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Literatur-Blog

Storys

DER APFEL FÄLLT NICHT WEIT VOM STAMM – Stortstory von Bella C. Moremo

Während Adam am Küchentisch saß und ein Stück Kuchen aß, beobachtete Eva voller Neugier, was sich auf dem Nachbargrundstück tat. Vor kurzem hatten ihre früheren Nachbarn die Flucht ergriffen und Evas Tochter das Haus erstanden.Seit den frühen Morgenstunden war dort ein stetiges Kommen und Gehen. Evas Blick glitt über den unbeholfen wirkenden Mann, der mit hängenden Schultern den Regieanweisungen seiner Frau, kommentarlos folgte.Mit den Vorbesitzern hatte es ja eigentlich sehr harmonisch begonnen. Doch an dem Tag, an dem die Nachbarn eine hohe Palisade errichteten, wurde Evas nachbarschaftliche Anteilnahme empfindlich gestört.

DAS HAUS MEINER ELTERN – eine fantastische Geschichte von Leon Ferri

Aus meinem Mund dringen nur noch unartikulierte Laute, ich sabbere und sondere Speichelfäden ab. Ich möchte rufen, aber das einzige, was meine Kehle zustande bringt, ist ein erbärmliches Gurgeln. Mein Kopf wendet sich hilflos nach allen Seiten, auf der Suche nach einer Person, die mich tröstet und mir beisteht in meinem Kummer und meinem Zorn. Keine meiner Gliedmaßen mag mir mehr gehorchen, nutzlos zappeln sie herum, während ich auf dem Rücken liege und mich weder nach links noch nach rechts auf den Bauch drehen kann.

DAS TRAUMMÄDCHEN 2 – Eine Fortsetzung von Christa Kuczinski

“Sehen Sie es einmal von der positiven Seite. Ebenso wie bei diesem Projekt; mit Hilfe der modernen Technologie, den Menschen Urlaub von dem eigenen Ich zu ermöglichen, könnten Sie erneut einer der Vorreiter sein, der in einen erholsamen, eisigen Tiefschlaf versetzt wird. Durch diese Maßnahme ist es uns möglich, ihre Nerven und Synapsen wiederherzustellen. Vermutlich wird ihr limbisches System danach einige Schwachstellen aufweisen, doch diesem Umstand, messen wir keine große Bedeutung bei.“ Ich hörte ihr kaum zu, denn so langsam kam mir der Verdacht, dass es mehr, weitaus mehr Menschen gab, die diese mehr als fragwürdige Firma bereits in Anspruch genommen hatten …

DIE MACHT DER ASCHE – Eine Science Fiction Geschichte von Michael Bahner

Stevenson zog vorsichtig ein kleines, gut verschlossenes Reagenzgläschen aus einer gepolsterten Kartusche und betrachtete aufmerksam dessen Inhalt. Nichts weiter als feinster Staub; anthrazitfarben in dieser Konzentration und silbern schimmernd an Stellen, wo sich das Sonnenlicht darauf spiegelte. Als er das Röhrchen drehte, fiel ein Teil der Substanz in winzigen Flöckchen nach unten; dazwischen bildete sich eine winzige unscheinbare Wolke, die sich von Sekunde zu Sekunde mehr verdichtete; Strukturen erschienen, bildeten Wirbel und zogen Kreise. Dann verflüchtigen sie sich so geheimnisvoll, wie sie gekommen waren und fielen wieder als anthrazitfarbene Schicht am Boden des Röhrchens aus.

DRM – Shortstory von Susan Ott

„Hier ist das Interview mit der Mutter eines der Opfer. Sie gibt an, dass ihr Sohn, wie immer, sehr lange im Internet gesurft sei. Es muss so gegen drei Uhr in der Nacht gewesen sein, als sie von einem merkwürdigen Geruch geweckt wurde. Er erinnerte sie an Weihrauch in der Kirche. Als sie nachsehen wollte, woher der Geruch kam, sah sie ein grelles Leuchten aus der weit geöffneten Zimmertür ihres Sohnes, das erlosch, sobald sie die Schwelle zum Zimmer überschritt. Der Geruch kam eindeutig aus dem Zimmer. Hier fand sie dann auch ihren Sohn, dem jede Flüssigkeit aus dem Körper entfernt worden war. Sie bestätigte auf Nachfrage der Redaktion, dass ihr Sohn schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Vornehmlich ging es bei seinen Straftaten um illegales Verbreiten von urheberrechtlich geschützten Werken.“

ABSCHIEDSESSEN – Shortstory von Barbara Wegener

Sie sah sich um. Alles war perfekt für den Abschiedsabend. Den langen Tisch mit der cremefarbenen Tischdecke zierten kleine Vasen mit einzelnen roten Rosen, Geschirr, Besteck, Gläser und Servietten waren perfekt angerichtet.Nun konnte sie sich selbst für den Empfang umkleiden. Doch Halt! Erst musste der Braten, der sich geruhsam über dem offenen Feuer drehte, noch einmal mit etwas Fett bestrichen werden. Es wäre eine Schande, würde er verbrennen. Schließlich hatte sie eine lange Zeit gebraucht, ihn so schmackhaft zu bekommen.

BELLA KOMMT NACH HAUSE – Eine Katzengeschichte von Miriam Kleve (sfb-Preisträger Platz 2 im Storywettbewerb 4/2014 – geteilter Preis)

Es war dunkel und roch nach alten Schuhen. Und es war eng. Bella fuhr ihre Krallen aus und kratzte mit den Pfoten, wie eine Furie, an der Pappe. Sie mochte normalerweise die Dunkelheit. Aber das hier, das war die pure Finsternis. Und das machte Bella Angst. Um so mehr strengte sie sich an. Sie spürte, wie ihre Krallen immer mehr von der Pappe zerfetzten und dann bahnte sich auch schon der erste Lichtstrahl einen Weg in Bellas finsteren Kerker. Anders konnte dieser alte und mit Packband verschnürte Schuhkarton kaum bezeichnet werden.

ALMAKHAN – Fantasy-Märchen von Felis Breitendorf

Der Reiter erscheint am Horizont, eilt, eine staubige Fontäne hinter sich herziehend, noch ein ganzes Stück weiter, ändert schließlich seine Richtung und reitet nun direkt, seine Geschwindigkeit einen Hauch langsamer, auf die Mauern der Stadt zu, die mit ihren hohen, zwiebeldächernen Türmen über diese hinaus schauen. An dem großen Holztor steigt er von seinem Reittier, zieht einen Lederbeutel unter seinen Umhängen hervor und schreitet selbstsicher auf die behelmten und mit langen Speeren bewaffneten Wächter zu. Eine kurze Debatte, ein Griff in den Beutel – einige zinnfarbene Münzen wechseln den Besitzer – und dem Fremden wird Einzug in Stadt gewährt.

ADVENT, ADVENT, DER KOBOLD RENNT – Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte von Günther Kurt Lietz

Es war einmal vor kurzer Zeit, am eiskalten Nordpol. Dort lebte der Nikolaus mit seinen treuen Gehilfen, den Nikolauskobolden. Allesamt waren sie fleißige Gesellen und bereiteten sich auf das nahe Weihnachtsfest vor. Der Nikolaus war sehr traditionsverbunden und so fertigten seine Nikolauskobolde Spielsachen aus Holz, schrieben noch mit Federkiel und Tinte, tranken Kakao mit Sahne und knufften und pufften sich freudig. Doch eines Tages, es war der Nikolaustag, um genau zu sein, platzte der Nikolaus in die Mittagspause seiner Nikolauskobolde hinein. Er hatte eine lange Nacht hinter sich und seine Finger müffelten noch immer nach Fußschweiß.

ARMER POET MIT HUND, FRAU UND SCHREIBMASCHINE – eine Hommage auf Charles Bukowski von Detlef Hedderich (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 3/2013 – geteilter Preis)

„Chinasky, sprechen wir mal übers Geschäft! Du hast keine Kohle, was kannst du mir statt dessen geben. Ich hab dir wochenlang deine Rechnung angeschrieben und du Ratte läßt dich einfach nicht mehr blicken!“

Hank wußte darauf keine Antwort und zuckte nur mit den Schultern und nahm noch mal einen Schluck aus der Bierflasche.

Freddy ließ seinen Blick über die abgewohnten schäbigen Möbel gleiten und meinte: „Will dir ja nicht noch den Sessel unterm Arsch wegreißen, aber irgendwas mußt du mir heute schon mal anbieten!“

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