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Literatur-Blog

EIN BLATT IM WIND – Heiter besinnliche Erzählung von Silke Bekker

Erstellt von Detlef Hedderich am Mittwoch 26. Mai 2010

eBook Silke   Bekker: Ein Blatt im WindEin Blatt im Wind

Heiter besinnliche Erzählung

von

Silke Bekker

Verzweifelt klammerte sich das Blatt am Baum fest. Ein unglaublicher Sturm wütete. Im Herbst eigentlich nichts ungewöhnliches. Doch das kleine Blatt musste alle seine Kraft aufbieten, um nicht heruntergerissen zu werden.

Mit Wehmut dachte es an die Zeit, als es noch eine winzige Blattknospe war, dicht eingerollt und behütet. Und dann war da dieser Tag im Frühjahr. Es wurde plötzlich warm. Die Sonnenstrahlen kitzelten es, und es spürte ein starkes Gefühl, sich zu recken und zu entrollen.

Das Blatt wagte es. Mit Erstaunen stellte es fest, dass es nicht allein war. Um es herum waren schon viele andere Blätter, einige sattgrün, andere in einem zarten, frischen grün, wie es selbst.

Freundlich begrüßten die anderen Blätter das kleine Blatt.

“Schön, dass du dich auch entrollt hast. Heute ist eine große Zahl an Blättern dazugekommen”, sagte ein saftig grünes Blatt. “Ich habe mich schon vor ein paar Tagen entrollt, da war ich noch das einzige Blatt”, fügte es noch hinzu.

“Wo bin ich hier?”, erkundigte sich das kleine Blatt.

Die anderen Blätter kicherten ein wenig. “Du hängst an einem Baum. Wir hängen alle an einem Baum, an einem Haselnussbaum.”

Die Tage wurden immer wärmer und immer mehr Blätter entrollten sich, bis eines Tages alle Blätter entrollt waren, und der Baum ein wunderschönes Grün hatte.

Ein vielen Stellen hingen kleine “Würstchen” herunter. Das kleine Blatt überlegte oft, was für Blätter daraus wohl würden. Im Laufe des Sommers bemerkte es, dass aus den “Würstchen” kleine Staubwolken aufstiegen, immer wenn der Wind wehte. Später sah das Blatt in den Zweigen grüne kugelförmige Gebilde. Und da fiel dem Blatt wieder ein, dass die anderen ihm erzählt hatten, es hinge an einem Haselnussbaum. So mussten die Kugeln wohl Haselnüsse werden.

Das Blatt war mächtig stolz an einem so tollen Baum zu hängen. Obwohl der Sommer sehr warm war und es dem Blatt oft durstig zumute war, fühlte es sich doch sehr stark.

Besonders gern mochte es den Sommerregen. Meist kündigte er sich mit einem Gewitter an und dann kam der erfrischende Regen.

Auch jetzt regnete es, aber der Wind peitschte den Regen gegen den Baum. All die anderen Blätter, die das ganze Jahr über seine Begleiter gewesen waren, waren inzwischen abgefallen und in alle Himmelsrichtungen geweht worden.

Das Blatt erinnerte sich daran, wie im Spätherbst einige Blätter abgefallen waren. Einfach so, lautlos zu Boden gefallen. “Ihre Zeit ist vorbei”, erklärte ihm ein Blatt, das ganz in seiner Nähe hing. “Unsere Zeit wird auch bald kommen”, fügte es hinzu.

“Was heißt das?”, fragte das kleine Blatt.

“Irgendwann im Spätherbst fallen alle Blätter von den Bäumen. Das ist der Lauf der Welt”, erzählte ihm das Blatt an seiner Seite.

“Ich werde nicht abfallen”, sagte das kleine Blatt trotzig.

“Mir gefällt es nämlich auf diesem Baum. Erinnerst du dich, als letzte Woche das Eichhörnchen da war und die Haselnüsse geholt hat, die ganz braun geworden sind. So etwas schaue ich mir gern an. Warum sollte ich dann abfallen?”

“Das kannst du nicht beeinflussen. Irgendwann fallen wir ab, ob wir wollen oder nicht”, antwortete das Blatt neben ihm.

Und so passierte es. Erst wurden sie gelb, dann rotbraun.

Wenn dann ein wenig Wind aufkam, fielen sie zu Boden. Jetzt war das kleine Blatt selber ganz gelb geworden. Seit heute Mittag wütete der Sturm nun schon. Der Regen hatte nachgelassen. Die Kraft des Blattes aber auch. Mit einem kleinen Seufzer schließlich ließ das kleine Blatt den Ast los, an dem es hing. Vom Wind getragen flog es hoch durch die
Luft und blieb in einem Vorgarten liegen.

Dort wurde es am nächsten Morgen von einem Kind gefunden, das in dem Haus wohnte. “Was für ein wunderschönes Herbstblatt”, sagte das Kind und hob das kleine Blatt auf.

“Ich werde dich pressen und auf eine Karte kleben!” Mit diesen Worten nahm das Kind das kleine Blatt mit ins Haus.

Copyright (c) 2010 by SILKE BEKKER

Die gleichnamige Storysammlung von Silke Bekker mit vielen weiteren Storys als ebook bestellen:

Ein Blatt im Wind

eBook Silke  Bekker: Ein Blatt im Wind Autor: Silke Bekker

Preis: 1,99 EUR

Erschienen: CassiopeiaPress 2010, 101 Seiten

Kategorie: Romane und Erzählungen, Pädagogik

Format:

eBook im ePub Format (428 kB) In den Warenkorb Demo Download
eBook im PDF Format PDF (322 kB) In den Warenkorb Demo Download

Heiter besinnliche Erzählungen zum Lesen und Vorlesen.

Dieser Band enthält heiter-besinnliche Kurzgeschichten zum Lesen und Vorlesen von Silke Bekker, die zuvor in Kalendern, Feuilletons, Zeitschriften und Anthologien sowie in der Kirchenpresse erschienen und zum Teil auch in andere europäische Sprachen übersetzt wurden. Eine Mischung aus Tiefsinn und Humor, Unterhaltung und Nachdenklichem.

Geeignet und erprobt als Gesprächsanlässe in der Gruppenarbeit mit Senioren, Kindern, Erwachsenen.

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6 Kommentare zu “EIN BLATT IM WIND – Heiter besinnliche Erzählung von Silke Bekker”

  1. Felis Breitendorf sagt:

    Schöne Geschichte! Und sie ist wirklich besinnlich! Und sie ist auch heiter!

  2. LeonidasRex sagt:

    Äh…was? Was habt ihr denn geraucht?
    Ein Blatt, das denkt und nichts weiß über sich selbst und seine Natur. Aber alle (gleichen) Blätter um es herum, haben die Weisheit mit Löffeln gefressen? Unglaubwürdig. Das ist keine Poesie, sondern nur spannend, wenn man “bewußtseinserweiternde Drogen” zu sich genommen hat.
    Außerdem sagt das Geschichtchen nichts aus, oh…doch: gähnende Langeweile. Kann so was nichts abgewinnen, von wegen besinnlich. Und bitte an welcher Stelle war das heiter? Eigentlich schreibe ich hier schon zuviel, ist die Story gar nicht wert. Aber ich kann so ein pseudo-intellektuelles, verquast kindergemäßes, melancholische (oh, wie vergänglich: Ein Blatt im Wind) Psychoszenario einfach nicht ab. Und dann der Hinweis: “Geeignet und erprobt als Gesprächsanlässe in der Gruppenarbeit mit Senioren, Kindern, Erwachsenen.” Wahrscheinlich ist die “Autorin” im Berufsleben Psychotherapeutin oder noch schlimmer: Mediatorin, da wette ich drauf! Die nerven ihre Opfer mit der Frage nach dem Inhalt dieser inhaltslosen Story und jede Antwort wird so verdreht, dass sie dem vorgefaßten Urteil solcher Therapeuten zupaß kommt. Hört mir auf mit so einer Volksverdummung. Jeder Euro dafür ist aus dem Fenster geschmissen.
    Hellas!
    LeonidasRex

  3. MoniMaus sagt:

    Hallo LeonidasRex,

    geb dir Recht. Sogar die 1,99 Euro würde ich dafür nicht ausgeben. Mine Kinder brauchen gottlob solche Pädagogen nicht, die haben nämlich selber Verstand.

    Liebe Grüße
    MoniMaus

  4. Martin Gross sagt:

    Mir gefällt die Geschichte dennoch, ich finde sie hat was ursprüngliches und macht einem die Schönheit der Einfachheit klar. Natürlich nur, wenn man eine Affinität dazu hat.

    Ich habe vor ein paar Jahren mal bei einem Spaziergang mal vor einem Baum gestanden und seine Schönheit bewundert.

    Dann kamen andere Menschen und haben nicht verstanden, warum ich vor dem Baum stand und ihn ständig anschaute.

    Die waren derart verunsichert, dass sie untereinander tuschelten und meinen Blicken folgten, aber mich wohl itgendwann für Verrückt gehalten haben mochten.

    Mich einfach zu fragen, traute sich aber niemand, was sagt uns dass über uns Deutsche?

  5. Micha sagt:

    Als Kinderbuch kann ich mir deine Geschichte gut vorstellen. Ganzseitige Bilder, die durch das Jahr führen – nur der Winter ist nicht dabei, schade :-(
    Meine Kleine ist grad ganz begeistert von der kleinen Wolke (Eric Carle). Und dort wird gibt’s auch größere “klügere” Wolken, wie bei dir die anderen Blätter.
    (Ich kann sie heute ja mal fragen, ob sie noch nicht auf die Idee gekommen ist, dass Wolken gar keine Wesen sind. Und wenn doch, dass die kleine von den großen abgetrennt wurde, und dann über dasselbe Wissen verfügen müsste. Sie energisch: “Weiterlesen!” Mit recht.)

    Nein, man muss nicht stoned sein, um das schön zu finden. Und ich find’s schön, wenn sich meine Tochter freut – zumindest die ersten 5 Mal, die ich ihr das Buch vorlesen muss ;-)

  6. Christa Kuczinski sagt:

    Ich mag durchaus solche Erzählungen, obwohl sie meiner Meinung nach in Richtung Kindergeschichte geht. ;-)

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