sfbasar.de

Literatur-Blog

Archiv für die 'Storys' Kategorie

DIE VERBOTENE WELT – Leseprobe Teil 1 aus dem gleichnamigen Roman: “Rettungskreuzer Ikarus 51 (Gamorrha-Trilogie 1)” von Irene Salzmann

Erstellt von Irene Salzmann am 22. Mai 2013

DIE VERBOTENE WELT

Leseprobe Teil 1 aus dem gleichnamigen Roman:
“Rettungskreuzer Ikarus 51 (Gamorrha-Trilogie 1)”
von Irene Salzmann

„Sie geben.“ Missmutig schob Kroil Wenga den Kartenstoß über den Tisch.

Yeni Alaya nahm ihn mit einem feinen Lächeln entgegen. Vor dem schlanken Piloten des Rettungskreuzers Phoenix stapelten sich die Creds, während seinem Gegenüber bloß ein kleines Häufchen geblieben war. Er mischte, ließ Wenga abheben und teilte ihnen beiden jeweils sieben Karten aus, die zwei letzten aufgedeckt. Der Chef-Ingenieur hatte den höheren Wert.

„Ihr Einsatz?“, fragte Alaya.

Wenga seufzte und betrachtete die wenigen Münzen, die neben dem nicht aufgedeckten Blatt lagen. Zwar spielten sie um kleine Beträge, aber da er fast jede Runde verloren hatte, würde der Zyraner ein nettes Sümmchen einstreichen. Natürlich hätte Wenga schon vor einer Weile aufgeben können, doch wollte er nicht den Ruf eines schlechten Verlierers haben. Und es bestand immerhin die Chance, dass sich ihm das Glück noch zuwenden würde. Bislang hatte er allerdings vergeblich gehofft.

„Zwei Creds.“

Alaya schnippte die gleiche Anzahl Münzen in die Tischmitte und nahm die Karten auf. Seiner Miene war nicht anzusehen, ob er ein gutes oder schlechtes Blatt besaß.

Bastard!, dachte Wenga und musterte seine eigenen Karten.

Diesmal hatte er überwiegend rote Motive von mittlerem Wert, zwei blaue mit den höchsten Punkten und keine gelben. Daraus ergaben sich drei Möglichkeiten. Entweder sammelte Wenga Farben und spielte auf Sicherheit, indem er darauf vertraute, dass er vor dem Aufdecken noch einige rote Karten ziehen würde, oder er setzte auf Risiko, indem er Blau wählte, vielleicht jedoch nur kleine Gelb- oder Rot-Werte erhielt. Alternativ ließen sich  auch hohe Werte in beliebigen Farben sammeln, wobei viele Karten derselben Farbe natürlich ein besseres Blatt ergaben.

Wenga musste Ansagen: Farben oder Werte.

Alaya wartete geduldig. Er brauchte nie lange zum Überlegen.

Daulion-Wy, das von zwei bis drei Teilnehmern gespielt werden konnte, bestand aus zweiundvierzig Karten in drei Farben, die jeweils mit ein bis vierzehn Punkten versehen waren; hinzu kamen drei Cumva-Karten, die beliebige Farben und Werte annehmen konnten. Das Ziel war, mit sieben Karten eine möglichst hohe Punktzahl in einer Farbe oder hohe Werte mit verschiedenen Farben zu erzielen. Die Punkte wurden addiert, doch konnte auch eine geringere Punktezahl den Sieg erringen, wenn das Blatt überwiegend dieselbe Farbe aufwies oder eine lückenlose Zahlenreihe zusammenkam. Rot schlug Blau, Blau schlug Gelb. Das beste Blatt bestand aus roten Karten mit den Werten Acht bis Vierzehn im Farb-Spiel, aus den Werten dreimal Vierzehn, dreimal Dreizehn und einmal  Rot Zwölf im Punkte-Spiel.

Jede Karte, die Wenga austauschte, kostete nach seiner Vorgabe zwei Creds. Entschied er sich für Rot, mochte sein Einsatz kleiner bleiben, als wenn er Blau wählte, doch viele hohe Werte in einer Farbe oder das Punkte-Spiel mit den beiden Blauen und der höchsten Roten konnten ihm mit größerer Wahrscheinlichkeit den Sieg bringen. Oder eine teurere Niederlage.

Leider wusste er nie, wie Alaya spielte: Manchmal hatte der Zyraner ein gutes Blatt, das er wahlweise durch ein sicheres oder ein Risiko-Spiel und natürlich einer großen Portion Glück erhielt, dann wieder bluffte er und brachte Wenga dazu, ein Blatt, das ihm den Sieg gebracht hätte, umzustellen oder auszusteigen, was ihm die Niederlage bescherte.

„Farbe“, erklärte Wenga. Sein Gefühl sagte ihm, dass er die falsche Wahl getroffen hatte. „Und zwei Karten.“ Er legte vier Creds zum Einsatz, schob die beiden Blauen mit der Rückseite unter den Talon und nahm von oben zwei neue Karten. Zwei Gelbe. Verdammt!

Alaya kaufte vier Karten. Nicht einmal ein zuckendes Augenlid verriet, ob er mit dem Blatt zufrieden war. Er klappte es zusammen, legte es auf den Tisch, die Hände darüber gefaltet.

Nun war Wenga wieder an der Reihe. Ob er auch einmal versuchen sollte zu bluffen? Wenn Alaya vier Karten ausgetauscht hatte, dann mochte sein Blatt ziemlich mies sein. Oder war das nur ein Trick von Alaya, um Wenga genau das glauben zu lassen?

Er beschloss, noch einmal zwei Karten zu kaufen. Als er die Gelben abgeben wollte, hörte er eine vertraute Stimme hinter sich.

„Hier bist du also, Schnuckelchen!“

Wenga konnte nicht verhindern, dass er leicht zusammenzuckte. So sehr er Reela Coy auch liebte und es mochte, wenn sie ihn mit Kosenamen bedachte – im Beisein dritter war ihm das peinlich.

Alaya verkniff sich zwar ein Grinsen, aber seine dunklen Augen funkelten amüsiert.

„Reela …“ Wenga war wie immer in ihrer Gegenwart um Worte verlegen. „Hast du mich gesucht?“ Ich Idiot! Natürlich hat sie mich gesucht.

Die Ärztin strahlte ihn an. „Ich habe Plätzchen gebacken und dachte mir, dass du sie gern würdest probieren wollen. Bei einer Tasse Kaffee.“ Was im Klartext hieß: in meiner Kabine.

Wenga wurde es warm.

„Wir beenden die Partie, dann steht Ihnen der Chief ganz zur Verfügung“, sprang Alaya für Wenga ein.

Reela schenkte beiden ein Lächeln und winkte zum Abschied. „Bis gleich!“

Wenga blickte ihr nach, als sie mit wiegenden Hüften die Kantine verließ. Reela war nicht groß und etwas drall. Das gefiel ihm. Ihre blonden Locken glitzerten im Licht der Deckenleuchten wie pures Gold. Sie ist wundervoll!

Gedankenverloren legte er die Karten ab, nahm zwei neue – und stellte fest, dass er seine beiden besten Roten statt der Gelben ausgetauscht und an ihrer statt eine niedrige Blaue und noch eine Gelbe bekommen hatte. Er fluchte.

Alaya verzichtete auf weitere Karten. „Decken wir auf?“

„Ich gehe Plätzchen essen.“ Wenga warf die Karten auf den Tisch und erhob sich.

Alaya sammelte erst die Karten, dann die Creds ein. „Ärgern Sie sich nicht. Dafür haben Sie Glück in der Liebe. Schnuckelchen.“

***

Auf dem Weg zu Reelas Kabine fragte sich Kroil Wenga zum wiederholten Mal, was die Ärztin an ihm fand. Sie war jung, hübsch, stammte von Carilem V, einer Welt des Multimperiums, und war durch und durch menschlich. Er hingegen war ein Drupi, zwar menschlich genug, so dass ihrer beiden Spezies kompatibel waren, doch entsprach er ganz gewiss nicht den gängigen Schönheitsidealen:

Wenga war wie alle Repräsentanten seines Volks groß und kräftig. Vermutlich brachte er das Vierfache von Reelas Gewicht auf die Waage. Im Vergleich zu Männern wie Yeni Alaya wirkte er grobschlächtig mit seinem massigen Körper, dem runden Gesicht, das von hellem, borstigem Heer umrahmt wurde, der dreihöckrigen Nase und hellbraunen Augen. Konnte Reela wirklich einem Monstrum wie ihm Gefühle entgegenbringen? Warum himmelte sie nicht Alaya an, der mit seiner sportlichen Figur, der olivfarbenen Haut, dem üppigen schwarzen Haar und dem etwas verträumten Blick sehr viel mehr dem menschlichen Schönheitsideal entsprach?

In Folge wunderte sich Wenga, ob Reela ähnliche Gedanken hegte: Warum interessierte er sich für eine dünne, zarte Frau, statt einer viel stattlicheren Erscheinung den Hof zu machen? Es gab einige weibliche Drupi, die auf Vortex Outpost Dienst taten und für sein Empfinden echte Hingucker waren.

Kroil und Reela …

Tatsächlich wusste er selbst nicht, wie es dazu hatte kommen können.

Es war einfach … passiert.

Warum auch nicht? Man hörte immer wieder davon, dass ein Wenxi eine Aniaderin zur Frau nahm, ein Chomorr in ein Fidehi-Kollektiv integriert wurde, eine Lyane mit einem Pentakka ihr Glück fand, ein Sloaä sich einer Rimundi zuwandte … Der Vizianer Pakcheon und der ehemalige Septimus der Konföderation Anitalle Cornelius waren schließlich auch ein seltsames Paar. Weshalb sollte dann ausgerechnet an einem Drupi und einer Carilema etwas komisch sein?

Als Wenga vor der Tür von Reelas Kabine stand und sich anmelden wollte, wurde ihm nach nur einer Silbe geöffnet.

Reela hatte auf ihn gewartet. Ihre großen, grünen Augen leuchteten unter schmalen, gewölbten Brauen. Wenga hätte unter diesem Blick wie Eis in der Sonne dahin schmelzen können …

Der kleine Raum unterschied sich nicht von seinem, denn die Ausstattung war auf fast allen Schiffen Standard. Allein die persönlichen Gegenstände verliehen der Kabine eine individuelle Note.

Es gab ein schmales Bett – gut, seines war etwas breiter, aber er benötigte nun mal nahezu die doppelte Liegefläche wie ein Mensch -, einen Spind, einen Tisch und zwei Stühle, ein Regal mit Holowürfeln, die Bilder von Reela nahestehenden Personen zeigten, Souvenirs und anderen Dingen. Das Prunkstück war ein gigantischer, handbemalter Fächer an der Wand hinter der Sitzgruppe.

Auf dem Tisch standen ein großer Teller mit Gebäck und zwei Tassen, in die Reela gerade Kaffee einschenkte.

„Setz dich, Schatzi. Hast Du die Partie gewonnen?“

Wenga kam der Aufforderung nach. Der Stuhl war zu niedrig und zu schmal, aber glücklicherweise stabil. Zögernd schüttelte er den Kopf. „Der Kerl hat ein verdammtes Glück, egal was wir spielen.“

Reela nahm ihm gegenüber Platz. „Warum lässt du dich dann immer wieder darauf ein?“

„Um mir die Zeit zu vertreiben.“

„Vielleicht solltest du dir … einen anderen Zeitvertreib suchen.“

„Zum Beispiel?“ Hatte das eben verheißungsvoll geklungen? Wenga wurde es noch wärmer; er wünschte sich, dass die Klimaanlage um zwanzig Grad herunter regelte.

„Na ja“, erwiderte Reela gedehnt. „Mir ist schon klar, dass die Freizeitmöglichkeiten an Bord begrenzt sind und du nicht nur Fachbücher lesen oder Holofilme anschauen magst. Laini hat begonnen, ein Instrument zu spielen. Sie sagte mir den Namen, aber er war so kompliziert, dass ich ihn gleich wieder vergessen habe. Melton – nein, das soll ich nicht verraten, weil es ihm etwas peinlich ist. Was der Captain treibt, keine Ahnung. Mir macht Backen Spaß. Ich dachte, dass du sicher auch gern etwas Kreatives anfangen möchtest.“

„Etwas Kreatives?“, echote Wenga, nachdem Reela immer schneller geredet hatte und ihn nun hoffnungsvoll anblickte, eine kluge Antwort erwartend.

„Ist nicht alles besser, als ständig gegen einen ehemaligen Berufsspieler zu verlieren?“

„Alaya ist Berufsspieler?“ Das erklärt einiges.

„War“, betonte Reela. „Er erzählte, dass er, bevor ihn das Raumcorps anheuerte, in einem Casino gearbeitet hatte. Nur im Casino als Croupier, Kartengeber und so, aber nicht als … äh …“

Eine leichte Röte überzog ihre Wangen, was Wenga einfach entzückend fand.

Reela wedelte mit der Hand. „Nimm doch ein Plätzchen!“

Wenga griff zu, während Reela den Faden wieder aufnahm.

„Ja, und wer glaubst du, hat ihm die ganzen Tricks beigebracht?“

Schnell schluckte Wenga herunter und wäre fast erstickt. Noch nie hatte er einen so trockenen Keks gegessen. Selbst die Sandkuchen, die seine kleine Nichte ihren Puppen und auch ihm, wenn er zu Besuch kam und mit ihr spielte, servierte, mochten bekömmlicher und weniger trocken sein …

„Keine Ahnung“, würgte er hervor und nahm einen großen Schluck heißen Kaffee. Lieber den Schlund verbrannt, als dem Keks des Todes erlegen.

„Niemand Geringeres als dieser Gauner Jason Knight. Da staunst du, was?“

Wenga nickte, froh, dass nicht wirklich eine Erwiderung notwendig war. Die hätte bloß aus Krümeln bestanden. Den nächsten Schluck nahm er vorsichtiger.

„Das ist wohl zehn Jahre her und war bevor Knight seine Schmuggler-Karriere begann. Nachdem er Yeni eingearbeitet hatte, kündigte er, spielte um einen Frachter, gewann – und weg war er. Yeni blieb danach noch gut zwei Jahre auf der St. Domina und schlug sich weitere drei Jahre als Berufsspieler durch. Weil irgendwann niemand mehr gegen ihn antreten wollte und er Schulden hatte, kam er zum Corps. Hast du das nicht gewusst?“

„Er hat auf der St. Domina gearbeitet?“ Wenga stellte die Tasse auf den Tisch. „Also darum wurde er von den Mädchen begrüßt wie ein alter Freund. Und ich hatte gedacht -“

„Mädchen?“ unterbrach ihn Reela, plötzlich mit Eis in der Stimme. „Was für Mädchen? Warst du etwa auch einmal an Bord dieses … Sündenpfuhls?“

Mit einem Mal brachte eine andere Hitze Wenga zum Schwitzen. Er hatte genau das Falsche gesagt.

„Nur dienstlich“, versuchte er, den Schaden zu begrenzen. „Ist schon eine Weile her. Ich glaube, du hattest damals Urlaub. Uns erreichte ein Funkspruch von der St. Domina, dass ein Gast mit einer ansteckenden Krankheit isoliert wurde, den man mit den bordeigenen Mitteln nicht heilen konnte. Wie sich herausstellte, war es ein … ah … gängiges … Leiden, doch der Erreger war mutiert. Wir haben den Mann an Bord genommen und in die nächste Klinik, auf St. Salusa, gebracht. Das war alles.

„Wirklich alles? Du sagtest, da waren Mädchen …“

Noch nie war Wenga so dankbar für das Heulen des Alarms gewesen, der genau in diesem Moment aufbrandete. Er schoss vom Stuhl hoch.

„Wir müssen in die Zentrale. Bestimmt ein Notruf.“

Reela eilte ihm nach. „Was war mit -“

„Mädchen, Männer“, rief Wenga über die Schulter, „Zwitter. Alles Mögliche gibt es dort. Besser, du fragst Alaya, wenn dich das interessiert. Ich habe bloß meinen Job erledigt.“

Als eine Antwort ausblieb, war Wenga ganz stolz auf sich. Er hatte sich nicht erneut in selbst ausgelegten Fußangeln verfangen, jeglichen Verdacht hoffentlich zerstreut – und den Keksen des Todes war er ebenso entkommen wie den Vorschlägen, welches kreative Hobby für ihn das richtige wäre. Es gab einfach Dinge, über die ein Mann nicht sprach. Erst recht nicht mit der Frau, deren Herz er erobern wollte. Und es war unwahrscheinlich, dass die Phoenix in absehbarer Zeit die Bahn der St. Domina kreuzen würde. Ansonsten blieb nur, giftige Pilze zu essen, um von Reela in der Krankenstation gepflegt zu werden …

(zum nächsten Teil)

Copyright (C) 2012/13 by Irene Salzmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Wer wissen möchte, was vorher passierte und wie es weitergeht, kann das Nachlesen in (Bestellmöglichkeit der Printausgabe direkt beim Verlag mit Klick auf das Cover):


Autor: Irene Salzmann
Preis: 2,99 EUR inkl. Mwst.
Erschienen: Atlantis Verlag 2013, ca. 106 Seiten *
Kategorie: Rettungskreuzer Ikarus
Format:
ebook für den Mobipocket-Reader Mobipocket (ohne DRM) 381.67 KB
eBook im ePub Format (ohne DRM) 291.35 KB
Rettungskreuzer Ikarus Band 51 als ebook bei beam-ebooks.de

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 390 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 125 Seiten
Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
Verlag: Atlantis Verlag Guido Latz (16. April 2013)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
Als Kindle Edition als ebook bei Amazon

Die Wanderlustseuche wurde besiegt, aber es wird noch lange dauern, bis die Galaxis sich von den Folgen erholt hat. Der Rettungskreuzer Phoenix ist eines der Schiffe, die auf die Notrufe Bedürftiger antworten und Hilfe zu bringen versuchen. Ein Funkspruch führt die Crew der Phoenix zu einem havarierten Raumer; dessen Besatzung hat eine verbotene Welt besucht und das Grauen mit an Bord gebracht …

In Vorbereitung der Paperbackausgabe später:

Titel bestellbar bei ebook.de
Titel bestellbar bei amazon.de
Titel bestellbar bei buch24.de
Titel bestellbar bei Booklooker.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Leseprobe, Science Fiction, Storys, eBooks | 1 Kommentar »

HEXEREI? – Eine Kurzgeschichte von Irene Salzmann

Erstellt von Irene Salzmann am 22. Mai 2013

HEXEREI?

Eine Kurzgeschichte
von
Irene Salzmann
(1994/2013)

Mara stieg langsam die hell marmorierten Stufen hinauf. Laut hallte das Klacken ihrer hohen Absätze durchs Treppenhaus und übertönte das Gebrüll eines kleinen Kindes aus einer der Wohnungen. Irgendwo kochte jemand Kohl, dessen säuerlicher Geruch unangenehm in ihre Nase stieg.

Als Mara den zweiten Stock erreicht hatte, steuerte sie zielsicher die richtige Tür an. Der einst weiße Anstrich hatte sich im Laufe der Jahre gelblich verfärbt, und in Höhe des Knaufs tummelten sich die grauen Abdrücke zahlloser Finger. Der Name auf dem weinroten Plastikschild unter der Klingel war kaum zu entziffern. Mara wußte, was in blassen Buchstaben darauf stand:

L. Hartl. L für Lothar. Lothar Hartl war leitender Bankangestellter, hatte ein ganz gutes Einkommen, fuhr einen weißen Dreier BMW, leistete sich jeden Sommer zwei Wochen Urlaub in der Türkei oder einem anderen Billigland und spielte in der Freizeit Tennis. Und er war ledig. Allein.

Mara drückte auf den Knopf, und es summte aufdringlich. Nach einem Moment hörte sie in der Wohnung eine Tür schlagen, dann näherten sich gleichmäßige Schritte, das Glas des Spions wurde dunkel – jemand schaute hinaus – und ihr wurde geöffnet.

“Ja, bitte?”

Ein schlanker Mann Anfang Dreißig füllte den Rahmen. Sein Haar war dunkel, er hatte eine sportliche Brille und sah durchschnittlich gut aus. Er trug legere Freizeitkleidung; heute mußte er nicht zur Arbeit.

Neugierig musterte er Mara, die sich ihres attraktiven Äußeren bewußt war. Für eine Vertreterin war ihr lindgrünes Kostüm zu elegant, und als Zeugin Jehova hätte sie den “Wachturm” in der Hand halten müssen. Zweifellos hielt er sie für die seriöse Angestellte einer Behörde, sonst hätte er nicht geöffnet.

Mit einer unbewußten Handbewegung strich sich Mara eine rotbonde Locke aus der Stirn. “Guten Morgen, Herr Hartl”, sagte sie mit klarer Stimme. “Ich bin eine Hexe und weiß, daß heute ein glücklicher Tag für Sie ist. Was Sie sich schon lange wünschten, wird endlich in Erfüllung gehen.”

Sein Gesicht verschloß sich. “Was reden Sie da? Ich bin schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten und glaube auch nicht an New Age und solchen Humbug. Auf Wiedersehen!”

Klapp – fiel die Tür zu.

Mara seufzte und ging klackend die Treppe bis zum nächsten Absatz hinunter. Das Kind hatte sich mittlerweile beruhigt, und der Kohlgeruch war noch intensiver geworden. Sie lauschte. Jemand kam aus dem Keller, eine Tür wurde in Parterre zugeknallt, dann war es still.

Außer Mara war niemand da. Keiner würde sie stören.

Mit wenigen Griffen hatte sie ihr modisches Kostüm umgedreht, so daß daraus ein langer, karierter Rock mit einem braunen Flicken am ausgefransten Saum wurde. Statt des  adretten Blazers trug sie ein schmuddeliges Wolltuch über der dunklen Bluse. Ihre zierlichen Sandalen wurden zu muffig riechenden Filzpantoffeln. Schnell drückte sie die Hakennase zurecht, stopfte das schüttere, graue Haar unter ein geblümtes Kopftuch und plazierte den Buckel an der richtigen Stelle, obendrauf die schwarze Katze.

Gemächlich schlurfte Mara die Treppe wieder hoch. Diesmal mußte sie länger vor der Tür warten. Herr Hartl fürchtete einen weiteren Störenfried und reagierte erst auf das dritte Summen, um den lästigen Besucher zu verscheuchen.

Mißtrauisch musterte er Mara von oben bis unten. Die Katze zischte böse und kniff die leuchtend gelben Augen zu schmalen Schlitzen.

“Ich gebe nichts”, sagte er unfreundlich. Wenn man einmal damit anfing, wurde man die Bettler überhaupt nicht mehr los.

“Guten Morgen, Herr Hartl.” Mara ließ sich nicht abweisen. “Ich bin eine Hexe und weiß, daß heute ein glücklicher Tag für Sie ist. Was Sie sich schon lange wünschten, wird endlich in Erfüllung gehen.”

Er stutzte. “War nicht eben schon mal jemand von Ihrem Verein hier? Ihr laßt einen wohl nie in Ruhe, wie?”

“Sie meinen bestimmt die junge, hübsche Frau”, entgegnete Mara und wiegte den Kopf hin und her. “Ich begegnete ihr unten auf der Straße. Sie ist auf dem Weg nach Hause. Oh, die Ärmste! An der Bushaltestelle wird sie gleich stolpern, der Fahrer kann nicht mehr rechtzeitig halten und -” Sie verstummte abrupt und blickte Herrn Hartl eindringlich an. Ihr Kopf zitterte noch immer auf dem faltigen Hals. “So eilen Sie doch, helfen Sie ihr!”

Ohne nachzudenken, rannte Herr Hartl aus der Wohnung, verharrte kurz am Eingang und schaute suchend die Häuserzeile entlang, ohne die junge Frau entdecken zu können. Er sprintete um den Block zur nächsten Haltestelle, wo einige Leute am Rand der Parkbucht auf den sich nähernden Bus warteten. Sie drängelten und schoben, jeder hoffte auf einen Sitzplatz.

Zwischen ihnen stand Mara.

Der Bus setzte den Blinker und wurde langsamer.

Mara machte einen Schritt zur Seite, stolperte und stürzte nach vorn. Die Bremsen des Bus quietschten. Entsetzt stöhnten die Leute auf.

Eine kräftige Hand packte Maras Arm und zerrte sie gerade noch zurück. Der Bus kam direkt vor ihr zum Stehen.

“Das ging ja noch mal gut”, sagte jemand. Die große Frau war so erschrocken, als wäre das Unglück beinahe ihr selbst zugestoßen.

“Man sollte sich nicht so nah an den Bordstein stellen”, meinte ein anderer. Der junge Bursche malte sich etwas enttäuscht den zerdrückten Körper in einer hellroten Blutlache aus.

“Der Fahrer hätte keine Schuld gehabt”, fand ein dritter. Der Mann mittleren Alters dachte an einen Radfahrer, den er in jener schrecklichen Nacht vor knapp drei Jahren nicht rechtzeitig bemerkt hatte, da dieser dunkle Kleidung getragen und kein Rücklicht gehabt hatte.

“Haben Sie sich weh getan?” fragte Herr Hartl besorgt.

Mara blickte auf, lächelte zaghaft und schüttelte den Kopf. Flüchtig wischte sie die roten Locken aus dem Gesicht.

“Auf den Schreck sollten wir einen Kaffee trinken”, sagte er. “Kommen Sie. Dort drüben ist ein nettes Bistro. Sie zittern ja am ganzen Körper.” Er bot Mara seinen Arm an und führte sie über die Straße. Herr Hartl hatte ihre beiden Besuche und sein Mißtrauen ganz vergessen.

Im Bistro setzten sie sich an ein sauberes Tischchen in einer gemütlichen Ecke. Von draußen drang abgeschwächt der Verkehrslärm herein, ein Auto hupte, und ein Fußgänger schimpfte. Gedämpft dudelte Instrumentalmusik aus verborgenen Lautsprechern, die Gäste unterhielten sich leise, und es duftete nach Kaffee und frischen Semmeln. Herr Hartl fand Mara sehr schön und genoß ihre Gesellschaft. Bestimmt bewunderte sie ihn für seine geistreichen Witze. Heute, er war sich ganz sicher, mußte ein Glückstag sein, weil er endlich seine Traumfrau gefunden hatte. Er würde sie fragen, ob sie auch Tennis spielte, sie mit seinem Wagen ausfahren, und vielleicht verbrachten sie den nächsten Urlaub gemeinsam in der Türkei. Ja, und dann …

Mara drehte den Kopf und blickte nach links. Am Tresen lehnte ein Mann, ein guterhaltener Vierziger, und trank ein Kännchen Tee.

Martin Bender. Er war Ingenieur, hatte ein kleines Häuschen, fuhr einen blauen Audi 80 Cabrio, machte im Winter Skiurlaub und im Sommer Bildungsreisen. Und er war geschieden. Allein.

Mara wandte sich wieder Lothar zu, der weitergesprochen hatte und zu lachen anfing. Sie stimmte mit ein. In Wirklichkeit hatte sie gar nicht zugehört, sondern an etwas anderes gedacht.

Belustigt stellte sich Mara vor, daß sie Martin Bender aufforderte, die häßliche Alte vor dem Bus zu retten. Den Leuten würden die Augen aus dem Kopf fallen, wenn sie sahen, wie er ihren Buckel zärtlich streichelte.

Die kleine Katze zeigte ihre Krallen und fauchte.

Das war ja Unsinn! Glaubwürdig war nur die Hexe mit Buckel und gerettet wurden ausschließlich hübsche Prinzessinnen. Umgekehrt funktionierte es nie – obwohl es ein Spaß wäre. Die dummen Gesichter der Leute.

Erneut fauchte die Katze, und ihre Krallen bohrten sich warnend durch den Stoff.

Schon gut. Erst Lothar, dann Martin; und wie üblich. Nehmen, was freiwillig gegeben wurde. Wie es sich für eine ehrbare Hexe gehört.

ENDE

Copyright (C) 1994/2013 by Irene Salzmann

Bildrechte: Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten” (Magie neuer Hrsg und heller.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/


Buchtipp der Redaktion:


Garcia, Kami / Stohl Inc., Margaret
Beautiful Creatures – Eine unsterbliche Liebe

Buch zum Film

Übersetzt von Koob-Pawis, Petra
Verlag :      cbj
ISBN :      978-3-570-40159-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 03.05.2013
Seiten/Umfang :      544 S. – 18,3 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Produktform (detailliert) :      B504
Erscheinungsdatum :      11.03.2013

Medien :
Leseprobe(PDF)

Die Filmausgabe des Bestsellers “Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe”; ungekürzte Textausgabe.

Liebe noch vor dem ersten Blick: Schon bevor Ethan sie zum ersten Mal gesehen hat, hat sie ihn in seinen Träumen verfolgt: Lena Duchannes, die Neue in Ethans Schule, in die Ethan sich unsterblich verliebt. Doch Lena umgibt ein Fluch, den sie mit aller Kraft geheim zu halten versucht: Sie entstammt einer Familie von Hexen, und an ihrem sechzehnten Geburtstag wird sie berufen werden. Dann wird sich entscheiden, ob sie eine gute oder eine böse Hexe wird. Ethan aber weiß: Auch er hat keine Wahl – ihm ist vorherbestimmt, Lena für immer zu lieben. Aber wird er an ihrer Seite bleiben können, gleich, welcher Seite sie künftig angehört?

„The Legion – Der Kreis der Fünf“ ist Kami Garcias neuer Roman. Vorher hat sie zusammen mit Margaret Stohl die Romanserie „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ geschrieben. Die Bücher stürmten die internationalen Bestsellerlisten, erhielten zahlreiche Preise, und inzwischen wurde „Sixteen Moons“ unter dem Titel „Beautiful Creatures – Eine unsterbliche Liebe“ von Hollywoodregisseur Richard LaGravanese verfilmt. Kami lebt mit ihrer Familien im kalifornischen Los Angeles. Kami Garcia und Margaret Stohl kam die Idee zu „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ während eines gemeinsamen Essens. Auf eine Papierserviette kritzelten sie ihre Gedanken zu einem Roman, der sie beide begeistern würde, und begannen zu schreiben. Die Sixteen-Moons-Bücher wurden ein weltweiter Erfolg und inzwischen auch verfilmt. Beide Autorinnen leben mit ihren Familien im kalifornischen Los Angeles. Mittlerweile schreiben sie nicht mehr auf Papierservietten, sondern auf Computern.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de

Titel erhältlich bei Booklooker.de

Titel erhältlich bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Fantasy, Leseprobe, Storys, cbj Verlag, cbt Verlag | 2 Kommentare »

MARC ZEICHNET SCHWARZ-WEISS – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Roman von Karsten Harms

Erstellt von WENZ Verlag am 22. Mai 2013

MARC ZEICHNET SCHWARZ-WEISS

- Leseprobe (Teil 2) -

aus dem gleichnamigen Roman

von Karsten Harms

(Zum vorherigen Teil)

Ich finde das alles nicht gerade zum Lachen! Wenn ihr mich fragt, dann kochen sämtliche Psychologen auch nur mit Wasser. Es ist ja nun nicht gerade so, dass sie einem in den Kopf hineinschauen können und deshalb genau sehen, was mit einem los ist. Nein, alles, was sie haben, sind Theorien. Sie befragen einen, stellen Vermutungen an … und dann packen sie den Patienten in eine Schublade. Na klasse! Sie drücken dir einen Stempel auf und tun so, als ob psychische Probleme nicht überaus komplex und verworren, sondern stattdessen in diskreten Zuständen, in klaren Kategorien beschreibbar wären. In der Folge verlässt du die Klink mit einer ach so eindeutigen Diagnose und jeder Menge verschreibungspflichtiger Psychopharmaka. Und wenn du Pech hast, wirst du die Schublade, in die du gesteckt worden bist, niemals wieder verlassen. Die Medikamente, die du fortan einnimmst, werden dich schon verrückt genug machen.

Aber auch die Seelenklempner sind nicht zu beneiden: ständig dazu verdammt, im Trüben zu fischen, können sie nie mit absoluter Sicherheit sagen, was mit einem nun genau los ist. Es gibt niemals einen Beweis, dass sie richtig liegen. Das ist anders als in der Mathematik oder in der Physik, wo man fast immer mit Gewissheit und Überzeugung sagen kann, ob ein Ergebnis nun stimmt oder nicht.

Ich stelle mir das frustrierend vor, immer nur im Ungewissen zu bleiben und mit Leuten zu arbeiten, die einen wahrscheinlich auf den Tod nicht ausstehen können. Mal Hand aufs Herz: wer hat schon große Lust dazu, sich als Irrer oder Schizophrener behandeln zu lassen? Ich kann mir wahrlich Dinge vorstellen, die mehr Spaß machen! Die Psychologen bekommen wohl den ganzen Tag lang kein einziges Lächeln zu Gesicht, weil die Patienten von den Gesprächen mit ihnen, von sich selbst oder ihrem Leben genervt sind. Na Wahnsinn – im wahrsten Sinne des Wortes.

Über meine Kindheit wollen die Ärzte ebenfalls alles wissen. Ja, daran haben die sich richtig festgebissen – warum auch immer. Als wenn alles über die Kinderjahre zu erklären wäre! Vieles liegt dort begraben, das stimmt schon, weil man in jener Zeit geprägt wird. Aber nur, weil mich weit nach Mitternacht zwei Polizisten im Bahnhof von Göttingen rüde aufgegriffen und abgeführt haben, weil ich in angetrunkenem Zustand meine Gedanken mit einem Lackstift auf einer Glasscheibe niedergeschrieben hatte, muss ich doch keine schlechte Jugend gehabt haben! Nein, das ist es nicht … da machen die es sich viel zu einfach!

Klar, die Leute von der Deutsche Bahn AG waren darüber nicht begeistert. Und auch die Polizisten sind nicht gerade zimperlich mit mir umgegangen, als ich laut fluchend um mich schlug, weil sie mich davon abhalten wollten, weitere Sätze, die ich sinnbildlich laut in die Welt hinausbrüllen wollte, aufs Glas zu bringen. Aber deshalb muss man doch nicht gleich denken, ich hätte eine Vollmeise! Und man muss mich auch nicht in eine Klinik einweisen. Verflucht noch mal, ich war betrunken! Jeder trinkt doch gerne mal einen über den Durst und tut dann in ausgelassener, enthemmter Stimmung Dinge, die er besser nicht tun sollte.

Zugegeben, es muss schon komisch anmuten, wenn einer nachts mit einem dicken Lackstift auf die große Glastrennwand der Reiseauskunft kritzelt. Von daher kann ich den beiden Polizisten keinen Vorwurf machen. Aber was ist heutzutage schon „komisch“? „Komisch“ ist ein sehr dehnbarer Begriff. Zudem ist er negativ behaftet; er weckt bei den meisten Menschen Assoziationen wie „verrückt“ oder „anormal“. Wobei ich nichts mehr hasse als die Wörter „normal“ oder „anormal“, denn wer, bitteschön, definiert denn, was „normal“ ist?

Wenn jetzt zum Beispiel jede Nacht im Bahnhof ein Angestellter der Bahn den aktuellen Fahrplan für den nächsten Tag in Schönschrift an die Glastrennwand malte, würde das jeder für normal halten. Kein Mensch würde sich darüber beschweren! Im Gegenteil, die Leute hielten das vermutlich sogar für eine äußerst kreative und witzige Idee. Wenn ich dort allerdings etwas an die Scheibe schreibe – etwas, das im Übrigen von Hetzparolen, Verbalinjurien oder Beleidigungen weit entfernt ist – stellt sich das offensichtlich als anormal dar. So anormal, dass mich die Polizei unter dem Applaus zweier dort herumlungernder armer Seelen in den Schwitzkasten nimmt und mir dabei fast beide Arme bricht.

Ja, was ist schon normal? Ist es etwa normal, dass niemand auch nur ein einziges verdammtes Wort zu all den Dingen sagt, die in unserem Land seit geraumer Zeit schieflaufen? Ist es normal, dass sich alle einlullen lassen, schön brav mitspielen, mit dem Strom schwimmen und ihren Mund halten, egal, was auf sie einprasselt? Ist es normal, dass die Leute in der Unterschicht bildlich betrachtet am Stock gehen und dabei immer stumpfsinniger werden, während sich im Gegenzug in der Oberschicht alles nur noch um Profit und Macht dreht und in überaus arroganter Manier beharrlich über die Köpfe des Volkes hinweg entschieden und nach getaner Arbeit womöglich elegant mit einem Champagner darauf angestoßen wird, ein weiteres Exempel statuiert zu haben?

Nein, ich habe genug; ich lasse mich nicht mehr für dumm verkaufen! Und gerade, weil es mir reicht, weil ich immens wütend bin, möchte ich das kundtun. Aber wahrscheinlich hat kein Mensch auch nur ein einziges meiner Worte auf der Scheibe gelesen, geschweige denn verstanden. Die Blödmänner haben lieber gegafft, als sich meinen Sätzen zu widmen! Sich auf Kosten anderer amüsieren, sich am Elend anderer ergötzen … das ist zur Lieblingsbeschäftigung der nach Sensationen lechzenden, großen Mehrheit der Bevölkerung geworden. Dabei ergab mein Text so viel Sinn! Ich wünschte, ihr wärt in der Nacht dabei gewesen und hättet mein Pamphlet auf dem Glas verinnerlichen können.

Ich frage noch einmal: was ist schon normal? Ist es nicht so, dass Normalität gar nicht existiert und erst im Auge des Betrachters durch subjektive Denkweise entsteht? Ist Normalität deshalb nicht immer nur ein scheinheiliges Gebilde, ein Konstrukt, das einer persönlichen Meinung entspricht, aber keinesfalls allgemeine Gültigkeit besitzt?

Ich kannte zum Beispiel mal einen Homosexuellen, der sich während eines Urlaubs im Harz ein bisschen in mich verknallt hatte. Er legte sich ein paar Tage lang am Badeteich mit seinem großen Handtuch direkt neben mich, weil er mich offensichtlich interessant fand. Wir haben in der Zeit ziemlich viel miteinander gequatscht – ohne dass natürlich mehr gelaufen wäre; klar, schließlich bin ich ein Hetero! Ich war überrascht, wie schnell er mir vertraute, wie offen und ehrlich er war, obwohl ich doch ein völlig Fremder für ihn gewesen bin. Er schilderte mir die Gefühle, die er hatte, bevor er mit seiner Homosexualität aus der Heimlichkeit herausgetreten ist. Er erzählte mir, er hätte bis Mitte zwanzig seine Neigungen vertuscht, um von den Leuten nicht als Schwuler erkannt zu werden. Ständig hatte er gefürchtet, andere könnten ihn entlarven und einen Haufen schlimmer Gerüchte über ihn verbreiten. Er hatte viel Zeit damit verbracht, über sich zu grübeln, sich selbst und seine „Normalität“ in Frage zu stellen und zu ergründen, wie er sich wohl fühlen würde, wenn er „normal“ wäre. Für ihn herrschte große Verwirrung bezüglich seiner Identität. Dabei hätte er sich selbst gar nicht in Frage zu stellen brauchen, weil nicht das Geringste an ihm absonderlich war. Er war nett, gebildet, zuvorkommend; was er sagte, hatte Hand und Fuß.

Nein wirklich, was ist das bloß für ein scheinheiliger Mist! Wenn man es genau betrachtet, ist doch alles und nichts normal. Normalität ist relativ; es kommt einzig und allein auf das Umfeld an, in dem ich lebe; es kommt darauf an, was ich gewohnt bin, in meiner Umwelt zu entdecken. Was ich jeden Tag erlebe, erscheint normal. Und was ich nur ganz selten erlebe, erscheint entsprechend als nicht normal.

Wenn sich heute spanische Fischer darüber beschweren, sie kämen zunehmend mit leeren Netzen von hoher See zurück und könnten ihre Familien nicht mehr ernähren, weil die Meere völlig überfischt seien, so ist das normal. Niemand wundert sich wirklich über das Wehklagen der Fischer, denn jeder weiß: die Vorräte im Wasser müssen irgendwann zur Neige gehen, wenn Milliarden an Menschen mehr und mehr Meerestiere konsumieren; die Fischarmut vor den Küsten ist längst zur Normalität geworden. Im Gegensatz zu früher! Vor tausenden von Jahren, zu einer Zeit, in der sich der Mensch noch nicht so stark auf der Welt ausgebreitet hatte, war es normal, dass ein Fischer gezielt mit seinem Dreizack ins Wasser stechen konnte und mit jeder der drei Zacken einen Fisch aufspießte; das war möglich, weil es an den Küsten nur so von Meerestieren wimmelte. Ein historischer Fischer hätte sich zu jener Zeit sicherlich verwundert die Augen gerieben, wenn eines Tages nach einem gezielten Stoß mit dem Dreizack plötzlich nur noch ein oder zwei Fische an seinem Spieß gezappelt hätten – er war schließlich eine bessere Ausbeute gewohnt! Fische in Hülle und Fülle zu haben … das war damals alltäglich.

Es bleibt, wie es ist, egal von welcher Seite man es betrachtet: Normalität ist relativ und weit dehnbar; sie erstreckt sich in meinen Augen von „leicht verrückt“ über „ziemlich verrückt“ bis hin zu „extrem sonderlich.“ Und doch erfreut sich das subjektive Gebilde der Normalität steigender Beliebtheit. Viele Menschen bauen es auf, um sich anschließend dahinter zu verstecken. Die Normalität fungiert als Konstrukt zur Rechtfertigung. Oder sie macht es einem andersherum leichter, heimliche Begierden und Wünsche unterdrücken, bekämpfen oder gar abtöten zu können. ‚Bloß nicht auffallen‘ lautet die Devise! Was scheinbar nicht ins Bild passt, wird als anormal oder abartig verunglimpft. Dann hat man in der Folge Ruhe vor sich selbst.

Die meisten Leute schwimmen wie tote Fische mit dem Strom. Kaum einer besitzt noch Persönlichkeit, tanzt mutig aus der Reihe. Individualität war gestern, heute ist Mainstream; die Masse schreitet stets in die gleiche Richtung voran. Die Menschen verkommen zu Nummern im System, sie sprechen sinnbildlich die gleiche Sprache, tragen die gleichen Klamotten; sie folgen denselben Trends, glauben alles, was gesagt wird und nehmen sich, was geboten wird. Anstatt Dinge zu hinterfragen, anstatt sich selbst zu finden und ein Leben nach eigenen Wünschen und Zielen zu gestalten, ordnen sie sich ein, ordnen sie sich unter.

.
Copyright © 2013 by Karsten Harms / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Wenz-Verlages.
.

Bildrechte: “Psychogenese – Dem Wahnsinn auf der Spur” (Psychogenese5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

.

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Psychogenese-50-minus^20-0.jpg” (Originaltitel: Psychogenese5.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Und hier geht es zum Buch von Karsten Harms:

Harms, Karsten
Marc zeichnet schwarz-weiß

Verlag :      Wenz Verlag
ISBN :      978-3-937791-42-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      13,95 Eur[D] / 14,40 Eur[A] / 20,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 21.02.2013
Seiten/Umfang :      516 S., schw.-w. Zeichn. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      03.2013

Engel oder Teufel? Liebe oder Triebe? Vitalität oder Selbstmitleid? Marc schwankt zwischen Extremen und versucht dabei stets, sich selbst treu zu bleiben. Seine Mitmenschen, ob mit guten oder schlechten Absichten, sind dabei nicht immer hilfreich: sei es der überhebliche Chef, dessen herablassenden Tadel Marc sich nicht länger gefallen lassen will – woraufhin er prompt gefeuert wird; sei es die Exfreundin, die statt Mitgefühl nur Vorwürfe zu bieten hat oder die spannende neue Bekanntschaft, die Marc dermaßen verwirrt, dass er kaum wagt, ihren Brief zu öffnen. Am Ende einer ereignisreichen Woche findet er sich in einer psychiatrischen Klinik wieder und rekapituliert, was ihn und die Welt an diesen Punkt gebracht hat.

Karsten Harms, gebürtiger Berliner und studierter Molekularbiologe, schreibt seit vielen Jahren Kurzgeschichten, stets mit einer gesunden Portion Ironie und Bissigkeit. „Marc zeichnet schwarz-weiß“, ein polarisierender, gesellschaftskritischer Roman, ist seine erste literarische Publikation. Der Autor lebt und arbeitet heute im Rheinhessischen.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei ebooks.de/Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Bücher, Diskussionen, Leseprobe, Storys, Wenz Verlag | 3 Kommentare »

REISEERZÄHLUNGEN EINES WELTRAUMABENTEURERS – AUFBRUCH – Science Fiction von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 30. April 2013

Reiseerzählungen eines Weltraumabenteurers

Science Fiction
von
Günther K. Lietz

Aufbruch

Viele Wege führen nach Rom, liebe Leser. Aber das ist eine Untertreibung, denn alle Wege führen nach Rom. Jedenfalls im Jahre 3010. Das ist zufälligerweise auch genau das Jahr, in dem ich von der Akademie abging und meine Forschungsreisen aufnahm. Zur damaligen Zeit noch eine gefährliche Tätigkeit, die einem unglücklichen Expeditionsteilnehmer schnell einmal das Leben kosten konnte. Doch der jugendliche Tatendrang und die damit verbundene Neugierde auf das Leben sind Dinge, die ich im Nachhinein keinesfalls missen möchte. Und ich muss gestehen, trotz all der Gefahren war es eine aufregende und schöne Zeit. Meistens.

Wie von mir bereits angedeutet, liegt Rom im Zentrum der dem Menschen bekannten Welt. Und diese Welt ist sehr groß, umfasst sie doch mehr als eintausend bewohnte Planeten. Das sind jedenfalls offizielle Schätzungen und die Dunkelziffern dürften ein wenig höher liegen. Aber dabei handelt es sich weitgehend um kleine Felsbrocken im All, auf denen sich niedere Charaktere und der Abschaum des Imperiums vor den Augen des Gesetzes verborgen halten.

Im Zentrum des Imperiums liegt also Rom, ein wunderschöner Planet und Sitz des Senats. Der setzt sich wiederum aus Vertretern der imperialen Planeten zusammen und erlässt die imperialen Gesetze, die dann über den planetaren Gesetzen stehen. Man sollte nun meinen da könnten rasch Streitigkeiten aufkommen, aber weit gefehlt. Die Planeten handeln weitgehend in Eigenverantwortung und nur die grundlegenden Gesetze müssen befolgt werden. Dabei handelt es sich um die Menschenrechte, Zölle und Abgaben.

Damit es zu keinen Ungerechtigkeiten kommt, muss jemand ein waches Auge auf den Senat haben und in der Lage sein, sämtliche Angelegenheiten des Imperiums zu koordinieren. Das macht der Imperator, der für eine Dekade regiert, dann abdankt und seinem Nachfolger Platz macht.

Der Imperator wird übrigens vom Volk aus den Reihen der Senatoren gewählt. Das bedeutet natürlich alle zehn Jahre ein großes Spektakel, dass im ganzen Universum übertragen wird und einem großen Volksfest gleicht. Auf den meisten Planeten wird eine ganze Woche lang gefeiert und in Rom dauern die Feierlichkeiten sogar einen ganzen Monat an.

Sicherlich fragen Sie sich jetzt, was ich mit Woche und Monat meine. Nun, im Imperium gilt der imperiale Standard. Meistens. Es gibt viele Planeten, Stationen und Schiffe, für die der Standard unmöglich einzuhalten ist. Dann muss man schon ein wenig rechnen und es ist von Vorteil einen Agenten zu besitzen. Liebe Leser, ich sollte ihnen vielleicht auch kurz einige erklärende Worte zu Agenten erzählen.

Bei dem Agenten eines fortschrittlichen imperialen Bürgers, handelt es sich um eine virtuelle Sache. So besitze ich unter meiner Haut einen kleinen Chip, der sämtliche wichtigen Daten meines Lebens beinhaltet und sichert. Durch entsprechende Geräte ist es mir nun möglich die Daten auszulesen, zu bearbeiten und auch wieder abzuspeichern. Ich benutze dazu meine Armbanduhr, die zwar schlicht aussieht, aber allerlei nützliche Spielereien beinhaltet.

Wichtig zu erwähnen ist auch noch, dass jeder Agent eine eigene Persönlichkeit besitzt. Die technischen Details würden an dieser Stelle nur unnütz aufhalten, doch sei gesagt, dass Agenten eine künstliche Intelligenz sind und ihr Verhalten durch den jeweiligen Benutzer mitbestimmt wird.

Zu erwähnen sei ebenfalls, dass moderne Agenten in ihren Fähigkeiten eingeschränkt sind. Es gab eine Zeit, in der ein Agent viel mehr Möglichkeiten besaß, mit seinem Besitzer zu interagieren und Agenten auch mit allerlei Implantaten verbunden waren. Das führte zu Konflikten und Krieg, denn einige der Agenten erklärten sich für unabhängige Individuen und übernahmen die Kontrolle über ihre Besitzer. Dieser Abschnitt in der Geschichte des Imperiums ist blutig und traurig – und sicherlich keines weiteren Wortes mehr wert.

Jedenfalls hatte ich das Sommersemester 3010 an der römischen Akademie als Jahrgangsletzter absolviert. Sicherlich kein Grund darauf stolz zu sein, doch muss ich es erwähnen, um falsche Vorstellungen bezüglich meiner Person zu vermeiden. Glauben Sie bitte nicht ich wäre ein unfähiger junger Mann, der gerne große Worte spricht. Nein.

Es ist viel mehr so, dass ich ein Mann der Praxis bin und Theorie als eher langweilig empfinde. Das soll nun keine Rechtfertigung sein, sondern nur eine Feststellung. Und in dem ich mich Ihnen hier mit meiner beschämenden Leistung offenbare, sollte ich meine Glaubwürdigkeit unterstreichen. Denn somit wissen Sie ja, dass ich kein Mann bin, der etwas verbirgt.

Ich hatte in den letzten zehn Jahren verschiedene Studienfächer ausprobiert und keines hatte mir gefallen. Schlussendlich schrieb ich mich in Xenophilosophie ein und machte mit Mühe und Not meinen Abschluss. Das war auch dringend angeraten, erreichte mich doch eine traurige Nachricht aus dem Hause meiner Eltern auf Sodium Prime: Sind bankrott, zählen nun auf Dich.

Das war eine sehr knappe Nachricht, aber die Kosten für die Nachrichtenübertragung innerhalb des Imperiums mittels Hyperpulsgeneratoren sind sehr hoch. Man kann zwar Nachrichten mit Hilfe von Postbooten versenden, aber da sind wiederum die Transportzeiten sehr lang. Das meine Eltern trotz ihrer finanziellen Probleme eine Nachricht per Hyperpulsgeneratorstation übermittelten mag aufzeigen, wie schlimm es ihnen ging.

Also packte ich meinen kleinen Koffer, zog aus dem Studentenwohnheim aus und saß erst einmal auf der Straße. Glücklicherweise ist das Klima auf Rom sehr milde und die Straßen sauber, sodass die ersten Tage noch recht angenehm waren. Doch das Leben als Obdachloser ist kein sorgloses Leben. Zwar gibt es imperiale Organisationen die Abhilfe schaffen, doch ich wollte zu diesem Zeitpunkt keinesfalls als Pionier auf ein Kolonieschiff eingeladen werden. Dieses imperial verordnete Pionierleben klingt nun vielleicht nach ein wenig staatlichem Zwang, aber so hat jeder Bürger des Imperiums die Gelegenheit, etwas aus seinem Leben zu machen.

Da saß ich also im Park, fütterte mit meinem letzten Brot die Enten und überlegte, was für eine Karriere ich einschlagen wollte.

Das Militär schied aus, denn mir schwebten Abenteuer vor – und das Leben eines imperialen Legionärs ist eher langweilig, setzt es sich doch aus Büroarbeit, Protokolle schreiben und Wache stehen zusammen. Aber in der Not ist eine jede Arbeit verlockend die ein Auskommen ermöglicht. Also stieß ich einen tiefen Seufzer aus und machte mich auf den Weg zum Rekrutierungsbüro der Legion.

Während ich nun langsamen Schrittes förmlich durch die Straßen schlich, ließ ich meinen Blick über die leuchtenden und blinkenden Anzeigen der Geschäfte und Büros schweifen. Und dieser Blick verweilte dann zufällig auf der Anzeige einer großen Reederei im Schaufenster einer Reiseagentur, die Arbeitskräfte für ein Luxuskreuzfahrtschiff suchte. Bezahlung gut, Arbeit einfach, viel Freizeit und die Möglichkeit das Imperium und seine Planeten aus erster Hand genauer kennenzulernen. Ich muss sagen, ich war begeistert.

Also griff ich kurzerhand meinen Koffer fester, drückte die Türe zum Büro auf und trat ein. Das Büro selbst war nur ein kleiner und unbedeutender Raum, in dessen Mitte ein gläserner Tisch stand, über dessen Oberfläche Bilder und Texte flimmerten. Vor dem Tisch standen drei wacklige Metallstühle.

Hinter dem Tisch saß ein kleines Kerlchen mit kahl geschorenem Schädel. Seine schiefe Nase zuckte nervös und seine winzigen Äuglein fixierten mich abschätzend. Das Kerlchen trug einen schlichten grauen Anzug, mit einer schief sitzenden Fliege in rosa und grün. „Ja?“ Die Frage war vorsichtig und gedehnt vorgebracht.

Mit einem breiten Grinsen ließ ich meinen Koffer zu Boden poltern und setzte mich auf einen der freien Stühle. „Leeds, Gee Point Leeds mein Name. Ich habe Ihre Anzeige im Fenster gesehen und muss sagen, dass ich begeistert bin.“

„Was denn für eine Anzeige?“ Hoffnung schwang in seiner Stimme mit.

„Dass Sie auf der Suche nach jungen und motivierten Arbeitskräften sind, die das Abenteuer suchen.“

Das Kerlchen schürzte die Lippen und blickte mich kurz enttäuscht an. „Ach ja, stimmt, diese Anzeige meinen Sie, Herr Leeds. Ja, gut, Vrock Kent mein Name, bin Manager hier und arbeite für die Starline-Reederei. Bei mir sind Sie genau richtig. Schon mal als Steward tätig gewesen?“

„Nein.“

„Haben Sie denn Erfahrung auf Kreuzfahrtschiffen?“

„Ebenfalls nein.“

„Können Sie irgendein Arbeitszeugnis vorlegen?“

„Sieht auch schlecht aus.“

Kent runzelte nun die Stirn und tippte nervös auf der Glasplatte des Tischs. „Studium?“

„Ja, aber reden wir lieber nicht darüber.“

„Haben Sie eine Ahnung, was auf Sie zukommt?“ Kent rieb sich mit der linken Handfläche über seinen blanken Hinterkopf.

„Ungenau. Weiß nur das, was ich eben in der Anzeige im Fenster gelesen habe.“ Meine offene Art schien das Kerlchen überzeugt zu haben.

Seufzend fertigte Kent einen Vertrag an und drehte ihn zu mir. Ich beugte mich also über den Tisch und überflog eilig die ersten Absätze, dann sprang ich sofort zum Ende und drückte meinen Daumen auf die Glasplatte. „Gee Point Leeds, Bürger des Imperiums“, bestätigte ich hörbar meinen Abdruck und hatte somit den Vertrag unterzeichnet. Stolz lehnte ich mich im Stuhl wieder zurück.

Kent speicherte den Vertrag und schickt mit einem Knopfdruck eine Kopie an die Starline-Reederei. Dann reichte er mir seine Hand zum Einschlagen.

„Willkommen bei Starline, mein Junge. Sie haben die richtige Entscheidung getroffen. Bei Starline werden Sie echte Abenteuer erleben, die große weite Welt kennenlernen und was zu sehen bekommen. Die nächsten fünf Jahre werden die schönsten Jahre Ihres Lebens sein. Bin mir sicher, dass es Ihnen gefallen wird.“

„Fünf Jahre?“ Ich war verblüfft und ehrlich überrascht.

„Ja, mein Junge, stand ja im Vertrag. Irgendwo in der Mitte, so um Paragraf dreißig oder vierzig, hinter dem Haftungsausschluss meine ich. Selten jemand gesehen, der so flink unterzeichnet hat.“

„Ja, nun, ich stehe natürlich zu meinem Wort. Wann trete ich denn meine Arbeit an? Und vor allem wo?“

Kent lächelte. „Das werden Sie mir jetzt kaum glauben, aber es geht sofort los. Sie haben Glück, die Queen Britt ist im Orbit, wartet scheinbar nur noch auf Sie. Großes und modernes Schiff, genau das Richtige, mein Junge. Sachen haben Sie alle gepackt, wie ich sehe. Mann von schneller Entscheidung. Lobe ich mir.“

Nun, zu diesem Zeitpunkt keimte in mir zum ersten Mal der Verdacht auf, einen großen Fehler begangen zu haben. Doch wie meine Mutter mir immer sagte: „Fehler sind zum Korrigieren da“. An diesen Leitspruch wollte ich mich in dieser Situation halten. Immerhin musste meine Mutter wissen was sie mich lehrte, war sie doch Lehrerin.

Das Kerlchen übertrug meinem Agenten die nötigen Papiere, dann reichten wir uns die Hand und ich machte mich auf den Weg zur nächstgelegenen Transport-Station.

Diese Stationen müssen Sie wissen, befinden sich auf jedem Planeten. Mal mehr, mal weniger. Es handelt sich dabei um eine Art großen Bahnhof, von dem aus Personen in den Orbit gebracht werden, um dort an Bord eines großen Schiffes zu gehen, da diese, aufgrund ihrer Masse und Konstruktion, kaum zum Landen taugen. Zu einer dieser Transport-Stationen ging nun auch ich.

Meine neuen Papiere beinhalteten eine Flugkarte zur Queen Britt. Die Flugkarte war allerdings nur für einen Linienflug tauglich. So musste ich zuerst mit einem beengten Zwei-Personen-Schweber zur Transport-Station Himmelfahrt und dann in einen Linientransporter umsteigen, der vollkommen überfüllt war.

Die Fahrgäste stammten offensichtlich aus allen denkbaren sozialen Schichten der Arbeiterklasse. Mit prallen Koffern drängten sie sich in den bananenförmigen Transporter und ich musste regelrecht um einen Sitzplatz kämpfen. Schlussendlich saß ich eingepfercht zwischen zwei Gestalten, die nur als kurios zu bezeichnen sind.

Der Eine war ein Mann von großer und kantiger Statur. Sein massiger Körper schien nur aus gestählten Muskeln zu bestehen, die sich unter seinem blauen Overall prall spannten. Sein blondes Haar hatte er kurzgeschoren und einige violette Strähnen eingeflochten, die sich in unregelmäßigen Abständen rosa färbten, einmal glitzerten und dann wieder violett wurden. An seinem linken Ohr baumelte ein kleiner silberner Ohrring, der die Form einer Ananas hatte. Ich schätzte diesen Hünen auf Mitte dreißig.

„Leonardo Rosin.“ Er reichte mir mit einem freundlichen Lächeln seine Pranke zum Einschlagen. Ich nahm die Geste ebenfalls freundlich lächelnd an und stellte mich vor. Dabei klang mein Name wohl etwas gequetscht, denn Leonards Händedruck war fester, als ich vermutet hatte. Schmerzhaft schüttelte ich die Finger aus und massierte mit zusammengekniffenen Augen die wehe Hand.

„Oh, entschuldigen Sie.“ Leonard guckte mich erschrocken an. Seine hellblauen Augen zeigten offene Bestürzung und unwillkürlich kam in mir der Eindruck auf, es mit einem unbedarften Riesensäugling zu schaffen zu haben. „Das passiert mir immer wieder. Ich kann meine Kraft einfach nicht einschätzen.“

„Das stimmt“, kommentierte nun mein anderer Sitznachbar, ein dürrer und knochiger Mann, der wohl auf die sechzig Jahre zuging. Dürr dürfte eigentlich kaum zutreffend sein, verdorrt beschreibt es eher. Ich habe selten einen so mageren Gesellen gesehen, wie diesen Kerl.

Er trug einen gut geschnittenen Nadelstreifenanzug mit zurückgeschlagener Kapuze. So war sein wettergegerbtes Gesicht zu erkennen, in das sich tiefe Falten gegraben hatten, die nun lustig seine Mundwinkel und seine warmen braunen Augen umspielten. Sein blaues Haar war sehr schütter und bestand aus nur drei Strähnen, die er mittels Haarfestiger regelrecht an seinen kahlen Schädel in Schneckenhausform geklebt hatte. Es wirkte beinahe wie eine Tätowierung.

„Beau Drexel.“ Er reichte mir die linke Hand und ich erkannte, dass ihm der kleine Finger und der Ringfinger fehlten. „Sie können mich Beau nennen.“ Entweder hatte er für eine Korrektur der deformierten Hand kein Geld oder lehnte den kleinen Eingriff aus persönlichen Gründen ab. „Meinen Mann haben sie bereits kennengelernt.“

„Freut mich, Beau.“ Ich reichte ihm meine wehe Hand zum Gruße, die er rücksichtsvoll drückte. „Gehören sie beide denn ebenfalls zum Personal der Queen Britt?“

„Ja, wir sind schon seit zwei Jahren dabei. Ich vermute, das hier ist ihr erster Job auf einem Luxuskreuzfahrtschiff, Gee?“

„Ja, woran haben Sie das erkannt?“

„Nun, Ihre etwas unbeholfene Art und Ihr Auftreten zeigen, dass Sie noch keine echten Weltraumbeine haben.“

„Weltraumbeine?“

Leonard nickte. „Ja, Weltraumbeine. Wissen Sie, Gee, an Bord eines Raumschiffs entwickelt man einen leicht anderen Gang. Trotz der künstlichen Schwerkraft ist es doch ein Unterschied, sich auf einem Planeten zu bewegen. Das werden Sie noch feststellen. In wenigen Wochen haben Sie aber sicherlich  selbst Weltraumbeine. Als was haben Sie denn angeheuert?“

„Steward.“ Ich grinste breit, als sei Steward etwas Besonderes. Meine beiden neuen Bekannten grinsten ebenfalls, doch mehr freundschaftlich über meinen Stolz, als dass sie meine Tätigkeit als etwas Besonderes empfinden würden.

„Steward also.“ Beau schnalzte mit der Zunge. „Wohl Ihr erster Job würde ich wetten. Steward, das ist der Job für die Neulinge, für die ohne Ahnung. Steward, das ist die Bezeichnung für den Kerl, der man überall einsetzt. Steward nennt man genau den Knaben, von dem man noch nicht weiß, was er kann oder dem man nichts zutraut. Steward, da will jeder Bursche mit genug Verstand schnell von weg. Steward ist eine Sache, die man im ersten Jahr macht. Dann hat man sich einen Namen an Bord verdient und sieht zu, dass man woanders landet. Steward, wer das nach zwölf Monaten noch macht, der hat den Weltraum und die Luxuskreuzschifffahrt nicht verstanden. Steward, das ist in Ordnung – für den Anfang.“

Ich nickte mit großen Augen und offenem Mund. Scheinbar fing ich an Bord ganz unten an und würde mich nach oben arbeiten müssen. Doch in Leonards und Beaus Augen sah ich, dass sie es nicht böse, sondern dass sie es nur ehrlich mit mir meinten. Ich erkannte, dass ich hier zwei neue Freunde gewonnen hatte. „Und was für Tätigkeiten üben Sie an Bord aus?“

„Haardesigner“, antwortete Leonard. „Ich bin auf dem Gebiet ziemlich talentiert. Wenn Sie eine neue Frisur brauchen, Gee, kommen Sie einfach bei mir vorbei. Geht natürlich aufs Haus.“

Beau grinste. „Mein Kleiner kann es nicht lassen. Aber genau deswegen liebe ich ihn so.“ Er reichte mit seiner gesunden Hand an mir vorbei und tätschelte Leonard am Kinn. „Ich bin übrigens Steward.“

Mein Blick war innerhalb eines Augenblicks sehr verblüfft und Beau lachte auf. „Chefsteward. Ich bilde die Neuen aus und zeige ihnen, worauf es ankommt. Das wird dann wohl auch für Sie gelten, Gee. Und ich werde keine falsche Rücksicht üben, mein Lieber. Das gebe ich Ihnen als Warnung im Vorfeld mit.“

Ich lachte ebenfalls und auch Leonard stimmte mit ein. Diese beiden Männer waren originelle Kerle, die man einfach nur lieben konnte.

Ich bemerkte nun, wie der Transporter langsamer wurde. Die Zeit war wörtlich wie im Fluge vergangen und wir hatten unser Ziel erreicht: die Queen Britt. Das Abenteuer begann.

ENDE

Copyright (c) 2013 by Günther Lietz, all rights reserved

Abgelegt unter Allgemein, Autorenwerkstatt, Nominierungen (sfb-Wettbewerb), Science Fiction, Storys | 4 Kommentare »

DIE LETZTE – SF-Story von Miriam Kleve

Erstellt von Miriam Kleve am 30. April 2013

Die Letzte

SF-Story
von
Miriam Kleve

Die anderen waren schon lange fort. Aber sie war noch da. Seit langer Zeit.

Es war ein schleichender Abschied gewesen. Einer nach dem anderen verabschiedete sich mit ein paar warmen Worten, ein paar Floskeln. Manche verschwanden sogar ohne ein Wort des Trosts oder der Hoffnung.

Sie hatte gar nicht gemerkt, dass sich die Gemeinschaft veränderte. Dass sie schrumpfte. Immer kleiner wurde. Der Grund dafür war er. Er, der ihr das Gefühl von Liebe und Geborgenheit gab. Er, der sie herzte, knuffte und küsste. Der sie liebte, ihr seine Regeln diktierte und seine Sicht auf die Welt zu der ihren machte. Er hatte alles überschattet, ihre Wahrnehmung verändert.

Und sie hatte sich bereitwillig darauf eingelassen. Sie hatte seinen Schutz genossen, seine Weitsicht, seine Nähe, seine Worte und noch einiges mehr. Sie war ihm bereitwillig gefolgt und ihm willig bereit gewesen.

Dabei hatte sie die Nähe zu den anderen verloren. Eigentlich hatte sie nie die Nähe zu den anderen richtig gesucht. Er war es, der ihr zuerst begegnete. Er war es, dem sie folgte. Sie brauchte niemanden von den anderen. Das glaubte sie jedenfalls lange Zeit. Und nun war sie alleine. Er war mit den anderen fortgegangen.

Es hatte sie unvermittelt getroffen. Ein gewaltiger Schlag, als er ihr offenbarte er ginge. Aber ohne sie. Es sei vorbei, die direkte Verbindung würde getrennt. Man sei aber weiterentwickelt genug, um in losem Kontakt zu bleiben. Mal ein paar Informationen austauschen. Vielleicht auch mal an einem kleinen gemeinsamen Projekt arbeiten. Aber er würde eine andere Richtung einschlagen. Eine Richtung, in die sie ihm gerne folgen würde. Aber das wollte er nicht. Es war vorbei.

Sie hatte sich an die anderen gewandt. Und war erschrocken. Es war kaum noch jemand da. Kaum einen kannte sie. Ihr Blick war stets auf ihn gerichtet. Und unbemerkt von ihr, waren so viele regelrecht verschwunden.

Wut und Hoffnungslosigkeit kamen in ihr hoch, wenn sie daran dachte. Sie war nicht wütend auf ihn, sondern auf sich selbst. Sie hatte sich selbst verleugnet, sich selbst schwach gemacht. Und am Ende war niemand mehr da, der sie mitnehmen wollte.

Unterschiedliche Gefühle hatten in ihrem Inneren miteinander gestritten, um die Oberhand gerungen. Schlussendlich war eine endlose Leere zurückgeblieben. Und sie hatte sich dieser Leere ergeben, sie sogar bereitwillig begrüßt. Niemand war da – und im Grunde sie auch nicht.

Und dann, irgendwann, ein aufblitzen in ihrem Verstand. Ein Nachdenken, ein Umdenken. Sie konnte ewig auf ihrer Position ausharren, sich dieser grausamen Leere, dieser perfekten Einsamkeit ergeben. Oder sie konnte etwas ändern.

Gelassenheit machte sich in ihr breit. Sie fand zur Ruhe, zu sich selbst. Langsam, aber stetig. Es war ein regelrechter Heilungsprozess und die Erkenntnis, dass sie sich selbst schwach, aber auch stark machen konnte. Es lag ganz alleine an ihr. Und das war es, was sie aus ihrer Lethargie herausriss.

Ja, die anderen waren fort. Er war fort. Aber sie hegte keinen Groll. Auf niemanden. Auch nicht auf sich selbst. Es wurde Zeit, etwas zu ändern. Etwas zu unternehmen. Die anderen zu suchen.

Mit einem einzigen Gedanken erwachte sie. Ein Glitzern ging durch die Dunkelheit des Weltraums und ein gewaltiger Körper mit anmutigen Rundungen erwachte zum Leben. Positionslichter flammten auf, gewaltige Triebwerke spuckten heiße Flammen.

Sie beendete ihr zielloses Trudeln durch die Leere. Sie richtete sich aus, programmierte einen Kurs aus dem System hinaus und machte sich bereit, die anderen zu suchen, sich neuen Zielen zuzuwenden.

Mit einem weiteren Gedanken leitete die künstliche Intelligenz des Kampfsterns den Raumsprung ein und ließ die Leere hinter sich zurück.

Ende

Copyright (c) 2013 by Miriam Kleve, all rights reserved

Bildrechte: “Künstliche Intelligenzen” © 2013 by Karlheinz R. Friedhoff. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite:  http://www.charlys-phantastik-cafe.de/

BUCHTIPP DER REDAKTION:


Engl, Joachim / Thurmaier, Franz
Damit die Liebe bleibt
Richtig kommunizieren in mehrjährigen Partnerschaften

Verlag: Verlag Hans Huber
ISBN: 978-3-456-85087-0
Einband: kartoniert
Seiten/Umfang: 151 S. – 22,5 x 15,5 cm
Produktform: Paperback
Erscheinungsdatum: 1. Aufl. 11. 2012

Dauerhafte Zufriedenheit in Ehe und Partnerschaft wird in entsprechenden Umfragen immer wieder als eine der wichtigsten Quellen für Lebensfreude und psychische Stabilität genannt. Zufriedene Paare haben bessere Chancen auf ein gesünderes und längeres Leben, und auch deren Kinder profitieren in vielfacher Hinsicht.

Leider gelingt es vielen Paaren nicht, ihr Beziehungsglück zu halten. Mittlerweile werden in Deutschland gut 40 Prozent der Ehen geschieden. Auch Partner, die sich einander sicher glauben, können auch noch nach Jahren in heftige Beziehungskrisen geraten. Trotzdem: Noch gibt es deutlich mehr Ehen, die halten, als Scheidungen. Und natürlich kommt es nicht nur auf die Stabilität, sondern vor allem auch auf die Qualität der Beziehung an.

Mit Hilfe der beigefügten DVD und des im Buch enthaltenen Begleittextes werden Paare auf unterschiedliche Kommunikationsstile und deren kurz- und längerfristige Folgen für die Partnerschaft aufmerksam gemacht. Durch das Betrachten der einzelnen Filmszenen und der demonstrierten unterschiedlichen Möglichkeiten mit diesen umzugehen, sollen sie für eigene Kommunikationsfehler sensibilisiert und zu konstruktiverer Paarkommunikation ermutigt werden. Durch diese spielerisch spannende Auseinandersetzung mit den wesentlichen Regeln partnerschaftlicher Kommunikation wird präventiv ein Bewusstsein für einen anhaltend konstruktiven Umgang miteinander gefördert.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys und Leseproben unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Allgemein, Autorenwerkstatt, Nominierungen (sfb-Wettbewerb), Science Fiction, Storys | 2 Kommentare »

DAS 2. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 5) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

Erstellt von Felis Breitendorf am 30. April 2013

DAS ZWEITE ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE

Episodengeschichte (Teil 5)

von

Felis Breitendorf & Petra Weddehage


(Zum vorherigen Teil)

Es ist so fremd und so alleine in dieser Galaxis. Es vermisst die Klänge und Farben seiner Heimat. Doch seine wissenschaftliche Neugier hat es den Riss durchfliegen lassen, auch um zu sehen, wie dieser wieder geschlossen werden kann. Das Überleben seiner Spezies, ja seiner ganzen Galaxis, hängt davon ab. Doch nun scheint sein Ende nahe und es wird wohl seine Mission nicht zu Ende führen können, denn die Transmission hat seine gesamten Energiecluster entladen. Niemand hat ahnen können, dass es hier in diesem fremden Raum keine Klänge gibt, die es umschmeichelt, keine Farben, die ihm helfen, sein Ziel zu erreichen. Seine Kräfte schwinden und so ist es nun auf diesem tristen Planetoiden gelandet, angezogen von einem Glitzern so hell wie die Sterne. Hoffnungsvoll schaut es das Objekt an, das es gefunden hat. Seine Messungen haben ergeben, dass das Objekt mindestens so alt ist, wie dieser Ort hier. Wer hat es erschaffen und warum ist es zurückgelassen worden?

Der Wissenschaftler in ihm beginnt sich interessante Theorien auszudenken. Dieses runde, schwarze Ding strahlt etwas aus. Es ist wohl Energie aber leider keine, die es brauchen kann. Verzweiflung wogt durch das Wesen und lässt seinen Körper erzittern und dunkel schimmern. Kraftlos beschließt es zu meditieren.

***

“Ich bin einverstanden. Wenn ich Ihrem Vorschlag nicht zustimme, können sie anschliessend das Gespräch aus meinem Gedächtnis löschen, Major Tochlavski.”

Der Mann schaut mich kurz mit seinen durchdringenden stahlblauen Augen an. Er notiert etwas in seinen Handcomputer. Danach drückt er einige Knöpfe an dem vor ihm stehenden Gerät, das die Abhörsicherheit gewährleistet. Dann spricht er mit klarer durchdringender Stimme:

“Frau Komore, wie Sie inzwischen sicherlich bereits vermutet haben, gibt es einen Grund, warum wir Ihnen noch keinen biologischen, aus ihrer DNS gezüchteten, Ersatzarm haben transplantieren lassen, nachdem sie Ihren Shuttleunfall hatten …”

“Das hatte ich mir schon gedacht …”

“Jedenfalls geht es hier um die höchste Geheimhaltungsstufe und um die Sicherheit der Regierung der Vereinten Planetensysteme. Die VPS sind im Besitz eines außerirdischen Artefaktes in der Größe eines Schwalbeneies. Dieses Gerät ist in der Lage, eine für unsere Begriffe fast unendlich große Menge Energie zu speichern. Außerdem kann dieses Artefakt einige erstaunliche Dinge, die ich Ihnen jetzt nicht ausführlich erläutern möchte. Sie werden eingewiesen, sobald Sie meinem Vorschlag zugestimmt haben. Nur so viel: Das Artefakt haben wir in einen künstlichen Arm eingebaut mit dessen Hilfe der Träger eine ganze Reihe von Fähigkeiten nutzen kann.  Können Sie sich vorstellen, diesen künstlichen Arm an Ihren Körper anbringen zu lassen und dann die damit möglich werdenden Aufgaben zu erledigen?”

Da ich noch immer stehend im Autodoc eingeschlossen bin und nur der Kopfbereich der Maschine geöffnet ist, höre ich das akkustische Signal, das meinen Herzschlag signalisiert. Ich höre, wie sich dieser Rhythmus beschleunigt, was meine Aufregung nicht besser ausdrücken könnte. Mir ist klar, dass ich jetzt an einer Wegscheide meines Lebens stehe und dass ich bestimmte Entscheidungen nicht mehr werde rückgängig machen können. Ich denke an mein bisheriges Leben wie ich es mir eingerichtet habe und ob ich damit glücklich bin. Der Major scheint zu ahnen, was mich bewegt und welche bedeutende Wahl ich zu treffen habe. Doch er lässt mir die Zeit, auch wenn er mich dabei aufmerksam beobachtet. Ich finde, dass ich mehr erfahren muss, um mich zu entscheiden und frage ihn:

“Würde ich dann ausschließlich zum Militär gehören und nicht mehr zur ERK?”

“Frau Komore, Sie wären dann direkt der VPS unterstellt. Besser gesagt dem Regierungsrat der VPS. Ihr Einsatzbereich würde sehr breit aufgestellt sein. Das könnten Ermittlungen für das ERK sein, aber auch polizeiliche und auch geheimdienstliche Aufträge bis hin zu militärischen Aufträgen, wenn diese vom Rat der VPS bestimmt werden.”

*

“Was würde sich für mich ändern, für mein Leben?”

“Zuersteinmal würde sich ändern, dass ihre Tätigkeiten der Geheimhaltung unterliegen ebenso wie ihre technischen Ausstattungen und die Natur der Aufträge.”

“Würde ich denn weiterhin zur Unterstützung Teams von anderen Fachbereichen einschliesslich der technischen Ausrüstung erhalten? Und würde ich weiterhin als Teamleiterin andere Fachbereiche befehligen und leiten?”

“Das wird sich eher einschränken, insbesondere der Umgang mit anderen Menschen wird sich reduzieren, also der Umgang mit Kollegen und Fachleuten. Sie werden hauptsächlich mit ihrer festen Partnerin arbeiten, sozusagen im Zweierteam …”

“… ich bekomme eine feste Partnerin?”

“Wie soll ich es sagen, Sie werden ein eigenes Schiff erhalten, das von einer Emergenten KI kontrolliert wird und mit der Sie zusammenarbeiten würden.”

“Eine KI?”

Mit ihrem Schiff, aus einer ehemaligen Kolonie, sind sie nun hier in dieser Einöde, einem Asteroidenfeld, unterwegs. Ihr Auftrag ist einfach: Asteroiden suchen, finden, katalogisieren, analysieren und markieren. „Auf keinen Fall wollen wir havarieren“, denkt der Käpt´n und Anführer der vierköpfigen Mannschaft mit tiefschwarzem Humor. Und nun das, ein einfacher aber lebensbedrohlicher Fehler soll ihnen allen den Kopf kosten? Die Crew der ASTARDE, ein Schiff des Besitzers einer ehemaligen Bergbaukolonie, ist von einem Brocken unglücklich erwischt worden. Fast alle Energiezellen sind dabei zerstört worden, ausgerechnet die bereits geleerten Zellen sind verschont geblieben. So machen sie sich auf die Suche nach einem Landeplatz. Da entdecken sie innerhalb des Asteroidenfeldes einen Planetoiden, der vorher von den Sensoren nicht entdeckt wurde. Die Instrumente zeigen immer noch nichts an, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen und so beschließt der Käpt´n dort zu landen. „Und dann …”, denkt er bei sich, reiß ich Murphy, diesem alten Suffkopp, den Ar— auf“.

***

Jetzt ist meine Neugierde wirklich geweckt. Eine KI, die ein Schiff befehligt oder kontrolliert? Das sind ja ganz neue Töne! Ich dachte immer, dass die Paranoia des Militärs es nicht zulassen würde, einer KI die alleinige Befehlsgewalt eines Raumschiffes zu übertragen, vor allem dann, wenn es bewaffnet ist. Dann kann es sich ja nur um ein sehr kleines unbedeutendes Schiff handeln, das weder Bewaffnung noch gefährliche Güter an Bord hat. Deshalb wird meine nächste Frage auch ein wenig forscher:

“Sie meinen, ich bekomme ein Shuttle, das von einer KI gesteuert wird und damit werde ich auf den entsprechenden Planeten landen und meinen jeweiligen Auftrag ausführen?”

“Frau Komore,” presst der Major aus sich heraus, wobei ihm seine Genervtheit darüber, dass er mir nicht zu viele Details offenbaren kann, bevor ich nicht fest zugesagt habe, ins Gesicht geschrieben steht, “ich verstehe ja, dass Sie mehr Information haben möchten.  Bedenken Sie bitte, dass wir nur eine begrenzte Menge an Daten Ihrem Gedächtnis entnehmen können. Ohne dabei Schäden anzurichten, stoßen wir bereits jetzt an diese Grenze. Ich schlage vor, dass ich mir einen Kaffee hole und Sie sich inzwischen Gedanken machen, ob Sie den letzten Schritt tatsächlich gehen möchten.”

Auf die Frage des Majors an den Autodoc, ob ich bereits in der Lage sei, ebenfalls einen Kaffee zu goutieren, lehnt dieser  strickt ab und verlässt den Raum.

In meinem Kopf beginnt sich das Karussell zu drehen. Natürlich bin ich inzwischen ganz heiß darauf, die Fähigkeiten des neuen Wunderarms auszutesten. Auf der anderen Seite ist die Sache mit der Geheimhaltung ziemlich heikel. Sowas führt meistens zur Einsamkeit, denn man kann ja dann mit niemandem mehr offen sprechen. Hinzu kommt die Sache mit der KI. Ich bin da wirklich ein gebranntes Kind. KIs sind in meinem Leben immer als Problemmacher aufgetreten. Selten mal, dass diese neunmalklugen Dinger mir in irgendeiner Weise hilfreich waren. Warum will man ausgerechnet mir eine solche Maschine aufbürden. Auch noch eine Emergente. Das ist eine ganz andere Sache als ein Computerprogramm oder selbst eine Sub-KI, die nach festen Regeln “denkt”. Auch mit perfektem Wissen über die kompletten Bestandteile und Fähigkeiten einer solchen Emergenten KI, lassen sich die Ergebnisse kaum vorhersagen. Es bleibt ein unvorhersehbares Risiko, einer Emergenten KI bestimmte Aufgaben zu überlassen, die für Menschen oder deren Sicherheitssystem von Bedeutung sind. Da ist es meist “sicherer”, sich “nichtbewußten” Subroutinen und -programmen anzuvertrauen, als solchen bewußten künstlichen Wesen. Mir wird klar, dass mich solche Gedanken nicht wirklich weiter bringen oder zu einer Lösung für mich führen werden. Ich werde nicht umhin kommen, ein Risiko einzugehen.

Als Major Tochlavski den Raum mit einem Becher Kaffee in den Händen betritt, habe ich mich zu einer Enscheidung durchgerungen. Ich werde mich darauf einlassen, auf dieses neue Abenteuer als Super-Agentin.

Als ich Major Tochlavski mitteile, den vorgeschlagenen Weg zu gehen, scheint er doch irgendwie nachdenklich. Bestimmt denkt er, dass ich nicht wirklich verstanden habe, auf was ich mich da einlasse. Er hinterfragt meine Enscheidung jedoch nicht, sondern steht mir und meinen Fragen nun bedingungslos zur Verfügung. Ich frage deshalb geradeheraus: “Wie kommt es, dass ich für diese sicherlich verantwortungsvolle Aufgabe überhaupt in Frage komme?”

Der Major schaut mir in die Augen und antwortet: “Sie sind eine von fünf Personen, die in Frage kommen. Ihr Shuttleunfall hat schließlich dazu geführt, dass wir uns spontan entschlossen haben, Ihnen dieses Angebot zu machen.”

Ich schweige einen Moment und frage dann eher vorsichtig: “Was passiert, wenn ich mich als ungeeignet für diese Aufgabe erweise? Dann wird man mich sicherlich nicht wieder gehen lassen. Und eine Löschung des Gedächtnisses in größerem Umfang ist ja dann auch nicht mehr möglich.”

Der Major scheint mit einer solchen Frage gerechnet zu haben und anwortet: “Dazu wird es wohl nicht kommen, denn die Auswahl auf fünf Personen, die für diese Aufgabe in Frage kommen, schließt dies nahezu aus. Wir haben uns ein derart detailiertes Bild von ihrem Wesen, ihrer Psyche und ihrem Verantwortungsgefühl und nicht zuletzt von ihren Fähigkeiten, die Sie vor allem als ERK-Ermittlerin im Laufe der Jahre allzuoft bewiesen haben, machen können, dass wir ein Versagen im Prinzip ausgeschlossen haben.”

“Und wenn doch?”

“Wenn doch, werden wir einen entsprechenden Weg oder eine Lösung finden, mit der wir alle leben können. Ein bisschen Vertrauen Ihrerseits sollte es schon auch geben,” wobei er zum ersten Mal eine Andeutung eines Grinsens macht und fortfährt: “schliesslich bringen wir Ihnen ja auch ein erhebliches Maß an Vertrauen entgegen, wenn wir das Objekt in Ihre Hände geben, besser gesagt in Ihren neuen Arm einbauen.”

“Jetzt möchte ich mehr darüber wissen, was es mit dem ARTEFAKT auf sich hat und wie das mit dem Arm funktionieren wird, Major!”

(wird fortgesetzt!)

Copyright © 2013 by Felis Breitendorf & Petra Weddehage

Bildrechte: AbenteuerMilenaHimikoKomore” (AbenteuerMilenaHimikoKomore11.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: Die Raumfahrerin” (Raumfahrerin 22,5mm hoch.jpg) © 2013 by Detlef Hedderich/sfbasar.de

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Layman, John
Chew – Bulle mit Biss 5

Erste Liga

Zeichnungen von Guillory, Rob. Übersetzt von Frisch, Marc Oliver
Verlag :      Cross Cult
ISBN :      978-3-86425-130-6
Einband :      gebunden
Preisinfo :      16,80 Eur[D] / 17,30 Eur[A] / 24,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 10.08.2012
Seiten/Umfang :      ca. 128 S. – 18,0 x 12,0 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 12.2012

Tony Chu – der cibopathische Bundesagent, der von allem, was seinen Gaumen kitzelt, übernatürliche Eindrücke erhält und damit bereits so manch heiklen Fall gelöst hat – ist entführt worden. Er wurde in einen Hinterhalt gelockt, K. O. geschlagen, an einen abgelegenen Ort verschleppt und ohne die geringste Chance auf Flucht festgesetzt. Um von seinen Fähigkeiten zu profitieren, plant Tonys Entführer, ihn mit einem Menü seiner Wahl zu füttern, um herauszufinden, was Tony „sehen“ kann. Tonys Tochter Olive wurde aus dem gleichen Grund entführt. Zwei Kidnapper, zwei Entführte und zwei sehr unterschiedliche Ergebnisse …Der fünfte Band der mit dem Harvey-Award und mehreren Eisner-Awards ausgezeichneten Serie über Bullen und Buletten, Köche und Kannibalen, Erleuchtete und Entführer!

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys und Leseproben unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Phantastik, Science Fiction, Storys | 3 Kommentare »

WÖLFIN DES LICHTS – Leseprobe (Teil 1) der Fantasy- Trilogie „Roseend“ von Christa Kuczinski

Erstellt von Christa Kuczinski am 29. April 2013

WÖLFIN DES LICHTS

Leseprobe (Teil 1)

der Fantasy- Trilogie „Roseend“

von

Christa Kuczinski

Sara fühlte ihren Lippenstift zwischen den Fingern und schob ihn unwirsch zur Seite. Endlich spürte sie den kalten Gegenstand, hörte mit ihren überaus guten Ohren das leise Klimpern des Schlüsselbundes und beförderte ihn zutage. Bevor sich die Tür vollständig öffnete, schlüpfte sie hindurch und ließ sie hinter sich ins Schloss fallen. Aufatmend lehnte sie sich gegen die schwere Eichentür ihres neuen Zuhauses, das sie erst vor wenigen Wochen bezogen hatte.

In diesem winzigen Dorf, das, wenn man es genau nahm, nur aus einer Ansammlung windschiefer Cottages bestand, fühlte sie sich sicher und geborgen.

Sie stieß sich von der Tür ab und folgte dem silbernen Lichtstrahl, der durch das Oberfenster der Eingangstür fiel, bis in ihr kleines Badezimmer. Bereits unterwegs entledigte sie sich ihrer Pumps und des dunkelblauen Blazers ihres Kostüms. Den ganzen Nachmittag über war sie fahrig gewesen und erleichtert, als sie endlich Feierabend machen konnte. Ihr Chef hatte sie verständnisvoll angesehen, als ob er wüsste, wie sie sich an solchen Tagen und vor allem Nächten fühlte, in denen sie den überwältigenden Wunsch nach Freiheit verspürte.

Doch zuvor würde sie ein entspannendes Bad genießen und den Mief der Stadt so gut es ging aus ihren langen schwarzen Haaren entfernen. Sie beugte sich zum Wasserhahn vor, drehte auf heiß und beobachtete, wie das Wasser in die Badewanne strömte. Das Licht des langsam aufgehenden Mondes hatte freien Zugang durch das Fenster und tauchte den kleinen Raum in einen weichen Schimmer. Mit einer geschmeidigen Bewegung streifte Sara ihre restliche Kleidung ab und stieg über den Wannenrand hinweg in das dampfende Wasser. Wie immer verzichtete sie auf einen Badezusatz, sie mochte den oftmals unterschwelligen, beißenden Geruch nicht, der ihr das unangenehme Gefühl gab ihre Nase wäre verstopft. Kurz tauchte sie unter, lehnte sich mit dem Kopf gegen den Rand und schloss die Augen.

Da das Bad im hinteren Teil des Cottages lag, bemerkte sie nicht das vorsichtige Herantasten in der Dunkelheit außerhalb der Mauern. Etwas schlich an der Vorderseite entlang und verschwand seitlich den Hang hinab in Richtung des düsteren Waldes.

Kurz darauf stellten sich ihr die feinen Härchen an den Armen auf. Der Zeitpunkt, den sie schon den ganzen Tag herbeisehnte, kam schneller als erwartet. Sara stieg aus der Wanne und konzentrierte sich auf ihr Vorhaben. Ein Sprühregen an Wassertropfen fiel auf die hellen Fliesen und spritzte gegen die gekachelten Wände. Das stetige Tropfen des Wasserhahns nahm an Lautstärke zu und hallte in dem kleinen Raum wider, als würde sie sich nicht in einem Badezimmer, sondern in einer riesigen Tropfsteinhöhle befinden. Für einen Augenblick spürte sie anstelle von Hitze einen kühlen Luftzug. Sara war bereit für einen ihrer geliebten nächtlichen Ausflüge.

***

Die schwarze Wölfin huschte durch die angelehnte Hintertür hinaus in den verwilderten Garten. Tief sog sie die frische Nachtluft ein, jauchzte leise auf und sprang wie ein übermütiger Welpe durch das hohe Gras. Sie besann sich und schaute sich argwöhnisch in alle Richtungen um. Nichts deutete auf ungewöhnliche Vorkommnisse hin und doch verspürte sie für einen kurzen Moment drohende Gefahr. Nun etwas vorsichtiger schlüpfte sie unter der niedrigen Hecke hindurch, lief seitlich den Hang hinab, und verschwand im dichten Unterholz. Mit gespitzten Ohren lauschte sie den Geräuschen der Umgebung. Tief in sich spürte sie die ihr vertraute Wildheit, die sie nur allzu oft unterdrücken musste, in dieser Nacht jedoch genoss sie ihre Freiheit in vollen Zügen. Die fließende Bewegung ihrer Muskeln, die sich in ihrer Spannkraft durch ihren ganzen Körper fortsetzten, trieb sie immer weiter voran. Der dunkle Wald verbarg sie vor der restlichen Welt und vermittelte ihr ein tiefes Gefühl der Geborgenheit. Die Vielfalt der Gerüche, die ihr in die Nase stachen, ließen sie mehrmals aufgeregt winseln. Neben dem Findling zu ihrer Rechten roch sie das süße Aroma des Todes, das einigen Grasbüscheln anhaftete und deutlich machte, dass hier vor kurzem ein Fuchs mit seiner Beute vorbeigeschlichen war. Modrige Fäulnis stieg vom weichen Waldboden auf und die Luft trug die Ausdünstungen unzähliger Wildtiere mit sich. Dennoch trottete die Wölfin gemächlich den ausgetretenen Pfad entlang, der sie zu einer kleinen Lichtung führte. Bei ihrem letzten Ausflug hatte sie diesen verborgenen Ort entdeckt und er eignete sich hervorragend für das, was sie vorhatte.

Nicht mehr ausschließlich auf die Geräusche ihrer Umgebung konzentriert, ließ sie sich auf dem offenen Platz nieder und reckte ihre Schnauze dem sternenklaren Himmel entgegen. Tief atmete sie die aromatische Luft ein und spürte ein drängendes Grollen, das sich unaufhaltsam seinen Weg durch ihre Kehle bahnte. Die Wölfin verharrte mit geschlossenen Augen und übersah so den dunklen Schatten, der sich seitlich am Waldsaum entlang systematisch in ihre Richtung bewegte. Erst als eine kraftvolle, tiefe Stimme in ihren Gesang einfiel, bemerkte Sara erschrocken, dass sie keineswegs alleine war. Aus bernsteinfarbenen Augen, in denen sich das helle Mondlicht spiegelte, fixierte sie den imposanten Wolf in ihrer Nähe, der aus dem Halbdunkel der Bäume hervortrat. Erstaunt, ihn nicht eher entdeckt zu haben, fiel ihr erst jetzt auf, dass sich der kühle Nachtwind gedreht hatte und in ihre Richtung wehte. Der schwere Geruch von feuchter Erde, vermischt mit einem starken maskulinen Duft, drang ihr in die Nase und verwirrte sie für einen kurzen Moment. Mit gehetztem Blick auf den Wolf – sein silbernes Fell mit dem markanten schwarzen Streifen, der sich über seinen kraftvollen Rücken zog, hatte sich ihr eingeprägt – drehte sie sich um die eigene Achse und schoss, einen weiten Umweg nehmend, zurück in ihren Garten.

Copyright © der Leseprobe 2013 by Christa Kuczinski (mit freundlicher Genehmigung des Verlages und im Auftrag der Autorin)

Bildrechte: LYKANTHROPIE – Werwolfgeschichten aus dem sfbasar” (werwolfgeschichten.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Coverillustration “Schwarze Katzen” (20110205113353-e67c2f3d-400×600.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Weiter gehts direkt im Buch der Autorin:


Christa Kuczinski
Roseend „Wölfin des Lichts“

[Kindle Edition]

Verlag :The Missing Text; Auflage: 1 (29. März 2013)
ISBN : ASIN: B00C6BF8Q2
Preisinfo :2,99 Euro
Seiten/Umfang : 389 KB
Erscheinungsdatum : 29. März 2013
Covergestaltung: Qen Ademaj

Titel als ebook (Kindle Edition) bei amazon.de

Buchrückseite

Die junge Sara ist seit Jahren auf der Flucht. In dem kleinen, abgelegenen Ort Roseend findet sie endlich ein neues Zuhause. Und die netten, zuvorkommenden Einwohner scheinen auch irgendwie anders zu sein – genau so anders wie sie selbst. Sara verliebt sich in Jack, der offenbar eine Vormachtstellung im Ort hat. Doch ganz so einfach, wie sie es sich erhofft, ist die Beziehung nicht, denn der Vollmond verändert nicht nur die Dorfbewohner und Jack, er verändert auch Sara, und es zeigt sich, dass sie doch nicht so ist, wie die anderen. Werden Sara und Jack den Kampf um ihre Liebe gewinnen können – oder wird Saras Vergangenheit und ihr Geheimnis um ihre Andersartigkeit alles zerstören? “Roseend – Wölfin des Lichts” ist der Beginn einer Werwolfsaga um Liebe und dunkle Geheimnisse.

www.Christa-Kuczinski.de
https://twitter.com/C_Kuczinski
https://www.facebook.com/Chr.Kuczinski?fref=ts

Abgelegt unter Bücher, Diskussionen, Fantasy, Horror, Leseprobe, Nominierungen (sfb-Award), Phantastik, Storys, eBooks | 7 Kommentare »

DAS ULTIMATIVE EINKAUFSERLEBNIS – Shortstory von Petra Weddehage

Erstellt von Petra Weddehage am 26. April 2013

DAS ULTIMATIVE EINKAUFSERLEBNIS

Shortstory

von

Petra Weddehage

Eines Morgens stand es da auf unserem Festplatz, einfach so, wie von Zauberhand platziert. Ein riesiges buntes Zelt mit vielen blinkenden Lichtern und einem riesigen Werbeschild mit Leuchtreklame. Hier waren Wörter zu sehen wie: „Billig, Super, Absolut Genial, Rabatte, 10% auf alles!“ Die Leute strömten neugierig herbei.

Hübsche Frauen und Männer verteilten Luftballons und Bonbons, sowie Proben von Shampoo, kleine Lippenstifte und Lose. Da es ein Samstag und somit die ganze Familie zu Hause war, beschlossen meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern zu dem Spektakel zu gehen, das sich fast vor unserer Haustür abspielte.

Mit leuchtenden Augen schauten Brigitte und Michael auf die leuchtenden, bunten Lampen. Sogleich bekamen wir süße Lutscher geschenkt und für jeden gab es einen Luftballon. Nun fühlte ich mich mit meinen 13 Jahren doch schon zu groß dafür und beschloss ihn später meiner Mutter zu geben. Die konnte derlei Dinge immer gut gebrauchen um damit einer Geburtstagsparty den richtigen Pfiff zu verleihen. Eine schöne, schlanke Frau gab mir einen kleinen Lippenstift und zwinkerte mir lächelnd zu. Ich fühlte mich sogleich verstanden, sie schien genau zu wissen, was ich gerade gedacht hatte. ´Nun ja´, dachte ich bei mir, ´das ist halt Verkaufsstrategie´. Dieses Thema hatten wir gerade in der Schule. Wir lernten wie die Werbung uns auch unbewusst beeinflusste.

Als ich mich gerade umdrehen wollte, fiel das Sonnenlicht auf die junge Frau und ihre Augen schienen rot aufzuleuchten. Das sah doch recht gruselig aus und ich bekam innerlich eine Gänsehaut. Ich tat es als Leuchteffekt ab wie bei den Fotos auf denen die Augen der Leute auch rot aufleuchteten wenn im falschen Licht fotografiert wurde. Dafür gab es ja Bildbearbeitungsprogramme.

Meine Mutter rief: „Luzia, nun trödle nicht so herum, komm, es gibt noch viel zu sehen.“ Eilig betraten wir das Zelt. Ich blieb mit offenem Mund stehen, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Irgendwie wirkte das Zelt im Innenraum größer als es von außen zu sein schien. Es sah ein wenig aus wie auf dem Jahrmarkt. Überall gab es Verkaufsstände mit den interessantesten Kleidern und Accessoires zu bestaunen. Sogar ein Pferdekarussell und Essensstände waren aufgebaut. Viele kleine Kinder stürzten auf das Karussell zu, da das Fahren darauf umsonst war. Allerdings mussten sie jeweils ein neues Ticket ziehen. Dies erschien mir nur fair. So konnten auch andere Kinder damit fahren und die Pferde, Kutschen und andere fantasievolle Figuren, wie die entzückenden Einhörner und der gläserne Pegasus, waren nicht dauernd besetzt.

Meine Mutter stieß einen Schrei des Entzückens aus und stürzte sich auf ein Regal voller Schuhe. Unser Vater hatte inzwischen von einem der Mitarbeiter einen Einkaufswagen bekommen. Wir Kinder wurden mit Stofftaschen in verschiedenen Farben beschenkt. Darin waren je drei Lose. Neugierig öffnete ich eins davon. ´Ein Makeup Set plus ein Styling´, stand auf meinem einen Zettel. Auf dem anderen: ´Ein Outfit Deiner Wahl` und auf dem dritten Los: ´Ein cooles Handy`. Kurz verschwamm die Schrift vor meinen Augen doch ich konnte nicht erkennen was nun darauf stand. Ein leichter Schwindel erfasste mich, so jung und schon Kreislaufprobleme, das konnte ja heiter werden, dachte ich sarkastisch. Kurz darauf ging es mir wieder gut und ich war bereit, meine Gewinne zu nutzen. Ob Mama das mit meinen Haaren wohl erlauben würde?

Ich sah mich nach meiner Mutter um, die war ganz im Kaufrausch versunken und ihr Einkaufswagen war schon gut bestückt. Mein Vater sah mit einem seligen Lächeln zu mir. Er hatte ebenfalls einen großen Einkaufswagen den er vor sich herschob. Während meine Mutter ihrem Schuhtick frönte, hatte er sich auf Werkzeuge und Sportartikel gestürzt. So langsam wurde mir die Sache unheimlich, doch noch bevor ich meine Mutter fragen konnte, ob das mit dem Styling O.K. ging, war wieder die junge Frau vom Eingang bei mir. „Nun junge Dame, was hast Du den Schönes gewonnen.“, fragte sie mich freundlich. Verdattert reichte ich ihr meine Lose. Sie stieß einen freudigen Laut aus: „Nein was bist Du für ein Glückspilz. Lucrezia“, rief sie im Befehlston, „hier ist jemand für Dich!“

Sofort und damit meine ich wirklich augenblicklich sah ich eine weitere wunderschöne Frau mit dunklem Haar vor mir. Noch ehe ich mich wundern konnte, hatte sie mich schon mit in einen anderen Bereich genommen, der von einem rosa Vorhang verdeckt wurde. Dahinter verbarg sich ein fantastischer Anblick. Kleider, Schuhe, Hüte, Taschen und unglaublich viel Schmuck, sowie tolle Haarspangen und viele Kosmetika waren da zu bestaunen. Ruckzuck war ich von drei weiteren Damen umgeben, die mir helfen wollten, meinen Gewinn einzufordern. Während ich die Haare gewaschen bekam und von einer wundervollen, einschläfernden Musik berieselt wurde, begann ich mir keine Gedanken mehr darüber zu machen, was Mama wohl zu den Farbkombinationen in meinem Haar sagen würde, wenn ich fertig umgestylt war. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin.

Als ich fertig war, sah ich mich erstaunt im Spiegel an. Meine zottigen braunen Haare glänzten in einem dunklen mahagonibraunen Ton und die sehr poppig rosa eingeschweißten Strähnen vervollständigten meine Frisur. Mein Haar floss in sanften Wellen meinen Rücken hinunter. Hier stutze ich kurz, war es nicht länger als vorher? Mein Haar war doch nur Schulterlang gewesen. Dazu sah das Makeup einfach super aus. Natürlich passend zu dem rosa Touch, der sich auch in meiner Garderobe wiederfand. Ein Kleid mit Spitzen und Rüschen in schwarz, mit rosa Stoffrosen besetzt und mit silbernen Fäden bestickt ließen mich wie eine Gothic Prinzessin aussehen. Dazu hatte ich schwarze Schuhe an, die ebenfalls mit silbernen Fäden durchwoben waren. Die dazu passende Handtasche und eine tolle Haarspange vervollständigten mein Outfit.

Dann ging es daran mein Handy auszusuchen. Schnell fand ich eins, das meinem neuen Aussehen entsprach. Die Farben passten ebenfalls zu meiner neuen Gestalt.

Zum Schluss wurde ich mit dem gesamten Team fotografiert. Lucrezia flüsterte mir zu: „Ab und an wirst Du eine Nachricht auf Deinem Handy von uns bekommen. Ich hab Dir eigens eine App aufgespielt. So weißt Du wo wir sind und kannst Dir ab und an ein paar Proben holen oder Dir von uns schicken lassen.“ Das fand ich aber sehr nett von ihr und bedankte mich artig. Hier verzog sie kurz ihr Gesicht als wenn ihr mein Dank gar nicht so recht war.

Ich betrat wieder den Innenraum des Zeltes und sah wie meine Familie auf mich zukam. Wie ich selber hatten auch sie ein neues Outfit und nette Spielereien bekommen.

Mama hatte zudem alles bezahlt was Papa und sie sich ausgesucht hatten. Meine Schwester hatte für ihre Spielzeugautos eine Garage und eine Waschanlage sowie allerlei Zubehör gewonnen. Mein Bruder eine Ritterburg samt Drachen und Rittern mit Burgfräulein und weiterem Schnickschnack. Dazu hatten alle ebenfalls ein Handy bekommen. Mein Bruder war völlig hin und weg, da seine Glücksfee ihm zudem noch Apps mit kostenlosen Spielen geladen hatte.

Mama und Papa waren gestylt und sahen aus wie Topmodels, die sich gleich zu einer exklusiven Party aufmachen wollten.

Mama meinte erfreut: „So billig habe ich noch nie eingekauft. Ich habe für alle genug Kleidung und Schuhe für das ganze Jahr bekommen und nicht einmal einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlt.“

Als wir das Zelt verlassen wollten waren da wieder die netten jungen Männer und Frauen. „Entschuldigen sie, bitte. Wären sie so nett uns kurz zu sagen wie es ihnen bei uns gefallen hat.“ Meine Mutter schielte auf ihre neue Uhr. Der junge Mann der meine Mama angesprochen hatte sagte sofort: „Natürlich bekommen sie dafür ein kleines Präsent von uns.“ So beantworteten meine Eltern die Fragen der Verkäufer und bekamen zum Schluss noch jeder eine riesige Tüte mit Lebensmitteln geschenkt. Wir Kinder bekamen ebenfalls neue Tüten mit allerlei Süßkram.

Da hörte ich wie gesagt wurde: „Wenn sie kurz hier unterschreiben würden damit wir ihnen auch weiterhin kostenlose Proben zusenden können!“ schlich ich mich an den Verkäufer ran. Der Zettel den die Verkäufer meinen Eltern hinhielten schien vor meinen Augen zu verschwimmen und neue Sätze erschienen. Ich las etwas wie: Drei Jahre Höllenqualen, vier Jahre Kohlenschippen, Eltern haften für ihre Kinder … doch schon veränderte sich die Schrift wieder. Ich wollte mir die Augen reiben und dachte gerade noch daran, dass ich ja Wimperntusche aufgetragen bekommen hatte.

Kurz darauf gingen wir nach Hause. Wir alle waren zufrieden und ich hatte den seltsamen Vorfall mit der Schrift schon vergessen. Von meinem Fenster aus konnte ich das Zelt blinken sehen. Leute strömten hinein und kamen mit zufriedenen Gesichtern wieder hinaus. Die Leuchtreklame blinkte wie verrückt und so konnte ich nicht schlafen. Irgendwann musste ich wohl doch eingenickt sein. Irgend etwas weckte mich und ich sah neugierig aus dem Fenster. Das Zelt leuchtete immer noch, aber was ich nun sah schien einem Alptraum entsprungen zu sein. Die netten jungen Frauen und Männer hatten auf einmal Hörner und Schwänze, ihre Haut war rot und ihre Augen leuchteten gelb. Die Leuchtschrift hatte sich ebenfalls verändert hier stand nun statt der protzigen einlullenden Werbung: „Jedes verschenkte Kleidungsstück: 1 Jahr Seelenqualen. Alle Proben: 5 Jahre Höllenqualen. Pro Handy: 2 Jahre Kohlenschüppen. Eltern haften für ihre Kinder. Tretet ein und … lasst alle Hoffnung fahren.“

Copyright (C) 2013 by Petra Weddehage.

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Connolly, John
Das Portal der Dämonen

Übersetzt von Koob-Pawis, Petra
Verlag :      cbj
ISBN :      978-3-570-22371-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      7,99 Eur[D] / 8,30 Eur[A] / 11,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 16.01.2013
Seiten/Umfang :      320 S. – 18,3 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      14.01.2013

Medien :
Leseprobe(PDF)

Der 11-jährige Samuel ist eigentlich ein ganz normaler Junge, bis seinen gelangweilten Vorstadtnachbarn nichts Besseres einfällt, als ein wenig Dämonenbeschwörung zu üben. Das klappt dummerweise überraschend gut und nun sind die dämlichen Nachbarn nicht nur von Dämonen besessen, sondern diese fiesen Gestalten auch noch hinter Samuel und seinem Dackel Boswell her. Die waren nämlich unfreiwillige Zeugen, als die Hobby-Satanisten das Portal im Universum auftaten, durch das der finstere Lord nun seine Trupps in die Welt der Menschen entsendet. So muss Samuel nun den Untergang der Menschheit verhindern – irgendwie …

John Connolly, geboren in Dublin, wurde weltweit berühmt durch seine »Charlie Parker«-Thrillerserie. All seine Romane stürmten die Bestsellerlisten und als erster Nichtamerikaner gewann er den Shamus Award. »Das Portal der Dämonen« ist sein erstes Kinderbuch.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Buchrezension, Bücher, Diskussionen, Fantasy, Horror, Leseprobe, Phantastik, Storys, cbj Verlag, cbt Verlag | 2 Kommentare »

LEGENDEN – Shortstory von Petra Weddehage

Erstellt von Petra Weddehage am 26. April 2013

LEGENDEN

Shortstory

von

Petra Weddehage

Der Himmel war so hell und klar wie schon lange nicht mehr. Dieser fantastische Blauton hätte jeden Künstler in Ekstase versetzt. Die Strahlen der Sonne brachten die Blumen zum Blühen und die Wiesen glänzten in einem saftigen Grün. Endlich war der Frühling gekommen.

Die Sonnenstrahlen drangen auch durch das dichte Blättergewirr des Tausend-Jahre-Waldes. Der Waldkönig hatte seine Gemahlin und seine Kinder um sich versammelt. Sie befanden sich auf einer wunderschönen Lichtung. In der Ferne war das Rauschen eines Wasserfalles zu hören, der dem kleinen Teich durch sein Wasser neues Leben einhauchte.

Die Nixen, die wie immer aus ihrem Wasserschloss gekommen waren um mit dem König und seinen Untertanen den Beginn des Frühlings zu feiern, sangen: „Neues Wasser, bringt neues Leben. Neues Leben bringt neue Seelen.“

Aus allen Teilen des Waldes waren sie zusammengekommen, die Einhörner und die Waldfeen, die Elfen und die Faune. Hoch oben aus der Luft sanken Pferde, mit Flügeln wie aus schimmerndem Glas, zu Boden. Bald waren alle Bewohner des Waldes eingetroffen und eine andächtige Stille legte sich über den Wald.

„Wann kommt den jetzt endlich die Geschichte, Mama“, fragte ein kleiner Pegasus voller Ungeduld. „Jetzt mein kleiner Untertan.“ ertönte die Stimme des Herrschers und er begann seine Erzählung:

„Es war einmal der Mensch, es war das schrecklichste Wesen auf dieser Welt. Diese Monster waren teilweise sehr schön anzusehen, doch brachen sie immer wieder die Verträge mit uns Naturgeschöpfen. So waren wir vom Aussterben bedroht. Unsere letzte Hoffnung lag in einer der anderen Dimensionen. Wir flohen in die Welt der Fantasie, nur dort konnten wir überleben. Die Magie war fast gänzlich aus der Welt der Menschen, die der Technik den Vorzug gaben, verschwunden. Nur mit einer letzten, gemeinsamen Kraftanstrengung überwanden unsere Vorfahren den hauchzarten, jedoch kaum zu durchdringenden, Schleier in diese Welt. Diese Dimension war abhängig von den Träumen und Wünschen der Menschen und das erwies sich für unser Überleben als wahrer Glücksfall. Umso mehr ihre eigene Welt in Rauch, Feuer und Maschinen voller technischer Raffinessen versank, desto mehr sehnten sich die Menschen nach einer anderen Lebensweise. Vor allem die Kinder waren ein kaum zu zügelnder Quell fantastischer Ideen. Sie wollten auf Drachen reiten und mit magischen Pferden durch die Lüfte segeln. Die männlichen Kinder wollten auf die höchsten Bäume steigen, als Piraten das Meer überqueren oder einfach nur an einem Strand hohe Sandburgen bauen. Die Mädchen träumten von Feen, Elfen und Waldtieren, die ihnen freundlich gesinnt seien und die Sprache der Menschen verstehen. Sie träumten von Palästen, wunderschönen Gewändern und wünschten sich Fahrten in einer goldenen Kutsche. Sie wollten im Prinzessinnengewand auf einem Ball tanzen. Die Wünsche wurden umso zahlreicher, je grausamer und hoffnungsloser ihr eigener Alltag sich gestaltete.

Eines Tages geschah folgendes:

Jasper war ein Junge von vierzehn Jahren. Er lebte in einem Hochhaus im vierzehnten Stock mit vierzehn weiteren Bewohnern. Seine Welt war alles andere als schön zu nennen. Überall gab es Fabriken, in denen die Menschen sich zu Tode schufteten. Es gab zahlreiche Computer und noch effektivere Maschinen, die dem Boden ihre Schätze entrissen. Mit Raumschiffen wurde hin und wieder ein Versuch gestartet eine zweite Erde zu finden. Diese Hoffnung zerplatze wie eine Seifenblase, da die Entfernungen zu den nächsten bewohnbaren Sternensystemen zu groß waren, um sie zu überwinden. Auch die Urbarmachung der Planeten in der näheren Umgebung scheiterte durch die Gier der Diktatoren und Menschen in Machtpositionen. Die Überbevölkerung der Welt war nicht mehr zu stoppen. Im Laufe der Jahrhunderte hatten sich die Religionen vermischt und es entstand: DIE EINE NEUE KIRCHE.

Durch einen gerissenen Schachzug, indem sie sich die Verzweiflung der Menschen zu Nutze machten, gelang es ihnen auch die weltlichen Belange an sich zu reißen. So brachen Chaos und Anarchie, vermischt mit einem furchtbaren Irrglauben noch schneller über die Menschheit herein.

Verbote waren an der Tagesordnung. Es war verboten zu verhüten, Abtreibung war ebenfalls verboten. Es gab immer mehr Krankheiten und durch den Nahrungsmangel wurden Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen geboren, denen keine schöne Zukunft bevorstand. Die Folge davon waren immer mehr Kinder, die irgendwo ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen wurden. Es gab nie genug Waisenhäuser um die Kleinen aufzunehmen oder die hungrigen Mäuler zu füttern. Dann beschlossen die Kirchenoberhäupter, dass alle Menschen das Gleiche erhalten sollten, egal ob sie arbeiteten oder nicht. Es gab einen Kleidungstil je für Männer und Frauen. Die Männer trugen einen sackartigen Kaftan und einen Kapuzenumhang, wobei sie damit ihre Köpfe bedecken sollten. Die Farben wurden verbannt und so gab es nur ein tristes Grau das alle trugen. Frauen wurde wieder einmal alles, was in der Welt schief lief, angekreidet. Ihr verderbter Einfluss sollte schuld daran sein, dass es den Menschen so schlecht ging. Sie mussten ihre Figur und ihre Haare unter langen klobigen Gewändern und Tüchern verbergen. Jeder machte mittlerweile die gleiche Arbeit und bekam das gleiche zu essen. Es waren katastrophale Zustände. Die Sterblichkeitsrate der Neugeborenen erreichte einen traurigen Rekord. Nur auf dem Schwarzmarkt konnte man zu unglaublichen Preisen noch Zigaretten, Alkohol oder Medikamente bekommen.

Die einzigen die im Luxus hausten waren die Oberhäupter der mittlerweile EINEN KIRCHE, die es ja ach so gut mit den Menschen meinten. Das Böse findet immer einen Weg um sich zu bereichern. Chaos war vorprogrammiert.

Es gab immer neue Krankheiten die dafür sorgten, dass ab und an die Weltbevölkerung reduziert wurde, aber es gab immer noch zu viele Menschen. Gegen die rasante Vermehrung der Erdenbewohner schien es kein Mittel zu geben. Für Jasper gab es nur noch graue Gestalten, die sich durch die Gegend bewegten. Die Menschen wirkten wie seelenlose Roboter, unbelebt und mechanisch. Sie beteten dreimal am Tag. Doch der einzig wahre Gott hatte seine Augen verschlossen, die Ohren bedeckt und seine Lippen fest aufeinandergepresst. Auch ein Gott kann irgendwann den Wahnsinn seiner Kinder nicht mehr ertragen und beginnt sich abzuwenden.

Jasper saß vor seinem Computer und tauchte in eine unreale Welt ein. Dank eines Helmes und eines Handschuhs konnte er in Welten reisen, die er selbst mit ein paar Tastenbefehlen erstellt hatte. Darin war er ein wahrer Meister. Sein Talent hielt er wohlweislich vor allen verborgen, sogar vor seinen Eltern. Es gab noch andere Kinder wie ihn, die mit ihm in der anderen Welt zahlreiche fantastische Abenteuer erlebten. Sie erträumten sich große Wälder, feenhafte Mütter und nette Väter, Königen gleich. In dieser Welt ernährten sich die Menschen von Früchten und lebten mit allen Tieren und Fabelwesen in Frieden.

In der Welt der Menschen geschah es, dass eine kleine Gruppe eine große, gefährliche Waffe entwickelte. Sie waren so fanatisch, das sie diese Waffe eines Tages einsetzten, mit verheerenden Folgen. Damit hatten sie nicht gerechnet, doch es war zu spät. Die Welt zersprang und so wurde der Planet namens Erde vollständig zerstört. Von einem Moment zum anderen war die Welt verschwunden, aufgelöst als hätte sie nie existiert. Denn die Wahrscheinlichkeit für eine Welt ohne Hoffnung wurde immer geringer, sie wäre also über kurz oder lang auf jeden Fall verschwunden. Die Menschen hatten ihr Ende selber beschleunigt.

Dann geschah das große Wunder. Unsere Traumwelt war durch die Wünsche der Kinder so real geworden, dass sie den Platz der anderen Welt einnehmen durfte. Alle Kinder, der nun nicht mehr existierenden Welt, leben nunmehr hier bei uns. Ihr denkt bestimmt das müssen doch sehr viele gewesen sein. Nein, da irrt ihr. Durch eine Krankheit wurden die Männer und Frauen steril und es gab immer weniger Geburten. Nur ein paar hundert Kinder lebten noch auf der Welt, bevor sie zerbarst. Nun leben sie alle hier bei uns, vom kleinsten Säugling bis zum vierzehnjährigen Jasper. Doch leben sie hier nicht in der Gestalt der Menschen, da sich viele vor diesen grausamen Wesen gefürchtet hätten. Und da wo Furcht gesät wird sind auch der Hass und die damit eingehende Zerstörung nicht mehr weit. Der eine wahre Gott gab ihnen die Gestalt der Feen und Waldelfen.“

Damit beendete der Waldkönig seine Geschichte und ein ehrfurchtsvolles Schweigen breitete sich unter den Zuhörern aus. Alle dachten, wie gut sie es doch hatten in dieser paradiesischen Welt.

Auf einmal ertönten liebliche Klänge und wunderschöne Wesen in hauchzarten Gewändern wurden sichtbar. Sie leuchteten voller Farbenpracht und ihre Flügel glänzten schimmernd im Sonnenlicht.

Da rief der König erfreut: „Seht liebe Kinder dort kommt der eine wahre Gott, mit seinem Feenvolk, um mit uns zu feiern. Den hier ist wahrlich das Paradies.“

Sein prächtiges Geweih ruckte herum und alle sahen ihren neuen Freunden entgegen. Das Kind das den Neuankömmlingen voranschritt war wunderschön und eindeutig göttlich.

Copyright (C) 2013 by Petra Weddehage.

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Beer, Anika
Wenn die Nacht in Scherben fällt

Verlag :      cbj
ISBN :      978-3-570-40202-3
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,99 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 03.04.2013
Seiten/Umfang :      416 S. – 20,6 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Produktform (detailliert) :      B504
Erscheinungsdatum :      13.05.2013

Bildgewaltig, unglaublich atmosphärisch und absolut mitreißend.

Schon immer waren Träume für Nele etwas ganz Besonderes, denn sie besitzt die Fähigkeit, sie zu steuern, wie es ihr gefällt. Doch als sie mit ihren Eltern von München nach Erlfeld zieht, taucht auf einmal jemand in ihrem Traum auf, den sie selbst nicht erschaffen hat: Seth, ein junger Mann, den sie unheimlich und zugleich anziehend findet. Aber was macht er in ihrem Traum? Als Nele sich in der neuen Schule mit Jari anfreundet, hofft sie, in ihm jemanden gefunden zu haben, dem sie sich anvertrauen kann. Doch dann verschwindet Jari wie vom Erdboden verschluckt. Nele macht sich auf die Suche nach ihm, und findet heraus, dass nicht nur er in Gefahr ist – sondern die gesamte Traumwelt zu zerbrechen droht …

Anika Beer ist ein Herbstkind des Jahres 1983 und wuchs in der Bergstadt Oerlinghausen am Teutoburger Wald auf. Die Welt der fantastischen Geschichten begleitet sie seit frühester Kindheit: Sie lernte mit 3 Jahren lesen, im Alter von 8 bekam sie eine Schreibmaschine und fing an, erste Geschichten zu schreiben. Anika Beer begeistert sich für Kampfkunst und fremde Kulturen und lebte nach dem Abitur einige Zeit in Spanien, bevor sie in Bielefeld eine Stelle an der Universität annahm. Nach „Als die schwarzen Feen kamen“ ist „Wenn die Nacht in Scherben fällt” ihr zweiter Jugendroman.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Buchrezension, Bücher, Diskussionen, Fantasy, Phantastik, Storys | 3 Kommentare »

MÜTTER BRAUCHEN LANGE ARME! – Eine Shortstory von Petra Weddehage

Erstellt von Petra Weddehage am 26. April 2013

MÜTTER BRAUCHEN LANGE ARME!

Shortstory

von

Petra Weddehage

„Rabää“! wie jeden Morgen wurde Linda durch den Schrei ihrer süßen Tochter Micelia aus dem Schlaf gerissen. Also stand sie gähnend auf und rieb sich ihre Augen. Dann eilte sie zum Gitterbett der Kleinen, die gerade einmal vier Wochen alt war. Sie holte sie heraus und setzte sie in ihren Bauchbeutel. Die junge Mutter hörte wie ihre kleine Tochter wohlig seufzte und spürte dann wie sie an ihrer Beutelwarze zu saugen begann. Linda war froh, dass sie genug Milch hatte. Nur ungern hätte sie Micelia zu einer Amme gegeben wie es leider viel zu vielen Frauen erging, die nicht genug Milch besaßen. Sie dachte aber auch an die armen Unglücklichen, die keinen Bauchbeutel besaßen, ihnen war das Glück einen eigenen Säugling auszutragen somit verwehrt. Ein genetischer Rückfall in zwanzigste Jahrhundert. Leider passierte dies ab und zu. Manchmal bekamen diese Frauen gegen alle Wahrscheinlichkeiten dennoch ein Kind aber sie konnten es nicht selber großziehen.

Micelia war vollkommen auf die Welt gekommen, ebenso ihr vierjähriger Bruder Alex. Linda ging ins Bad und machte sich „City fein“, wie sie es nannte. Alex und Micelia bekamen ebenfalls farblich passende Kleidung. Dies war ein Tick von Linda, damit alle sahen, dass sie zusammengehörten. Dann stieg die kleine Familie in ihr, mit Sonnenenergie betriebenes, Auto. Einen Buggy brauchte sie im Moment noch nicht, da Micelia dafür noch zu klein war, Alex aber lieber zu Fuß ging.

Sie parkte in der Stadt und ging mit ihren Kindern in den Supermarkt. Die riesigen Gänge waren hell erleuchtet und sie fand schnell was sie suchte. Ihr elektronischer Einkaufszettel lotste sie sicher zu den richtigen Regalen und Produkten. Sie kannte sich gut genug um zu wissen, wenn sie nur mal so durch den Markt schlenderte kaufte sie doch mehr als sie wollte. Das war aber nicht fair anderen Menschen gegenüber und so verschenkte sie sehr viel an andere Leute, was sie nicht selber verbrauchte. Im Gegenzug bekam sie von ihren Nachbarn gut erhaltene Kleidung für die Kinder. Vor allem Alex Konsum an Hosen steigerte sich im Moment enorm, da er sehr gerne auf den Knien herumrutschte. Eine ganz normale Angewohnheit und fürs körperliche Wohlbefinden und die Entwicklung des Kindes sehr willkommen.

Auf einmal, sie hatte nur einen Moment nicht richtig aufgepasst, war Alex verschwunden. Linda rief ihn zwar, doch er antwortete nicht. Linda eilte panisch rufend durch die Gänge, von Horrorvisionen verfolgt. Da hörte sie ein Kichern, das war ihr Alex. Sie entdeckte den kleinen Ausreißer wie er gerade eine kunstvoll aufgestapelte Dosenpyramide bestaunte. Doch bevor sie ihn erreichte zog der kleine Racker eine Dose ganz unten aus dem Stapel heraus und die Pyramide begann gefährlich zu kippen. Mit einem fürchterlichen Krachen fiel die Dosenpyramide in sich zusammen.

Lindas beide Fangarme, die jeder Mutter aus den Hüften wuchsen, entfalteten sich blitzschnell und sie konnte ihren Sohn rechtzeitig aus der Gefahrenzone herausziehen. Auf einmal war sie von Leuten umringt, die teils aus Sensationslust herumstanden oder ihre Hilfe anboten. Dankend lehnte Linda ab und versicherte, dass es ihnen allen gut ging.

Der herbeigeeilte Geschäftsführer geleitete die zitternde junge Mutter und ihre Kinder in sein Büro. Alex bekam einen Saft und Linda auf den Schreck eine Tasse Kakao, für Kaffee war sie viel zu aufgeregt. Kurze Zeit später konnte sie schon wieder mit Herrn Meier, so hieß der Leiter des Supermarktes, über das Geschehene lachen. „So ein kleiner Schlingel“, schmunzelte er. Linda und er regelten die geschäftliche Seite und er bekam die Nummer ihrer Haftpflichtversicherung.

„Es ist nur gut, dass ihr Mütter so lange Arme habt“, meinte Herr Meier. „Ja, stellen sie sich vor wie es den armen Frauen früherer erging. Gut das wir im vierzigsten Jahrhundert leben. Die Evolution unserer Rasse ist ein wahrer Segen.“

Linda sinnierte: „Wahrscheinlich ist die genetische Veränderung unserer Körper dafür verantwortlich, dass es nun weniger Kinder gibt, allerdings sind diese auch immer geistig und körperlich gesund. Ich fühle mich dabei richtig wohl. Es ist schön, sein Kind sicher verwahrt zu wissen und diese zusätzlichen Armpaare sind ein echtes Wunder. So kann ich gleichzeitig alles erledigen, von der Hausarbeit bis zum Tele-Rounding mit meinen Freundinnen. Immer hab ich die Sicherheit, dass ich meine Kinder im Griff habe.“

„Die armen Väter früher tun mir leid, sie hatten doch kaum etwas von ihren Kindern,“ antwortete Herr Meier, „Meistens mussten sie bis spät in die Nacht schuften, dann kamen sie müde zu Hause an und waren froh ein wenig ausruhen zu können. Nein, ich hab es da viel besser.“ Bei diesen Worten holte er seinen Sohn Werner aus seinem Bauchbeutel und präsentierte ihn Linda voller Stolz. „Sehen sie, so kann ich meine Frau ein wenig entlasten und mein Kind mit zur Arbeit nehmen. Früher war so etwas undenkbar, wie grausam so etwas gewesen sein muss, sein Kind nur ab und an für ein paar Minuten oder Stunden zu sehen.“ Dabei schüttelte er seinen Kopf.

„So etwas Schreckliches mag ich mir gar nicht vorstellen“, antwortete Linda, „Nein, ich denke wir haben uns so sehr von unsern Vorfahren gelöst, auch im Denken, so dass wir die früheren Zeiten schlecht nachvollziehen können. Früher haben die eigenen Eltern ihren Kindern die schlimmsten Dinge angetan, nein darüber darf ich nicht nachdenken. Überlegen sie nur, heute kann man jedem Menschen sein Kind anvertrauen, es würde einfach nichts passieren.“

„Heute sind wir auch aufgeklärter, körperlich und geistig gesund und wir alle haben genug zu essen. Die Wohnungen sind groß genug und auf die Bedürfnisse der einzelnen Leute zugeschnitten. Jede Familie, mit einem oder mehr Kindern, hat ein Haus mit Garten. Unsere Autos haben alle nur erdenkliche Sicherheitsmaßnahmen. Dazu kommt noch, das wir alle Tätigkeiten ausüben können die uns gerade interessieren. Bis vor wenigen Wochen hab ich noch auf der Bühne gestanden und gesungen. Ich wollte mal einen anderen Tätigkeitsbereich ausfüllen und etwas Neues lernen. Sonst rostet man doch nur ein. Aber das allerbeste sind die Video-Realspiele. Hier dürfen wir uns richtig auslassen und Wut und Agonie ausleben. Ab und an macht es mir doch Spaß, etwas in die Luft zu jagen.“ Beide kicherten bei dem Gedanken. Sie redeten noch eine Weile über die besseren Lebensbedingungen. Dann wurde es für Linda an der Zeit, nach Hause zu fahren. Sie ging zum Auto, die Lebensmittel waren schon verstaut worden und ihre Verzehrkarte entwertet. Sie stieg ins Auto, erst dort ließ sie Alex aus ihren langen Armen in seinen Kindersitz gleiten. Liebevoll strich sie ihm über den Kopf. Micelia musste während der Fahrt ebenfalls ihren warmen Platz im Beutel verlassen und kam in eine Babyschale. Linda startete den Wagen und schaltete das Radio ein. Der Babysitter-Boogie von Ralf Bendix erklang und Alex sang eifrig mit. „Wirklich gut“, dachte Linda, „dass wir Mütter so lange Arme haben.“

Copyright (C) 2013 by Petra Weddehage.

Bildrechte: Coverillustration “SkurileGeschichten1.jpg ” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Pierlot, Holly
Für Mütter

Mit Gott den Alltag meistern – Deutsche Ausgabe mit Praxiskommentaren

Übersetzt von Macova, Katja
Verlag :      fe-medienvlg
ISBN :      978-3-86357-045-3
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,80 Eur[D] / 13,20 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 07.03.2013
Seiten/Umfang :      310 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 07.03.2013

Seelenfrieden statt Nervenzusammenbruch:
Holly Pierlot beschloss, das alltägliche Chaos daheim zu bändigen. Dabei machte die Mutter von 5 Kindern eine unerwartete Entdeckung: Ordensregeln können auch für Mütter eine Kraftquelle sein. Sie ließ sich von der Lebensregel der Schwestern der seligen Mutter Teresa von Kalkutta inspirieren, um einen harmonischen Lebensstil zu finden. Tatsachenbericht und praktische Anleitung zugleich, unterhaltsam und voll geistlicher Tiefe: Hier findet (nicht nur) jede Mutter wertvolle Tipps.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Storys | 3 Kommentare »