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DER ZAHN – Kurzgeschichte von Sascha Ladra

DER ZAHN

Eine Kurzgeschichte
von
Sascha Ladra

Eins möchte ich zu Beginn klarstellen. Ich hab den Zahn zuerst entdeckt, schließlich ist es nicht leicht so ein Ding aus Kalzium nicht zu bemerken, wenn es sich durch dein Zahnfleisch schiebt.

Ich bin übrigens Hannes, das Patenkind von Simone und der Sohn von Marion.

Als wenn das Zahnen nicht schon anstrengend genug ist, muss man sich auch noch mit dem seltsamen Verhalten der Erwachsenen rumplagen.

Ich liebe meine Patentante Mone sehr, wirklich! Sie geht mit mir spazieren und gibt mir was zu futtern und vor allem kann man so schön mit ihr Knuddeln. Ihre Tochter Alex ist auch sehr lieb. Irgendwie erinnert sie mich an Mama, besonders wenn ich Hunger habe.

Ich bin sehr gern bei Tante Mone, aber letztens war es mir dann doch zu bunt. Wir kuscheln gerade ein wenig, da fällt ihr auf, dass ich einen Zahn bekomme. Nun ich verstehe nicht genau, warum Erwachsenen das so wichtig ist. Sie haben doch selbst ganz viele davon im Mund.

>>Alex, kuck mal, ist das ein Zahn?<< hatte Tante Mone ihre Tochter gefragt und redete mit quietschender Stimme >>Hat der Hannes einen Zahn? Hat er da einen Zahn?<< Manchmal zieh ich ihr dann an den Haaren oder versuche mir ihre Brille zu schnappen, wenn sie mit dieser Stimme redet. Strafe muss sein. Tante Alex kam und versuchte mir in den Mund zu kucken, aber ich habe den Mund einfach nicht aufgemacht. Man hat schließlich seine Würde. Das hat leider nicht viel geholfen. Tante Mone schob mir einfach einen Finger in den Mund und rubbelte über mein Zahnfleisch. Wartet nur, irgendwann habe ich genug Zähne zum beißen.

Tante Alex und Tante Mone waren sehr aufgeregt über die Entdeckung und mussten gleich Mama anrufen, um es ihr zu erzählen. Ich konnte nicht hören, was Mama zu Tante Mone gesagt hat, aber ich kenne meine Mutter recht gut und weiß, dass sie sich nicht so leicht von Tante Mones Verrücktheiten mitreißen lässt. Außerdem ist sie der Meinung, dass sie es als erstes wissen müsste, wenn ich einen Zahn habe.

Als Mama am Abend kam um mich abzuholen, wollte Tante Mone ihr ihn zeigen. Aber musste es unbedingt mit einer Taschenlampe sein? So gern ich die beiden habe, aber das werde ich ihnen nie vergessen und irgendwann kommt die Zeit, da zahle ich es ihnen heim. Es gibt viele Dinge, die ein Junge anstellen kann, sobald er laufen kann. Tante Mone nahm mich also auf den Schoß und sagt zu Mama:>>Der Hannes hat einen Zahn.<<

>>Ach was, ich würde das wissen. Hannes Schatz, mach mal den Mund auf.<<

Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich das nicht unbedingt gern machen würde, doch Mama hatte schon die Finger in meinen Mund. Und da wundern sie sich, wenn sie mich nicht verstehen.

<<Wart mal, ich hab irgendwo eine Taschenlampe.<< sagte Tante Mone. Da wusste ich, dass jeder Widerstand zwecklos war und ergab mich meinem Schicksal.

Natürlich wusste ich, dass da ein Zahn kam, doch es war schon ein wenig befriedigend, dass die beiden überdrehten Frauen ihn nicht gefunden haben. Ich war stolz, dass ich mein kleines Geheimnis noch ein wenig behalten konnte. Glücklich grinste ich die beiden an und wurde mit einer Runde Knuddeln und dicken Schmatzern belohnt.

Ich hätte wissen müssen, dass sie beiden Frauen nicht aufgeben würden, wie ich am nächsten Tag bemerkte. Tante Mone und Mama waren richtig hartnäckig. Ich wollte mir ja nicht anmerken lassen, dass es weh tut, wenn sie mir mit den Fingern auf dem Zahnfleisch rubbeln. Ich bin ein Mann, wir zeigen keinen Schmerz, aber ich muss gestehen, ich bin quengelig geworden. Sobald der Zahn draussen ist, werde ich Tante Mone in die Lippe beißen, dass hatte ich mir geschworen.

Es war abends und Mama war gekommen, um mich nach Hause zu bringen, da ging es wieder los.

>>Hannes hat einen Zahn, Marion.<<

>>Wo denn? Da ist keiner.<< Mama hatte mich gerade gefüttert. Ich bin besonders vorsichtig, damit ich ihr mit meinem Zahn nicht wehtue. Vielleicht glaubte sie deshalb nicht, dass ich einen habe. Ich hatte mir geschworen, dass es das letzte Mal ist, dass sie mir so einfach mit ihren Fingern im Mund rumprökeln durften. Ich war mit meiner Geduld am Ende.

Mama rubbelte und ich trampelte mit meinen Füßen gegen ihre Brust, um ihr klar zu machen, dass mir das gar nicht gefiel. Ihr glaubt nicht wie erleichtert ich war, als Mama dann endlich aufschrie.

>>Ich kann ihn fühlen. Hannes hat einen Zahn.<<

Sie grinste mich an, von einem Ohr zum anderen und dann strahlte sie Tante Mone an.

Nun, ich hatte ja gesagt, ich hätte den Zahn als erstes entdeckt, aber Tante Mone ist so stolz darauf, dass sie ihn entdeckt hat, deswegen bleibt das unter uns.

Also:Tante Mone hat den Zahn zuerst entdeckt.

-Ende-

Copyright © 2010 by Sascha Ladra


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Updated: 3. März 2015 — 23:20

8 Comments

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  1. Ich finde die Story eigentich nicht schlecht und sie hat auch die richtige Länge. Das einzige, was mir da fehlt ist ein Plot. Ich hätte da einen Vorschlag, vielleicht hast du ja Lust dies als Plot unter deine Story zu setzen, ich würde dir diesen Text gerne schenken für deine Geschichte:

    „Zwei Wochen später – als der Zahn dann endlich zu gebrauchen war – sollte ich meine erste Überraschung bekommen. Ich war leider schon eingeschlafen, aber Mama schüttelte mich leicht an der Schulter und meinte: Hannes, Schatz, komm, du bekommst jetzt deine Überraschung wegen deines Zahnes.

    Mama führte mich also in ihr sogenanntes „Arbeitszimmer“ in das ich noch nie rein durfte, weil Mama das immer verboten hatte. Als sie die Tür aufmachte und mich reinführte, standen da schon meine Tante Mone und ihre Tochter Alex, die mich freudestrahlend anschauten.

    Mama führte mich zu dem Stuhl, der in der Ecke stand. Dort war dann meine Überraschung mit dem Springseil, das Alex gehörte, an Armen und Beinen festgebunden am Stuhl.

    Die junge Frau schaute mich ängstlich an und gab einige unverständlich Laute von sich, die durch das Tuch, das vor ihren Mund gebunden war, nicht zu verstehen waren.

    Als ich endlich meinen Zahn in den Hals der Frau biss um ihr Blut zu trinken, war auch ich mächtig stolz, endlich war ich ein vollständiges Mitglied unserer Familie und durfte mich ab jetzt selbständig ernähren.

  2. *schmunzel* nenenene ich werd den armen Hannes doch nicht zum Monster mutieren lassen.
    Die Handlung entspringt dem feinsinnigen Humor der Zahnsuche, denn schlußendlich wurde er ja gefunden, der Zahn.
    Danke für deinen Kommentar und schön, dass dir die Geschichte gefallen hat, aber ich finde, es muss nicht immer Blut fließen ;D

  3. Ich finde diese Geschichte richtig „süß“, was meinen die Anderen?

  4. @Sascha
    Lass um Himmels Willen die Geschichte so, wie sie ist!! Ich bin wirklich dankbar für alles, was nichts mit Vampiren und dergleichen Nachtgespenster zu tun hat! 🙂

    @ Felis
    Nicht übel nehmen, aber dieser neumodische Trend, alles Mögliche und Unmögliche gleich in eine dieser grässlichen Vampirstorys umzumodeln, verursacht mir Übelkeit! Außerdem würde, zumindest in meinen Augen, die Geschichte dadurch nur verlieren.

    mlg (mit lieben Grüßen)

    jademond 😉

  5. Hi,
    @Detlef hatten wir uns nicht darüber unterhalten, dass es immer nur eine Geschichte pro Anthologie gibt?
    Ich hatte zugestimmt, dass du „Erschrick nicht, ich will doch nur heiraten“ reinnimmst, von „Der Zahn“ war keine Rede.
    Bitte nimm sie wieder raus. Danke.

  6. Eine Geschichte pro Anthologie, das wird ja nicht hinhauen, wenn wir etwas 50 Beiträge brauchen um sie zu schliessen wenn wir nur 20 Aktive haben, von denen dann vielleicht auch nur ein Teil was zu dem Thema schreiben möchte.

    Diese Story hier ist ja auch noch in keiner Anthologie, das Cover zur geplanten Anthologie kannst du selbst löschen, ich habe im Moment keine Zeit. In Zukunft machen wir es andersrum, ich halte mich daraus und du meldest dich beim Herausgeber wenn du was von deinem Kram in einer Anthologie stellen möchtest. Oder der Herausgeber fragt mal direkt unter der entsprechenden Story im Kommentarbereich bei dir an, ok?

    Bitte kurze Bestätigung!

  7. is mir recht.

    Wie andere Schreibende das hier machen, dürfen diese selbst entscheiden, wenn von denen 3 oder 4 Stories kommen, braucht ihr keine 2. von mir. Wir hatten am Telefon darüber gesprochen, dass ich nur mehr als eine Story pro Anthologie bereit stellen möchte und du hast gesagt, für dich wäre das ok. Ich dreh mich um und schon wieder landet eine Geschichte ungefragt irgendwo drin. Das baut Vertrauen auf.

    Ich habe gar nicht den Drang danach jede meiner Geschichten in einer Anthologie zu haben.

  8. Die Anthologie ist doch noch garnicht eröffnet gewesen, also war sie auch noch niergends drin. Ich habe das lediglich mit den Anthologiecovern bei den Storys, die in Betracht kämen, vorbereitet, mehr nicht.

    Jetzt haben wir ja eine neue Regelung für dich und damit dürfte das Thema ja nun erledigt sein, denke ich.

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