ARMER POET MIT HUND, FRAU UND SCHREIBMASCHINE – eine Kurzgeschichte von Detlef Hedderich
Erstellt von Detlef Hedderich am Donnerstag 6. Januar 2011
ARMER POET MIT HUND, FRAU UND SCHREIBMASCHINE
eine
Kurzgeschichte
von
Detlef Hedderich
Es klopfte an der Tür. Hank saß an seiner klapprigen alten Reiseschreibmaschine und brütete über ein Gedicht über drei Bankräuber. Er fragte: “Wer ist da?”
Von der Tür kam: “Ich bin es, Freddy vom Schnappsladen. Wollte mal meine Penunzen abholen.”
Hank hatte mit dem Tippen aufgehört und glotze vor sich hin, in der Hoffnung, daß ihm eine gute Erwiderung darauf einfallen würde. Doch dem war nicht so. “Ich habe keine Kohle, bin voll im Brand und ohne Hoffnung auf Besserung!”
Freddy antwortet von draußen: “Man Chinasky, mach doch mal die Tür auf, ich bin doch kein verdammter Penner, der durch ne Tür quatschen muß!”
Ok, ok, dachte Hank, kann ja nicht schaden. Zu holen gab es hier eh nichts, und auf die Fresse hauen, würde ihm Freddy schon nicht. Jedenfalls nicht, wenn er ohne seine Jungs hier war. Was Hank hoffte.
Er schlurfte also zur Tür und ließ den Mann rein. Der zog sofort die Nase hoch und meinte zu Hank: “Man Chinasky, mach mal die Fenster auf, hier stinkt es ja wie in einem Pumakäfig!”
Hank hatte sich auf seinen Fernsehsessel gepflanzt, der vor dem TV-Tischchen stand, welcher aber leer war. Den Fernseher hatte er längst ins Pfandhaus geschafft und damit die letzte Bierration finanziert, wovon er nur noch drei Flaschen im Kühlschrank hatte, dann war die Kohle auch verbraucht.
Als er daran dachte, bekam er Durst und schlurfte zum Eisschrank, holte eine Flasche Bier raus, öffnete den Drehverschluß und nahm erstmal einen anständigen Schluck, bevor er wieder zum Sessel zurück schlurfte und sich reinplumpsen ließ, daß ihm der Schaum der Bierflasche bis an die Stirn spritzte. Unbeholfen wischte er die Tropfen mit der Hand weg und zog danach noch mal kräftig an seiner Pulle.
Freddy sah Hank angeekelt an und meinte: “Man Chinasky, du mußt unbedingt lüften, sonst verreckst du hier noch wegen Luftmangel!”
Hanks Antwort kam postwendend: “Ist noch keiner an schlechter Luft verstorben, erfroren aber schon! Die haben die Heizung abgestellt, weil keine Flocken dafür zur Verfügung standen. Deshalb bleibt die Bude unbelüftet und wird warmgefurzt!”
“Man Chinasky, so kann man doch nicht leben”
“Man nicht”, antwortete Hank, “ich schon!”
“Chinasky, sprechen wir mal übers Geschäft! Du hast keine Kohle, was kannst du mir statt dessen geben. Ich hab dir wochenlang deine Rechnung angeschrieben und du Ratte läßt dich einfach nicht mehr blicken!”
Hank wußte darauf keine Antwort und zuckte nur mit den Schultern und nahm noch mal einen Schluck aus der Bierflasche.
Freddy ließ seinen Blick über die abgewohnten schäbigen Möbel gleiten und meinte: “Will dir ja nicht noch den Sessel unterm Arsch wegreißen, aber irgendwas mußt du mir heute schon mal anbieten!”
“Das mit dem Sessel kannste eh abhaken, der gehört dem Vermieter, wie alles hier in der Bude”, war seine obligatorische Antwort darauf.
Freddy schaute sich in dem Raum um, sah einen Sessel, ein abgewätzes Sofa und einen Beistelltisch und das leere TV-Tischchen. Sein Blick schweifte hinüber zu dem kleinen wackeligen Schreibtisch unter dem Fenster auf dem die alte Reiseschreibmaschine stand. Er fragte Hank: “Was ist mit der Schreibmaschine?”
“Wenn du willst, nimm sie mit, aber das ´R´ und das ´U´ klemmen, außerdem geht die Klingel nicht und das Farbband ist fast leer und fällt immer mal aus der Führung. Aber wenn es dich glücklich macht, pack sie ein und verkaufe sie.”
“Chinasky, was soll ich damit? Gleich hier am Haus in die Mülltonne klatschen?”
“Dann nimm doch eine Story, oder besser noch: ein paar Gedichte von mir mit. Vielleicht werd ich mal berühmt und du bekommst dann einen Haufen Knete, später mal!”
“Man, Chinasky, du glaubst doch nicht im Ernst, daß da jemals jemand was dafür bezahlt, für dein Geschreibsel?”
“Wofür mache ich das dann hier, die ganze Zeit?”
“Ist dein Leben, Chinsaky, ist ein freies Land und dein Leben, kannste mit machen, was du willst!”
Freddy schaute sich weiter um, so daß er fast einmal ganz herum geschaut hatte in dem Raum, bis er kurz vorher auf einen Hundekorb blickte, der neben der Eingangstür stand, in dem ein magerer Kötter lag.
“Man Chinasky, die Töhle ist ja am verhungern, gib der doch mal was zu fressen”
“Hab nix, der bekommt ab und zu was von der alten Nachbarin aus dem Dritten. Die bringt ihm manchmal einige Knochen, wenn sie sich vorher eine Suppe daraus gekocht hat!”
“Chinasky, du alte Tierquäler!”
“Wenn du so ein Tierliebhaber bist, dann kannste mir den Kläffer ja abkaufen und dafür eine Flasche Schnaps locker machen und einen Teil der Rechnung streichen, aber ich sag dir auch: der wird es nicht mehr lange machen, da er schon sehr alt ist, außerdem hinkt er auf drei Beinen und ist auf dem linken Auge blind, deshalb mußt du deine Möbel umstellen, damit er nicht immer dagegen kracht. Außerdem furzt er den ganzen Tag, ist sozusagen meine Notheizung.”
Freddy schaute Hank an und schüttelte nur den Kopf. Schließlich ging sein Blick zurück auf die einzige andere Tür in dem Raum außer der Eingangstür.
“Was verbirgt sich dahinter?”, fragte er Hank, der zuckte wieder nur mit den Schultern und schlürfte den Rest aus seiner Pulle raus und meinte dann:
“Da pennt meine Alte, ist nur ein Bett, ein Schrank und eine Kommode drin, gehört alles dem Vermieter.”
Freddy war verdutzt: “Du alter, häßlicher, nichtsnutziger, versoffener Sack hast ne Frau?”
Hank antwortete: “Na klar, ist aber nicht besonders hübsch, mußte sie mir erst mal schönsaufen! Wenn du willst kannst du mal ne Runde drehen mit ihr, wenn es dich glücklich macht oder meine Rechnung ein wenig reduziert!”
“Man Hank, du würdest doch sogar deine Großmutter oder deine Mutter verkaufen, für ne Flasche”
“Geht nicht, sind beide schon tot”
Worauf Freddy verächtlich erwiderte: “Da können die aber froh sein, die glücklichen!”
Doch Hank verlor langsam die Contenance und wollte Freddy festnageln: “Was jetzt, willst du nun einen wegstecken oder nicht?”
Freddy blickte erst die Tür zum Schlafzimmer an, dann Hank und wieder die Schlafzimmertür. Dann gab er sich einen Ruck und verschwand durch die Tür.
Nach 20 Sekunden kam er zurück und schnauzte Hank an: “Ok, ok, zeig mir noch mal den Hund…!”
ENDE
Copyright (c) 2011 by Detlef Hedderich
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Kaufempfehlung des Autors:
Bukowski, Charles
Ein Maulwurf im Karton
Songs und Gedichte
Gelesen von Wameling, Gerd. Arrangiert von Weßbecher-Newman, Steffen. Gespielt von Hanks
Verlag : steinbach sprechende bücher
ISBN : 978-3-86974-055-3
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Seiten/Umfang : Laufzeit ca. 62 Min.
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ZUM 90. GEBURTSTAG: WAMELING MEETS BUKOWSKI!
Bukowski schreibt über das Komische und Tragische, das Sinnlose und Verrückt-Schöne in unserem Leben – er hat alles erlebt: Er kennt die Untiefen des Lebens und die Gipfel des Glücks, die Helden und Verlierer, die Einsamen und Suchenden auf der Schattenseite.
Ihnen gibt er immer wieder eine Stimme. Gerd Wameling bietet den Hörern durch seine poetische und gleichzeitig raue Interpretation dieser ausgewählten Bukowski-Gedichte ein unvergessliches Hörerlebnis. Durch die einzigartigen Kompositionen von Steffen Weßbecher-Newman eröffnen sich den Texten neue und ungeahnte Dimensionen.
Charles Bukowski wurde am 16. August 1920 in Andernach geboren. Er lebte seit seinem zweiten Lebensjahr in Los Angeles. Nach Jobs als Tankwart, Schlachthof- und Hafenarbeiter begann er zu schreiben und veröffentlichte weit über 40 Prosa- und Lyrikbände. Charles Bukowski starb am 9. März 1994 in San Pedro/L.A.
Gerd Wameling, geboren 1948 in Paderborn, ging 1974 an die Schaubühne in Berlin, deren Ensemble er fast 20 Jahre angehörte. Er spielte in diversen Fernseh- und Kinoproduktionen und ist einer der beliebtesten und bekanntesten deutschen Hörbuchsprecher.
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Freitag 7. Januar 2011 um 16:55
Das Beste ist ja seine delikate Methode, die Räumlichkeiten zu beheizen
. Er könnte übrigens den Wirkungsgrad erhöhen, wenn er zusätzlich ein Streichholz zur Hand nähme.
Dann muss er nur noch einen Weg finden, das Ganze kontrolliert zu verfeuern, je nachdem was er gegessen oder getrunken hat.
Montag 10. Januar 2011 um 20:31
Hi,galaxykarl:
Und wenn wir schon mal dabei sind: dieser Geschichte könntest du das, was du einer anderen Geschichte zu unrecht vorwirfst, fast wirklich schon vorwerfen:
zuviel aus früheren Zeiten aus dem eigenen Leben mit in eine Geschichte zu packen!
Damit will ich aber nicht sagen, dass ich einer der Protagonisten persönlich war, nur daß ich sowas selbst mitbekommen habe, von jemanden, der fast ausschiesslich vom Bierkonsum existierte…
Dienstag 11. Januar 2011 um 06:14
“Grins”
Ich kenn ja nicht ALLE deine einschlägigen Erfahrungen …
LG galaxykarl
Sonntag 20. Februar 2011 um 23:09
Ich kann mir denken wen er meint. Ich sage nur ein deutsche Schriftsteller, der zumeist Parodien schreibt? Fängt sein Nachnahme mit F an?
Sonntag 20. Februar 2011 um 23:10
Jetzt weiss ich auch den Vornamen wieder: W.F.?
Freitag 1. Juli 2011 um 15:46
Meint Ihr den Wolfgang Fienhold? Der ist doch glaube ich vor 2-3 Jahren gestorben! Von ihm kenne ich jedenfalls einige Parodien, die mich aber nie wirklich vom Hocker gerissen haben. Charles Bukowski kenne ich selbst leider nicht, werd mir aber mal bei Booklooker was kaufen von ihm, vielleicht ist es ja mein Geschmack, ich sage Euch dann mal, was ich davon halte! Diese Story hier im Storypreisauschreiben finde ich schon irgendwie urig, wenn ich das mal so sagen darf. Man riecht beim lesen förmlich den Gestank und schmeckt den des Bieres und hört den alten Sessel quitschen. Toll!
Sonntag 3. Juli 2011 um 21:07
Stimmt Corinna, Wolfgang ist tot. Ich war in den frühen 90ern mal mit ihm befreundet und wir haben einige Projekte zusammen verbrochen. Damals habe ich noch Bier getrunken und auch mal einen Joint geracht, da hat das dann gut gepasst. Dummes Zeug rede ich heute zwar auch noch, was Voraussetzung war um sich mit Wolfgang zu unterhalten, aber ansonsten habe ich mich doch in eine andere Richtung entwickelt und ihn dann immer weniger gesehen, bis dann irgendwann der Kontakt abrach und man sich einfach nur noch zufällig über den Weg lief. So, jetzt weisst du, dass einige Ideen von mir in seinen Bücher stecken und umgekehrt auch einige Ideen von ihm in meinen Projekten. Eigentlich wollten wir mal ein SF-Kochbuch zusammen herausbringen, wo Ausserirdsche Gerichte kreiren die dann für Menschen angeglichen werden sollten. Zwischen den Gerichten sollten Storys zum Thema SF und Kochen dazwischen veröffentlicht werden. Einen der Beiträge dazu findest hier im Storyteil unter den Titel “Die Languste”. Lese sie doch mal und sag mal, ob du dir vorstellen kannst, wie das ganze aussehen sollte letzendlich, auch wenn dann doch nichts draus wurde, ok?
Donnerstag 21. Juli 2011 um 00:20
Das Ende ist richtig bösartig, treffend *lach*
Donnerstag 21. Juli 2011 um 00:28
Ich bin mir keiner Schuld bewußt!
Donnerstag 21. Juli 2011 um 06:00
Ein SF-Kochbuch mit Stories? Find ich saucool, die Idee. Vielleicht komm ich dann doch noch zu meinem Gack.
Kennen die Klingonen eigentlich Schweinebraten? Denn in ihren Augen sind ja wir die Außerirdischen.
Ich werde mal nach entsprechenden Rezepten in meinem Fundus kramen.
mgg
galaxykarl
Donnerstag 21. Juli 2011 um 15:10
Würden die doch niemals essen, bei denen muß daß Essen sich doch noch bewegen, oder etwa nicht?
Donnerstag 21. Juli 2011 um 17:48
Hallo Corinna,
warte doch mal den 28.07. ab … hihihi
mgg
galaxykarl
Donnerstag 21. Juli 2011 um 18:41
Erzähl…?
Montag 1. August 2011 um 16:46
Keine Ahnung, was ich mit dieser Geschichte anfangen soll. Ich will hier einfach mal zugute halten, dass die abgedroschene, platte Sprache absichtlich das Leben des Autors unterstreichen soll und die platte abgedroschene Handlung wiederspiegelt. Dies ändert nichts daran, dass ich nicht begreifen, was das ganze soll. Sorry
Montag 1. August 2011 um 20:22
Ich glaube, dass weder Stil noch Handlung irgendetwas mit dem Autor zu tun haben, sondern eben mit den Protagonisten. Es gibt solche Plattköpfe. Und die Story basiert eigentlich auf einem Witz; zugegeben nicht der Beste. Hat nach meiner Meinung was von Charles Bukowski.
Es ist sehr leicht – und vor allem gefährlich -, einen Text mit dem Schreiber zu verbinden. Natürlich ist kein Autor davor gefeit, persönliche Dinge in seine Arbeit einfließen zu lassen. Aber ich bin der festen Überzeugung, das Detlef mit den handelnden Personen nichts gemein hat.
mgg
galaxykarl
P.S. Du hast mir mit deinem Kommentar ein wenig Angst eingejagt. Eines meiner unvollendeten Romanprojekte handelt von Nazis im Jahre 2070 und einem dann existierenden 4.Reich. Dass das Ganze ein Anti-Nazi-Roman ist, werde ich wohl überdeutlich in einem Vorwort erläutern müssen. Und ich bin als alter roter Sozi in der 3. Generation wohl alles andere als ein Nazi oder Faschist.
Montag 1. August 2011 um 20:38
ähm.. dem in der handlung auftretendem Schreiberling meinte ich damit. Das war nicht an Detlef persönlich gerichtet und schon gar nicht über ihn geurteilt.
Montag 1. August 2011 um 20:39
äh ja, der schreibt Gedichte, also war Autor als Beschreibung nicht geeignet, ich gebe es zu. Sorry
Montag 1. August 2011 um 20:43
achja, den Witz kenn ich, war schon vor hundert Jahren nicht lustig. Charles Bukowski kenne ich nicht, aber der Kauftipp beschreibt ihn so: “Bukowski schreibt über das Komische und Tragische, das Sinnlose und Verrückt-Schöne in unserem Leben – er hat alles erlebt: Er kennt die Untiefen des Lebens und die Gipfel des Glücks, die Helden und Verlierer, die Einsamen und Suchenden auf der Schattenseite.” und damit hat die Geschichte so gar nichts zu tun. Leider.
Was du als Autor, das mein ich jetzt allg., nie vermeiden kannst, dass man Parallelen zwischen deinen Protagonisten und deinem Leben gezogen wird. Nicht von allen, von recht wenigen eigentlich, aber du kannst es nicht vermeiden und das zu arg in irgendwelchen Texten zu dementieren wird nicht helfen. Wer dich in diesen Meinungen sehen will, der wird es tun.
Montag 1. August 2011 um 21:21
Ich finde man sollte auch nicht zu viel in etwas hineininterpretieren, das wohl offenbar nur als Fingerüberung gedacht war, das denke ich jedenfalls.
Donnerstag 12. April 2012 um 19:00
Habe eben den Film “Barfly” von Barbet Schröder gesehen und mich köstlich amüsiert! Sagt eine Nutte zu Bukowsky: “…den letzten Dring den du bezahlt hast, war dein erster!”
Freitag 13. April 2012 um 09:14
[...] ARMER POET MIT HUND, FRAU UND SCHREIBMASCHINE – eine Kurzgeschichte von Detlef Hedderich [...]