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Literatur-Blog

Storys

DER WAL – Shortstory von Frank Hebben

Als dunkler Traum glitt das Raumschiff durchs Weltall, vorne und seitlich das Nichts, hinter ihm ein Strahl von Sternen. Die Außenhülle, blau irisierend wie Wasser und doch fest wie Stahl, war mit Pocken und Narben übersät – Spuren von Staub und Kometentrümmern, ähnlich der Haut eines uralten Wals.Nostro, der unsterbliche Kapitän, stand vorne auf der Kommandobrücke und lauschte dem Knistern der Sonden, die in den Weiten des Alls nach Leben forschten, bislang erfolglos.Selbst Nostro wusste nicht mehr, wie lange die Reise jetzt andauerte; irgendwann waren die Chronometer ausgefallen, und er hatte sich nicht die Mühe gemacht, neue Reparaturen vorzunehmen. Für ihn war die Zeit ohnehin bedeutungslos geworden.

ALLEINE ZURÜCKGELASSEN – Science Fiction-Kurzgeschichte (Teil 1) von Angela Fleischer

Die Rekruten in dem Warteraum stimmten ein fröhliches Liedchen an, das Pevra zum Lächeln brachte. Es wunderte sie noch immer, dass sie es geschafft hatte, in die stawischen Streitkräfte aufgenommen zu werden. Vor einer Woche war sie noch am Strand gelegen, und hatte sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Viele von denen werden nicht nach Hause zurückkehren. Die Stawin fiel in die Kriegshymne mit ein und sah sich gleichzeitig um. Auf den Glatzen ihrer Kameraden prangten schwarze Tätowierungen, die sie als Rekruten kennzeichneten. »Hallo du, auch schon nervös?«, fragte sie einen athletischen Burschen, der sich in der Versammlung nicht wohl zu fühlen schien.

DER UNFALL – Kurzgeschichte von Alex P. Jandra

Wenn man morgens aufwacht und sich in einer Höhle wiederfindet, statt in seinem Bett, dann ist das schon beängstigend. Wenn man später erfährt, dass man sich nicht mehr auf seinem Heimatplaneten befindet, sondern in den Träumen eines schlafenden Gottes, kann einen schon mal die Verzweiflung packen. Aber bei der Aufforderung, eben diesen Gott zu suchen, um ihn zu wecken, der Weg jedoch durch eine von Magie beherrschte Welt führt und offensichtlich nicht ungefährlich ist, zweifelt man an seinem Verstand. Sechs Wesen, darunter ein Kölner Student, passiert eben dies und nun sollen sie in den Träumen eines Gottes bis zu einem Ort vordringen, der TABHIRONAKEL heißt. Doch wer sind seine fünf Mitstreiter?

DER ANDERE BAHNSTEIG – Eine Story von Daniel Sand

Ach seit wie langer Zeit stehe ich nun an diesem Bahnsteig meines Lebens. Als ich ihn betrat, erschien er mir neu, frisch und unbenutzt. Zumindest präsentierte er sich nicht derartig abgenutzt und verschlissen wie jetzt. Ich erinnere mich noch daran, wie ich hier auf den mittlerweile bemoosten, von Unkraut durchzogenen Pflastersteinen gespielt habe. Damals sah ich mich als Herrscher dieses Steigs an. Nur wo kein Volk, da ein Herrscher.Niemand besuchte mich hier, jemals auch nur eine Menschenseele, niemand wollte mit mir sprechen oder gar mir helfen, von dem grauen Steig zu fliehen. So friste ich mein Dasein und jeden Tag frage ich mich, seit wann ich hier bin oder wie lange ich noch hier stehen muss.

MEERWEIBCHENUHR UND KLABATTERKATT AUF DEM ALLMERSHOF (Teil 1) – Phantastischer Besuch in Rechtenfleth an der Unterweser (Neue Version) von Ollivia Moore

Wir segelten entlang des Wesermarschenufers, nur weite grüne und baumlose Ebene, vorüber an Schlick, Sandstränden, Schlengen und Buhnen. Ein heiterer Tag brach an, Tau in der Frühe und ein klarer Sonnenaufgang brachten Schönwetter, die Nebel der dunstgeschwängerten Atmosphäre in den weiten Ebenen schwebten empor und um 10 Uhr morgens hatte die Sonne den Nebelkampf gewonnen. In dieser Phantastischen Geschichte erzählt Ollivia Moore eine Begebenheit aus ihrer Heimatregion, der märchenhaften Wesermarsch. Lorelei und ihre Freundin Brigid besuchen mit ihrem Zauberschiff ‚Azimut‘ den Heimatdichter Hermann Allmers auf seinem Künstlerhof und  erfüllen so die alte Rechtenflether Chronik mit neuem Leben.

DAS HÄUSCHEN IM GRÜNEN – Erotische Geschichte (Entschärfte Version) von Günter Maria Langhaus

Immer wieder ließ sie ihre Augen über den Bretterzaun wandern, der den Garten von der Zuwegung zu dem kleinen Häuschen trennte, in Regen und Sonne ergraute Bretter; das vormals dort wild wuchernde Rosengestrüpp hatte ihr besser gefallen. Davon war nur noch ein kleines Stückchen übrig, einige Zentimeter einer Ranke, die sich zwischen den Brettern des Zaunes durchgearbeitete hatte. Jetzt war sie auf beiden Seiten abgeschnitten, war ihrer Wurzeln und Blätter beraubt, knorkig ragte der Stummel hervor mit seinen unregelmäßigen Ringen an der Schnittfläche.Schade. Vorher war der Zaun gar nicht zu sehen, die wilden Rosen mit ihren hellen Blüten hatten ihn vollständig unter sich begraben.

AUGENBLICKE – eine Kurzgeschichte von Martin Ott

Am Ufer eines Teiches befinde ich mich in der Hocke, an demselben Punkt, an dem ich in der letzten Zeit immer häufiger angekommen bin. Der Platz scheint reserviert, scheint auf mich zu warten. Die Gedanken gleiten über das Wasser und tauchen hinein. Hinein unter die Oberfläche zu den Augen des Spiegelbildes. Schaue ich anderen Menschen in die Augen, erhalte ich ein tief gehendes Bild von ihnen. Doch manchem kann ich nur bis eine Handbreit vor die Augen blicken. Dann stoße ich auf eine unsichtbare Wand und dahinter ist Nichts. Totale Leere. Als ob mein Gegenüber gar nicht da wäre. Wellen ziehen vorüber. Auch in mir spüre ich eine Leere, wieder und wieder. Etwas fehlt in mir, ohne dass ich es genauer fassen könnte. Erst in der letzten Zeit scheint dieses Etwas eine Form anzunehmen und auch zeitlich näher zu kommen. Wenn ich nur dahinter käme, was es ist …

DAS KLEINE MÄDCHEN MIT DEM HUND – Eine wahre Geschichte von Tröpfchen Kakadu (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2015 – gedrittelter Preis)

Elf Tage lang ist ein knapp vier Jahre altes Mädchen allein in einem Wald der Teilrepublik Jakutien in Russlands Fernem Osten herumgeirrt. Zu seiner Verteidigung gegen Bären und Wölfe stand ihm nur sein kleiner Hund zur Seite, bis es endlich von Helfern gefunden wurde. Nun erholt sich das Mädchen auf der Intensivstation im Krankenhaus der Stadt Jakutsk im Nordosten Sibiriens. Am 29. Juli verließ Karina mit ihrem Hund das Haus und wollte ihren Vater Rodion in dessen Heimatdorf begleiten. Der hatte das wohl aber garnicht so richtig mitbekommen. Nur die Mutter des Mädchens war der Meinung, dass ihre Tochter zusammen mit ihrem Papa dorthin unterwegs war. Erst als dieser nach vier Tagen von dort zurückkehrte – und zwar ohne Karina – realisierten die Eltern, dass ihre gemeinsame Tochter seit dieser Zeit verschwunden war.

DER HAUSGEIST – Eine Kurzgeschichte von Ottilie von Schottenburg

Tim war nun schon seit einigen Wochen in seiner neuen Grundschule und besuchte dort die zweite Klasse. Er hatte auch schon einige Freunde, und da war da noch Anna. Für ein Mädchen war sie absolut cool. Sie heulte nicht wenn Sie sich mal eine Schramme holte und ekelte sich auch nicht vor Spinnen. Anna und Tim wollten nach der Schule ins Dorf, um im Cafe eine Cola zu trinken. Aber Klaus der Viertklässler und Schulschläger stellte sich Ihnen in den Weg. „Na, ihr Pappnasen, Lust auf ein Abenteuer?“ Tim antwortete: „Tut uns leid wir sind schon verabredet.“ Klaus meinte daraufhin: „Aber klar, Schmusi, Schmusi mit deiner kleinen Freundin, man seid Ihr Feiglinge.“ Das ging den Beiden an Ihre Ehre. Als Feigling lässt sich keiner gerne beschimpfen also folgten sie Klaus wenn auch mit gemischten Gefühlen …

… DIE FARBE DER BERÜHRUNG. BERÜHRT SEIN VON DIR UND VON MIR UND … – Ein Essay von Antje Hampe und Rüdiger Heins

Rüdiger Heins ist freier Schriftsteller und produziert Beiträge für Hörfunk, Fernsehen und das Internet. Er ist Dozent im Creative Writing sowie Gründer und Studienleiter des INKAS – INstitut für KreAtives Schreiben. Mit seinem Roman “Verbannt auf den Asphalt” und den Sachbüchern “Obdachlosenreport” und “Zuhause auf der Straße” machte er die Öffentlichkeit auf Menschen am Rand der Gesellschaft aufmerksam. In seinen Theaterstücken “Allahs Heilige Töchter”, und “Fee: Ich bin ein Straßenkind”, greift er ebenfalls sozialkritische Themen auf. Er organisiert Literaturveranstaltungen und interdisziplinäre Künstlerprojekte. Rüdiger Heins ist Herausgeber des Online Magazins “eXperimenta”. Zuletzt erschien sein Roman “In Schweigen gehüllt”.

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