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DIE MUTPROBE – Leseprobe (Teil 3) aus dem Roman: “Der Feenturm” von Aileen P. Roberts

Erstellt von Aileen P. Roberts am 28. März 2013

DIE MUTPROBE

Leseprobe (Teil 3) aus dem Roman:

“Der Feenturm”

von Aileen P. Roberts

.

Vom Sturm und Regen der letzten Nacht war am Morgen nichts mehr zu sehen. Heller Sonnenschein begrüßte Dana, als sie sich um kurz nach neun aus ihrem Schlafsack schälte und aus dem Zelt krabbelte. Marita schlief noch tief und fest, und auch in dem Zelt ihrer beiden neuen Bekannten regte sich nichts.

Die Berge erstrahlten in einem ganz besonders weichen Morgenlicht, leichter Nebel lag über dem östlichen Wald, und der Boden dampfte in der Sonne. Genüsslich schloss Dana die Augen, ließ diese kaum fassbare Ruhe auf sich wirken, die nur durch ein gelegentliches leises Schafblöken oder das Muhen einer Kuh unterbrochen wurde. Doch das waren alles natürliche Geräusche, die zu diesem Land passten und die friedliche Atmosphäre in keiner Weise störten.

Seit Dana denken konnte, hatten ihre Eltern immer abseits großer Städte gewohnt, und als Kind war das auch sehr schön gewesen, zwischen Wäldern und Feldern aufzuwachsen, aber später hatte es sie in die Stadt gezogen. Auch wenn sie in Neuss in einer ruhigen Wohngegend lebte, weil dort die Miete günstiger war, so war sie regelmäßig in den Clubs, Cafés und Diskotheken Düsseldorfs zu finden gewesen. Es gab eine gute S-Bahn-Anbindung in die Stadt, und mit Anfang zwanzig hatte sie diese Unabhängigkeit sehr genossen. Aber plötzlich, während sie hier in dieser Einsamkeit und Stille stand, wurde ihr bewusst, dass sie schon lange nicht mehr zufrieden gewesen war. Irgendetwas hatte sie gedrängt, ihr Leben zu verändern, hatte sie rastlos und kribbelig werden lassen.

Sie schlang die Arme um ihren Oberköper und hielt ihr Gesicht in die Sonne.

Ob es Jens hier auch gefallen hätte?, fragte sie sich unwillkürlich.

Über drei gemeinsame Jahre waren eine lange Zeit, und eigentlich war er ihr erster fester Freund gewesen. Die kurzen Beziehungen vorher waren nichts Ernstes gewesen, und der Liebeskummer hatte sich dementsprechend in Grenzen gehalten, nachdem diese kurzlebigen Beziehungen ein Ende gefunden hatten.

Aber dieses Mal hatte es sie eiskalt erwischt. Auch wenn sie sich dagegen wehrte, spürte sie, wie Tränen in ihren Augen aufstiegen. Eine Hand auf ihrer Schulter ließ sie jedoch herumfahren.

»Schön ist es hier, nicht wahr?« Marc lächelte sie an, dann zog er die Augenbrauen zusammen. »Alles in Ordnung mit dir?«

Eilig wischte sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel und nickte entschlossen.

»Klar. Dieses Morgenlicht ist überwältigend.«

Marc musterte sie skeptisch, dann machte er eine einladende Handbewegung.

»Alec kocht gerade Kaffee, möchtest du eine Tasse?«

»Ja, gerne.«

Sie folgte Marc zu seinem Zelt, wo Alec gerade Brot, Käse, Wurst und Butter auf den Campingtisch legte.

»Guten Morgen, Dana.«

Sein Blick wanderte zu ihrem kleinen Zelt.

»Ist deine Freundin noch nicht wach?«

»Nein, Marita ist ein Morgenmuffel.«

Mit einem dankbaren Lächeln nahm sie die dampfende Tasse entgegen.

»Aber sie mag es, mit Kaffee geweckt zu werden«, fügte sie augenzwinkernd hinzu.

Kurz stutzte Alec, schließlich überzog ein Grinsen sein Gesicht, und er machte sie mit einer weiteren Tasse auf den Weg zum Nachbarzelt.

»Was habt ihr heute vor?«, erkundigte sich Marc, nachdem sie eine Weile in stummem Einvernehmen an ihrem Kaffee genippt hatten. »Wollt ihr einen Tag relaxen oder etwas unternehmen?«

»Marita wohl eher Ersteres«, meinte Dana grinsend und zuckte mit den Schultern. »Eigentlich wollte ich mir die alten Brochs anschauen, die hinter Glenelg liegen. Vor allem, weil das Wetter so toll ist.«

»Gute Idee, Dun Telve und Dun Troddan sind sehr malerisch gelegen und äußerst interessante historische Gebilde. Alec und ich waren schon öfters zum Wandern in der Gegend und kennen uns dort gut aus.«

»Okay, prima«, freute sich Dana und blies in ihre Kaffeetasse, sodass heißer Dampf aufstieg.

***

Nachdem auch Marita endlich ihre ausgiebige Morgentoilette beendet hatte, setzten sie sich in Marcs altes Auto und fuhren die kurvenreiche, enge Straße in Richtung Glenelg. Hinter dem Örtchen bogen sie in eine noch schmalere Straße, und Marc fragte mit düsterer Stimme:

»Traut ihr euch überhaupt in die Brochs? In der Gegend erzählt man sich, es spukt dort.«

Marita riss die Augen auf, aber Dana meinte gelassen:

»In Schottland spukt es doch angeblich in jedem zweiten Haus.«

Das brachte Marc zum Lachen. »Na ja, ihr habt ja zwei starke Männer bei euch, die euch beschützen.«

»Ich glaube nicht, dass wir die nötig haben. Selbst ist die Frau!«, widersprach Dana.

Bald kam der erste Turm in Sicht, ein gewaltiges Bauwerk, das sich in einem von Schafweiden, Bäumen und Büschen umgebenen Tal befand.

»Das ist Dun Telve, er ist einer der besterhaltenen Brochs in Schottland.« Alec deutete nach links. »Nicht weit entfernt liegt Dun Troddan, der etwas mehr verfallen ist.«

Staunend blieb Dana stehen. Dieses Gebäude faszinierte sie auf Anhieb. Obwohl nicht mehr vollständig erhalten, war das Relikt aus alter Zeit an die zehn Meter hoch, aus dicken Steinen erbaut.

Eine Tafel am Eingang erklärte, dass Brochs wie dieser zwischen 2300 und 1900 Jahren alt waren. Dana sah auf und ließ ihren Blick über die grauen Steine schweifen, aus denen hier und da kleine Grasbüschel wuchsen. Für sie war es beinahe ein Wunder, wie ein so altes Bauwerk heute noch so gut erhalten sein konnte.

Als sie durch den gut zwei Meter hohen Eingang trat, kroch ihr eine Gänsehaut den Nacken empor. Ein Windhauch strich über sie hinweg, den sie eigenartigerweise nur an ihrem rechten Arm spürte. Unwillkürlich sah sie sich um, denn plötzlich fühlte sie sich beobachtet. Marita und Alec jedoch schäkerten miteinander,

und Marc war im Augenblick nicht zu sehen. Doch schon wurde Dana erneut von dem Bauwerk in seinen Bann geschlagen, und sie wunderte sich über die dicken Mauern, die tausende von Jahren überdauert hatten, obwohl es damals nicht einmal Errungenschaften wie Beton oder Mörtel gegeben hatten. Perfekt fügten sich die grauen Steine ineinander und trotzten auch heute noch Wind und Wetter. Der Broch bestand im Prinzip aus zwei Türmen, einem äußeren, der die dicke Außenhülle bildete, und einem inneren Turm, der die massiven Innenwände formte.

Beide Außenwände neigten sich leicht zueinander, wodurch sie sich gegenseitig abstützten. In dem so entstehenden Hohlraum verliefen Verstrebungen, die laut der Infotafeln als Schlafkammern oder als Versorgungsgänge gedient haben mochten. Auch die Treppe in den ersten Stock war noch erstaunlich gut

erhalten. Ehrfürchtig stieg Dana hinauf, setzte vorsichtig einen Fuß nach dem anderen auf die ausgetretenen Stufen und blieb dann auf dem östlichen Teil der Außenmauer stehen, die sich jetzt nur noch etwas mehr als mannshoch vom grasbewachsenen Innenraum abhob. Die Sonne strahlte so hell vom Himmel, dass es beinahe schon ihren Augen wehtat, aber trotzdem genoss Dana die Wärme auf ihrem Gesicht.

»Und, gefällt’s dir?« Sie zuckte zusammen, als Marc sie am Rücken berührte.

»Ja, ich finde es sehr beeindruckend.« Sie setzte sich auf die Mauer und ließ ihre Beine in die Tiefe baumeln, betrachtete den Innenraum des Turmes und schätzte seinen Durchmesser auf gute acht Meter. »Ich wünschte, ich könnte sehen, wie die Menschen damals gelebt haben.«

Irgendetwas streifte sie im Nacken, und sie wollte Marc schon zurechtweisen, da sie dachte, er wäre es, aber dann sah sie, dass er ebenfalls in die Tiefe blickte und mit einem Grashalm herumspielte. Er hatte sie also nicht berühren können. Verwirrt schaute sie sich um, aber auch Marita und Alec spazierten in einiger Entfernung um den Turm herum.

»Ja, das wäre interessant«, stimmte Marc zu, »obwohl das sicher damals harte Zeiten waren, und ich glaube nicht, dass es modernen Menschen wie uns gefallen würde, so primitiv zu leben.«

»Vermutlich nicht.« Dana lehnte sich zurück, legte die Hände unter ihren Kopf und sah in den Himmel. »Aber für einen Tag würde ich das schon gerne mal ausprobieren.«

Marc lachte hell auf. »Ohne Heizung, ohne fließendes Wasser, kein anständiges Bett und nicht einmal eine Toilette. Ich glaube eher, du würdest mit fliegenden Fahnen zurück zum Campingplatz kommen.«

»Hältst mich wohl für eine verweichlichte Tussi?«

»Nein, aber ich kenne die Mädchen«, brüstete sich Marc. »Die finden es immer super romantisch im Freien zu schlafen, und am Ende gibst du ihnen deinen dicken Schlafsack, deinen Pullover und frierst dir selbst den Hintern ab.«

Empört fuhr Dana auf. »Ach ja? Ich würde sogar ganz allein hier unter freiem Himmel schlafen.« Trotzig schob sie ihr Kinn vor.

»Na klar!«, lachte Marc, wobei er den Kopf schüttelte. »Spätestens wenn es dunkel wird, bekommst du doch Angst.«

»Wetten nicht!« Dana hielt ihm die Hand hin.

»Hey, ich wollte dich doch nur aufziehen«, meinte Marc.

»Jetzt komm schon, lass uns wetten, dass ich, ohne zu murren und ohne Angst zu bekommen, eine Nacht im Turm verbringe.«

Marc schürzte die Lippen und musterte Dana abwägend. »Und um was willst du wetten?«

»Keine Ahnung.« Dana dachte nach. »Wenn ich gewinne, nehmt ihr Marita und mich mit auf die Isle of Skye und spendiert uns ein Abendessen. Ansonsten bezahle ich.«

»Na gut, ich freue mich schon auf ein leckeres Festmahl«, erwiderte Marc, dann ging er mit seinem Handy suchend herum. »Hm, hier ist kein Empfang. Wenn ich dich heute Nacht abholen muss, sieht es schlecht aus.«

»Musst du sowieso nicht.«

»Und wenn der Turmgeist kommt!« Marc breitete seine Arme aus und riss die Augen weit auf.

Dana hob die Schultern. »Dann schicke ich ihn zu euch zum Campingplatz.«

»Warte.« Marc suchte die gesamte Gegend ab und winkte schließlich triumphierend. »Von hier aus kannst du zumindest eine SMS absenden.« Er lächelte sie an. »Ich will ja nicht, dass dir etwas passiert.«

»Was habt ihr denn ausgeheckt?«, wollte Marita wissen, als sie und Alec zu ihnen stießen.

»Eine Wette«, erklärte Dana.

»O nein, du und deine Wetten«, stöhnte Marita, dann wandte sie sich an die jungen Männer. »Einmal hat sie verloren und ist zwei Monate lang mit blau gefärbten Haaren durch die Schule gelaufen.«

»Na ja.« Marc stützte sich auf die Schulter seines Freundes.

»Wenn sie verliert, ist uns ein fürstliches Essen gewiss.« Er erzählte von ihrer Abmachung, und Marita riss erschrocken die Augen auf.

»Du willst hier ganz allein übernachten? Das ist doch gruselig!«

»Ich habe keine Angst«, versicherte Dana, das Kinn energisch vorgereckt, wenngleich ihr schwante, dass sie das später anders sehen mochte. Aber sie würde sich lieber die Zunge abbeißen, als sich jetzt eine Blöße zu geben. Außerdem reizte sie die Vorstellung, wenn auch auf eine ihr unerklärliche Weise, eine Nacht in diesem historischen Gebäude zu verbringen, an einem Ort, an dem vor Tausenden Jahren schon Menschen gelebt hatten. Vielleicht gelang es ihr, etwas von der Atmosphäre einzufangen, die diese vergangene Epoche ausgemacht hatte.

»Na gut, wenn du dir absolut sicher bist, hole ich deinen Schlafsack und etwas zu essen vom Campingplatz.« Marc hob fragend die Augenbrauen, aber Dana nickte nur zustimmend.

»Wir können uns ja noch ein wenig die Gegend ansehen, abends gemeinsam etwas kochen und dann fahrt ihr zurück«, schlug sie vor.

Die anderen erklärten sich einverstanden, und so besuchten sie noch den zweiten Broch, fuhren anschließend die verlassene Straße einige Meilen weiter entlang und spazierten durch die wilde Heidelandschaft. Marc erklärte, es gebe noch einen weiteren Broch, den Dun Grugaig, aber von diesem sei kaum noch etwas übrig. Später, als sich die Abenddämmerung langsam über die Highlands legte, fuhr Marc rasch los, um Essen und Danas Sachen zu holen. Dann bereiteten sie Nudeln mit Tomatensoße auf ihren Gaskochern zu und hatten es sich dabei in der Ruine des alten Turmes bequem gemacht.

»Bist du wirklich sicher, dass du hier schlafen willst?«, erkundigte sich Mark noch einmal, nachdem sie gegessen hatten.

»Absolut.« Dana breitete ihren Schlafsack am Rand der Mauer aus, legte Taschenlampe und ihr Kopfkissen dazu und vergewisserte sich, dass sie noch genügend zu trinken hatte. »Ihr könnt jetzt gehen.«

»Ich könnte dir Gesellschaft leisten«, schlug Marc mit einem Grinsen vor.

»Na klar, damit ich die Wette verliere.« Dana zog ihn energisch an seinem Arm. »Ihr geht jetzt und holt mich morgen zum Frühstück ab.«

»Also für mich wäre das nichts.« Schaudernd blickte sich Marita um und zog ihren Pullover enger um sich.

»Was machst du denn, wenn es regnet?«

»Erstens hängt keine einzige Wolke am Himmel, und selbst wenn, kann ich im Eingang schlafen, dort ist es trocken.«

Marita, Marc und Alec packten ihre Sachen zusammen, dann verabschiedeten sie sich zögernd. Marc ermahnte sie: »Sei nicht stolz und schick eine SMS, falls du Angst bekommst.«

»Ja, ja, und jetzt verschwindet endlich«, grummelte Dana. Sie beobachtete ihre Freunde, die langsam zum Auto gingen, sich dabei aber immer wieder zu ihr umdrehten.

»Nein, ich tue euch nicht den Gefallen und komme doch mit«, murmelte sie, allerdings konnte sie ein Schaudern nicht unterdrücken, als das Auto abfuhr. Jetzt war sie allein – wirklich allein.

(…)

-Ende von Teil 3-

Copyright der Leseprobe (c) 2012 by Aileen P. Roberts (mit freundlicher Genehmigung des Verlages und im Auftrag der Autorin)

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Alltag-100-minus30-0.jpg” (Originaltitel: Alltag3.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Anmerkung der Redaktion: Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der erfährt es in diesem Buch der Autorin, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:

Roberts, Aileen P.
Der Feenturm

Roman

Verlag :      Goldmann Verlag
ISBN :      978-3-442-47711-1
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,99 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 14.08.2012
Seiten/Umfang :      640 S. – 20,6 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      20.08.2012

Medien :
Leseprobe(PDF)

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Als Dana bei ihrer Reise durch Schottland auf eine verfallene Turmruine stößt, fühlt sie sich sofort angezogen von dem Ort und seiner mystischen Stimmung. Sie verbringt die Nacht dort und ihr erscheint der Geist von Rionach, einer Piktenkriegerin, die seit 2000 Jahren an diesen Ort gebunden ist. Verzweifelt bittet sie Dana um Hilfe: Nur, wenn die junge Frau sich bereit erklärt, für sie in die Vergangenheit zu reisen und ihren Tod zu rächen, wird Rionach Frieden finden. Dana zögert, glaubt zuerst an einen Traum – und lässt sich dann doch ein auf eine gefährliche, abenteuerliche Reise …

Aileen P. Roberts ist das Pseudonym der Autorin Claudia Lössl. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte sie vor einigen Jahren durch ihren Mann. Als dieser mit der Arbeit an einem Buch begann, beschloss sie, sich ebenfalls als Schriftstellerin zu versuchen. Seither hat sie bereits mehrere Romane im Eigenverlag veröffentlicht, 2009 erschien mit “Thondras Kinder” ihr erstes großes Werk bei Goldmann, danach folgten “Weltennebel” und “Feenturm”. Claudia Lössl lebt mit ihrem Mann in Süddeutschland.

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KOPF ODER ZAHL – Leseprobe (Teil 2) aus dem Roman: “Der Feenturm” von Aileen P. Roberts

Erstellt von Aileen P. Roberts am 9. Dezember 2012

KOPF ODER ZAHL

Leseprobe (Teil 2) aus dem Roman:

“Der Feenturm”

von Aileen P. Roberts

Am nächsten Morgen trat Dana gerade aus dem Duschblock, als Marita ihr mit einer Tüte voll Brötchen entgegenkam.

»Gute Nachrichten.« Marita setzte sich auf die Isomatte. »Der Typ von der Tankstelle hat gesagt, dass in zwei Stunden ein Bus auf die Isle of Skye fährt.«

»Ein Bus?«, fragte Dana. »Wir wollten doch zur Insel wandern.«

Marita sog die Luft ein und setzte zu einer Erwiderung an, doch Dana kam ihr rasch zuvor. »Schon okay, von mir aus.« Vielleicht war es eine gute Idee, Maritas Füße mal einen Tag lang zu schonen, sonst würde sie nur wieder herumjammern. Der stramme Westwind machte es ihnen nicht einfach, das Zelt abzubauen, doch bald hatten sie es verstaut und ihre Rucksäcke geschultert. Frisch gestärkt liefen sie zur Bushaltestelle in der Dorfmitte, aber plötzlich sah Dana etwas, das ihre Aufmerksamkeit erregte. An einer Abzweigung entdeckte sie ein Schild mit der Aufschrift »Pictish Brochs Glenelg 13 Miles«.

»Komm, was ist denn?«, drängte Marita.

»Diese Brochs würde ich mir gerne ansehen.« Dana wusste selbst nicht, warum, aber plötzlich verspürte sie das drängende Gefühl, jenen Ort aufzusuchen. Ihr Vater war Geschichtslehrer und hatte ihr öfters von den vielen Bauwerken aus der Zeit der Kelten erzählt. Obwohl sie schon einige Burgen und Steinkreise besichtigt hatten, ein Broch war bisher nicht dabei gewesen.

»Dreizehn Meilen!«, stöhnte Marita. »Wir wollten doch auf die Isle of Skye, und wenn wir den Bus verpassen, müssen wir laufen.«

»Ach komm schon, vielleicht nimmt uns ja wieder jemand mit.«

Skeptisch blickte Marita die einspurige Straße entlang, dann sah sie in der Karte nach. »Da hinten gibt es nur noch wenige Dörfer, da ist überhaupt nichts los. Diese dunklen Täler verschlingen uns doch einfach.«

Dana deutete auf eine knapp acht Meilen entfernte Markierung. »Dort ist ein Campingplatz, und wir könnten auch von Glenelg aus mit der Fähre auf die Insel übersetzen.«

»Aber wir hatten doch ausgemacht, mit dem Bus zu fahren!«

»Sei mal ein bisschen spontan, du bist ja schließlich noch nicht fünfzig!« Grinsend schob Dana ihre Freundin die Straße entlang.

»Meine Füße fühlen sich aber so an.«

»Okay, wir werfen eine Münze«, gab Dana nach. »Zahl bedeutet Glenelg Brochs, Kopf Isle of Skye.« Sie nahm ein Pfundstück, in das auf einer Seite, wie sie flüchtig bemerkte, ein keltisches Kreuz eingeprägt war, und warf es in die Luft.

Gespannt folgten Maritas Augen der Münze, aber plötzlich fuhren beide Mädchen herum, als sie ein lautes Motorengeräusch vernahmen und kurz darauf zischend Luft entwich.

»Der Bus!«, quietschte Marita, und schon rannte sie los.

Dank des schweren Rucksacks, und vermutlich nicht zuletzt wegen der Blasen an ihren Füßen, kam sie allerdings nicht schnell genug vorwärts, und offenbar bemerkte der Busfahrer ihr hektisches Winken nicht. Noch bevor sie die Haltestelle erreicht hatte, schlossen sich die Türen, und der Bus fuhr röhrend weiter.

»Verdammt!« Marita schlug mit der Hand gegen den Strommast, an dem der Fahrplan befestigt war, dann runzelte sie die Stirn. »Eigentlich hätte er erst in zehn Minuten abfahren sollen.

Als Dana sie schwer atmend erreichte, fragte sie: »Wann fährt denn der nächste?«

»Morgen Früh. Was ist denn das für ein Mist? Die können doch nicht einfach viel zu früh losfahren«, ereiferte sich Marita und machte dabei ein derart finsteres Gesicht, dass eine ältere Frau mit einem schwarzen Hund an der Leine anhielt.

»Kann ich euch helfen?«

»Der blöde Bus ist zu früh abgefahren!«

Die Frau lachte leise auf. »Normalerweise kommt er mindestens zwanzig Minuten zu spät, aber wie es aussieht, war Bill heute früher dran.« Gelassen hob sie die Arme. »Im Schnitt passt es dann wieder. Fragt doch mal an der Poststation nach, vielleicht nimmt euch das Postauto mit auf die Insel.« So als wäre alles gesagt, nickte ihnen die betagte Dame zu und tippelte weiter.

»Toll, die Nerven möchte ich mal haben«, knurrte Marita.

»So schlimm ist das doch auch nicht.« Dana nahm ihre Freundin am Arm. »Komm, dann sehen wir uns heute Glenelg an und fahren morgen weiter.«

Dana hielt nach ihrer Münze Ausschau, und nachdem sie sie gefunden hatte, fiel ihr Blick als Erstes auf das keltische Kreuz.

Strahlend hob sie das Geldstück auf. »Es war ohnehin Zahl!«

»Super, ich bin begeistert.« Missmutig stapfte Marita voran, und Dana war klar, dass sie sich heute den ganzen Tag über Maritas Genörgel anhören musste.

Tatsächlich begann sie, über unzuverlässige Fahrpläne, ein mangelhaftes System an öffentlichen Verkehrsmitteln und über Schottland im Allgemeinen zu schimpfen.

Dana bemühte sich, gar nicht zuzuhören, sondern genoss lieber die grandiose Landschaft mit den hohen, heidekrautbedeckten Bergen und die warme Sonne, die immer wieder durch die Wolken lugte. Nach ein paar Meilen wurde sie durstig, hielt an einer Straßeneinbuchtung an und trank aus ihrer großen Plastikflasche.

Marita hatte ihr Gebrummel inzwischen aufgegeben, lehnte allerdings mit verschränkten Armen an einem Felsen und schaute so düster auf den Meeresarm, als wäre dieser an allem schuld.

»Sieh mal, da kommt ein Auto.« Dana deutete die Straße hinab.

»Vielleicht nehmen die uns ein Stück mit.«

»Wahrscheinlich ist das wieder so ein Hühnerexpress oder am Ende dieser Transvestie-Bob.«

Dana konnte nicht anders und musste über ihre Freundin lachen, dann stellte sie sich trotz deren Einwände auf die Straße und winkte.

Das Fenster des rostigen, blauen Fords wurde heruntergedreht, und ein dunkler, lockiger Haarschopf kam daraus hervor. »Hi, kann ich euch helfen?«

»Meine Freundin ist etwas fußlahm, würdet ihr uns ein Stück mitnehmen?«

Der junge Mann, Dana schätzte ihn auf Mitte bis Ende zwanzig, nickte, und musterte sie beide interessiert. »Werft eure Rucksäcke in den Kofferraum.« Die Beifahrerseite öffnete sich, und schlagartig verschwand Maritas grantige Miene.

»Ich bin Alec.« Besagter Alec war mindestens eins neunzig groß, trug seine dunkelblonden Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und hatte einen Dreitagebart – womit er, wie Dana wusste, genau in Maritas Beuteschema fiel.

Und tatsächlich fuhr sie sich jetzt durch die Haare, lächelte kokett, als Alec ihr den Rucksack abnahm und hob viel sagend eine Augenbraue, nachdem er ihr auch noch die Tür öffnete.

Dana ließ sich auf den Rücksitz plumpsen und nahm die nicht mehr ganz saubere Hand des Fahrers an, als dieser sie begrüßte.

»Hi, ich heiße Marc.«

»Dana, meine Freundin heißt Marita.«

Marc schenkte ihr noch ein Lächeln – ein sehr sympathisches, wie sie zugeben musste –, dann fuhr er los. Abwechselnd erzählten die beiden von ihrer mehrtägigen Bergtour, die sie in Kintail gemacht hatten. Jetzt waren sie auf dem Weg zum Campingplatz in der Nähe von Glenelg, um sich dort einige Tage auszuruhen.

»Das passt ja hervorragend, dorthin wollten wir auch.« Marita stieß Dana grinsend in die Seite.

Die beiden Jungs, wie sich herausstellte, Medizinstudenten aus Glasgow, waren sehr offen und lustig, wobei Marc der größere Kindskopf und Spaßvogel zu sein schien. Alec dagegen wirkte etwas ruhiger, von Danas erstem Eindruck her jedoch ebenfalls nett.

Marc wies auf die wilde Berglandschaft. »Der Mam Ratagan ist mit seinen rund elfhundert Fuß einer der höchsten Bergpässe Großbritanniens.« Anschließend deutete er auf den dunkel schimmernden See zu ihrer Linken. »Dort unten liegt der Loch
Duich.«

Selbst Marita brachte jetzt ihre Bewunderung durch entzückte Ausrufe zum Ausdruck, denn der See bildete einen faszinierenden Kontrast zu den Bergen.

Nach kurzer Fahrt waren sie an der Moyle Park Campsite angelangt.

Der Campingplatz gehörte zu einer Rinder- und Schaffarm und war malerisch in einem von hohen Berggipfeln eingerahmten Tal gelegen. Die jungen Männer ließen es sich nicht nehmen, auch das Zelt von Dana und Marita aufzubauen, denn der Wind hatte inzwischen deutlich aufgefrischt, und die beiden hatten Schwierigkeiten, die Plane festzuhalten.

Nach getaner Arbeit setzten sie sich in den Vorraum von Marcs und Alecs Zelt, der ihnen allen Platz bot. Draußen rüttelte der Wind heftig an den Zeltstangen, und Dana war froh, im Trockenen zu sitzen, als es zu regnen begann.

»Jetzt bin ich gar nicht so böse, dass wir den Bus verpasst haben«, flüsterte Marita, während die beiden jungen Männer unter viel Gelächter Eier und Speck auf einem Campingkocher brutzelten.

»Alec ist doch voll süß, oder? Und so wie Marc dich immer von der Seite ansieht …«

»Ach was«, wehrte Dana ab, »erstens haben die beiden vielleicht schon Freundinnen und zweitens bleibe ich vorerst solo.«

Trotzdem konnte sie es sich nicht verkneifen, die jungen Männer näher zu betrachten. Sie waren beide sportlich, durchtrainiert, ohne übertrieben muskulös zu wirken, und Marc hatte in der Tat ein unverschämt nettes Lächeln. Dennoch nahm sie sich vor, bei ihren guten Vorsätzen zu bleiben.

Während des Essens unterhielt sich vorwiegend Marita mit den beiden, denn sie arbeitete als Krankenschwester in einem Krankenhaus, und auch wenn ihr einige englische Fachbegriffe fehlten, so hatten sie sich doch viel zu erzählen.

»Und, was machst du so, wenn du nicht gerade durch Schottland wanderst?«

Sie saßen alle auf ihren Isomatten am Boden, und Marc kam jetzt näher zu Dana herangerutscht.

»Ich habe gerade meinen alten Job gekündigt und werde mich nach dem Urlaub nach irgendetwas Kurzfristigem umschauen. Zum nächsten Sommersemester will ich dann Archäologie und Mittelaltergeschichte studieren.«

»Klingt interessant!« Marc schien ehrlich interessiert zu sein.

»Womit hast du denn bislang dein Geld verdient?«

»In einem Reisebüro. Ständig durfte ich den Urlaub anderer Leute organisieren«, Dana schnitt eine Grimasse und strich sich durch die rot gefärbten Haare, »das fand ich irgendwie nervig.«

»Meine liebe Freundin ist verrückt, müsst ihr wissen«, rief Marita dazwischen. »Sie hat nämlich ihren gut bezahlten, bequemen Job für ein brotloses Studium sausen lassen. Deshalb sitzen wir jetzt auch in einem Zelt mitten in der Einöde anstatt am Strand von Teneriffa.«

»Mein Exchef war ein absoluter Widerling, der nach oben gebuckelt und nach unten getreten hat«, erklärte sie. »Er hat sich an unsere siebzehnjährige Praktikantin rangemacht und sie in der Teeküche begrapscht. Sie hat sich nicht so recht getraut, sich zu wehren, aber ich habe ihm kurzerhand das Teewasser an eine Stelle geschüttet, wo es so richtig wehtut. Natürlich hat er mich sofort beim obersten Chef angeschwärzt, und als ich mich geweigert habe, mich zu entschuldigen, drohten sie mir mit Kündigung. Aber ich bin ihnen zuvorgekommen.«

Während Marita die Augen verdrehte und grummelte, möglicherweise wäre alles ein Missverständnis gewesen, nickte Marc ihr begeistert zu.

»Du hast vollkommen richtig gehandelt. Außerdem mag ich verrückte Leute.« Marc zwinkerte ihr zu. »Und wer will schon ans Mittelmeer, wenn er die schottischen Highlands haben kann?«

Mit einem Lachen breitete er die Arme aus.

»Ganz genau«, stimmte Dana zu. »Mal abgesehen davon, ist mir der Gedanke, doch noch zu studieren, schon lange im Kopf herumgeschwirrt, ich konnte mich nur bisher nicht völlig dazu durchringen.«

»Tja, und kaum hat sie ihrem Freund den Laufpass gegeben, schon wandelt sich das Leben«, fügte Marita vorwitzig hinzu, was Dana zu einem Seitenhieb animierte, denn sie sah, dass Marc interessiert die Augenbrauen hob.

»Eine positive Lebenseinstellung – so ist es richtig«, lobte er. Dana lächelte nur und musste daran denken, wie enttäuscht ihre Eltern damals gewesen waren, als sie nach der Schule nicht hatte studieren wollen. Ihre Noten waren gut gewesen, sie hätte ohne Probleme einen Studienplatz haben können, aber als rebellische Neunzehnjährige hatte sie ihren eigenen Weg gehen wollen. Eigenes Geld verdienen, eine Wohnung, Freiheit. Erfreulicherweise hatten ihre Eltern ihr keine Steine in den Weg gelegt und sich auch jeglichen Kommentar verkniffen, nachdem sie ihnen offenbart hatte, dass sie jetzt doch an die Uni wollte. Mit ihren Eltern hatte sie wirklich Glück.

»Also, wie sieht’s aus, ihr beiden«, meinte Marc gut gelaunt und klatschte in die Hände. »Wollen wir auf Danas neue Zukunft anstoßen? Im Glenelg Inn bekommt man ein ganz anständiges Bier.«

Nachdem Dana und Marita einen kurzen Blick getauscht hatten, nickten sie sich zu und folgten den beiden hinaus. Glenelg Inn stellte sich als urgemütlicher Pub heraus. Im Kamin brannte sogar ein offenes Feuer, das einen torfigen Duft verströmte, und so verbrachten sie den Abend mit viel Gelächter und lustigen Geschichten, die Marc und Alec über ihre Touren durch Schottland zu erzählen wussten.

Nach ihrer Rückkehr lag Dana noch lange wach. Sie musste über ihre Freundin schmunzeln. Marita hatte den ganzen Abend über heftig geflirtet, und wie es aussah, bahnte sich zwischen ihr und Alec tatsächlich etwas an. Auch Marc hatte ganz deutlich sein Interesse bekundet, aber sie war auf Distanz geblieben. Die Sache mit Jens war noch zu frisch und tat noch zu sehr weh, schließlich war er ja so etwas wie ihre große Liebe gewesen – hatte sie zumindest geglaubt. Der Wind heulte um das kleine Zelt herum, bog die Stäbe immer wieder nach innen, und das lange Gras hinter der gemähten Fläche verursachte gespenstische Geräusche, so als würde jemand mit einem bodenlangen Gewand darin umherschleichen.

Nachdem Dana nicht schlafen konnte, tastete sie nach ihrem Handy – vier neue Nachrichten. Eine von ihren Eltern und drei von Jens. Schon nach der ersten reichte es ihr. Wieder großspurige Versicherungen, er würde alles bereuen und sie solle zu ihm zurückkommen. »Vollidiot!« Energisch drückte sie die Löschtaste, dann schloss sie die Augen.

Vielleicht wäre ein kleiner Urlaubsflirt mit Marc doch nicht verkehrt, um sich abzulenken. (…)

-Ende von Teil 2-

(Weiter zu Teil 3)

Copyright der Leseprobe (c) 2012 by Aileen P. Roberts (mit freundlicher Genehmigung des Verlages und im Auftrag der Autorin)

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Anmerkung der Redaktion: Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der erfährt es in diesem Buch der Autorin, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:

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Der Feenturm

Roman

Verlag :      Goldmann Verlag
ISBN :      978-3-442-47711-1
Einband :      Paperback
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Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
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Letzte Preisänderung am 14.08.2012
Seiten/Umfang :      640 S. – 20,6 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      20.08.2012

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Als Dana bei ihrer Reise durch Schottland auf eine verfallene Turmruine stößt, fühlt sie sich sofort angezogen von dem Ort und seiner mystischen Stimmung. Sie verbringt die Nacht dort und ihr erscheint der Geist von Rionach, einer Piktenkriegerin, die seit 2000 Jahren an diesen Ort gebunden ist. Verzweifelt bittet sie Dana um Hilfe: Nur, wenn die junge Frau sich bereit erklärt, für sie in die Vergangenheit zu reisen und ihren Tod zu rächen, wird Rionach Frieden finden. Dana zögert, glaubt zuerst an einen Traum – und lässt sich dann doch ein auf eine gefährliche, abenteuerliche Reise …

Aileen P. Roberts ist das Pseudonym der Autorin Claudia Lössl. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte sie vor einigen Jahren durch ihren Mann. Als dieser mit der Arbeit an einem Buch begann, beschloss sie, sich ebenfalls als Schriftstellerin zu versuchen. Seither hat sie bereits mehrere Romane im Eigenverlag veröffentlicht, 2009 erschien mit “Thondras Kinder” ihr erstes großes Werk bei Goldmann, danach folgten “Weltennebel” und “Feenturm”. Claudia Lössl lebt mit ihrem Mann in Süddeutschland.

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BUCHREZENSION: Roberts, Aileen P. – Der Feenturm. Roman. – Besprechung von Petra Weddehage.

Erstellt von Detlef Hedderich am 31. Oktober 2012

Aileen P. Roberts
Der Feenturm

Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1. Auflage: 09/2012
TB
47711, Urban Fantasy, 978-3-442-47711-1, 638/1299
Umschlaggestaltung: von UNO Werbeagentur, München
Umschlagmotiv: © FinePic; Getty Images/Colin Anderson
Autorenfoto: Isabelle Grubert

http://www.splashbooks.de/php/rezensionen/rezension/17116/der_feenturm

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Dana und Marita lernen während ihres Urlaubs in Schottland die Engländer Marc und Alec kennen. Sie beschließen, die Reise gemeinsam fortzusetzen. Schnell wird aus Marita und Alec ein Paar. Dana gibt sich gegenüber Marc distanziert, da sie schlechte Erfahrungen mit ihrem Ex-Freund Jens gemacht hat.

Eine Wette zwingt Dana dazu, eine Nacht in einer keltischen Ruine, dem „Feenturm“, zu verbringen. Dort begegnet ihr der Geist der keltischen Kriegerin Rionach. Diese bittet Dana, in die Vergangenheit zu reisen, um Rionachs Tod zu rächen und deren Familie zu beschützen. Erst zögert die junge Frau, kommt aber dann doch der Bitte der Erscheinung nach.

In der Vergangenheit findet sie in Drostan eine neue Liebe, die ihr aber schon bald durch den Tod entrissen wird. Ausgerechnet Ardan, Rionachs Witwer, ist es, der ihrer Trauer größtes Verständnis entgegenbringt und sie zur Kriegerin ausbildet, damit sie Drostans Tod rächen kann. Zudem hofft Dana, mit Hilfe der Waffen die Familie der Keltin zu beschützen.

Dann wäre da noch Rionachs Rachedurst: Sie verlangt, dass Dana den Druiden Domech tötet. Aber etwas ist seltsam an der ganzen Geschichte …

Die Autorin Aileen P. Roberts lebt mit ihrer Familie in Süddeutschland. 2009 erschien ihre Reihe Thondras Kinder, mit der sie große Aufmerksamkeit erregte. Wer mehr über die Schriftstellerin erfahren möchte, sollte ihre Homepage www.aileen-p-roberts.de besuchen.

Mit Feenturm hat sie das Rad jedoch nicht neu erfunden. Vielmehr reiht sie sich in die Gruppe Autorinnen ein, die bevorzugt Zeitreisen in die Ära der schmucken Highlander benutzen, um große Gefühle mit dem Flair einer vergangenen, romantisierten Epoche zu verknüpfen. Die „Tales of Partholon“ Reihe von P. C. Cast bietet ein ähnliches Ambiente. Dass Aileen P. Roberts deutlich phantasievollere und atmosphärisch dichtere Geschichten schreiben kann, beweist sie in ihrem Dreiteiler Weltennebel. Allerdings gibt es dort ähnlich angelegte Szenarien: In der Trilogie waren es zwei Archäologiestudenten, die von Irland aus in eine andere Dimension gelangten. Diesmal ist es eine Urlauberin, die in Schottland durch Zauberei die Zeiten wechselt.

Dana wird von drei Männern beeinflusst. Marc in der Gegenwart und Drostan sowie Ardan, Rionachs Witwer, in der Vergangenheit. Ihre Verbundenheit mit Ardan wird durch die Zuneigung zu seiner kleinen Tochter Mael noch gestärkt. Um zu erläutern, wieso Rionach ausgerechnet Dana wählt, um ihren Racheplan zu realisieren, wird flugs noch ein vorhersehbares Familiengeheimnis ausgegraben. Trotz der zahlreichen Klischees – wie beispielsweise die Tatsache, dass Danas Wurzeln woanders liegen, als gedacht, oder dass sie sich ausgerechnet in den Mann von Rionach verliebt – die bedient werden, überzeugen die Protagonisten in ihren jeweiligen Rollen.

Außerdem schafft es die Autorin durch vage Andeutungen, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, einen Spannungsbogen aufzubauen, z. B. indem sie die Vergangenheit durch Dana anders beurteilt als Rionach. Diese ist nur auf Rache aus. Dem Leser dürfte allerdings schnell klar werden das auch hier einiges im Argen liegt.

Vor allem das Zusammenspiel mit dem Druiden Domech verläuft völlig überraschend. Gut und Böse können nicht eindeutig voneinander getrennt werden. Selbst Rionach sind nicht alle Umstände bekannt, die zu ihrem Tod geführt haben. Folglich gibt es reichlich Gelegenheit, die Story, mit allerlei Geheimnissen, die gelüftet werden müssen, und Prüfungen, die es zu bestehen gilt, zu bereichern.

In ihrer Rolle als keltische Seherin und Heilerin gelingt es Dana, dem harten Leben, das die meisten Menschen damals fristeten, zu entkommen. Erst als sie ihre Ausbildung als Kriegerin beginnt, wird sie in die tödlichen Kämpfe involviert. Schauerliche Kriegshandlungen werden allerdings nicht erzählt, sondern die wenigen Gefechte auf ein notwendiges Minimum beschränkt.

Die Autorin schafft es, alle losen Fäden der Geschichte, in Gegenwart und Vergangenheit, aufzunehmen und zu einem großen Ganzen zu verweben. Dies wirkt leider sehr gezwungen. Vielleicht wäre es sinniger gewesen den Band zu splitten und als Zweiteiler herauszubringen. So hätte der Leser Gelegenheit erhalten die Interaktion der verschiedenen Beziehungskonstellationen und Verbindungen der Protagonisten untereinander besser zu verstehen. So wirkt die Handlung gehetzt und das Verständnis für das Zusammenspiel einiger Figuren gerät zuweilen sehr gezwungen. Alles in allem, liefert Aileen P. Roberts ein akzeptables Werk, für romantische Seelen. Dabei lässt sie sich ein Hintertürchen offen, um eventuell später noch einmal auf ihre Figuren zurückgreifen zu können. Romantischen Leserinnen wird die Geschichte bestimmt gut gefallen. Leider ist das Thema nicht neu belebt worden, so dass sich die Story und ihre Protagonisten nur allzu vorhersehbar entwickeln. Wer sich auf ein paar angenehme Mußestunden freut und keine zu hohen Ansprüche stellt, wird diesen Band bestimmt gerne zur Hand nehmen.

Der Feenturm vereint alles, was romantische Leserinnen mögen. Es gibt magische Zeitreisen mit dem Flair der Highlands, gutgebaute Männer, Intrigen und eine Liebe, die über die Zeiten hinweg besteht. Leider gerät die Handlung sehr vorhersehbar und dümpelt im Fahrwasser der muskelbepackten Krieger diverser Liebesromane.

Wer anspruchsvollere Kost erwartet, sollte sich der Weltennebel-Trilogie der Autorin zuwenden.

Copyright © 2012 by Petra Weddehage (PW)

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Die Fee liest und hinter ihr steht ein Turm

Erstellt von Galaxykarl am 25. Oktober 2012

Die Fee liest und hinter ihr steht ein Turm
Autorenlesung von Aileen P. Roberts in Erlangen

www.aileen-p-roberts.de

Am Mittwoch, dem 24.10.12, las die Autorin in der Buchhandlung Thalia in Erlangen aus ihrem neuesten Fantasy-Roman „Der Feenturm“.

Die Geschichte beginnt mit zwei Rucksack-Touristinnen – Dana und Marita – unserer Gegenwart, die einen Trip nach Schottland in die Highlands unternehmen. Sie finden schnell Anschluss und gelangen auf ihrer Reise auch zu einem noch recht gut erhaltenen Broch, also einer Behausung der vorkeltischen Stämme, die hier vor Tausenden Jahren gelebt, gekämpft und geliebt hat.

Immer wieder hat eine der Frauen Visionen, welche ihr Bilder aus dieser Epoche eingeben. Schließlich befindet sich Dana plötzlich mittendrin: in einer Welt der Krieger, Druiden und Feen. Und aus der Ruine ist ein steinernes Bauwerk geworden, ein starker Turm der Schutz bietet … und Geheimnisse birgt: der Feenturm.

Aileen P. Roberts führt mit leicht nebelverschnupfter Stimme in die Geschichte ein und knapp 30 aufmerksame Fans und Zuhörer lassen sich von ihr in das Zeitalter der Picten, ihren Siegen und Verlusten leiten. Unterstützt durch mehrere Fotos, die per Beamer an eine Leinwand geworfen werden, fällt es leicht, sich in der grünen Landschaft diese Vorfahren der Kelten vorzustellen. Die Autorin liest, erklärt die passenden Fotos und verknüpft die Passagen der Leseproben geschickt mit kurzen Erläuterungen.

Kaum hat die Autorin die offizielle Lesung beendet, erheben sich die Finger von Neugierigen und Fans gleichermaßen. Man fragt nach Hintergründen der Geschichte und des Landes. Nach ihrem Arbeitsablauf und neuen Projekten, von denen es mehrere gibt. Alle Roberts-Fans dürfen sich nach diesem Einzelroman auf einen neuen Zweiteiler freuen, der „Das Land jenseits der Zeit“ heißen wird. Aktuell arbeitet Aileen P. Roberts mit ihrem Mann Stephan Lössl an einem gemeinsamen Projekt, von dem aber natürlich noch nichts verraten werden darf.

Von ihrem Verlag Goldmann seit einiger Zeit als Erfolgsautorin beworben, kann man dieser Ehrung nur zustimmen: Die Geschichte läuft flüssig und harmonisch, was auch die erkältungsbedingten Stocker nicht beeinträchtigen können. Das Publikum geizt nicht mit Applaus, besonders zum Schluss der Lesung und die Reihe der Fans, die sich nach einer Signatur im frisch gekauften Buch anstellt, ist erfreulich lang.

Und ein weiteres Indiz steht für den Erfolg der jungen Autorin: Die Lesung fand am Abend um 20:00 Uhr statt. Zutritt nur für Gäste mit Eintrittskarte. Kein Tagesgeschäft oder andere Ablenkungen, wie z. B. das Lesecafé, störten die sehr unterhaltsame und neugierig machende Veranstaltung.

Copyright © 2012 by Werner Karl

RUCKSACKTOUR – Leseprobe (Teil 1) aus dem Roman: “Der Feenturm” von Aileen P. Roberts

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Die Frankfurter Buchmesse 2012 – oder: die Geschichte eines entspannten Tages

Erstellt von Galaxykarl am 21. Oktober 2012

Die Frankfurter Buchmesse 2012
oder: die Geschichte eines entspannten Tages

In den letzten Jahren habe ich mich immer an den Publikumstagen ins Gewühl der Buchmesse gestürzt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Welche tollen Angebote hier mitunter ein lokaler Buchhändler anbietet, habe ich ja letztes Jahr beschrieben … und genossen. Dieses Jahr wollte ich mal die „andere“ Seite der Messetage, also die Fachbesuchertage kennenlernen.

Doch wer ist eigentlich Fachbesucher? Ich bin weder Verleger, Lektor, noch Literaturagent. Kein Grossist oder sonst wie Mitarbeiter in oder für einen Verlag. Akkreditierter Fachjournalist? Alles nicht. Und Autoren sind zwar auch Fachbesucher, aber eben auch keine Journalisten. Ich war nicht minder überrascht, als ich auf der offiziellen Website der Frankfurter Buchmesse unter dem Button „Akkreditierung“ folgendes Wort las: Blogger. Aha, die Buchbranche hat scheinbar endlich erkannt, was im Internet abläuft und auch diese „Berufssparte“ in ihre Arme geschlossen. Zumindest die Messeveranstalter. Dazu später ein wenig mehr.

Ich hangelte mich also Wochen vor der Messe durch diese Website und trug brav meine Daten ein. Dann der Punkt „Nachweis der journalistischen Tätigkeit“. Meinen die den Presseausweis? Hat ein Blogger nicht. Eine Kopie eines Arbeitsvertrages einschlägiger Firmen (s. o.)? Ebenso Fehlanzeige. Die Lösung war schlicht ein Schreiben unseres lieben Detlef Hedderich, der darin bestätigt, dass Herr Werner Karl Chefredakteur des www.buchrezicenters.de ist. Voilà, unterschrieben, eingescannt und als pdf-Datei in die Web-Akkreditierung eingegeben. Es hieß im Weiteren, dass die Messeleitung die Anträge prüfen wird, es wohl schon 14 Tage dauern könne. OK, sag ich mir, Geduld Werner. Welche Überraschung: Am zweiten Tag war die Bestätigung samt E-Mail und Code für eine Eintrittskarte in meinem E-Mail-Fach. Frechheit siegt, dachte ich mir und hab das Spielchen mit zwei meiner fleißigen Rezi-Bienchen wiederholt und genauso rasch Erfolg verzeichnen dürfen. Na, das lässt sich doch sehen. Oder?

05:45 Uhr

Meinen ausgedruckten Messe-Eintrittscode und eine Liste mit Terminen und fest geplanten Anlaufpunkten in der Tasche fahre ich los. Der Himmel ist stockfinster, aber klar und die Sterne und eine dünne Mondsichel versetzen mich fast in Schreiblaune für eine Nachtszene. Im Kopf spuken schon wieder Szenefetzen und Satzfragmente durcheinander und ich muss mich zwingen, nicht anzuhalten, um sie zu notieren. Im Radio wähle ich meinen Lieblings-Infosender und höre prompt Beiträge zur Frankfurter Buchmesse. Eine davon verursacht mir zwiespältige Gefühle: Die Umsätze für E-Books (also die elektronischen Bücher, nicht die Geräte; E-Reader) seien seit letztem Jahr um 240 % gestiegen. Wow, denke ich, bald kein Papier mehr? Ich liebe aber Bücher. Dann noch eine Info, die irgendwie in die gleiche Wunde hackt: Das amerikanische NEWSWEEK – vergleichbar mit unserem SPIEGEL oder FOCUS – wird nicht mehr in gedruckter Form erscheinen. Nur noch als Online-Magazin. Ein Grund für die Buchbranche Blogger und Online-Redakteure immer ernster zu nehmen?

8:30 Uhr

Der Verkehr verdichtet sich und statt glitzernder Sterne, glitzern nun Regentropfen auf meine Scheibe herab. Frankfurt zeigt sich trotzdem von seiner besten Seite. Die Besucher werden perfekt von der Autobahn ins nächste Parkhaus des Messegeländes geleitet. Super Beschilderung. Deutscher Perfektionismus. Ich darf mir noch nicht mal selbst eine Position im Parkhaus suchen. Ein freundlich winkender Mann in Leuchtrot steht nämlich am Ende der Rampe und zeigt lächelnd aber bestimmt auf einen Platz. Als ich das Auto abschließe, deutet er stumm auf eine Flut menschlicher Lemminge, der ich mich anschließe und nach wenigen Minuten Fußmarsch in einem Messeshuttle lande. Keine Chance sich zu verlaufen, denke ich und irre hier. Aber ich werde es erst beim Verlassen der Messe merken. Im Busshuttle telefonieren mindestens 50 % der Fahrgäste und ich weiß: alles ganz ganz wichtige Leute. OK, dann tue ich auch so, grinse mit einer Mischung aus freundlichem Spott und Belustigung und klingle nach meinen beiden Rezensentinnen, mit denen ich mich verabredet habe. Ich lasse es lange klingeln, trotzdem keine Antwort.

8:45 Uhr

Die Asiatin hinter dem Tresen lächelt milde, als ich frage, wo ich für meinen Code eine Eintrittskarte bekomme und weist mich mit akzentfreiem Deutsch darauf hin, dass das selbst ausgedruckte und mittlerweile etwas zerknitterte Stück Papier in meiner Hand bereits die Eintrittkarte sei. Aha, schon wieder ein Punkt, der die Papierflut auf der Welt eingrenzen hilft. Mit einem umwerfenden Lachen offenbart sie mir, dass auch der kostenlose Parkplatz damit gebucht wird. Nur beim Verlassen nicht vergessen, sich an der Parkhauskasse einen Plastikchip geben zu lassen. Schließlich bin ich ja akkreditierter Fachbesucher. Upps, hatte ich schon wieder vergessen.

9:00 Uhr

Ich betrete die erste Halle und stelle sofort auf den Treppenaufgängen, Rolltreppen und Fluren fest, dass die gefürchteten Massen der Publikumstage sich hier auf deutlich weniger Besuchermengen reduziert haben. Ich atme auf und stürze mich in die Gänge und Stände.

Klett-Cotta

Bei dem angekündigten Fantasy-Highlight des Jahres führt mich mein erster Weg in die Gralsburg der Fantasy. „Hobbit“-Cover allenthalben und ich freue mich schon jetzt auf das auf mittlerweile drei Filme ausgeweitete Kinoereignis, an dem kein Fantasy-Fan vorbeikommen dürfte. Ich habe das Buch natürlich schon lange gelesen und vertraue hier Peter Jacksons Akribie und Können, der wieder die Regie, wie schon bei den „Herr-der-Ringe“-Filmen, übernommen hat.

Piper

Nachdem mich vor gut zwei Jahren auch beim Schreiben das Fantasy-Fieber gepackt hat, muss man einfach diesen Verlag besuchen. Michael Peinkofer, Markus Heitz und andere deutsche Autoren sind zu meiner Freude mindestens genauso stark mit Büchern präsentiert, wie die noch vor einigen Jahren dominierenden angloamerikanischen Autoren. Ich versuche zu erfahren, wann die Gewinner des „Grannock“-Fantasy-Wettbewerbes (an dem auch ich teilgenommen habe) bekannt gegeben werden, kann aber niemand finden, der hier Bescheid weiß.

Bastei-Lübbe

Ich frage die Pressereferentin für Belletristik, ob man den amerikanischen Erfolgs-Autor David Weber (SF-Serien „Honor Harrington“ und „Nimue Alban“) für ein Interview per E-Mail Fragen zusenden könne. Schließlich müssen die hin und her übersetzt werden. Sie freute sich zwar über das Interesse, wusste es aber nicht und wird sich – hoffentlich – darum kümmern.

Goldmann

Apropos Erfolgsautor. Ich hab mich mit Aileen P. Roberts („Thondras Kinder“, „Weltennebel“ und ganz neu: „Feenturm“) verabredet. Die Leser des sfbasars und des Buchrezicenters dürften sie mittlerweile gut kennen. Die Dame hinter dem Tresen guckt ahnungslos, ein Herr checkt die Liste der Autoren: „Nein, die Autorin ist heute nicht da.“ Na, super. Ich dreh mich leicht gefrustet um und da steht sie und lacht glucksend, als ich ihr die Reaktion der Goldmann-Truppe erzähle. Nein, die wissen tatsächlich nicht, dass sie sich u. a. mit einer Fangruppe hier treffen will. Kaum ausgesprochen, kichert auch schon eine ganze Blase Fans hinter mir und wir entern gemeinsam eine Cafeteria und verteidigen die leicht zugige Ecke gegen Anstürme der ersten hungrigen Messebesucher. Ich lasse die Mädels die Autorin mit Fragen bombardieren und halte mich zurück. Hier hat die Autorin das Wort.

11:30 Uhr

Ich treffe meine Rezensentinnen Iris Gasper und Sandra Stockem und freue mich richtig, die Mädels mal im Real-Life zu sehen. Das Internet führt doch manchmal zu echten Kontakten und wir gehen gemeinsam zum Stand von Rowohlt. Durch einen Gang geteilt, reihen sich gediegene dunkle Holzregale, in denen natürlich alles steht, was das Leserherz erfreut. Die Beiden haben einen Kurztermin mit der Pressereferentin, Frau Kaufmann. Es geht natürlich um Rezi-Exemplare und den Unterschied von uns (Buchrezicenter) zu weniger seriösen Online-Rezi-Plattformen. Sie bestätigt die zuverlässige Arbeit unserer Truppe und sichert uns weitere Kooperation zu.

Droemer-Knaur

Anderer Verlag, gleiches Spiel: Frau Patricia Keßler kennt und schätzt uns ebenso, wie viele andere Verlage. Für mich bleibt unterm Strich: Korrekte und zuverlässige Arbeit setzen sich auf lange Sicht auch im Internet durch. Auch dazu dienen meinen Messebesuche. Den Verlagen Flagge und Kontinuität zu zeigen.

13:00 Uhr

Mir knurrt der Magen. Mein persönliches Survivalpack habe ich längst verputzt und getrunken. Mir steht der Sinn nach überteuerter Messeverpflegung. Aus Erfahrung weiß ich, dass Brötchen die schlechteste Wahl sind, weil immer labberig und ungenießbar. Also konsumiere ich Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat, das kann selbst der unqualifizierteste Cateringanbieter nicht vermasseln. Ich behalte Recht.

Den ganzen Nachmittag geht es noch so weiter. Ich treffe die Autorin Nicole Steyer, spreche mit ihr natürlich über das rechtzeitig zu Messe erschienene Buch „Die Hexe von Nassau“ und ihr nächstes Buchprojekt, das so geheim ist, dass sie selbst den Titel noch nicht verraten will. Überhaupt wird die Titelwahl zum Thema unseres Gesprächs und ich bin leicht bis milde geschockt, wie stark hier die Durchsetzungskraft eines Verlages ist. Auch rechtliche Fragen nach Titel-Ähnlichkeiten zu anderen Büchern sind ein Punkt, den ein Autor – und erst recht ein Verlag – beachten müssen.

14:45 Uhr

Mein nächster Termin findet im Lesezelt zwischen den Hallen 3 und 4 statt. Dort will ich mich mit der Autorin Emily Bold zu einem Live-Interview treffen. Sie publiziert seit Jahren ausschließlich online, ohne einen Verlag im Rücken und hat hier schon ein halbes Dutzend Romane veröffentlicht. Mir brennen mindestens zwanzig Fragen auf der Zunge und ich freue mich doppelt. Lt. ihrer Autoren-Website ist sie auch noch sehr attraktiv. Ich betrete das Lesezelt, gucke mich um und staune. Ganze Schulklassen drängen sich durch die Stuhlreihen und plappern heftig, aber lautstärkemäßig ziemlich diszipliniert und erwartungsfroh. Offensichtlich sind Schüler, die freiwillig lesen ein anderer Schlag als … ok, vergessen wir´s. Mein Blick fällt auf eine Bühne und ich verstehe: Die Jugendbuch-Autorin Isabel Abedi wird hier in wenigen Minuten aus Band 8 ihrer „Lola“-Reihe lesen. Um es kurz zu machen: meine Autorin erscheint nicht (ich erfahre später, dass sie an einer anderen Stelle auf mich gewartet hat) und ich werde durch die Lesung von Isabel Abedi und eingestreute Gitarrenstücke ihres Mannes mehr als entschädigt. Das Interview mit Emily Bold werden ich aber sicher nachholen. Versprochen.

Den Rest des Nachmittages verbringe ich mit der Suche nach Recherche-Büchern zu meinen Romanen, ab und an ein kurzes Hallo bei Verlagspartnern des Buchrezicenters und dann komme ich natürlich nicht umhin, eine alte Liebe aufflackern zu lassen: Plötzlich stehe ich am Stand des Pabel-Moewig-Verlages dem Chefredakteur Klaus Frick gegenüber. Natürlich geht es um die größte Science-Fiction-Serie der Welt: Perry Rhodan. Seit September 2011 hat ein Neuanfang begonnen, der sich nicht nur im Namen der neuen Serie – Perry Rhodan NEO – niederschlägt, sondern auch im Inhalt. Back-to-the-roots?, frage ich Herrn Frick und er bejaht und verneint gleichzeitig. Ja, zurück zum Anfang (und etwas näher zur realen Raumfahrt) und nein, an alle die glauben, die „Geschichte“ der Menschheit und PR würde so einfach noch mal erzählt. Definitiv keine Wiederholung, sondern völlig neue Abenteuer, näher an dem, was wir – real – über die Sterne, das Weltall und Raumfahrttechnik wissen und gelernt haben. Und natürlich eine wirkliche Chance für neue Fans der Serie, denen ein Einstieg in die Erstauflage einfach zu schwer fällt. Es werden sicherlich die Hauptprotagonisten wieder die Herzen der Fans erfreuen, aber auch neue Charaktere auftauchen.

Panini Comics / Panini Books

Ich traue meinen Augen nicht. Eine – zugegeben scharfe Dame – spreizt lasziv auf einem Poster ihre Beine. Der Titel des Buches lautet „BitchSM“. Kein Kommentar meinerseits. Später lese ich, dass die angekündigte und angeblich skandalträchtige Pressevorstellung eher verhalten abgelaufen ist. Angst vor der eigenen Courage?

16:00

Im Bereich der Wissenschaftsverlage finde ich eine Nachbildung des Antimaterie-Moduls aus dem Buch und Film „Illuminati“ von Dan Brown in einem Glaskasten. Schön gruselig. An einem anderen Stand präsentiert mir ein junger Programmierer eine Software, mit der man 3D-Animationen erstellen kann. Fühle mich fast wie in einem Scifi-Hardware-Laden. Ein Verlag, der sich auf exotische Sprachen spezialisiert hat, muss auch bei meiner Suche nach der Sprache der Picten passen; wird sich aber schlaumachen und sich ggf. melden. Schon wieder jemand. Mal seh´n, was solche Versprechen wert sind.

17:00 Uhr

Mein Gott, die Zeit rast auch an den Fachbesuchertagen und meine Füße und Knie melden sich und schreien nach einer weiteren Pause. Ich treffe Iris, Sandra und auch Aileen P. Roberts am Stand von Piper wieder. Happy Hour ist angesagt und wir schnappen uns erfrischende Drinks. Nach meinem Zweiten erkenne ich Wolfgang Hohlbein, der sich fast schüchtern und brav in die Reihe der Wartenden einreiht und sich ebenfalls einen Drink gönnt. Zu meiner Freude lassen ihn die anderen Gäste in Ruhe und er kann anstelle Autogrammwünsche zu erfüllen, sein Glas genießen. Die Mädels und ich vereinbaren, dass wir den Tag bei einem Abendessen ausklingen lassen und verabreden uns in einem Italiener, der angeblich nur 600 m Luftlinie von Messegelände entfernt liegt. Hört sich erst mal gut an. Iris hat reservieren lassen. Sonst keine Chance bei dem Betrieb.

17:45 Uhr

Zurück zum Auto. Messeshuttle, Chip holen und dann …? B1 habe ich gefunden. Aber das Parkdeck sieht vollgestopft ein wenig anders aus, als beinahe leer, als ich ankam. Die Auffahrrampe, die ich mir als Wegmarke eingeprägt hatte, ist nirgends zu sehen. Jede Richtung sieht aus wie die andere. So falsch kann ich aber nicht liegen und drücke auf meinen Autoschlüssel. Jepp, die Karre meldet sich mit einem freundlichen Doppelblinken, so als wollte sie mir zurufen: „Hey, hier bin ich!“ Und dann geht´s ab auf die Autobahn und anschließend in die Frankfurter Straßenschluchten. Natürlich verfranze ich mich und mein Navi wechselt den Ton und mault, warum ich diese Abfahrt nicht genommen habe. Nach Umwegen, die mir wie eine Expedition in unbekannte Gefilde vorkommen, finde ich den richtigen Weg … aber weder das Restaurant noch einen Parkplatz. Die Mädels sind schon dort und klingeln an; ich höre ihr Magenknurren durch die Freisprechanlage. Dann endlich: ein Parkplatz, von dem ich hoffe, dass es auch einer ist. Egal, mir hängt mittlerweile auch der Magen in den Kniekehlen.

19:00 Uhr

Nach dieser nervenzerfetzenden Parkplatzsuche – Frankfurt scheint mir eine einzige Baustelle zu sein, der Rest sind Einbahnstraßen, die auch noch vollgeparkt sind -, freuen wir uns auf ein entspanntes Abendessen und Fachsimpelei rund um Bücher und das harte Dasein als Autor. Dass die Karte –wenig überraschend – Messepreise auflistet, ist uns mittlerweile wurscht. Das Essen ist dafür einfach zu gut. Wir lachen und diskutieren, lästern über seltsame Menschen ab und fühlen uns einfach sauwohl. Und wieder geht die Zeit viel zu schnell vorbei. Hotelzimmer? Keine Chance; hätte ich schon vor einem Jahr buchen müssen. Also …

22:15 Uhr

Wir verabreden locker weitere Treffen, trennen uns leidlich erschöpft. Sicher hat jeder jetzt nur noch ein Ziel: nach Hause, unter die Dusche und ab in die Falle. Und nach der Messe ist vor der Messe. Während der Heimfahrt denke ich darüber nach, was ich nächstes Jahr unbedingt sehen will. Vielleicht doch früher ein Zimmer buchen … gähn. Upps, nur nicht einschlafen.

1:15 Uhr

Endlich: Ziel erreicht. Die Einzigen, die jetzt noch wach sind, sind meine beiden Haustiger, die mir um die Füße streichen und mit denen ich mir ein Gähn-Duell liefere. Ich gewinne und sinke in mein Kissen.

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RUCKSACKTOUR – Leseprobe (Teil 1) aus dem Roman: “Der Feenturm” von Aileen P. Roberts

Erstellt von Aileen P. Roberts am 10. Oktober 2012

RUCKSACKTOUR

Leseprobe (Teil 1) aus dem Roman:

“Der Feenturm”

von Aileen P. Roberts

»Warum habe ich mich nur auf so einen Mist eingelassen?«

Belustigt beobachtete Dana ihre Freundin, die im strammen Ostwind mit der Landkarte kämpfte. Maritas lange, blonde Haare hatten sich mal wieder aus ihrem Pferdeschwanz gelöst und wirbelten wie Medusas Schlangen um ihren Kopf herum.

»Was ist denn, wir sind doch heute höchstens zehn Kilometer gewandert«, wandte Dana ein. Genüsslich sog sie die klare Luft in ihre Lungen, ließ ihren Blick über die sonnenüberfluteten Berghänge des einsamen, wilden Glen Shiel schweifen und erfreute sich an dem grandiosen Ausblick.

»Mir tun aber die Füße weh«, jammerte Marita, gab den Versuch auf, die Karte ordentlich zu falten, und stopfte sie stattdessen zusammengeknüllt in Danas Rucksack.

»Du hättest deine Schuhe eben rechtzeitig einlaufen müssen.«

»Ja, ja.« Maritas Stupsnase kräuselte sich unwillig, dann blickte sie mit einem tiefen Seufzen die gewundene Bergstraße hinab.

»Im nächsten Ort nehmen wir uns ein Zimmer.«

»Hey, wir waren uns doch einig, nur bei ganz miesem Wetter in ein Bed & Breakfast zu gehen«, protestierte Dana. »Ich kann es mir nicht leisten, so viel Geld auszugeben.«

»Wo ist denn der nächste Campingplatz?«

Dana hob ihre Schultern. »Keine Ahnung, notfalls campen wir eben wild.«

»Nein!« Marita schüttelte entschieden den Kopf, stemmte die Hände in die Hüften und sah an sich herab.

»Zumindest eine heiße Dusche brauche ich heute unbedingt, und dir könnte das auch nicht schaden, vielleicht wäscht dir das Wasser dann endlich diese scheußliche Farbe aus den Haaren. Die armen Schafe bekommen ja einen Herzinfarkt, wenn sie dich durch das Heidekraut stapfen sehen.«

Lachend fuhr sich Dana durch die schulterlangen Haare, die sie vor Kurzem leuchtend rot getönt hatte. »Man sagt doch, zu einem neuen Lebensabschnitt gehört auch eine neue Frisur.«

»Aber jetzt siehst du wie Pumuckel aus, so findest du nie einen neuen Freund.«

»Ich will im Moment auch keinen.« Danas Gesicht verfinsterte sich, denn sie hatte ihren Exfreund Jens mit seiner Kollegin im Bett erwischt, und auch wenn er ihr hoch und heilig geschworen hatte, es wäre ein einmaliger Ausrutscher gewesen, so hatte sie doch auf der Stelle Schluss gemacht. Dann schob sie die düsteren Gedanken beiseite und drängte Marita, weiterzugehen. »Los jetzt, vielleicht nimmt uns jemand bis zum Campingplatz mit.«

»Wahrscheinlich ein Frauenmörder, der uns im nächsten Moorloch versenkt.«

»Blödsinn, in Schottland ist Trampen völlig okay, das sagt selbst meine Mutter, und die ist in dieser Beziehung ausgesprochen kritisch.« Schon hielt Dana ihren Daumen in Richtung Straße.

Viel Verkehr herrschte im Augenblick nicht, nur wenige Fahrzeuge rollten die einsame Hochlandstraße entlang. Einige Autos brausten an ihnen vorbei, wobei die meisten Fahrer entschuldigend winkten, um anzuzeigen, dass ihre Wagen bereits bis unters Dach bepackt waren. Doch nach etwa einem weiteren Kilometer stoppte endlich ein knallroter Citroën. Ein älterer Mann mit schlohweißen Haaren streckte seinen Kopf aus dem Fenster. »Wohin wollt ihr denn?«, fragte er mit starkem schottischen Akzent.

»Zum nächsten Campingplatz«, antwortete Dana.

»Steigt ein, der Shiel Bridge Caravanpark ist noch knapp zehn Meilen entfernt.«

»Sie sind unsere Rettung!« Marita hob ihre Hände gen Himmel, aber ihre Euphorie hielt nur so lange an, bis sie auf der Rückbank saß, denn im Kofferraum gackerte es laut, und Federn erfüllten die Luft. Ihr Fahrer, er stellte sich als Bobby vor, erzählte unterwegs von seinen Hühnern, die er erst heute in Nairn, knappe einhundertfünfzig Meilen von seinem Heimatdorf entfernt, gekauft hatte.

Obwohl Dana sehr gut Englisch sprach, fiel es ihr ein wenig schwer, Bobby zu folgen, denn zum einen machte ihr sein Akzent zu schaffen, zum anderen trugen die fehlenden Zähne auch nicht zu einem besseren Verständnis bei. Aber Bobby war nett und lustig und beschrieb mit ausschweifenden Gesten seine kleine Hobbyfarm und die neu ausgebaute Ferienwohnung. Dann deutete er auf die Hühner im Kofferraum, die bei jeder Bodenwelle – und davon gab es viele – laut gackernd in die Luft hüpften.

»Ihre Rasse ist beinahe ausgestorben, aber bei mir auf der Farm werden sie es gut haben.«

Während Dana interessiert ihren Kopf nach hinten drehte, und die ungewöhnlich großen, braun und schwarz gefiederten Tiere betrachtete, rümpfte Marita nur die Nase.

»Wo wohnen Sie denn?«, erkundigte sich Dana.

»In Ardmore, auf der Isle of Skye.« Bobby lachte. »Dem schönsten Fleckchen Erde, wenn du mich fragst.«

»Auf die Insel wollen wir auch noch«, erwiderte Dana begeistert.

»Na, dann kommt mich doch besuchen.« In einem halsbrecherischen Manöver lehnte sich Bobby auf Danas Seite und wühlte in dem Handschuhfach, wobei seine Augen immer nur für Sekunden auf der Straße ruhten.

»Ich mache euch einen guten Preis für die Ferienwohnung, falls ihr eine Unterkunft braucht«, versprach er.

»Der bringt uns noch um«, jammerte Marita auf Deutsch, wobei sie auf ihrem Rücksitz immer kleiner wurde.

»Ein Schaf!«, quietschte sie plötzlich, und auch Dana hielt die Luft an.

Bobby riss das Steuer zur Seite. Reifen quietschten, das Schaf floh ins Heidekraut, dann hatte sich ihre Fahrt wieder stabilisiert.

»Ha, ha«, lachte Bobby. »Ein Mann aus unserem Dorf, Black Bob, hat wegen so einem dummen Schaf mal sein Auto zu Schrott gefahren. Sah wie eine zerbeulte Konservendose aus. Black Bob ist Transvestit, müsst ihr wissen, und das dumme Gesicht des Polizisten, als sie einen bärtigen Mann mit Kleid aus dem Wrack schnitten, war noch wochenlang Inselgespräch.«

»Na toll.« Im Gegensatz zu Dana, die sich ein Auflachen nicht verkneifen konnte, fand Marita das überhaupt nicht lustig. »Vermutlich werden wir ihm gleich folgen, zumindest, was das Autowrack betrifft.«

Ihre Finger klammerten sich so fest um die Lehne des Beifahrersitzes, dass die Knöchel weiß hervortraten, als Bobby noch einmal im Handschuhfach herumkramte und dann strahlend eine verknitterte Visitenkarte in die Höhe hielt, dabei allerdings gefährlich zur rechten Straßenseite abdriftete.

»Ach was, solange keine Windböen von links kommen ist das kein Problem. Der Wind ist nicht ganz ohne hier. Mein Nachbar Tony wurde vor ein paar Jahren mit seinem Caravan über die Klippen geblasen.«

Während Marita ihre blauen Augen aufriss, musste Dana grinsen, denn Bobby erzählte die Geschichte in einem so unbekümmerten Plauderton, als wäre das etwas völlig Alltägliches.

»Wie konnte das denn passieren?«

»Na ja, ein Wintersturm, und der Caravan war schon alt und in schlechtem Zustand. Eine üble Geschichte, aber Tony war sowieso schon über achtzig.«

Bobby grinste und entblößte dabei seine Zahnlücken. »Er hat sich allerdings bis zum Schluss jeden Tag, ob Sommer oder Winter, nackt in der Quelle hinter seinem Caravan gewaschen.«

»O mein Gott, wo sind wir hier nur gelandet?«, stöhnte Marita. Anders als ihre Freundin fand Dana diese Fahrt ausgesprochen amüsant, und nachdem Bobby jetzt seine Hände wieder fest am Lenkrad hatte, fuhr er auch sehr sicher über die kurvenreiche Bergstraße. Nach einer Weile erreichten sie das Dörfchen Shiel Bridge, und Bobby setzte sie schließlich sogar direkt am Campingplatz ab.

»Vielen Dank, dass Sie unseretwegen den Umweg gemacht haben«, bedankte sich Dana, während Marita sich ungeduldig eine Feder aus den Haaren zupfte und lautstark niesen musste.

»Keine Ursache, ich wünsche euch einen schönen Urlaub, und meldet euch, wenn ihr auf der Insel seid!« Laut hupend fuhr Bobby mitsamt seinen Hühnern davon.

»Was für ein schräger Vogel«, meinte Marita, blickte dem roten Auto noch kurz hinterher, dann eilte sie zur Rezeption, aber die war geschlossen. »Na toll!«

»Komm, wir stellen einfach das Zelt auf, bisher hat das noch niemanden gestört.« Dana erspähte ein ebenes Stück Wiese und errichtete dann gemeinsam mit ihrer Freundin – dem Wind zum Trotze – ihr kleines Zweimannzelt.

Nachdem Marita geduscht und ihre Haare gewaschen hatte, schien sich ihre Laune deutlich gebessert zu haben. Eigentlich war sie ohnehin recht fröhlich und unkompliziert, sonst hätte es Dana wohl auch kaum schon über drei Jahre mit ihr zusammen in einer Wohnung ausgehalten, nur war sie nicht unbedingt der Outdoor-Typ. Sie waren beide im gleichen Alter, Dana vierundzwanzig, Marita ein halbes Jahr jünger. Auf dem Gymnasium hatten sie sich kennen gelernt und nach ihrer Ausbildung beschlossen, zusammenzuziehen.

»Ich habe ja gedacht, deine Mutter übertreibt, als sie von den hilfsbereiten Schotten und ihren verrückten Erlebnissen erzählt hat.« Genüsslich tauchte Marita ihren Löffel in den Topf voller Gulasch, den Dana gerade auf dem Gaskocher erwärmt hatte.

»Ja, ich glaube, spätestens nach Bobby und seinen Hühnern hat sich das bestätigt«, lachte Dana. Im Grunde war es ihrer Mutter zu verdanken, dass sie hier waren. Um sich von ihrem untreuen Freund abzulenken, hatte sie bei ihren Eltern ein altes Fotoalbum hervorgezogen. Obwohl sie wusste, dass ihre Eltern, Katharina und Bernhard, in den Jahren vor ihrer Geburt in der Nähe von Edinburgh gelebt hatten, hatten die beiden nie allzu viel davon berichtet. Aber an jenem Abend waren die Augen ihrer Mutter sehnsüchtig über die alten Fotos geglitten, und war über die schönen Zeiten ins Schwärmen geraten, als Bernhard dort noch als Lehrer gearbeitet und so ihren Lebensunterhalt bestritten hatte.

Kurzerhand war in Dana der Entschluss gereift, die ehemalige Heimat ihrer Eltern zu bereisen, und so war sie nun mit Zelt, Rucksack und Marita unterwegs.

»So ein Mist, drei Blasen«, stöhnte Marita. Sie hatte ihr Essen beendet und klebte sich nun Pflaster auf die entsprechenden Stellen.

»Wenn die Schuhe erst eingelaufen sind, wird’s sicher besser.«

Satt und zufrieden ließ sich Dana auf ihre Isomatte sinken, beobachtete die weißen Schäfchenwolken am dunkler werdenden Himmel, die einen faszinierenden Kontrast zu den aufragenden Bergen bildeten.

Schmunzelnd sah sie ein paar Kaninchen zu, die über die Wiese hoppelten und sich gegenseitig jagten. Ansonsten war auf dem Campingplatz nicht viel los. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern aß vor ihrem riesigen Kuppelzelt zu Abend, drei halbwüchsige Franzosen spielten in einiger Entfernung Fußball, und aus einem beigefarbenen Caravan kam ein weißhaariger Mann, der ihnen kurz zuwinkte und dann davonschlurfte, um Wasser zu holen.

Bisher hatten sie auf den Campingplätzen schon einige nette Bekanntschaften gemacht, und in Sterling sogar mit einer Gruppe Engländer die ganze Nacht durchgefeiert. Jetzt waren sie auf dem Weg zur Isle of Skye, die Danas Mutter besonders gut gefallen hatte. (…)

-Ende von Teil 1-

(Weiter zu Teil 2)

Copyright der Leseprobe (c) 2012 by Aileen P. Roberts (mit freundlicher Genehmigung des Verlages und im Auftrag der Autorin)

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Alltag-100-minus30-0.jpg” (Originaltitel: Alltag3.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Anmerkung der Redaktion: Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der erfährt es in diesem Buch der Autorin, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:

Roberts, Aileen P.
Der Feenturm

Roman

Verlag :      Goldmann Verlag
ISBN :      978-3-442-47711-1
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,99 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 14.08.2012
Seiten/Umfang :      640 S. – 20,6 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      20.08.2012

Medien :
Leseprobe(PDF)

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Als Dana bei ihrer Reise durch Schottland auf eine verfallene Turmruine stößt, fühlt sie sich sofort angezogen von dem Ort und seiner mystischen Stimmung. Sie verbringt die Nacht dort und ihr erscheint der Geist von Rionach, einer Piktenkriegerin, die seit 2000 Jahren an diesen Ort gebunden ist. Verzweifelt bittet sie Dana um Hilfe: Nur, wenn die junge Frau sich bereit erklärt, für sie in die Vergangenheit zu reisen und ihren Tod zu rächen, wird Rionach Frieden finden. Dana zögert, glaubt zuerst an einen Traum – und lässt sich dann doch ein auf eine gefährliche, abenteuerliche Reise …

Aileen P. Roberts ist das Pseudonym der Autorin Claudia Lössl. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte sie vor einigen Jahren durch ihren Mann. Als dieser mit der Arbeit an einem Buch begann, beschloss sie, sich ebenfalls als Schriftstellerin zu versuchen. Seither hat sie bereits mehrere Romane im Eigenverlag veröffentlicht, 2009 erschien mit “Thondras Kinder” ihr erstes großes Werk bei Goldmann, danach folgten “Weltennebel” und “Feenturm”. Claudia Lössl lebt mit ihrem Mann in Süddeutschland.

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Aileen P. Roberts: Der Feenturm. – Rezensiert von Irene Salzmann.

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. September 2012

Aileen P. Roberts
Der Feenturm

(sfbentry)
Goldmann Verlag, München, 1. Auflage: 08/2012
PB mit Klappbroschur
Romantic Fantasy
ISBN 978-3-442-47711-1
Titelgestaltung von UNO Werbeagentur, München unter Verwendung von Motiven
von FinePic, München (Landschaft) und Colin Anderson/getty images (Frau)
Autorenfoto von Isabelle Grubert.

www.goldmann–verlag.de
www.aileen-p-roberts.de

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Während ihres Urlaubs in Schottland lernen Dana und ihre Freundin Marita die Engländer Marc und Alec kennen und setzen die Reise gemeinsam fort. Marita und Alec werden schnell ein Paar, doch Dana wahrt Distanz, obwohl ihr Marc ganz gut gefällt. Die Erfahrung mit ihrem Ex Jens lässt sie vorsichtig sein; außerdem ist sie nicht der Typ für einen Urlaubsflirt.

Wegen einer Wette verbringt Dana allein die Nacht zwischen keltischen Ruinen. Dort erscheint ihr der Geist der Kriegerin Rionach, die Dana bittet, in die Vergangenheit zu reisen, ihren Tod zu rächen und ihre Familie zu beschützen. Nur jemand wie Dana, die keltische Wurzeln hat und über magische Kräfte verfügt, ist dazu fähig. Zunächst lehnt Dana das Anliegen ab, da sie keine Kriegerin ist und sich vor dem, was sie in dieser wilden Ära erwartet, fürchtet, doch Rionachs Wunsch lässt ihr keine Ruhe. Schließlich kehrt Dana zum „Feenturm“ zurück, wird von Rionach unterwiesen und reist zweitausend Jahre in die Vergangenheit. Die Geschichte, die sich die beiden Frauen für Dana ausgedacht haben, sichert ihr die Freundschaft von Rionachs Angehörigen. Sie verliebt sich in den jungen Drostan, der ihre Gefühle erwidert, doch als sie sich erneut in seine Zeit begibt, ist er im Kampf gefallen.

Dieser Verlust veranlasst Dana, sich von Ardan, Rionachs Witwer, zur Kriegerin ausbilden zu lassen, denn sie möchte Drostan rächen. Außerdem hat sie noch Rionachs Bitte zu erfüllen: Sie soll den Druiden Domech, der Rionachs Tod verschuldet hat, töten und die kleine Mael, Ardans und Rionachs Tochter, in die Gegenwart bringen. Doch Domech weiß mehr, als Dana ahnt, und etwas stimmt nicht …

Diana Gabaldon hat mit ihrer „Highlander“-Saga das Rad nicht neu erfunden, denn schon vor ihr schickten Autoren Menschen des 20. bzw. 21. Jahrhunderts in die Vergangenheit oder Zukunft, in eine andere Dimension oder Welt, und die Liebe zwingt sie dort oft zu einer wichtigen Entscheidung (H. G. Wells: „Die Zeitmaschine“, Robert E. Howard: „Almuric“, Philip José Farmer: „Die Welt der tausend Ebenen“ usw.). Diana Gabaldons Bücher haben dem Thema zu neuer Popularität verholfen, so dass eine ganze Flutwelle Romantic Fantasy-Romane folgten (P. C. Cast: „Tales of Partholon“, Myra McEntire: „Horglass – Die Stunde des Zeitreisenden“, Marliese Arold: „Das Isis-Tor“ etc.).

Aileen P. Roberts schwimmt ebenfalls auf dieser Welle mit, nach „Díonàrah – Das Geheimnis der Kelten 1 + 2“ und „Weltennebel 1 – 3“ mit „Der Feenturm“ bereits zum dritten Mal, und auch die Inhalte ähneln sich. Reisten in dem Zweiteiler zwei junge Archäologen von Irland aus in die Vergangenheit und erweisen sich als die Schlüssel für die Zukunft ihrer neuen Freunde, war es in der Trilogie ein Londoner Student, dessen Schicksal sich in einer magischen Welt erfüllen sollte. Nun ist es eine Urlauberin, die in Schottland durch einen Zauber zwischen den Zeiten wechselt, um das Vermächtnis einer toten Kriegerin zu erfüllen. Nebenbei wird auch immer die Liebe der Autorin zu Pferden in den Büchern deutlich.

„Der Feenturm“ ist ein Roman, aus dem man leicht drei (!) hätte machen können (vielleicht hatte machen wollen?), da Aileen P. Roberts alias Claudia Lössl sehr viel in ihre Geschichte hinein packt: Drei (!) Männer beeinflussen das Leben von Hauptfigur Dana, einer in der Gegenwart (Marc), zwei nacheinander in der Vergangenheit (Drostan und Ardan). Wie sich Danas Zuneigung zu ihnen und auch ihre Verbundenheit zu Ardans Tochter Mael entwickelt, ist das Hauptanliegen der Autorin, gefolgt vom Leben der Kelten – und erst an dritter Stelle stehen die spannenden Verwicklungen um Rionach, Domech, die Feen und die Kämpfe gegen Feinde, ergänzt durch ein vorhersehbares Familiengeheimnis. Natürlich ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick hin scheint, und so kommt Dana eine noch wichtigere Rolle als die der Rächerin zu.

Ihre Aufenthalte im Zeitalter der Kelten sind nicht so haarsträubend, wie man meinen möchte, da sie als Seherin und Heilerin auftritt und als solche von den alltäglichen Arbeiten befreit ist. Das harte Leben der Menschen bekommt Dana nur am Rande mit, versucht aber, ihnen nach bestem Vermögen zu helfen. Erst als sie lernt, das Schwert zu führen, wird sie auch in die Kämpfe hineingezogen, doch sind Metzeleien kein Thema, an dem die Autorin Spaß hat, so dass sich dieser Punkt in Grenzen hält. Rionach, Ardan, seine mögliche Reinkarnation, Mael und Domech sowie einige andere sind noch für kleine Überraschungen im Verwirrspiel gut. Erfahrene Leser erraten allerdings früh, was kommt. Das liegt auch daran, dass bestimmte Schlüsselfiguren recht unsympathisch gezeichnet sind.

Es gelingt der Autorin, alle Fäden sicher in der Hand zu halten und am Ende miteinander zu verknüpfen. Weniger gefällt, dass ihre Charaktere mehr oder weniger dieselbe, manchmal flapsige und, was die Kelten betrifft, zu moderne Ausdrucksweisen haben. Das passt einfach nicht. Einem jüngeren Publikum, das Romantic Fantasy schätzt, dürfte das kaum auffallen, so dass es die vielen Verwicklungen genießen wird. Reiferen Lesern präsentiert sich die Handlung als zu vorhersehbar, das Thema ist zu abgegriffen, und sie stolpern zudem über die kleinen Mankos und Kunstgriffe, dank derer die Geschichte geradlinig dahinfließt.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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Am 24. Oktober 2012 liest Aileen P. Roberts aus: “Der Feenturm” bei Thalia in Erlangen! Im Preisrätsel auf sfbasar.de ein Exemplar mit persönlicher Widmung der Autorin!

Erstellt von Aileen P. Roberts am 24. August 2012

Lesung aus dem historischen Fantasyroman “Der Feenturm” am 24. Oktober 2012 bei:

Thalia Universitätsbuchhandlung Palm & Enke
Hugenottenplatz 6
91054 Erlangen
thalia.erlangen@thalia.de

Beginn: 20 Uhr mit anschließender Signier- und Fragestunde

Roberts, Aileen P.
Der Feenturm

Roman

Verlag :      Goldmann Verlag
ISBN :      978-3-442-47711-1
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,99 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
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Letzte Preisänderung am 14.08.2012
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Als Dana bei ihrer Reise durch Schottland auf eine verfallene Turmruine stößt, fühlt sie sich sofort angezogen von dem Ort und seiner mystischen Stimmung. Sie verbringt die Nacht dort und ihr erscheint der Geist von Rionach, einer Piktenkriegerin, die seit 2000 Jahren an diesen Ort gebunden ist. Verzweifelt bittet sie Dana um Hilfe: Nur, wenn die junge Frau sich bereit erklärt, für sie in die Vergangenheit zu reisen und ihren Tod zu rächen, wird Rionach Frieden finden. Dana zögert, glaubt zuerst an einen Traum – und lässt sich dann doch ein auf eine gefährliche, abenteuerliche Reise …

Aileen P. Roberts ist das Pseudonym der Autorin Claudia Lössl. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte sie vor einigen Jahren durch ihren Mann. Als dieser mit der Arbeit an einem Buch begann, beschloss sie, sich ebenfalls als Schriftstellerin zu versuchen. Seither hat sie bereits mehrere Romane im Eigenverlag veröffentlicht, 2009 erschien mit “Thondras Kinder” ihr erstes großes Werk bei Goldmann, danach folgten “Weltennebel” und “Feenturm”. Claudia Lössl lebt mit ihrem Mann in Süddeutschland.

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Preisrätsel 1 x 1 Exemplar mit persönlicher Widmung der Autorin!: Wer dieses Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Wie heißt der Druide, den Rionach für ihren Tod verantwortlich macht? (Die Antwort findet ihr in der Leseprobe!) Sobald 100 richtige Mails eingetroffen sind, wird daraus der Gewinner gezogen und an die Autorin weitergeleitet, die dann mit den Gewinner die Widmung bespricht und die Zusendung des Titels abspricht! Wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen!

Gewonnen hat:  Sandra Füger. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN MITSPIELERN UND DER AUTORIN.

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DAS PORTAL NACH SCHOTTLAND – Leseprobe aus dem Roman: Im Schatten der Dämonen – Weltennebel 3 von Aileen P. Roberts

Erstellt von Aileen P. Roberts am 15. Juni 2012

DAS PORTAL NACH SCHOTTLAND

Leseprobe aus dem Roman:

Im Schatten der Dämonen – Weltennebel 3

von Aileen P. Roberts

Zurück (zu Kapitel 1)

Drei Tage später brachen Darian, Mia, Leána, Atorian, Zir’Avan und Nordhalan zum Stein von Alahant auf, um das Portal in die andere Welt ein für alle Mal zu schließen. Auch Torgal und die anderen Krieger hatten sie begleiten wollen, aber es war wichtig, dass sie unentdeckt reisten. Eine kleine Gruppe würde weniger auffallen. Und im Falle eines Kampfes hatten sie fantastische Krieger bei sich, die auch eine zahlenmäßige Unterlegenheit ausgleichen würden. Trotzdem waren die Gefährten nervös, denn der Stein von Alahant lag weit im Norden, nahe der Hauptstadt Culmara, und somit in Samukals direktem Einflussgebiet. Außerdem wussten sie noch immer nicht, wie sie das Portal verschließen konnten. Nordhalan und Zir’Avan hatten bereits verschiedene, starke Bannzauber durchgesprochen, aber ob diese wirklich ausreichen würden, wussten sie nicht. Letzten Endes war das Gelingen wohl von der Gemeinschaft aller Zauberer abhängig.

Zir’Avan hatte in seinem Leben noch nie auf einem Pferd gesessen, hielt sich jedoch erstaunlich gut auf dem Rücken der Schimmelstute, die eigentlich Markat gehörte. Leána saß abwechselnd im Sattel vor ihrer Mutter oder vor Darian und schien sich des Ernstes der Lage nicht bewusst zu sein. Für sie war das alles ein großes Abenteuer und sie freute sich, ihre Eltern endlich wieder bei sich zu haben. Das fröhliche kleine Mädchen lockerte die Stimmung während der Reise auf und lenkte die Erwachsenen von ihren Sorgen ab. Zudem zeigte sich in diesem Frühling das Wetter von seiner angenehmsten Seite, denn meist war es mild, und nur kurze, aber heftige Schauer zogen über Albany hinweg. Wenngleich sich die Gefährten abseits der wenigen ausgebauten Straßen und Wege hielten, konnten sie doch aus der Ferne erkennen, wie emsig an den Hauptverbindungen durch das Land gearbeitet wurde, und wunderten sich darüber.

»Ich möchte wissen, was Samukal vorhat«, überlegte Atorian mal wieder, als er durch dichtes Unterholz spähte und beobachtete, wie an die zwanzig Männer einen ausgefahrenen Weg mit grobbehauenen Steinen befestigten.

»Vielleicht will er den Handel mit den Zwergen oder den Lords im Süden ausbauen«, mutmaßte Darian.

»Ich verstehe nicht, wie sich die Zwerge auf ihn einlassen konnten«, ärgerte sich Nordhalan, denn auch er hatte versucht, das kleine Volk des Ostens auf ihre Seite zu bringen, jedoch ohne Erfolg.

»Wenn nicht einmal Edur sein Volk überzeugen konnte, werden wir wohl ohne die Zwerge auskommen müssen.«

*

Eines Abends machten sie in einem lichten Eichenhain Rast. Im Osten erhoben sich düster die Berge des nördlichen Zwergenreichs, und höchstens zwei Tagesritte trennten sie noch vom Stein von Alahant. Drei frisch erjagte Wildhühner brutzelten über dem Feuer, und Leána war mit ihrer Mutter auf die Suche nach Kräutern gegangen. Fröhlich hüpfte das kleine Mädchen durch den Wald und jagte den beinahe durchsichtigen Nachtnymphen mit ihren schwarzen Flügeln hinterher, die in der hereinbrechenden Dämmerung aus ihren Erdhöhlen kamen.

»Leána, jetzt komm schon«, drängte Aramia, »das Essen wird bald fertig sein, und wenn wir nicht genügend Kräuter finden, schmeckt alles langweilig.«

Leána nickte gehorsam, ließ sich dann aber von einem winzigen Gnom ablenken, der einen hübsch schillernden Pilz mit sich schleppte. Sie folgte dem kleinen bräunlichen Wesen und fand sich urplötzlich auf einer Lichtung wieder. Im Licht der Sterne stand ein Steinkreis, bestehend aus fünf verhältnismäßig kleinen Monolithen, die nicht viel höher waren, als Leána selbst, standen, zum Teil mit Moos überwachsen oder bereits umgestürzt.

Ganz verzaubert ging das Mädchen näher heran, und nach und nach begannen zuvor nicht erkennbare, geheimnisvolle Zeichen auf den Steinen zu leuchten. Wie von Geisterhand zog Nebel auf und dann bildete sich ein silbern und golden glitzerndes Tor über den Steinen, während der Rest der Welt in den Hintergrund rückte.

Leise schimpfend eilte Aramia durch den Wald. Leána war ihr schon wieder entwischt, und wenngleich sie wusste, dass ihre Tochter dank ihrer guten Nachtsicht und einem angeborenen, ausgeprägten Orientierungssinn auch allein zurück zum Lagerplatz finden würde, befürchtete sie, Leána könnte irgendetwas anstellen. Dass diese Befürchtung nicht ganz unbegründet war, wurde der Nebelhexe spätestens in dem Augenblick klar, als sie das fahle Leuchten zwischen den Bäumen bemerkte. Die Luft prickelte vor Magie, und Aramia sah Nebelgeister um sich herum tanzen. Sofort lief sie los.

»Leána, nicht!«, schrie sie entsetzt, als die Kleine gerade dazu ansetzte, durch das Portal zu treten.

Instinktiv rief Aramia die Nebelgeister an, befahl ihnen, um ihre Tochter herumzutanzen und sie abzulenken, und tatsächlich blieb das kleine Mädchen stehen.

Aramia stürzte zu ihr, riss sie zurück und drückte sie dann erleichtert und vor Aufregung zitternd an sich.

»Leána, was tust du denn nur?«, keuchte sie.

Ihre Tochter blickte verwundert auf, dann sah sie zu dem kleinen Steinkreis und sagte enttäuscht: »Das hübsche Licht ist fort.«

Auch Aramia bemerkte, dass nun alles verschwunden war: der Nebel, das Portal, die Nebelgeister. Verwirrt sah sie ihre Tochter an. »Hast du irgendetwas getan? Einen Zauber gesprochen oder so etwas?«

Die Kleine schüttelte energisch den Kopf, und Aramia zog sie seufzend auf die Füße. »Komm, Leána, wir müssen es den anderen sagen.«

»Wird Vater mit mir schimpfen?«, erkundigte sich das Mädchen betreten. Aber Aramia versicherte ihm, dass es nichts falsch gemacht habe.

*

Nachdem die Gefährten gehört hatten, was vorgefallen war, war das Abendessen schnell vergessen. Sie eilten zu dem verfallenen Steinkreis, und als Leána näher trat, geschah das Gleiche wie nur kurze Zeit zuvor. Nebel zog auf, ein silbernes und goldenes Flimmern lag in der Luft und nur wenig später spannte sich ein leuchtendes Portal über dem kleinen Steinkreis. Andeutungsweise erkannte man eine karge, felsige Landschaft auf der anderen Seite.

»Leána ist tatsächlich eine Portalfinderin«, stellte Nordhalan bewundernd fest, »und wie es aussieht, kann sie sogar durch ihre bloße Anwesenheit die Weltennebel dazu bringen, aufzuziehen.«

»Was sind Weltennebel?«, wollte Leána wissen und blickte neugierig durch die Nebelschwaden, die alles jenseits des Steinkreises unwirklich erscheinen ließen.

»Wenn sie aufziehen, kann man die Welten wechseln.«

»Wollen wir nachsehen, wie die andere Welt aussieht?«, fragte sie abenteuerlustig, aber ihre Mutter hielt sie eisern an der Hand fest.

»Nein, Leána, wir müssen das Portal schließen, denn ein böser Mann möchte schlechte Dinge durch dieses Tor bringen.«

Beleidigt schob Leána die Unterlippe vor und ließ sich von Aramia wegführen, woraufhin das Portal augenblicklich verblasste. Nun beratschlagten Nordhalan und Zir’Avan erneut, wie sie das Portal verschließen konnten. Sie sprachen die mächtigsten Bannzauber, die ihnen einfielen, aber stets genügte Leánas Anwesenheit, um die Nebel wieder aufziehen zu lassen.

»Es wird daran liegen, dass ein dritter Zauberer fehlt«, vermutete Nordhalan schließlich resigniert, und Zir’Avan stimmte ihm zu. Sie verzeichneten das Tor in der Karte und hofften, dass am Stein von Alahant tatsächlich ein elfischer Magier auf sie wartete.

Am Tag darauf waren die Gefährten gerade in der Morgendämmerung dabei, ihr Lager abzubrechen und ihre Spuren zu verwischen, als durch die Bäume eine hochgewachsene, schattenhafte Gestalt in Begleitung einer sehr viel kleineren erschien.

Bevor sich Darian auch richtig umgedreht hatte, hielt Zir’Avan schon sein Schwert in der Hand. Sofort stellten sich alle im Kreis um Leána auf, doch die Kleine quetschte sich an ihnen vorbei, und Darian stürzte ihr hinterher.

»Das ist doch nur meine Freundin!«, rief Leána empört aus, und Darian stutzte, als er die junge Elfe erkannte, die er vor vielen Sommern am Rande des Elfenreichs getroffen hatte. Lharina wirkte noch immer so zart und zerbrechlich, wie er sie in Erinnerung gehabt hatte, ähnelte jetzt jedoch beinahe schon einer jungen Frau. Ihr grünes Gewand schleifte über den Boden, als sie näher kam. Es musste eine Art Reitrock sein, denn bei näherem Hinsehen erkannte Darian, dass es aus zwei weiten Beinteilen bestand. Ihr schlanker Oberkörper steckte in einer cremefarbenen Bluse und ein dunkelgrüner Mantel hing um ihre schmalen Schultern.

Ein großer, ernst aussehender Elf wartete in einiger Entfernung und beobachtete die Szene mit prüfendem Blick.

»Senkt die Waffen, ich kenne sie«, rief Darian rasch seinen angespannten Gefährten zu, die verwundert wirkten, jedoch taten, wie ihnen geheißen.

Leána umarmte die Elfe freudig, dann wandte sie sich triumphierend ihren Eltern zu. »Seht ihr, sie ist kein Geist! Das ist meine Freundin, die ich zu Hause auf der Nebelinsel getroffen habe.«

Mit würdevoller Miene verbeugte sich die Elfe. »Mein Name ist Lharina, und ich bin gekommen, euch zur Seite zu stehen. Darian, es freut mich, dich wiederzusehen.« Sie warf einen verschmitzten Blick hinter sich. »Auch wenn es meinem Volk nicht recht ist, muss ich meinen Auftrag ausführen und unsere Welt vor großer Gefahr bewahren.«

Die Gefährten sahen sich ein wenig verdutzt an, doch Darian lud Lharina und auch ihren schweigsamen Begleiter ein, sich zu setzen. Der Elf allerdings blieb, wo er war, und bewachte seine Schutzbefohlene nun aus der Ferne.

Lharina erzählte, wie sie schon vor langer Zeit herausgefunden hatte, dass Leána eine starke Magierin sei, dieses Geheimnis allerdings bewahrt hatte, da die Nebelhexe noch zu jung gewesen war. Mit fester Stimme sprach Lharina davon, dass sie selbst die Wiedergeburt der Elfenseherin Lathara sei, die noch zu Hochzeiten der Diomár gelebt hatte, und dass sie die Gabe beaß, in die Zukunft zu sehen, und auch die Erinnerungen Latharas in sich trüge.

»Mein Volk, und selbst meine Eltern, waren dagegen, dass ich mich in die Geschehnisse der Menschen einmische«, erklärte sie sehr selbstsicher und erwachsen. »Aber in diesem Frühling konnte ich sie endlich überreden, und der Elfenrat hat mir die Erlaubnis erteilt, euch beim Schließen der Portale helfen, sofern ihr auch etwas für uns tut.«

»Und was soll das sein?«, wollte Atorian wissen und richtete sich auf.

Hellblaue Augen wanderten zu ihm. »Unser Volk ist während der letzten fünfhundert Sommer und Winter beträchtlich gewachsen. Wir leben, für unsere Verhältnisse, viel zu dicht beieinander, und das führt zu großen Streitigkeiten.«

»Die Westküste ist ein weitläufiges Gebiet«, wunderte sich Atorian. »Ihr solltet mehr als genug Platz zur Verfügung haben. Oder beansprucht ihr nun einen Teil des Menschenreichs für euch?« Argwohn stand in Atorians Augen, aber Lharina schüttelte lächelnd den Kopf.

»Nein, das wollen wir nicht, aber nachdem ihr eine Portalfinderin bei euch habt, bieten sich neue Möglichkeiten. Falls Leána ein Portal in die Urheimat der Elfen findet, möchten wir einen Teil unseres Volkes hindurchführen, bevor ihr es verschließt.«

Die Urheimat der Elfen, überlegte Darian.

Für einen Augenblick herrschte Schweigen, dann wandte sich Nordhalan an das Elfenmädchen. »Meines Wissens nach wurde das Elfenportal im Süden des Landes zerstört – daran kann auch Leána nichts ändern.«

»Vielleicht gibt es ja ein zweites? Es ist nur die vage Hoffnung eines Volkes, das sich nach der alten Welt sehnt. Ich weiß nicht, ob sie diese Hoffnung jemals erfüllt, aber wir möchten als Dank für unsere Hilfe euer Wort, dass ihr es uns mitteilt, falls ihr das Portal findet.«

Nordhalan nickte huldvoll. »Dies würden wir selbstverständlich tun, allerdings wissen wir nicht mit Gewissheit, wo die Portale liegen. Wir sind nur im Besitz einer unvollständigen alten Karte und einer sehr schlecht gezeichneten Skizze des fehlenden Teils.«

Liebevoll streichelte Lharina der kleineren Leána über den Kopf. »Falls ein zweites Portal existiert und es nicht zerstört wurde, wie jenes im Süden, wird Leána es eines Tages finden, und dann kann mein Volk vielleicht in einer anderen Welt ein neues Leben beginnen.«

»Gehst du dann auch fort?«, wollte Leána mit weit aufgerissenen Augen wissen.

»Noch ist die Zeit nicht gekommen, dies zu entscheiden«, versuchte Lharina sie zu beruhigen. »Auch wissen wir nicht, ob die alte Heimat der Elfen überhaupt noch für uns bewohnbar ist. Dennoch möchten wir uns diese Möglichkeit offenhalten.«

»Teilt uns mit, wie wir das Portal schließen können«, verlangte nun Zir’Avan.

Ohne Scheu blickte Lharina zu dem großen Dunkelelfen auf. Kurz schloss sie die Augen, ein kühler Wind kam auf, und als sie den Dunkelelfen erneut ansah, hatte ihre Stimme einen ganz anderen Klang angenommen. »Nachtjäger und Kinder des Lichts vereint, so war es in alter Zeit, und vielleicht wird es erneut so sein.«

Hastig drückte Darian seine kleine Tochter an sich, denn Lharinas Veränderung war gespenstisch. Mit leicht gesenktem Kopf blickte sie zu den Anwesenden auf, ihre Augen hatten einen merkwürdigen Glanz bekommen und schienen von einem uralten, äußerst starken Geist bewohnt.

Nur einen Augenblick später schüttelte sie jedoch ihren blonden Kopf, der Wind legte sich wieder, und fast unschuldig blickte sie zu Zir’Avan, der sie fragend musterte. »Verzeiht bitte, manchmal kommen diese Visionen und dann bin ich nicht ich selbst.« Sie deutete zuerst auf den Dunkelelfen, dann auf Nordhalan und am Ende auf Mia. »Ihr seid drei Zauberer, von unterschiedlichem Blute, ihr könnt die Portale schließen.«

»Ich bin doch nur eine Nebelhexe«, warf Aramia ein. »Außer Elementargeister zu beschwören verfüge ich kaum über magische Kräfte.«

Ein helles Lachen ertönte von der jungen Elfe. »Nur Elementargeister beschwören! Das ist eine große Kunst, und selbst allein wärst du in der Lage, die Portale für kurze Zeit zu versiegeln.« Als Mia skeptisch die Stirn runzelte, sah Lharina sie mit ihren hellblauen Augen ernst an. »Du kannst einen Bann auf die Steine sprechen, der verhindert, dass die Nebelgeister in die Nähe der Portale kommen. Sie sind Bestandteil der Weltennebel, und wenn sie fort sind, wird ein Durchschreiten des Portals unmöglich sein. Um die Weltenportale endgültig und für alle Zeit zu versiegeln, sind allerdings in der Tat drei mächtige Zauberer nötig, damit ein starker, unumstößlicher Bann auf die Steine gelegt werden kann.«

Staunend hatte Mia zugehört, aber Darian kannte sie gut und sah ihr ihre Zweifel an. »Ich allein soll solch eine Macht haben? Nebelgeister sind launisch und schwer zu beherrschen …«

Lharina legte ihr sanft eine Hand auf den Arm. »Ich werde dir helfen, denn durch meine Ahnin weiß ich, wie man Elementargeister bannt.«

Große Verwirrung und Verunsicherung herrschte, und nun redeten alle aufgeregt durcheinander.

»Warum hast du uns dies alles nicht schon viel früher verraten?«, übertönte Nordhalans kräftige Stimme die der anderen.

»Eine berechtigte Frage«, stimmte Atorian säuerlich zu.

Mit einem leichten Lächeln betrachtete Lharina den alten Zauberer. »Die Zeit war noch nicht reif, auch wusste ich nicht, dass es so etwas wie Portalfinder gibt. Ich spürte nur, dass Leána etwas Besonderes ist, da sie die alten Eichenpfade benutzen kann. So lang ich noch sehr jung war, konnte ich zudem mein Volk nicht überzeugen, euch zu helfen. Außerdem kommen meine Visionen und das alte Wissen Latharas über mich, ohne dass ich beides beeinflussen oder steuern kann. Erst kurz bevor Nordhalan uns um Hilfe bat, suchte mich eine Erinnerung von Lathara heim, und da sah ich, wie ein gefährliches Tor versiegelt wurde.«

An Atorians Miene erkannte Darian deutlich, dass er dem Elfenmädchen nicht uneingeschränkt Glauben schenkte, und Zir’Avans Gesicht blieb zwar gewohnt ausdruckslos, jedoch hatte der Dunkelelf seine Arme vor der Brust verschränkt und seinen Kopf abschätzend zur Seite geneigt hatte. Darian selbst wusste nicht genau, was er denken sollte – einerseits hatte er das Gefühl, Lharina wäre ehrlich, andererseits mochte ihre sanftmütige Art und ihre zerbrechliche Gestalt ihn auch dazu verleiten, sich täuschen zu lassen. Plötzlich erinnerte er sich an etwas. Er zog die Kette mit dem normalerweise unsichtbaren Säckchen vom Kopf und hielt es nun in der Hand.

»Das hast du mir vor langer Zeit gegeben. Ich habe bis heute nicht herausgefunden, wofür es gut ist.«

Lächelnd schloss Lharina seine Hand darum. »Behalte es, es ist Sternenstaub, den ein alter und weiser Magier aus unserer Urheimat hierher brachte. Auch ich weiß nicht, wozu er gut ist, aber ich sah schon vor langer Zeit in einer Vision, dass du ihn bekommen sollst. Achte gut darauf.«

Enttäuscht hängte sich Darian den kleinen Beutel wieder um, und Leána beobachtete staunend, wie er verschwand, als Darian die Kette über den Kopf streifte.

*

Während der nächsten drei Tage brachen immer wieder Diskussionen darüber aus, ob man Lharina wirklich trauen konnte oder ob die Elfen mal wieder ihre ganz eigenen Pläne hatten, so wie Zir’Avan es behauptete. Doch Lharina zeigte sich sehr freundlich und hilfsbereit und übte mit Aramia, Nebelgeister zu bannen. Da morgens und abends häufig der weiße Dunst zwischen den Bäumen hing, war dies auch nicht schwierig zu bewerkstelligen. Um Aramias neu erlerntes Können gefahrlos auf die Probe stellen zu können, reisten sie zunächst zurück zu dem kleinen Steinkreis, welchen Leána vor kurzem gefunden hatte, denn dort mussten sie nicht mit Samukals Wachen rechnen.

Sobald Leána sich dem Steinkreis näherte, zogen auch schon dichte Nebelschwaden auf. Konturlose Geister schwebten umher und tanzten zwischen den hohen Monolithen. Nach einem aufmunternden Nicken der kleinen Elfe schloss Aramia ihre Augen. Sie war so nervös, dass sie sich kaum zu konzentrieren vermochte. Dann legte sie jedoch ihre Hände auf den ersten Stein und sprach einen Bann darauf, der die Nebelgeister davon abhalten sollte, zu erscheinen.

Aramia hörte wildes, widerspenstiges Gekreische in ihrem Inneren. Konturlose Hände zupften an ihr, aber sie befahl den Nebelgeistern, sich zurückzuziehen. Tief in sich fühlte sie eine Quelle der Kraft, stellte sich vor, wie diese Kraft sich ausbreitete und sich wie ein imaginärer Schutzkreis um die Monolithen legte. Tatsächlich dehnte sich die feine Energie aus, verwob sich zu einer Art Mauer, die von höherer Dichte war als die Nebelgeister. Diese Magie wirkte sie an jedem einzelnen der Steine, und als sie geendet hatte, war sie entsetzlich erschöpft.

»Hast es funktioniert?«, fragte Darian gespannt.

Unsicher hob Aramia die Schultern, aber als Lharina mit Leána an der Hand zum Steinkreis trat, blieben die Nebel fern. Die verschlungenen Spiralen und Zeichen in den Steinen begannen fahl zu glühen, aber das silbern und goldene Portal spannte sich nicht mehr darüber.

»Du hast es geschafft!« Stolz drückte Darian sie an sich, und auch Zir’Avans ernste Miene drückte Bewunderung und Anerkennung aus, als er eine leichte Verbeugung in Aramias Richtung andeutete.

»Ist es jetzt geschlossen?«, wollte Leána enttäuscht wissen.

»Für den Augenblick ist es das«, bestätigte Lharina, »es sei denn, deine Mutter würde den Bann lösen.«

Erschrocken sah Aramia auf. »Aber Samukal könnte das herausfinden und mich dazu zwingen.«

»In der Tat könnte dies gesehen. Später werde ich gemeinsam mit Nordhalan oder Zir’Avan zurückkehren und das Portal endgültig versiegeln, denn du bist im Augenblick zu erschöpft. Jeder von uns wird einen eigenen Zauber wirken, der dem anderen unbekannt ist, sodass niemand ihn aus uns herauspressen kann. Der Bann der Nebelgeister sollte lediglich eine Übung für dich sein, Aramia, und dir zeigen, dass auch du allein für kurze Zeit ein Portal davor bewahren kannst, missbräuchlich benutzt zu werden.«

Dies erfüllte Aramia mit Erleichterung, und jetzt zweifelte sie auch nicht mehr an Lharinas guten Absichten. Sie musste unbedingt Nordhalan und auch Atorian davon berichten, denn die beiden waren zurückgeblieben, um die Gegend um Alahant herum auszukundschaften. Müde ließ sich Aramia von Darian zu ihrem Pferd führen und stieg in den Sattel.

»Ich als Nebelhexe habe ein magisches Portal geschlossen«, murmelte sie noch immer ungläubig.

Darian, der Leána gerade in den Sattel gehoben hatte, legte seine Hand auf ihre.

»Du bist eben eine wundervolle Zauberin, ich habe das immer gewusst.«

»Das sehen aber hunderte von Bewohnern Albanys anders.«

»Die werden das schon auch noch eines Tages einsehen«, meinte Darian zuversichtlich.

Großes Erstaunen und auch Bewunderung rief Aramias Tat bei Atorian und Nordhalan hervor, als die beiden am Abend von ihrem Erkundungstritt zurückkehrten. Atorian sprang als Erster vom Rücken seines schwitzenden Pferdes, von dem feiner Dampf aufstieg. »Am Stein von Alahant standen nur fünf Wachen, die wir sicher leicht überwältigen können.« Dann runzelte er die Stirn. »Eine Sache war jedoch unheimlich. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, beobachtet zu werden«, gab Atorian zu bedenken. »Es hat sich angefühlt wie ein unangenehmes Ziehen im Nacken, aber ich konnte niemanden erkennen.«

Lharina warf Tahilán, ihrem Wächter, einen fragenden Blick zu. »Beobachten unsere Leute den Stein?«

»Das mag sein, Euer Vater war in großer Sorge, Prinzessin.«

Laut seufzend schüttelte Lharina den Kopf. »Zuerst will er nichts mit den Menschen zu tun haben, und dann lässt er mich verfolgen.«

»Er fürchtet um Eure Sicherheit.«

»Mir wird nichts geschehen.«

In Tahiláns edel geschnittenem Gesicht sah man große Zweifel, aber er widersprach nicht, sondern verbeugte sich nur und zog sich ein wenig zurück.

Nachdem sich nun eindeutig herausgestellt hatte, dass Leána eine Portalfinderin war, beschlossen die Gefährten, dass das Mädchen am nächsten Tag abseits warten sollte, bis das Portal am Stein von Alahant verschlossen war. Diesmal wollten Nordhalan, Zir’Avan und Lharina ihre Bannzauber darauf legen, denn Aramia war noch recht ungeübt und benötigte lange für ihren Zauber. Dieses Risiko wollten sie diesmal nicht eingehen. Erst wenn sichergestellt war, dass keine Gefahr durch Samukals Wächter drohte, sollte Leána zum Stein gebracht werden, um sicherzustellen, dass dieser tatsächlich verschlossen war.

*

Darian sah seiner Gefährtin genau an, wie ungern sie mit Leána in dem Waldstück zurückblieb, das etwa eine halbe Meile vom Stein von Alahant entfernt lag. Vermutlich hätte Mia lieber mit ihnen gekämpft, aber Darian hatte sie überzeugen können, dass sie der beste Schutz für ihre gemeinsame Tochter war.

Darian, Atorian und Zir’Avan wollten versuchen, die Wachen – soweit möglich – ohne großes Blutvergießen zu überwältigen, während Nordhalan und das Elfenmädchen mit ihrem Wächter warten sollten, bis der Weg frei war.

Leise schlichen die drei Männer durch das Unterholz und entdeckten bald drei gelangweilte Wachen, die in der Nähe des Monolithen saßen und Karten spielten. Sie schienen nicht sehr aufmerksam, und als sie von hinten angegriffen wurden, waren sie derart überrumpelt, dass sie kaum dazu kamen, Gegenwehr zu leisten. Zwei weitere Wachen, die gerade auf der Jagd gewesen waren, wurden von Zir’Avan schnell und leise niedergeschlagen und herangeschleift.

»Das war ja fast schon zu einfach«, meinte Atorian und sah sich unbehaglich um.

Nun hatte auch Darian das Gefühl, Blicke im Nacken zu spüren, doch selbst Zir’Avans feine Sinne konnten keine Gefahr entdecken. Darian rief leise nach seinen Begleitern, und der Zauberer und die beiden Elfen kamen rasch näher.

Während Darian und Atorian, ihre Schwerter schlagbereit erhoben, Wache hielten, sprachen die drei Magier ihre Bannzauber über den Stein. Nur an den hochkonzentrierten Gesichtern der Zauberer bemerkte er, dass sie etwas taten – weder schossen die von ihm erwarteten Blitze aus ihren Händen, noch geschah sonst etwas ähnlich Spektakuläres. Stattdessen verspürte er irgendwann eine Art Summen in seinem Inneren. Es war ein fremdes, wenn auch nicht direkt unangenehmes Gefühl. Er blickte zu Atorian hinüber, der wachsam die Gegend im Auge behielt.

»Spürst du das?«, wisperte Darian.

Sein Bruder sah ihn fragend an. »Was?«

»Eine Art Vibrieren …«, er deutete auf eine Stelle oberhalb seines Magens, »… etwa hier.«

»Nein, ich merke nichts«, versicherte Atorian, während er sich unbehaglich ansah.

Ob das an meinem Zaubererblut liegt?, überlegte Darian, dann beobachtete er weiterhin die Anstrengungen seiner Gefährten,

wobei ihn erneut ein wehmütiges Gefühl beschlich. Jetzt würde er die Welt, in der er aufgewachsen war, niemals wiedersehen, und auch wenn er hier eine Heimat und wunderbare Freunde gefunden hatte, berührte in dies doch sehr.

Endlich kehrten seine Freunde zurück, und Darian machte sich eilig auf die Suche nach seiner kleinen Familie. In Mias Gesicht stand ganz offene Erleichterung, als sie ihn sah.

»Hattet ihr Erfolg?«

Er nickte und hob Leána auf Menhirs Rücken, bevor auch er aufstieg. »Jetzt wird sich zeigen, ob die drei auch so gut sind wie meine kleine Nebelhexe.«

Mia runzelte nur kritisch die Stirn, setzte zu einer Erwiderung an, stutzte dann aber. Und dann hörte es auch Darian: Aus der Richtung, in der sich der Stein befand, erscholl Kampflärm. Offensichtlich war eine Ablösung für die Wächter gekommen, und Atorian, Zir’Avan und Nordhalan verteidigten sich gegen eine wachsende Anzahl an Männern. Zudem hörte man Warnrufe aus dem Dorf, welches sich unweit des Steins von Alahant an einen bewaldeten Hügel schmiegte.

Tahilán kam gerade mit den versteckten Pferden zurück, und bevor Darian etwas unternehmen konnte, war Mia losgaloppiert, um ihren Freunden Zeit zu verschaffen.

Leise fluchend musste Darian zurückbleiben, denn er wollte Leána nicht allein lassen, so gern er auch geholfen hätte. Trotz seines Ärgers über ihr impulsives Verhalten stellte er mal wieder bewundernd fest, wie leicht Mia vom Sattel aus die Männer in Schach hielt. Sie wendete den jungen Hengst mal hier hin, mal dort hin, ihre Klinge pfiff nur so durch die Luft, und so gelang es Atorian, Zir’Avan und Nordhalan, in die Sättel zu steigen.

»Los!«, rief Atorian schon von weitem. Darian riss Menhir herum und galoppierte durch eine Schneise im Unterholz davon. Ganz kurz glaubte er, so etwas wie eine dunkle Gestalt zwischen den Bäumen zu sehen und fühlte einen eisigen Hauch, aber dann hatten seine Freunde, verfolgt von den wütend grölenden Dorfbewohnern, schon zu ihm aufgeholt. Mit den Pferden konnten die aufgebrachten Bauern selbstverständlich nicht mithalten, und so hatten Darian und seine Gefährten bald einen sicheren Abstand zwischen sich und das Dorf gebracht. Dennoch ritten sie noch einige Meilen in Richtung Norden, bevor sie anhielten.

In den Bergen versteckt banden sie ihre Pferde an Bäume und setzten sich auf den von der Sonne gewärmten Boden.

»Jetzt müssen wir wohl damit warten, das Portal zu testen«, stellte Atorian fest, dann nahm er einen tiefen Schluck aus seinem Trinkbeutel. »Die Männer werden wachsam sein und Samukal informieren.«

»Eine gute Gelegenheit, sich den Dreckskerl vorzuknöpfen«, meinte Darian, denn schon lange wollte er sich an seinem Ziehvater rächen.

»Das halte ich für keine gute Idee.« Nordhalan hob warnend eine Hand. »Falls Samukal tatsächlich Hilfe von Dämonen hat …«

Ende (von Kapitel 2)

Copyright (c) 2011/2012 by Aileen P. Roberts

Bildrechte: Dynastien.jpg” (Dynastien2x.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Anmerkung der Redaktion: Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der erfährt es in diesem Buch der Autorin, eine Rezension zur Unterstüzung anbei, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:

Aileen P. Roberts
Im Schatten der Dämonen
Weltennebel 3

Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1. Auflage: 02/2012
TB 47590, Urban Fantasy
ISBN 978-3-442-47590-2
Titelgestaltung von UNO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von Jürgen Gawron
Karte von Andreas Hancock

www.goldmann-verlag.de
www.aileen-p-roberts.de
www.andreas-hancock.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
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Titel erhältlich bei Libri.de

Als der Student Darian von Mia, einer Kommilitonin, erfährt, dass er in Wahrheit der lange verschollene Königssohn von Albany ist, glaubt er ihr zuerst kein Wort. Doch schneller, als es dem jungen Mann lieb ist, wird die für ihn fiktive Welt, von der Mia erzählt, zur Wirklichkeit. Zu seinem Entsetzen entpuppt sich sein Adoptivvater Samukal als Mörder seiner Eltern und als mächtiger Zauberer. Fehenius der Bruder Samukals, schafft es zudem, dass Darian bei seinem Volk in Ungnade fällt. Mit Mias Hilfe gelingt es Darian, seinen tot geglaubten Bruder Atorian zu befreien, der in einem unterirdischen Gefängnis vor sich hinvegetierte. Der Zauberer Nordhalan schließt sich ihnen an. Gemeinsam reisen die Brüder mit Mia ins Reich der Dunkelelfen. Mias Vater will ihnen helfen, einen Zauberer unter den Dunkelelfen zu finden, denn nur so können sie Samukal besiegen.

Samukal hat sich mit mächtigen Dämonen eingelassen. Während Atorian und Darian den Widerstand gegen Fehenius und Samukal organisieren, verliert der Zauberer nach und nach die Kontrolle über die Wesenheiten, die er herbeigerufen hat. Diese richten fürchterliches Unheil unter der Bevölkerung an. Darian bleibt nur eine Möglichkeit: Er muss die verschwundenen Drachen finden und nach Albany zurückbringen; bloß dann haben die Gefährten eine Chance, Samukal und seine Schergen zu besiegen.

Der dritte Teil ist noch düsterer als seine beiden Vorgänger. Die Autorin verschärft den Ernst der Lage zusehends. Ihre Protagonisten beginnen, sich weiter mehr zu entwickeln. Allen voran der mächtige Zauberer. Samukal, der Gegenspieler und Erzfeind Darians, verliert an Boden, als ihm die Kontrolle über die Geister bzw. Dämonen, die er rief, entgleitet. Der große Zauberer fängt allerdings an zu begreifen, dass eine viel mächtigere Figur die Fäden hinter den fürchterlichen Aktionen zieht, die diese Schreckgespenster ausführen. Ein Sinneswandel setzt bei diesem machtbesessenen Mann ein. Darian ist ihm ans Herz gewachsen, und da er ihn wie einen Sohn großgezogen hat, liebt er ihn auch wie einen Sohn. Das wird dem Zauberer klar, als er selber nicht mehr in der ersten Reihe mitspielt.

Atorian findet endlich die Wiedergeburt seiner großen Liebe. Das entspannt die Situation zwischen ihm und Mia. Diese ist einfach froh, dass der Bruder ihres Liebsten endlich aufhört, ihr Avancen zu machen. Das Verhältnis zwischen Mia und ihrem Vater wird immer besser. Dieser gesteht der jungen Frau, dass er ihre Mutter aufrichtig geliebt hat. Die Umstände ihrer Trennung ergeben endlich Sinn für Mia. Der Groll, den sie die ganze Zeit in ihrem Herzen pflegte, beginnt, sich aufzulösen. Darian ist froh, dass Atorian noch lebt, denn nun muss er nicht mehr auf den Thron zurückkehren. Er will bei Mia bleiben und mit ihr und ihrer beider Tochter zusammenleben. Die Protagonisten, die nur als Nebenfiguren auftreten, sind mit ihrem Handeln genauso agil und real eingebunden wie die Hauptfiguren des Dreiteilers. Durch viele kleine Aktionen und einigen Situationen, in der die Autorin ihre Figuren wirken lässt, bekommen diese mehr Tiefe. Natürlich hat Aileen P. Roberts reichlich Fallstricke für ihre Protagonisten aufgespannt und nicht jeder bekommt das, was er eigentlich verdient. Sei es denn im Guten oder im Bösen.

Mit dem dritten und letzten Teil der „Weltennebel“-Trilogie verabschiedet sich die Autorin mit einem fulminanten Abenteuer und Finale von ihren Figuren. Das Ende ist derart offen gesetzt, das eins sicher sein dürfte: Dies ist bestimmt nicht der letzte Besuch von Aileen P. Roberts in Albany. Wenn sie wieder einen Weg dorthin findet, dürfen die Leser sie bestimmt begleiten, um bekannte Gestalten wie Darian oder Mia ein Stück weit ihres Weges zu begleiten. Wer „Thondras Kinder“, ebenfalls von der Autorin, oder die Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“ von Trudi Carvan, schätzt wird sich mit diesem Buch spannende Lesestunden schenken.

Copyright der Rezension © 2012 by Petra Weddehage (PW)

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EIN NEUER FRÜHLING – Leseprobe aus dem Roman: Im Schatten der Dämonen. Weltennebel 3 – von Aileen P. Roberts

Erstellt von Aileen P. Roberts am 25. April 2012

EIN NEUER FRÜHLING

Leseprobe aus dem Roman:

Im Schatten der Dämonen – Weltennebel 3

von Aileen P. Roberts

In Gedanken versunken stand Darian vor dem düsteren Felsmassiv an der Grenze zum Zwergenland und dachte schaudernd an die Zeit, als er allein und verloren in den Gängen des Unterreichs umhergeirrt war. Aus eigener Kraft hätte er dort nie wieder herausgefunden, doch eine Gruppe von Tiefengnomen hatte sich seiner angenommen und ihm die Rückkehr ans Tageslicht ermöglicht. Nun wollte er sein Versprechen einlösen und ihnen die versprochene Belohnung zukommen lassen. Gestern Abend hatte er eigenhändig einen Rehbock geschossen, und dieser lag nun fertig zerlegt vor dem versteckten Zugang ins Unterreich. Schon seit einiger Zeit wartete Darian darauf, dass eines der kleinen pelzigen Wesen erschien.

»Wer weiß, wann diese Tiefengnome ins Freie kommen«, gab Hauptmann Torgal wieder einmal zu bedenken, so wie öfters in den letzten Stunden. »Ihr habt Euren guten Willen bewiesen, Darian, wir sollten wirklich zurück zum Lager gehen.«

»Nein«, erwiderte er bestimmt, »ich habe diesen Wesen mein Leben zu verdanken und möchte mich erkenntlich zeigen. Wenn ich das Fleisch einfach so hier liegen lasse, schleppt es am Ende ein Bär oder Wolf fort, und das wäre nicht richtig.«

Seufzend ließ sich der alte, grauhaarige Hauptmann auf den Boden sinken und schickte sich an, sein vom häufigen Gebrauch schon recht schartiges Schwert zu polieren.

Die Dunkelheit brach herein, und die beiden Männer setzten sich ans Lagerfeuer, wo sie sich leise über Darians Zeit im Reich der Dunkelelfen unterhielten. Die Verwunderung über viele der Dinge, die Darian aus dem Unterreich und der Dunkelelfehauptstadt Kyrâstin erzählte, stand Torgal noch immer offen ins Gesicht geschrieben. Sein ganzes, nun schon über sechzig Sommer dauerndes Leben hatte er Dunkelelfen für skrupellose, mörderische Wilde gehalten, und auch Darian war dieser Auffassung gewesen. Erst die Begegnung mit Mias Vater Zir’Avan und einigen anderen Dunkelelfen hatte den jungen König schließlich dazu bewegt, seine Meinung zu revidieren.

Funken sprühten auf, als Darian einen weiteren Ast ins Feuer warf, und auf einmal nahm er am Rande des Felsmassivs eine kleine, annähernd kniehohe Gestalt wahr, die neugierig ihren pelzigen Kopf ins Freie streckte.

Langsam, um den Tiefengnom nicht zu erschrecken, erhob er sich. »Fleisch – für euch«, sagte er in der knurrenden, abgehackten Sprache der Unterreichbewohner. Der kleine Tiefengnom mit den kugelrunden dunklen Augen, die aus einem pelzigen, bräunlich schwarzen Gesicht heraus starrten, blieb stocksteif stehen.

»Drrraggrann?«, knurrte er dann.

Darian nickte, denn so sprachen die Tiefengnome seinen Namen aus. Das kleine Wesen drehte seinen Kopf wieder in Richtung der Höhle, brummte etwas, und kurz darauf wuselten weitere fünf Tiefengnome aus der Öffnung heraus.

Darian machte Torgal, der mit gezogenem Schwert aufgesprungen war, ein beruhigendes Zeichen. Er wusste, dass der Hauptmann, im Gegensatz zu ihm, die Sprache der Tiefengnome nicht verstand und die dunklen Wesen mit den spitzen Zähnen als Bedrohung ansah.

Langsam und mit misstrauischen Blicken kamen die Tiefengnome näher, schnappten sich dann rasch die Fleischbrocken und verschwanden wieder in ihren dunklen Gängen.

»Gut, morgen früh können wir zurück zum Lager«, stellte Darian fest.

Kopfschüttelnd blickte Hauptmann Torgal zu der Stelle, wo die Tiefengnome verschwunden waren. »Wir leben wahrlich in seltsamen Zeiten.«

In nahezu verschwenderischer Pracht hatte der Frühling sein buntes Kleid über Albany gelegt, als Darian, seine Gefährtin Mia und der Zauberer Nordhalan erneut aufbrachen, nur wenige Tage, nachdem Darian seine Schuld bei den Tiefengnomen beglichen hatte. Von ihrem Lagerplatz am Rannocsee reisten sie nach Westen, um Darians und Mias kleine Tochter Leána abzuholen. Sie hofften, dass das Mädchen durch das geheime Eichentor auf der Nebelinsel bereits direkt aufs Festland, an die Westküste, gelangt war. Sollte dies nicht gelungen sein, stand ihnen eine längere Reise auf die im Westen liegende Insel der Nebelhexen bevor.

»Was ist, wenn sie irgendwo sonst raus kommt und nicht bei Cadman?« Darian machte sich große Sorgen um Leána, und auch an Mia bemerkte er leichte Anzeichen von Unruhe, selbst wenn sie sich bemühte, diese nicht zu zeigen.

»Tagilis hat gesagt, Lilith wird sie begleiten, ganz sicher kommen sie zurecht.«

Trotzdem drängte Darian seine Gefährten zur Eile. In der Ferne konnten sie einen Weiler erkennen, der sich in den Schutz uralter Bäume schmiegte. Kräftige Männer arbeiteten emsig am Bau einer neuen Straße.

»Wenn das Portal erst geschlossen ist, solltet ihr euch zu erkennen geben«, riet Nordhalan. »Sicher werden sich die Menschen dir und Atorian mit Freuden anschließen.«

»Atorian vielleicht schon, mir eher nicht«, gab Darian zu bedenken und dachte mit Grauen daran, wie er vor einigen Sommern sein Königreich hatte verkommen lassen, als er von einem teuflischen Dunkelelfenpilz abhängig gewesen war.

»Wir werden ihnen alles erklären«, meinte Mia aufmunternd und beobachtete lächelnd, wie Schwärme von Schmetterlingen über die Wiese vor ihnen flogen und in der Sonne die wildesten Tänze ausführten. Auch die Bäume waren bereits erblüht, überall tollten junge Hasen, Rehe, und hier und da sogar die scheuen Waldgnome umher.

Mia blieb stehen, schloss kurz die Augen und wenig später schwirrte eine große Gruppe von Heidefeen um sie herum. Die winzigen geflügelten Frauengestalten verharrten kurz, dann stoben sie auch schon wieder davon.

»Ich habe sie gebeten, nach Leána und Lilith zu suchen.« Sie hob bedauernd die Arme. »Ob sie das allerdings wirklich tun werden, weiß ich nicht. Sie lassen sich leicht ablenken, und wenn irgendwo eine besonders hübsche Blume blüht, kann es sein, dass mein Auftrag sofort wieder vergessen ist.«

»Trotzdem finde ich es beachtlich, dass du Elementarwesen beschwören kannst«, warf der große Zauberer mit dem langen grau-schwarzen Bart ein. »Keinem meiner Gilde ist das jemals gelungen.«

Mia lächelte zaghaft. Die Gabe, Elementarwesen zu beschwören, war ihr ausgeprägtestes Talent. Ansonsten beschränkten sich ihre magischen Fähigkeiten auf sehr einfache Zauber.

Ein lautes Geräusch ließ Darians Hand zu seinem Schwert fahren, aber dann entspannte er sich. In der Ferne stapfte nur eine Gruppe Waldtrolle durch das Unterholz, und die drei Gefährten eilten rasch weiter. Sie wollten sich nicht auf einen Kampf mit den groben Wesen einlassen, die sich zwar meist friedlich verhielten, jedoch zur Paarungszeit eine deutliche Neigung zu aggressiven Handlungen zeigten. Es dauerte nicht lange, und einige kleine Heidefeen kamen zurückgeschwirrt und tanzten aufgeregt vor Mia auf und ab.

»Sie sind ganz in der Nähe!« Sofort rannte Mia los, wobei ihr langer schwarzer Zopf wild hin und her pendelte. Selbst Darian, der wieder gut in Form und ein ausdauernder Läufer war, konnte sie kaum einholen. Nordhalan zählte bereits an die zweihundert Sommer und ging ihnen daher langsamer hinterher.

Ein strahlendes Lächeln überzog Mias Gesicht, als sie sah, wie zwei kleine Gestalten auf einem verhältnismäßig großen Pferd über die blumenübersäte Lichtung vor ihnen trabten. Ein Paar winziger brauner Wurzelgnome sprang erschrocken zur Seite, als das gräulich-braune Pferd mit der wallenden schwarzen Mähne angaloppierte und mit donnernden Sprüngen näher kam. Ein zweites dunkelbraunes Pferd, welches am Sattel angebunden war, folgte.

»Mutter!« Noch bevor der imposante Hengst richtig zum Stehen kam, war das schwarzhaarige Mädchen aus dem Sattel gesprungen und umarmte Mia stürmisch. Wenig später wurde auch Darian mit überschwänglicher Freude begrüßt und schloss seine kleine Tochter glücklich in die Arme.

Lilith, die zierliche blonde Frau mit der etwas eigenartig anmutenden Knollennase stieg langsam aus dem Sattel. »Aramia, Darian, ich bin so froh, dass ihr wohlbehalten aus dem Unterreich zurückgekehrt seid.«

Mit einem Lächeln umarmte Mia ihre Nebelhexenfreundin, während Leána Darian aufgeregt erzählte, dass sein Hengst Menhir nicht durch das Portal hätte gehen wollen, sie ihn aber dazu überredet habe. Ein schwarzer Blitz, der von links auf Leána zusprang, ließ Darian zusammenzucken. Dann jedoch erkannte er die schwarze Wölfin Fenja, die ihre kleine Freundin mit feuchten Küssen bedeckte.

»Fenja wollte unbedingt mitkommen«, sprudelte Leána los. »Und sie hat sich nicht so angestellt wie Menhir!«

»Ist denn alles gutgegangen?«, erkundigte sich Mia.

Lilith nickte und deutete auf das zweite Pferd, einen braunen Hengst, der etwas schmaler und eleganter als der kräftige Menhir war. »Liah konnte ich nicht mitnehmen, sie ist inzwischen hochträchtig, daher habe ich dir Lavos mitgebracht.«

Langsam ging Mia zu dem Pferd, das sie aus klugen Augen freundlich ansah.

»Er ist noch recht jung, aber gut ausgebildet. Ich denke, ihr werdet euch mögen.«

Zufrieden klopfte Mia dem Tier den Hals.»Ja, das denke ich auch.«

Leána hatte Darian an der Hand gefasst und zog ihn nun zu ihrer Mutter, wobei sie ununterbrochen vor sich hin plapperte.

»Hast du ihr schon erzählt, was ihre Aufgabe ist …«, begann Darian zögernd, aber Lilith schüttelte rasch den Kopf.

»Wir werden es später tun, wenn sie nicht mehr ganz so aufgeregt ist«, meinte Mia leise und streichelte ihrer quirligen Tochter über die dichten dunklen Haare.

»Was wollt ihr mir erzählen?«

»Du wirst bald deinen Großvater kennenlernen.« Mia beugte sich hinab und Leána sah sie mit ihren großen blauen Augen an.

»Ich habe einen Großvater?«

»Ja, er sieht allerdings etwas … nun ja … anders aus als wir. Er ist ein Dunkelelf und …«

Bevor sie ausgeredet hatte, erschien Nordhalan auf der Lichtung, und Leána rannte sofort freudig auf ihn zu.

»Bist du mein Großvater? Warum hast du denn gar kein Schwert? Haben alle Dunkelelfen so lange Bärte?«

Nach einem Augenblick der Überraschung nahm Nordhalan die Kleine auf seinen Arm. »Nein, ich bin kein Dunkelelf und sie tragen gar keine Bärte. Ich bin Nordhalan, ein Zauberer und Freund deiner Eltern.«

»Ach so.« Zuerst wirkte Leána enttäuscht, aber dann strahlte sie schon wieder. »Willst du auch mein Freund sein? War dein Vater vielleicht ein Zwerg, weil du so viele Haare im Gesicht hast?« Sie runzelte grübelnd ihre glatte Stirn. »Aber dafür bist du viel zu groß, es sei denn, deine Mutter war ein Bergtroll.«

»Leána, nicht alle Wesen sind aus verschiedenen Rassen entstanden«, erklärte Mia geduldig, »Nordhalan ist ein Mensch, und du wirst noch viele reinrassige Menschen kennenlernen.«

»Oh!« Nun schien sie sich ein wenig vor dem Zauberer zu fürchten und ging lieber rasch zu Darian zurück, dem sie ihre Arme um die Hüfte schlang.

»Keine Angst, Leána«, versicherte Nordhalan freundlich, »nicht alle Menschen sind schlecht.«

Sie nickte zustimmend, versteckte aber trotzdem schutzsuchend ihren Kopf an Darians Rücken.

»Komm, Leána, dein Onkel Atorian freut sich schon darauf, dich wiederzusehen, genauso wie Tagilis«, forderte Darian sie auf.

»Sie sind auch hier?« Leána begeisterte dies sichtlich, und sie fragte, ob sie auf Menhir reiten dürfe, was ihr Darian auch erlaubte. Jedoch bestand er darauf, die Zügel zu führen.

Glücklich thronte Leána auf dem großen Pferd und sah sich neugierig um, stellte dann jedoch enttäuscht fest: »Auf dem Festland sieht es gar nicht viel anders aus als auf der Nebelinsel.«

»Wo stand denn das Tor, welches aufs Festland führt?«, wollte nun Nordhalan wissen und musterte die kleine Nebelhexe Lilith unauffällig.

»Gar nicht weit von unserem Dorf entfernt«, erklärte sie mit heller, jedoch energischer Stimme. »Zwei ineinander verschlungene Eichen haben es bezeichnet, und auch auf der anderen Seite waren sehr ähnliche Bäume zu sehen. Es war faszinierend. Ich spürte nur ein kurzes Kribbeln, dann waren wir auf der anderen Seite.«

»Ich habe Cadman getroffen«, erzählte Leána und wippte im Takt von Menhirs ausgreifenden Schritten auf und ab. »Er hat sich gefreut, weil Fenja so ein hübscher großer Wolf geworden ist.«

»Wollte er nicht mitkommen?« Mia sah sich suchend um.

»Nein«, Lilith verzog ihren Mund, »ich denke, der alte Mann hat sich vor mir gefürchtet, weil ich eine Nebelhexe bin.«

Allmählich verstummten die Gespräche, und nachdem sie den ganzen Tag lang geritten waren, erreichten sie am Abend den geheimen Lagerplatz, der verborgen in einem schwer zugänglichen Tal an den Ufern des Rannocsees lag. Zusätzlich hatte Nordhalan noch einen Schutzzauber über die Siedlung gelegt, welche dem flüchtigen Betrachter vorgaukeln würde, die Halbinsel sei völlig unbewohnt. Mehrere mit Stroh oder Heidekraut gedeckte Holzhütten schmiegten sich in den Schutz hoher Bäume und Hecken; rund um das Dorf waren einige Felder angelegt worden, mit denen sich die knapp zwanzig Bewohner ihren nötigen Lebensunterhalt sicherten. Zunächst verhielt sich Leána ungewohnt ängstlich wegen der fremden menschlichen Männer, aber als sie ihren Onkel und Tagilis sah, legte sich ihre Scheu, und vor allem den Zwerg Edur schien sie sofort in ihr Herz zu schließen, denn er machte alle möglichen Scherze mit ihr und ließ sie auf seinen breiten Schultern reiten.

Nach dem Abendessen, als sich alle am Feuer in der größten Hütte versammelten, saß Leána bereits vertrauensvoll auf Nordhalans Schoß und lauschte halb schläfrig den Gesprächen der Erwachsenen, von denen sie vermutlich nicht allzu viel verstand.

Als Nordhalan ein wiederholtes Zupfen an seinem buschigen langen Bart spürte, sah er hinab zu dem kleinen Mädchen.

»Was machst du denn da?«, fragte er empört.

Leána hielt stolz seinen zu mehreren Zöpfen geflochtenen Bart in die Höhe. »Das sieht hübsch aus, außerdem hängt er dir dann nicht so leicht in der Suppe.«

Alle Anwesenden begannen laut zu lachen, während Nordhalan die Kleine mit säuerlicher Miene auf den Boden setzte.

»Mein Bart hat noch niemals in der Suppe gehangen«, betonte er.

»Vater, lässt du dir auch so einen Bart wachsen?«, bettelte sie. »Es macht Spaß, Zöpfe hineinzuflechten.«

Kopfschüttelnd und noch immer grinsend kniff Darian sie spielerisch in die zierliche Nase. »Nein, ich möchte keinen Bart tragen, und bitte lass den von Nordhalan in Zukunft in Ruhe. Ich glaube, er ist da etwas empfindlich.«

Leána seufzte abgrundtief. »Menschen verstehen einfach keinen Spaß, dass sagt Murk auch immer.«

Nur sehr mühsam gelang es Nordhalan, seine strenge Miene aufrecht zu erhalten, und als er zusah, wie die Kleine rasch auf Darians Schoß kletterte und an seiner Schulter einschlief, musste er sich eingestehen, dass er Darians Tochter schon jetzt in sein Herz geschlossen hatte.

Während Darian sich mit Torgal und Edur unterhielt, betrachtete Nordhalan ihn und Leána eingehend. Das Mädchen hatte die filigranen Züge und auch die rabenschwarzen Haare ihrer Mutter geerbt, wenngleich die von Aramia seidiger und glatter waren, Leánas Haar etwas dicker und leicht gelockt. Die großen blauen Augen hingegen stammten eindeutig von Darian, und auch ihr Lächeln erinnerte an den jungen Erben von Northcliff.

Diese kleine Familie wird es nicht einfach haben, überlegte der Zauberer bedrückt.

Noch an diesem Abend brachen hitzige Diskussionen aus, wie sie weiter vorgehen sollten, denn endlich schien die Ausführung ihres Auftrages, den sie von Merradann bekommen hatten, nicht mehr ganz unmöglich zu sein. Das Orakel – in Darians früherer Welt auch bekannt unter dem Namen Merlin – hatte sie aufgefordert, sämtliche Weltenportale in Albany zu schließen, damit Samukal keine weiteren Dämonen mehr durch diese beschwören konnte. Drei Zauberer von zwei unterschiedlichen Rassen bedurfte es, um diese Aufgabe zu bewerkstelligen. Doch erst im Dunkelelfenreich hatten sie dank Mias Urgroßvater Ray’Avan herausgefunden, dass Leána vermutlich eine Portalfinderin war. Heute beschlossen sie, in spätestens zwei Tagen zum Stein von Alahant aufzubrechen.

Doch selbst, wenn sich Leánas Fähigkeit wirklich zeigte – ob sie die Weltentore dann tatsächlich schließen können würden, schien eher fraglich. Denn noch hatten sie keine Nachricht von den Elfen erhalten, die versprochen hatten, im Frühling einen Zauberer zu schicken.

»Vielleicht wartet der Elfenmagier bereits am Stein«, mutmaßte Hauptmann Torgal und fuhr sich durch die kurzgeschnittenen grauen Haare. Darian wusste, dass Torgal all diese Magie ebenso suspekt war wie den anderen Männern, und umso höher rechnete er es ihm an, dass er zu seinem Versprechen stand, an seiner Seite um Northcliff zu kämpfen.

Langsam zerstreute sich die Menge, und die Männer zogen sich in die umliegenden Hütten zurück.

Darian hielt seine kleine Tochter im Arm und starrte grüblerisch ins Feuer. Nachdem Mia sich noch kurz und mit leise mit Lilith unterhalten hatte, trat sie zu ihm.

»Was hast du? Du wirkst so nachdenklich.«

Darian blickte zu ihr auf und betrachtete zärtlich, wie sich das Licht in ihren dunkelgrünen Augen fing und einen sanften Glanz auf ihr ebenmäßiges Gesicht zauberte.

»Leána wird niemals die Welt sehen, in der ich aufgewachsen bin«, sagte er mit leisem Bedauern. »Weißt du, vorher habe ich nicht wirklich daran gedacht, aber wäre es nicht vielleicht besser, wenn wir alle durch das Portal gingen und in der anderen Welt ein neues Leben anfingen?«

Mia zog ihren Stuhl näher zu ihm heran und streichelte ihm über die halblangen dunkelblonden Haare. »Willst du wirklich Samukal euer Königreich überlassen?«

»Nein, natürlich nicht«, gab er zu und schämte sich plötzlich seiner eigennützigen Gedanken. »Aber Leána ist noch so klein. Vielleicht wäre sie in der anderen Welt sicherer.«

»Ich weiß nicht, Darian, ich habe einige Zeit dort gelebt, und ich fand die andere Welt nicht sonderlich sicher.« Dann lachte sie plötzlich auf. »Und kannst du dir Tagilis, deinen Bruder oder Torgal und Nassàr vielleicht als normale Angestellte in einem Büro in London oder Edinburgh vorstellen? Mal abgesehen davon wären wir auch dort immer auf der Flucht, denn wir alle werden sehr viel älter als normale Menschen, und das würde irgendwann auffallen.«

»Du hast schon Recht.« Die Worte seiner Gefährtin hatten ein Lächeln auf sein Gesicht gezaubert. »Die drei würden vielleicht einige Zeit als verkappte und schrullige Antiquitätenhändler durchgehen«, scherzte Darian, wurde aber sogleich wieder ernst und seufzte tief. »Ich weiß, unsere Aufgabe liegt hier, und wir werden sie meistern!«

Aufmunternd drückte Mia seine Hand, dann nahm sie ihm ihre tief und selig schlafende Tochter aus dem Arm und legte sie sanft in eines der einfachen Holzbetten.

Nachdem es dunkel geworden war, erschien Zir’Avan, Mias Vater, in der Hütte. Aus dem Schatten jenseits des Feuerscheins kristallisierte sich die hochgewachsene, schlanke Gestalt des Dunkelelfen heraus, dessen Haut von deutlich dunklerer Farbe war als die der Menschen. Seine langen anthrazitfarbenen Haare hingen ihm bis beinahe zur Hüfte. Mal wieder beeindruckte Darian Zir’Avans eigenartige Aura aus Unerbittlichkeit, Würde und Stolz, wie er hochaufgerichtet, mit gestrafften Schultern dort in der Tür stand, und alles und jeden mit seinem durchdringenden Blick musterte. Dieses Wesen war ganz sicher der tödlichste Gegner, den man sich vorstellen konnte mit ganz eigenen, für Menschen häufig kaum nachvollziehbaren Moralvorstellungen. Jetzt trat der Dunkelelf leise und behutsam an Leánas Bett.

»Dies ist meine Enkeltochter?«, fragte er kaum hörbar und ein zärtlicher Ausdruck trat auf sein sonst so beherrschtes und meist unbewegtes Gesicht.

Mia lächelte stolz, und Darian war froh, dass sie sich jetzt besser mit ihrem Vater verstand. Vor nicht allzu langer Zeit hatte sie Zir’Avan nur Verachtung und Hass entgegengebracht, aber seitdem er ihr und ihren Gefährten im Unterreich sehr geholfen hatte, begann sie ihm langsam zu vertrauen.

»Ich bin von großem Stolz erfüllt. Dieses kleine Wesen ist wundervoll.«

»Warte nur, bis sie wach ist und anfängt, deine Haare zu Zöpfen zu drehen oder ähnlichen Unsinn«, warnte Darian schmunzelnd, was Zir’Avan jedoch nicht davon abhielt, sie weiterhin fasziniert zu betrachten.

Nur sichtlich ungern riss er sich von ihr los.

»Die Nacht bricht herein, wir sollten mit dem Training beginnen«, wandte er sich dann an Darian.

Ebenso wie die anderen Männer hier, übte dieser sich nun schon seit geraumer Zeit mit Zir’Avan im Schwertkampf, denn der Dunkelelf war ein Meister darin und konnte ihnen allen wertvolle Ratschläge geben. Torgal und seine Männer hatten zwar noch immer Vorbehalte gegen den Dunkelelfen, doch da er ihnen bislang keinen Anlass gegeben hatte, der ihr Misstrauen bestätigt hätte, nutzten sie diesen unerwartete Gelegenheit.

Da Zir’Avan das helle Tageslicht unangenehm war, warteten sie meist bis zum Einbruch der Nacht, entzündeten dann Feuer in dem verborgenen Tal und trainierten mit hölzernen Übungswaffen – mit richtigen Waffen wäre der Kampf gegen Mias Vater viel zu gefährlich gewesen. Auch heute ließ Zir’Avan sie Angriff und Verteidigung gegen die den Dunkelelfen eigenen wirbelnden Schläge üben. Obwohl Darian wusste, dass Zir’Avan nur mit halber Kraft angriff, sah er, dass Torgal, Nassàr und Fendor schon nach kurzer Zeit völlig erschöpft waren.

Darian selbst hielt sich ein klein wenig besser, da er bereits mit Bas’Akir geübt hatte, aber auch er wusste, dass er noch viel zu lernen hatte. Der Beste von ihnen war Atorian, dessen Klinge nur so durch die Luft zischte und der Zir’Avans Attacken meist zielsicher parierte. Leichte Eifersucht machte sich in Darian breit, und er nahm sich vor, härter zu trainieren. Allerdings hatte Atorian auch schon über zweihundertfünfzig Sommer und Winter Zeit gehabt, um seine Kriegskunst zu perfektionieren. Rein äußerlich wirkte er dabei nicht viel älter als Darian, der Anfang dreißig war. Die Erben von Northcliff konnten durchaus bis zu fünfhundert Jahre alt werden, wenn sie nicht vorher getötet wurden, und alterten auch rein äußerlich entsprechend langsam.

Die Männer und Mia hatten bereits eine ganze Weile trainiert und langsam, aber sicher erlahmten besonders die Schläge von Torgal und den älteren Männern. Gerade wollte Darian vorschlagen, das Training zu beenden, als die Männer ohnehin innehielten, denn plötzlich stand Leána vor ihnen, nur in ein dünnes Hemdchen gekleidet und mit zerzaustem Haar.

»Darf ich auch mitmachen?«, fragte sie begeistert, dann fiel ihr Blick auf Zir’Avan und sie ging ohne Scheu auf ihn zu. »Du hast dunkle Haut, so ähnlich wie eine Sumpfnyade«, stellte sie fest.

Zunächst schien Zir’Avan der Vergleich mit einer Sumpfnyade zu missfallen, dann zeichnete sich allerdings ein Schmunzeln auf seinem Gesicht ab. »Mein Name ist Zir’Avan, und ich bin dein Großvater.«

»Bringst du mir bei, auch so gut mit dem Schwert zu kämpfen?«, bat sie und fasste an den Griff seiner schlanken Elfenklinge.

»Natürlich, meine Kleine.« Sichtlich erfreut über das Interesse seiner Enkeltochter versprach er: »Ich werde dir ein kleines Schwert aus starkem Holz schnitzen.«

»Sie ist erst sechs, das kann noch warten«, mischte sich Darian jetzt ein und fasste seine Tochter an den Schultern.

»Kinder meines Volkes erhalten bereits in ihrem dritten Sommer ein Schwert.« Unverständnis stand in Zir’Avans Zügen.

»Leána ist aber keine Dunkelelfe.«

Beruhigend legte Mia ihrem Gefährten eine Hand auf die Schulter. »Auch auf der Nebelinsel hat sie schon spielerische Kämpfe mit den anderen Kindern ausgetragen, es wird ihr nicht schaden.«

»Mia, sie ist ein kleines Mädchen, das kann doch nicht dein Ernst sein!«

Mia nahm Darian an der Hand und führte ihn etwas abseits. »Es ist wichtig, dass Leána lernt, sich zu verteidigen. Sie hat Dunkelelfenblut in sich und wird sicher eine gute Kriegerin werden.«

»Sie ist …«, er fuchtelte wild in ihre Richtung, »klein und zart. Leána kann warten, bis sie meinetwegen fünfzehn oder sechzehn ist.«

»Sie soll ja noch nicht in einen richtigen Kampf ziehen. Aber jetzt lernt sie leichter und spielerisch, und Zir’Avan ist ein hervorragender Lehrmeister.«

Darian behagte die Vorstellung, dass Leána eine Kriegerin werden sollte überhaupt nicht, aber da er sich freute, dass Mia ihren Vater zu akzeptieren begann, willigte er schließlich ein. Nach längerem Nachdenken musste er sich auch eingestehen, dass es gut war, wenn Leána schon jetzt mit dem Training begann. Sicher, sie war ein kleines Kind, aber in dieser Welt war es wichtig, von Kindesbeinen an mit dem Schwert vertraut zu sein. Er selbst hatte den Umgang mit der Waffe erst mühselig und unter großer Anstrengung erlernen müssen, als er mit fünfundzwanzig hierher gekommen war.

Sie wird es leichter haben als ich, dachte er, wenngleich er sich kaum auszumalen wagte, dass dieses niedliche kleine Mädchen eines Tages gezwungen sein würde, jemanden zu töten. Aber das wäre wohl immer noch besser, als selbst getötet zu werden.

Im Augenblick sprang Leána wild um Edur herum und versuchte, ihn am Bart zu fassen.

»Musst du nicht eigentlich längst schlafen?«, keuchte der Zwerg irgendwann entnervt.

»Nein, ich habe Dunkelelfenblut in mir, ich kann viel länger wach bleiben«, erwiderte sie selbstbewusst, und setzte ihre Jagd fort.

Schließlich gab sich der junge Zwerg geschlagen. »Gut, aber ich bin kein Dunkelelf und muss ins Bett.«

»So, und wir haben jetzt noch das Vergnügen, Wache zu halten«, meinte Nassàr, eine Grimasse schneidend, zu seinem Freund Fendor. Als Mia und ihr Vater anboten, dies für sie zu übernehmen, schoben die beiden Männer trotzig ihr Kinn vor und schüttelten die Köpfe. Kurz drauf löste sich die Gruppe auf, und jeder verschwand in die umliegenden Hütten.

Langsam schritten Nassàr und Fendor zwischen den in Dunkelheit liegenden Holzhütten hindurch und überquerten den schmalen Damm, der aufs Festland führte. Ihr Lager, das während der letzten sechs Sommer und Winter zu einem kleinen Dorf angewachsen war, war nahezu perfekt vor feindlichen Blicken geschützt. Diese Insel lag am Rande eines Sees, war von Bäumen und Büschen bewachsen, und das Tal war nur durch einen Pass in den Bergen zugänglich.

»Besser wir halten selbst Wache als ein – Dunkelelf«, sprach Fendor Nassàrs Gedanken aus.

»Da hast du Recht.« Der alte grauhaarige Krieger fuhr sich über den Dreitagebart. »Seine Kampfkunst ist beeindruckend, aber ich würde ihm nicht mein Leben anvertrauen.«

Einträchtig umrundeten die Männer den See, um zu dem Pass zu gelangen, der hinauf in die wilden Berge führte.

»Ich wünschte, die kleine Kaya käme wieder vorbei«, begann Fendor irgendwann und blickte sehnsüchtig in den sternenübersäten Frühlingshimmel. Die junge Frau hatte vor einigen Monden den verletzten Tagilis von Ilmor zum Rannocsee begleitet und war kurze Zeit geblieben – nicht ohne mit ihrer quirligen und unkomplizierten Art allen Männern den Kopf zu verdrehen. Leider war sie dann jedoch wieder nach Ilmor abgereist.

»Meinst du nicht, sie ist etwas zu jung für dich?«, entgegnete Nassàr grinsend.

»Ach was, ich bin noch gut in Form.« Fendor fuhr sich durch das noch immer volle braune Haar. »Außerdem sehe ich jünger aus.«

»Ha, ha, wenn, dann kommt sie eher wegen dieses Halbelfen zurück. Sie hat ihm ganz schön glühende Blicke zugeworfen.«

»Was?« Fendor sah seinen Freund entsetzt an, bemerkte dann aber, dass dieser ihn nur aufziehen wollte.

»Blödsinn, Tagilis ist …« Der Krieger beendete seinen Satz nicht, sondern deutete schaudernd auf den nahen See, wo der Halbelf am Ufer saß, eine durchscheinende Gestalt vor sich, mit der er sich offensichtlich unterhielt. Die schwachen Strahlen des Mondlichts genügten, um die Umrisse der schwebenden Frau auf geisterhafte Weise nachzuzeichnen. »Das ist aber schon gruselig, oder?«

Mit einem Gefühl der Beklemmung nickte Nassàr. Als erfahrenen Krieger von über sechzig Sommern erschreckte ihn so schnell nichts, aber ein Halbelf von der Nebelinsel, der einen Geist als Gefährtin hatte, war doch etwas zu viel.

»Das sind eigenartige Zeiten, Fendor. Wir sind mit Nebelhexen, Dunkelelfen und anderen Halbwesen verbündet, am Ende wird noch ein Bergtroll zu unseren Gefährten zählen.«

Belustigt schlug Fendor seinem Freund auf die Schulter, und sie machten sich an den Aufstieg, um den Zauberer Nordhalan und ihren Gefährten Markat abzulösen, die am Eingang zum Tal Wache gehalten hatten…

Ende (von Kapitel 1)

Weiter (zu Kapitel 2)

Copyright (c) 2011/2012 by Aileen P. Roberts

Bildrechte: Dynastien.jpg” (Dynastien2x.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Anmerkung der Redaktion: Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der erfährt es in diesem Buch der Autorin, eine Rezension zur Unterstüzung anbei, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:

Aileen P. Roberts
Im Schatten der Dämonen
Weltennebel 3

Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1. Auflage: 02/2012
TB 47590, Urban Fantasy
ISBN 978-3-442-47590-2
Titelgestaltung von UNO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von Jürgen Gawron
Karte von Andreas Hancock

www.goldmann-verlag.de
www.aileen-p-roberts.de
www.andreas-hancock.de

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Als der Student Darian von Mia, einer Kommilitonin, erfährt, dass er in Wahrheit der lange verschollene Königssohn von Albany ist, glaubt er ihr zuerst kein Wort. Doch schneller, als es dem jungen Mann lieb ist, wird die für ihn fiktive Welt, von der Mia erzählt, zur Wirklichkeit. Zu seinem Entsetzen entpuppt sich sein Adoptivvater Samukal als Mörder seiner Eltern und als mächtiger Zauberer. Fehenius der Bruder Samukals, schafft es zudem, dass Darian bei seinem Volk in Ungnade fällt. Mit Mias Hilfe gelingt es Darian, seinen tot geglaubten Bruder Atorian zu befreien, der in einem unterirdischen Gefängnis vor sich hinvegetierte. Der Zauberer Nordhalan schließt sich ihnen an. Gemeinsam reisen die Brüder mit Mia ins Reich der Dunkelelfen. Mias Vater will ihnen helfen, einen Zauberer unter den Dunkelelfen zu finden, denn nur so können sie Samukal besiegen.

Samukal hat sich mit mächtigen Dämonen eingelassen. Während Atorian und Darian den Widerstand gegen Fehenius und Samukal organisieren, verliert der Zauberer nach und nach die Kontrolle über die Wesenheiten, die er herbeigerufen hat. Diese richten fürchterliches Unheil unter der Bevölkerung an. Darian bleibt nur eine Möglichkeit: Er muss die verschwundenen Drachen finden und nach Albany zurückbringen; bloß dann haben die Gefährten eine Chance, Samukal und seine Schergen zu besiegen.

Der dritte Teil ist noch düsterer als seine beiden Vorgänger. Die Autorin verschärft den Ernst der Lage zusehends. Ihre Protagonisten beginnen, sich weiter mehr zu entwickeln. Allen voran der mächtige Zauberer. Samukal, der Gegenspieler und Erzfeind Darians, verliert an Boden, als ihm die Kontrolle über die Geister bzw. Dämonen, die er rief, entgleitet. Der große Zauberer fängt allerdings an zu begreifen, dass eine viel mächtigere Figur die Fäden hinter den fürchterlichen Aktionen zieht, die diese Schreckgespenster ausführen. Ein Sinneswandel setzt bei diesem machtbesessenen Mann ein. Darian ist ihm ans Herz gewachsen, und da er ihn wie einen Sohn großgezogen hat, liebt er ihn auch wie einen Sohn. Das wird dem Zauberer klar, als er selber nicht mehr in der ersten Reihe mitspielt.

Atorian findet endlich die Wiedergeburt seiner großen Liebe. Das entspannt die Situation zwischen ihm und Mia. Diese ist einfach froh, dass der Bruder ihres Liebsten endlich aufhört, ihr Avancen zu machen. Das Verhältnis zwischen Mia und ihrem Vater wird immer besser. Dieser gesteht der jungen Frau, dass er ihre Mutter aufrichtig geliebt hat. Die Umstände ihrer Trennung ergeben endlich Sinn für Mia. Der Groll, den sie die ganze Zeit in ihrem Herzen pflegte, beginnt, sich aufzulösen. Darian ist froh, dass Atorian noch lebt, denn nun muss er nicht mehr auf den Thron zurückkehren. Er will bei Mia bleiben und mit ihr und ihrer beider Tochter zusammenleben. Die Protagonisten, die nur als Nebenfiguren auftreten, sind mit ihrem Handeln genauso agil und real eingebunden wie die Hauptfiguren des Dreiteilers. Durch viele kleine Aktionen und einigen Situationen, in der die Autorin ihre Figuren wirken lässt, bekommen diese mehr Tiefe. Natürlich hat Aileen P. Roberts reichlich Fallstricke für ihre Protagonisten aufgespannt und nicht jeder bekommt das, was er eigentlich verdient. Sei es denn im Guten oder im Bösen.

Mit dem dritten und letzten Teil der „Weltennebel“-Trilogie verabschiedet sich die Autorin mit einem fulminanten Abenteuer und Finale von ihren Figuren. Das Ende ist derart offen gesetzt, das eins sicher sein dürfte: Dies ist bestimmt nicht der letzte Besuch von Aileen P. Roberts in Albany. Wenn sie wieder einen Weg dorthin findet, dürfen die Leser sie bestimmt begleiten, um bekannte Gestalten wie Darian oder Mia ein Stück weit ihres Weges zu begleiten. Wer „Thondras Kinder“, ebenfalls von der Autorin, oder die Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“ von Trudi Carvan, schätzt wird sich mit diesem Buch spannende Lesestunden schenken.

Copyright der Rezension © 2012 by Petra Weddehage (PW)

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