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Literatur-Blog

SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Waffentod – Im Meer der Zeiten”

Erstellt von Cameo Flush am 19. März 2012

“Waffentod – Im Meer der Zeiten”

sfbasar.de-Anthologie Band 10

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial

Liebe Besucher, liebe Leser, liebe Community-Autoren

Die Anthologie wächst – zwei neue Beiträge wurden aufgenommen! Sämtliche Community-Autoren und solche, die es werden wollen, sind weiterhin aufgerufen, die Anthologie mit zahlreichen Beiträgen zu bereichern. Rückmeldungen in Form von Lob, Kritik oder Verbesserungsvorschlägen sind ausdrücklich erwünscht.

Der Titel dieser Anthologie lautet: WAFFENTOD

Der Tod ist Teil des Lebens und in der Regel dürfte ihm niemand entgehen können. Den Tod nicht durch Altersschwäche, durch Unfall oder Krankheit zu erleben, sondern durch den Einsatz einer Waffe, wird ebenso sicher niemand erleben wollen. Sicher? Was ist aber mit hoffnungslos Kranken? Ist Sterbehilfe – ob nun durch ein Medikament oder durch eine Waffe – nicht etwas, was der/die Leidende sich sogar erhofft? Oder ein stolzer Krieger, der nur ehrenvoll im Kampf sterben will, um dann an der Seite seiner Ahnen und Götter ein neues Dasein zu genießen? In allen Zeitaltern wurden Menschen durch Waffen getötet, ob barbarisch, modern oder futuristisch. In vielen Fällen dürfte so ein Waffentod eine Qual, eine Überraschung, ein Drama gewesen sein. In manchen Fällen eine Erlösung. Von all diesen Facetten soll diese Anthologie handeln.

Grundsätzlich ist hier jeder Beitrag, der sich mit dem Thema befasst, willkommen. Wir suchen nicht nur Geschichten sondern auch Gedichte, Leseproben und Artikel. Das Copyright der eingereichten Beiträge, unabhängig von der Art des Beitrags, muss wie immer beim jeweiligen Autor liegen.

Die zahllosen Beiträge unserer Community-Autoren erwarten wir ebenso gespannt, wie die Kommentare unserer Leser.

Euer Cameo Flush

Und jetzt zu den Beiträgen:

DAS LICHT DER STERNE – Fantasy-Kurzgeschichte von Aileen P. Roberts

NEU = DER STOFF, DER DIE GEDANKEN TRÄGT – Leseprobe aus dem Roman: “Die Papiermacherin” von Conny Walden.

BUCHREZENSION: DIE GANGS VON NEW YORK – von Herbert Asbury – Rezension von Michael Drewniok

DIE MACHT DER ASCHE – Eine Science Fiction Geschichte von Michael Bahner

DIE NEBEL VON MERAGON – Leseprobe von Stephan Lössl

JÄGER VERSUS MENSCH – SF-Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz

KREUZ UND PFAHL – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

SKOTENPACK – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

NEU = ÜBERFALL AUF DER KURISCHEN NEHRUNG – Leseprobe aus dem Roman: “Die Bernsteinhändlerin” von Conny Walden.

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:



Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Cameo Flush

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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SCHÄUFELE AUF ALIEN-ART – Science-Fiction-Story – mit Rezept – von Cameo Flush

Erstellt von Galaxykarl am 24. Juli 2011

SCHÄUFELE AUF ALIEN-ART

Science-Fiction-Story – mit Rezept

von

Cameo Flush

„Liebe Freunde galaktischer Kochkunst, herzlich willkommen hier bei unserem alljährlichen Kochwettbewerb auf Sagittarius V!

Vielleicht haben schon einige von Ihnen von dieser neu entdeckten Spezies – den Menschen – am Arsch der Milch-stra-ße gehört. So nennen diese seltsamen Wesen unsere Spiralgalaxis. Entschuldigung, aber an dieser Stelle muss ich immer lachen. Diese Hominiden halten sich doch tatsächlich für die Spitze der biologischen Entwicklung. Hahahaha! Aber egal, das wird sich bald ändern.

Nun, für die Wenigen, die mich nicht kennen sollten oder für die Wesen, die vielleicht noch nie an Kochen oder gar über einen Koch-Wettbewerb nachgedacht haben, hier meine offizielle Vorstellung:

Mein Name ist Mmhshalabbri-5 und ich stamme hier aus dem Zentrum für intergalaktische Küche. Meine Existenz wurde vor 182 Sonnenumläufen downgeloadet und ich darf von mir behaupten, alle bekannten und unbekannten Rezepte in meinen Speichern zu tragen. Und letztere Kategorie wird nun um eine ganze Reihe neuer, aufregender Gerichte erweitert. Ich hatte die Gelegenheit und die große Ehre, als einer der ersten VR-Koch-Avatare auf diesem kleinen Planeten der Menschen – hihihi, diese einfachen Gemüter nennen sie schlicht Er-de – die wichtigsten kulinarischen Erfahrungen machen zu dürfen.

Selbstverständlich haben mein Team und ich alle Zutaten meines Rezeptes auf Verträglichkeit aller Galaktikervölker – und insbesondere der Jurymitglieder – getestet. Mit Stolz kann ich verkünden, dass diese Menschen eine recht einfache Grundbiologie aufweisen, die selbst die verschiedensten Mägen und Verdauungssysteme der Galaktiker-Gemeinschaft ohne Weiteres vertragen. Ob Sie – ja Sie, das Publikum – die menschlichen Gerichte aber als schmackhaft, eventuell sogar als delikat bezeichnen werden, überlasse ich Ihren Gaumen. Oder was immer Sie an Geschmacksorganen besitzen mögen, hahaha.

Bevor ich jedoch mit meinem Koch-Beitrag beginne, möchte ich Sie kurz einstimmen auf diese neue Spezies: Sie haben eine glatte Haut und nur sehr wenig Fell. Ganz erstaunlich ist die Tatsache, dass manche Exemplare recht borstige, dafür aber sehr vereinzelte Haare tragen. Andere dagegen besitzen viel mehr Fell, dafür aber deutlich feiner. Sehr seltsam. Außer einem recht hässlichen Kopf aus dem zwei – tatsächlich nur zwei! – Augen dümmlich glotzen, tragen sie mitten im Gesicht ein Riechorgan mit ebenfalls zwei Atemöffnungen. Diese Nase ist rund geformt; fast so wie die eleganten Rüssel der Baldoorianer. Weiterhin haben diese Menschen vier Extremitäten, auf denen sie sich mehr oder weniger geschickt vorwärtsbewegen. Den Abschluss bildet ein – in der Regel -spiralig geringelter Schwanz, über dessen Funktion unsere Exobiologen noch rätseln. Der ganze Körper dieser Menschen ist aber das Erstaunlichste an ihrer Erscheinung: Es gibt in nämlich in Hunderttausenden, ja vielleicht sogar Millionen Varianten. Bei unserem ersten Besuch haben wir kein Exemplar gefunden, das exakt einem anderen glich.

Doch nun zurück zu unserem Koch-Wettbewerb. Auf der Suche nach einem siegverdächtigen Gericht stieß ich bei einem kleinen Volk auf der nördlichen Hemisphäre auf einen Begriff, der alleine schon beim Aussprechen meine virtuellen Verdauungssäfte zum Sprudeln bringt: Schäu-fe-le! Ich betone diese kulinarische Rarität deswegen so besonders, da sie von den Einheimischen mit einer schon fast religiös zu nennenden Ehrfurcht ausgesprochen wird. Im gleichen Augenblick, als ich dieses Wort hörte, wusste ich: Das ist mein Sieger-Rezept!

Bitte stellen Sie also Ihre sämtlichen sensorischen Systeme auf höchste Sensibilität und ich verspreche Ihnen eine Überraschung. Selbstverständlich dürfen Sie wie gewohnt Downloads dieser Präsentation vornehmen und vor allem ihre Geschmackstransmitter auf vollen Empfang schalten. Viel Vergnügen!

Ich beginne mit der natürlichen Umgebung, in der wir das Rohmaterial für Schäufele angetroffen haben. Es war an einem Meeresstrand mit feinstem weißen Sand. Am Ufer wälzten und sonnten sich die Tiere, die den Hauptbestandteil des Gerichtes bilden. Wie gesagt, die körperliche Differenziertheit auf diesem kleinen Planeten, der übrigens von den Menschen Terra genannt wird, ist äußerst vielseitig. Auch diese Tiere am Strand spiegelten diese Vielfalt wider. Manche Exemplare hatten helle, fast weiße Haut, andere hatten Brauntöne in allen Schattierungen und wieder andere besaßen rote, strahlende Flecken, die seltsam mit der weißen Haut kontrastierten.

Wir fingen ohne Probleme eines dieser Tiere und wunderten uns nur kurz, dass es weder einen kurzen noch einen geringelten Schwanz aufwies, sondern eher einen gestreckten, an dem zwei kleine Kugeln hingen. Doch das ist für die Zubereitung von Schäufele nicht relevant. Denn das leckerste Teil dieses Tieres stellt das Fleisch rund um die Schulterknochen dar, von denen es – wieder einmal – zwei besitzt. Das Tier zappelte zwar etwas, als wir es betäubten, schließlich sind wir ja keine Barbaren, aber ein wirklich seltsamer Laut ließ uns kurzfristig innehalten. Er klang irgendwie so ähnlich wie: „Naaaainnn!“ Aber ich kann mich auch täuschen. Wie gesagt, unsere Exobiologen sind zurzeit mit der Klassifizierung noch schwer beschäftigt.

Man trennt also zwischen Halsansatz und Körper die Schulter vom Rest und entfernt anschließend die wenigen Fellteile. Das Blut sollte nicht völlig auslaufen, denn sonst verliert das Fleisch seine Saftigkeit. Das von uns ausgewählte Exemplar wies eine ausreichend dicke Fettschicht auf, die sehr wichtig für den perfekten Abschluss des Gerichtes ist. Doch dazu später mehr. Es war richtig lustig anzusehen, wie das Exemplar versuchte, mit seinem fetten Leib dem Jagdteam zu entkommen. Es erhob sich sogar unter kräftigem Schnauben auf zwei seiner Extremitäten und wollte sich ins Meer retten. Wahrscheinlich seine eigentlich natürliche Umgebung. Unsere Forscher vermuten, dass diese Unterart gerade dabei ist, den endgültigen Schritt vom Meer aufs Land zu vollziehen. Ach, wie war das aufregend.

Doch weiter mit der Zubereitung. Und ich bitte Sie nun um allerhöchste Aufmerksamkeit. Anstelle die natürliche Frische zu erhalten, wird das Schäufele nicht roh genossen, sondern es wird erhitzt, ja richtiggehend verbrannt! Die Menschen setzen dieses wunderbare Stück Natur echtem Feuer aus. Und dies nicht nur wenige Zeiteinheiten lang, sondern sage und schreibe 5 Priklacks! Um die Exotik noch zu steigern, muss das gute Stück alle halbe Priklacks mit der austretenden Flüssigkeit übergossen werden. Sollten Sie diesen Schritt vergessen, werden Sie am Ende ein vertrocknetes braunes Stück Kohle auf dem Teller liegen haben. Der wahre Kenner macht dazu aber noch Folgendes: Die möglichst dicke obere Fettschicht wird in Rauten eingeschnitten. Nur Barbaren und Kulturbanausen schneiden Rechtecke – oder noch schlimmer: Quadrate. Wagen Sie es niemals, Ihren Gästen solch verhunzte Schäufele aufzutischen. Damit gewinnen Sie keinen Kometen am blauen Band!

Während der Garzeit des Fleisches – und bitte nicht das Übergießen vergessen!  -, können Sie sich mit den Beilagen des Gerichtes beschäftigen. Absolut zwingend – und ich meine das todernst – ist es, runde weißlichgelbe Bodenknollen zu servieren, die man vorher geschält, in feine Fasern zerrieben und – halten Sie sich fest – ge-schwe-felt hat. Sollten Sie diesen Schritt vergessen, werden diese Knollen eine ungesund grünliche Farbe annehmen. Sie müssen die geschwefelte Masse zu faustgroßen Kugeln formen und in kochendes Wasser werfen. Für etwa ein Zehntel der Zeit, die Sie für das Fleisch benötigen, verbleiben diese Kugeln im heißen Wasser. Sie sehen also, diese Terraner kennen den Begriff Zeitmanagement.

Der Perfektionist unter Ihnen reicht zu Schäufele mit Bratensaft und den Knollenkugeln noch Vegetarisches. Hier gibt es wiederum eine Vielfalt an grünem Zeug, was auf Terra an jeder Ecke wächst. Im krassen Gegensatz zu dem angebrannten Fleisch, den in kochendes Wasser gestürzten Knollenkugeln, wird die vegetarische Beilage roh verzehrt. Ich habe beobachten können, wie Einheimische zwei verschiedene Flüssigkeiten darüber gegossen haben. Wahrscheinlich dient es dazu, das ansonsten recht trockene Blattwerk durch den Schlund in die Verdauungssysteme zu transportieren.

Und nun zum Schluss die Krönung und sozusagen die finale Kontrolle, ob Ihr Schäufele gelungen ist oder nicht: Die rautenförmig eingeschnittenen Fettteile sollten am Ende der Garzeit einen Farbton angenommen haben, der zwischen Hell- und Dunkelbraun liegt. Der Fachmann nimmt ein Besteck und klopft damit auf eines dieser Rautenteile. Ist es perfekt, muss es sich hart anhören. Im Munde soll es beim Kauen krachen. Daher nennt man diese Teile auch in Fachkreisen Krachele.

Natürlich haben mein Team und ich auf Terra eine Weile gebraucht, um dieses Gericht in allen Details korrekt zubereiten zu können. Und glauben Sie mir, es waren etliche Versuche nötig, um die vorgeschriebene Konsistenz aller Bestandteile zu erzielen. In unserer Verbundenheit gegenüber diesem neuen Mitglied unserer großartigen galaktischen Gemeinschaft haben wir natürlich auch mehrere der Einheimischen eingeladen, um an diesem von uns zubereiteten Festmahl teilzunehmen.

Als wir jedoch die Hauben unsere Servierplatten hoben, stießen viele wieder diesen komischen Laut aus, den auch das Tier von sich gab, als wir es fingen: „Naaaainnn!“

Nun ja, wir wissen ja aus Erfahrung, dass es nicht leicht ist, eine neue Spezies – und dazu noch eine recht primitive – in unsere Gemeinschaft aufzunehmen. Wie auch immer: Ich wünsche Ihnen guten Appetit!“

Die Zutaten:
- Ein möglichst frischer Terraner mit ausreichender Fettschicht
- Ein Korb voll Bodenknollen, Klasse festkochend
- Diverse rohe Vegetationsexemplare, sortenrein oder gemischt, je nach Geschmack
- Zwei Flüssigkeiten; eine davon sehr schmierig, die andere verursacht pur genossen Schütteln
- mehrere Gewürze, ich empfehle hier, die heimischen zu verwenden
Vorbereitung:
Das schwierigste ist die richtige Produktauswahl. Achtung: Fluchtgefahr
Gesamtzubereitungsdauer:
5 Priklacks

Ende

Copyright © 2011 by Cameo Flush

Buchtipp des Autors:

Ringlein, Birgit
Apfelkiechla und Zwiebelblootz

Die besten fränkischen Spezialitäten

Foto(s) von Pump, Günter
Verlag :      Husum Druck- und Verlagsgesellschaft
ISBN :      978-3-89876-323-3
Einband :      gebunden
Preisinfo :      9,95 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 18,00 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Seiten/Umfang :      96 S., zahlr. farb. Abb.
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      2. Aufl. 03.2011

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Bodenständig ist das Essen in Franken, deftig und lecker. Ob Fleisch, Fisch, Gemüse oder Süßspeisen, die Gerichte sind immer reichhaltig. Aus der Vielfalt traditioneller fränkischer Küche hat Birgit Ringlein die besten Rezepte ausgewählt: Von Weinsuppe und der andernorts schon fast exotisch anmutenden Maronisuppe über Eintöpfe und deftige Hauptgerichte wie Würzburger Fuhrmannsbraten und Bamberger Bierzwiebel reicht das Repertoire. Der Schwerpunkt liegt auf der kunstgerechten Zubereitung von traditionell Bewährtem und Geliebtem. Auch Gemüse wie „Krehgmies“ oder „Sauergraud wie bei da Oma“, die in der fränkischen Küche unentbehrlichen „Gleeß“ (Klöße), Nachspeisen wie Kirschenmichel oder Apfelstrudel im Blätterteig und Rezepte für eine zünftige Brotzeit machen schon beim Lesen Appetit. Im Kapitel „Gebäck“ findet man u. a. den Klassiker „Elisenlebkuchen“ und die Dinkelsbühler Schneckennudeln. Zu den einzelnen Gerichten gibt die Autorin Getränkeempfehlungen, und im Bier- und Weinland Franken haben natürlich auch Rezepte für Warmbier und „Kirschglüher“ ihren selbstverständlichen Platz. Wer fränkische Spezialitäten gemütlich zu Hause bei einem Bocksbeutel oder zünftigen Bier genießen möchte, der wird hier garantiert fündig.

Birgit Ringlein, geb. 1956 in Bayreuth, lebte lange Zeit unter anderem in den USA und in Tunesien, wo sie als Geschäftsführerin arbeitete. Im Jahr 2000 kehrte sie nach Bayreuth zurück und ist seitdem als Lehrstuhlsekretärin bei der Universität Bayreuth beschäftigt. Einige Zeit war sie Vorstandsmitglied der Uni-Gourmets e.V. Bayreuth. Die begeisterte Hobby-Köchin widmet sich in ihrer Freizeit dem Schreiben von Koch- und Backbüchern.

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KREUZ UND PFAHL – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 2. April 2011

Der nachfolgende Beitrag stammt aus “Die Spiegelkrieger des Druiden”
Die Figur steht dem Kapitel deshalb vorangestellt, da es sich beim Protagonisten um den späteren Druiden handelt. (Anm. d. Redaktion)

Kapitel IV

167 n. Chr., Herbst
Kreuz und Pfahl

Tuan duckte sich blitzschnell und glitt mit leisem Rascheln in ein dichtes Gebüsch hinein. Er dankte dem Waldgott dafür, dass die Büsche noch reichlich – und vor allem bunte – Blätter trugen und es noch einige Wochen dauern würde, bis diese herab fielen. Jetzt hatte er diese hervorragende Deckung auch bitter nötig, denn etwa hundert Schritte vor ihm bewegte sich ein großer Trupp Römer durch den Wald.

Der Junge verhielt sich völlig still, als die vorwiegend zu Fuß marschierenden Soldaten einem schmalen Tierpfad folgten. An ihrer Spitze ritt ein einzelner Offizier, ein Centurio, wie Tuan wusste. Rasch zählte er die Legionäre, die in wenigen Augenblicken nur Meter an ihm vorbeiziehen würden und kam zu dem Schluss, dass es sich um eine Manipel handeln musste. Er hatte diese römische Bezeichnung, und viele andere, hitzigen Debatten der Dorfältesten entnommen und sie aber erst später einer bestimmten Anzahl Soldaten zuordnen können. Diese Manipel bestand aus rund 100 Mann und Tuan wunderte sich, dass er so gut wie keine Verletzten entdecken konnte. Und keinen einzigen Gefallenen.

Sein Herz stockte für einen Moment, als er darüber nachdachte, was dies wahrscheinlich – nein, ziemlich sicher – bedeutete. Es war ihm völlig klar, dass diese Einheit für die Rauchsäulen über seinem Dorf verantwortlich sein musste und Angst und Wut kämpften augenblicklich um die Vorherrschaft in seiner Brust und in seinem Herzen.

Er ließ sich noch ein wenig niedriger in das Blattwerk des Busches einsinken, als der Reiter nur noch wenige Pferdelängen von ihm entfernt war.

Tuan musterte den Mann genau. Er war noch jung, nicht älter als 20 oder 21 Jahre alt. Also gerade einmal acht oder neun Jahre älter als Tuan. Auch er war so gut wie unverletzt, nur wenige Kratzer zeigten sich auf der Haut. Staub und Asche, vermischt mit Schweiß, überzogen Körper und Kleidung. Der Gesichtsausdruck des Centurio drückte … Genugtuung aus. Und eine grimmige Entschlossenheit, das hinter ihm Liegende immer wieder zu tun, wenn es seine Vorgesetzten von ihm verlangen würden.

Tuans Blick war scheinbar so intensiv, dass der Mann im Sattel plötzlich genau in Tuans Richtung sah.

Jetzt wagte Tuan nicht einmal mehr zu atmen und er lenkte seine Augen vom Gesicht des Mannes ab. Tuan hatte einen wachen Verstand, doch einen gewissen Anteil an abergläubischer Furcht konnte auch er nicht von sich weisen. Einige der ältesten Frauen im Dorf erzählten immer wieder Geschichten vom Bösen Blick, den so manche für sich in Anspruch nahm, ihn zu besitzen.

Doch auch wenn Tuan seine Augen abwandte, konnte er nicht vermeiden, dass er an einem Körperteil des Römers förmlich hängen blieb. Ein Muttermal an der rechten Halssehne zog seine Augen magisch an. Das Mal hatte die Form eines Fisches. Deutlich konnte man den pfeilförmigen Leib und die Flosse erkennen. Je näher ihm der Römer kam, desto lebendiger erschien Tuan der Fisch. Bei jeder Körperbewegung des Halses zuckte der Schwanz des Tieres. Nur mit Mühe konnte Tuan endgültig seinen Blick abwenden und auch der Römer sah wieder auf den Weg vor ihm.

Die gesamte Manipel zog an dem Piktenjungen vorbei, ohne zu ahnen, dass einige von ihnen in der Zukunft wieder auf den Jungen treffen würden.

Tuans Lunge gab erste leichte Pfeiftöne von sich, als er den Rand seines Dorfes im vollen Lauf erreichte. Er war die Strecke bis hierher in einem gewaltigen Tempo gerannt, ohne Rast, ohne Blick zurück. Je näher er kam, desto stärker wurde der beißende Geruch verbrannten Fleisches, desto dichter hoben sich grauschwarze Rauchwolken vor seinen mit Angst erfüllten Augen gen Himmel und sein Herz pochte zehnmal so stark wie normal. Mit aller Gewalt unterdrückte er die Gedanken, die ihm erbarmungslos zubrüllten, was hier auf ihn wartete. Sein Unterbewusstsein hatte längst offenbart, was sich vor seinen Blicken noch gnädig verbarg.

Als die Erkenntnis dieses Umstandes doch an die Oberfläche seines mit Panik erfüllten Verstandes drang, hielt er im Lauf inne, fast zu abrupt, so dass er beinahe gestürzt wäre. Vielleicht versagte ihm sein Gehirn auch den Zutritt zum Dorf, um ihn vor dem Anblick zu verschonen.

Doch all seine Befürchtungen und schrecklichen Erwartungen wurden übertroffen von dem, was sich nun mit aller Brutalität aus den schon abnehmenden Feuern und dem dünner werdenden Qualm herausschälte.

Das ganze Dorf war niedergebrannt, keine Hütte, kein Wagen, kein menschliches Werk war unversehrt. Jegliches Vieh war sinnlos abgeschlachtet worden, anstatt es wenigstens mitzunehmen. Doch all dies war nichts gegen die Pfähle und Kreuze, die in dichtem Abstand im gesamten Dorf verteilt waren. Hoch stand so ein Pfahl, schwarz angesengt, und an seinem oberen Ende geschmückt mit einem Leichnam, durch dessen blutige Brust die Spitze des Pfahles ragte oder dessen Glieder von fingerdicken Eisen durchbohrt ihn an ein Kreuz nagelten. Jeder Pfahl trug einen Menschen, den er nur zu gut kannte, mit dem er gelebt, gesprochen, gespielt hatte. Tuans Herz verkrampfte sich in der Erwartung, seine Eltern auf diese fürchterliche Art platziert an den Stämmen gemartert vorzufinden. Die gleichen Stämme, die einmal einen Pferch für die Rinder gebildet hatten.

Mit einem Mal vernahm er keinen Laut mehr, kein Knistern verlöschender Feuer, kein Brutzeln brennenden Fleisches, keinen Wind mehr, nichts, gar nichts. Wieder schien sein Gehirn ihn in Schutz nehmen zu wollen, doch seine Nase nahm trotzdem die ekligen Gerüche wahr, die von allen Seiten auf sie einströmten.

In seiner inneren Stille zerbrach etwas in ihm, dass bisher sein Leben erfüllt hatte. Der glückliche Junge war mit einem Schlag verschwunden und eine neue Identität zeigte ihre ersten Schatten.

Tuan lief wie ein Schlafwandler durch das, was einmal ein lebendiges Dorf gewesen war, mit lachenden Kindern, von denen – den Göttern sei Dank – kein einziges die Pfähle zierte oder tot am Boden lag. Ein Dorf, mit jungen und alten Männern und Frauen, die ihrer Arbeit nachgingen und sich Scherze zuriefen.

Tuan blieb stehen und benötigte mehrere Minuten, um seinen Körper zu zwingen, sich herumzudrehen. Er stand fast in der ehemaligen Mitte der Siedlung und nahm alle Kraft zusammen, um seinen Kopf nach oben zu richten. Mit trockenen, vom Rauch geröteten Augen sah er von Pfahl zu Pfahl und versuchte die Geschändeten zu identifizieren. Erst nach einer ganzen Weile fiel ihm auf, dass es sich fast ausschließlich um Krieger handelte, mit mehreren Wunden, abgeschlagenen Extremitäten, manch einer ohne Kopf. Doch alle erkannte er an ihrem Haar oder den Zeichnungen, welche allesamt trugen.

Nun gesellte sich zu seinem Entsetzen die Wut. Sie verdrängte seine Angst und sein Herzschlag beschleunigte sich mit harten Schlägen. Seine Gedanken rasten und lieferten ihm alle möglichen Erklärungen, wo der Rest seines Stammes geblieben war. Sicher war jedes Kind, das noch nicht das Jünglingsalter erreicht hatte, gefangen genommen worden, genau wie jede hübsche oder arbeitsfähige Frau. Sie würden den Römern als Sklaven dienen, ohne jede Chance, diese Ruchtat jemals zu sühnen. Die Männer jedoch, ob Bauer, Händler oder Handwerker würden auf die Galeeren geschickt werden. Oder in die Erzminen oder wo auch immer sie den Römern bis zum nahen Tod dienen konnten. Die Krieger hingegen, die das Pech gehabt hatten zu überleben, würden in den Arenen und Kampftheatern in Rom und anderswo um ihr Leben kämpfen müssen. Gegen besser Bewaffnete, stärkere und erfahrene Gladiatoren, gegen blutrünstige, aufgestachelte wilde Tiere. Nur die Wenigsten würden dies überleben. Vielleicht fand sich einer, der mehr als einen Kampf in so einem Blutpfuhl überstand. Wenn er in ferner Zukunft seine Freiheit wieder erlangen könnte, was würde er tun? Würde er sich bemühen, längst Verstorbene, an die sich niemand mehr erinnerte, zu rächen? An wem? Konnte er die Legionäre und Schlächter beim Namen nennen, könnte er sie herausfordern, womöglich zum Zweikampf zwingen?

Plötzlich fiel ihm der Centurio ein. Dessen Mal am Hals würde es ihm, Tuan, ermöglichen, diesen Mann und seine Einheit irgendwann in der Zukunft zu identifizieren. Das Bild mit dem Fisch am Hals des Mörders brachte ihn dazu, vorwärts zu taumeln. Seine Beine mussten sich jetzt bewegen. Wenn er schon keine Chance hatte der Manipel nachzueilen, sie anzugreifen und sie für ihre Tat noch heute büßen zu lassen, dann musste er sich jetzt wenigstens bewegen. Wie ein Trunkener taumelte der Junge durch das schwelende und brennende Dorf. Er nahm all die Bilder der Verwüstung wie durch einen blutroten Schleier wahr. Er fand nicht eine Hütte die noch intakt war, kein einziges Vieh, das noch lebte, nur Kadaver und Vernichtung. Er stürzte zu Boden, rappelte sich auf, torkelte durch kleine Flammen, die ihm die Beinhaare versengten, aber er spürte nichts davon.

Bis ihn sein Zickzackkurs an die Kante des kleinen Berges brachte, an dem sein Dorf lag und über die  manchmal zum Tode Verurteilte gestürzt wurden. Sein Schritt verlangsamte sich, auch deswegen, weil hier keine Tierkadaver mehr lagen und das freie Gelände noch den Anschein des Normalen erweckte.

Wäre da nicht von einem Moment zum anderen eine dumpfe Ahnung in ihm erwacht, dass er besser keinen Blick über die Kante werfen sollte. Doch Tuan war nicht der Mensch, der vor Ahnungen zurückschreckte. Mit kleinen Schritten ging er vorsichtig näher und sein Körper bereitete sich auf das vor, was hinter der Kante liegen mochte. Die Tränen in seinen Augen versiegten und legten den roten Schleier ab. Das Zittern seiner Glieder erstarb und er machte den letzten Schritt.

Für Sekunden rührte er sich keinen Millimeter. Seine geweiteten Augen nahmen das Bild in sich auf und wie zäher Schleim kroch die Information die Sehnerven entlang zum Gehirn. Dort verharrten die Eindrücke, als weigere sich sein Gehirn, das Bild aufzunehmen und in verwertbare Information umzuwandeln. Doch schlussendlich tat das Gehirn, was es tun musste.

Dort unten lagen sie. All jene, die nicht gepfählt worden waren. Alte Männer und Frauen, Bauern, Handwerker, alles, was kein Krieger oder Kriegerin war. Und auch Frauen … mit ihren Kindern. Tuan sah, dass man ihnen allen die Kehlen durchgeschnitten hatte, ausnahmslos.

Tuan stand lange dort und das Bild stanzte sich in sein Gehirn, das es nun plötzlich aufsog, als wäre es erpicht, es nie wieder in seinem ganzen Leben zu vergessen. Jedes entsetzte Gesicht, jede klaffende Wunde und jeder einzelne Blutstropfen prägte sich ihm ein.

Sie waren alle tot, niemand war entführt worden, keinem drohte lebenslange Sklaverei, niemand aus seinem ganzen Clan war mehr am Leben.

„Neeeiiiiiin!“

Der lang gezogene Schrei hallte laut durch die Klamm, in der die Leichen lagen. Tuan mac Ruith, letzter Spross des Clans der Ruith schüttelte den Kopf. Er rannte von der Kante weg zurück ins Dorfzentrum.  Die Wut, die in ihm kochte, steigerte sich zu tiefem Hass auf die Römer, die es sich nicht nehmen hatten lassen, auch noch ihr Zeichen inmitten des vernichteten Dorfes aufzupflanzen. Der neue Tuan, der in ihm wuchs, zeigte ein anderes Gesicht. Verloren war die kindliche Unschuld, die Freude am Leben und der Natur. Es brodelte in ihm und mit jeder Sekunde formte sich ein neuer Mensch, der mit dem vorherigen nichts, aber gar nichts gemein hatte.

Mit wenigen Schritten ging er zur Standarte und trat sie mit einem wuchtigen Tritt in den Staub, nur um sie sofort wieder aufzunehmen und mit einem wütenden Schrei in den nächsten noch brennenden Schutthaufen zu werfen. Die Funken stoben auf und das Feuer fand neue Nahrung am trockenen Schaft des Heereszeichens.

Tuan blieb so lange stehen, zitternd vor maßloser Wut, bis die Standarte völlig im Feuer vergangen war, dann hob er sein Haupt und blickte ohne Ziel über das Dorf.

Genau in diesem Augenblick, in dieser Sekunde, vollzog sich der Wandel vom Jungen zum Mann, auch wenn er an Größe, Kraft und Alter noch weit davon entfernt war. Seine Muskeln, seine Stärke noch nicht in der Lage waren, einem Feind mit der Vehemenz entgegenzutreten, die in seinem Geist bereits anwuchs, sich mit einem Feuer erfüllte, das heller und wilder loderte als alles, was um ihn herum züngelte. Die Bilder, die er hier sah, verschmolzen zu einer gefährlichen Glut, die sein Innerstes erfassten, wie ein tief in der Erde fließender Lavastrom. Tuan fühlte diese Macht in sich aufwallen, spürte jede Faser seines Körpers bis ins Kleinste hinein durchdrungen von diesem verheerenden Brand, der wie ein grummelnder Vulkan darauf wartete zu explodieren, alles niederzuwalzen, zu töten und zu vernichten.

Seine Gedanken kehrten zu der ohnmächtigen Erkenntnis zurück, dass diese verbrannte Standarte für lange Zeit das einzige sein würde, was er den Römern heimzuzahlen vermochte. Ein finsteres Funkeln trat in seine – jetzt endlich von Tränen überströmten – Augen. Halb aus Trauer um seine Eltern, seinen Clan, seinen Stamm, halb aus Zorn für die Mörder. Zu dem Funkeln fügte sich ein freudloses Lächeln, die Mundwinkel grausam verzogen, halb die Zähne fletschend. Aus tiefer Brust bahnte sich ein Grollen, ein Brodeln seiner Stimme, wie ein langsam aus der Hölle kriechender Lindwurm hervor. Der helle Ton des Jungen war verschwunden, der kräftige, brüllende Schrei, der sich über diesen Ort des Grauens erhob, war der eines Mannes. Ringsum stoben Vögel in Scharen davon, Rehe, Hasen und anderes Wild floh ob der brachialen Wut in dem Schrei, der lang und mächtig durch die Bäume brach. Nun, jetzt konnte er nichts anderes tun, als zu überleben. Jetzt konnte er seine Rache nicht vollziehen. Aber seine Zeit würde kommen. Mit diesem letzten Gedanken drehte Tuan sich um und schritt langsam zurück in den Wald.

Copyright © 2011 by Cameo Flush

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-150-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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In Europa gibt es wohl kaum ein Volk, über dessen Ursprung und Kultur so wenig bekannt ist und das deshalb mit Legenden umwoben wurde, wie die Stammesgeschichte der Pikten auf schottischem Gebiet. Es sind fast nur späte Bildsteine und Stelen erhalten, die jedoch mit Schriftzeichen und Ornamenten verziert sind, die noch einer genauen Forschung bedürfen. Nach dem Abzug der Römer interagierten sie mit den anglischen Reichen in Northumbria, waren eine zeitlang tributpflichtig, konnten deren Joch aber in der Schlacht von Dunnichen abschütteln, was lange als die Geburt Schottlands gefiert wurde. Ihre Sprache und Kultur verschwanden, als die Königreiche der Pikten und der keltischen Skoten 843 n. Chr. unter Kenneth Mac Alpin vereinigt wurden und das sagenhafte Königreich Alba entstand. Der promovierte Autor, der in Großbritannien durch verschiedene geschichtliche Fernsehdokumentationen bekannt wurde, legt mit diesem Buch erstmals eine ausführliche literarische Arbeit zur Forschung der Pikten vor und geht auch der Frage nach, ob die heutigen Einwohner von Schottland letztlich die aus der Geschichte verschwundenen Pikten sind. Ein Anhang in dem Band gibt darüber Auskunft, an welchen historischen Stätten noch Zeugnisse des rätselhaften Volkes zu finden sind, und lädt dazu ein, diese im Gebiet zwischen Perth und Dundee oder auch im Edinburgher Museum zu besuchen.

Jürgen Diethe, 1947 in Bad Harzburg geboren, arbeitet als freier Journalist und Fernsehsprecher und lebt seit über dreißig Jahren in Großbritannien, die letzten zehn Jahre in Schottland. Seine journalistischen Sporen verdiente er sich beim deutschen Programm der BBC, in den Abteilungen Nachrichten, Politik und Sport und berichtet nun hauptsächlich über Golf im deutschen Bezahlfernsehen. – Er ist promovierter Politikwissenschaftler, nach einem Studium in Englisch, Geschichte …

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DIE BLASE – eine Fantasy-Kurzgeschichte von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 8. Januar 2011

DIE BLASE

eine

Fantasy-Kurzgeschichte

von

Cameo Flush


Die Dunkelheit war absolut. Nicht der winzigste Schimmer versuchte die alles umfassende Schwärze zu erhellen. Es war auch still, sogar sehr still, aber nicht vollkommen. Leises und gleichmäßiges Atmen durchdrang die Finsternis und zeugte von der Existenz von etwas Lebendigem. Außer den Atemgeräuschen störte nichts die Lautlosigkeit. Vielleicht hätte ein anderes Lebewesen oder ein empfindliches Messgerät noch das Schlagen eines Herzens registriert, aber beides war nicht in der Nähe des Wesens zu finden. Weder in dessen unmittelbarer, noch näherer oder sogar weiterer Umgebung.

Wie weit zählt ein beliebig großer Raum noch zur Umgebung eines Lebewesens? Doch wohl nur so weit, wie nicht andere Exemplare in dem gleichen Raumvolumen existieren und sich gewisse Relationen ergeben. Einzelne Wesen, zufällige oder absichtliche Gruppierungen, dichte oder weniger dichte Ballungen ergeben erst durch ihre Anordnung ein Bezugsystem, in dem es möglich ist, Individuen so etwas wie eine eigene Umgebung zuzuordnen.

Aber auch dies war hier nicht möglich. Das Wesen war allein, so völlig allein, wie man es nur sein konnte. Doch solche Gedanken füllten nicht den Traum der Gestalt, die entspannt und gerade dalag und weiterhin regelmäßige und kräftige Atemzüge tat. Das Geschöpf träumte keine Bilder oder Szenen, denn dafür war es noch nicht bereit, sondern sein Geist wurde erfüllt von angenehmen Gefühlen, beruhigenden Strömungen, die außer einem Wohlsein keine weitere Aussage beinhalteten. Und das sollten sie auch nicht, noch nicht.

Nach einigen hunderttausend Herzschlägen erwachte das Geschöpf aus seinem Schlaf, blieb aber mit geschlossenen Augen liegen. Es fühlte sich weiterhin wohl, ausgeruht und seine Gedanken waren ohne Definition. Diffuses Wirrwarr und zäh sich lichtende Nebel.

Als aller ersten klaren Gedanken erkannte das Geschöpf sich selbst als männlich, obgleich ihm das wenig sagte, fehlte ihm doch der Inhalt dieser Aussage. Gleichzeitig wurde es sich seines Körpers bewusst, stark und anscheinend voll funktionsfähig. Das Lebewesen lauschte in die Stille der Finsternis und in seinen eigenen Körper, vernahm selbstverständlich das Geräusch des Atemholens und Ausstoßen der Luft aus der Nase als leises Rauschen, dazu das regelmäßige Klopfen seines Herzens.

Abrupt öffnete es beide Augen, doch die völlige Schwärze blieb bestehen.

Bin ich blind? fragte es sich und verneinte sofort selbst die Frage.

Langsam richtete das Wesen sich auf und ein weiterer klarer Gedanke brach an die Oberfläche seines Bewusstseins: Mensch.

Ich bin ein Mensch.

Wieder konnte er mit dem Begriff nichts anfangen, aber irgendwie beruhigte es ihn zu wissen – wissen? – was er war.

Eine Weile stand er so da, mit offenen Augen, die in die Dunkelheit starrten, bewegte sich nicht und versuchte Klarheit in seine Gedanken zu bringen.

Plötzlich konnte er ein weiteres Geräusch hören und im gleichen Moment orteten seine Ohren den Ursprung des neuen Lautes: Sein Magen gab einen knurrenden, kullernden Ton von sich, der sich nach kurzer Zeit wiederholte. Automatisch fuhr eine seiner Hände an den Bauch und löste eine Kettenreaktion aus.

Nackt – hungrig – Mensch – männlich – Mann – Mann – hungrig – durstig – allein – dunkel – nackt – allein – allein.

Allein.

In einer fließenden Bewegung setzte sich der Mann wieder und fühlte dabei den weichen Boden, auf dem er - wie lange wohl? – gelegen hatte.

Wie komme ich hierher? Was will ich hier? Oder bin ich etwa unfreiwillig hier? Und wer bin ich? fragte er sich und konnte für den Augenblick keine Antworten finden. So blieb er lange Zeit sitzen, versuchte das Knurren seines Magens zu ignorieren und starrte weiterhin ins Nichts. Ein paar Mal schloss er die Augen wieder, weil es ihm unsinnig erschien, sie offen zu halten und trotzdem nichts zu sehen, doch jedes Mal öffnete er sie wieder.

Ich muss etwas zu Essen finden.

Schließlich erhob er sich und begann auf dem seltsam weichen Untergrund zu laufen. Nach wenigen Schritten stieß er mit dem Kopf auf Widerstand, der sich genauso weich anfühlte wie der Boden unter seinen Füßen. Er drehte sich um und lief in die andere Richtung, aber nach acht oder neun Schritten stand er erneut vor einem Hindernis. Daraufhin streckte er die Arme so weit auseinander wie er konnte und tastete sich mit der rechten Hand an der Wand – oder was immer es auch war – entlang. Nach einigen Dutzend Schritten war er sich sicher, dass er im Kreis lief.

Ich bin eingesperrt! durchzuckte es ihn, berührte ihn aber seltsamerweise nicht.

Nein, nicht eingesperrt, eher … aufbewahrt, sogar ein dumpfes Gefühl von Beschütztsein erfüllte ihn.

Ich soll hier sein! Also muss es hier auch etwas zu Essen geben. Es wäre unlogisch – von wem? – mich hier sicher aufzubewahren, ohne dafür zu sorgen, dass ich keinen leiblichen Schaden nehme.

Also ließ er sich auf alle Viere herab und begann mit fächernden Bewegungen den Boden abzusuchen. Fast gleichzeitig stieß eine Hand an etwas ebenfalls Weiches, aber in einer anderen Konsistenz als der Boden, während die zweite Hand in einer muldenartigen Vertiefung in Flüssigkeit eintauchte. Ohne zu Zögern legte er sich flach an den Rand der Mulde und trank die Flüssigkeit, die frisch und kühl, aber nicht zu kalt seine Kehle hinab rann.

Als sein Durst fürs erste gestillt war, löste er ein kleines Stück der Masse vom Rest und steckte es in den Mund. Es schmeckte vorzüglich, leicht süß und stillte mit wenigen Bissen seinen Hunger. Er nahm noch einen Schluck aus der Mulde und spülte damit die letzten Krümel in seinem Mund hinunter.

Der Mann setzte sich wieder auf den Boden und dachte nach. Allem Anschein nach war er zwar in einem geschlossenen Raum, aber nicht in einem Gefängnis. Er hatte zu Essen, zu Trinken, ein weiches Lager und litt weder an Hitze noch an Kälte. Er fühlte mit absoluter Sicherheit, dass ihm in diesem Raum nichts Nachteiliges geschehen konnte.

Dies war keine Zelle, sondern ein Schutzraum. Er wurde von jemandem oder von etwas beschützt und war vielleicht für einen bestimmten Zweck oder eine besondere Aufgabe vorgesehen. Seine Gedanken waren zwar jetzt völlig klar, aber irgendwie fehlte ihnen Inhalt, Wissen, Erfahrungen oder Erinnerungen. Aber Erinnerungen bedeuten das Wiederholen bereits geschehener Ereignisse in Gedanken.

Habe ich vorher gelebt?

Wo und als was habe ich vorher gelebt?

Ist dies ein Ort, wo Leben entsteht?

Oder bin ich erst hier geschaffen worden?

Mit weit aufgerissenen Augen versuchte er das Dunkel zu durchdringen und eine Antwort zu finden, aber alles blieb weiterhin schwarz wie die Nacht.

Nacht?

Eine neue Gedankenexplosion lieferte ihm Nahrung für seine Überlegungen.

Nacht – Tag – hell und dunkel – Licht – Schatten – Leben – Leben – Mensch.

Ich bin ein Mensch, ein Mann. Und ich lebe!

Er musste wieder eingeschlafen sein, denn als er erneut erwachte, lag er ausgestreckt am Boden und ein seltsamer Drang hatte ihn geweckt. Ein Teil seines Körpers fühlte sich so an, als würde er gleich platzen und unbewusst fasste er mit einer Hand in die Körpermitte. Dort befand sich ein weiterer Teil, den er bisher nicht bewusst wahrgenommen hatte, der sich jetzt aber überdeutlich bemerkbar machte.

Also erhob er sich, ging bis an den Rand des Raumes und urinierte auf den Boden. Dabei blickten seine Augen geradeaus und erst als er sich erleichtert hatte, begriff er, dass vor ihm ein Licht war.

Zwar nur ein winziger Punkt, aber eindeutig Licht. Wie gebannt starrte er darauf und unbewusst machte er einen Schritt nach vorne. Er registrierte nicht, dass seine Füße genau an der Stelle standen, auf die er gerade uriniert hatte. Weder erkannte er, dass der Boden keine Spur von Feuchtigkeit aufwies, noch das er weich und trocken war wie immer. Völlig fasziniert beobachtete er den Lichtpunkt, der ihm Halt gab in der unendlichen Finsternis.

Unendlich? Woher hatte er diesen Ausdruck? Wieso assoziierte er dieses winzige Pünktchen mit Unendlichkeit? Er blinzelte mit den Augenlidern, um sich zu vergewissern, dass das Licht auch tatsächlich existierte und nicht nur ein Hirngespinst seiner sonst arbeitslosen Augen war, aber es blieb.

Nach langer Zeit stiller Betrachtung erschien es ihm, als sei der Punkt ein klein wenig größer geworden. Kam das Licht auf ihn zu? Oder bewegte er sich zu dem Licht? Vielleicht wuchs es auch nur.

Gebannt setzte er sich nieder, ohne auch nur für einen Moment den Blick von dem Licht zu wenden. Fast hätte er nicht mehr gewagt zu blinzeln, aus Angst es könnte wieder verschwinden, aber schließlich musste er die Lider bewegen und das Licht blieb. Und wurde weiter größer.

Er konnte nicht sagen, wie lange er verfolgte, wie der Punkt sich vergrößerte. Er hatte keine Möglichkeit die verstreichende Zeit zu messen, außer in der Tatsache, dass er mehrmals aß und trank, beim ersten Mal vor Erschöpfung einschlief, da er zu lange gewartet hatte, seinem Körper eine Pause zu gönnen. Doch in der Folgezeit hielt er eine gewisse Regelmäßigkeit des Wachens und Schlafens ein und jedes Mal wurde er beim Erwachen mit einem größeren Licht als zu Beginn seines Schlafes belohnt.

Nach vielen Perioden dieses selbst auferlegten Rhythmus konnte er eine Veränderung des Lichts entdecken. Es hatte sich geteilt, bestand nun aus zwei unterschiedlich großen Lichtflecken, die immer weiter auseinander trieben. Ihm wurde nicht langweilig diesen Prozess zu beobachten, war es doch die einzige Abwechslung, die er erleben konnte. Als weitere Schlafperioden verstrichen waren, waren die beiden Lichter und er sich so nahe gekommen, dass er bei einem der nun ziemlich großen Flecken zwei weitere winzig kleine Begleiter entdecken konnte.

Mit Verwunderung fiel ihm erst jetzt auf, dass er bereits seit geraumer Zeit einen Nutzen aus den Lichtern zog. Seine Behausung nahm langsam sichtbare Formen an, die er vorher nur ertasten konnte. Viel zu sehr war er vom Anblick der Lichter gefangen gewesen, als dass er diesem Umstand schon eher Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Aber nun untersuchte er im Dämmerlicht sein Domizil.

Kreisrund, acht bis neun Schritte im Durchmesser, die Wände … gekrümmt. Er blickte abrupt nach oben. Rund.

Alles außer dem Boden war rund. Seiner Vermutung nach verlief diese Rundung auch unter dem Boden weiter, nur zu seiner Bequemlichkeit oder um seinen natürlichen Anforderungen gerecht zu sein, war der Boden einigermaßen waagerecht.

Eine Kugel.

Blase, drängte sich ihm ein Begriff auf.

Abbildung 1: „Ein Mann in einer Blase“ von Dennis Glies

Auf dem Boden die Stelle, an der die Nahrung lag. Jetzt im schwachen Licht konnte er sie endlich auch sehen. Blass, fast weiß und wie es ihm erschien, in der gleichen Menge, die er beim allerersten Mal erfühlt hatte. Aber er hatte unzählige Male davon gegessen, also müsste sie längst verbraucht oder zumindest weniger geworden sein. Das gleiche mit der Flüssigkeit in der Mulde. Die Mulde war genauso weit bis knapp unter den Rand gefüllt, wie bei seiner ersten Mahlzeit vor langer Zeit.

Er glaubte, dass im unteren Teil der Blase ein Vorrat vorhanden sein musste, der auf geheimnisvolle Weise lautlos an die Oberfläche kam, um von ihm verbraucht zu werden. Auch seine Ausscheidungen verschwanden genauso rätselhaft im Boden, wie die Nahrung und die Flüssigkeit erschienen.

Der Mann schritt eine Weile in der Blase herum, aß ein paar Bissen, betastete im langsam heller werdenden Schein der Lichtflecken Boden und Wände und grübelte über die Natur der Blase und den Grund seines Hier seins nach. Als er nach einiger Zeit erkannte, dass ihn das nicht weiterbrachte, konzentrierte er sich wieder auf die Lichter.

Es dauerte eine Weile, bis sich in ihm der Gedanke formte, dass tatsächlich er, bzw. die Blase sich bewegte und nicht die Lichter. Noch einmal schritt er die Blase ab und untersuchte jede Stelle auf das Genaueste, konnte sich aber nicht erklären, wie und durch was sie bewegt wurde. Immer noch war es still, außer den Geräuschen, die er selbst verursachte.

Nach einem nicht zu bestimmenden Zeitraum erreichten die Lichter eine Größe und gegeneinander zunehmende Entfernung, dass er sie nur noch einzeln betrachten konnte. Gleichzeitig nahm erfreulicherweise die Helligkeit so weit zu, dass er die Blase und sich selbst gut erkennen konnte. Ohne großes Erstaunen stellte er fest, das die Blase aus einem Material bestand, das transparent war. Auch Stellen, die sich weich und bei zunehmendem Druck fest anfühlten, konnte er mühelos mit seinen Blicken durchdringen. Einzig der Boden war nicht zu durchschauen.

Sein Versuch, die Mulde leer zu trinken und dabei möglicherweise zu beobachten, wie sie gefüllt wurde, scheiterte kläglich und brachte ihm nur ein, dass er sich häufig erleichtern musste. Allerdings konnte er beobachten, wie sein Urin sofort beim Auftreffen auf dem Boden versickerte und nach wenigen Augenblicken hinten als sprühende Spur austrat. Das vorn und hinten der Blase ergab sich aus der Linie, die das große Licht vor ihm und dem zweiten Licht mit den beiden Begleitern hinter ihm bildete.

Mittlerweile war eindeutig zu sehen, dass er sich auf die riesige Scheibe zu bewegte, zu der die eine der beiden Lichter geworden war. Die zweite nahm mehr und mehr das Aussehen einer flachen Hand an, die schräg in der Schwärze schwebte. Sein Ziel – er nahm an, dass die Scheibe vor ihm das Ende seiner Reise sein musste – hatte sich ebenfalls verändert. Der vorher kreisrunde, geschlossene Fleck hatte sich zunehmend in voneinander getrennte Teile aufgelöst, die nun wie ein gewaltiges Wagenrad vor ihm aufragten. Die Ränder des Rades waren aber nicht verbunden, sondern teilten sich in zwei einzelne Arme auf, die sich spiralartig um die dichte und hellere Achse drehten.

Je länger er auf das Gebilde starrte, desto mehr löste sich die ganze Figur in winzig kleine Bruchstücke auf, die alle aus verschiedenfarbigen Lichtern bestanden. Nach vielen Schlafperioden konnte er die Lichter nach ihrer Farbe unterscheiden. Weiß und Gelb waren die weitaus dominierenden Farben, aber es gab auch viele rote, blaue und orange Lichter, durchzogen von schwarzen Wolken, farbigen Gasen und wirbelnden Nebeln. Vom Anblick dieses Schauspiels gefangen, nahm der Mann nur noch automatisch Nahrung und Flüssigkeit zu sich, und auch nur noch dann, wenn sein Körper ihn mit hartnäckigem Knurren und trockenen Lippen dazu aufforderte.

Mehr und mehr richtete sich die Blase auf einen der beiden Spiralarme aus und flog auf einen Ort zu, den er vorher noch als den äußeren Rand der ursprünglichen Scheibe bezeichnet hätte. Entweder flog die Blase nun schneller als bisher, oder die zunehmende Nähe anderer Objekte verursachte in ihm das Gefühl schnellerer Bewegung. Die Blase rauschte in einer Geschwindigkeit in den Spiralarm ein, dass die Lichter zu Streifen wurden, die eine Art Tunnel bildeten, den er durchflog.

Plötzlich verlangsamte sich der Flug wieder und eine Gruppe von Objekten erschien vor seinen Augen, die von einer hellen, gelben, nicht sonderlich großen Sonne beleuchtet wurden. Er zählte neun, zum Teil sehr unterschiedlich große Objekte, die wiederum von vielen kleineren umkreist wurden.

Monde, blitzte ihm die dafür passende Bezeichnung durch den Kopf und wieder erlebte er eine Kette von neuen Begriffen, die wie aus dem Nichts auftauchten.

Mond – Lichter – Sterne – Planeten – Planeten – Leben – Sonne – Universum – Leben – Leben.

LEBEN!

Ich bin ein Mensch und ich lebe, dachte er wieder. Und nur auf Planeten gibt es Leben. Im freien Weltall – wieder ein neues Wort, das sich langsam mit Bedeutung füllte – kann es kein Leben geben.

Also muss ich von einem Planeten kommen, überlegte er und versuchte in seinen Gedanken eine Spur zu entdecken, die ihm verriet, von welchem Planeten er stammen könnte.

Oder ich bin geschaffen worden und bin jetzt auf dem Weg zu einem Planeten, auf dem ich leben kann …soll?!

Es kann kein Zufall sein, dass ich hier in dieser Blase stecke und diese Reise – von woher? – unternommen habe. Jemand oder etwas hat mich in diese Situation gebracht, also steckt eine geplante Absicht dahinter.

Während dieser Überlegungen hatte sich der Flug der Blase weiter verlangsamt und er hatte genügend Zeit, sich die Planeten und Monde dieses Systems anzusehen. Einige erschienen ihm wie gewaltige Ansammlungen von nicht fester Materie, glichen eher sich drehenden Kugeln bunter Gase. Andere, kleinere hatten feste Konturen und vielfältige Verformungen ihrer Oberfläche. Er konnte auf ihnen Tausende von kreisförmigen Gebilden entdecken, die das Gesicht der Planeten wie Wunden und Narben bedeckten.

Sein mit der Betrachtung der Planeten und Monde beschäftigtes Bewusstsein nahm nur nebenbei zur Kenntnis, dass er weder Wunden noch Narben in ihrer ursprünglichen Bedeutung hätte erklären können. Aber beim Anblick der zerfurchten Planeten waren die Wörter aufgetaucht und er nahm sie einfach hin. Irgendwann würde er auch dafür die Lösung bekommen.

Einer der Planeten hatte sogar ein Band um sich herum, das sich bei der Annäherung in mehrere kleinere Bänder auflöste und in ihm den Wunsch weckte, einmal darauf laufen zu können. Für einen Augenblick schien es, also sollte sein Flug ihn genau zu diesem Planeten führen, aber dann folgte die Blase doch weiter ihrer Bahn und zog an dem Ringplaneten vorbei.

Fast enttäuscht blickte der Mann noch eine Weile dem sich entfernenden Planeten nach, drehte sich dann aber wieder in Flugrichtung um. Er passierte einen weiteren – wie es ihm schien, noch größeren – Planeten und sah dann eine Gruppe von viel kleineren auf sich zukommen. Der erste in seiner Richtung war fast völlig rot, bis auf zwei kleine, weiße Kappen, die sich genau gegenüberlagen, doch der dahinter liegende Planet verschlug ihm den Atem.

Er war etwa doppelt so groß wie der rote, aber seine leuchtendblaue Oberfläche war umhüllt von einer dünnen Gasschicht, in der blütenweiße Flecken schwebten. Von der gelben Sonne aus gerechnet war es der dritte Planet des Systems und bei weitem der schönste von allen. Hatte ihn der Anblick des Ringplaneten schon begeistert, so war er doch von diesem völlig hingerissen. Auch dieser hatte zwei weiße Kappen, aber unter der Gasschicht konnte er braune und grüne Bereiche erkennen, die scharf abgegrenzte Ränder hatten, die sie von den blauen Flächen trennten. Er war sich völlig sicher:

Das war sein Ziel.

Und wie zur Bestätigung hielt die Blase genau auf diesen Planeten zu, obwohl hinter ihm noch zwei weitere zu sehen waren. Die Geschwindigkeit hatte weiter abgenommen, war aber immer noch so groß, das der Mann den Eindruck hatte, dass wenn sie nicht weiter sinken würde, er vielleicht an dem herrlichen blauen Planeten vorbeischießen oder gar auf ihn draufstürzen könnte. Sofort verwarf er diese Befürchtung wieder, denn es erschien ihm unsinnig, ihn so eine weite Reise unternehmen zu lassen und dann am Ziel durch zu hohe Geschwindigkeit umzukommen.

So ängstigte er sich auch nicht, als die Blase in die Atmosphäre des Planeten eindrang und nach wenigen Augenblicken in Flammen getaucht war. Die Temperatur innerhalb der Blase blieb gleich, doch konnte er leider nichts mehr außer den Flammen sehen. Er spürte weder Hitze, noch Bewegung, war sich aber sicher, dass er ohne den Schutz der Blase den Flug nicht überlebt hätte. Nach kurzer Zeit lösten sich die Flammen auf und er konnte wieder die Oberfläche erkennen. Das Tempo musste sich enorm, und von ihm unbemerkt, verringert haben, denn jetzt konnte er eine Unzahl von Einzelheiten betrachten, die gemächlich unter ihm vorüber zogen.

Riesige grüne Flächen, bestehend aus vielerlei Pflanzen wechselten sich ab mit weiten, flachen Ebenen, deren Böden in den unterschiedlichsten Farben vor ihm lagen. Schier unendlich war auch die Zahl von Lebewesen – Tieren – die dort grasten.

Er konnte seine Augen nicht von ihnen lassen und beobachtete so völlig voneinander verschiedene Arten in einer Menge, die ihm erneut den Atem verschlugen.

Völlig vergessen lag der Brocken Nahrung und die Flüssigkeit in der Mulde neben ihm, obwohl sein Magen wieder kullernde Geräusche von sich gab. Er wusste mit absoluter Sicherheit, dass er hier das Ende der Reise vor sich hatte und er nicht mehr auf die Versorgung durch die Blase angewiesen war. Dieser Planet hatte alles, was er benötigen würde. Er brauchte nur die Blase zu verlassen und diese Welt in Besitz nehmen.

Als hätte die Blase nur auf diesen seinen Gedanken gewartet, setzte sie zur Landung an. Weich und ohne die geringste Erschütterung berührte sie den Planeten an einer Stelle, die von sanften Hügeln, grasbedeckt und saftig aussehend, umgeben war. Fast im gleichen Moment, als die Blase zur Ruhe kam, schoben sich zwei Teile genau vor ihm auseinander und verschwanden im unteren Teil der Blase.

Ohne zu Zögern schritt der Mann hinaus und atmete die würzige, mit vielen unbekannten, aber verlockenden Düften durchsetzte Luft dieser Welt ein. Seine Füße wurden gekitzelt von den weichen Halmen des Grases, das dicht gewachsen war und von vielen bunten Sprenkeln anderer Pflanzen durchbrochen wurde.

Als ein leichter Luftzug seinen Rücken berührte, drehte er sich herum und sah die Blase wieder in den Himmel aufsteigen. Ohne Bedauern folgte er ihr mit seinen Blicken so lange, bis sie in den Wolken verschwand, dann wandte er sich um und schritt den vor ihm liegenden Hügel hinauf.

Das Laufen fiel ihm nicht schwer, im Gegenteil, er verspürte eine Lust, den ganzen Planeten zu durchwandern, neugierig auf alles, was es zu entdecken gab. Ohne außer Atem zu kommen, schritt er zügig den Hügel hinauf, der von Bäumen umgeben war, die allerlei Früchte trugen. Als er ihn bestiegen hatte, stand er auf einer weiten, fast kreisförmigen Lichtung, in dessen Mitte ein gewaltiger einziger Baum stand, der ebenfalls Früchte trug.

Wieder knurrte sein Magen und forderte nachdrücklich Nahrung und die roten Früchte des Baumes sahen reif und herrlich aus.

Aber von diesem Baum würde er nicht essen.

Nicht heute.

- Ende -

Copyright © 1997 by Cameo Flush

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (http://www.chaosrigger.org/pixel02/upload/2011/02/06/20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Cyborgs01-89-minus74-minus54.jpg” (Originaltitel: 20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Liebe auf den ersten Blick war es weiß Gott nicht – so lässt sich der Beginn der Romanze zwischen Adam und Eva beschreiben, wenn wir uns nicht auf die Genesis, sondern auf die Tagebücher berufen, die Mark Twain (1835-1910) seinen biblischen Protagonisten in die Federn diktierte. Mit ebenso humor- wie liebevoller Nachsicht verhandelt der weltberühmte amerikanische Autor hier die keineswegs paradiesischen Unzulänglichkeiten der Geschlechter am Beispiel des ersten Traumpaars der Geschichte. Dass die beiden schließlich doch noch zueinanderfinden, ist ein seltenes Glück für die Menschheit – und für den Leser!

Mark Twain, eigentlich Samuel Clemens, geb. am 30.11.1835 in Florida (Missouri). Im Alter von 12 Jahren musste er die Schule abbrechen und begann eine Lehre als Schriftsetzer. Mit 17 Jahren ging er nach New York, dann nach Philadelphia, wo er die ersten Reiseskizzen schrieb. Von 1857 bis 1860 war er Lotse auf dem Mississippi, nahm am Sezessionskrieg auf der Seite der Konföderierten teil und war 1861 Silbersucher in Nevada. 1864 lebte er in San Francisco, 1866 als Reporter auf Hawaii und 1867 als Reisender in Europa und Palästina. Er gründete einen Verlag, mußte aber 1894 Konkurs anmelden und ging auf Weltreise, um mit Vorträgen seine Schulden abzutragen. Mark Twain starb am 21.4.1910 in Redding (Conneticut). Twain wurde insbesondere durch die Abenteuer von Huckleberry Finn und Tom Sawyer bekannt. Er gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Autoren des 19. Jahrhunderts und besticht besonders durch sein humoristisches und satirisches Talent.

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SKOTENPACK – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am 1. September 2010

Der nachfolgende Beitrag stammt aus “Die Spiegelkrieger des Druiden”
Das römische S.P.O.R.-Zeichen steht dem Kapitel deshalb vorangestellt, da diese Skotengruppe im Dienste Roms steht. (Anm. d. Redaktion)


Kapitel VII
180 n. Chr., Mai
„Skotenpack“

Die Gruppe, die durch den Wald hastete, bestand aus neun kräftigen Männern. Vor rund einer Stunde hatten sie die Sicherheit des Kastells – und unmittelbar darauf auch die des Hadrianswalles – hinter sich gelassen. Nicht das sie viel darauf gegeben hätten, denn nach ihrer Meinung bedürfte es nur einer ausreichend starken Kriegsmacht, um den Wall zumindest an einer Stelle durchbrechen zu können. Aber sie wussten, dass die Caledonier und Pikten sich nicht auf die Farbe von Scheiße einigen konnten, so zerstritten waren sie. Auch sie selbst, Skoten von der irischen Nachbarinsel, hatten kein Interesse an brüderlichen oder friedlichen Beziehungen zu ihren britannischen Vettern. Eirik, ihr Anführer und seine acht Begleiter waren weit mehr gedungene Mörder, denn bezahlte Söldner.

Sie alle hatten die Macht Roms erlebt und sahen ihre einzige Überlebenschance darin, sich dem Stärkeren anzuschließen. Und die Römer zahlten gut. Niemand von ihnen hatte mehr auch nur einen Tag Hunger gelitten, seit er im Dienste Roms stand, niemand musste fürchten, einen harten Winter nicht zu überleben. Stattdessen genossen sie die Annehmlichkeiten, die eine Weltmacht bieten konnte. Freien Zugang zu Waffen und Lebensmitteln, Wein und Weibern. Als Gegenleistung erfüllten sie… Aufgaben. Alle in ihrer Gruppe hatten schon viele Männer gemordet, Frauen geschändet, auch Kinder zählten zu ihren Opfern. In beiden Kategorien. Und das allerbeste war noch, dass sie dafür auch noch bezahlt wurden. Jeder der Skoten trug einen gut gefüllten Beutel Goldstücke mit sich und in ihren Unterkünften im Kastell lagen der Dinge mehr, die einem skrupellosen Mann zufielen, wenn er den Willen Roms zur Zufriedenheit des Präfekten ausführte.

Auf ein stummes Zeichen Eiriks mit der Faust, hielten sie an und verschnauften verhalten. Alles an ihnen drückte Gewalt aus und das war auch so beabsichtigt. Narben und alte Verwundungen wurden nicht durch Kleidung oder Gürtel verdeckt, sondern sollten jeden Gegner von der ständigen Kampfbereitschaft der Männer überzeugen. Die Waffen, die sie trugen, waren an den Schneiden blitzblank und höllisch scharf geschliffen, die Griffe und Stiele jedoch zeigten überdeutliche Gebrauchsspuren und makabre Markierungen, welche die Anzahl der damit Getöteten dokumentierten. Und keine einzige Kerbe oder Strich war geprahlt. Die Hälfte der Truppe hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, diese Vertiefungen mit dem Blut der Opfer zu verzieren, andere trugen abgeschnittene Ohren an einer Schnur um den Hals, einer hatte sich auf Zungen in gleicher Weise verlegt. Und Eiriks Körperschmuck bestand aus einem dichten Gürtel aus abgeschnittenen Penissen. Er machte sich sogar die Mühe, sie in Salz auszutrocknen, bevor er sie seinem Gürtel zufügte. Zwischen Lederstücken, ein wenig Fell hier und da, zierten kohleschwarze Streifen und Ornamente ihre Haut. Sie wollten sich auch durch die Farbe ihrer Bemalung von den blauen Pikten unterscheiden. Alle neun hatten sich ein drei Finger breites Band aus schwarzer Farbe auf Augenhöhe ins Gesicht gemalt, Das Weiß der Augen kontrastierte effektvoll mit dem finsteren Band und den eingebetteten Pupillen.

Mit ruhiger Geste deutete Eirik durch die letzten Reihen des Waldstückes, aus dem sie gekommen waren. Dahinter lag ein weites, längliches Tal und wiederum dahinter erhoben sich die nächsten bewaldeten Bergketten. Dichter Nebel stieg allerorten aus dem dunklen, blaugrünen  Wald. Wie tausend tanzende Geister hoben sich die Nebelschwaden faserig aus den Bäumen. Wie ausgemergelte, mehrfach gebrochene Finger, die sich langsam dem Himmel entgegenreckten und ihn nie erreichen würden, da die baldige Sonne sie vorher auflösen würde.

Cullum, Eiriks bester Krieger, trat zu diesem und hob eine Hand zum fernen Wald. Sein ausgestreckter Finger schien einen der Nebelfinger aufzuspießen. Diese graue Säule stieg zu kompakt und gerade nach oben. Ihr fehlte die Zufälligkeit und die Männer erkannten dies augenblicklich. „Das ist kein Nebel“, sagte Cullum überflüssigerweise.

Eirik nickte nur und spreizte die Finger einer Hand auseinander. Ohne ein Wort verteilten sich alle in einer weit gezogenen Linie, blieben aber an der Grenze zum freien Tal stehen.
Für einige Minuten standen sie still und beobachteten die Nebelfinger. Tatsächlich verhielt sich einer der grauen Schleier ungewöhnlich; er strebte kerzengerade nach oben. Anstelle sich aufzufasern und zu verschwinden, stieg er stetig auf. Auch war seine Farbe ein wenig schmutziger als die grauweißen Fahnen des Morgennebels. Eirik hob beide Arme und spreizte jeweils drei Finger ab.

Sofort folgten sechs seiner Männer dem Befehl und huschten in losen Dreiergruppen in das Tal hinein. Nur wenige Büsche und vereinzelte Felsbrocken dienten ihnen als Deckung, aber diese nutzten sie konsequent und näherten sich rasch der Mitte des Tales, das von einem breiteren Bach, fast schon einem Flüsschen, durchzogen wurde, dessen eiskaltes Wasser munter plätschernd das Gefälle hinunter sprang. In diesem Augenblick riss die Fahne des Lagerfeuers abrupt ab, denn nichts anderes konnte der ungewöhnliche Rauch gewesen sein.

„Man hat uns gesehen“, murmelte Cullum seinem Anführer zu und beobachtete, wie seine sechs Kameraden dies ebenfalls registriert und sofort sich in die kleinste Deckung geworfen hatten, die sie finden konnten.

„Vielleicht… vielleicht auch nicht“, antwortete Eirik und wie zu seiner Bestätigung trat eine Frau am gegenüberliegenden Waldrand aus den Bäumen und schritt den Hang zum Bach hinab.

Sie trug einen braunen, langen Einteiler, der um ihre Hüften mit einem Seil zusammengebunden war. Ihr Haar hatte die gleiche Bräune wie der grobe Stoff und der tönerne Krug, den sie trug, war nur um eine Nuance dunkler. Ihre Schritte waren kräftig und zielstrebig, zwar blickte sie sich um, aber jede ihrer Bewegungen drückte Sorglosigkeit aus. Ihr Weg war eine schmale Linie und erst jetzt fiel Eirik die dünne Spur niedergetretenen Grases auf, die vom jenseitigen Waldrand fast gerade zum Bach hinunter verlief. Nur noch wenige Schritte trennten die Frau von hinter einem Grasbüschel liegenden Skoten, doch sie bemerkte ihn erst, als dieser sich bewegte und mit drei, vier schnellen Schritten bei ihr war und sie am Haar packte. Sie schrie vor Schmerz und Schrecken auf und der Krug fiel zu Boden und zerbrach in mehrere Stücke. Das Lachen des Skoten, der sie am Haar zerrte, hallte durch das Tal.

„Dieser Idiot“, sagte Eirik nur und rannte mit Cullum und dem dritten Skoten im Wald ebenfalls ins Freie und auf den Bach zu. Sie hatten das wild raufende Paar noch längst nicht erreicht, als aus Richtung der Rauchsäule ein Mann mit zwei älteren Jungen aus dem Wald herausstürzte. Alle drei hielten sie einfache Jagdspeere in den Händen und brüllten aus vollen Kehlen. Die drei hatten bisher nur den Skoten bemerkt, der die Frau – allem Anschein nach das Eheweib und die Mutter der drei – drangsalierte und nun versuchte, ihr den Stoff vom Leib zu reißen. Er war scheinbar damit so beschäftigt, dass er das Gebrüll in seinem Rücken zwar hörte, jedoch ignorierte. Erst als ihn die drei Jäger fast erreicht hatten, stieß er die Frau in einem Bogen von sich und zog blitzschnell sein Krummschwert. Beide Bewegungen gingen fließend ineinander über und mit einem hässlichen Grinsen wandte er sich den Gegnern zu.

„Graigh ist doch kein Idiot. Er weiß, dass die Frau zuerst mir gehört“, grinste Eirik und verfiel in langsameren Schritt. Cullum und der andere Skote taten es ihm gleich. Ruhig gingen sie den Hang hinab, langsam ihre Schwerter und Messer ziehend. Nachdem das Angstgeschrei der Frau in ein Weinen gewechselt und die Jäger ihr Gebrüll eingestellt hatten, da sie sich nun vier statt einem Gegner gegenüber sahen, klang das Ziehen der Klingen unnatürlich laut im sonst stillen Tal.

Cullum zog eine zweite Klinge und ließ beide Schneiden provozierend langsam aneinander entlang schleifen.

Man sah es den Jägern förmlich an, wie ihnen eisige Schauder den Rücken hinunterliefen und sie sich gegenseitig in die Augen sahen. Es war ihnen klar, dass sie gegen vier professionelle Kämpfer keine Chance haben würden. Der ältere Mann rief seiner am Boden liegenden Frau irgendein Wort zu und sie griff zu einer Tonscherbe am Boden. Gleichzeitig bildeten er und seine Söhne einen engen Kreis um Graigh, der mit halb gebeugten Knien in Kampfstellung sich auf der Stelle drehte. Eirik und seine beiden Begleiter blieben stehen und auch die immer noch in Deckung liegenden Skoten rührten sich nicht.

„Das wird interessant“, grinste Cullum und senkte beide Arme mit den Klingen.

„Du magst Graigh nicht“, sagte Eirik, ließ aber die Jäger und seinen Kämpfer nicht aus den Augen.

„Du hast Recht, er ist ein Arschloch. Nie weiß er, wann er seinen Verstand benutzen sollte, anstelle seines Schwanzes.“

„Du glaubst Graigh hat Verstand?“ Eirik lachte hart, doch plötzlich rief der Jäger seinem Weib wieder ein kurzes Wort zu und dann ging alles blitzschnell.

Die Frau schleuderte die Tonscherbe mit aller Kraft und einer Zielgenauigkeit, welche die Skoten, Graigh allen voran, völlig überraschte. Die Scherbe traf ihn am Kopf und schnitt die Haut von der linken Augenbraue bis zum rechten Haaransatz der Stirn auf. Blut strömte sofort daraus hervor und blendete Graigh für einen Augenblick. Bevor er auch nur eine Hand erheben konnte, um das Blut wegzuwischen, traten alle drei Jäger im gleichen Augenblick auf ihn zu und rammten ihm die Speere in den Leib. Sie schrieen dabei wild und behielten die Klingen in dessen Körper, ja sie machten noch einen weiteren Schritt auf den Aufgespießten zu, sodass die Spitzen ihrer Speere den Skoten durchdrangen und auf der anderen Seite wieder austraten. Sie brüllten immer noch, als sie mit einem Ruck die Schäfte drehten und dann aus dem Gegner heraus rissen. Graigh knickte wie ein halb leerer Sack Kartoffeln haltlos in sich zusammen und blieb mit zuckenden Gliedern am Boden liegen.

Dies war das Signal für den Rest der Skotengruppe und alle erhoben sich und stürmten von allen Seiten auf die Jäger zu. Deren nur für Sekunden aufblitzender Triumph wandelte sich in blankes Entsetzen, als sie nun acht schwarz gestreifte Mörder auf sich zukommen sahen.

Der Mann zerrte die Frau in ihre Mitte und die drei Speerträger bildeten einen kleinen Ring um sie, doch der Kampf währte nur kurz. Innerhalb von einer Minute waren die Speere unter der Wucht der erprobten Kämpfer zersplittert, die beiden jungen Männer fanden einen gnädigen, weil raschen Tod. Nur der Ehemann stand noch eine halbe Minute länger mit gespreizten Beinen über seiner am Boden liegenden Frau, sein Blut tropfte aus einem Armstumpf auf sie herab. Seine verbliebene Linke hielt sinnlos den klingenlosen Schaft seines Speeres und in seinen Augen mischte sich körperlicher Schmerz mit der Pein der Gewissheit, was nach seinem Tod mit seiner Frau geschehen würde. Sein letzter Blick fiel nicht in ihre Augen, sondern auf das kurze Messer, dass in seinem alten Gurt noch steckte, dann schnitt ein Axthieb durch seinen Hals und sein abgetrennter Kopf flog in hohem Bogen ins Gras.

Bevor die Frau das Messer aus dem Gürtel ziehen konnte, traf sie der harte Fußtritt Cullums, der den Blick ihres Mannes ebenfalls gesehen hatte und sofort verstand, was sie vorgehabt hatte.

„Keine Chance, Weib. Wir brauchen dich noch.“ Mit einem weiteren Fußtritt schleuderte er das Messer in unerreichbare Distanz und packte sie dann am Genick. Mit brutaler Kraft riss er sie auf die Beine und stieß sie Eirik entgegen.

Das erneut entfachte Lagerfeuer der toten Jäger wärmte nun die Skoten, die sich an der Beute derselben gütlich taten. Ein Rehkitz hatten sie schon verspeist, ein größerer Bock würde ihrer aller Hunger stillen. Die Frau lag mit geschundenen Gliedern und vielfach vergewaltigt mehr bewusstlos als schlafend an einen Baum gebunden in der Nähe. Ihr Kopf hing nach vorn, ihr wirres Haar bildete einen gnädigen Vorhang vor dem geschwollenen Gesicht, das übersäht war von blauen und grünen Flecken und Bissspuren an Wange und Hals. Ihr braunes Kleid lag zerrissen abseits und kündete von der Qual, die sie anfangs mit zähem Widerstand bekämpft, nach harten Schlägen aber rasch mit erschöpfter Teilnahmslosigkeit erlitten hatte.

Cullum hatte zwei der Männer beauftragt, die Leiche Graighs verschwinden zu lassen und sie hatten ihn hastig in einem Erdloch verscharrt, um die Frau noch bei Bewusstsein für sich in Anspruch nehmen zu können. Doch Eirik alleine hatte sie mehrfach mit aller Brutalität genommen, so dass der Rest der Truppe mehr eine halbtote Puppe, als eine Frau zu ihrem Vergnügen bekam.

Jetzt saßen und lagen alle träge um das Feuer herum und nagten an den letzten inneren Fleischstücken des Bockes, die mehr roh als gebraten waren. Achtlos warf ein Mann seinen Knochen ins Feuer und das Fett zischte in der Glut. Funken stoben auf und gesellten sich zu den Glühwürmchen, die allenthalben durch die Büsche und Bäume flogen.

„Hey, du Schwachkopf, lass das bleiben! Ich will, dass vor Einbruch der Nacht das Feuer gelöscht wird“, sagte Cullum und Eirik beobachtete genau das Verhalten der Männer.

„Aber es wird kalt werden“, klagte der gleiche Mann.

„Dann wird es eben kalt. Besser in der Nacht ein wenig zu frösteln, als am Morgen als kalte Leiche zu erwachen.“ Cullum musste gegen seine Absicht selbst über seinen Scherz lachen und der Haufen Männer fiel in das Lachen ein.

Auch Eirik lachte kurz, brach dann aber abrupt ab. „Löscht das Feuer mit Erdreich. Und achtet darauf, dass kein Blattwerk dazwischen kommt. Wir wollen doch nicht den gleichen Fehler wie dieses dumme Jägerpack machen, nicht wahr?“

Wieder lachten die anderen und befolgten den Befehl ihres Anführers, der sich langsam erhob und zu der Frau hinüber lief. Mit den Fußspitzen stieß er ihr in die Seite, aber sie reagierte nicht. Er wiederholte seinen Weckversuch und trat fester zu. Die Frau stöhnte und wäre zur Seite gefallen, hätten die Stricke sie nicht gehalten.

„Wasser“, kam es leise und brüchig zwischen ihren aufgeplatzten Lippen hervor.

„Das ist eine gute Idee, Frau.“ Eirik drehte sich herum und deutete auf den Mann, der sich über die kommende Nachtkälte beschwert hatte. „Du, geh zum Bach und hol Wasser!“

Der Angesprochene griff sich einen leeren Lederschlauch und stapfte wortlos davon. Nach wenigen Minuten kam er mit prall gefülltem Schlauch zurück und wollte der Frau davon zu trinken geben.

„Lass das!“ Schon wieder hörte er diese Worte und ratlos blickte er zu seinem Anführer. „Wasch die Schlampe!“

Der Mann grinste und schüttete sich Wasser in eine Handschale und schmierte damit auf der Haut der Frau herum. Ale er nach der zweiten oder dritten Ladung Wasser nur mehr fummelte als wusch, traf ihn ein Fußtritt Eiriks und beförderte ihn ins Moos.

Ohne lange zu zögern, schnitt Eirik die Frau vom Stamm und schubste sie bäuchlings über einen großen, bemoosten Stein, auf dem er bei seiner Mahlzeit gesessen hatte. Unter dem Beifall seiner Männer schob er seinen Lederschurz beiseite und drang von hinten in die Frau ein. Jeden seiner Stöße begleiteten die Männer mit rhythmischem Klatschen und je schneller er ackerte, desto schneller wurde ihr Beifall und Gegröle.

Die Nacht senkte sich langsam über die Szene und mit einem Mal waren alle Glühwürmchen verschwunden. Doch keinem der Skoten fiel dies auf. Warum auch? Sie hatten besseres zu tun und ihre Begeisterung für die Schandtat steigerte sich, als Eirik mit der Frau fertig war und den nächsten Mann herbeiwinkte. Der Anführer der Söldnerbande wollte sich gerade zum Bach aufmachen, um sich zu waschen, als von einer Sekunde zur anderen das Gejohle abstarb. Misstrauisch drehte er sich herum und sah seinen Nachfolger immer noch in gleicher Stellung wie er zuvor in der Frau stecken. Doch mitten aus dessen Brust ragte ein kurzer Wurfspieß hervor und sein neuer Besitzer senkte ungläubig den Kopf, um das Ende des Schaftes zu betrachten. Noch bevor er langsam rückwärts umfiel, hatten die anderen begriffen und sich ihre Waffen geschnappt.

Geistesgegenwärtig traten Cullum und ein anderer das ohnehin schwache Feuer aus und schoben Erdreich darüber. Sie wollten durch das spärliche Licht der Glut nicht auch noch ein gutes Ziel abgeben. Eirik schob sich zwei Schritte beiseite, sodass ihm ein dicker Stamm als Rückendeckung und ein Mann vor ihm – ohne dass dieser es bemerkte – als Schutzschild nach vorne diente. Die anderen verlegten sich darauf, in Bewegung zu bleiben, wobei sie angestrengt in die Dämmerung blickten. Erst jetzt in dieser Stille registrierten sie die absolute Ruhe des Waldes. Kein Blatt rauschte, kein Vogel zwitscherte, nicht der geringste Windhauch flüsterte.

In unbestimmter Entfernung hörten alle ein kurzes, trockenes Schnalzen und Cullum wollte gerade etwas sagen, als der Mann neben ihm mit einem erstickten Gurgeln niedersank, einen gefiederten Pfeil im linken Auge. Ohne auf ihren sterbenden Kameraden zu achten, wechselten die anderen rasch ihre Positionen und versuchten den Ausgangspunkt des Schusses zu finden. Doch ihre eigenen Schritte verdeckten die leisen Sprünge des Schützen.

Einem erneuten, dieses Mal näherem Schnalzen folgte der Aufschrei eines weiteren Mannes, dem ein Pfeil in die linke Schulter gefahren war, und der nun versuchte, diesen abzubrechen. Doch das war ein Fehler, denn dabei blieb er stehen und ein zweiter Pfeil, nur wenige Zentimeter neben dem ersten, bohrte sich mitten in sein Herz. Jetzt erst besannen sich die Skoten ihrer Kriegskunst und warfen sich zu Boden, hinter Büsche oder umgestürzte Stämme in Deckung.

„Was meinst du, Eirik, wie viele sind es?“, keuchte Cullum zwischen wütend verzogenen Lippen hervor und verfluchte die zunehmende Dämmerung. Er war noch nie ein Freund des Zwielichts gewesen. Eine schwarze Nacht war ihm immer lieber gewesen als ein heller Tag. Konnte er doch die Nacht als Schutz für seine Vorlieben und Tätigkeiten besser nutzen, als gelben Sonnenschein. Cullum ahnte, dass dieses Mal die Nacht womöglich nicht sein Freund sein würde. Wie zur Bestätigung, wurde einer der am Boden liegenden Männer von einem langen Speer mitten ins Rückgrat getroffen und blieb tot liegen.

„Aarrrh!“, schrie Eirik in die Dunkelheit des Waldes. „Du feiger Hund, komm heraus und kämpfe mit mir!“

Zu seiner Überraschung erschall eine tiefe Stimme und er erschrak, wie nahe sie ihm sein musste. „Du nennst mich einen Feigling? Vergewaltiger einer wehrlosen Frau.“

Cullum, Eirik und die beiden letzten verbliebenen Skoten suchten die Stelle, aus der die Stimme zu kommen schien, doch nur wenige Wimpernschläge später kam ein Pfeil aus einer anderen Richtung und blieb eine Handbreit vor einem Mann zitternd in einem Baumstamm stecken. Mit vor Schreck geweiteten Augen warf dieser sich nieder. „Ein Waldgeist! Ein Dämon!“, rief er und nestelte an seinem Gürtel herum. Sein zweites Langmesser hatte sich verfangen und wollte einfach nicht in seine Hand.

„Blödsinn! Das ist ein Mensch. Steh´ auf und kämpfe, du Memme!“, sagte sein Kamerad und bückte sich zu ihm hinunter. Als er sich wieder aufrichtete, sah er zwischen zwei Bäumen eine Gestalt stehen, mit aufgezogenem Pfeil in einem überlangen Bogen. Noch bevor er einen Warnruf ausstoßen konnte, traf ihn der Pfeil mitten in die Stirn und er brach über seinem zitternden Kumpan zusammen.

„Das waren es ihrer nur noch drei!“, erklang die dunkle Stimme, die längst nicht mehr zwischen den beiden Stämmen stand, von wo aus sie geschossen hatte.

Mit einem Mal sprang der Zitternde auf die Beine und rannte aus dem Wald in Richtung Bach davon, alle seine Waffen liegen lassend, bis auf das Messer, das er vergeblich hatte ziehen wollen.

Cullum sah Eirik in die Augen und im gleichen Augenblick entdeckte er den Bogenschützen hinter seinem Anführer aus dem Dunkel des Waldes treten. Der Bogenschütze war nicht im Entferntesten das, was er erwartet hatte. Kein Pikte, kein Caledonier oder Epidier. In der Sekunde, als er den ersten kurzen Wurfspieß in der Brust seines Kampfgenossen gesehen hatte, hatte er sogar an Verrat und römische Soldaten gedacht. Doch das hier war völlig unerwartet. Der Bogenschütze war ein Druide. Doch Druiden kämpfen nicht, sie sind Weise, Heiler und Priester, dachte er verwirrt.

Aber der Druide, der nun auf die beiden letzten Skoten mit festem Schritt zukam, war eindeutig ein Kämpfer. Er ließ gerade achtlos seinen Bogen fallen und Cullum bemerkte, dass sein Köcher auf dem Rücken leer schien und er nun deswegen seinen weißen Umhang beiseite schob und gleichzeitig zwei römische Kurzschwerter zog. Alleine wie der Druide die Schwerter leicht schräg von sich hielt, verriet den geübten Schwertkämpfer.

Die ganze Zeit über – in Wahrheit waren es nur wenige Augenblicke – hatte sich Eirik scheinbar nicht gerührt und Cullums Augen und Reaktionen darin scharf beobachtet. Seine Hände jedoch hatten sich um den Stiel einer Streitaxt gekrümmt, die er mit seinem Körper verbarg und er wartete nur darauf, dass sein Feind in ihre Reichweite kam.
Cullum überlegte nur kurz und traf eine Entscheidung.

Anstatt Eirik bessere Chancen im Kampf zu verschaffen, hielt er die Idee, seinen Anführer als Rückzugsgarantie zu benutzen, für sein eigenes Überleben als Erfolg versprechender. Das Unglauben in Eiriks Augen nahm er als letzten Eindruck mit in die nun endgültig hereingebrochene Nacht, als er herumwirbelte und mit wenigen Sprüngen in der Nacht verschwand.

„So bist du nun allein, Vergewaltiger!“, sagte der Druide und erlaubte seiner Stimme die Befriedigung auszudrücken, die er empfand. „Acht Krieger gegen einen einfachen Jäger, seine Frau und seine beiden Söhne.“ Er verriet damit, dass er die Leichen gefunden hatte und erst in der Dämmerung auf sie gestoßen war und den Anfang des Mordens und der Vergewaltigungen nicht mitbekommen hatte.

„Wer bist du, Druide? Sag mir deinen Namen!“

Beide standen noch fünf Schritte voneinander entfernt und jeder behielt die Waffen des anderen im Blick und ließ sich weder durch Worte, noch durch die Augen seines Gegners davon ablenken.

„Warum sollte ich dir meinen Namen verraten? Ich bin kein berühmter Mann, also was kümmert es dich? Auf deinem Weg in den Abgrund des Hades benötigst du diese Information nicht. Du glaubst doch an den Hades, oder? Römersklave!“ Das letzte Wort spuckte er förmlich heraus.

Eirik war nun völlig verwirrt. Sein Gegner benutzte römische Schwerter und Wörter und beschimpfte ihn im gleichen Augenblick als Römersklave. Vielleicht war er doch ein Pikte?
„Du hast römische Schwerter… im Grunde zeigst du damit, dass dir bewusst ist, dass das Römische Imperium deinen tätowierten und bemalten Halbaffen hundertfach überlegen ist.“

Die grenzenlose Wut, die nun aus den Worten des Druiden klang, machte Eirik klar, dass hinter diesem Mann weit mehr steckte als Heilkunst und priesterliche Tätigkeiten. „Nein, es zeigt einfach, dass mir jedes Mittel Recht ist, Abschaum wie dich ins Jenseits zu befördern.“

Beim letzten Wort schritt der Druide entschlossen auf Eirik zu und stach blitzschnell mit einem Schwert in Richtung Herz, mit dem anderen machte er einen fürchterlichen Hieb, den Eirik nur mit beidhändig geführter Axt abblocken konnte.

So war es dem Skoten nicht möglich zu verhindern, dass ihn das erste Schwert einen tiefen Stich in den linken Oberarm versetzte. Er war zwar nicht bedrohlich, doch konnte er damit die Axt nur noch mit einer Hand führen. Er hatte keine Zeit mehr, die schwere Streitaxt gegen ein leichteres Schwert zu tauschen, denn noch bevor er die Axt zu einem eigenen Schlag erheben konnte, fuhr ihm das rechts geführte Schwert des Druiden von unten in die Gedärme.

Ohne auch nur im Streich innezuhalten, drehte der Druide das Schwert im Bauch des Gegners und stieß den linken Schwertknauf mit aller Wucht gegen die kraftlos gehaltene Axthand.

Eirik stürzte zu Boden, seine flatternden Hände versuchten die Därme am Herausgleiten aus der tiefen Wunde zu hindern und konnten die Flut doch nicht bändigen. Zwar konnte Eirik im Sterben sehen, wie sich die Lippen seines Widersachers bewegten, doch die Worte hörte oder verstand er nicht mehr.

„Du bist zwar kein Römer, aber einer ihrer Speichellecker. Du bist eine Schande für dein Volk, und deine britannischen Vettern sind im Grunde meine Brüder. Du jedoch, bist nichts als irisches Skotenpack!“

Copyright © 2010 by Cameo Flush

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-140-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchtip der Redaktion:

Diefenthal, Werner
Das Schwert der Druiden

Verlag :      Acabus Verlag
ISBN :      978-3-941404-68-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      13,90 Eur[D] / 13,90 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      236 S. – 19,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 09.2010

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Eigentlich ist der siebzehnjährige Michael ein ganz normaler Teenager. Doch als er nach dem Tod seines Großvaters in dessen Zimmer ein geheimnisvolles Schwert entdeckt, wird sein Leben plötzlich auf den Kopf gestellt: Er findet sich in einer fremden Welt wieder und erfährt, dass er der “Erlöser” ist, der letzte in einer langen Reihen von Kriegern und dazu ausersehen, eine alte Prophezeiung zu erfüllen und die Menschen Arcradias vor einer finsteren Bedrohung zu schützen. Und es bleibt ihm nicht viel Zeit, um seiner Aufgabe nachzukommen, denn das schwarze Schloss ist bereits zum Leben erwacht und dunkle Mächte rüsten sich zum Schlag gegen Arcradia…

Werner Diefenthal erschafft eine faszinierende Welt, mit der es ihm von der ersten Seite an gelingt, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Atemberaubende Spannung entsteht, wenn sich der Kampf zwischen Gut und Böse entfaltet und das Schicksal einer ganzen Welt auf dem Spiel steht. Wird es Michael gelingen, die finstere Herrscherin Xenia zu besiegen und die Menschen Arcradias vor dem sicheren Untergang zu bewahren? Eine schöne Aufmachung mit aufwendig gestalteten Initialen machen “Das Schwert der Druiden” zudem auch optisch zu einem echten Highlight für jeden Fantasy-Fan.

Werner Diefenthal wurde 1963 im Rheinland geboren und ist seit zehn Jahren in Oberfranken wohnhaft. Nach einer Ausbildung im Schlosserhandwerk und einer späteren Weiterbildung im Qualitätsmanagement ist er seit 1998 in diesem Bereich tätig. Seine Liebe zur Schriftstellerei entstand in der letzten Dekade des 20.Jahrhunderts. Die Idee zum Buch “Das Schwert der Druiden” entwickelte sich während eines Trödelmarktbesuchs, als ihm ein altes Schwert ins Auge fiel. Das erste Manuskript war noch handschriftlich und entstand im Jahr 1993 in einem Bistro bei vielen Tassen Kaffee. Werner Diefenthal ist verheiratet und hat mit seiner jetzigen Frau eine Tochter sowie eine weitere Tochter aus erster Ehe. In seiner Freizeit liest er gerne, fährt Fahrrad und schreibt. Ein weiteres Hobby des Autors ist das Kochen.

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