Emily Bold – interviewt von Werner Karl
Erstellt von Galaxykarl am 12. November 2012
Emily Bold – interviewt von Werner Karl
Die Autorin – geboren 1980 in Mittelfranken, lebt auch heute mit ihrer Familie dort – schreibt historische Liebesromane und publiziert fast ausschließlich E-Books. Gerade aus diesem Grund war und ist sie für mich ein interessanter Interviewpartner. Von ihr sind bisher folgende Titel erschienen:
• Blacksoul – In den Armen des Piraten: ISBN 1477583521 (über http://emilybold.de/ erhältlich!)
• Gefährliche Intrigen, Taschenbuch: ISBN 978-1477588642
• Mitternachtsfalke, Taschenbuch: ISBN 1477593691
• The Curse – Touch of eternity, E-Book: ISBN 1478310383
• The Curse – Vanoras Fluch, E-Book: ISBN 1477678603
• The Curse – Im Schatten der Schwestern: ISBN 978-1479297467 (über http://emilybold.de/ erhältlich!)
Die Bücher gibt es bei Amazon, Weltbild, Kobo, iTunes, Google Play, Thalia, buch.de und vielen weiteren Shops.
sfbasar: Liebe Emily, historische Liebesromane sind ja nun nicht ein Genre, hinter dem man sich verstecken müsste. Warum also ein Pseudonym?
EB: Neben einem Namen, der mehr Romantik verspricht, als „Lieschen Müller“ (was selbstverständlich auch nicht mein Name ist), ging es mir in erster Linie um den Schutz meiner Privatsphäre sowie der meiner beiden Kinder. Mit Scham wegen des Genres hat das nichts zu tun.
sfbasar: In einer Radiosendung habe ich gehört, dass du von Anfang an den Weg gewählt hast, deine Bücher online als E-Book anzubieten? Warum nicht über einen klassischen Verlag als gedrucktes Buch?
EB: Tatsächlich habe ich es mit „Gefährliche Intrigen“ bei einem Verlag versucht. Von meiner „Schreibe“ war man überzeugt, von Historicals einer Deutschen jedoch nicht – der US-Markt hat in diesem Genre etliche „Größen“ vorzuweisen, auf die man mit mehr Erfolgsaussichten zurückgreifen kann.
sfbasar: Jeder Autor ist in seine Arbeit verliebt; man sträubt sich, einmal getippte Wörter zu streichen. Schlichtweg ist man einfach oft textblind. In einer seriösen Literaturagentur und einem ebensolchen Verlag wird gründlich lektoriert. Und das kostenlos. Warum also schon in diesem Stadium eines Werkes Geld ausgeben, für einen Lektor, den du selbst bezahlen musst?
EB: Wenn die Entscheidung für Selfpublishing gefallen ist, sollte man dies mit all seinen Konsequenzen durchziehen. Dazu gehört eben, dem Leser ein lektoriertes, sauber gesetztes Buch anzubieten, im Idealfall mit einem professionell gestaltetem Cover. Ich denke, diese Investitionen zahlen sich langfristig aus.
sfbasar: Das Gleiche gilt für die notwendigen, unter Umständen sehr umfangreichen, Marketing-Maßnahmen eines Verlages. Auch die bleiben an dir hängen. Unabhängig von der Tatsache, dass ich einmal annehme, dass du keine professionelle Marketing-Spezialistin bist und aufgrund eines begrenzten Budgets und Möglichkeiten dafür sicher Abstriche machen musst. Noch einmal: Warum sich als Autorin diese Kosten auflasten?
EB: Ich halte es für einen Irrglauben, dass man mit einem Verlagsvertrag – und sei es mit einem noch so großen Verlag – automatisch ein gigantisches Werbebudget zugesprochen bekommt. Warum sollte der Autor nicht auch selbst für sich und sein Werk werben? Warum nicht den direkten Kontakt mit Lesern suchen und sich austauschen? Zudem das alles nichts kostet…
sfbasar: Das Gleiche gilt für Arbeiten wie Covergestaltung, Fotorechte, Titellayout, ISBN-Kosten. Einen deiner Romane gibt es sogar in englischer Sprache. Kannst du das alles? Hast du dir dafür kompetente Partner gesucht – die schon wieder Geld kosten – oder dir mit der Zeit diese Fähigkeiten angeeignet?
EB: Ich kann vieles
Layout, Covergestaltung usw. mache ich gemeinsam mit meinem Mann. Fotorechte muss man „nur“ kaufen, was absolut Sinn macht bzw. eigentlich unabdingbar ist. Die Übersetzung eines meiner Bücher war ein Versuch, der tatsächlich einen großen Batzen Geld gekostet hat, da ich hier professionelle Hilfe in Anspruch genommen habe. Ob sich das in absehbarer Zeit rechnet, wird sich noch zeigen…
sfbasar: All das Vorgenannte kostet eine Autorin zusätzlich die wichtigste Ressource: Zeit. Ich kenne eigentlich keinen Autor, der nicht über Zeitmangel klagt. Hast du keine Bedenken, dass dich dies von deiner eigentlichen Arbeit – dem Schreiben – abhält? Dir zu viel deiner kostbaren Zeit raubt? Schließlich hast du ja auch noch eine Familie, die auch ihre – berechtigte – Zeit mit dir einfordert.
EB: Hier liegst du völlig richtig: Zeit ist wirklich sehr knapp, gerade mit Familie und Kindern. Dennoch ist alles eigentlich nur eine Sache der Organisation – und organisieren kann ich wirklich sehr gut
Ich denke, es ist einfach wichtig, Prioritäten zu setzen – schreibe ich an einem Projekt oder verbringe ich Zeit in sozialen Netzwerken, um mich mit Lesern auszutauschen? Letztendlich gehört für mich beides zum Autoren-Dasein dazu, die richtige Balance macht es aus.
sfbasar: Jetzt mal zum praktischen Teil des Online-Vermarktens. Es ist ja nicht damit getan, eine pdf-Datei zu erstellen und z. B. in Amazon einzustellen. Wie sorgst du dafür, dass dein Name bekannt wird? Wer dich nicht kennt, kann auch keine E-Books von dir finden und schließlich erstehen. Allein über deine Website und Facebook? Welche Multiplikatoren nutzt du?
EB: Ich versuche, vielfältig zu sein – der Rest ist „Betriebsgeheimnis“
sfbasar: Wie ist das mit der leidigen Mehrwertsteuer? Gedruckte Bücher unterliegen einem ermäßigten Steuersatz von 7 %. Ist das bei E-Books genau so?
EB: „Leidig“ trifft es auf den Punkt. E-Books werden in Deutschland zu 19% versteuert, also anders als gedruckte Bücher. Amazon und Apple mit Sitz in Luxemburg versteuern aufgrund der dort gültigen Steuerbestimmungen jedoch nur mit 3% – ab 2015 wird sich das ändern, da dann auch in Deutschland der geltende Steuersatz entrichtet werden muss. Prinzipiell wäre es richtig, E-Books mit 7% ermäßigt zu besteuern, um sie gedruckten Büchern gleichzustellen.
sfbasar: Überhaupt: Wenn auf verschiedenen Verkaufsplattformen unterschiedliche E-Book-Preise entstehen und damit auch deine Tantiemen für den gleichen Roman verschieden ausfallen, wie rechnet man so etwas mit dem Finanzamt ab? Einfach nach Einnahmen/Ausgaben ohne Angabe einer Stückzahl?
EB: Unterschiedliche E-Book-Preise entstehen nicht, da in Deutschland die Buchpreisbindung gilt. Tatsächlich variieren aber die Tantiemen je nach Autorenmarge. Meine Abrechnung mit dem Finanzamt übernimmt ein Steuerberater, da die Rechnung tatsächlich nicht einfach ist – auch aufgrund der verschiedenen Steuersätze.
sfbasar: Wie kommst du zu Lesungen, die ja ein probates Mittel sind, um gewonnene Fans bei der Stange zu halten und neue zu gewinnen? Was hat ein Buchhändler von einem Autor, der ausschließlich online publiziert? Genügt der Buchhandlung der Eintrittspreis zur Lesung? Wenn der überhaupt hier machbar ist? Druckst du dir deine Bücher aus und hast sie als Loseblattsammlung bei der Lesung dabei?
EB: Bisher habe ich auf Lesungen verzichtet, auch aufgrund meines Pseudonyms. Und mal ehrlich: eine Lesung aus einem Historischen Liebesroman…?
sfbasar: Wie denkst du über illegale Kopien deiner Werke? Es kann jede Datei und jede Sicherung von pfiffigen – natürlich illegalen – Hackern geknackt werden. Diese „Kunden“ entgehen dir. Auch die Gefahr von Plagiaten scheint mir bei E-Books größer zu sein – weil einfacher für den Dieb verfügbar – als bei einem gedruckten Buch.
EB: Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass man meine Bücher illegal anbietet. Rechtlich gesehen ist das wohl einfach Diebstahl, das ist richtig. Dagegen vorgehen ist meistens schwierig, aber nicht unmöglich. Ich glaube, dass diejenigen, die Bücher illegal herunterladen, wohl eh nichts bezahlen wollen – als „Kunde“ entgehen sie mir also nicht wirklich. Traurig ist es dennoch, denn ein Cappuccino kostet dich ca. 3,50€ – und ist in spätestens 30 Minuten ausgetrunken. An meinen Büchern liest es sich um ein Vielfaches länger – also viel mehr Spaß für das gleiche Geld, und das sollte es doch wert sein, oder?
sfbasar: Gedruckte Bücher kann man jemandem schön einpacken und als Geschenk in die Hand drücken. Ein E-Book verschenkt man wie? Per E-Mail dem zu Beschenkenden als pdf-Datei zugeschickt? Auf CD gebrannt oder als Stick überreicht? Vermisst du hier nicht auch als Autorin die Haptik raschelnden Papiers, einen edlen Einband, schlichtweg das Gewicht eines real existierenden Gegenstands (als Geschenk), auch wenn es evtl. „nur“ ein Taschenbuch ist?
EB: Meine Bücher gibt es auch gedruckt
Und E-Books kann man mittlerweile auch ganz leicht verschenken, siehe http://www.ebookcards.de/.
sfbasar: In einem anderen Interview sagst du, dass du in einem Jahr 4 Titel mit insgesamt rund 300.000 Wörtern veröffentlicht hast. Das entspricht grob gerechnet mindestens 1.100 Normseiten. Bist du bei all den o. g. Nebenaufgaben auch noch eine sehr schnell arbeitende Autorin? Wie sieht dein normaler Arbeitstag aus?
EB: Wenn mich die Muße küsst, kann ich sehr schnell sein. Bei den vier Titeln war mein Debüt „Gefährliche Intrigen“ bereits fertiggestellt und wurde „nur noch“ veröffentlicht. Mein idealer Arbeitstag beginnt morgens mit E-Mails abrufen und ggf. beantworten und dann schreiben, solange es „rutscht“. Spätestens wenn meine Kinder wieder zuhause sind, sind die „schriftstellerischen Arbeiten“ bis zur Bettgehzeit der beiden Kleinen beendet. Wenn ich Lust habe, geht es dann noch weiter.
sfbasar: 25.000 verkaufte E-Books in 4 (?) Jahren (Stand Juli 2012) sind ein beachtlicher und absolut bewundernswerter Erfolg. Bezieht sich das auf deine „Gesamtauflage“? Nennt man das bei E-Books eigentlich so, da sie ja nicht in einer bestimmten Auflage gedruckt werden, sondern permanent verfügbar sind? Ich sehe hier einen wirklichen Vorteil gegenüber gedruckten Büchern, da nicht die Gefahr besteht, von einer sogenannten Backlist zu verschwinden.
EB: Die Zahl bezieht sich auf knapp 14 Monate („Gefährliche Intrigen“ erschien im Mai 2011) und die Gesamtauflage. Mittlerweile sind es etliche Tausend mehr, auch weil meine Bücher in allen großen Buchshops erhältlich sind. Und ja, ich würde von einer Auflage sprechen
sfbasar: Zurück zum Schreiben an sich. Bei allen möglichen Genre pflegen Autoren ein ausführliches Manuskript, ein Exposé oder gar ein detailliertes Kapitelexposé. Überwiegt in deinen Romanen der historische Part oder eher die Liebe? Wenn also die Liebe dein Thema ist, planst du dann einen Roman ebenso durch wie Autoren anderer Genre oder lässt du hier mehr dein Gefühl, deine weibliche Intuition sprechen, deine Hand beim Schreiben führen?
EB: In meinen Romanen überwiegt die Liebe, der historische Part steht im Hintergrund – wobei es mich durchaus mal reizen würde, einen „richtigen“ historischen Roman zu schreiben. Natürlich habe ich bei meinen Projekten einen Plot und sehr oft auch ganz genaue Vorstellungen von einzelnen Abschnitten oder Kapiteln – aber nicht immer. Manchmal verlasse ich mich einfach auf meine Intuition und sehe dann anschließend, ob mich die Muße geküsst hat.
sfbasar: Hast du keine Angst, dass dir die Ideen zu Liebes-Geschichten ausgehen? Wenn du Sie und Ihn schon auf hundert verschiedene Weisen zusammengeführt hast, wird das nicht irgendwann schlichtweg langweilig?
EB: Definitiv nein!
sfbasar: Es heißt im Geschäftsleben quer durch alle Produkte: Sex sells. Inwieweit ziehst du eine Grenze bei erotischen Szenen? Was ist für dich noch Erotik, was schon Pornografie?
EB: Wo Pornografie beginnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. In meinen Büchern gibt es Sex – in einer für mich ansprechenden Be- und Umschreibung, die sinnlich sein soll, ohne detailliert zu werden. Der Leser muss die Möglichkeit haben, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.
sfbasar: Was hältst du als Online-Autorin von einer Cloud, also einem externen Datenspeicher, in dem alle Daten eines Kunden – oder von dir als Autorin: sämtliche Werke, zukünftige Projekte, Recherche-Dateien usw. – angeblich hacksicher gespeichert werden sollen? Aktuell gab es durch den Hurrican Sandy in den USA von Cloud-Betreibern die lapidare Empfehlung an ihre Kundschaft, doch lieber selbst ihre Daten zu sichern. Auf Speicherkapazitäten, die man nicht hatte oder sich nicht leisten konnte. Also einem der Gründe, überhaupt eine Cloud nutzen zu wollen/zu müssen?
EB: Zunächst: Online-Autorin ist ein irritierendes Wort, denn ich beschränke mich ja nicht auf das Web. Und tatsächlich sind wir ja schon so weit – alles ist überall verfügbar, die Cloud begleitet dich dank Smartphone überall hin. Deine Bücher liegen bei Amazon auf gigantischen Serverfarmen – fallen die dauerhaft aus, sind diese Bücher – egal ob Autor oder Kunde – im schlechtesten Fall weg. Ich für meinen Teil nutze soweit es geht keine Online-Speicher, sondern nur lokale Sicherungen: USB-Sticks, die klassische Festplatte und ein NAS. Mehr brauche ich momentan nicht.
sfbasar: Wie siehst du deine Zukunft als Autorin? Deine erfreulichen E-Book-Verkäufe als Sprungbrett in einen klassischen Verlag, der die die o. g. Nebenarbeiten endlich abnimmt? Und dir womöglich besser Tantiemen vertraglich garantieren kann? Oder willst du weiterhin deine Freiheit genießen und dir von niemandem ins Geschäft reden lassen?
EB: Das wird sich zeigen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein klassischer Verlag „bessere“ Tantiemen garantieren kann oder wird. Allerdings ist Geld für mich nicht alles, und es gibt trotz aller Vorteile des E-Books doch nichts schöneres, als sein eigenes Werk als Druckwerk in einer Buchhandlung zu finden. Und ganz sicher werde ich weiter so unabhängig wie nur möglich bleiben, gerade weil ich mir bis hierhin alles selbst aufgebaut habe. Deswegen habe ich auch schon einige Angebote von Verlagen und Agenten abgelehnt, aber sollte mal „das Angebot“ kommen, würde ich sicher zustimmen
sfbasar: Gibt es eine evtl. von dir selbst auferlegte Genre-Begrenzung? Oder wirst du unter einem anderen Pseudonym – oder deinem jetzigen – auch Romane anderer Couleur schreiben?
EB: Ich denke, ich werde weiterhin das schreiben, was mir liegt: Geschichten um Liebe, Leidenschaft und Freundschaft, Verrat, Hass und Schmerz. Garniert mit Sinnlichkeit und Spannung werden so hoffentlich noch einige Historicals von Emily Bold erscheinen.
sfbasar: Kannst du schon etwas über dein nächstes Projekt verraten? Wie wird der Titel lauten und wann ist es erhältlich?
EB: Mein nächstes Projekt ist eine mehrteilige Reihe von Novellen. Der erste Teil wird im Dezember erscheinen und den Titel „Vergessene Küsse“ tragen – und – man kann es erraten, es werden natürlich Liebesromane sein.
sfbasar: Liebe Emily, ich danke dir für deine sehr interessanten Antworten und drücke dir für die Zukunft die Daumen. Weiterhin viel Erfolg!
EB: Ich danke Dir für das nette Interview, lieber Karl
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Herr Steffen Volkmer ist für Presse- und Public Relations im Comic-Bereich der Panini-Verlags GmbH, Stuttgart zuständig. In der zweimonatlich erscheinenden Panini-Vorschau werden Comic-Fans umfassend über alle Neuerscheinungen aus dem Verlagsprogramm informiert. Längst hat die Vorschau die Grenze von reiner hauseigener Vorankündigung gesprengt, sondern bietet Szene-News, Infos zu Filmadaptionen, Events (wie z. B. den Erlanger Comic-Salon, in diesem Jahr vom 07.06. bis 10.06.2012), ganzseitige Leseproben, die Backlist, Händler-Adressen, Sammelfiguren und und und …







