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Steffen Volkmer – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 16. April 2012

Steffen Volkmer – interviewt von Werner Karl

Herr Steffen Volkmer ist für Presse- und Public Relations im Comic-Bereich der Panini-Verlags GmbH, Stuttgart zuständig. In der zweimonatlich erscheinenden Panini-Vorschau werden Comic-Fans umfassend über alle Neuerscheinungen aus dem Verlagsprogramm informiert. Längst hat die Vorschau die Grenze von reiner hauseigener Vorankündigung gesprengt, sondern bietet Szene-News, Infos zu Filmadaptionen, Events (wie z. B. den Erlanger Comic-Salon, in diesem Jahr vom 07.06. bis 10.06.2012), ganzseitige Leseproben, die Backlist, Händler-Adressen, Sammelfiguren und und und …

www.paninicomics.de
www.paninicomics.de/module/html/static/18/pv43.pdf

sfbasar: Herr Volkmer, Sie sind bekennender und begeisterter Comic-Fan und Sammler und dabei trotzdem – oder erst recht? – ein ernsthafter und erwachsener Mann. Wie nimmt heute Ihre Umgebung, also die Familie, Freunde und Nachbarn, Ihre Arbeit wahr?
SV: Also, ganz ehrlich „ernsthaft und erwachsen“ war eigentlich noch nie mein Ding. Das klingt mir schon viel zu langweilig, um es auch nur ausprobieren zu wollen. „Kreativ und etwas ausgeflippt“ gefällt mir deutlich besser. Von daher bin ich in meinem Umfeld eher ein Sonderfall und werde auch als solcher wahrgenommen. Aber ich verschaffe mir über mein Wissen, mein Auftreten und meine Erfahrung schon den notwendigen Respekt und kann mich in der Regel auch in einer Gruppe von Anzugträgern ganz gut behaupten. Da greift tatsächlich das „erst recht“ Prinzip: Menschen, die in der Comic-Branche arbeiten, werden ganz gerne unterschätzt und punkten dafür umso extremer. Um erfolgreich Comics zu machen und zu vermarkten, braucht man – wie überall in der Unterhaltungsbranche – einiges an Hintergrundwissen. Comics zu mögen und viele davon zu lesen ist wirklich nicht ausreichend.

sfbasar: Waren früher Comics ausschließlich für Kinder und Jugendliche gedacht, gibt es seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten, eine wachsende Fangemeinde im Erwachsenenalter. Trägt dies zur Anerkennung des Comics bei oder werden diese Erwachsenen als ewige Kinder betrachtet?
SV: Genau genommen waren Comics nie für Kinder gedacht. Obwohl es natürlich Comics für Kinder gibt, ist das Medium schon immer ein sehr erwachsenes gewesen. Wenn man sich die frühen Superhelden-Comics oder die Klassiker der franko-belgischen Schule wie zum Beispiel „Tim und Struppi“ anschaut, ist das doch sehr erwachsen. Nicht einmal die frühen Micky Maus-Comics waren wirklich kindgerecht. Aber in Deutschland hat man Comics wegen dem hohen Bildanteil gerne mit Bilderbüchern gleichgesetzt und dazu noch als verdummenden Schund abgetan. Ein national-geschichtliches Problem im Übrigen, da die Comics nach dem Weltkrieg als Kulturgut der Siegermächte zu uns kamen und von der Erwachsenengeneration als solche abgelehnt wurden, weswegen sie nur von der gegen ihre Eltern rebellierenden Jugend gelesen wurden. Comic als Kunstform hat hier erst in den letzten 10 bis 20 Jahren langsam Anerkennung gefunden und ist trotzdem immer noch weit davon entfernt, so akzeptiert zu sein, wie in den USA, Frankreich oder Japan – aber es wird besser.

sfbasar: Wo wir schon bei den Erwachsenen sind. Etliche Alben und Serien sind äußerst brutal (Punisher, Conan, Spawn), blutrünstig (Nekron, American Vampire, Jennifer Blood, The Walking Dead), sexistisch (Mangas, Manara, Black Cat) bis hart an der Grenze zur Pornografie. Und die genannten Beispiele sind nur einige aus der aktuellen Vorschau. Gibt es für Comics keine Altersbeschränkung, eine FSK-Angabe ähnlich wie bei Filmen?
SV: Comics zeigen keine Abbildung des Realen, wie Fotos und haben keine realen Protagonisten, wie Spielfilme. Sie sind die Verbindung von schreibender und bildender Kunst und damit Büchern und Gemälden näher als dem Film. Damit werden sie zurecht auch wie Bücher behandelt, für die es ja auch keine FSK-Angabe gibt, sondern bestenfalls Leser-Empfehlungen. Solche Altersempfehlungen schreiben die Verlage heute in der Regel auch auf ihre Comics, wo notwendig. Zudem wird über den Preis und die Vertriebsart gesteuert, an welche Käuferschaft sich ein Band richtet.  

sfbasar: Viele Comics sind wahre Kunstwerke und die Zeichner sind – zumindest in der Comic-Szene – berühmte Personen, doch außerhalb der Szene völlig Unbekannte. Würde man sie auf der Straße treffen, würde sich kein Mensch nach ihnen umdrehen. Was glauben Sie könnte der Grund dafür sein, dass diese Könner von der „normalen“ Bevölkerung nicht wahrgenommen werden? Leidet das Medium Comic immer noch unter dem Stempel Schund und kann o.g. Anteil an Erwachsenen hier immer noch nichts an diesem Vorurteil ändern?
SV: Wie bereits erwähnt, ist in Deutschland das „Schund“-Denken noch immer ein, wenngleich geringer werdendes, Problem. Aber auch in anderen Ländern werden Comic-Macher eher selten auf der Straße erkannt. Das ist aber kein auf die Comic-Szene bezogenes Phänomen, sondern eine Frage, wie jemand in der Öffentlichkeit steht und wie groß die Fangemeinde ist … Mal ehrlich: Wie viele Buchautoren, Regisseure oder Fotografen gibt es, die auf offener Straße erkannt werden? Erkannt werden die, deren Gesichter von den Medien transportiert werden und die davon leben: Das sind in erster Linie Schauspieler, Musiker und Models. Und selbst bei denen kommt es noch auf die Größe der Fangemeinde an. Und da hat auch die Comic-Szene ihre Superstars: Wenn zum Beispiel Simpsons-Erfinder Matt Groening irgendwo auftaucht, wird er immer erkannt.

sfbasar: Mir ist schon oft aufgefallen, dass viele Cover von den Könnern der zeichnenden Zunft geschaffen werden und wirklich atemberaubende und fantastische Bilder präsentieren, der Inhalt aber – ja, wie soll ich sagen? – von der 2. oder 3. Garde ausgefüllt wird. Sicher geschieht dies aus Kostengründen. Ähnlich war und ist dies bei Walt-Disney-Filmen und anderen Comic-Verfilmungen. Dort fällt es aber nicht auf, da eine gewisse Qualität immer gewahrt wird. Der Unterschied bei den gedruckten Comics ist aber oft gravierend. Ist das nicht Betrug am Kunden? Außen hui und innen pfui?
SV: Covergestaltung und Inhaltsgestaltung bei Comics sind zwei unterschiedliche Kunstformen innerhalb desselben Mediums, die jeweils von Spezialisten ausgeführt werden. Natürlich sind Cover ein Verkaufsargument und sollen bereits beim ersten Hinschauen ansprechen, das ist bei Büchern und Musikalben ja nicht anders. Die Zeichner, die die Innenseiten der Comics machen, sind aber alles andere als 2. und 3. Wahl. Sie haben das Können, Geschichten sequenziell und dynamisch umzusetzen. Wer Covers macht, ist eher ein Kunstmaler. Wann immer Comics ganz in einem solchen Stil gemacht wurden, waren sie zumeist statisch und zum unterhaltenden Lesen eher ungeeignet. Die Innenseiten folgen der Vorgabe, dass Bild, Text und Soundwords zu einer Einheit verschmelzen sollen – das kann ein „Gemälde“, auf dem das Auge betrachtend ruht, zumeist gar nicht erfüllen. Die Bilder sind also genau das, was sie sein sollen. Zudem liegt „gefallen“ ja immer auch im Auge des Betrachters.

sfbasar: Apropos Kosten. Hefte sind ja noch relativ preisgünstig, Alben, Hardcover und Sonderausgaben können aber unter Umständen so richtig ins Geld gehen. Ist dies der Zielgruppe Erwachsene geschuldet oder hat das nur etwas mit dem erzielbaren Gewinn zu tun?
SV: Preise sind zu einem Teil zielgruppenorientiert. Tatsächlich geht es bei den meisten Auflagen aber gar nicht anders, damit überhaupt ein kleiner Gewinn für den Verlag herausspringt. Comics sind wirklich ein aufwändig und teuer zu produzierendes Produkt.

sfbasar: Ein kräftiger Teil der Comics – wenn nicht gar der größte – wird durch Superhelden gestellt. Die Anzahl muskelstrotzender Heroen ist schier unendlich und von vielen gibt es auch noch Varianten. Zählt ein normaler Mensch nichts mehr? Kann ein normal Sterblicher denn keine Identifikationsfigur für Teenager und Erwachsene sein? Konkret: Ist es nur der Anblick dicker Muckies und praller Brüste und nicht mehr eine spannende Story, die einen Käufer zu einem Album greifen lässt?
SV: Da ist eigentlich die gesamte Aussage hinter der Frage falsch: Zum einen decken die Superhelden nicht den größten Teil der Comics ab, zum anderen sind sie selten Identifikationsfiguren für Teenager – da kommen wohl eher Bart und Lisa Simpson oder einige Manga-Helden in Frage, die nun wirklich nicht mit Traummaßen dienen können. Superhelden sind Popkultur und Zeitgeistspiegel. Die Künstler folgen natürlich Trends und Idealen der Gesellschaft. Schaut man sich die Superhelden in den 60er/70er Jahren an, so hatten die komplett andere Körper, andere Klamotten und andere technische Mittel. Außerdem muss einer der Fiktion den Anschein des Möglichen zu gegeben werden, damit sie funktionieren kann: Einem 200 Kilo Spider-Man würde niemand abnehmen, dass er sich am Netz von Hausdach zu Hausdach schwingt.

sfbasar: Dann mal eine Frage zu Handlungssträngen. Ein Superheld stirbt und die ganze Fangemeinde ist entsetzt. Logisch, dass der Held in einer der nächsten Ausgaben auf wundersame Weise wieder auftaucht, unverändert, geläutert, ins Gegenteil verkehrt, was auch immer. Aber er kehrt wieder. Wie oft lässt sich das wiederholen, bis es unglaubwürdig wird. Bis selbst Fans abwinken und sich anderen Helden zuwenden?
SV: Vermutlich nie. Die Fans wollen ja gar nicht, dass ihr Held stirbt. Aber er muss sich wandeln und ändern, damit man immer wieder neue Geschichten mit ihm erzählen kann. Genaugenommen sind Helden-Epen ja nichts anderes als Soaps mit Action.

sfbasar: Ähnlich befürchte ich dies bei Cross-Overn, also Auftritten von Helden in anderen Serien. Das Batman und Superman sich kennen, ist eine alte Sache. Und die Verquickung von Iron Man, Wolverine, Thor, Captain America und Konsorten zu den Avengers hat ja auch den Sprung in die Kinos geschafft. Haben Sie – oder die Zeichner, Verlage und Filmemacher in USA und anderswo – nicht Angst, dass sich das alles zu einem Brei vermanscht, den evtl. recht bald keiner mehr sehen will?
SV: Kaum. Wer in einer WG lebt, muss sich irgendwann begegnen und dann entweder etwas miteinander machen oder gegeneinander. Ob die WG da eine Studentenbude oder ein Universum ist, spielt keine Rolle … Aber es bietet immer Ansätze für neue Geschichten.

sfbasar: Brandaktuell wird in der Panini-Vorschau # 43 (Mai/Juni 2012) ein Relaunch des kompletten DC-Universums als DAS Sensations-Ereignis des Jahres behandelt. Ist das eine Konsequenz aus dem in der vorigen Frage angesprochenen Handlungschaos? Alles neu macht der Mai? Zurück auf Anfang? Konkret: Versprechen sich die Comic-Schöpfer dadurch nur neue Kundschaft oder ist wirklich mit neuen – und übersichtlicheren – Geschichten zu rechnen?
SV: Der Trend ging in den letzten Jahren tatsächlich zu immer komplexeren Geschichten, die immer nerdiger wurden und nur noch von wenigen Fans durchblickt werden konnten. Allerdings hatte sich die Fangemeinde da auch ein wenig isoliert. Dank der zahlreichen guten Verfilmungen hat sich die Leserschaft inzwischen wieder breiter aufgestellt, viele interessieren sich wieder stärker für die Superhelden. Dem trägt der Relaunch Rechnung, indem er Möglichkeiten für Neueinsteiger in die Geschichten bietet. Außerdem wurden die Helden optisch leicht überarbeitet, um zeitgemäßer zu sein und die Kreativen können ihre Geschichten losgelöst von alten Bürden erzählen, was zu wirklich erfrischenden Storylines geführt hat.

sfbasar: Die Synergie-Effekte von Buch/Film/Game/Comic sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden und sicher will sie niemand mehr missen. Ich habe aber den Eindruck, dass gerade hier die 2. oder 3. Garde an Autoren mehr gequält eine Handlung zusammenstrickt, als eine wirklich spannende Story zu erzählen. Stecken die in dem Dilemma fest, dass sie sich an die oft dürren Handlungen von Baller-Spielen halten wollen oder müssen? Ein Fan wird doch akzeptieren, dass die Szene aus dem Spiel stammt, die Story aber eine eigene – und eben möglicherweise fantastischere und spannendere – Geschichte erzählt, als es das Baller-Originial je vermocht hätte.
SV: Die Frage erscheint mir reichlich konstruiert, um die Qualität der Geschichten generell herabzuwürdigen. Das ist sicher nicht der Fall. Es gibt wie in jedem Medium natürlich bessere und schlechtere Storys – dass nun aber Medien übergreifende Geschichten per se schlechter sein sollen, ist soweit ich das beurteilen kann nicht richtig.

sfbasar: Moderne TV-Serien wie LOST, Fringe, sogar 24, die Endlos-Serie Stargate, leiden m. M. nach darunter, dass sie zu keinem Ende kommen. Es ist für Zuschauer schlichtweg unbefriedigend, wenn eine anfangs spannende Serie sich nicht auf irgendeine Art und Weise auflöst, erfüllt. Die Erscheinungsperioden von einer Sendung wöchentlich deckt sich einigermaßen mit dem Erscheinungsmodus von gleichartigen Comicserien. Hier die angepeilte Kundschaft bei der Stange zu halten, wird in Zeiten massenhafter Veröffentlichungen immer schwieriger. Z. B. hat man bei „Game of thrones“ zu dem Trick gegriffen, alle 10 Folgen der ersten Staffel an einem Wochenende zu bringen. Verlage lösen dieses Problem manchmal mit dem gleichzeitigen oder sehr raschen Erscheinen einer Trilogie oder Miniserie. Liegt hier eine Chance, verlorenes Publikum zu einem überschaubaren Kauf zu animieren?
SV: Die Veröffentlichungsart hat in Deutschland eher etwas mit den Vertriebswegen und Verkaufskoordination zu tun. Außerdem ist hierzulande das Tradepaper-Format (gerne auch als Sammelband bezeichnet) die beliebteste Comic-Art bei den Lesern, das hat sich über die Jahre so entwickelt, und die enthält eh schon mehrere Teile einer Serie.

sfbasar: Die Tricktechnik in Filmen ist mittlerweile so fantastisch, dass alles, was sich ein Kreativer vorstellen kann, auch filmisch realisiert werden kann. Bei Zeichnungen – ja, wirklichen Comic-Kunstwerken – war dies schon immer der Fall. Trotzdem erschlägt einen sowohl im Film als auch im Comic das Bild. Die Handlung und eine gute und nachvollziehbare Geschichte scheint immer mehr in den Hintergrund zu treten. Oft ist man geplättet vom Bilderrausch und fühlt sich trotzdem hinterher leer und ausgelaugt. Wie läuft aus ihrer Erfahrung die Zusammenarbeit von Zeichner und Texter? Diskutieren die vorher einen Plot, die Handlung, verschiedene Handlungsstränge, ein Auf und Ab der Story? Oder malt einer drauflos und hofft, dass jemand daraus eine Story strickt?
SV: Die in der Frage enthaltene Kritik kann ich so nicht teilen und ist wieder enorm generalisierend. Sicher ist aber, dass sich die Kreativen im Comic-Business sehr genau und viel absprechen, zumindest soweit ich das kennenlernen dürfte.

sfbasar: Jetzt mal eine Frage, die Ihnen vielleicht nicht gefallen wird: Seit einigen Jahren wird ein Gratis-Comic-Tag veranstaltet. Mit 30 angekündigten Titeln! Ich bin sicher kein Schmarotzer und habe mich gewundert, wie sich die Verlage so etwas leisten können. Ich habe letztes Jahr einen teilnehmenden Comicladen besucht und mir die angebotenen Hefte angesehen … und war maßlos enttäuscht. Anstelle irgendeines kompletten Heftes (auf ein Album hatte ich ja gar nicht gehofft oder es erwartet) fand ich kleine dünne Heftchen vor, die mehr oder weniger erweiterte Werbeprospekte waren. Der Inhalt hatte mitunter einige gute Seiten, trotzdem war es eben nicht mit den üblichen Heften und Alben vergleichbar. Warum macht man sich diese Mühe, enttäuscht manche Kunden und gibt nicht – sagen wir mal – unverkaufte, ältere  Exemplare als Gratis-Heft aus? Meinetwegen pro Kunde nur 1 Exemplar. Das wäre doch fair und sie würden sich die Druckkosten diese Extraheftchen sparen.
SV: Der Gratis-Comic-Tag ist eine Promotion-Aktion der Verlage für den Handel und für die Szene. Dabei geht es auch um die Vorstellung neuer Themen und darum, durch ein konzertiertes Event den Zulauf zu den Comic-Shops anzukurbeln. Das Ganze ist sehr erfolgreich und hat bisher fast nur positive Reaktionen von allen Seiten, insbesondere der Fans hervorgebracht, sonst hätte man den GCT nicht weitergemacht. Aber natürlich kann man es niemals allen recht machen.

sfbasar: Wie stehen Sie, bzw. der Panini-Verlag zur aktuellen Internet-Diskussion um ausgehebelte Urheberrechte und kostenlosen Zugang zu allem? Wenn die Kreativen nicht für ihre Arbeit bezahlt werden, wird es bald keine Kreativen mehr geben; sie werden verhungern. Oder sehen Sie das ganz anders?
SV: Leider wurde das Internet zu Beginn als „Free Content“-Plattform aufgebaut. Daher ist es für die User sehr schwer, sich an Bezahlsysteme zu gewöhnen. Trotzdem vertreten wir natürlich den Standpunkt, dass man für eine erbrachte Leistung auch im Net entlohnt werden sollte. Dabei darf aber die generelle Freiheit im Internet aber nicht beschnitten werden. Es geht nun darum, die Fans nach und nach umzugewöhnen und funktionierende Bezahl- und Sicherungssysteme für die Inhalte zu entwickeln. Staatlich verordnete Verbote und Beschneidungen, die viel zu leicht zu einer generellen Kontrolle führen, sind nach meiner Ansicht der falsche Weg.  

sfbasar: Konkret: Gibt es in Ihrem Genre Comic illegale Internet-Nutzung, Missbrauch und Verbreitung, die Sie rechtlich verfolgen?
SV: Es gibt einzelne Fälle, aber keinen der uns betrifft. Die Comic-Branche allgemein ist davon bislang noch weitestgehend verschont. Zum einen wohl, weil bei der Fangemeinde der Sammelwunsch recht hoch ist, zum anderen gibt einem ein eingescannter Comic nur wenig Lesefreude. Das ist schon anders als bei anderen Medien.

sfbasar: Wie sehen Sie die Zukunft des gedruckten Comics? Interaktive Hefte á la Harry-Potter-Zeitungen mit bewegten Bildern? Oder elektronische Bücher, also E-Books? Überhaupt: Ein E-Book kann ich ohne rechtliche Probleme nicht weiterverkaufen, noch nicht einmal auf einem Trödelmarkt; ein gedrucktes Heft oder Album schon. Geht mein E-Reader kaputt, geht jeglicher Inhalt verloren und ich müsste mir alle meine Comic-Alben neu kaufen. Wer tut sich das ernsthaft an? Ist das wirklich die Zukunft?
SV: Es gibt für Comics noch wenig wirklich gute „Reader“ … um einen Comic richtig genießen zu können, muss man seine eigene Lesegeschwindigkeit haben. Das funktioniert bislang eigentlich nur, wenn man den Comic in der Hand hält und blättern kann. Aber die technische Entwicklung geht weiter und es wird immer mehr e-Comics geben und auch Weiterentwicklungen, die Zwischendinge zwischen klassischem Comic und Animation sind, speziell fürs Net. Und auch die Fangemeinde für digitale Comics wird wachsen, da gibt es keine Zweifel. Persönlich glaube ich aber, dass im Comic-Genre eine funktionierende Koexistenz von Print und Digital möglich ist, sich vielleicht sogar Synergien ergeben. Ansätze dafür gibt es bereits, aber man muss abwarten, was sich da in den nächsten Jahren tut.

sfbasar: Herr Volkmer, herzlichen Dank für Ihre sehr aufschlussreichen Antworten. Wir wünschen Ihnen für die Zukunft viel Erfolg und alles Gute.
SV: Gerne. Danke.

Copyright © 2012 by Werner Karl und Steffen Volkmer

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Brigitte Pons – interviewt von Iris Gasper

Erstellt von Galaxykarl am 13. Januar 2012

Interview mit Brigitte Pons

sfbasar: Liebe Brigitte Pons, zunächst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Zum Einstieg würde es mich interessieren zu erfahren wie du überhaupt zum Schreiben gekommen bist und welche Hürden zu überwinden waren um einen Verlag für eine Veröffentlichung zu finden.
Brigitte Pons: Zum Schreiben kam ich durch meine Einschulung (lächelt) oder zumindest nicht lange danach. Meine Phantasie war schon immer mächtig, ich las was ich kriegen konnte und ich liebte Schreibaufgaben in der Schule. Aufsätze, Referate – das war mein Ding! Auch damals hat mich oft die Recherche begeistert.  Eine Zeit lang schrieb ich Gedichte – es gruselt mich heute noch, wenn ich eines davon wieder finde. Mein Talent liegt offenkundig nicht im Bereich der Lyrik (lächelt) und glücklicherweise habe ich den Versuch auch weitgehend beendet. Mein Traum war immer der eigene Roman. Einige Jahre trat, durch das ganz normale Leben, der Wunsch zu Schreiben in den Hintergrund. Dann entdeckte ich ein angefangenes Manuskript im Schrank und mein Ehrgeiz war geweckt. Ich wollte endlich etwas zu Ende bringen. Die Verlage haben darüber nicht mal gelacht, die meistens gar nicht erst geantwortet. Genau wie bei meinem zweiten Projekt, einem Entwicklungsroman mit über siebenhundert Seiten. Ich lernte. Wie man Niederlagen einsteckt, wie man Exposés schreibt und Kurzgeschichten. In der Hoffnung, mir auf diesem Sektor ein bisschen „Ruhm“ erarbeiten zu können, stürzte ich mich an die Kurzform. Ich, die ich nie etwas anderes als megadicke Wälzer produzieren wollte! Aber in gewisser Weise hat es funktioniert. Durch die „Kurzen“ kamen die ersten Lesungen und Veröffentlichungen, ich verfeinerte meinen Stil und übte mich im weglassen überflüssiger Worte. Parallel dazu entstand „Ich bin ein Mörder“. Und dann ging das Absagensammeln weiter. Der Markt ist hart, die Verlage setzen auf Bewährtes. Nach einem Jahr gab ich auf, um nach einem weiteren Jahr, nach dem Hinweis, dass der Sutton-Verlag tatsächlich Krimi-Manuskripte von „No-Names“ sucht, einen letzten Anlauf zu starten. Und ich wurde belohnt. Die Hürden waren also vielfältig. Nichts geht ohne lern- und leidensfähig zu sein, ohne Geduld, Hartnäckigkeit und ein gerüttelt Maß an Starrsinn.

sfbasar: Bei deinem Debütroman „Ich bin ein Mörder“ handelt es sich um einen Kriminalroman. Ist dies das Genre in welchem wir zukünftig noch mehr Bücher von dir erwarten dürfen oder bist du da völlig offen?
Brigitte Pons: Obwohl ich ein friedfertiger Mensch bin, schaffe ich es nur selten beim Schreiben ohne Leichen auszukommen. Die nächsten Projekte sind also ebenfalls Kriminalromane. Wobei ich mich eigentlich gar nicht so gerne auf ein Genre festlegen lasse. Nur leider fordern Verlage, Buchhändler, oder sagen wir das, was man allgemein den „Markt“ nennt, genau das: eine eindeutige Zuordnung in eine Genreschublade. Bei Kurzgeschichten ist es leichter die Grenzen zu sprengen, aber Kurzgeschichten an sich sind ja sowieso eher „Nischenprodukte“.
Insgesamt gesehen halte ich es, was Prognosen betrifft, mit James Bond: „Sag niemals nie.“ Oder auch mit Tobias Stockmann, der mal sagte: „Deine Zukunft ist noch offen.“

sfbasar: Im Buch geht es um einen Schriftsteller, der von sich behauptet selbst ein Mörder zu sein und die Taten, die er in seinen Büchern beschreibt, selbst begangen zu haben. Wie kommt man auf eine solche Idee und steckt auch etwas von dir selbst in deinem Protagonisten Tobias Stockmann?
Brigitte Pons: Meistens kann ich gar nicht so genau sagen, woher eine Idee kommt. In diesem Fall ist das etwas anders. Da kamen einige Faktoren zusammen. Der erste Ansatz war die Frage, ob ich aus der Sicht eines Mörders schreiben könnte. Wie weit ich in der Lage wäre, mich in seine Denkweise hineinzuversetzen. Dann folgte die Überlegung, wieso jemand überhaupt zum Mörder wird. Ich hätte mich ganz sicher nicht auf jeden Mörder in dieser Form einlassen können. Ursprünglich war es nämlich meine Absicht, tatsächlich den ganzen Roman aus seiner Sicht zu schreiben. Rückblickend stimmt mich das schon fast bedenklich, für welche Art Mörder ich mich entschieden habe. Vielleicht sagt das mehr über mich aus, als mir lieb sein kann. Wer weiß? Ich habe definitiv ein Faible für Menschen mit außergewöhnlichen und vielleicht verqueren Denkmustern und eben auch für Autoren (die Schnittmengen sind beachtlich). Daher war der Gedanke einen Autor zum möglichen Mörder zu machen nahe liegend und die Verarbeitung der Morde im Roman auch. Genau genommen ist es ja noch komplizierter – doppelt verschachtelt. Denn Tobias Stockmann sagt nie von sich, dass er ein Mörder ist! Es ist nur der Mörder in seinem Roman, der als Schriftsteller über seine Morde schreibt … Wir haben es hier also noch mit einer zusätzlichen Ebene zu tun. Manchmal wird mir selbst schwindelig, wenn ich drüber nachdenke.
Die Frage „Wie viel vom Autor steckt im Buch“ hat sich sicher fast jeder Leser schon mal gestellt. Ich habe sie hier nur auf die Spitze getrieben.
Wenn ich zum zweiten Teil der Frage Tobias Stockmann zitieren darf, dann mit folgender Aussage: „Ja, es verbindet mich vieles mit meinem Mörder. […] Ein Schriftsteller gibt immer einen Teil seiner selbst, wenn er schreibt.“
Auch wenn man sich große Mühe gibt eigenständige Figuren zu erschaffen, kann man es kaum vermeiden, sich selbst mit einzubringen. Wobei nicht jede Person in gleichem Maße „Autoren-Ego“ enthält – und dieses witzigerweise oft an Stellen vermutet wird, wo es nicht zu finden ist. Ich gebe zu, dass viele der doch streitbaren Überlegungen Tobias Stockmanns mich selbst faszinieren und ich mich regelrecht in einen Rausch formuliert habe. Dennoch ist es nicht meine persönliche Überzeugung, die hinter seinen Worten steckt. Unsere sehr intime Verbindung erklärt sich in der Frage zu Friedrich Dürrenmatt.

sfbasar: Friedrich Dürrenmatt spielt eine große Rolle in deiner Geschichte. Hast du eine besondere Beziehung zu diesem Schriftsteller?
Brigitte Pons: Allerdings. Auch hier könnte ich Tobias zitieren. Denn tatsächlich ist Dürrenmatt die engste Verbindung zwischen ihm und mir. Im Jahr 1986 legte ich meine mündliche Abiturprüfung im Fach Deutsch über das Werk Friedrich Dürrenmatts ab – genau wie er. Ein Vergleich der Romane „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“. Eine Lektüre mit Spätfolgen, wie man sieht. Ich mochte die Bücher nicht wirklich, habe sie in meinem Kopf als schwarz-weiß Film gesehen (was mich wiederum mit Mischa verbindet), aber die Hintergedanken, die Kunstkniffe, die Frage nach dem „perfekten Verbrechen“, der Gedanke des Nihilismus haben mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Bis heute. Meine Deutschlehrerin fand diese Entwicklung im Übrigen höchst amüsant. Ich habe mich rund zwanzig Jahre nach dem Abitur auf die Suche nach ihr gemacht, als ich den Vertrag für das Buch in der Tasche hatte. Sie hat es gelesen – und sie redet immer noch mit mir.

sfbasar: „Ich bin ein Mörder“ ist ja in gewisser Weise auch ein Regionalkrimi. Er spielt in Frankfurt und wer sich dort auskennt oder dort lebt, wird sicherlich viele Ecken im Buch wieder entdecken. Wie regional empfindest du persönlich deinen Krimi?
Brigitte Pons: Prinzipiell bin ich kein hundertprozentiger Freund von Regio-Krimis und eigentlich bin ich mit der Einordnung meines Buches in diese Sparte auch nicht ganz glücklich. Natürlich steckt viel Frankfurt im Buch und ja, es gibt Ecken mit Wiedererkennungseffekt – aber das halte ich für normal bei jeder Geschichte, die in einer realen Stadt angesiedelt ist. Ein paar kleine „Insider“-Hinweise sind natürlich zu finden. Aber ich habe versucht die Balance zu halten und nur dann stärker auf die Umgebung einzugehen, wenn es sich aus dem Kontext ergibt und nicht „auf-Teufel-komm-raus“ Stadthistorie und Besichtigungstouren einzubauen. Das sind Passagen, die ich selbst als Leser schon mal gerne überspringe. Meine persönliche Nähe zu Frankfurt war ausschlaggebend dafür, die Geschichte dort anzusiedeln, weil es die Recherche einfach macht. Die besondere bauliche Konstellation mit den Brücken über den Main, den passenden Reviergrenzen und die Verbindung der Stadt zu Goethe haben mich inspiriert und den Roman geprägt. Wäre eine andere Stadt Ausgangspunkt gewesen – wer weiß, wie meine Figuren sich dann verhalten hätten?

sfbasar: Du bist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern. Was habe ich mir als Leser unter diesem Netzwerk vorzustellen und wie hilft dir deine Mitgliedschaft dort beim Schreiben?
Brigitte Pons: Die „Mörderischen Schwestern“ sind sehr unterschiedliche Menschen, die mindestens zwei Dinge verbinden: Sie sind weiblich und sie lieben Krimis! Und genau darum geht es: Um die Förderung des deutschsprachigen – von Frauen geschriebenen – Krimis. Was trocken klingt, aber nicht ist. Das Netzwerk bietet den Austausch zwischen Fachleute und Laien, Anfängern und Fortgeschrittenen, Autoren, Lesern, Buchhändlern, Verlegern, Ärzten, Juristen, Psychologen … die sich unabhängig machen von der allgemeinen Ellbogenmentalität und sich gegenseitig unterstützen. Sei es bei der Recherche, bei der Verlagssuche oder der Fortbildung. Wir geben einander Tipps zu Ausschreibungen, informieren über rechtliche Belange, veranstalten gemeinsam Lesungen, Seminare und schaffen gemeinsam mehr öffentliche Aufmerksamkeit für Autorinnen und ihre Krimis. Und nicht zuletzt: Wir geben Halt bei Niederlagen und freuen uns miteinander über Erfolge!
„Ich bin ein Mörder“ ist noch vor meiner Zeit als Schwester entstanden, aber für ein neues Projekt habe ich mir Unterstützung geholt. Einige Schwestern haben eine aktuelle Romanrohfassung gegengelesen und mir wichtige Hinweise gegeben.

sfbasar: Wie gehst du vor, wenn du schreibst? Steht schon zu Beginn ein grobes Konzept fest oder schreibst du einfach drauf los?
Brigitte Pons: Das kann ich nicht so ohne weiteres eindeutig beantworten. Zu Anfang schrieb ich, nun ja, sagen wir mal freestyle (lächelt). Die Ideen kullerten aus meinem Kopf und ich textete wild drauflos – eine Szene vom Anfang, eine vom Ende, ein bisschen für den Mittelteil – bis mir die Puste ausging. Dann fing ich an zu sortieren. Natürlich hatte ich eine grobe, große Idee – aber die war eher vage irgendwo in meinem Bauch angesiedelt. Und nun musste ich die vielen Teile zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügen.
Seit einiger Zeit versuche ich mich soweit selbst zu disziplinieren, dass ich in dem Moment, wenn die Ideen sprudeln, das Gesamtkonstrukt dahinter in Worte zu fassen versuche. Das ist manchmal sehr mühsam, weil ja der Schreibtrieb etwas ganz anderes von mir will. Aber es hilft später sehr bei der Umsetzung, damit man den berühmten „roten Faden“ nicht verliert.
Noch schlimmer ist es, seit ich einen Agenten habe, der jede Idee am liebsten sofort als Exposé und mit detaillierter Kapitelbeschreibung von mir haben will. Fertig durchdacht mit allen Kehrtwendungen und Verstrickungen. Ein bisschen ist das wie Folter – aber ich bin ihm wirklich auch dankbar dafür – schließlich lenkt er so mein kreatives Schreibchaos in einigermaßen geregelte Bahnen.

sfbasar: Hast du schon ein neues Buchprojekt in Planung oder Vorbereitung und darf der Leser mit einer Fortsetzung von „Ich bin ein Mörder“ rechnen?
Brigitte Pons: Nach dem Buch ist vor dem Buch! Wenn ich ehrlich bin, könnte es sofort weitergehen mit der nächsten Veröffentlichung. Ein Krimi ist zur Begutachtung unterwegs in der Verlagswelt, einer zur Hälfte fertig, ein Konzept geschrieben und nebenbei ist als skurriler Selbstversuch (In-achtzig-Tagen-zum-Manuskript) ein schräger Frauenroman entstanden, der auf seinen großen Tag wartet. Und der dicke Entwicklungsroman aus meinen Anfängen, will auch noch irgendwann an die Öffentlichkeit.
Ob es einen weiteren Roman mit den Protagonisten aus „Ich bin ein Mörder“ geben wird, weiß ich noch nicht. Die Story müsste mich schon mit Macht überfallen und ein Kracher sein. Einen müden zweiten Aufguss wird es nicht geben, dass will ich niemandem zumuten. Weder mir, noch den Lesern – oder meinen Figuren, dazu liebe ich sie viel zu sehr.

sfbasar: Zum Abschluss möchte ich dich bitten, die folgenden Satzanfänge zu ergänzen:

Buchstaben sind … ungeschriebene Worte.
Worte sind … ungeschriebene Geschichten
Bücher sind … im besten Fall Freunde, die uns bewegen und lange begleiten.

Copyright © 2012 by Brigitte Pons und Iris Gasper

Rezension des Buches auf www.buchrezicenter.de

http://buchrezicenter.filmbesprechungen.de/genres/krimi/ich-bin-ein-morder/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Weitere Infos über: www.facebook.com/BrigittePons.Autorenseite
Kontakt: brigittepons@web.de

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Klaus Müller – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 15. Dezember 2011

Interview mit Klaus Müller

sfbasar: Herr Müller, leider gibt es in Deutschland sehr viele Männer mit gleichlautendem Namen, was mir die Recherche für dieses Interview nicht gerade leicht gemacht hat. Auch auf der Verlagsseite findet sich eine nur sehr spärliche Vita von Ihnen. Welcher Mensch steckt hinter (diesem) Klaus Müller?
KM: Zum Glück gibt es nur Männer und nicht auch noch Frauen mit diesem Namen! Manchmal kommt es mir fast so vor. Hinter mir steckt eigentlich gar nicht so viel, eher davor. Ich trage mein Anliegen, die menschliche Verkörperung der sozialen Marktwirtschaft geradezu wie ein Banner vor mir her. Daneben bin ich ein Familienmensch, der allerdings als ehemaliger Anwalt und Autor geistig so oft in eigenen Dimensionen unterwegs ist, dass meine Frau gelegentlich in Versuchung gerät, mich als verheirateten Single wahrzunehmen. Tatsächlich gestaltet es sich nicht einfach, in realen und fiktionalen Welten gleichermaßen zu funktionieren, eine Last, die letzten Endes auch meine Kinder austarieren müssen.

sfbasar: Den wenigen Daten kann man entnehmen, dass Sie gelernter Jurist sind und in entsprechenden Fachzeitschriften Rezensionen veröffentlicht haben oder noch tun. Welche Themen interessieren Sie hier besonders?
KM: Mein Themenschwerpunkt als aktiver Anwalt war immer das Handels-, Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht mit dem Schwerpunkt auf dem Recht der Kapitalgesellschaften. Im Strafrechtlichen haben mich immer die besondere Intelligenz hinter bestimmten Vermögensstraftaten sowie die menschlichen Motive hinter Kapitalverbrechen interessiert.

sfbasar: Jedes anspruchsvolle Wirtschaftsunternehmen beschäftigt eigene Juristen oder arbeitet mit Fachkanzleien zusammen. Wie sieht Ihr Tagesablauf aus und welche Bandbreite an Aufgaben müssen/dürfen Sie hier bewältigen?
KM: Inzwischen habe ich mich ja aufs Schreiben verlegt. Aber bis dahin war mein Job der eines geschäftsführenden Seniorpartners einer kooperationspartnerschaftlich verzweigten Rechtsanwaltssozietät in Zusammenarbeit mit vorwiegend kapitalgesellschaftlich organisierten Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern. Der Seniorpartner vertritt seine Organisation vorwiegend nach außen, regelt die Zusammenarbeit der Beteiligten und ermittelt in Zusammenarbeit mit ihnen die Richtlinien, nach denen die Kanzlei vorgeht. Dazu gehörte auch die tägliche Konferenz der Partner, in der über den Stand der Dinge unterrichtet, diverse Probleme erörtert und Strategien „ausbaldowert“ werden. Ansonsten hat er – im besten Falle – das letzte Wort und ein besonderes Veto.

sfbasar: Neben dem aktuellen Buch „Deutschland – Deppenland?!“ sind Sie Autor weiterer Bücher. Leider konnte auch hier das angeblich allwissende Internet keine gesichert auf Sie zurückführenden Titel aufzeigen. Wie lauten die Titel Ihrer Bücher und welche Themen behandeln Sie in ihnen? Sind es ausschließlich Sachbücher?
KM: Nein. Allerdings sind meine zuletzt im MEDU Verlag erschienenen Titel „Deutschland – Deppenland?!“ und „Die verkaufte Generation“ so etwas wie populistische Sachbücher, die neben der Faktenlage auch eigene Analysen, Meinungen und Befindlichkeiten wiedergeben. Ganz wie im richtigen Leben! Daneben befasse ich mich mit philosophisch angehauchten Themen, diversen Romanen, und allen möglichen weiteren Themengebieten bis hin zu reinen Spaßbüchern.

sfbasar: Nun sind Sachbücher per se nicht unbedingt Bestseller, wenn man einmal von Sarazzins letztem – und wie ich meine schrecklichem – Erguss absieht und auch Reiseführer und Kochbücher ausklammert. Zusätzlich ist Sachpolitik und Selbstkritik nicht jedermanns Sache. War es schwer, für fast 500 Seiten geballte Kritik einen Verlag zu finden?
KM: Erdenklich schwer, da viele Lektoren sich insgeheim zu Höherem berufen fühlen, insbesondere zum Kritiker. Der Wunsch alleine vermag indes die Sachkompetenz nicht zu ersetzen. Besondere Bedeutung in Sachen Erschwernis kam dabei der Selbstbetroffenheit der Lektoren zu, die sich an manchen Stellen selbst übel auf den Schlips getreten fühlten.

sfbasar: Nun wirft man uns Deutschen ja fast weltweit vor, wie seien die ewigen Nörgler und Jammerer. Und tatsächlich möchte man manchmal gut bezahlten Leuten entgegnen, dass sie auf hohem Niveau leben und trotzdem unzufrieden sind. Das Prinzip Prinzessin-auf-der-Erbse. Stimmen Sie diesem Vorurteil zu?
KM: Eine „blonde“ Prinzessin hätte es vielleicht nicht einmal bemerkt, aber schon rein mathematisch geht für viele die monatliche Rechnung nicht auf. Was nützt es, wenn man keine schmutzige Kohle mehr schleppen muss, aber die tolle Gasheizung nicht mehr bezahlen kann? Nicht das Anspruchdenken der Einzelnen an den Lebensstandard ist gewachsen, sondern die finanziellen Ansprüche, die an ihn gestellt werden. Von der Bildung über die Computerisierung bis hin zur Arbeitsplatzmobilität. Für viele Bürger in unserer Gesellschaft ist die Teilhabe daran alles längst unbezahlbar geworden. Und es trifft, von einigen Ausnahmen abgesehen, fast alle, nicht nur die Armen, auch die heutige Mittelschicht. Vor vier Dekaden musste man das 17-fache eines Durchschnittseinkommens erwirtschaften, um dem Einkommenssteuer-Höchstsatz zu unterfallen, heutzutage reicht das 2,5-fache.

sfbasar: Natürlich darf man Korruption, Misswirtschaft, Klüngelei und dergleichen Dinge mehr nicht kleinreden und schon gar nicht ignorieren. Und Sie zeigen ja nicht nur Mängel auf, sondern bieten auch Lösungsvorschläge an. Glauben Sie, dass aus der Riege der Verantwortlichen sich jemand auch nur einen einzigen Ihrer Punkte zu Herzen nimmt?
KM: Privat weiß jeder, was er verbricht. Aber jeder ist in diesem aktiven Verdrängungsprozess sich selbst der Nächste und jeder macht mit im Spiel gegen die Angst. So ähnlich hatten wir das ja schon einmal … Egal, ob in Versicherungen oder Banken, in der Werbung oder in all den Callcentern, ob in der Politik oder der Verwaltung. Jeder bescheißt so gut er kann, entweder direkt für sich oder über den Arbeits- oder Auftraggeber indirekt für sich.

sfbasar: Nun bearbeiten Sie in „Deutschland – Deppenland?!“ mehr oder weniger alles: Politik, Wirtschaft, Militär, Religion. Woher haben Sie die dafür zugrunde liegenden Daten? Aus den Medien? Aus Studien?
KM: Aus Medien, Studien und öffentlichen Statistiken, aus der Gegenüberstellung und Zuordnung dieser Daten, vor allem aber aus anwaltlicher Erfahrung und dem Abgleich des Individuellen mit dem Kollektiven.

sfbasar: Es fällt auf, dass Sie keinerlei Tabellen, Zahlen, Fakten aufführen. Fürchten Sie nicht den Vorwurf, dass Sie dieses oder jenes nur behaupten und nicht belegen können? Wiegt gesunder Menschenverstand Tonnen von – vielleicht absichtlich verwirrendem Zahlenmaterial – auf?
KM: Einer alten Weisheit zufolge sollte man keiner Statistik trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. So halte ich es auch. Es geht in der Tat um den gesunden Menschenverstand und damit um das Tendenzielle und nicht um Absoluta. Jeder weiß es, und jeder, der Zahlenspielchen verlangt, hat bereits seine eigenen Fälschungen in der Tasche. Es geht um Gier, nicht um Zahlen. Und ob sie nun von zehn oder zwölf Autos überrollt worden ist, ist für die Leiche auch schon egal.

sfbasar: Ich unterstelle Ihnen ein gerüttelt Maß an hoher Allgemeinbildung, sensibler Aufmerksamkeit und den Scharfsinn, Dinge zu hinterfragen. Aber wie schreibt man so ein Buch? Hat Sie hier die Wut gepackt und Sie haben sich all Ihren Ärger, evtl. auch Frust und Angst von der Seele geschrieben?
KM: Natürlich hat mich die Wut gepackt. Ich habe nicht gerade Schaum vor dem Mund, aber was die deutsche Politik ihren Bürgern zumutet, das ist schon ungeheuerlich. Die Fehler, die „oben“ allüberall täglich fabriziert werden, müssen die ganz „unten“, jeder für sich alleine, Tag für Tag ausbaden. Um die Größenordnung klar zu machen: Circa 90 Prozent der Deutschen weist keine positive Vermögensbilanz aus. Das ist doch mal eine Hausnummer, oder? Als Wirtschaftsanwalt bin ich eigentlich angetreten, um den Kapitalismus und die soziale Marktwirtschaft im Volk zu unterstützen, aber nicht, um ein Unternehmen nach dem anderen abzuwickeln. Aber die Ordnung in diesem Lande sieht vor, dass derjenige, der sich gegenüber seiner eigenen Volkswirtschaft fair verhält, zwangsläufig untergehen muss.

sfbasar: Im Untertitel steht der Hinweis: „… im Lande der Dichter und Denker“. Wenn man Ihr Buch gelesen hat, täglich Nachrichten hört und aus der PISA-Studie erfährt, dass im Durchschnitt jeder Deutsche nur 2,5 Bücher pro Jahr liest, könnte man tatsächlich verzweifeln. Es scheint so, dass immer weniger Menschen wirklich über die Dinge um sie herum nachdenken. Fühlen Sie sich hier einsam und hoffen auf ein kleines Schärflein Mitstreiter?
KM: Die Versäumnisse der Schüler sind in Wahrheit Versäumnisse der Lehrer – sie zeigen sich eben nur bei den Schülern. Und das Verschulden der Erwachsenen ist wohl auch ihrer täglichen Existenzangst zuzuschreiben, der sie mit Verdrängung und Resignation statt mit Aufarbeitung begegnen. Trotzdem bin ich natürlich über jede einzelne Person froh, die sich möglichst unvoreingenommen dem Wohl unseres Landes und seiner Bürger widmet. Leider stellen sie zumeist ihre Fähigkeiten in den Dienst einer Organisation, innerhalb derer sie auf ein schnelles Emporkommen hoffen und so selbst anfällig für „Nettigkeiten“ werden. Ich selbst bin weder Vereinsmeier noch everybodies darling. Als überparteilicher, aber parteiischer Zeitzeuge lasse ich mich – trotz zahlreicher Anfragen – auch vor keinen parteipolitischen Karren spannen. Natürlich hat man mehr Feinde als Fans, wenn man sich in verschiedenen Gebieten mit seiner Kritik austobt und jeder irgendwann mit seinen spezifischen Dummheiten an der Reihe ist. Es ist nun einmal so: Irgendwo trifft man jeden. Weil es einfach so ist, weil das ganze Land mitmacht. Allerdings kann ich nicht in die Rolle des Papstes schlüpfen, der hier zur Exkulpation schreitet, dafür ist es noch viel zu früh. Am Ende stehe ich also zumeist alleine da und ein paar lachende Freunde in der Sache würden mir ganz gut tun.

sfbasar: Wir existieren in einer schnelllebigen Zeit. Oft könnte man meinen, die Zeit rast und die Dinge – meistens die Negativen – überschlagen sich. Die amerikanische Immobilienblase wurde zur Wirtschaftskrise, die Versäumnisse der Vergangenheit, die eigenen Fehler und die unserer europäischen Nachbarn bescheren uns eine hammerharte Finanzkrise, die nicht nur den gesamten Euroraum erfasst, sondern sich wie ein Flächenbrand ausweitet. Müssten Sie nicht schon wieder ein neues Buch schreiben? Die fast täglichen Hiobsbotschaften sind schneller als jede Druckmaschine. Kommen wir mit dem Denken der Realität nicht mehr hinterher?
KM: Heutzutage wird Kompliziertheit mit Kompetenz, Bildung mit Intelligenz, Einfachheit mit Dummheit und Effektivität mit einem Mangel an Intellekt verwechselt. Was will man da erwarten? Im Übrigen haben wir weder eine Finanzkrise noch eine Eurokrise. Dem Euro ist das, was zur Zeit geschieht nämlich völlig egal. Wir haben nur eine Wirtschaftskrise, und zwar da, wo sie in Europa schon immer war. Warum? Weil man wirtschaftlich Äpfel mit Birnen vergleicht und die Birnen nun das Anspruchsdenken der Äpfel angenommen haben. Haben Sie je von irischen, portugiesischen oder griechischen Technik- oder Wirtschaftserfolgen gehört? Warum sollten die sich jetzt einstellen? Wenn die keine Küste, schönstes Urlaubswetter und Tourismus hätten, dann wären die nicht einmal auf der Landkarte. Und die Banken machen dank ihrer, von Lobbyisten eingebrachten, beabsichtigten Gesetzeslücken das Geschäft ihres Lebens. Früher hätte man die beteiligten Politiker samt Bankern wegen Hochverrats an die Wand gestellt. Ansonsten verhalten sie sich wie Kapitalisten. Ein Unternehmer darf zwar sozialistisch denken, muss aber unternehmerisch handeln. Ein Politiker in einem Sozialstaat muss unternehmerisch denken, aber sozialistisch handeln.

sfbasar: Ich bin wahrlich kein Angela-Merkel-Fan, aber ihre bis zu dieser Stunde (15.12.11) noch aktuelle Ablehnung von Euro-Bonds, nach Baroso jetzt „Stabilitäts-Bonds“, scheint mir wie ein vernünftiger Fels in der Brandung. Alle rennen uns Deutschen die Hütte ein und wollen uns in die (finanzielle) Verantwortung für die Schuldenberge der schwachen Euro-Länder nehmen. Was ist Ihre Meinung?
KM: Ich könnte mich totlachen. Erst koppelt man einen Haufen Schwachwährungsländer aneinander in der ebenso dummen wie trügerischen Hoffnung, daraus langfristig eine Starkwährung statt einer Blase zu konstruieren, und dann soll ausgerechnet der hiesige Steuerzahler die miesen wirtschaftlichen Ergebnisse der anderen „Währungspartner“ ausgleichen. Man könnte es fast für einen Scherz halten. Was machen wir denn, wenn sich im Strudel der Ereignisse unsere eigene Leistungskraft erschöpft? Dumm aus der Wäsche gucken?

sfbasar: In so manchen Nachrichten fällt der Passus: „… in der Realwirtschaft“. Ist die Finanzkrise nur ein virtuelles Drama? Aufgeblähte Giga-Umsätze und Gewinne? Spekulativer Unsinn? Warum lassen wir es dann als Volk zu? Sollten wir nicht wie die US-Amerikaner auch eine „Occupy“-Bewegung auf bundesdeutsche Straßen bringen?
KM: Die sogenannte Finanzkrise ist tatsächlich ein virtuelles Drama, allerdings mit verheerenden tatsächlichen Auswirkungen, weil sie ganz reale Zahlungspflichten an die ungefragt Mitwirkenden und regelmäßig Unterlegenen knüpft. Die Logik dahinter: Die Wetten sind mehr als zehn Mal so groß wie die dahinter stehende Realwirtschaft, also sind auch die Wettverluste – weil eben nichts in der gleichen Größenordnung geschaffen wird – so hoch. Klar, dass die Bürger verlieren und die Banken als Initiatoren des Spiels gewinnen. Als Volk lassen wir all diesen Unsinn nur indirekt über die Wahlen und das unperfekte Wahlsystem zu. Die bestechlichen Garanten des großangelegten Betruges sitzen jenseits der Fünfprozentklausel wegen unseres Verhältniswahlrechts immer in unseren Parlamenten, dito in Brüssel. Und die Banken beschäftigen ihre „eigenen!“ Rating-Agenturen nun nicht nur mit der Herabstufung der Unternehmen, sondern gleich ganzer Staaten, um ihre eigenen Zinssätze ins Unermessliche zu treiben – und mit einem fein austarierten System dank bezahlter Politiker die Steuerzahler dafür bluten zu lassen. DAS Geschäft des beginnenden 21. Jahrhunderts. Die „Occupy“-Bewegung ist ja auch längst hierzulande aktiv, ich selbst war nicht selten Gast bei „Occupy-Frankfurt“.

sfbasar: Wenn Sie eine Legislaturperiode Bundeskanzler oder wenigstens Finanzminister wären; welche konkreten Maßnahmen würden Sie veranlassen? Ich bitte um Stichpunkte.
KM: Es ist so erschreckend einfach, ich sehe es geradezu bildlich vor mir. Aber dafür muss man handlungsfähig sein. Zu allererst müsste ein Gesetz seitens des Parlamentes durchgewunken werden, dass die Verknüpfung öffentlicher Ämter mit der Privatwirtschaft unter absolut drakonische Strafen stellte. Und den Rest findet man dann in meinem neuen Sachbuch, welches sich genau mit diesem Thema befasst.

sfbasar: Schreiben Sie an einem neuen Buch? Vielleicht mit dem Titel: „Nach der Weltwirtschaftskrise – Alte Fehler oder neue Wege?“ (Sie dürfen mir gerne diesen Titel abkaufen, haha.)
KM: Womit wir beim o.g. Thema wären. Ja, ein neues Buch zu diesen Themata kommt definitiv. Ich würde den guten Titelvorschlag allerdings in „Nach der Wirtschaftskrise ist vor der Wirtschaftskrise“ umändern. Wobei ich mich in Sachen Weltwirtschaftskrise immer frage, wie man als Nation so dämlich sein kann, sein eigenes, noch dazu mit Steuergeldern gefördertes, technisches Know-how in asiatische Unrechtsstaaten mit Genickschuss-Praktiken für Regime-Gegner zu transferieren? Aber dazu später …

sfbasar: Herr Klaus Müller, ich danke Ihnen für Ihre interessanten Ausführungen und hoffe, dass sehr viele Menschen dieses Interview und Ihr Buch lesen werden. Und sich ihre eigenen Gedanken machen. Herzlichen Dank.
KM: Auch ich bedanke mich für diese recht intelligent gestellten Fragen und erkenne mit Freude, dass sich bereits ein kleines Schärflein Mitstreiter zu entwickeln beginnt.

Copyright © 2011 by Klaus Müller und Werner Karl


Klaus Müller
Deutschland – Deppenland?!
Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen im Lande der Dichter und Denker

Medu-Verlag, 2010
Softcover
Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang 492 Seiten
ISBN 978-3-941955-31-8
Titelbild: Dieter Schütz

www.medu-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor (Verlagsinfo):

Klaus Müller, Jahrgang 1962, ist mit einer Juristin verheiratet, Vater von vier Kindern und lebt und arbeitet nach diversen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft seit mehr als 15 Jahren in Frankfurt am Main. Neben seiner früheren Tätigkeit als Seniorpartner in einer im Wesentlichen auf Wirtschafts- und Scheidungsrecht ausgerichteten Rechtsanwaltskanzlei veröffentlichte er Rezensionen in juristischen Fachzeitschriften und ist Autor diverser Buchtitel.

Zum Buch:

Deppenland?! Um es kurz zu machen: Ja, definitiv. Und das bezieht sich nicht auf uns, das Volk – in dem es selbstredend und zweifellos auch genügend Deppen gibt. Aber hier bekommen Vertreter von Politik und Wirtschaft so richtig einen vor den Latz geknallt. Und zwar zu Recht!

Mein Lieblingskapitel VIII 2: „Der Techniktransfer ins Ausland“:
Ich habe selbst in meiner Branche mehrfach Beispiele für bodenlose Dummheit von Management erlebt. Ein Beispiel: Einer der Marktführer eines bestimmten Produktes (das Ich hier leider nicht nennen darf, sonst weiß jeder, was und welche Firma ich meine) hatte in Bayern eine florierende Auftragslage. Top Qualität zu einem gerechtfertigten Preis sicherten über 150 Mitarbeitern Lohn und Brot. Irgendwann Anfang der 80er Jahre verfiel die Firmenleitung auf die geniale Idee Kosten sparen zu wollen und verlegte einen Teil der Kunststoffproduktion in ein osteuropäisches Ausland. Klar, in den ersten Jahren Null Steuern, mickrige Grundstückspreise, Arbeitssicherheit völlig unbekannt und Sklavenlöhne. So wurde produziert. Dass man dazu auch jahrelang Techniker, Meister, Manager und Spezialisten hinüberschicken musste, um dort Tugenden wie Qualität, Effektivität, Termintreue einzuführen, wurde unter den Tisch gekehrt. Von Innovationsfähigkeit und umweltgerechter Produktion einmal ganz zu schweigen. Die Kosten für Reisen, Spesen und Arbeitsausfall in Deutschland für alle die genannten Fachleute wurden nicht in die neuen Produktionskosten einkalkuliert. Man rechnete sich selbst die Zahlen schön.

Bald erkannten die Neueuropäer, dass sie auch Rechte und Ansprüche hatten und die Lohnkosten stiegen. Um es kurz zu machen: Der Betrieb verlagerte in den Folgejahren die Produktion von einem Land in das nächste; immer weiter nach Osten, in immer vermeintlich billigere Länder, schließlich landete er wo? Natürlich in China.

Und jetzt wird´s richtig lustig. Die Chinesen lächelten und übernahmen die Kunststoffteileherstellung. Kurz darauf die saubere Entgratung, danach den Zusammenbau. Immer schön mithilfe der deutschen Fachleute. Nach Jahren wachsender Verlagerung von einem Prozessschritt nach dem anderen nach China fehlte nur noch die abschließende farbige Dekoration. Als auch die – und damit die komplette Herstellung – in China einigermaßen zufriedenstellend lief, passierte Folgendes: Die chinesischen „Partner“ legten dem größten Kunden des ursprünglichen Herstellers ein fertiges Produkt auf den Tisch und sagten, es koste die Hälfte des bisherigen Preises. Die Folge? Der deutsche Mutterbetrieb kämpfte mit drohender Insolvenz und musste ein Drittel der Belegschaft entlassen, nicht „freistellen“ (zum Kotzen das Wort). Und was glauben Sie, wie hat der Kunde reagiert? Na klar, er hat gekauft. Und zwar von den Chinesen!

Wir blöd sind Manager und Politiker, die solche Joint Ventures ermöglichen und um ihren eigenen kurzfristigen Vorteils (scheinbarer politischer Erfolg und Cash-in-die-eigene-Tasche) tagtäglich durchführen?

Fazit

Klaus Müller legt mit gnadenloser und absolut nachvollziehbarer Logik solchen – und anderen – Schwachsinn an vielen Stellen unserer Gesellschaft offen. Und das ohne unverständliche Anglizismen und verschleierndem Wirtschaftsgebabbel. Ein weiteres Müssen-Sie-lesen-Kapitel: VI 7: „Folter als Mittel der Gefahrenabwehr am Beispiel Daschner“

„Deutschland – Deppenland?!“ müsste Pflichtlektüre an allen Gymnasien, Hochschulen und Universitäten sein. Leider wird dies das Kultusministerium zu verhindern wissen. Aber Ihre Wahl dieses Buch zu lesen, kann es nicht verhindern. In vielen Ländern dieser Welt wäre so ein Buch unmöglich. Machen wir täglich drei Kreuze, dass wir bei aller Bemängelung unseres Staates in einer freien Gesellschaft, in einer der besten Demokratien leben können, die dies ermöglicht.

Einen der wenigen Punkte, in dem ich dem Autor nicht zustimmen kann, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. In Kapitel III 8 „Das Leid mit dem geheimen Wahlrecht“. Er stellt eine geheime Wahl gleich mit einer Heckenschützen-Mentalität. Jeder solle für die möglicherweise negativen Folgen seines Wahlverhaltens belangt werden können. Hier irrt er natürlich und beweist damit, dass auch er von Irrungen nicht gefeit ist. Er ist halt auch nur ein Mensch.

Trotzdem würde ich dieses Sachbuch jedem empfehlen, der den täglichen Blödsinn um sich herum beobachtet und am Verzweifeln ist. Sei beruhigt, Unbekannter, es gibt mehr Menschen als dich, die fähig sind, 1 und 1 zusammenzuzählen und sogar ein korrektes Ergebnis erhalten. Und sich nicht von täglichen Nebelkerzen unserer Politiker und Supermanagern eigenes Nachdenken verbieten lassen. Klaus Müller ist so ein Mensch.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

ZUM SFBASAR.DE-PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Klaus Müller – Deutschland – Deppenland?! Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen im Lande der Dichter und Denker.

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Ralf Isau – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 24. Oktober 2011

Interview mit Ralf Isau

sfbasar: Schon während Ihrer Lehrzeit zum Datenverarbeitungs-Kaufmann haben Sie ein Sachbuch zur Programmiersprache COBOL und später Ihr erstes belletristisches Buch („Der Drache Gertrud“) für Ihre Tochter Mirjam geschrieben. Parallel dazu arbeiteten Sie an einem Werk, dass man heute als die „Neschan-Trilogie“ kennt und schätzt. Sind Sie ein Naturtalent oder Autodidakt?
RI: Vielleicht beides. Bei mir stand damals im Zeugnis von der ersten Klasse: „Beim bildnerischen Gestalten zeigte er fantasiereiche Einfälle.“ Also die Fantasie, die war schon sehr früh zu beobachten. „Bei dem jungen Schüler“ später standen dann in Aufsätzen so (Bemerkungen) wie etwa: „Du hast eine rege Fantasie.“ Also darin zeigte sich vielleicht das Naturtalent. Ich habe immer gerne Aufsätze geschrieben, das gehört ganz bestimmt auch dazu. Ja, das Schreiben hat sich im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt. Auch in meinem früheren Beruf durfte/musste/konnte ich viel schreiben. Natürlich (sind) Computerhandbücher nicht so spannend und ich wollt schon gerne für meine Tochter etwas Spannendes schreiben. Und so kam es dann, dass ich anfing die Geschichte zu schreiben.

sfbasar: Schreiben ist zu einem Teil Handwerk, zu anderen Teil Talent. Wie hat sich Ihre Schreibtechnik – vor allem in den ersten Jahren – verändert und inwieweit tut sie das auch heute noch?
RI: Na, da kommt jetzt der Autodidakt zum Tragen. Wenn man eine Geschichte abgibt beim Verlag, dann sollte ja ein Lektor da sein, der die Geschichte liest und Verbesserungsvorschläge macht. Und ich habe diese Verbesserungsvorschläge nie nur als Kritik an dem einzelnen Manuskript gesehen, sondern immer auch überlegt, was kannst du da jetzt mitnehmen, um dich zu verbessern in deinem Schreibstil. So hat sich das im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt und da ja wir in der Zeit auch voranschreiten – also die Leser mögen heute eher Stoffe, die schneller fließen, sag´ ich mal, die Handlung, die Sätze, sollten vielleicht etwas kürzer sein, als wie sie vor 15 Jahren noch waren. Also, man merkt im Leseverhalten auch ´ne gewisse Veränderung. Und wenn der Autor nicht zurückfallen will, dann muss er sich natürlich bis zu einem gewissen Grade auch anpassen. Insofern ist auch heute nach wie vor ein Lernprozess da. Wenn ich Worte sehe, die mir gefallen, dann versuche ich mir die zu merken und Wörter zu verwenden und auch auf diese Weise eben ständig dazuzulernen.

sfbasar: Bei einer Lesung Michael Endes im Jahr 1992 haben Sie ihm einen selbst gefertigten Prototyp von „Der Drache Gertrud“ überreicht und damit einen Volltreffer gelandet. Sowohl bei Herrn Ende als auch beim Thienemann-Verlag. War das Naivität oder Frechheit-siegt?
RI: Ja, vielleicht ein bisschen von Beidem. Also meine Frau hat ja damals gesagt, bevor wir zu der Lesung von Michael Ende gegangen sind: „Du, schenk dem doch den Drachen Gertrud.“ Ich hab dann natürlich den Mut aufbringen müssen, um auf den großen Kollegen zuzugehen; man hat ja auch Ehrfurcht vor so einem bekannten Namen und hab ihm das dann in die Hand gedrückt. Ich hab in dem Moment aber noch gar keine großen Hintergedanken gehabt, einfach weil mir seine Geschichten so gut gefallen haben und der Drache Gertrud so´n bisschen vom Tonfall her, den Jim-Knopf-Geschichten ähnelte, dachte ich, schenkst du ihm das. Ja, und dann der Rest der entwickelte sich dann einfach.

sfbasar: Vorherige Versuche, Ihren Erstling einem Verlag schmackhaft zu machen, endeten mit monotonen Ablehnungsschreiben. Wie gehen Sie mit Niederlagen um? Gibt es diese heute überhaupt noch für Sie? Haben Sie gedacht, dass der Text verkannt wird? Und haben Sie sich an Ihren Schreibtisch gesetzt und am Text gefeilt?
RI: Also, an dem Text gefeilt habe ich eigentlich nicht, weil ich dachte, der ist schon ganz gut so. Und ich war früher bei einem Computerunternehmen, das Textverarbeitungssysteme verkauft hat. Und ich wusste daher sehr gut, was ein Textbaustein ist. Und ich hab´ gesehen, 99 % der Briefe, die ich bekommen hab´, waren Textbausteine. Da hat entweder einer gar nicht richtig gelesen oder er hat einfach gesagt: „In unser´m Programm, da passt es so nicht rein und dann greif ich eben zum Textbaustein 4711 und klicke mir einen Brief zusammen und den schick´ ich dann dem Herrn Isau.“ Ich hatte ja nie den Riesendrang danach, Schriftsteller zu werden; ich hab´ das einfach akzeptiert. Iss´ halt nicht, muss also auch nicht sein. Dass es danach anders kam, nach Michael Ende, das war dann einfach ein Glücksfall. Aber heute gibt’s natürlich auch Kritiken. Mittlerweile habe ich glaube ich gelernt, ein bisschen locker mit Kritiken umzugehen. Aber grad´ am Anfang hab´ ich mir das schon sehr zu Herzen genommen. Dass z. B. auch der Lektor am Anfang bestimmte Passagen kritisiert hatte, dass er empfohlen hatte, es anders zu machen. Da hatte ich dann einmal zu meiner Frau gesagt: „Also, ich schreib jetzt überhaupt keine Bücher mehr.“ Ich war da erst Mal ein, zwei Stunden lang so demotiviert, dass ich dachte, ich lasse das jetzt. Aber gut, man lernt natürlich nicht, wenn man so denkt, sondern man lernt nur, wenn man versucht das Gute mitzunehmen und sich selber daran zu verbessern.

sfbasar: Apropos Feilen am Text: Wie gestalten Sie Ihre Überarbeitungen? Haben Sie besondere Durchgänge/Kriterien/Schemata nach denen Sie diese durchführen?
RI: Meine Überarbeitungen sind in der Regel so, das ich mir nach dem Schreiben eines Tagewerkes am nächsten Tag den Text noch mal angucke. Gleichzeitig um auch im wieder reinzukommen in …, ja … in den Fluss. Von dort an schreibe ich dann weiter. Wenn der Text fertig geschrieben ist, der Rohtext, dann wird der noch mehrmals, so mindestens zwei Mal, maximal bis zu sieben Mal überarbeitet. Ich hab´ eine Geschichte geschrieben „Pala und die seltsame Verflüchtigung der Worte“. Da ging es um Sprache. Da war es mir sehr wichtig, dass wirklich jedes Wort 100 %ig sitzt. Das ist ein Roman, wo ich mir vorgenommen hab´, das ein „daß“ mit Esszett, heute würde man sagen mit Doppel-s, dass es das in diesem Buch nicht geben darf. Außer bei einem Zitat: „Ach wie gut, daß niemand weiß, daß ich Rumpelstielzchen heiß.“ Da kam´s dann gleich zwei Mal vor. Aber nur an diesen beiden Stellen.

sfbasar: Wie halten Sie es Zuhause? Schotten Sie sich zum Schreiben – auch vor der Familie – ab oder brauchen Sie deren Feedback, Kritik evtl. sogar deren Inspiration?
RI: Wenn ich schreibe, dann zieh´ ich mich schon sehr in mich selbst zurück und natürlich auch in mein eigenes Arbeitszimmer. Oder einmal im Jahr mache ich so eine Schreibklausur. Dann fahr ich nach Mallorca in ´ne Finca. Da setzt ich mich dann von morgens bis nachts hin und schreibe so 15, 16 Stunden am Tag. Sehr intensiv, und da ist natürlich jede Störung dann, ja, ein Rausreißen aus meiner Welt. Also versuch ich dann möglichst wenig Störungen zu haben. Die Familie liest eigentlich erst, wenn ich dann fertig bin. Es kommt schon vor, dass man manchmal zwischendurch über dieses und jenes Problem diskutiert, manchmal hab´ ich auch knifflige technische Probleme, wo ich z. B. die Fachkenntnisse meiner Frau im Kochen brauche oder in anderen Dingen. Oder manchmal liest sie bestimmte Bücher für mich, wo ich sage: „Schau, oder achte mal auf diesen und jenen Punkt. Dass sie also dann da beim Recherchieren mithilft, dass sie den Klebezettel rein macht und ich dann die Passagen, die dann für die Geschichte von Interesse sein könnten, verdichtet lese. Aber ansonsten ist es schon ein sehr abgeschlossener Prozess, wo dann erst, wenn der Rohtext fertig ist, ich es dann einen Schritt weiter gebe und in der Regel dann meine Frau und dann der Lektor die Geschichte lesen.

sfbasar: Haben Sie die Ideen zu Ihren Büchern immer selbst gefunden oder kam auch schon mal ein Verlag zu Ihnen und sagte: „Lieber Herr Isau, wir haben hier eine tolle Idee. Machen Sie doch daraus einen noch tolleren Roman.“ Kam das vor und wenn ja, wie gehen Sie mit Auftragsarbeiten um? Wenn nicht, wir würden Sie reagieren? Mit Feuereifer oder mit Ablehnung?
RI: Also, das gab´s bisher noch nicht. Bisher waren immer meine eigenen Ideen farbig, interessant, spannend genug, um zu sagen, daraus machen wir Geschichten. Was Verlage manchmal machen, das sie sozusagen eine Richtung vorschlagen. Mein früherer Jugendbuchverlag hatte mal gesagt: „Schreib doch mal einen Roman aus deinem Metier, du bist doch Computerfachmann. Wieso nicht mal das verbinden, Computer mit einer spannenden Geschichte?“ Und so ist dann „Das Netz der Schattenspiele“ entstanden. Also, die Idee war völlig meine, aber sozusagen die grobe Richtung ist vorgeschlagen worden. Das mag´s schon mal geben, aber ansonsten sind alle Ideen, alle Stories, auf meinem Mist gewachsen. Wie ich damit umgehen würde? Hhm, ich glaub´ es hängt auch von dem Stoff ab. Also, wenn er sehr, sehr spannend ist, dann könnt´ ich mir auch vorstellen, dass ich das mal mache. Das müsste dann wirklich im Einzelfall mal überlegen.

sfbasar: Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Laut Ihrer Website sammeln Sie sehr lange, basteln sich ein Exposé von manchmal 30 oder 40 Seiten und strukturieren Kapitel und Handlungsablauf schon ausgiebig vor. Bis zu welchem Grad praktizieren Sie das konsequent und halten sich an Ihren Plan und wie viel Spontanität gestehen Sie sich dann noch bei der Arbeit zu?
RI: Also diese ausführlichen Konzepte sind bei mir Standard. Für meinen nächsten Jugendroman hab´ ich gerade ein 40-Seiten-Konzept fertiggestellt. In diesem Konzept sind dann auch schon grobe Recherchen mit eingeflossen. Weil das gehört einfach dazu, wenn man einen historischen Hintergrund hat oder einen wissenschaftlichen. Da muss man im Groben schon mal Bescheid wissen, um dann die Geschichte auch an der Realität entlang zu entwickeln. Beim Schreiben gibt’s dann einmal von den Fakten her Feinrecherche. Manchmal entwickeln bestimmte Figuren auch ein so starkes Eigenleben, dass sie sich nicht so schnell abschütteln lassen. Also, den Fall hatte ich erst jüngst wieder. Da sollte sich diese Figur eigentlich viel früher wieder ausklinken. Hat aber nicht geklappt. Sie ist mit dran geblieben. Soviel Freiheit gehört dann auch dazu, weil ich denke, diese Spontanität die merkt vielleicht auch der Leser. Das was mich in dem Moment überzeugt hat, die Figur mitzunehmen, ist vielleicht auch das, was den Leser überzeugt.

sfbasar: Nach der „Sammlung von Ideen, Zeitungsartikeln, Lektüre von passenden Büchern, Meldungen in Rundfunk und Fernsehen“ sagen Sie, dass jetzt die Arbeit im Team beginnt. Ein Team? Wer ist das? Sie, der Lektor, der Agent, Ihre Frau? Sie sagen, dass Sie die Vorschläge „wohlwollend überdenken, fallen lassen oder in modifizierter Form übernehmen.“ Wie stark lassen Sie sich Ihre Grundidee, Ihren Plot davon beeinflussen?
RI: Diese Ideen muss man runterbrechen, oder diese Aussage muss man runterbrechen auf verschiedene Bücher. Es gab z. B. bei dem „Kreis der Dämmerung“ – einer Tetralogie -, die auf der Geschichte des 20. Jahrhunderts basiert, sehr viel Input auch von Seiten der Familie, das eben Zeitungsschnipsel gesammelt wurden, alles was Highlights des 20. Jahrhunderts waren. Es war viel Input da. Der Plot selbst aber, die Story, die hab´ ich alleine entwickelt. Teamarbeit hat man aber natürlich bei jedem Buch, weil bis ein Buch letztlich im Buchhandel auf dem Tisch liegt, da muss ja viel gemacht werden: Da muss ein Umschlag entwickelt werden, da ist der Lektor, der den Text liest, da sind Marketing- und Werbemaßnahmen erforderlich. Das meine ich auch mit Teamarbeit. Die Geschichte ist ganz allein von mir. Aber bis das fertige Produkt dann da ist, da müssen sehr viele Leute ran. Und da versuch´ ich auch immer, sehr verzahnt zu arbeiten, d. h. ich möchte z. B. von meinem Umschlagentwürfen sehr früh Skizzen sehn, um dann vielleicht mit Anregungen zu geben. Und vielleicht auch mal zu sagen: „Das gefällt mir nicht so.“ Da kommt´s auch mal vor, das ich sage: „Nee, das geht jetzt gar nicht.“ Da hab´ ich dann auch das Interesse dran, an dem Gesamtprodukt, an dem Gesamtkunstwerk Buch, was dann zum Schluss rauskommt, ganz mitzuwirken.

sfbasar: Inwieweit haben Sie als Autor Einfluss auf die Covergestaltung? Ist hier gerade ein so starker Verlag so dominant, das er sagt: „Wir wollen das Cover aber so haben, weil es in diese Serie, dieses Genre hineinpasst. Aber so – nach jetzt glaube ich 30 Büchern, die Sie veröffentlicht haben -, ist ihr „Stand“ so gut, dass sie sagen können, sie haben ein deutlichen Mitspracherecht am Cover?
RI: Ja. Man muss unterscheiden von der vertraglichen Situation, die bei den meisten Autoren wohl die ist, dass der Verlag den Titel und das Cover bestimmt. Aber die Praxis ist die – auch bei Randomhouse/cbj -, dass wir sehr eng zusammenarbeiten, dass das Mitspracherecht nach wie vor groß ist und ich – wie gesagt – auch schon Umschläge abgelehnt habe, wo der Verlag hätte sagen können: „Nö, wir haben jetzt das Recht, wir drücken das durch.“ Aber wenn ich dann sag´: „Nee, damit kann ich nicht mit leben, mit diesem Buch lass´ ich mich nicht fotografieren.“, dann freut die das natürlich auch nicht. Und dann hat man bisher immer den Weg gefunden, mit dem letztlich alle zufrieden waren.

sfbasar: Wurden Sie schon mal von einem eigenen Text überrumpelt, dass dieser sich anders entwickelte, als Sie zu Beginn geglaubt haben? Konkret: Lief es beim Schreiben mal so gut und deutlich besser als in Ihrem eigenen Exposé, dass Sie selbst überrascht waren?
RI: Das ist immer phasenweise. Wenn man eine Geschichte schreibt, dann ist das wie ein Fluss. Es gibt Stromschnellen, wo es sehr schnell fließt, also auch das Schreiben, manchmal regelrecht ekstatisch schreibt man. Da kommen am Tag mal 25 Seiten heraus als Output. Und dann gibt´s Tage, an denen schreibt man nur vier Seiten. Von einer ganzen Geschichte möchte ich nicht sagen, dass sie mich so überrascht hat. Es gibt natürlich Bücher, wo ich im Rückblick sagen kann: „Das ist jetzt so´n tolles Buch geworden, das ist auch so erfolgreich gewesen, und wenn ich überlege, in wie kurzer Zeit ich das geschrieben habe, dann staune ich heute noch.“ Aber woran das liegt, da müsste man mal eine wissenschaftliche Untersuchung drüber machen, ich kann es nicht erklären.

sfbasar: Sie haben mittlerweile einen Agenten und arbeiten mit verschiedenen Verlagen. Sie sprechen auf Ihrer Website „von einem Freund“, der Sie dabei unterstützt hat. Ist er Ihr Agent geworden oder haben Sie sich – wann? – einen Profi gesucht? Ist man ohne irgendeine Hilfe schutzlos den Verlagen ausgeliefert oder war das wieder ein Glücksfall?
RI: Ja, man kann schon sagen, es war ein Glücksfall. Weil mein heutiger Literaturagent ist der ehemalige Lektor von Michael Ende, der ihn 17 Jahre lang betreut hat. Und er war der erste im Verlag, der meinen Drachen Gertrud, mein Kinderbuch, in die Hand bekommen hat. Von daher ist es also schon in meinem literarischen Leben eine Bindung, die sozusagen von Geburt an bis heute besteht. Sie begann so richtig intensiv zu werden, wo ich anfing, auch Erwachsenenbücher zu schreiben, so 2002 rum war das. Und mittlerweile vertritt mich Roman Hocke (Literaturagentur AVA international)  auch im Jugendbuchbereich, also d. h. bei allen Büchern die ich schreibe.

sfbasar: Die Liste der deutschen „Vollschriftsteller“, also der Schriftsteller, die ausschließlich von ihrer Schreibarbeit leben können, ist relativ kurz. Auch andere Kreative wie Schauspieler, Maler, Bildhauer stehen wahrscheinlich vor einem gleichen Problem: Sie müssen sich selbst um ihre Rente kümmern. Denn Erfolg ist auch in der Literatur keine lebenslange Garantie. Man kann plötzlich „weg-vom-Fenster“ sein. Haben Sie für diesen Fall einen Plan B oder entsprechend jetzt in „guten Zeiten“ vorgesorgt?
RI: Natürlich kümmert man sich um seine Altersvorsorge und zum Glück gibt´s ja mittlerweile eine Künstler-Sozialversicherung. Die gab´s vor einigen Jahren noch nicht, bzw. wurde auch nicht so intensiv propagiert. Der Staat hat wegen der vielen Schauspieler und Autoren, die bettelarm waren gesagt, da müssen wir mehr tun. Von daher bin ich auch für den Lebensabend abgesichert. Es ist natürlich so, man weiß nie, wie sich das weiter entwickelt. Vorgenommen hab´ ich mir, bis ins hohe Alter zu schreiben, weil, ich hab´ ja mein Hobby zum Beruf gemacht und ein Hobby kann man auch im Alter noch weiter betreiben. Also, wenn ich meine Leser finde, werd´ ich das noch lange weiter machen. Aber es ist auch noch so, das ich nach wie vor Bücher schreibe, um davon zu leben. Also, ich schwimme noch nicht im Geld (lacht).

sfbasar: Oder ist es so, dass wenn man rund drei Dutzend Bücher veröffentlicht hat, es leicht ist, auch nach einer längeren Pause oder im Alter – sagen wir mal mit 70 oder noch später – ohne Weiteres einen Verlag für ein neues Buch zu finden? Ich bin da ein wenig skeptisch.
RI: Ja, mittlerweile hat es ganz gut geklappt. Wenn mal die Frage da war, was für einen Verlag nimmt man. Es ist allerdings so, dass sich das natürlich ändern kann und zwar die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit ist da der Knackpunkt. Meine ersten Thienemann-Bücher, die waren 10 Jahre lang und länger in der Backlist drin. Heutzutage gibt´s im Erwachsenenbuchbereich oft Bücher, die nach 6 Wochen im Buchhandel abverkauft sind, dann werden sie nicht mehr nachbestellt. Es ist sehr brutal geworden und deswegen kann man sich auch – wenn man nicht wirklich den ganz, ganz großen Namen hat, nicht darauf ausruhen, das man sagt, im Alter habe ich dann soundsoviel Bücher geschrieben und das ernährt mich dann. Man muss heute leider oder auch zum Glück, je nach dem, – ich find´s eigentlich ein bisschen bedauerlich – ständig am Ball bleiben. Bedauerlich deshalb: Man hat ja sehr viel Herzblut in die Bücher gesteckt, und das die dann oft nach relativ kurzer Zeit – ich rede jetzt auch von anderen Kollegen – einfach wieder weg sind von der Bildfläche, das ist eigentlich schade, das haben die Bücher nicht verdient.

sfbasar: Sie publizieren unter Ihrem echten Namen Ralf Isau. Genau wie Markus Heitz, Andreas Eschbach, Kai Meyer, Frank Schätzing. Gerade bei deutschen Autoren wurden noch vor einigen Jahren gerne angloamerikanisch klingende Pseudonyme verwendet. Gerade wenn man wie Sie in verschiedenen Literaturwelten (Kinderbuch, Jugendbuch, Erwachsene, ggf. verschiedenen Genre) veröffentlicht. Hatten Sie nie von Seiten der Verlage diese „Vorgabe“ oder gar selbst den Wunsch sich mit einem Pseudonym abzugrenzen?
RI: Bis jetzt sind bis auf eine Ausnahme alle meine Bücher im Genre der Phantastischen Literatur angesiedelt. Nicht alles Fantasy, aber doch Phantastik. Und das hat dann bisher immer noch gepasst. Sollte ich mich je entscheiden, einen Liebesroman zu schreiben oder irgend etwas völlig anderes, dann denke ich, müsste man auch über ein Pseudonym nachdenken. Weil das Schubkastendenken heute tatsächlich sehr stark ausgeprägt ist. Nicht nur Verlage, teilweise auch Leser, erwarten einfach von einem bestimmten Namen etwas ganz Spezifisches und die würden dann vielleicht gar nicht dazu greifen, zu dem Buch, weil sie denken: „Der schreibt mir zu fantastische Sachen, ich bin aber Realist. Also nee, mach ich lieber nicht.“ Aber bisher war das noch nicht nötig.

sfbasar: Oder anders gefragt: Wenn Sie jetzt plötzlich mit einem Krimi oder Science-Fiction Roman ankämen. Würde Ihr Agent automatisch und selbstverständlich einen anderen Verlag suchen und Ihr jetziger (Fantasy) Verlag die Hände über den Kopf zusammenschlagen und fürchten, Sie wanderten ab?
RI: Das ist natürlich eine hypothetische Frage und deswegen kann ich darauf schwer was sagen, wie das sein würde. Da müsste man dann abwarten, bis ich die Krimi-Idee hätte und dann sehen, was dabei herauskommt. Und dann machen wir noch mal ein Interview, OK?

sfbasar: Oder ist es mittlerweile so, dass ein Autor eher seine Vielseitigkeit damit dokumentiert, dass er eben alle seine Werke unter seinem Realnamen veröffentlicht? Sind Verlage und die Kunden dazu bereit oder reif?
RI: Ich denke, da ist ein Lernprozess im Gange, der durchaus noch im ersten Drittel steht. Also, das was ich gerne als Phantagon bezeichne, ein Buch, das eben nicht in eine Schublade passt, sondern das von jedem Leser auch unterschiedlich gewichtet wird, in verschiedenen Genres wahrgenommen wird. Denn jeder Leser nimmt den Roman nun einmal anders wahr – das macht ein Phantagon aus. Das ist etwas, was man dem Buchhandel nicht so leicht vermitteln kann wie ein genre-reines Buch, also ein reiner historischer Roman beispielsweise. Dann haben die ihr Regal dafür und fühlen sich ganz wohl, wenn sie das Buch in dieses Regal stellen können. In dem Moment, wo es in zwei, drei Regale rein müsste, da haben manche dann … ich will nicht sagen, was sie nicht haben, aber sie tun´s dann eben nicht. Es gibt einzelne Buchhandlungen, die machen´s dann tatsächlich; die stellen das dann in mehrere Regale ein und andere, die zögern dann eben einfach. Deswegen hat man´s da vielleicht etwas schwerer, aber mir kommt´s immer auch darauf an, dass die Geschichte packend und überzeugend ist und das sie mir selber gefällt. Und da hab´ ich dann auch lieber für die Geschichte und gegen den Kommerz entschieden. Dass mir die runde, die tolle Geschichte wichtiger war, als dass ich sag´ jetzt verkauf ich noch mal soundso viel Tausend mehr.

sfbasar: Überhaupt fällt auf, dass in den letzten Jahren mehr und mehr deutsche Autoren eine Chance bekommen, die sie vorher nur in Ausnahmefällen erhielten. Hängt das mit den gestiegenen Kosten der angloamerikanischen Autoren/Verlage/Lizenzen zusammen oder schlichtweg mit der gestiegenen Qualität deutscher Texte?
RI: Ich denke, die deutschen Texte waren auch schon früher gut, nur ist es oft nicht so wahrgenommen worden. Wenn wir es historisch betrachten – wir kommen aus dem 2. Weltkrieg, wir hatten da die USA, die Deutschland vom NS-Regime befreit hat – und die USA waren das große Vorbild in allem, auch eben Hollywood im Film, dazu gehört sicherlich dann auch die Unterhaltungsliteratur. Das Sichfreischwimmen ist einfach ein zeitlicher Prozess gewesen, der gar nicht mal so sehr mit der Qualität zu tun hatte, sondern einfach mit der Mündigkeit des Lesers, der jetzt immer mehr deutsche Autoren auch für sich entdeckt hat und mit der Bereitschaft der Verlage auch wieder mehr auf Originalautoren aus Deutschland zu vertrauen.

sfbasar: Auf welche Projekte dürfen sich Ihre Fans denn in nächster Zeit freuen? Wie viel dürfen und wollen Sie hier darüber verraten?
RI: Man kann vielleicht soviel verraten, dass ich bei cbj einen fantastischen Roman schreibe, wo wieder Geschichtliches mit einem fantastischen Stoff verbunden wird. Der Roman spielt Ende des 18. Jahrhunderts in England und in Frankreich, also es ist die Zeit der französischen Revolution. Und da passieren auch wieder sehr fantastische Dinge. Ebenso im Erwachsenenbereich. Da geht´s bei mir um die Suche nach dem ewigen Leben. Und auch hier gibt´s wieder eine Vermischung von Realem mit Fantastischem – mein Markenzeichen, wenn man so will. Ich habe mich in meinen Recherchen intensiv mit alten Legenden vom Lebenswasser, dem Jungbrunnen und anderen mitteln zur Erlangung der Unsterblichkeit beschäftigt. Wer sich für diese Thematik interessiert, wird manch Bekanntes wiederfinden, das mit einer fantasievollen, spannenden Geschichte verwoben wird.
 
sfbasar: Herr Isau; herzlichen Dank für Ihre Zeit und die interessanten Einblicke in Ihre Arbeit. Wir wünschen uns noch viele, viele herrliche Bücher von Ihnen.

http://www.isau.de/index.html
http://www.ava-international.de/startseite.php

Copyright © 2011 by Ralf Isau und Werner Karl

Pala und die seltsame Verflüchtigung der Worte, ISBN 978-3404154128
Das Netz der Schattenspiele, ISBN 978-3-522-17257-8 als HC
Das Netz der Schattenspiele, ISBN 978-3-551-35323-8 als PB
Kreis der Dämmerung I, ISBN 978-340415318
Kreis der Dämmerung II, ISBN 978-3522173353
Kreis der Dämmerung III, ISBN 978-3522174015
Kreis der Dämmerung IV, ISBN 978-3-522-17474-9

 

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Hubert Haensel, PERRY RHODAN-Autor – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 22. September 2011

Interview mit PERRY RHODAN-Autor Hubert Haensel

Das Interview führte Werner Karl

sfbasar: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 50-jährigen Jubiläum der größten Science-Fiction-Serie der Welt!
HH: Ich sage herzlichen Dank im Namen aller an PERRY RHODAN beteiligten Mitarbeiter, und das sind nicht gerade wenige.
Ja, man muss sich die Zahl schon auf der Zunge zergehen lassen: fünfzig Jahre – ein halbes Jahrhundert. Schon in unserer realen Welt ist das ein geschichtlicher Zeitraum, in dem sich sehr viel zugetragen hat. Umso mehr in den mittlerweile über drei Jahrtausenden PERRY RHODAN-Historie. Für etliche unserer Leser ist die Serie mittlerweile nicht mehr nur ein sehr schönes Hobby, ein angenehmer Zeitvertreib oder auch Ablenkung vom Alltag, sondern ein Stück eigene Lebensgeschichte. Mir ergeht es selbst genauso.

sfbasar: Die Gretchenfrage zuerst: Wie sind Sie zu PR gestoßen und wie leicht oder schwer war Ihr eigener Einstieg in die Serie? Haben Sie das Perry-Rhodan-Lexikon zurate gezogen?
HH: ›Lächelt.‹ Nein, ich habe kein PERRY RHODAN-Lexikon zurate gezogen. Zur Zeit meines Einstiegs als Leser und Fan gab es noch gar kein Lexikon. All jenen, die heute zwar mit PERRY RHODAN liebäugeln, aber möglicherweise davor zurückschrecken, nach mehr als 2600 Heften, etlichen Spin-offs, Taschenbüchern usw. einzusteigen, möchte ich allerdings sagen, dass es so schwer nicht ist. Die wichtigsten Voraussetzungen sind der Wille, Neues kennenzulernen und ein klein wenig Durchhaltevermögen und Begeisterungsfähigkeit.
Mein erstes PERRY RHODAN-Heft war die Nummer 143 »Für Menschen verboten«. Eigentlich ein schöner Roman, doch warum ich nicht sofort infiziert wurde, kann ich heute nicht sagen. Vielleicht, weil das Heft schon am Zyklusende lag, vielleicht wegen äußerer (schulischer) Umstände. Trotzdem war die Faszination da. Bei Heft 209 »Im Banne der Scheintöter« griff ich wieder zu, und diesmal war es um mich geschehen. Von da an konnte ich das jeweils nächste Heft kaum mehr erwarten, ebenso die bald darauf startende zweite Auflage, die es mir ermöglichte, von Nummer 1 an mitzulesen.

sfbasar: Das bringt mich gleich zur drängendsten Frage: Bei so hohen Band-Nummern schreckt mancher SF-Fan zurück. Die, die es doch mittendrin wagen, sind aufgrund mangelnden Durchblicks überfordert und frustriert und retten sich in abwertende Urteile. Ist dieser erstaunliche Langzeiterfolg Fluch oder Segen?
HH: Egal, wo jemand einsteigt: Anfangs unbekannte Begriffe erklären sich nach und nach aus dem Kontext selbst. Der Neuleser muss nur ein klein wenig Stehvermögen mitbringen, dann erschließt sich die Faszination PERRY RHODAN. Natürlich sind lexikalische Werke wie die Perrypedia hilfreich, aber es geht auch ohne.
Eine hohe Band-Nummer wie z. B. 2614 ist doch kein Hindernis. Aufschlagen und lesen, mehr muss man nicht tun. Allerdings muss man ein durchs Fernsehen antrainiertes Gefühl ignorieren, nämlich das, schon nach zwei Minuten Vorspann eine Zigaretten- oder Toilettenpause von acht Minuten nötig zu haben. Ein klein wenig mehr Konzentrationsfähigkeit sollte schon da sein. Aber genau das ist weiß Gott nichts Schädliches, oder?
Einen Fluch sehe ich in der Hinsicht also keineswegs. Eher einen Segen. Denn welche Romanserie außer PERRY RHODAN kann auf einen ähnlich umfangreichen Kosmos aufbauen, bei dem man gleichzeitig auf Neues wie auf Altbekanntes stößt und sich immer neue Verknüpfungen ergeben? Ich liebe solche Aha-Erlebnisse beim Lesen, das ist Leben und Evolution gleichermaßen.

sfbasar: Schon zu Gründerzeiten scheinen sich K. H. Scheer und Clark Darlton – die beiden Urautoren – dessen bewusst gewesen zu sein. Nach einigen Mini-Reihen von Band 1 bis 99 folgten bis weit über Band 1.000 jeweils Zyklen mit 100 Heften zu einem komplexen Handlungsrahmen. Je weiter die Serie gedieh, desto mehr wurde dieses erfolgreiche Konzept aufgelöst. War diese Abkehr dem rasch wechselnden Zeitgeist oder wirtschaftlichen Interessen – also des einfacheren Einstiegs neuer Fans – geschuldet?
HH: Ein kleiner Wermutstropfen? Nein. Die Kontinuität ist doch nach wie vor vorhanden. Und wenn zu dem einen oder anderen Zyklusende bis dahin Vertrautes verschwunden ist – oder sollte ich besser sagen: verschwunden zu sein scheint? – dann heißt das keineswegs, dass es sich um einen endgültigen Prozess handelt. Dass allerdings mancher Zyklusanfang einsteigerfreundlich, also ohne Vorwissen zu lesen ist, das bietet schon eine ideale Möglichkeit, einfach und schnell in die Serie einzusteigen und sich darin zurechtzufinden.

sfbasar: Eine Möglichkeit des Einstiegs von Anfang an boten die Neuauflagen. Ich selbst hatte mir parallel zur 1. Auflage auch die Hefte der 2. und 3. gekauft, um Lücken zu schließen und kontinuierlich lesen zu können. Die 5. wurde gerade eingestellt, die 6. Auflage wird nicht mehr gedruckt, sondern erscheint als E-Book. Statt dessen gibt es einen völligen Neubeginn mit abgewandelter Handlung. Perry landet nicht im Jahr 1971 auf dem Mond, sondern im Jahre 2036. Fürchten Sie nicht, dass Sie hier vor einem neuen Problem stehen? Entweder Sie erzählen die bekannte Geschichte mit neuen Worten und man wirft Ihnen »aufpolieren« vor oder Sie entfernen sich vom bekannten Ablauf und man wirft Ihnen vor, sich nicht an das Original zu halten?
HH: Nein, ich sehe die Gefahr nicht. Gehe ich von mir als Fan aus – und das bin ich, auch wenn ich »die Seiten gewechselt« habe, seit 46 Jahren –, dann interessiert mich sogar, wie die Serie heute neu erzählt werden wird. Wir haben eine andere Zeit und dem wird Rechnung getragen. Für mich als Autor ist PERRY RHODAN Neo ohnehin eine Herausforderung. Außerdem bin ich der Meinung, dass beides sehr wohl nebeneinander bestehen kann. Neo ist doch auch für die Leser, die neu von Anfang an dabei sein wollen ohne das Gefühl, möglichst bald mehr als 2600 Hefte nachlesen zu müssen oder zu wollen.

sfbasar: Mussten Sie der Realität (Mondlandungen der Amerikaner, Raumstationen Skylab, MIR, ISS, Hubbleteleskop, Marssonden und zahlreichen anderen Sonden) Rechnung zollen? Haben Sie deswegen das »Startjahr« des Neubeginns in unsere allernächste Zukunft verlegt?
HH: Natürlich kann man heute nicht mehr mit der ersten Mondlandung beginnen. Das ließe sich beliebig fortsetzen mit Blick auf PCs, Handys, den Zustand der Weltwirtschaft, die Umwelt … Den Beginn ins Jahr 2100 oder später zu verschieben, das wäre wiederum zu weit vom Heute entfernt. Nein, ich denke, das passt genau so, wie es ist. Lasst euch einfach überraschen.

sfbasar: Perry Rhodan hat ja zu Beginn seiner Beutetour durchs All alles getan, um die Position der Erde geheim zu halten. Zumindest solange, bis er sich und die Terraner so gewappnet hatte, um wenigstens die ersten zu erwartenden Angriffe abwehren zu können. Einer der erfolgreichsten, ja fast schon legendären Zyklen, war der mit den »Meistern der Insel«. Er war wirklich düster. Ein Ambiente wie ein Film Noir, wie einer der besseren Batman-Filme. Mir läuft es allein bei manchen Hefttiteln auch heute noch kalt den Rücken hinunter. Wird der Neubeginn diese Chance auf ein wirklich düsteres Kapitel nutzen?
HH: Das greift vielleicht ein wenig weit vor. Ohnehin wäre das eine Frage für den Exposéautor. Aber ich kann mir vorstellen, dass diese Chance genutzt werden wird.

sfbasar: Apropos back-to-the-roots: Eine m. M. nach wirkliche Top-Idee war es, die immer weiter führenden Reisen selbst in entfernteste Galaxien abzubrechen. Je weiter PR kam, desto mehr hob er sich von seinem Volk und seinen Fans ab. Der Leser fragte sich – wahrscheinlich wie alle Terraner – was will PR dort? Wie kann ein Geschehen in Millionen Lichtjahren Entfernung Einfluss auf die Menschheit haben? Der Zusammenbruch der intergalaktischen Raumflüge hob dieses Dilemma auf. Gab es hier eine Parallelität zur Einstellung des realen Shuttle-Programms der Amerikaner?
HH: Auf gewisse Weise war Perry Rhodan immer ein Spiegel seiner Zeit. Ich lasse allerdings offen, ob gewollt oder zufällig. Das sind wohl Einflüsse, die sich niemals ganz vermeiden lassen, denn wir alle sind Kinder unserer jeweiligen Zeit. Die Einstellung des realen Shuttle-Programms war allerdings für die Erhöhung der Hyperimpedanz nicht ausschlaggebend, diese Entscheidung hatte andere Gründe.

sfbasar: Auch die dimensionale Steigerung in der Raumschiffstechnik von Zyklus zu Zyklus wahr irgendwann zu entfernt, zu abstrakt, fast schon esoterisch, statt physikalisch. Eine 5. Dimension (Hyperraum) zählt ja mittlerweile in der SF zum guten Ton und ist Standard, auch wenn wir sie in der Realität leider noch nicht entdeckt haben. Dann eine 6. Dimension (Pararaum), dann noch eine 7., 8., 9. usw. Irgendwann konnte der Leser nicht mehr folgen. Was halten Sie von diesen Dimensionen?
HH: Ich habe und hätte kein Problem mit weiteren Dimensionen, allerdings muss ich fragen, was damit bewirkt werden sollte. In der Serie spielt hauptsächlich die 5. Dimension eine tragende Rolle. Mit der sechsten werden wir hin und wieder konfrontiert, aber alles Weitere ist doch wirklich nicht tragendes Gestaltungsmerkmal. Niemand muss Angst davor haben, dass seine Fantasie überfordert wird. PERRY RHODAN ist in erster Linie Unterhaltung.

sfbasar: Wir haben in der Realität Raketen als Form für Raumschiffe. Hier gilt Form-follows-function. Bei einer Science-Fiction-Serie wie PR hat man diese Grenzen nicht. Alles war schon da: Weit vor den Borgs aus Star Trek flogen die Posbis mit ihren Fragmentraumern in Würfelform durchs All, die Gurrads hatten Birnenschiffe, die Terraner und Arkoniden Kugelraumer, die berühmte SOL in Hantelform, sogar lebende Raumschiffe (Dolans) gab es und auch die klassischen Disken allerlei anderer Völker kommen zuhauf vor. Es gibt kaum eine geometrische Form, die nicht in der Serie verwendet wurde. Was kommt als nächstes?
HH: Soll ich’s sagen? Nein. Als Koordinator der Risszeichnungen kann ich allerdings ausplaudern, dass ein wirklich schönes Fremdraumschiff in Arbeit ist, das mir ausnehmend gut gefällt. Aber zurück zur Frage: Perry Rhodan ist in erster Linie geschriebenes Wort. Kugelraumschiff oder Diskus umschreibt kurz und prägnant, was sich der Leser vorstellen darf. Jede bizarre Form bedarf deshalb einer eingängigen Benennung. Und bei der Konstruktion von Raumschiffen spielen ohnehin in erster Linie technische und wirtschaftliche Voraussetzungen eine Rolle. Die Kugel hat nun einmal den größten Rauminhalt bezogen auf die Oberfläche und damit wiederum auf Materialaufwand, Kosten usw. usf. Nur wäre es fad, wenn alle Völker die gleiche Bauweise benützten, ein wenig Individualismus wird sogar in der Zukunft das Zünglein an der Waage sein. Wir fahren auch nicht alle eine Automarke.

sfbasar: Auch dass die ewigen Freunde – die Arkoniden – plötzlich zu erbitterten Feinden wurden, gab der Serie Würze und Spannung zurück. Dieser Plot erinnerte mich ein wenig an den Aphilie-Zyklus, in dem einer der besten Freunde, Reginald Bull, zum Oberhaupt der gefühllosen Regierung wurde und alle gnadenlos jagte, die zu Recht gegen ihn rebellierten. Dieser Punkt – aus Freund wird Feind – hatte sogar schon etwas von George Orwells »1984«. Übrigens eine Tatsache, die von Kritikern gern übersehen wird. Niemand traut PR so viel Tiefgang zu. Wie gehen Sie überhaupt als Autor und Teammitglied mit dem Vorwurf der Trivialität – die, wie ich meine, längst nicht mehr gegeben ist – um?
HH: Wer der Serie Trivialität vorwirft, sollte wenigstens mal ein paar Romane lesen. Wenn derjenige den Begriff generell für Unterhaltungsliteratur verwendet, ist das für mich okay. Will er aber damit herabsetzen, habe ich ein Kopfschütteln für ihn. Perry Rhodan schildert eine kontinuierliche Geschichte, die Entwicklung und den Weg der Menschheit in die Zukunft. Dabei beschränken wir uns nicht auf einen Standpunkt, sondern beleuchten die Szene von vielen Seiten und schildern die Entwicklung von Charakteren, auch wenn das nicht immer innerhalb weniger Romane ersichtlich wird. Wer behauptet, das sei trivial, der muss dann wohl zugeben, dass sein Leben ebenfalls triviale Wurzeln hat.

sfbasar: Noch eine Befürchtung: Durch den unglaublichen Erfolg der »Star-Wars«-, »Star Trek«-, »Alien«-Filme und Kassenknüllern wie »Independence Day«, »Iron-Man«, »X-Men« usw. läuft Ihnen zumindest das Science-Fiction-Genre im Film voraus. Das Qualitätslevel – und die Erwartungshaltung der Fans – ist unglaublich hoch. Nachdem die ewige Frage nach einem PR-Film in den 60ern mit einem Fiasko endete, zuckten jahrzehntelang alle guten Regisseure und Geldgeber vor einem neuen Versuch zurück. Heute ist die Technik da, all das Fantastische zu zeigen, was damals unmöglich war. Heute ist es auch scheinbar kein Problem mehr, Millionen von Euro und Dollar aufzutreiben, wenn denn nur Drehbuch und Ideen überzeugen können. Zumindest an Ideen mangelt es PR nicht. Was tut sich in Sachen PR-Film konkret?
HH: Abwarten und hoffen. Wie schon James Bond wusste: Sag niemals nie! Die heutige Tricktechnik machte es sicherlich immer besser möglich, PERRY RHODAN zu verfilmen und unsere vielen Fremdintelligenzen gut darzustellen. Ich würde einen Film sehr gerne sehen, bin mir aber trotzdem sehr deutlich der Tatsache bewusst, dass PERRY RHODAN eine Romanserie ist. Jeder Leser hat seine ganz persönliche Vorstellung von den Protagonisten und Schauplätzen, da wird es enorm schwierig, wenn nicht unmöglich, alle Vorstellungen und Sehnsüchte zu erfüllen.
Wie viel leichter tut sich da z. B. Star Trek. Von vornherein hat jeder Zuschauer das gleiche fixe Bild vor Augen: So und nicht anders sehen die Personen, die Planeten usw. aus. Das ist ein Handicap. Wenn ich auch der Meinung bin, dass in PERRY RHODAN weit mehr Fantasie steckt.

sfbasar: Es gibt auch Gerüchte um eine PR-Fernsehserie. Über 2.600 Heftfolgen = 2.600 1-h-TV-Folgen? Bei »Raumschiff Enterprise« hat das erst im dritten Anlauf geklappt und danach ist die Serie in Spin-offs («Deep Space Nine«, »The Next Generation«, »Voyager«, »Star Trek«) zersplittert. Oder sehen Sie eine Folge von Spielfilm-Abenteuern – wiederum ähnlich wie die Star-Trek-Kinofilme – als bessere Lösung an?
HH: Jedes Romanheft eine Filmstunde? Nein, damit könnte ich mich nicht anfreunden. Allerdings wären zyklenbezogene Spielfilme prallvoll mit Handlung und würden der Sache ebenso wenig gerecht werden. Zum Glück muss ich mir aber darüber nicht den Kopf zerbrechen.

sfbasar: Bei den Filmen gibt es für eine Folge das Limit 1 Stunde, bei einem Spielfilm rund 2 Stunden. Ein Heft hat seit jeher 64 Seiten. Ich habe mich schon immer gefragt, wie das geht? Wie kann eine Teilgeschichte immer genau nach 64 Seiten zu Ende sein? Wird hier wild gestrichen oder haben Sie und Ihre Kollegen so eine Art »Innere Schreibuhr«, die Ihnen sagt: »Stopp, Seite 64 erreicht.«?
HH: Diese innere Uhr funktioniert zumeist nicht, die schreit viel zu spät »Stopp!«. Natürlich ist die Seitenzahl in jedem Heft konstant, aber zum Glück weder die Satzgröße noch die Zeilenanzahl. Aber vor allem gibt es die Möglichkeit, einen Text auch zu kürzen. Und das ist keineswegs die schlechteste Möglichkeit.

sfbasar: Dort wo Perry Rhodan hingeht, ist auch sein Mutantenfreund Gucky nicht weit. Er stand zumindest in den ersten Jahrzehnten als humoristischer Part zur Verfügung. Nun gibt es die sehr, sehr große Fraktion der Hardcore-SF-Fans, die so gar nichts mit humoristischer SF á la Douglas Adams anfangen kann. Der Grat zwischen echtem Witz, Humor und Lächerlichkeit ist hier sehr schmal. Nichts ist schwieriger, als echten Humor zu erschaffen; die Witzeschreiber der aktuellen Comedians können davon ein (Leid)Lied singen. Wird der Mausbiber Gucky im Neubeginn oder möglicherweise in einem Film, einer Serie, wieder der Hampelmann sein oder eher der paranormal hochbegabte Alien, der an den Menschen einen Narren gefressen hat?
HH: Ich weiß es nicht – und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht ausplaudern. Ich habe über lange Jahre hinweg das Bankgeheimnis so verinnerlicht, dass ich nichts verrate, egal was kommen mag.

sfbasar: Schon lange wird der Heftmarkt totgesagt und doch gibt es ihn immer noch. Wie sehen Sie das Medium Heft in den nächsten Jahren? Neben Taschenbuch, Hardcover-Silberbänden und E-Books?
HH: Totgesagte leben länger. Ich glaube, dass das Heftmedium noch eine Vielzahl von Jahren überleben wird. Es ist handlich, überallhin mitzunehmen, man kann es überall lesen, sogar ohne Strom. Und wenn es zerfleddert aussieht und man dennoch eine tadellose Sammlung haben will, dann kauft man eben ein zweites Exemplar. Das ist dann das Scherflein, das viele beitragen können, um das Medium Heftroman zu erhalten.

sfbasar: Der Science-Fiction wird nachgesagt, sie sei ein Genre für Männer. Der Frauenanteil an Leserinnen und auch Autorinnen ist tatsächlich klein. In der Vergangenheit schrieben Susan Schwartz alias Uschi Zietsch, Marianne Sydow und Claudia Kern für Perry Rhodan. Momentan gibt es nur Uschi Zietsch und Verena Themsen. Finden sich keine Weiteren oder trifft das vorgenannte Klischee tatsächlich zu? Wie sehen Sie Frauen in der SF und bei PR?
HH: Ich kenne einige Frauen im näheren Umfeld, die Perry Rhodan und SF lesen. Dass sie in der prozentualen Minderheit sind, liegt aber wohl immer noch an verschiedenen Faktoren, die nicht zuletzt familiärer und beruflicher Natur sind.

sfbasar: Herr Haensel, was tun Sie, wenn denn mal wirklich Aliens auf der Erde landen? Stellen Sie dann die PR-Serie ein und machen so eine Art Tatsachenberichte über die Besucher?
HH: Dann liefern wir zumindest PERRY RHODAN Neo auf jenen Heimatplaneten aus. Neo deshalb, damit die Fremden von Anfang an mitlesen können. Und natürlich ist ziemlich sicher, dass sie sowohl in der Erstauflage als auch in Neo sehr bald als Handlungsträger auftauchen würden. Im Report gibt es dann bebilderte Reiseberichte, und den eBooks hängen jeweils kurze Datenfiles an, die über das Leben der Fremden informieren.

sfbasar: Allein schon, wenn es gelänge, Kontakt mit einer anderen realen Zivilisation aufzunehmen: Wie würde sich das Ihrer Meinung nach auf unsere Gesellschaft, unsere Zivilisation auswirken? Zukunftsforscher haben in der Vergangenheit immer mit ihren Prognosen massiv daneben gelegen. Hat hier ein SF-Autor mehr Fantasie, eine höhere Trefferquote für Voraussagen?
HH: Ich fürchte, PERRY RHODAN hat recht. Der Kontakt mit fremden Intelligenzen würde wohl einige Völker auf unserer guten alten und charakterlich rückständigen Erde gegeneinander aufbringen. Wer gönnt dem anderen schon eine solche Begegnung? Vielleicht lassen die Fremden deshalb auf sich warten, weil sie genau das erkannt haben.
Ein SF-Autor, und das gilt natürlich auch für unsere PERRY RHODAN-Leser, würde weder versuchen, die Fremden aus Furcht oder Habgier umzubringen, noch würde er dem Wahn verfallen, sie als Götter anzusehen und vor ihnen auf den Bauch zu sinken. Ich wünschte, wir bekämen bald die Gelegenheit, das zu beweisen. Eine solche Begegnung hätte auch das Potenzial, wie in PERRY RHODAN bewiesen, die Menschheit endlich in Frieden zu vereinen. Wenn all das zu diesem Punkt zuerst Gesagte vermieden werden könnte.

sfbasar: Herr Haensel, wir bedanken uns herzlich für Ihre Zeit und sehr interessanten Antworten. Viel Glück weiterhin mit der größten SF-Serie der Welt. Wir glauben, dass Ihnen diese Auszeichnung auch in ferner Zukunft keiner wird abjagen können.
HH: Ich bedanke mich für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit. PERRY RHODAN bleibt die größte SF-Serie der Welt, davon bin ich überzeugt. Ich wünsche allen unseren Lesern und Freunden noch viele und schöne Leseerfahrungen mit unserer Welt der Zukunft, in der Hautfarbe und Religion längst kein Grund mehr sind, sich gegenseitig den Kopf einzuschlagen. Ad Astra!

Copyright © 2011 by Hubert Haensel und Werner Karl

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Aileen P. Roberts und Stephan Lössl – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 15. August 2011

Interview mit Aileen P. Roberts und Stephan Lössl

Das Interview führte Werner Karl

sfbasar: Herzlich willkommen Claudia und Stephan Lössl. Oder soll ich lieber Aileen P. Roberts sagen? Denn schließlich publizierst du, Claudia, unter diesem Pseudonym. Und warum benutzt du, Stephan, keines?
SL: Ich habe mir bislang zu einem Pseudonym ehrlich gesagt nur wenige Gedanken gemacht und die waren eher von der lustigen Art. Deshalb kam außer Esswerkzeug (z. B. Stephen T. Löffl) wenig dabei raus. Somit werde ich wohl einfach bei meinem richtigen Namen bleiben, obwohl ich ein Pseudonym auch nicht gänzlich ausschließen möchte.
APR: Ich höre auf beides.

sfbasar: Ihr beiden teilt viele Dinge miteinander, lebt sie zum Teil sogar: Die Liebe zu Schottland, Pferden – ihr habt sogar welche –, Fantasy und das Schreiben von Romanen. Waren es diese Gemeinsamkeiten, die euch zusammengeführt haben, oder haben sich diese erst nach eurem „Aufeinandertreffen“ gezeigt?
APR: Eines unserer ersten Aufeinandertreffen war meine Pferdebürste, die ich gezielt auf Stephans Kopf geworfen habe *räusper* und die anderen Gemeinsamkeiten? Na ja, die kamen erst nach und nach. Vor allem nach unserem ersten England/Schottlandurlaub Ende September, als es hier in Strömen gegossen hat und uns alle einstimmig für verrückt erklärt haben, mit dem Zelt in ein “kaltes Land“ zu fahren, in dem es vermutlich nicht mal sanitäre Anlagen oder Bäcker gibt?
SL: Wusstet ihr, dass Bürste und Brüste besonders für „Nichtmuttersprachler“ schwer auseinander zu halten sind? Aber nee, die Angaben oben sind korrekt, nur um Missverständnissen vorzubeugen.

sfbasar: Ihr seid beide in Bayern geboren und lebt auch hier. Andere Menschen schwärmen für die Südsee, einsame Inseln und ähnlich romantische Orte. Wie kam es zu eurer Leidenschaft ausgerechnet für Schottland? Ein Land außerhalb des Kontinentes und i. d. R. kühler und regnerischer als eure Heimat. Ist es die Magie, die sich dort scheinbar in jedem Fels, in jedem Baum finden lässt?
SL:  Der Pingelige würde jetzt auf Franken bestehen, aber wir sind da ja nicht so. Aber mal im Ernst: Schottland, ja, tatsächlich könnte man meinen, die Magie aus uralten Tagen schwelt noch heute im Nebel, verweilt in den Tälern oder träumt in den Tieren, die die Highlands bevölkern. Wenn man dann von einer prähistorischen Höhle aus Hochlandhirsche beobachtet, die dem Berggipfel nahe dahinziehen, ihre Geweihe teils verborgen in den tiefhängenden Wolken, dort wo sich Traum und Wirklichkeit vereinen, dann beginnt man an Magie zu glauben.
APR: Ich bin weder in Bayern noch in Franken geboren, sondern in Düsseldorf. Bin aber schon als kleines Kind hierher gezogen. Sagen wir´s mal so, ich gehöre zu der seltenen Spezies, der es in Deutschland im Sommer zu warm ist (okay, dieser nicht). Als “Heimat” im eigentlichen Sinne sehe ich D eigentlich nicht an. Es ist soweit ganz okay, aber als ich die ersten Male in den Highlands war, wusste ich, wo ich wirklich leben möchte!

sfbasar: Ihr habt beide Berufe gelernt, die auf den ersten Blick wenig mit magischen Welten, unerschrockenen Helden und zauberhaften Feen zu tun haben. Betrachtet ihr das Schreiben von Fantasy als Realitätsflucht – was ja generell der gesamten Zunft fantastischer Autoren unterstellt wird – oder was fasziniert euch an diesem Genre?
SL:  Fantasy als Realitätsflucht bekommt man tatsächlich oft zu hören. Ich behaupte genau das Gegenteil: Fantasy bedeutet, sich der Realität zuzuwenden, oder diese zu erweitern! Schreibt man, taucht man in eine andere Welt ein und oft enthüllen sich Dinge über einen selbst, Dinge, die mitnichten surreal sind, sondern Wahrheiten über die eigene Persönlichkeit zeigen können.
Es ist so eine Art Sehnsucht, die einen antreibt, sich auf eine phantastische Reise zu begeben und eine Welt samt ihrer Wesen und Charaktere entstehen zu lassen, die irgendetwas in uns widerspiegelt, eine tiefere Realität sogar. Dem Leser geht es da sicher meist ähnlich: er liest und manche Geschichten bewegen etwas in ihm, etwas Verborgenes im Unbewussten, für den Verstand bis dahin nicht greifbar, dennoch ist es präsent.
Mir fallen da gerade meine oben erwähnten Hirsche wieder ein. Während ihre Beine fest auf dem schottischen Boden fußen, so tragen sie doch mit Stolz ihr Geweih, auch wenn es im selben Moment für den Betrachter von den Wolken verhüllt bleibt.
Oder mit anderen Worten: Wohin könnten wir schon fliehen, sei es körperlich oder mit dem Geist, wo die Realität uns nicht folgt?
APR: Ich glaube auch, dass verdammt viel Realität in Fantasyromanen steckt – nur etwas anders verpackt. Und mal abgesehen davon, wenn einen die Realität manchmal nervt – was ganz sicher bei jedem von uns irgendwann der Fall ist – was spricht dagegen mal für ein paar Stunden zu fliehen?

sfbasar: Aileen: Du hast 2006 auch einen eigenen Verlag – Cuillin – gegründet. Dort sind bisher fast ein Dutzend Pferderomane und mehrere Fantasybücher erschienen. Inwieweit spiegelt das deine oben erwähnte Liebe zu Land und Tier wider, bzw. inwiefern hattest du weibliche Teenager als Zielgruppe im Auge? Scheinbar ist das ja ein unverwüstliches Thema: (Pubertäre) Mädchen und Pferde.
APR: Die spiegelt sich sehr deutlich in Rhiann und Deana wider und ganz sicher sind weibliche Teenager die Hauptzielgruppe, obwohl ich auch schon jede Menge Emails von begeisterten Müttern bekommen habe, denen die Bücher ebenfalls gefallen. Ich wollte mal etwas anderes schreiben, ein Buch, das ich mit 15, 16 oder 17 selbst gern gelesen hätte. Nicht das typische: Mädchen kauft Pferd, gewinnt nach kurzer Zeit jedes Turnier und bekommt am Ende den Sohn des Stallbesitzers noch mit dazu.
Rhiann dreht sich um Probleme in der Pubertät, Stress mit den Eltern, davon seinen eigenen Weg zu gehen, ja, Pferde kommen auch vor, aber eben keine “tollen Turnierpferde” sondern die in Deutschland sehr seltenen Highlandponies. Außerdem natürlich Schottland, Land und Leute – und klar – ein bisschen Romantik, das muss einfach sein.
SL: Und die Highlandponies geben durchaus brauchbare Turnierpferde ab.

sfbasar: Stephan: Du bist im Hauptberuf selbstständiger Lehrer für Tai-Chi-Chuan und Qi-Gong, darüber hinaus TCM-Ernährungsberater. Beides, meditatives Körpertraining und bewusste Ernährung, erhalten mehr und mehr Zulauf. Zum einen als Gegengewicht zu unserer hektischen Berufswelt und zum anderen wegen permanenter Lebensmittelskandale. Fast hat man den Eindruck, dass intelligentere Menschen – und Haushalte, die sich nicht mit Fast Food begnügen wollen und müssen – in beidem ein Leben wie zu früheren Zeiten erhoffen und dies eben damit wenigstens zum Teil ermöglichen. Stimmst du dieser Einschätzung zu oder liege ich hier völlig falsch?
SL:  Leider muss ich gestehen übe ich die gesundheitsorientierten Berufe nicht hauptberuflich aus. Dennoch kann ich sagen, es gibt zwar den Trend zu gesundheitsbewusstem Leben, aber es herrscht häufig noch die „Ich zahle, also sorgst du gefälligst dafür, dass es mir gut geht“–Mentalität vor. Bewusste Ernährung und Bewegungskünste wie Tai-Chi erfordern aktives Tun, der Praktizierende muss sich häufig umstellen und bewusst und regelmäßig an sich selbst arbeiten. Daran scheitert es häufig – leider, denn in der TCM Ernährung oder auch 5-Elemente Ernährung vermag man durchaus ein Leben wie in früheren Tagen zu finden. D.h. sich beispielsweise im Rhythmus der Jahreszeiten zu ernähren, möglichst naturbelassene Lebensmittel dann zu essen, wenn sie tatsächlich draußen wachsen, also keine Erdbeeren aus Spanien im Winter oder mit Vitamin C versehene Orangenmilch.

sfbasar: Noch einmal Stephan: Gesunde Ernährung und respektvoller Umgang mit dem eigenen Körper gehen an vielen Gesellschaftsschichten völlig vorbei. Sei es, weil sie es sich nicht leisten können, sei es, weil sie es nicht ernst nehmen oder einfach, weil viele Couch-Potatoes zu bequem geworden sind. Siehst du eine Gefahr für die Gesundheit der Menschheit, vor allem dann, wenn du an verfettete Amerikaner und Bürger anderer Industrienationen denkst?
SL: Ja, die sehe ich durchaus. Gesund sein bedeutet ja nicht nur, sich gesund zu ernähren oder den Körper mit regelmäßiger Leibesertüchtigung zu erfreuen, sondern setzt auch eine entsprechende Geisteshaltung voraus. Letztere erachte ich persönlich sogar als das wichtigste Element und da macht es uns unser Gesellschaftsystem schwer. Wir leben in steter Hektik, oft geben Firmen den Takt vor, der, einem Flächenbrand gleich, auf unser Privatleben übergreift.  So fällt es schwer, Zeit für sich zu finden und die Stille zu erfahren, in der unser Geist Heilung finden könnte. Die Folge: immer mehr Menschen brennen aus und das bewusst gekochte Essen fällt Fastfood, Mikrowelle und Tiefkühlkost zum Opfer. Aber: Ich glaube auch an den Wandel, und der wird vieles ändern.
APR: Da muss ich leider mal wieder widersprechen, was mich in Anbetracht der folgenden Frage zum Schmunzeln bringt. Die verfetteten Amerikaner – wobei man u.U. gar nicht unbedingt über den großen Teich schauen muss – wird ganz sicher die Einsicht nicht treffen und wenn, dann erst nach einem Tsunami, der es krachen lässt, dem Yellowstone der in die Luft geht oder einem dezenten Meteoriteneinschlag … Von selbst? Das wird wohl leider nur ein sehr kleiner Teil der Menschheit bleiben.
SL: So, schon ist der Ehekrach perfekt. Aber Tsunamis und Erdbeben sind ja gerade der Wandel von dem ich spreche.  Nichts anderes geschieht gerade in der Welt, so in Japan und der Bewusstseinswandel folgt ja auch. Zugegeben: in Amerika wird’s noch dauern.

sfbasar: Ihr beide wirkt auf mich als Paar völlig in sich stimmig, wenn ich mich so ausdrücken darf: Stephans Tätigkeiten, eure Liebe für ein mythisches Land und faszinierende Tiere, dazu eben Fantasy als Genre, in dem ihr beide schreibt. Das ist so wie aus einem Guss. Seht ihr euch selbst auch so oder müsst ihr hier lächeln?
SL: Ein Stück weit könnte man das sicher so beschreiben, aber auch wir kämpfen mit den alltäglichen Herausforderungen, wie zum Beispiel liegen gelassene Socken, deren Spuren man bis zur Einfahrt des Nachbar verfolgen kann.
APR: Kleine Anmerkung: Es handelt sich um meine Socken *g* und nicht zu vergessen die Rübenschnitzel im Fußraum des Autos.

sfbasar: Aileen: Du hast mittlerweile auch im Fantasybereich bei Goldmann einige Romane veröffentlicht und mit der „Weltennebel“-Trilogie haust du einen neuen Kracher auf den Tisch. Wie lange schreibst du an einem Buch und ab welchem Punkt weißt du, das wird ein Einzelroman und das wird ein Mehrteiler?
APR: Das ist jetzt nicht so ganz einfach zu beantworten, weil ich teilweise 2 Sachen parallel schreibe/geschrieben habe bzw. ein Buch noch korrigiert/lektoriert wird und das andere gerade in der Entstehung ist. Aber Weltennebel habe ich zum Beispiel 2009 begonnen. Also knapp 2 Jahre für 3 Teile.

sfbasar: In der Gerüchteküche hört man, dass nach Abschluss und Veröffentlichung aller drei Weltennebel-Romane bei euch ein gemeinsames Projekt – auch Fantasy – in Angriff genommen werden soll. Stimmt das Gerücht und wenn ja, was könnt ihr beide darüber schon den Fans verraten?
APR: Allzu viel können wir da noch nicht verraten, weil auch noch gar nicht raus ist, ob es jetzt wirklich High Fantasy oder doch eher in die historische Richtung geht. Sicher ist erst mal ein Fantasy/Zeitreise-Roman von mir, der voraussichtlich im September 2012 erscheint. Was danach kommt – mal sehen.
SL: Psst !
APR: Schon gut, die brave Ehefrau schweigt gehorsamst (wäre auch das erste Mal, *hihi*)

sfbasar: Ich habe auch einmal mit einem Freund eine Co-Produktion eines Science-Fiction Romans begonnen. Er sollte aus Alien-Sicht schreiben, ich aus Sicht der Menschen. Trotzdem haben wir uns nach einigen Kapiteln sozusagen auseinandergeschrieben und das Projekt vorerst auf Eis gelegt. Wie bekommt ihr das hin?
APR: Wir haben mehrere Schaukampfschwerter im Haus – also können wir das “ausdiskutieren”.
Nein, mal im Ernst, manchmal kracht es schon, aber irgendwie haben wir uns bisher immer geeinigt. Meist haben wir kapitelweise geschrieben und jeder das durchgelesen, was der andere zuvor geschrieben hat. Und das Grundgerüst haben wir gemeinsam erstellt.
SL: Da kann ich mich nur anschließen. Wichtig ist auch, sich vorher ein wenig abzusprechen, was in der Szene, die geschrieben werden soll, passieren muss.

sfbasar: Wenn ihr – jeweils für euch – einen neuen Roman beginnt, wie viel Vorarbeit macht ihr und in welchem Stadium beginnt ihr mit dem eigentlichen Schreiben? Vor allem: Hat jeder hier seine eigene Methode, Technik oder pflegt ihr hier eine ähnliche Arbeitsweise?
APR: Also ich für meinen Teil überlege mir den groben Plot. Anfang, Mittelteil, Ende (wobei bei Weltennebel das Ende relativ lange offen für mich war) und einige wichtige Stationen innerhalb des Buches. Dann natürlich die einzelnen Charaktere, die in einer Liste festgehalten werden, die sich nach und nach füllt. Dann lasse ich mir aber relativ viele Freiheiten, wie sich alles entwickelt. Haargenau planen liegt mir nicht …
SL: Nun, ich mache mir auch eine grobe Vorstellung, von dem was passieren soll und wie die Geschichte enden soll. Ich finde es gut, vorab schon ein Exposé zu erstellen, so dass man einen Leitfaden hat. Allerdings sehe ich das Exposé nicht als zwingend an, da eine Geschichte ihre ganz eigene Dynamik entwickelt und man einfach Raum braucht. Ich finde, man merkt einem Buch auch an, ob dessen Verlauf ganz genau geplant, oder besser gesagt konstruiert ist. Manchmal nimmt das der Geschichte die Lebendigkeit und das Leben selbst ist ja auch nicht wirklich planbar.

sfbasar: Ich nehme an, dass ihr euch gegenseitig als Kritiker nutzt und zu Ideen, Szenen und Handlungsabläufen austauscht. Wenn einer von euch dem anderen sagen muss, dieses oder jenes sei nicht gelungen, belastet das eure Partnerschaft? Könnt ihr als Ehepaar mit Kritik umgehen oder klammert ihr das aus und überlasst die Kritik anderen, z. B. Agenturen und Lektoren?
SL: Wir lesen gegenseitig die Bücher (deswegen werden meine Werke ja dauernd ausgebremst), aber bisher gab es hier noch keine Probleme mit Kritik. Gewiss, es brechen Diskussionen aus, aber es fliegen keine Bürsten mehr. Was Kritik im Allgemeinen anbelangt, so finde ich es immer nur schade, wenn die Geschichten mit anderen, in der Regel sehr bekannten Büchern verglichen werden, anstatt die Geschichte nur ganz allein für sich zu betrachten. Jedoch gibt es das bei uns in der Ehe nicht.
APR: Dem schließe ich mich mal an – wobei ich ja auch deine Bücher lese und mich selbst ausbremse.

sfbasar: Wie haltet ihr das mit dem komplexen Aufbau eines Romans? Plant ihr hier Kapitel für Kapitel und haltet euch mehr oder weniger dran oder lasst ihr euch – und eure Fantasie – „gesteuert“ treiben (hah, ein Oxymoron!) und seid selbst am Ende überrascht, wo ihr gelandet seid?
APR: Wie schon oben erwähnt, eigentlich eine Mischung aus beidem. Grobe Planung und dann “treiben lassen”.
SL: Genau, es muss wachsen, manchmal zur Sonne, manchmal in die Dunkelheit. Und tatsächlich, die Überraschung wartet häufig auf einen, wenn das Buch beginnt zu enden. (Ist das nicht noch so ein Oxy-dings-bums? Wäre auch ein guter Name für einen Ork)

sfbasar: Jeder Autor scheut sich davor, Textstellen, evtl. sogar ganze Abschnitte oder Nebenpersonen zu streichen, wenn sie für die Handlung nicht relevant sind und der Lektor mit dem Zeigefinger droht und unmissverständlich auf die Löschtaste deutet. Trifft euch das hart oder bleibt ihr hier cool und professionell? Und macht es dann auch so?
APR: Textstellen zu streichen ist ein Stück weit normal, und auch wenn man meist zuerst schlucken muss, gewöhnt man sich daran. Ehrlich gesagt bin ich meiner Lektorin sogar dankbar, weil es mir selbst ausgesprochen schwer fällt zu streichen und ich ohnehin zu dicken Wälzern neige.
2 Personen “musste” ich in Weltennebel streichen, aber die waren nicht wirklich wichtig und damit konnte ich ganz gut leben. Wären es jetzt Hauptcharaktere oder Figuren, die mir besonders am Herzen liegen, hätte ich vermutlich schon ein Problem damit.
SL: Ist mir mangels Veröffentlichungen noch nicht passiert, sollte aber nicht so das Problem sein. Manchmal ist es ja gut, wenn der Lektor das Geschriebene etwas distanzierter betrachtet und da Tipps gibt.

sfbasar: Überhaupt: Wie macht ihr eure Überarbeitungen? Wann habt ihr das Gefühl oder die Sicherheit „Ich bin fertig.“ Und wie lange plagen euch Zweifel? Oder verlasst ihr euch – ab welchem Zeitpunkt? – auf das Lektorat der Agentur oder des Verlages?
APR: Ich glaube, man hat nie das Gefühl, wirklich fertig zu sein, aber irgendwann muss man sein Buch einfach “gehen lassen”, denn im Endeffekt ist die Gefahr größer, etwas schlechter zu machen wenn man zu lange überlegt, was man noch anders oder besser machen könnte. Bei jedem meiner Bücher würde ich vermutlich im Nachhinein zumindest eine Kleinigkeit anders machen.
SL: Ich denke auch, man muss es irgendwann sein lassen, obwohl ich dazu neige, die Geschichte immer anzupassen, zu modifizieren oder sprachlich zu verbessern.

sfbasar: Auch wenn Schottland und das Genre Fantasy recht ergiebig für Romanstoffe sind, habt ihr Ideen oder zukünftige Projekte in petto, die andere Themen aufgreifen, evtl. sogar die Grenzen der Fantasy sprengen?
SL: Ja, da gibt es einige Ideen, aber bislang sind das eben nur Ideen. Sicher kann man das Thema Schottland verlassen, aber ich glaube die Phantasie niemals. Wie heißt es so schön in Michael Endes unendlicher Geschichte: Phantasien hat keine Grenzen, sprach zumindest der Gmork, und der muss es ja wissen.
APR: Vorstellbar ist so ziemlich alles, aber ich habe noch so viele Ideen, dass ich wohl vorerst bei Schottland/Fantasy bleiben werde.

sfbasar: Auf einer Autorenlesung habe ich euch beide in entsprechender Kleidung angetroffen. Sind solche Rollenspiel-Treffen ein Teil eurer Freizeit oder Teil des Autorengeschäftes? Verbindet ihr hier das Angenehme mit dem Nützlichen?
APR: Gelegentlich gehen wir schon auf Mittelaltermärkte und ähnliche Veranstaltungen. Teil des Autorengeschäfts – ich weiß nicht … Man muss sich ja nicht gewanden. Aber ich für meinen Teil tue es ganz gerne und ich finde, es passt gerade zu Fantasylesungen gut.
SL: Da schließe ich mich einfach mal an.

sfbasar: Ich hätte noch tausend weitere Fragen, aber leider würde das zu viel von eurer Zeit fürs Schreiben rauben und schließlich hoffen wir auf viele neue fantastische Geschichten von euch. Ich bedanke mich im Namen des sfbasars herzlich für eure Antworten und wünsche euch weiterhin viel Erfolg.
APR: Dir vielen Dank für deine interessanten Fragen und Gruß an den sfbasar
SL: Auch von mir Vielen Dank und einen herzlichen Gruß.

Copyright © 2011 by Aileen P. Robert, Stephan Lössl und Werner Karl

Aktueller Lesungstermin: 20.08.2011 umd 15:00 Uhr in der Buchhandlung Thalia in Erlangen

Autorenporträt Aileen P. Roberts im sfbasar
Autorenporträt Stephan Lössl im sfbasar

Bibliografie:

- 2011: “Weltennebel 3 – Im Schatten der Dämonen” (Dezember)
- 2011: “Weltennebel 2 – Das Reich der Dunkelelfen”
- 2011: “Weltennebel 1 – Das magische Portal
- 2010: Kurzgeschichte: “Kapitän Norwinns Rumkuchen” in der Fantasyanthologie “Die Köche – Bis(s) zum Mittagessen” vom Ulrich Burger Verlag
- 2010: Kurzgeschichte “Das Herz eines Kriegers” in der Fantasyanthologie “Weltentor” vom Noel Verlag
- 2010: „Im Schatten der Xashatâr“
- 2009: „Thondras Kinder – Am Ende der Zeit“
- 2009: „Thondras Kinder – Die Zeit der Sieben“
- 2009: „Deana und der Feenprinz: Ciarans Geheimnis“
- 2008: „Deana und der Feenprinz: “Highlandsommer”
- 2008: „Jenseits des Nebelmeers“
- 2008: „Dìonàrah – Das Geheimnis der Kelten: Band 2“
- 2007: „Dìonàrah – Das Geheimnis der Kelten: Band 1“
- 2007: „Die Tochter des Mondes“
- 2007: „Rhiann – Verschlungene Pfade“
- 2006: „Rhiann – Sturm über den Highlands“
- 2006: „Rhiann – Nebel über den Highlands“

Vorschau:
2012: Voraussichtlich September: Ein Fantasy/Zeitreiseroman wird bei Goldmann erscheinen

Bibliografie Stephan:
Synnivan – Das Buch der Flammen (noch unveröffentlicht)
Synnivan – Der Ruf des Blutes (noch unveröffentlicht)
Die Feuer von Erenor (noch unveröffentlicht)
Weitere Romane in Planung

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Lea Korte – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 23. Juli 2011

Interview mit Lea Korte

Das Interview führte Werner Karl

sfbasar: Hallo Lea, schön, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Erzähl doch mal ein wenig von dir selbst. Wo und wie lebst du?

LK:
Zusammen mit meiner Familie lebe ich seit vielen Jahren in Spanien – natürlich in einem Ort am Meer.

sfbasar: Wann hat dich das Virus Schreiben gepackt oder durch welches Erlebnis wurdest du zum Schreiben animiert?

LK:
Ich war einfach von klein auf eine Leseratte und habe es mir toll vorgestellt, immer nur lesen und schreiben zu müssen – was es auch ist! Gleich nach dem Studium habe ich dann ganz ernsthaft mit dem Schreiben begonnen und hatte das große Glück, auf Anhieb einen Agenten zu finden, mit dem ich auch heute noch zusammenarbeite.

sfbasar: Wie hast du das Handwerk Schreiben erlernt? Und: Hast du vor deinen Romanen schon andere Dinge geschrieben?

LK:
Ich habe in der Anfangszeit viele Kurse besucht, Fachbücher gelesen und mir das bewusste Lesen angewöhnt. Auch mit jedem neuen Buch – und dem dazugehörigen Verlagslektorat – habe ich viel gelernt. Inzwischen habe ich 10 Bücher geschrieben. Manchmal kann ich das Selbst kaum fassen.

sfbasar: Hast du dein Manuskript zu deinem Erstling einer Agentur präsentiert oder direkt einem Verlag angeboten? Beide Wege sind ja möglich; allerdings mit unterschiedlichen Chancen. Wie einfach oder mühsam war dein Weg?

LK:
Ich habe mich direkt an einen Agenten gewandt, und bin nach wie vor mit ihm „verbandelt“ und sehr zufrieden, dass ich diesen Weg gewählt habe. Ich hatte damit kaum Steine zu überwinden und weiß, dass dies eher die Ausnahme ist.

sfbasar: Über die Zusammenarbeit mit Lektoren hört man von der Horrorstory bis zum ausgerollten roten Teppich alle Varianten. Wie erlebst du die Arbeit mit den Agenturen und Verlagen?

LK: Ich war bisher mit meinen LektorInnen immer sehr, sehr zufrieden und mit zweien von ihnen verbindet mich inzwischen sogar eine wirklich gute Freundschaft.

sfbasar: „Die Maurin“ und „Die Nonne mit dem Schwert“ sind ja beides historische Romane. „Sommernacht auf Mallorca“ ist eindeutig der Bereich Sommer, Sonne, Liebe & Romantik. Fällt es dir leicht, diese beiden Genre voneinander zu trennen? Oder besteht immer die Gefahr, dass sich in einem, Elemente des anderen einschleichen?

LK:
Ich könnte sie nicht gleichzeitig schreiben, also morgens historisch und mittags zeitgenössisch, aber das ist auch schon die einzige Einschränkung. In verschiedenen Genre nacheinander zu schreiben finde ich dagegen sehr spannend. Es ist eine Herausforderung, sich immer wieder mal neu auszuprobieren!

sfbasar: Die beiden Historienbücher sind im Knaur-Verlag erschienen, „Sommernacht …“ bei Ruetten & Loening. Natürlich haben viele Verlage ein bestimmtes, manchmal recht konkret definiertes Verlagsprogramm. Andere Verlage publizieren aber mit verschiedenen Reihen in mehreren Genre. Bestand hier ein Abgrenzungswunsch durch die Verlage, die sich „ihr“ Bild von dir als Historien-Autorin, und umgekehrt nicht durch ein anderes Genre beeinflusst haben wollten, oder ergab sich das durch andere Faktoren?

LK:
Normalerweise ist das ein Problem, ja, aber in diesem Fall hat mein Agent da wohl die Wege geebnet.

sfbasar: Welche Anstrengungen hat z. B. Knaur getan, um dich als junge, neue Autorin dem Publikum vorzustellen? Hat man dich auf eine Tour mit Autorenlesungen geschickt?

LK: Ach, nein, das gibt es nur im Film und beinahe muss ich lachen, so weit ist diese Vorstellung von der Realität entfernt. Man muss sich selbst durchbeißen. Werbung und Hofierung gibt es nur für die ganz großen Bestsellerautoren!

sfbasar: Apropos Lesungen: Machst du das gerne und fällt es dir leicht, vor einem Publikum – i. d. R. ja lauter fremden Menschen – deine Texte zu lesen? Empfindest du z. B. ein modernes Headset als Anachronismus, wenn du aus deinen Historienbüchern liest?

LK: Dadurch, dass ich in Spanien lebe, mache ich nur sehr selten Lesungen. Letztes Jahr habe ich im Mai aber fast 4 Wochen am Stück Lesungen gemacht – und diese Zeit sehr genossen. Mich hat das Headset nicht gestört. Wenn man vor über 100 Leuten liest, geht das gar nicht anders.

sfbasar: Gibt es Termine und Orte, wo du in den nächsten Wochen und Monaten Lesungen hast?

LK: Derzeit nicht, nein. Die Entfernung ist schon ein Problem – zumal ich ja Familie habe.

sfbasar: Zurück zum Schreiben. Wenn du ein neues Buchprojekt in Angriff nimmst, bist du da eher die Aus-dem-Bauch-Schreiberin oder die akribische, strukturiert und geplant vorgehende Autorin?

LK: Das Letztere, und von Buch zu Buch plane ich mehr und überlasse weniger dem Zufall. Je mehr man über das Handwerk weiß, desto mehr Möglichkeiten hat man – und will diese dann auch schon bei Planung in das Projekt einfließen lassen.

sfbasar: Gerade deine historischen Bücher werden eine Menge an Recherche erfordern. Die Gefahr, sich in unnötigen Details zu verlieren, lauert ja in jedem, der fasziniert ist von Geschichte und den Tausenden Dingen, die uns modernen Menschen ja größtenteils fremd geworden sind. Wo und wie intensiv suchst du nach Informationen? Und ab welchem Punkt lässt du es gut sein?

LK: „Gut sein“ lasse ich es eher gar nicht. Für meine historischen Romane habe ich verschiedene fachliche Berater, auf die ich zurückgreifen kann, v. a. einen Arabistikprofessor von der Universität in Cadiz (Spanien), und diesen guten Freund löchere ich, bis mir auch noch die letzte Kleinigkeit klar ist. Außerdem lese ich auch Berge von Fachliteratur, ordne diese Infos mit Hilfe von einem tollen Computerprogramm, unternehme Recherchereisen und, und, und … Ich finde gerade die Recherche sehr spannend!

sfbasar: Wenn du die magischen vier Buchstaben ENDE unter deine Rohfassung setzt, lässt du dann einige Zeit den Text „sacken“, um einen Abstand zum gerade Geschriebenen zu finden? Oder machst du dich gleich an die Überarbeitungen? Und wie gehst du da vor?

LK: Ich lege den Text beiseite, ja – und schreibe dann, wie jetzt zum Beispiel, „zwischendurch“ einen anderen Roman. „Die Maurin – Teil II“ ist ja gerade am Entstehen, und während einer solchen Pause habe ich „Sommernacht auf Mallorca“ geschrieben – wofür übrigens auch eine Recherchereise nötig war.

sfbasar: Nun ist ja keine Geschichte wirklich jemals zu Ende, denn auch das Leben endet nicht mit dem Tod eines bestimmten Menschen oder Protagonisten. Wie groß ist die Versuchung – oder gar die Forderung des Verlages – eine Fortsetzung und evtl. weitere zu schreiben?

LK: Bei „Die Maurin“ war die Versuchung für mich zum ersten Mal wirklich groß – und deswegen schreibe ich jetzt auch an dem zweiten Teil, der nächstes Jahr erscheinen wird.

sfbasar: In diesem Zusammenhang steht auch eine Frage, wenn du von Anfang an mehrere Romane geplant hast. Reagiert ein Verlag eher erfreut oder ablehnend, wenn du sagst, dass es sich bei dem neuen Projekt um eine Trilogie oder noch mehr handelt?

LK: In der Regel schauen sie sich sicher immer erst an, wie sich der erste Teil verkauft. Da die Verkaufszahlen von „Die Maurin“ gut waren, wollte der Verlag dann auch gern den zweiten Teil haben. Mein nächstes historisches Projekt ist sogar ein Dreiteiler. Mal sehen, was daraus wird.

sfbasar: Schreiben erfordert eine Menge Zeit. Wann und wo schreibst du? Was macht deine Familie in dieser Zeit?

LK: Ich schreibe hauptberuflich, habe also wie jeder andere feste Arbeitszeiten (und ich bin da sehr streng mit mir!). Die Kinder gehen in der Zeit in die Schule oder sind bei Freunden zum Spielen, mein Mann geht seiner Beschäftigung nach.

sfbasar: Hattest du deine Texte immer schon geschrieben, bevor sie ein Verlag zu Gesicht bekam? Oder gab es „Auftragsarbeiten“? So in der Art: „Liebe Frau Korte, wir hätten hier eine Idee, machen Sie doch mal einen tollen Roman daraus!“

LK: Nein, ich habe immer nur Leseproben und ein Exposé vorgelegt und daraufhin dann den Vertrag bekommen. Bei dem Mallorcaroman war es anders: Da kam der Verlag auf mich zu.

sfbasar: An welchem Projekt arbeitest du gerade und wie viel darfst du hier verraten oder wenigstens andeuten?

LK: Ich arbeite an „Die Maurin – 2. Teil“ und erzähle darin die Fortsetzung von Zahra as-Sulamis Leben, es knüpft also direkt an den ersten Teil an, ist aber natürlich auch ohne den ersten Teil zu verstehen. Auch ein zweites, zeitgenössisches Romanprojekt mit einer Leseprobe ist derzeit beim Verlag zur „Prüfung“.

sfbasar: So ganz nebenbei bietest du auch Online-Schreibkurse an. Was beinhalten diese? Was kann ein angehender Autor von dir erwarten und wo liegen die Grenzen so eines Kurses?

LK: Ich biete sie zwar „nebenbei“ an, betreibe sie aber doch mit ganzem Herzen und Einsatz! Derzeit schreibe ich sogar eher „nebenbei“ und mache vor allem den Kurs, weil ich ja auch die Lektionen für den Onlinekurs erst einmal erstellen muss. Es gibt für die Teilnehmer nämlich einiges an Lesestoff, Material zum Handwerk des Schreibens, Beispiele aus der Literatur, etc. – und ich stelle dazu passende Aufgaben (z. B. ein Figurenentwurf, ein Dialog zu einem bestimmten Thema, eine Szene, etc. bis hin zur Krönung: dem Plotentwurf). Das alles geschieht im 14-tägigen Rhythmus. Ein besonderes „Zubrot“ ist der Austausch zwischen den Teilnehmern: Dazu werden wir zusätzlich zu den anderen Aufgaben einmal im Monat von den Teilnehmern selbstverfasste Texte zu bestimmten Aufgaben in der Gruppe diskutieren, damit jeder sieht, wie die eigenen Texte auf andere wirken und umgekehrt der Blick für Texte geschult wird. Ziel hierbei ist es NICHT, die Texte von jemandem zu verreißen, sondern aus den „Fehlern“  anderer auch selbst wieder lernen zu können und so schneller voranzukommen.

Der angehende Autor kann erwarten, dass er das Handwerk des Schreibens gründlich lernt und für seine Texte eine kompetente Rückmeldung mit konkreten Verbesserungsvorschlägen bis hin zu Übungsaufgaben und weiteren Informationen bekommt. Die Vorteile des Online-Verfahrens sind natürlich die freie Zeiteinteilung des Einzelnen, und dass er nirgends hinfahren muss – aber trotzdem sogar auch eine Gruppenresonanz hat.

Grenzen ehe ich erst einmal nicht. Wenn ich jemanden wirklich für ungeeignet halten sollte, würde ich dies sagen; alle anderen sollten später in der Lage sein, ihren Roman nach soliden Grundsätzen zu schreiben und auch einen Verlag dafür zu finden. Auch beim Manuskript bin ich behilflich, wenn es nötig sein sollte, und biete dann ein Coaching an.

Und last but noch least biete ich im Herbst auch einen Intensivkurs (3 Tage) in Spanien an.

sfbasar: Liebe Lea, wir bedanken uns ganz herzlich für deine interessanten Auskünfte über deine Arbeit und wünschen dir weiterhin viel Erfolg und noch mehr tolle Ideen für neue Bücher.

LK: Ich danke dir für die interessanten Fragen!

Copyright © 2011 by Lea Korte und Werner Karl

Autorenporträt Lea Korte im sfbasar

Aktuelles Buch: „Sommernacht auf Mallorca“ ISBN 978-3-352-00807-8
„Die Nonne mit dem Schwert“ ISBN 978-3-426-63386-1
„Die Maurin“ ISBN 9783426502303

Mehr Infos zu den Schreibkursen kann jeder gern unter www.schreibkurse.wordpress.com
oder einfach per Mail (leakorte@leakorte.de) bekommen.

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