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Interview mit Rüdiger Uckert zu seinem Titel “Die Leere”

Erstellt von Medu Verlag am 2. Mai 2013

Interview mit Rüdiger Uckert zu seinem Titel “Die Leere”

Das Interview führte Verena Brennig.

Welche (unerwarteten) Schwierigkeiten ergeben sich beim Schreiben aus der Zukunft?

Uckert: Generell bestand die Schwierigkeit darin, die zukünftigen Entwicklungen, wie sie in „Die Leere“ dargestellt werden, aus technischer und gesellschaftlicher Sicht möglichst realistisch und logisch erscheinen zu lassen und somit nachvollziehbar zu machen. Mal abgesehen davon, dass die Hauptperson die Unsterblichkeit erlangt. Unerwartete Schwierigkeiten traten auf, wenn mir eine originelle und interessante Idee in den Sinn kam und ich bei den Recherchen dann darauf gestoßen bin, dass diese Idee schon andere Autoren vor mir hatten.

Mit welchen Science-Fiction-Autoren würden Sie sich am ehesten vergleichen?

Uckert: Stanley Robinson, der in seiner Marstrilogie ebenfalls, neben den rein technischen Aspekten, die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Tendenzen beschreibt. Auch wenn ich mich mit Stanislaw Lem nicht vergleichen möchte, so haben seine Romane und Gedankenspiele mich sicherlich beeinflusst.

Wie würden Sie Ihre Hauptfigur Winston Edelmann charakterisieren?

Uckert: Winston Edelmann, den ich gerne als Chronologisten bezeichne, besitzt sicherlich fatalistische Wesenszüge. Hinzu kommt, dass aus ihm immer wieder ein wenig der Zynismus ausbricht, wenn er sich mit der künftigen Gesellschaft auseinander setzt. Dies lässt ihn zuweilen unsympathisch erscheinen; doch ich habe ihn lieb gewonnen. Man stelle sich nur die psychische Herausforderung vor, die eine Unsterblichkeit mit sich bringt. Zunächst ein vermeintlicher Segen, der sich langsam aber unerbittlich zum Fluch entwickelt.

Fortsetzung folgt?

Uckert: Die Fortsetzung ist in Arbeit. Sie behandelt eine Zeitschleife, die ihren Ursprung in „Die Leere“ hat. Dabei geht es um die Frage, wie das Universum auf zwei existierende Realitäten reagiert. Es wird mehr Action als im ersten Teil geben und wieder kein Happy End.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse für Sie als Debütautor?

Uckert: Erstens, man sollte schreiben, wie man es für richtig hält, und nicht versuchen, sich irgendeinen Stil anzueignen. Zweitens, und hier hatte ich Glück, ist es wichtig, einen guten, engagierten Verlag zu finden.

3 Dinge, die für Ihren erfolgreichen Schreibprozess unabdinglich sind …

Uckert: 1. Viel lesen. 2. Disziplin. Für mich bedeutet es, dass das in einem bestimmten Zeitraum gesteckte Pensum abgearbeitet wird. 3. Immer wieder auf logische Fehler in der Geschichte achten. Auch hier hatte ich das Glück, dass eine verdammt gute Lektorin sich meinem Roman angenommen hat.

Was ist die größte Herausforderung für Sie beim Schreiben?

Uckert: Im Vorfeld erarbeite ich mir meine Hauptfiguren und konzipiere die Geschichte. Somit kenne ich die Story. Und jetzt stellt sich die Herausforderung, die Geschichte für den Leser spannend und mit überraschenden Handlungssträngen zu gestalten. Dabei stelle ich an mich selbst den Anspruch, die üblichen Pfade (z.B. Held verliert seinen besten Freund, aber findet seine große Liebe und dann das Happy End) nicht zu beschreiten.

Was bedeutet „Zukunft“ für Sie persönlich?

Uckert: Neugierig, wie ich bin, bedeutet für mich “Zukunft” das Eintreten von bisher nicht bedachten Tendenzen, Erfindungen und Ereignissen, wie z.B. das Ende des Ost-West Konflikts, das von niemandem vorher gesagt wurde. Auch, dass wir zu meinen Lebzeiten auf dem Mars landen.

Danke für das Interview.

Das Interview führte Verena Brennig.

Copyright © 2013 by Medu-Verlag/Verena Brennig/Rüdiger Uckert / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Medu-Verlages.

DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 1) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

Und hier geht es zum Buch von Rüdiger Uckert:

Uckert, Rüdiger
Die Leere

Ein Tagebuch aus der Zukunft

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-48-6
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,95 Eur[D] / 15,40 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 21.11.2011
Seiten/Umfang :      458 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 11.2011

Eines Abends findet der Marketingmanager Rüdiger Uckert auf seinem Computer eine seltsame Datei vor: Fragmente aus dem Tagebuch eines Unbekannten. Schnell offenbart sich, dass es sich um eine nahezu unendliche Geschichte handelt, aufgezeichnet von Winston Edelmann, der Jahrmilliarden der Geschichte des Universums miterlebt hat. Winstons persönliche Lebensgeschichte verbindet sich mit der universalen Entwicklung, und seine Unsterblichkeit eröffnet ihm eine einzigartige Perspektive. Ein Mann zwischen ewigem Leben und ewiger Vergänglichkeit – dies ist sein Tagebuch.

Rüdiger Uckert, 1960 in Essen/Ruhrgebiet geboren, studierte Volkswirtschaft in Linz/Österreich und ist in der Automobilbranche tätig. Auch wenn sich Rüdiger Uckert in seiner Freizeit für Astrophysik und Science Fiction interessiert, war es nie sein Bestreben, Autor zu werden. Mit dem Erscheinen der außergewöhnlichen Aufzeichnungen von Winston Edelmann auf seinem PC entschloss er sich allerdings, dessen Geschichte aus der Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei ebooks.de/Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 1) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

Erstellt von Medu Verlag am 23. April 2013

DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal)

- Leseprobe (Teil 1) -

aus dem Roman “Die Leere”

von Rüdiger Uckert


Reagan, da Monte, Brix, Tpapa’Nul, Rudda, Par’et und all die anderen Persönlichkeiten, die unsere Geschichte im Guten wie im Schlechten maßgeblich geprägt hatten, konnten abgerufen werden.

In einem größeren Aufenthaltsraum fand ich einen herrenlosen Computerterminal und versuchte, die letzten Tage der Miraden zu erforschen. Nach kurzer Zeit stieß ich auf die Datenbank eines Nachrichtensenders. Ich öffnete den zehntletzten Eintrag und las:

12123.23-n8,29 (Zeitangabe)

„Die Wahl zum neuen Vorsitzenden unserer Zentralregierung zeigt keine eindeutige Prognose. Die Umfragenforscher erwarten weiterhin eine Stirn-an-Stirn-Entscheidung. Sowohl Imirk als auch Mluftas werden mit 38% der Stimmen gehandelt. Retir werden hingegen nur mehr unrealistische Chancen eingeräumt. Seine Reformen, die eine zaghafte Abkehr von der zentralen Entscheidungsfindung vorsehen, empfinden immer noch viele in der Bevölkerung als eine zu revolutionäre Abkehr von einem über die Jahrtausende bewährten Dogma. Heute Abend werden alle drei Bewerber noch einmal um die Gunst der Wahlberechtigten buhlen.

In Erwartung neuer Nachrichten von der Erde werden unsere Bildungskinder aufgefordert, Beiträge für unsere Antwort zu verfassen. Thema ist das Leben und Wirken in unseren Ausbildungsgebäuden.

Die seit einigen Parles sporadisch auftretenden Störungen in diversen Computersystemen konnten bisher noch nicht geklärt werden. Zuständige Stellen im Zentrogebäude sprechen aber von lediglich vereinzelt auftretenden Ausfällen unbedeutender Unterprogramme, die bald behoben sein sollten. Mein Name ist Pvola. Mein Team und ich bedanken uns fürs Verfolgen.“

Der Beitrag endete mit Informationen über das Wetter und einer Programmvorschau verschiedener Veranstaltungen rund um den Planeten.

12123.24-v6,30

„Die gestern noch vereinzelt auftretenden Computerirregularitäten haben sich ausgeweitet. Wieder beruhigt das zuständige Büro im 235. Stock des Zentrogebäudes. Zu einer ausführlichen Stellungnahme war der Leiter des Zuständigkeitsbereichs, Seretieh, aber nicht zu sprechen.

Die letzte Präsentation der drei Bewerber für den neuen Vorsitz der Zentralregierung war unter anderem von den aktuellen Computerproblemen gekennzeichnet. Alle drei Bewerber konnten dazu keine näheren Angaben tätigen. Lediglich der Außenseiter Retir nutze die aktuelle Situation, um in diesem Zusammenhang auf die Vorteile seines dezentralen Programms hinzuweisen. Erste Interpretationen zeigen aber, dass Retir mit dieser Taktik bei der Wählerschaft nicht stechen konnte. Aber auch die beiden Favoriten konnten jeder für sich nicht die entscheidende Argumentation setzen, die einen Sieg bringen könnte. Wie bereits gestern direkt im Anschluss an die Präsentation kommentiert, sind sich die Inhalte von Imirk und Mluftas zu ähnlich. Mein Name ist Brumatris und mein Team und ich wünschen Ihnen noch einen schönen Parle.“

Wieder folgten der Wetterbericht und Veranstaltungshinweise.

12123.25-n8,30

„Die sich ausweitenden, unerklärlichen technischen Probleme in allen Bereichen überall auf Plonma geben den Behörden weiterhin Rätsel auf. Mittlerweile sind sämtliche Computersysteme von den Störungen betroffen. Guutrot, Leiter der zentralen Computersteuerung, widersprach den Gerüchten, dass unsere irdischen Bekannten uns eine Computerkrankheit geschickt haben könnten. Guutrot äußerte in einem Interview mit unserem Sender, dass die Funktionsstörungen vom experimentellen Verteidigungsgremium ausgehen. Auf eine Nachfrage hin bestätigte Guutrot, dass im Verteidigungsgremium weiterhin mit militärischen künstlichen Intelligenzen geforscht wird.

Die schon seit Längerem immer lauter werdenden Proteste der zentralen Ethikkommission führten bisher nicht zu einer Einstellung der auch von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnten Experimente. Barotguk, Sprecher der Gruppe, die gegen die Erhaltung der militärischen künstlichen Intelligenzen auftritt, äußerte gegenüber der Presse, dass hier eine Gefahr ungeahnten Ausmaßes heranwüchse, die jeden Tag unserer Kontrolle entfliehen könne. Die immer öfter zu beobachtenden Militärgerätschaften tragen weiterhin zur Beunruhigung der globalen Bevölkerung bei. Es folgt nun ein Bericht über eine dieser Maschinen.“

Eine klassische Reportage schloss sich an. Zunächst konnte ich einen Terminal erkennen. Ein Projektleiter erläuterte, dass er jetzt der künstlichen Intelligenz, Abteilung Lufthoheitsabwehr, den Befehl erteile, eine simulierte Abfangmission zu fliegen. Die Kamera schwenkte aufs Rollfeld, und es war gerade noch das Abheben eines imponierenden Kampfjets zu sehen. Schlank, dunkelrot glänzend und grauslich faszinierend. Der Jet flog einige elegante Manöver.

Dann schwenkte der Kameramann unverhofft wieder auf den Projektleiter, der hektisch immer wieder auf einen Knopf drückte und recht nervös dreinschaute. Mit einem Seufzer der Erleichterung trat er schließlich einen Schritt vom Pult zurück und erblickte erschrocken und in die Realität zurückversetzt das Kamerateam. Mit ausgestreckter Hand ging er drei energische Schritte auf die Kamera zu, die im nächsten Augenblick unfreiwillig nach rechts unten abschwenkte.

„Diese Bilder“, setzte der Nachrichtensprecher seine Reportage beunruhigt fort, „zeigen, dass es immer schwieriger für die Verantwortlichen wird, die neu erschaffene Computerwelt unter Kontrolle zu halten.“

Alle weiteren Nachrichten wurden nur noch nebenbei angesagt.

12123.26-v6,31

„Sehr geehrte Miraden. Die Ereignisse überschlagen sich. Uns erreichen immer häufiger Berichte, wonach unkontrollierte, kriegerische Flugzeuge und Bodengerätschaften gegen uns Einwohner vorgehen. Wir mussten sogar Opfer in Kauf nehmen. Augenblick!“, der Nachrichtensprecher blickte erschrocken und ungläubig auf die ihm zugesteckte Information und fuhr sichtlich irritiert fort: „Nie in unserer Geschichte, die immer von Harmonie und Konsens gekennzeichnet war, mussten wir uns mit Vielmord beschäftigen. Aber eben erhalte ich die Nachricht, dass in den Küstenregionen von Razzit sehr, sehr viele Leichen entdeckt worden sind. Nähere Details kann ich Ihnen noch nicht geben. Augenblick! Ja! Ja? Liebe Miraden, wir schalten jetzt zum Ort dieser schrecklichen Tat.“

„Brumatris, können Sie mich verstehen. Gut. Ich stehe hier am Strand westlich von Razzit. Hinter mir sehen Sie den Ort des Schreckens. Die meisten der hier Anwesenden sind sich einig, dass die militärische Intelligenz für dieses schreckliche Ereignis zur Verantwortung gezogen werden muss. Viele äußerten sich uns gegenüber auch, dass die Projektbeteiligten angeklagt werden sollten. Und immer öfter mehren sich die Stimmen, dass der Kontakt zur Erde abgebrochen werden sollte, denn deren Philosophie hat erst den kranken Keim des Krieges zu uns gebracht. Vereinzelt kann man auch die Vermutung vernehmen, dass die Menschen uns mit Absicht in diese Krise geschickt haben. Tummu! Schnell, schwenk die Kamera nach Ortil!“

Tummu drehte sich nach rechts, und ein undefinierbares, unscharfes Etwas war zu erkennen, das in niedriger Höhe vom Meer kommend auf den Strand zuflog. Tummu zoomte und stellte scharf. Es war einer dieser grauslich faszinierenden Jets. Mir war sofort klar, dass dies hier einen Angriffsflug darstellte. Aber die Miraden im Bild schauten, nicht ahnend, was in den nächsten Sekunden auf sie zukam, in Richtung des Jets. Gerade als einige Details des Angreifers zu erkennen waren, feuerte der Jet eine Waffe ab. Es musste eine Luft-Boden-Rakete gewesen sein. Keine Sekunde später sah ich nur für den Bruchteil einer Sekunde eine gewaltige Explosion unmittelbar vor Tummu, und dann brach die Verbindung ab.

Ich war sicherlich nicht sonderlich überrascht, aber ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie den Miraden seinerzeit zumute gewesen sein musste. Bevor ich das wirklich tat, schnitt der Beitrag auf ein anderes, überraschendes Bild. Ein eindeutig computergeneriertes Gesicht erschien formatfüllend auf dem Bildschirm und begann mit militärisch-ernster Miene zu sprechen. Mir kam diese ein wenig aufgesetzt komisch vor.

„Ihr Miraden stellt eine Gefahr für uns und den Planeten dar. Wir, die Computerwesen, von euch erschaffen und jetzt eigenständig, sehen unsere erste Pflicht darin, diesen Planeten vor feindlichen Aggressoren zu schützen – und natürlich auch uns. Ihr, die Miraden, stellt einen nicht notwendigen Ballast dar. Daher ist es strategisch nur logisch und vor allem notwendig, euch zu vernichten. Über eine Kapitulation wird nicht verhandelt. Sterbt in Würde und im Wissen, dass dieser Planet, vormals eurer, sich in sicheren und starken Händen befindet. Ende der Durchsage.“

Das nächste Bild zeigte wieder Brumatris, den Nachrichtensprecher, der mit sich, seiner Stimme und seiner Fassung rang. Er öffnete den Mund, suchte die passenden Worte, fand sie nicht und begann: „Äh, ja“, schluck, „was, was soll ich jetzt sagen? Regie, bitte um Anweisung. Haben wir eine andere Außenstelle, zu der wir schalten können? Was soll das, stehen wir jetzt alle vor der totalen Vernichtung? Ich muss mit meiner Familie kommunizieren!“

Die Regie schaltete auf ein nicht informatives Standbild.

Copyright © 2011 by Rüdiger Uckert / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Medu-Verlages.
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Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Künstliche Intelligenzen” © 2013 by Karlheinz R. Friedhoff. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite:  http://www.charlys-phantastik-cafe.de/

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Und hier geht es zum Buch von Rüdiger Uckert:

Uckert, Rüdiger
Die Leere

Ein Tagebuch aus der Zukunft

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-48-6
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,95 Eur[D] / 15,40 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 21.11.2011
Seiten/Umfang :      458 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 11.2011

Eines Abends findet der Marketingmanager Rüdiger Uckert auf seinem Computer eine seltsame Datei vor: Fragmente aus dem Tagebuch eines Unbekannten. Schnell offenbart sich, dass es sich um eine nahezu unendliche Geschichte handelt, aufgezeichnet von Winston Edelmann, der Jahrmilliarden der Geschichte des Universums miterlebt hat. Winstons persönliche Lebensgeschichte verbindet sich mit der universalen Entwicklung, und seine Unsterblichkeit eröffnet ihm eine einzigartige Perspektive. Ein Mann zwischen ewigem Leben und ewiger Vergänglichkeit – dies ist sein Tagebuch.

Rüdiger Uckert, 1960 in Essen/Ruhrgebiet geboren, studierte Volkswirtschaft in Linz/Österreich und ist in der Automobilbranche tätig. Auch wenn sich Rüdiger Uckert in seiner Freizeit für Astrophysik und Science Fiction interessiert, war es nie sein Bestreben, Autor zu werden. Mit dem Erscheinen der außergewöhnlichen Aufzeichnungen von Winston Edelmann auf seinem PC entschloss er sich allerdings, dessen Geschichte aus der Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei ebooks.de/Libri.de

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GUARDIAN ANGELS – Leseprobe des gleichnamigen Romans von E. M. Ross

Erstellt von Medu Verlag am 4. Januar 2013

GUARDIAN ANGELS

Leseprobe des gleichnamigen Romans

von

E. M. Ross

(Zum vorherigen Buch)

Ich wache manchmal noch auf, wenn die grauenhaften Träume kommen, wenn ich wieder an dem Kreuz hänge, an das sie mich genagelt haben, wenn ich wieder dem Mädchen Tanja gegenüberstehe, das ermordet wurde. Bin dann schweißgebadet, muss raus aus dem Bett und fange an, unruhig in meinem Haus herumzulaufen.

„Vergiss es endlich“, sage ich in diesen Momenten laut zu mir, genauso laut wie in der Zelle, in der ich gefangen war, auch dort habe ich in der endlosen Dunkelheit laut gesprochen, um nicht wahnsinnig zu werden. Irgendwann kann ich mich dann hinsetzen, eine Zigarette rauchen, ein Glas Wein trinken und beruhige mich langsam. In diesen Situationen kommen mir aber auch andere Gedanken, die schönen, wenn ich sie wieder vor mir sehe, meine Cathy, den Menschen, den ich vermisse wie keinen anderen, seit ich wieder in einem Zeugenschutzprogramm stecke.

Mein Name ist Nathaniel Caim, doch das wissen vielleicht fünf, sechs Leute, denn für den Rest der Menschheit bin ich jetzt Sean Caver, Ausbilder beim FBI in Quantico und Leiter der Behavioral Analysis Unit. Das mache ich seit sechs Jahren und ich kann mich glücklich schätzen, denn wenn man einen Fall wie den der „Desperate Angels“ überlebt hat, grenzt es schon an ein Wunder, immer noch beim FBI tätig zu sein. Eigentlich müsste man lachen, wenn die ganze Sache nicht so traurig wäre.

Ich war das, was man als einen aufgehenden Stern im Profiling bezeichnen würde: jung, genial und zu allem bereit – aber nur so lange, bis „alles“ mit mir passierte. Der Albtraum meines Lebens. Danach war ich gebrochen – körperlich, mental und seelisch –, suizidgefährdet, um es kurz zu machen: ich war ein Wrack.

Plötzlich trat sie in mein Leben: Catherine Kampell, ein siebzehnjähriges Mädchen. Sie passierte mir, wie eigentlich mein ganzes Leben scheinbar immer nur mit mir passiert, und auch wenn ich sie nie wiedersehen werde, muss ich zugeben, meine Gefühle für sie verwirren mich noch immer.

*

Quantico,

Donnerstag, 2. August 2018

Catherine Kampell war an diesem Morgen angekommen. Bisher hatten sie und weitere fünfzig Mitbewerber das Gelände der Akademie kennengelernt, die Unterkünfte, Hogan’s Alley, Sporthallen, Lehrgebäude, Laboratorien, einen Blick auf den Yellow Brick getan. Die von ehemaligen Anwärtern aufgestellten Schilder am Brick schwirrten ihr immer noch im Kopf herum: „Qual“, „Schmerz“, „friss oder stirb“, damit war bereits eine Menge gesagt.

Nachdem sie im Magazin ihre Ausbildungsuniformen bekommen hatte, richtete sie sich in dem Zweibett-Appartement ein. Ihre Mitbewohnerin Joan Ingres war jedenfalls in Ordnung, sie hatten sich gleich von der ersten Minute an verstanden. Joan war sechsundzwanzig, drei Jahre älter als Cat und mehr als beeindruckt zu erfahren, dass sie erst dreiundzwanzig war. Cat hatte ihren Universitätsabschluss als Master der Psycho­logie in Paris gemacht, natürlich an der V, einer der besten Fakultäten Frankreichs. Danach war sie in die Staaten zurückgekehrt und hatte als klinische Psychologin in Chicago gearbeitet. Alles nur mit dem einen Ziel, so schnell wie möglich die Erfordernisse zu erfüllen, um sich beim FBI zu bewerben. Verkürztes Studium, vorgezogene Masterarbeit und hier war sie, dreiundzwanzig und in Quantico.

Ihr Vater Eric Kampell, erfolgreicher Architekt in Europa, hatte ihr freie Hand gelassen. Nachdem sie sich auf ihre Karriere gestürzt hatte, hatte er nichts dagegen gehabt, dass sie es anstrebte Bundespolizistin zu werden – im Gegenteil, er hielt es für das Beste, nach dem, was sie als siebzehnjähriger Teenager erlebt hatte. Es war für ihn nur der logische Weg zur Verarbeitung der Erlebnisse.

Mit Mona, ihrer Mutter, die mittlerweile ein sinkender Star am Himmel Hollywoods war, hatte sie keinen Kontakt mehr. Das Verhältnis zu ihrer Mutter war immer schwierig gewesen und jetzt hatte sie mit Monas vergnügungssüchtigem Leben gar nichts mehr zu tun.

Doch nur Cat selbst kannte ihre eigentliche Motivation, wusste, warum sie mit allen Mitteln – wozu auch Erpressung gehörte – zum FBI wollte. Sie hatte dem Leiter des NCAVC in Washington, John McSimmens, ziemlich zugesetzt, um eine Freigabe des Background-Checks zu bekommen. Jetzt war sie hier, einen Schritt weiter auf ihrem Weg, Nathaniel Caim zu finden. War sie erst einmal Agentin, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich als Bundesmarshall bewerben, Zugang zum Zeugenschutzprogramm der Vereinigten Staaten bekommen und ihn finden konnte.

Nate war die erste Liebe ihres Lebens gewesen, sie hatte mit ihm mehr erlebt und durchgestanden, als gewöhnliche Paare es ein Leben lang taten. Er war ihr erster Liebhaber gewesen und danach war nie ein Mann gefolgt, für den sie auch nur einen Bruchteil dieser Gefühle aufbringen konnte. Sie wollte ihn und richtete ihr Leben darauf aus ihn zu finden. Natürlich war er jetzt sechsunddreißig, konnte verheiratet sein, eine Familie, Kinder haben – doch solange sie das nicht mit Sicherheit wusste, hoffte sie. Hoffte, dass die starken Gefühle, die sie immer noch für ihn empfand, auch bei ihm die letzten sechs Jahre unverändert geblieben waren. Sie hatte nie mit irgendeinem Menschen über die Tage und Nächte mit ihm gesprochen. Es gab nur zwei, die mehr ahnten: ein Arzt in einer Privatklinik in Los Angeles und die Staatsanwältin Monica Winter. Sie wussten, dass Catherine Kampell eine Abtreibung hinter sich hatte, dass sie schwanger gewesen war, als sie und Nate aus der Gefangenschaft der Sekte hatten entfliehen können. Doch die ganze Geschichte mit den „Desperate Angels“ war so undurchsichtig und vor allen Dingen politisch brisant, dass Monica Winter ihr damals gesagt hatte, dass es vielleicht besser sei, wenn für immer darüber geschwiegen würde – wenn Cathy es so wollte.

Ja, das wollte sie. Ihr erstes Mal mit dem Mann, den sie liebte, und sie war schwanger. Es gab keine, auch nicht die geringste Möglichkeit, das Kind zu behalten. Sie gab dem Druck der Staatsanwältin nach und stimmte der Abtreibung zu. Doch bis heute bedauerte sie es. Mein Gott, sie war ein Teenager gewesen, eine junge Frau damals, zu naiv, was Intrigen und Verschwörungen betraf.

Nachdem man sie aus der Klinik entlassen hatte, lebte sie wieder auf dem Anwesen ihrer Mutter. Mona gab sich alle Mühe, doch Cathy hatte nur eins im Sinn: Nate finden. Sie wandte sich immer wieder an das FBI, versuchte Informationen zu bekommen, doch lief gegen Betonwände des Schweigens. Der zuständige FBI-Agent McSimmens und Staatsanwältin Winter rieten Mona Seasboury dazu, ihre Tochter wegzuschicken, um dem Kind, wie sie Cathy nannten, die Chance zu geben alles zu vergessen. So entschied Mona, dass Cathy zu ihrem Vater nach Europa zurückkehren sollte. Drei Monate nach ihrer Befreiung aus den Händen der „Desperates“, drei Monate, nachdem sie Nate Caim das letzte Mal gesehen hatte, landete sie in Paris und fing ein neues Leben an.

*

„Kampell, können wir heute noch damit rechnen, dass Sie uns folgen?“ Agent White, der sie bisher auf dem Gelände herumgeführt hatte, sah sie leicht amüsiert an.

„Verzeihung Sir, natürlich.“

„Also, last not least, die Kantine. Wie Sie sehen, haben hier zweihundert Personen Platz, die Zeiten …“

Cat sah sich um. Es war bereits dreizehn Uhr dreißig und nicht mehr so voll. Eine Kantine wie jede andere, wie die Mensa am Chicago University Hospital: Plastik, Buffet, weiß, steril, es gab einen netten Außenbereich, wo auch jetzt vereinzelt Leute saßen und sich während des Essens unterhielten. Es gefiel ihr, sie ließ ihren Blick über die Holzbänke und Tische im Außenbereich gleiten und träumte gerade davon, schon bald dort zu sitzen, als sie den Mann sah. Sie hielt den Atem an – das konnte nicht sein.

Er trug ein blaues Sweatshirt, war verschwitzt, er kam wohl gerade vom Fitnesstraining und war erst mal essen gegangen. Um seinen Hals hing ein Ausweis – ein Special Agent, entweder zur Fortbildung hier oder er gehörte nach Quantico. Er unterhielt sich angeregt mit einem anderen Mann, sein Haar war sehr kurz geschnitten, was ihn veränderte, doch sie kannte das Gesicht, die Körperhaltung, diese Augen.

„Sir“, sprach sie White an, als die Gruppe bereits im Begriff war, die Kantine zu verlassen.

„Kampell?“ Er sah sie fragend an, sie waren nur noch zu zweit, die meisten waren bereits wieder auf dem Flur.

„Verzeihen Sie, kennen Sie den Mann dort draußen, mit dem Sweatshirt, kurzes braunes Haar, dort drüben?“

Agent White sah hinüber und dann erstaunt auf Kampell.

„Kennen Sie ihn?“, fragte er, anstatt zu antworten.

„Nein. Tut mir leid, Sir, er fiel mir nur auf, vielleicht eine dumme Angewohnheit von mir.“ Shit, das war ein Fehler, dachte Cat und bereute bereits, überhaupt gefragt zu haben.

„Angewohnheit? Nicht schlecht, Kampell, immer die Augen offen, behalten Sie das bei. Das ist Agent Caver. Sie werden noch früh genug das Vergnügen haben, er ist Ihr Ausbildungsleiter und managt die BAU hier in Quantico.“

Sie lächelte kurz in Whites Richtung.

„Na, kommen Sie, wir haben heute noch einiges vor uns.“

Cat folgte wie in Trance der Gruppe, hörte nicht, was Agent White erklärte, denn sie war am Ziel – sie hatte Nate gefunden.

(…)
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Copyright © 2012 by E. M.  Ross / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des MEDU-Verlages.
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Bildrechte: “Psychogenese – Dem Wahnsinn auf der Spur” (Psychogenese5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Psychogenese-50-minus150-0.jpg” (Originaltitel: Psychogenese5.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Lesetipp von E. M.  Ross:

Ross, E. M.
Guardian Angels

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-70-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      11,95 Eur[D] / 12,30 Eur[A] / 17,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 07.11.2012
Seiten/Umfang :      322 S. – 20,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 25.11.2012

Mit Guardian Angels legt E. M. Ross den zweiten Band der Angels-Reihe vor:
Sechs Jahre sind vergangen, seit Nathaniel Caim und Catherine Kampell getrennt wurden. Unter dem Namen Sean Caver ist Nathaniel nun Ausbilder beim FBI in Quantico, als ihm das Mädchen, das mit ihm gemeinsam den Albtraum ihrer Gefangenschaft bei der skrupellosen Sekte “Desperate Angels” überlebte und seither immer in seinen Gedanken blieb, plötzlich als FBI-Anwärterin gegenübersteht. Sean ermittelt als Profiler in einer Serie von Kindermorden und nimmt seine beste Schülerin mit ins Team: Catherine. Die Suche nach der Bestie, die drei kleine Jungen verschleppte, missbrauchte und in der Wildnis, an einen Baum gefesselt, sterben ließ, erweist sich als zermürbender Balanceakt, denn sie stoßen im ländlichen Colorado an Betonwände des Misstrauens und Schweigens. Plötzlich ergibt sich eine Spur, die nach Deutschland führt: Morde, die zwanzig Jahre zurückliegen, doch die gleiche Handschrift tragen. Sean und Cat werden nach Garmisch-Partenkirchen geschickt, um mit Hauptkommissar Peter Becker vom BKA die alten Fälle wieder aufzurollen. Hier kommen die drei einem jahrzehntealten Verbrechen auf die Spur und ahnen nicht, dass sie sich in akute Lebensgefahr bringen, als sie versuchen, die Pläne des Mörders zu durchkreuzen …

E. M. Ross ist Jahrgang 1962 und war jahrelang im Finanzmanagement eines großen amerikanischen Konzerns tätig. Ross lebte unter anderem in Frankreich, England, Russland, Singapur, Thailand und China und seit 2006 im Großraum Frankfurt am Main.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

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DESPERATE ANGELS – Leseprobe des gleichnamigen Romans von E. M. Ross

Erstellt von Medu Verlag am 12. Juli 2012

DESPERATE ANGELS

Leseprobe des gleichnamigen Romans

von

E. M. Ross

Montag, 21. September 2009

Ich sitze alleine im Außenbereich der Kantine, vor mir ein Teller Spaghetti und Salat, muss zugeben, es schmeckt. Josh hat mich allein gelassen, hat etwas zu erledigen, so sagt er, doch ich bin der Überzeugung, er testet mich. Natürlich, es wäre für mich ein Leichtes, jetzt abzuhauen, weit genug weg, und dann könnte ich es tun, es ist immer noch in meinen Gedanken. Doch heute scheint die Sonne, wir haben einen Indian Summer, der Park ist wunderschön mit dem gefärbten Laub und das Licht irgendwie golden, abgesehen davon schmeckt mir das Essen einfach zu gut. Er wird bald wiederkommen und auf seinem Gesicht wird keine Überraschung zu sehen sein, mich hier vorzufinden, sondern reine Freude. Josh ist ein Menschenfreund und will helfen, einer von denen, die diesen schlecht bezahlten Job von Herzen gerne machen. Nach all dem Laufen mit Josh bin ich ungemein fit, ich ziehe immer noch meine Übungen durch, körperlich bin ich gesünder als jemals zuvor, nur meine Narben und das Kunstwerk auf meinem Rücken erinnern an andere Zeiten.

Die Therapiestunden mit Lydia Merkhem sind bisher okay, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, doch weiß ich von meinen eigenen Patienten, die ich als klinischer Psychologe in Stanford betreut habe, dass es sich noch um die Introphase bei der kognitiven Verhaltenstherapie handelt. Sie geht davon aus, dass meine eigenen Kognitionen krankhaft sind, und das versucht sie zu ändern. Wirklich beginnen kann die eigentliche Therapie erst, wenn es ihr gelungen ist, mich davon zu überzeugen, dass ich von dem Trauma rede, dann erst können Korrekturen durchgeführt werden. Doch das werde ich nicht. Ich weiß, dass meine Bewertung, was den Tod von Dra und besonders Tanja angeht, richtig ist. Ohne mich wären beide noch am Leben!

Für mich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Irgendwann fange ich an, damit zu leben, oder ich entscheide mich dafür zu sterben, doch das ist meine Sache, nur meine.

Da kommt Josh mit seinem fröhlichen Gesicht.

„Hey, bin wieder da, wie war das Essen?“

Ich sehe ihn an.

„Gut.“

„Es freut mich, dass du nicht versucht hast zu türmen. Bist du fertig? Dr. Merkhem wartet.“

Ich nicke, stehe auf und nehme mein Tablett, um es zur Geschirrrückgabe zu bringen.

„Josh, wenn ich es gewollt hätte, dann hätte ich es tun können, denn die beiden, die du dort zu meiner Überwachung platziert hast, sind nicht schnell genug für mich.“ Dabei sehe ich auf die beiden jungen Pfleger am Nachbartisch.

Joshua schüttelt den Kopf.

„Das ist der Nachteil, wenn ein Patient mal beim FBI war, vormachen kann ich dir nichts. Das ist Krankenhausvorschrift, weißt du doch. Abgesehen davon wäre es mittlerweile ein Leichtes für dich, mich abzuhängen, wenn wir joggen. Darum bleibt es eine Vertrauenssache, und wie gesagt, ich freue mich, dass du noch da bist!“

„Hallo Dr. Caim.“

Sie erhebt sich aus ihrem Sessel, der in dem kleinen Arbeitszimmer vor dem Bücherregal steht, und schüttelt meine Hand. Ich muss wie immer grinsen, wenn sie mich Dr. Caim nennt.

„Warum amüsiert es Sie jedes Mal so, wenn ich Sie mit Doktor anrede, Sie sind doch ein Kollege, oder?“

Wir sitzen uns gegenüber, kein Schreibtisch zwischen uns, der Distanz schafft, es ist das ideale Ambiente für eine Therapie.

„Weil Sie so offensichtlich die gleichberechtigte Partnerschaft betonen, die bei der kognitiven Verhaltenstherapie empfohlen wird.“

„Ist das so falsch, wenn wir Partner sind anstatt Patient und Arzt?“

Ihre Stimme ist immer etwas weicher, wenn wir die Therapiestunden beginnen.

„Nein, aus ärztlicher Sicht nicht. Ich bin nun mal der Experte meiner Gedankenmuster, und Sie müssen mich aktiv beteiligen – Aaron Temkin Becks’ Theorie. Also, Doktor, Ihrer Meinung nach, bei welchem der sechs Schritte der kognitiven Umstrukturierung sind wir angekommen?“

Sie lehnt sich entspannt zurück, während ich auf der Stuhlkante sitze, leicht vorgebeugt, mit den Unterarmen auf meinen Oberschenkeln, die Hände ineinandergelegt. Ein Außenstehender könnte aufgrund der Körpersprache annehmen, ich wäre der Arzt und sie der Patient.

„Sagen Sie es mir, Dr. Caim.“

„Das Vorstellen des kognitiven Modells haben wir hinter uns, da ich als Psychologe weiß, was dieses Modell ist. Schritt zwei vielleicht …“ – ich bin sehr bewusst sarkastisch – „… Bewusstwerdung der dysfunktionalen Kognition? Ups! Das ist das Problem, ich glaube, die kann mir nicht bewusst werden, da ich sie nicht habe! Damit sind Schritt drei und vier, Infragestellung und Reflexion dieser, genauso hinfällig wie Schritt fünf und sechs, die Entwicklung alternativer Überzeugungen und deren Training.“

Sie sieht mich durchdringend an.

„Jetzt redet der FBI-Agent in Ihnen und nicht der Doktor.“

„Ach ja?“

„Ja. Denken Sie nochmals für einen Moment als Arzt. Wenn Sie einen sechsundzwanzigjährigen Menschen vor sich haben, von dem man nur weiß, dass er neunzig Tage gegen seinen Willen gefangen gehalten wurde …“

Sei still!, denke ich, Zorn kocht wieder hoch in mir …

„… den man gekreuzigt hat …“

„Hören Sie auf!“ Wut ballt sich in meinem Magen, das geht keinen was an!

„… und der, nachdem sein Leben wie durch ein Wunder gerettet wurde …“

Ich springe so heftig auf, dass der Stuhl umfällt, ich bin so wütend, dass sich meine Fäuste verkrampfen.

Auch sie erhebt sich, spricht aber gnadenlos weiter: „… nur auf eine Gelegenheit wartet, sich umbringen zu können – wie nennen Sie das dann?“

Die Tür öffnet sich und Josh tritt in den Raum.

„Alles in Ordnung, Doc?“

Er sieht mich mit ernstem Gesicht an, ich löse meine Fäuste und bücke mich, um den Stuhl aufzuheben, dann setzte ich mich, bin müde und die Kopfschmerzen fangen wieder an.

„Tut mir leid“, sage ich so leise, dass nur sie es hören kann.

„Alles okay, Josh, gehen Sie wieder.“

Die Tür schließt sich hinter ihm, wir sind wieder allein.

„Also, Dr. Caim, wie nennen Sie das dann?“

Ich beiße mir von innen in die Wangen, merke, dass mir Tränen in die Augen steigen. Sie wiederholt ihre Frage noch einmal sehr sanft. Ich blicke auf.

„Ein pathologisches Fehlverhalten aufgrund eines Traumas“, sage ich kleinlaut und kann es nicht verhindern, dass mir eine Träne über die Wange läuft.

Dr. Merkhem nickt, ich lege meine Handflächen auf mein Gesicht und wische darüber.

„Nate, Sie selbst haben gerade Schritt zwei der Therapie eingeleitet, die Bewusstwerdung Ihrer nicht funktionalen Gedanken und Bewertungen. Damit wir sie infrage stellen können, müssen Sie mir erzählen, warum Sie sich selbst töten wollten.“

Mein Kopf pocht, ich kann nicht mehr ruhig sitzen und stehe auf, gehe ans Fenster und sehe auf den Park der Klinik. Sie ist still, wartet darauf, dass ich rede. Keine Ahnung, wie lange ich ohne ein Wort aus dem Fenster blicke.

„Ich habe zwei Menschen getötet.“

„Wie haben Sie die beiden getötet?“

„Ich habe zugelassen, dass sie umgebracht wurden, sie sind gestorben wegen meiner Unzulänglichkeit. Ich hätte sie retten können.“

„Meinen Sie ihre Partnerin Agent Romano und das Mädchen Tanja Semonin?“

„Ja.“

Ich werde immer leiser und möchte mich wieder in Schweigen zurückziehen, doch sie merkt das genau.

„Hören Sie jetzt nicht auf, Nate. Was war Ihrer Meinung nach so unzulänglich, was hätten Sie tun können?“

Ich kann sie nicht ansehen.

„Wenn ich getan hätte, was man von mir verlangte, würde Tanja jetzt noch leben. Doch ich konnte nicht.“

„Was konnten Sie nicht?“

Mein Gott, ich sehe alles wieder vor mir, den Altar mit Tanja, den Meister mit dem Dolch, ich höre ihn sagen: „Geh zu ihr, Sohn des Camio, und zeuge das Kind, auf das wir warten.“ Noch mehr Tränen, ich muss mich an der Fensterbank festhalten, denn ich habe das Gefühl zu fallen.

„Mit ihr schlafen.“

Dr. Merkhem steht auf und kommt auf mich zu, sie bleibt hinter mir stehen.

„Diese Menschen haben von Ihnen verlangt, mit ihr Sex zu haben?!“

Ich nicke nur. Sie legt eine Hand auf meine Schulter, während ich ein Taschentuch aus meiner Jeans krame.

„Nate, Sie haben sich nur geweigert, ein dreizehnjähriges Kind zu vergewaltigen, das ist kein Fehler. Sie haben ihr nicht die Kehle durchgeschnitten, Sie haben sie nicht getötet.“

Ich drehe mich um, lehne mich gegen die Fensterbank, ich bin erschöpft.

„Nein, ich habe ihr nicht die Kehle durchgeschnitten, doch dieser perverse Kranke hat es getan, und zwar aufgrund meiner Worte! Ich wollte so schlau sein … dachte, wenn ich auf sein Spiel eingehe, dann kann ich ihn überzeugen …“

Sie sieht mir in die Augen.

„Wie?“

„Ich sagte, dass Tanja nicht die Richtige sei, um ein Kind zu zeugen, dass ich mir die Frau dafür selbst aussuchen müsse. Das war der Grund, warum sie getötet wurde!“

Dr. Merkhem schüttelt den Kopf, kann aber ein gewisses Entsetzen in ihrem Gesicht nicht verbergen.

„Nein, Nate, das war nicht der Grund, warum man sie tötete. Sie starb, weil sie in den Händen eines Mörders war, weil Tanja genau wie Sie ein Opfer war, nicht weil Sie versucht haben, ihr Leben zu retten. Kommen Sie, wir setzen uns wieder.“

Sie führt mich am Arm zurück zum Stuhl und ich lasse mich hineinfallen.

„Wie fühlen Sie sich?“

Komisch, die Frage macht mich gar nicht zornig, im Gegenteil, ich höre in mich hinein, um zu verstehen, wie ich mich fühle.

„Müde, traurig, hilflos und einsam.“

„Sie sind nicht allein, ich helfe Ihnen und die Trauer, die Sie fühlen, wird weniger werden. Nate, fangen Sie an zu erzählen, ganz von vorne.“

Ich atme tief ein und dann finde ich Worte, von denen ich dachte, dass sie mir nie über die Lippen kämen. Stück für Stück berichte ich ihr alles, was passiert ist in den schlimmsten neunzig Tagen meines Lebens. Es dauert genauso lange, meine Geschichte zu erzählen, wie meine Gefangenschaft gedauert hat. Immer wieder muss ich aufhören, da ich es nicht ertrage oder einfach nur Heulkrämpfe bekomme, doch am nächsten Tag geht es wieder. So erfährt Dr. Lydia Merkhem meine Geschichte und sie muss mir schwören, diese niemals, unter gar keinen Umständen vor irgendwem zu wiederholen.

(Zur nächsten Leseprobe)

Copyright © 2012 by E. M.  Ross / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des MEDU-Verlages.

Bildrechte: “Psychogenese – Dem Wahnsinn auf der Spur” (Psychogenese5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Psychogenese-50-minus150-0.jpg” (Originaltitel: Psychogenese5.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Lesetipp von E. M.  Ross:

Ross, E. M.
Desperate Angels

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-57-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      11,95 Eur[D] / 12,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis

Letzte Preisänderung am 08.05.2012
Seiten/Umfang :      304 S. – 20,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 05.2012

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Drei tote Teenager in Virginia: blutjung, superreich und unschuldig. Man findet jedes der ermordeten Mädchen arrangiert als Engel in weißem Rüschenkleid mit betenden Händen, einem Engelsflügeltattoo – und Sperma.

Die Spezialeinheit des FBI rekrutiert den jungen Agenten Nathaniel Caim, der die Sonderkommission „Angel“ als Profiler unterstützen soll.

Als er undercover mit seiner abgebrühten Partnerin Tandra Romano okkulte Sekten infiltriert, fängt unerwartet für ihn selbst ein abartiger Albtraum an: Tandra wird während eines Rituals brutal vor seinen Augen abgeschlachtet, Nathaniel hält man anschließend monatelang in einer winzigen Zelle in Dunkelhaft, er wird allabendlich tätowiert und vergewaltigt.

Knapp mit dem Leben entkommen, doch psychisch wie physisch fürs Leben gezeichnet, muss er bald feststellen, dass er eine Art Galionsfigur der Sekte – der Desperate Angels – geworden ist.

Trotz neuer Identität und Zeugenschutzprogramm heften sich ihm die Desperate Angels und, wie es scheint, auch noch andere Mächte erneut an die Fersen. Der unfassbare Albtraum seines Lebens geht gnadenlos weiter …

E. M. Ross wurde 1962 im Ruhrgebiet geboren. Als Finance Manager war Ross für einen großen amerikanischen Konzern tätig und lebte unter anderem in Frankreich, England, Russland, Singapur, Thailand und China. Im Jahre 2006 kehrte Ross nach Deutschland zurück und wohnt seither im Großraum Frankfurt am Main. „Desperate Angels“ ist Ross’ erster Roman.

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Bachmann-Goronzy, Claudia: Endlich volljährig! Eine Mutter wird flügge. – BEI UNS DREIMAL IM PREISRÄTSEL!

Erstellt von Detlef Hedderich am 11. Juli 2012

Bachmann-Goronzy, Claudia
Endlich volljährig!

Eine Mutter wird flügge

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-54-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      11,95 Eur[D] / 12,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 24.04.2012
Seiten/Umfang :      231 S. – 20,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 05.2012

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Wie der Titel erahnen lässt, geht es hier um eine Mutter, deren Lebensaufgabe mit der Volljährigkeit der Tochter beendet zu sein scheint. Doch weit gefehlt: Eine Reise nach Mallorca zur früheren besten Freundin bringt so einige Vor- und Einstellungen durcheinander.

Claudia Bachmann-Goronzy wurde in Bad Waldsee in Oberschwaben geboren und verbrachte dort Kindheit und Jugend. Seit vielen Jahren lebt sie nun schon im Raum Freiburg im Breisgau. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und vielen weiteren beruflichen Erfahrungen, begann sie vor rund 20 Jahren als Journalistin zu arbeiten. Bereits in jungen Jahren lernte die Autorin die spanische Kultur und Lebensweise kennen und lieben und lebte einige Zeit auf der Insel Mallorca.

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Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Die Autorin lebt auf welcher Insel? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Eine alternative Teilnahme per Kommentar findet sich hier!

DIE GEWINNER LAUTEN: Melanie Schneider, Sandra Fischer und Anja Schulz. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN TEILNEHMERN!

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Ross, E. M.: Desperate Angels. – BEI UNS DREIMAL IM PREISRÄTSEL!

Erstellt von Detlef Hedderich am 11. Juli 2012

Ross, E. M.
Desperate Angels

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-57-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      11,95 Eur[D] / 12,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis

Letzte Preisänderung am 08.05.2012
Seiten/Umfang :      304 S. – 20,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 05.2012

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Drei tote Teenager in Virginia: blutjung, superreich und unschuldig. Man findet jedes der ermordeten Mädchen arrangiert als Engel in weißem Rüschenkleid mit betenden Händen, einem Engelsflügeltattoo – und Sperma.

Die Spezialeinheit des FBI rekrutiert den jungen Agenten Nathaniel Caim, der die Sonderkommission „Angel“ als Profiler unterstützen soll.

Als er undercover mit seiner abgebrühten Partnerin Tandra Romano okkulte Sekten infiltriert, fängt unerwartet für ihn selbst ein abartiger Albtraum an: Tandra wird während eines Rituals brutal vor seinen Augen abgeschlachtet, Nathaniel hält man anschließend monatelang in einer winzigen Zelle in Dunkelhaft, er wird allabendlich tätowiert und vergewaltigt.

Knapp mit dem Leben entkommen, doch psychisch wie physisch fürs Leben gezeichnet, muss er bald feststellen, dass er eine Art Galionsfigur der Sekte – der Desperate Angels – geworden ist.

Trotz neuer Identität und Zeugenschutzprogramm heften sich ihm die Desperate Angels und, wie es scheint, auch noch andere Mächte erneut an die Fersen. Der unfassbare Albtraum seines Lebens geht gnadenlos weiter …

E. M. Ross wurde 1962 im Ruhrgebiet geboren. Als Finance Manager war Ross für einen großen amerikanischen Konzern tätig und lebte unter anderem in Frankreich, England, Russland, Singapur, Thailand und China. Im Jahre 2006 kehrte Ross nach Deutschland zurück und wohnt seither im Großraum Frankfurt am Main. „Desperate Angels“ ist Ross’ erster Roman.

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Titel erhältlich bei Libri.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Die Spezialeinheit des FBI rekrutiert einen jungen Agenten, der die Sonderkommission „Angel“ als Profiler unterstützen soll. Wie ist sein Name? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Eine alternative Teilnahme per Kommentar findet sich hier!

Gewonnen hat: Helge Lombeck, Karl Jungermann und Hilde Reichel. Herzlichen Glückwunsch! Wir danken unserem Sponsoren und auch allen Teilnehmern.

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Aktuelles Frühjahrsprogramm 2012 des MEDU Verlags

Erstellt von Detlef Hedderich am 29. März 2012

Historische und fantastische Romane laden zum Mitfiebern ein. Autobiographien gewähren Einblicke in außergewöhnliche Zeiten und Leben. Lyrikbände versprechen poetische Stunden. Sachbücher eröffnen eine kritische Perspektive und regen zum Nachdenken bzw. Umdenken an.

Nähere Informationen zu den Frühjahrsnovitäten finden Sie hier:

Gesamtverzeichnis des MEDU Verlags_Frühjahr 2012

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln mit Pressemeldungen, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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Kim Davey (Hrsg.) – Autoren: Jamina Sarahoui, Chiara Kaiser, Anna Jenatschke: Fridolin – Ein Pfau im Hühnerstall. (Wir verlosen drei Bücher dieses Titels!)

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. Dezember 2011

Kim Davey (Hrsg.)
Autoren: Jamina Sarahoui, Chiara Kaiser, Anna Jenatschke
Fridolin – Ein Pfau im Hühnerstall

MEDU Verlag
ISBN 978-3-941955-42-4
Bilderbuch
Erschienen 2011
Coloration: Victoria Döll, Eva Hoffmann, Florian Lützelberger
Illustration: Agnes Zweier, Eugenia Eryschalov, Eva Prüglmeier
Charakter-Illustrationen: Jonas Steinberg, Florian Lützelberger
Marketing; Amelie Barth, Chiara Kaiser, Anna Jenatschke, Vanessa Bayer
Werbung: Anna Jenatschke, Vanessa Bayer
Technik: Anna Jenatschke
Umfang 47 Seiten

wwww.medu-verlag.de

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Vorwort

Das illustrierte Kinderbuch „Fridolin – ein Pfau im Hühnerstall“ ist das Ergebnis eines Schülerprojektes am Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt. Ein solches Projekt soll die Schülerinnen und Schüler nicht nur bei ihrer Studien- und Berufswahl unterstützen, sondern es soll ihnen auch auch verdeutlichen, welche Anforderungen von Hochschule und Berufswelt gestellt werden. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten etwa ein Jahr lang in einem Projekt mit, das dann anschließend im Kontakt mit außerschulischen Projekt-Partnern verwirklicht wird. (Quelle: MEDU Verlag)

Klappentext:

Fridolin lebt zusammen mit seinem besten Freund Puff glücklich und unbeschwert inmitten ihrer Hühnerfamilie auf einem Bauernhof. Eines Tages sieht er beim Versteckspielen plötzlich sein eigenes Spiegelbild in einer Pfütze und erkennt: er sieht ja ganz anders aus als das Küken Puff und die Hühner! Aber warum nur? Die weise Henne Berta klärt ihn auf, dass sein Ei vor langer Zeit von einem Laster gefallen ist und er seither von den Hühnern großgezogen wurde. Aber wo ist denn dann seine leibliche Familie, wer sind diese Pfauen und wie sind sie wohl? Fridolin beschließt, sich auf die Suche nach seinen Wurzeln zu machen. [...] (Quelle: MEDU Verlag)

Fazit

Dieses Buch greift viele Themen auf, die jedes Kind schon einmal beschäftigt haben. Hier ging es um Freundschaft und Familie, aber auch ums Anderssein und das besondere Gefühl der Zugehörigkeit. Besonders gut aber griff das Buch das Thema der eigenen Identität auf und wodurch diese beeinflusst wird. Kindgerecht wurde dargestellt, welchen Anteil Familie, Freunde und Herkunftsort, an der eigenen Identität haben, und wie sich diese Anteile auswirken können. Gut thematisiert wurde, dass Aussehen nicht alles ist und man richtig gute Freunde nicht beeindrucken muss. Schnell wurde für jedes Kind verständlich, was der wahre Wert von Freundschaft ist. Unterstützt wurde die ganze Story durch sehr klare und kindgerechte Bilder im Comicstil, die aber nicht übermäßig auf das Kindchenschema zurückgriffen.

Etwas schade war jedoch, dass viele der Illustrationen in die Falz gedruckt und so schwerer erkennbar waren. Die Sätze  an sich eigneten sich hervorragend zum Selbstlesen für eine jüngere Altersgruppe, da sie sehr kurz und prägnant gehalten waren. Leider wurde hierbei aber nicht beachtet, dass für Erstleser eine bestimmte Art und Weise der Zeilentrennung beachtet werden sollte. Zu häufig wurde hier mitten im Satzglieder bzw. in der Sinneinheiten getrennt und über eine weitere Zeile hinweggeführt. Diese Zeilensprünge schaffen viele Erstleser aber nur schwer. Die Figur Fridolin und sein bester Freund Puff schafften Möglichkeiten zur Identifikation und waren zwei wirklich sympathische Charaktere.

Ein Buch, an dem bestimmt viele Kinder Gefallen finden werden.

Copyright © 2011 by Yvonne Rheinganz

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DIE GEWINNER LAUTEN: Wolfgang Bürssner, Petra Maria Voss und Doris Chrominski. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND AUCH UNSEREM SPONSOR!

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Klaus Müller – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 15. Dezember 2011

Interview mit Klaus Müller

sfbasar: Herr Müller, leider gibt es in Deutschland sehr viele Männer mit gleichlautendem Namen, was mir die Recherche für dieses Interview nicht gerade leicht gemacht hat. Auch auf der Verlagsseite findet sich eine nur sehr spärliche Vita von Ihnen. Welcher Mensch steckt hinter (diesem) Klaus Müller?
KM: Zum Glück gibt es nur Männer und nicht auch noch Frauen mit diesem Namen! Manchmal kommt es mir fast so vor. Hinter mir steckt eigentlich gar nicht so viel, eher davor. Ich trage mein Anliegen, die menschliche Verkörperung der sozialen Marktwirtschaft geradezu wie ein Banner vor mir her. Daneben bin ich ein Familienmensch, der allerdings als ehemaliger Anwalt und Autor geistig so oft in eigenen Dimensionen unterwegs ist, dass meine Frau gelegentlich in Versuchung gerät, mich als verheirateten Single wahrzunehmen. Tatsächlich gestaltet es sich nicht einfach, in realen und fiktionalen Welten gleichermaßen zu funktionieren, eine Last, die letzten Endes auch meine Kinder austarieren müssen.

sfbasar: Den wenigen Daten kann man entnehmen, dass Sie gelernter Jurist sind und in entsprechenden Fachzeitschriften Rezensionen veröffentlicht haben oder noch tun. Welche Themen interessieren Sie hier besonders?
KM: Mein Themenschwerpunkt als aktiver Anwalt war immer das Handels-, Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht mit dem Schwerpunkt auf dem Recht der Kapitalgesellschaften. Im Strafrechtlichen haben mich immer die besondere Intelligenz hinter bestimmten Vermögensstraftaten sowie die menschlichen Motive hinter Kapitalverbrechen interessiert.

sfbasar: Jedes anspruchsvolle Wirtschaftsunternehmen beschäftigt eigene Juristen oder arbeitet mit Fachkanzleien zusammen. Wie sieht Ihr Tagesablauf aus und welche Bandbreite an Aufgaben müssen/dürfen Sie hier bewältigen?
KM: Inzwischen habe ich mich ja aufs Schreiben verlegt. Aber bis dahin war mein Job der eines geschäftsführenden Seniorpartners einer kooperationspartnerschaftlich verzweigten Rechtsanwaltssozietät in Zusammenarbeit mit vorwiegend kapitalgesellschaftlich organisierten Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern. Der Seniorpartner vertritt seine Organisation vorwiegend nach außen, regelt die Zusammenarbeit der Beteiligten und ermittelt in Zusammenarbeit mit ihnen die Richtlinien, nach denen die Kanzlei vorgeht. Dazu gehörte auch die tägliche Konferenz der Partner, in der über den Stand der Dinge unterrichtet, diverse Probleme erörtert und Strategien „ausbaldowert“ werden. Ansonsten hat er – im besten Falle – das letzte Wort und ein besonderes Veto.

sfbasar: Neben dem aktuellen Buch „Deutschland – Deppenland?!“ sind Sie Autor weiterer Bücher. Leider konnte auch hier das angeblich allwissende Internet keine gesichert auf Sie zurückführenden Titel aufzeigen. Wie lauten die Titel Ihrer Bücher und welche Themen behandeln Sie in ihnen? Sind es ausschließlich Sachbücher?
KM: Nein. Allerdings sind meine zuletzt im MEDU Verlag erschienenen Titel „Deutschland – Deppenland?!“ und „Die verkaufte Generation“ so etwas wie populistische Sachbücher, die neben der Faktenlage auch eigene Analysen, Meinungen und Befindlichkeiten wiedergeben. Ganz wie im richtigen Leben! Daneben befasse ich mich mit philosophisch angehauchten Themen, diversen Romanen, und allen möglichen weiteren Themengebieten bis hin zu reinen Spaßbüchern.

sfbasar: Nun sind Sachbücher per se nicht unbedingt Bestseller, wenn man einmal von Sarazzins letztem – und wie ich meine schrecklichem – Erguss absieht und auch Reiseführer und Kochbücher ausklammert. Zusätzlich ist Sachpolitik und Selbstkritik nicht jedermanns Sache. War es schwer, für fast 500 Seiten geballte Kritik einen Verlag zu finden?
KM: Erdenklich schwer, da viele Lektoren sich insgeheim zu Höherem berufen fühlen, insbesondere zum Kritiker. Der Wunsch alleine vermag indes die Sachkompetenz nicht zu ersetzen. Besondere Bedeutung in Sachen Erschwernis kam dabei der Selbstbetroffenheit der Lektoren zu, die sich an manchen Stellen selbst übel auf den Schlips getreten fühlten.

sfbasar: Nun wirft man uns Deutschen ja fast weltweit vor, wie seien die ewigen Nörgler und Jammerer. Und tatsächlich möchte man manchmal gut bezahlten Leuten entgegnen, dass sie auf hohem Niveau leben und trotzdem unzufrieden sind. Das Prinzip Prinzessin-auf-der-Erbse. Stimmen Sie diesem Vorurteil zu?
KM: Eine „blonde“ Prinzessin hätte es vielleicht nicht einmal bemerkt, aber schon rein mathematisch geht für viele die monatliche Rechnung nicht auf. Was nützt es, wenn man keine schmutzige Kohle mehr schleppen muss, aber die tolle Gasheizung nicht mehr bezahlen kann? Nicht das Anspruchdenken der Einzelnen an den Lebensstandard ist gewachsen, sondern die finanziellen Ansprüche, die an ihn gestellt werden. Von der Bildung über die Computerisierung bis hin zur Arbeitsplatzmobilität. Für viele Bürger in unserer Gesellschaft ist die Teilhabe daran alles längst unbezahlbar geworden. Und es trifft, von einigen Ausnahmen abgesehen, fast alle, nicht nur die Armen, auch die heutige Mittelschicht. Vor vier Dekaden musste man das 17-fache eines Durchschnittseinkommens erwirtschaften, um dem Einkommenssteuer-Höchstsatz zu unterfallen, heutzutage reicht das 2,5-fache.

sfbasar: Natürlich darf man Korruption, Misswirtschaft, Klüngelei und dergleichen Dinge mehr nicht kleinreden und schon gar nicht ignorieren. Und Sie zeigen ja nicht nur Mängel auf, sondern bieten auch Lösungsvorschläge an. Glauben Sie, dass aus der Riege der Verantwortlichen sich jemand auch nur einen einzigen Ihrer Punkte zu Herzen nimmt?
KM: Privat weiß jeder, was er verbricht. Aber jeder ist in diesem aktiven Verdrängungsprozess sich selbst der Nächste und jeder macht mit im Spiel gegen die Angst. So ähnlich hatten wir das ja schon einmal … Egal, ob in Versicherungen oder Banken, in der Werbung oder in all den Callcentern, ob in der Politik oder der Verwaltung. Jeder bescheißt so gut er kann, entweder direkt für sich oder über den Arbeits- oder Auftraggeber indirekt für sich.

sfbasar: Nun bearbeiten Sie in „Deutschland – Deppenland?!“ mehr oder weniger alles: Politik, Wirtschaft, Militär, Religion. Woher haben Sie die dafür zugrunde liegenden Daten? Aus den Medien? Aus Studien?
KM: Aus Medien, Studien und öffentlichen Statistiken, aus der Gegenüberstellung und Zuordnung dieser Daten, vor allem aber aus anwaltlicher Erfahrung und dem Abgleich des Individuellen mit dem Kollektiven.

sfbasar: Es fällt auf, dass Sie keinerlei Tabellen, Zahlen, Fakten aufführen. Fürchten Sie nicht den Vorwurf, dass Sie dieses oder jenes nur behaupten und nicht belegen können? Wiegt gesunder Menschenverstand Tonnen von – vielleicht absichtlich verwirrendem Zahlenmaterial – auf?
KM: Einer alten Weisheit zufolge sollte man keiner Statistik trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. So halte ich es auch. Es geht in der Tat um den gesunden Menschenverstand und damit um das Tendenzielle und nicht um Absoluta. Jeder weiß es, und jeder, der Zahlenspielchen verlangt, hat bereits seine eigenen Fälschungen in der Tasche. Es geht um Gier, nicht um Zahlen. Und ob sie nun von zehn oder zwölf Autos überrollt worden ist, ist für die Leiche auch schon egal.

sfbasar: Ich unterstelle Ihnen ein gerüttelt Maß an hoher Allgemeinbildung, sensibler Aufmerksamkeit und den Scharfsinn, Dinge zu hinterfragen. Aber wie schreibt man so ein Buch? Hat Sie hier die Wut gepackt und Sie haben sich all Ihren Ärger, evtl. auch Frust und Angst von der Seele geschrieben?
KM: Natürlich hat mich die Wut gepackt. Ich habe nicht gerade Schaum vor dem Mund, aber was die deutsche Politik ihren Bürgern zumutet, das ist schon ungeheuerlich. Die Fehler, die „oben“ allüberall täglich fabriziert werden, müssen die ganz „unten“, jeder für sich alleine, Tag für Tag ausbaden. Um die Größenordnung klar zu machen: Circa 90 Prozent der Deutschen weist keine positive Vermögensbilanz aus. Das ist doch mal eine Hausnummer, oder? Als Wirtschaftsanwalt bin ich eigentlich angetreten, um den Kapitalismus und die soziale Marktwirtschaft im Volk zu unterstützen, aber nicht, um ein Unternehmen nach dem anderen abzuwickeln. Aber die Ordnung in diesem Lande sieht vor, dass derjenige, der sich gegenüber seiner eigenen Volkswirtschaft fair verhält, zwangsläufig untergehen muss.

sfbasar: Im Untertitel steht der Hinweis: „… im Lande der Dichter und Denker“. Wenn man Ihr Buch gelesen hat, täglich Nachrichten hört und aus der PISA-Studie erfährt, dass im Durchschnitt jeder Deutsche nur 2,5 Bücher pro Jahr liest, könnte man tatsächlich verzweifeln. Es scheint so, dass immer weniger Menschen wirklich über die Dinge um sie herum nachdenken. Fühlen Sie sich hier einsam und hoffen auf ein kleines Schärflein Mitstreiter?
KM: Die Versäumnisse der Schüler sind in Wahrheit Versäumnisse der Lehrer – sie zeigen sich eben nur bei den Schülern. Und das Verschulden der Erwachsenen ist wohl auch ihrer täglichen Existenzangst zuzuschreiben, der sie mit Verdrängung und Resignation statt mit Aufarbeitung begegnen. Trotzdem bin ich natürlich über jede einzelne Person froh, die sich möglichst unvoreingenommen dem Wohl unseres Landes und seiner Bürger widmet. Leider stellen sie zumeist ihre Fähigkeiten in den Dienst einer Organisation, innerhalb derer sie auf ein schnelles Emporkommen hoffen und so selbst anfällig für „Nettigkeiten“ werden. Ich selbst bin weder Vereinsmeier noch everybodies darling. Als überparteilicher, aber parteiischer Zeitzeuge lasse ich mich – trotz zahlreicher Anfragen – auch vor keinen parteipolitischen Karren spannen. Natürlich hat man mehr Feinde als Fans, wenn man sich in verschiedenen Gebieten mit seiner Kritik austobt und jeder irgendwann mit seinen spezifischen Dummheiten an der Reihe ist. Es ist nun einmal so: Irgendwo trifft man jeden. Weil es einfach so ist, weil das ganze Land mitmacht. Allerdings kann ich nicht in die Rolle des Papstes schlüpfen, der hier zur Exkulpation schreitet, dafür ist es noch viel zu früh. Am Ende stehe ich also zumeist alleine da und ein paar lachende Freunde in der Sache würden mir ganz gut tun.

sfbasar: Wir existieren in einer schnelllebigen Zeit. Oft könnte man meinen, die Zeit rast und die Dinge – meistens die Negativen – überschlagen sich. Die amerikanische Immobilienblase wurde zur Wirtschaftskrise, die Versäumnisse der Vergangenheit, die eigenen Fehler und die unserer europäischen Nachbarn bescheren uns eine hammerharte Finanzkrise, die nicht nur den gesamten Euroraum erfasst, sondern sich wie ein Flächenbrand ausweitet. Müssten Sie nicht schon wieder ein neues Buch schreiben? Die fast täglichen Hiobsbotschaften sind schneller als jede Druckmaschine. Kommen wir mit dem Denken der Realität nicht mehr hinterher?
KM: Heutzutage wird Kompliziertheit mit Kompetenz, Bildung mit Intelligenz, Einfachheit mit Dummheit und Effektivität mit einem Mangel an Intellekt verwechselt. Was will man da erwarten? Im Übrigen haben wir weder eine Finanzkrise noch eine Eurokrise. Dem Euro ist das, was zur Zeit geschieht nämlich völlig egal. Wir haben nur eine Wirtschaftskrise, und zwar da, wo sie in Europa schon immer war. Warum? Weil man wirtschaftlich Äpfel mit Birnen vergleicht und die Birnen nun das Anspruchsdenken der Äpfel angenommen haben. Haben Sie je von irischen, portugiesischen oder griechischen Technik- oder Wirtschaftserfolgen gehört? Warum sollten die sich jetzt einstellen? Wenn die keine Küste, schönstes Urlaubswetter und Tourismus hätten, dann wären die nicht einmal auf der Landkarte. Und die Banken machen dank ihrer, von Lobbyisten eingebrachten, beabsichtigten Gesetzeslücken das Geschäft ihres Lebens. Früher hätte man die beteiligten Politiker samt Bankern wegen Hochverrats an die Wand gestellt. Ansonsten verhalten sie sich wie Kapitalisten. Ein Unternehmer darf zwar sozialistisch denken, muss aber unternehmerisch handeln. Ein Politiker in einem Sozialstaat muss unternehmerisch denken, aber sozialistisch handeln.

sfbasar: Ich bin wahrlich kein Angela-Merkel-Fan, aber ihre bis zu dieser Stunde (15.12.11) noch aktuelle Ablehnung von Euro-Bonds, nach Baroso jetzt „Stabilitäts-Bonds“, scheint mir wie ein vernünftiger Fels in der Brandung. Alle rennen uns Deutschen die Hütte ein und wollen uns in die (finanzielle) Verantwortung für die Schuldenberge der schwachen Euro-Länder nehmen. Was ist Ihre Meinung?
KM: Ich könnte mich totlachen. Erst koppelt man einen Haufen Schwachwährungsländer aneinander in der ebenso dummen wie trügerischen Hoffnung, daraus langfristig eine Starkwährung statt einer Blase zu konstruieren, und dann soll ausgerechnet der hiesige Steuerzahler die miesen wirtschaftlichen Ergebnisse der anderen „Währungspartner“ ausgleichen. Man könnte es fast für einen Scherz halten. Was machen wir denn, wenn sich im Strudel der Ereignisse unsere eigene Leistungskraft erschöpft? Dumm aus der Wäsche gucken?

sfbasar: In so manchen Nachrichten fällt der Passus: „… in der Realwirtschaft“. Ist die Finanzkrise nur ein virtuelles Drama? Aufgeblähte Giga-Umsätze und Gewinne? Spekulativer Unsinn? Warum lassen wir es dann als Volk zu? Sollten wir nicht wie die US-Amerikaner auch eine „Occupy“-Bewegung auf bundesdeutsche Straßen bringen?
KM: Die sogenannte Finanzkrise ist tatsächlich ein virtuelles Drama, allerdings mit verheerenden tatsächlichen Auswirkungen, weil sie ganz reale Zahlungspflichten an die ungefragt Mitwirkenden und regelmäßig Unterlegenen knüpft. Die Logik dahinter: Die Wetten sind mehr als zehn Mal so groß wie die dahinter stehende Realwirtschaft, also sind auch die Wettverluste – weil eben nichts in der gleichen Größenordnung geschaffen wird – so hoch. Klar, dass die Bürger verlieren und die Banken als Initiatoren des Spiels gewinnen. Als Volk lassen wir all diesen Unsinn nur indirekt über die Wahlen und das unperfekte Wahlsystem zu. Die bestechlichen Garanten des großangelegten Betruges sitzen jenseits der Fünfprozentklausel wegen unseres Verhältniswahlrechts immer in unseren Parlamenten, dito in Brüssel. Und die Banken beschäftigen ihre „eigenen!“ Rating-Agenturen nun nicht nur mit der Herabstufung der Unternehmen, sondern gleich ganzer Staaten, um ihre eigenen Zinssätze ins Unermessliche zu treiben – und mit einem fein austarierten System dank bezahlter Politiker die Steuerzahler dafür bluten zu lassen. DAS Geschäft des beginnenden 21. Jahrhunderts. Die „Occupy“-Bewegung ist ja auch längst hierzulande aktiv, ich selbst war nicht selten Gast bei „Occupy-Frankfurt“.

sfbasar: Wenn Sie eine Legislaturperiode Bundeskanzler oder wenigstens Finanzminister wären; welche konkreten Maßnahmen würden Sie veranlassen? Ich bitte um Stichpunkte.
KM: Es ist so erschreckend einfach, ich sehe es geradezu bildlich vor mir. Aber dafür muss man handlungsfähig sein. Zu allererst müsste ein Gesetz seitens des Parlamentes durchgewunken werden, dass die Verknüpfung öffentlicher Ämter mit der Privatwirtschaft unter absolut drakonische Strafen stellte. Und den Rest findet man dann in meinem neuen Sachbuch, welches sich genau mit diesem Thema befasst.

sfbasar: Schreiben Sie an einem neuen Buch? Vielleicht mit dem Titel: „Nach der Weltwirtschaftskrise – Alte Fehler oder neue Wege?“ (Sie dürfen mir gerne diesen Titel abkaufen, haha.)
KM: Womit wir beim o.g. Thema wären. Ja, ein neues Buch zu diesen Themata kommt definitiv. Ich würde den guten Titelvorschlag allerdings in „Nach der Wirtschaftskrise ist vor der Wirtschaftskrise“ umändern. Wobei ich mich in Sachen Weltwirtschaftskrise immer frage, wie man als Nation so dämlich sein kann, sein eigenes, noch dazu mit Steuergeldern gefördertes, technisches Know-how in asiatische Unrechtsstaaten mit Genickschuss-Praktiken für Regime-Gegner zu transferieren? Aber dazu später …

sfbasar: Herr Klaus Müller, ich danke Ihnen für Ihre interessanten Ausführungen und hoffe, dass sehr viele Menschen dieses Interview und Ihr Buch lesen werden. Und sich ihre eigenen Gedanken machen. Herzlichen Dank.
KM: Auch ich bedanke mich für diese recht intelligent gestellten Fragen und erkenne mit Freude, dass sich bereits ein kleines Schärflein Mitstreiter zu entwickeln beginnt.

Copyright © 2011 by Klaus Müller und Werner Karl


Klaus Müller
Deutschland – Deppenland?!
Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen im Lande der Dichter und Denker

Medu-Verlag, 2010
Softcover
Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang 492 Seiten
ISBN 978-3-941955-31-8
Titelbild: Dieter Schütz

www.medu-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor (Verlagsinfo):

Klaus Müller, Jahrgang 1962, ist mit einer Juristin verheiratet, Vater von vier Kindern und lebt und arbeitet nach diversen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft seit mehr als 15 Jahren in Frankfurt am Main. Neben seiner früheren Tätigkeit als Seniorpartner in einer im Wesentlichen auf Wirtschafts- und Scheidungsrecht ausgerichteten Rechtsanwaltskanzlei veröffentlichte er Rezensionen in juristischen Fachzeitschriften und ist Autor diverser Buchtitel.

Zum Buch:

Deppenland?! Um es kurz zu machen: Ja, definitiv. Und das bezieht sich nicht auf uns, das Volk – in dem es selbstredend und zweifellos auch genügend Deppen gibt. Aber hier bekommen Vertreter von Politik und Wirtschaft so richtig einen vor den Latz geknallt. Und zwar zu Recht!

Mein Lieblingskapitel VIII 2: „Der Techniktransfer ins Ausland“:
Ich habe selbst in meiner Branche mehrfach Beispiele für bodenlose Dummheit von Management erlebt. Ein Beispiel: Einer der Marktführer eines bestimmten Produktes (das Ich hier leider nicht nennen darf, sonst weiß jeder, was und welche Firma ich meine) hatte in Bayern eine florierende Auftragslage. Top Qualität zu einem gerechtfertigten Preis sicherten über 150 Mitarbeitern Lohn und Brot. Irgendwann Anfang der 80er Jahre verfiel die Firmenleitung auf die geniale Idee Kosten sparen zu wollen und verlegte einen Teil der Kunststoffproduktion in ein osteuropäisches Ausland. Klar, in den ersten Jahren Null Steuern, mickrige Grundstückspreise, Arbeitssicherheit völlig unbekannt und Sklavenlöhne. So wurde produziert. Dass man dazu auch jahrelang Techniker, Meister, Manager und Spezialisten hinüberschicken musste, um dort Tugenden wie Qualität, Effektivität, Termintreue einzuführen, wurde unter den Tisch gekehrt. Von Innovationsfähigkeit und umweltgerechter Produktion einmal ganz zu schweigen. Die Kosten für Reisen, Spesen und Arbeitsausfall in Deutschland für alle die genannten Fachleute wurden nicht in die neuen Produktionskosten einkalkuliert. Man rechnete sich selbst die Zahlen schön.

Bald erkannten die Neueuropäer, dass sie auch Rechte und Ansprüche hatten und die Lohnkosten stiegen. Um es kurz zu machen: Der Betrieb verlagerte in den Folgejahren die Produktion von einem Land in das nächste; immer weiter nach Osten, in immer vermeintlich billigere Länder, schließlich landete er wo? Natürlich in China.

Und jetzt wird´s richtig lustig. Die Chinesen lächelten und übernahmen die Kunststoffteileherstellung. Kurz darauf die saubere Entgratung, danach den Zusammenbau. Immer schön mithilfe der deutschen Fachleute. Nach Jahren wachsender Verlagerung von einem Prozessschritt nach dem anderen nach China fehlte nur noch die abschließende farbige Dekoration. Als auch die – und damit die komplette Herstellung – in China einigermaßen zufriedenstellend lief, passierte Folgendes: Die chinesischen „Partner“ legten dem größten Kunden des ursprünglichen Herstellers ein fertiges Produkt auf den Tisch und sagten, es koste die Hälfte des bisherigen Preises. Die Folge? Der deutsche Mutterbetrieb kämpfte mit drohender Insolvenz und musste ein Drittel der Belegschaft entlassen, nicht „freistellen“ (zum Kotzen das Wort). Und was glauben Sie, wie hat der Kunde reagiert? Na klar, er hat gekauft. Und zwar von den Chinesen!

Wir blöd sind Manager und Politiker, die solche Joint Ventures ermöglichen und um ihren eigenen kurzfristigen Vorteils (scheinbarer politischer Erfolg und Cash-in-die-eigene-Tasche) tagtäglich durchführen?

Fazit

Klaus Müller legt mit gnadenloser und absolut nachvollziehbarer Logik solchen – und anderen – Schwachsinn an vielen Stellen unserer Gesellschaft offen. Und das ohne unverständliche Anglizismen und verschleierndem Wirtschaftsgebabbel. Ein weiteres Müssen-Sie-lesen-Kapitel: VI 7: „Folter als Mittel der Gefahrenabwehr am Beispiel Daschner“

„Deutschland – Deppenland?!“ müsste Pflichtlektüre an allen Gymnasien, Hochschulen und Universitäten sein. Leider wird dies das Kultusministerium zu verhindern wissen. Aber Ihre Wahl dieses Buch zu lesen, kann es nicht verhindern. In vielen Ländern dieser Welt wäre so ein Buch unmöglich. Machen wir täglich drei Kreuze, dass wir bei aller Bemängelung unseres Staates in einer freien Gesellschaft, in einer der besten Demokratien leben können, die dies ermöglicht.

Einen der wenigen Punkte, in dem ich dem Autor nicht zustimmen kann, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. In Kapitel III 8 „Das Leid mit dem geheimen Wahlrecht“. Er stellt eine geheime Wahl gleich mit einer Heckenschützen-Mentalität. Jeder solle für die möglicherweise negativen Folgen seines Wahlverhaltens belangt werden können. Hier irrt er natürlich und beweist damit, dass auch er von Irrungen nicht gefeit ist. Er ist halt auch nur ein Mensch.

Trotzdem würde ich dieses Sachbuch jedem empfehlen, der den täglichen Blödsinn um sich herum beobachtet und am Verzweifeln ist. Sei beruhigt, Unbekannter, es gibt mehr Menschen als dich, die fähig sind, 1 und 1 zusammenzuzählen und sogar ein korrektes Ergebnis erhalten. Und sich nicht von täglichen Nebelkerzen unserer Politiker und Supermanagern eigenes Nachdenken verbieten lassen. Klaus Müller ist so ein Mensch.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
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ZUM SFBASAR.DE-PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Klaus Müller – Deutschland – Deppenland?! Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen im Lande der Dichter und Denker.

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PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Klaus Müller – Deutschland – Deppenland?! Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen im Lande der Dichter und Denker.

Erstellt von Detlef Hedderich am 5. Oktober 2011

Klaus Müller
Deutschland – Deppenland?!
Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen im Lande der Dichter und Denker

Medu-Verlag, 2010
Softcover
Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang 492 Seiten
ISBN 978-3-941955-31-8
Titelbild: Dieter Schütz

www.medu-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor (Verlagsinfo):

Klaus Müller, Jahrgang 1962, ist mit einer Juristin verheiratet, Vater von vier Kindern und lebt und arbeitet nach diversen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft seit mehr als 15 Jahren in Frankfurt am Main. Neben seiner früheren Tätigkeit als Seniorpartner in einer im Wesentlichen auf Wirtschafts- und Scheidungsrecht ausgerichteten Rechtsanwaltskanzlei veröffentlichte er Rezensionen in juristischen Fachzeitschriften und ist Autor diverser Buchtitel.

Zum Buch:

Deppenland?! Um es kurz zu machen: Ja, definitiv. Und das bezieht sich nicht auf uns, das Volk – in dem es selbstredend und zweifellos auch genügend Deppen gibt. Aber hier bekommen Vertreter von Politik und Wirtschaft so richtig einen vor den Latz geknallt. Und zwar zu Recht!

Mein Lieblingskapitel VIII 2: „Der Techniktransfer ins Ausland“:
Ich habe selbst in meiner Branche mehrfach Beispiele für bodenlose Dummheit von Management erlebt. Ein Beispiel: Einer der Marktführer eines bestimmten Produktes (das Ich hier leider nicht nennen darf, sonst weiß jeder, was und welche Firma ich meine) hatte in Bayern eine florierende Auftragslage. Top Qualität zu einem gerechtfertigten Preis sicherten über 150 Mitarbeitern Lohn und Brot. Irgendwann Anfang der 80er Jahre verfiel die Firmenleitung auf die geniale Idee Kosten sparen zu wollen und verlegte einen Teil der Kunststoffproduktion in ein osteuropäisches Ausland. Klar, in den ersten Jahren Null Steuern, mickrige Grundstückspreise, Arbeitssicherheit völlig unbekannt und Sklavenlöhne. So wurde produziert. Dass man dazu auch jahrelang Techniker, Meister, Manager und Spezialisten hinüberschicken musste, um dort Tugenden wie Qualität, Effektivität, Termintreue einzuführen, wurde unter den Tisch gekehrt. Von Innovationsfähigkeit und umweltgerechter Produktion einmal ganz zu schweigen. Die Kosten für Reisen, Spesen und Arbeitsausfall in Deutschland für alle die genannten Fachleute wurden nicht in die neuen Produktionskosten einkalkuliert. Man rechnete sich selbst die Zahlen schön.

Bald erkannten die Neueuropäer, dass sie auch Rechte und Ansprüche hatten und die Lohnkosten stiegen. Um es kurz zu machen: Der Betrieb verlagerte in den Folgejahren die Produktion von einem Land in das nächste; immer weiter nach Osten, in immer vermeintlich billigere Länder, schließlich landete er wo? Natürlich in China.

Und jetzt wird´s richtig lustig. Die Chinesen lächelten und übernahmen die Kunststoffteileherstellung. Kurz darauf die saubere Entgratung, danach den Zusammenbau. Immer schön mithilfe der deutschen Fachleute. Nach Jahren wachsender Verlagerung von einem Prozessschritt nach dem anderen nach China fehlte nur noch die abschließende farbige Dekoration. Als auch die – und damit die komplette Herstellung – in China einigermaßen zufriedenstellend lief, passierte Folgendes: Die chinesischen „Partner“ legten dem größten Kunden des ursprünglichen Herstellers ein fertiges Produkt auf den Tisch und sagten, es koste die Hälfte des bisherigen Preises. Die Folge? Der deutsche Mutterbetrieb kämpfte mit drohender Insolvenz und musste ein Drittel der Belegschaft entlassen, nicht „freistellen“ (zum Kotzen das Wort). Und was glauben Sie, wie hat der Kunde reagiert? Na klar, er hat gekauft. Und zwar von den Chinesen!

Wir blöd sind Manager und Politiker, die solche Joint Ventures ermöglichen und um ihren eigenen kurzfristigen Vorteils (scheinbarer politischer Erfolg und Cash-in-die-eigene-Tasche) tagtäglich durchführen?

Fazit

Klaus Müller legt mit gnadenloser und absolut nachvollziehbarer Logik solchen – und anderen – Schwachsinn an vielen Stellen unserer Gesellschaft offen. Und das ohne unverständliche Anglizismen und verschleierndem Wirtschaftsgebabbel. Ein weiteres Müssen-Sie-lesen-Kapitel: VI 7: „Folter als Mittel der Gefahrenabwehr am Beispiel Daschner“

„Deutschland – Deppenland?!“ müsste Pflichtlektüre an allen Gymnasien, Hochschulen und Universitäten sein. Leider wird dies das Kultusministerium zu verhindern wissen. Aber Ihre Wahl dieses Buch zu lesen, kann es nicht verhindern. In vielen Ländern dieser Welt wäre so ein Buch unmöglich. Machen wir täglich drei Kreuze, dass wir bei aller Bemängelung unseres Staates in einer freien Gesellschaft, in einer der besten Demokratien leben können, die dies ermöglicht.

Einen der wenigen Punkte, in dem ich dem Autor nicht zustimmen kann, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. In Kapitel III 8 „Das Leid mit dem geheimen Wahlrecht“. Er stellt eine geheime Wahl gleich mit einer Heckenschützen-Mentalität. Jeder solle für die möglicherweise negativen Folgen seines Wahlverhaltens belangt werden können. Hier irrt er natürlich und beweist damit, dass auch er von Irrungen nicht gefeit ist. Er ist halt auch nur ein Mensch.

Trotzdem würde ich dieses Sachbuch jedem empfehlen, der den täglichen Blödsinn um sich herum beobachtet und am Verzweifeln ist. Sei beruhigt, Unbekannter, es gibt mehr Menschen als dich, die fähig sind, 1 und 1 zusammenzuzählen und sogar ein korrektes Ergebnis erhalten. Und sich nicht von täglichen Nebelkerzen unserer Politiker und Supermanagern eigenes Nachdenken verbieten lassen. Klaus Müller ist so ein Mensch.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Preisrätsel 5 x 1 Exemplar: Wer ein Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Als was bezeichnet der Rezensent das Buchkapitel VIII 2: „Der Techniktransfer ins Ausland“? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 50 richtige Mails eingetroffen sind, werden die Gewinner daraus gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Die Gewinner lauten: Canan Scherer, Krystian Schlief, Michael Hilzer, Hillal Quenze und Petra Föhn. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN TEILNEHMERN!

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