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DIE BLAUE WAND (vorläufiger Arbeitstitel) – unvollendete Kurzgeschichte von Ann-Kathrin Karschnick

Die Blaue Wand
(vorläufiger Arbeitstitel)

unvollendete Kurzgeschichte
von

Denkwürdig war die richtige Bezeichnung für den Tag, an dem sich das Leben des Crisan-Klans für immer veränderte.

Nilo stand vor seiner Hütte und betrachtet das Lager seines Klans, ohne etwas von dem Unglück zu ahnen, dass ihn in nicht allzu ferner Zukunft ereilen würde. Niemand ahnte es, denn es gab keine Hinweise auf die Katastrophe.

Wie jeden Morgen seit einigen Monaten blickte Nilo unauffällig auf die Nachbarhütte. Dort lebte Luz, die Näherin des Klans. Sie war sehr beliebt bei den Kindern in ihrer Gemeinschaft. Immer war die fröhliche, junge Frau bereit mit den Kindern Ringelreihen oder Verstecken zu spielen. Dabei tanzten ihre blonden, lockigen Haare auf ihren schmalen Schultern auf und ab, während ihre grünen Augen vor Freude strahlten.

Genau auf diese Augen versuchte Nilo jeden Morgen einen kurzen Blick zu erhaschen. Manchmal war ihm das Glück hold und er konnte ihr wunderschönes Antlitz erblicken. Ein besonders guter Tag war es, wenn sie ihn bemerkte und ihm ein zauberhaftes Lächeln mit ihren sanft geschwungenen Lippen zuwarf. Doch an diesem Morgen sah er sie nicht.

Enttäuscht stapfte er los, die Hände tief in seinen Manteltaschen vergraben.

Ohne auf seine Umgebung zu achten, lief er zu dem Feld, auf dem er arbeitete. Seit fast einem Jahr war er Erntehelfer bei Hermann, dem Bauern des Klans. Dort war es seine Aufgabe, die Felder zusammen mit anderen Helfern abzuernten und die gewonnenen Erträge auf die Karren zu verladen, um sie abends ins Lagerhaus zu schaffen. Nach einiger Zeit erreichte er das Feld.

Immer noch missgestimmt, begrüßte er seinen Freund Aldon, der ebenfalls Erntehelfer war. Nilo und Aldon waren gemeinsam aufgewachsen und schon immer die besten Freunde gewesen. Nun arbeiteten sie gemeinsam auf dem weiten Feld. Da ihre Arbeitsstätte einige Meilen außerhalb des Lagers lag, war es bis auf die Arbeiter immer sehr ruhig.

In ihrer Mittagspause setzten sie sich zusammen und aßen schweigend ihr Brot. Schweißnass betrachteten sie ihre erledigte Arbeit, als Nilo plötzlich den Kopf hob. Irritiert über die ruckartige Bewegung starrte Aldon seinen Freund an.

„Was ist los? Alles in Ordnung?“

Neugierig beobachtete Aldon seinen Freund und wartete auf eine Reaktion seinerseits. Nilos dunkelbraune Augen betrachteten abwechselnd den Himmel und die Richtung in der ihr Klan lagerte, während seine Nasenflügel sich aufblähten, innehielten und wieder zusammenfielen. Für einen jungen Mann besaß er eine erstaunlich schmale, dünne Nase, was ihm in seiner Jugend so manchen Spott eingebracht hatte.

Nach einer Weile, in der Aldon geduldig gewartet hatte, erwachte Nilo aus seiner Trance. Ein beängstigender Ausdruck kroch auf seine Gesichtszüge. Seine hohe Stirn legte sich in Falten und er riss seine Augen schreckgeweitet auf.

„Hast du den Donner gehört?

Verwundert blickte Aldon auf und betrachtete den strahlend blauen Himmel.

Keine noch so kleine Wolke war am Firmament zu sehen. Einzig die Sonne warf ihre sommerliche Wärme auf ihre bereits braun gebrannte Haut.

„Nein. Sicher kommt kein Gewitter. Sieh dir den Himmel an“

Nilo dachte kurz nach, schüttelte den Kopf und nickte schließlich zustimmend.

„Sicher hast du Recht.“

Gerade als sie sich wieder an die Arbeit machen wollten, hielt Nilo erneut inne. Diesmal begann sein ganzer Körper zu zittern. Ruckartig ließ er seinen Korb fallen und starrte entsetzt in Richtung des Lagers. Seine Augen waren weit aufgerissen und sprangen hin und her.

„Nilo, ist alles in Ordnung?“ erkundigte Aldon sich misstrauisch.

Er kannte Nilo schon sein Leben lang, aber so hatte er sich noch nie verhalten. Sorgen stiegen in ihm auf. Wieder dauerte es einige Sekunden, ehe Nilo zurück in die Wirklichkeit fand.

„Hast du wieder Donner gehört?“ fragte Aldon, als er spürte wie sein Freund wieder bei ihm war.

„Ja, aber da waren Bilder vor meinen Augen. Alles ging so schnell. Das Feld war plötzlich nicht mehr zu sehen, sondern alles wurde funkelnd Blau und war verschwommen. Das einzige was ich genau wahrnehmen konnte, war meine Angst vor dieser gewaltigen blauen Fläche.“

Als Nilo merkte, was er da sagte, hielt er inne. Es musste verrückt klingen, von großen blauen Flächen zu reden, die glitzerten und nur vor seinem Auge auftauchten. Und dennoch spürte er tief in seinem Herzen sie Wahrheit.

Dieses Blau machte ihm Angst und etwas sagte ihm, dass diese Angst berechtigt war. Nilo starrte zu Aldon und sah seine Vermutung bestätigt.

Aldon betrachtete ihn, als ob er den Verstand verloren hätte.

„Ähm, vergiss einfach, was ich gerade gesagt habe. Lass uns arbeiten gehen.“ versuchte er das eben gesagt herunter zu spielen.

Auch wenn Aldon ihn vorerst in Ruhe ließ, bemerkte er im Laufe des Nachmittages noch zwei weitere solcher Anfälle. Nilo versuchte sie zu überspielen, doch als er ein weiteres Mal die Kontrolle verlor, heftiger als die Male zuvor, war nicht mehr zu vertuschen, dass etwas nicht mit ihm stimmte.

Wieder tauchte die gewaltige blaue, funkelnde Fläche auf und lenkte Nilos Sehkraft auf sich. Diesmal trat sie deutlicher hervor und er erkannte, dass es eine senkrecht in den Himmel ragende Wand war. Das beunruhigende an dieser Wand aber war nicht ihre Größe, sondern die Tatsache, dass sie sich bewegte. In einer unfassbar langsamen Geschwindigkeit glitt diese dunkelblaue Wand auf ihr Lager zu. Wie ein Gigant schien das Blau alles zu verschlingen, was ihm in den Weg kam. Es glitt fast schon anmutig über das Dorf und verschwand spurlos aus seinem Sichtfeld. Was er dann sah, ließ ihn erstarren.

Das Lager war verschwunden!

Nichts war mehr davon übrig geblieben. Ein mächtiger Schrei entwich seiner Kehle und brachte ihn auf das Feld zurück. Schweißnass lag er auf dem weichen Erdboden und starrte hinauf in den Himmel. Nilo war durch die Maisstauden abgeschirmt von den Blicken der anderen Arbeiter und der Sonne, so dass er fast freie Sicht auf das Azurblau des Himmels hatte. Nur den Bruchteil einer Sekunde zögerte er, bevor er aufsprang, Aldon fast umwarf und in Richtung des Lagers sprintete. Die Maiskolben schlugen ihm in den Bauch und in das Gesicht, doch das störte ihn nicht.

Aldon setzte ihm nach. Was auch immer seinen Freund so zusetzte, er musste ihm helfen.

„Nilo! Warte!“ brüllte er ihm nach, doch der rannte stur vorwärts.

Doch Aldon war schon immer der bessere Läufer gewesen und knapp einer halben Meile außerhalb des Feldes holte er ihn ein. Nilo fühlte Aldons Arm an seiner Schulter und er spürte die Bitte dahinter anzuhalten und sein Verhalten zu erklären. Mit entschlossenem Blick lief er weiter.

„Unser Lager ist in Gefahr. Wenn wir uns nicht beeilen, ist es zu spät. Wir müssen sie warnen.“ keuchte Nilo.

Ohne seinen Freund anzusehen, wusste Nilo, dass er misstrauisch die dunklen Augenbrauen hob und ihm nicht glaubte. Wenn er es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde er es auch nicht glauben. Diese Blau war so unwirklich gewesen und noch nie war ihm so etwas Angsteinflößendes begegnet.

„Nilo, beruhige dich. Da ist nichts, was dem Lager Schaden könnte. Die feindlichen Klane sind weitergezogen, als wir sie besiegt haben und sonst gibt es keine andere Gefahr.“

Rein objektiv gesehen, hatte Aldon recht, denn schon seit fast zehn Monden waren sie nicht mehr angegriffen worden. Dennoch spürte er das nahende Unglück wie ein Ziehen in seinen Eingeweiden. Es fraß sich durch ihn und schien ihn vollends zu vertilgen, wenn er sich nicht beeilte.

Sie waren nun nicht mehr weit entfernt vom Lager. Noch eine Düne und er würde es erreicht haben. Als er den Kamm der Düne erklomm, blieb er kurz stehen, um sich ein Bild zu machen. Die einfachen, wenigen Holzhütten standen wie immer im Kreis um die Lagerhalle herum. Männer, die von der Arbeit kamen, Frauen, die auf dem Weg zum Kochen waren und Kinder, die herum tollten, liefen wild durchs Lager. Eine rege Geschäftigkeit, wie jeden Abend, hatte sich ausgebreitet. Das Lager lag in einem fruchtbaren Dünental, um geschützt zu sein, vor den starken Winden die in ihrer Region herrschten.

In der Mitte dieses Tales wuchsen einige Pflanzen und Bäume, so dass man dort genügend Schatten fand und auf festem Grund bauen konnte. Aldon stellte sich neben ihn und blickte ebenfalls hinab.

„Siehst du? Unser Lager ist in Sicherh…“

Weiter kam er nicht, denn ein monströses Donnern schnitt ihm das Wort ab. Das Donnern fuhr Nilo unter die Haut und hallte noch lange nach. Aldon hingegen zuckte dermaßen heftig zusammen, dass er rückwärts stolperte.

Mit der rechten Hand griff er gerade noch rechtzeitig Nilos Arm, bevor er die Düne herunter gepurzelt wäre.

„Was war das?“ keuchte Aldon atemlos und erfürchtig, als er sich wieder gefasst hatte.

„Es kam von dort drüben.“ erwiderte Nilo abwesend und zeigte mit dem Finger auf die hohe, im Sonnenschein fast goldglänzende Düne auf der anderen Seite des Tales.

„Nilo, kannst du sehen, woher der Lärm kam? Was kann nur solch einen Lärm von sich geben?“

„Ich weiß es nicht. Die Düne ist zu hoch, als dass man etwas erkennen konnte.“

Noch während er redete, rannte er hinab auf das Lager zu, um es mit langen Schritten zu durchqueren. Die Bewohner warfen ihm missbilligende Blicke zu, wenn er nur knapp an ihnen vorbeilief. Aldon murmelte Entschuldigungen in alle Richtungen und setzte ihm nach.

Das Lager war schnell durchquert und die beiden jungen Männer begannen den Aufstieg der höchsten Düne rund um das Klanlager. Nur noch langsam kamen Nilo voran, da er im Sand einsackte und sich nach jedem Schritt befreien musste. Die Angst, die ihn auf dem Feld gepackt hatte, wandelte sich nun zu unvorstellbarem Grauen. Etwas hinter dieser Düne würde den Klan auslöschen und bis jetzt wusste er weder, was das war, noch wie er es aufhalten konnte. Schließlich erreicht er den Kamm der Düne und blickte auf die weite Fläche dahinter. Doch der Anblick, der er erwartete hatte, bot sich ihm in keinster Weise.

Eigentlich lag hinter dieser Düne ein feiner Kiesstrand, der an das große Meer grenzte. Der Strand war für die Klanleute im Sommer eine herrliche Abwechslung zum Alltag. Schon früh lernten die Kinder im großen Meer schwimmen. Der Strand war dann immer voller Leben, es wurden Burgen gebaut oder Spiele für den ganzen Klan gespielt. Selbst wenn der Strand unbelebt war, bot er eine entspannende Atmosphäre für alle, die nachdenken mussten.

Das, was Nilo nun aber sah, verwunderte ihn zutiefst. Kraftlos sackte er auf die Knie und betrachtete die völlig veränderte Landschaft. Wo vor kurzem noch das große Meer so selbstverständlich gewesen war, befand sich nun eine dunkelbraune Schlammlandschaft mit nur wenigen dünnen Rinnsalen, die das Braun des Bodens heller erschienen ließen. Was war passiert? Wohin war das Meer verschwunden? Aldon schien genauso perplex wie er zu sein.

Ein kurzer Blick auf die fassungslos drein schauenden Augen und dem offen stehenden Mund genügten ihm als Antwort. Erneut donnerte es und diesmal war die Richtung eindeutig. Das Grollen kam vom Horizont und schien näher zu kommen. Aber egal wie scharf er auch versuchte etwas zu erkennen, die Quelle des Lärms erschloss sich Nilo nicht. Unschlüssig stand er auf der Düne und wusste nicht, was er tun sollte. Verzweiflung breitete sich in ihm aus. Es war für ihn gewiss, dass Gefahr für sie drohte, doch konnte er nicht sagen, was es war. Wie sollte er so den Klan warnen?

Egal wie lange er nachdachte, es blieb ihm keine nur eine Möglichkeit. Er musste es versuchen. Ohne ein Wort zu Aldon zu sagen, drehte er sich um und rannte und rutschte die Düne hinab. Als erstes traf er auf eine Gruppe Männer, vor denen er schlitternd zum stehen kam.

„Wir sind alle in Gefahr! Eine große blaue Wand wird über das Lager hinwegfegen und alles vernichten. Wir müssen hier fort!“ erklärte er ihnen und versuchte sie zu überzeugen.

„Hast wohl zu tief in deinen Humpen geguckt, was Nilo?“ höhnte einer der Männer.

„Nein! Ich meine es ernst. Dieses Blau ist so zerstörerisch, dass nichts von unserem Lager bleiben wird. Alles wird vernichtet werden!“

Verzweifelt versuchte er die Gruppe zu überzeugen, doch es war Zeitverschwendung. Niemand wollte ihm glauben. Gehetzt rannte er zu der nächsten Gruppe, doch dort wurde er ähnlich abwertend behandelt. So lief er einige Minuten kreuz und quer durch das Lager, ehe er vom Heiler angehalten wurde.

„Nilo, warum sagst du das? Es ist offensichtlich, dass uns keine Gefahr droht.“

Wütend über all die Ablehnung packte er den Heiler am Kragen.

„Nein! Ihr seid alle im Unrecht. Ich habe gesehen, was dieses funkelnde Blau mit unserem Lager machen wird. Wir werden alle sterben, wenn wir nicht sofort verschwinden.“

„Du hast es gesehen?“ fragte der Heiler nach.

„Ja, als ich auf dem Feld bei der Arbeit war.“

„Was es erst verschwommen und wurde dann immer deutlicher?“ erkundigte der Heiler sich vorsichtig und äußerst darauf bedacht leise zu sein.

Verdutzt über diese Bemerkung vergaß Nilo seine Wut. Er konnte nur nicken. Erleichtert atmete der Heiler auf.

„Berichte mir was du gesehen hast und beeile dich. Uns bleibt nicht viel Zeit.“

Erst wollte Nilo nachfragen, was der Heiler damit meinte, aber sein Gefühl riet ihm sich wirklich zu beeilen. So erzählte er mit knappen Worten von den Bildern. Stumm lauschte der Heiler dem Bericht. Als Nilo endete, verweilte der blonde Heiler einen kurzen Moment mit gesenktem Kopf, ehe er ruckartig aufsah. Für einen Augenblick glaubte Nilo einen weißen Schleier über den hellen Augen zu sehen, doch beim nächsten Zwinkern war es verschwunden.

„Uns bleiben nur noch wenige Minuten. Schnell, hol deine Familie und führe sie auf die Düne dort hinten. Dort seid ihr sicher. Ich kümmere mich um den Rest.“

Ohne eine weitere Erklärung verschwand der Heiler eilends in Richtung der Lagerhalle. Kurz blickte Nilo den fliegenden türkisfarbenen Gewändern des Heilers hinterher. Dann drehte er sich um und rannte zu seiner Hütte. Seine Mutter saß am Küchentisch und schnitt Gemüse, während seine Schwester es putzte,

„Wo ist Vater?“ rief er härter als beabsichtigt.

Missbilligend blickte seine Mutter ihn an.

„Junger Mann, nicht so ein Ton. Dein Vater schlägt Holz für den Ofen.“

Damit sie nicht schon von vornherein gegen seinen Vorschlag war, sah er sie entschuldigend an und zwang sich trotz allem zu einem Lächeln.

„Ich möchte euch etwas zeigen. Würdet ihr mich begleiten?“

Innerlich errötete er vor Scham, da er zu dieser Lüge greifen musste, aber ihm war klar geworden, dass er mit der Wahrheit nicht weit kommen würde.

„Was ist es denn? Hat das nicht bis nach dem Essen Zeit?“

„NEIN!“ rief er hart aus und ging einen Schritt auf sie zu. Er räusperte sich.

„Nein, hat es nicht. Bitte geht schon mal auf die große Düne im Osten des Lagers. Bitte!“

Der flehentliche Ton in seiner Stimme schien seine Mutter milde zu stimmen.
„In Ordnung, aber nur kurz.“

Nervös schlug Nilos Herz in seiner Brust und schien nicht genug Platz darin zu finden. Unauffällig scheuchte er die beiden Frauen aus der Hütte und trieb sie zur Eile an. Als er sah, wie sie schnellen Schrittes auf die Düne zugingen, wandte er sich hinter die Hütte zu seinem Vater. Auch er ließ sich nicht leicht überreden. Nilo brauchte fast eineinhalb Minuten, bis sein Vater widerwillig die Axt beiseite legte und den Frauen folgte. Nilo war schon auf halbem Weg aus dem Lager, als ihm Luz einfiel.

Sie schwebte nach wie vor in Gefahr!

Das Donnern wurde zu einem andauernden leise ansteigenden Geräusch. Er brauchte nicht zu überlegen, was er als nächstes tat. Seine Beine drehten von alleine um und rannten auf die Nachbarhütte zu. Ohne anzuhalten, riss er die Tür auf, blickte sich in der Hütte um und erfasst Luz. Diese starrte ihn erschrocken an und griff sich mit einer Hand an die Brust. Mit zwei großen Schritten war er bei ihr und griff ihre Hände. Unterbewusst nahm er wahr, wie weich ihre Haut war und stellte sich vor, wie es wäre, wenn diese Hände immer in seinen lagen.

„Komm mit mir!“

Kräftig zog er sie aus der Hütte und nutzte den Moment ihrer Überraschung, um Luz möglichst weit mit sich zu reißen. Das Donnern wurde lauter und mit jedem Schritt, den Nilo machte, spürte er mehr die Vibrationen. Sie waren in der Luft, im Boden, in ihren Körpern. Etwas geschah und wurde immer heftiger.

„Nilo! Warum ziehst du so an mir? Und wo bringst du mich hin?“ kam Luz zu sich.

Vergeblich versuchte sie sich gegen den festen Griff zu wehren, der ihr Handgelenk umklammerte. Sie blieb einfach stehen, wurde aber gleich darauf wieder mitgerissen. Mit ihrer freien Faust schlug sie gegen seine Hand und wollte sich befreien. Ruckartig blieb er stehen.

„Vertrau mir!“ flüsterte er fast und blickte ihr dabei in die Augen.

Seine dunklen Augen verschmolzen dabei für eine Sekunde mit ihren grünen, ehe er sich zwang wegzusehen und weiterzulaufen. Wie gerne wollte er länger in diese Augen blicken, doch wenn er sich jetzt nicht beeilte, würde er sie nie wieder sehen. Das Donnern war inzwischen zu einem Tosen angeschwollen und als Nilo einen kurzen Blick auf die Düne warf, auf der noch immer Aldon stand, wurde ihm schlecht. Ein blauer Schimmer erhob sich über dem gelb des Dünensandes. Noch einmal beschleunigte er seine Schritte.

-ENDE-


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Hier findet sich nun die vervollständigte Geschichte der Autorin!

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Erschienen :  1. Aufl. 15.09.2009
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Updated: 6. April 2012 — 19:26

9 Comments

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  1. Und wie geht die Geschichte aus?

  2. Kurzgeschichten gehen doch nicht immer aus. Bei vielen ist doch das Ende offen, angedeutet, um Platz für eigene Gedankenspielereien zu lassen. Oder nicht? Allerdings – ich gebe es zu – irgendwas fehlt mir auch.

  3. Na das steht da doch: Das Lager war verschwunden! 🙂

  4. ich glaube ja: da fehlt wirklich was! Vielleicht kann ja mal die Autorin was dazu sagen?

  5. Hi,

    ja da fehlt wirklich etwas, denn die Geschichte ist leider die falsche. Diese Kurzgeschichte habe ich nie beendet, obwohl sie ein offenes Ende habe sollte.
    Da Detlef die Geschichte eingestellt hat, kann ich sie leider nicht löschen. Entschuldigung. Ich hoffe, die richtige kommt in den nächsten Tagen online. Das kommt davon, wenn man die Datei fast gleich benennt. Ich bitte nochmals um Entschuldigung.

    Liebe Grüße,
    Ann-Kathrin

  6. Hallo Ann-Kathrin, ich habe die richtige reingestellt schau auf die Startseite, aber willst du wirklich diese wunderbare Story – auch wenn sie unvollendet ist – in den Schredder schmeissen? Ich finde sie wirklich gut und meine, dass sie zum Vernichten einfach zu schade ist! Was meinen denn unsere anderen Leser, soll sie wirklich vernichtet werden?

  7. Felis Breitendorf

    Also ich finde diese Geschichte wesentlich besser als die mit dem Färben.

  8. Ich habe dir mal die neue Version zu geschickt. Die hat jetzt ein Ende.

    Liebe Grüße,
    Ann-Kathrin

  9. Manuela-aus-Baden

    Eine Flutwelle, ein Tsunami, na und? Spätestens nach den letzten Katastrophen eines von vielen schrecklichen Unglücken, die uns auch in unserer ach so fortschrittlichen Welt das Leben rauben können. Der veliebte Junge stirbt, nachdem er seine Angebetete gerade noch retten kann. Wie romantisch. Ich möchte aber den Landarbeiter vernaschen und nicht beerdigen. Seine Vorahnung? Ist oft genug von Menschen erlebt worden. Nichts Neues unter dem Himmel. Tut mir leid Ann-Kathrin, hat mich nicht begeistert :-I

    Liebe Grüße aus Baden
    Manuela

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