die letzten Krümel in seinem Mund hinunter.

Der Mann setzte sich wieder auf den Boden und dachte nach. Allem Anschein nach war er zwar in einem geschlossenen Raum, aber nicht in einem Gefängnis. Er hatte zu Essen, zu Trinken, ein weiches Lager und litt weder an Hitze noch an Kälte. Er fühlte mit absoluter Sicherheit, dass ihm in diesem Raum nichts Nachteiliges geschehen konnte.

Dies war keine Zelle, sondern ein Schutzraum. Er wurde von jemandem oder von etwas beschützt und war vielleicht für einen bestimmten Zweck oder eine besondere Aufgabe vorgesehen. Seine Gedanken waren zwar jetzt völlig klar, aber irgendwie fehlte ihnen Inhalt, Wissen, Erfahrungen oder Erinnerungen. Aber Erinnerungen bedeuten das Wiederholen bereits geschehener Ereignisse in Gedanken.

Habe ich vorher gelebt?

Wo und als was habe ich vorher gelebt?

Ist dies ein Ort, wo Leben entsteht?

Oder bin ich erst hier geschaffen worden?

Mit weit aufgerissenen Augen versuchte er das Dunkel zu durchdringen und eine Antwort zu finden, aber alles blieb weiterhin schwarz wie die Nacht.

Nacht?

Eine neue Gedankenexplosion lieferte ihm Nahrung für seine Überlegungen.

Nacht – Tag – hell und dunkel – Licht – Schatten – Leben – Leben – Mensch.

Ich bin ein Mensch, ein Mann. Und ich lebe!

Er musste wieder eingeschlafen sein, denn als er erneut erwachte, lag er ausgestreckt am Boden und ein seltsamer Drang hatte ihn geweckt. Ein Teil seines Körpers fühlte sich so an, als würde er gleich platzen und unbewusst fasste er mit einer Hand in die Körpermitte. Dort befand sich ein weiterer Teil, den er bisher nicht bewusst wahrgenommen hatte, der sich jetzt aber überdeutlich bemerkbar machte.

Also erhob er sich, ging bis an den Rand des Raumes und urinierte auf den Boden. Dabei blickten seine Augen geradeaus und erst als er sich erleichtert hatte, begriff er, dass vor ihm ein Licht war.

Zwar nur ein winziger Punkt, aber eindeutig Licht. Wie gebannt starrte er darauf und unbewusst machte er einen Schritt nach vorne. Er registrierte nicht, dass seine Füße genau an der Stelle standen, auf die er gerade uriniert hatte. Weder erkannte er, dass der Boden keine Spur von Feuchtigkeit aufwies, noch das er weich und trocken war wie immer. Völlig fasziniert beobachtete er den Lichtpunkt, der ihm Halt gab in der unendlichen Finsternis.

Unendlich? Woher hatte er diesen Ausdruck? Wieso assoziierte er dieses winzige Pünktchen mit Unendlichkeit? Er blinzelte mit den Augenlidern, um sich zu vergewissern, dass das Licht auch tatsächlich existierte und nicht nur ein Hirngespinst seiner sonst arbeitslosen Augen war, aber es blieb.

Nach langer Zeit stiller Betrachtung erschien es ihm, als sei der Punkt ein klein wenig größer geworden. Kam das Licht auf ihn zu? Oder bewegte er sich zu dem Licht? Vielleicht wuchs es auch nur.

Gebannt setzte er sich nieder, ohne auch nur für einen Moment den Blick von dem Licht zu wenden. Fast hätte er nicht mehr gewagt zu blinzeln, aus Angst es könnte wieder verschwinden, aber schließlich musste er die Lider bewegen und das Licht blieb. Und wurde weiter größer.

Er konnte nicht sagen, wie lange er verfolgte, wie der Punkt sich vergrößerte. Er hatte keine Möglichkeit die verstreichende Zeit zu messen, außer in der Tatsache, dass er mehrmals aß und trank, beim ersten Mal vor Erschöpfung einschlief, da er zu lange gewartet hatte, seinem Körper eine Pause zu gönnen. Doch in der Folgezeit hielt er eine gewisse Regelmäßigkeit des Wachens und Schlafens ein und jedes Mal wurde er beim Erwachen mit einem größeren Licht als zu Beginn seines Schlafes belohnt.

Nach vielen Perioden dieses selbst auferlegten Rhythmus konnte er eine Veränderung des Lichts entdecken. Es hatte sich geteilt, bestand nun aus zwei unterschiedlich großen Lichtflecken, die immer weiter auseinander trieben. Ihm wurde nicht langweilig diesen Prozess zu beobachten, war es doch die einzige Abwechslung, die er erleben konnte. Als weitere Schlafperioden verstrichen waren, waren die beiden Lichter und er sich so nahe gekommen, dass er bei einem der nun ziemlich großen Flecken zwei weitere winzig kleine Begleiter entdecken konnte.

Mit Verwunderung fiel ihm erst jetzt auf, dass er bereits seit geraumer Zeit einen Nutzen aus den Lichtern zog. Seine Behausung nahm langsam sichtbare Formen an, die er vorher nur ertasten konnte. Viel zu sehr war er vom Anblick der Lichter gefangen gewesen, als dass er diesem Umstand schon eher Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Aber nun untersuchte er im Dämmerlicht sein Domizil.

Kreisrund, acht bis neun Schritte im Durchmesser, die Wände … gekrümmt. Er blickte abrupt nach oben. Rund.

Alles außer dem Boden war rund. Seiner Vermutung nach verlief diese Rundung auch unter dem Boden weiter, nur zu seiner Bequemlichkeit oder um seinen natürlichen Anforderungen gerecht zu sein, war der Boden einigermaßen waagerecht.

Eine Kugel.

Blase, drängte sich ihm ein Begriff auf.

Abbildung 1: „Ein Mann in einer Blase“ von Dennis Glies

Auf dem Boden die Stelle, an der die Nahrung lag. Jetzt im schwachen Licht konnte er sie endlich auch sehen. Blass, fast weiß und wie es ihm erschien, in der gleichen Menge, die er beim allerersten Mal erfühlt hatte. Aber er hatte unzählige Male davon gegessen, also müsste sie längst verbraucht oder zumindest weniger geworden sein. Das gleiche mit der Flüssigkeit in der Mulde. Die Mulde war genauso weit bis knapp unter den Rand gefüllt, wie bei seiner ersten Mahlzeit vor langer Zeit.

Er glaubte, dass im unteren Teil der Blase ein Vorrat vorhanden sein musste, der auf geheimnisvolle Weise lautlos an die Oberfläche kam, um von ihm verbraucht zu werden. Auch seine Ausscheidungen verschwanden genauso rätselhaft im Boden, wie die Nahrung und die Flüssigkeit erschienen.

Der Mann schritt eine Weile in der Blase herum, aß ein paar Bissen, betastete im langsam heller werdenden Schein der Lichtflecken Boden und Wände und grübelte über die Natur der Blase und den Grund seines Hier seins nach. Als er nach einiger Zeit erkannte, dass ihn das nicht weiterbrachte, konzentrierte er sich wieder auf die Lichter.

Es dauerte eine Weile, bis sich in ihm der Gedanke formte, dass tatsächlich er, bzw. die Blase sich bewegte und nicht die Lichter. Noch einmal schritt er die Blase ab und untersuchte jede Stelle auf das Genaueste, konnte sich aber nicht erklären, wie und durch was sie bewegt wurde. Immer noch war es still, außer den Geräuschen, die er selbst verursachte.

Nach einem nicht zu bestimmenden Zeitraum erreichten die Lichter eine Größe und gegeneinander zunehmende Entfernung, dass er sie nur noch einzeln betrachten konnte. Gleichzeitig nahm erfreulicherweise die Helligkeit so weit zu, dass er die Blase und sich selbst gut erkennen konnte. Ohne großes Erstaunen stellte er fest, das die Blase aus einem Material bestand, das transparent war. Auch Stellen, die sich weich und bei zunehmendem Druck fest anfühlten, konnte er mühelos mit seinen Blicken durchdringen. Einzig der Boden war nicht zu durchschauen.

Sein Versuch, die Mulde leer zu trinken und dabei möglicherweise zu beobachten, wie sie gefüllt wurde, scheiterte kläglich und brachte ihm nur ein, dass er sich häufig erleichtern musste. Allerdings konnte er beobachten, wie sein Urin sofort beim Auftreffen auf dem Boden versickerte und nach wenigen Augenblicken hinten als sprühende Spur austrat. Das vorn und hinten der Blase ergab sich aus der Linie, die das große Licht vor ihm und dem zweiten Licht mit den beiden Begleitern hinter ihm bildete.

Mittlerweile war eindeutig zu sehen, dass er sich auf die riesige Scheibe zu bewegte, zu der die eine der beiden Lichter geworden war. Die zweite nahm mehr und mehr das Aussehen einer flachen Hand an, die schräg in der Schwärze schwebte. Sein Ziel – er nahm an, dass die Scheibe vor ihm das Ende seiner Reise sein musste – hatte sich ebenfalls verändert. Der vorher kreisrunde, geschlossene Fleck hatte sich zunehmend in voneinander getrennte Teile aufgelöst, die nun wie ein gewaltiges Wagenrad vor ihm aufragten. Die Ränder des Rades waren aber nicht verbunden, sondern teilten sich in zwei einzelne Arme auf, die sich spiralartig um die dichte und hellere Achse drehten.

Je länger er auf das Gebilde starrte, desto mehr löste sich die ganze Figur in winzig kleine Bruchstücke auf, die alle aus verschiedenfarbigen Lichtern bestanden. Nach vielen Schlafperioden konnte er die Lichter nach ihrer Farbe unterscheiden. Weiß und Gelb waren die weitaus dominierenden Farben, aber es gab auch viele rote, blaue und orange Lichter, durchzogen von schwarzen Wolken, farbigen Gasen und wirbelnden Nebeln. Vom Anblick dieses Schauspiels gefangen, nahm der Mann nur noch automatisch Nahrung und Flüssigkeit zu sich, und auch nur noch dann, wenn sein Körper ihn mit hartnäckigem Knurren und trockenen Lippen dazu aufforderte.

Mehr und mehr richtete sich die Blase auf einen der beiden Spiralarme aus und flog auf einen Ort zu, den er vorher noch als den äußeren Rand der ursprünglichen Scheibe bezeichnet hätte. Entweder flog die Blase nun schneller als bisher, oder die zunehmende Nähe anderer Objekte verursachte in ihm das Gefühl schnellerer Bewegung. Die Blase rauschte in einer Geschwindigkeit in den Spiralarm ein, dass die Lichter zu Streifen wurden, die eine Art Tunnel bildeten, den er durchflog.

Plötzlich verlangsamte sich der Flug wieder und eine Gruppe von Objekten erschien vor seinen Augen, die von einer hellen, gelben, nicht sonderlich großen Sonne beleuchtet wurden. Er zählte neun, zum Teil sehr unterschiedlich große Objekte, die wiederum von vielen kleineren umkreist wurden.

Monde, blitzte ihm die dafür passende Bezeichnung durch den Kopf und wieder erlebte er eine Kette von neuen Begriffen, die wie aus dem Nichts auftauchten.

Mond – Lichter – Sterne – Planeten – Planeten – Leben – Sonne – Universum – Leben – Leben.

LEBEN!

Ich bin ein Mensch und ich lebe, dachte er wieder. Und nur auf Planeten gibt es Leben. Im freien Weltall – wieder ein neues Wort, das sich langsam mit Bedeutung füllte – kann es kein Leben geben.

Also muss ich von einem Planeten kommen, überlegte er und versuchte in seinen Gedanken eine Spur zu entdecken, die ihm verriet, von welchem Planeten er stammen könnte.

Oder ich bin geschaffen worden und bin jetzt auf dem Weg zu einem Planeten, auf dem ich leben kann …soll?!

Es kann kein Zufall sein, dass ich hier in dieser Blase stecke und diese Reise – von woher? – unternommen habe. Jemand oder etwas hat mich in diese Situation gebracht, also steckt eine geplante Absicht dahinter.

Während dieser Überlegungen hatte sich der Flug der Blase weiter verlangsamt und er hatte genügend Zeit, sich die Planeten und Monde dieses Systems anzusehen. Einige erschienen ihm wie gewaltige Ansammlungen von nicht fester Materie, glichen eher sich drehenden Kugeln bunter Gase. Andere, kleinere hatten feste Konturen und vielfältige Verformungen ihrer Oberfläche. Er konnte auf ihnen Tausende von kreisförmigen Gebilden entdecken, die das Gesicht der Planeten wie Wunden und Narben bedeckten.

Sein mit der Betrachtung der Planeten und Monde beschäftigtes Bewusstsein nahm nur nebenbei zur Kenntnis, dass er weder Wunden noch Narben in ihrer ursprünglichen Bedeutung hätte erklären können. Aber beim Anblick der zerfurchten Planeten waren die Wörter aufgetaucht und er nahm sie einfach hin. Irgendwann würde er auch dafür die Lösung bekommen.

Einer der Planeten hatte sogar ein Band um sich herum, das sich bei der Annäherung in mehrere kleinere Bänder auflöste und in ihm den Wunsch weckte, einmal darauf laufen zu können. Für einen Augenblick schien es, also sollte sein Flug ihn genau zu diesem Planeten führen, aber dann folgte die Blase doch weiter ihrer Bahn und zog an dem Ringplaneten vorbei.

Fast enttäuscht blickte der Mann noch eine Weile dem sich entfernenden Planeten nach, drehte sich dann aber wieder in Flugrichtung um. Er passierte einen weiteren – wie es ihm schien, noch größeren – Planeten und sah dann eine Gruppe von viel kleineren auf sich zukommen. Der erste in seiner Richtung war fast völlig rot, bis auf zwei kleine, weiße Kappen, die sich genau gegenüberlagen, doch der dahinter liegende Planet verschlug ihm den Atem.

Er war etwa doppelt so groß wie der rote, aber seine leuchtendblaue Oberfläche war umhüllt von einer dünnen Gasschicht, in der blütenweiße Flecken schwebten. Von der gelben Sonne aus gerechnet war es der dritte Planet des Systems und bei weitem der schönste von allen. Hatte ihn der Anblick des Ringplaneten schon begeistert, so war er doch von diesem völlig hingerissen. Auch dieser hatte zwei weiße Kappen, aber unter der Gasschicht konnte er braune und grüne Bereiche erkennen, die scharf abgegrenzte Ränder hatten, die sie von den blauen Flächen trennten. Er war sich völlig sicher:

Das war sein Ziel.

Und wie zur Bestätigung hielt die Blase genau auf diesen Planeten zu, obwohl hinter ihm noch zwei weitere zu sehen waren. Die Geschwindigkeit hatte weiter abgenommen, war aber immer noch so groß, das der Mann den Eindruck hatte, dass wenn sie nicht weiter sinken würde, er vielleicht an dem herrlichen blauen Planeten vorbeischießen oder gar auf ihn draufstürzen könnte. Sofort verwarf er diese Befürchtung wieder, denn es erschien ihm unsinnig, ihn so eine weite Reise unternehmen zu lassen und dann am Ziel durch zu hohe Geschwindigkeit umzukommen.

So ängstigte er sich auch nicht, als die Blase in die Atmosphäre des Planeten eindrang und nach wenigen Augenblicken in Flammen getaucht war. Die Temperatur innerhalb der Blase blieb gleich, doch konnte er leider nichts mehr außer den Flammen sehen. Er spürte weder Hitze, noch Bewegung, war sich aber sicher, dass er ohne den Schutz der Blase den Flug nicht überlebt hätte. Nach kurzer Zeit lösten sich die Flammen auf und er konnte wieder die Oberfläche erkennen. Das Tempo musste sich enorm, und von ihm unbemerkt, verringert haben, denn jetzt konnte er eine Unzahl von Einzelheiten betrachten, die gemächlich unter ihm vorüber zogen.

Riesige grüne Flächen, bestehend aus vielerlei Pflanzen wechselten sich ab mit weiten, flachen Ebenen, deren Böden in den unterschiedlichsten Farben vor ihm lagen. Schier unendlich war auch die Zahl von Lebewesen – Tieren – die dort grasten.

Er konnte seine Augen nicht von ihnen lassen und beobachtete so völlig voneinander verschiedene Arten in einer Menge, die ihm erneut den Atem verschlugen.

Völlig vergessen lag der Brocken Nahrung und die Flüssigkeit in der Mulde neben ihm, obwohl sein Magen wieder kullernde Geräusche von sich gab. Er wusste mit absoluter Sicherheit, dass er hier das Ende der Reise vor sich hatte und er nicht mehr auf die Versorgung durch die Blase angewiesen war. Dieser Planet hatte alles, was er benötigen würde. Er brauchte nur die Blase zu verlassen und diese Welt in Besitz nehmen.

Als hätte die Blase nur auf diesen seinen Gedanken gewartet, setzte sie zur Landung an. Weich und ohne die geringste Erschütterung berührte sie den Planeten an einer Stelle, die von sanften Hügeln, grasbedeckt und saftig aussehend, umgeben war. Fast im gleichen Moment, als die Blase zur Ruhe kam, schoben sich zwei Teile genau vor ihm auseinander und verschwanden im unteren Teil der Blase.

Ohne zu Zögern schritt der Mann hinaus und atmete die würzige, mit vielen unbekannten, aber verlockenden Düften durchsetzte Luft dieser Welt ein. Seine Füße wurden gekitzelt von den weichen Halmen des Grases, das dicht gewachsen war und von vielen bunten Sprenkeln anderer Pflanzen durchbrochen wurde.

Als ein leichter Luftzug seinen Rücken berührte, drehte er sich herum und sah die Blase wieder in den Himmel aufsteigen. Ohne Bedauern folgte er ihr mit seinen Blicken so lange, bis sie in den Wolken verschwand, dann wandte er sich um und schritt den vor ihm liegenden Hügel hinauf.

Das Laufen fiel ihm nicht schwer, im Gegenteil, er verspürte eine Lust, den ganzen Planeten zu durchwandern, neugierig auf alles, was es zu entdecken gab. Ohne außer Atem zu kommen, schritt er zügig den Hügel hinauf, der von Bäumen umgeben war, die allerlei Früchte trugen. Als er ihn bestiegen hatte, stand er auf einer weiten, fast kreisförmigen Lichtung, in dessen Mitte ein gewaltiger einziger Baum stand, der ebenfalls Früchte trug.

Wieder knurrte sein Magen und forderte nachdrücklich Nahrung und die roten Früchte des Baumes sahen reif und herrlich aus.

Aber von diesem Baum würde er nicht essen.

Nicht heute.

- Ende -

Copyright © 1997 by Cameo Flush

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (http://www.chaosrigger.org/pixel02/upload/2011/02/06/20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Cyborgs01-89-minus74-minus54.jpg” (Originaltitel: 20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Liebe auf den ersten Blick war es weiß Gott nicht – so lässt sich der Beginn der Romanze zwischen Adam und Eva beschreiben, wenn wir uns nicht auf die Genesis, sondern auf die Tagebücher berufen, die Mark Twain (1835-1910) seinen biblischen Protagonisten in die Federn diktierte. Mit ebenso humor- wie liebevoller Nachsicht verhandelt der weltberühmte amerikanische Autor hier die keineswegs paradiesischen Unzulänglichkeiten der Geschlechter am Beispiel des ersten Traumpaars der Geschichte. Dass die beiden schließlich doch noch zueinanderfinden, ist ein seltenes Glück für die Menschheit – und für den Leser!

Mark Twain, eigentlich Samuel Clemens, geb. am 30.11.1835 in Florida (Missouri). Im Alter von 12 Jahren musste er die Schule abbrechen und begann eine Lehre als Schriftsetzer. Mit 17 Jahren ging er nach New York, dann nach Philadelphia, wo er die ersten Reiseskizzen schrieb. Von 1857 bis 1860 war er Lotse auf dem Mississippi, nahm am Sezessionskrieg auf der Seite der Konföderierten teil und war 1861 Silbersucher in Nevada. 1864 lebte er in San Francisco, 1866 als Reporter auf Hawaii und 1867 als Reisender in Europa und Palästina. Er gründete einen Verlag, mußte aber 1894 Konkurs anmelden und ging auf Weltreise, um mit Vorträgen seine Schulden abzutragen. Mark Twain starb am 21.4.1910 in Redding (Conneticut). Twain wurde insbesondere durch die Abenteuer von Huckleberry Finn und Tom Sawyer bekannt. Er gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Autoren des 19. Jahrhunderts und besticht besonders durch sein humoristisches und satirisches Talent.

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SKOTENPACK – aus: “Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger” Fantasy-Roman von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 1. September 2010

Der nachfolgende Beitrag stammt aus “Die Spiegelkrieger des Druiden”
Das römische S.P.O.R.-Zeichen steht dem Kapitel deshalb vorangestellt, da diese Skotengruppe im Dienste Roms steht. (Anm. d. Redaktion)


Kapitel VII
180 n. Chr., Mai
„Skotenpack“

Die Gruppe, die durch den Wald hastete, bestand aus neun kräftigen Männern. Vor rund einer Stunde hatten sie die Sicherheit des Kastells – und unmittelbar darauf auch die des Hadrianswalles – hinter sich gelassen. Nicht das sie viel darauf gegeben hätten, denn nach ihrer Meinung bedürfte es nur einer ausreichend starken Kriegsmacht, um den Wall zumindest an einer Stelle durchbrechen zu können. Aber sie wussten, dass die Caledonier und Pikten sich nicht auf die Farbe von Scheiße einigen konnten, so zerstritten waren sie. Auch sie selbst, Skoten von der irischen Nachbarinsel, hatten kein Interesse an brüderlichen oder friedlichen Beziehungen zu ihren britannischen Vettern. Eirik, ihr Anführer und seine acht Begleiter waren weit mehr gedungene Mörder, denn bezahlte Söldner.

Sie alle hatten die Macht Roms erlebt und sahen ihre einzige Überlebenschance darin, sich dem Stärkeren anzuschließen. Und die Römer zahlten gut. Niemand von ihnen hatte mehr auch nur einen Tag Hunger gelitten, seit er im Dienste Roms stand, niemand musste fürchten, einen harten Winter nicht zu überleben. Stattdessen genossen sie die Annehmlichkeiten, die eine Weltmacht bieten konnte. Freien Zugang zu Waffen und Lebensmitteln, Wein und Weibern. Als Gegenleistung erfüllten sie… Aufgaben. Alle in ihrer Gruppe hatten schon viele Männer gemordet, Frauen geschändet, auch Kinder zählten zu ihren Opfern. In beiden Kategorien. Und das allerbeste war noch, dass sie dafür auch noch bezahlt wurden. Jeder der Skoten trug einen gut gefüllten Beutel Goldstücke mit sich und in ihren Unterkünften im Kastell lagen der Dinge mehr, die einem skrupellosen Mann zufielen, wenn er den Willen Roms zur Zufriedenheit des Präfekten ausführte.

Auf ein stummes Zeichen Eiriks mit der Faust, hielten sie an und verschnauften verhalten. Alles an ihnen drückte Gewalt aus und das war auch so beabsichtigt. Narben und alte Verwundungen wurden nicht durch Kleidung oder Gürtel verdeckt, sondern sollten jeden Gegner von der ständigen Kampfbereitschaft der Männer überzeugen. Die Waffen, die sie trugen, waren an den Schneiden blitzblank und höllisch scharf geschliffen, die Griffe und Stiele jedoch zeigten überdeutliche Gebrauchsspuren und makabre Markierungen, welche die Anzahl der damit Getöteten dokumentierten. Und keine einzige Kerbe oder Strich war geprahlt. Die Hälfte der Truppe hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, diese Vertiefungen mit dem Blut der Opfer zu verzieren, andere trugen abgeschnittene Ohren an einer Schnur um den Hals, einer hatte sich auf Zungen in gleicher Weise verlegt. Und Eiriks Körperschmuck bestand aus einem dichten Gürtel aus abgeschnittenen Penissen. Er machte sich sogar die Mühe, sie in Salz auszutrocknen, bevor er sie seinem Gürtel zufügte. Zwischen Lederstücken, ein wenig Fell hier und da, zierten kohleschwarze Streifen und Ornamente ihre Haut. Sie wollten sich auch durch die Farbe ihrer Bemalung von den blauen Pikten unterscheiden. Alle neun hatten sich ein drei Finger breites Band aus schwarzer Farbe auf Augenhöhe ins Gesicht gemalt, Das Weiß der Augen kontrastierte effektvoll mit dem finsteren Band und den eingebetteten Pupillen.

Mit ruhiger Geste deutete Eirik durch die letzten Reihen des Waldstückes, aus dem sie gekommen waren. Dahinter lag ein weites, längliches Tal und wiederum dahinter erhoben sich die nächsten bewaldeten Bergketten. Dichter Nebel stieg allerorten aus dem dunklen, blaugrünen  Wald. Wie tausend tanzende Geister hoben sich die Nebelschwaden faserig aus den Bäumen. Wie ausgemergelte, mehrfach gebrochene Finger, die sich langsam dem Himmel entgegenreckten und ihn nie erreichen würden, da die baldige Sonne sie vorher auflösen würde.

Cullum, Eiriks bester Krieger, trat zu diesem und hob eine Hand zum fernen Wald. Sein ausgestreckter Finger schien einen der Nebelfinger aufzuspießen. Diese graue Säule stieg zu kompakt und gerade nach oben. Ihr fehlte die Zufälligkeit und die Männer erkannten dies augenblicklich. „Das ist kein Nebel“, sagte Cullum überflüssigerweise.

Eirik nickte nur und spreizte die Finger einer Hand auseinander. Ohne ein Wort verteilten sich alle in einer weit gezogenen Linie, blieben aber an der Grenze zum freien Tal stehen.
Für einige Minuten standen sie still und beobachteten die Nebelfinger. Tatsächlich verhielt sich einer der grauen Schleier ungewöhnlich; er strebte kerzengerade nach oben. Anstelle sich aufzufasern und zu verschwinden, stieg er stetig auf. Auch war seine Farbe ein wenig schmutziger als die grauweißen Fahnen des Morgennebels. Eirik hob beide Arme und spreizte jeweils drei Finger ab.

Sofort folgten sechs seiner Männer dem Befehl und huschten in losen Dreiergruppen in das Tal hinein. Nur wenige Büsche und vereinzelte Felsbrocken dienten ihnen als Deckung, aber diese nutzten sie konsequent und näherten sich rasch der Mitte des Tales, das von einem breiteren Bach, fast schon einem Flüsschen, durchzogen wurde, dessen eiskaltes Wasser munter plätschernd das Gefälle hinunter sprang. In diesem Augenblick riss die Fahne des Lagerfeuers abrupt ab, denn nichts anderes konnte der ungewöhnliche Rauch gewesen sein.

„Man hat uns gesehen“, murmelte Cullum seinem Anführer zu und beobachtete, wie seine sechs Kameraden dies ebenfalls registriert und sofort sich in die kleinste Deckung geworfen hatten, die sie finden konnten.

„Vielleicht… vielleicht auch nicht“, antwortete Eirik und wie zu seiner Bestätigung trat eine Frau am gegenüberliegenden Waldrand aus den Bäumen und schritt den Hang zum Bach hinab.

Sie trug einen braunen, langen Einteiler, der um ihre Hüften mit einem Seil zusammengebunden war. Ihr Haar hatte die gleiche Bräune wie der grobe Stoff und der tönerne Krug, den sie trug, war nur um eine Nuance dunkler. Ihre Schritte waren kräftig und zielstrebig, zwar blickte sie sich um, aber jede ihrer Bewegungen drückte Sorglosigkeit aus. Ihr Weg war eine schmale Linie und erst jetzt fiel Eirik die dünne Spur niedergetretenen Grases auf, die vom jenseitigen Waldrand fast gerade zum Bach hinunter verlief. Nur noch wenige Schritte trennten die Frau von hinter einem Grasbüschel liegenden Skoten, doch sie bemerkte ihn erst, als dieser sich bewegte und mit drei, vier schnellen Schritten bei ihr war und sie am Haar packte. Sie schrie vor Schmerz und Schrecken auf und der Krug fiel zu Boden und zerbrach in mehrere Stücke. Das Lachen des Skoten, der sie am Haar zerrte, hallte durch das Tal.

„Dieser Idiot“, sagte Eirik nur und rannte mit Cullum und dem dritten Skoten im Wald ebenfalls ins Freie und auf den Bach zu. Sie hatten das wild raufende Paar noch längst nicht erreicht, als aus Richtung der Rauchsäule ein Mann mit zwei älteren Jungen aus dem Wald herausstürzte. Alle drei hielten sie einfache Jagdspeere in den Händen und brüllten aus vollen Kehlen. Die drei hatten bisher nur den Skoten bemerkt, der die Frau – allem Anschein nach das Eheweib und die Mutter der drei – drangsalierte und nun versuchte, ihr den Stoff vom Leib zu reißen. Er war scheinbar damit so beschäftigt, dass er das Gebrüll in seinem Rücken zwar hörte, jedoch ignorierte. Erst als ihn die drei Jäger fast erreicht hatten, stieß er die Frau in einem Bogen von sich und zog blitzschnell sein Krummschwert. Beide Bewegungen gingen fließend ineinander über und mit einem hässlichen Grinsen wandte er sich den Gegnern zu.

„Graigh ist doch kein Idiot. Er weiß, dass die Frau zuerst mir gehört“, grinste Eirik und verfiel in langsameren Schritt. Cullum und der andere Skote taten es ihm gleich. Ruhig gingen sie den Hang hinab, langsam ihre Schwerter und Messer ziehend. Nachdem das Angstgeschrei der Frau in ein Weinen gewechselt und die Jäger ihr Gebrüll eingestellt hatten, da sie sich nun vier statt einem Gegner gegenüber sahen, klang das Ziehen der Klingen unnatürlich laut im sonst stillen Tal.

Cullum zog eine zweite Klinge und ließ beide Schneiden provozierend langsam aneinander entlang schleifen.

Man sah es den Jägern förmlich an, wie ihnen eisige Schauder den Rücken hinunterliefen und sie sich gegenseitig in die Augen sahen. Es war ihnen klar, dass sie gegen vier professionelle Kämpfer keine Chance haben würden. Der ältere Mann rief seiner am Boden liegenden Frau irgendein Wort zu und sie griff zu einer Tonscherbe am Boden. Gleichzeitig bildeten er und seine Söhne einen engen Kreis um Graigh, der mit halb gebeugten Knien in Kampfstellung sich auf der Stelle drehte. Eirik und seine beiden Begleiter blieben stehen und auch die immer noch in Deckung liegenden Skoten rührten sich nicht.

„Das wird interessant“, grinste Cullum und senkte beide Arme mit den Klingen.

„Du magst Graigh nicht“, sagte Eirik, ließ aber die Jäger und seinen Kämpfer nicht aus den Augen.

„Du hast Recht, er ist ein Arschloch. Nie weiß er, wann er seinen Verstand benutzen sollte, anstelle seines Schwanzes.“

„Du glaubst Graigh hat Verstand?“ Eirik lachte hart, doch plötzlich rief der Jäger seinem Weib wieder ein kurzes Wort zu und dann ging alles blitzschnell.

Die Frau schleuderte die Tonscherbe mit aller Kraft und einer Zielgenauigkeit, welche die Skoten, Graigh allen voran, völlig überraschte. Die Scherbe traf ihn am Kopf und schnitt die Haut von der linken Augenbraue bis zum rechten Haaransatz der Stirn auf. Blut strömte sofort daraus hervor und blendete Graigh für einen Augenblick. Bevor er auch nur eine Hand erheben konnte, um das Blut wegzuwischen, traten alle drei Jäger im gleichen Augenblick auf ihn zu und rammten ihm die Speere in den Leib. Sie schrieen dabei wild und behielten die Klingen in dessen Körper, ja sie machten noch einen weiteren Schritt auf den Aufgespießten zu, sodass die Spitzen ihrer Speere den Skoten durchdrangen und auf der anderen Seite wieder austraten. Sie brüllten immer noch, als sie mit einem Ruck die Schäfte drehten und dann aus dem Gegner heraus rissen. Graigh knickte wie ein halb leerer Sack Kartoffeln haltlos in sich zusammen und blieb mit zuckenden Gliedern am Boden liegen.

Dies war das Signal für den Rest der Skotengruppe und alle erhoben sich und stürmten von allen Seiten auf die Jäger zu. Deren nur für Sekunden aufblitzender Triumph wandelte sich in blankes Entsetzen, als sie nun acht schwarz gestreifte Mörder auf sich zukommen sahen.

Der Mann zerrte die Frau in ihre Mitte und die drei Speerträger bildeten einen kleinen Ring um sie, doch der Kampf währte nur kurz. Innerhalb von einer Minute waren die Speere unter der Wucht der erprobten Kämpfer zersplittert, die beiden jungen Männer fanden einen gnädigen, weil raschen Tod. Nur der Ehemann stand noch eine halbe Minute länger mit gespreizten Beinen über seiner am Boden liegenden Frau, sein Blut tropfte aus einem Armstumpf auf sie herab. Seine verbliebene Linke hielt sinnlos den klingenlosen Schaft seines Speeres und in seinen Augen mischte sich körperlicher Schmerz mit der Pein der Gewissheit, was nach seinem Tod mit seiner Frau geschehen würde. Sein letzter Blick fiel nicht in ihre Augen, sondern auf das kurze Messer, dass in seinem alten Gurt noch steckte, dann schnitt ein Axthieb durch seinen Hals und sein abgetrennter Kopf flog in hohem Bogen ins Gras.

Bevor die Frau das Messer aus dem Gürtel ziehen konnte, traf sie der harte Fußtritt Cullums, der den Blick ihres Mannes ebenfalls gesehen hatte und sofort verstand, was sie vorgehabt hatte.

„Keine Chance, Weib. Wir brauchen dich noch.“ Mit einem weiteren Fußtritt schleuderte er das Messer in unerreichbare Distanz und packte sie dann am Genick. Mit brutaler Kraft riss er sie auf die Beine und stieß sie Eirik entgegen.

Das erneut entfachte Lagerfeuer der toten Jäger wärmte nun die Skoten, die sich an der Beute derselben gütlich taten. Ein Rehkitz hatten sie schon verspeist, ein größerer Bock würde ihrer aller Hunger stillen. Die Frau lag mit geschundenen Gliedern und vielfach vergewaltigt mehr bewusstlos als schlafend an einen Baum gebunden in der Nähe. Ihr Kopf hing nach vorn, ihr wirres Haar bildete einen gnädigen Vorhang vor dem geschwollenen Gesicht, das übersäht war von blauen und grünen Flecken und Bissspuren an Wange und Hals. Ihr braunes Kleid lag zerrissen abseits und kündete von der Qual, die sie anfangs mit zähem Widerstand bekämpft, nach harten Schlägen aber rasch mit erschöpfter Teilnahmslosigkeit erlitten hatte.

Cullum hatte zwei der Männer beauftragt, die Leiche Graighs verschwinden zu lassen und sie hatten ihn hastig in einem Erdloch verscharrt, um die Frau noch bei Bewusstsein für sich in Anspruch nehmen zu können. Doch Eirik alleine hatte sie mehrfach mit aller Brutalität genommen, so dass der Rest der Truppe mehr eine halbtote Puppe, als eine Frau zu ihrem Vergnügen bekam.

Jetzt saßen und lagen alle träge um das Feuer herum und nagten an den letzten inneren Fleischstücken des Bockes, die mehr roh als gebraten waren. Achtlos warf ein Mann seinen Knochen ins Feuer und das Fett zischte in der Glut. Funken stoben auf und gesellten sich zu den Glühwürmchen, die allenthalben durch die Büsche und Bäume flogen.

„Hey, du Schwachkopf, lass das bleiben! Ich will, dass vor Einbruch der Nacht das Feuer gelöscht wird“, sagte Cullum und Eirik beobachtete genau das Verhalten der Männer.

„Aber es wird kalt werden“, klagte der gleiche Mann.

„Dann wird es eben kalt. Besser in der Nacht ein wenig zu frösteln, als am Morgen als kalte Leiche zu erwachen.“ Cullum musste gegen seine Absicht selbst über seinen Scherz lachen und der Haufen Männer fiel in das Lachen ein.

Auch Eirik lachte kurz, brach dann aber abrupt ab. „Löscht das Feuer mit Erdreich. Und achtet darauf, dass kein Blattwerk dazwischen kommt. Wir wollen doch nicht den gleichen Fehler wie dieses dumme Jägerpack machen, nicht wahr?“

Wieder lachten die anderen und befolgten den Befehl ihres Anführers, der sich langsam erhob und zu der Frau hinüber lief. Mit den Fußspitzen stieß er ihr in die Seite, aber sie reagierte nicht. Er wiederholte seinen Weckversuch und trat fester zu. Die Frau stöhnte und wäre zur Seite gefallen, hätten die Stricke sie nicht gehalten.

„Wasser“, kam es leise und brüchig zwischen ihren aufgeplatzten Lippen hervor.

„Das ist eine gute Idee, Frau.“ Eirik drehte sich herum und deutete auf den Mann, der sich über die kommende Nachtkälte beschwert hatte. „Du, geh zum Bach und hol Wasser!“

Der Angesprochene griff sich einen leeren Lederschlauch und stapfte wortlos davon. Nach wenigen Minuten kam er mit prall gefülltem Schlauch zurück und wollte der Frau davon zu trinken geben.

„Lass das!“ Schon wieder hörte er diese Worte und ratlos blickte er zu seinem Anführer. „Wasch die Schlampe!“

Der Mann grinste und schüttete sich Wasser in eine Handschale und schmierte damit auf der Haut der Frau herum. Ale er nach der zweiten oder dritten Ladung Wasser nur mehr fummelte als wusch, traf ihn ein Fußtritt Eiriks und beförderte ihn ins Moos.

Ohne lange zu zögern, schnitt Eirik die Frau vom Stamm und schubste sie bäuchlings über einen großen, bemoosten Stein, auf dem er bei seiner Mahlzeit gesessen hatte. Unter dem Beifall seiner Männer schob er seinen Lederschurz beiseite und drang von hinten in die Frau ein. Jeden seiner Stöße begleiteten die Männer mit rhythmischem Klatschen und je schneller er ackerte, desto schneller wurde ihr Beifall und Gegröle.

Die Nacht senkte sich langsam über die Szene und mit einem Mal waren alle Glühwürmchen verschwunden. Doch keinem der Skoten fiel dies auf. Warum auch? Sie hatten besseres zu tun und ihre Begeisterung für die Schandtat steigerte sich, als Eirik mit der Frau fertig war und den nächsten Mann herbeiwinkte. Der Anführer der Söldnerbande wollte sich gerade zum Bach aufmachen, um sich zu waschen, als von einer Sekunde zur anderen das Gejohle abstarb. Misstrauisch drehte er sich herum und sah seinen Nachfolger immer noch in gleicher Stellung wie er zuvor in der Frau stecken. Doch mitten aus dessen Brust ragte ein kurzer Wurfspieß hervor und sein neuer Besitzer senkte ungläubig den Kopf, um das Ende des Schaftes zu betrachten. Noch bevor er langsam rückwärts umfiel, hatten die anderen begriffen und sich ihre Waffen geschnappt.

Geistesgegenwärtig traten Cullum und ein anderer das ohnehin schwache Feuer aus und schoben Erdreich darüber. Sie wollten durch das spärliche Licht der Glut nicht auch noch ein gutes Ziel abgeben. Eirik schob sich zwei Schritte beiseite, sodass ihm ein dicker Stamm als Rückendeckung und ein Mann vor ihm – ohne dass dieser es bemerkte – als Schutzschild nach vorne diente. Die anderen verlegten sich darauf, in Bewegung zu bleiben, wobei sie angestrengt in die Dämmerung blickten. Erst jetzt in dieser Stille registrierten sie die absolute Ruhe des Waldes. Kein Blatt rauschte, kein Vogel zwitscherte, nicht der geringste Windhauch flüsterte.

In unbestimmter Entfernung hörten alle ein kurzes, trockenes Schnalzen und Cullum wollte gerade etwas sagen, als der Mann neben ihm mit einem erstickten Gurgeln niedersank, einen gefiederten Pfeil im linken Auge. Ohne auf ihren sterbenden Kameraden zu achten, wechselten die anderen rasch ihre Positionen und versuchten den Ausgangspunkt des Schusses zu finden. Doch ihre eigenen Schritte verdeckten die leisen Sprünge des Schützen.

Einem erneuten, dieses Mal näherem Schnalzen folgte der Aufschrei eines weiteren Mannes, dem ein Pfeil in die linke Schulter gefahren war, und der nun versuchte, diesen abzubrechen. Doch das war ein Fehler, denn dabei blieb er stehen und ein zweiter Pfeil, nur wenige Zentimeter neben dem ersten, bohrte sich mitten in sein Herz. Jetzt erst besannen sich die Skoten ihrer Kriegskunst und warfen sich zu Boden, hinter Büsche oder umgestürzte Stämme in Deckung.

„Was meinst du, Eirik, wie viele sind es?“, keuchte Cullum zwischen wütend verzogenen Lippen hervor und verfluchte die zunehmende Dämmerung. Er war noch nie ein Freund des Zwielichts gewesen. Eine schwarze Nacht war ihm immer lieber gewesen als ein heller Tag. Konnte er doch die Nacht als Schutz für seine Vorlieben und Tätigkeiten besser nutzen, als gelben Sonnenschein. Cullum ahnte, dass dieses Mal die Nacht womöglich nicht sein Freund sein würde. Wie zur Bestätigung, wurde einer der am Boden liegenden Männer von einem langen Speer mitten ins Rückgrat getroffen und blieb tot liegen.

„Aarrrh!“, schrie Eirik in die Dunkelheit des Waldes. „Du feiger Hund, komm heraus und kämpfe mit mir!“

Zu seiner Überraschung erschall eine tiefe Stimme und er erschrak, wie nahe sie ihm sein musste. „Du nennst mich einen Feigling? Vergewaltiger einer wehrlosen Frau.“

Cullum, Eirik und die beiden letzten verbliebenen Skoten suchten die Stelle, aus der die Stimme zu kommen schien, doch nur wenige Wimpernschläge später kam ein Pfeil aus einer anderen Richtung und blieb eine Handbreit vor einem Mann zitternd in einem Baumstamm stecken. Mit vor Schreck geweiteten Augen warf dieser sich nieder. „Ein Waldgeist! Ein Dämon!“, rief er und nestelte an seinem Gürtel herum. Sein zweites Langmesser hatte sich verfangen und wollte einfach nicht in seine Hand.

„Blödsinn! Das ist ein Mensch. Steh´ auf und kämpfe, du Memme!“, sagte sein Kamerad und bückte sich zu ihm hinunter. Als er sich wieder aufrichtete, sah er zwischen zwei Bäumen eine Gestalt stehen, mit aufgezogenem Pfeil in einem überlangen Bogen. Noch bevor er einen Warnruf ausstoßen konnte, traf ihn der Pfeil mitten in die Stirn und er brach über seinem zitternden Kumpan zusammen.

„Das waren es ihrer nur noch drei!“, erklang die dunkle Stimme, die längst nicht mehr zwischen den beiden Stämmen stand, von wo aus sie geschossen hatte.

Mit einem Mal sprang der Zitternde auf die Beine und rannte aus dem Wald in Richtung Bach davon, alle seine Waffen liegen lassend, bis auf das Messer, das er vergeblich hatte ziehen wollen.

Cullum sah Eirik in die Augen und im gleichen Augenblick entdeckte er den Bogenschützen hinter seinem Anführer aus dem Dunkel des Waldes treten. Der Bogenschütze war nicht im Entferntesten das, was er erwartet hatte. Kein Pikte, kein Caledonier oder Epidier. In der Sekunde, als er den ersten kurzen Wurfspieß in der Brust seines Kampfgenossen gesehen hatte, hatte er sogar an Verrat und römische Soldaten gedacht. Doch das hier war völlig unerwartet. Der Bogenschütze war ein Druide. Doch Druiden kämpfen nicht, sie sind Weise, Heiler und Priester, dachte er verwirrt.

Aber der Druide, der nun auf die beiden letzten Skoten mit festem Schritt zukam, war eindeutig ein Kämpfer. Er ließ gerade achtlos seinen Bogen fallen und Cullum bemerkte, dass sein Köcher auf dem Rücken leer schien und er nun deswegen seinen weißen Umhang beiseite schob und gleichzeitig zwei römische Kurzschwerter zog. Alleine wie der Druide die Schwerter leicht schräg von sich hielt, verriet den geübten Schwertkämpfer.

Die ganze Zeit über – in Wahrheit waren es nur wenige Augenblicke – hatte sich Eirik scheinbar nicht gerührt und Cullums Augen und Reaktionen darin scharf beobachtet. Seine Hände jedoch hatten sich um den Stiel einer Streitaxt gekrümmt, die er mit seinem Körper verbarg und er wartete nur darauf, dass sein Feind in ihre Reichweite kam.
Cullum überlegte nur kurz und traf eine Entscheidung.

Anstatt Eirik bessere Chancen im Kampf zu verschaffen, hielt er die Idee, seinen Anführer als Rückzugsgarantie zu benutzen, für sein eigenes Überleben als Erfolg versprechender. Das Unglauben in Eiriks Augen nahm er als letzten Eindruck mit in die nun endgültig hereingebrochene Nacht, als er herumwirbelte und mit wenigen Sprüngen in der Nacht verschwand.

„So bist du nun allein, Vergewaltiger!“, sagte der Druide und erlaubte seiner Stimme die Befriedigung auszudrücken, die er empfand. „Acht Krieger gegen einen einfachen Jäger, seine Frau und seine beiden Söhne.“ Er verriet damit, dass er die Leichen gefunden hatte und erst in der Dämmerung auf sie gestoßen war und den Anfang des Mordens und der Vergewaltigungen nicht mitbekommen hatte.

„Wer bist du, Druide? Sag mir deinen Namen!“

Beide standen noch fünf Schritte voneinander entfernt und jeder behielt die Waffen des anderen im Blick und ließ sich weder durch Worte, noch durch die Augen seines Gegners davon ablenken.

„Warum sollte ich dir meinen Namen verraten? Ich bin kein berühmter Mann, also was kümmert es dich? Auf deinem Weg in den Abgrund des Hades benötigst du diese Information nicht. Du glaubst doch an den Hades, oder? Römersklave!“ Das letzte Wort spuckte er förmlich heraus.

Eirik war nun völlig verwirrt. Sein Gegner benutzte römische Schwerter und Wörter und beschimpfte ihn im gleichen Augenblick als Römersklave. Vielleicht war er doch ein Pikte?
„Du hast römische Schwerter… im Grunde zeigst du damit, dass dir bewusst ist, dass das Römische Imperium deinen tätowierten und bemalten Halbaffen hundertfach überlegen ist.“

Die grenzenlose Wut, die nun aus den Worten des Druiden klang, machte Eirik klar, dass hinter diesem Mann weit mehr steckte als Heilkunst und priesterliche Tätigkeiten. „Nein, es zeigt einfach, dass mir jedes Mittel Recht ist, Abschaum wie dich ins Jenseits zu befördern.“

Beim letzten Wort schritt der Druide entschlossen auf Eirik zu und stach blitzschnell mit einem Schwert in Richtung Herz, mit dem anderen machte er einen fürchterlichen Hieb, den Eirik nur mit beidhändig geführter Axt abblocken konnte.

So war es dem Skoten nicht möglich zu verhindern, dass ihn das erste Schwert einen tiefen Stich in den linken Oberarm versetzte. Er war zwar nicht bedrohlich, doch konnte er damit die Axt nur noch mit einer Hand führen. Er hatte keine Zeit mehr, die schwere Streitaxt gegen ein leichteres Schwert zu tauschen, denn noch bevor er die Axt zu einem eigenen Schlag erheben konnte, fuhr ihm das rechts geführte Schwert des Druiden von unten in die Gedärme.

Ohne auch nur im Streich innezuhalten, drehte der Druide das Schwert im Bauch des Gegners und stieß den linken Schwertknauf mit aller Wucht gegen die kraftlos gehaltene Axthand.

Eirik stürzte zu Boden, seine flatternden Hände versuchten die Därme am Herausgleiten aus der tiefen Wunde zu hindern und konnten die Flut doch nicht bändigen. Zwar konnte Eirik im Sterben sehen, wie sich die Lippen seines Widersachers bewegten, doch die Worte hörte oder verstand er nicht mehr.

„Du bist zwar kein Römer, aber einer ihrer Speichellecker. Du bist eine Schande für dein Volk, und deine britannischen Vettern sind im Grunde meine Brüder. Du jedoch, bist nichts als irisches Skotenpack!“

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Spiegelkrieger-Trilogie:
Band 1: “Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger”
Band 2: “Arianrhod mac Ruith – Königin der Spiegelkrieger”
Band 3: “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger”

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-140-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchtip der Redaktion:

Diefenthal, Werner
Das Schwert der Druiden

Verlag :      Acabus Verlag
ISBN :      978-3-941404-68-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      13,90 Eur[D] / 13,90 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      236 S. – 19,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 09.2010

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Eigentlich ist der siebzehnjährige Michael ein ganz normaler Teenager. Doch als er nach dem Tod seines Großvaters in dessen Zimmer ein geheimnisvolles Schwert entdeckt, wird sein Leben plötzlich auf den Kopf gestellt: Er findet sich in einer fremden Welt wieder und erfährt, dass er der “Erlöser” ist, der letzte in einer langen Reihen von Kriegern und dazu ausersehen, eine alte Prophezeiung zu erfüllen und die Menschen Arcradias vor einer finsteren Bedrohung zu schützen. Und es bleibt ihm nicht viel Zeit, um seiner Aufgabe nachzukommen, denn das schwarze Schloss ist bereits zum Leben erwacht und dunkle Mächte rüsten sich zum Schlag gegen Arcradia…

Werner Diefenthal erschafft eine faszinierende Welt, mit der es ihm von der ersten Seite an gelingt, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Atemberaubende Spannung entsteht, wenn sich der Kampf zwischen Gut und Böse entfaltet und das Schicksal einer ganzen Welt auf dem Spiel steht. Wird es Michael gelingen, die finstere Herrscherin Xenia zu besiegen und die Menschen Arcradias vor dem sicheren Untergang zu bewahren? Eine schöne Aufmachung mit aufwendig gestalteten Initialen machen “Das Schwert der Druiden” zudem auch optisch zu einem echten Highlight für jeden Fantasy-Fan.

Werner Diefenthal wurde 1963 im Rheinland geboren und ist seit zehn Jahren in Oberfranken wohnhaft. Nach einer Ausbildung im Schlosserhandwerk und einer späteren Weiterbildung im Qualitätsmanagement ist er seit 1998 in diesem Bereich tätig. Seine Liebe zur Schriftstellerei entstand in der letzten Dekade des 20.Jahrhunderts. Die Idee zum Buch “Das Schwert der Druiden” entwickelte sich während eines Trödelmarktbesuchs, als ihm ein altes Schwert ins Auge fiel. Das erste Manuskript war noch handschriftlich und entstand im Jahr 1993 in einem Bistro bei vielen Tassen Kaffee. Werner Diefenthal ist verheiratet und hat mit seiner jetzigen Frau eine Tochter sowie eine weitere Tochter aus erster Ehe. In seiner Freizeit liest er gerne, fährt Fahrrad und schreibt. Ein weiteres Hobby des Autors ist das Kochen.

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