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Literatur-Blog

SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten”

Erstellt von Barbara Wegener am 28. März 2013

“Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten”

sfbasar.de-Anthologie Band 21

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

In dieser Anthologie geht es um Beiträge, deren handlungsführendes Element die Magie ist, also etwa Geschichten, in denen es um Verwandlung, Hexerei und Zauberei geht. Dabei ist es die Vielfältigkeit dieser Elemente, die diese Anthologie interessant machen soll. Wie weit ist denn nun die Spannbreite dieser Themen und wo fängt es an und wo hört es auf MAGIE zu sein? Bietet mir also Eure Geschichten, Gedichte und sonstigen Beiträge an, von denen Ihr glaubt, dass die Magie dort das tragende Element darstellt. Ich freue mich darrauf, sie in meine Anthologie zu stellen. Begeben wir uns nun an diese phantastischen Orte und erleben wir gemeinsam wundersame Begebenheiten und lesen die bezaubernden und zauberhaften Geschichten, die nun folgen:

NEU - ABSEITS VON ALLEM (Teil 1) aus: “Shaans Bürde” – Fantasy-Roman von Susanne Gavénis

IN VORBEREITUNG: ABSEITS VON ALLEM (Teil 2) aus: “Shaans Bürde” – Fantasy-Roman von Susanne Gavénis

IN VORBEREITUNG: ABSEITS VON ALLEM (Teil 3) aus: “Shaans Bürde” – Fantasy-Roman von Susanne Gavénis

BUCHBESPRECHUNG: ACHT TEUFELSEIER von Michel Parry (Hg.) – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: AUSERSEHEN (Tales of Partholon 1) von P. C. Cast – Rezension von Petra Weddehage

BLACKOUT – Eine Kurzgeschichte von little_wonni

BUCHBESPRECHUNG: DAS HAUS DER TOTEN DÄMONEN von Peter Dempf – Rezension von Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: DAS ZAUBERER HANDBUCH von Michael Peinkofer – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: DER LETZTE ENGEL – von Zoran Drvenkar – Rezension (des unkorrigierten Vorab-Exemplares) von Werner Karl

BUCHBESPRECHUNG: DER LETZTE ZAUBERLEHRLING von Gerd Ruebenstrunk – Rezension von Iris Gasper

DER PRIESTER – Leseprobe Teil 2 aus dem Roman: “Grave Mercy – Die Novizin des Todes” von Robin L. LaFevers

DER WELTENBAUM – DIE SUCHE – eine HighFantasy-Geschichte von Simone Wilhelmy

BUCHBESPRECHUNG: DIE EULE VON ASKIR – Ein Askir-Roman (Parallelhandlung zu Bd. 5 „Die Feuerinsel“) von Richard Schwartz – Rezension von Alexandra Balzer

DIE INSEL DER NYRMENGEISTER – Fantasy-Story von Aileen P. Roberts

BUCHBESPRECHUNG: DIE VERBORGENE KÖNIGIN (Changer of Days 1) von Alma Alexander – Rezension von Petra Weddehage

DIE VERMÄHLUNG – Leseprobe Teil 1 aus dem Roman: “Grave Mercy – Die Novizin des Todes” von Robin L. LaFever (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Herbst 2012″ – Geteilter Preis)

GELIEBTE ZWISCHEN DEN WELTEN – Eine Kurzgeschichte von Anna Breitzke

GRANOCK – Ein Fantasy-Fragment von Cameo Flush

MAGIE – Leseprobe von Susan Ott

BUCHBESPRECHUNG: MAGNOLIA STEEL – HEXENDÄMMERUNG von Sabine Städing – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: MASKEN – UNTER MAGISCHER HERRSCHAFT von Mara Lang – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: PANDÄMONIUM – DIE SCHWARZEN KÜNSTE (Band 1) – Rezension von Petra Weddehage

BUCHBESPRECHUNG: SHADOW FALLS CAMP – GEBOREN UM MITTERNACHT von C.C. Hunter – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: VERRÄTER DER MAGIE (Band 1) von Rebecca Wild – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: VERWANDLUNG (Das Buch der Schatten 1) von Cate Tiernan – Rezension von Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: WÄCHTER DES MORGEN – WÄCHTER 5 von Sergej Lukianenko – Rezension von Armin Möhle

BUCHBESPRECHUNG: WALD DER TAUSEND AUGEN (Schattenwald-Geheimnisse 1) von Linda Chapman & Lee Weatherly – Rezension von Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: WER WILL SCHON EINEN DRACHEN? (Liona Lix) von Dagmar H. Mueller – Rezension von Petra Weddehage

BUCHBESPRECHUNG: ZARIAS SEHNSUCHT – DER MAGISCHE ELFENBUND 2 von Victoria Hanley – Rezension von Petra Weddehage

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Außerdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muß das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Barbara Wegener

Bildrechte: Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten” (Magie neuer Hrsg und heller.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

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STONEHENGE – Leseprobe (Teil 3) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2013

STONEHENGE

Leseprobe (Teil 3) aus dem gleichnamigen Band

von

Barbara Wegener

(Zum vorherigen Teil)

„Verdammter Mist. Wir müssen hier verschwinden. Es muss noch einen Hinterausgang geben. Lass uns nachsehen.“ Daniel drehte sich um und ging zurück zur Theke, hinter der er vorhin eine Tür bemerkt hatte. Doch Thomas rührte sich nicht. Wie eine Statue stand er an der verschlossenen Glastür, die Hände immer noch gehoben.

„Was ist los? Komm! Wir müssen hier verschwinden!“, rief Daniel ihm zu, lief zur Schiebetür zurück und versuchte seinen Freund an der Schulter herumzureißen. Vor Entsetzen starrte er Thomas an. Der helle Vollmond beleuchtete das Gesicht seines Freundes. Doch es war nicht mehr dasselbe Gesicht. Ihm starrte eine Fratze entgegen, die einem Albtraum entstiegen sein könnte. Die glatte, bartlose Haut hatte sich mit grünen, glänzenden Schuppen überzogen. Die Nase war fast gänzlich verschwunden und an ihre Stelle waren zwei Schlitze gerückt. Genau in diesem Augenblick verschwand Thomas Haar unter einem dichten Schuppenpanzer.

Der Körper wurde breiter. Daniel hörte den Stoff der Jeans reißen. Die Fetzen der Hose fielen zu Boden. Thomas hatte zwar immer schon einen athletischen Körper gehabt, nun aber waren die Beinmuskeln auf unnatürliche Weise angewachsen. Die Haut verfärbte sich giftgrün und auch hier bildeten sich langsam aber stetig glänzende Schuppen.

Daniel wich einen Schritt zurück.

Nun zerriss auch Thomas graues Sweatshirt.

Nackt stand diese Kreatur des Grauens vor Daniel.

Die Arme verkürzten sich, aus den Händen formten sich Klauen und um das Grauen noch zu steigern, bildete sich ein langer, dicker, schuppenüberzogener Schwanz.

Daniel konnte vor Entsetzen keinen Ton herausbringen. Er wich ein Stück zurück, den Blick starr auf das Monster gerichtet.

Dann gelang es ihm endlich, sich von dem grausigen Anblick loszureißen.

Die Kreatur hob ihre, mit messerscharfen Klauen versehenen Hände. Daniel drehte sich um und rannte durch die Regalreihen auf den Hinterausgang zu. Er rannte um sein Leben. Aber er hatte nicht den Hauch einer Chance. Eine Klaue bohrte sich in seine rechte Schulter und riss sie, mitsamt dem Arm, heraus. Daniel schrie vor Entsetzen und Schmerz.

Dann war es plötzlich still.

Lediglich ein Schmatzen war zu hören, als die Kreatur Daniels Kehle durchbiss und sich hungrig über die Leiche hermachte.

Nach wenigen Minuten erhob sich das Monster von den Resten seiner grausigen Mahlzeit und stapfte in Richtung des Hinterausgangs, um die Tankstelle zu verlassen. Es bemerkte den vor Angst erstarrten Mann nicht, der sich hinter einer Säule versteckt hielt und die entsetzliche Szene beobachtet hatte. Dieser vergaß, dass er eigentlich um Hilfe für sein liegen gebliebenes Fahrzeug bitten wollte und rannte, nachdem das Monster aus dem Blickfeld verschwunden war, eilig davon.

*

„Dendrak!“, rief einer der Zuhörer. „Das war eines der ersten Dendraks!“

Wulf nickte ihm müde zu. Ein eiskalter Schauer lief ihm über den Rücken, wenn er an die blutrünstigen Bestien dachte, die kurz nach der Sperrstunde die Straßen und Wege für die Grauen patrouillierten. Noch eine Geschichte hatte er aus dem alten Buch vorzulesen, dann war sein Vertrag mit dem Wirt erfüllt und die Rechnung für seine Unterkunft und Verpflegung beglichen. Er musste sich beeilen, damit die Gäste rechtzeitig ihre Unterkünfte erreichten.

Wulf blätterte erneut vorsichtig eine Seite weiter.

*

Katrin Meyer nahm das letzte Blatt aus dem Kopierer, kontrollierte noch einmal, ob der Schriftsatz richtig sortiert war und ging zurück zu ihrem Schreibtisch. Ihr Blick fiel auf ihre Armbanduhr. Halb Zwei in der Frühe. Und der Arbeitstag war noch nicht zu Ende. Seufzend legte sie den Schriftsatz, nebst der soeben gefertigten Kopien in die Unterschriftenmappe und hakte die Arbeit auf ihrer To-do-Liste ab. Sie hoffte, dass ihr Chef, der große Staranwalt Florian Kogge, nicht noch weitere Veränderungen vornehmen würde. Aber ihr war klar, dass es reines Wunschdenken war. Bisher war ihm immer noch das Eine oder Andere eingefallen, was ergänzt oder verändert werden musste.

Sie stand auf, nahm die Unterschriftenmappe, richtete ihr schwarzes Kostüm und verließ das Büro. Ein dichter Teppichflor verschluckte die Geräusche ihrer Schritte vollständig.

Vor der Bürotür ihres Arbeitgebers atmete sie noch einmal tief durch, bevor sie anklopfte. Kogge hasste es, gestört zu werden. In Gedanken machte sie sich bereits auf einen seiner Wutanfälle gefasst.

„Was ist denn jetzt schon wieder?“ Kogge war wie immer gereizt.

Katrin öffnete die Tür und betrat das gewaltige Büro.

„Der Schriftsatz in der Strafsache Meingau. Sie wollten ihn sofort sehen, wenn er fertig geschrieben ist“, antwortete sie eingeschüchtert. Sie arbeitete jetzt schon seit zwölf Jahren für Kogge, hatte sich aber an seine rücksichtslose und manchmal auch brutale Art nicht gewöhnen können.

„Geben Sie her.“ Kogge legte das Diktiergerät, in das er bis vor wenigen Augenblicken gesprochen hatte, vor sich auf den Schreibtisch und winkte sie ungeduldig zu sich.

Langsam blätterte er die zwanzig Seiten durch. Katrin wartete geduldig. Das hatte sie in all den Jahren gelernt – Geduld zu haben.

Kogge setzte gerade dazu an, ihr die erwartete Änderung zu diktieren, als es unvermittelt stockdunkel wurde.

Sowohl die Deckenstrahler, die in die weiße Vertäfelung eingelassen waren, als auch die elegante, chromfarbene Schreibtischlampe, versagten ihren Dienst.

„Das darf doch nicht wahr sein“, polterte Kogge und versuchte mehrmals die Schreibtischlampe wieder in Gang zu bekommen. „Meyer, sehen Sie mal nach, was da los ist.“

Katrins Augen hatten sich schnell an das Dämmerlicht im Zimmer gewöhnt. Das Licht des Vollmondes sorgte dafür, dass sie genug sehen konnte, um, ohne gegen Büromöbel oder die von Kogge so heiß geliebte und von ihm mitten im Raum platzierte Skulptur zu stoßen, relativ rasch den Lichtschalter neben der Tür zu erreichen. Nichts.

„Ich werde es von meinem Büro aus versuchen”, schlug Katrin vor. „Vielleicht kann ich von dort aus den Hausmeister erreichen.”

„Na Los! Machen Sie schon. Worauf warten Sie noch? Glauben Sie, ich habe Lust die ganze Nacht im Dunkeln zu sitzen? Ich habe zu arbeiten!”

Auch im Flur brannte kein Licht. Katrin tastete sich zu ihrer Bürotür. Weder Licht noch Telefon funktionierten. Selbst ihr Handy verweigerte den Dienst. Verwirrt schaute sie aus dem Fenster. In der ganzen Stadt war kein einziger Lichtschimmer zu sehen. Selbst die Straßen, auf denen um diese Zeit immer dichter Verkehr herrschte, lagen in völliger Dunkelheit.

Ein Geräusch ließ sie herumfahren.

„Was ist denn nun? Ich bezahle Sie doch nicht fürs Nichtstun.”

„Herr Kogge. Es tut mir Leid, aber weder das Telefon noch mein Handy funktionieren. Sehen Sie selbst. In der gesamten Stadt scheint der Strom ausgefallen zu sein.”

„Erzählen Sie keinen Unsinn. Der Akku des Handys hat nichts mit der Stromversorgung zu tun. Geben Sie mal her. Sie sind wohl einfach nur zu blöd, um zu telefonieren.”

Katrin reichte ihm ihr Handy und verfolgte mit gemischten Gefühlen die Versuche ihres Chefs dieses in Gang zu bringen.

Trotz des dürftigen Lichts konnte sie erkennen, dass sich sein Gesicht immer dunkler färbte, als auch er keinen Erfolg hatte.

Mit einem wütenden Aufschrei warf er das Handy gegen die Fensterscheibe, die zwar nicht zerbarst, aber doch bedenklich bebte.

„Ich will, dass die verdammte Lampe angeht. Ich will Licht”, schrie er aufgebracht. Katrin wünschte sich unsichtbar zu sein. Wenn Kogge einen seiner cholerischen Anfälle bekam, sollte man sich tunlichst nicht in seiner Nähe aufhalten.

Ihr Entsetzen wurde noch größer, als sie feststellte, dass Kogge plötzlich von Innen zu leuchten begann. Seine gesamte Gestalt hob sich erst leicht vom dunklen Hintergrund ab, leuchtete immer stärker und einzelne Flammen züngelten an seinem Körper empor.

„Diese Kraft! Das ist unglaublich! Es fühlt sich an, als ob ich alles tun könnte.“ Er blickte auf seine immer stärker glühende Gestalt herab. Augenblicke später bestand er nur noch aus Flammen.

Katrin schwanden die Sinne.

Als sie wieder erwachte, fand sie sich alleine im immer noch dunklen Büro vor. Von Kogge fehlte jede Spur. Im Büro war es eiskalt. Als sie sich umblickte, bemerkte sie ein mannshohes Loch in der verrußten Fensterscheibe. Katrin blickte nach draußen. Der Chef wird doch nicht… Aber das war doch unmöglich. Das Büro befand sich in der zweiunddreißigsten Etage. Ein greller Lichtschein in der Ferne ließ sie dann aber erschauern. Eine hell leuchtende, brennende Gestalt flog auf die Randbezirke der Stadt zu und warf Flammenblitze auf Häuser und Autos, die augenblicklich explodierten.

*

„Diese Ereignisse, welche sich in jener schicksalhaften und die Welt für alle Zeiten verändernden Nacht zugetragen haben, habe ich notiert, damit die Nachwelt erfährt, was damals wirklich geschah und dass die Welt früher anders ausgesehen hat! – Wolfgang Ullmann.“ So beendete Wulf seine Vorlesung und schloss behutsam das Buch, damit die brüchigen, vergilbten Seiten keinen Schaden nahmen. (…)

Copyright © 2012 by Barbara Wegener

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Wer wissen will, wie es weitergeht, kann den folgenden Titel als ebook bestellen:

Eine mysteriöse Wolke ummantelt die Erde, um deren Zukunft für immer zu verändern. Das Leben, wie man es kennt, existiert fortan nicht mehr. Jegliche Technik ist unbrauchbar, stattdessen verfügen einige Menschen über Magie, andere werden zu blutrünstigen Monstern. Nach Jahrhunderten des Chaos wird endlich „Lysan“ die Auserwählte geboren, die den finsteren Machenschaften ein Ende setzen kann. Eine Mission, die Lysan und ihre Gefährten zum sagenumwobenen Stonehenge führt.

Barbara Wegener: Stonehenge (ebook)

Format: Kindle Edition
Dateigröße:
258 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe:
178 Seiten
Verlag:
Satzweiss; Auflage: 1 (30. Januar 2013)
Verkauf durch:
Amazon Media EU S.à r.l.

Titel bei amazon.de

Auch erhältlich bei thalia.at

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STONEHENGE – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

Erstellt von Barbara Wegener am 15. Februar 2013

STONEHENGE

Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Band

von

Barbara Wegener

(Zum vorherigen Teil)

„Hilfe! Hört mich jemand? Ich stecke im Aufzug fest!“

Max schüttelte den Kopf. Charly war bestimmt schon fast zuhause. Er konnte sie gar nicht hören. Selbst, wenn sie tatsächlich im Aufzug stecken geblieben wäre, hätte er sie nicht in dieser Lautstärke hören können. Er musste sich das nur eingebildet haben.

Max ging vorsichtig durch den vom Mond erhellten Flur zurück in sein Zimmer, um sich fürs Bett fertig zu machen.

„Hilfe! Hört mich jemand? Ich stecke im Aufzug fest!“

Laut und deutlich, so als wenn sie direkt neben ihm stehen würde, hörte er Charly rufen. Max lief zur Wohnungstür und riss sie auf.

„Charly?“, rief er aufgeregt und es kümmerte ihn nicht, dass er möglicherweise die Nachbarn mit seinem Rufen wecken würde.

„Ich bin hier! Hier im Aufzug!“, hörte er Charlys Stimme, nun etwas leiser aus dem Fahrstuhlschacht. „Ich stecke zwischen der zweiten und dritten Etage fest.”

„Bleib ruhig. Ich hol den Hausmeister.“ Max lief die Treppen bis ins Erdgeschoss hinunter und drückte auf den Klingelknopf von Hubert Heim, dem Hausmeister dieses Hauses, doch es folgte nicht der übliche Westminsterklang, den Heim als Klingelton gewählt hatte. Max seufzte und klopfte nun laut an der Tür.

Doch der Hausmeister öffnete nicht. Stattdessen hörte er eine Stimme aus der ersten Etage. Er hatte Oma Weinhaupt geweckt.

„Wer macht denn hier zu nachtschlafender Zeit solch einen Lärm? Wisst ihr überhaupt wie spät es ist? Gebt Ruhe, sonst hole ich die Polizei!“, rief sie aufgebracht.

„Oma Weinhaupt? Hier ist Max. Ich brauch den Hausmeister. Charly steckt im Aufzug fest“, entschuldigte sich Max zu ihr gewandt.

„Der Hubert ist nicht da. Der ist doch seit gestern im Urlaub. Spanien, glaub ich. Als Hausmeister scheint man ja ordentlich zu verdienen“, antwortete sie. „Da solltest du am Besten die Feuerwehr rufen. Oder noch besser die Polizei. Die wissen bestimmt, was zu tun ist. Warte. Ich ruf mal an. Dann musst du nicht so weit hoch laufen.“

Max hörte, wie sich ihre schlurfenden Schritte entfernten. Nach nur wenigen Augenblicken war sie zurück.

„Das Telefon geht nicht. Auch nicht das Handy, das Dörthe mir zum Geburtstag geschenkt hat. Ich versteh das nicht. Das Handy hat doch gar nichts mit unserem Sicherungskasten und mit dem Strom zu tun. Das funktioniert doch mit Batterien oder hab ich da was falsch verstanden? Immer dieser neumodische Kram“, schimpfte sie aufgebracht.

Max lief die Treppe bis zur dritten Etage hoch und kniete sich vor die Aufzugtür.

„Charly? Hörst du mich? Der Hausmeister ist nicht da. Der Strom im gesamten Haus ist ausgefallen. Die Polizei kann ich nicht rufen. Das Telefon funktioniert nicht.“

„Max, hol mich hier raus! Ich hab Angst!“ Charlys Stimme hörte sich wie ein Wimmern an.

In seiner Verzweiflung zog und zerrte Max an den Aufzugtüren. Ihm war klar, dass er sie nicht öffnen konnte. Umso erstaunter war er, als er spürte, dass sich die Türen leicht zur Seite bewegt hatten. Max spürte eine enorme Kraft in sich wachsen. Er versuchte es noch einmal. Wieder ein Stück. Nun war der Spalt bereits so groß, dass er mit seinen Fingern hinein fassen konnte. Die Türen bewegten sich immer weiter und es fiel ihm immer leichter, sie auseinander zu drücken.

„Charly? Ganz ruhig. Versuch dich hochzuziehen. Warte. Hier sind meine Hände. Ja, gut so.“ Max zog seine Freundin Zentimeter für Zentimeter aus dem Fahrstuhlschacht. Ein letzter Ruck und sie saß vor ihm auf dem Flurboden. Erleichtert schloss er sie in seine Arme.

„Sag mal, machst du heimlich Kraftsport?“ Charly sah ihn erstaunt an. „Also, ich hätte die Tür nicht aufbekommen.“

„Du weißt, dass ich Handball spiele. Klar, hab ich da ein wenig Kraft, aber die Tür hätte ich normalerweise auch nicht öffnen können. Ich hab keine Ahnung, wie ich das gemacht hab. Es ging ganz einfach. Oma Weinhaupt?“, rief er nach unten. „Können Sie kurz auf Charly aufpassen, damit ich meine Jacke holen kann? Ich werde sie nach Hause begleiten. Nach all dem, was grade passiert ist, sollte sie nicht alleine gehen.“

Max begleitete seine Freundin zum Haus ihrer Eltern und wartete davor, bis sie die Haustür hinter sich geschlossen hatte. «

*

Wulf blätterte die Seite des alten, zerlesenen Buches um. Er ging vorsichtig zu Werk, damit das brüchige Papier nicht noch mehr einriss. Die Kapuze seines braunen Umhangs war ihm vom Kopf gerutscht und gab ein uraltes, verwittertes Gesicht preis. Wulf nahm einen weiteren Schluck Met aus dem Humpen und las weiter.

*

Thomas und Daniel schlichen gebückt um die Tanksäule und beobachteten den Kassierer, der gelangweilt in einer Sportzeitung las. Um diese späte Nachtzeit rechnete er nicht mehr mit viel Kundschaft. Seufzend blickte er auf seine Uhr. Fast zwei. Noch vier Stunden bis seine Schicht vorbei war. Er freute sich schon auf seinen Schlummertrunk, sein warmes Bett, in dem Ellen auf ihn wartete und auf den freien Tag, den sie gemeinsam verbringen wollten.

Er bemerkte die beiden vermummten Gestalten erst, als das Summen der elektrischen Schiebetür ihren Eintritt in die Verkaufshalle kundtat. Die Tür hatte er vor wenigen Minuten geöffnet, damit die Putzfrau den Raum betreten konnte. Normalerweise wurden die Kunden um diese Uhrzeit über den Nachtschalter bedient und die Tür war verschlossen. Da er aber viel zu bequem war, öffnete er die Schiebetür stets einige Minuten vor dem Eintreffen der Reinigungskraft.

Wie gewohnt wollte er seine späten Kunden begrüßen, als ihn die Aufmachung der Beiden erstarren ließ. Ein Überfall. Das war nun schon der Dritte, den er miterleben musste. Sein Chef hatte Anweisung gegeben, sich in solchen Fällen nicht zu wehren, um die Verbrecher nicht gegen sich aufzubringen. Geld und Waren konnten ersetzt werden. Sie waren versichert und kein Menschenleben wert.

Schon richtete einer der Räuber eine Pistole auf ihn.

„Scheiße!“, fluchte der Kassierer verhalten und hob instinktiv die Hände. Mit dem nahen Feierabend war es wohl vorbei.

„Geld raus! Sofort!“ Thomas bemühte sich seinen Kopf gesenkt zu halten, damit er von der Überwachungskamera nicht erfasst werden konnte. „Los! Wird’s bald?“ Er hielt dem Kassierer eine Plastiktüte vor das Gesicht. Daniel umrundete die Verkaufstheke und bediente sich an den dort ausgestellten Zigarettenstangen.

Der Kassierer öffnete ergeben die Registrierkasse, entnahm die wenigen Geldscheine, die sich um diese Zeit dort befanden, und legte sie in die Tüte. Thomas griff nach ihr, nahm sich noch ein Päckchen Kaugummi aus der Auslage, stopfte einige Zigarettenstangen, die Daniel ihm reichte zu dem Geld und drehte sich zur Tür.

Kaum war er zwei Schritte gegangen, erlosch das Licht im Verkaufsraum.

„Was hast du gemacht?“, schrie Thomas wutentbrannt.

„Ich?“ Der Kassierer, der immer noch mit erhobenen Händen hinter dem Tresen stand, sah ihn angsterfüllt an. „Ich hab nichts gemacht, verdammt noch mal. Ich steh hier doch ganz ruhig.“

„Das kannst du deiner Oma erzählen.“

„Los, weg hier!“, rief Thomas seinem Kumpan zu und beide beeilten sich zur Schiebetür zu gelangen.

Die Tür ließ sich nicht öffnen. Wütend hämmerten beide mit ihren Fäusten gegen das Glas. Doch auch das nützte nichts.

Thomas drehte sich um und richtete die Waffe erneut auf den Kassierer.

„Mach das Scheißding auf!“

„Das kann ich nicht. Der Strom ist weg und ohne Strom…“

„Erzähl nichts. Du hast die Bullen gerufen.“ Thomas panische Stimme überschlug sich. Die Waffe in seiner schweißnassen Hand wurde immer schwerer. Der Kerl hatte irgendwie einen Alarm ausgelöst, aber, die würden ihn nicht erwischen!  dachte er und drückte ab.

Ungläubig starrte der Kassierer auf die Wunde in der Brust, aus der das Blut pulsierte. Sterbend glitt er zu Boden. (…)

(Zum nächsten Teil)

Copyright © 2012 by Barbara Wegener

Wer wissen will, wie es weitergeht, kann den folgenden Titel als ebook bestellen:

Eine mysteriöse Wolke ummantelt die Erde, um deren Zukunft für immer zu verändern. Das Leben, wie man es kennt, existiert fortan nicht mehr. Jegliche Technik ist unbrauchbar, stattdessen verfügen einige Menschen über Magie, andere werden zu blutrünstigen Monstern. Nach Jahrhunderten des Chaos wird endlich „Lysan“ die Auserwählte geboren, die den finsteren Machenschaften ein Ende setzen kann. Eine Mission, die Lysan und ihre Gefährten zum sagenumwobenen Stonehenge führt.

Barbara Wegener: Stonehenge (ebook)

Format: Kindle Edition
Dateigröße:
258 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe:
178 Seiten
Verlag:
Satzweiss; Auflage: 1 (30. Januar 2013)
Verkauf durch:
Amazon Media EU S.à r.l.

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STONEHENGE – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

Erstellt von Barbara Wegener am 7. Februar 2013

STONEHENGE

Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Band

von

Barbara Wegener

Sie ist die, die war,
sie ist die, die sein wird,
sie ist die, die gibt,
sie ist die, die nimmt.

Prolog

Langsam, aber unaufhaltsam zog die Wolke ihre Bahn durch die Unendlichkeit des Universums. Seit Jahrmillionen folgte sie einer geheimnisvollen Bestimmung. Durch nichts ließ sie sich von ihrem Kurs abbringen, noch nicht einmal das gewaltige Zerren der Schwarzen Löcher forderte ihren Tribut. Entgegen allen Naturgesetzen gelang es ihr, sich immer wieder loszureißen, ohne auch nur im Geringsten an Umfang zu verlieren.

Die Bewohner eines kleinen Planeten, der geruhsam seine Bahn um eine durchschnittlich große Sonne zog, ahnten nichts von dem Unheil, das soeben ihr Sonnensystems erreichte und, wie durch die Kraft eines gigantischen Magneten, von ihrem blauen Erdball angezogen wurde. Sie gingen, wie gehabt, ihren täglichen Geschäften nach, liebten, hassten, halfen, stritten und niemand dachte daran, dass das Ende der Normalität so nah war.

Als die Wolke den kleinen Mond des Planeten erreicht hatte, wurde sie zum ersten Mal von seinen Bewohnern – sie nennen sich Menschen – entdeckt. Sie richteten ihre Teleskope aus, stellten Berechnungen an, gaben kluge Vermutungen und Ratschläge von sich, saßen an ihren Computern und telefonierten mit ihren Handys.

Und dann – Stille.


Wulf

Mit einem Fluch riss sie die Bettdecke zur Seite und sprang aus dem Bett. Sie hatte verschlafen. Ausgerechnet heute. Sie sollte um zwölf Uhr zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen. Die Sonne stand schon ziemlich hoch am Himmel, es musste also fast Mittag sein. Eva sah auf ihren Wecker, aber das Display war schwarz. „Verdammt!“, rief sie aufgebracht. „Das darf doch nicht wahr sein!“ Sie blickte auf ihre Armbanduhr. Keiner der Zeiger bewegte sich. Sie waren um 2 Uhr stehen geblieben.

Eilig rannte sie ins Badezimmer und betätigte den Lichtschalter. Nichts. Seufzend tastete sie sich zum Waschbecken und drehte den Wasserhahn auf. Doch auch das Wasser lief nicht. Noch nicht einmal ein Gurgeln drang aus der Leitung.

Ein weiterer Fluch entfuhr ihren Lippen. Sie lief eilig zurück ins Schlafzimmer und zog sich an.

Natürlich hatte sie auch in der Küche keinen Strom. „Kein Kaffee“, murmelte sie verzweifelt. „Ich brauche meinen Kaffee…!“ Sie beschloss, auf dem Weg in die Stadt an einer Tankstelle zu halten und sich dort einen Coffee-To-Go zu holen.

Eva zog ihre Jacke über, griff sich ihre Tasche und verließ die Wohnung.

Auch der Aufzug funktionierte nicht. Aber sie hatte keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Sie musste sich beeilen. Sie brauchte den Job.

Ergeben wandte sie sich der Treppe zu und eilte die Stufen hinunter, öffnete die Haustür und lief zu ihrem grünen VW Polo, der auf dem Parkplatz direkt vor dem Haus stand.

Erstaunt stellte sie fest, dass der Parkplatz, trotz der späten Vormittagszeit, immer noch voller Fahrzeuge war. Einige Hausbewohner, sie sah ihre Nachbarin Claudia und deren zwei Kinder und noch weitere Personen, an deren Namen sie sich augenblicklich nicht erinnerte, standen neben ihren Fahrzeugen und unterhielten sich aufgeregt. Sie hatte es eilig und widerstand dem Wunsch mit ihnen über den ärgerlichen Stromausfall zu diskutieren. Bestimmt wetterten sie gerade über die unzuverlässigen Stromwerke und die hohen Preise, die sie für die nicht erbrachte Leistung verlangten.

Eva drückte auf die Fernbedienung, um die Autotür zu entriegeln. „Mist”, entfuhr es ihr, als das übliche Klicken nicht zu hören war. Sie musste also die Tür per Hand aufschließen.

Mit einem Seufzen ließ sie sich auf dem Fahrersitz nieder, gurtete sich an und drehte den Zündschlüssel im Schloss.

Nichts. Der Wagen sprang nicht an.

Sie versuchte es wieder. Der Motor gab nicht einmal das leiseste Geräusch von sich.

Resigniert schloss Eva die Augen. Es war offensichtlich nicht ihr Tag.

Sie beschloss, den Bus in die Stadt zu nehmen. Wenn sie sich beeilte, würde sie es vielleicht noch zu ihrem Vorstellungsgespräch schaffen.

Hastig verließ sie das Fahrzeug.

„Mein Auto springt nicht an. Ich muss mich beeilen, damit ich noch den Bus erwische“, rief sie Claudia zu, die ihr aufgeregt zuwinkte.

„Da wirst du kein Glück haben“, antwortete Claudia zurück. „Aus irgendeinem Grund scheint nichts mehr zu funktionieren, was mit Elektrik oder Elektronik zu tun hat. Schau mal auf die Straße. Da fährt kein Auto. Und das um diese Uhrzeit.“

Eva folgte ihrem Blick zur Hauptstraße. Tatsächlich. Außer einem Hund, der die Freiheit genoss, unbehelligt auf der sonst viel befahrenen Straße herumzutollen, konnte sie nichts entdecken.

„Was ist hier los?“ Fragend blickte sie Claudia an. „Ich habe keine Ahnung“, antwortete diese. „Das Radio, das Fernsehen und das Internet funktionieren ja auch nicht. Niemand, den ich bisher gefragt habe, kann sich einen Reim darauf machen. Meine Uhr ist heute Nacht um zwei Uhr stehen geblieben. Es muss also um diese Uhrzeit alles ausgefallen sein.“

Nachdenklich sah Eva auf ihre eigene Armbanduhr. Auch sie war, wie sie bereits vorhin in ihrer Wohnung festgestellt hatte, um zwei Uhr stehen geblieben.

*

Wulf schlug die Seite des Buches, aus dem er vorgelesen hatte um, nahm einen großen Schluck Met aus dem Humpen, den der Wirt des Gasthofes vor ihn hingestellt hatte und sah sich seine Zuhörer an. Gespannte, erwartungsvolle Gesichter waren auf ihn gerichtet.

„Lies weiter, alter Mann“, forderte der Wirt ihn auf. „Ich beköstige dich hier nicht, damit du dauernd Pausen machst, sondern damit du meine Gäste unterhältst.“

Wulf rieb sich die müden Augen und las im trüben Schein der Kerze, die einen kleinen Lichtkegel in der ansonsten dämmerigen Gaststube bildete, weiter.

*

„Ich muss jetzt wirklich gehen. Gleich haben wir zwei Uhr und meine Eltern werden einen Aufstand machen, wenn sie wach werden und ich nicht in meinem Bett liege.“ Charly griff ihre Bücher, stopfte sie in ihre Tasche und stand auf.

Max seufzte. Seine Freundin hatte stundenlang versucht, ihm die Grundlagen der Kurvendiskussion beizubringen. Leider vergeblich.

„Soll ich dich nach Hause bringen? Es ist dunkel und ein junges Mädchen sollte um diese Uhrzeit nicht alleine auf der Straße sein“, grinste er sie an.

Charly lachte. „Bleib du mal lieber hier und leg dich schlafen, damit du morgen ausgeruht bist. Ich gebe nicht auf. Noch nie hat einer meiner Nachhilfeschüler versagt.“ Sie zog ihre Jacke über. „Die Straßenlaternen brennen und außerdem haben wir Vollmond. Schau mal aus dem Fenster. Ist ja nicht so, als wenn ich in stockfinsterer Nacht nach Hause gehe.“ Charly warf Max noch eine Kusshand zu und verließ die Wohnung.

Es war wirklich schon spät, oder früh, je nachdem, wie man die Sache betrachten wollte. Endlich kam der Aufzug. Charly trat in die enge, stickige Kabine und drückte den Knopf für das Erdgeschoss. Laut rumpelnd setzte sich der Aufzug in Bewegung. In Gedanken war Charly bereits in ihrem Zimmer und lag in ihrem warmen, kuscheligen Bett, als der Aufzug mit einem plötzlichen Ruck stehen blieb und das Licht erlosch. Auch das laute Rauschen des Ventilators, das sie immer fürchterlich aufgeregt hatte, war nicht mehr zu hören.

Charly tastete sich zur Aufzugtür und drückte auf alle Knöpfe, die sie erfühlen konnte. Nichts geschah.

„Hilfe! Hört mich jemand? Ich stecke im Aufzug fest!“, schrie sie, wohl wissend, dass alle Menschen in dem riesigen Hochhaus in ihren Betten lagen und schliefen. Niemand würde sie so schnell retten. Sie konnte nur hoffen, dass irgendjemand früh zur Arbeit musste und den steckengebliebenen Aufzug bemerkte.

Also würde sie nicht in ihrem Bett liegen, wenn ihre Eltern aufwachten. Sie stellte sich schon auf ein großes Donnerwetter ein, wenn sie wieder daheim wäre. Den Konzertbesuch mit Max am Wochenende konnte sie dann wohl vergessen.

Unterdessen brachte Max die beiden Gläser, aus denen sie getrunken hatten, in die Küche und spülte sie schnell ab. Wenn seine Eltern morgen Vormittag vom Besuch seiner Großeltern heimkommen würden, sollte alles aufgeräumt sein.

Plötzlich erlosch das Licht in der Küche. Vor Schreck ließ Max beinahe die Gläser fallen, konnte sie aber gerade noch auf der Spüle abstellen. Er tastete sich vorwärts zum Flur. Hier betätigte er den Lichtschalter, doch nichts geschah. Der Flur blieb dunkel. „Scheiße!“, sprach er seine Gedanken aus. „Die Sicherung ist wohl rausgeflogen.“ Die würde er aber erst morgen austauschen.

Plötzlich hörte er laut und deutlich die Stimme seiner Freundin. (…)

(Zum nächsten Teil)

Copyright © 2012 by Barbara Wegener

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Wer wissen will, wie es weitergeht, kann den folgenden Titel als ebook bestellen:

Eine mysteriöse Wolke ummantelt die Erde, um deren Zukunft für immer zu verändern. Das Leben, wie man es kennt, existiert fortan nicht mehr. Jegliche Technik ist unbrauchbar, stattdessen verfügen einige Menschen über Magie, andere werden zu blutrünstigen Monstern. Nach Jahrhunderten des Chaos wird endlich „Lysan“ die Auserwählte geboren, die den finsteren Machenschaften ein Ende setzen kann. Eine Mission, die Lysan und ihre Gefährten zum sagenumwobenen Stonehenge führt.

Barbara Wegener: Stonehenge (ebook)

Format: Kindle Edition
Dateigröße:
258 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe:
178 Seiten
Verlag:
Satzweiss; Auflage: 1 (30. Januar 2013)
Verkauf durch:
Amazon Media EU S.à r.l.

Titel bei amazon.de

Auch erhältlich bei thalia.at

Auch erhältlich bei buch.de

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KÖRPERFRESSER – Eine Fantasy-Kurzgeschichte von Barbara Wegener

Erstellt von Barbara Wegener am 1. Januar 2013

KÖRPERFRESSER

Fantasy-Kurzgeschichte

von

Barbara Wegener

Schnee! Marlies hasste Schnee. Und heute war wieder so ein Tag, der zeigte, dass ihre Abneigung Gründe hatte.

„Liebling, ich hab den Weg zum Auto gefegt und dein Auto ausgegraben. Wünsch dir ´nen schönen Tag. Kann heute etwas später werden.“ Jens drückte ihr liebevoll einen Kuss auf die Stirn und verließ die Wohnung.

Marlies überflog die to-do-Liste, seufzte und verließ nun auch das Haus.

Wie Jens versprochen hatte, konnte sie problemlos bis zu ihrem feuerroten Golf rollen. Dann aber entfuhr ihr ein nicht sehr damenhaftes „Scheiße! Diese Idioten sollte man …“

Der Winterdienst hatte ganze Arbeit geleistet, die Straße vom Schnee befreit und diesen an den Rand geschoben. Bei der geringen Höhe der Schneehügel war es eigentlich kein Problem, über sie hinweg zu steigen und sich ins Auto zu setzen. Dumm nur, dass der Rollstuhl von Marlies weder über eine Klettervorrichtung verfügte noch über ein Heißluftgebläse, um den Schnee zu tauen. Also war es erst mal nichts mit dem Autofahren.

Der Tag hatte gerade erst begonnen und Marlies wollte sich nicht gleich in der Frühe aufregen. Fahre ich halt mit dem Bus, dachte sie.

Die Haltestelle war nur zweihundert Meter entfernt, und sie musste nur um die nächste Ecke fahren. Mit Schwung rollte sie den Bürgersteig entlang und stoppte dann abrupt. Direkt hinter der Kurve türmte sich der Schnee. Der Nachbar hatte zwar den Weg von seinem Haus zum Auto, nicht aber den Gehweg geräumt. Manchmal könnte sie ihn … Hier kam sie nicht weiter. Also, zurück zum Haus und ein Behindertentaxi rufen.

„Da müssten sie aber bis heute Nachmittag warten. Der Wagen ist unterwegs.“, meinte die Dame am Telefon.

Natürlich stand auch keine Droschke zur Verfügung. Warum sollte der Tag nicht so mies weitergehen, wie er angefangen hatte? Marlies verwünschte die Taxizentrale.

Der gefrusteten Frau blieb nichts anderes übrig, als ihren Mann anzurufen.

Jens war nicht sonderlich erbaut. Schließlich hatte er anderes zu tun, als heimzufahren und die Schneebarriere zu entfernen. Aber er war nach dreißig Minuten da.

Endlich konnte es losgehen. Es war schon fast Mittag, als Marlies die Innenstadt erreichte. Eine halbe Stunde lang suchte sie einen freien Behindertenparkplatz. Doch entweder türmten sich auf ihnen Schneeberge, oder sie waren mit falsch parkenden Autos belegt. Schließlich hatte sie doch Glück. Marlies fuhr langsam die Hauptstraße entlang, als sie einen Mann die Bank verlassen und zu seinem dicken Benz eilen sah. Und wie nicht anders zu erwarten, stand die Limousine auf einem deutlich markierten Behindertenparkplatz.

Marlies öffnete das Seitenfenster.

„Ihnen ist schon klar, dass sie hier nicht parken dürfen?“, rief sie wütend.

„Ich war nur schnell Geld holen. Höchstens zwei Minuten stehe ich hier. Regen sie sich nicht auf“, kam als Antwort. Er setzte sich ins Auto und fuhr mit quietschenden Reifen weg. Marlies konnte nur noch den Kopf schütteln. Sie parkte ein, legte den Parkausweis gut sichtbar aufs Armaturenbrett und begann mit ihren Einkäufen. Zumindest hatte sie es vor.

Sie saß jetzt neben dem Auto im Rollstuhl und suchte nach einer Absenkung, um auf den Bürgersteig zu kommen. Vergeblich. Vor der ersten, wenige Meter entfernten Absenkung hatte jemand Sperrmüll auf den Gehweg gestellt, und vor einer weiter entfernten parkte ein Transporter. Marlies blieb also nur die Option, trotz dichten Verkehrs mühsam die verschneite Fahrbahn entlang zu rollen, bis sie endlich eine Möglichkeit fand, auf den Fußweg zu kommen.

Nun also die ganze Strecke zurück zur Bank, wo sich inzwischen vor dem Geldautomaten eine Schlange gebildet hatte. Notgedrungen reihte sie sich ein, und bald standen weitere Leute hinter ihr an. Nach fünfzehn Minuten war sie endlich mit dem Geldabheben dran, rollte seitlich an den Automaten und führte ihre Kreditkarte zum für diese vorgesehen Schlitz, als der hinter ihr stehende Fettwanst sich so dicht an sie drängte, als wolle er auf ihrem Schoß Platz nehmen.

Marlies drehte sich um und fauchte: „Soll ich ihnen meine PIN-Zahl aufschreiben, oder sehen Sie gut genug, was ich eintippe?“ „Was interessiert mich Ihre PIN-Zahl“, kam als Antwort und dann ein gemurmeltes „Immer diese beleidigten Behinderten.“ Aber wenigstens trat er einige Schritte zurück.

Als Marlies die Bank verließ, fuhren zwei Einsatzfahrzeuge der Polizei und ein Rettungswagen mit hoher Geschwindigkeit und Blaulicht vorbei. Augenblicke später hielt einer der Funkwagen direkt neben ihrem Auto. Zwei Beamte stiegen aus und stürmten in das Haus, neben dem sie sich befand. Marlies sah entgeistert den geringen Abstand zwischen ihrem und dem Polizeifahrzeug. Das darf doch nicht wahr sein, schoss es durch ihren Kopf, wie komme ich jetzt in den Wagen?

Hinter ihr schrie plötzlich eine Frau und Marlies, immer noch wütend, drehte sich neugierig um. Was sie sah, ließ ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen. Der Fettwanst vom Geldautomaten wälzte sich auf dem Boden. Unter ihm bildete sich eine Blutlache, und irgendwas schien unter seiner Jacke und Hose zu krabbeln.

„Nehmt sie weg! Nehmt sie weg!“, schrie er unentwegt, während er versuchte, die Jacke aufzureißen.

„Da! Nehmt sie weg!“

Marlies sah die kleinen pelzigen Ungeheuer, als sich der Mann in ihre Richtung drehte. Er versuchte, sich von ihnen zu befreien, doch lösten sie sich, wenn er nach ihnen griff, sofort auf und andere Monster traten dafür auf den Plan. Sie schlugen dem Mann ihre scharfen Zähne ins Fleisch und Marlies fand, dass zur Mahlzeit nur noch das Lätzchen um den Hals der Ungeheuer fehlte …

„Da ist doch gar nichts!“, rief eine Frau, die dem Mann helfen wollte. „Was ist hier los? Der Kerl löst sich ja auf!“ Mit schreckweiten Augen lief sie von dannen.

Marlies wunderte sich. Warum sah sie die Biester, aber sonst offenbar niemand? Sie konnte den Monstern sogar beim Fressen des Fettwanstes zuschauen, während die anderen Menschen mit dem Anblick immer weniger werdenden Fleisches vorlieb nehmen mussten.

Und das Schrecken nahm kein Ende. Aus dem Haus, in dem die Polizisten verschwunden waren, stürzte voller Panik eine mur mit Jogginganzug und Hausschuhen bekleidete Frau.

„Hilfe! Da oben liegen zwei Skelette!“, rief sie und brach ohnmächtig zusammen.

Marlies wurde es mulmig. Zwei weitere Streifen- und ein Mannschaftswagen hielten am Straßenrand, und die herausspringenden Polizisten sperrten das Gelände weiträumig ab. Niemand durfte rein, niemand raus.

Dann klingelte das Handy.

„Liebling, wo bist du?“, schrie Jens durchs Telefon.

„In der Innenstadt. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was hier grade passiert ist.“ Marlies wollte ihm von den Vorfällen berichten, doch er unterbrach sie. „Unsere Nachbarin Birgit hat mich im Büro angerufen. Sie wollte wegen irgendwelcher Formulare zur Werkstatt ihres Mannes, doch als sie dort ankam, sah sie schon Polizisten herumlaufen, und von ihrem Mann waren nur noch die Knochen übrig.

Und es gibt mehr solcher Fälle. Kurz vor der Stadtgrenze ist ein Benz ins Schleudern gekommen und in eine Hauswand gekracht. Vom Fahrer konnten wie vom Nachbarn in der Werkstatt nur noch die Knochen geborgen werden. Weitere Opfer sind wohl ein Mitarbeiter des Schneeräumdienstes, ein Heizungstechniker und eine Beschäftigte der Taxizentrale! Was ist denn da los?“

Marlies hatte ihrem Mann aufmerksam zugehört, doch jetzt lenkte sie einer der Polizeibeamten ab: „Zwei Kollegen hat’s erwischt. Nur noch Skelette. Und der Bewohner, zu dem sie wollten, sieht genauso aus. Der war mitten im Umzug, hatte gerade die letzten Kisten gepackt und Sachen für den Sperrmüll rausgestellt. Da vorne liegt das Zeug.“

Marlies stutzte. Alle, über die sie sich geärgert hatte, waren Opfer der Minimonster geworden. Vom Fahrer des Winterdienstes über den Nachbarn, die Dame von der Taxizentrale, den Benz-Fahrer, den Mann mit dem Sperrmüll an der ersten Gehwegabsenkung, den mit seinem Lieferwagen die zweite Absenkung blockierenden Heizungstechniker, den Fettwanst von der Bank bis zu den beiden Polizeibeamten, die ihren Wagen zugeparkt hatten.

Marlies sah sich nochmals um und erblickte wieder viele kleine Pelztiere, die ihr jetzt aber friedlich vorkamen. Warum nur blieben sie für die anderen unsichtbar? Plötzlich sprach sie eins der Tierchen an: „Wir haben alle erwischt! Das machen die nicht noch einmal!“

Dann verschwanden sie, und zurück blieben Knochen, verängstigte Menschen und eine verunsicherte Marlies, die künftig mit ihren Verwünschungen vorsichtiger umgehen wollte …

- Ende -

Copyright (C) 2012 by Barbara Wegener

Bildrechte: Coverillustration “SkurileGeschichten1.jpg ” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Buchtipp der Autorin:

EWIGE (Gesamtausgabe) von Barbara Wegener

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 385 KB
  • Verlag: Satzweiss (30. November 2012)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch

ASIN: B00AFVHX54

Titel bei amazon.de

In einer fernen Dimension überwinden Dämonen die Barriere zwischen den Welten. Sie wollen auf der Erde die einzig Auserwählte finden, die allein in der Lage ist, die geplante Invasion zu verhindern. Derweil führt Beverly ein gutbürgerliches Familienleben. Das ändert sich schlagartig, als sie eines Nachts erfährt, dass ihr Mann ein Zaubermeister ist und sie selbst als die Auserwählte Magie erlangen soll, um die Welt vor den Dämonen zu retten.

Auch lieferbar über Weltbild.de


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SCHLAG AUF SCHLAG – Leseprobe aus dem gleichnamigen Krimi von Becca Raven

Erstellt von Barbara Wegener am 29. Oktober 2012

SCHLAG AUF SCHLAG

Leseprobe aus dem gleichnamigen Krimi

von

Becca Raven (Barbara Wegener)

London

Die Holztäfelung und die Teppiche des Pubs verbreiteten eine gemütliche Atmosphäre. An den Wänden hingen Schals und Banner des Manchester United Football Club.

Nazar Tisizov saß auf einem Barhocker am Tresen und blickte nervös auf seine Uhr. Vor zehn Minuten hätte sein Kontaktmann eintreffen sollen. Er winkte dem Kellner und bestellte noch einen Wodka. Es war der vierte. Augenblicke später stand das klare, kalte Getränk vor ihm.

„Sie sollten nicht so viel trinken.“

Nazar zuckte zusammen. „Sie hätten schon viel früher hier sein sollen“, entgegnete er.

„Der Verkehr. In London gibt es kein Durchkommen. Nun zum Geschäft. Steht der Deal? Die Hälfte des Geldes ist vereinbarungsgemäß hier.“

„Setzen sie sich. Wir müssen noch einiges abklären.“

Dorney Lake

Eine leichte Brise wehte über dem Dorney Lake und nur einige Schäfchenwolken tummelten sich am ansonsten blauen Himmel. Elf Uhr. Gleich würde es losgehen.

Die Boote lagen ruhig im Wasser und konzentriert wartete der Deutschlandachter auf das Startsignal. Monatelang hatten sie sich auf diesen Augenblick vorbereitet. Olympia 2012 in Großbritannien.

Ihnen war die linke äußere Bahn zugeteilt worden. Neben ihnen Kanadier, die Australier und die Niederländer. Es würde ein hartes Rennen werden. Deutschland und Kanada galten als Favoriten.

Christoph Kleine, der Schlagmann, schwor die Mannschaft noch einmal ein, alles zu geben. „Wir werden gewinnen, wenn jeder alles gibt. Ab der 1000 Metermarke sollen die anderen nur noch unser Heck sehen. Los, Jungs! Hauen wir rein!“

Das Startsignal ertönte.

„Und zieh! Und zieh!“, kam es vom Schlagmann und in dem von ihm vorgegebenen Rhythmus tauchten die Ruder ins Wasser. Vom Start weg wollten sie das Rennen kontrollieren und gleich Druck machen.

Die Startphase glückte sehr gut. Nach 300 Metern lagen sie gleichauf mit den Niederländern, dicht gefolgt von den Kanadiern. Die Australier lagen eine halbe Bootslänge hinter ihnen.

Wieder und wieder durchstießen die Ruder gleichmäßig die Wasseroberfläche und brachten die Boote auf eine Geschwindigkeit von annähernd 20 Stundenkilometern.

„Und zieh! Und zieh!“ Wieder und Wieder erfolgte die Anweisung Kleines. Er konzentrierte sich voll auf das Rennen. Aus den Augenwinkeln bemerkte er aber, dass die anderen Boote leicht zurückfielen. Jetzt nur nicht nachlassen.

Die 1000 Metermarke, die Hälfte der Regattastrecke, war erreicht. Der Deutschlandachter lag in Führung.

Kleine wollte gerade wieder seine Anweisung herausschreien, als das Boot plötzlich durchgerüttelt wurde, einen leichten Satz im Wasser machte und dann nach rechts ausbrach. Der Steuermann hatte keine Kontrolle mehr.

Mit voller Wucht prallten sie gegen die Kanadier, die ihrerseits das Niederländische Boot rammten. Lediglich die Australier, die mittlerweile eine volle Bootslänge abgeschlagen waren, konnten der Karambolage ausweichen.

Die Besatzungen der drei anderen Boote fanden sich, nach Luft schnappend, im Wasser wieder.

Ein Aufschrei ging durch die Zuschauermenge. So etwas hatte es noch nicht gegeben. Blitzlichter flammten auf und Reporter sprachen aufgeregt in Richtung ihrer Kameras.

Schnell liefen die Offiziellen zum Ufer des künstlichen Sees, um die zum Land schwimmenden Athleten zu empfangen.

Kleine rief den Australiern, die wie versteinert in ihrem Boot saßen zu, dass ein Gegenstand gerammt worden wäre. Umständlich drehte das niederländische Boot und hielt auf die Bahn der Deutschen zu.

Kleine sah, dass der australische Schlagmann ins Wasser griff und die übrigen Ruderer anschließend langsam auf das Ufer zuhielten. Er konnte nicht erkennen, was der Australier da gepackt hatte.

Schnell schwamm er, wie die anderen gekenterten Athleten zum Ufer, wo ihnen schon Hände entgegengestreckt wurden, die sie aus dem Wasser zogen. An Land wurden den tropfnassen Sportlern Decken gereicht.

Gespannt beobachten Zuschauer und Athleten das australische Boot, das sich langsam dem Ufer näherte. Der australische Schlagmann, der eine Hand immer noch über den Süllrand des Bootes hielt, war kreidebleich. Seine Mannschaftskollegen ruderten langsam und vorsichtig.

Alle wirkten erschüttert.

Und das, was vom australischen Schlagmann dann ans Ufer gereicht wurde, ließ auch die übrigen Athleten und Offiziellen erbleichen. Schnell legte man eine Decke über die tropfnasse Gestalt, die leblos im Gras lag.

„Ein Arzt! Holt doch jemand einen Arzt!“ Aufgeregt sah Kleine  in die Runde. Endlich sah er den Mannschaftsarzt der Kanadier auf das Ufer zulaufen.

„Was ist passiert? Hat sich jemand verletzt?“ Der Kanadier hatte nur den Zusammenstoß gesehen, nicht aber, wie es dazu gekommen war.

„Kommen sie! Schnell!“ Kleine zeigte auf die bedeckte Gestalt.

Der Mediziner kniete sich neben den Körper und hob die Decke leicht an. Sekunden später ließ er sie wieder zurück fallen.

„Die Polizei muss verständigt werden.“ Er flüsterte fast.

„Ist schon unterwegs.“ Ein Mitarbeiter des Olympischen Komitees hielt sein Handy in die Höhe und zu den mittlerweile zahlreichen Sicherheitskräften gewandt: „Sorgen sie dafür, dass die Meute da nicht zu nahe kommt.“

Eine Gruppe Journalisten rannte mit gezückten Kameras und Aufnahmegeräten auf sie zu, wurde aber, wie angewiesen, zurückgehalten.

„Und jetzt? Was machen wir jetzt?“ fragte ein niederländischer Betreuer, dem die Tränen in den Augen standen.

„Die Polizei sagte, wir sollen nichts anrühren und alle hier bleiben. Sie werden so schnell wie möglich bei uns sein.“

Dankbar nahm Kleine den Becher mit heißem Tee entgegen. Er zitterte leicht.

Die deutschen Ruderer standen etwas abseits und konnten nicht erkennen, um wen es sich bei dem Toten handelte.

Scotland Yard

Chiefinspektor Horatio Holmes saß in seinem Büro und schaute sich die Judowettkämpfe an. Er war ein begeisterter Fan der Kampfsportart und ließ keine Berichterstattung darüber aus.

„Horatio.“ Inspektor Berrent betrat sein Büro. „Hast du die Akte vom Bankraub letzten Donnerstag hier? Hey was siehst du dir denn an?“

Berrent trat hinter Holmes.

„Judo. Ich liebe diesen Sport. Bin seit zehn Jahren in ´nem  Verein, aber zu Wettkämpfen reicht es nicht. Aber, was diese Jungs hier gerade abliefern, das ist einfach traumhaft.“

„Aha. Judo. Ist nichts für mich. Ich bin Fußballfan. Machester City. Ich hab sogar Dauerkarten für mich und meinen Sohn. Wir sind bei jedem Heimspiel da. Und auch bei einigen Auswärtsspielen.“

Holmes wollte gerade seine Meinung zu Fußball äußern, als das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte. Er stellte den Ton des Fernsehers leiser.

„Holmes. Ja, ich verstehe. Gut, bin sofort unten.“

Holmes seufzte und schaltete das Fernsehgerät aus.

„Eine Leiche am Dorney Lake. Während eines Ruderwettkampfes haben sie da eine Leiche gefunden. Ich muss sofort los. Die anderen warten schon unten im Fahrzeug.“

Bedauernd schaute er noch einmal in Richtung des ausgeschalteten Fernsehers und verließ dann zusammen mit seinem Kollegen das Büro.

Dorney Lake

Kleine hatte seinen Tee noch nicht vollständig getrunken, als die Beamten auch schon angekommen waren.

„Ich bin Chiefinspektor Horatio Holmes von Scotland Yard. Und nein, ich bin nicht mit Sherlock verwandt.“ Offensichtlich gebrauchte er diese Begrüßung und Erklärung oft, denn sie kam ihm flüssig von den Lippen. „Wo ist die Leiche?“

Der kanadische Arzt zeigte auf die Decke, unter der sich ein menschlicher Körper abzeichnete.

„Dr. Watson, was haben wir hier?“ Holmes sah die Anwesenden streng an, so dass niemand auch nur auf die Idee kam nachzufragen oder zu schmunzeln.

Der Gerichtsmediziner begann sofort mit seiner Arbeit und kniete sich neben die Leiche.

„Sie“, Holmes zeigte auf den immer noch vor Kälte und Anspannung zitternden Kleine. „Kommen Sie mit. Und kann mir bitte jemand einen Tee bringen?“

Er entfernte sich mit Kleine einige Meter von den anderen, zückte Notizblock und Kugelschreiber und sah Kleine an. „Wer sind Sie und was ist hier genau geschehen?“

„Mein Name ist Christoph Kleine und ich bin Schlagmann des deutschen Achters. Was geschehen ist? Wir sind ungefähr bei Meter 1000 gegen diesen Mann da gekracht. Wir waren mit fast 20 Stundenkilometer Geschwindigkeit unterwegs.

Wir… Ich hab ihn nicht gesehen. Alles war wie immer, bei einer Regatta. Was hat der Kerl im Wasser zu suchen? Ich…“ Kleine versagte die Stimme. Er war fest davon überzeugt, dass der Mann durch den Zusammenstoß mit dem Boot ums Leben gekommen war.

Copyright © 2012 by Becca Raven (Barbara Wegener)

Wer wissen will, wie es weitergeht, kann den folgenden Titel als ebook bestellen:

Im Schatten der Medaille #4 – Schlag auf Schlag  (ebook)
ISBN-10: 3-8450-0831-8
EAN:     9783845008318
Erschienen: 24.07.2012
Verlag: Satzweiss.com-chichili agency
Medium EPUB

Titel bei amazon.de


Auch als Gesamtausgabe erhältlich:

Im Schatten der Medaille #1-8 – Gesamtausgabe (ebook)
eBook
Medium: EPUB
ISBN-10:     3-8450-0839-3
EAN:     9783845008394
Erschienen:     24.07.2012
Verlag:     Satzweiss.com-chichili agency
Einband:     EPUB
Sprache(n):     Deutsch
Erschienen bei:     Satzweiss.com-chichili agency
Medium:     EPUB
Titel bei amazon.de

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SYLVESTERFEIER – Eine Kriminalkurzgeschichte von Barbara Wegener (sfb-Preisträger Platz 3 im Storywettbewerb 4/2012)

Erstellt von Barbara Wegener am 11. Oktober 2012

SYLVESTERFEIER

Eine Kriminalkurzgeschichte

von

Barbara Wegener

Vier Stunden hab ich in der Küche gestanden und das Essen gekocht. Zwanzig Minuten hat es gedauert, bis sie es in sich hineingeschaufelt haben.

Der Mund wurde abgewischt, man hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht und lässt sich von mir weiter bedienen. Kein „Danke“, kein „das hat gut geschmeckt“. Ich könnte…

Naja, egal. Ich muss erst einmal den Tisch abräumen, das Geschirr in die Spülmaschine packen, das Chaos in der Küche beseitigen und dann werde ich mir auch etwas Ruhe gönnen.

Was murmelt Schwiegermutter ihrem Mann da zu? Ich sehe aus, als wenn ich zu oft feiern gehen würde? Und meine Kleidung ist für eine Frau meines Alters zu jugendlich?

Warum sehe ich wohl so müde aus? Weil ich seit drei Tagen, seit mein Mann freudestrahlend erklärt hat, dass seine Eltern mit uns Sylvester feiern wollen, herumgewirbelt bin, um das Haus so sauber zu haben, dass Schwiegermutter nichts zu meckern hat.

Und meine Kleidung? Die geht sie doch wohl überhaupt nichts an. Soll ich mich etwa in ein Korsett zwängen und in einem engen Schneiderkostüm rumlaufen? So alt bin ich doch wirklich noch nicht. Und mein Mann tut so, als ob er nichts gehört hätte. Typisch!

So. Die Küche ist wieder sauber. Jetzt werde ich mir ein gutes Glas Wein gönnen.

„Liebling, meine Eltern haben grade beschlossen, heute Nacht hier zu bleiben. Ist das nicht toll?“

Mein Mann steht fröhlich neben mir in der Küche. Er ist glücklich und ich stehe am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Also kein Glas Wein, stattdessen auf in die obere Etage und die Gästebetten frisch beziehen und zusätzliche Handtücher ins Bad hängen.

„Habt ihr noch kaltes Bier?“ Schwiegervater steht unten an der Treppe. Warum fragt er nicht seinen Sohn? Der ist näher am Kühlschrank als ich. Und warum kann er nicht selbst die fünf Schritte gehen und sich ein Bier aus dem Kühlschrank holen. Also runter in die Küche.

„Bringst du mir ein Glas Mineralwasser?“ Natürlich hat Schwiegermutter gewartet, bis ich mich hingesetzt habe.

Wieder ab in die Küche, Mineralwasser und ein Glas geschnappt, ein Lächeln aufgesetzt und vor Wut an der Wohnzimmertür stehen geblieben.

Schwiegermutter fährt mit ihren Fingern über die obere Kante des Wohnzimmerschranks und überprüft, ob ich da oben Staub gewischt habe.

Sie sieht enttäuscht aus. Ihre Finger sind sauber geblieben.

Sie hat gesehen, dass ich ihre Aktion bemerkt habe, trotzdem scheint sie kein schlechtes Gewissen zu haben. Seelenruhig setzt sie sich neben ihren Mann und wartet, dass ich ihr das Wasser reiche.

Kurz vor elf. Endlich kann ich mich hinsetzen. Meine Füße brennen und langsam bekomme ich Kopfschmerzen. Trotzdem versuche ich weiter, meine Gäste anzulächeln. Mit mir unterhält sich niemand. Stattdessen werde ich gefragt, ob es nicht noch kleine Häppchen gibt.

Schwiegermutter meint mit belehrendem Ton, dass das doch wohl zu einer Sylvesterfeier gehört.

Ich koche vor Wut. Die Drei glauben wohl, dass ich hier nur die Bedienung wäre. Gut. Sie sollen ihre Häppchen bekommen. Ich habe da etwas ganz besonderes für sie.

Um kurz nach elf bin ich wieder im Wohnzimmer und stelle eine Platte mit Canapés auf den Tisch. Wie ausgehungert stürzen sie sich auf die Häppchen, dabei haben sie beim Abendessen auch schon mächtig zugeschlagen.

Niemanden fällt auf, dass ich mir nichts nehme.

„Ich hole schon einmal den Sekt und die Gläser, damit wir nachher auf den Jahreswechsel anstoßen können.“ Nur Schwiegervater nickt, die Übrigen vertilgen die letzten Brotscheiben.

Einige Minuten später kommt Schwiegervater in die Küche. Er ist sehr bleich.

„Krankenwagen“, stammelt er. „Herzinfarkt.“ Dann bricht er zusammen.

Ich steige über seinen Körper und gehe ins Wohnzimmer. Schwiegermutter und mein Mann liegen, mit weit offenen Augen, auf dem Teppich.

Ich beuge mich hinunter und untersuche sie. Kein Puls.

Auch Schwiegervater ist nicht mehr am Leben. Die drei haben mit den Häppchen so viel Digitalis zu sich genommen, dass auch ein ausgewachsener Elefant einen anaphylaktischen Schock bekommen und daran gestorben wäre.

Die Fingerabdrücke der Schwiegermutter sind schnell auf der Schüssel mit dem Thunfischaufstrich, dem Kochlöffel und dem Herzmittelfläschchen verteilt, das offene Fläschchen lege ich auf das Küchenboard über der Arbeitsfläche, so dass die letzten Tropfen in die Schüssel fallen.

Nun noch die mit weniger Digitalis präparierten Canapés gegessen und dann kann ich den Notarzt anrufen.

„Müller, Rotenstraße 12. Hilfe! Bitte kommen sie schnell! Vier Personen sind…“ Dann lege ich auf.

Ah! Mitternacht. Ich öffne die Haustür, nehme mein Glas Sekt und proste mir vor dem Spiegel lächelnd zu.

„Ein frohes neues Jahr.“

Dann lege ich mich mit dem Telefon in der Hand neben die geöffnete Tür, schließe die Augen und warte.

Copyright © 2012 by Barbara Wegener

Wer mehr von dieser Autorin lesen möchte sollte sich mal dieses eBook anschauen:

Ewige #1
von Barbara Wegener

eBook
Medium: EPUB
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Produktdetails
ISBN-10: 3-8450-0592-0
EAN: 9783845005928
Erschienen: 10.01.2012
Verlag: Satzweiss.com-chichili agency
Einband EPUB
Sprache(n): Deutsch
Erschienen bei: Satzweiss.com-chichili agency
Medium: EPUB

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EWIGE – Fantasyroman von Barbara Wegener (Leseprobe)

Erstellt von Barbara Wegener am 15. Januar 2012

Ewige

Fantasyroman

von

Barbara Wegener

(Leseprobe)

Prolog

Zwei rote Monde tauchten das Lager in ein beklemmendes Dämmerlicht.

Es war endlich soweit. In dieser Nacht würde das Weibchen sich zusammen mit einem Diener auf den Weg machen.

Sie war fast zwei Köpfe größer als die beiden Männchen und auch ihre grünen Hautschuppen leuchteten heller im fahlen Licht der Monde. Natürlich würde ein Weibchen gehen. Ihre Magie war stärker und sie war für diese Aufgabe bestens vorbereitet.

Aber zunächst wollte sie sich noch stärken.

Zwei Schendal liefen diensteifrig zwischen den mit Ramphorenhaut bedeckten braunen Zelten und dem Lagerfeuer hin und her, brachten Schalen mit verschiedenen Speisen und Getränken, die ihnen wortlos von den drei Abyssern abgenommen wurden.

„Was glaubst du, wie lange du brauchen wirst?”, fragte eines der Männchen und sein Blick ruhte ehrfürchtig auf ihr. Ihm war die große Ehre bewusst, hier mit ihr speisen zu dürfen.

Und schon bald würde das Weibchen dafür sorgen, dass die neue Welt erobert werden konnte.

„Das wird nicht lange dauern. Unser Spitzel wird mir Morgen schon Informationen geben, wie ich diese Auserwählte finden kann. Das wird ein Kinderspiel.” Sie schnaubte verächtlich. „Was für minderwertige Kreaturen.”

„Du hat Recht”, antwortete das Männchen, das ihr gegenüber am Feuer saß und sich genüsslich eine Scheibe rohes Rhamphorenfleisch in den Mund schob. „Es gibt nur wenige unter ihnen, die über Magie gebieten. Und die, die es können, verbergen sich.”

Das Weibchen schloss kurz ihre Augen. „Ich spüre, dass der Spalt zwischen den Welten fast so weit aufgerissen ist, dass ich hinüberwechseln kann. Du!”, schrie sie einen der kleinen Schendal an und zeigte mit ihrer Krallenhand auf den kleinen Dämon. „Hol unser Gepäck. Es geht los.”

Der Schendal nahm seine langen, behaarten Arme beim Gehen zur Hilfe und eilte zu einem der Zelte. Er wollte seine Herrin auf keinen Fall erzürnen. Augenblicke später erschien er mit zwei großen Lederbündeln, die er sich auf seinen Rücken geschnürt hatte.

Gemeinsam traten sie an den See, in dessen Mitte der Spalt zwischen den Welten immer weiter aufklaffte.

Neubrandenburg

Beverly wuchtete zwei schwere Tüten, in denen sich die Einkäufe fürs Wochenende befanden, aus ihrem grünen BMW-Kombi.

Es war wieder einmal mehr geworden, als beabsichtigt. Sie seufzte. Aber an einigen der Sonderangebote konnte sie einfach nicht vorbeigehen.

Sie stellte die bunten Plastiktüten neben den Wagen auf den Betonboden der Garage ihres Einfamilienhauses und drückte auf die Fernbedienung. Ein leises Klicken ertönte und die Türen des Wagens waren verschlossen.

Seit zwei Jahren hatte sie die Möglichkeit, zuhause zu arbeiten. Das Anwaltsbüro, für das sie als Sekretärin arbeitete, schickte ihr ihre Arbeit ins Haus und ließ die bearbeiteten Akten auch wieder abholen. So sparte die Kanzlei einen Computerarbeitsplatz und sie konnte ihre Zeit frei einteilen und zwischendurch ihre Hausarbeit erledigen.

Es war ein heißer Sommernachmittag. Nur vereinzelte Schäfchenwolken zeigten sich am ansonsten hellblauen Himmel.

Beverly sah auf ihre viereckige Cartier-Uhr aus Gold. Ihr Mann Florian hatte sie ihr im letzten Jahr zum 15. Hochzeitstag geschenkt, kurz nachdem er zum Oberstaatsanwalt befördert worden war.

Noch eine Stunde, dann würde Dennis vom Schwimmtraining nach Hause kommen. Zeit genug, um das Abendessen vorzubereiten.

Dennis war neun Jahre alt und besuchte die vierte Klasse der Grundschule “Uns Hüsung” in Neubrandenburg. Er war eine wahre Wasserratte. Beverly war sich sicher, bei einer Kontrolle seiner Hände wären Schwimmhäute zwischen seinen Fingern zu finden.

Sie nahm die Tüten vom Boden auf und verließ die Garage.

Das Rolltor der Garage war fast geschlossen, als die Haustür plötzlich aufschwang und Florian mit besorgter Miene erst zu ihr herübersah und dann die Straße aufmerksam absuchte.

Wieso war ihr Mann jetzt schon zuhause?

Warum sah er so beunruhigt aus?

Sie dachte an die letzten Wochen zurück. Florian hatte sich äußerst merkwürdig verhalten. Er schlief unruhig, träumte schlecht, aß sehr wenig, ließ sich von ihr immer erklären wie sie sich ihren Tagesablauf vorstellte, wollte wissen wohin sie gehen wollte und mit wem.

Sie erklärte sein Verhalten mit dem Stress, den seine Arbeit momentan mit sich brachte.

Na, einen Vorteil hatte sein frühes Erscheinen. Sie brauchte den schweren Einkauf nicht alleine ins Haus tragen.

„Wo warst du? Du hast mir heute Morgen nicht gesagt, dass du zum Einkaufen willst. Ich habe mir Sorgen gemacht”, fuhr er sie merkwürdig gereizt an.

„Was hast du denn jetzt schon wieder? Muss ich jetzt über alle meine Schritte Rechenschaft ablegen? Ich bin doch kein kleines Kind. Hilf mir lieber. Die Hähnchen müssen schnell in die Gefriertruhe. Bring sie bitte gleich runter!”

Beverly war etwas verärgert. Trotz allem Verständnis für seine berufliche Situation fand sie, dass ihr Mann jetzt etwas zu weit ging.

Gemeinsam brachten sie alles ins Haus. Beverly drückte Florian den Transportbeutel mit den beiden Hähnchen in die Hand und er stieg die Kellertreppe hinab, um die gefrorenen Lebensmittel zu verstauen.

Beverly stellte die Taschen auf den Küchentisch und ließ sich dann erschöpft vom Einkauf und der Hitze des Tages erst einmal auf einen Küchenstuhl nieder.

Ihre Beine schmerzten und sie streifte die Schuhe ab. Ah, die kühlen Fliesen des Küchenfußbodens waren eine Wohltat für ihre geschwollenen Füße.

Mit ihren 47 Jahren fühlte sie sich heute sehr, sehr alt. Früher hätte mir die Sommerhitze bestimmt nichts ausgemacht, dachte sie und nahm sich vor, sich für einige Minuten unter den riesigen Sonnenschirm auf die Terrasse zu legen.

Florian kehrte in die Küche zurück. Er trug eine schwarze Stoffhose und ein weißes Hemd, dessen Ärmel er bis über die Armbeugen hochgeschoben hatte. Die oberen zwei Knöpfe hatte er geöffnet und die obligatorische Krawatte hing an der Garderobe.

Beverly fand, dass er trotz seiner 49 Jahre noch sehr sportlich und jugendlich aussah. Zumindest jugendlicher, als sie sich im Augenblick fühlte.

„Tut mir leid”, sage er und reichte ihr eine kühle Dose Cola light aus dem Kühlschrank. „Ich wollte dich nicht anschreien.”

Er trat hinter sie und massierte liebevoll ihren Nacken.

„Ich hab mir einfach nur Sorgen gemacht, weil du nicht hier warst und keiner unserer Freunde wusste, wo du dich aufhältst.”

Beverly drehte sich verärgert herum. „Du hast hinter mir her telefoniert? Was soll das denn schon wieder?”

„Sei bitte nicht wieder böse auf mich, aber man hört in letzter Zeit so viel von Überfällen und solchen Sachen. Ich bin wahrscheinlich überängstlich. Vergessen wir die ganze Sache, ja?”

Sie sah ihrem Mann zu, wie er die Lebensmittel in den Küchenschränken verstaute.

„Weist du was? Wir lassen uns heute eine Pizza kommen. Dann musst du nicht jetzt noch in der heißen Küche stehen und kannst dich einmal ganz und gar verwöhnen lassen. Was hältst du davon?”

„Das ist die beste Idee seit Tagen”, antwortete Beverly erfreut. Sie strahlte ihren Mann über das ganze Gesicht an. Ihr Ärger über sein Verhalten war fürs Erste verflogen.

„Na, dann leg dich mal ins Wohnzimmer auf die Couch. Ich werde mich um Dennis Hausaufgaben kümmern, bestelle das Essen, decke den Tisch und du kannst ganz entspannt lesen.” Er küsste sie sanft auf die Stirn.

„Das ist lieb von dir. Ich werde die Krimis, die mir Sylvana empfohlen hat, endlich lesen. Aber bei dem schönen Wetter gehe ich wohl doch lieber auf die Terrasse.”

Beverly wollte sich gerade auf den Weg dorthin machen, als Florian erschrocken rief: „Nicht auf die Terrasse! Bleib bitte im Haus!”

Beverly drehte sich um und sah ihren Mann verwirrt an.

„Was ist denn jetzt schon wieder daran auszusetzen, dass ich mich bei dem schönen Wetter auf die Terrasse setze? Du hast doch irgendetwas? Ist etwas los? Du benimmst dich in letzter Zeit wirklich sehr merkwürdig.”

„Aber Schatz, nichts ist los! Ich möchte nur nicht, dass du dir einen Sonnenbrand holst wenn du beim Lesen einschläfst. Bitte, tu mir den Gefallen und bleib im Haus, ja?”

Beverly zuckte mit den Schultern. Sie fühlte sich zu wohl bei der Aussicht den restlichen Nachmittag nur zu entspannen und sich ganz und gar den Krimis zu widmen, als dass sie Lust hatte mit ihm zu streiten.

„Na schön, wenn dein Seelenheil davon abhängt, bleibe ich halt drinnen”, seufzte sie, legte sich auf die Couch, nahm ihren ebook-Reader und klickte auf den Krimi Haruspex von Tina Sabalat, den ihr ihre Freundin schon vor Monaten ans Herz gelegt hatte.

„Sams Atem stockte, er erbleichte stärker – wahrscheinlich stellte er sich bildhaft vor, wie ich ihn umbrachte, aufschlitzte und wirre Worte in sein freigelegtes Gedärm murmelte. Dieser Gedanke ließ auch mich leicht schwindeln und ich beschloss, uns beide zu erlösen…“

Nach einer Weile hörte sie Dennis das Hause betreten. Anscheinend hatte Florian ihm gesagt, dass er sie nicht stören soll, denn Dennis lief ganz leise hoch in sein Zimmer.

Schön, wenn mich meine Männer heute mal verwöhnen wollen, mir soll es recht sein, dachte sie und klickte auf den nächsten Krimi:  Meret Vacano III von Andrea Meyer.

„Carlos rollte mit den Augen. Tränen liefen ihm die Schläfen hinunter. Ich strich ihm mit dem Latexhandschuh über die Stirn. „Es ist gleich vorbei“, sagte ich sanft. Das satte Gelb vermischte sich im Schlauch mit dem Rot zu einem Sonnenuntergangsorange. Aus Carlos Lunge stiegen Blasen durch die Farbe nach oben. Als nächstes nahm ich Lila…“

Die Krimis waren wirklich gut. Sylvana hatte nicht zu viel versprochen.
Beverly vergaß vollkommen die Zeit.

Erstaunt blickte sie auf, als Florian vor ihr stand, um sie zum Essen in die Küche zu holen. Sie hatte noch nicht einmal gehört, dass der Pizzabote geklingelt hatte.

Dennis war dabei den Küchentisch zu decken, als sie die Küche betrat.

Mein Gott, hab ich unseren Hochzeitstag vergessen?

Nein der war schon im Juni. Die Geburtstage sind auch schon vorbei…

„Hat irgendjemand ein schlechtes Gewissen? Haben wir etwas zu feiern, oder wieso werde ich heute von meinen beiden Männern so verwöhnt?”

„Können wir dir nicht auch mal ohne besonderen Anlass etwas Gutes tun?”

Florian lächelte verschmitzt.

„Sicher könnt ihr das. Ich freue mich ja auch riesig.”

Sie wollte sich setzen und Dennis rückte ihr, wie ein vollendeter Gentleman, den Stuhl zurecht.

„Wisst ihr, wir machen das jetzt jeden Tag. Ich pflege mich und ihr macht die Hausarbeit.”

Sie stibitzte eine lange, grüne Peperoni von Florian Teller.

„Typisch! Reicht man ihr den kleinen Finger, will sie gleich die ganze Hand! He, das ist meine Peperoni. Du hast deine eigene.”

„Du weißt doch: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und, schon vergessen? Ich werde heute von euch verwöhnt.”

Während Florian mit seinen Augen rollte, schob Beverly genüsslich ein Stück Pizza in ihren Mund.

Sie fand, dass der Tag ruhig so weiter gehen konnte. Mit Heißhunger verschlang sie ihr Abendessen.

„Sind die Hausaufgaben schon fertig?”, wollte sie nach einiger Zeit wissen.

„Alles erledigt. Papa hat sie kontrolliert. Ach so, morgen muss ich 4 Euro für den Wandertag nächste Woche mitnehmen. Nicht vergessen.”

„Ich leg dir das Geld in die Federtasche. Wo geht’s denn hin?”, fragte Florian.

„Wir fahren mit dem Zug nach Burg Stargard. Dort machen wir dann Picknick und gehen in den Tierpark. Das wird bestimmt ganz lustig. Ich nehme noch etwas Kleingeld mit. Dann kann ich Ziegenfutter aus dem Automaten ziehen. Mein Freund Tu sagt, das kitzelt, wenn die Ziegen einem das Futter aus der Hand lecken.”

Er hatte sein Abendessen bis auf den letzten Krümel vertilgt.

„So, bist du mit deiner Pizza fertig? Dann waschen, Zähne putzen, beten und ab ins Bett mit dir.”

Dennis gab seinen Eltern einen Gutenachtkuss und lief nach oben. Sie hörten den Wasserhahn im Badezimmer rauschen.

„Hast du Stress im Büro? Du benimmst dich in letzter Zeit so merkwürdig.”

Beverly sah ihren Mann forschend an.

Florian wand sich unter ihrem Blick.

„Es ist nichts. In ein paar Tagen ist alles wieder normal. Versprochen! Willst du noch etwas lesen, oder fernsehen?”, wich er ihr aus.

Beverly lies es seufzend dabei bewenden.

„Ich glaub ich rauch noch eine Zigarette und geh dann auch schlafen. Ich hab zwar den ganzen Nachmittag auf der Couch gelegen, aber diese unerträgliche Hitze macht einen ganz fertig. Was ist mit dir?”

„Ich muss noch eine Akte bearbeiten und komm dann auch nach oben.”

Er gab Beverly einen Kuss und verließ den Raum.

Sie zündete sich eine Zigarette an, räumte Teller, Gläser und Besteck in die Spülmaschine, faltete die Pizzaschachteln zusammen und drückte sie in den Müllbeutel.

„Schatz, kannst du morgen vor der Arbeit noch den Müll raus bringen?”, rief sie ihrem Mann zu.

Aus dem Arbeitszimmer war ein Murmeln zu hören, dass sie als Zustimmung deutete.

Die Küche war aufgeräumt, die Zigarette aufgeraucht und Beverly begab sich ins obere Stockwerk.

Im Bad wusch sie sich, putzte sich die Zähne und zog ihr kurzes, hellblaues Nachthemd an.

Gähnend verließ sie das Badezimmer und sah, dass unten im Arbeitszimmer noch Licht brannte.

„Mach nicht mehr so lange!”, rief sie nach unten.

„Ich komme gleich hoch, nur noch ein paar Seiten”, hörte sie ihn sagen.

In Dennis Zimmer war das Licht gelöscht. Sie blickte durch den Spalt der Kinderzimmertür, sah ihren Sohn friedlich schlafen, schloss leise die Tür, ging ins Schlafzimmer und legte sich in ihr Bett.

Müde, wie sie war, schlief sie sofort ein.

Copyright © 2012 by Barbara Wegener

Bildrechte: Coverillustration “Invasionsgeschichten1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wie die Geschichte weitergeht erfährt man hier:

Ewige #1
von Barbara Wegener

eBook
Medium: EPUB
Sofort per Download lieferbar.

Produktdetails
ISBN-10:     3-8450-0592-0
EAN:     9783845005928
Erschienen:     10.01.2012
Verlag:     Satzweiss.com-chichili agency
Einband     EPUB
Sprache(n):     Deutsch
Erschienen bei:     Satzweiss.com-chichili agency
Medium:     EPUB

Inhalt:
In einer fernen Dimension überwinden Dämonen die Barriere zwischen den Welten. Sie wollen auf der Erde die einzig Auserwählte finden, die allein in der Lage ist, die geplante Invasion zu verhindern. Derweil führt Beverly ein gutbürgerliches Familienleben. Das ändert sich schlagartig, als sie eines Nachts erfährt, dass ihr Mann ein Zaubermeister ist und sie selbst als die Auserwählte Magie erlangen soll, um die Welt vor den Dämonen zu retten.

Rezension:
Dämonen wollen eine Frau mit magischen Kräften töten, damit sie weiterhin die Welten wechseln können. Dann wechselt die Szene. Für Beverly, eine Mutter aus Neubrandenburg, ändert sich alles. Sie soll die Auserwählte sein – das ist doch unmöglich, oder? Wieso sind plötzlich so viele Leute hinter ihr her? Wer sind die Ewigen und was ist ihre Aufgabe? All diese Fragen stellt man sich. Damit ist der grandiose Auftakt zu einem neuen Fantasy-Roman der Autorin von Socken, Götter, Katzen und Dämonen gelegt. (Kundenrezension/Thalia.de)

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Socken, Götter, Katzen und Dämonen

Erstellt von Barbara Wegener am 28. November 2011

Zu meinem ebook:

Verkaufszahlen habe ich noch nicht. Gerade bekam ich aber folgenden Link mitgeteilt:

ebooks – Jahresbestsellerliste 2011

Ich bin begeistert von diesem Erfolg, zumal das Buch erst seit kurzer Zeit erhältlich ist.

Hier eine schöne Rezension, die in www.buecher.de abgedruckt ist:

„Eine wunderbare Kurzgeschichtensammlung voller Mysterien. Schon das Cover macht Lust, das Buch zu lesen. Denn genauso geheimnisvoll, wie das Cover wirkt, so spannend und amüsant sind die einzelnen Geschichten. Die Autorin hat einen spannenden und flüssigen Schreibstil und versteht es, die Geschichten nicht nur spannend, sondern auch amüsant zu erzählen.
Dieses Buch enthält 5 verschiedene Kurzgeschichten, in denen es um Verschiedenstes geht:
„Das geheimnisvolle Artefakt“ hat mir am Besten gefallen, da endlich das größte Mysterium der Menschheit gelöst wird.
“Das Manuskript” ist eine lustige Geschichte über den steinigen Weg von Autoren – und mehr.
In “Felix der kleine Held” hat ein Kater seinen großen Auftritt und macht Sherlock Holmes echte Konkurrenz.
Ein aktuelles Thema wird in die “Götter des Olymp” behandelt. Hochaktuell und mit mehr als einer witzigen Episode.
Eine melancholische Dämonenjägerin wird ihrem Schicksal in der gleichnamigen Kurzgeschichte begegnen.
In diesem Buch ist für jeden etwas dabei. Ich freue mich schon sehr darauf, mehr von dieser tollen Autorin lesen zu können.“

All diese Geschichten habe ich für Wettbewerbe im sfbasar geschrieben und hatte eigentlich überhaupt nicht vor, sie als Anthologie herauszugeben.

Ich bedanke mich beim sfbasar für den Anreiz die Geschichten zu schreiben und beim Verlag  Satzweiss.com – Chichili Agency für die Aufmunterung, sie als Sammlung zusammenzustellen und über die Agency zu veröffentlichen.

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SEKHMETS RÜCKKEHR – Teil 1 – “Die Skarabäen” Kapitel 1 – eine Fantasy-Fortsetzungsgeschichte von Barbara Wegener

Erstellt von Barbara Wegener am 22. Oktober 2011

SEKHMETS RÜCKKEHR

Teil 1

“Die Skarabäen”

Kapitel 1

eine

Fantasy-Fortsetzungsgeschichte

von

Barbara Wegener

„Es ist Zeit.“

Das Flüstern riss mich aus meinen Gedanken.

„Muss das wirklich sein? Noch nie habe ich mich so glücklich gefühlt wie hier.“

Ich hatte Angst. Fürchterliche Angst. Nichts war mehr so wie früher.

„Du musst gehen. Es ist vollbracht.“

Die Dunkelheit, diese wundervolle, heimelige Dunkelheit, wich einem Dämmerlicht. Langsam spürte ich meinen Körper. Ein tiefes, lautes Rumoren ließ mich zusammenfahren.

Hunger. Ich hatte Hunger.

„Geh. Du musst Nahrung zu Dir nehmen.“

Nahrung. Ich dachte an meine letzte Mahlzeit. So viel Zeit war vergangen. Blut. Ich hatte Blut getrunken. Damals. Ich musste mich angeekelt schütteln, als ich daran dachte. Wie merkwürdig. Ich hatte diesen Trunk immer genossen. Und jetzt? Vater. Er hatte mich in diese Höhle gebracht, als ich ihm zu mächtig wurde. Wie viel Zeit wohl vergangen war?

Langsam kehrten meine Erinnerungen zurück.

Sekhmet, die Mächtige, die Herrin des Zitterns, hatte mich erhoben. Ich wurde nicht getötet wie andere Menschen, sondern durfte mich ihr anschließen. Wir waren zunächst nur eine kleine Gruppe. Tagsüber schliefen wir in den herrlich dunklen Grabhöhlen der ehemaligen Herrscher, nachts dann labten wir uns gemeinsam am Blut des ägyptischen Volkes.

Dann war Sekhmet plötzlich verschwunden. Die Kräfte, die sie uns hinterlassen hatte, sorgten aber dafür, dass niemand uns aufhalten konnte.

Wir waren wie Götter. Unsere Macht wuchs stetig, so auch die Zahl unserer Anhänger. Sie brachten uns Menschen, deren Blut wir trinken konnten. Die treuesten unserer Anhänger verwandelten wir in unseresgleichen.

Dann kam der Tag, der alles veränderte.

Mein Vater und die übrigen Priester hatten unsere Schlafstätten entdeckt. Ich hörte die Schreie der Brüder und Schwestern. Die Priester hatten Feuer in den Höhlen gelegt. Das einzige Mittel, uns zu vernichten. Ich konnte nicht helfen. Die Sonne stand noch am Himmel und ihre Macht war genauso verheerend für einen Vampyr, wie das Feuer. Dann hörte ich sie kommen. Mit Fackeln in den Händen stürmten sie meinen Unterschlupf. Es waren zu viele Gegner für mich. Zumindest, bis die Nacht hereingebrochen war. Dann hatte ich meine volle Macht. Ich blickte in das harte, entschlossene Gesicht meines Vaters. Mir war klar, dass ich keine Gnade erwarten konnte, also versuchte ich nicht, um mein Leben zu flehen.

Sie stürzten sich aber nicht mit ihrem Feuer auf mich. Reglos blieben sie in einem Halbkreis vor mir stehen und warteten.

Dann, ich hoffte schon, dass sie mich meiner Kräfte wegen verschonen würden, öffnete sich die Menschenmauer und eine geöffnete schwarze Holzkiste wurde vor mich geschoben.

Erstaunt blickte ich meinen Vater an. Aber sein Gesicht zeigte keine Regung. Er zeigte lediglich auf die Kiste.

„Steig hinein!“

Was sollte das? Nun, wenn sie meinten, mich in solch einem zerbrechlichen Behältnis gefangen halten zu können, sollten sie sich wundern. Zwei Priester trieben mich mit ihren Fackeln auf die Kiste zu. Mir blieb nichts anderes übrig, als hinein zu steigen. Diese Unverschämtheit würden sie bald bereuen. Ich spürte, dass der Sonnenuntergang nicht mehr lange auf sich warten ließ. Mit einem lauten Poltern schloss sich der Deckel. Dann spürte ich, dass die Kiste angehoben wurde.

„Beeilt Euch!“, hörte ich Vaters gedämpfte Stimme rufen „Bald geht die Sonne unter und wir haben noch einen weiten Weg vor uns.“

Ja. Bald geht die Sonne unter und ihr werdet für euren Frevel blutig bezahlen. Die Kiste wurde auf einen Pferdewagen gehoben und schon setze er sich in Bewegung. Nicht mehr lange und meine Zeit war gekommen. Ich spürte meine Kräfte wachsen. Der Wagen hielt an und die Kiste wurde heruntergehoben.

Ich roch drei Menschen. Roch ihre Anstrengung, roch ihre Angst. Recht so. Die Angst war berechtigt. Nur noch wenige Minuten und ich war frei. Und sie mein Frühstück.

Die Kiste wurde abgesetzt und die Menschen entfernten sich.

Es war soweit.

Die Sonne war untergegangen und ich verfügte über meine vollen Kräfte. Ohne Anstrengung konnte ich die Kiste öffnen und heraus steigen. Ich befand mich in einer großen Höhle. Vor der kleinen Öffnung standen die drei Menschen und schienen abzuwarten. Sie warteten offenbar auf ihren Tod. Gut. Sollte er ihnen zuteil werden.

Ich fletschte meine Zähne und stürzte mich auf die Frevler. Und wurde von einer unsichtbaren Wand zurück geworfen. Irritiert hörte ich das erleichterte Aufatmen der Menschen.

„Der Weise Mann hatte also Recht. Aus dieser Höhle kann kein Vampyr entkommen. Lasst uns gehen. Wir haben das Übel besiegt.“

Ohne mich noch einmal anzusehen drehten sie sich um und gingen zurück zu ihren drei Pferdewagen, die in wenigen Metern zur Höhle standen. Ich wollte ihnen hinterher rufen. Wollte bitten, flehen, drohen. Doch kein Laut drang über meine Lippen.  Der Eingang zur Höhle wurde kleiner und kleiner. Trotz meiner scharfen Augen konnte ich nichts erkennen.

Dann überfiel mich bleierne Müdigkeit.

Ich fiel in einen tiefen Schlaf, aus dem ich von Zeit zu Zeit aufschreckte, wenn die Albträume von meinen Untaten keinen Schlaf mehr zuließen. Aber auch die Albträume verschwanden.

Ich verlor jegliches Zeitgefühl. Aber ich bemerkte, dass sich mein Körper veränderte. Was genau mit mir geschah, kann ich nicht sagen. Ich verspürte keinen Hunger. Die Höhle nährte mich. Alles Körperliche viel von mir ab. Mir blieben nur meine Gedanken.

Fünf tausend Jahre nur Gedanken.

Dann kam das Flüstern.

„Geh. Sekhmet ist zurückgekehrt. Suche die, die so sind wie du und vernichte die verderbte Brut der Herrin des Zitterns. Begleiche Deine Schuld. Erfülle Dein Schicksal. “

Der Eingang zur Höhle, der seit tausenden Jahren verschlossen war, öffnete sich.

Helles Tageslicht flutete in die Höhle und nahm mir für Augenblicke die Fähigkeit zu sehen.

Die Hitze des Tages vertrieb die angenehme Kühle, die ich jahrtausende gewohnt war. Trotzdem fröstelte es mich. Sekhmet war wieder zurückgekehrt. Das Grauen begann von neuem.

Ich verließ mit unsicheren Schritten die Höhle.

Zum ersten Male, seit fünftausend Jahren.

Und da sah ich ihn.

Er lehnte völlig entspannt an seinem dunkelroten Humer und grinste mich an.

Fünftausend Jahre hatte ich kein anderes Lebewesen erblickt. Und wen sah ich als erstes?

Eric. Ausgerechnet Eric.

Autsch! Das hat wehgetan.“

Ich rieb mir den Arm, gegen den Eric mich geboxt hatte.

„Ist doch war. Fünftausend Jahre Einsamkeit. Es gibt so viele gutaussehende, nette Männer auf dieser Welt. Und wer erwartet mich? Du!“ Ich grinste ihn an. „Tja. So hab ich ihn getroffen. Ehemaliger Vampyr und ehemaliger Werwolf begegnen sich in der Wüste.

Haben wir noch nen Kaffee?“

Ich hielt Steffi meinen Kaffeebecher hin. Steffi. Perle des Unternehmens. Ohne sie würden wir im Chaos versinken. Sie hatte stets Heftpflaster, Gute Ratschläge, tröstende Worte, Kaffee und Munition für unsere Waffen zur Hand. Außerdem hatte sie einen guten Draht zum Chef. Das war auch nicht zu verachten.

„Ich glaub, ich muss neuen kochen. Jens hat den letzten genommen und mal wieder vergessen neuen zu machen. Augenblick. Nicht weitererzählen. Ich will auch alles hören.“ Eilig verließ Steffi das Zimmer. Ihr hüftlanges, pechschwarzes Haar wehte wie eine Fahne hinter ihr. Immer erwartete ich, dass es in einer zuschlagenden Tür hängen blieb. Aber ihre Haare schienen ein Eigenleben zu führen. Kurz bevor die Türen sich schlossen, wellten und ringelten sie sich und Steff verließ unbeschadet jeden Raum.

Erstaunlich. Vielleicht sollte der Professor dieses Phänomen einmal untersuchen. Ich musste bei der Vorstellung lächeln, ihm diesen Vorschlag zu machen.

„Für wann hast du die Pizza bestellt?“ Fragend sah ich zu Eric hinüber, der mittlerweile lässig auf dem braunen Ledersofa im Erker des Raumes saß und in einem seiner heiß geliebten Mangas las.

„Für halb sieben. Ich hoffe, dass die andern dann schon zurück sind. Ansonsten müssen wir uns opfern und die doppelte Portion vertilgen.“ Er grinste mich an. „Ich sehe schwarz für Deine Hüften.“

Er hatte damit gerechnet, dass ich etwas nach ihm werfen würde und fing das Feuerzeug, das auf ihn zugeschossen kam, geschickt auf.

Steffi drückte die Tür mit ihrem Rücken auf. In ihren Händen hielt sie ein Tablett mit Kaffeekanne, Tassen, Zucker- und Milchdose. Und einem Computerausdruck.

Vorsichtig stellte sie das Tablett vor mir auf den niedrigen Glastisch.

Mit den Worten: „Das ist grade gekommen. Ich hab’s Dir ausgedruckt“, reichte sie Eric das Blatt Papier.

„Mist!“ Eric gab mir den Ausdruck. „Die Pizza können wir wohl abschreiben. Hoffentlich sind Janny und Sven bald da. Wir müssen sofort los.“

„Gelsenkirchen. Wir müssen also ins Ruhrgebiet. Ich sag schon mal in Trollenhagen bescheid, dass das Flugzeug fertig gemacht werden soll.“ Ich wählte die Nummer des Flughafens. Wie immer beschwerte sich Tobias, dass er nicht früher informiert wurde, wie immer würde das Flugzeug aber bereit sein, wenn wir am Neubrandenburger Flughafen ankämen.

„Ich mag diese kleine Maschine nicht“, beschwerte sich Eric.

„Du magst gar kein Flugzeug. So ein großer, starker Mann und hat Angst vorm Fliegen.“ Augenblicke später konnte ich mein Feuerzeug, das er mit Wucht zurückwarf, wieder einstecken.

„Dann werd ich wohl heute deine Geschichte nicht zu hören bekommen.“ Steffi seufzte. „Ich war schon so gespannt zu hören, wie du ein Werwolf geworden bist.“

„Wenn wir vom Einsatz zurück sind.“ Eric blickte ernst drein. „Falls wir jemals zurückkommen“, murmelte er fast unhörbar.

Ich musste innerlich lachen. Eric legte sich mit jedem Monster an, das ihm über den Weg lief. Aber vor dem Fliegen hatte er tatsächlich eine Höllenangst.

„Jemand zuhause?“ Svens tiefe Bassstimme dröhnte aus der Eingangshalle zu uns herauf.

„Wir haben den Pizzaboten vor dem Haus getroffen. Ich bekomm von jedem 12 Euro.“

Dann hörten wir polternde Schritte auf der Treppe und der Geruch nach frischer Pizza drang uns in die Nase.

Augenblicke später standen die Beiden vor uns. Sven, groß wie ein Bär, mit dichtem Bart und fast schulterlangen, braunen Haaren und Janny, zierlich wie eine Puppe, blond und fast kahl geschoren. Ein sehr ungleiches Paar, das aber eine innige Liebe verband.

„Mit dem Essen werden wir uns beeilen müssen. Ein neuer Auftrag.“ Eric wedelte mit dem Stück Papier, das Steffi ihm gereicht hatte. „Skarabäen in der Veltins-Arena. Wir müssen sie aufhalten, bevor sie noch irgendwen auffressen.“

„Die Viecher sind in nem Fußballstadion aufgetaucht? Ist ja mal was Neues.“ Genüsslich biss Janny in ein Stück Thunfischpizza. So leicht ließ sie sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

„Ich mag keine Krabbeltierchen. Die sind eklig“, nuschelte Sven mit vollem Mund.

„Du magst kein Tier, das kleiner ist als du“, neckte ihn Janny. „Du magst also gar keine Tiere.“

„Unsere Männer sind nun mal Angsthasen“, grinste ich und griff nach meiner Pizzaschachtel.

Schnell war die Pizza vertilgt und wir packten unsere Taschen für den Einsatz. Steffi hatte mittlerweile für das Taxi gesorgt, das uns zum Flughafen bringen sollte.

Es war früher Morgen und die Fahrt ging schnell voran. Binnen kürzester Zeit waren wir in Trollenhagen. Das Taxi fuhr auf den Sandparkplatz direkt neben der Rollbahn.

„Huhu, Toni! So früh schon auf den Beinen?“ Sven grüßte einen Plane-Spotter, der mit glänzenden Augen und einer Canon EOS1000D in den Händen an seinem schwarzen Mazda lehnte und unser Flugzeug beobachtete.

„Moin, Eric. Ich lass mir doch keine Dassault Falcon 2000 entgehen, wenn das Teil schon mal hier steht.“

Wir winkten Toni noch einmal kurz zu und stürmten dann über das Rollfeld zum Flugzeug, wo der Pilot schon ungeduldig auf uns wartete.

Ende

(wird fortgesetzt! – Das nächste Kapitel folgt voraussichtlich im November 2011)

Copyright © 2011 by Barbara Wegener

Gerade eben ist mein erstes ebook bei buecher.de erschienen! Zum Bestellen oder zum Informieren bitte kurz auf das Cover klicken!:

Produktinformation:
* Verlag: Satzweiss.com – Chichili Agency
* 2011
* ISBN-13: 9783845001838
* Best.Nr.: 33800300

Beschreibung:
Geschichten die unerwartet real werden, eine melancholische Dämonenjägerin, Katzen die eine Entführung aufklären, degenerierte Götter und ein geheimnisvolles Artefakt das schier unglaubliches zutage fördert. Das ist die spannend mystische Welt der Barbara Wegener!

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