sfbasar.de

Literatur-Blog

RENO – Kapitel 4 – Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte von Michael Bahner

RENO

Kapitel 4

Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte

von

Michael Bahner

Was bisher geschah …

Im Zentrum der Lichtung scharrten vier Büffelmännchen, trampelten bedrohlich, machten kurze Ausfälle und zogen sich rasch wieder zurück. Finten, um die Menschen abzuhalten. Sie kreisten um den Kadaver als führten sie ein geheimes Ritual aus. Immer wieder stießen sie mit ihren massigen Leibern gegen das tote Männchen in der Mitte und versuchten es wach zu rütteln, bis sie schließlich erkannten, dass es sich nicht mehr regte. Ein durchdringendes Röhren erscholl und drang bis in die Höhen, von wo aus die Libellenspäher die Lichtung auskundschafteten. Für einen Moment waren sie irritiert, schwirrten im Zickzack durcheinander wie Teilchen in einer Brown’schen Bewegung. Für einen Moment erlosch auch das Blitzgewitter, mit dem die Himmelsmenschen den Landeplatz belegten und auf diese tragisch hoffnungslose Weise versuchten, sich der Büffel zu erwehren. Keiner der Strahlen hatte eines der Tiere getroffen, geschweige denn niedergestreckt. Als die schaurigen Rufe verklungen waren, zogen sich die Kolosse polternd und schnaubend in den Busch zurück. Vier riesige im Infrarot pulsierende Körper wurden vom Dickicht verschluckt, und zurück blieb das verblassende Bild eines langsam erkaltenden Kadavers.

Kurz darauf erleuchtete wieder das grelle Netz der Strahlenwaffen. Aber als die Menschen bemerkten, dass sich auf der Lichtung keine Büffel mehr befanden, erstarb nach und nach das Kreuzfeuer, und sie krochen aus ihren Deckungen. Es gab einige unter ihnen, die auf der Lichtung lagen und deren Infraleuchten verging. Vielleicht waren sie in das ziellose Feuer ihrer eigenen Leute geraten. Wer konnte das wissen? Mit der Zeit gruppierten sie sich nahe der Flugmaschine. Einige der Soldaten sicherten das Schiff, während andere damit beschäftigt waren, die Verletzten zu bergen. Der Großteil war bereits im Schiff verschwunden.

Was sich jedoch im Innern abspielte, blieb den Libellen weitgehend verborgen. Durch die wenigen Fenster und Bullaugen ließ sich nicht erkennen, was vor sich ging.

Dennoch, vorerst hatten sie genug gesehen. Es war an der Zeit, sich zu ihrem Stützpunkt auf der Himmelsglanz zurück zu ziehen.

***

Zwei blasse goldene Kreise bildeten sich im Rund des Kristalls, wurden heller und fingen an, die Umrisse des fremden Fluggerätes zu formen.

Fasziniert beugte sich Mom Chao über den Späherstein. Das Medium saß im Lotossitz auf einer Matte und barg den Kristall zwischen seinen Beinen. Groß wie ein Servierteller ruhte er da, hob und senkte sich fast unmerklich im Rhythmus seiner Atmung. An manchen Stellen war der Kristall spiegelglatt, zeigte scharfe Bilder mit glitzernden Lichtern, an anderen wirkte er diffus und trübe. Von seinem Rand ging ein Flimmern aus, als wäre in seinem Inneren eine Kerze verborgen, die in einer leichten Brise flackerte. So erweckte er den Anschein, über dem Schoß des Mediums zu schweben. Lange knochige Hände strichen an den Seiten entlang. Immer wieder veränderte sich das Leuchten, und Muster tanzten im Lichtspiel.

Inzwischen waren mehrere Stunden vergangen. Im ersten Licht des heranbrechenden Morgens meldete einer der Beobachtungsposten die Sichtung des Himmelsschiffes. Weithin sichtbar erhob sich der glänzende Leib seines Rumpfes über den Bodennebel und die vom Tau schwere Vegetation. Das Gelände um den Landeplatz machte einen weit weniger verwüsteten Eindruck, als nach den nächtlichen Vorfällen zu vermuten gewesen wäre. Auch das Schiff zeigte keine offensichtlichen Schäden. Viele der Himmelsleute kauerten immer noch darunter. Weiter draußen auf der Lichtung bildeten einige der gepanzerten Soldaten in mehreren Reihen eine improvisierte Schutzzone. Dabei vermieden sie es tunlichst, dem stinkenden Kadaver zu nahe zu kommen.

Zwei ihrer Trupps waren währenddessen den riesigen Büffeln nachgeschlichen. Die Schneisen, die diese im Buschwerk hinterlassen hatten, machten es den Soldaten leicht, ihrer Spur zu folgen. In einer Senke fanden sie die Tiere, wo diese laut schlürfend Wasser aus einem Tümpel tranken und an der Böschung ästen. Immer wieder stieß eines von ihnen spitze, klägliche Rufe aus, dann versuchten es die anderen zwischen sich zu drängen und zu beruhigen.

Aber es waren nur vier Tiere! Die Stampede, die den Landeplatz überrannt hatte, hatte aus einer Horde von mindestens vierzig Exemplaren bestanden. Wo waren die anderen?

»Psychobüffel?« stieß Mom Chao erstaunt hervor.

»Ja, Kommandantin«, ergänzte der Spähmeister leise. »Eine Gruppe junger Stiere.«

Hrinkel schickte sich an zu erklären: »Bei Gefahr oder wenn sie in Panik geraten, rufen sie bei Tieren und Menschen in ihrer Umgebung Hallunzinationen hervor. Sie vervielfältigen sich, aus einem werden fünf oder zehn. Die Fremdweltler haben einen von ihnen erlegt, das muss sie furchtbar in Rage gebracht haben. Eine wildgewordene Gruppe halbwüchsiger Psychobüffel … haha, bei den Göttern, ich möchte nicht in ihrer Nähe gewesen sein. Die Fremdweltler müssen den Eindruck gehabt haben, einer ganzen Herde … «

»Danke für die Belehrung, Hauptmann«, unterbrach ihn Mom Chao, ohne aufzublicken. Hrinkel schwieg augenblicklich.

Contenance, meine hitzige Prinzessin, dachte sie dann. Das ist eines der Attribute, die ich noch lernen muss, um mich an anderer Stelle nicht zu unüberlegten Bemerkungen hinreißen zu lassen. Es würde mich nicht wundern, wenn der Kaiser auch hier seine Spione hätte. Nur allzu oft habe auch ich schon davon profitiert. Vielleicht der …

»Beben«, schrie der Spähmeister mit sich überschlagender Stimme und riss beschwörend die Arme in die Höhe. »Überall Beben! Die Zeichen der Arachniden!«

Die Büffel am Wasserloch erstarrten, standen da mit tropfenden Mäulern, die Ohren kerzengerade in die Höhe gereckt, während ihre Körper von den Erschütterungen des Untergrunds erzitterten. Im nächsten Moment trampelten sie durcheinander, wurden zehn, eine Herde und noch mehr. Panisch stampften sie die Vegetation nieder, stoben durch den Tümpel und den Matsch, schwangen hektisch ihre schweren Häupter. Schließlich preschten sie wild brüllend die Böschung hinauf, hinter dem größten Bullen und dessen Abbildern her, und verschwanden hinter der Kuppe.

Wie gebannt beobachteten die Gepanzerten das Schauspiel, aber jetzt trieb sie die Angst zurück zur Lichtung, wo sie mit ansehen mussten, wie der Boden unter ihrem Schiff plötzlich weg sackte. Die Stützen, die den Rumpf trugen, knickten ein, brachen, sein ganzes Gefüge ächzte, als das schwere Raumschiff auf die Erde schlug und, Heck voraus, wie auf einer Rampe unter ohrenbetäubendem Kreischen im Untergrund versank. Doch auf halbem Weg verkeilte es sich und saß fest. Die Leute, die darunter Schutz gesucht hatten, waren auseinander gesprengt, weg von dem Loch. Blindlings stolperten sie über die Lichtung und ins Dickicht. Hinter dem Raumschiff, jenseits der Lichtung, brachen weitere Gruben auf, und einige der Himmelsmenschen stolperten hinein. Aber nicht viele, denn gleich darauf fuhren unter Furcht erregendem Geklacker und Schlagen dunkle Schatten aus den Erdlöchern. Ganze Schwärme quollen aus der Tiefe, flankiert von Klumpen glühender Geschosse, die ihre Kurven über den Himmel zogen und ihre Ziele in der Nähe der Lichtung fanden. Wie viele der Geschöpfe aus der Erde strömten, konnte man im Dunst des Morgens nicht erkennen, nicht einmal der Infrarotblick der Libellen. Aber dem Lärm nach zu urteilen, war es ein ganzes Arachnidenheer.

»Ein Heer?« stieß Mom Chao zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Der Spähmeister nickte stumm.

»Ein Heer!« Sie ballte die Fäuste und fixierte den leuchtenden Späherstein. »Wir haben nicht genug Soldaten und auch nicht die nötige Ausrüstung, um es mit einem ganzen Heer aufnehmen zu können.«

Abgesehen von den Verlusten von Mensch und Tier, die verschmerzbar wären, würde ich mein Ziel nicht erreichen. Ich brauche Gefangene unter den Himmelsmenschen, und ich brauche das Fluggerät oder wenigstens einen Teil davon.

»Mitkommen«, befahl sie, während sie aus dem Raum stürmte. Die Schutzmaske hatte sie bereits übergestülpt, als sie dem Hauptmann ihre Anweisungen diktierte. Die Leibwache folgte ihnen zu den Flugschächten hinab.

»Ihr wollt mit drei Schwärmen angreifen?« Hrinkel sah sie fassungslos an. »Den Arachniden in die Flanken fallen? Sie werden sie mit ihren Geschossen in kürzester Zeit vom Himmel geholt haben.«

Mom Chao blieb so abrupt stehen, dass Hrinkel sie beinahe überrannte. »Stellen Sie meine Befehle infrage, Hauptmann, oder liegt es an meiner undeutlichen Aussprache?«

Hrinkel blinzelte nervös zu den Leibwachen und raunte: »Haltet mich nicht für anmaßend oder respektlos, Hoheit. Ich bin Ihr Berater, auch in strategischen Fragen. Und dieser Zug wäre, mit Verlaub, Verschwendung unserer Kräfte.« Er wich unwillkürlich vor ihrer eisigen Miene zurück. »Oder hattet Ihr vor, zum Schein zwei Fronten an den Flanken zu errichten, um die Kräfte der Arachniden zu binden?«

»Weiter, Hauptmann, weiter.«

»Wenn ja, müssten wir Schneisen schlagen mit Bomben, Granaten und Petroleum, Feuer legen, damit die Arachniden gestoppt werden. Die Zeit, die wir dafür benötigten, wäre länger, als wir zur Verfügung haben. Allerdings glaube ich nicht …«

»Lassen Sie Ihren Glauben aus dem Spiel«, unterbrach sie ihn barsch. »Die Arachniden müssen nur für kurze Zeit abgelenkt werden. Außerdem werden so unsere Luftstreitkräfte und die Bodentruppen beschäftigt.« Hier senkte sie die Stimme. »Natürlich mit Ausnahme von vier Libellen. Mann, vor allem die Treuen des Kaisers sollen sich mit dem Gemetzel befassen … und sich meinetwegen aufreiben.« Mom Chao hatte gute Lust, den Hauptmann zu packen und zu schütteln. Warum war er nur so begriffsstutzig?

»Die Verluste sind zweitrangig«, zischte sie ihm zu. »Möglicherweise ist auch das Fluggerät verloren, aber es gibt auf der Lichtung genug lebende Himmelsmenschen, die wir noch vor den Arachniden erreichen können. Nur müssen wir uns beeilen.«

»Und unsere Libellentrupps verschaffen uns die nötige Zeit zum Handeln …«

Dem Himmel sei Dank, er hat es verstanden, dachte Mom Chao.

»Ihre Taktik könnte Erfolg versprechen, Kommandantin, allerdings …«

Pass genau auf, was du sagst, Hauptmann. »Allerdings, was«, fragte sie langsam, ihren finsteren Blick auf ihn geheftet.

»… allerdings ist das nicht die Taktik, die der Kaiser für gut heißen würde, angesichts der Übermacht des Feindes.« Trotz der Kälte glänzten Schweißperlen unter seinem Haaransatz.

»Der Kaiser«, lachte Mom Chao laut auf. »Der Kaiser hätte eigenhändig die Gasblasen seines Luftschiffes zerfetzt und die Himmelsglanz auf die ganze Spinnenbrut geschleudert, nur um sie daran zu hindern, das Schiff der Fremdweltler zu erreichen.«

Sicher nicht, Prinzessin, dachte der Hauptmann. Ich bin vielleicht nicht halb so schlau wie Ihr, aber unterschätzt den Kaiser nicht.

Trotz zischender Ventile und puffender Rohre, trotz des Klackerns der unruhigen Libellen in den Abflugschächten, wandten sich der Stallmeister und ein paar seiner Knechte um. Als sie jedoch bemerkten, wer da gelacht hatte, duckten sie sich eilig wieder über ihre Arbeit.

Ein wenig gefasster fuhr Mom Chao fort: »Den Kaiser lass meine Sorge sein.« Sie atmete tief ein. »Kann ich mich darauf verlassen, dass meine Befehle ausgeführt werden?«

»Das steht außer Frage, Herrin«, erwiderte Hrinkel unterwürfig.

Natürlich, mein großer Dummkopf.

»Und du wirst mich begleiten.«

»Ich … natürlich … aber wollt Ihr wirklich selbst …«, begann Hrinkel und riss die Augen auf. Dann verbeugte er sich schnell, eilte durch die Stallungen und bellte Befehle.

***

In was war er da nur rein geraten? Um ihn herum blitzte und donnerte es, und sein Kopf brummte und dröhnte, als hätte sich ein Bienenschwarm eingenistet.

Dann erinnerte er sich wieder an die Party und Tschangs selbstgefällige Präsentation seiner Jagdtrophäe, an den Überfall dieser grässlichen stinkenden Viecher, an die Hektik, während der er an Lenas Seite … Lena!

Reno versuchte aufzustehen, knickte aber wieder ein. Die ganze Welt dröhnte und lärmte, und der Boden wankte und drehte sich. Doch schließlich ließ das Kreisen nach, und es gelang ihm, sich auf den Beinen zu halten. Aus dem Getümmel hinter der Kyrie Hyperion stiegen Säulen dichten Qualms in die Höhe, dazwischen loderten helle Flammen. Inmitten der gleißenden Blitze des Laserfeuers tauchten große gewölbte Schemen aus den Schwaden hervor und verschwanden wieder. Gedämpftes Poltern und Hacken war zu hören wie eiserne Schwerter, die auf hartes Holz trafen. Bellende Rufe, Schreie und dann dieses fremdartige Klackern, das er schon bei ihrer Wanderung durch den Busch vernommen hatte.

Keine zwanzig Meter entfernt entdeckte er Despina, die mit Mühe ein Bündel vom Boden aufnahm und sich über die Schulter legte. Aber das war kein Bündel, das war …

»Lena«, entfuhr es Reno.

Obwohl der Kampflärm hinter dem Raumschiff jedes Geräusch übertönte, schien Despina ihn bemerkt zu haben. Sie machte eine Bewegung, die ein Winken hätte sein können, aber unter ihrer ungewohnten Last eher so wirkte, als wollte sie ihn vertreiben.

In wenigen Sätzen hätte er bei ihnen sein, sie beide, alle drei aus der Gefahrenzone bringen können, einfach weg, wenn nicht plötzlich – wie aus dem Nichts – ein mächtiger Fels aus dem Boden empor geschossen wäre, übermannshoch und schwarz wie die Nacht. Mit Schwung knallte Reno gegen eine Oberfläche, die hart und glatt war wie ein polierter Schiffsrumpf und doch soweit nachgab, dass er sich nicht den Schädel einschlug. Der Berg zitterte und bebte, ruckte und zuckte hin und her, dann setzte ein metallisches Schnarren ein, dasselbe seltsame Geräusch, das er hinter dem Raumschiff gehört hatte – nur hundertmal lauter.

Als das fremdartige Wesen seine stelzenartigen gebogenen Gliedmaßen aus der Grube lupfte, erhielt er einen harten Schlag gegen die Rippen, der ihn hoch hob und mehrere Meter weit über die Lichtung schleuderte. Ein Gebüsch dämpfte seinen Aufprall, dennoch blieb er schwer atmend vorerst dort liegen. Wie das Wesen so geduckt vor ihm hockte, sah es aus wie eine überdimensionale Spinne mit viel zu kleinen Beinen. Reno hielt die Luft an. Es war nicht zu entscheiden, ob es ihn bemerkt hatte oder wo sich sein Kopf befand, wenn es überhaupt einen besaß.

Von einer Seite zischten Laserblitze über den vibrierenden Panzer des Spinnenwesens und hinterließen an mehreren Stellen kokelnde Kerben. Unter dem Beschuss wich sie ein paar Meter zurück und duckte sich wie zum Sprung. Allerdings sprang sie nicht, sie hockte nur regungslos da und erweckte fast den Anschein, als schliefe sie. Da durchschnitt ein Knall die Luft, scharf wie von einer Peitsche. Der Umriss des Soldaten schwankte, stürzte, doch bevor er den Boden erreichte, fiel er auseinander, nein, ein Teil wurde regelrecht heraus gerissen. Unweit von Reno klatschte es in eine Pfütze. Der Gewehrarm mit sauber kauterisierter Schnittfläche, die warmen Finger noch um den Griff der Waffe gekrampft. Etwas, das aussah wie ein dünner Tentakel schwirrte durch die Luft und zurück in den Spinnenpanzer.

Reno hatte genug gesehen, um zu erkennen, dass er sich am besten ruhig verhielt.

So rasch, wie er es nie für möglich gehalten hätte, rannte die Spinne von ihm weg, verharrte einen Augenblick und heftete sich einen grauen länglichen Kokon auf den Rücken. Ihm blieb fast das Herz stehen, als sie mit einem Sprung ein paar Meter von ihm entfernt wieder erschien. Aber gleich darauf rüttelte sie sich in ihre Höhle zurück, aus der sie vor wenigen Momenten hervor geschlüpft war, umhüllt von dichten Wolken aus Staub und Dreck.

Der Kokon war das letzte, was Reno von dem Wesen sah, ein Kokon mit lebenden Inhalt und angsterfüllten Augen, die ihn daraus anstarrten. Schimmerndes Grün, Lenas Augen, flehend, und ein Mund, der stumme Worte formte.

Etwas von ihm versank mit in der unergründlichen Tiefe, etwas, das eine traurige schmerzende Leere hinterließ.

Der Staub hatte sich längst gelegt, als Reno endlich wieder zur Besinnung kam. Er konnte sie doch nicht einfach diesen Monstern überlassen, so leicht sollten sie es nicht haben. Auch, wenn er vielleicht nichts ausrichten konnte, musste er versuchen, sie zu befreien. Es kostete ihn einige Kraft, das Sturmgewehr aus dem Klammergriff des abgetrennten Armes zu befreien. Aber er schenkte dem ebenso wenig Beachtung, wie der Tatsache, dass er mit dieser Waffe gegen die Spinnenwesen offensichtlich nichts ausrichten konnte.

Kaum, dass er an den Rand der Grube getreten war, und den Hohlraum darunter mit dem Visier und den Zielsuchsensoren abgetastet hatte, erkannte er die Unsinnigkeit seines Vorhabens. Nichts als Geröll und dunkle Nischen und Gänge. Es war nicht die geringste Spur zu erkennen, und er hatte keine Ahnung, womit er es zu tun bekommen würde. Vor lauter Hilflosigkeit und Wut brüllte er in die Grotte hinab und feuerte mehrere Salven in die Dunkelheit.

Aber was sollte er sonst machen, als hinab zu steigen? Zur Station zurückkehren, falls er jemals von hier weg kommen sollte, und eine Vermisstenmeldung schreiben? Unmöglich. So würde er nie wieder in den Spiegel schauen können, und vor allem konnte er ihr, Yamura, nie mehr unter die Augen treten.

Da hörte er hinter sich ein Brausen. Einige mächtige Flugtiere senkten sich bockend und geifernd auf die Lichtung, Libellen, aber viel größer als die, die ihren Sphärenhopper angegriffen hatten. Bewaffnete Eingeborene in Lederwams und Metallharnisch sprangen flink von den Rücken der Insekten und verteilten sich. Und ehe Reno reagieren konnte, stand ein gewaltiger Krieger vor ihm und holte zum Schlag aus.

***

»Halt!« Mom Chao war in voller Rüstung von ihrer Libelle gesprungen, noch ehe diese den Boden berührt hatte. Unerschrocken trat sie vor ihren Hauptmann und betrachtete den Fremdweltler, der unschlüssig und sichtlich verwirrt neben dem Eingang des Arachnidenstollens stand.

»Wir sind Freunde, sieh her.« Mit diesen Worten hob sie beide Arme mit den geöffneten Handflächen nach vorne, zum Zeichen, dass sie unbewaffnet war. »Du hast einen Gefährten an die Arachniden verloren?« Sie lüftete die Pilotenhaube. Schwarze verschwitzte Strähnen fielen ihr über die Schultern, während sie seine verstörte Miene zu deuten versuchte. »Oder … eine Gefährtin?«

Ein Mann nach meinem Geschmack. Er kann mir mehr sein, als ein Verbündeter im Himmel, und wir können mehr vereinen, als unsere Kräfte und unser Wissen. Bedauerlicherweise muss ich ihn vorerst meinem groben Hauptmann überlassen. Er soll sich nur nicht unterstehen, ihm ein Haar zu krümmen.

Der beruhigende Klang ihrer Stimme, ihre beschwichtigenden Worte, die der Himmelsmensch nicht verstand, und ihre auffordernden Gesten genügten dennoch, ihn zu den Libellen zu führen – und zu den Sarkophagen. An seine Waffe klammerte er sich jedoch wie an einen Talisman.

Sein Liebchen wird als Mahlzeit enden, soviel ist sicher. Aber besser, er erfährt es nicht. Die Hoffnung wird ihn stärken. Ihn und mich.

zur Fortsetzung …

zur Kapitelübersicht …

Copyright © 2012 by Michael Bahner

NEU Download der Story als mobi (Kindle) und epub

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Summe über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Leseempfehlung des Autors:

Bhuiya, Josefine; Gerstenmayer, Klaus; Heinzinger, Anton
Der Nabel der Zeit
Science-Fiction-Erzählungen und Visionen

Verlag : Engelsdorfer Verlag
ISBN : 978-3-86268-984-2
Einband : Paperback
Seiten/Umfang : 296 S. – 21,0 x 15,0 cm
Produktform : B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum : 1. Aufl. 20.09.2012

Titel erhältlich bei Amazon.de

Eine einsame tote Raumstation verbirgt ein ungeklärtes Geheimnis. Werden die Astronauten die geschehenen Vorgänge lüften? Lassen Sie sich nicht von den gefährlichen Glitschenbäumen fangen! Lesen Sie wie der rote Hengst bezwungen wird von wabernden Halluzinationen! Der Band versammelt in der Mehrzahl Science-Fiction-Erzählungen, aber auch einige Reisen in Fantasiewelten sind zu finden. Ausflüge in frühere Zeitepochen finden statt. Dabei gelingt die Rückkehr nicht ohne Komplikationen. Der Band enthält viele spannend geschriebene Erzählungen.

Titel erhältlich bei Amazon.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

7 Comments

Add a Comment
  1. Sehr schöner Buchtipp, klingt ziemlich interessant. Könnte sogar für mich persönlich was sein. Vielen Dank, Micha.

  2. Michael: Leider gibt es den Titel nur bei Amazon. Kannst du die anderen Bestellink wieder löschen und das Cover mit dem Amazonbestellink hinterlegen?

  3. Oh, Mann. Tatsächlich. Und ich dachte, ich hätte alle Links überprüft. Mache ich normalerweise auch, ist mir hier vermutlich einfach durchgeflutscht.

    Korrigiert.
    Danke für die Erinnerung.

  4. Schön, schön, und wann findet das Lena-Mahl statt?

  5. Nur nichts überstürzen. Wer weiß, was die Spinnen tatsächlich mit den Menschen anstellen. *grusel*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme