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Interview mit Rüdiger Uckert zu seinem Titel “Die Leere”

Erstellt von Medu Verlag am 2. Mai 2013

Interview mit Rüdiger Uckert zu seinem Titel “Die Leere”

Das Interview führte Verena Brennig.

Welche (unerwarteten) Schwierigkeiten ergeben sich beim Schreiben aus der Zukunft?

Uckert: Generell bestand die Schwierigkeit darin, die zukünftigen Entwicklungen, wie sie in „Die Leere“ dargestellt werden, aus technischer und gesellschaftlicher Sicht möglichst realistisch und logisch erscheinen zu lassen und somit nachvollziehbar zu machen. Mal abgesehen davon, dass die Hauptperson die Unsterblichkeit erlangt. Unerwartete Schwierigkeiten traten auf, wenn mir eine originelle und interessante Idee in den Sinn kam und ich bei den Recherchen dann darauf gestoßen bin, dass diese Idee schon andere Autoren vor mir hatten.

Mit welchen Science-Fiction-Autoren würden Sie sich am ehesten vergleichen?

Uckert: Stanley Robinson, der in seiner Marstrilogie ebenfalls, neben den rein technischen Aspekten, die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Tendenzen beschreibt. Auch wenn ich mich mit Stanislaw Lem nicht vergleichen möchte, so haben seine Romane und Gedankenspiele mich sicherlich beeinflusst.

Wie würden Sie Ihre Hauptfigur Winston Edelmann charakterisieren?

Uckert: Winston Edelmann, den ich gerne als Chronologisten bezeichne, besitzt sicherlich fatalistische Wesenszüge. Hinzu kommt, dass aus ihm immer wieder ein wenig der Zynismus ausbricht, wenn er sich mit der künftigen Gesellschaft auseinander setzt. Dies lässt ihn zuweilen unsympathisch erscheinen; doch ich habe ihn lieb gewonnen. Man stelle sich nur die psychische Herausforderung vor, die eine Unsterblichkeit mit sich bringt. Zunächst ein vermeintlicher Segen, der sich langsam aber unerbittlich zum Fluch entwickelt.

Fortsetzung folgt?

Uckert: Die Fortsetzung ist in Arbeit. Sie behandelt eine Zeitschleife, die ihren Ursprung in „Die Leere“ hat. Dabei geht es um die Frage, wie das Universum auf zwei existierende Realitäten reagiert. Es wird mehr Action als im ersten Teil geben und wieder kein Happy End.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse für Sie als Debütautor?

Uckert: Erstens, man sollte schreiben, wie man es für richtig hält, und nicht versuchen, sich irgendeinen Stil anzueignen. Zweitens, und hier hatte ich Glück, ist es wichtig, einen guten, engagierten Verlag zu finden.

3 Dinge, die für Ihren erfolgreichen Schreibprozess unabdinglich sind …

Uckert: 1. Viel lesen. 2. Disziplin. Für mich bedeutet es, dass das in einem bestimmten Zeitraum gesteckte Pensum abgearbeitet wird. 3. Immer wieder auf logische Fehler in der Geschichte achten. Auch hier hatte ich das Glück, dass eine verdammt gute Lektorin sich meinem Roman angenommen hat.

Was ist die größte Herausforderung für Sie beim Schreiben?

Uckert: Im Vorfeld erarbeite ich mir meine Hauptfiguren und konzipiere die Geschichte. Somit kenne ich die Story. Und jetzt stellt sich die Herausforderung, die Geschichte für den Leser spannend und mit überraschenden Handlungssträngen zu gestalten. Dabei stelle ich an mich selbst den Anspruch, die üblichen Pfade (z.B. Held verliert seinen besten Freund, aber findet seine große Liebe und dann das Happy End) nicht zu beschreiten.

Was bedeutet „Zukunft“ für Sie persönlich?

Uckert: Neugierig, wie ich bin, bedeutet für mich “Zukunft” das Eintreten von bisher nicht bedachten Tendenzen, Erfindungen und Ereignissen, wie z.B. das Ende des Ost-West Konflikts, das von niemandem vorher gesagt wurde. Auch, dass wir zu meinen Lebzeiten auf dem Mars landen.

Danke für das Interview.

Das Interview führte Verena Brennig.

Copyright © 2013 by Medu-Verlag/Verena Brennig/Rüdiger Uckert / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Medu-Verlages.

DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 1) – aus dem Roman “Die Leere” von Rüdiger Uckert

Und hier geht es zum Buch von Rüdiger Uckert:

Uckert, Rüdiger
Die Leere

Ein Tagebuch aus der Zukunft

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-48-6
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,95 Eur[D] / 15,40 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 21.11.2011
Seiten/Umfang :      458 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 11.2011

Eines Abends findet der Marketingmanager Rüdiger Uckert auf seinem Computer eine seltsame Datei vor: Fragmente aus dem Tagebuch eines Unbekannten. Schnell offenbart sich, dass es sich um eine nahezu unendliche Geschichte handelt, aufgezeichnet von Winston Edelmann, der Jahrmilliarden der Geschichte des Universums miterlebt hat. Winstons persönliche Lebensgeschichte verbindet sich mit der universalen Entwicklung, und seine Unsterblichkeit eröffnet ihm eine einzigartige Perspektive. Ein Mann zwischen ewigem Leben und ewiger Vergänglichkeit – dies ist sein Tagebuch.

Rüdiger Uckert, 1960 in Essen/Ruhrgebiet geboren, studierte Volkswirtschaft in Linz/Österreich und ist in der Automobilbranche tätig. Auch wenn sich Rüdiger Uckert in seiner Freizeit für Astrophysik und Science Fiction interessiert, war es nie sein Bestreben, Autor zu werden. Mit dem Erscheinen der außergewöhnlichen Aufzeichnungen von Winston Edelmann auf seinem PC entschloss er sich allerdings, dessen Geschichte aus der Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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Titel bei Booklooker.de
Titel bei ebooks.de/Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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Haben Sie Interesse an einem Gespräch mit unseren Autoren? Bitte melden Sie sich! Nehmen Sie Kontakt mit uns auf! Sie können ihren Wunschautoren bei uns auf der Leipziger Buchmesse kennenlernen und auf Wunsch Interviewen!

Erstellt von Droemer Knaur am 26. Februar 2013

Droemer Knauer - so liest man heute


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in diesem Jahr präsentieren wir die folgenden Autoren an unserem Stand auf der Leipziger Buchmesse.

Mit freundlichen Grüßen
Carsten Sommerfeldt
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Freitag, 15. März 2013
12.00 Uhr, Blaues Sofa, Glashalle
13.30 Uhr, Show/Lesung: Gutenbergschule Leipzig, Halle 5 C 505
16.30 Uhr, Show/Lesung,, Halle 3 E 211
18.00 Uhr, Karstadt Leipzig, Restaurant Le Buffet, Neumarkt 30, Leipzig
ab 20:30 Uhr, KrimiClub im Landgericht, Harkortstr. 9, Leipzig
Samstag, 16. März 2013
16.00 Uhr, LVZ-Autorenarena, Halle 5 A 100
16.30 Uhr, Signierstunde Autorenbuchhandlung, Halle 5 A 101
19.00 Uhr, LVZ-Kriminacht, Peterssteinweg 19, Leipzig

Donnerstag, 14. März 2013
10.30 Uhr, LVZ-Autorenarena, Halle 5 A 100
15.15 Uhr, MDR-Autorengespräch, Glashalle
19.30 Uhr, Buchpremiere, Nikolaikirche Leipzig
Freitag, 15. März 2013
13.00 Uhr, Mod. Gespräch: Förderverein Völkerschlachtsdenkmal, Halle 5 A 200
14.30 Uhr, Signierstunde Autorenbuchhandlung, Halle 5 A 101
17.00 Uhr, Signierstunde Club Bertelsmann, Hainstr. 10, Leipzig
Samstag, 16. März 2013
11.00 Uhr, ARD TV-Forum, Halle 3 C 501
21.45 Uhr, 3sat-Buchnacht, Bayerischer Bahnhof, Leipzig
Sonntag, 17. März 2013
11.30 Uhr, Blaues Sofa, Glashalle
14.00 Uhr, Signierstunde Ludiwg. Bahnhofsbuchhandlung, Leipzig
16.00 Uhr, Signierstunde Buchhandlung Lehmanns, Grimmaische Str. 10, Leipzig

Freitag, 15. März 2013
13.30 Uhr, Lesung/Gespräch, Halle 3 E 211
18.00 Uhr, „Jüdische Lebenswelten“ Ariowitsch Haus, Hinrichsenstr. 14,  Leipzig

Freitag, 15. März 2013
22.00 Uhr, Nordische Kriminacht in der naTo, Karl-Liebknechtstr. 46, Leipzig

Freitag, 15. März 2013
21.00 Uhr, Nordische Kriminacht in der naTo, Karl-Liebknechtstr. 46, Leipzig
Samstag, 16. März 2013
20.15 Uhr, Buchhandlung Lehmanns, Grimmaische Str. 10, Leipzig

Freitag, 15. März 2013
10.30 Uhr, Akademie für Autoren, Halle 5 Forum B 600
12.00 Uhr, Lesung/Gespräch, Halle 3 E 401
19.00 Uhr, Café Gecko, Ecksteinstr. 29, Leipzig-Konnewitz

Erstmalig ist Sebastian Fitzek mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse
Donnerstag, 14. März – Sonntag, 17. März 2013, Halle 3, B 301

Neben Lesungen und Signierstunden wird Sebastian Fitzek auch mit Autorenkollegen, Verlegern, Literaturagenten und Buchkritikern aus dem Nähkästchen plaudern.

Donnerstag, 14. März 2013
11.30 Uhr, Lesung/Gespräch, Lit.Forum Halle 3E401
Samstag, 16. März 2013
19.30 Uhr, Ganos Kaffe-Kontor, Wilhelm-Leuschner-Platz 9, Leipzig

Freitag, 15. März 2013
14.30 Uhr, Signierstunde  Autorenbuchhandlung, Halle 5 A 101
17.00 Uhr, LVZ-Autorenarena: Fitzek/Tsokos „Abgeschnitten“, Halle 5 A 100
20.15 Uhr, Buchhandlung Lehmanns, Grimmaische Str. 10, Leipzig

Freitag, 15. März 2013
14.30 Uhr, Mod. Gespräch, Forum Hörbuch, Halle 3 B 500
19.00 Uhr, Maternus Seniorenzentrum, Dresdner Hof,  Neumarkt 27, Leipzig

Freitag, 15. März 2013
11.00 Uhr, Mod. Gespräch, Lit. Forum, Halle 3 E 401
20.30 Uhr, Bar Metropolis, Große Fleischergasse 4, Leipzig

Freitag, 15. März 2013
12.30 Uhr, Leseinsel Fantasy, Halle 2G307

Donnerstag, 14. März 2013
10.30 Uhr, Sabine Ebert LVZ-Autorenarena, Halle 5 A 100
11.30 Uhr, Kati Naumann Lesung & Gespräch, Halle 3 E 401
15.15 Uhr, Sabine Ebert MDR-Gespräch, Glashalle
19.30 Uhr, Sabine Ebert Buchpremiere: Nikolaikirche Leipzig

Freitag, 15. März 2013
10.30 Uhr, Antonia Michaelis Akademie für Autoren, Halle 5 Forum B 600
11.00 Uhr, Michel Ruge Lesung & Gespräch, Halle 3 E 401
12.00 Uhr, Antonia Michaelis Lesung & Gespräch, Halle 3 E 401
12.00 Uhr, Klüpfel & Kobr Blaues Sofa, Glashalle
12.30 Uhr, Andrea Bottlinger Leseinsel Fantasy, Halle 2 G 307
13.00 Uhr, Sabine Ebert Förderverein Völkerschlachtsdenkmal, Halle 5 A 200
13.30 Uhr, Klüpfel & Kobr Lesung, Gutenbergschule Leipzig, Halle 5 C 505
13.30 Uhr, Eva Weaver Lesung & Gespräch, Halle 3 E 211
14.30 Uhr, Elke Worg Lesung & Gespräch, Forum Hörbuch Halle 3B500
14.30 Uhr, Sabine Ebert Signierstunde Autorenbuchhandlung, Halle 5 A 101
14.30 Uhr, Michael Tsokos Signierstunde Autorenbuchhandlung, Halle 5 A 101
16.30 Uhr, Klüpfel & Kobr Lesung & Gespräch, Halle 3 E 211
17.00 Uhr, Fitzek / Tsokos LVZ-Autorenarena, Halle 5 A 100
17.00 Uhr, Sabine Ebert Signierstunde: Der Club Bertelsmann, Hainstr. 10, Leipzig
18.00 Uhr, Eva Weaver Jüdische Lebenswelten, Ariowitsch Haus, Hinrichsenstr. 14, Leipzig
18.00 Uhr, Klüpfel & Kobr Karstadt, Restaurant Le Buffet, Neumarkt 30, Leipzig
19.00 Uhr, Elke Worg Maternus Seniorenzentrum, Dresdner Hof,  Neumarkt 27, Leipzig
19.00 Uhr, Antonia Michaelis Café Gecko, Ecksteinstr. 29, Leipzig-Konnewitz
20.15 Uhr, Michael Tsokos Buchhandlung Lehmanns, Grimmaische Str. 10, Leipzig
20.30 Uhr, Michel Ruge Metropolis Bar, Große Fleischergasse 4, Leipzig
20.30 Uhr, Klüpfel & Kobr KrimiClub im Landgericht, Harkortstr. 9, Leipzig
21.00 Uhr, L. & S. Hammer Nordische Kriminacht in der naTo, Karl-Liebknecht-Str. 46,  Leipzig
22.00 Uhr, Caroline Jensen Nordische Kriminacht in der naTo, Karl-Liebknecht-Str. 46,  Leipzig

Samstag, 16. März 2013
11.00 Uhr, Sabine Ebert ARD TV-Forum, Halle 3 C 501
16.00 Uhr, Klüpfel & Kobr LVZ Autorenarena, Halle 5 A 100
16.30 Uhr, Klüpfel & Kobr Signierstunde Autorenbuchhandlung, Halle 5 A101
19.00 Uhr, Klüpfel & Kobr LVZ Kriminacht, Petersteinweg 19, Leipzig
19.30 Uhr, Kati Naumann Ganos Kaffe-Kontor, Wilhelm-Leuschner-Platz 9, Leipzig
20.15 Uhr, L. & S. Hammer Buchhandlung Lehmanns, Grimmaische Str. 10, Leipzig
21.45 Uhr, Sabine Ebert, 3sat-Buchnacht, Bayerischer Bahnhof, Leipzig

Sonntag, 17. März 2013
11.30 Uhr, Sabine Ebert Blaues Sofa, Glashalle
14.00 Uhr, Sabine Ebert Signierstunde Ludwig. Bahnhofsbuchhandlung, Leipzig
16.00 Uhr, Sabine Ebert Signierstunde Buchhandlung Lehmanns, Leipzig

Haben Sie Interesse an einem Gespräch mit unseren Autoren?
Rufen Sie uns an oder kommen Sie vorbei:
Halle 3 Stand B 202 / 203

Verlagsgruppe Droemer Knaur
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Carsten Sommerfeldt
Telefon 089 / 9271-140
carsten.sommerfeldt@droemer-knaur.de

Monika Neudeck
Telefon 089 / 9271-141
monika.neudeck@droemer-knaur.de

Patricia Keßler
Telefon 089 / 9271-142
patricia.kessler@droemer-knaur.de

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Federwelt Nr. 98, Februar/März 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Erstellt von Galaxykarl am 9. Februar 2013

Federwelt Nr. 98, Februar/März 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, Februar/März 2013
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Artikel & Interviews: Sandra Uschtrin
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelfoto: Sandra Uschtrin

www.federwelt.de
www.facebook.com/uschtrin.verlag/
www.boerboom-vogt.de

Ich habe oft das Gefühl, dass angehende und sogar renommierte Autoren mit der Zeit unsichtbare Scheuklappen entwickeln, die ihnen auf lange Sicht nicht gut tun. Sich mit etwas anderem als mit der Schreibarbeit zu beschäftigen, scheint unter ihrer Würde zu liegen. Desto mehr freut es mich, wenn man z. B. in der FEDERWELT Beiträge findet, die man sich ganz genau ansehen sollte. In der Kolumne „Reich werden (mit Goetz Buchholz)” geht es diesmal um Vorsorge-Vorurteile. Die ach so geschmähte Riester-Rente ist besser als ihr Ruf. Zitat: „Aber solange es noch nichts Besseres gibt, ist es allemal besser als Hartz IV. Und vor allem besser, als gar nichts zu tun.“ Zitat Ende. Sic!

In den beiden Artikeln „neobooks entdeckt die Bestseller von morgen“ von Yvonne Keller und „E-Books unter die Lupe genommen“ von Wolfgang Ehrhardt Heinold kann man – wieder mal – Einblicke in den Bereich der elektronischen Bücher nehmen, die vielen AutorInnen Schrecken und Ängste bereiten, in Wahrheit aber (nur) ein weiterer Weg sind, sein Werk zu verbreiten.

Die Kolumne „Rezitationskurs … die Endung „ig“ hat sofort alle Sprachalarmglocken in mir erklingen lassen. Dass Worte wie König, Honig, wenig und zackig korrekt Könich, Honich, wenich und zackich ausgesprochen werden sollen, lässt selbst mein fränkisches Sprachgefühl laut protestieren. Ich konnte es nicht glauben und forschte im Ausspracheduden nach. Tatsächlich: Der Kolumnenautor hat recht! Mir ist aber noch kein Autor begegnet, der sich an diese – in meinen Ohren grässliche – Regelung gehalten hätte. Sollte ich einmal ein wenig fränkisch – wenich – vorlesen, dann werde ich das unübertroffene aweng verwenden.

Und auch AutorInnen haben ihre speziellen „10 Gebote beim Schreiben von Prosatexten“. Raymond Obstfeld listet sie auf und ich kann – zumindest für mich – in wahrem Glauben folgen.

Darüber hinaus bietet die FEDERWELT 98:
- Liiert mit einem Partner. Der Part der Partnerin (Folge 1: Sonja Moor)
- Interview mit der Bastei Lübbe Academy
- Schreiben für Daily Soaps und Telenovelas: Charaktere mit Charakter (neue Serie mit Jens Schleicher)
- Textküche: Spannung erzeugen
- Neu: Impulsbar (Treffende Vergleiche finden)
- Neu: Rechtskolumne mit Prof. Lutz
- Neu: Krimikolumne mit Glaser & Klönne
- Prosa und Lyrik aus Kurt Drawerts Darmstädter Textwerkstatt
- Kolumnen von Michael Rossié u.v.m.
- Terminkalender

Also wie immer eine vollgepackte Zeitschrift, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

Copyright © 2013 by Werner Karl
www.wernerkarl.org

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Mark Salisbury: Tim Burton – Der melancholische Magier – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 20. Januar 2013

Mark Salisbury
Tim Burton – Der melancholische Magier

(sfbentry)
Originalausgabe: Burton on Burton. Revised Edition (London : Faber & Faber Limited 1995/2000/2006)
Übersetzung: Sara u. Hannes Riffel
Deutsche Erstveröffentlichung (geb.): Oktober 2012 (Quadriga Verlag)
368 S.
ISBN-13: 978-3-86995-036-5
Als eBook: Oktober 2012 (Quadriga Verlag)
ISBN-13: 978-3-8387-2052-4

Titel bei Buch24.de
Titel bei eBook.de/Libri.de
Titel bei Booklooker.de

Aller Anfang war (dieses Mal besonders) schwer

Tim Burton, geboren 1958 in einem Vorort-Viertel der kalifornischen Stadt Burbank, gilt in Europa mehr noch als in den USA als einer der originellsten und einfallsreichsten Filmemacher der Gegenwart. Obwohl für mehrere Hollywood-Blockbuster (u. a. „Edward mit den Scherenhänden“, 1990; „Batman“ und „Batmans Rückkehr“, 1989 bzw. 1992, „Alice im Wunderland“, 2010) verantwortlich, gelang es ihm, eine eigene Stimme zu entwickeln, zu entfalten und zu erhalten.

Dieser Weg war steil und reich an Stolpersteinen, denn der junge Tim Burton passte schlecht in die stromlinienförmige Welt der Erfolg- und Einflussreichen. Er war als Kind und in der Schule ein Außenseiter, und er blieb es, als er nach einem Studium am „California Institute of the Arts“ ausgerechnet vom Disney-Studio angestellt wurde. Die Liebe zum Morbiden, Abseitigen und dabei Liebenswerten konnte ihm selbst die Fließbandarbeit als Zeichner für Filme wie „The Fox and the Hound“ (1981, dt. „Cap und Capper“) und „The Black Cauldron“ (1985, dt. „Taran und der Zauberkessel“ nicht austreiben. Stattdessen nutzte er die Gelegenheit, abseits der Studio-Großfilme mit angeblich veralteten Techniken wie dem Stop-Motion-Trick zu experimentieren und schräge Kurzfilm-Visionen zu verwirklichen.

Nach „Beetlejuice“ (1988) und „Edward Scissorhands“ (1990, dt. „Edward mit den Scherenhänden“) und dank des gewaltigen Erfolgs der beiden „Batman“-Filme gewann Burton allmählich Routine und Ruf, was ihm ermöglichte, Filme nach eigenen Vorstellungen zu drehen.

Alles ganz anders und oft besser

Relativ früh erregte Burtons Werk das Interesse des Film-Spezialisten Mark Salisbury. Er schrieb eine erste Fassung von „Burton on Burton“ 1995, blieb aber mit Burton in Kontakt und wurde schließlich in das „Tim Burton Collective“ aufgenommen. Es umfasst Freunde und Verbündete, die Burton im Laufe der Jahre um sich scharen konnte und auf die er immer wieder zukommt, wenn er einen Film dreht.

Quasi exklusiv verfasst Salisbury seit einigen Jahren Bücher zu Burton-Filmen, die reich illustriert und von Burton mit (sorgfältig ausgesuchten) exklusiven Informationen angereichert werden. „Burton on Burton“ wurde zur „work in progress“, wie Salisbury in einem Nachwort belegt. Eine ergänzte und erweiterte Version erschien 2000, eine wiederum überarbeitete Fassung 2006. Für die deutsche Ausgabe griff Salisbury exklusiv auf Interviews zurück, die er 2007 und 2009 mit Burton geführt hatte; „Tim Burton“ ist damit in seiner deutschen Ausgabe sogar aktueller als das Original – ein seltener aber vorbildlicher Service des Verlags, denn was nützt dem Leser eine veraltete Biografie und Werkschau? Die ‚modulare‘ Struktur des Buches ermöglicht zudem das zukünftige Andocken weiterer Ergänzungen, die zweifellos kommen werden. Burton ist ein fleißiger Mann, der schon wieder mehrere Filme gedreht hat, die noch keine Aufnahme in Salisburys Buch fanden.

Die enge Beziehung zu Tim Burton prägt das Werk. „Burton on Burton“ ist weder eine die üblichen Stationen eines Lebens abhakende Biografie noch eine kritikintensive Betrachtung und Bewertung der Burtonschen Filme durch den Fachmann Salisbury. Stattdessen überlässt der Autor weitgehend Burton selbst das Wort und kanalisiert dessen Erinnerungsfluss höchstens durch eingestreute Fragen, die dem Text eine chronologische Struktur geben.

Das Ergebnis ist ein Buch, das den strengen Filmkritiker nur bedingt zufriedenstellen kann, weil weder Salisbury noch Burton daran denken, das (eigene) Werk unter filmwissenschaftlichen Aspekten zu betrachten. Leser, die gern in privaten Details schwelgen, bleiben erst recht außen vor. Salisbury interessiert sich ausschließlich für Burtons Vita als Filmemacher. Privates wird knapp dort angesprochen, wo es den Künstler Burton betraf. Nicht nur hier mag sich eine vielleicht allzu große Nähe zwischen Autor und Regisseur zwiespältig auswirken. Allerdings fällt zumindest der Verzicht auf die öffentliche Waschung schmutziger Privat-Wäsche, die auch der gar nicht so ätherische und weltfremde Burton zurückgelassen hat, nicht negativ auf.

Ein literarischer Trip in exotische Welten

Auch formal geht „Burton on Burton“ eigene Wege. Zum Text treten gleichwertig Fotos, die ‚typische‘ Burton-Filmszenen oder Aufnahmen von Dreharbeiten zeigen. Hinzu treten zahlreiche Zeichnungen und Skizzen, die Burton als Vorlagen für Storyboards und Gedächtnisstützen anfertigte. Es sind kleine Kunstwerke, die für sich stehen sowie Burtons Gedankenwelt oft besser erhellen können als viele Worte. Da für die deutsche Ausgabe durchweg hochwertiges Kunstdruckpapier Verwendung fand, kommen diese schwarzweißen oder pastellfarbigen Zeichnungen ausgezeichnet zur Geltung.

Weil Salisbury wie gesagt zum „Burton Collective“ zählt, hat er Zugriff auf diese Zeichnungen. Sie sind ein fixer Bestandteil jener Bücher geworden, die Salisbury seit 2001 zu beinahe jedem Burton-Film veröffentlicht – bildreich im Burton-Stil gestaltet und mit knappen aber informativen Texten versehen.

Eingeleitet wird „Burton on Burton“ durch gleich zwei Vorworte des ebenfalls zum „Collective“ gehörenden Burton-Freund und Weggefährten Johnny Depp. Er ist dem Regisseur in ewiger Dankbarkeit verbunden, seit dieser ihn 1993 aus der verhassten Fronarbeit an der TV-Serie „21 Jump Street“ erlöste.

Ein wenig Skepsis ist angebracht

Tim Burton sagt nur, was er sagen möchte, und Mark Salisbury hakt nicht wirklich nach: Die daraus resultierenden Unschärfen wurden bereits angesprochen. Burton ist keineswegs frei von Selbstkritik. Allerdings fragt man sich, wie tief Burton – auch nur ein Mensch – für dieses Buch in solche Wunden wie „Planet of the Apes“ (2001; dt. „Planet der Affen“) bohrte.

Glaubhaft sind die immer wieder geschilderten Auseinandersetzungen mit Filmstudios und Produzenten, die Burton in seine Arbeit hineinreden, um das Ergebnis möglichst massentauglich und damit einträglich zu trimmen. Hier merkt man dem sich sonst sehr gelassen gebenden Burton die damit einhergehenden Belastungen an. Anders als seine Anti-Helden konnte sich Burton jedoch an der Spitze halten und sogar in Hollywood eine Nische schaffen. Wie ihm dies gelang, muss sich der Leser oft zwischen den Zeilen zusammenreimen: Burton vermag auf beiden Hochzeiten zu tanzen, was ihn als ‚echten‘ Außenseiter eigentlich disqualifizieren müsste. Gern stellt er seine Karriere als Kette glücklicher Zufällen dar, bei der ihm außerdem talentierte Menschen hilfreich unter die Arme griffen. Tatsächlich ist Burton alltagstauglich genug, sich ein beachtliches Netzwerk zu schaffen, auf deren oft prominente Mitglieder er zählen kann.

Der „melancholische Magier“ stellt nur die eine Seite Burtons dar. Sie ist längst auch zur Rolle geworden, in die Burton betont unkonventionell mit tiefschwarzer, der profanen Mode enthobenen Kleidung und der Wirrhaar-‚Frisur‘ des wahren Genies zu schlüpfen weiß. Mit „Burton on Burton“ unterstützt ihn Salisbury dabei, ohne zu hinterfragen. Somit fehlen wichtige Stücke des Puzzles, die Tim Burtons Charakter ausmachen. „Burton on Burton“ ist – um es überspitzt aber dadurch deutlich auszudrücken – durch Fakten gestützte Hagiografie und in Sachen Tim Burton keineswegs der Weisheit letzter Schluss.

Bis zum Erscheinen einer „unauthorisierten Biografie“ erfüllt dieses Buch dennoch seinen Zweck. Was Burton künstlerisch antreibt, wird auf jeden Fall deutlich. In diesem Punkt fällt es dem Leser leicht, die Sympathie des Autors (Salisbury) mit dem Subjekt seiner Darstellung (Burton) zu teilen.

Website 1
Website 2

[md]

Titel bei Buch24.de
Titel bei eBook.de/Libri.de
Titel bei Booklooker.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte, einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Relativ früh erregte Burtons Werk das Interesse des Film-Spezialisten Mark Salisbury. Er schrieb eine erste Fassung von „Burton on Burton“ in welchem jahr? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!


GEWINNER: Carsten Tiemeyer, Fridrich Steinhaus, Frieda Griesewell. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND SPONSOREN!

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Federwelt Nr. 97, Dezember 2012 / Januar 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Erstellt von Galaxykarl am 2. Dezember 2012

Federwelt Nr. 97, Dezember 2012 / Januar 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, Dezember 2012 /Januar 2013
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Artikel & Interviews: Sandra Uschtrin
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelfoto: Sandra Uschtrin

www.federwelt.de
www.facebook.com/uschtrin.verlag/
www.boerboom-vogt.de

Bisher konnte ich in jeder Federwelt-Ausgabe – natürlich einschließlich dieser Nr. 97 – etwas für mich Neues entdecken und so manches Aha-Erlebnis genießen. Dazu gibt es immer genug zu lernen, siehe „Textküche: Folge 6 – Rückblenden“ mit Gasch & Co. und „Aus der Werkstatt des Schriftstellers: Das Aussehen“ (von Protagonisten, Anm. des Rez.) von Oliver Uschmann. Das ist ja auch der „Witz“ so einer Fachzeitschrift. Apropos Witz: Ich hab mich fast weggeschmissen vor Lachen bei den Kolumnen „Die Kummerecke“ (ich bin mir gar nicht sicher, ob sich jemand tatsächlich ernsthaft mit so einem Projekt beschäftigen wollte) und Stephan Waldscheidts „Too big to fail“. Hoffen wir nur, dass es in einem Verlag nicht wirklich so zugeht.

Der Artikel „Mein Jahreseinkommen beträgt …“ von Bestsellerautorin Nina George sollte mal von Leuten gelesen werden, die nicht selbst schreiben, besonders ab dem Abschnitt: „Schreib doch mal Harriet Potter und verleg dich bei Amazon!“ Und noch ein Beitrag zum lieben Geld: „Erfolg ist schön – Erfolgreiche AutorInnen und ihr Geld / Die reichsten AutorInnen“ von Heribert Hinrichs. Das Schreiben ein hartes Brot und für manche gar eine „brotlose Kunst“ sein kann, dürfte hinreichend bekannt sein. Was allerdings in Deutschland selbst bei regelmäßig publizierten AutorInnen unterm Strich herauskommt, ist schon sehr ernüchternd.

Das große Thema „Normvertrag mit Kommentar“ findet in dieser Ausgabe seinen Abschluss – Teil 6 – in den §§ 10: Verramschung, Makulierung, 11: Rezensionen, 12: Urheberbenennung, Copyright-Vermerk, 13: Änderung der Eigentums- und Programmstrukturen und last-but-not-least 14: Schlussbestimmungen.

Darüber hinaus ist das Heft wieder mal so richtig vollgestopft:
- Gisela Elsner – gestorben, vergessen
- Literaturarchive und Literaturnachlässe
- Monacensia, Interview mit Elisabeth Tworke
- Filme über Autorinnen und Autoren
- Rezitationskurs von Michael Rossié: Anmoderation
- Mein erster Autorenvertrag: Reimer Eilers
- Reich werden mit Goetz Buchholz: Vorschuss
- FEDERWELT-Jurypreis (und die Gewinnergeschichte im Heft)
- Terminkalender Wettbewerbe und Stipendien
und noch viel mehr …

Wieder ein rundum gelungenes Heft, dass mehr als genug Anregung bietet, um die eigene Schreibarbeit voranzutreiben. Denn auch wenn die Vor- und Weihnachtszeit hektisch sein kann: die „Stille Zeit“ hat doch so manche Stunde übrig, in der man sich seinen Texten widmen kann.

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Emily Bold – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 12. November 2012

Emily Bold – interviewt von Werner Karl

Die Autorin – geboren 1980 in Mittelfranken, lebt auch heute mit ihrer Familie dort – schreibt historische Liebesromane und publiziert fast ausschließlich E-Books. Gerade aus diesem Grund war und ist sie für mich ein interessanter Interviewpartner. Von ihr sind bisher folgende Titel erschienen:

• Blacksoul – In den Armen des Piraten: ISBN 1477583521 (über http://emilybold.de/ erhältlich!)
• Gefährliche Intrigen, Taschenbuch: ISBN 978-1477588642
• Mitternachtsfalke, Taschenbuch: ISBN 1477593691
• The Curse – Touch of eternity, E-Book: ISBN 1478310383
• The Curse – Vanoras Fluch, E-Book: ISBN 1477678603
• The Curse – Im Schatten der Schwestern: ISBN 978-1479297467 (über http://emilybold.de/ erhältlich!)

Die Bücher gibt es bei Amazon, Weltbild, Kobo, iTunes, Google Play, Thalia, buch.de und vielen weiteren Shops.

http://emilybold.de/

sfbasar: Liebe Emily, historische Liebesromane sind ja nun nicht ein Genre, hinter dem man sich verstecken müsste. Warum also ein Pseudonym?
EB: Neben einem Namen, der mehr Romantik verspricht, als „Lieschen Müller“ (was selbstverständlich auch nicht mein Name ist), ging es mir in erster Linie um den Schutz meiner Privatsphäre sowie der meiner beiden Kinder. Mit Scham wegen des Genres hat das nichts zu tun.

sfbasar: In einer Radiosendung habe ich gehört, dass du von Anfang an den Weg gewählt hast, deine Bücher online als E-Book anzubieten? Warum nicht über einen klassischen Verlag als gedrucktes Buch?
EB: Tatsächlich habe ich es mit „Gefährliche Intrigen“ bei einem Verlag versucht. Von meiner „Schreibe“ war man überzeugt, von Historicals einer Deutschen jedoch nicht – der US-Markt hat in diesem Genre etliche „Größen“ vorzuweisen, auf die man mit mehr Erfolgsaussichten zurückgreifen kann.

sfbasar: Jeder Autor ist in seine Arbeit verliebt; man sträubt sich, einmal getippte Wörter zu streichen. Schlichtweg ist man einfach oft textblind. In einer seriösen Literaturagentur und einem ebensolchen Verlag wird gründlich lektoriert. Und das kostenlos. Warum also schon in diesem Stadium eines Werkes Geld ausgeben, für einen Lektor, den du selbst bezahlen musst?
EB: Wenn die Entscheidung für Selfpublishing gefallen ist, sollte man dies mit all seinen Konsequenzen durchziehen. Dazu gehört eben, dem Leser ein lektoriertes, sauber gesetztes Buch anzubieten, im Idealfall mit einem professionell gestaltetem Cover. Ich denke, diese Investitionen zahlen sich langfristig aus.

sfbasar: Das Gleiche gilt für die notwendigen, unter Umständen sehr umfangreichen, Marketing-Maßnahmen eines Verlages. Auch die bleiben an dir hängen. Unabhängig von der Tatsache, dass ich einmal annehme, dass du keine professionelle Marketing-Spezialistin bist und aufgrund eines begrenzten Budgets und Möglichkeiten dafür sicher Abstriche machen musst. Noch einmal: Warum sich als Autorin diese Kosten auflasten?
EB: Ich halte es für einen Irrglauben, dass man mit einem Verlagsvertrag – und sei es mit einem noch so großen Verlag – automatisch ein gigantisches Werbebudget zugesprochen bekommt. Warum sollte der Autor nicht auch selbst für sich und sein Werk werben? Warum nicht den direkten Kontakt mit Lesern suchen und sich austauschen? Zudem das alles nichts kostet…

sfbasar: Das Gleiche gilt für Arbeiten wie Covergestaltung, Fotorechte, Titellayout, ISBN-Kosten. Einen deiner Romane gibt es sogar in englischer Sprache. Kannst du das alles? Hast du dir dafür kompetente Partner gesucht – die schon wieder Geld kosten – oder dir mit der Zeit diese Fähigkeiten angeeignet?
EB: Ich kann vieles ;) Layout, Covergestaltung usw. mache ich gemeinsam mit meinem Mann. Fotorechte muss man „nur“ kaufen, was absolut Sinn macht bzw. eigentlich unabdingbar ist. Die Übersetzung eines meiner Bücher war ein Versuch, der tatsächlich einen großen Batzen Geld gekostet hat, da ich hier professionelle Hilfe in Anspruch genommen habe. Ob sich das in absehbarer Zeit rechnet, wird sich noch zeigen…

sfbasar: All das Vorgenannte kostet eine Autorin zusätzlich die wichtigste Ressource: Zeit. Ich kenne eigentlich keinen Autor, der nicht über Zeitmangel klagt. Hast du keine Bedenken, dass dich dies von deiner eigentlichen Arbeit – dem Schreiben – abhält? Dir zu viel deiner kostbaren Zeit raubt? Schließlich hast du ja auch noch eine Familie, die auch ihre – berechtigte – Zeit mit dir einfordert.
EB: Hier liegst du völlig richtig: Zeit ist wirklich sehr knapp, gerade mit Familie und Kindern. Dennoch ist alles eigentlich nur eine Sache der Organisation – und organisieren kann ich wirklich sehr gut ;) Ich denke, es ist einfach wichtig, Prioritäten zu setzen – schreibe ich an einem Projekt oder verbringe ich Zeit in sozialen Netzwerken, um mich mit Lesern auszutauschen? Letztendlich gehört für mich beides zum Autoren-Dasein dazu, die richtige Balance macht es aus.

sfbasar: Jetzt mal zum praktischen Teil des Online-Vermarktens. Es ist ja nicht damit getan, eine pdf-Datei zu erstellen und z. B. in Amazon einzustellen. Wie sorgst du dafür, dass dein Name bekannt wird? Wer dich nicht kennt, kann auch keine E-Books von dir finden und schließlich erstehen. Allein über deine Website und Facebook? Welche Multiplikatoren nutzt du?
EB: Ich versuche, vielfältig zu sein – der Rest ist „Betriebsgeheimnis“ ;)

sfbasar: Wie ist das mit der leidigen Mehrwertsteuer? Gedruckte Bücher unterliegen einem ermäßigten Steuersatz von 7 %. Ist das bei E-Books genau so?
EB: „Leidig“ trifft es auf den Punkt. E-Books werden in Deutschland zu 19% versteuert, also anders als gedruckte Bücher. Amazon und Apple mit Sitz in Luxemburg versteuern aufgrund der dort gültigen Steuerbestimmungen jedoch nur mit 3% – ab 2015 wird sich das ändern, da dann auch in Deutschland der geltende Steuersatz entrichtet werden muss. Prinzipiell wäre es richtig, E-Books mit 7% ermäßigt zu besteuern, um sie gedruckten Büchern gleichzustellen.

sfbasar: Überhaupt: Wenn auf verschiedenen Verkaufsplattformen unterschiedliche E-Book-Preise entstehen und damit auch deine Tantiemen für den gleichen Roman verschieden ausfallen, wie rechnet man so etwas mit dem Finanzamt ab? Einfach nach Einnahmen/Ausgaben ohne Angabe einer Stückzahl?
EB: Unterschiedliche E-Book-Preise entstehen nicht, da in Deutschland die Buchpreisbindung gilt. Tatsächlich variieren aber die Tantiemen je nach Autorenmarge. Meine Abrechnung mit dem Finanzamt übernimmt ein Steuerberater, da die Rechnung tatsächlich nicht einfach ist – auch aufgrund der verschiedenen Steuersätze.

sfbasar: Wie kommst du zu Lesungen, die ja ein probates Mittel sind, um gewonnene Fans bei der Stange zu halten und neue zu gewinnen? Was hat ein Buchhändler von einem Autor, der ausschließlich online publiziert? Genügt der Buchhandlung der Eintrittspreis zur Lesung? Wenn der überhaupt hier machbar ist? Druckst du dir deine Bücher aus und hast sie als Loseblattsammlung bei der Lesung dabei?
EB: Bisher habe ich auf Lesungen verzichtet, auch aufgrund meines Pseudonyms. Und mal ehrlich: eine Lesung aus einem Historischen Liebesroman…?

sfbasar: Wie denkst du über illegale Kopien deiner Werke? Es kann jede Datei und jede Sicherung von pfiffigen – natürlich illegalen – Hackern geknackt werden. Diese „Kunden“ entgehen dir. Auch die Gefahr von Plagiaten scheint mir bei E-Books größer zu sein – weil einfacher für den Dieb verfügbar – als bei einem gedruckten Buch.
EB: Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass man meine Bücher illegal anbietet. Rechtlich gesehen ist das wohl einfach Diebstahl, das ist richtig. Dagegen vorgehen ist meistens schwierig, aber nicht unmöglich. Ich glaube, dass diejenigen, die Bücher illegal herunterladen, wohl eh nichts bezahlen wollen – als „Kunde“ entgehen sie mir also nicht wirklich. Traurig ist es dennoch, denn ein Cappuccino kostet dich ca. 3,50€ – und ist in spätestens 30 Minuten ausgetrunken. An meinen Büchern liest es sich um ein Vielfaches länger – also viel mehr Spaß für das gleiche Geld, und das sollte es doch wert sein, oder?

sfbasar: Gedruckte Bücher kann man jemandem schön einpacken und als Geschenk in die Hand drücken. Ein E-Book verschenkt man wie? Per E-Mail dem zu Beschenkenden als pdf-Datei zugeschickt? Auf CD gebrannt oder als Stick überreicht? Vermisst du hier nicht auch als Autorin die Haptik raschelnden Papiers, einen edlen Einband, schlichtweg das Gewicht eines real existierenden Gegenstands (als Geschenk), auch wenn es evtl. „nur“ ein Taschenbuch ist?
EB: Meine Bücher gibt es auch gedruckt ;) Und E-Books kann man mittlerweile auch ganz leicht verschenken, siehe http://www.ebookcards.de/.

sfbasar: In einem anderen Interview sagst du, dass du in einem Jahr 4 Titel mit insgesamt rund 300.000 Wörtern veröffentlicht hast. Das entspricht grob gerechnet mindestens 1.100 Normseiten. Bist du bei all den o. g. Nebenaufgaben auch noch eine sehr schnell arbeitende Autorin? Wie sieht dein normaler Arbeitstag aus?
EB: Wenn mich die Muße küsst, kann ich sehr schnell sein. Bei den vier Titeln war mein Debüt „Gefährliche Intrigen“ bereits fertiggestellt und wurde „nur noch“ veröffentlicht. Mein idealer Arbeitstag beginnt morgens mit E-Mails abrufen und ggf. beantworten und dann schreiben, solange es „rutscht“. Spätestens wenn meine Kinder wieder zuhause sind, sind die „schriftstellerischen Arbeiten“ bis zur Bettgehzeit der beiden Kleinen beendet. Wenn ich Lust habe, geht es dann noch weiter.

sfbasar: 25.000 verkaufte E-Books in 4 (?) Jahren (Stand Juli 2012) sind ein beachtlicher und absolut bewundernswerter Erfolg. Bezieht sich das auf deine „Gesamtauflage“? Nennt man das bei E-Books eigentlich so, da sie ja nicht in einer bestimmten Auflage gedruckt werden, sondern permanent verfügbar sind? Ich sehe hier einen wirklichen Vorteil gegenüber gedruckten Büchern, da nicht die Gefahr besteht, von einer sogenannten Backlist zu verschwinden.
EB: Die Zahl bezieht sich auf knapp 14 Monate („Gefährliche Intrigen“ erschien im Mai 2011) und die Gesamtauflage. Mittlerweile sind es etliche Tausend mehr, auch weil meine Bücher in allen großen Buchshops erhältlich sind. Und ja, ich würde von einer Auflage sprechen :)

sfbasar: Zurück zum Schreiben an sich. Bei allen möglichen Genre pflegen Autoren ein ausführliches Manuskript, ein Exposé oder gar ein detailliertes Kapitelexposé. Überwiegt in deinen Romanen der historische Part oder eher die Liebe? Wenn also die Liebe dein Thema ist, planst du dann einen Roman ebenso durch wie Autoren anderer Genre oder lässt du hier mehr dein Gefühl, deine weibliche Intuition sprechen, deine Hand beim Schreiben führen?
EB: In meinen Romanen überwiegt die Liebe, der historische Part steht im Hintergrund – wobei es mich durchaus mal reizen würde, einen „richtigen“ historischen Roman zu schreiben. Natürlich habe ich bei meinen Projekten einen Plot und sehr oft auch ganz genaue Vorstellungen von einzelnen Abschnitten oder Kapiteln – aber nicht immer. Manchmal verlasse ich mich einfach auf meine Intuition und sehe dann anschließend, ob mich die Muße geküsst hat.

sfbasar: Hast du keine Angst, dass dir die Ideen zu Liebes-Geschichten ausgehen? Wenn du Sie und Ihn schon auf hundert verschiedene Weisen zusammengeführt hast, wird das nicht irgendwann schlichtweg langweilig?
EB: Definitiv nein!

sfbasar: Es heißt im Geschäftsleben quer durch alle Produkte: Sex sells. Inwieweit ziehst du eine Grenze bei erotischen Szenen? Was ist für dich noch Erotik, was schon Pornografie?
EB: Wo Pornografie beginnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. In meinen Büchern gibt es Sex – in einer für mich ansprechenden Be- und Umschreibung, die sinnlich sein soll, ohne detailliert zu werden. Der Leser muss die Möglichkeit haben, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

sfbasar: Was hältst du als Online-Autorin von einer Cloud, also einem externen Datenspeicher, in dem alle Daten eines Kunden – oder von dir als Autorin: sämtliche Werke, zukünftige Projekte, Recherche-Dateien usw. – angeblich hacksicher gespeichert werden sollen? Aktuell gab es durch den Hurrican Sandy in den USA von Cloud-Betreibern die lapidare Empfehlung an ihre Kundschaft, doch lieber selbst ihre Daten zu sichern. Auf Speicherkapazitäten, die man nicht hatte oder sich nicht leisten konnte. Also einem der Gründe, überhaupt eine Cloud nutzen zu wollen/zu müssen?
EB: Zunächst: Online-Autorin ist ein irritierendes Wort, denn ich beschränke mich ja nicht auf das Web. Und tatsächlich sind wir ja schon so weit – alles ist überall verfügbar, die Cloud begleitet dich dank Smartphone überall hin. Deine Bücher liegen bei Amazon auf gigantischen Serverfarmen – fallen die dauerhaft aus, sind diese Bücher – egal ob Autor oder Kunde – im schlechtesten Fall weg. Ich für meinen Teil nutze soweit es geht keine Online-Speicher, sondern nur lokale Sicherungen: USB-Sticks, die klassische Festplatte und ein NAS. Mehr brauche ich momentan nicht.

sfbasar: Wie siehst du deine Zukunft als Autorin? Deine erfreulichen E-Book-Verkäufe als Sprungbrett in einen klassischen Verlag, der die die o. g. Nebenarbeiten endlich abnimmt? Und dir womöglich besser Tantiemen vertraglich garantieren kann? Oder willst du weiterhin deine Freiheit genießen und dir von niemandem ins Geschäft reden lassen?
EB: Das wird sich zeigen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein klassischer Verlag „bessere“ Tantiemen garantieren kann oder wird. Allerdings ist Geld für mich nicht alles, und es gibt trotz aller Vorteile des E-Books doch nichts schöneres, als sein eigenes Werk als Druckwerk in einer Buchhandlung zu finden. Und ganz sicher werde ich weiter so unabhängig wie nur möglich bleiben, gerade weil ich mir bis hierhin alles selbst aufgebaut habe. Deswegen habe ich auch schon einige Angebote von Verlagen und Agenten abgelehnt, aber sollte mal „das Angebot“ kommen, würde ich sicher zustimmen ;)

sfbasar: Gibt es eine evtl. von dir selbst auferlegte Genre-Begrenzung? Oder wirst du unter einem anderen Pseudonym – oder deinem jetzigen – auch Romane anderer Couleur schreiben?
EB: Ich denke, ich werde weiterhin das schreiben, was mir liegt: Geschichten um Liebe, Leidenschaft und Freundschaft, Verrat, Hass und Schmerz. Garniert mit Sinnlichkeit und Spannung werden so hoffentlich noch einige Historicals von Emily Bold erscheinen.

sfbasar: Kannst du schon etwas über dein nächstes Projekt verraten? Wie wird der Titel lauten und wann ist es erhältlich?
EB: Mein nächstes Projekt ist eine mehrteilige Reihe von Novellen. Der erste Teil wird im Dezember erscheinen und den Titel „Vergessene Küsse“ tragen – und – man kann es erraten, es werden natürlich Liebesromane sein.

sfbasar: Liebe Emily, ich danke dir für deine sehr interessanten Antworten und drücke dir für die Zukunft die Daumen. Weiterhin viel Erfolg!
EB: Ich danke Dir für das nette Interview, lieber Karl :)

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Die Frankfurter Buchmesse 2012 – oder: die Geschichte eines entspannten Tages

Erstellt von Galaxykarl am 21. Oktober 2012

Die Frankfurter Buchmesse 2012
oder: die Geschichte eines entspannten Tages

In den letzten Jahren habe ich mich immer an den Publikumstagen ins Gewühl der Buchmesse gestürzt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Welche tollen Angebote hier mitunter ein lokaler Buchhändler anbietet, habe ich ja letztes Jahr beschrieben … und genossen. Dieses Jahr wollte ich mal die „andere“ Seite der Messetage, also die Fachbesuchertage kennenlernen.

Doch wer ist eigentlich Fachbesucher? Ich bin weder Verleger, Lektor, noch Literaturagent. Kein Grossist oder sonst wie Mitarbeiter in oder für einen Verlag. Akkreditierter Fachjournalist? Alles nicht. Und Autoren sind zwar auch Fachbesucher, aber eben auch keine Journalisten. Ich war nicht minder überrascht, als ich auf der offiziellen Website der Frankfurter Buchmesse unter dem Button „Akkreditierung“ folgendes Wort las: Blogger. Aha, die Buchbranche hat scheinbar endlich erkannt, was im Internet abläuft und auch diese „Berufssparte“ in ihre Arme geschlossen. Zumindest die Messeveranstalter. Dazu später ein wenig mehr.

Ich hangelte mich also Wochen vor der Messe durch diese Website und trug brav meine Daten ein. Dann der Punkt „Nachweis der journalistischen Tätigkeit“. Meinen die den Presseausweis? Hat ein Blogger nicht. Eine Kopie eines Arbeitsvertrages einschlägiger Firmen (s. o.)? Ebenso Fehlanzeige. Die Lösung war schlicht ein Schreiben unseres lieben Detlef Hedderich, der darin bestätigt, dass Herr Werner Karl Chefredakteur des www.buchrezicenters.de ist. Voilà, unterschrieben, eingescannt und als pdf-Datei in die Web-Akkreditierung eingegeben. Es hieß im Weiteren, dass die Messeleitung die Anträge prüfen wird, es wohl schon 14 Tage dauern könne. OK, sag ich mir, Geduld Werner. Welche Überraschung: Am zweiten Tag war die Bestätigung samt E-Mail und Code für eine Eintrittskarte in meinem E-Mail-Fach. Frechheit siegt, dachte ich mir und hab das Spielchen mit zwei meiner fleißigen Rezi-Bienchen wiederholt und genauso rasch Erfolg verzeichnen dürfen. Na, das lässt sich doch sehen. Oder?

05:45 Uhr

Meinen ausgedruckten Messe-Eintrittscode und eine Liste mit Terminen und fest geplanten Anlaufpunkten in der Tasche fahre ich los. Der Himmel ist stockfinster, aber klar und die Sterne und eine dünne Mondsichel versetzen mich fast in Schreiblaune für eine Nachtszene. Im Kopf spuken schon wieder Szenefetzen und Satzfragmente durcheinander und ich muss mich zwingen, nicht anzuhalten, um sie zu notieren. Im Radio wähle ich meinen Lieblings-Infosender und höre prompt Beiträge zur Frankfurter Buchmesse. Eine davon verursacht mir zwiespältige Gefühle: Die Umsätze für E-Books (also die elektronischen Bücher, nicht die Geräte; E-Reader) seien seit letztem Jahr um 240 % gestiegen. Wow, denke ich, bald kein Papier mehr? Ich liebe aber Bücher. Dann noch eine Info, die irgendwie in die gleiche Wunde hackt: Das amerikanische NEWSWEEK – vergleichbar mit unserem SPIEGEL oder FOCUS – wird nicht mehr in gedruckter Form erscheinen. Nur noch als Online-Magazin. Ein Grund für die Buchbranche Blogger und Online-Redakteure immer ernster zu nehmen?

8:30 Uhr

Der Verkehr verdichtet sich und statt glitzernder Sterne, glitzern nun Regentropfen auf meine Scheibe herab. Frankfurt zeigt sich trotzdem von seiner besten Seite. Die Besucher werden perfekt von der Autobahn ins nächste Parkhaus des Messegeländes geleitet. Super Beschilderung. Deutscher Perfektionismus. Ich darf mir noch nicht mal selbst eine Position im Parkhaus suchen. Ein freundlich winkender Mann in Leuchtrot steht nämlich am Ende der Rampe und zeigt lächelnd aber bestimmt auf einen Platz. Als ich das Auto abschließe, deutet er stumm auf eine Flut menschlicher Lemminge, der ich mich anschließe und nach wenigen Minuten Fußmarsch in einem Messeshuttle lande. Keine Chance sich zu verlaufen, denke ich und irre hier. Aber ich werde es erst beim Verlassen der Messe merken. Im Busshuttle telefonieren mindestens 50 % der Fahrgäste und ich weiß: alles ganz ganz wichtige Leute. OK, dann tue ich auch so, grinse mit einer Mischung aus freundlichem Spott und Belustigung und klingle nach meinen beiden Rezensentinnen, mit denen ich mich verabredet habe. Ich lasse es lange klingeln, trotzdem keine Antwort.

8:45 Uhr

Die Asiatin hinter dem Tresen lächelt milde, als ich frage, wo ich für meinen Code eine Eintrittskarte bekomme und weist mich mit akzentfreiem Deutsch darauf hin, dass das selbst ausgedruckte und mittlerweile etwas zerknitterte Stück Papier in meiner Hand bereits die Eintrittkarte sei. Aha, schon wieder ein Punkt, der die Papierflut auf der Welt eingrenzen hilft. Mit einem umwerfenden Lachen offenbart sie mir, dass auch der kostenlose Parkplatz damit gebucht wird. Nur beim Verlassen nicht vergessen, sich an der Parkhauskasse einen Plastikchip geben zu lassen. Schließlich bin ich ja akkreditierter Fachbesucher. Upps, hatte ich schon wieder vergessen.

9:00 Uhr

Ich betrete die erste Halle und stelle sofort auf den Treppenaufgängen, Rolltreppen und Fluren fest, dass die gefürchteten Massen der Publikumstage sich hier auf deutlich weniger Besuchermengen reduziert haben. Ich atme auf und stürze mich in die Gänge und Stände.

Klett-Cotta

Bei dem angekündigten Fantasy-Highlight des Jahres führt mich mein erster Weg in die Gralsburg der Fantasy. „Hobbit“-Cover allenthalben und ich freue mich schon jetzt auf das auf mittlerweile drei Filme ausgeweitete Kinoereignis, an dem kein Fantasy-Fan vorbeikommen dürfte. Ich habe das Buch natürlich schon lange gelesen und vertraue hier Peter Jacksons Akribie und Können, der wieder die Regie, wie schon bei den „Herr-der-Ringe“-Filmen, übernommen hat.

Piper

Nachdem mich vor gut zwei Jahren auch beim Schreiben das Fantasy-Fieber gepackt hat, muss man einfach diesen Verlag besuchen. Michael Peinkofer, Markus Heitz und andere deutsche Autoren sind zu meiner Freude mindestens genauso stark mit Büchern präsentiert, wie die noch vor einigen Jahren dominierenden angloamerikanischen Autoren. Ich versuche zu erfahren, wann die Gewinner des „Grannock“-Fantasy-Wettbewerbes (an dem auch ich teilgenommen habe) bekannt gegeben werden, kann aber niemand finden, der hier Bescheid weiß.

Bastei-Lübbe

Ich frage die Pressereferentin für Belletristik, ob man den amerikanischen Erfolgs-Autor David Weber (SF-Serien „Honor Harrington“ und „Nimue Alban“) für ein Interview per E-Mail Fragen zusenden könne. Schließlich müssen die hin und her übersetzt werden. Sie freute sich zwar über das Interesse, wusste es aber nicht und wird sich – hoffentlich – darum kümmern.

Goldmann

Apropos Erfolgsautor. Ich hab mich mit Aileen P. Roberts („Thondras Kinder“, „Weltennebel“ und ganz neu: „Feenturm“) verabredet. Die Leser des sfbasars und des Buchrezicenters dürften sie mittlerweile gut kennen. Die Dame hinter dem Tresen guckt ahnungslos, ein Herr checkt die Liste der Autoren: „Nein, die Autorin ist heute nicht da.“ Na, super. Ich dreh mich leicht gefrustet um und da steht sie und lacht glucksend, als ich ihr die Reaktion der Goldmann-Truppe erzähle. Nein, die wissen tatsächlich nicht, dass sie sich u. a. mit einer Fangruppe hier treffen will. Kaum ausgesprochen, kichert auch schon eine ganze Blase Fans hinter mir und wir entern gemeinsam eine Cafeteria und verteidigen die leicht zugige Ecke gegen Anstürme der ersten hungrigen Messebesucher. Ich lasse die Mädels die Autorin mit Fragen bombardieren und halte mich zurück. Hier hat die Autorin das Wort.

11:30 Uhr

Ich treffe meine Rezensentinnen Iris Gasper und Sandra Stockem und freue mich richtig, die Mädels mal im Real-Life zu sehen. Das Internet führt doch manchmal zu echten Kontakten und wir gehen gemeinsam zum Stand von Rowohlt. Durch einen Gang geteilt, reihen sich gediegene dunkle Holzregale, in denen natürlich alles steht, was das Leserherz erfreut. Die Beiden haben einen Kurztermin mit der Pressereferentin, Frau Kaufmann. Es geht natürlich um Rezi-Exemplare und den Unterschied von uns (Buchrezicenter) zu weniger seriösen Online-Rezi-Plattformen. Sie bestätigt die zuverlässige Arbeit unserer Truppe und sichert uns weitere Kooperation zu.

Droemer-Knaur

Anderer Verlag, gleiches Spiel: Frau Patricia Keßler kennt und schätzt uns ebenso, wie viele andere Verlage. Für mich bleibt unterm Strich: Korrekte und zuverlässige Arbeit setzen sich auf lange Sicht auch im Internet durch. Auch dazu dienen meinen Messebesuche. Den Verlagen Flagge und Kontinuität zu zeigen.

13:00 Uhr

Mir knurrt der Magen. Mein persönliches Survivalpack habe ich längst verputzt und getrunken. Mir steht der Sinn nach überteuerter Messeverpflegung. Aus Erfahrung weiß ich, dass Brötchen die schlechteste Wahl sind, weil immer labberig und ungenießbar. Also konsumiere ich Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat, das kann selbst der unqualifizierteste Cateringanbieter nicht vermasseln. Ich behalte Recht.

Den ganzen Nachmittag geht es noch so weiter. Ich treffe die Autorin Nicole Steyer, spreche mit ihr natürlich über das rechtzeitig zu Messe erschienene Buch „Die Hexe von Nassau“ und ihr nächstes Buchprojekt, das so geheim ist, dass sie selbst den Titel noch nicht verraten will. Überhaupt wird die Titelwahl zum Thema unseres Gesprächs und ich bin leicht bis milde geschockt, wie stark hier die Durchsetzungskraft eines Verlages ist. Auch rechtliche Fragen nach Titel-Ähnlichkeiten zu anderen Büchern sind ein Punkt, den ein Autor – und erst recht ein Verlag – beachten müssen.

14:45 Uhr

Mein nächster Termin findet im Lesezelt zwischen den Hallen 3 und 4 statt. Dort will ich mich mit der Autorin Emily Bold zu einem Live-Interview treffen. Sie publiziert seit Jahren ausschließlich online, ohne einen Verlag im Rücken und hat hier schon ein halbes Dutzend Romane veröffentlicht. Mir brennen mindestens zwanzig Fragen auf der Zunge und ich freue mich doppelt. Lt. ihrer Autoren-Website ist sie auch noch sehr attraktiv. Ich betrete das Lesezelt, gucke mich um und staune. Ganze Schulklassen drängen sich durch die Stuhlreihen und plappern heftig, aber lautstärkemäßig ziemlich diszipliniert und erwartungsfroh. Offensichtlich sind Schüler, die freiwillig lesen ein anderer Schlag als … ok, vergessen wir´s. Mein Blick fällt auf eine Bühne und ich verstehe: Die Jugendbuch-Autorin Isabel Abedi wird hier in wenigen Minuten aus Band 8 ihrer „Lola“-Reihe lesen. Um es kurz zu machen: meine Autorin erscheint nicht (ich erfahre später, dass sie an einer anderen Stelle auf mich gewartet hat) und ich werde durch die Lesung von Isabel Abedi und eingestreute Gitarrenstücke ihres Mannes mehr als entschädigt. Das Interview mit Emily Bold werden ich aber sicher nachholen. Versprochen.

Den Rest des Nachmittages verbringe ich mit der Suche nach Recherche-Büchern zu meinen Romanen, ab und an ein kurzes Hallo bei Verlagspartnern des Buchrezicenters und dann komme ich natürlich nicht umhin, eine alte Liebe aufflackern zu lassen: Plötzlich stehe ich am Stand des Pabel-Moewig-Verlages dem Chefredakteur Klaus Frick gegenüber. Natürlich geht es um die größte Science-Fiction-Serie der Welt: Perry Rhodan. Seit September 2011 hat ein Neuanfang begonnen, der sich nicht nur im Namen der neuen Serie – Perry Rhodan NEO – niederschlägt, sondern auch im Inhalt. Back-to-the-roots?, frage ich Herrn Frick und er bejaht und verneint gleichzeitig. Ja, zurück zum Anfang (und etwas näher zur realen Raumfahrt) und nein, an alle die glauben, die „Geschichte“ der Menschheit und PR würde so einfach noch mal erzählt. Definitiv keine Wiederholung, sondern völlig neue Abenteuer, näher an dem, was wir – real – über die Sterne, das Weltall und Raumfahrttechnik wissen und gelernt haben. Und natürlich eine wirkliche Chance für neue Fans der Serie, denen ein Einstieg in die Erstauflage einfach zu schwer fällt. Es werden sicherlich die Hauptprotagonisten wieder die Herzen der Fans erfreuen, aber auch neue Charaktere auftauchen.

Panini Comics / Panini Books

Ich traue meinen Augen nicht. Eine – zugegeben scharfe Dame – spreizt lasziv auf einem Poster ihre Beine. Der Titel des Buches lautet „BitchSM“. Kein Kommentar meinerseits. Später lese ich, dass die angekündigte und angeblich skandalträchtige Pressevorstellung eher verhalten abgelaufen ist. Angst vor der eigenen Courage?

16:00

Im Bereich der Wissenschaftsverlage finde ich eine Nachbildung des Antimaterie-Moduls aus dem Buch und Film „Illuminati“ von Dan Brown in einem Glaskasten. Schön gruselig. An einem anderen Stand präsentiert mir ein junger Programmierer eine Software, mit der man 3D-Animationen erstellen kann. Fühle mich fast wie in einem Scifi-Hardware-Laden. Ein Verlag, der sich auf exotische Sprachen spezialisiert hat, muss auch bei meiner Suche nach der Sprache der Picten passen; wird sich aber schlaumachen und sich ggf. melden. Schon wieder jemand. Mal seh´n, was solche Versprechen wert sind.

17:00 Uhr

Mein Gott, die Zeit rast auch an den Fachbesuchertagen und meine Füße und Knie melden sich und schreien nach einer weiteren Pause. Ich treffe Iris, Sandra und auch Aileen P. Roberts am Stand von Piper wieder. Happy Hour ist angesagt und wir schnappen uns erfrischende Drinks. Nach meinem Zweiten erkenne ich Wolfgang Hohlbein, der sich fast schüchtern und brav in die Reihe der Wartenden einreiht und sich ebenfalls einen Drink gönnt. Zu meiner Freude lassen ihn die anderen Gäste in Ruhe und er kann anstelle Autogrammwünsche zu erfüllen, sein Glas genießen. Die Mädels und ich vereinbaren, dass wir den Tag bei einem Abendessen ausklingen lassen und verabreden uns in einem Italiener, der angeblich nur 600 m Luftlinie von Messegelände entfernt liegt. Hört sich erst mal gut an. Iris hat reservieren lassen. Sonst keine Chance bei dem Betrieb.

17:45 Uhr

Zurück zum Auto. Messeshuttle, Chip holen und dann …? B1 habe ich gefunden. Aber das Parkdeck sieht vollgestopft ein wenig anders aus, als beinahe leer, als ich ankam. Die Auffahrrampe, die ich mir als Wegmarke eingeprägt hatte, ist nirgends zu sehen. Jede Richtung sieht aus wie die andere. So falsch kann ich aber nicht liegen und drücke auf meinen Autoschlüssel. Jepp, die Karre meldet sich mit einem freundlichen Doppelblinken, so als wollte sie mir zurufen: „Hey, hier bin ich!“ Und dann geht´s ab auf die Autobahn und anschließend in die Frankfurter Straßenschluchten. Natürlich verfranze ich mich und mein Navi wechselt den Ton und mault, warum ich diese Abfahrt nicht genommen habe. Nach Umwegen, die mir wie eine Expedition in unbekannte Gefilde vorkommen, finde ich den richtigen Weg … aber weder das Restaurant noch einen Parkplatz. Die Mädels sind schon dort und klingeln an; ich höre ihr Magenknurren durch die Freisprechanlage. Dann endlich: ein Parkplatz, von dem ich hoffe, dass es auch einer ist. Egal, mir hängt mittlerweile auch der Magen in den Kniekehlen.

19:00 Uhr

Nach dieser nervenzerfetzenden Parkplatzsuche – Frankfurt scheint mir eine einzige Baustelle zu sein, der Rest sind Einbahnstraßen, die auch noch vollgeparkt sind -, freuen wir uns auf ein entspanntes Abendessen und Fachsimpelei rund um Bücher und das harte Dasein als Autor. Dass die Karte –wenig überraschend – Messepreise auflistet, ist uns mittlerweile wurscht. Das Essen ist dafür einfach zu gut. Wir lachen und diskutieren, lästern über seltsame Menschen ab und fühlen uns einfach sauwohl. Und wieder geht die Zeit viel zu schnell vorbei. Hotelzimmer? Keine Chance; hätte ich schon vor einem Jahr buchen müssen. Also …

22:15 Uhr

Wir verabreden locker weitere Treffen, trennen uns leidlich erschöpft. Sicher hat jeder jetzt nur noch ein Ziel: nach Hause, unter die Dusche und ab in die Falle. Und nach der Messe ist vor der Messe. Während der Heimfahrt denke ich darüber nach, was ich nächstes Jahr unbedingt sehen will. Vielleicht doch früher ein Zimmer buchen … gähn. Upps, nur nicht einschlafen.

1:15 Uhr

Endlich: Ziel erreicht. Die Einzigen, die jetzt noch wach sind, sind meine beiden Haustiger, die mir um die Füße streichen und mit denen ich mir ein Gähn-Duell liefere. Ich gewinne und sinke in mein Kissen.

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Federwelt Nr. 96, Oktober / November 2012 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Erstellt von Galaxykarl am 5. Oktober 2012

Federwelt Nr. 96, Oktober / November 2012 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, Oktober / November 2012
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Artikel & Interviews: Sandra Uschtrin
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelfoto: Sandra Uschtrin

www.federwelt.de
www.facebook.com/uschtrin.verlag/
www.boerboom-vogt.de

Mein erster Blick auf das Cover von Nr. 96 hat mich gleich an Bart Simpson denken lassen. Und in beiden Fällen – Federwelt und Schule – ist Wiederholung ein probates Mittel, um etwas dauerhaft im Kopf zu verankern. Das Mantra „Ich darf kein Geld verschwenden!“ ist da sicherlich nicht der schlechteste Satz, den man sich immer wieder in Erinnerung rufen sollte. Insofern: Titelbild gelungen! Und …

In Zeiten moderner Technologie – sprich: Internet – sollte man den Artikel von Anke Gasch sehr aufmerksam lesen und befolgen. Ich hatte mich schon vor einiger Zeit mit der VG Wort beschäftigt, bin aber – wahrscheinlich wie viele andere Autoren – an der recht umständlichen Anmeldung gescheitert. Der anschließende Frust sollte uns alle nicht davon abhalten, diesen Weg, wenigstens ein kleines Geld zu verdienen, doch noch zu begehen. „Wissenswertes zur Verwertungsgesellschaft (VG) Wort und dem Wahrnehmungsvertrag“ ab Seite 44.

Jeder Autor gibt seinem Werk einen Titel, zumindest einen Arbeitstitel. Und auch hier kann man sich mehr Gedanken machen, als man vermuten könnte. Jedes Mosaiksteinchen, das einfach stimmig ist und passt, erhöht die Chancen, von einer Literaturagentur oder einem Verlag angenommen zu werden. „Die Titel“ ab Seite 11.

Der Teufel mag das Wort Weihwasser gar nicht hören. Für einen Autor ist es der Begriff Füllwörter. Wie ein Damoklesschwert schwebt dieses Urteil von Lektoren und Korrektoren über dem Haupt – nein, dem Geist – des Schreibenden. In Oliver Uschmanns Schreibwerkstatt – samt einem wirklich guten Link-Tipp – findet man Balsam für die Autorenseele auf Seite 29.

Es klingt wie eine Ergänzung zu meinem Artikel „Was kann ich tun, um ein berühmter Autor zu werden?“:
„Tipps zum Autorenmarketing“ ab Seite 22 und gleich im Anschluss „Checkliste für Lesungen und Buchevents“.

Wie immer bietet die Federwelt aber noch viel mehr und zum wiederholten Male bedauere ich, dass ich dieses Magazin viel zu spät entdeckt habe. Ich möchte es nicht mehr missen.

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Zoran Drvenkar: Der letzte Engel – Werkstattband und Interview

Erstellt von Galaxykarl am 16. September 2012

Zoran Drvenkar
Der letzte Engel – Werkstattband

cbj, 2012
Werkstattband ohne
ISBN
Der Roman: Fantasy, Jugendbuch
Umschlagfoto und Fotos im Innenteil: Corinna Bernburg
Umschlaggestaltung: Atelier Langenfass

www.cbj-verlag.de
www.drvenkar.de

Vorwort:

Eine Rezension zu einem Buch, das eigentlich gar kein Buch ist? Ein Werkstattband?!

Es ist eine der jüngeren und noch seltenen Methoden (auch wenn es in der Vergangenheit schon ab und an Werkstattbände gab), ein Buch und einen Autor schon vor Erscheinen des eigentlichen Werkes ins Gespräch zu bringen. Bei der Masse an Neuerscheinungen kein Wunder. Worüber nicht berichtet wurde, hat nicht stattgefunden, lautet eine alte Journalistenregel, die hier in ihrem Umkehrschluss Anwendung findet. Also berichtet man schon vorher. Besser als gar nicht.

Zum Werkstattband:

Was steht nun drin, in so einem Werk? How I write a bestseller? So ungefähr und auch wieder nicht. Denn niemand kann ja wissen, ob der Text sich zu einem Verkaufsschlager entwickelt. Das Mittel Werkstattband ist aber m. M. nach ein legitimes Mittel für einen späteren Erfolg. Wenn ein Verlag so davon überzeugt ist, dass ein Werk zum Kassenschlager wird und dafür extra Geld für den Druck einer kleinen Auflage Werkstattbände ausgibt, dann … ja, warum braucht es dann diesen Weg überhaupt? Man könnte auch so argumentieren, dass gerade schwächere Texte diese Räuberleiter – Verzeihung, Hilfestellung – benötigen. Aber wenn der Text gut ist?

„Der letzte Engel“ ist alleine schon vom Plot her faszinierend. Wer hat sich nicht schon mit dem Phänomen, der mystischen Gestalt Engel, dem Sein nach dem Tod beschäftigt? Drvenkar tut es und hat eine packende Idee: „Motte“, der eigentlich Markus heißt, bekommt eine anonyme E-Mail mit folgendem lapidaren Inhalt:

sorry für die schlechte nachricht
aber wenn du aufwachst, wirst du tot sein
wir wollten nur, dass du das weißt

Upps, da denkt man gleich an einen schlechten Witz. Wer kann schon aufwachen, wenn er tot ist? Ein Engel eben …

Aber was macht dann den handwerklichen Charakter dieses Werkstattbandes aus? Ist die rund 135 Seiten starke Leseprobe nun ein Rohtext, ein ungeschliffener Diamant, der noch der Feder des Lektorats harrt? In diesem Falle scheinbar nicht. Denn was ich da gelesen habe, ist absolut sauber und auch hinreichend spannend, auch wenn Jugendbuchliteratur nicht gerade mein Ding ist. Aber es macht wirklich neugierig auf die ganze Geschichte.

Aber eine Leseprobe ist kein Werkstattbericht. Da sind die drei Interviews schon treffender, weil sie eben aus dem Schaffen und – teilweise – Leben des Autors Informationen liefern. Trotzdem habe ich noch weitere Fragen gefunden; siehe unten.

Inhalt
3 Interviews:
„Die Flügel ausbreiten und fliegen“ Vom Schriftsteller werden
„Der Moment, in dem ein Satz plötzlich aufrecht dasteht“ Vom Schreiben allgemein
„Hinter jeder Tür lauert eine Überraschung“ Vom Letzten Engel
Eine ausführliche Leseprobe (eben 135 Seiten) zu „Der Letzte Engel“

Was bleibt mir da noch zu fragen übrig? Mein Interview im Anschluss an diese Rezi, die keine ist, sein soll, oder wie. Bin schon ganz wirr. Wahrscheinlich flattern meine Gedanken, bei dem Gedanken, ob ich auch mal Flügel bekomme. So wie Motte …

„Der letzte Engel“ erscheint am 24. September 2012 bei cbj.

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Interview

WK: Das Erste, was mir ins Auge fiel, als ich den Werkstattband aufschlug, war ein Foto von Ihrem Arbeitsplatz. Bildschirm und Tastatur zeigen einen schwarzen Hintergrund und weiße Buchstaben. Ist das denn ergonomisch? Was sagt denn Ihr Augenoptiker – Sie sind Brillenträger – und evtl. ein Neurologe zu so einer Arbeitsanordnung? Ist das nur cool? Bringt Sie das in die richtige düstere Stimmung? Arbeiten Sie so besser? Und vor allem: Geht das bei dem hellen Gegenlicht aus dem Fenster direkt vor Ihnen nicht schrecklich auf die Augen?
ZD: Als ich 1990 das erste Mal vor einem Monitor saß, dachte ich: Mensch, ist das anstrengend. All das Weiß und ich muss draufkritzeln. Irgendwas hat mich gestört und ich machte mir einen Shortcut und voilà plötzlich war alles in Schwarz getaucht und mein Schreiben leuchtete hervor. Den Augen geht es damit prima, die habe ich mir als Kind durchs Fernsehen ruiniert. Wer auch immer es noch nicht versucht hat: es ist viel entspannender. Kein grelles Weiß, was mich blendet, und dazu die Ruhe der Zeilen und nichts drum herum, was die Geschichte stört. So ist es richtig.

WK: überhaupt der Raum und die Einrichtung. Die sehen aufgeräumt aus, sehr ordentlich. Spiegelt das Ihre Ordnungsliebe und Ihre strukturierte Arbeitsweise wider? War dies dem Fotografen oder einem entsprechenden Image geschuldet?
ZD: Bei mir ist es meistens ordentlich, Chaos ist nicht mein Freund, denn dieses Chaos herrscht bei mir im Kopf, wenn ich an Geschichten herangehe und herauszufinden versuche, was da eigentlich. Wenn dieses Chaos auch noch außen zur Schau tragen würde, könnte man mich bald in eine Klapse einliefern. Eine Ordnung und Ruhe drum herum ist auch für die Seele beruhigend. Ich bin im elterlichen Chaos aufgewachsen, davon will ich nichts mehr wissen.

WK: Den Interviews konnte ich entnehmen, dass es geschlagene 9 Jahre gedauert hat, von dem Zeitpunkt, den Sie selbst als „ernsthaftes Schreiben“ definieren, bis zum Erscheinungsdatum des ersten Romans. Wie schafft man es, in so langer Zeit nicht das Handtuch zu werfen? Wann sagt man sich: „OK; wenn die alle nicht wollen, dann kann ich nicht gut sein.“ Auch Patrick Süßkind musste jahrelang mit seinem Erfolgsroman „Das Parfum“ Rückschläge und Absagen hinnehmen. Sind Sie hartnäckig oder wussten Sie, dass irgendwann jemand erkennt, dass Ihre Texte wirklich gut sind.
ZD: Damals hatte ich ja gute Rückendeckung: einen Kumpel, der an mein Schreiben glaubte, und ein Ego, das sich von nichts beirren ließ. Dazu eine Handvoll Stipendien und die gnadenlose Lust zu erzählen. Für jemanden zu schreiben oder zu schreiben, um Geld reinzuholen, das ist nicht mein Ding. Lieber harre ich aus und wachse mit dem Schreiben, ehe ich mich verkaufe. Wichtig ist, keine Zweifel zu haben. Natürlich zweifel ich jede neue Idee an und bin bei den ersten Seiten nervös, als hätte ich mein erstes Date. Aber allgemeine auf die ganze Arbeit bezogen, sollte es keine Zweifel geben. Jemand der schreibt, sollte fürs Schreiben leben, da sind Zweifel so nützlich wie ein Furunkel unterm Kinn. Am Anfang musst du dir einen Haufen Quark aus der Seele schreiben, aber wenn du dran bleibst, wenn du weißt, dass da mehr ist, dass es noch andere Geschichte gibt, die keiner erzählt hat und die willst du aufdecken, dann lohnt sich jede Minute und jede verquarkte Seite. Das Kopieren eines Stils oder einer Idee ist einfach, eine Hommage an das Schreiben ist etwas Anderes. Das ist Liebe zur Literatur und ohne eine andere Motivation sollte man nicht schreiben.

PS: Und zum guten Süßkind – ich gehe ja noch immer davon aus, dass der gute Mann das Buch geklaut hat. Die Geschichte kam damals im Playboy (glaube ich). Süßkind ist ja nach Paris verschwunden und hat sich regelrecht vor der Presse versteckt. Die Story war die: Süßkind hat ein Sachbuch über Parfums aus dem Französischen übersetzt und von da die Handlung und Ideen gestohlen. Er hat sogar Passagen wortwörtlich aus dem Sachbuch in seinen Roman eingefügt. Als ich dann die anderen Bücher von Süßkind las – die ich durchweg schrecklich fand, typisches literarisches Gemümmel, das nichts mit dem Stil von Das Parfum zu tun hatte – dämmerte es mir langsam, das an der Plagiat-Geschichte was dran sein könnte. Ich denke, der Mann wird nie wieder einen Roman schreiben, außer er klaut ihn.
Ich fand Das Parfum damals übrigens klasse.

WK: Welchen Eindruck und welches Bild über die Verlagswelt und ihre Mächtigen – Agenten, Lektoren, Marketingleute und Verleger – hinterlässt so eine Durststrecke in Ihnen?
ZD: keinen. Ich bin froh, dass nichts vorher erschienen ist. Alles hat seine Zeit, auch das Schreiben. Und wenn jemand denkt, er wird nie wieder schreiben, bis sein erster Roman herauskommt, dann soll er lieber nicht mehr schreiben.

WK: Sie bedauern das Chaos in Ihrem Kopf, das sich nicht in Fotos oder Bilder fassen lässt. Sind Sie ein komplizierter Mensch? Nach den Darstellungen im Werkstattband hatte ich nicht den Eindruck. Wenn Sie schreiben, haben Sie dann kein Bild der Szene im Kopf?
ZD: Ich bin ein ganz einfacher Typ und stecke beim Schreiben so in der Geschichte, dass keine Zeit für Bilder ist. Dafür ist die Sprache da, dafür habe ich Worte, sie sind mein unterbewusstes Fenster in die Geschichte.

WK: Als Autor bauen Sie einen Charakter auf, die Figur lebt und atmet, leidet und hat Glück. Dann kommt der Moment, den Sie mit „den Lauf der Dinge“ umschreiben: Die Figur muss sterben. Es gibt keine andere Wahl. Wie sehr schreit Ihr Schriftstellerherz – und das Ihres Lektoren – auf: „Nein, lass ihn leben!“?
ZD: Ich denke nicht He, Kumpel, es ist Zeit, dass du den Löffel abgibst. Ich bin in der Geschichte und folge ihr. Wenn dann jemand den Löffel abgeben muss, bin ich meist selbst erschrocken, denke darüber nach, wäge es ab. Meistens lasse ich das Bauchgefühl gewinnen, denn meistens ist es richtig. Es gab auch Situationen, in denen ich mich anders entschieden habe, aber die sind rar. Das Herz hat im Endeffekt die Klappe zu halten. Der Autor will der Geschichte treu sein, da hat sein Herz nichts zu sagen, da ist der Rhythmus der Geschichte wichtig und nur ihr Puls zählt. Ich versuche nie einen Effekt zu erzielen, um den Leser zu schocken. Der Leser hat während des Entstehens des Buches keinen Platz in meinem Kopf. Ich schreibe für die Charaktere, ich lebe für die Geschichte, dann lasse ich sie frei und dann können wir darüber reden. Der Leser und ich.

WK: Wie wehrt man sich als Autor davor, in bestimmte Schubladen der Literaturformen und Genre gesteckt zu werden? Was tun, wenn vor allem der Verlag sagt: „Das ist Fantasy. Und das ist ein Thriller.“ Wenn Sie – was in Ihrem Falle ja stimmt – mehr „auf dem Kasten haben“, als nur ein Genre?
ZD: Man wehrt sich, indem man schreibt, was man will. Aber wirklich was man will. Sicher kannst du das Ohr auf die Schienen legen und lauschen ob Zauberlehrlinge oder sexy Vampire wieder in sind. Dann machst du ganz viel Geld und bist du ein Schriftsteller mit guten Ohren. Da aber tausend Schreiber dasselbe tun, ist es fraglich, ob es dir für dein Karma wirklich etwas bringt. Und sagen wir mal, du glaubst nicht an Karma, dann glaube ein wenig an die Seele des Schreibens, denn die windet sich, wenn man seinen Hintern rausstreckt und den Markt bedient. Behaupte ich zumindest, aber ich behaupte ja eine Menge. Ich stehe auch hinter der Theorie, dass beim Schreiben neue Türen aufgestoßen werden sollten, was aber auch heißt, dass es schiefgehen kann und die Verlage abwinken und sagen: Nee, ich will kein Buch über einen Pinguin lesen, der den Winter gefangen hält und Nee, ich will kein Buch, in dem ein Mann innerhalb von zwei Seiten sechsundzwanzig Leute während eines Staus umbringt und dann entspannt davonfährt. Es gibt Risiken frei zu sein. Aber ohne Freiheit sehe ich kein Schreiben.
Und natürlich kommt man dem Verlag im Endeffekt entgegen. Wenn man einen Thriller geschrieben hat, dann darf das draufstehen. Und wenn ein Buch wie Der letzte Engel alles gleichzeitig ist – Thriller, Historie, Fantasy – dann schreibt man nichts drauf, denn das ist ganz gut fürs Karma.

WK. Herr Drvenkar, ich danke Ihnen sehr für dieses kleine Interview. Ich freue mich auf den ganzen Text von „Der Letzte Engel“.

Copyright © 2012 by Werner Karl und Zoran Drvenkar

Die Rezension zu “Der letzte Engel” erscheint am 01.10.2012 natürlich wie gewohnt im Buchrezicenter.de

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Marvel Heroic Roleplaying

Erstellt von Günther Lietz am 11. August 2012

Superhelden sind cool, Superhelden sind fett im Geschäft und Superhelden machen Spaß. Selbst in Deutschland erfreuen sich Superhelden derzeit wachsender Beliebtheit. Jedenfalls auf der großen Kinoleinwand. Nolans „The Dark Knight“ oder Whedons „Marvel’s The Avengers“ haben maßgeblich dazu beigetragen. Leider bleibt den (meist) bunten Helden in körperbetonten Kostümen trotzdem der deutsche Markt verwehrt. Jedenfalls in der breiten Masse. Und so ist der Fan auf den us-amerikanischen Markt angewiesen, wenn es um neuen Stoff von DC oder Marvel geht. In Deutschland sorgt wenigstens PANINI Comics für Nachschub und bedient den willigen Kunden. Da stehen die Chancen für eine deutsche Übersetzung des MHR derzeit eher schlecht.

MHR ist die Abkürzung für „Marvel Heroic Roleplay“ und stammt aus der Ideenschmiede von Margaret Weis Productions (MWP). Damit befindet sich nun ein weiteres Superhelden-Rollenspiel auf dem Markt. Und die haben es allesamt an sich, irgendwann elendig einzugehen oder kranken ein Leben lang daran, dass sie die Atmosphäre der Comics unmöglich einfangen können. Wobei hier noch immer die Rede von den typischen US-Superheldencomics ist. Rollenspiele in denen Charaktere auf Grund ihrer übernatürlichen Kräfte als Superhelden gelten, sind ausgeschlossen. Das hier ist kein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Settings wie „Necessary Evil“ für “Savage Worlds” haben einen ganz anderen Schwerpunkt. Da spielt niemand einen bekannten Superhelden, sondern baut sich etwas Eigenes. Rollenspiele versuchen meist balancierte Spielercharaktere zu bieten. US-Superhelden sind nicht balanciert.

Rollenspiele zu Comic-Universen wie DC oder Marvel versuchen es dem Spieler zu ermöglichen, in die Haut seines geliebten Helden zu schlüpfen und dessen Abenteuer nachzuspielen oder gar neue zu erleben. Und das scheitert regelmäßig. Denn was im Comic funktioniert – das jeder seinen Wert hat und zeigt und behauptet – war im Rollenspiel bisher unmöglich. Die Helden sind in ihrer Macht zu unterschiedlich, als dass sie am Spieltisch, zumindest dauerhaft, funktionieren könnten. Wie soll da eine Black Widow neben dem Hulk bestehen können? Das wäre so, als würde bei „Dungeons & Dragons“ ein Krieger der Stufe 1 mit einem Barbaren der Stufe 20 auf Drachenjagd gehen. Entweder geht der Krieger sang- und klanglos unter oder es wird unglaubwürdig. Das war bisher der Stand der Dinge. Bisher!

Jetzt hat „Marvel Heroic Roleplaying“ den Spielplatz betreten und alle anderen Kinder aus dem Sandkasten geworfen. Das mag die Eltern vielleicht ärgern, aber sie werden sich trollen. Denn MHR macht seine Ansprüche als neuer Platzhirsch zu Recht geltend. MWP ist nämlich das Kunststück gelungen, alle Superhelden auf eine Stufe zu heben.

Das klingt im ersten Augenblick abstrus, liegt aber im Regelsystem begründet. MHR setzt auf „Cortex Plus“, dass auch in gut funktionierenden Spielen wie „Smalville“ oder „Leverage“ hervorragend arbeitet. Besser als sein Vorläufer, der bereits in „Serenity“ Verwendung fand. Die große Stärke von „Cortex Plus“ ist dabei, dass das System für jedes neue Setting neu aufgebaut wird. Es gibt keine Anpassung vom Setting auf das System. Die Sache ist genau umgedreht. Das bedeutet es gibt einige wenige Basiselemente die sich wiederfinden, aber alles andere ist neu. Dadurch haben die Spiele auch unterschiedliche Fokusse. Hier und jetzt ist aber nur das MHR wichtig.

Ein bedeutender Punkt, vor allem für deutsche Rollenspieler, ist die Ausrichtung der Spiels. Die meisten Spieler aus der Szene sind klassische Rollenspiele gewohnt, bei denen ein Charakter erschaffen und entwickelt wird. Im Spielablauf trägt der Spielleiter die Hauptverantwortung. Die Spieler können versuchen ganz in ihre Rolle einzutauchen, die Kontrolle über die Story und die dazugehörigen Plots liegen ebenfalls beim Spielleiter. In den letzten Jahren sind in Deutschland einige Spiele auf den Markt gekommen, die mit dieser Tradition brechen. „Fudge“, „FATE“, „Dresden Files“ und „Malmsturm“ sollen hier mal als Beispiele gelten. Es handelt sich dabei um erzählende Spiele, die von Spielern auch gravierend auf der Metaebene gespielt werden. Am ehesten können sich Savage-Worlds-Spieler als Traditionalisten mit der Moderne anfreunden, also eine Brücke zwischen klassischem Rollenspiel und Meta-Rollenspiel schlagen.

Kreiert wurde „Cortex Plus“ von Cam Banks und die ihn prägenden Einflüsse von – unter anderem – „Dogs in the Vineyard“ und „Mouse Guard“ sind deutlich spürbar. Hinzu kommen noch Elemente aus „FATE“, für die wohl Autoren wie Rob Donoghue und Fred Hicks verantwortlich sein dürften. Sie haben „FATE“ entwickelt. Banks und Donoghue gehören bei MHR zum Konzeptteam und stehen in den Credits ganz oben.

Es ist schon ersichtlich, worauf die Sache hinausläuft. „Marvel Heroic Roleplaying“ ist ein modernes Erzählspiel, dass alle Spieler ins Boot holt. Dabei ist der Spielleiter, in MHR Watcher genannt, ebenfalls ein Spieler, genießt aber ein paar Hausrechte. Einer muss halt die Zügel in der Hand halten, um den Gäulen den Weg zu weisen. Das geschieht hier aber sehr gerecht und eine Spielsitzung präsentiert sich als Geben und Nehmen, während sich bei „FATE“ der Spielleiter auch schon mal gemütlich zurücklehnen kann.

Herzstück des System und somit auch bei MHR eingesetzt, sind die Würfelsammlungen, die Dice Pools der Spieler und der Doom Pool des Watchers. Die setzen sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Dazu zählen die Affilations, die Distinctions, die Power Sets, und die Specialities. Jede diese Komponente fügt dem Würfelvorrat normalerweise einen Würfel hinzu. Die sind in Würfelstufen eingeteilt, die bei W4 beginnen und sich bis zum W12 hocharbeiten. Die beiden höchsten Würfel werden addiert und bilden das Ergebnis. Ein weiterer Würfel wird bestimmt, um als Effektwürfel herzuhalten. 1er haben die Angewohnheit den Doom Pool des Watchers zu erhöhen. Und je mehr Würfel dem Watcher zur Verfügung stehen, um so schlimmere Sachen kann er anstellen oder sogar eine Szene beenden. Die ganze Sache ist keine Einbahnstraße. Läuft es beim Watcher schlecht, erhalten die Spieler Plotpoints. Die können wiederum eingesetzt werden, um den Dice Pool zu verändern, SFX aus den Power Sets zu nutzen, um Stunts zu aktivieren oder noch vieles mehr.

Es geht am Spieltisch also hin und her. Deswegen ist der Einsatz von genug Markern und Würfeln angeraten, um die ganze Sache nachzuhalten. Schlussendlich hält sich alles in Grenzen und ein gut sichtbarer Doom Pool, den der Watcher langsam mit Würfeln füllt, sorgt schon für Stress. Aber schließlich spielt die Gruppe ja auch Superhelden aus dem Marvel-Universum. Um ehrlich zu sein, mit den Regeln wären natürlich auch Superhelden aus dem DC-Universum möglich. Kein Problem, Superheld ist Superheld – jedenfalls grob ausgedrückt.

Die Besonderheit bei MHR ist, im Gegensatz zu „Smallville“ und „Leverage“, das die Superhelden des Marvel-Universums bei den Affiliations die Einträge Solo, Buddy und Team besitzen. Je nachdem wie sie unterwegs sind und ein Problem angehen. Klassische Eigenschaften gibt es keine. Die sind auch unnötig, denn es geht in „Marvel Heroic Roleplaying“ zu keinem Zeitpunkt um einen Schwanzvergleich in Zentimetern, sondern nur darum, ob der Superheld eine Sache schafft oder ob er scheitert, ob er sie alleine, mit seinem Partner oder im Team angeht. Und genau deswegen sind die Superhelden allesamt gleichwertig, kann die Black Widow neben dem Hulk die Bösewichter verkloppen. Ginge es detailliert nach Punkten, wäre das unmöglich im Stil der Comics darzustellen. MHR ist aber keine Simulation und deswegen funktioniert das System. Die Superhelden sind innerhalb der Geschichte gleichwertig, nicht innerhalb eines Wertekonstrukts.

Wichtiger als die Werte sind in „Marvel Heroic Roleplaying“ die Beschreibungen. Schlussendlich ist es das Spiel selbst, das bestimmt, was für Würfel dem jeweiligen Pool zugefügt werden. Dabei werden die Beschreibungen gleichzeitig durch die Einträge in den Datafiles in die richtige Bahn gelenkt. Die Datafiles enthalten nämlich alle wichtigen Daten und Informationen über den jeweiligen Superhelden – und natürlich seine Kräfte. Zwar kann der Spieler die Aktionen seines Helden frei bestimmen, aber schlussendlich macht es schon Sinn, wenn Wolverine seine Adamantiumklauen einsetzt und Captain America mit dem Schild gegen Feinde vorgeht.

Besonders schön ist, das sämtliche Elemente einer Szene auch spieltechnisch eingesetzt werden können. Innerhalb des Spiels können Komplikationen, zeitweilige Vorteile oder auch Ressourcen eingebracht werden. Das gestaltet die Szenen natürlich besonders dynamisch und spannend, erfordert von den Spielern aber auch eine gehörige Portion Kreativität und Spaß am erzählen. MHR ist schon sehr abstrakt gestaltet.

Das gilt auch für das Schadenssystem, das hier über Stress und Trauma funktioniert. Ein Superheld kann Stress erleiden – es gibt drei Arten – und Stressing Out gehen. Dann droht ein Trauma. Erreicht der Held bei einem Trauma mehr als das Maximum, ist er aus dem Spiel. Wie sich das genau gestaltet, liegt wiederum beim Player und dem Watcher. Bestimmte Regeln sorgen dafür, dass Stress abgebaut werden kann und auch, dass der Held nicht sofort aus dem Spiel ist.

Das Stress-System ist gelungen und sehr gut auf die Superheldencomics angepasst. Neben physischem und mentalem Stress, kann der Held nämlich auch emotionalen Stress erleiden. Und wer die Marvel-Comics kennt weiß, dass es davon einigen gibt.

Der Aufbau der eigentlichen Abenteuer, orientiert sich ebenfalls an den typischen Superheldencomics. Das beginnt erst einmal mit dem Event, das sich in mehrere Acts unterteilt. Jeder Act besteht wiederum aus mehreren Scenes und eine Scene hat mehrere Panels. Ein Panel ist wiederum eine einzelne Charakteraktion. Während das Event mit einem übergreifenden Handlungsbogen die typische Kampagne widerspiegelt, sind Acts mit Abenteuern zu vergleichen. Die Scenes unterteilen sich dann in Action Scenes und Transitions Scenes. Es geht also hart zur Sache und zwischen der Action liegen die Zwischenspiele, die Übergänge zur nächsten Action. Die Zwischenspiele bauen Stress ab und laden zum verstärkten sozialen Rollenspiel ein. Eine ziemlich gute und auch stimmig umgesetzte Aufteilung. Da kommt sofort Comicfeeling auf.

MHR bietet im Basisregelwerk direkt einen Mini-Event an: „Breakout“! „Breakout“ teilt sich wiederum in zwei Akte: „Breakout At The Raft“ und „Into The Savage Land“. Hier wird also sofort spielbares Material geboten, mit allen benötigten Werten. Dabei kommt eine weitere Besonderheit zum Tragen: Es gibt keine echte Charaktererschaffung und keine detaillierte Charakterentwicklung. Für das Event werden einfach die Superhelden mitgegeben, die genau in diesen Event passen. Dementsprechend sind im Basic Game auch die passenden Datafiles für „Breakout“ enthalten.

Der klassische Rollenspieler mag nun aufschreien und sich die Haare raufen, denn keine Erschaffung und Entwicklung, das kratzt am Lack der Oldtimer. Ist aber weniger schlimm, als es sich liest. Es gibt einige Hilfestellungen, um sich einen eigenen Superhelden zu erschaffen. Im Grunde wird einer der bekannten Helden genommen und soll ein wenig umgemodelt werden. Einen echten Baukasten gibt es allerdings nicht. Mit mehr als 8000 Superhelden des Marvel-Universums, gibt es jedoch mehl als genug Vorlagen. Und hier trifft eine Eigenart der Comics auf das Regelsystem: In den Comics gibt es unzählige Zeitlinien und Storyuniversen. Regelmäßig werden die Reihen auch rebootet und einem Helden ein neuer Drive gegeben. Das ist bei US-Superheldencomics alltäglich. Und so wird es auch bei MHR gehandhabt.

Die im Buch enthaltenen Helden sind auf „Breakout“ ausgelegt. Das bedeutet Spider-Man ist mit MJ verheiratet und „Iron Man“ hat ein Alkoholproblem. Dementsprechend kommt das Regelwerk auch ohne Hintergrundmaterial aus. Es würde schlichtweg nie passen. Der Hintergrund wird einfach dem gespielten Event überlassen. Eine clevere Idee. Darauf sind auch die Milestones ausgelegt, über die es dann doch Erfahrungspunkte gibt. 1, 3 oder 10 XP werden bei erreichen bestimmter Ziele oder auch durch bestimmte Aktionen erspielt. Captain America würde, zum Beispiel, 1 XP erhalten, sobald er das erste Mal die Führung eines Teams übernimmt. Klingt leicht, aber sobald Iron Man zum Team gehört (der ein bekannter Solist ist), wird die Sache schwerer. Ein toller Mechanismus.

Mit den angesammelten XP kann der Superheld dann in kleinem Rahmen verändert werden. Unter anderem können die Distinctions geändert werden oder gibt es neue Storyelemente, eine Verbesserung der SFX oder werden Power Sets ausgetauscht. Keine wirklich ganz großen Sachen, aber gelungen umgesetzt. Schlussendlich soll Mister Fantastic auch als Mister Fantastic zu erkennen sein. Selbst im fortgeschrittenen Spiel.

Diese Nähe zum Comic wird allerdings damit erkauft, dass der Spieler wenig Möglichkeiten hat, eigene Dinge anhand der Regeln zu kreieren. Das ist allerdings kein Grund, sich zurückzunehmen. Das viele Material im Netz ist Zeuge davon. Schlussendlich bietet MWP zukünftig auch tolles Material an. So steht als Event „Civil War“ bereits in den Startlöchern. Und es ist nachvollziehbar, dass der Verlag gerne die eigenen Produkte verkaufen möchte. Solange die Aufmachung weiterhin stimmt, ist das sicherlich kein Problem.

Und die Aufmachung, die ist einfach toll. Kein Wunder, bedient sich MWP doch aus dem Marvel-Pool. Bessere Illustrationen zu bekommen ist schier unmöglich. Das Buch selbst ist auch schön und übersichtlich gestaltet und passt zu jeder Comicsammlung. Immerhin hat es auch das passende Format. Das Softcover ist zudem noch sehr günstig zu haben. Die offiziellen 19,99 US-Dollar sind in diesem Bereich kaum zu schlagen. Das Layout gestaltete sich hell und freundlich. Der Text ist zwar rein auf die Regeln ausgerichtet und stellenweise etwas trocken, aber unzählige Beispiele und Seitenbalken helfen beim Verständnis der Regeln.

Die Regeln sind für ein Erzählrollenspiel zwar ziemlich komplex, aber sobald sie sitzen, macht die ganze Sache großen Spaß. Immerhin unterstützt das Regelwerk die Interaktion am Spieltisch. Das wird beim Initiativesystem der Kämpfe deutlich. Es gibt keine feste Reihenfolge, sondern der Spieler der fertig mit seiner Handlung ist, bestimmt den nächsten Spieler. Klingt merkwürdig, funktioniert aber prima.

Besonders schön ist die leichte Zugänglichkeit des Setting. Comics sind einfach bekannt. Ein paar Comics im Vorfeld gelesen oder eine der tollen Verfilmungen angesehen, schon sind die Spieler in der richtigen Stimmung. So leicht die Zugänglichkeit zum Setting, um so schwerer der Zugang zu den Regeln.

Der traditionelle Rollenspieler kann hier Probleme haben, sich an die neuen Begriffe und das freie Spiel zu gewöhnen. Zudem verlangen die Regeln neben ihrer Kenntnis, auch eine gehörige Portion an Kreativität. Die kann man allerdings lernen – ebenso wie die Regeln. Irgendwann fließt dann alles von alleine. Rollenspiel-Anfänger sollten sich aber Zeit nehmen, um das Spiel zu verstehen. Optimal ist der Zugang über eine erfahrene Gruppe zu erlangen, die zudem neuen Konzepten offen gegenüber steht.

Wer Comics mag, wer sich mit Superheldenrollenspielen anfreunden kann, wer ein narratives Spiel möchte, der sollte zugreifen. Es lohnt sich, denn in diesem Bereich ist derzeit nichts besseres zu bekommen.

Copyright © 2012 by Günther Lietz, all rights reserved

Marvel Heroic Roleplaying
Basic Game – Grundregelwerk

Verlag: Margaret Weis Productions (2012)
Autoren: Cam Banks, Matt Forbeck, Will Hindmarch, Philippe-Antoine Ménard, Jesse Scoble
Sprache: Englisch
Umfang: 234 Seiten

http://www.margaretweis.com/
http://marvel.com/
http://www.paninicomics.de/

Steffen Volkmer von PANINI Comics (Presse & PR) hat sich freundlicherweise für ein kleines Interview zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle vielen Dank dafür.

Günther K. Lietz: Wie steht PANINI Comics zu einer Übersetzung von “Marvel Heroic Roleplaying Basic Game” in Eigenregie?

Steffen Volkmer: Bei uns ist das derzeit nicht geplant.

Günther K. Lietz: Was spräche dafür oder dagegen?

Steffen Volkmer: Wir haben derzeit schlicht nicht geplant, uns auf diesem Sektor auszubreiten, obwohl es natürlich ein schönes Produkt ist.

Günther K. Lietz: Eventuell in Kooperation mit einem der deutschen Rollenspielverlage?

Steffen Volkmer: Das wäre natürlich denkbar, derzeit gibt es aber keine Planungen in diese Richtung.

Günther K. Lietz: Wurden bereits Anfragen gestellt oder gibt es gar konkrete Pläne?

Steffen Volkmer: Nein, bislang nicht.

Günther K. Lietz: Wie ist Ihre persönliche Meinung zu dem Thema? Immerhin sind Sie ja der Fachmann schlechthin für Marvel Deutschland. Wie schätzen Sie den Erfolg solch eines Spiels auf dem deutschen Markt ein?

Steffen Volkmer: In Deutschland eher schwach. In den USA sind die Bereiche Superhelden-Comics und Roleplay wesentlich stärker miteinander verbunden und das Thema Superhelden hat generell einen ganz anderen Stellenwert als bei uns, das sieht man, wenn man die entsprechenden Conventions hier und dort mit einander vergleicht.

Günther K. Lietz: Das “Marvel Heroic Roleplaying Basic Game” (kurz MHR) arbeitet event-basierend, rückt also ganze Reihen, bestimmte Ereignisse oder Sonderbände in den Mittelpunkt. Dadurch steigt bei den Spielern natürlich auch das Interesse an entsprechenden Bänden, von denen einige bereits in die Jahre gekommen sind. Aktuell handelt es sich dabei um “Civil War”, bei PANINI 2008 als Marvel-Paperback erschienen. Derzeit wird der Band als “ab Lager lieferbar” geführt. Wie ist es um die Kapazitäten bestellt? Müssen Comic-Fans und Rollenspieler um Nachschub fürchten?

Steffen Volkmer: Selbst wenn ein Band verlagsvergriffen sein sollte, findet man bei den Händlern in Deutschland garantiert noch immer Bände zu normalen Preisen. Da muss man gegebenenfalls etwas suchen, aber man sollte kein Problem haben, zu finden, was man sucht.

Günther K. Lietz: Was für Reihen/Bände sollten im Anschluss an oder gar vor “Civil War” gelesen werden?

Steffen Volkmer: “Secret Invasion” folgt auf “Civil War”, danach die “Fear itself”-Storyline.

Günther K. Lietz: Ohne zu wissen ob Sie Rollenspiele spielen, im Kontext mit MHR und bezüglich Ihrem Fachwissen in Bezug auf Marvel-Comics: Was für Marvel-Reihen und/oder Sonderbände beinhalten dramatische Stories und knallharte Action, und sind deswegen prädestiniert gekauft, gelesen und somit anschließend auch gespielt zu werden?

Steffen Volkmer: … Das kommt letztlich ja auf den persönlichen Geschmack an. Lesenswert sind alle – ob auch alle spielbar wären, ist schwer zu sagen. Mein derzeitiger persönlicher Favorit bei Marvel ist allerdings die Deadpool-Reihe.

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