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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Vintage – Steampunk-, Retro-Science-Fiction- und Alternativwelt-Geschichten”

Erstellt von Michael Bahner am 25. April 2013

“Vintage – Steampunk-, Retro-Science-Fiction- und Alternativwelt-Geschichten”

sfbasar.de-Anthologie Band 25

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

(…) In einer Wolke aus heißen Abgasen und wirbelndem Pulverschnee kommt der Cruiser zum Stehen, auf dem Parkplatz direkt vor dem Laden. Das gute Stück ist funkelnagelneu, vor knapp zehn Minuten hat er auch noch so ausgesehen. Und jetzt: bis zum Verdeck verspritzt von Dreck und Kacke aus den Straßen. Nichts mehr zu erkennen vom feuerroten, glitzernden Lack. Meine schöne Steam Lizzy wird erstmal eine Menge Streicheleinheiten brauchen, ein dampfendes Schaumbad und einen gehörigen Schuss Schmiermittel. Langsam senkt sie sich auf ihr ausgeklapptes Fahrwerk, pfötchensanft, begleitet vom sonoren Summen der Steam-Stream-Turbine – eine aufgemotzte Josh 100. Der Klang sträubt mir die Nackenhaare bis in die Spitzen, trotz der Kälte jagt er mir heiße Schauer über den Rücken, die mir den Bauch wärmen und die Lenden zum Glühen bringen. Währenddessen kämpfe ich mich durch den Schnee zum Schaufenster, fest verpackt in Trenchcoat, Schal und Handschuhe. Den Bogart bewahre ich mit der Rechten vor einem Rundflug über den Parkplatz. Hinter den beschlagenen Scheiben flimmern eine Reihe von Televisoren. Alle flackern synchron, sie zeigen dieselben Bilder, dasselbe Programm, milchig und trübe durch die Schicht kondensierter Wassertröpfchen. Aber natürlich erkenne ich ihn sofort: JFK mit dem Arm in der Schlinge. Oder sollte ich sagen: den Kopf? Sein geliebter Ford Spinup Roadster spinnt – haha, schönes Wortspiel! -, sackt auf einer Seite ab, und die Kugeln von diesem Karnickel, diesem Oswald the Rabbit oder so ähnlich, tackern den Fahrer aus dem Sitz. Gerade mal so dem Tod von der Schippe gesprungen. Möglicherweise ist was dran, dass er in der Sache Robert Zimmerman die Hände im Spiel hat. Er und das FBI sollen das Idol einer jungen aufmüpfigen politischen Bewegung gekidnappt und für ihre eigenen Ziele … naja … umerzogen haben, einen Typen, Zimmerman, der sich zusammen mit seiner schauerlichen Mundharmonika Bob Dylan nennt. Was ich in dieser Sache allerdings noch unternehmen werde, kann ich nicht sagen. Ich bin ein bisschen planlos … sagen wir uninspiriert, das hört sich besser an. (…)

Liebe LeserInnen, liebe Community-AutorenInnen,

was haben wir denn da? Die dampfgetriebenen Autos gehören zum Steampunk und die geschichtlich verdrehten, erdichteten beziehungsweise neu verwobenen Ereignisse in das Szenario einer Alternativweltgeschichte. Retro-Science-Fiction ist das alles: es gibt fliegende Autos, wir haben die Zeit rückwärts gedreht und befinden uns in einer Handlung in vergangenen Zeiten, die sich so allerdings nie zugetragen haben könnte. Was eine Alternativwelt von einer Parallelwelt unterscheidet, hat Leon Ferri bereits ausführlich und sehr anschaulich in seinem Editorial zur Zeitlinien-Anthologie beschrieben, deshalb möchte ich an dieser Stelle lediglich darauf verweisen. Nur so viel: bei Parallelwelten besteht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Welten hin- und herzuspringen, bei Alternativwelten nicht. Das bedeutet, eine Alternativweltgeschichte spielt einzig und allein in einer alternativen Realität ohne Bezug zu anderen Welten. Prinzipiell sind also alle Steampunk-Geschichten gleichermaßen Alternativweltgeschichten. Retro-Science-Fiction-Geschichten wiederum können in unserer Welt spielen, müssen aber nicht. In ihnen werden vergangene Zeiten wieder lebendig. Allerdings sollten diese nicht zu lange zurück liegen. Am besten beschränken wir uns auf, sagen wir, die Epochen ab Anfang des 20. Jahrhunderts. Das hört sich jetzt ein bisschen restriktiv an – vielleicht ist es das, vielleicht auch nicht. Das sollte euch aber nicht davon abhalten, eure Geschichten für diese Anthologie zu nominieren. Diskutieren können wir immer noch darüber. Andere kennen sich in Steampunk-Universen bestimmt besser aus als ich, aber die Epochen dieser Geschichten liegen nach meiner Vermutung oft noch ein oder zwei Jahrhunderte davor! Ihr seht, ich habe reichlich Spielraum und Möglichkeiten, mir eure Geschichten einzuverleiben – euer Einverständnis vorausgesetzt.

Einem dieser drei Themen müssen eure Geschichten, Essays oder sonstigen literarischen Ergüsse also zuzuordnen sein. Da diese Begriffe an sich schon gemeinsame Schnittmengen implizieren (Steampunk- und in großen Teilen auch Alternativweltgeschichten sind per se im Thema Retro-Science-Fiction enthalten) und die Grenzen schon recht weit gesteckt sind, werdet ihr sicherlich keine Schwierigkeiten haben, in diese Vintage-Welten hinein zu finden.

Wieso, zum Kuckuck, heißt diese Anthologie eigentlich Vintage? Was ist Vintage überhaupt? Handelt es sich vielleicht um eine wochenendliche Fress- und Sauftour durchs Elsass, die von ortsansässigen Wirtsleuten und alkoholgeilen Tingelbrüdern und -schwestern nach dem letzten Viertele in weinseliger Eintracht aus der Taufe gehoben wurde, in dem Bestreben, unter anderem auch beider Sprachen zu vereinen? Auch wenn mir der Gedanke an das Bouquet eines würzigen Roten, der in kristallener Karaffe neben dampfenden Flammkuchen auf mich wartet, buchstäblich das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, hat das leider nichts mit dieser Anthologie zu tun.

Zugegeben, ich musste erst recherchieren, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Da reichte es leider nicht, das betagte Englisch-Deutsch-Wörterbuch zur Rate zu ziehen, denn dort – im kleinen Gelben – fand ich nur die Weinlese. Erst im Internet wurde ich fündig und belehrt, dass es sich bei Vintage um eine Mode- bzw. Designrichtung handelt. Kleidung und Möbel wurden im Stil der 1930er bis 1970er Jahre angefertigt, in gewisser Weise in einem Retro-Look (Quelle: Wikipedia). Automobilisten haben den Begriff bereits auf Wagen ausgeweitet (Vintage Cars), die im Stil den Autos vergangener Jahrzehnte nachempfunden sind. Jetzt dehnen wir ihn noch weiter und packen alles rein, was … also … im Untertitel steht: Steampunk-, Retro-Science-Fiction- und Alternativweltgeschichten. Und warum machen wir das? Der Begriff Vintage ist kurz und griffig und weist im Wesentlich in die Richtung, die wir mit dieser Anthologie beschreiten wollen.

Liebe Community-AutorInnen, spitzt also die Bleistifte, schwärzt die Federn, entbröselt eure Tastaturen, lasst die Hirne qualmen, respektive dampfen, und rückt leeren Blättern und Festplatten zu Leibe.

Euer Herausgeber Michael Bahner … kann’s kaum erwarten. Neue Beträge sind in Rot gekennzeichnet!

BUCHBESPRECHUNG: Cherie Priest – Boneshaker – Rezensiert von: Rezensiert von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: DAS SERUM DES DOCTOR NICOLA von Petra Hartmann – Rezension von Michael Drewniok

DER FALL DER GESTOHLENEN BROSCHE – Fantasy-Story von Günther Kurt Lietz

DER HUND – Science Fiction Story von Ralf Boldt

BUCHBESPRECHUNG: DER KURIOSE FALL DES SPRING HEELED JACK – BURTON & SWINBURNE (BD. 1) von Mark Hodder – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: DER ZENSOR von Marcus Hammerschmitt – Rezension von Werner Karl

DIE LOKOMOTIVE (Leseprobe:) Auftrag – Eine Erzählung von Marcus Hammerschmitt

BUCHBESPRECHUNG: DIE NEUEN HERSCHER – von Lyon Sprague de Camp und P. Schuyler Miller – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: DIE RÄDER DER WELT von Jay Lake – Rezensiert von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: EIN QUANTUM TOD von Simon R. Green – Rezension von Petra Weddehage

BUCHBESPRECHUNG: ERINNERUNGEN AN MORGEN – STEAMPUNK 1 von Alisha Bionda (Hrsg.) – Rezension von Elmar Huber

BUCHBESPRECHUNG: GRAU – Eddie Russett 1 von Jasper Fforde – Rezensiert von Armin Möhle

BUCHBESPRECHUNG: IMMORALITY ENGINE – NEWBURY & HOBBES 3 von George Mann – Rezension von Alisha Bionda

FILMBESPRECHUNG: IRON SKY – WIR KOMMEN IN FRIEDEN – Regie: Timo Vuorensola Finnland/Deutschland/Australien 2012 – Rezension von Michael Drewniok

ISOLA LUCRETIA – Leseprobe aus dem gleichnamigen Science-Fiction-Kurzroman von Michael Pick

BUCHBESPRECHUNG: OSIRIS RITUAL – Hobbes & Newbury 2 von George Mann – Rezensiert von: Alisha Bionda

OTTERMAN´S – Leseprobe (Teil 1) aus dem Roman “Silenus” von Robert Jackson Bennett

IN VORBEREITUNG – OTTERMAN´S – Leseprobe (Teil 2) aus dem Roman “Silenus” von Robert Jackson Bennett

BUCHBESPRECHUNG: SILENUS von Robert Jackson Bennett – Rezension von Michael Drewniok

BUCHBESPRECHUNG: SILENUS von Robert Jackson Bennett – Rezension von Yvonne Rheinganz

NEU - VENEDIG AN EINEM WINTERTAG – Leseprobe aus dem Steampunk-Roman “Die zerbrochene Puppe” von Judith und Christian Vogt

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Michael Bahner

Bildrechte: “Vintage (Steampunk5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Kamm, Halina: Elesja in der Zeitenwende. Die bewussten Kinder unserer Zeit Indigo-, Engel-, Kristall-, Diamantkind – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. April 2013

Kamm, Halina
Elesja in der Zeitenwende

Die bewussten Kinder unserer Zeit Indigo-, Engel-, Kristall-, Diamantkind

Umschlaggestaltung von Simonik, Angelina
Verlag :      Corona Medien Verlag
ISBN :      978-3-942128-17-9
Einband :      kartoniert
Preisinfo :      18,90 Eur[D] / 18,90 Eur[A] / 25,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 30.01.2013
Seiten/Umfang :      224 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Buch
Produktform (detailliert) :      Geklebt
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 12.04.2013
Gewicht :      344 g

Immer mehr Menschen, die wir Indigo,- Kristall- und Diamantkinder nennen werden mit einem erhöhten Bewusstsein geboren, die anderen als Licht leuchten und den Weg weisen sollen. Jedoch auch eine große Anzahl von Menschen befindet sich auf dem Weg zur ganzheitlichen Entwicklung und löst karmische Belastungen und dominates Ego-Selbst auf. Halina Kamm schildert eine solche Entwicklung und Vereinigung mit dem kosmischen Selbst von klein an bis ins Alter. Das Buch ist ein Wegweiser, um zu verstehen, was einem da so widerfahren kann.

Halina Kamm, die Autorin, hat den ASW-Bereichen wie Geist, Seele, Bewusstsein, Meditation, Reinkarnation, Karma, parallele Universen und Existenzen Zeit ihres Lebens besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Über diese Themen wurden mehrere Bücher und CDs von ihr veröffentlicht.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch 24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte, einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Wann genau erschien der Titel? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!

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Zehm, Carsten: Die Drachenfriedhof-Saga. Die Abenteuer von Bandath, dem Zwergling. Band 3 der Bandath-Trilogie – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 19. April 2013

Zehm, Carsten
Die Drachenfriedhof-Saga. Die Abenteuer von Bandath, dem Zwergling

Band 3 der Bandath-Trilogie

Verlag :      Acabus Verlag
ISBN :      978-3-86282-220-1
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,90 Eur[D] / 14,90 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 26.02.2013
Seiten/Umfang :      ca. 340 S. – 20,5 x 14,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 04.2013

„Nuzze nit de drey sorten zauberey. Gar mechtic wesen wird erscheyn, vol bosheyt unt fillt land mit finsternis.“ Prophezeiung von Um-Ba-Tha, 1.000 Jahre vor den Drummel-Drachen-Kriegen.

Der Drachenfriedhof – Seit Jahrtausenden ein Ort, um den sich Sagen und Mythen ranken. Niemand ist je dort gewesen, keiner von der Suche nach ihm zurückgekehrt.

Als die magischen Fähigkeiten des Zwerglings Bandath angegriffen werden, weiß er, dass etwas passiert ist, das nie hätte geschehen dürfen. Doch wer steckt dahinter? Die Magier von Go-Ran-Goh, deren Spiel immer undurchsichtiger wird? Oder sind es die Gorgals, die in riesigen Heerscharen aus den westlichen Urwäldern hervorgebrochen sind? Ihre Armeen erobern ein Reich nach dem anderen und nähern sich unaufhaltsam den Drummel-Drachen-Bergen. Oder ist es gar ihr Heerführer selbst, dieses geheimnisvolle Wesen, das seine Befehle mit „Pyr der Schwarze“ unterzeichnet?

Als es in den Drummel-Drachen-Bergen von feindlichen Gorgals nur so wimmelt, werden plötzlich Verbündete zu Feinden, und dort, wo man keine Hilfe erwartet hätte, findet man welche …

Bandath und seine Freunde müssen sich trennen. Jeder auf sich gestellt, steht vor einer Aufgabe, die sich als die schwierigste seines Lebens erweisen wird. Die Lösung all dieser Probleme kann Bandath nur auf dem Drachenfriedhof finden. Eine gefährliche Reise beginnt …

Carsten Zehm, geboren 1962 in Erfurt, aufgewachsen dort und in Bad Langensalza, studierte Lehramt in Halle und arbeitet als Berufsschullehrer in Oranienburg. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er schreibt schon seit seiner Jugend. Der Schwerpunkt seines Schreibens galt immer wieder der Fantasy, auch wenn ihn Ausflüge in den Bereich der Märchen, des Krimis und der Horrorgeschichten führten. Seit 2004 erfolgte die Veröffentlichung vieler Kurzgeschichten in Anthologien und der Tagespresse. 2009 erschien sein erstes Kinderbuch, die ‘Zauberblumenwiesen’. ‘Die Chroniken der Reisenden. Staub-Kristall’ (2010) ist der erste Roman des Autors. Mit der ‘Diamantschwert-Saga’ (2011) beginnt die Trilogie um den Magier Bandath. Teil 2 ‘Die Dämonenschatz-Saga’ erschien im April 2012 (www.bandath.blog.de).

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte, einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Wann genau erschien der vorliegende Band? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!

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Kevin Hearne: Die Hetzjagd. Die Chronik des eisernen Druiden 1 – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. März 2013

Kevin Hearne
Die Hetzjagd
Die Chronik des eisernen Druiden 1

The Iron Druid Chronicles I. Hounded, USA, 2011
J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH/Hobbitpresse, Stuttgart, 02/2013
HC mit Schutzumschlag
Urban Fantasy
ISBN 978-3-608-93931-6
Aus dem Amerikanischen von Alexander Wagner
Titelgestaltung von Birgit Gitschier, Augsburg
Autorenfoto von Amy Ryland

www.klett-cotta.de
www.hobbitpresse.de
www.kevinhearne.com

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch 24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Atticus O’Sullivan betreibt in Tempe einen Esoterikladen. Niemand ahnt, dass der jung wirkende Mann ein irischer Druide ist, der bereits seit über zwei Jahrtausenden lebt. Dass er sich ausgerechnet in ein Wüstennest in Arizona zurückgezogen hat, liegt daran, dass es dort nur wenige Götter gibt, vor allem wenige von jenen, die noch eine Rechnung mit ihm offen haben. Kann er sich weiterhin verbergen, hat er gute Chancen, weitere zweitausend Jahre am Leben zu bleiben. Allerdings holt ihn das Schicksal in der Person des keltischen Liebesgottes Bres ein, der das legendäre Schwert Fragarach, das sich in Atticus Besitz befindet, für sich beansprucht. Statt Atticus selbst gegenüberzutreten, schickt Bres seine Handlanger in den Kampf und sichert sich Hilfe aus der Hölle, um den Gegner besiegen zu können.

Beginnt man die Lektüre, denkt man nach wenigen Zeilen: Was ist der Autor bloß für eine Labertasche?! Kevin Hearne lässt seine Hauptfigur Atticus sich selbst vorstellen; wer er ist, warum er in Tempe lebt, wer seine Freunde und Feinde sind, welcher Magie er sich bedient. Es soll sich witzig und etwas flapsig lesen, aber es fehlt nur noch ein kleiner Schritt zur Selbstbeweihräucherung …

Dann wird Atticus auch schon angegriffen und aufgedeckt, welcher Feind ihn aufgespürt hat und was dieser von ihm will. Von da an geben sich in Atticus‘ Haus keltische Götter, Vampire, Werwölfe, Hexen etc. buchstäblich die Klinke in die Hand. Zu jedem unterhält Atticus eine besondere Beziehung, die meist auf Verpflichtungen oder/und Misstrauen beruht, worauf stets eingegangen wird, damit sich Kevin Hearnes Welt dem Leser erschließt und das Finale nicht zu schnell kommt.

Erlebt man nun die Götter aus grauer Vorzeit, die in der Moderne angekommen sind, sich ein wenig anpassen konnten, aber ihr altes Denken, demnach ein Menschenleben wenig zählt, nicht abgelegt haben, versteht man Atticus‘ scheinbare Arroganz besser. Auch er ist ein Relikt, und wer sich quasi auf einer Ebene mit Göttern bewegt, darf nicht ängstlich sein, muss wissen, wie er sie zu behandeln hat. Atticus ist sich seiner eigenen Macht und seiner Schwächen bewusst – und das bringt er zum Ausdruck.

Die Gottheiten wirken überheblich und nur bedingt sympathisch, da die Erde und die Menschen für sie lediglich ein Schachbrett mit Spielsteinen darstellen, die sie im Rahmen ihrer Intrigen und Kämpfe skrupellos benutzen. Bres scheut nicht einmal davor zurück, das Land seiner Kraft zu berauben sowie Dämonen und Todesgötter herbeizurufen, um Atticus zu töten, und selbst Morrigan, Flidais und Brighid, die ihn innerhalb gewisser Grenzen unterstützen, bedienen sich seiner. Im Vergleich erscheinen die Vampire und Werwölfe richtig ‚menschlich‘. Die Ausflüge in die mythischen Zeitalter sind interessant, die Kämpfe spannend. Hat man sich von dem wortreichen Auftakt nicht abschrecken lassen, folgt man der Handlung mit wachsender Begeisterung bis zum Showdown. Abgerundet wird der Story durch Hinweise zur Aussprache der keltischen Namen.

„Die Chronik des eisernen Druiden“ von Kevin Herarne (Hearne der Jäger?) ist humorig, aber nicht ganz so abgedreht wie beispielsweise Terry Pratchetts „Scheibenwelt“-Romane. Man möchte den Band eher in einem Atemzug nennen mit Serien wie „Die Abenteuer von Harold Shea“ von Lyon Sprague DeCamp und Fletcher Pratt oder Gordon R. Dicksons „Drachenritter“. Der Autor legt zudem großen Wert auf die Vorstellung mythischer Figuren, die er leicht der Gegenwart angepasst hat, und auf packende, magische Kämpfe.

Man kann nicht behaupten, er habe das Rad mit seinem Urban Fantasy-Roman neu erfunden, aber hat man Freude an dem Thema und dem entspannten Stil, sucht man obendrein etwas anderes als ‚verliebte Vampire‘, dann wird man von diesem Band gut unterhalten und neugierig sein, was Atticus im nächsten Buch erlebt (in den USA liegt bereits der fünfte Teil vor). Ein launiger Schmöker für Genre-Fans, der Lust auf mehr macht!

Copyright by 2013 © Irene Salzmann (IS)

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SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 3) – Phantastische Erzählung von Magret Schwekendiek

Erstellt von Margret Schwekendiek am 23. März 2013

SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 3)

Phantastische Erzählung

von Magret Schwekendiek

Der Präsident des Euro-Afrikanischen Volksbundes beendete seinen Brief. Er war nicht ganz glücklich mit seiner Wortwahl, aber eigentlich spielte es doch keine Rolle, denn es war mehr eine Rechtfertigung für sich selbst. Und ob jemand überhaupt einmal diesen Brief in die Finger bekam, war auch noch fraglich. Das, was er vorhatte, war Völkermord, da machte er sich nichts vor. Doch er konnte einfach nicht mehr mit ansehen, wie tagtäglich ungezählte Menschen starben. Er selbst besaß nicht genug Macht und Einfluss, um die befehlenden Offiziere auf beiden Seiten zur Vernunft zu bringen. Diese wenigen Menschen besaßen noch immer viel zuviel Macht über die Menschen, so dass die verheerenden Auseinandersetzungen kein Ende fanden, und auch auf irgendeine Weise noch immer gerechtfertigt wurden.

Der Präsident hatte vor einer Woche seinen letzten Sohn verloren, jetzt lebte nur noch eine Tochter, die allerdings fest in das Gebärprogramm eingebunden war und mittlerweile schon 12 Kindern ein kurzes Leben geschenkt hatte. Alles zum Wohle des Vaterlandes – und für die kleine Genugtuung einen Orden zu bekommen. Die Kinder des Präsidenten waren anders als er gewesen, der sich immer noch tief drinnen ein weiches Herz bewahrt hatte. Ganz sicher war Menschlichkeit ein großes Hindernis in einer Welt wie dieser, die bestimmt wurde von kühler Sachlichkeit und klarem Realismus. Er hatte Kinder mit strahlenden Augen in die Schlacht ziehen sehen, nur um nie wieder etwas von ihnen zu hören. All diese Toten schrien lautlos nach Rache. Und die gepeinigte Erde brüllte förmlich um Erlösung.

Ein Behälter aus Titan nahm den Brief auf, und mit dem nächsten Shuttle, das einen neuen Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen sollte – noch heute Nacht – würde auch dieser Brief in eine relative Sicherheit gebracht.

Der letzte Satellit – er würde den Langzeitplan, den der Präsident schon kurz nach seinem Amtsantritt begonnen hatte, vollenden.

Die Nacht kam, und die Dunkelheit wurde, wie so oft, durch die Einschlagblitze von Lasergranaten und Neutronenwaffen erhellt. Und auch in dieser Nacht starben wieder Menschen.

Am Morgen beleuchtete die Sonne die leerstehenden Gleiterpanzer und Bodenstellungen, die praktisch unversehrt waren; nur das menschliche Material war ausgelöscht und wurde durch den ungeheuren Nachschub, den die Gebärkolonnen produzierten und die Aufzuchtstationen ablieferten, gleich wieder ersetzt.

Diesem Wahnsinn musste endlich ein Ende gesetzt werden!

Der Präsident saß allein in seinem Arbeitszimmer, er hatte sich jegliche Störung verboten, obwohl sein Sekretär händeringend darauf hingewiesen hatte, welche Arbeit anstand und wer ihn alles sprechen wollte. Doch für die nachfolgende Aufgabe brauchte der Präsident absolute Ruhe – und danach würde es keine Rolle mehr spielen.

Das Computerprogramm selbst war rasch aufgerufen, 62 der 124 Satelliten, die im Orbit kreisten, waren in der Lage, jeden Zentimeter auf der Erde lückenlos zu bestrahlen. Durch mehrmalige Passwortabfrage kam der Mann endlich in ein Unterprogramm, das niemandem sonst zugänglich war. Und die Programmierer, die das ermöglicht hatten, würden darüber nicht reden können, sie waren nach dem Ende ihrer Arbeit sehr rasch an einem hartnäckigen Virus gestorben.

Der Präsident aktivierte die heimlich eingebauten Transit-Neutronenstrahler, die in der Lage waren, die Entfernungen durch die verschiedenen Schichten der Atmosphäre zu überbrücken. Für einen winzigen Augenblick zögerte der Mann, doch dann bestätigte er seine Anweisung doppelt. Ein kleines trauriges Lächeln spielte um seine Mundwinkel. Jetzt, da auch der letzte Satellit in Position war, würde es nur noch wenige Minuten dauern.

Der Präsident drückte den Knopf der Rufanlage, und gleich darauf trat der Sekretär erleichtert ein. Noch bevor er mit seinem Bericht anfangen konnte, unterbrach ihn der Präsident.

„Ich wollte Ihnen eigentlich nur sagen, dass ich mit Ihrer Arbeit zufrieden war. Das sollten Sie wissen.“

Verwirrt hielt der Mann inne. „Ich glaube, ich verstehe Sie nicht, Sir.“

„Das müssen Sie auch nicht mehr. Ich habe gerade dafür gesorgt, dass die Erde endlich zur Ruhe kommt. In genau 1,35 min werden die zusammengeschalteten Satelliten die gesamte Fläche der Erde in ein Neutronenfeld hüllen. Und danach wird es nichts mehr geben.“

Stille. Dann warf der Sekretär einen Blick auf seine Uhr, und der Präsident war sicher, richtig gehandelt zu haben. Denn der bevorstehende Tod schockte sein Gegenüber nicht einmal.

„Ich bin dankbar, dass ich Ihnen dienen durfte, Sir. Ich nehme an, Sie haben Ihre Entscheidung gut überlegt?“

„Verdammt noch mal, interessiert es Sie gar nicht, wie viele Tote es geben wird? Dass Sie selbst gleich tot sein werden? Ist Ihnen das alles egal?“

Nur ein leichtes Hochziehen der Augenbrauen. „Es ist ohnehin nicht mehr zu ändern, nein?“

Der Präsident nickte. „Danke, Sie können gehen.“

Stattdessen zündete sich der Sekretär in aller Seelenruhe eine Zigarette an. „Ein letzter Genuss“, stellte er fest.

Die beiden Männer warteten wortlos. Gleich darauf hätte jemand, der darauf achten wollte, ein leichtes Summen in der Luft hören können. Doch wenige Sekunden später gab es niemandem mehr, der noch hören konnte.

Mit den Menschen starben alle Säugetiere auf der Erde, doch es gab noch genügend andere Lebensformen, die das verheerende Strahlenfeld überlebten. Die Erde würde regenerieren – sie hatte Zeit, wenn es sein musste, tausende von Jahren.

*

Nur zögernd waren die Menschen, es gab noch 27 von ihnen, und die schemenhaften Engel aufeinander zugegangen. Jedenfalls einige von ihnen.

Marsha Hamilton gehörte zu denen, die sich fernhielten. Sie und einige andere gingen zu dem abgestürzten Raumschiff, das jetzt soweit abgekühlt war, dass man die Außenhülle berühren und daraus provisorische Hütten bauen konnte. Argwöhnisch blickte diese Gruppe auf die anderen, die sich in einen Kreis gesetzt hatten und mit den Engeln sprachen.

Ricardo Michaelis kam zu ihnen, es gab Verletzungen zu behandeln. Marsha half ihm, und nach einiger Zeit wurde klar, dass weitere Todesopfer zu beklagen sein würden.

Vincent Flanagan saß mit sechs anderen Mitgliedern seiner Crew bei Azrael und weiteren Engeln. Den Menschen zuliebe hatten sie wieder humanoide Gestalt angenommen.

„Ich möchte euch danken“, sagte der Commander jetzt zu Azrael. „Es ist für euch wahrscheinlich nicht ganz einfach uns zu dulden. Aber meine Leute brauchen die Bewegungsfreiheit.“

Die Stimme des Engels klang traurig. „Vielen wird es nichts nutzen, sie sterben.“

Das war eine klare, nüchterne Feststellung. Die Schar der Engel wirkte kompakt und dicht, denn viele von ihnen hatten sich dazu entschlossen, den Menschen fern zu bleiben, zu groß war das Misstrauen.

Doch plötzlich verschwand der Großteil von ihnen, waren einfach weg, ohne Spuren zu hinterlassen.

Vincent fühlte, wie er leichenblass wurde, dann wurde ihm schlagartig klar, dass auf der Erde eine Katastrophe stattgefunden haben musste, wenn eine so große Menge der Engel sich einfach auflöste. Fassungslos starrte der Commander in das weiße Gesicht von Azrael. Die großen dunklen Augen des Engels schienen das Nichts widerzuspiegeln, und dann lösten sich plötzlich zwei Tränen und rollten über das durchscheinende Gesicht.

„Die Menschheit der Erde hat sich selbst vernichtet“, flüsterte er.

Vincent fühlte, wie eine kalte Hand nach seinem Herzen griff. Wenn das stimmte, dann waren sie hier, die Überlebenden der „Fair Lady“, auch die letzten Überlebenden der Menschheit.

Flanagan spürte plötzlich eine sanfte Berührung an der Wange, und erstaunt stellte er fest, dass er selbst auch weinte. Azraels zartes Streicheln war tröstend, doch der Schock saß tief.

Diese Nachricht war irgendwie allen Überlebenden zu Ohren gekommen, und jetzt begannen einige der Menschen, einfach durchzudrehen. Sie liefen kopflos hin und her, griffen schließlich zu ihren Waffen und begannen aufeinander zu schießen.

„Nicht!“ brüllte der Commander und sprang auf. Doch er musste selbst den Schüssen ausweichen.

Als wieder Ruhe einkehrte, lagen weitere Menschen tot am Boden.

Jetzt gab es noch 13 der Raumfahrer und 5 Engel.

Flanagan setzte sich an einen Baum und weinte bitterlich.

*

Es war ein unwirklicher Zustand, in dem sich die letzten Menschen befanden. Ein halbherziger Versuch wurde unternommen, um einen geregelten Tagesablauf einzurichten – aber für wen?

Die Notrationen der toten Kameraden wurden aufgeteilt, es gab genug zu essen, und Wasser war ausreichend auf diesem Planeten vorhanden. Es gab sogar eine Menge Früchte, von denen die meisten essbar waren, wie einige Mutige herausfanden. Eigentlich waren alle Voraussetzungen gegeben, um auf diesem Planeten eine Kolonie, eine neue Zivilisation zu gründen.

Doch der Schock saß so tief, dass keiner sich wirklich aufraffen konnte, etwas Sinnvolles zu tun.

Und dann waren da auch immer noch die Engel, denn keiner so recht traute.

Flanagan hatte faktisch noch immer das Kommando – das Kommando über was? Die Menschen lebten ohne Perspektive, und früher oder später musste es zu einem letzten großen Knall kommen.

Trotz aller Unlust hatte sich eine gewisse Routine eingestellt. Die Zeit des Sonnenaufgangs, mittags und abends zur blauen Stunde trafen sich die 13, um gemeinsam eine Mahlzeit einzunehmen und ein paar Worte miteinander zu reden. Es war eine harmlose Bemerkung vom Doc, die das Unglück auslöste.

„Wir sollten versuchen, die medizinischen Geräte und das Labor aus dem Schiff zu retten. Dann könnten wir anfangen Pflanzen und auch die Bodenschichten hier zu untersuchen“, schlug er praktisch vor.

Marsha Hamilton, die sich in den letzten Tagen sehr zurückgehalten hatte, sprang erregt auf. „Wollt ihr denn jede Hoffnung aufgeben, von hier wieder wegzukommen? Sollen wir die Erde denn ganz und gar vergessen?“ Regelrecht hysterisch rannte sie davon. „Frag doch diese himmlischen Wesen, die wissen doch alles. Und die sind schuld daran, dass wir hier festsitzen. Ich hasse euch! Ich will zurück nach Hause! Ich hasse euch!“ Sie riss die Waffe heraus und schoss auf die Engel. Natürlich konnte sie nichts ausrichten, die Astralwesen waren nicht auf diese Art zu verletzen. Aber die Frau war nicht mehr ansprechbar, sie drehte völlig durch.

Noch immer wild schießend rannte sie weiter auf die Schemen zu, Vincent hinterher, um sie aufzuhalten. Aber Marsha war schneller.

Azrael stand in seiner humanoiden Gestalt einsam da und schaute den beiden hinterher.

Irgendwann blieb Marsha stehen. Sie drehte sich um und starrte Flanagan entgegen, ihr Blick spiegelte Wahnsinn wider.

„Kommen Sie, Marsha, jetzt ist es genug. Geben Sie mir die Waffe, und dann lassen Sie uns zurückgehen.“

„Niemals!“ schrie sie auf. Dann legte sie die Laserpistole auf den Mann an und drückte ab. Er warf sich zur Seite, und schließlich blieb ihm nichts anderes mehr übrig, als selbst zu schießen.

Wie vom Blitz gefällt brach die Frau zusammen, die Waffe fiel ihr aus der Hand.

Vincent beugte sich zu ihr nieder, und wieder hatte er Tränen in den Augen.

Mit einem letzten klaren Blick schaute sie ihn an. „Warum, Marsha, warum?“ fragte er mit brüchiger Stimme. „Weil es kein Zurück mehr gibt!“ sagte sie, dann lag sie ganz still.

Flanagan trug sie auf seinen Armen zurück, um sie bei den anderen zu begraben. Rein zufällig bemerkte er, dass es jetzt nur noch 4 Engel waren.

*

Der Tod von Marsha hatte die Stimmung weiter absinken lassen. Tiefe Depression hatte die 12 Menschen ergriffen, und jeder Versuch der Engel die Menschen etwas aufzumuntern, schlug fehl. Stattdessen begannen sie untereinander wild zu diskutieren, ob es überhaupt noch einen Sinn hatte weiterzuleben. Schließlich eskalierten diese Auseinandersetzungen, so sehr der Commander sich auch bemühte seine restliche Crew zur Ordnung zu rufen. Wie schon bei Marsha kam es zu einer wilden Schießerei, und plötzlich gab es nur noch 5 Menschen und 3 Engel.

Die Situation wurde unhaltbar.

*

Vincent und die 4 anderen hatten sich dazu entschlossen, aus den Überresten des Raumschiffes eine Art Haus zu bauen. Mbotu Matabene, Doc Michaelis, Muriel Hanley und Patricia Baumann machten sich an die Arbeit, denn ein wolkenbruchartiger Regen hatte sie gelehrt, dass das Wetter nicht beständig war. Und außerdem hatte sowieso niemand etwas Besseres zu tun.

Zuerst ging alles gut, ab und zu klang sogar ein kleines Lachen auf, so als wären die Menschen auf dem Wege der Besserung. Man arbeitete Hand in Hand miteinander, und einige Tage später erhob sich ein regelrechtes Gebäude, denn die Außenhülle des Schiffes war formbar.

Der Doc hatte darauf bestanden, auch die medizinischen Instrumente zu retten, er wollte unbedingt Untersuchungen anstellen. Flanagan half ihm dabei, das empfand er als sinnvolle Aufgabe.

Mittlerweile machte sich der Commander auch Gedanken darüber, ob es nicht endlich an der Zeit war, sich um die Fortpflanzung zu kümmern.

Doch auch Matabene schien sich in dieser Richtung Gedanken gemacht zu haben, allerdings ohne seine Auserwählte zu fragen. Als er des Nachts in Patricias Zimmer ging, wehrte sich die Frau. Matabene sah plötzlich rot. Viel zu lange hatte er keine Frau gehabt, und dazu kam die Anspannung, von der sie noch alle erfüllt waren. In seinem Rausch brachte er Pat um.

Und Flanagan, der Doc und Muriel standen plötzlich vor der unangenehmen Aufgabe über Matabene zu Gericht zu sitzen.

*

In lässiger Haltung stand Mbotu Matabene vor den drei anderen, die ein Tribunal bildeten.

„Mir ist nicht ganz klar, auf welcher Rechtsgrundlage ihr hier ein Urteil sprechen wollt“, erklärte der Afrikaner mit Spott in der Stimme.

„Ist dir überhaupt bewusst, dass du getötet hast?“ fragte Muriel schockiert.

„Ich habe damit das Unausweichliche nur abgekürzt.“

„Und wer gibt dir das Recht dazu?“ fragte der Arzt.

„Das gleiche Recht, das du dir gerade anmaßt, um zu glauben, mich verurteilen zu können. Was wollte ihr denn mit mir tun? Mich in einem Erdloch gefangen halten, bis ich mich gebessert habe?“

„Ich finde nicht, dass deine Lage es dir erlaubt, das alles auch noch ins Lächerliche zu ziehen“, mischte sich nun auch Vincent ein.

„Meine Lage?“ Matabene hob die Augenbrauen und schaute die drei Personen mit offener Verachtung an. „Was erwartet ihr jetzt? Soll ich von Reue zerknirscht am Boden liegen und um eure Vergebung betteln? Oder soll ich mir einen Strick nehmen und mich aufhängen als Sühne?“

„Hast du denn gar kein Unrechtsbewusstsein?“ fragte Muriel traurig. „Pat war doch eine von uns.“

„Ich will dir mal was sagen, Muriel. Wir sind hier nur noch ein kleiner Haufen Verlorener, die darum bemüht sein sollten, sich die letzten Tage schön zu machen. Da sollten wir aufgesetzte Moralvorstellungen, eingebildete Rechtsgrundlagen oder was auch immer, beiseitelegen.“

„Du schlägst also allen Ernstes vor, völlig ohne Regeln zusammenzuleben? Das ist Anarchie.“

„Das ist Vernunft. Und nun lasst mich einfach in Ruhe. Ihr benehmt euch lächerlich.“

Plötzlich tauchte einer der Engel auf, den die anderen als Uriel kennengelernt hatten auf. „Bist du noch menschlich, Mbotu Matabene?“ fragte er provozierend. „Als du hierhergekommen bist, warst du es noch. Ein Mensch voller Ideale, der sogar noch einen Glauben an das Gute hatte, was auf der Erde längst nicht mehr zum Alltag gehörte. Was hat dich so verändert?“

„Die Tatsache, dass niemand eine Chance hat – dass das Gute keine Chance hat. Und jetzt geh!“

Er ging drohend auf Uriel zu, der aber nicht zurückwich Sein schimmernder Körper leuchtete grell, als Matabene ihn berührte.

Und dann erstarrte der Afrikaner in der Bewegung, seine Augen quollen aus den Höhlen, dann ächzte er und brach zusammen. Und mit ihm verschwand der Engel.

*

Drei Jahre später:

Vincent Flanagan und Muriel Hanley freuten sich über ihr zweites Kind.

Nach den schrecklichen Vorfällen hatten die drei Überlebenden zunächst in Schockstarre verharrt. Doch sie lebten, und irgendwie musste das Leben weitergehen. Es sei denn, sie wollten sich gleich selbst umbringen. Aber der Lebenswille der drei Personen war stark, zu stark, um einfach aufzugeben.

Vincent und Muriel hatten Gefallen aneinander gefunden, und sich als Paar zusammengetan. Der Planet bot alles, was sie brauchten, und so waren sie überein gekommen, eine Kolonie zu bilden, zumindest den Versuch zu machen. Doc Michaelis hatte nichts weiter im Kopf als seine Untersuchungen, er legte keinen Wert darauf, selbst Vater zu werden, doch er stand Muriel bei, als die Geburt herannahte.

Und nun hielt er schon das zweite Kind in den Armen. Es war doch wie ein Wunder. Und die beiden überlebenden Engel Azrael und Gabriel schauten ebenfalls zu, glücklich darüber, dass es doch noch eine kleine Hoffnung gab.

Als Ricardo Michaelis jetzt den Blick von dem kleinen Baby hob und in die humanoiden und doch nicht menschlichen Gesichter der Astralgestalten schaute, bekam auch seine Seele plötzlich wieder etwas menschliches. Und aus dem Nichts heraus entstand plötzlich ein weiterer Engel.

Noch waren die Menschen und die Engel nicht verloren.

-ENDE-

Copyright (c) 1999 by Margret Schwekendiek

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wer mehr von dieser Autorin lesen möchte sollte sich mal ihren letzten Roman aus der Rex Corda-Reihe anschauen:

Margret Schwekendiek & Manfred H. Rückert
Rex Corda 29 – Pakt mit dem Teufel

  • Broschiert: 204 Seiten
  • Verlag: Mohlberg Verlag; Auflage: 1 (Dezember 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942079445
  • ISBN-13: 978-3942079440

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Rex Corda und sein Todfeind Sigam Agelon wurden auf dem Sklavenmarkt von Saffir verkauft. Nun sollen die zukünftigen Gladiatoren zu ihrem Bestimmungsort gebracht werden. Die beiden Männer kämpfen gegen ihre Bewacher und fliehen. Doch schnell stellen sie fest, dass diese Flucht nur eine Farce ist, und dass ihnen nicht nur eine Gruppe folgt …

An Bord der WALTER BECKETT überschlagen sich die Ereignisse. Zuerst taucht eine Filmaufnahme auf, in der die beiden entführten Söhne von Ralf Griffith zu sehen sind. Dann behauptet ein Kadett, dass sich ein unbekanntes Raumschiff in der Nähe befindet. Als ihm niemand Glauben schenkt beschließt er, auf eigene Faust zu arbeiten …

Auf Ferga, der Heimatwelt der Laktonen, geschehen zwei noch nie zuvor erfolgte Anschläge gegen den Staat. Zuerst wird ein Attentat auf den Manduranen Samar Tarkannt verübt. Danach werden er und der Schenna, der Beherrscher des Laktonenreichs, entführt …

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Nicole C. Vosseler: In dieser ganz besonderen Nacht – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 19. März 2013

Nicole C. Vosseler
In dieser ganz besonderen Nacht

cbj
ISBN-13: 9783570155349
Fantasy, Jugendbuch (ab 12 Jahren)
Ausgabe 02/2013
Gebundene Ausgabe, 576 Seiten

www.cbj-verlag.de
www.nicole-vosseler.de/belletristik.html

Titel erhältlich bei Amazon.de
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Titel erhältlich bei ebook.de

Laut Süddeutscher Zeitung verlieren wir uns dank den literarischen Talenten von Vosseler in Raum und Zeit. Vosseler, die 1972 in Villingen-Schwenningen geboren wurde, studierte Literaturwissenschaften und Psychologie, widmet sich heute jedoch ganz dem Schreiben. Aus ihrer Feder stammen erfolgreiche Romane wie Sterne über Sansibar oder Der Himmel über Darjeeling. Ich selbst habe beispielsweise ihr Buch Südwinde im Regal. Und seit Kurzem auch ihren Fantasy-Jugendroman In dieser ganz besonderen Nacht.

Der handelt von der 16jährigen Amber, deren Mutter den Kampf gegen einen unheilbaren Gehirntumor verloren hat. Durch eine zuvor getroffene Sorgerechtsvereinbarung soll sie künftig bei ihrem Vater leben, zu dem jedoch zuvor kein allzu enger Kontakt bestand. Ted lebt zudem nicht in Deutschland, sondern in San Francisco. Gefangen in ihrem Schmerz erkennt Amber anfangs nicht, wie sehr sich ihr Vater um sie bemüht. An der neuen Schule fühlt sie sich ebenfalls nicht wirklich wohl, obwohl sie durchaus freundlich aufgenommen wird. Einzig mit Nathaniel freundet sie sich an. Ein Obdachloser, wie sie vermutet, etwas älter als sie, der in einem leer stehenden Haus lebt. Schon bald fühlt sie sich zu ihm hingezogen und auch Nathaniel ist ihr nicht ganz abgeneigt. Dennoch bleibt er auf Distanz. Als Amber erfährt, warum das so ist, droht sie völlig zusammenzubrechen. Hat der Tod ihrer Mutter Amber um den Verstand gebracht, oder ist Nathaniel wirklich ein Geist? Noch dazu einer, in den sie sich so einfach verlieben kann?

Dass er tatsächlich nicht lebendig aber auch nicht wirklich tot ist, stellt sich bald heraus, doch wie sollen die beiden jetzt zusammenkommen? Vor allem, was für Konsequenzen können sich daraus ergeben? Diese Fragen treibt nicht nur Amber um, sondern auch ihre kleine Clique, in der jeder eine ungewöhnliche Fähigkeit besitzt. Ebenso stellt sich natürlich die Frage, warum Nathaniel überhaupt zum Geist geworden sein könnte. Die Situation spitzt sich zu, als Amber und Nathaniel eine gemeinsame Nacht verbringen, in der alles anders ist als sonst.

Die Grundidee (Beziehung zwischen Mensch und übernatürlichem Wesen) ist grundsätzlich nicht ganz neu. Doch Vosseler hat sie gut und interessant umgesetzt. Und das sowohl für das jugendliche Zielpublikum als auch für ältere LeserInnen wie mich.

Gleich mehrere gleichwertige Handlungsstränge werden von der Autorin geschickt miteinander verwoben und steuern auf ein überraschendes Ende zu. Der eine Handlungsstrang dreht sich um den Tod von Ambers Mutter und ihre Trauer und Verzweiflung. Ein zweiter widmet sich um den Neuanfang in den Staaten mit ihrem Vater. Der dritte handelt von der sich anbahnenden Beziehung von Nathaniel und Amber. Der vierte wiederum von Ambers neuer Clique, in der alle nicht so ganz alltäglich sind und auf keine ganz einfache Vergangenheit zurückblicken müssen.  Größtenteils wird die Geschichte von Amber selbst erzählt, einige Kapitel jedoch auch von Nathaniel. Diese unterscheiden sich nicht nur die kursive Schrift gut vom Rest.

Eine solche Erzählperspektive bietet immer den Fallstrick, dass Emotionalität recht einseitig daherkommt, da man eben nur die Seite des Erzählers wirklich betrachten kann. Hinzu kommt, dass die Autorin detailverliebte Beschreibungen in die Geschichte eingearbeitet hat, die nicht wirklich zu ihrer Entwicklung beitragen. Dies trägt zu einer dichten und authentischen Hintergrundatmosphäre bei. Ungeduldige kann es jedoch stören, weil dadurch das Erzähltempo gedrosselt wird. Wer also eine schnelle Handlungsentwicklung liebt, sollte eventuell die Finger von dem Roman lassen.

Der letzte Absatz hört sich jetzt schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist. Richtige Längen gab es nicht für mich. Vosseler hat einen Roman geschaffen, in den ich tatsächlich recht schnell eintauchen und – wie schon der Verfasser des Zitats der Süddeutschen Zeitung formuliert hat – mich in Raum und Zeit verlieren konnte. Jedenfalls größtenteils, obwohl ich weit über der anvisierten Altersgrenze liege. Das war zum Teil gerade der detailverliebten Wortmalerei geschuldet. Obgleich ich noch nie in San Francisco war, konnte ich mir beispielsweise die Straßenzüge gut vorstellen, egal ob sie nun nebelverhangen oder glasklar beschrieben wurden. Allerdings hätte die eine oder andere Kleinigkeit einmal beschrieben gereicht. Vosselers Schreibstil liest sich darüber hinaus leicht, was über besagte Wiederholungen gut hinweghilft. Ihren Schreibstil mag ich auch deshalb, weil er nicht (wie in manch anderem Jugendbuch) gewollt jugendlich-cool ist und die Dialoge lebendig wirken.

Was mir ebenfalls gut gefällt, ist der Umstand, dass das spukige Fantasyelement nicht Ambers traurige und traumatisierende Vorgeschichte erschlägt und umgekehrt. Und dass Ambers Clique trotz ihrer Andersartigkeit eher bodenständig skizziert wird. In der Clique wird zwar das Geisterthema bzw. die Auswirkungen einer Beziehung zwischen Amber und Nathaniel diskutiert, jedoch größtenteils normal und nicht wie in anderen Romanen auf eine Art und Weise, die mich schon diverse Male dazu gebracht hat, die Augen zu verdrehen. Das geschieht nämlich immer dann, wenn niemand eine Ahnung von irgendwas hat, aber sofort mit einer superschlauen, pseudowissenschaftlich wirkenden Antwort auf Fragen aufwarten kann, die gerade erst aufgekommen sind. Vosselers Charaktere sind ein sympathischer, kunterbunter Mix. Letzteres sprichwörtlich, denn einer wechselt schneller seine Haarfarbe als mache Leute ihre Socken. Ihre Wünsche und Bedürfnisse wirken echt und nachvollziehbar, ebenso die Handlungen und Reaktionen.

Das Buch hat eine melancholisch-ernsthafte Grundstimmung, die nicht nur auf Krankheit, Verlust und Trauer fußt, sondern auch auf der eigentlichen Aussichtslosigkeit der Beziehung zwischen Amber und Nathaniel. Doch gerade diese Beziehung gibt Amber auch wieder Lebensmut und Freude zurück. Oder den Mut etwas zu wagen. Lässt sie Wünsche entwickeln, die allerdings wiederum für Probleme und die Sehnsucht nach mehr sorgen. Deshalb wagt sie In dieser ganz besonderen Nacht einen Schritt, der unerwartete Konsequenzen nach sich zieht.

Besagte Konsequenzen wiederum sorgen für einen kleinen Zwiespalt bei mir. Zum einen wirken einige Passagen letztendlich zu rosarot weich gespült. Das fiel mir vielleicht deshalb besonders auf, weil Nathaniels Vergangenheit und die Schuld, die er auf sich geladen hat, vollkommen gegensätzlich beschrieben werden. Zum anderen wirken sie jedoch auch durchaus tröstlich, gerade im Bezug auf die Verluste, die Vosselers Figuren durchleben müssen.

Fazit:

In dieser ganz besonderen Nacht hat mich nicht durch nervenzerreißende Spannung gefesselt, denn im Grunde kam die Geschichte mir trotz des traumatischen Einstiegs für Amber und des dramatischen Teils kurz vor dem Ende völlig unaufgeregt vor. Der Reiz kam für mich aus der emotionalen Grundnote und der dichten Atmosphäre. Und wurde geschürt durch den Tiefgang, den dieser Roman durchaus hat. Mit der Wendung ganz am Schluss hat mich die Autorin vollkommen überrascht, da meine eigenen Gedanken bereits in eine ganz andere Richtung gingen. Fantasievoll berührend – dafür möchte ich vier von fünf Punkten vergeben.

Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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Mark Hodder: Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack. Burton & Swinburne (Bd. 1) – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 17. März 2013

Mark Hodder
Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack
Burton & Swinburne (Bd. 1)

(sfbentry)
Originaltitel: The Strange Affair of Spring Heeled Jack (New York : Pyr/Prometheus Books 2010)
Übersetzung: Kristina Koblischke
Deutsche Erstausgabe (Paperback): Februar 2013 (Bastei-Lübbe-Verlag/Bastei Fantasy 20699)
527 S.
ISBN-13: 978-3-404-20699-5
eBook: Februar 2013 (Lübbe Digital)
1665 KB
ISBN-13: 978-3-8387-1887-3

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Das geschieht:

Wir schreiben das Jahr 1861 in einem ‚alternativen‘ London: Queen Viktoria ist schon vor vielen Jahren durch ein Attentat gestorben, dampfbetriebene Fahrzeuge beginnen die Pferdefuhrwerke zu verdrängen, und dank enormer Fortschritte in den Naturwissenschaften ist es u. a. möglich, genetisch ‚aufgerüstete‘ Haustiere als Diener und Boten zu beschäftigen. Das britische Empire ist bereits eine Weltmacht, die sich stetig weiter über den Globus ausdehnt. Forschungsreisende und Soldaten erforschen und besetzen ferne Länder auf exotischen Kontinenten. Zu den großen Entdeckern gehört Sir Richard Francis Burton, der allerdings in die Kritik geraten ist, nachdem er sich einen unwürdigen Streit mit seinem ehemaligen Freund John Speke um die Entdeckung der Nilquellen lieferte und dieser sich – offenbar in die Enge getrieben – eine Kugel in den Kopf geschossen hat.

Nichtsdestotrotz bietet die Regierung Burton einen Posten an. Als Agent für besondere Fälle greift er dort ein, wo Polizei und Scotland Yard überfordert sind. Aktuell geht es um das Auftreten von Werwölfen, die in den Slums von London ihr Unwesen treiben. Ebenso bedenklich ist das Auftreten einer bizarren Gestalt, die der Volksmund „Spring Heeled Jack“ getauft hat. Nachdem er sich viele Jahre nicht mehr gezeigt hat, ist Jack wieder aktiv. Auch Burton macht bald seine Bekanntschaft, wird von ihm bedroht und zur Aufgabe seiner Pläne aufgefordert, die Burton selbst freilich unbekannt sind: Jack spricht offensichtlich mit einem anderen, in der Zeit fortgeschrittenen Burton.

Unterstützt von seinem hektischen Assistenten, dem Dichter Algernon Swinburne, setzt Burton seine Ermittlungen fort. Er kommt nicht nur einem bizarr fehlgeschlagenen Experiment auf die Spur, das 300 Jahre in der Zukunft begann, sondern stellt auch fest, dass sich Verschwörer gegen das Empire zusammenrotten, denen Spring Heeled Jack unwissend in die Hände (und Klauen) arbeitet. Zu unguter Letzt muss Burton über nichts Geringeres als den Verlauf der Weltgeschichte entscheiden …

Große Ursachen, gewaltige Wirkungen

Schon vor der Erfindung der Science Fiction wurde mancher kluger Kopf über der Frage zerbrochen, was wäre, wenn …, wobei die drei Pünktchen ein Ereignis der Weltgeschichte ersetzten, das aus irgendeinem Grund nicht stattgefunden oder einen gänzlich unerwarteten Lauf genommen hatte. Jede Ära hatte diesbezüglich ihre Favoriten, und alternative Historien schossen mal fantasievoll, mal sachlich ins Kraut.

Mark Hodder macht den Knackpunkt seiner Version der (englischen) Geschichte lose aber symbolträchtig am Tod von Queen Viktoria fest. Realiter regierte sie beinahe 64 Jahre über ein Land, das in dieser Zeit zum globalen, über ein Fünftel der Erde herrschenden Empire heranwuchs. Hodder lässt Viktoria wenige Jahre nach der Krönung sterben. An ihrer Stelle sitzt im Jahr der Handlung 1861 Witwer Albert auf dem englischen Thron.

Das viktorianische Zeitalter fällt also aus. Weil Technik und Naturwissenschaften nicht wie in der Realität durch die Kirche eingeschränkt werden, haben sie bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Hodder schwelgt in einer für den „Steampunk“ typischen, weil altertümlichen Lowtech, die nicht von moderneren Errungenschaften abgelöst, sondern stetig fortentwickelt wurde. Folgerichtig wird der Motor des Fortschritts durch Dampf angetrieben, der erstaunliche Apparate antreibt. Hinzu kommen frühe Durchbrüche in einer noch nicht wirklich verstandenen aber bereits gemeisterten Genetik. Über die Schöpfung ‚intelligenter‘ Haustiere wie der elektrostatisch aufgeladenen „Kehrkatze“ oder dem „Botensittich“ ist man schon hinaus; der Mensch selbst kann sich ‚verbessern‘ lassen.

Der Mensch hinkt hinterher

Mit dem stürmischen Fortschritt konnte der Verstand nur bedingt Schritt halten. Politisch, wirtschaftlich und sozial ist England der Feudalzeit noch immer näher als der Moderne. Oben herrscht unangefochten der Adel, die konservative Mitte dominieren Kaufleute, Händler und Fabrikanten, und alle lasten sie über einer in Sachen Aufstieg weitgehend chancenlosen Unterschicht, deren Angehörige entweder als Arbeitstiere oder als Last für den ehrlichen Mann behandelt werden.

Die inneren Spannungen werden durch die Spaltung der Gesellschaft in „Technokraten“ und „Libertins“ verschärft. Die einen sehen das Heil in der weiteren Forcierung von Wissenschaft und Technik, die anderen drängen auf das Primat von Kunst und Philosophie und fordern eine geistige Freiheit, welche der herrschenden Klasse nicht grundlos gefährlich erscheint, stellt sie doch ihre Macht- und Moralansprüche in Frage.

Mark Hodder greift zur Schilderung einer turbulenten Vergangenheit einfallsstark auf die Realität zurück. Er deutet Fakten um und verknüpft sie neu, bis eine alternative Historie entsteht, die gleichermaßen vertraut und unterhaltsam fremd erscheint. Vor dem farbenfrohen Hintergrund verblasst glücklicherweise die Erkenntnis, dass der Plot sich in seinem Rahmen manchmal verliert: „Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack“ ist eine recht simple, an Wiederholungen und Abschweifungen reiche Geschichte, die zugunsten mancher bizarren Episode ausgesetzt wird und erst in der zweiten Hälfte Fahrt aufnimmt.

Phantom mit Sprungfedern

Dann allerdings entwickelt die Handlung einen Sog, der den Leser nicht mehr freigibt. Hodder spinnt nicht nur ein spannendes Garn, sondern er legt auch das Fundament für eine ganze Serie weiterer fantastischer Abenteuer. Die Begründung für den alternativen Zeitstrang, dem diese entspringen werden, kleidet der Autor geschickt in einen Plot, der auf seine kuriose Weise funktioniert, solange man ihn nicht allzu nüchtern bzw. logisch hinterfragt. Vor allem Wahnsinn ist kein raffiniertes Spannungselement. Der Zeit und dem Schauplatz ist er freilich angemessen, denn in der viktorianischen Literatur brannten vor allem den Bösewichten gern die Sicherungen durch: Auf diese Weise konnten sie begründet ihrem schändlichen, unwürdigen (und verwerflich unterhaltsamen) Tun nachgehen.

Wer „Spring Heeled Jack“ war oder ob es ihn überhaupt jemals gegeben hat, ist bis heute nicht geklärt. Womöglich hat ein gelangweilter englischer Adelsmann – den Hodder als eine zentrale Figur aufgreift – in Verkleidung seine groben ‚Späße‘ mit dem schockierten plebs getrieben, vielleicht ist Jack nur ein urbaner Mythos wie die giftige südamerikanische Spinne, die in jeder tausendsten Bananenstaude lauert. Mark Hodder hat jedenfalls gründlich recherchiert und quasi jede historische ‚belegte‘ Sichtung von Spring Heeled Jack für seine Geschichte adaptiert.

Die Herausforderung wusste Hodder selbst zu steigern, indem er Jack von der Chronologie der Ereignisse befreit. Anfangs stürzt dies den Leser in Verwirrung, da Jack im Wahn zu plappern scheint. Erst nach und nach enthüllt sich Jacks eigene Geschichte. Plötzlich sind es Burton & Co., die durch einen gestörten Zeitablauf intellektuell überfordert werden.

Held mit Kanten

Mit Richard Francis Burton (1821-1890) findet Hodder die perfekte Hauptfigur. Der ehemalige Weltenbummler und Forscherheld ist reisemüde geworden und leidet auch gesundheitlich unter den Nachwirkungen einer rauen Lebensführung. Aus Burton, dem Entdecker, wird Burton, der Geheimagent. Im Laufe seiner neuen Tätigkeit muss Burton freilich lernen, dass London, seine Heimatstadt, es mit den Schrecken Afrikas mühelos aufnehmen kann.

Vor allem in den Slums ist es Burton nützlich, sich seiner Reiseerfahrungen zu bedienen. Hodder muss nicht übertreiben, wenn er eine Hölle entfesselt, die Menschen ohne den Schutz eines sozialen Netzes erbarmungslos verschluckt. Ausbeutung, Krankheit, Schmutz, Unwissen, Brutalität … – Hodder weiß die Kette der zum Himmel schreienden zeitgenössischen Ungerechtigkeiten durch gut gewählte Beispiele zu verdeutlichen. (Sicherlich im Gedächtnis haften bleiben wird die Beschreibung, wie man einen engen Schornstein mit Hilfe einer lebenden Gans reinigt.) London, die Stadt, weist 1861 mindestens so viele ‚weiße Flecken‘ und menschliche Wildnis auf wie die Weltkarte.

Um Burton, den eisenharten und seinem Job durchaus gewachsenen Helden, ein wenig menschlicher wirken zu lassen, stellt ihm Hodder einige weniger schlagkräftige Genossen an die Seite. Vor allem Algernon Charles Swinburne (1837-1909) fällt aus dem Rahmen. Er repräsentiert die ‚dekadente‘ Seite der viktorianischen Ära, deren angebliche Sittenstrenge vor allem durch bigotte Heuchelei und Verdrängung möglich wurde. Swinburne wird bei Hodder zum unkonventionellen Streitgenossen, der gerade deshalb hilfreich ist, weil sein sprunghaft arbeitendes Hirn logikferne und deshalb den Gegner überraschende Ideen ausbrütet.

Das Bizarre realistisch auf die Spitze treiben

Spring Heeled Jack ist keineswegs der einzige Schurke. Zwar lebt Queen Viktoria nicht mehr, doch die Schurken halten sich trotzdem an den viktorianischen Kodex: Sie sind nicht nur böse, sondern es spiegelt sich auch in ihrem Aussehen und Auftreten wider. Ein besonderes Vergnügen ist es, ‚positiv‘ besetzte Gestalten der Geschichte wie Charles Darwin, die Medizin-Pionierin Florence Nightingale (1820-1910) oder den Naturforscher Francis Galton (1822-1911) als genialische Irre zu erleben, die ihre Theorien schauerlich in die Tat umsetzen.

Das Finale ist spektakulär und deutet die Fortsetzung bereits an, denn nicht alle Lumpen konnten erwischt werden. Die beiden Zeitlinien bleiben voneinander getrennt und werden vermutlich weiter auseinanderdriften. Auf die daraus resultierenden Entwicklungen darf man als Leser gespannt sein – und ist es auch.

Die Seiten der schönen deutschen Paperback-Ausgabe mit Klappenbroschur sind zwar vergleichsweise spärlich und unter großzügigem Einsatz von Leerflächen bedruckt, doch dies wird mindestens durch die gelungene Übersetzung dieser gleichermaßen farbenfroh wie düster gezeichneten Geschichte ausgeglichen.

Autor

Mark Hodder studierte Kulturwissenschaften und arbeitete als Journalist, Redakteur, Web-Produzent und Autor für die BBC in London. 2008 ordnete er sein Leben neu und zog ins spanische Valencia, wo er sich als Lehrer und Schriftsteller niederließ. 2010 veröffentlichte Hodder den ersten Teil einer dem „Steampunk“ zuzurechnenden Serie um den Entdecker und Abenteurer Richard Francis Burton. Sein Wissen über und seine Liebe zur viktorianischen (Kultur-) Geschichte unterstrich Hodder bereits zuvor mit einer ebenso kenntnisreich wie liebevoll gepflegten Website über den frühen Groschenheft-Detektiv Sexton Blake.

Mark Hodder im Internet.

Kurzkritik für Ungeduldige: In einer alternativen „Steampunk“-Vergangenheit spürt Entdeckter Richard Burton mysteriösen Spukgestalten nach und kommt einer Verschwörung auf die Spur, deren Mitglieder sogar die Zeit selbst manipulieren … – Start einer Serie, die nach bewährtem Muster Geschichte, Horror und Science Fiction mischt und daraus abenteuerliche Unterhaltung destilliert: kein nahrhaftes aber leckeres Lesefutter mit Appetitanreger.

[md]

Titel bei Buch24.de
Titel bei ebook.de
Titel bei Booklooker.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte, einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Die Regierung bietet Burton einen Posten an, als Agent für besondere Fälle greift er dort ein, wo Polizei und Scotland Yard überfordert sind. Aktuell geht es um das Auftreten von was? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!


GEWINNER: Sophie Quellmann, Gracia Schweisgut, Gretje Arbeiter. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND SPONSOREN!

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SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 2) – Phantastische Erzählung von Magret Schwekendiek

Erstellt von Margret Schwekendiek am 16. März 2013

SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 2)

Phantastische Erzählung

von Magret Schwekendiek

(Zurück zum 1. Teil)
Der Krieg, der auf der Erde tobte, würde ganz sicher der letzte sein. Sollte jemand dieses gegenseitige Abschlachten überleben, würde er bestimmt nicht mehr den Wunsch haben, gegen jemanden zu kämpfen.

Aber wer sollte schon überleben?

Die Menschheit hatte immer schon viel Wert darauf gelegt, dass praktisch alle ihre Erfindungen waffentechnisch verwertbar waren. Und um Material zu schonen, das sicher später irgendwo noch dringend gebraucht wurde, hatten sich beide Seiten auf Neutronenwaffen festgelegt. Diese Art der Vernichtungsstrahlen tötete nur lebende Wesen, jegliche Art von Material blieb erhalten, das schonte die Ressourcen der ausgebeuteten Erde. Menschen waren leichter reproduzierbar, man war dazu übergegangen, Menschen zu klonen, und die Regierungen hatten Geburtsprämien ausgelobt und Gebärkolonnen eingerichtet, wie auch Aufzuchtstationen, in denen die reproduzierten Wesen gleich konditioniert wurden. Selbst 14jährige zogen mittlerweile in diesen Krieg, der so sinnlos war und den eigentlich niemand wirklich wollte – bis auf einige machtbesessene alte Männer, die auf geheimnisvolle Weise die Fähigkeit hatten, die Menschen immer noch zu beeinflussen.

Einer von ihnen war der Präsident des Euro-Afrikanischen Volksbundes. Er machte sich schon längst keine Illusionen mehr, dass jemand diesen Krieg gewinnen konnte. Doch es war zu spät aufzuhören, in diesem Punkt würde niemand auf ihn hören, sollte er verrückt genug sein, ihn überhaupt anzusprechen.

Irgendwo hatte er sich ein bisschen Menschlichkeit bewahrt, und es tat ihm weh, dass selbst Kinder als Kanonenfutter herhalten mussten. Doch ein schneller Tod war sicher das Beste. Die Menschheit war verloren, sie hatte sich selbst zerstört, und sie verdiente es einfach nicht, noch weiter zu existieren, jedenfalls nicht in dieser Form. Er war entschlossen, die endgültige Entscheidung auf sich zu nehmen.

Seine Gedanken glitten ab zu den 200 Menschen an Bord der „Fair Lady“. Vielleicht hatten sie einen idyllischen neuen Planeten gefunden, vielleicht kehrten sie aber auch eines Tages zurück.

Er setzte sich an seinen Schreibtisch, überblickte die Monitorwand, auf der sämtliche Kriegsschauplätze im Überblick zu sehen waren, dann begann er einen Brief zu schreiben.

Lange suchte er nach Worten, die ihm jetzt nicht kommen wollten – dann schaute er noch einmal aus dem Fenster auf die zum Teil zerstörte Stadt. Er fühlte, dass seine Entscheidung richtig war.

*

Hysterisches Gelächter klang auf, es kam aus der Richtung von Marsha. „Engel?“ prustete sie. „Engel? Klar! Und drüben um die Ecke wohnt der Teufel, und morgen kommt Gott zum Kaffeetrinken.“ Sie hörte sich an, als wollte sie jeden Augenblick in Wahnsinn verfallen.

„Halten Sie den Mund!“ befahl Flanagan scharf. Und wirklich, sein Tonfall bewirkte, dass die Frau sich darum bemühte, die Fassung wieder zu erlangen.

„Das ist eine ziemlich kühne und absurde Behauptung“, sagte Vincent dann in die Richtung, in der er Azrael vermutete.

Plötzlich schien die bislang undurchsichtige Blase milchig zu werden, schemenhaft entstanden Konturen außerhalb, und Vincent griff an seine Augen, um sie zu reiben. Konnte er das glauben, was er zu sehen vermeinte, oder handelte es sich um ein Trugbild?

Die Schemen außerhalb der Blase waren nur entfernt menschenähnlich, sie schienen einen Kopf zu besitzen und auch vier Extremitäten. Doch einen Körper hatten sie nicht in dem Sinn wie die bekannten Lebewesen. Stattdessen erinnerten sie Flanagan an die Erzählungen über Gespenster. Astralkörper vermerkte er für sich selbst. Fast durchsichtig, ätherisch, blendend weiß. Und sie wirkten überirdisch schön!

Vincent hätte sie stundenlang anschauen können, ohne dessen überdrüssig zu werden. Energisch rief er sich selbst zur Ordnung.

In diesem Augenblick bemerkte er, dass einige der Engel verschwanden, einfach so. Sie lösten sich auf, als habe es sie nie gegeben.

Azrael schien der Wortführer der Engel zu sein, denn wieder war er es, der jetzt mit den Menschen sprach. Nachsicht und leichte Ironie, aber auch eine tiefe Trauer schienen mitzuschwingen, und der Commander stellte erstaunt fest, dass er die Worte nicht wirklich hörte – er empfand sie einfach in seinem Kopf.

Also waren die Engel Telepathen? Vielleicht! Gemessen an den vermeintlich technischen Möglichkeiten, mit denen sie die Menschen in den Blasen festhielten, war wohl auch nicht auszuschließen, dass es sich um einen technischen Vorgang handelte, statt um Telepathie. Demnach wären die Menschen, trotz aller Fortschritte der letzten zweihundert Jahre, hoffnungslos unterlegen.

„Es mag für dich kühn oder absurd sein, Vincent Flanagan, doch noch ist es eine Tatsache.“

„Noch?“

Einer der Astralkörper kam jetzt näher, formte sich zu einer Gestalt mit einem Gesicht, in dem zwei tiefdunkle Augen ins Nichts zu führen schienen, und schaute den Commander plötzlich aufmerksam an. „Zur Zeit wissen wir noch nicht recht, wie wir auf euer Erscheinen richtig reagieren sollen. Und bis eine Entscheidung gefallen ist, müsst ihr noch innerhalb der Schutzhüllen bleiben – zu unserem und zu eurem Schutz. So haben wir also Zeit, und ich will euch einen Teil unserer Geschichte erzählen, weil die meisten von euch nichts darüber wissen – leider.“

Vincent wollte Fragen stellen, doch Azrael machte eine Bewegung mit der Hand. Weiß war diese Hand und sehr schön – aber eindeutig nicht menschlich, und der Commander schwieg.

„Es ist schon sehr lange her, dass die Menschheit zum erstenmal an ein höheres Wesen glaubte, ob ihr es nun Gott nennen wollt, oder wie auch immer…“

*

„Einst gab es eine Zeit, da gab es viele Götter auf der Erde. Die Chinesen hatten die ihren, die Inder und viele andere Völker ebenso. Dann ging der Stern des griechischen Volkes auf, und es gab die sogenannten antiken Götter: Zeus, Hera, Apollo, Aphrodite, Hermes und ihre Genossen. Diese Götter wurden nach dem verheerenden Trojanischen Krieg nach Rom gebracht und bekamen dort neue Namen. Und doch waren es noch immer die gleichen Götter, aber noch in Griechenland hatten sie eine Besonderheit aufzuweisen gehabt: Sie hatten Kontakt zu den Menschen. Sie erschienen ihnen, sprachen mit ihnen und griffen manchmal sogar in die Geschichte der Menschheit ein.

Dann kam die Zeit, da die Menschen den christlichen Glauben entdeckten, er verbreitete sich mit rasender Schnelligkeit durch die ganze Welt und verdrängte auch so starke und alteingesessene Gottheiten wie die Nordischen unter Odin, Thor und Loki.

Und hier im christlichen Glauben tauchte dann zum erstenmal als reales Abbild der Begriff der Engel im Bewusstsein der Menschen auf.

Sicher, auch die jüdische Religion hatte bereits Engel gekannt, sie hatten den Namen sogar geprägt – doch die Wahrnehmung der Engel durch die Menschen erhielt seine besondere Bedeutung erst durch die Verankerung ihrer Vermittlerrolle zu dem Einen – zu einem einzigen Gott.

So war aus uns vielen einzelnen, oft regionalen, Göttern plötzlich ein Sammelbegriff geworden, der uns eine Prägung gab. Wir Engel wurden angerufen, mit Bitten überhäuft, belogen, betrogen, angefleht, wir waren vorhanden – die Menschen glaubten an uns, und dadurch wurden wir zu einer Manifestation. Und keiner von euch machte sich Gedanken darüber, wie wir nun wirklich entstanden sind.

Dabei ist es einfach. Wir sind keine Geschöpfe aus Seiner unendlichen Allmacht, wer auch immer Er sein mag – nein, wir sind manifestierte Gedanken – Menschengedanken. Zuerst wirklich nur als regionale Gottheiten, später, in unserer hohen Zeit, als planetenumspannender Machtfaktor, gleich nach dem Einen.

Doch mit der Weiterentwicklung der Menschheit, der Eroberung des Weltraums und der unersättlichen Neugier wuchsen Misstrauen, Abneigung und Unglaube.

Natürlich, die Astronauten hatten weder den Einen noch uns gefunden, wie sollten sie auch, da wir Astralwesen sind und sicher keine Wohnung brauchen.

Also konnte es schon für viele Menschen aufgrund dieser vermeintlichen Tatsache keine Engel geben. Und damit starben bereits ganze Heerscharen von uns, sie lösten sich einfach auf.

Im Laufe der Zeit mussten wir feststellen, dass der Unglaube unter den Menschen sich immer mehr ausbreitete, und dass damit immer mehr von uns verschwanden. Dazu kamen die Kriege, die ihr euch selbst angetan habt, sie dezimierten uns weiter.

Und schließlich fassten wir einen Beschluss. Ein jeder von uns suchte den Menschen auf, dessen Herz noch für ihn schlug. Fragt nicht, wie das vor sich ging, auch wir brauchen unsere Geheimnisse.

Doch wir mussten zu unserem Leidwesen feststellen, dass wir als Rasse, als Wesenheit, als was auch immer, im Aussterben begriffen waren. Und das, wo wir die Erde fast ebensolange bevölkerten wie die Menschen selbst.

Nein, das wollten wir nicht. Wir wollten nicht einfach so im Nichts verschwinden, nur weil sich die Prioritäten der Menschen geändert hatten und sie nur noch an sich selbst glaubten.

Wohin das führt, erlebt ihr gerade jetzt, denn die Menschheit ist dabei sich selbst auszulöschen.

Aber das müsst ihr uns doch nicht auch antun!

Also beschlossen wir, uns völlig von den Menschen zu lösen, in den Weltraum zu gehen und uns dort ein neues Volk zu suchen, das bereit ist, an uns zu glauben, in welcher Form auch immer.

Also sandten wir Impulse aus, nachdem wir zunächst einmal diesen Planeten fanden, der für Lebewesen zu einem Paradies werden kann.

Es lag nicht in unserer Absicht, die Steuerung eures Schiffes zu verwirren und es damit zum Absturz zu bringen. Nein, wir wollten ja gar nichts mehr mit euch zu tun haben, denn erst, wenn wir ein anderes Volk finden, das uns quasi adoptiert, ist unser Überleben gesichert.

Jetzt, da ihr Menschen hier seid, stehen unsere Chancen schlecht. Denn mit jedem von euch, der stirbt, mg er nun auf der Erde sein oder hier, geht auch einer von uns. Und so sind uns die Hände gebunden, im übertragenen Sinne, denn wir wissen nicht, was wir mit euch tun sollen. Wir können euch nicht töten – wir können euch aber auch nicht einfach wieder davonfliegen lassen, denn ihr würdet unser Geheimnis in die Welt hinaustragen.

Du siehst, Vincent Flanagan, es ist eine lange, traurige Geschichte, die noch immer kein Ende gefunden hat. Schau nur…“ Bei den letzten Worten von Azrael lösten sich gerade wieder einige der Gestalten im Nichts auf.

Der Commander, wie auch die übrigen Besatzungsmitglieder, hatten ungläubig zugehört, doch während der Erzählung war den meisten klar geworden, dass jedes Wort stimmte, das Azrael von sich gab.

Insgeheim überprüfte so mancher sein Gewissen, nur um festzustellen, dass der Glaube an Engel bei den meisten gegen Null tendierte.

Doch als die Lichtgestalten sich so plötzlich auflösten, geschah das zeitgleich mit dem Tod einiger von ihnen.

Das konnte kein Zufall sein.

Aber was sollte nun weiter geschehen?

„Vorausgesetzt, ich glaube dir diese wirklich phantasievolle Geschichte“, begann der Commander nun und sah, wie ein trauriges Lächeln in dem androgynen Gesicht von Azrael auftauchte. „Was habt ihr dann also mit uns vor? Ihr könnt uns nicht für immer in diesen Hüllen gefangen halten. Schon jetzt sterben meine Leute, weil sie nicht ärztlich versorgt werden. Du beschwörst damit doch auch die weitere Vernichtung deines Volkes, oder wie immer du es nennen willst, herauf.“

Der Engel nickte traurig. „Ja, das ist uns allen klar. Aber niemand von uns kann vorhersagen, was geschieht, wenn ihr Menschen und wir Astralgestalten aufeinandertreffen.“

„Und du hast nicht den Mut es auszuprobieren? Du lässt es eher zu, dass nach und nach ein jeder von uns und von euch stirbt?“

„Meine Brüder und ich werden darüber nachdenken.“ Mit diesen Worten zog sich der Engel zurück, das heißt, er wurde ganz einfach zu einem verwehenden Schleier.

„Und jetzt?“ Marsha Hamilton schien noch immer am Rande der Hysterie. „Commander, Sie glauben doch hoffentlich kein Wort von diesem Blödsinn? Es ist doch ganz eindeutig klar, dass es sich hier um ein technisch überlegenes Volk handelt, von dem wir nicht wissen, ob es uns freundlich gesinnt ist. Aber wenn es uns gelänge, uns zu befreien und an die technischen Geheimnisse…“

„Schluss jetzt!“ befahl Flanagan. „Marsha, Sie reden Unsinn. Haben Sie hier irgendwo etwas gesehen, das auch nur im Entferntesten wie Technik aussieht? Selbst, wenn Sie die Erzählung Azraels in Zweifel ziehen, so stellen Sie doch bitte keine haarsträubenden Theorien auf, die Sie mit nichts unterlegen können. – Doc, haben Sie eine Möglichkeit gehabt, auf Ihren Instrumenten etwas abzulesen?“

Ricardo Michaelis räusperte sich. „Meine Anzeigen besagen, dass da im Prinzip nichts ist – oder fast nichts.“

„Das ist keine konkrete Auskunft, Doc. Wie wäre es, wenn Sie sich zu einer verständlichen Antwort hinreißen ließen?“ fragte der Commander mit einem bissigen Unterton, der allen Anwesenden klar machte, unter welchem Druck der Chef stand.

„Ich habe Energieströme festgestellt, sogar regelrechte Kumulationen, Sir“, gab der Mediziner steif zurück.

„Na also, das ist doch schon etwas. Mbotu, Sie sind so still. Hat es Ihnen die Sprache verschlagen? Was ist Ihre Meinung dazu?“

„Sir, ich neige dazu, allein schon aufgrund meiner Herkunft und meines Rassengedächtnisses, den Bericht für wahr zu halten.“

Marsha prustete wieder einmal auf, doch ihr hysterisches Gelächter ging in ein hilfloses Weinen über. „Ich bin von Verrückten umgeben, die an Engel glauben. Und deswegen werden wir alle sterben.“

Vincent wusste nicht recht, ob er Marsha anschreien oder trösten sollte. Diese verdammte Hilflosigkeit!

Und dann glaubte er seinen Augen nicht zu trauen, als von den Hüllen, die sie bisher umgeben hatten, plötzlich nichts mehr da war.

Die Engel gingen das Risiko ein, die Menschen auf ihrem Planeten frei zu lassen.

(wird fortgesetzt!)

Copyright (c) 1999 by Margret Schwekendiek

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

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Margret Schwekendiek & Manfred H. Rückert
Rex Corda 29 – Pakt mit dem Teufel

  • Broschiert: 204 Seiten
  • Verlag: Mohlberg Verlag; Auflage: 1 (Dezember 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942079445
  • ISBN-13: 978-3942079440

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Rex Corda und sein Todfeind Sigam Agelon wurden auf dem Sklavenmarkt von Saffir verkauft. Nun sollen die zukünftigen Gladiatoren zu ihrem Bestimmungsort gebracht werden. Die beiden Männer kämpfen gegen ihre Bewacher und fliehen. Doch schnell stellen sie fest, dass diese Flucht nur eine Farce ist, und dass ihnen nicht nur eine Gruppe folgt …

An Bord der WALTER BECKETT überschlagen sich die Ereignisse. Zuerst taucht eine Filmaufnahme auf, in der die beiden entführten Söhne von Ralf Griffith zu sehen sind. Dann behauptet ein Kadett, dass sich ein unbekanntes Raumschiff in der Nähe befindet. Als ihm niemand Glauben schenkt beschließt er, auf eigene Faust zu arbeiten …

Auf Ferga, der Heimatwelt der Laktonen, geschehen zwei noch nie zuvor erfolgte Anschläge gegen den Staat. Zuerst wird ein Attentat auf den Manduranen Samar Tarkannt verübt. Danach werden er und der Schenna, der Beherrscher des Laktonenreichs, entführt …

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SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 1) – Phantastische Erzählung von Magret Schwekendiek

Erstellt von Margret Schwekendiek am 9. März 2013

SIE SIND NUR MENSCHEN (Teil 1)

Phantastische Erzählung

von Magret Schwekendiek

„Keine Reaktion!“ Die Stimme des Navigators Pierre Claudrine klang gepresst und resigniert.

Natürlich keine Reaktion. Seit Tagen schon versuchte die gesamte Besatzung der „Fair Lady“, des letzten großen Forschungsraumschiffes der Erde, irgendeine Reaktion des Bordcomputers zu erzwingen. Nutzlos! Jedes Bemühen war zum Scheitern verurteilt, seit diese merkwürdigen Signale aus den Tiefen des Alls aufgefangen worden waren. Und seit genau diesem Zeitpunkt reagierte in diesem Raumschiff keine Eingabeeinheit mehr. Alle Bemühungen der Menschen, die aus Raumsoldaten, Wissenschaftlern und technischem Personal bestand, wurden von der Zentralen Steuereinheit ignoriert. Statt weiter dem vorgegebenen Kurs zu folgen, um Planeten und Asteroiden ausfindig zu machen, die der ausgebluteten Erde neue Rohstoffe bescheren konnten, hatte der Bordcomputer eigenmächtig den Kurs geändert.

Laut der Anzeige der Instrumente flog die „Fair Lady“ jetzt auf den Ursprungsort der Signale zu und ließ sich durch nichts davon abhalten. So war es auch nicht viel mehr als ein neuer verzweifelter Anlauf gewesen, den Pierre unternommen hatte, von vornherein schon ohne große Hoffnung auf Erfolg.

Vincent Flanagan, der Kommandant der „Fair Lady“, biss sich auf die Unterlippe. Gab es denn wirklich keine Möglichkeit, diesen Sog von außen abzuschalten, zu umgehen – was auch immer? Es konnte und durfte nicht sein, dass jemand von außen die Kontrolle übernahm, das konnte unabsehbare Folgen haben – hatte es eigentlich schon.

Schon jetzt waren einige der Leute hysterisch geworden, und Doktor Ricardo Michaelis, der Schiffsarzt, hatte alle Hände voll zu tun, er war immer wieder dazu gezwungen, zu starken Psychopharmaka zu greifen, um eine Massenpanik zu verhindern.

Dabei hatte man doch auf der Erde so sehr darauf geachtet, keine psychisch labilen Menschen auf diese lange Reise zu schicken.

Die Erde! Flanagan dachte voller Sehnsucht an seinen Heimatplaneten, obwohl es hier an Bord doch wesentlich sicherer war.

Vor einigen Jahren hatten sich die Machtverhältnisse grundlegend verschoben, Europa und Afrika hatten sich zu einem Volksbund zusammengeschlossen, die beiden Amerika bildeten den Gegenpol, die asiatischen Staaten, einst wegen ihrer Wirtschaftsmacht gefürchtet, angesehen und auch gehasst, waren in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Doch die Menschen der Erde schienen nicht für ein friedliches Zusammenleben gemacht, die beiden großen Machtblöcke bekämpften sich bis aufs Blut, was dadurch verschärft wurde, dass die äußerst knappen Rohstoffe auf der Erde bedrohlich zur Neige gingen.

Statt zusammenzuarbeiten hatte man sich jedoch zu einem Krieg entschlossen, und ein Sieger stand noch längst nicht fest.

Aber diese Dinge waren es nicht, die dem Commander durch den Kopf gingen, nein, er hatte sich das letzte Bild der Erde bewahrt, als er aufgebrochen war zu seinem langen Flug; die Erde wie ein leuchtend blauer Diamant im All schwebend, so strahlend, so vertraut.

Er riss sich selbst aus seinen Gedanken, Sentimentalität brachte nichts.

Ein Ausruf aus der Ortungszentrale forderte seine Aufmerksamkeit. „Ein Planet, Sir, er scheint plötzlich aufgetaucht zu sein, wie aus dem Nichts. Und von dorther kommen die Signale.“

„Planeten können sich nicht verstecken“, klärte er Muriel Hanley bissig auf, doch die winkte ab. „Sie können sich den Verlauf der Ortung gerne selbst ansehen, Sir, dieser Planet war vorher nicht da, und die Signale schienen bisher aus dem Nichts zu kommen.“

Ob er wollte oder nicht, es war eine Tatsache, und sie fügte sich nahtlos ein in das Rätselraten um diese merkwürdigen Signale.

„Halten Sie es im Auge und informieren Sie mich über Veränderungen“, befahl er, und die Ortungsspezialistin nickte.

Im nächsten Augenblick ging ein heftiger Ruck durch das Schiff, alles, was nicht fest irgendwo verankert war, aber auch die Menschen, die jetzt nicht festgegurtet in ihren Sesseln saßen, flogen durch die Räume. Es kam zu schmerzhaften und auch gefährlichen Verletzungen. Nachdem jedoch eine gewisse Ruhe nach diesem Zwischenfall eingekehrt war, mussten die Raumfahrer feststellen, dass ihr Schiff sich nun mit ungeheurer Geschwindigkeit auf den mysteriösen Planeten zubewegte.

Und noch immer regierte der Bordcomputer auf keinen einzigen Befehl.

*

Innerlich hatte Vincent Flanagan mit seinem Leben abgeschlossen. Schade eigentlich, er hätte so gerne noch etwas mehr vom Weltall gesehen, neue Planeten, vielleicht sogar fremde Völker… Doch dazu war es ja wohl zu spät, denn die „Fair Lady“ stürzte ab.

Der Bordcomputer hatte auch weiterhin jede Kooperation verweigert, und so war das Raumschiff unaufhaltsam in die Atmosphäre gezogen worden, in der es sich nicht einfach so halten konnte. Ein stabiler Orbit wäre nur mit dem interplanetaren Antrieb nach Anweisungen der Navigation möglich gewesen. Diese Anweisungen kamen im Steuerelement natürlich nicht an. Auf dem Hauptbildschirm konnten Flanagan und die anderen Menschen den Planeten sehen, und er war so schön, dass es ihnen Tränen in die Augen trieb. In allen Farben des Spektrums glitzerte er, und eine Verlockung machte sich in den Menschen breit: Hier für ewig zu bleiben.

Nun, wenn jemand diesen Absturz überleben sollte, dann würde er auf jeden Fall für immer bleiben.

Die Außenhülle des Raumschiffs erhitzte sich immer mehr, eine gleißend helle, feurige Lohe flog direkt durch die einzelnen Schichten der Atmosphäre, wurde rotglühend, dann weiß – und schlug schließlich irgendwo auf dem Boden auf, bohrte sich tief ins Erdreich, schuf einen neuen Berg und blieb dann schließlich stecken.

Doch davon spürte keiner der Menschen mehr etwas. Die meisten von ihnen waren tot. Und doch hatten 52 Menschen die Katastrophe überlebt. Würden sie jedoch unter den Umständen, die sie nach dem Erwachen vorfinden sollten, überhaupt überleben wollen?

*

„Was machen wir mit ihnen?“

„Wir müssen sie prüfen, ob sie zu denen gehören, die noch den rechten Glauben haben.“

„Und wenn nicht?“

„Dann wird es bald noch weniger von uns geben.“

„Aber wir können ihnen nichts tun, selbst wenn wir feststellen, dass sie uns nicht einmal kennen. Doch, wie konnte es überhaupt passieren, dass dieses Raumschiff hierher gefunden hat?“

„Unsere Impulse zur Suche nach rechten Gläubigen sind zu wenig modifiziert.“

„Dies hier sind Menschen, und Menschen wollen nicht mehr glauben. Wie konnten sie überhaupt auf die Impulse reagieren?“

„Einige glauben schon noch. Wir müssen herausfinden, wer es ist.“

„Und dann? Es bleibt immer noch die Frage, was wir mit den Ungläubigen tun sollen.“

„Nun, früher oder später erledigt sich das Problem von allein.“

„Wir hätten unsere Impulse besser noch gezielter einsetzen müssen.“

„Daran ist jetzt nichts mehr zu ändern. Wir müssen Kontakt mit ihnen aufnehmen.“

„Damit sie uns wieder wehtun und uns vielleicht ganz vernichten?“

„Damit wir wissen, ob es noch Glauben gibt.“

„Ich habe Bedenken.“

„Die haben wir alle. Aber wir können sie dennoch nicht töten. Es ist schlimm, dass schon einige bei dem Absturz von uns gegangen sind.“

„Jedes weitere Wort ist überflüssig. Ich werde mit ihnen reden.“

„Hoffentlich glaubt noch einer an dich.“

*

Er konnte sich bewegen, ja, doch er hatte das Gefühl in einem zähen Sumpf gefangen zu sein, jede Bewegung passierte wie in Zeitlupe.

Das war das erste Gefühl.

Dann entschloss er sich, seine Augen zu öffnen, wenn er nach dem Absturz tot sein sollte, dann war es egal; sollte er aber nicht tot sein, dann wollte er wenigstens wissen, wie es dort aussah, wo er sich befand. O nein! Vincent schloss die Augen gleich wieder. Er musste sich wohl doch im Vorhof zur Hölle befinden, also war er vermutlich tot.

Oder doch nicht!

Immerhin konnte er sich bewegen, und er konnte hören, was ihm erst jetzt auffiel. Sein Körper schmerzte erbärmlich bei jeder Bewegung, die er innerhalb dieser elastischen, undurchdringlichen Hülle machte.

Was war das überhaupt?

Flanagan hatte noch im Raumschiff, wie die meisten anderen auch, den Raumanzug angezogen, ein schon fast autarkes Gebilde mit Vorräten an Wasser, Lebensmitteln und Sauerstoff für rund vier Tage. Doch jetzt war rund um diesen Schutzanzug eine Hülle zu erkennen gewesen, eine Blase, oder wie immer man das nennen wollte. Und in dieser Blase war er eingeschlossen; was sich dahinter, also draußen, befand, konnte er nicht einmal erahnen. Doch er hörte etwas, und das bewog ihn, die Augen erneut zu öffnen, auch wenn das nicht viel Sinn machte. Die Außenmikros des Schutzhelms übertrugen eindeutig menschliche Stimmen. Lebte er also doch noch?

„He, hallo, hört mich da jemand? Wer ist da?“ rief er selbst, und die eigene Stimme kam ihm merkwürdig vor.

„Vincent, sind Sie das?“ antwortete eine weibliche Stimme, die er als Marsha Hamilton, eine der Technikerinnen, identifizierte.

„Ja, ich bin’s, Flanagan. Und wer ist da noch? Weiß jemand, wo wir uns hier befinden? Kann jemand was erkennen?“

Es stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass insgesamt 52 Menschen sich hier befanden, wo immer hier auch sein mochte. Alle schienen in relativer Nähe zueinander, alle in diesen merkwürdigen Blasen gefangen, die keiner von ihnen durchbrechen konnte. Die Hüllen lagen wie eine zweite Haut um den Raumanzug herum und widerstanden hartnäckig allen bisherigen Versuchen sie mit einem Messer aufzuschneiden oder mit den Handschuhen zu zerreißen. Die Laserwaffen hatte noch niemand ausprobiert, innerhalb der Blasen konnte es zu Rückkopplungen oder Hitzestau kommen, niemand wollte dieses Risiko eingehen.

Doch Mbotu Matabene, der zweite Offizier, hatte den Anzeigen der Instrumente vertraut, die ihm angaben, dass die Luft außerhalb des Raumanzugs, wo auch immer sie sich befinden mochte, atembar war. Und mutig hatte er den Helm abgenommen, in tiefen Zügen die klare, reine Luft eingeatmet, die ihn umgab und kam sich jetzt vor wie nach einem Glas Champagner. So prickelnd, klar und sauber war diese Luft, dass ihn der hohe Sauerstoffanteil fast in Euphorie versetzte. Das teilte er auch den anderen mit, die daraufhin größtenteils ebenfalls die Helme öffneten.

„Sind Sie verrückt?“ fuhr Flanagan dazwischen. „Noch weiß niemand, wo wir uns hier befinden, es könnten unbekannte Schadstoffe in der Luft sein, die Sie alle umbringen.“

„Nun, Commander, wenn in rund vier Tagen die Sauerstoffvorräte aufgebraucht sind, werden wir auch ziemlich tot sein, Sir. Da gehe ich lieber gleich das Risiko ein, dass in der Luft ringsum etwas Schädliches ist.“ Ein Argument, dem Flanagan durchaus folgen konnte. Und wer wusste schon, ob es nicht noch wichtig sein würde, auf die Reserven im Anzug zurückgreifen zu können?

Auch Vincent öffnete den Helm, und die Luft, die jetzt in seine Lungen strömte, war rein und köstlich, besser noch als auf der Erde, wie er feststellte.

„Weiß jemand, wo wir hier sind? Hat jemand bei dem Absturz klaren Verstand behalten und vielleicht die galaktische Position feststellen können?“ fragte er jetzt in die Runde.

„Nein, Sir, wir alle waren bewusstlos, und 148 Leute starben. Wir übrigen befinden uns alle in der gleichen Lage. Keiner von uns kann sehen, was sich außerhalb der Hüllen befindet. Wir alle sind, wenn ich es so ausdrücken darf, Sir, hilflos wie Neugeborene“, machte Matabene Meldung. „Wenn es Lebewesen auf diesem Planeten gibt, haben sie uns vollständig in der Gewalt.“

Für Flanagan war das niederschmetternd, er hatte den Befehl und die Verantwortung für alle 200 Besatzungsmitglieder getragen, und rund Dreiviertel davon waren jetzt tot, die übrigen in einer wenig beneidenswerten Lage. Der Commander unterdrückte einen Fluch, und gegen seinen Verstand machte er noch einmal den Versuch, die Hülle, die ihn umgab, zu zerreißen. Sinnlos, natürlich, und irgendwann hielt er schweratmend inne.

Ricardo Michaelis meldete sich, auch er gehörte zu den Überlebenden. „Commander, Sie sollten Ihre Kräfte und Ihre Nerven schonen, wir wissen nicht, wozu sie noch gebraucht werden.“

Aus seiner Stimme sprachen Sorge, aber auch eine gewisse Ruhe. Von den Überlebenden wusste er schon jetzt, dass mindestens drei die folgenden 24 Stunden nicht überleben würden, zu schwer waren die Verletzungen, die sie sich bei dem Absturz zugezogen hatten. Aber der Arzt nahm die Situation, wie sie kam, es hatte nicht viel Zweck, sich dagegen aufzulehnen und so sinnlos die eigenen Kräfte zu vergeuden.

„Das ist ein äußerst sinnvoller Vorschlag“, mischte sich plötzlich eine fremde Stimme ein. Stimme? Nein, vielmehr waren es gesprochene Gedanken, die urplötzlich in den Köpfen aller Überlebenden auftauchten.

Vor Schreck verstummten sie alle, doch gleich darauf brach es wie in einer Panik los, und alle redeten wie wild durcheinander, niemand konnte mehr etwas verstehen. Schließlich aber gelang es dem Commander, sich Gehör zu verschaffen.

„Ruhe jetzt! Alle! – Sie, wer immer Sie sind, identifizieren Sie sich und lassen Sie uns aus diesen Hüllen heraus. Wir möchten wissen, mit wem wir es zu tun haben.“

„Ich fürchte, das wird nicht gehen, Vincent Flanagan“, antwortete die Stimme, und der Commander musste selbst mit einem Anflug von Panik kämpfen. Er fühlte sich plötzlich, als wollte die Blase ihn erdrücken, er musste hinaus, er musste diese Hülle zerfetzen, abstreifen, zerreißen, er musste…

Flanagan presste die Finger zusammen, hätte er keine Handschuhe getragen, so würden sich die Fingernägel ins Fleisch gebohrt haben. Doch er schaffte es wieder, sich zu beherrschen.

„Nun gut, dann sagen Sie uns erst einmal, wer Sie sind, und warum Sie unser Raumschiff zu einer Bruchlandung gezwungen haben. Was wollen Sie von uns?“

„Ich bin Azrael, und es tut uns sehr leid, dass euer Schiff abgestürzt ist. Das lag nicht in unserer Absicht.“

„Azrael?“ wiederholte Flanagan. „Das sagt mir nichts. Und wer ist wir? Sind Sie Menschen, womöglich von der Erde? Wenn Sie zur amerikanischen Föderation gehören…“

„Wir sind keine Menschen, und wir gehören auch zu keiner Föderation. Wir sind Engel.“


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Wer mehr von dieser Autorin lesen möchte, sollte sich mal ihren letzten Roman aus der Rex Corda-Reihe anschauen:

Margret Schwekendiek & Manfred H. Rückert
Rex Corda 29 – Pakt mit dem Teufel

  • Broschiert: 204 Seiten
  • Verlag: Mohlberg Verlag; Auflage: 1 (Dezember 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942079445
  • ISBN-13: 978-3942079440

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Rex Corda und sein Todfeind Sigam Agelon wurden auf dem Sklavenmarkt von Saffir verkauft. Nun sollen die zukünftigen Gladiatoren zu ihrem Bestimmungsort gebracht werden. Die beiden Männer kämpfen gegen ihre Bewacher und fliehen. Doch schnell stellen sie fest, dass diese Flucht nur eine Farce ist, und dass ihnen nicht nur eine Gruppe folgt …

An Bord der WALTER BECKETT überschlagen sich die Ereignisse. Zuerst taucht eine Filmaufnahme auf, in der die beiden entführten Söhne von Ralf Griffith zu sehen sind. Dann behauptet ein Kadett, dass sich ein unbekanntes Raumschiff in der Nähe befindet. Als ihm niemand Glauben schenkt beschließt er, auf eigene Faust zu arbeiten …

Auf Ferga, der Heimatwelt der Laktonen, geschehen zwei noch nie zuvor erfolgte Anschläge gegen den Staat. Zuerst wird ein Attentat auf den Manduranen Samar Tarkannt verübt. Danach werden er und der Schenna, der Beherrscher des Laktonenreichs, entführt …

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Rajinder Singh: Heilende Meditation – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Erstellt von Detlef Hedderich am 5. März 2013

Rajinder Singh
Heilende Meditation

Königsfurt-Urania Verlag
ISBN-13: 9783868261196
Sachbuch
5. Auflage 2012
Hardcover, 208 Seiten

www.koenigsfurt.com

Titel erhältlich bei Amazon.de
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Titel erhältlich bei ebook.de

Der Dalai Lama schätzt Rajinder Singhs Beitrag zum angestrebten Ziel des Friedens, wie man auf der Rückseite des Buches lesen kann. Eine Bekannte fragte nach einer kleinen Stöberaktion in meinem SuB, was denn Meditation mit Frieden zu tun haben könnte. Schließlich sei Meditation zur inneren Zentrierung auch Trainingsbestandteil diverser asiatischer Kampfsportarten und diene dem Sammeln von Kräften, die wiederum nicht immer und allzeit friedlich gegen andere eingesetzt werden könnten.

Das stimmt natürlich. Doch dem setze ich persönlich entgegen, dass viele Dinge und Praktiken auf völlig gegensätzliche Weise genutzt werden können. Abgesehen davon, dass mir zum Zeitpunkt des Gespräches nicht bekannt war, ob der Dalai Lama die eben zitierte Aussage im Bezug auf Singhs Organisation der Wissenschaft, seinem Vorsitz bei der Konferenz zur Einheit der Menschen oder als Präsident der Weltreligionskonferenz (um nur einige seiner Tätigkeitsfelder zu nennen) machte oder sich dabei eher auf diverse Auszeichnungen oder auf Singhs Vortragsreisen oder die in über 50 Sprachen übersetzte Bücher und Artikel zu spirituellen Themen bezog, dachte und denke ich, dass Meditation sehr viel mit Frieden zu tun haben kann. Und zwar nicht nur mit dem inneren Frieden, den man erfreulicherweise mit etwas Zeitaufwand und Übung schnell erreichen kann. Durch Meditation erreichen wir unter anderem Klarheit, Glück und Freude. Wer jedoch all dies (fortgesetzt) erlebt, wird nach außen hin gar kein Verlangen haben zu intrigieren und negative Gefühle verbreiten. Wer mit sich selbst im Reinen ist, braucht sich nicht permanent zu beweisen. Wer sich nicht permanent zu beweisen versucht, gerät seltener in Konflikt mit anderen. Und die Vermeidung von Konflikten wiederum dient dem allgemeinen Frieden.

Doch abgesehen davon geht es ja im Buch, wie der Titel verrät, um die heilende Kraft der Meditation. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Anerkennung durch materiellen Erfolg definiert wird. Dies wiederum wird fälschlicherweise allzu oft mit Glück gleichgesetzt. Weil wir wirkliches Glück so jedoch nicht finden, streben wir nach immer mehr und mehr und vergessen allzu leicht, was wirklich wichtig ist. Negativer Stress, entstanden aus der Angst zu versagen und dadurch resultierendem permanentem Leistungsdruck, bestimmt unseren Alltag, raubt vielen den Schlaf und die Gesundheit. Ein Teufelskreis, denn genau das verursacht wiederum neuen Druck, weil man dann vielleicht tatsächlich nicht mehr mithalten kann. Das Streben nach mehr und das eigene vermeintliche Versagen wiederum führt zu Neid und teilweise Missgunst und worauf dies bisweilen hinauslaufen kann, offenbart uns ein einfacher Blick in die Welt.

Innehalten tut not. Etwa mit Meditation. Obwohl Meditationen allein natürlich noch keine Probleme lösen können, helfen sie beim Finden von Problemlösungen. Beispielsweise durch das Erkennen neuer Perspektiven. Religionsübergreifend und auf unterschiedliche Art in aktiver oder passiver Form ausgeübt, dienen sie der spirituellen Entwicklung, geistig der aktiven Aufmerksamkeitssteuerung und dem passiven Loslassen.

Die Suche nach der richtigen Meditationsform dauert vielleicht etwas. Aber sie lohnt sich. Denn während Meditation noch vor wenigen Jahren von vielen als esoterische Spinnerei abgetan wurde, weiß man heute um die neurologische Messbarkeit ihrer Wirkung und die positiven Effekte auf Herzschlag, Atmung und Entspannung. Und das ist längst noch nicht alles. Längst hat sie im Zusammenspiel mit schulmedizinischen Therapien Einzug in das Leben vieler gehalten. Dabei muss man keineswegs erst mal krank geworden sein, um Meditation für sich zu entdecken, denn tatsächlich wirkt sie auch präventiv. Von den positiven Auswirkungen auf unsere Konzentrationsfähigkeit, unser logisches Denken und die innere Ruhe ganz abgesehen.

Singhs Praxisbuch Heilende Meditation bietet allen Suchenden eine gute Hilfestellung, geht er doch auf explizit-anschauliche Weise auf Bedeutung und Umsetzung einer ebenso altbewährten wie einfachen Meditationsform ein. Doch mit den darin enthaltenen wissenswerten Informationen und philosophischen Denkanstößen ist es auch für all diejenigen empfehlenswert, die ihre Meditationsform schon gefunden haben oder einfach neugierig sind. Der Autor schreibt die heilende Wirkung der Meditation dem Umstand zu, dass jedem von uns Heilkraft innewohnt, dass wir alle mit einem energetischen Licht- und Klangstrom in Verbindung stehen. Durch Meditation gelangen wir bewusst in Kontakt mit dieser Energie und können von ihr profitieren. Daran mag man glauben oder nicht, doch was schadet sozusagen ein Selbstversuch?

Und schon komme ich wieder auf den Frieden. Das liegt auch daran, dass das Buch zwischen dem Vorwort des Dalai Lamas und dem Schlusskapitel über den Autor in drei Teile, mit neun bzw. sechs und vier Unterkapiteln, gegliedert ist: innerer Friede, persönliche Transformation, äußerer Friede. Frieden in der Welt beginnt nicht mit einer Entmilitarisierung, er beginnt bei uns. In uns. Mit der inneren Heilung, der Selbst-Heilung, mit unserem inneren Frieden. Es nützt ja auf Dauer auch nichts, nur Schüssel und Töpfe unter ein leckes Dach zu stellen, wenn niemand die Löcher darin abdichtet. Die ab Seite 31 von Singh beschriebenen Übungen sind leicht nachvollziehbar formuliert und lassen sich auf einfache Art und Weise in den Alltag integrieren. Schnell wird klar, der Autor weiß, wovon er spricht. Der 1946 in Indien geborene Computer- und Kommunikationswissenschaftler begeistert seit Jahren weltweit die Besucher seiner Seminare und Leser seiner Bücher und hat an der Errichtung zahlreicher Meditationszentren mitgewirkt. Sein gesammeltes Wissen präsentiert er nicht auf eine mystisch-verklärte Weise, sondern auf moderne, ansprechende Art.

Fazit:

Heilende Meditation in die Hand nehmen, lesen, nachdenken, ausprobieren. Selbst dann, wenn man nur die Entspannung aus der Meditation für sich verbuchen kann, lohnt sich der gerade erwähnte Selbstversuch. Ich möchte dem Buch fünf von fünf Punkten geben und werde es sicherlich noch öfter zur Hand nehmen.

Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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