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Literatur-Blog

Archiv für die 'Leseprobe' Kategorie

SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Invasionsgeschichten”

Erstellt von Carl Reiner Holdt am 16. Juni 2013

“Invasionsgeschichten”

sfbasar.de-Anthologie Band 13

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial: Liebe Freunde, liebe Besucher und liebe Leser: Heute möchte ich Euch einen neuen Beitrag für diese Anthologie vorstellen, die nach und nach mit immer weiteren Beiträgen und Kurzgeschichten unserer Autoren gefüllt werden soll, die den Themenschwerpunkt “Invasionsgeschichten” zum Inhalt haben.

Woran denken wir unbewusst beim Stichwort „Alien“? Richtig. Ridley Scott schlachtet unsere Urangst vor dem Fremden nur bildgewaltig aus. Erfunden hat er sie nicht. Es geht nicht nur um das Monster aus unseren Albträumen. Es geht vielmehr um den andersartigen Lebensentwurf, der uns durch seine bloße Möglichkeit den unseren streitig macht. Weil er sich als der überlegene erweisen könnte. Es geht um die Auseinandersetzung um den verfügbaren Lebensraum und seine Ressourcen.

Die tiefsitzende Angst vor dem Fremden ist eine Frucht der Evolution und alle naiven Vertreter von Multikulti sollten sich diese Wurzel vergegenwärtigen: Die Xenophobie als Reflex auf eine uralte Erfahrung in der Konkurrenz um Nahrung und Fortpflanzung, in der sich jede Lebensform bewähren muss oder verdrängt wird. Und sie pflanzt sich bis in den Clash of Cultures fort. Diese Angst zu überwinden bedarf größerer Anstrengung als die Vorstellung, es sei für alle und überall genug da und man könne doch hinter die Menu-Vorschläge des Lebens wahlfrei sein Häkchen machen. Die Botschaft „Wir kommen in Frieden“ haben wir uns nämlich selbst nie geglaubt. Deshalb glauben wir sie auch anderen nicht.

Die Anthologie INVASION gibt allen Auseinandersetzungen mit diesem Thema Raum, angefangen von der Viren-Invasion über die berechtigte Angst der Anderen vor uns bis hin zu den Begegnungen, die schließlich zur friedlichen Symbiose führen. Ich freue mich auf eure Beiträge! Folgende Geschichten stehen bereits zur Verfügung. Viel Spass beim Lesen:

500 PFUND KARTOFFELSALAT – Science-Fiction-Story von Werner Karl

FILMBESPRECHUNG: DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (USA 1951) – Regie: Christian Nyby [und Howard Hawks] – Rezension von Michael Drewniok

DAS LIED DER SIRENE – Science-Fiction-Story von Werner Karl

BUCHBESPRECHUNG: DAS MILLIARDEN-GEHIRN von Theodore Sturgeon – Rezension von Michael Drewniok

DIE EROBERUNG – Science Fiction-Story von Carl Reiner Holdt

BUCHBESPRECHUNG: DIE GRÜNEN TEUFEL VOM MARS von Fredric Brown – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN von Jack Finney – Rezension von Michael Drewniok

EWIGE – Fantasyroman von Barbara Wegener (Leseprobe)

FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 1 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

NEU – FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 2 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

(IN VORBEREITUNG) FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 3 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

BUCHBESPRECHUNG: FREELANCER DYNAMICS INVASION von Christian Lonsing – Rezension von Günther Lietz

INVASION – eine Kurzgeschichte von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: PLANET ZU VERKAUFEN von Clifford D. Simak – Rezension von Michael Drewniok

FILMBESPRECHUNG: THE THING (USA 2011) – Regie: Matthijs van Heijningen Jr. – Rezensiert von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG:
WHEN THE MUSIC´S OVER von Myra Çakan – Rezension von Werner Karl

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Carl Reiner Holdt

Bildrechte: Coverillustration “Invasionsgeschichten1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 2 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

Erstellt von Detlef Hedderich am 16. Juni 2013

FEINDKONTAKT

Leseprobe Teil 2
aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“
von David Weber

»Hat irgendjemand eine Erklärung dafür, warum diese Menschen– diese ›Engländer‹ – das machen?«, fragte Garsul in einem fast weinerlichen Tonfall.

Obwohl die Übelkeit ihn fest im Griff hatte, musste er feststellen, dass er den Blick nicht von dem riesigen Bildschirm abwenden konnte. Das Ganze hatte etwas so abscheulich . . . Fesselndes an sich, wie Tausende und Abertausende von mutmaßlich intelligenten Wesen aufeinander zumarschierten, beide Seiten fest entschlossen, einen organisierten Mord am jeweiligen Gegenüberzu begehen. Kein Barthon wäre zu so etwas in der Lage gewesen, das wusste er mit Sicherheit.

»Ich weiß nicht so recht«, antwortete Kurgahr nachdenklich.Von allen Barthoni, die das Schauspiel mitverfolgten, war der Historiker der Einzige, der irgendeine Art von Wissen zum Thema»Militärgeschichte« besaß, auch wenn dieses Wissen eher als mäßig zu bezeichnen war. Das Problem lag darin begründet, dass die Barthoni keinerlei »Militärgeschichte« vorweisen konnten, mit der man sich hätte befassen können. Andere der Hegemonie angehörende Spezies waren zwar deutlich kampflustiger als die Barthoni, aber die allerwenigsten von ihnen waren annähernd so blutrünstig, wie es diese Menschen zu sein schienen. Tatsächlichhatte niemand in der Hegemonie vor dem Auftauchen der Shongairi jemals den Begriff »blutrünstig« verwendet. Zwar gehörte weder ein Vertreter der Shongairi noch einer anderen Spezies dem Erkundungsteam an, aber zumindest hatte Kurgahr deren Daten zur Hand.

»Ich glaube, die ›Engländer‹ sind zu dem Schluss gekommen, dass sie nichts mehr zu verlieren haben«, erklärte Kurgahr also bedächtig. »Ihnen muss genauso wie den ›Franzosen‹ klar sein, dass sie nicht mehr auf einen Sieg hoffen können, dennoch haben sie sich entschieden, einen Kampf zu provozieren.« Er zucktemit den oberen Schultern,um seiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen. »Ich glaube, diese Rasse ist noch verrückter, als wir es bislang angenommen haben. So wie es aussieht, greifen sie lieber an, obwohl sie wissen, es wird für sie alle denTod bedeuten, als die Vernunft walten zu lassen und zu kapitulieren.«

»Das ist ein typisches Beispiel für die übelste Sorte von Spezies-Chauvinismus!«, warf Joraym gereizt ein. »Sie übertragen völlig unzutreffend unsere barthozentrischen psychologischen Maßstäbe auf eine kindliche fremde Rasse. Sie als Historiker sollten doch am besten wissen, wie zwangsläufig fehlbar diese Art von Pseudologik ist!«

»Ach ja?« Kurgahr warf dem Xeno-Anthropologen einen wütenden Blick zu. »Haben Sie denn eine bessere Erklärung für das, was die da unten machen?«

Er deutete auf den Bildschirm, auf dem die englische Armee sich durch den Morast vorangekämpft hatte, um sich einem überlegenen Feind zu stellen. Die Bogenschützen kamen dabei wesentlich müheloser voran als die Männer in ihren schweren Rüstungen, obwohl sie die angespitzten Pfähle bei sich trugen,um damit auf den Gegner loszugehen. Andererseits bedeutete dieses Fehlen einer Rüstung natürlich auch ein unausweichliches Schicksal, das sie ereilen würde, sobald sie in die Reichweite der Schwerter der Franzosen gelangten . . .

Den Bogenschützen war nicht anzusehen, ob sie sich dieser Tatsache überhaupt bewusst waren, was nach Garsuls Ansicht nur Kurgahrs Theorie stützte, dass sie alle verrückt sein mussten. Diese Leute marschierten einfach unverdrossen durch den Schlamm und hielten dabei auf die Franzosen zu.

Die wiederum schien der Ansturm der Engländer zu verblüffen. Offenbar hatten sie nicht mit einem solchen Manöver gerechnet, weshalb es einige Zeit dauerte, bis sie ihre eigenen Reihen geordnet bekamen. Als sie endlich ihre Gefechtsformation eingenommen hatten, waren die Engländer in einer Entfernung von gut dreihundert Yards in Stellung gegangen und die Bogenschützen damit beschäftigt, die Pfähle an diesem Platz in den Boden zu rammen.

Charles d’Albert war kein glücklicher Mann.

Er und seine unmittelbaren Untergebenen (sofern französische Adlige im 15. Jahrhundert überhaupt akzeptieren konnten, irgend jemandem außer Gott untergeordnet zu sein – und Letzteres auch nur mit großen Vorbehalten) hatten einen Schlachtplan vorbereitet. Ihnen allen war klar gewesen, welche strategischen Vorteile die Engländer sich mit ihrer Stellung verschafft hatten, und sie besaßen auch genügend schlechte Erfahrung, wozu englische Bogenschützen in der Lage waren.

Diese Hurensöhne aus Wales und England hatten viel zu oft die Gelegenheit erhalten, ein Können unter Beweis zu stellen, mit dem es kein Bogenschütze auf dem Festland aufzunehmen vermochte, was insbesondere für ihre Reichweite und für die Schnelligkeit galt, mit der sie Pfeil auf Pfeil folgen ließen. Schlimmer aber war noch die Tatsache, dass es sich bei dem Langbogen um eine Waffe handelte, die gewöhnliche Bürgerliche in die Lage versetzte, mühelos einen aristokratischen Gegner zu töten. Das war mit ein Grund, warum die Franzosen gefangengenommenen feindlichen Bogenschützen prinzipiell die Finger der rechten Hand abhackten . . . jedenfalls dann, wenn ihnen ausnahmsweise einmal keine fantasievollere Bestrafung einfallen wollte.

Diesmal jedoch verfügte der Conn´etable über fast genauso viele Bogenschützen wie Henry, was er nicht zuletzt auch der Tatsache verdankte, dass sich zahlreiche Genueser Bogenschützen hatten anheuern lassen. Ursprünglich hatte sein Plan vorgesehen, diese Männer auf der gesamten Breite der Front einzusetzen, damit die Engländer einmal am eigenen Leib zu spüren bekamen, was sie sonst immer nur den anderen antaten. Es wäre für seine eigenen Leute kein Zuckerschlecken geworden, da die Engländer mit ihrem Langbogen deutlich überlegen waren, aber es wäre dennoch besser gewesen, sie zu opfern und ihre adligen Kameraden zu verschonen. Schließlich hätte ein solcher Vorstoß ohnehin in erster Linie dem Zweck gedient, die Reihen der englischen Bogenschützen zu lichten. Sobald deren Formation durch Gefallene in Unordnung geraten wäre, hätte seine Kavallerie vorrücken können, um die feindliche Linie zu durchbrechen. Von da an wären die Engländer verloren gewesen. Aber nach dem man sich drei Stunden lang nur gegenseitig belauert hatte, war es d’Alberts Leuten zu viel geworden, und einige seiner Ritter saßen ab, um sich auszuruhen und ihren Pferden und der eigenen Kehle etwas Wasser zu gönnen. Selbs im Oktober wurde es in einer einengenden Rüstung so heiß wie in einem Ofen, also war dieses Verhalten nur zu verständlich. Allerdings bedeutete es auch, dass seine Leute nicht alle auf ihrem Posten waren, um den Vorstoß zu unternehmen, mit dem sie Henrys Armee überrennen konnten, wenn sie sie im richtigen Moment erwischten. Und dann überraschten die Engländersie alle, indem sie ihrerseits völlig unerwartet vorrückten. Bis es Charles schließlich gelungen war, in seinen Reihen die Ordnung wieder herzustellen, hatten Henrys Leute sich erneut hinter diesen angespitzten Pfählen verschanzt, die jeden Angreifer zurückhalten sollten.

Bei einem Abstand von nunmehr noch knapp dreihundert Yards eröffneten sie das Feuer.

Jeder Barthoni, der diese Aktion mitverfolgte, zuckte unwillkürlich zusammen, als er sah, wie ein erster Pfeilregen auf die französische Formation niederprasselte. Die Audio-Sensoren, um deren Einsatz Joraym und Kurgahr gebeten hatten, übertrugen mit abscheulicher Klarheit die Schreie der verletzten Menschen und jene Laute, die ihre vierbeinigen Reittiere – die  sogenannten»Pferde« – von sich gaben. Kein Barthon konnte, ohne körperlichen Schmerz zu empfinden, zusehen, wie Blut aus den verletzten Körpern spritzte. Doch so widerwärtig dieser Anblick auch war, brachte es dennoch keiner von ihnen fertig, sich wegzudrehen. Es war, als würde man eine Naturkatastrophe beobachten, beispielsweise eine Lawine, die einen Berghang herabstürzteund alles mitriss, was ihr imWeg stand. Nur handelte es sich bei dieser »Naturkatastrophe«um das Ergebnis einer vorsätzlich pervertierten Intelligenz, was das Ganze aus einem unerfindlichen Grund umso fesselnder machte.

»Da!«, rief Kurgahr plötzlich und zeigte auf den Schirm. »Ich hatte mich schon gefragt, wann sie das machen würden.« Er zuckte mit dem Kopf, jene typische Geste, mit der ein Barthon Resignation ausdrückte. »Ob sie nun verrückt sind oder nicht, auf jeden Fall erwartet diese Engländer ein unerfreuliches Schicksal.«

Der Historiker besaß ein Talent für Untertreibungen, überlegte Garsul finster, während er zusah, wie der Großteil der zweitausend Reiter sich den Reihen der Engländer näherte. Ihm kam der Gedanke, dass es vermutlich besser gewesen wäre, die Engländer anzugreifen, bevor sie ihre neue Stellung auf dem Feld hatten einnehmen können. Doch die Franzosen hatten ihre Attacke erst begonnen, als sie bereits von den Engländern mit Pfeilen beschossen wurden. Dennoch sollte es keinen nennenswerten Unterschied ausmachen, denn die Bilder ließen deutlich erkennen, dass die Rüstungen der Ritter den Pfeilen ihrer Gegner mühelos standhielten, da die Geschosse wirkungslos von dem Metall abprallten.

Charles d’Albert fluchte lautstark, als er sah, wie seine Kavallerie zum Angriff auf die Engländer ansetzte. Jetzt, wo sie die beste Gelegenheit längst verpasst hatten, mussten sie damit anfangen! Aber ihm war auch klar, dass es dumm gewesen wäre, irgend etwas anderes von ihnen zu erwarten. Dieser Hagel aus Pfeilen würde die Männer in ihren schweren Rüstungen nicht töten und vermutlich nicht mal verwunden, aber für ihre Pferde galt das nicht. Keine Armee der Welt konnte einfach nur tatenlos dastehen und zusehen, wie siebentausend Bogenschützen sie unter Beschuss nahmen, die jeder bis zu zwölf Pfeile in der Minute abschießen konnten. Entweder man griff dann an, oder man zog sich zurück, um sich aus der Reichweite der für die Pferde tödlichen Geschosse zu bringen. Aber das hier waren französische Ritter, und ein Rückzug stand für sie gar nicht erst zur Diskussion – was jedoch nicht zwangsläufig bedeutete, dass eine Attacke die klügere Wahl war. (…)

(wird fortgesetzt!)

Copyright (C) 2012 by David Weber. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autoren und des Bastei Lübbe Verlages

Bildrechte: Coverillustration “Invasionsgeschichten1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestellinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen!

Weber, David
Der Widerstand

Roman

Verlag :      Bastei Lübbe
ISBN :      978-3-404-20673-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      15,00 Eur[D] / 15,50 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 22.06.2012
Seiten/Umfang :      528 S. – 21,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 22.06.2012
Aus der Reihe :      Science Fiction. Bastei Lübbe Taschenbücher

Mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung stirbt in den ersten Minuten. Die Feinde kommen aus dem Nichts. Sie nennen sich die Shongairi und haben die Menschheit von einer Sekunde auf die andere in einen brutalen Krieg gestürzt. Die meisten Städte liegen in Trümmern, radioaktiv verseucht. Das Militär ist versprengt und versucht, sich wieder zu organisieren. Eines ist gewiss: Über kurz oder lang werden die Aliens die Menschen vernichten. Doch die Menschen haben Verbündete. Im
Dunkeln. Die neue Serie vom Schöpfer der Honor-Harrington-Reihe vereint auf geniale Weise grandiose Abenteuer-SF mit Horror-Elementen!

David Weber ist einer der bedeutendsten und bestverkauften Science-Fiction-Autoren der Gegenwart. Mit “Schwerter des Zorns” ist ihm nun auch der Durchbruch im Fantasy-Genre gelungen.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Waffentod – Im Meer der Zeiten”

Erstellt von Cameo Flush am 14. Juni 2013

“Waffentod – Im Meer der Zeiten”

sfbasar.de-Anthologie Band 10

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial

Liebe Besucher, liebe Leser, liebe Community-Autoren

Die Anthologie wächst – heute kann ich Euch neue Leseproben anbieten! Sämtliche Community-Autoren und solche, die es werden wollen, sind weiterhin aufgerufen, die Anthologie mit zahlreichen Beiträgen zu bereichern. Rückmeldungen in Form von Lob, Kritik oder Verbesserungsvorschlägen sind ausdrücklich erwünscht.

Der Titel dieser Anthologie lautet: WAFFENTOD

Der Tod ist Teil des Lebens und in der Regel dürfte ihm niemand entgehen können. Den Tod nicht durch Altersschwäche, durch Unfall oder Krankheit zu erleben, sondern durch den Einsatz einer Waffe, wird ebenso sicher niemand erleben wollen. Sicher? Was ist aber mit hoffnungslos Kranken? Ist Sterbehilfe – ob nun durch ein Medikament oder durch eine Waffe – nicht etwas, was der/die Leidende sich sogar erhofft? Oder ein stolzer Krieger, der nur ehrenvoll im Kampf sterben will, um dann an der Seite seiner Ahnen und Götter ein neues Dasein zu genießen? In allen Zeitaltern wurden Menschen durch Waffen getötet, ob barbarisch, modern oder futuristisch. In vielen Fällen dürfte so ein Waffentod eine Qual, eine Überraschung, ein Drama gewesen sein. In manchen Fällen eine Erlösung. Von all diesen Facetten soll diese Anthologie handeln.

Grundsätzlich ist hier jeder Beitrag, der sich mit dem Thema befasst, willkommen. Wir suchen nicht nur Geschichten sondern auch Gedichte, Leseproben und Artikel. Das Copyright der eingereichten Beiträge, unabhängig von der Art des Beitrags, muss wie immer beim jeweiligen Autor liegen.

Die zahllosen Beiträge unserer Community-Autoren erwarten wir ebenso gespannt, wie die Kommentare unserer Leser.

Euer Cameo Flush

Und jetzt zu den Beiträgen:

BOMBARDEMENT – Leseprobe 2 aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon – Band 1: Die standhafte Feste” von Horus W. Odenthal

BROT UND SPIELE – Leseprobe aus dem historischen Roman “Marcus – Soldat Roms” von Michael Kuhn

DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 1) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

IN VORBEREITUNG: DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 2) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

DAS HERZ DER ZIVILISATION (Teil 1): IDIRIUM – Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon” – Band 2: “Der Keil des Himmel” von Horus W. Odenthal

DAS HERZ DER ZIVILISATION (Teil 2): DER ANGRIFF – Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon” – Band 2: “Der Keil des Himmel” von Horus W. Odenthal

DAS LICHT DER STERNE – Fantasy-Kurzgeschichte von Aileen P. Roberts

DAS MÄDCHEN (Teil 1) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Winter 2012″)

DAS MÄDCHEN (Teil 2) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar

(IN VORBEREITUNG) DAS MÄDCHEN (Teil 3) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar

DAS TESTAMENT – Science-Fiction-Story von Werner Karl

DER STOFF, DER DIE GEDANKEN TRÄGT – Leseprobe aus dem Roman: “Die Papiermacherin” von Conny Walden.

BUCHBESPRECHUNG: DIE GANGS VON NEW YORK – von Herbert Asbury – Rezension von Michael Drewniok

DIE MACHT DER ASCHE – Eine Science Fiction Geschichte von Michael Bahner

DIE NEBEL VON MERAGON – Leseprobe von Stephan Lössl

FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 1 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

NEU - FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 2 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

(IN VORBEREITUNG) FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 3 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

BUCHBESPRECHUNG: HINTER GOTTES RÜCKEN von Bastian Müller – Rezension von Irene Salzmann

IM FEUER – Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon – Band 1: Die standhafte Feste” von Horus W. Odenthal

BUCHBESPRECHUNG: IM MOND DES STYX von Alexander Lohmann – Rezension von Andrea Tillmanns

JÄGER VERSUS MENSCH – SF-Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz

KREUZ UND PFAHL – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

BUCHBESPRECHUNG: KRIEGSGEBIETE von Roland Spranger – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: PARANOIA – DER HINTERHALT – Band 1 von Trevor Shane – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: RED SKY von Nate Southard – Rezension von Michael Drewniok

SKOTENPACK – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

STONEHENGE – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener

FILMBESPRECHUNG: The Hunter (Australien 2011) – Regie: Daniel Nettheim – Rezension von Michael Drewniok

ÜBERFALL AUF DER KURISCHEN NEHRUNG – Leseprobe aus dem Roman: “Die Bernsteinhändlerin” von Conny Walden.

BUCHREZENSION: VOM TODE VERWEST von Jesse Bullington – Rezension von Michael Drewniok

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:



Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Cameo Flush

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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DAS HERZ DER ZIVILISATION (Teil 2): DER ANGRIFF – Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon” – Band 2: “Der Keil des Himmel” von Horus W. Odenthal

Erstellt von Horus W. Odenthal am 13. Juni 2013

DAS HERZ DER ZIVILISATION (Teil 2): DER ANGRIFF

Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie

“Ninragon – Band 2: Der Keil des Himmel”

von

Horus W. Odenthal

Auric bemerkte, dass irgendetwas nicht stimmte, als im Gewebe nächtlicher Geräusche, dem nahen Lachen und angetrunkenen Palavern seiner Gefährten, dem leisen Schlappen des Flusses an seine steinumfassten Ufer, dem fernen Stimmengemurmel aus den Wirtshäusern und Etablissements des Vergnügungsviertels her, plötzlich ein Riss entstand.

Die Schatten alter, aufgegebener Lastkräne blickten auf sie herab, mürrisch und verlassen, die vor sich hin rottenden Hüllen alter Schuppen und Lagerhäuser bildeten eine langsam verfallende Barriere zwischen ihnen und der ersten schartig schiefen Zeile eng gedrängter schmaler Bauten, ehemaliger Wohnhäuser der Schauerleute oder Kontorhäuser der Handelsleute. Mit der Schauerbank hatte es nichts Schauriges auf sich; sie war ursprünglich einmal, vor der Zeit des neuen Hafens, jener Uferabschnitt des Ziamur gewesen, wo auf dem Fluss transportierte Waren geschauert, also verladen wurden.

Auric und Kudais Blicke trafen sich in einem Moment gemeinsamer Irritation.

Jag und Nefraku waren bereits vorausgegangen, zum Fluss hinunter, waren jetzt ihren Blicken entzogen, jenseits der die Uferstraße begrenzenden hüfthohen Mauer und einer in engen Stufen zum Ufer herabführenden Treppe. Mit einem Mal war der Faden ihres auf und ab torkelnden, von unten hohl wie aus einem Tunnel zu ihnen heraufhallenden Gesprächs abgerissen. Stattdessen ein Klappern und Scharren auf feuchten Ufersteinen.

Er und Kudai lösten alarmiert ihre überraschten Blicke voneinander, hasteten zur Treppe. Das Aufschrecken und die Konzentration, auf den engen, abgelaufenen Stufen nicht zu stürzen, ließen ihn schlagartig nüchtern werden.

Stolpernd, halb stürzend kam er vor Kudai am Fuß der Treppe an, sah zunächst nur huschende Schatten und ein langes, dünnes Aufblitzen wie von Klingen im Dunkel, dort zwischen Fluss und aufragender Mauer, direkt vor dem breiten, schwarzen Schlund eines ausladenden Brückenbogens. Ohne weiter nachzudenken stürzte er darauf zu, Kudai ein Zwillingsschatten hinter ihm. Seine Hand zuckte zum Schwertgriff über seiner Schulter, instinktiv. Sein Verstand hielt ihn zurück. (Keine Waffen heute. Dies war Idirium, dies war die Zivilisation. Hier ging man nicht in wilder Kriegshorde mit dem Schwert aufeinander los.)

Die huschenden Schatten dort vorne schienen solche Regeln der Zivilisation nicht zu stören. Sie gingen wie ein wilde Kriegshorde mit gezogenen, blitzenden Klingen auf zwei weitere Schatten, unzweifelhaft Jag und Nefraku, los.

Die waren nun offensichtlich ebenfalls schlagartig nüchtern geworden. Man hörte Klappern, Klirren und Schreien in der Dunkelheit, sah das hektische Drängen und Huschen kaum unterscheidbarer Schatten. Es war düster hier unten. Die Lichter der Schauerbank wurden durch die dunkle Masse der hohen Ufermauer verdeckt, die Lichter der anderen Flussseite lagen hinter dem schwarz schweigenden Band des Ziamur – einmal standen sie still, ein weiteres Mal schwammen sie gespiegelt und schwankend auf den Fluten –, zu weit entfernt, um ihrem Ufer wirklich Licht zu spenden. Er sah, dass Jag und Nefraku auf Gefechtskreisabstand gingen, in knappen, konzentrierten Bewegungen den Klingen der Angreifer auswichen. Professionell. Standen aber trotzdem unbewaffnet gegen eine bewaffnete Überzahl. Acht waren es.

Die Gesichter der Angreifer, hellere Ovale im Grau, zuckten verwundert in ihre Richtung, erblickten die unvermutete Verstärkung ihrer Opfer. Erleichterung glaubte Auric in ihren nur schwach erkennbaren Mienen zu erblicken, als sie sahen, dass die Verstärkung nur aus ihnen zweien bestand: Noch immer in der Überzahl, noch immer bewaffnet gegen unbewaffnete Gegner.

„Die kriegen‘s gleich auch“, schrie einer von ihnen, „hängen bestimmt eh alle zusammen“, und schwenkte ein Kurzschwert in Aurics Richtung.

Noch immer gegen eine Überzahl, noch immer unbewaffnet gegen bewaffnete Gegner, schoss es Auric durch den Kopf. Also schnell handeln und sie schocken, bevor sie ihre Überlegenheit zum Nutzen bringen können.

Also stürzte er auf den ersten zu.

Doch der war klug und geistesgegenwärtig, senkte sein Schwert, versuchte erst gar keine tollkühnen Hiebe und Schläge, streckte es einfach, sich der längeren Reichweite seiner Waffe gegen bloße Hände und Arme bewusst, vor, kein Ausweichen oder Unterlaufen seines Deckungswinkels möglich. Auric konnte gerade rechtzeitig abbremsen, bevor er sich selber aufgespießt hätte. Kein dämlicher Straßenräuber also – ein Profi. Auric blickte die Länge der auf ihn gerichteten Klinge entlang und sah seinen Gegner tückisch grinsen, wartete auf seinen Angriff.

Bewegung, dumpfes Klatschen links neben ihm. Kudai nahm seinen Gegner an. Irgendwo weiter hinten im Brückenbogen hallender Tumult und hohle zerrissene Schreie.

Statt dem erwarteten Angriff des Kurzschwerts kommt eine Bewegung rechts – vorstürmender Körper, schwere Wucht durchtrennt die Luft. Ein Axthieb. Ein zweiter Angreifer. Die Axt saust schräg abwärts, Auric weicht ihr aus. Die plumpe Wucht der schweren Waffe trägt den Hieb mitsamt dem Träger der Waffe zum Ende ihres Schwungbogens fort, an Auric vorbei. Er kommt hinter den Angreifer, hinter Führungsarm und Rücken – für den Moment wie ein Schild gegen den mit dem Kurzschwert – packt den an der Waffe ausgestreckten Arm, packt ihn auch mit der zweiten Hand, drischt ihn auf das eigene hochruckende Knie, spürt Knochen knirschen und brechen, will –

Da kommt die Klinge.

Zischt verdammt nah über seinen Kopf hinweg. Das Kurzschwert. Er spürt den Luftzug, spürt das schwere Metall, das ihn in die Luft pflügt. Der Mann hintendran brüllt mit verzerrter Visage. Er springt zurück, der zweite Hieb folgt schon währenddessen. Die Klingenspitze reißt ihm über die Wange. Sie stehen sich gegenüber, erneut. Der mit dem Kurzschwert keucht.

Im Hintergrund nimmt er wahr, wie die Gestalt des wütenden Jag dort unter dem Brückenbogen etwas vom Boden hochreißt, etwas wie eine Latte oder einen Balken, und es  wie ein Irrer brüllend wild durch die Luft drischt. Die Gestalten der Angreifer weichen aus, einer kriegt es an den Kopf, dass es ihn brutal zur Seite haut und er plump wegknickt, wie gefällt. Dumpfer kurzer Schmerzensschrei – aus.

Dumpfes, schmerzerfülltes Knurren auch vom Boden neben ihm. Der Axtträger. Keine Zeit – der mit dem Kurzschwert greift wieder an, kurze, knappe Hiebe, die keine Lücken durch übermäßiges Schwungholen lassen. Sehr waagerecht geführt, einen weiten Angriffswinkel abdeckend, machen ihm – waffenlos wie er ist – ein Unterlaufen unmöglich. Er kann nur ausweichen, rückwärts, Schritt um Schritt, spürt dann Gerümpel unter seinen Füßen, weiß die Mauer im Rücken. Sein Angreifer grinst: Aurics Rückwarts ist aufgebraucht. Prescht das Schwert schwingend vor. Auric springt zurück – ein letztes Mal – gegen harte Mauersteine an seiner Schulter. Sieht Grinsen, triumphierend geschlitzte Augen im Ansatz des tödlichen Rückhiebs. Auric stößt sich von der Mauer ab und geht blitzschnell in den Gegner hinein, knapp an seinem Schwert vorbei, genau in der Drehung, dem unvermeidlichen Wenden des Schwertes zwischen Hin- und Rückschwung. Packt die Schwerthand in der Klammer seines Griffs. Sie kommen Körper an Körper, ringen miteinander, verbissen, stumm, torkeln umher mit wirbelnd ineinander verschränkten, aneinander reißenden Gliedern. Der mit dem Kurzschwert schwitzt und stinkt und knurrt. Auric schlägt ihm die Hand, die am Schwertgriff sitzt, gegen die rauen Mauersteine. Das muss weh tun, aber der Kerl lässt nicht los. Noch mal, er brüllt. Lässt aber noch immer nicht los. Sie wirbeln, taumeln hin und her. Den Gerümpelberg herunter, von der Mauer weg, ihre Beine kommen sich ringend ins Gehege, verhaken, sie stürzen, ineinander verkrallt, wirr trudelnd übereinander, keuchen. Auric hat Glück, kommt obenauf. Der Kerl hat‘s nicht, prallt mit dem Hinterkopf hart auf Steinboden – schmerzerfülltes Grunzen. Auric hilft nach, blitzschnell, sein Kopf schnellt vor, Stirn hart gegen die Nase des Kerls unter ihm –Knirschen – dessen Griff ums Schwert wird schlaff, endlich. Da kriegt er von Auric den eigenen Schwertknauf auch schon mit voller Wucht auf die gleiche Stelle, die Nase, die schon jetzt ein blutendes Wrack ist. Dem Kerl rollen die Augen weg. Noch mal das Eisen mit Wucht in die blutüberströmte, unförmig anschwellende Masse. Nur noch dumpfes Gurgeln kommt aus der Kehle.

Ein Schatten auf feuchtem Steinboden.

Ein weiterer Angreifer. Mit einer Axt, erkennt er, als sein Kopf herumschnellt. Der ihn attackiert wie ein Bulle. Trotz gebrochenem Arm – ein echtes Tier. Schwingt seine Mordsaxt mit nur einem Arm wie ein Fallbeil. Auric wirft sich, in ungünstiger Lage erwischt, wie er noch über seinem zusammengedroschenen Gegner hängt, zur Seite, von der blitzenden Klinge weg. Ein Huschen der Axt. An ihm vorbei. Ein scharfer Schmerz an seinem Arm – nicht ganz verfehlte. Die dunkel huschende Masse des Axtschwingers blockiert seinen Blick, Blut spritzt. Nicht sein eigenes. Das Axtblatt hat sich in die Schulter des am Boden liegenden Kerls mit Kurzschwert gegraben. Kein Schrei kommt – bewusstlos. Der Axtschwinger brüllt auf, reißt die Axt mit dem unverletzten Arm erneut hoch, um sie ihm in den Leib zu treiben. Er katapultiert sich mit aller Kraft hoch, kann dem Hieb nur entgehen, indem er dem Axtschwinger die Schulter unter den Arm, nah der Achsel wuchtet. Gebleckte Zähne, der Kerl spuckt ihm ins Gesicht, er spürt dessen Bartzotteln an seiner Wange. Übler saurer Atem. Der Kerl brüllt und grunzt, doch er hat ihn jetzt, packt ihn an seinem massigen Schädel, eine Hand unterm Kinn, eine am Ohr, die Axt nützt ihm jetzt gar nichts mehr, Körper an Körper wie sie kleben, will er sich damit nicht selber hacken. Die Axt hängt wie Ballast in seiner Hand, der einzigen, die noch zu was nütze ist – der andere Arm ist gebrochen und baumelt. Auric packt seinen Schädel, der Kerl brüllt, es knirscht. Lässt jetzt endlich seine tolle, mordsgefährliche Axt fallen. Die klappert auf den flussnassen Boden. Auric drischt ihm das Knie in die Eier, kickt ihm, als ihm sein Schrei stumm und erbleicht in den Unterleib ausblutet, die Beine weg und das war‘s. Der Kerl fällt seiner Axt hinterher. Die Auric rasch packt, und die der Kerl, als er sich noch windet, auch schon im Leib hat. Er liegt da wie ein gespaltener Holzstamm, schwach noch röchelnd und schon ziemlich tot, nur ein letztes Pfeifen entweichenden Atems durch Kehle und Zähne, und Auric, die Hände noch immer am Axtgriff – warum endet es nur immer mit einer Axt in seiner Hand? – hat endlich Zeit sich umzublicken. Zwei Gestalten sieht er zunächst noch da stehen, zwei fliehen.

„Scheiß Amateure“, hörte er die Stimme der Gestalt rechts von sich fluchen: Jags Stimme. „Wozu sind Waffen gut, wenn man nicht mit ihnen umgehen kann.“ Er schleuderte den Holzbalken, den er mit beiden Händen gehalten hatte, verächtlich wieder auf einen Haufen Gerümpel direkt an der Mauer zurück. Der Zweite, der nah bei ihm stand, war Kudai.

„Die waren nicht auf so viele Gegner eingestellt“, klang Nefrakus Stimme jetzt direkt vom Ufer her. Er stand da mit gespreizten Beinen über eine schlaffe Gestalt gebeugt, die teilweise im Wasser lag und die er noch am Kragen gepackt hielt. „Die wollten nur einen, und für den hätte ihre Überzahl gereicht. Danke, dass ihr da wart, Jungs.“

Der Schnitt über die Wange, stellte Auric beim Betasten fest, war nur oberflächlich. Der andere Treffer hatte ihm einen aufgeschlitzten Ärmel und einen Schnitt am Unterarm eingebracht, aus dem das Blut den zerfetzten Uniformstoff durchtränkte und auf den Boden tropfte. Die Wunde klaffte zwar übel, aber der Muskel war nicht allzu schlimm verletzt. Auf jeden Fall brauchte er aber einen Verband. Auch Kudai war offensichtlich ebenfalls am Arm verletzt, denn er wand hastig seinen Mantel darum.

Jag fletschte Auric grinsend an. „War nicht gerade die koordinierte Kampftaktik einer Kleingruppe, die du uns immer einbläust.“

„Manchmal kann man es sich nicht aussuchen“, antwortete er ihm, und begann die Körper am Boden zu untersuchen.

Bis auf Aurics ersten Gegner mit dem Kurzschwert waren alle tot, fünf Leichen zusammen mit dem Kerl im Wasser. Und der mit dem Kurzschwert hatte keine großen Chancen die Nacht zu überleben; der Blutverlust durch den Axthieb seines Kumpans war zu groß.

Noch in der Hocke sitzend, sah er die hagere, hoch gewachsene Gestalt Nefrakus neben sich treten, sah ihn auf den verblutenden Kurzschwertträger hinabblicken. Nefraku schaute ihm ins übel verquollene und blutüberströmte Gesicht, zog laut vernehmlich Schleim durch die Nase hoch und spuckte auf den Fast-Toten, dass es ihm über die verwüstete Masse von Nase und Wange hinablief.

„Das hast du dir so gedacht, Dreckskerl.“ Er wischte sich schnaufend mit dem Unterarm über den Mund. Holte dann unvermittelt mit seinem Stiefel aus und trat dem am Boden liegenden mit Wucht in die Seite, dass es den leblosen Körper hochwarf. „Mich fertig machen wollen? Mieses kleines Arschloch!“ Noch einmal trat er zu, schwere, dumpfe Tritte, und noch mal und noch mal. „Mieser. Kleiner. Dreckskerl.“ Er keuchte unter der Wut und der Anstrengung, fluchte und spuckte wieder dem Sterbenden ins Gesicht.

Aurics und Kudais Augen trafen sich in einem Befremdung spiegelnden Blick.

„Du kennst die?“, fragte Auric.

„Den da kenn‘ ich, ja, verdammt“, erwiderte Nefraku, den Mundwinkel verächtlich hochgezogen, dass die Seitenzähne im Dunkel seines schwarzenhäutigen, ausgemergelten Gesichts aufblitzten, schnalzte vernehmlich die Zunge zwischen Zähnen und Oberlippe entlang, spuckte zur Seite und trat nochmals zu. „Djurbeti, kleine Ratte. – Ha, bald Ex-Ratte. Der Rest ist genau der gleiche Schlag, Schläger- und Mörderbande.“

„Und wer sind diese Leute?“

„Arschlöcher. Die mich umbringen wollten. Von Arschlöchern bezahlt, die mich aus dem Geschäft haben wollen. Damit sie ihr übel verschnittenes Gunwaz noch besser und fetter auf die Straße bringen können. Ohne mich.“ Seinen Oberkörper heftig und knapp in Richtung des Leblosen schnellend, spuckte er noch einmal schräg aus dem Mundwinkel zu ihm hin, ein Postskript aus Blut und Speichel. „Ha, war wohl nichts! Ich bin noch immer da! Noch immer Konkurrenz, ha! War wohl nichts, ihr Scheißer!“

„Was?“ Kudai Augen waren groß und starr. „Was?“

Er trat hart an Nefraku heran. Seinen Kopf musste er dabei in den Nacken legen, um Nefraku in die Augen schauen zu können. Er schnaufte vor Wut.

„Das kann nicht wahr sein!“ Kudai schrie ihn an. „Der ganze Scheiß hier hat nur mit deinen Drogendeals zu tun, deswegen liegen die jetzt als Leichen hier? Weil wir dir deine Konkurrenz vom Hals halten durften? Scheiße, Nefraku, scheiße nochmal, das kann doch nicht dein Ernst sein. Ich hätte wirklich nicht übel Lust, dich der Reichsgarde ans Messer zu liefern!“

Nefraku blieb kalt wie ein Schweinearsch. Von Einschüchterung zeigte er keine Spur, seine Überraschung hielt er gut im Griff. Die beiden standen einander gegenüber, Nefraku blickte mit seiner steinernen Miene auf Kudai hinab. Kudai starrte umso wütender zurück. Seine Glieder zitterten – wohl auch noch als Nachwirkung des Kampfes –, und seine Nasenflügel bebten. Bevor aber Auric etwas tun oder sagen konnte, damit die beiden nicht aufeinander losgingen, trat Jag hinzu, legte Kudai seine Hand auf die Schulter.

„Jetzt mach mal halblang, Kleiner. Nur weil du plötzlich einen neuen, hohen Posten hast, musst du hier keine Welle machen. Ich kenn‘ einen Kudai, der mit uns in Kvay-Nan mit dem Arsch in der Scheiße hing und sich mit uns anderen alles reingezogen hat, was ihm grad unterkam, egal ob Rott, Jinsai oder Gunwaz. Und soweit ich weiß, hat dieser Kerl auch nicht, sobald dieser Dreckseinsatz vorbei war, auf der Stelle damit aufgehört und war sauber. Eher nicht.“

Auric sah die Zeichen an Jag, sah, dass er von ihrer ganzen Sauferei und nun dem Adrenalinschub des Kampfes gehörig aufgeputscht war. Aber er verstand nur zu genau, was Kudai meinte.

„He Jag“, er hielt seinen Tonfall ruhig und beschwichtigend, „komm runter. Es geht nicht drum, wer von uns sich wann oder wo eine Pfeife oder eine Knolle reinzieht. Kudai will auf was anderes raus.“

„Richtig“, unterbrach ihn Kudai. „Es geht hier um Drogenhandel, es geht um Kriminalität.“

Aber Jag war nicht zu beschwichtigen. Er schaute sie aus blutunterlaufenen, leicht stieren Augen an.

„Kriminalität? Sind wir jetzt unter die Heiligen gegangen? Was soll dieser Kriminalitätsscheiß? Kommt mir nicht mit so was.“ Sein Zungenschlag holperte bleiern vor sich hin. „Wenn die, die am offiziellen Hebel sitzen, dran verdienen, erklären sie‘s für legal, und es ist okay. Und wenn die anderen dran verdienen und sie nicht, dann erklären sie‘s als kriminell. So einfach ist das. Das hat nichts mit irgendeiner Drecks-Moral zu tun. Auch nicht mit deinem Inaim hier, Inaim da, Kudai. Eigentlich müsstest du doch genug vom Leben mitgekriegt haben, Kleiner, um das zu kapieren. Vielleicht hat sich ja dein großer Inaim nie Gunwaz reingezogen, braucht er ja auch nicht. Wenn er so scheiß-allmächtig ist, denkt er eben Samstags abends, hey, ’ne Dröhnung käm gut, und Ping – Schöpferblitz!, da hat er seine Dröhnung. Aber wir hier unten, die wir im Dreck krabbeln und keine allmächtigen Götter sind, wir müssen‘s auf die gute altmodische Art machen. Und zu jedem, der sich das Zeug reinzieht, gehört eben einer, der es ihm vertickt.“

„Jag, Alter, lass stecken. So viel haben wir kapiert. Drogenhandel gibt es, und wenn man ihn so einfach kontrollieren könnte, wäre er schon heute legal und mit einer dicken Steuer versehen. Ich weiss das, und Kudai weiss das auch. Das ist okay. Worauf Kudai hinaus will – und ich seh‘ das genauso – ist, es ist dagegen absolut nicht okay, wenn es Offiziere sind, die unter die Drogenhändler gehen. Es geht einfach nicht, dass du Angehöriger der Armee und gleichzeitig Teil der Unterwelt, Teil eines kriminellen Milieus bist.“

„Bei Umanákhu hat‘s dich nie gestört.“

Das brachte Auric zunächst einmal kurz ins Stocken. „Aber Umanákhu“, holperte er los, kalt erwischt, „war diskret. Hat sich nie in was verstricken …“

Jag machte eine wegwerfende Handbewegung und wandte sich wütend ab.

„Ach, lass mich in Ruhe, Skrimare. Das ist Bullshit, und du weißt es.“ Er stapfte weg, aufgebracht vor sich hingrummelnd zur Treppe hin. Auric hielt den Atem an, als er bedrohlich schwankend und stolpernd die Hürde der ersten Stufen nahm. Wäre wirklich tragisch gewesen, wenn gerade Jag, der alte Stahlfresser, nach all den Kämpfen und Schlachten, die er überlebt hatte, nach diesem überstandenen Hinterhalt besoffen eine Treppe hinunter gestürzt wäre und sich dabei den Hals gebrochen hätte. Erleichtert sah er ihn heil am Kopf der Treppe ankommen und hinter der Mauerkante halblaut maulend in der Nacht verschwinden.

Am nächsten Tag, wenn Jag wieder ansprechbar war, würde alles wieder vergessen sein. Spätestens gegen Mittag, wenn er genug Rangniedere – und manchmal auch Ranghöhere – zusammengeschnauzt hatte, würde er wieder ganz der Alte sein. Jag hatte eben einen über den Durst getrunken. Wie so oft. Wie fast immer. „Das ist eben unsere Art zu leben, Scheiße noch mal“, hatte Jag ihm geantwortet, als er ihn einmal darauf angesprochen hatte. „Wir sind Soldaten, Skrimare, keine Betschwestern.“

„Was machen wir jetzt?“, unterbrach Kudai die beklommen auf nasse Ufersteine fallende Stille. „Eigentlich müssten wir der Stadtmiliz Bericht erstatten. Wir sind hier nicht im Feld sondern in einer zivilisierten Stadt.“

„Stadtmiliz hatten wir heute Abend schon“, meinte Auric. Er blickte von seinen unschlüssig und verdrießlich scharrenden Stiefeln auf und zu Nefraku hinüber, der schweigend mit beobachtender, abwartender aber ansonsten nicht im geringsten deutbarer Miene zu ihnen herüberstarrte. Stadtmiliz bedeutete für Nefraku, dass er aufflog, zumindest aber in gehörige Bedrängnis kam. Nefrakus Blick traf sich direkt mit dem Aurics.

Und die Sechzehnte steht zu ihren Leuten. Wir kämpfen miteinander, wir stehen zueinander, wir siegen miteinander. Er mochte zwar das von ihm selber geprägte Motto lieber, Die Sechzehnte ist der Alptraum ihrer Feinde, aber geschenkt.

Nefraku hielt einige Sekunden stumm seinen Blick. „Die Kerle hier wird keiner vermissen.“ Er sagte es mit steinerner Miene. „Die Stadtmiliz am wenigsten. Den Kerlen hier kräht kein Hahn nach.“

„Vielleicht hast du Recht“, sagte Auric. „Aber darum geht es nicht. Es geht um was Prinzipielles.“ Er ließ seinen Blick über ihre Umgebung gleiten, über die in der Düsternis vor den stockfinsteren Schattenrissen von Ufermauer und Brückenbogen nur als zusammengesunkene Umrisse erkennbaren Leichen am Boden, über die Steinplatten, die ringsum in einem abweichenden Ton als der Feuchte vom Fluss her schlüpfrig glitzerten, von Spritzern, Lachen, Rinnsalen, den schlampig grausigen Spuren einer üblen Schlachterei. „Das hier ist kein Krieg“, sagte er. „Wir sind hier nicht im Feld. Das hier ist die Zivilisation. Wenn wir jetzt hier einfach abhauen, dann machen wir aus einem Akt klarer Notwehr einen ungeklärten Mordfall. Egal, ob diese Kerle jemand vermisst, egal, was sie für Halsabschneider sind – wir jedenfalls sind Offiziere der idirischen Armee.“

Kudai sah sie über die Leichen hinweg, mit Beklommenheit im Blick an.

„Du hast uns in eine ganz schön beschissene Situation gebracht, Nefraku“, sagt er, und ließ unwillig seinen Kopf hin und her baumeln. „Eine echt beschissene Situation. In was, zur Hölle, hast du uns da nur hineingeritten?“

Auric sah Kudai ins Gesicht, und der Ausdruck darin prägte sich ihm zutiefst ein. Sein ständiges Grinsen war wie ausgelöscht. Der Triumph, den er den ganzen Abend wie ein Banner vor sich hergetragen hatte, lag ihm mit einem Mal zentnerschwer auf den Schultern. (…)

© Horus W. Odenthal, 2012

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-110-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.


Die ganze Geschichte lesen Sie hier:


Horus W. Odenthal
Ninragon 2: Der Keil des Himmels [Kindle Edition]

Dateigröße: 703 KB
Seitenzahl: ca. 445 Seiten
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.

Titel als ebook erhältlich bei Amazon.de

Ein Fantasy-Epos in drei Teilen.

Fantasy der neuen Generation, mit einer starken, frischen Stimme.
Eine Geschichte für die Fans von George R. R. Martin, Scott Lynch, Joe Abercrombie und Steven Erikson.

Im zweiten Band der Trilogie, verdichtet sich all das, was Auric in seiner bisherigen Laufbahn als Soldat erlebt hat, und zieht sich wie ein Netz um ihn zusammen. Ereignisse, die er als einfacher Soldat wahrnahm aber nicht verstehen konnte, weil er die Zusammenhänge nicht erfasste, gewinnen jetzt, da er zum General aufgestiegen ist, eine tödliche Bedeutung. Er sieht sich plötzlich in etwas verstrickt, was weit über ihn, weit über sein Leben, weit über das Idirische Reich, dem er als Soldat dient, und auch weit über die Gegenwart hinausgeht.

Zunächst aber kommt er nach Idirium und gerät dort in die Fänge von Intrigen und Politik, muss dabei auch feststellen, dass das Pflaster der Hauptstadt des größten Weltreiches zuweilen gefährlicher sein kann, als die Schlachtfelder des Krieges, dass unter alten Bauten Geheimnisse lauern, die auf eine ältere Welt zurückgehen und ihre Hände nach der Gegenwart ausstrecken.
Dieses Netz um ihn verdichtet sich weiter, als er mit einer neuen Armee und einem neuen Auftrag in den Norden zurückkehrt und dort immer mehr Anzeichen einer Gefahr, eines Grauens findet, das schon seit langer Zeit seine Saat verbreitet hat.

Egal, wie die Zeit aussieht, in der wir leben, egal mit welchen Waffen wir kämpfen und wie die Städte aussehen, in denen wir leben, immer denken wir von unserer Zeit als der Moderne. Und immer vergessen wir allzu leicht, dass diese sogenannte Neuzeit wenig mehr ist, als die uns sichtbare Oberfläche eines gewaltigen Ozean, der uns trägt, und in dem, uns unsichtbar, die Schatten und Mahre der Vergangenheit hausen.

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Die Abenteuer der Milena Himiko Komore”

Erstellt von Felis Breitendorf am 10. Juni 2013

Die Abenteuer der Milena Himiko Komore

sfbasar.de-Anthologie Band 33

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Liebe Besucher von sfbasar.de, liebe Leser unserer Homepage. Sicher haben sich einige von Euch schon des öffteren gefragt, was die Grafik unserer Seite, die eine untenherum unbekleidete Raumfahrerin mit einem Raumhelm in der linken Hand ihres künstlichen, cyborgartigen Arms zeigt, wohl zu bedeuten hat. Diese Anthologie soll nun ihre Geschichte, ihre Abenteuer, ihren Lebensweg in Form eines Episodenromanes schildern.

Alle Autoren, Community-Autoren und Fans unserer Seite sind herzlich dazu eingeladen, sich daran zu beteiligen. Wer gerne daran mitschreiben möchte, meldet sich bei uns. Oder wer seine Meinung dazu abgeben möchte oder einfach nur Verbesserungsvorschläge hat, kann unsere Kommentarfunktionen verwenden.

Es ist sehr begrüßenswert, dass mehrere Autoren an dem Projekt mitarbeiten. So werden die Mainstream-, die Hintergrundgeschichten bzw. der jeweilige Mythos von einem anderen Autoren verfaßt. Diese Teile wechseln sich im Cliffhangerprinzip ab. So wird sich der Leser sicherlich mit Freude wundern, wenn es stilistische Abweichungen und Abwechslungen gibt, welche bestimmt für die Gesamtgeschichte hilfreich sind und keine Langeweile aufkommen lassen.

Wer uns einfach nur loben möchte, der ist mit seiner Meinung natürlich erst recht willkommen! Wie auch immer, bitte nehmt teil daran, was unsere kleine Raumfahrerin so erleben wird! Die Buchrezensionslinks in dieser Anthologie lehnen sich leicht an die Tätigkeiten der Milena Himiko Komore an, die in Aktion tritt als Ermittlerin, Spezialagentin und mehr …

BUCHBESPRECHUNG: DANGEROUS DEAL von Andreas Schlüter – Rezension von Iris Gasper

DAS 1. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 1) von Felis Breitendorf (und Bella C. Moremo)

DAS 1. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 2) von Felis Breitendorf (und Bella C. Moremo)

DAS 1. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 3) von Felis Breitendorf (und Bella C. Moremo)

DAS 1. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 4) von Felis Breitendorf (und Bella C. Moremo)

DAS 2. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 5) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

NEU – DAS 2. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 6) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

(IN VORBEREITUNG) – DAS 2. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 7) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

(IN VORBEREITUNG) – DAS 2. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 8) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

(IN VORBEREITUNG) – DAS 3. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 9) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

(IN VORBEREITUNG) – DAS 3. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 10) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

(IN VORBEREITUNG) – DAS 3. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 11) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

(IN VORBEREITUNG) – DAS 3. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 12) von Felis Breitendorf (und Petra Weddehage)

HÖRBUCHBESPRECHUNG: DER AUTOMATISCHE DETEKTIV von A. Lee Martinez – Rezension von Florian Hilleberg

BUCHBESPRECHUNG: DIE PFORTE von Patrick Lee – Rezensiert von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: EIN VERHÄNGNISVOLLER AUFTRAG (Mary Quinn 1) von Y. S. Lee – Rezension von Irene Salzmann

COMICBESPRECHUNG: LIEBESGRÜßE AUS FABLETOWN – CINDERELLA 1 von Chris Roberson – Rezension von Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: SCHATTENFREUNDIN von Christine Drews – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: TODESRITUAL von Nick Stone – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: UNDERGROUND von Lee Child – Rezension von Michael Drewniok

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Felis Breitendorf, Bella C. Moremo und Petra Weddehage

Bildrechte: AbenteuerMilenaHimikoKomore” (AbenteuerMilenaHimikoKomore11.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Lustige und satirische Geschichten”

Erstellt von Christa Kuczinski am 9. Juni 2013

“Lustige und satirische Geschichten”

sfbasar.de-Anthologie Band 20

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Wie der Titel – LUSTIGE UND SATIRISCHE GESCHICHTEN aus dem sfbasar – verrät, ist hier der Ort für Texte oder Geschichten, die dem Leser ein Lächeln entlocken.

Eine zufällige Begebenheit im Alltag, Gedankensplitter, die ein Eigenleben entwickeln, Bilder mit inspirierender Wirkung oder einfach nur eine Idee, die sich in eben eine ganz eigenwillige Richtung bewegt. Erfundene Geschichten, ebenso wie aus dem Leben gegriffene oder mit einem ernsteren Hintergrund, weisen sie lustige oder satirische Züge auf, sind immer willkommen.

Es gibt natürlich auch Grenzen des guten Geschmacks: Gewaltverherrlichende oder sexistische Texte, ob lustig oder satirisch sind nicht tolerierbar.

Das war es auch schon von meiner Seite aus, ich wünsche allen Lesern schöne Lesemomente und allen Autoren viel Spaß beim Verfassen toller Texte und Geschichten, von denen ich hoffe, dass Ihr sie mir schon bald anbieten werdet. ;)

Folgende Beiträge kann ich bisher anbieten, neu hinzugekommene sind rot makiert:

ADVENT, ADVENT, DER KOBOLD RENNT – Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte von Günther Kurt Lietz

AM ENDE STEHT DAS WORT – Eine Kurzgeschichte von Margret Schwekendiek

DAS ETWAS ANDERE INTERVIEW – Eine Kurzgeschichte von Petra Weddehage (sfb-Preisträger Platz 3 im Storywettbewerb 1/2013)

DIE-HAUEN-LAUFEN-UND-BETEN – Fantasy-Story von Günther Kurt Lietz

NEU – EIN BISSCHEN BISSIG – Leseprobe aus dem gleichnamigen Roman von Barbara Wegener und H.L.Ween (Babsi Ween)

EXPEDITION INS BLAUE – Science Fiction-Story von Günther Kurt Lietz

BUCHBESPRECHUNG: FANTASTIK AG – EIN EPOS AUS DEN FERNEN LANDEN von Jan Oldenburg -  Rezension von Kevin Nixdorf

HABEN SIE ETWAS GEGEN ANTIAUTORITÄT? – Eine Kurzgeschichte von Irene Salzmann

FILMBESPRECHUNG: IRON SKY – WIR KOMMEN IN FRIEDEN – Regie: Timo Vuorensola Finnland/Deutschland/Australien 2012 – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNGEN: MEINE RUSSISCHE SCHWIEGERMUTTER UND ANDERE KATASTROPHEN von Alexandra Fröhlich – Rezension von Iris Gasper

PACK DEN ZOMBIE IN DEN TANK – Eine Kurzgeschichte von Anna Breitzke

PROFITABLE GRÜSSE – Eine Kurzgeschichte von Margret Schwekendiek

BUCHBESPRECHUNG: TEUFEL AUCH! – EIN HÖLLISCHES LESEVERGNÜGEN von Jürgen Ludwig (Hrsg.) – Rezension von: Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: VERKEHRT! von Thorsten Nesch – Rezension von: Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: WAHRHEIT WIRD VÖLLIG ÜBERBEWERTET von Heike Abidi – Rezension von Iris Gasper

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Außerdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muß das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Christa Kuczinski

Bildrechte: Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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ARTIKEL 5 – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Roman von Kristen Simmons

Erstellt von Detlef Hedderich am 8. Juni 2013

ARTIKEL 5

Leseprobe (Teil 1)

aus dem gleichnamigen Roman

von Kristen Simmons

Wer nach Einbruch der Dämmerung sein Haus verlässt, Bücher liest oder uneheliche Kinder zeugt, wird im Amerika der Zukunft hart bestraft. Denn die sog. Moralmiliz entmündigt mit ihren totalitären Artikeln die Bürger der Vereinigten Staaten. Ember ist eines der unzähligen Opfer jener neuen Gesetze und muss für ihre Freiheit kämpfen …

Beth und Ryan hielten einander an den Händen, was durchaus reichte, um eine offizielle Vorladung wegen eines Sittlichkeitsvergehens zu riskieren, aber ich sagte nichts dazu. Die Einhaltung der Ausgangssperre würde erst in zwei Stunden kontrolliert werden, und Augenblicke wie dieser waren wie ein Stück gestohlener Freiheit.

»Nicht so schnell, Ember«, rief Ryan.

Stattdessen zog ich das Tempo an, entfernte mich von der Meute.

»Lass sie in Ruhe«, hörte ich Beth flüstern. Mein Gesicht fühlte sich plötzlich ganz heiß an, als mir bewusst wurde, welchen Eindruck ich vermittelte: nicht den einer pflichtbewussten Freundin, die sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte, sondern den eines verbitterten dritten Rads, das den Anblick glücklicher Paare nicht ertragen konnte. Was gar nicht stimmte. Meistens.

Verlegen passte ich mich Beth’ Tempo an.

Für ein Mädchen war meine beste Freundin ziemlich groß. Ein Durcheinander dunkler Sommersprossen verteilte sich um ihre Nase, und der dichte Schopf kringeliger, roter Haare war an kühlen Tagen wie diesem einfach unbezwingbar. Sie tauschte Ryans Arm gegen meinen – woraufhin ich mich, wenn ich ehrlich bin, doch ein bisschen sicherer fühlte –, und wir tanzten, ohne ein Wort zu wechseln, auf Zehenspitzen um die mächtigen Risse im Gehweg herum, genau, wie wir es schon seit der vierten Klasse getan hatten.

Als der Betonbelag von Kies abgelöst wurde, raffte ich meinen zu langen, khakifarbenen Rock auf der Vorderseite, damit der Saum nicht durch den Staub gezogen wurde. Ich hasste diesen Rock. Das passende, knöpfbare Oberteil war derart steif und kastenförmig, darin sah sogar die vollbusige Beth so flach aus wie ein Bügelbrett. Schuluniformen gehörten zu Präsident Scarboros neuem Moralstatut – einem der vielen, die nach dem Krieg in Kraft getreten waren – und sollten ein geschlechtsorientiertes Erscheinungsbild gewährleisten. Mir war nicht klar, auf welches Geschlecht sie mit diesem Outfit abzielten. Weiblich war es jedenfalls nicht.

Aus purer Gewohnheit hielten wir an der Tankstelle an der Ecke inne. Obwohl dies die einzige noch geöffnete Tankstelle im ganzen Land war, schien das Gelände wie leergefegt. Nur die wenigsten Leute konnten sich heute noch ein Auto leisten.

Wir gingen nie hinein. Dort mussten Snacks und Schokoriegel in den Regalen liegen, deren Preis zehnmal so hoch war als noch vor einem Jahr, und wir hatten schlicht kein Geld. Wir blieben dort, wo wir willkommen waren – draußen. Und knapp einen Meter entfernt von Hunderten winziger Gesichter, die auf einer Tafel hinter getöntem Glas gefangen waren. Über den Porträts stand zu lesen:

VERMISST! SACHDIENLICHE HINWEISE IM FALL EINER SICHTUNG SIND UMGEHEND AN DAS FEDERAL BUREAU OF REFORMATION ZU RICHTEN!

Schweigend musterten wir die Fotos der fortgelaufenen Pflegekinder und entflohenen Kriminellen auf der Suche nach einem bekannten Gesicht und hielten vor allem nach einer Person Ausschau: Katelyn Meadows. Ein Mädchen mit kastanienbraunem Haar und einem munteren Lächeln, das im vergangenen Jahr in meiner Geschichtsklasse an der Junior High gewesen war. Mrs Matthews hatte ihr gerade gesagt, dass sie die beste Zwischenprüfung der ganzen Klasse hingelegt hatte, als die Soldaten aufgetaucht waren und sie vor Gericht gezerrt hatten. »Verstoß gegen Artikel 1«, hatten sie gesagt. Verweigerung der Nationalreligion. Nicht, dass man sie dabei erwischt hätte, den Teufel anzubeten; sie hatte lediglich wegen des Pessach den Unterricht verpasst, was der Schulbehörde als unerlaubte Abwesenheit gemeldet worden war.

Das war das letzte Mal, dass irgendjemand sie gesehen hatte.

In der Woche darauf war Mrs Matthews gezwungen worden, die Bill of Rights aus dem Lehrplan zu streichen. Jegliche Erörterung des Themas war verboten, und die Soldaten, die vor der Tür und am Rekrutierungstisch postiert waren, sorgten dafür, dass das Verbot eingehalten wurde.

Zwei Monate nach Katelyns Verhandlung war ihre Familie weggezogen. Ihre Telefonnummer wurde gelöscht. Es war, als hätte sie nie existiert.

Katelyn und ich waren nicht befreundet gewesen, und es ging nicht darum, dass ich sie besonders gern gehabt hätte. Meiner Meinung nach war sie in Ordnung. Wir haben uns gegrüßt, viel mehr war da nicht. Aber seit ihrem plötzlichen Verschwinden brodelte etwas Finsteres in mir. Ich war wachsamer geworden. Befolgte die Statuten so gut ich nur konnte. Ich wollte in der Klasse nicht mehr vorn sitzen, und ich ging seither nicht mehr allein von der Schule nach Hause.

Mich durften sie nicht holen. Ich musste auf meine Mutter aufpassen.

Ich war fertig mit meiner Suche. Keine Katelyn Meadows. Nicht in dieser Woche.

»Hast du das von Mary Wie-heißt-sie-noch gehört?«, fragte Beth, als wir unseren Weg zu mir nach Hause fortsetzten. »Ich glaube, sie ist in der Zehnten.«

»Mal überlegen, Mary Wie-heißt-sie-noch«, sagte Ryan nachdenklich und schob seine Brille auf seiner schmalen Nase hoch. In seiner Uniformjacke wirkte er streberhaft, wogegen die anderen Jungs in der Schule immer so aussahen, als hätten ihre Mütter sie für Ostersonntag herausgeputzt.

»Nein, was ist mit ihr?« Ein kalter Schauer jagte mir über die Haut.

»Das Gleiche wie mit Katelyn. Die Moralmiliz hat sie abgeholt, um sie vor Gericht zu stellen, und jetzt hat sie seit einer Woche niemand mehr gesehen.« Bess sprach leise, so wie immer, wenn sie fürchtete, jemand könnte lauschen.

Mir wurde übel. Moralmiliz war nicht der offizielle Name, aber er passte. Eigentlich gehörten die uniformierten Soldaten zum Federal Bureau of Reformation – dem Teil des Militärs, den der Präsident nach dem Ende des Krieges vor drei Jahren gegründet hatte. Ihre Aufgabe war es, die Befolgung der Moralstatuten durchzusetzen, um das Chaos zu unterbinden, das während der fünf Jahre geherrscht hatte, in denen Amerika gnadenlos attackiert worden war. Die Konsequenzen waren hart: Jeder Verstoß gegen die Statuten führte zu einer Vorladung und im schlimmsten Fall zu einer Verhandlung vor dem FBR-Gremium. Leute, denen der Prozess gemacht wurde – so wie Katelyn –, kamen üblicherweise nicht zurück.

Dazu kursierten die verschiedensten Theorien. Gefängnis. Deportation. Vor ein paar Monaten hatte ich miterlebt, wie ein verrückter Obdachloser etwas über Massenexekutionen plapperte, ehe man ihn weggekarrt hatte. Doch die Realität war auch ungeachtet der Gerüchte trostlos. Mit jedem neuen Statut wurde die MM mächtiger und selbstgerechter. Daher der Spottname.

»Einen aus der Neunten haben sie aus dem Sportunterricht geholt«, sagte Ryan in ruhigem Ton. »Ich habe gehört, sie haben ihm nicht mal erlaubt, seine Uniform wieder anzuziehen.«

Erst Katelyn Meadows, nun Mary Irgendwas und ein Junge. Und Mary und den Jungen hatte es innerhalb der letzten zwei Wochen erwischt. Ich erinnerte mich noch an die Zeit, in der die Schule ein sicherer Ort gewesen war – der einzige Platz, an dem wir nicht an den Krieg denken mussten. Heute schwänzte niemand mehr die Schule. Es gab keinen Zank und keine Prügeleien. Sogar die Hausaufgaben wurden pünktlich abgegeben. Alle hatten Angst, ihre Lehrer könnten sie der MM melden.

Als wir unsere leere Einfahrt betraten, schaute ich mich zum Nachbarhaus um. Ein kastenförmiger Bau, dessen weiße Außenverkleidung unter dem Einfluss von Staub und Regen fleckig geworden war. Die Sträucher im Garten waren verwildert und wuchsen über den Betonstufen zusammen. Lange, zarte Spinnengewebe hingen vom Dachüberstand herab. Es sah aus wie ein Spukhaus, und in gewisser Weise war es das auch.

Das war sein Haus gewesen.

Das Haus des Jungen, den ich liebte.

Mit Bedacht wandte ich den Blick ab und stieg die Stufen zu unserer vorderen Veranda hoch, um meine Freunde hineinzulassen.

Meine Mutter saß auf der Couch. Sie hatte mindestens vier Spangen zu viel im Haar und trug ein Shirt, das sie aus meinem Schrank geklaut hatte, aber das machte mir nichts aus. Die Wahrheit war, dass ich für Klamotten nicht viel übrig hatte. In einer Spendensammelstelle in einem Haufen getragener Kleidungsstücke herumzuwühlen, hatte nicht dazu beigetragen, mein Interesse am Shopping zu kultivieren.

Was mir jedoch etwas ausmachte, war, dass sie ein Taschenbuch mit einem halb nackten Piraten auf dem Einband las. Das Zeug war heutzutage illegal. Wahrscheinlich hatte sie es von jemandem, der wie sie freiwillig in der Suppenküche aushalf. Die Einrichtung war gerammelt voll mit arbeitslosen Frauen, die ihre passiv-aggressive Schmuggelware unter der Nase der Moralmiliz verbreiteten.

»Hi, Baby. Hi, Leute«, sagte meine Mutter, regte sich darüber hinaus aber kaum. Sie blickte nicht einmal auf, bis sie die Seite zu Ende gelesen hatte. Dann klemmte sie ein Lesezeichen zwischen die Seiten und stand auf. Ich hielt die Klappe wegen des Buchs, obwohl ich ihr vermutlich hätte sagen sollen, dass sie dieses Zeug nicht mit nach Hause bringen durfte. Aber die heimliche Lektüre machte ihr offensichtlich Freude, und es war immer noch besser, als wenn sie auf der Veranda las – was sie bisweilen tat, wenn sie besonders rebellisch gestimmt war.

»Hi, Mom.«

Sie küsste mich geräuschvoll auf die Wange und umarmte meine Freunde, beide auf einmal, ehe sie uns unseren Hausaufgaben überließ.

Wir holten unsere großen, schweren Bücher hervor und fingen an, die mechanische Welt der Elementarmathematik zu entziffern. Das war eine furchtbare Arbeit – ich verabscheute Mathe –, aber Beth und ich hatten einen Durchhaltepakt geschlossen. Es gab Gerüchte, die besagten, dass Mädchen im nächsten Jahr keine Möglichkeit mehr hätten, Mathe zu belegen, also durchlitten wir unser Los in stiller Rebellion. (…)

(wird fortgesetzt!)

Copyright (C) 2013 by Kristen Simmons. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Pieper Verlages

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Tabu-Brecher” (tes-tabu2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestellinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen!

Simmons, Kristen
Artikel 5

Roman

Übersetzt von Meier, Frauke
Verlag :      Piper
ISBN :      978-3-492-70286-7
Einband :      gebunden
Preisinfo :      16,99 Eur[D] / 17,50 Eur[A] / 24,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 11.04.2013
Seiten/Umfang :      ca. 432 S.
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      16.04.2013

Wer nach Einbruch der Dämmerung sein Haus verlässt, Bücher liest oder uneheliche Kinder zeugt, wird im Amerika der Zukunft hart bestraft. Denn die sog. Moralmiliz entmündigt mit ihren totalitären Artikeln die Bürger der Vereinigten Staaten. Ember ist eines der unzähligen Opfer jener neuen Gesetze und muss für ihre Freiheit kämpfen …

Religiöser Fanatismus hält Einzug in die Vereinigten Staaten: Wer gegen ihre strengen Statuten der Moralmiliz verstößt, dem stehen öffentliche Demütigung, Haft und sogar der Tod bevor. Die 17-jährige Ember lebt mit ihrer Mutter allein und versteckt. Doch trotz aller Schutzmaßnahmen wird ihre Mutter verhaftet. Sie hat gegen Artikel 5 der Moralstatuten verstoßen, weil sie nicht mit Embers Vater verheiratet war.

Ember wird in einer Besserungsanstalt für Mädchen gebracht und lernt dort Hass, Gewalt und fanatische Moralisten kennen. Sie weiß, sie muss ihre Mutter retten, koste es was es wolle … und dazu braucht sie Hilfe des Mannes, der ihre Mutter verhaftet hat: Embers große Liebe, Chase.

Kristen Simmons lebt in Tampa, Florida. Sie studierte Psychologie und Sozialarbeit an der University of Nevada und arbeitet heute als Psychotherapeutin mit Traumapatienten und Missbrauchsopfern. Weil sie süchtig nach Schokolade ist, betätigt sie sich zum Ausgleich als Jazzercise-Lehrerin. »Artikel 5« ist Kristen Simmons erster Roman.

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DIE VERBOTENE WELT – Leseprobe Teil 1 aus dem gleichnamigen Roman: “Rettungskreuzer Ikarus 51 (Gamorrha-Trilogie 1)” von Irene Salzmann

Erstellt von Irene Salzmann am 22. Mai 2013

DIE VERBOTENE WELT

Leseprobe Teil 1 aus dem gleichnamigen Roman:
“Rettungskreuzer Ikarus 51 (Gamorrha-Trilogie 1)”
von Irene Salzmann

„Sie geben.“ Missmutig schob Kroil Wenga den Kartenstoß über den Tisch.

Yeni Alaya nahm ihn mit einem feinen Lächeln entgegen. Vor dem schlanken Piloten des Rettungskreuzers Phoenix stapelten sich die Creds, während seinem Gegenüber bloß ein kleines Häufchen geblieben war. Er mischte, ließ Wenga abheben und teilte ihnen beiden jeweils sieben Karten aus, die zwei letzten aufgedeckt. Der Chef-Ingenieur hatte den höheren Wert.

„Ihr Einsatz?“, fragte Alaya.

Wenga seufzte und betrachtete die wenigen Münzen, die neben dem nicht aufgedeckten Blatt lagen. Zwar spielten sie um kleine Beträge, aber da er fast jede Runde verloren hatte, würde der Zyraner ein nettes Sümmchen einstreichen. Natürlich hätte Wenga schon vor einer Weile aufgeben können, doch wollte er nicht den Ruf eines schlechten Verlierers haben. Und es bestand immerhin die Chance, dass sich ihm das Glück noch zuwenden würde. Bislang hatte er allerdings vergeblich gehofft.

„Zwei Creds.“

Alaya schnippte die gleiche Anzahl Münzen in die Tischmitte und nahm die Karten auf. Seiner Miene war nicht anzusehen, ob er ein gutes oder schlechtes Blatt besaß.

Bastard!, dachte Wenga und musterte seine eigenen Karten.

Diesmal hatte er überwiegend rote Motive von mittlerem Wert, zwei blaue mit den höchsten Punkten und keine gelben. Daraus ergaben sich drei Möglichkeiten. Entweder sammelte Wenga Farben und spielte auf Sicherheit, indem er darauf vertraute, dass er vor dem Aufdecken noch einige rote Karten ziehen würde, oder er setzte auf Risiko, indem er Blau wählte, vielleicht jedoch nur kleine Gelb- oder Rot-Werte erhielt. Alternativ ließen sich  auch hohe Werte in beliebigen Farben sammeln, wobei viele Karten derselben Farbe natürlich ein besseres Blatt ergaben.

Wenga musste Ansagen: Farben oder Werte.

Alaya wartete geduldig. Er brauchte nie lange zum Überlegen.

Daulion-Wy, das von zwei bis drei Teilnehmern gespielt werden konnte, bestand aus zweiundvierzig Karten in drei Farben, die jeweils mit ein bis vierzehn Punkten versehen waren; hinzu kamen drei Cumva-Karten, die beliebige Farben und Werte annehmen konnten. Das Ziel war, mit sieben Karten eine möglichst hohe Punktzahl in einer Farbe oder hohe Werte mit verschiedenen Farben zu erzielen. Die Punkte wurden addiert, doch konnte auch eine geringere Punktezahl den Sieg erringen, wenn das Blatt überwiegend dieselbe Farbe aufwies oder eine lückenlose Zahlenreihe zusammenkam. Rot schlug Blau, Blau schlug Gelb. Das beste Blatt bestand aus roten Karten mit den Werten Acht bis Vierzehn im Farb-Spiel, aus den Werten dreimal Vierzehn, dreimal Dreizehn und einmal  Rot Zwölf im Punkte-Spiel.

Jede Karte, die Wenga austauschte, kostete nach seiner Vorgabe zwei Creds. Entschied er sich für Rot, mochte sein Einsatz kleiner bleiben, als wenn er Blau wählte, doch viele hohe Werte in einer Farbe oder das Punkte-Spiel mit den beiden Blauen und der höchsten Roten konnten ihm mit größerer Wahrscheinlichkeit den Sieg bringen. Oder eine teurere Niederlage.

Leider wusste er nie, wie Alaya spielte: Manchmal hatte der Zyraner ein gutes Blatt, das er wahlweise durch ein sicheres oder ein Risiko-Spiel und natürlich einer großen Portion Glück erhielt, dann wieder bluffte er und brachte Wenga dazu, ein Blatt, das ihm den Sieg gebracht hätte, umzustellen oder auszusteigen, was ihm die Niederlage bescherte.

„Farbe“, erklärte Wenga. Sein Gefühl sagte ihm, dass er die falsche Wahl getroffen hatte. „Und zwei Karten.“ Er legte vier Creds zum Einsatz, schob die beiden Blauen mit der Rückseite unter den Talon und nahm von oben zwei neue Karten. Zwei Gelbe. Verdammt!

Alaya kaufte vier Karten. Nicht einmal ein zuckendes Augenlid verriet, ob er mit dem Blatt zufrieden war. Er klappte es zusammen, legte es auf den Tisch, die Hände darüber gefaltet.

Nun war Wenga wieder an der Reihe. Ob er auch einmal versuchen sollte zu bluffen? Wenn Alaya vier Karten ausgetauscht hatte, dann mochte sein Blatt ziemlich mies sein. Oder war das nur ein Trick von Alaya, um Wenga genau das glauben zu lassen?

Er beschloss, noch einmal zwei Karten zu kaufen. Als er die Gelben abgeben wollte, hörte er eine vertraute Stimme hinter sich.

„Hier bist du also, Schnuckelchen!“

Wenga konnte nicht verhindern, dass er leicht zusammenzuckte. So sehr er Reela Coy auch liebte und es mochte, wenn sie ihn mit Kosenamen bedachte – im Beisein dritter war ihm das peinlich.

Alaya verkniff sich zwar ein Grinsen, aber seine dunklen Augen funkelten amüsiert.

„Reela …“ Wenga war wie immer in ihrer Gegenwart um Worte verlegen. „Hast du mich gesucht?“ Ich Idiot! Natürlich hat sie mich gesucht.

Die Ärztin strahlte ihn an. „Ich habe Plätzchen gebacken und dachte mir, dass du sie gern würdest probieren wollen. Bei einer Tasse Kaffee.“ Was im Klartext hieß: in meiner Kabine.

Wenga wurde es warm.

„Wir beenden die Partie, dann steht Ihnen der Chief ganz zur Verfügung“, sprang Alaya für Wenga ein.

Reela schenkte beiden ein Lächeln und winkte zum Abschied. „Bis gleich!“

Wenga blickte ihr nach, als sie mit wiegenden Hüften die Kantine verließ. Reela war nicht groß und etwas drall. Das gefiel ihm. Ihre blonden Locken glitzerten im Licht der Deckenleuchten wie pures Gold. Sie ist wundervoll!

Gedankenverloren legte er die Karten ab, nahm zwei neue – und stellte fest, dass er seine beiden besten Roten statt der Gelben ausgetauscht und an ihrer statt eine niedrige Blaue und noch eine Gelbe bekommen hatte. Er fluchte.

Alaya verzichtete auf weitere Karten. „Decken wir auf?“

„Ich gehe Plätzchen essen.“ Wenga warf die Karten auf den Tisch und erhob sich.

Alaya sammelte erst die Karten, dann die Creds ein. „Ärgern Sie sich nicht. Dafür haben Sie Glück in der Liebe. Schnuckelchen.“

***

Auf dem Weg zu Reelas Kabine fragte sich Kroil Wenga zum wiederholten Mal, was die Ärztin an ihm fand. Sie war jung, hübsch, stammte von Carilem V, einer Welt des Multimperiums, und war durch und durch menschlich. Er hingegen war ein Drupi, zwar menschlich genug, so dass ihrer beiden Spezies kompatibel waren, doch entsprach er ganz gewiss nicht den gängigen Schönheitsidealen:

Wenga war wie alle Repräsentanten seines Volks groß und kräftig. Vermutlich brachte er das Vierfache von Reelas Gewicht auf die Waage. Im Vergleich zu Männern wie Yeni Alaya wirkte er grobschlächtig mit seinem massigen Körper, dem runden Gesicht, das von hellem, borstigem Heer umrahmt wurde, der dreihöckrigen Nase und hellbraunen Augen. Konnte Reela wirklich einem Monstrum wie ihm Gefühle entgegenbringen? Warum himmelte sie nicht Alaya an, der mit seiner sportlichen Figur, der olivfarbenen Haut, dem üppigen schwarzen Haar und dem etwas verträumten Blick sehr viel mehr dem menschlichen Schönheitsideal entsprach?

In Folge wunderte sich Wenga, ob Reela ähnliche Gedanken hegte: Warum interessierte er sich für eine dünne, zarte Frau, statt einer viel stattlicheren Erscheinung den Hof zu machen? Es gab einige weibliche Drupi, die auf Vortex Outpost Dienst taten und für sein Empfinden echte Hingucker waren.

Kroil und Reela …

Tatsächlich wusste er selbst nicht, wie es dazu hatte kommen können.

Es war einfach … passiert.

Warum auch nicht? Man hörte immer wieder davon, dass ein Wenxi eine Aniaderin zur Frau nahm, ein Chomorr in ein Fidehi-Kollektiv integriert wurde, eine Lyane mit einem Pentakka ihr Glück fand, ein Sloaä sich einer Rimundi zuwandte … Der Vizianer Pakcheon und der ehemalige Septimus der Konföderation Anitalle Cornelius waren schließlich auch ein seltsames Paar. Weshalb sollte dann ausgerechnet an einem Drupi und einer Carilema etwas komisch sein?

Als Wenga vor der Tür von Reelas Kabine stand und sich anmelden wollte, wurde ihm nach nur einer Silbe geöffnet.

Reela hatte auf ihn gewartet. Ihre großen, grünen Augen leuchteten unter schmalen, gewölbten Brauen. Wenga hätte unter diesem Blick wie Eis in der Sonne dahin schmelzen können …

Der kleine Raum unterschied sich nicht von seinem, denn die Ausstattung war auf fast allen Schiffen Standard. Allein die persönlichen Gegenstände verliehen der Kabine eine individuelle Note.

Es gab ein schmales Bett – gut, seines war etwas breiter, aber er benötigte nun mal nahezu die doppelte Liegefläche wie ein Mensch -, einen Spind, einen Tisch und zwei Stühle, ein Regal mit Holowürfeln, die Bilder von Reela nahestehenden Personen zeigten, Souvenirs und anderen Dingen. Das Prunkstück war ein gigantischer, handbemalter Fächer an der Wand hinter der Sitzgruppe.

Auf dem Tisch standen ein großer Teller mit Gebäck und zwei Tassen, in die Reela gerade Kaffee einschenkte.

„Setz dich, Schatzi. Hast Du die Partie gewonnen?“

Wenga kam der Aufforderung nach. Der Stuhl war zu niedrig und zu schmal, aber glücklicherweise stabil. Zögernd schüttelte er den Kopf. „Der Kerl hat ein verdammtes Glück, egal was wir spielen.“

Reela nahm ihm gegenüber Platz. „Warum lässt du dich dann immer wieder darauf ein?“

„Um mir die Zeit zu vertreiben.“

„Vielleicht solltest du dir … einen anderen Zeitvertreib suchen.“

„Zum Beispiel?“ Hatte das eben verheißungsvoll geklungen? Wenga wurde es noch wärmer; er wünschte sich, dass die Klimaanlage um zwanzig Grad herunter regelte.

„Na ja“, erwiderte Reela gedehnt. „Mir ist schon klar, dass die Freizeitmöglichkeiten an Bord begrenzt sind und du nicht nur Fachbücher lesen oder Holofilme anschauen magst. Laini hat begonnen, ein Instrument zu spielen. Sie sagte mir den Namen, aber er war so kompliziert, dass ich ihn gleich wieder vergessen habe. Melton – nein, das soll ich nicht verraten, weil es ihm etwas peinlich ist. Was der Captain treibt, keine Ahnung. Mir macht Backen Spaß. Ich dachte, dass du sicher auch gern etwas Kreatives anfangen möchtest.“

„Etwas Kreatives?“, echote Wenga, nachdem Reela immer schneller geredet hatte und ihn nun hoffnungsvoll anblickte, eine kluge Antwort erwartend.

„Ist nicht alles besser, als ständig gegen einen ehemaligen Berufsspieler zu verlieren?“

„Alaya ist Berufsspieler?“ Das erklärt einiges.

„War“, betonte Reela. „Er erzählte, dass er, bevor ihn das Raumcorps anheuerte, in einem Casino gearbeitet hatte. Nur im Casino als Croupier, Kartengeber und so, aber nicht als … äh …“

Eine leichte Röte überzog ihre Wangen, was Wenga einfach entzückend fand.

Reela wedelte mit der Hand. „Nimm doch ein Plätzchen!“

Wenga griff zu, während Reela den Faden wieder aufnahm.

„Ja, und wer glaubst du, hat ihm die ganzen Tricks beigebracht?“

Schnell schluckte Wenga herunter und wäre fast erstickt. Noch nie hatte er einen so trockenen Keks gegessen. Selbst die Sandkuchen, die seine kleine Nichte ihren Puppen und auch ihm, wenn er zu Besuch kam und mit ihr spielte, servierte, mochten bekömmlicher und weniger trocken sein …

„Keine Ahnung“, würgte er hervor und nahm einen großen Schluck heißen Kaffee. Lieber den Schlund verbrannt, als dem Keks des Todes erlegen.

„Niemand Geringeres als dieser Gauner Jason Knight. Da staunst du, was?“

Wenga nickte, froh, dass nicht wirklich eine Erwiderung notwendig war. Die hätte bloß aus Krümeln bestanden. Den nächsten Schluck nahm er vorsichtiger.

„Das ist wohl zehn Jahre her und war bevor Knight seine Schmuggler-Karriere begann. Nachdem er Yeni eingearbeitet hatte, kündigte er, spielte um einen Frachter, gewann – und weg war er. Yeni blieb danach noch gut zwei Jahre auf der St. Domina und schlug sich weitere drei Jahre als Berufsspieler durch. Weil irgendwann niemand mehr gegen ihn antreten wollte und er Schulden hatte, kam er zum Corps. Hast du das nicht gewusst?“

„Er hat auf der St. Domina gearbeitet?“ Wenga stellte die Tasse auf den Tisch. „Also darum wurde er von den Mädchen begrüßt wie ein alter Freund. Und ich hatte gedacht -“

„Mädchen?“ unterbrach ihn Reela, plötzlich mit Eis in der Stimme. „Was für Mädchen? Warst du etwa auch einmal an Bord dieses … Sündenpfuhls?“

Mit einem Mal brachte eine andere Hitze Wenga zum Schwitzen. Er hatte genau das Falsche gesagt.

„Nur dienstlich“, versuchte er, den Schaden zu begrenzen. „Ist schon eine Weile her. Ich glaube, du hattest damals Urlaub. Uns erreichte ein Funkspruch von der St. Domina, dass ein Gast mit einer ansteckenden Krankheit isoliert wurde, den man mit den bordeigenen Mitteln nicht heilen konnte. Wie sich herausstellte, war es ein … ah … gängiges … Leiden, doch der Erreger war mutiert. Wir haben den Mann an Bord genommen und in die nächste Klinik, auf St. Salusa, gebracht. Das war alles.

„Wirklich alles? Du sagtest, da waren Mädchen …“

Noch nie war Wenga so dankbar für das Heulen des Alarms gewesen, der genau in diesem Moment aufbrandete. Er schoss vom Stuhl hoch.

„Wir müssen in die Zentrale. Bestimmt ein Notruf.“

Reela eilte ihm nach. „Was war mit -“

„Mädchen, Männer“, rief Wenga über die Schulter, „Zwitter. Alles Mögliche gibt es dort. Besser, du fragst Alaya, wenn dich das interessiert. Ich habe bloß meinen Job erledigt.“

Als eine Antwort ausblieb, war Wenga ganz stolz auf sich. Er hatte sich nicht erneut in selbst ausgelegten Fußangeln verfangen, jeglichen Verdacht hoffentlich zerstreut – und den Keksen des Todes war er ebenso entkommen wie den Vorschlägen, welches kreative Hobby für ihn das richtige wäre. Es gab einfach Dinge, über die ein Mann nicht sprach. Erst recht nicht mit der Frau, deren Herz er erobern wollte. Und es war unwahrscheinlich, dass die Phoenix in absehbarer Zeit die Bahn der St. Domina kreuzen würde. Ansonsten blieb nur, giftige Pilze zu essen, um von Reela in der Krankenstation gepflegt zu werden …

(zum nächsten Teil)

Copyright (C) 2012/13 by Irene Salzmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Wer wissen möchte, was vorher passierte und wie es weitergeht, kann das Nachlesen in (Bestellmöglichkeit der Printausgabe direkt beim Verlag mit Klick auf das Cover):


Autor: Irene Salzmann
Preis: 2,99 EUR inkl. Mwst.
Erschienen: Atlantis Verlag 2013, ca. 106 Seiten *
Kategorie: Rettungskreuzer Ikarus
Format:
ebook für den Mobipocket-Reader Mobipocket (ohne DRM) 381.67 KB
eBook im ePub Format (ohne DRM) 291.35 KB
Rettungskreuzer Ikarus Band 51 als ebook bei beam-ebooks.de

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 390 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 125 Seiten
Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
Verlag: Atlantis Verlag Guido Latz (16. April 2013)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
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Die Wanderlustseuche wurde besiegt, aber es wird noch lange dauern, bis die Galaxis sich von den Folgen erholt hat. Der Rettungskreuzer Phoenix ist eines der Schiffe, die auf die Notrufe Bedürftiger antworten und Hilfe zu bringen versuchen. Ein Funkspruch führt die Crew der Phoenix zu einem havarierten Raumer; dessen Besatzung hat eine verbotene Welt besucht und das Grauen mit an Bord gebracht …

In Vorbereitung der Paperbackausgabe später:

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten”

Erstellt von Barbara Wegener am 22. Mai 2013

“Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten”

sfbasar.de-Anthologie Band 21

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

In dieser Anthologie geht es um Beiträge, deren handlungsführendes Element die Magie ist, also etwa Geschichten, in denen es um Verwandlung, Hexerei und Zauberei geht. Dabei ist es die Vielfältigkeit dieser Elemente, die diese Anthologie interessant machen soll. Wie weit ist denn nun die Spannbreite dieser Themen und wo fängt es an und wo hört es auf MAGIE zu sein? Bietet mir also Eure Geschichten, Gedichte und sonstigen Beiträge an, von denen Ihr glaubt, dass die Magie dort das tragende Element darstellt. Ich freue mich darrauf, sie in meine Anthologie zu stellen. Begeben wir uns nun an diese phantastischen Orte und erleben wir gemeinsam wundersame Begebenheiten und lesen die bezaubernden und zauberhaften Geschichten, die nun folgen:

ABSEITS VON ALLEM (Teil 1) aus: “Shaans Bürde” – Fantasy-Roman von Susanne Gavénis

IN VORBEREITUNG: ABSEITS VON ALLEM (Teil 2) aus: “Shaans Bürde” – Fantasy-Roman von Susanne Gavénis

IN VORBEREITUNG: ABSEITS VON ALLEM (Teil 3) aus: “Shaans Bürde” – Fantasy-Roman von Susanne Gavénis

BUCHBESPRECHUNG: ACHT TEUFELSEIER von Michel Parry (Hg.) – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: AUSERSEHEN (Tales of Partholon 1) von P. C. Cast – Rezension von Petra Weddehage

BLACKOUT – Eine Kurzgeschichte von little_wonni

BUCHBESPRECHUNG: DAS HAUS DER TOTEN DÄMONEN von Peter Dempf – Rezension von Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: DAS ZAUBERER HANDBUCH von Michael Peinkofer – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: DER LETZTE ENGEL – von Zoran Drvenkar – Rezension (des unkorrigierten Vorab-Exemplares) von Werner Karl

BUCHBESPRECHUNG: DER LETZTE ZAUBERLEHRLING von Gerd Ruebenstrunk – Rezension von Iris Gasper

DER PRIESTER – Leseprobe Teil 2 aus dem Roman: “Grave Mercy – Die Novizin des Todes” von Robin L. LaFevers

DER WELTENBAUM – DIE SUCHE – eine HighFantasy-Geschichte von Simone Wilhelmy

BUCHBESPRECHUNG: DIE EULE VON ASKIR – Ein Askir-Roman (Parallelhandlung zu Bd. 5 „Die Feuerinsel“) von Richard Schwartz – Rezension von Alexandra Balzer

DIE INSEL DER NYRMENGEISTER – Fantasy-Story von Aileen P. Roberts

BUCHBESPRECHUNG: DIE VERBORGENE KÖNIGIN (Changer of Days 1) von Alma Alexander – Rezension von Petra Weddehage

DIE VERMÄHLUNG – Leseprobe Teil 1 aus dem Roman: “Grave Mercy – Die Novizin des Todes” von Robin L. LaFever (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Herbst 2012″ – Geteilter Preis)

GELIEBTE ZWISCHEN DEN WELTEN – Eine Kurzgeschichte von Anna Breitzke

GRANOCK – Ein Fantasy-Fragment von Cameo Flush

NEU - HEXEREI? – Eine Kurzgeschichte von Irene Salzmann

MAGIE – Leseprobe von Susan Ott

BUCHBESPRECHUNG: MAGNOLIA STEEL – HEXENDÄMMERUNG von Sabine Städing – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: MASKEN – UNTER MAGISCHER HERRSCHAFT von Mara Lang – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: PANDÄMONIUM – DIE SCHWARZEN KÜNSTE (Band 1) – Rezension von Petra Weddehage

BUCHBESPRECHUNG: SHADOW FALLS CAMP – GEBOREN UM MITTERNACHT von C.C. Hunter – Rezension von Yvonne Rheinganz

BUCHBESPRECHUNG: VERRÄTER DER MAGIE (Band 1) von Rebecca Wild – Rezension von Iris Gasper

BUCHBESPRECHUNG: VERWANDLUNG (Das Buch der Schatten 1) von Cate Tiernan – Rezension von Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: WÄCHTER DES MORGEN – WÄCHTER 5 von Sergej Lukianenko – Rezension von Armin Möhle

BUCHBESPRECHUNG: WALD DER TAUSEND AUGEN (Schattenwald-Geheimnisse 1) von Linda Chapman & Lee Weatherly – Rezension von Irene Salzmann

BUCHBESPRECHUNG: WER WILL SCHON EINEN DRACHEN? (Liona Lix) von Dagmar H. Mueller – Rezension von Petra Weddehage

BUCHBESPRECHUNG: ZARIAS SEHNSUCHT – DER MAGISCHE ELFENBUND 2 von Victoria Hanley – Rezension von Petra Weddehage

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HEXEREI? – Eine Kurzgeschichte von Irene Salzmann

Erstellt von Irene Salzmann am 22. Mai 2013

HEXEREI?

Eine Kurzgeschichte
von
Irene Salzmann
(1994/2013)

Mara stieg langsam die hell marmorierten Stufen hinauf. Laut hallte das Klacken ihrer hohen Absätze durchs Treppenhaus und übertönte das Gebrüll eines kleinen Kindes aus einer der Wohnungen. Irgendwo kochte jemand Kohl, dessen säuerlicher Geruch unangenehm in ihre Nase stieg.

Als Mara den zweiten Stock erreicht hatte, steuerte sie zielsicher die richtige Tür an. Der einst weiße Anstrich hatte sich im Laufe der Jahre gelblich verfärbt, und in Höhe des Knaufs tummelten sich die grauen Abdrücke zahlloser Finger. Der Name auf dem weinroten Plastikschild unter der Klingel war kaum zu entziffern. Mara wußte, was in blassen Buchstaben darauf stand:

L. Hartl. L für Lothar. Lothar Hartl war leitender Bankangestellter, hatte ein ganz gutes Einkommen, fuhr einen weißen Dreier BMW, leistete sich jeden Sommer zwei Wochen Urlaub in der Türkei oder einem anderen Billigland und spielte in der Freizeit Tennis. Und er war ledig. Allein.

Mara drückte auf den Knopf, und es summte aufdringlich. Nach einem Moment hörte sie in der Wohnung eine Tür schlagen, dann näherten sich gleichmäßige Schritte, das Glas des Spions wurde dunkel – jemand schaute hinaus – und ihr wurde geöffnet.

“Ja, bitte?”

Ein schlanker Mann Anfang Dreißig füllte den Rahmen. Sein Haar war dunkel, er hatte eine sportliche Brille und sah durchschnittlich gut aus. Er trug legere Freizeitkleidung; heute mußte er nicht zur Arbeit.

Neugierig musterte er Mara, die sich ihres attraktiven Äußeren bewußt war. Für eine Vertreterin war ihr lindgrünes Kostüm zu elegant, und als Zeugin Jehova hätte sie den “Wachturm” in der Hand halten müssen. Zweifellos hielt er sie für die seriöse Angestellte einer Behörde, sonst hätte er nicht geöffnet.

Mit einer unbewußten Handbewegung strich sich Mara eine rotbonde Locke aus der Stirn. “Guten Morgen, Herr Hartl”, sagte sie mit klarer Stimme. “Ich bin eine Hexe und weiß, daß heute ein glücklicher Tag für Sie ist. Was Sie sich schon lange wünschten, wird endlich in Erfüllung gehen.”

Sein Gesicht verschloß sich. “Was reden Sie da? Ich bin schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten und glaube auch nicht an New Age und solchen Humbug. Auf Wiedersehen!”

Klapp – fiel die Tür zu.

Mara seufzte und ging klackend die Treppe bis zum nächsten Absatz hinunter. Das Kind hatte sich mittlerweile beruhigt, und der Kohlgeruch war noch intensiver geworden. Sie lauschte. Jemand kam aus dem Keller, eine Tür wurde in Parterre zugeknallt, dann war es still.

Außer Mara war niemand da. Keiner würde sie stören.

Mit wenigen Griffen hatte sie ihr modisches Kostüm umgedreht, so daß daraus ein langer, karierter Rock mit einem braunen Flicken am ausgefransten Saum wurde. Statt des  adretten Blazers trug sie ein schmuddeliges Wolltuch über der dunklen Bluse. Ihre zierlichen Sandalen wurden zu muffig riechenden Filzpantoffeln. Schnell drückte sie die Hakennase zurecht, stopfte das schüttere, graue Haar unter ein geblümtes Kopftuch und plazierte den Buckel an der richtigen Stelle, obendrauf die schwarze Katze.

Gemächlich schlurfte Mara die Treppe wieder hoch. Diesmal mußte sie länger vor der Tür warten. Herr Hartl fürchtete einen weiteren Störenfried und reagierte erst auf das dritte Summen, um den lästigen Besucher zu verscheuchen.

Mißtrauisch musterte er Mara von oben bis unten. Die Katze zischte böse und kniff die leuchtend gelben Augen zu schmalen Schlitzen.

“Ich gebe nichts”, sagte er unfreundlich. Wenn man einmal damit anfing, wurde man die Bettler überhaupt nicht mehr los.

“Guten Morgen, Herr Hartl.” Mara ließ sich nicht abweisen. “Ich bin eine Hexe und weiß, daß heute ein glücklicher Tag für Sie ist. Was Sie sich schon lange wünschten, wird endlich in Erfüllung gehen.”

Er stutzte. “War nicht eben schon mal jemand von Ihrem Verein hier? Ihr laßt einen wohl nie in Ruhe, wie?”

“Sie meinen bestimmt die junge, hübsche Frau”, entgegnete Mara und wiegte den Kopf hin und her. “Ich begegnete ihr unten auf der Straße. Sie ist auf dem Weg nach Hause. Oh, die Ärmste! An der Bushaltestelle wird sie gleich stolpern, der Fahrer kann nicht mehr rechtzeitig halten und -” Sie verstummte abrupt und blickte Herrn Hartl eindringlich an. Ihr Kopf zitterte noch immer auf dem faltigen Hals. “So eilen Sie doch, helfen Sie ihr!”

Ohne nachzudenken, rannte Herr Hartl aus der Wohnung, verharrte kurz am Eingang und schaute suchend die Häuserzeile entlang, ohne die junge Frau entdecken zu können. Er sprintete um den Block zur nächsten Haltestelle, wo einige Leute am Rand der Parkbucht auf den sich nähernden Bus warteten. Sie drängelten und schoben, jeder hoffte auf einen Sitzplatz.

Zwischen ihnen stand Mara.

Der Bus setzte den Blinker und wurde langsamer.

Mara machte einen Schritt zur Seite, stolperte und stürzte nach vorn. Die Bremsen des Bus quietschten. Entsetzt stöhnten die Leute auf.

Eine kräftige Hand packte Maras Arm und zerrte sie gerade noch zurück. Der Bus kam direkt vor ihr zum Stehen.

“Das ging ja noch mal gut”, sagte jemand. Die große Frau war so erschrocken, als wäre das Unglück beinahe ihr selbst zugestoßen.

“Man sollte sich nicht so nah an den Bordstein stellen”, meinte ein anderer. Der junge Bursche malte sich etwas enttäuscht den zerdrückten Körper in einer hellroten Blutlache aus.

“Der Fahrer hätte keine Schuld gehabt”, fand ein dritter. Der Mann mittleren Alters dachte an einen Radfahrer, den er in jener schrecklichen Nacht vor knapp drei Jahren nicht rechtzeitig bemerkt hatte, da dieser dunkle Kleidung getragen und kein Rücklicht gehabt hatte.

“Haben Sie sich weh getan?” fragte Herr Hartl besorgt.

Mara blickte auf, lächelte zaghaft und schüttelte den Kopf. Flüchtig wischte sie die roten Locken aus dem Gesicht.

“Auf den Schreck sollten wir einen Kaffee trinken”, sagte er. “Kommen Sie. Dort drüben ist ein nettes Bistro. Sie zittern ja am ganzen Körper.” Er bot Mara seinen Arm an und führte sie über die Straße. Herr Hartl hatte ihre beiden Besuche und sein Mißtrauen ganz vergessen.

Im Bistro setzten sie sich an ein sauberes Tischchen in einer gemütlichen Ecke. Von draußen drang abgeschwächt der Verkehrslärm herein, ein Auto hupte, und ein Fußgänger schimpfte. Gedämpft dudelte Instrumentalmusik aus verborgenen Lautsprechern, die Gäste unterhielten sich leise, und es duftete nach Kaffee und frischen Semmeln. Herr Hartl fand Mara sehr schön und genoß ihre Gesellschaft. Bestimmt bewunderte sie ihn für seine geistreichen Witze. Heute, er war sich ganz sicher, mußte ein Glückstag sein, weil er endlich seine Traumfrau gefunden hatte. Er würde sie fragen, ob sie auch Tennis spielte, sie mit seinem Wagen ausfahren, und vielleicht verbrachten sie den nächsten Urlaub gemeinsam in der Türkei. Ja, und dann …

Mara drehte den Kopf und blickte nach links. Am Tresen lehnte ein Mann, ein guterhaltener Vierziger, und trank ein Kännchen Tee.

Martin Bender. Er war Ingenieur, hatte ein kleines Häuschen, fuhr einen blauen Audi 80 Cabrio, machte im Winter Skiurlaub und im Sommer Bildungsreisen. Und er war geschieden. Allein.

Mara wandte sich wieder Lothar zu, der weitergesprochen hatte und zu lachen anfing. Sie stimmte mit ein. In Wirklichkeit hatte sie gar nicht zugehört, sondern an etwas anderes gedacht.

Belustigt stellte sich Mara vor, daß sie Martin Bender aufforderte, die häßliche Alte vor dem Bus zu retten. Den Leuten würden die Augen aus dem Kopf fallen, wenn sie sahen, wie er ihren Buckel zärtlich streichelte.

Die kleine Katze zeigte ihre Krallen und fauchte.

Das war ja Unsinn! Glaubwürdig war nur die Hexe mit Buckel und gerettet wurden ausschließlich hübsche Prinzessinnen. Umgekehrt funktionierte es nie – obwohl es ein Spaß wäre. Die dummen Gesichter der Leute.

Erneut fauchte die Katze, und ihre Krallen bohrten sich warnend durch den Stoff.

Schon gut. Erst Lothar, dann Martin; und wie üblich. Nehmen, was freiwillig gegeben wurde. Wie es sich für eine ehrbare Hexe gehört.

ENDE

Copyright (C) 1994/2013 by Irene Salzmann

Bildrechte: Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten” (Magie neuer Hrsg und heller.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/


Buchtipp der Redaktion:


Garcia, Kami / Stohl Inc., Margaret
Beautiful Creatures – Eine unsterbliche Liebe

Buch zum Film

Übersetzt von Koob-Pawis, Petra
Verlag :      cbj
ISBN :      978-3-570-40159-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 03.05.2013
Seiten/Umfang :      544 S. – 18,3 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Produktform (detailliert) :      B504
Erscheinungsdatum :      11.03.2013

Medien :
Leseprobe(PDF)

Die Filmausgabe des Bestsellers “Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe”; ungekürzte Textausgabe.

Liebe noch vor dem ersten Blick: Schon bevor Ethan sie zum ersten Mal gesehen hat, hat sie ihn in seinen Träumen verfolgt: Lena Duchannes, die Neue in Ethans Schule, in die Ethan sich unsterblich verliebt. Doch Lena umgibt ein Fluch, den sie mit aller Kraft geheim zu halten versucht: Sie entstammt einer Familie von Hexen, und an ihrem sechzehnten Geburtstag wird sie berufen werden. Dann wird sich entscheiden, ob sie eine gute oder eine böse Hexe wird. Ethan aber weiß: Auch er hat keine Wahl – ihm ist vorherbestimmt, Lena für immer zu lieben. Aber wird er an ihrer Seite bleiben können, gleich, welcher Seite sie künftig angehört?

„The Legion – Der Kreis der Fünf“ ist Kami Garcias neuer Roman. Vorher hat sie zusammen mit Margaret Stohl die Romanserie „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ geschrieben. Die Bücher stürmten die internationalen Bestsellerlisten, erhielten zahlreiche Preise, und inzwischen wurde „Sixteen Moons“ unter dem Titel „Beautiful Creatures – Eine unsterbliche Liebe“ von Hollywoodregisseur Richard LaGravanese verfilmt. Kami lebt mit ihrer Familien im kalifornischen Los Angeles. Kami Garcia und Margaret Stohl kam die Idee zu „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ während eines gemeinsamen Essens. Auf eine Papierserviette kritzelten sie ihre Gedanken zu einem Roman, der sie beide begeistern würde, und begannen zu schreiben. Die Sixteen-Moons-Bücher wurden ein weltweiter Erfolg und inzwischen auch verfilmt. Beide Autorinnen leben mit ihren Familien im kalifornischen Los Angeles. Mittlerweile schreiben sie nicht mehr auf Papierservietten, sondern auf Computern.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de

Titel erhältlich bei Booklooker.de

Titel erhältlich bei Libri.de

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