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DAS HERZ DER ZIVILISATION (Teil 2): DER ANGRIFF – Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie “Ninragon” – Band 2: “Der Keil des Himmel” von Horus W. Odenthal

Erstellt von Horus W. Odenthal am 13. Juni 2013

DAS HERZ DER ZIVILISATION (Teil 2): DER ANGRIFF

Leseprobe aus der Fantasy-Trilogie

“Ninragon – Band 2: Der Keil des Himmel”

von

Horus W. Odenthal

Auric bemerkte, dass irgendetwas nicht stimmte, als im Gewebe nächtlicher Geräusche, dem nahen Lachen und angetrunkenen Palavern seiner Gefährten, dem leisen Schlappen des Flusses an seine steinumfassten Ufer, dem fernen Stimmengemurmel aus den Wirtshäusern und Etablissements des Vergnügungsviertels her, plötzlich ein Riss entstand.

Die Schatten alter, aufgegebener Lastkräne blickten auf sie herab, mürrisch und verlassen, die vor sich hin rottenden Hüllen alter Schuppen und Lagerhäuser bildeten eine langsam verfallende Barriere zwischen ihnen und der ersten schartig schiefen Zeile eng gedrängter schmaler Bauten, ehemaliger Wohnhäuser der Schauerleute oder Kontorhäuser der Handelsleute. Mit der Schauerbank hatte es nichts Schauriges auf sich; sie war ursprünglich einmal, vor der Zeit des neuen Hafens, jener Uferabschnitt des Ziamur gewesen, wo auf dem Fluss transportierte Waren geschauert, also verladen wurden.

Auric und Kudais Blicke trafen sich in einem Moment gemeinsamer Irritation.

Jag und Nefraku waren bereits vorausgegangen, zum Fluss hinunter, waren jetzt ihren Blicken entzogen, jenseits der die Uferstraße begrenzenden hüfthohen Mauer und einer in engen Stufen zum Ufer herabführenden Treppe. Mit einem Mal war der Faden ihres auf und ab torkelnden, von unten hohl wie aus einem Tunnel zu ihnen heraufhallenden Gesprächs abgerissen. Stattdessen ein Klappern und Scharren auf feuchten Ufersteinen.

Er und Kudai lösten alarmiert ihre überraschten Blicke voneinander, hasteten zur Treppe. Das Aufschrecken und die Konzentration, auf den engen, abgelaufenen Stufen nicht zu stürzen, ließen ihn schlagartig nüchtern werden.

Stolpernd, halb stürzend kam er vor Kudai am Fuß der Treppe an, sah zunächst nur huschende Schatten und ein langes, dünnes Aufblitzen wie von Klingen im Dunkel, dort zwischen Fluss und aufragender Mauer, direkt vor dem breiten, schwarzen Schlund eines ausladenden Brückenbogens. Ohne weiter nachzudenken stürzte er darauf zu, Kudai ein Zwillingsschatten hinter ihm. Seine Hand zuckte zum Schwertgriff über seiner Schulter, instinktiv. Sein Verstand hielt ihn zurück. (Keine Waffen heute. Dies war Idirium, dies war die Zivilisation. Hier ging man nicht in wilder Kriegshorde mit dem Schwert aufeinander los.)

Die huschenden Schatten dort vorne schienen solche Regeln der Zivilisation nicht zu stören. Sie gingen wie ein wilde Kriegshorde mit gezogenen, blitzenden Klingen auf zwei weitere Schatten, unzweifelhaft Jag und Nefraku, los.

Die waren nun offensichtlich ebenfalls schlagartig nüchtern geworden. Man hörte Klappern, Klirren und Schreien in der Dunkelheit, sah das hektische Drängen und Huschen kaum unterscheidbarer Schatten. Es war düster hier unten. Die Lichter der Schauerbank wurden durch die dunkle Masse der hohen Ufermauer verdeckt, die Lichter der anderen Flussseite lagen hinter dem schwarz schweigenden Band des Ziamur – einmal standen sie still, ein weiteres Mal schwammen sie gespiegelt und schwankend auf den Fluten –, zu weit entfernt, um ihrem Ufer wirklich Licht zu spenden. Er sah, dass Jag und Nefraku auf Gefechtskreisabstand gingen, in knappen, konzentrierten Bewegungen den Klingen der Angreifer auswichen. Professionell. Standen aber trotzdem unbewaffnet gegen eine bewaffnete Überzahl. Acht waren es.

Die Gesichter der Angreifer, hellere Ovale im Grau, zuckten verwundert in ihre Richtung, erblickten die unvermutete Verstärkung ihrer Opfer. Erleichterung glaubte Auric in ihren nur schwach erkennbaren Mienen zu erblicken, als sie sahen, dass die Verstärkung nur aus ihnen zweien bestand: Noch immer in der Überzahl, noch immer bewaffnet gegen unbewaffnete Gegner.

„Die kriegen‘s gleich auch“, schrie einer von ihnen, „hängen bestimmt eh alle zusammen“, und schwenkte ein Kurzschwert in Aurics Richtung.

Noch immer gegen eine Überzahl, noch immer unbewaffnet gegen bewaffnete Gegner, schoss es Auric durch den Kopf. Also schnell handeln und sie schocken, bevor sie ihre Überlegenheit zum Nutzen bringen können.

Also stürzte er auf den ersten zu.

Doch der war klug und geistesgegenwärtig, senkte sein Schwert, versuchte erst gar keine tollkühnen Hiebe und Schläge, streckte es einfach, sich der längeren Reichweite seiner Waffe gegen bloße Hände und Arme bewusst, vor, kein Ausweichen oder Unterlaufen seines Deckungswinkels möglich. Auric konnte gerade rechtzeitig abbremsen, bevor er sich selber aufgespießt hätte. Kein dämlicher Straßenräuber also – ein Profi. Auric blickte die Länge der auf ihn gerichteten Klinge entlang und sah seinen Gegner tückisch grinsen, wartete auf seinen Angriff.

Bewegung, dumpfes Klatschen links neben ihm. Kudai nahm seinen Gegner an. Irgendwo weiter hinten im Brückenbogen hallender Tumult und hohle zerrissene Schreie.

Statt dem erwarteten Angriff des Kurzschwerts kommt eine Bewegung rechts – vorstürmender Körper, schwere Wucht durchtrennt die Luft. Ein Axthieb. Ein zweiter Angreifer. Die Axt saust schräg abwärts, Auric weicht ihr aus. Die plumpe Wucht der schweren Waffe trägt den Hieb mitsamt dem Träger der Waffe zum Ende ihres Schwungbogens fort, an Auric vorbei. Er kommt hinter den Angreifer, hinter Führungsarm und Rücken – für den Moment wie ein Schild gegen den mit dem Kurzschwert – packt den an der Waffe ausgestreckten Arm, packt ihn auch mit der zweiten Hand, drischt ihn auf das eigene hochruckende Knie, spürt Knochen knirschen und brechen, will –

Da kommt die Klinge.

Zischt verdammt nah über seinen Kopf hinweg. Das Kurzschwert. Er spürt den Luftzug, spürt das schwere Metall, das ihn in die Luft pflügt. Der Mann hintendran brüllt mit verzerrter Visage. Er springt zurück, der zweite Hieb folgt schon währenddessen. Die Klingenspitze reißt ihm über die Wange. Sie stehen sich gegenüber, erneut. Der mit dem Kurzschwert keucht.

Im Hintergrund nimmt er wahr, wie die Gestalt des wütenden Jag dort unter dem Brückenbogen etwas vom Boden hochreißt, etwas wie eine Latte oder einen Balken, und es  wie ein Irrer brüllend wild durch die Luft drischt. Die Gestalten der Angreifer weichen aus, einer kriegt es an den Kopf, dass es ihn brutal zur Seite haut und er plump wegknickt, wie gefällt. Dumpfer kurzer Schmerzensschrei – aus.

Dumpfes, schmerzerfülltes Knurren auch vom Boden neben ihm. Der Axtträger. Keine Zeit – der mit dem Kurzschwert greift wieder an, kurze, knappe Hiebe, die keine Lücken durch übermäßiges Schwungholen lassen. Sehr waagerecht geführt, einen weiten Angriffswinkel abdeckend, machen ihm – waffenlos wie er ist – ein Unterlaufen unmöglich. Er kann nur ausweichen, rückwärts, Schritt um Schritt, spürt dann Gerümpel unter seinen Füßen, weiß die Mauer im Rücken. Sein Angreifer grinst: Aurics Rückwarts ist aufgebraucht. Prescht das Schwert schwingend vor. Auric springt zurück – ein letztes Mal – gegen harte Mauersteine an seiner Schulter. Sieht Grinsen, triumphierend geschlitzte Augen im Ansatz des tödlichen Rückhiebs. Auric stößt sich von der Mauer ab und geht blitzschnell in den Gegner hinein, knapp an seinem Schwert vorbei, genau in der Drehung, dem unvermeidlichen Wenden des Schwertes zwischen Hin- und Rückschwung. Packt die Schwerthand in der Klammer seines Griffs. Sie kommen Körper an Körper, ringen miteinander, verbissen, stumm, torkeln umher mit wirbelnd ineinander verschränkten, aneinander reißenden Gliedern. Der mit dem Kurzschwert schwitzt und stinkt und knurrt. Auric schlägt ihm die Hand, die am Schwertgriff sitzt, gegen die rauen Mauersteine. Das muss weh tun, aber der Kerl lässt nicht los. Noch mal, er brüllt. Lässt aber noch immer nicht los. Sie wirbeln, taumeln hin und her. Den Gerümpelberg herunter, von der Mauer weg, ihre Beine kommen sich ringend ins Gehege, verhaken, sie stürzen, ineinander verkrallt, wirr trudelnd übereinander, keuchen. Auric hat Glück, kommt obenauf. Der Kerl hat‘s nicht, prallt mit dem Hinterkopf hart auf Steinboden – schmerzerfülltes Grunzen. Auric hilft nach, blitzschnell, sein Kopf schnellt vor, Stirn hart gegen die Nase des Kerls unter ihm –Knirschen – dessen Griff ums Schwert wird schlaff, endlich. Da kriegt er von Auric den eigenen Schwertknauf auch schon mit voller Wucht auf die gleiche Stelle, die Nase, die schon jetzt ein blutendes Wrack ist. Dem Kerl rollen die Augen weg. Noch mal das Eisen mit Wucht in die blutüberströmte, unförmig anschwellende Masse. Nur noch dumpfes Gurgeln kommt aus der Kehle.

Ein Schatten auf feuchtem Steinboden.

Ein weiterer Angreifer. Mit einer Axt, erkennt er, als sein Kopf herumschnellt. Der ihn attackiert wie ein Bulle. Trotz gebrochenem Arm – ein echtes Tier. Schwingt seine Mordsaxt mit nur einem Arm wie ein Fallbeil. Auric wirft sich, in ungünstiger Lage erwischt, wie er noch über seinem zusammengedroschenen Gegner hängt, zur Seite, von der blitzenden Klinge weg. Ein Huschen der Axt. An ihm vorbei. Ein scharfer Schmerz an seinem Arm – nicht ganz verfehlte. Die dunkel huschende Masse des Axtschwingers blockiert seinen Blick, Blut spritzt. Nicht sein eigenes. Das Axtblatt hat sich in die Schulter des am Boden liegenden Kerls mit Kurzschwert gegraben. Kein Schrei kommt – bewusstlos. Der Axtschwinger brüllt auf, reißt die Axt mit dem unverletzten Arm erneut hoch, um sie ihm in den Leib zu treiben. Er katapultiert sich mit aller Kraft hoch, kann dem Hieb nur entgehen, indem er dem Axtschwinger die Schulter unter den Arm, nah der Achsel wuchtet. Gebleckte Zähne, der Kerl spuckt ihm ins Gesicht, er spürt dessen Bartzotteln an seiner Wange. Übler saurer Atem. Der Kerl brüllt und grunzt, doch er hat ihn jetzt, packt ihn an seinem massigen Schädel, eine Hand unterm Kinn, eine am Ohr, die Axt nützt ihm jetzt gar nichts mehr, Körper an Körper wie sie kleben, will er sich damit nicht selber hacken. Die Axt hängt wie Ballast in seiner Hand, der einzigen, die noch zu was nütze ist – der andere Arm ist gebrochen und baumelt. Auric packt seinen Schädel, der Kerl brüllt, es knirscht. Lässt jetzt endlich seine tolle, mordsgefährliche Axt fallen. Die klappert auf den flussnassen Boden. Auric drischt ihm das Knie in die Eier, kickt ihm, als ihm sein Schrei stumm und erbleicht in den Unterleib ausblutet, die Beine weg und das war‘s. Der Kerl fällt seiner Axt hinterher. Die Auric rasch packt, und die der Kerl, als er sich noch windet, auch schon im Leib hat. Er liegt da wie ein gespaltener Holzstamm, schwach noch röchelnd und schon ziemlich tot, nur ein letztes Pfeifen entweichenden Atems durch Kehle und Zähne, und Auric, die Hände noch immer am Axtgriff – warum endet es nur immer mit einer Axt in seiner Hand? – hat endlich Zeit sich umzublicken. Zwei Gestalten sieht er zunächst noch da stehen, zwei fliehen.

„Scheiß Amateure“, hörte er die Stimme der Gestalt rechts von sich fluchen: Jags Stimme. „Wozu sind Waffen gut, wenn man nicht mit ihnen umgehen kann.“ Er schleuderte den Holzbalken, den er mit beiden Händen gehalten hatte, verächtlich wieder auf einen Haufen Gerümpel direkt an der Mauer zurück. Der Zweite, der nah bei ihm stand, war Kudai.

„Die waren nicht auf so viele Gegner eingestellt“, klang Nefrakus Stimme jetzt direkt vom Ufer her. Er stand da mit gespreizten Beinen über eine schlaffe Gestalt gebeugt, die teilweise im Wasser lag und die er noch am Kragen gepackt hielt. „Die wollten nur einen, und für den hätte ihre Überzahl gereicht. Danke, dass ihr da wart, Jungs.“

Der Schnitt über die Wange, stellte Auric beim Betasten fest, war nur oberflächlich. Der andere Treffer hatte ihm einen aufgeschlitzten Ärmel und einen Schnitt am Unterarm eingebracht, aus dem das Blut den zerfetzten Uniformstoff durchtränkte und auf den Boden tropfte. Die Wunde klaffte zwar übel, aber der Muskel war nicht allzu schlimm verletzt. Auf jeden Fall brauchte er aber einen Verband. Auch Kudai war offensichtlich ebenfalls am Arm verletzt, denn er wand hastig seinen Mantel darum.

Jag fletschte Auric grinsend an. „War nicht gerade die koordinierte Kampftaktik einer Kleingruppe, die du uns immer einbläust.“

„Manchmal kann man es sich nicht aussuchen“, antwortete er ihm, und begann die Körper am Boden zu untersuchen.

Bis auf Aurics ersten Gegner mit dem Kurzschwert waren alle tot, fünf Leichen zusammen mit dem Kerl im Wasser. Und der mit dem Kurzschwert hatte keine großen Chancen die Nacht zu überleben; der Blutverlust durch den Axthieb seines Kumpans war zu groß.

Noch in der Hocke sitzend, sah er die hagere, hoch gewachsene Gestalt Nefrakus neben sich treten, sah ihn auf den verblutenden Kurzschwertträger hinabblicken. Nefraku schaute ihm ins übel verquollene und blutüberströmte Gesicht, zog laut vernehmlich Schleim durch die Nase hoch und spuckte auf den Fast-Toten, dass es ihm über die verwüstete Masse von Nase und Wange hinablief.

„Das hast du dir so gedacht, Dreckskerl.“ Er wischte sich schnaufend mit dem Unterarm über den Mund. Holte dann unvermittelt mit seinem Stiefel aus und trat dem am Boden liegenden mit Wucht in die Seite, dass es den leblosen Körper hochwarf. „Mich fertig machen wollen? Mieses kleines Arschloch!“ Noch einmal trat er zu, schwere, dumpfe Tritte, und noch mal und noch mal. „Mieser. Kleiner. Dreckskerl.“ Er keuchte unter der Wut und der Anstrengung, fluchte und spuckte wieder dem Sterbenden ins Gesicht.

Aurics und Kudais Augen trafen sich in einem Befremdung spiegelnden Blick.

„Du kennst die?“, fragte Auric.

„Den da kenn‘ ich, ja, verdammt“, erwiderte Nefraku, den Mundwinkel verächtlich hochgezogen, dass die Seitenzähne im Dunkel seines schwarzenhäutigen, ausgemergelten Gesichts aufblitzten, schnalzte vernehmlich die Zunge zwischen Zähnen und Oberlippe entlang, spuckte zur Seite und trat nochmals zu. „Djurbeti, kleine Ratte. – Ha, bald Ex-Ratte. Der Rest ist genau der gleiche Schlag, Schläger- und Mörderbande.“

„Und wer sind diese Leute?“

„Arschlöcher. Die mich umbringen wollten. Von Arschlöchern bezahlt, die mich aus dem Geschäft haben wollen. Damit sie ihr übel verschnittenes Gunwaz noch besser und fetter auf die Straße bringen können. Ohne mich.“ Seinen Oberkörper heftig und knapp in Richtung des Leblosen schnellend, spuckte er noch einmal schräg aus dem Mundwinkel zu ihm hin, ein Postskript aus Blut und Speichel. „Ha, war wohl nichts! Ich bin noch immer da! Noch immer Konkurrenz, ha! War wohl nichts, ihr Scheißer!“

„Was?“ Kudai Augen waren groß und starr. „Was?“

Er trat hart an Nefraku heran. Seinen Kopf musste er dabei in den Nacken legen, um Nefraku in die Augen schauen zu können. Er schnaufte vor Wut.

„Das kann nicht wahr sein!“ Kudai schrie ihn an. „Der ganze Scheiß hier hat nur mit deinen Drogendeals zu tun, deswegen liegen die jetzt als Leichen hier? Weil wir dir deine Konkurrenz vom Hals halten durften? Scheiße, Nefraku, scheiße nochmal, das kann doch nicht dein Ernst sein. Ich hätte wirklich nicht übel Lust, dich der Reichsgarde ans Messer zu liefern!“

Nefraku blieb kalt wie ein Schweinearsch. Von Einschüchterung zeigte er keine Spur, seine Überraschung hielt er gut im Griff. Die beiden standen einander gegenüber, Nefraku blickte mit seiner steinernen Miene auf Kudai hinab. Kudai starrte umso wütender zurück. Seine Glieder zitterten – wohl auch noch als Nachwirkung des Kampfes –, und seine Nasenflügel bebten. Bevor aber Auric etwas tun oder sagen konnte, damit die beiden nicht aufeinander losgingen, trat Jag hinzu, legte Kudai seine Hand auf die Schulter.

„Jetzt mach mal halblang, Kleiner. Nur weil du plötzlich einen neuen, hohen Posten hast, musst du hier keine Welle machen. Ich kenn‘ einen Kudai, der mit uns in Kvay-Nan mit dem Arsch in der Scheiße hing und sich mit uns anderen alles reingezogen hat, was ihm grad unterkam, egal ob Rott, Jinsai oder Gunwaz. Und soweit ich weiß, hat dieser Kerl auch nicht, sobald dieser Dreckseinsatz vorbei war, auf der Stelle damit aufgehört und war sauber. Eher nicht.“

Auric sah die Zeichen an Jag, sah, dass er von ihrer ganzen Sauferei und nun dem Adrenalinschub des Kampfes gehörig aufgeputscht war. Aber er verstand nur zu genau, was Kudai meinte.

„He Jag“, er hielt seinen Tonfall ruhig und beschwichtigend, „komm runter. Es geht nicht drum, wer von uns sich wann oder wo eine Pfeife oder eine Knolle reinzieht. Kudai will auf was anderes raus.“

„Richtig“, unterbrach ihn Kudai. „Es geht hier um Drogenhandel, es geht um Kriminalität.“

Aber Jag war nicht zu beschwichtigen. Er schaute sie aus blutunterlaufenen, leicht stieren Augen an.

„Kriminalität? Sind wir jetzt unter die Heiligen gegangen? Was soll dieser Kriminalitätsscheiß? Kommt mir nicht mit so was.“ Sein Zungenschlag holperte bleiern vor sich hin. „Wenn die, die am offiziellen Hebel sitzen, dran verdienen, erklären sie‘s für legal, und es ist okay. Und wenn die anderen dran verdienen und sie nicht, dann erklären sie‘s als kriminell. So einfach ist das. Das hat nichts mit irgendeiner Drecks-Moral zu tun. Auch nicht mit deinem Inaim hier, Inaim da, Kudai. Eigentlich müsstest du doch genug vom Leben mitgekriegt haben, Kleiner, um das zu kapieren. Vielleicht hat sich ja dein großer Inaim nie Gunwaz reingezogen, braucht er ja auch nicht. Wenn er so scheiß-allmächtig ist, denkt er eben Samstags abends, hey, ’ne Dröhnung käm gut, und Ping – Schöpferblitz!, da hat er seine Dröhnung. Aber wir hier unten, die wir im Dreck krabbeln und keine allmächtigen Götter sind, wir müssen‘s auf die gute altmodische Art machen. Und zu jedem, der sich das Zeug reinzieht, gehört eben einer, der es ihm vertickt.“

„Jag, Alter, lass stecken. So viel haben wir kapiert. Drogenhandel gibt es, und wenn man ihn so einfach kontrollieren könnte, wäre er schon heute legal und mit einer dicken Steuer versehen. Ich weiss das, und Kudai weiss das auch. Das ist okay. Worauf Kudai hinaus will – und ich seh‘ das genauso – ist, es ist dagegen absolut nicht okay, wenn es Offiziere sind, die unter die Drogenhändler gehen. Es geht einfach nicht, dass du Angehöriger der Armee und gleichzeitig Teil der Unterwelt, Teil eines kriminellen Milieus bist.“

„Bei Umanákhu hat‘s dich nie gestört.“

Das brachte Auric zunächst einmal kurz ins Stocken. „Aber Umanákhu“, holperte er los, kalt erwischt, „war diskret. Hat sich nie in was verstricken …“

Jag machte eine wegwerfende Handbewegung und wandte sich wütend ab.

„Ach, lass mich in Ruhe, Skrimare. Das ist Bullshit, und du weißt es.“ Er stapfte weg, aufgebracht vor sich hingrummelnd zur Treppe hin. Auric hielt den Atem an, als er bedrohlich schwankend und stolpernd die Hürde der ersten Stufen nahm. Wäre wirklich tragisch gewesen, wenn gerade Jag, der alte Stahlfresser, nach all den Kämpfen und Schlachten, die er überlebt hatte, nach diesem überstandenen Hinterhalt besoffen eine Treppe hinunter gestürzt wäre und sich dabei den Hals gebrochen hätte. Erleichtert sah er ihn heil am Kopf der Treppe ankommen und hinter der Mauerkante halblaut maulend in der Nacht verschwinden.

Am nächsten Tag, wenn Jag wieder ansprechbar war, würde alles wieder vergessen sein. Spätestens gegen Mittag, wenn er genug Rangniedere – und manchmal auch Ranghöhere – zusammengeschnauzt hatte, würde er wieder ganz der Alte sein. Jag hatte eben einen über den Durst getrunken. Wie so oft. Wie fast immer. „Das ist eben unsere Art zu leben, Scheiße noch mal“, hatte Jag ihm geantwortet, als er ihn einmal darauf angesprochen hatte. „Wir sind Soldaten, Skrimare, keine Betschwestern.“

„Was machen wir jetzt?“, unterbrach Kudai die beklommen auf nasse Ufersteine fallende Stille. „Eigentlich müssten wir der Stadtmiliz Bericht erstatten. Wir sind hier nicht im Feld sondern in einer zivilisierten Stadt.“

„Stadtmiliz hatten wir heute Abend schon“, meinte Auric. Er blickte von seinen unschlüssig und verdrießlich scharrenden Stiefeln auf und zu Nefraku hinüber, der schweigend mit beobachtender, abwartender aber ansonsten nicht im geringsten deutbarer Miene zu ihnen herüberstarrte. Stadtmiliz bedeutete für Nefraku, dass er aufflog, zumindest aber in gehörige Bedrängnis kam. Nefrakus Blick traf sich direkt mit dem Aurics.

Und die Sechzehnte steht zu ihren Leuten. Wir kämpfen miteinander, wir stehen zueinander, wir siegen miteinander. Er mochte zwar das von ihm selber geprägte Motto lieber, Die Sechzehnte ist der Alptraum ihrer Feinde, aber geschenkt.

Nefraku hielt einige Sekunden stumm seinen Blick. „Die Kerle hier wird keiner vermissen.“ Er sagte es mit steinerner Miene. „Die Stadtmiliz am wenigsten. Den Kerlen hier kräht kein Hahn nach.“

„Vielleicht hast du Recht“, sagte Auric. „Aber darum geht es nicht. Es geht um was Prinzipielles.“ Er ließ seinen Blick über ihre Umgebung gleiten, über die in der Düsternis vor den stockfinsteren Schattenrissen von Ufermauer und Brückenbogen nur als zusammengesunkene Umrisse erkennbaren Leichen am Boden, über die Steinplatten, die ringsum in einem abweichenden Ton als der Feuchte vom Fluss her schlüpfrig glitzerten, von Spritzern, Lachen, Rinnsalen, den schlampig grausigen Spuren einer üblen Schlachterei. „Das hier ist kein Krieg“, sagte er. „Wir sind hier nicht im Feld. Das hier ist die Zivilisation. Wenn wir jetzt hier einfach abhauen, dann machen wir aus einem Akt klarer Notwehr einen ungeklärten Mordfall. Egal, ob diese Kerle jemand vermisst, egal, was sie für Halsabschneider sind – wir jedenfalls sind Offiziere der idirischen Armee.“

Kudai sah sie über die Leichen hinweg, mit Beklommenheit im Blick an.

„Du hast uns in eine ganz schön beschissene Situation gebracht, Nefraku“, sagt er, und ließ unwillig seinen Kopf hin und her baumeln. „Eine echt beschissene Situation. In was, zur Hölle, hast du uns da nur hineingeritten?“

Auric sah Kudai ins Gesicht, und der Ausdruck darin prägte sich ihm zutiefst ein. Sein ständiges Grinsen war wie ausgelöscht. Der Triumph, den er den ganzen Abend wie ein Banner vor sich hergetragen hatte, lag ihm mit einem Mal zentnerschwer auf den Schultern. (…)

© Horus W. Odenthal, 2012

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-110-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.


Die ganze Geschichte lesen Sie hier:


Horus W. Odenthal
Ninragon 2: Der Keil des Himmels [Kindle Edition]

Dateigröße: 703 KB
Seitenzahl: ca. 445 Seiten
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.

Titel als ebook erhältlich bei Amazon.de

Ein Fantasy-Epos in drei Teilen.

Fantasy der neuen Generation, mit einer starken, frischen Stimme.
Eine Geschichte für die Fans von George R. R. Martin, Scott Lynch, Joe Abercrombie und Steven Erikson.

Im zweiten Band der Trilogie, verdichtet sich all das, was Auric in seiner bisherigen Laufbahn als Soldat erlebt hat, und zieht sich wie ein Netz um ihn zusammen. Ereignisse, die er als einfacher Soldat wahrnahm aber nicht verstehen konnte, weil er die Zusammenhänge nicht erfasste, gewinnen jetzt, da er zum General aufgestiegen ist, eine tödliche Bedeutung. Er sieht sich plötzlich in etwas verstrickt, was weit über ihn, weit über sein Leben, weit über das Idirische Reich, dem er als Soldat dient, und auch weit über die Gegenwart hinausgeht.

Zunächst aber kommt er nach Idirium und gerät dort in die Fänge von Intrigen und Politik, muss dabei auch feststellen, dass das Pflaster der Hauptstadt des größten Weltreiches zuweilen gefährlicher sein kann, als die Schlachtfelder des Krieges, dass unter alten Bauten Geheimnisse lauern, die auf eine ältere Welt zurückgehen und ihre Hände nach der Gegenwart ausstrecken.
Dieses Netz um ihn verdichtet sich weiter, als er mit einer neuen Armee und einem neuen Auftrag in den Norden zurückkehrt und dort immer mehr Anzeichen einer Gefahr, eines Grauens findet, das schon seit langer Zeit seine Saat verbreitet hat.

Egal, wie die Zeit aussieht, in der wir leben, egal mit welchen Waffen wir kämpfen und wie die Städte aussehen, in denen wir leben, immer denken wir von unserer Zeit als der Moderne. Und immer vergessen wir allzu leicht, dass diese sogenannte Neuzeit wenig mehr ist, als die uns sichtbare Oberfläche eines gewaltigen Ozean, der uns trägt, und in dem, uns unsichtbar, die Schatten und Mahre der Vergangenheit hausen.

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EIN BISSCHEN BISSIG – Leseprobe aus dem gleichnamigen Roman von Barbara Wegener und H.L.Ween (Babsi Ween)

Erstellt von Barbara Wegener am 9. Juni 2013

EIN BISSCHEN BISSIG

Leseprobe  aus dem gleichnamigen Roman

von

Barbara Wegener und H.L.Ween (Babsi Ween)

Die Sonne war längst hinterm Horizont verschwunden, aber Graf Cau saß immer noch aufrecht in seinem Sarg, der einen Ehrenplatz im Gewölbe unter der markgräflichen Residenz hatte. Eigentlich gab es heute Nacht genug für ihn zu tun, aber er hatte Null Bock darauf.

Sein Magen knurrte, die Karies schmerzte, und dieser Idiot von Zahnarzt trieb sich in den Grotten von Capri rum. Flirtete im Urlaub mit irgendwelchen Mafiabräuten, statt sich seiner Nöte anzunehmen.

Was war dem Dentisten eigentlich wichtiger? Sich am Mittelmeer zu verlustieren? Oder die Zahnlöcher seines Regenten zu stopfen, damit der nicht länger auf Blutkonserven angewiesen war und wieder halbwegs kräftig zubeißen konnte? Es war eine Schande. Die Leute hatten einfach kein Pflichtgefühl mehr, und der Begriff Dienstleistung war längst zum Fremdwort verkommen …

Zu allem Überfluss machten ihm noch andere Zipperlein zu schaffen. Sein Gedächtnis ließ ihn bisweilen wegen beginnender Demenz im Stich. Die Leber konnte sich nicht entscheiden, ob sie verfetten oder schrumpfen sollte. Und ohne das neue Wundermittel Vampir-AGA würde sein Ruf als immer bereiter Lustmolch gewiss schnell leiden.

Mit den Worten „Sie sind nicht mehr der Jüngste“ hatte sein Leibarzt die Wehwehchen und Unzulänglichkeiten erklärt, aber das wusste er allein. Tausend Jahre waren auch für einen Vampir aus Südosteuropa kein Pappenstiel. Das sah er an den immer kürzeren Intervallen, in denen er sich neue Freundinnen und Lustknaben zur Vitalitätserhöhung zulegte. Früher hatte es Liebschaften gegeben, die hundert und mehr Jahre hielten. Und heute? Da war er schon nach wenigen Jahren der meisten Sarghäschen überdrüssig.

Cau musste unwillkürlich an Antoinette denken, die liebreizende junge Dame mit deutschem und französischem Blut in den Adern, und er geriet ins Schwärmen. Stellte sich die Stunde des Todesbisses in seiner Fantasie ebenso bildhaft vor wie den ersten Geschlechtsakt nach ihrem Ableben und zupfte verträumt an seinen Augenbrauen.

Jetzt schweiften seine Gedanken noch mehr ab, und er überlegte, was er anziehen sollte, wenn es mit ihm irgendwann zu Ende ging.

Dann würden ihn seine Getreuen hier aufbahren und die Trauergäste an seiner Leiche vorbeidefilieren. Die verhassten Dragoner aus Vlad mit seiner Mutter Mariella. Froh, ihre Erstgeburt endlich los zu sein.

Die Neodragoner, deren Chef er seit dem Exodus aus den Karpaten war. Und die anderen Blutsauger aus aller Herren Länder, die sich sonst nur jedes zehnte Jahr zum Weltkongress in New York trafen.

Würde er sich denen, wie sie es von vampirischen Staatsoberhäuptern gewohnt waren, in traditioneller Herrschaftskleidung zeigen? Wie Ludwig XIV. im Pomp der absoluten Monarchie? Etwas moderner im schwarzen Frack? Oder sollte er aufs Ganze gehen? Er schüttelte unmerklich den Kopf. So sehr es ihn gelüstete, es Post mortem nochmals richtig krachen zu lassen, fürchtete er sich doch insgeheim vor dem Skandal, den er heraufbeschwören würde, wenn er es im Tod mit der Selbstverwirklichung übertrieb …

„Ich habe es immer gesagt, der Junge taugt nichts!“, würde Mutter Mariella zetern. Und wenn dann noch herauskam, dass er auch Knaben an der Schwelle vom Kind zum Erwachsenen nicht von der Bettkante schubste, geriet womöglich die ganze Dynastie in Gefahr.

Den vielen Geliebten, ob Männlein oder Weiblein, dürfte es nach den Erfahrungen mit ihm egal sein, wie er sich im Sarg präsentierte. Aber sonst? Wenn er nur an Zar Wladimir dachte, der als Savonarola der Russen in die Vampirgeschichte eingehen wollte. Oder die prüden Tanten aus Good Old England, die in ihren Auffassungen von Sitte und Anstand noch im viktorianischen Zeitalter steckten …

Graf Cau zuckte mit den Schultern und beschloss, in die raue Wirklichkeit zurückzukehren. Carpe Noctem, auf Vampirdeutsch nutze die Nacht, war auf dem Wappen der Neodragoner zu lesen, und nach diesem Motto wollte er auch heute verfahren.

Die vampirgräfliche Leibgarde hatte auch schon bessere Tage gesehen. Im ausgehenden Mittelalter sogar für Feldzüge gegen andere Dynastien herangezogen, war sie in den letzten hundert Jahren zahlenmäßig immer mehr geschrumpft und von der Schlagkraft her allenfalls noch als persönliche Schutztruppe geeignet.

Zudem brodelte es in der Garde. Weil ihr Chef eigene Ambitionen auf den Thron hatte, gab es ein Getuschel über den Regenten hier und ein Ondit da. Grund genug für den karrieregeilen Anführer, seine Leute zusammenzutrommeln und zum Halali gegen den verhassten Cau zu blasen.

Tiriac, wie der machtgeile Obergardist hieß, begann nach dem Appell, nichts nach draußen dringen zu lassen, sofort mit einer Schimpfkanonade auf den Grafen. „Dieser senile Schwule ist noch unser Untergang. Er schert sich einen Scheiß um Sitte und Moral, sperrt seine Geliebte in sehr eindeutiger Absicht in ihren Sarg, läuft heute schon kurz nach dem Aufstehen mit einer neckischen Schürze rum und vieles mehr. Wenn ich ihn ins Ausland begleite, höre ich doch all die Lästereien über ihn …“

Drei Untergebene klatschten höflich Beifall und ermutigten Tiriac, seinen tollkühnen Plan näher zu erläutern.

Dreißig Minuten nach dem Aufstehen erreichte Cau, nach der täglichen Körperpflege mit Unmengen von Kölnisch Wasser, einen Gewölbeteil, den kaum einer kannte. Er hatte hin und wieder als Folterkeller gedient, hauptsächlich aber als Wirtschaftstrakt für die Wäscherei und andere Infrastruktureinrichtungen der vampirgräflichen Residenz. Damals wäre er nicht im Traum auf die Idee gekommen, sich unters Gesinde zu mischen. Es sei denn, um nach einem Lustobjekt Ausschau zu halten. Dann aber, in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, war die Leibeigenschaft verboten worden, und viele Höflinge wanderten in besser bezahlte Jobs ab. Mit der Folge, dass es niemanden gab, der ihm beim Schrubben und Waschen zur Hand ging. Höchstens für den Frühjahrsputz ließen sich zwei, drei Migrantinnen aus Afrika finden, die den gröbsten Dreck beseitigten und bezahlbar waren.

Und Nicole, die er vor zehn Jahren mit dem Biss in den Hals beglückt und nach ihrem Übertritt ins Schattenreich zur Hauptmaitresse ernannt hatte? Die wusste wahrscheinlich nicht mal um den Bügelraum, in dem alle möglichen Wäschestücke darauf warteten, geglättet zu werden. Aber Nicole war ohnehin Vergangenheit, auch wenn er sie vorhin noch in der Schatztruhe neben seinem Sarg rumoren gehört hatte …

Cau griff nach einer der antiquierten silbernen Herrenblusen, die er zu offiziellen Anlässen trug, und legte sie vor sich aufs Bügelbrett, griff nach dem vorsintflutlichen Bügeleisen und errötete vor Scham, als er sich eingestehen musste, bei so niederer Arbeit Lust zu empfinden.

„Du bist pervers!“, würde seine Mutter jetzt tönen, und vielleicht lag sie mit ihrer Einschätzung nicht völlig daneben. Auch wenn er es für normal hielt, mit einer winzigen rosa Halbschürze, die mit Mühe sein Geschlecht bedeckte, und sonst nichts auf dem welken Leib die Hausarbeit zu verrichten, gab es doch Anhaltspunkte dafür, dass nur wenige andere Geschlechtsgenossen so wie er herumliefen.

Um Mitternacht leerte sich der Wäschekorb allmählich, und er freute sich wie ein Schneekönig, wieder auf die altmodischen, aber entzückenden Kleider aus dem 17. und 18. Jahrhundert zurückgreifen zu können. Antoinette würde er aus naheliegenden Gründen noch nicht mit dieser Aufmachung schockieren wollen, aber die eine oder andere Gelegenheit, die bodenlangen Gewänder zu tragen, ergab sich bestimmt …

Mariella, Großfürstin der Dragoner und Mutter des verbannten Cau, hielt zu mitternächtlicher Stunde Hof in der Bergfestung Vlad. Einer unterirdischen Anlage, die sogar der blutrünstige kommunistische Diktator in Bukarest für uneinnehmbar gehalten hatte. Mariella nahm ihre Amtspflichten immer noch ernst, trotz der tausenddreihundertvierzehn Lenze, die sie auf dem Buckel hatte. Die Kabinettsmitglieder berichteten, was sich in den letzten zehn Tagen in ihren Ressorts zugetragen hatte, und kurz vor dem Sitzungsende meldete sich nochmals der geschwätzige Postminister zu Wort. Wedelte dazu mit einem Brief und gab, als Mariella ihm zunickte, die Einladung zur Geburtstagsfeier des verlorenen Sohnes bekannt.

Die oberste Vampirin ihres Landes war nicht sonderlich amüsiert, ließ sich aber nichts anmerken. Statt herum zu poltern, diskutierte sie mit dem Kabinett das für und wider des Staatsbesuchs. Und als alles gesagt war, meinte sie lakonisch: „Warum soll ich mich aufregen? Wir bleiben fünf Stunden da und jubilieren. Schließlich feiert nicht mein Sohn Cau, sondert die liebe Tochter Geburtstag …“

Zuerst stutzten die meisten Anwesenden über Mariellas Witz, doch dann fiel bei ihnen der Groschen, und das Lachen nahm kein Ende …

Zwölf Stunden waren seit der Bügelorgie ins Land gegangen. Cau schmerzte der Rücken, weil Hohlkreuz, Plateausohlen unter den Schuhen und langes Stehen sich bei ihm nicht mehr vertrugen, und er wälzte sich hin und her. Obwohl todmüde, war bei ihm an Schlaf nicht zu denken, und so sinnierte er über die gute alte Zeit. Bei objektiver Betrachtung verlor die zwar viel von ihrem Glanz, aber Cau war ein guter Gaukler, sogar sich selbst gegenüber. Er koppelte die ersten Jahre der Verbannung und die endlosen Schläge der verhassten Mutter einfach aus, und schon blieben die angenehmeren Seiten seiner tausendjährigen Existenz übrig. Wenn er nur an den Spaß beim Nonnenklatschen dachte. Das war im 15. Jahrhundert neuer Zeitrechnung bei den Vampiren groß in Mode, und er war ein Meister in dieser Disziplin gewesen. Irgendwie waren Nonnenklatschen und Baseball miteinander verwandt, nur dass es früher statt Baseballschläger ausgeblutete Kirchendienerinnen gewesen waren, mit deren Hilfe ein Menschenschädel in die Höhe geschleudert wurde.

Über diese Erinnerung fielen Cau die Augen zu, und sein letzter Gedanke vor dem traumlosen Schlaf war der an die Tracht, die er einer Nonne abgenommen und dann klammheimlich anprobiert hatte. Letztlich der Beginn einer Leidenschaft, die ihn bis heute nicht losließ. (…)

Copyright © 2013 by Barbara Wegener und H.L.Ween (Babsi Ween)

Bildrechte: “Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wer wissen will, wie es weitergeht, kann den folgenden Titel als ebook bestellen:

Graf Cau, knapp tausendjähriges Oberhaupt des Vampirgeschlechts der Neodragoner, ist hoffnungslos in die Abiturientin Toni verliebt. Die erwidert seine Zuneigung und will ihm unbedingt in sein Schattenreich folgen. Eine fast normale Love Story, wären da nicht des Grafen kariöse Beißer, seine Gier nach erotischen Abenteuern mit Männlein und Weiblein und eine gewisse Vorliebe für Frauenkleider. Nach allerlei Irrungen und Wirrungen gibt es zwar ein Happy End, aber bis dahin ist in den Kellergewölben der markgräflichen Residenz zu Bayreuth und anderswo der Teufel los.

Babsi Ween: Ein bisschen bissig (ebook)

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 192 KB
Verlag: Satzweiss; Auflage: 1 (30. Mai 2013)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch


Titel bei amazon.de

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Federwelt Nr. 100, Juni/Juli 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Erstellt von Galaxykarl am 2. Juni 2013

Federwelt Nr. 100, Juni/Juli 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, Juni/Juli 2013
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Artikel & Interviews: Sandra Uschtrin
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelfoto und -collage: Carola Vogt und Peter Boerboom

www.federwelt.de
www.facebook.com/uschtrin.verlag/
www.boerboom-vogt.de

Wie unschwer schon auf dem Cover zu erkennen ist, feiert die Federwelt mit dieser Ausgabe ein Jubiläum: das 100. Heft! Und ich finde sowohl das neue Logo als auch das Feuerwerk dahinter mehr als passend und gelungen. Denn wieder einmal wird ein Feuerwerk an interessanten Beiträgen abgebrannt:

Natürlich darf auch in der Jubel-Ausgabe nicht das Thema fehlen, das uns alle beschäftigt: E-Books und ein passendes Marketing. In den Beiträgen „E-Books – Ihre Chance? Teil 3: Zurück zu Guttenberg …“ und „Von der Schnapsidee zum E-Book“ erfährt man Details, die man so auch noch nicht oder bisher nur angedeutet erfahren hat. Und sicher sind wir mit diesem sich rasch entwickelnden und verändernden Thema noch lange nicht durch. Als Autor gerade hier am Ball zu bleiben, sollte uns keine Ausgabe der Federwelt verpassen lassen.

Wer Fan von Daily Soaps und Telenovelas ist, sollte vielleicht den Artikel „Gute Unterhaltung mit Jens Schleicher, Folge 3: Akkordarbeit im Storydepartment“ nicht lesen. Als Zwangskonsument solch schrecklicher TV-Unterhaltung habe ich ohnehin den Eindruck, dass hier nach Schema F gefilmt wird und sich – egal, bei welcher Soap – Handlungen und Szenen sehr ähneln. Nichtsdestotrotz wird für angehende Drehbuchautoren diese Artikelserie interessant sein; ein kleines Lexikon mit speziellen Begriffen der Soap-Welt findet bei ihnen sicher Anklang; mich haben diese – natürlich Anglizismus–Bausteine eher in meiner Ablehnung solcher TV-Angebote bestätigt. Was nichts mit der Qualität von Jens Schleichers Artikel zu tun hat, sondern einfach nur mit dieser Form der TV-Unterhaltung.

Brandaktuell – weil bei jedem Buchprojekt immer und immer wieder anders – ist das Thema Exposé. In der 9. Folge der Textküche mit Gasch & Co. geht es um eine Aufgabe, die schon manchen Autor an den Rand des Wahnsinns gebracht hat: ein Exposé verfassen (Belletristik). Im Roman versucht man Spannung aufzubauen, nicht gleich am Anfang zu viel zu verraten, häppchenweise mit wohldosiertem Auf und Ab die Leser zu Tränen, Angstschweiß und Begeisterung hinzureißen, mit scheinbaren Erholungsphasen wieder auf den nächsten Höhepunkt vorzubereiten. Und im Exposé? Alles ganz anders. Völlig die „Hosen runterlassen“! Und das auch noch auf weniger als einer Handvoll Seiten. Ich finde, dies ist einer der besten Fixpunkte der Federwelt. (Anonym) Zu zeigen, was falsch ist, und von profunder Stelle aufgezeigt zu bekommen, wie man seine Chancen mit einem gelungenen Exposé verbessert und sich nicht gleich selbst abschießt.

Weitere gelungene Raketen dieser Ausgabe:
„Selbstmarketing, für Midlist-Autoren ein Muss“ von Titus Müller. Wirklich super!
„Reich werden: Kein Gewerbe für E-Book!“ von Goetz Buchholz. Sollte etliche E-Book-Autoren beruhigen.
„Lektoren-Wissen: nett zu haben oder unverzichtbar für AutorInnen?“ Interview mit Irene Rumler. Ich stimme für: unverzichtbar!
„Der Autorenrächer“ Glosse von Stephan Waldscheidt. Wie immer ein Schenkelklopfer. Wo kann ich meine Racheopfer anmelden und was kostet mich das? Hahaha.

Somit war auch die Jubiläumsausgabe wieder ein echter Kracher. Ich freu mich jetzt schon auf das Heft 200 … und alle anderen bis dahin.

Copyright © 2013 by Werner Karl
http://www.wernerkarl.org/

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DIE VERBOTENE WELT – Leseprobe Teil 1 aus dem gleichnamigen Roman: “Rettungskreuzer Ikarus 51 (Gamorrha-Trilogie 1)” von Irene Salzmann

Erstellt von Irene Salzmann am 22. Mai 2013

DIE VERBOTENE WELT

Leseprobe Teil 1 aus dem gleichnamigen Roman:
“Rettungskreuzer Ikarus 51 (Gamorrha-Trilogie 1)”
von Irene Salzmann

„Sie geben.“ Missmutig schob Kroil Wenga den Kartenstoß über den Tisch.

Yeni Alaya nahm ihn mit einem feinen Lächeln entgegen. Vor dem schlanken Piloten des Rettungskreuzers Phoenix stapelten sich die Creds, während seinem Gegenüber bloß ein kleines Häufchen geblieben war. Er mischte, ließ Wenga abheben und teilte ihnen beiden jeweils sieben Karten aus, die zwei letzten aufgedeckt. Der Chef-Ingenieur hatte den höheren Wert.

„Ihr Einsatz?“, fragte Alaya.

Wenga seufzte und betrachtete die wenigen Münzen, die neben dem nicht aufgedeckten Blatt lagen. Zwar spielten sie um kleine Beträge, aber da er fast jede Runde verloren hatte, würde der Zyraner ein nettes Sümmchen einstreichen. Natürlich hätte Wenga schon vor einer Weile aufgeben können, doch wollte er nicht den Ruf eines schlechten Verlierers haben. Und es bestand immerhin die Chance, dass sich ihm das Glück noch zuwenden würde. Bislang hatte er allerdings vergeblich gehofft.

„Zwei Creds.“

Alaya schnippte die gleiche Anzahl Münzen in die Tischmitte und nahm die Karten auf. Seiner Miene war nicht anzusehen, ob er ein gutes oder schlechtes Blatt besaß.

Bastard!, dachte Wenga und musterte seine eigenen Karten.

Diesmal hatte er überwiegend rote Motive von mittlerem Wert, zwei blaue mit den höchsten Punkten und keine gelben. Daraus ergaben sich drei Möglichkeiten. Entweder sammelte Wenga Farben und spielte auf Sicherheit, indem er darauf vertraute, dass er vor dem Aufdecken noch einige rote Karten ziehen würde, oder er setzte auf Risiko, indem er Blau wählte, vielleicht jedoch nur kleine Gelb- oder Rot-Werte erhielt. Alternativ ließen sich  auch hohe Werte in beliebigen Farben sammeln, wobei viele Karten derselben Farbe natürlich ein besseres Blatt ergaben.

Wenga musste Ansagen: Farben oder Werte.

Alaya wartete geduldig. Er brauchte nie lange zum Überlegen.

Daulion-Wy, das von zwei bis drei Teilnehmern gespielt werden konnte, bestand aus zweiundvierzig Karten in drei Farben, die jeweils mit ein bis vierzehn Punkten versehen waren; hinzu kamen drei Cumva-Karten, die beliebige Farben und Werte annehmen konnten. Das Ziel war, mit sieben Karten eine möglichst hohe Punktzahl in einer Farbe oder hohe Werte mit verschiedenen Farben zu erzielen. Die Punkte wurden addiert, doch konnte auch eine geringere Punktezahl den Sieg erringen, wenn das Blatt überwiegend dieselbe Farbe aufwies oder eine lückenlose Zahlenreihe zusammenkam. Rot schlug Blau, Blau schlug Gelb. Das beste Blatt bestand aus roten Karten mit den Werten Acht bis Vierzehn im Farb-Spiel, aus den Werten dreimal Vierzehn, dreimal Dreizehn und einmal  Rot Zwölf im Punkte-Spiel.

Jede Karte, die Wenga austauschte, kostete nach seiner Vorgabe zwei Creds. Entschied er sich für Rot, mochte sein Einsatz kleiner bleiben, als wenn er Blau wählte, doch viele hohe Werte in einer Farbe oder das Punkte-Spiel mit den beiden Blauen und der höchsten Roten konnten ihm mit größerer Wahrscheinlichkeit den Sieg bringen. Oder eine teurere Niederlage.

Leider wusste er nie, wie Alaya spielte: Manchmal hatte der Zyraner ein gutes Blatt, das er wahlweise durch ein sicheres oder ein Risiko-Spiel und natürlich einer großen Portion Glück erhielt, dann wieder bluffte er und brachte Wenga dazu, ein Blatt, das ihm den Sieg gebracht hätte, umzustellen oder auszusteigen, was ihm die Niederlage bescherte.

„Farbe“, erklärte Wenga. Sein Gefühl sagte ihm, dass er die falsche Wahl getroffen hatte. „Und zwei Karten.“ Er legte vier Creds zum Einsatz, schob die beiden Blauen mit der Rückseite unter den Talon und nahm von oben zwei neue Karten. Zwei Gelbe. Verdammt!

Alaya kaufte vier Karten. Nicht einmal ein zuckendes Augenlid verriet, ob er mit dem Blatt zufrieden war. Er klappte es zusammen, legte es auf den Tisch, die Hände darüber gefaltet.

Nun war Wenga wieder an der Reihe. Ob er auch einmal versuchen sollte zu bluffen? Wenn Alaya vier Karten ausgetauscht hatte, dann mochte sein Blatt ziemlich mies sein. Oder war das nur ein Trick von Alaya, um Wenga genau das glauben zu lassen?

Er beschloss, noch einmal zwei Karten zu kaufen. Als er die Gelben abgeben wollte, hörte er eine vertraute Stimme hinter sich.

„Hier bist du also, Schnuckelchen!“

Wenga konnte nicht verhindern, dass er leicht zusammenzuckte. So sehr er Reela Coy auch liebte und es mochte, wenn sie ihn mit Kosenamen bedachte – im Beisein dritter war ihm das peinlich.

Alaya verkniff sich zwar ein Grinsen, aber seine dunklen Augen funkelten amüsiert.

„Reela …“ Wenga war wie immer in ihrer Gegenwart um Worte verlegen. „Hast du mich gesucht?“ Ich Idiot! Natürlich hat sie mich gesucht.

Die Ärztin strahlte ihn an. „Ich habe Plätzchen gebacken und dachte mir, dass du sie gern würdest probieren wollen. Bei einer Tasse Kaffee.“ Was im Klartext hieß: in meiner Kabine.

Wenga wurde es warm.

„Wir beenden die Partie, dann steht Ihnen der Chief ganz zur Verfügung“, sprang Alaya für Wenga ein.

Reela schenkte beiden ein Lächeln und winkte zum Abschied. „Bis gleich!“

Wenga blickte ihr nach, als sie mit wiegenden Hüften die Kantine verließ. Reela war nicht groß und etwas drall. Das gefiel ihm. Ihre blonden Locken glitzerten im Licht der Deckenleuchten wie pures Gold. Sie ist wundervoll!

Gedankenverloren legte er die Karten ab, nahm zwei neue – und stellte fest, dass er seine beiden besten Roten statt der Gelben ausgetauscht und an ihrer statt eine niedrige Blaue und noch eine Gelbe bekommen hatte. Er fluchte.

Alaya verzichtete auf weitere Karten. „Decken wir auf?“

„Ich gehe Plätzchen essen.“ Wenga warf die Karten auf den Tisch und erhob sich.

Alaya sammelte erst die Karten, dann die Creds ein. „Ärgern Sie sich nicht. Dafür haben Sie Glück in der Liebe. Schnuckelchen.“

***

Auf dem Weg zu Reelas Kabine fragte sich Kroil Wenga zum wiederholten Mal, was die Ärztin an ihm fand. Sie war jung, hübsch, stammte von Carilem V, einer Welt des Multimperiums, und war durch und durch menschlich. Er hingegen war ein Drupi, zwar menschlich genug, so dass ihrer beiden Spezies kompatibel waren, doch entsprach er ganz gewiss nicht den gängigen Schönheitsidealen:

Wenga war wie alle Repräsentanten seines Volks groß und kräftig. Vermutlich brachte er das Vierfache von Reelas Gewicht auf die Waage. Im Vergleich zu Männern wie Yeni Alaya wirkte er grobschlächtig mit seinem massigen Körper, dem runden Gesicht, das von hellem, borstigem Heer umrahmt wurde, der dreihöckrigen Nase und hellbraunen Augen. Konnte Reela wirklich einem Monstrum wie ihm Gefühle entgegenbringen? Warum himmelte sie nicht Alaya an, der mit seiner sportlichen Figur, der olivfarbenen Haut, dem üppigen schwarzen Haar und dem etwas verträumten Blick sehr viel mehr dem menschlichen Schönheitsideal entsprach?

In Folge wunderte sich Wenga, ob Reela ähnliche Gedanken hegte: Warum interessierte er sich für eine dünne, zarte Frau, statt einer viel stattlicheren Erscheinung den Hof zu machen? Es gab einige weibliche Drupi, die auf Vortex Outpost Dienst taten und für sein Empfinden echte Hingucker waren.

Kroil und Reela …

Tatsächlich wusste er selbst nicht, wie es dazu hatte kommen können.

Es war einfach … passiert.

Warum auch nicht? Man hörte immer wieder davon, dass ein Wenxi eine Aniaderin zur Frau nahm, ein Chomorr in ein Fidehi-Kollektiv integriert wurde, eine Lyane mit einem Pentakka ihr Glück fand, ein Sloaä sich einer Rimundi zuwandte … Der Vizianer Pakcheon und der ehemalige Septimus der Konföderation Anitalle Cornelius waren schließlich auch ein seltsames Paar. Weshalb sollte dann ausgerechnet an einem Drupi und einer Carilema etwas komisch sein?

Als Wenga vor der Tür von Reelas Kabine stand und sich anmelden wollte, wurde ihm nach nur einer Silbe geöffnet.

Reela hatte auf ihn gewartet. Ihre großen, grünen Augen leuchteten unter schmalen, gewölbten Brauen. Wenga hätte unter diesem Blick wie Eis in der Sonne dahin schmelzen können …

Der kleine Raum unterschied sich nicht von seinem, denn die Ausstattung war auf fast allen Schiffen Standard. Allein die persönlichen Gegenstände verliehen der Kabine eine individuelle Note.

Es gab ein schmales Bett – gut, seines war etwas breiter, aber er benötigte nun mal nahezu die doppelte Liegefläche wie ein Mensch -, einen Spind, einen Tisch und zwei Stühle, ein Regal mit Holowürfeln, die Bilder von Reela nahestehenden Personen zeigten, Souvenirs und anderen Dingen. Das Prunkstück war ein gigantischer, handbemalter Fächer an der Wand hinter der Sitzgruppe.

Auf dem Tisch standen ein großer Teller mit Gebäck und zwei Tassen, in die Reela gerade Kaffee einschenkte.

„Setz dich, Schatzi. Hast Du die Partie gewonnen?“

Wenga kam der Aufforderung nach. Der Stuhl war zu niedrig und zu schmal, aber glücklicherweise stabil. Zögernd schüttelte er den Kopf. „Der Kerl hat ein verdammtes Glück, egal was wir spielen.“

Reela nahm ihm gegenüber Platz. „Warum lässt du dich dann immer wieder darauf ein?“

„Um mir die Zeit zu vertreiben.“

„Vielleicht solltest du dir … einen anderen Zeitvertreib suchen.“

„Zum Beispiel?“ Hatte das eben verheißungsvoll geklungen? Wenga wurde es noch wärmer; er wünschte sich, dass die Klimaanlage um zwanzig Grad herunter regelte.

„Na ja“, erwiderte Reela gedehnt. „Mir ist schon klar, dass die Freizeitmöglichkeiten an Bord begrenzt sind und du nicht nur Fachbücher lesen oder Holofilme anschauen magst. Laini hat begonnen, ein Instrument zu spielen. Sie sagte mir den Namen, aber er war so kompliziert, dass ich ihn gleich wieder vergessen habe. Melton – nein, das soll ich nicht verraten, weil es ihm etwas peinlich ist. Was der Captain treibt, keine Ahnung. Mir macht Backen Spaß. Ich dachte, dass du sicher auch gern etwas Kreatives anfangen möchtest.“

„Etwas Kreatives?“, echote Wenga, nachdem Reela immer schneller geredet hatte und ihn nun hoffnungsvoll anblickte, eine kluge Antwort erwartend.

„Ist nicht alles besser, als ständig gegen einen ehemaligen Berufsspieler zu verlieren?“

„Alaya ist Berufsspieler?“ Das erklärt einiges.

„War“, betonte Reela. „Er erzählte, dass er, bevor ihn das Raumcorps anheuerte, in einem Casino gearbeitet hatte. Nur im Casino als Croupier, Kartengeber und so, aber nicht als … äh …“

Eine leichte Röte überzog ihre Wangen, was Wenga einfach entzückend fand.

Reela wedelte mit der Hand. „Nimm doch ein Plätzchen!“

Wenga griff zu, während Reela den Faden wieder aufnahm.

„Ja, und wer glaubst du, hat ihm die ganzen Tricks beigebracht?“

Schnell schluckte Wenga herunter und wäre fast erstickt. Noch nie hatte er einen so trockenen Keks gegessen. Selbst die Sandkuchen, die seine kleine Nichte ihren Puppen und auch ihm, wenn er zu Besuch kam und mit ihr spielte, servierte, mochten bekömmlicher und weniger trocken sein …

„Keine Ahnung“, würgte er hervor und nahm einen großen Schluck heißen Kaffee. Lieber den Schlund verbrannt, als dem Keks des Todes erlegen.

„Niemand Geringeres als dieser Gauner Jason Knight. Da staunst du, was?“

Wenga nickte, froh, dass nicht wirklich eine Erwiderung notwendig war. Die hätte bloß aus Krümeln bestanden. Den nächsten Schluck nahm er vorsichtiger.

„Das ist wohl zehn Jahre her und war bevor Knight seine Schmuggler-Karriere begann. Nachdem er Yeni eingearbeitet hatte, kündigte er, spielte um einen Frachter, gewann – und weg war er. Yeni blieb danach noch gut zwei Jahre auf der St. Domina und schlug sich weitere drei Jahre als Berufsspieler durch. Weil irgendwann niemand mehr gegen ihn antreten wollte und er Schulden hatte, kam er zum Corps. Hast du das nicht gewusst?“

„Er hat auf der St. Domina gearbeitet?“ Wenga stellte die Tasse auf den Tisch. „Also darum wurde er von den Mädchen begrüßt wie ein alter Freund. Und ich hatte gedacht -“

„Mädchen?“ unterbrach ihn Reela, plötzlich mit Eis in der Stimme. „Was für Mädchen? Warst du etwa auch einmal an Bord dieses … Sündenpfuhls?“

Mit einem Mal brachte eine andere Hitze Wenga zum Schwitzen. Er hatte genau das Falsche gesagt.

„Nur dienstlich“, versuchte er, den Schaden zu begrenzen. „Ist schon eine Weile her. Ich glaube, du hattest damals Urlaub. Uns erreichte ein Funkspruch von der St. Domina, dass ein Gast mit einer ansteckenden Krankheit isoliert wurde, den man mit den bordeigenen Mitteln nicht heilen konnte. Wie sich herausstellte, war es ein … ah … gängiges … Leiden, doch der Erreger war mutiert. Wir haben den Mann an Bord genommen und in die nächste Klinik, auf St. Salusa, gebracht. Das war alles.

„Wirklich alles? Du sagtest, da waren Mädchen …“

Noch nie war Wenga so dankbar für das Heulen des Alarms gewesen, der genau in diesem Moment aufbrandete. Er schoss vom Stuhl hoch.

„Wir müssen in die Zentrale. Bestimmt ein Notruf.“

Reela eilte ihm nach. „Was war mit -“

„Mädchen, Männer“, rief Wenga über die Schulter, „Zwitter. Alles Mögliche gibt es dort. Besser, du fragst Alaya, wenn dich das interessiert. Ich habe bloß meinen Job erledigt.“

Als eine Antwort ausblieb, war Wenga ganz stolz auf sich. Er hatte sich nicht erneut in selbst ausgelegten Fußangeln verfangen, jeglichen Verdacht hoffentlich zerstreut – und den Keksen des Todes war er ebenso entkommen wie den Vorschlägen, welches kreative Hobby für ihn das richtige wäre. Es gab einfach Dinge, über die ein Mann nicht sprach. Erst recht nicht mit der Frau, deren Herz er erobern wollte. Und es war unwahrscheinlich, dass die Phoenix in absehbarer Zeit die Bahn der St. Domina kreuzen würde. Ansonsten blieb nur, giftige Pilze zu essen, um von Reela in der Krankenstation gepflegt zu werden …

(zum nächsten Teil)

Copyright (C) 2012/13 by Irene Salzmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Wer wissen möchte, was vorher passierte und wie es weitergeht, kann das Nachlesen in (Bestellmöglichkeit der Printausgabe direkt beim Verlag mit Klick auf das Cover):


Autor: Irene Salzmann
Preis: 2,99 EUR inkl. Mwst.
Erschienen: Atlantis Verlag 2013, ca. 106 Seiten *
Kategorie: Rettungskreuzer Ikarus
Format:
ebook für den Mobipocket-Reader Mobipocket (ohne DRM) 381.67 KB
eBook im ePub Format (ohne DRM) 291.35 KB
Rettungskreuzer Ikarus Band 51 als ebook bei beam-ebooks.de

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 390 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 125 Seiten
Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
Verlag: Atlantis Verlag Guido Latz (16. April 2013)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
Als Kindle Edition als ebook bei Amazon

Die Wanderlustseuche wurde besiegt, aber es wird noch lange dauern, bis die Galaxis sich von den Folgen erholt hat. Der Rettungskreuzer Phoenix ist eines der Schiffe, die auf die Notrufe Bedürftiger antworten und Hilfe zu bringen versuchen. Ein Funkspruch führt die Crew der Phoenix zu einem havarierten Raumer; dessen Besatzung hat eine verbotene Welt besucht und das Grauen mit an Bord gebracht …

In Vorbereitung der Paperbackausgabe später:

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WÖLFIN DES LICHTS – Leseprobe (Teil 1) der Fantasy- Trilogie „Roseend“ von Christa Kuczinski

Erstellt von Christa Kuczinski am 29. April 2013

WÖLFIN DES LICHTS

Leseprobe (Teil 1)

der Fantasy- Trilogie „Roseend“

von

Christa Kuczinski

Sara fühlte ihren Lippenstift zwischen den Fingern und schob ihn unwirsch zur Seite. Endlich spürte sie den kalten Gegenstand, hörte mit ihren überaus guten Ohren das leise Klimpern des Schlüsselbundes und beförderte ihn zutage. Bevor sich die Tür vollständig öffnete, schlüpfte sie hindurch und ließ sie hinter sich ins Schloss fallen. Aufatmend lehnte sie sich gegen die schwere Eichentür ihres neuen Zuhauses, das sie erst vor wenigen Wochen bezogen hatte.

In diesem winzigen Dorf, das, wenn man es genau nahm, nur aus einer Ansammlung windschiefer Cottages bestand, fühlte sie sich sicher und geborgen.

Sie stieß sich von der Tür ab und folgte dem silbernen Lichtstrahl, der durch das Oberfenster der Eingangstür fiel, bis in ihr kleines Badezimmer. Bereits unterwegs entledigte sie sich ihrer Pumps und des dunkelblauen Blazers ihres Kostüms. Den ganzen Nachmittag über war sie fahrig gewesen und erleichtert, als sie endlich Feierabend machen konnte. Ihr Chef hatte sie verständnisvoll angesehen, als ob er wüsste, wie sie sich an solchen Tagen und vor allem Nächten fühlte, in denen sie den überwältigenden Wunsch nach Freiheit verspürte.

Doch zuvor würde sie ein entspannendes Bad genießen und den Mief der Stadt so gut es ging aus ihren langen schwarzen Haaren entfernen. Sie beugte sich zum Wasserhahn vor, drehte auf heiß und beobachtete, wie das Wasser in die Badewanne strömte. Das Licht des langsam aufgehenden Mondes hatte freien Zugang durch das Fenster und tauchte den kleinen Raum in einen weichen Schimmer. Mit einer geschmeidigen Bewegung streifte Sara ihre restliche Kleidung ab und stieg über den Wannenrand hinweg in das dampfende Wasser. Wie immer verzichtete sie auf einen Badezusatz, sie mochte den oftmals unterschwelligen, beißenden Geruch nicht, der ihr das unangenehme Gefühl gab ihre Nase wäre verstopft. Kurz tauchte sie unter, lehnte sich mit dem Kopf gegen den Rand und schloss die Augen.

Da das Bad im hinteren Teil des Cottages lag, bemerkte sie nicht das vorsichtige Herantasten in der Dunkelheit außerhalb der Mauern. Etwas schlich an der Vorderseite entlang und verschwand seitlich den Hang hinab in Richtung des düsteren Waldes.

Kurz darauf stellten sich ihr die feinen Härchen an den Armen auf. Der Zeitpunkt, den sie schon den ganzen Tag herbeisehnte, kam schneller als erwartet. Sara stieg aus der Wanne und konzentrierte sich auf ihr Vorhaben. Ein Sprühregen an Wassertropfen fiel auf die hellen Fliesen und spritzte gegen die gekachelten Wände. Das stetige Tropfen des Wasserhahns nahm an Lautstärke zu und hallte in dem kleinen Raum wider, als würde sie sich nicht in einem Badezimmer, sondern in einer riesigen Tropfsteinhöhle befinden. Für einen Augenblick spürte sie anstelle von Hitze einen kühlen Luftzug. Sara war bereit für einen ihrer geliebten nächtlichen Ausflüge.

***

Die schwarze Wölfin huschte durch die angelehnte Hintertür hinaus in den verwilderten Garten. Tief sog sie die frische Nachtluft ein, jauchzte leise auf und sprang wie ein übermütiger Welpe durch das hohe Gras. Sie besann sich und schaute sich argwöhnisch in alle Richtungen um. Nichts deutete auf ungewöhnliche Vorkommnisse hin und doch verspürte sie für einen kurzen Moment drohende Gefahr. Nun etwas vorsichtiger schlüpfte sie unter der niedrigen Hecke hindurch, lief seitlich den Hang hinab, und verschwand im dichten Unterholz. Mit gespitzten Ohren lauschte sie den Geräuschen der Umgebung. Tief in sich spürte sie die ihr vertraute Wildheit, die sie nur allzu oft unterdrücken musste, in dieser Nacht jedoch genoss sie ihre Freiheit in vollen Zügen. Die fließende Bewegung ihrer Muskeln, die sich in ihrer Spannkraft durch ihren ganzen Körper fortsetzten, trieb sie immer weiter voran. Der dunkle Wald verbarg sie vor der restlichen Welt und vermittelte ihr ein tiefes Gefühl der Geborgenheit. Die Vielfalt der Gerüche, die ihr in die Nase stachen, ließen sie mehrmals aufgeregt winseln. Neben dem Findling zu ihrer Rechten roch sie das süße Aroma des Todes, das einigen Grasbüscheln anhaftete und deutlich machte, dass hier vor kurzem ein Fuchs mit seiner Beute vorbeigeschlichen war. Modrige Fäulnis stieg vom weichen Waldboden auf und die Luft trug die Ausdünstungen unzähliger Wildtiere mit sich. Dennoch trottete die Wölfin gemächlich den ausgetretenen Pfad entlang, der sie zu einer kleinen Lichtung führte. Bei ihrem letzten Ausflug hatte sie diesen verborgenen Ort entdeckt und er eignete sich hervorragend für das, was sie vorhatte.

Nicht mehr ausschließlich auf die Geräusche ihrer Umgebung konzentriert, ließ sie sich auf dem offenen Platz nieder und reckte ihre Schnauze dem sternenklaren Himmel entgegen. Tief atmete sie die aromatische Luft ein und spürte ein drängendes Grollen, das sich unaufhaltsam seinen Weg durch ihre Kehle bahnte. Die Wölfin verharrte mit geschlossenen Augen und übersah so den dunklen Schatten, der sich seitlich am Waldsaum entlang systematisch in ihre Richtung bewegte. Erst als eine kraftvolle, tiefe Stimme in ihren Gesang einfiel, bemerkte Sara erschrocken, dass sie keineswegs alleine war. Aus bernsteinfarbenen Augen, in denen sich das helle Mondlicht spiegelte, fixierte sie den imposanten Wolf in ihrer Nähe, der aus dem Halbdunkel der Bäume hervortrat. Erstaunt, ihn nicht eher entdeckt zu haben, fiel ihr erst jetzt auf, dass sich der kühle Nachtwind gedreht hatte und in ihre Richtung wehte. Der schwere Geruch von feuchter Erde, vermischt mit einem starken maskulinen Duft, drang ihr in die Nase und verwirrte sie für einen kurzen Moment. Mit gehetztem Blick auf den Wolf – sein silbernes Fell mit dem markanten schwarzen Streifen, der sich über seinen kraftvollen Rücken zog, hatte sich ihr eingeprägt – drehte sie sich um die eigene Achse und schoss, einen weiten Umweg nehmend, zurück in ihren Garten.

Copyright © der Leseprobe 2013 by Christa Kuczinski (mit freundlicher Genehmigung des Verlages und im Auftrag der Autorin)

Bildrechte: LYKANTHROPIE – Werwolfgeschichten aus dem sfbasar” (werwolfgeschichten.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Coverillustration “Schwarze Katzen” (20110205113353-e67c2f3d-400×600.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Weiter gehts direkt im Buch der Autorin:


Christa Kuczinski
Roseend „Wölfin des Lichts“

[Kindle Edition]

Verlag :The Missing Text; Auflage: 1 (29. März 2013)
ISBN : ASIN: B00C6BF8Q2
Preisinfo :2,99 Euro
Seiten/Umfang : 389 KB
Erscheinungsdatum : 29. März 2013
Covergestaltung: Qen Ademaj

Titel als ebook (Kindle Edition) bei amazon.de

Buchrückseite

Die junge Sara ist seit Jahren auf der Flucht. In dem kleinen, abgelegenen Ort Roseend findet sie endlich ein neues Zuhause. Und die netten, zuvorkommenden Einwohner scheinen auch irgendwie anders zu sein – genau so anders wie sie selbst. Sara verliebt sich in Jack, der offenbar eine Vormachtstellung im Ort hat. Doch ganz so einfach, wie sie es sich erhofft, ist die Beziehung nicht, denn der Vollmond verändert nicht nur die Dorfbewohner und Jack, er verändert auch Sara, und es zeigt sich, dass sie doch nicht so ist, wie die anderen. Werden Sara und Jack den Kampf um ihre Liebe gewinnen können – oder wird Saras Vergangenheit und ihr Geheimnis um ihre Andersartigkeit alles zerstören? “Roseend – Wölfin des Lichts” ist der Beginn einer Werwolfsaga um Liebe und dunkle Geheimnisse.

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“Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger” von Werner Karl ist nun käuflich erhältlich!

Erstellt von Galaxykarl am 13. April 2013

Liebe Freunde, Römer, Schriftgelehrte,
liebe Freunde des gedruckten und geschriebenen Wortes,
liebe Marsianer,

ihr hört gerade den donnernden Startschuss meiner Fantasy-”Spiegelkrieger”-Trilogie. Der Band I: “Túan mac Ruith – Druide der Spiegelkrieger” ist nun käuflich erhältlich. Zum sagenhaften Preis von 2,99 € für das E-Book. Eine kostenlose XXL-Leseprobe soll euch Lust auf den ganzen Band machen. Hier der Link zu neobooks/Droemer-Knaur:

http://www.neobooks.com/werk/20331-tuan-mac-ruith-druide-der-spiegelkrieger.html

Natürlich habe ich eine Bitte an euch: Lest die Leseprobe und gebt einen Kommentar oder eure Meinung dazu ab. Wer im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt hat, kann sich gerne den ganzen Roman downloaden; für gerade mal 2,99 €. Und dann – wenn er/sie möchte – eine kleine Rezension dort veröffentlichen. Einfach bei neobooks als Rezensent anmelden, Rezi schreiben, fertig.

Neobooks/Droemer-Knaur wird sich in regelmäßigen Abständen genau diese Publikumsreaktionen ansehen und mir vielleicht den Weg zu einem gedruckten Buch ermöglichen.

Ich werde bis zum Sommer warten und dann den Band II: “Arianrhod mac Ruith – Königin der Spiegelkrieger folgen lassen; denn fertig ist er schon. Und gerade schreibe ich die letzten Kapitel von Band III: “Brannon mac Ruith – Dämon der Spiegelkrieger”

Viel Spaß beim Lesen (und Gruseln) wünscht euch euer
Werner ;-)
galaxykarl
www.wernerkarl.org

Und hier schon mal alle drei Cover (Fotos © Copyright by shutterstock):

Coming soon ...

Coming soon ...

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Federwelt Nr. 99, April/Mai 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Erstellt von Galaxykarl am 3. April 2013

Federwelt Nr. 99, April/Mai 2013 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, April/Mai 2013
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Artikel & Interviews: Sandra Uschtrin
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelfoto: Carola Vogt und Peter Boerboom

www.federwelt.de
www.facebook.com/uschtrin.verlag/
www.boerboom-vogt.de

Hier wieder die Beiträge, die mir am besten gefallen haben:

Liiert mit einem Autor / Der Part der Partnerin, Folge 2: Ulrike Kirchhoff
Schreiben und Familienleben sind zwei Dinge, die sich nicht unbedingt vertragen. Welche/r AutorIn kann hiervon nicht selbst ein Liedchen singen? Schreiben ist ein einsamer Beruf, viele müssen sich völlig abschotten und konzentrieren, jegliche Störung rollt den roten Teppich für soziale Konflikte aus. Wie man zu einer Lösung findet, die beides – Schreiben und Familie – in Einklang bringen kann, wird hier am Beispiel von Ulrike und Bodo Kirchhoff beschrieben. Ein Modell, das sicher nicht auf jeden passt.

Schreiben für Daily Soaps und Telenovelas, Teil 2: Die Entwicklung von Antagonisten
Das Böse ist immer und überall. Sowohl im realen Leben wie auch in Geschichten und Romanen. Jens Schleicher führt am Beispiel von Antihelden in Daily Soaps und Telenovelas auf, dass öfter der Antiheld im Gedächtnis des Publikums verhaftet bleibt, als der eigentliche Held; z. B. J. R. Ewing gegenüber dem eher faden Bobby oder moderner: Darth Vader als der anfänglich sehr blasse Luke Skywalker. Und der Antagonist ist nicht nur um des Bösen willen selbst böse, er hat auch Gründe dafür. Sie zu entwickeln, der Figur einzuverleiben, ist eine der Quellen für logische Handlungen und vielschichtige Konflikte. Ein super Beitrag, aufgrund dessen ich sofort meine aktuelle Arbeit einer entsprechenden Kontrolle unterzogen habe … und erfreut feststellen durfte, dass meine Finsterlinge nicht nur tumbe Schläger sind.

E-Books unter die Lupe genommen von Wolfgang Ehrhardt Heinold
Natürlich kann auch diese Ausgabe der Federwelt nicht ohne einen Beitrag zum Thema E-Book auskommen. Und das ist gut so, denn schließlich verunsichert aktuell (und wahrscheinlich noch sehr lange) kein Thema die Buchszene mehr. In diesem 2. Teil der Reihe geht es um Chancen, welche diese Publikationsform AutorInnen eröffnen kann. Der Titel des Beitrages lautet: „Zahlen, Trends und Prophetien unter die Lupe genommen“. Hier die einzelnen Punkte, die Sie sehr aufmerksam lesen – und dabei einen Teil der Angst vor E-Books verlieren – sollten:
Modell „Zielgruppenverlag“
Modell „Gigant ohne Geist“ Wer damit gemeint ist? Natürlich Amazon.
Modell „Fall der Preisbindung“
Modell „small is beautiful“
Modell „Der Buchhandel stirbt aus“ Leider fehlen hier die konkreten Beiträge.
Modell „E-Books in den USA“ Die Frage, ob diese Entwicklung auch in Deutschland stattfinden wird, bleibt leider ebenfalls ungeklärt.
Modell „Buchhandel in den USA“
Modell „Self-Publishing“

Kolumne: Vorlesen für Fortgeschrittene, Folge 39: Lampenfieber von Michael Rossié
Natürlich hat jeder Künstler Lampenfieber, wenn er einem zahlenmäßig mittleren oder größeren Publikum entgegentritt. Hier habe ich Balsam auf meine (typisch deutsche) Seele bekommen: Vorbereitung ist alles. Ein Mitglied einer Gruppe baumlanger Kanadier hatte einmal vor vielen Jahren mir lächelnd auf die Schulter geklopft und meine offensichtliche Nervosität mit folgenden Worten weggewischt: „You´re a german, you´re prepared!“ Stimmt. Einige kleine Dinge beachten und man kann sich auf den Vortrag selbst konzentrieren.

Ein Autor lässt die Hosen runter von Stephan Waldscheidt
Wo lässt man die Hosen runter? Nein, nicht im Schlafzimmer. Im Finanzamt! Stephan Waldscheidt hat hier mal eine Aufstellung seiner Einnahmen und Ausgaben als Schriftsteller für das Steuerjahr 2012 aufgelistet. Wenn Sie das lesen, werden Sie zwischen (Galgen) Humor und Entsetzen hin und hergerissen sein. Versprochen.

Weiterhin im Heft:
- Die bunte Welt der Pseudonyme
- Der Deutsche Literaturfonds
- Eine lyrische Stimme entwickeln
- Textküche, Folge 8: Humor; Zutatenliste
- Rezensionen: Digest; karawa.net
- Impulsbar: Personen beobachten und beschreiben
- Terminkalender
Und noch viel mehr …

Copyright © 2013 by Werner Karl
www.wernerkarl.org

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ABSEITS VON ALLEM (Teil 1) aus: “Shaans Bürde” – Fantasy-Roman von Susanne Gavénis

Erstellt von Susanne Gavénis am 28. März 2013

ABSEITS VON ALLEM (Teil 1)

aus: “Shaans Bürde”

Fantasy-Roman

von

Susanne Gavénis

(Zum vorherigen Teil)

Das klare, tragende Lied des Morgensängers, mit dem der winzige, unscheinbare Vogel auf unnachahmliche Weise die aufgehende Sonne begrüßte, hallte durch das Tal, brach sich an den Felsen zu einem vielfachen Echo und wehte durch das geöffnete Fenster des kleinen Backsteinhauses, über dem noch die Schatten der Nacht hingen. Die verspielte Melodie weckte Shaan, so wie an jedem Morgen.

Noch verschlafen öffnete er die Augen, fand sein Gesicht wie so oft unter statt auf dem Kissen wieder und drehte sich vom Bauch auf den Rücken. Das Laken, das sich im Schlaf fest um seine Körpermitte gewickelt hatte, schnürte ihn ein wie der Leib einer Riesenschlange. Schnaufend richtete sich Shaan auf, zog und zerrte daran, bis es ihn widerwillig freigab, und ließ sich danach ächzend auf die Matratze zurücksinken.

Mit einem leisen Stöhnen spähte er zum Fenster hinüber. Es öffnete sich nach Osten, so dass er die Sonne sehen konnte, wenn sie über den Bergen aufging. Ihr glühender Kreis lugte gerade erst über die Berggipfel hinweg, der Himmel hingegen erstrahlte bereits in feurigem Rot, das die kleinen Schäfchenwolken in lodernde Flammen verwandelte.

Die durchsichtige Gardine färbte sich ebenfalls blutig rot. Sie war zur Seite gezogen und bewegte sich rhythmisch in der leichten Brise, mit der der sommerlich warme Wind das Haus umschmeichelte. Draußen trällerte noch immer der Morgensänger, dem sich nun auch andere Vögel anschlossen, und die ersten, emsigen Bienen summten zu den Blumen, die vor dem Häuschen direkt unter der Fensterbank ihren lieblichen Duft verströmten, obwohl sich ihre Kelche gerade erst zu öffnen begannen.

Ein kleiner, bunter Schmetterling verirrte sich durch das Fenster ins Zimmer. Shaan rief seine Magie herbei und trug das zierliche Wesen mit einem sanften Windhauch zurück in die Freiheit. Er lächelte, als er ihm nachsah, dann seufzte er leise.

Die Strahlen der Sonne wurden stetig heller. Shaan zwinkerte, als sie ihn direkt in die Augen trafen, und drehte den Kopf, so dass sie nur noch seine Wange wärmten. Die Lider fielen ihm zu, doch als aus dem Inneren des Hauses ein Geräusch erklang, riss er sie erschrocken wieder auf. Sein Vater war sicher längst aufgestanden und bereitete das Frühstück zu.

Shaan holte tief Luft, um die Reste des Schlafs und die Schmerzen aus seiner übel verspannten Brustmuskulatur zu vertreiben. Sie waren eine Erinnerung an das quälende Seitenstechen, mit dem er sich gestern den gesamten Tag herumgeplagt hatte. Sein Vater hatte, wie schon so oft zuvor, seine Belastbarkeit testen wollen, und wieder einmal hatte er kläglich versagt. Sie waren viele Meilen über Stock und Stein gelaufen, stets im Trab, nie langsamer.

Gefflan war ihm wie üblich weit voraus gewesen. Er besaß die Ausdauer eines Wolfes und die Wendigkeit einer Berggämse. Shaan bewunderte ihn dafür. Ihm selbst war nach der Hälfte der Strecke die Luft knapp geworden, nach dreiviertel hätte er am liebsten aufgegeben, und auf dem letzten Viertel war er so erschöpft gewesen, dass sich alles um ihn gedreht hatte. Nur weil er sich schmerzlich der tadelnden Blicke seines Vaters bewusst gewesen war, hatte er sich zusammengerissen und bis zum Ende durchgehalten. Wäre er jedoch nur ein einziges Mal gestolpert und gestürzt, hätte er sich nicht mehr auf die Beine ziehen können, soviel war sicher.

Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn, und eine warnende Stimme in seinem Innern drängte ihn dazu, keine Zeit mehr zu vertrödeln. Er biss die Zähne zusammen, missachtete den Schmerz in seinen übermäßig strapazierten Gliedern und setzte die Füße auf den Boden. Als er sich das Schlafhemd über den Kopf zog, stöhnte er erneut und hoffte, der heutige Tag möge weniger anstrengend werden als der gestrige. Nur glauben konnte er nicht daran.

Mit einem fatalistischen Seufzen griff er abermals auf seine Magie zurück, konzentrierte sich und schickte seinen Geist suchend durch das Fenster nach draußen. Er fand den kleinen Bach, der sich durch das Tal schlängelte, langte in das klare Wasser hinein und zog einen guten Eimervoll heraus. Wie von Geisterhänden geführt, schwebte es als fetter, wabernder Tropfen über die Wiese auf sein Fenster zu.

Eigentlich hatte er vorgehabt, es in die Schale zu befördern, die auf dem Tisch neben seinem Bett stand, doch dann kam ihm eine bessere Idee. Er hob es über seinen Kopf – und entließ es aus seiner Magie.

Das kühle Nass stürzte wie ein gewaltiger Regentropfen auf ihn herab. Er streckte ihm das Gesicht entgegen, genoss es, als es seine nackte Haut benetzte und den Schweißfilm mit sich fortspülte. Mit einer zweiten Fuhre Wasser wusch er sich gründlich und trocknete sich danach mit einem warmen Luftstrom, den er selbst herbeirief. Die Reste seiner ungewöhnlichen Dusche ließ er im Boden versickern. Darin hatte er längst Übung. Anschließend zog er eine feste Hose und ein dünnes Hemd über. Später würde er es vermutlich wieder ablegen, denn die Strahlen der Sonne verkündeten bereits jetzt, dass es ein heißer Tag werden würde – falls er es nicht änderte. Er konnte Regen rufen, wenn er es wollte, und nicht selten hatte Gefflan genau das von ihm verlangt.

In die Gedanken an frühere Martyrien versunken, fuhr er sich mit einem Kamm durch die dunklen Haare, und obwohl er sich nach Kräften bemühte, gab es stets eine widerspenstige Strähne, die immer wieder in seine Stirn zurückfiel. Nach ein paar erfolglosen Versuchen, sie zu bändigen, streckte er die Waffen und beeilte sich, sein Zimmer zu verlassen. Sein Vater mochte es nicht, wenn er sich zu viel Zeit beim Aufstehen ließ.

Er öffnete die Tür und trat barfuß auf den schmalen Flur hinaus. Angenehm kühle Luft schlug ihm entgegen; selbst an den heißesten Sommertagen behielt sie ihre mäßige Temperatur bei, denn das Haus war direkt an den Fels gebaut, und einige der Räume, wie etwa die Vorratskammer, waren sogar ins Gestein selbst hineingetrieben worden.

Ohne innezuhalten, hastete Shaan an mehreren Zimmern vorbei zur Küche. Unwillkürlich leiser auftretend, spähte er umher und schluckte, als er die regungslose Gestalt seines Vaters erblickte. Gefflan verweilte, ihm mit der Seite zugewandt, starr vor dem großen, weit geöffneten Küchenfenster. Der laue Wind, der aus dem Hallagat heranwehte, spielte mit seinen dunklen Haaren, die von unzähligen grauen Strähnen durchzogen waren, ansonsten stand er still, als wäre er in Stein gemeißelt.

Shaan betrachtete seinen Vater stumm. Gefflan war groß und kräftig, besaß dabei aber die Geschmeidigkeit einer Wildkatze, gepaart mit der tödlichen Präzision eines jagenden Falken. Er verstand es, seine Bewegungen in einer Weise zu kontrollieren, von der er selbst nur träumen konnte. Seine Augen waren, wie so oft, auf einen Punkt weit jenseits des Tals gerichtet, zeugten von der Wanderung seiner Gedanken in die Vergangenheit, in eine Zeit, die nunmehr fast sechzehn Jahre zurücklag. Sein Gesicht war unbewegt, einer Maske aus poliertem Marmor gleich, nur in den Augen- und Mundwinkeln hatten sich spröde Falten tief in die Haut eingegraben. Manchmal sahen sie wie Risse aus, die sich in Porzellan bildeten, kurz bevor es endgültig zersprang.

Die Lippen seines Vaters waren dünn, lediglich zwei schmale Striche, die stets dicht aufeinanderlagen, so als wollten sie jedes Wort nur mit Widerwillen entweichen lassen. Wo sie zusammentrafen, zogen sie sich leicht nach unten, mal mehr, mal weniger. Zum Lächeln waren sie nicht geschaffen.

Shaan wartete geduldig. Sein Vater schätzte es nicht, aus seinen Erinnerungen gerissen zu werden, und er neigte dann dazu, ihn noch mehr zu drangsalieren, als er es ohnehin schon tat.

Die Stille zwischen ihnen hielt an, bis von draußen ein lautes Platschen erklang. Shaan griff mit seinem Geist hinaus, um die Ursache des Geräuschs zu erkunden, und fand sie sofort.

Ein Zittern lief wie eine Welle über den Körper seines Vaters, holte ihn aus seiner Starre und brachte ihn, zumindest für diesen Moment, in die Gegenwart zurück. Er wandte sich zu ihm um und musterte ihn scharf. Seine Augen glänzten wie nasse Kiesel am Rande eines kalten Gebirgsbaches.

„Warst du das?“, fragte er, und seine Mundwinkel wiesen um einen Deut mehr als gewöhnlich nach unten.

„Nein, Vater“, beeilte sich Shaan zu versichern. „Eine Forelle sprang nach einem Insekt, nichts weiter.“

Gefflan starrte ihn noch einen Augenblick lang finster an, dann drehte er sich ruckartig um, ging mit steifen Bewegungen zum bereits gedeckten Tisch hinüber und setzte sich.

Shaan folgte ihm und nahm ihm gegenüber Platz. „Das ist ein schöner Morgen, nicht wahr?“, sagte er hoffnungsvoll.

Gefflan nickte nur und begann zu essen.

Mit einem Seufzen, das irgendwo tief in seinem Inneren entstand und auch dort gefangen blieb, griff Shaan nach dem Krug mit Wasser und füllte sich einen Becher voll ein. Sein Vater trank heißen Kaffee, dem Shaan nur wenig abgewinnen konnte. Er mochte keine warmen Getränke. Ihm war das Wasser lieber, wenn es kühl und in seinem ursprünglichen, klaren Zustand belassen war.

Sie aßen schweigend und ohne aufzusehen, erst als das Frühstück beendet war, hob Shaan den Kopf und blickte seinen Vater fragend an.

„Marzen Besite wird im Verlauf des Vormittags eintreffen“, erklärte Gefflan wie beiläufig. „Er bringt uns neue Vorräte.“

Shaan wartete.

„Ich will, dass du mit ihm sprichst.“

„Tatsächlich?“, entfuhr es Shaan verblüfft. Normalerweise hielt sein Vater ihn von anderen Menschen überaus sorgsam fern – außer er verfolgte eine ganz bestimmte Absicht damit.

„Es ist eine gute Gelegenheit, deine Fähigkeit, Personen zu beeinflussen, zu testen. Du musst dich auch darin üben, wenn du ausreichend auf den Kampf vorbereitet sein willst.“

Shaan sah seine Befürchtung bestätigt. „Ist das wirklich nötig?“, fragte er vorsichtig.

„Ich muss dir nicht erst sagen, dass du diese Gabe bald dringend brauchen wirst.“

„Nein, Vater.“

„Gut, dann hör mir genau zu. Ich will, dass du Marzen aus dem Tal lenkst, ihn zum nächsten Abgrund führst und über die Klippe treten lässt.“

Entsetzt sprang Shaan auf. „Das kann nicht dein Ernst sein! Ich kann doch keinen Menschen umbringen!“

„Das sollst du auch nicht“, erklärte Gefflan ungerührt. „Du kannst Marzen jederzeit mit Hilfe deiner Luftmagie auffangen.“

„Könnte ich nicht etwas anderes mit ihm tun?“

„Nein. Es ist wichtig, dass du lernst, einen Menschen auch dann zu manipulieren, wenn es seinem tiefsten Überlebensinstinkt widerspricht.“

„Aber Marzen wird sich zu Tode ängstigen!“

„Das soll er auch, ansonsten würde er sich kaum angemessen gegen deine Beeinflussung wehren.“

„Er kann sich gar nicht wehren! Niemand kann das.“

„Das weißt du nicht. Du bist bisher zwar niemals auf Widerstand gestoßen, aber das wundert mich nicht. Alles, was du bisher mit Marzen versucht hast, waren bloße Spielereien. Es war nichts dabei, was für ihn eine Gefahr bedeutet hätte oder auch nur unangenehm gewesen wäre. Vermutlich hat er nicht einmal bemerkt, dass du ihm deinen Willen aufgezwungen hast. Es ist höchste Zeit, dass du dich ernsthafter darin übst.“

Shaan rieb sich fahrig den Hals. „Ich … ich möchte niemandem ein Leid zufügen.“

Gefflans Mundwinkel sanken noch etwas tiefer herab. „Glaubst du, die Shai’yinyal würde Skrupel haben? Glaubst du, sie würde zögern, ihre Fähigkeiten bis zum Äußersten auszureizen?“

„Nein“, gab Shaan kleinlaut zu.

„Natürlich nicht! Ihre Macht ist das Maß, das du an deine Anstrengungen anlegen musst. Wenn du nicht alle deine Kräfte trainierst, könnte sie am Ende noch über dich Kontrolle gewinnen!“

„Ich glaube nicht, dass das möglich ist!“

„Etwas zu glauben genügt nicht, wenn es um deine Aufgabe geht! Du musst dir deiner Fähigkeiten absolut sicher sein, oder willst du, dass die Lanhal getötet wird?“

Shaan schüttelte stumm den Kopf.

„Dann tu, was ich gesagt habe!“

„Gibt es wirklich keinen anderen Weg?“

„Nenn mir einen, auf dem dich der gleiche Widerstand erwartet.“

Hilflos zuckte Shaan mit den Schultern. „Das kann ich nicht.“

„Dann weißt du, was du zu tun hast.“

Shaan sah zu Boden. „Ja, Vater.“

Und in seinen geheimsten Gedanken reihte er diesen Tag in die lange Reihe derer ein, die er zu hassen anfing, noch bevor sie richtig begonnen hatten.

***

Nachdem sein Vater ihn entlassen hatte, beeilte sich Shaan, ins Freie zu kommen. Ihm lag nichts daran, in der beklemmenden Enge des Hauses und seiner düsteren Stille länger als nötig zu verweilen. In der Hand hielt er ein Buch, einen Geschichtsfolianten, in dem einer der früheren Kämpfe zwischen Gut und Böse beschrieben war. Gefflan hatte ihm aufgetragen, darin zu lesen, oder besser, es auswendig zu lernen, so wie all die anderen Geschichten, die er sich bereits in sein Hirn eingebrannt hatte, denn da Besuch bevorstand, konnte er sich nicht in seiner Magie üben. Niemand durfte etwas von seinen erstaunlichen Kräften erfahren, denn auch dieser Kampf würde, wie alle vorangegangenen, im Verborgenen ausgetragen werden.

Noch immer barfuß schritt Shaan über die Wiese, spürte das feste, kühle Gras unter seinen Füßen, an dessen Halmen noch die Reste des Morgentaus hingen, und dazwischen die Krumen der schweren, feuchten Erde. Einmal sah er sich um und betrachtete nachdenklich das kleine Backsteingebäude, das nun schon seit so vielen Jahren sein Zuhause war. Es schmiegte sich eng an die Felswand am Ende des Tals, und sein Dach verschwand halb unter einem bedrohlich wirkenden Überhang, der aussah, als wolle er jeden Augenblick abbrechen und das winzige Häuschen gänzlich unter sich begraben. Von dort wucherte wilder Efeu wie grüner Regen auf die dunklen Ziegel herab, bedeckte sie fast vollständig und kroch spinnengleich über die Wände, die irgendwann einmal weiß getüncht gewesen waren. Heute besaßen sie eher die graue Farbe regenschwangerer Wolken und vermochten das Licht der Sonne nicht mehr zu reflektieren.

An sonnigen Tagen wie heute fiel das besonders auf, zumal die Felsen des Hallagat ganz eigener Natur waren. An manchen Stellen waren sie weiß wie Schnee, an anderen schwarz wie die Nacht. Helles und dunkles Gestein in den Basaltbrocken wechselten so oft, dass sie kaum mehr als feinste Adern bildeten, die sich gegenseitig umschlungen hielten, als hätte man das rabenschwarze Haar einer jungen Frau mit den gebleichten Strähnen einer Greisin verflochten. Wo immer die Sonnenstrahlen auf das weiße Quarzgestein trafen, wurden sie so blendend zurückgeworfen, dass Shaan zwinkern musste, und wo sie auf den dunklen Fels fielen, wurden sie verschluckt wie das Licht schwacher Fackeln in tiefer Finsternis.

Als er seinen Vater aus der Tür des Hauses treten sah, wandte er sich hastig wieder um und setzte seinen Weg fort. Er folgte dem Verlauf des kleinen, fröhlich vor sich hin plätschernden Baches, der direkt neben dem Haus entsprang und sich, an die natürlichen Gegebenheiten des Talbodens angepasst, wie der Leib einer großen, trägen Schlange zwischen Bäumen, Sträuchern und Wiesenkräutern dahinwand. Am anderen Ende des Hallagat suchte er sich durch die engen Felsen einen Weg nach draußen und floh schließlich durch die einzige Öffnung, die es in den Talwänden gab.

Jeder, der das Hallagat betreten wollte, musste dem Bach folgen, und auf mehreren Metern blieb einem Besucher sogar nichts anderes übrig, als durch das kühle, klare Wasser zu waten. Ein Wagen oder auch nur ein Pferd hätten niemals Einlass ins Tal gefunden, dazu war die Bresche im Fels zu winzig. Sie gewährte nur Menschen und kleineren Tieren Zutritt.

So weit ging Shaan heute morgen allerdings nicht. Das Hallagat war wie ein Halbmond geschwungen, und sein Ziel lag am Scheitelpunkt der Wölbung. Dort besaß der Bach einen weiteren Zufluss, der irgendwo weiter oben im Fels entsprang und als kleiner Wasserfall munter die Bergflanke herabsprudelte. Das kühle Nass benetzte die zarten, gelappten Blätter und die rachenförmigen, violetten Blüten des Zaibakrautes, das überall im Hallagat in Felsnischen und Gesteinsspalten wuchs, sammelte sich in einem rundlichen Becken aus weißem Stein, bevor es über dessen Rand quoll, von dort aus quer über die Wiese zum Bach hin eilte und sich schließlich mit ihm vereinigte.

Als Shaan sich der Stelle näherte, sah er zwei kleine Spatzen, die sich von der flachen Seite des Beckens vorsichtig in das Wasser vorwagten. Sie tauchten mit den Köpfen unter und schlugen heftig mit den Flügeln, so dass winzige Tropfen wie Splitter aus Sonnenlicht wild umherflogen. Er blieb stehen und wartete, bis die Vögel ihr genüssliches Bad beendet hatten. Als sie aus dem Wasser herauskamen und ihre Federn zum Trocknen spreizten, verursachte er einen leichten Luftstrom, der sanft in ihr Gefieder fuhr. Die Spatzen piepsten überrascht und erfreut. Gleich darauf tanzten sie munter im warmen Wind auf und ab, bis die Reste der Feuchtigkeit vertrieben waren, zwitscherten fröhlich und flogen davon.

Erst jetzt setzte er sich wieder in Bewegung. Auf einem kniehohen Findling, der neben dem Becken aus dem Boden ragte, ließ er sich nieder, streckte die Beine aus und tauchte die Zehenspitzen in das klare Wasser. Die Sandkörner, die an seinen Füßen hafteten, wurden fortgespült, als er spielerisch mit den Zehen wackelte, anschließend zog er die Beine an und faltete sie im Schneidersitz übereinander. In dieser Haltung konnte er stundenlang verweilen.

Er legte das Buch auf seine Knie und fuhr mit den Fingerspitzen langsam über den dicken, ledernen Einband, unentschlossen, ob er es öffnen sollte oder nicht. Es enthielt eine ausführliche Beschreibung der Geschehnisse des letzten Kampfes, der vor hundert Generationen stattgefunden hatte, erzählte, wie der Shai’lanhal dem Ruf der Lanhal gefolgt war, wie er sie getroffen und vor den Angriffen der Shai’yinyal beschützt hatte, bis der Augenblick der finalen Konfrontation, die allein zwischen der Lanhal und dem Yinyal ausgetragen wurde, gekommen war.

Trotz aller Detailgenauigkeit vermisste Shaan jedoch einen Aspekt der Schilderung schmerzlich: Zu gern hätte er gewusst, was der Junge, der vor ihm der Shai’lanhal gewesen war, angesichts der immensen Aufgabe, der er sich hatte stellen müssen, empfunden hatte. Wie hatte er sich innerlich darauf vorbereitet? Hatte er sich bereit gefühlt, der Lanhal zur Seite zu stehen?

Shaan seufzte schwer. Er selbst fühlte sich nicht bereit. Sobald er auch nur daran dachte, wie nahe die Zeit des Kampfes bereits gekommen war, pulsierte das Blut schneller durch seine Adern, begann in seinen Ohren zu rauschen, und alles, was er gelernt und geübt hatte, wich von ihm fort wie welke Blätter, die vom Herbststurm erfasst und achtlos davongeweht wurden.

Mit einer heftigen Bewegung schlug er das Buch auf, und wie von selbst fanden seine Augen die Zeilen, in denen das Wirken der vorherigen Shai’yinyal beschrieben wurde. Ihr war nicht die geringste Schwäche anzumerken. Sie war, wie sein Vater es gesagt hatte, absolut skrupellos, hatte Dinge getan, an die er nicht einmal zu denken wagte. Er fragte sich ernsthaft, wie er gegen einen solchen Menschen bestehen sollte. Nur in einem hatte Gefflan unrecht: Die Shai’yinyal konnte einem Shai’lanhal nicht ihren Willen aufzwingen. Das war noch nie zuvor geschehen, obwohl es Aufzeichnungen gab, die besagten, dass sie es in früheren Kämpfen versucht hatte. Die Beeinflussung wirkte jedoch nicht bei ihm, so wie auch er sie nicht unter seine Kontrolle zu bringen vermochte.

Selbst Gefflan wäre, sollte die Shai’yinyal je auf ihn treffen, gegen ihren Einfluss gefeit. Alle Berichte bestätigten, dass die beiden Sarns, also sein Vater und der der Shai’yinyal, weder von ihm noch von der Shai’yinyal dazu gezwungen werden konnten, gegen ihren eigenen Willen zu handeln. Vielleicht zeigte sich auf diese Weise in der neunundneunzigsten Generation bereits ein wenig von der Magie, die in der hundertsten zu ihrer vollen Entfaltung gelangte.

Aber auch wenn er selbst und Gefflan keine Marionetten der Shai’yinyal werden konnten, war die Beschützerin des Yinyal, der Inkarnation des Bösen, dennoch eine mächtige Gegnerin. Sie konnte die Elemente Erde und Feuer beherrschen, und es würde gewiss nicht einfach werden, diesen Attacken mit Luft und Wasser zu begegnen. Natürlich vermochte Wasser Brände zu löschen, und ohne Luft würde jede Flamme ersticken, aber die Glut der Shai’yinyal war nicht das gleiche wie eine Herdstelle oder ein schlichtes Lagerfeuer. Leider hatte er nichts anderes, woran er sich üben konnte.

Gedankenverloren griff Shaan mit seiner Magie hinaus, erspürte die Feuchtigkeit, die fein verteilt in der Luft hing, und zog sie zu sich heran. Innerhalb von Sekunden triefte seine Kleidung vor Nässe, und ebenso schnell wurde sie wieder trocken, als er den Wind herbeirief. Doch obwohl ihn diese Dinge kaum Mühe kosteten, waren sie, wie sein Vater nicht müde wurde zu betonen, bestenfalls Spielereien, banaler Kinderkram ohne jeglichen Belang. Manchmal fragte er sich, ob überhaupt irgend etwas von dem, was er tat, mehr war als das.

Als hätte er mit seinen tristen Gedanken ein geheimes Stichwort gegeben, erscholl plötzlich ein Horn vom Eingang des Tals her, dessen trauriger Klang als mehrfaches Echo von den Felswänden zurückgeworfen wurde. Bereits beim ersten Ton war er zusammengezuckt, beim zweiten aufgesprungen, und die folgenden begleiteten seine schnellen Schritte, mit denen er dem Talende entgegeneilte. Marzen Besite würde wie immer draußen warten. Er wagte es nie, das Hallagat zu betreten, bevor Gefflan ihn nicht ausdrücklich dazu aufgefordert hatte, deshalb gab er mit dem Horn seine Ankunft bekannt.

Das Herz klopfte Shaan bis zum Hals, als er den schmalen Einschnitt zwischen den Felsen erreichte, ins knietiefe Wasser stieg und gebückt durch die Öffnung schlüpfte, die nach draußen führte. Normalerweise hätte er sich gefreut, Marzen zu sehen, doch heute …

Fröstelnd dachte er an die schaurige Aufgabe, die sein Vater ihm gestellt hatte.

(…)(wird fortgesetzt!)

Copyright (c) 2008/2012 by Susanne Gavénis

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Anmerkung der Redaktion: Da es sich hier um einen Textauszug aus einem e-book der Edition sfbasar.de handelt und wir deshalb nicht die Möglichkeit haben, ihn beim sfbasar-Award einzustellen, läuft dieser Beitrag im Storywettbewerb. Schliesslich würde es etwas merkwürdig aussehen, wenn unser eigener Titel unseren eigenen Award gewinnen würde. Wer wissen möchte, wie es weitergeht, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:

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Autorin
: Susanne Gavénis
Dateiformat: ePUB
ISBN: 9783844242577
Sprache: Deutsch
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Erscheinungsdatum: 19.12.2012
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Das eBook ist bei folgenden Anbietern erhältlich:
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Ersatzlink Amazon.de

Das eBook ist auch erhältlich über:
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Leseprobe auf google.de
Banres & Noble
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Als Enkel eines Herzogs geboren, wächst Shaan in völliger Abgeschiedenheit auf, denn ihm ist ein besonderes Schicksal bestimmt: Mit der Magie des Wassers und des Windes soll er die Lanhal, die Inkarnation des Guten, beschützen. Sollte Shaan jedoch versagen, wird nicht nur die Lanhal sterben, sondern die ganze Welt für hundert Generationen in Dunkelheit versinken.

Das Schicksal der Welt ruht auf den Schultern eines Einzelnen. Seit Anbeginn der Zeit tobt auf der Erde die Schlacht zwischen den Mächten des Lichtes und der Finsternis. Shaan, Enkel eines Herzogs, wird von seinem Vater in der Einsamkeit der Berge mit grausamer Härte auf seine vom Schicksal bestimmte Aufgabe vorbereitet: Er ist der Beschützer der Lanhal, der Inkarnation des Guten, die alle hundert Generationen in Gestalt eines gewöhnlichen Mädchens wiedergeboren wird, um in einem mörderischen Aufeinandertreffen mit dem Yinyal, der Verkörperung des Bösen, um die Zukunft der Menschheit zu kämpfen. Ausgestattet einzig mit der Fähigkeit, Wind und Wasser zu beherrschen, muss sich Shaan einer Bedrohung stellen, die alles Vorstellbare übersteigt, denn die Mächte das Bösen entsenden eine schreckliche Gegenspielerin, die ebenfalls über zwei Elemente gebietet Feuer und Erde. Und Shaan weiß: Sollte er versagen, wird nicht nur die Lanhal sterben, sondern die ganze Welt für hundert Generationen in Dunkelheit versinken.

Susanne Gavénis wurde 1970 in Celle geboren. Nach dem Studium und Referendariat widmete sie sich zehn Jahre lang beinahe ausschließlich der Schriftstellerei, bevor sie 2008 in ihren gelernten Beruf zurückkehrte. Seitdem unterrichtet sie die Fächer Biologie und Chemie an einem Gymnasium in der Nähe von Frankfurt/M.

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DIE MUTPROBE – Leseprobe (Teil 3) aus dem Roman: “Der Feenturm” von Aileen P. Roberts

Erstellt von Aileen P. Roberts am 28. März 2013

DIE MUTPROBE

Leseprobe (Teil 3) aus dem Roman:

“Der Feenturm”

von Aileen P. Roberts

.

Vom Sturm und Regen der letzten Nacht war am Morgen nichts mehr zu sehen. Heller Sonnenschein begrüßte Dana, als sie sich um kurz nach neun aus ihrem Schlafsack schälte und aus dem Zelt krabbelte. Marita schlief noch tief und fest, und auch in dem Zelt ihrer beiden neuen Bekannten regte sich nichts.

Die Berge erstrahlten in einem ganz besonders weichen Morgenlicht, leichter Nebel lag über dem östlichen Wald, und der Boden dampfte in der Sonne. Genüsslich schloss Dana die Augen, ließ diese kaum fassbare Ruhe auf sich wirken, die nur durch ein gelegentliches leises Schafblöken oder das Muhen einer Kuh unterbrochen wurde. Doch das waren alles natürliche Geräusche, die zu diesem Land passten und die friedliche Atmosphäre in keiner Weise störten.

Seit Dana denken konnte, hatten ihre Eltern immer abseits großer Städte gewohnt, und als Kind war das auch sehr schön gewesen, zwischen Wäldern und Feldern aufzuwachsen, aber später hatte es sie in die Stadt gezogen. Auch wenn sie in Neuss in einer ruhigen Wohngegend lebte, weil dort die Miete günstiger war, so war sie regelmäßig in den Clubs, Cafés und Diskotheken Düsseldorfs zu finden gewesen. Es gab eine gute S-Bahn-Anbindung in die Stadt, und mit Anfang zwanzig hatte sie diese Unabhängigkeit sehr genossen. Aber plötzlich, während sie hier in dieser Einsamkeit und Stille stand, wurde ihr bewusst, dass sie schon lange nicht mehr zufrieden gewesen war. Irgendetwas hatte sie gedrängt, ihr Leben zu verändern, hatte sie rastlos und kribbelig werden lassen.

Sie schlang die Arme um ihren Oberköper und hielt ihr Gesicht in die Sonne.

Ob es Jens hier auch gefallen hätte?, fragte sie sich unwillkürlich.

Über drei gemeinsame Jahre waren eine lange Zeit, und eigentlich war er ihr erster fester Freund gewesen. Die kurzen Beziehungen vorher waren nichts Ernstes gewesen, und der Liebeskummer hatte sich dementsprechend in Grenzen gehalten, nachdem diese kurzlebigen Beziehungen ein Ende gefunden hatten.

Aber dieses Mal hatte es sie eiskalt erwischt. Auch wenn sie sich dagegen wehrte, spürte sie, wie Tränen in ihren Augen aufstiegen. Eine Hand auf ihrer Schulter ließ sie jedoch herumfahren.

»Schön ist es hier, nicht wahr?« Marc lächelte sie an, dann zog er die Augenbrauen zusammen. »Alles in Ordnung mit dir?«

Eilig wischte sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel und nickte entschlossen.

»Klar. Dieses Morgenlicht ist überwältigend.«

Marc musterte sie skeptisch, dann machte er eine einladende Handbewegung.

»Alec kocht gerade Kaffee, möchtest du eine Tasse?«

»Ja, gerne.«

Sie folgte Marc zu seinem Zelt, wo Alec gerade Brot, Käse, Wurst und Butter auf den Campingtisch legte.

»Guten Morgen, Dana.«

Sein Blick wanderte zu ihrem kleinen Zelt.

»Ist deine Freundin noch nicht wach?«

»Nein, Marita ist ein Morgenmuffel.«

Mit einem dankbaren Lächeln nahm sie die dampfende Tasse entgegen.

»Aber sie mag es, mit Kaffee geweckt zu werden«, fügte sie augenzwinkernd hinzu.

Kurz stutzte Alec, schließlich überzog ein Grinsen sein Gesicht, und er machte sie mit einer weiteren Tasse auf den Weg zum Nachbarzelt.

»Was habt ihr heute vor?«, erkundigte sich Marc, nachdem sie eine Weile in stummem Einvernehmen an ihrem Kaffee genippt hatten. »Wollt ihr einen Tag relaxen oder etwas unternehmen?«

»Marita wohl eher Ersteres«, meinte Dana grinsend und zuckte mit den Schultern. »Eigentlich wollte ich mir die alten Brochs anschauen, die hinter Glenelg liegen. Vor allem, weil das Wetter so toll ist.«

»Gute Idee, Dun Telve und Dun Troddan sind sehr malerisch gelegen und äußerst interessante historische Gebilde. Alec und ich waren schon öfters zum Wandern in der Gegend und kennen uns dort gut aus.«

»Okay, prima«, freute sich Dana und blies in ihre Kaffeetasse, sodass heißer Dampf aufstieg.

***

Nachdem auch Marita endlich ihre ausgiebige Morgentoilette beendet hatte, setzten sie sich in Marcs altes Auto und fuhren die kurvenreiche, enge Straße in Richtung Glenelg. Hinter dem Örtchen bogen sie in eine noch schmalere Straße, und Marc fragte mit düsterer Stimme:

»Traut ihr euch überhaupt in die Brochs? In der Gegend erzählt man sich, es spukt dort.«

Marita riss die Augen auf, aber Dana meinte gelassen:

»In Schottland spukt es doch angeblich in jedem zweiten Haus.«

Das brachte Marc zum Lachen. »Na ja, ihr habt ja zwei starke Männer bei euch, die euch beschützen.«

»Ich glaube nicht, dass wir die nötig haben. Selbst ist die Frau!«, widersprach Dana.

Bald kam der erste Turm in Sicht, ein gewaltiges Bauwerk, das sich in einem von Schafweiden, Bäumen und Büschen umgebenen Tal befand.

»Das ist Dun Telve, er ist einer der besterhaltenen Brochs in Schottland.« Alec deutete nach links. »Nicht weit entfernt liegt Dun Troddan, der etwas mehr verfallen ist.«

Staunend blieb Dana stehen. Dieses Gebäude faszinierte sie auf Anhieb. Obwohl nicht mehr vollständig erhalten, war das Relikt aus alter Zeit an die zehn Meter hoch, aus dicken Steinen erbaut.

Eine Tafel am Eingang erklärte, dass Brochs wie dieser zwischen 2300 und 1900 Jahren alt waren. Dana sah auf und ließ ihren Blick über die grauen Steine schweifen, aus denen hier und da kleine Grasbüschel wuchsen. Für sie war es beinahe ein Wunder, wie ein so altes Bauwerk heute noch so gut erhalten sein konnte.

Als sie durch den gut zwei Meter hohen Eingang trat, kroch ihr eine Gänsehaut den Nacken empor. Ein Windhauch strich über sie hinweg, den sie eigenartigerweise nur an ihrem rechten Arm spürte. Unwillkürlich sah sie sich um, denn plötzlich fühlte sie sich beobachtet. Marita und Alec jedoch schäkerten miteinander,

und Marc war im Augenblick nicht zu sehen. Doch schon wurde Dana erneut von dem Bauwerk in seinen Bann geschlagen, und sie wunderte sich über die dicken Mauern, die tausende von Jahren überdauert hatten, obwohl es damals nicht einmal Errungenschaften wie Beton oder Mörtel gegeben hatten. Perfekt fügten sich die grauen Steine ineinander und trotzten auch heute noch Wind und Wetter. Der Broch bestand im Prinzip aus zwei Türmen, einem äußeren, der die dicke Außenhülle bildete, und einem inneren Turm, der die massiven Innenwände formte.

Beide Außenwände neigten sich leicht zueinander, wodurch sie sich gegenseitig abstützten. In dem so entstehenden Hohlraum verliefen Verstrebungen, die laut der Infotafeln als Schlafkammern oder als Versorgungsgänge gedient haben mochten. Auch die Treppe in den ersten Stock war noch erstaunlich gut

erhalten. Ehrfürchtig stieg Dana hinauf, setzte vorsichtig einen Fuß nach dem anderen auf die ausgetretenen Stufen und blieb dann auf dem östlichen Teil der Außenmauer stehen, die sich jetzt nur noch etwas mehr als mannshoch vom grasbewachsenen Innenraum abhob. Die Sonne strahlte so hell vom Himmel, dass es beinahe schon ihren Augen wehtat, aber trotzdem genoss Dana die Wärme auf ihrem Gesicht.

»Und, gefällt’s dir?« Sie zuckte zusammen, als Marc sie am Rücken berührte.

»Ja, ich finde es sehr beeindruckend.« Sie setzte sich auf die Mauer und ließ ihre Beine in die Tiefe baumeln, betrachtete den Innenraum des Turmes und schätzte seinen Durchmesser auf gute acht Meter. »Ich wünschte, ich könnte sehen, wie die Menschen damals gelebt haben.«

Irgendetwas streifte sie im Nacken, und sie wollte Marc schon zurechtweisen, da sie dachte, er wäre es, aber dann sah sie, dass er ebenfalls in die Tiefe blickte und mit einem Grashalm herumspielte. Er hatte sie also nicht berühren können. Verwirrt schaute sie sich um, aber auch Marita und Alec spazierten in einiger Entfernung um den Turm herum.

»Ja, das wäre interessant«, stimmte Marc zu, »obwohl das sicher damals harte Zeiten waren, und ich glaube nicht, dass es modernen Menschen wie uns gefallen würde, so primitiv zu leben.«

»Vermutlich nicht.« Dana lehnte sich zurück, legte die Hände unter ihren Kopf und sah in den Himmel. »Aber für einen Tag würde ich das schon gerne mal ausprobieren.«

Marc lachte hell auf. »Ohne Heizung, ohne fließendes Wasser, kein anständiges Bett und nicht einmal eine Toilette. Ich glaube eher, du würdest mit fliegenden Fahnen zurück zum Campingplatz kommen.«

»Hältst mich wohl für eine verweichlichte Tussi?«

»Nein, aber ich kenne die Mädchen«, brüstete sich Marc. »Die finden es immer super romantisch im Freien zu schlafen, und am Ende gibst du ihnen deinen dicken Schlafsack, deinen Pullover und frierst dir selbst den Hintern ab.«

Empört fuhr Dana auf. »Ach ja? Ich würde sogar ganz allein hier unter freiem Himmel schlafen.« Trotzig schob sie ihr Kinn vor.

»Na klar!«, lachte Marc, wobei er den Kopf schüttelte. »Spätestens wenn es dunkel wird, bekommst du doch Angst.«

»Wetten nicht!« Dana hielt ihm die Hand hin.

»Hey, ich wollte dich doch nur aufziehen«, meinte Marc.

»Jetzt komm schon, lass uns wetten, dass ich, ohne zu murren und ohne Angst zu bekommen, eine Nacht im Turm verbringe.«

Marc schürzte die Lippen und musterte Dana abwägend. »Und um was willst du wetten?«

»Keine Ahnung.« Dana dachte nach. »Wenn ich gewinne, nehmt ihr Marita und mich mit auf die Isle of Skye und spendiert uns ein Abendessen. Ansonsten bezahle ich.«

»Na gut, ich freue mich schon auf ein leckeres Festmahl«, erwiderte Marc, dann ging er mit seinem Handy suchend herum. »Hm, hier ist kein Empfang. Wenn ich dich heute Nacht abholen muss, sieht es schlecht aus.«

»Musst du sowieso nicht.«

»Und wenn der Turmgeist kommt!« Marc breitete seine Arme aus und riss die Augen weit auf.

Dana hob die Schultern. »Dann schicke ich ihn zu euch zum Campingplatz.«

»Warte.« Marc suchte die gesamte Gegend ab und winkte schließlich triumphierend. »Von hier aus kannst du zumindest eine SMS absenden.« Er lächelte sie an. »Ich will ja nicht, dass dir etwas passiert.«

»Was habt ihr denn ausgeheckt?«, wollte Marita wissen, als sie und Alec zu ihnen stießen.

»Eine Wette«, erklärte Dana.

»O nein, du und deine Wetten«, stöhnte Marita, dann wandte sie sich an die jungen Männer. »Einmal hat sie verloren und ist zwei Monate lang mit blau gefärbten Haaren durch die Schule gelaufen.«

»Na ja.« Marc stützte sich auf die Schulter seines Freundes.

»Wenn sie verliert, ist uns ein fürstliches Essen gewiss.« Er erzählte von ihrer Abmachung, und Marita riss erschrocken die Augen auf.

»Du willst hier ganz allein übernachten? Das ist doch gruselig!«

»Ich habe keine Angst«, versicherte Dana, das Kinn energisch vorgereckt, wenngleich ihr schwante, dass sie das später anders sehen mochte. Aber sie würde sich lieber die Zunge abbeißen, als sich jetzt eine Blöße zu geben. Außerdem reizte sie die Vorstellung, wenn auch auf eine ihr unerklärliche Weise, eine Nacht in diesem historischen Gebäude zu verbringen, an einem Ort, an dem vor Tausenden Jahren schon Menschen gelebt hatten. Vielleicht gelang es ihr, etwas von der Atmosphäre einzufangen, die diese vergangene Epoche ausgemacht hatte.

»Na gut, wenn du dir absolut sicher bist, hole ich deinen Schlafsack und etwas zu essen vom Campingplatz.« Marc hob fragend die Augenbrauen, aber Dana nickte nur zustimmend.

»Wir können uns ja noch ein wenig die Gegend ansehen, abends gemeinsam etwas kochen und dann fahrt ihr zurück«, schlug sie vor.

Die anderen erklärten sich einverstanden, und so besuchten sie noch den zweiten Broch, fuhren anschließend die verlassene Straße einige Meilen weiter entlang und spazierten durch die wilde Heidelandschaft. Marc erklärte, es gebe noch einen weiteren Broch, den Dun Grugaig, aber von diesem sei kaum noch etwas übrig. Später, als sich die Abenddämmerung langsam über die Highlands legte, fuhr Marc rasch los, um Essen und Danas Sachen zu holen. Dann bereiteten sie Nudeln mit Tomatensoße auf ihren Gaskochern zu und hatten es sich dabei in der Ruine des alten Turmes bequem gemacht.

»Bist du wirklich sicher, dass du hier schlafen willst?«, erkundigte sich Mark noch einmal, nachdem sie gegessen hatten.

»Absolut.« Dana breitete ihren Schlafsack am Rand der Mauer aus, legte Taschenlampe und ihr Kopfkissen dazu und vergewisserte sich, dass sie noch genügend zu trinken hatte. »Ihr könnt jetzt gehen.«

»Ich könnte dir Gesellschaft leisten«, schlug Marc mit einem Grinsen vor.

»Na klar, damit ich die Wette verliere.« Dana zog ihn energisch an seinem Arm. »Ihr geht jetzt und holt mich morgen zum Frühstück ab.«

»Also für mich wäre das nichts.« Schaudernd blickte sich Marita um und zog ihren Pullover enger um sich.

»Was machst du denn, wenn es regnet?«

»Erstens hängt keine einzige Wolke am Himmel, und selbst wenn, kann ich im Eingang schlafen, dort ist es trocken.«

Marita, Marc und Alec packten ihre Sachen zusammen, dann verabschiedeten sie sich zögernd. Marc ermahnte sie: »Sei nicht stolz und schick eine SMS, falls du Angst bekommst.«

»Ja, ja, und jetzt verschwindet endlich«, grummelte Dana. Sie beobachtete ihre Freunde, die langsam zum Auto gingen, sich dabei aber immer wieder zu ihr umdrehten.

»Nein, ich tue euch nicht den Gefallen und komme doch mit«, murmelte sie, allerdings konnte sie ein Schaudern nicht unterdrücken, als das Auto abfuhr. Jetzt war sie allein – wirklich allein.

(…)

-Ende von Teil 3-

Copyright der Leseprobe (c) 2012 by Aileen P. Roberts (mit freundlicher Genehmigung des Verlages und im Auftrag der Autorin)

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Alltag-100-minus30-0.jpg” (Originaltitel: Alltag3.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Anmerkung der Redaktion: Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der erfährt es in diesem Buch der Autorin, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:

Roberts, Aileen P.
Der Feenturm

Roman

Verlag :      Goldmann Verlag
ISBN :      978-3-442-47711-1
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,99 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 14.08.2012
Seiten/Umfang :      640 S. – 20,6 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      20.08.2012

Medien :
Leseprobe(PDF)

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Als Dana bei ihrer Reise durch Schottland auf eine verfallene Turmruine stößt, fühlt sie sich sofort angezogen von dem Ort und seiner mystischen Stimmung. Sie verbringt die Nacht dort und ihr erscheint der Geist von Rionach, einer Piktenkriegerin, die seit 2000 Jahren an diesen Ort gebunden ist. Verzweifelt bittet sie Dana um Hilfe: Nur, wenn die junge Frau sich bereit erklärt, für sie in die Vergangenheit zu reisen und ihren Tod zu rächen, wird Rionach Frieden finden. Dana zögert, glaubt zuerst an einen Traum – und lässt sich dann doch ein auf eine gefährliche, abenteuerliche Reise …

Aileen P. Roberts ist das Pseudonym der Autorin Claudia Lössl. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte sie vor einigen Jahren durch ihren Mann. Als dieser mit der Arbeit an einem Buch begann, beschloss sie, sich ebenfalls als Schriftstellerin zu versuchen. Seither hat sie bereits mehrere Romane im Eigenverlag veröffentlicht, 2009 erschien mit “Thondras Kinder” ihr erstes großes Werk bei Goldmann, danach folgten “Weltennebel” und “Feenturm”. Claudia Lössl lebt mit ihrem Mann in Süddeutschland.

Youtube Trailer zum Buch mit Bildern von Originalschauplätzen!

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SÖLDNER DER SCHWARZEN FLAMME – Leseprobe aus: “Rettungskreuzer Ikarus 46: Welt der Schlafenden” von Irene Salzmann (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Frühling 2013″)

Erstellt von Irene Salzmann am 28. März 2013

SÖLDNER DER SCHWARZEN FLAMME

Leseprobe aus:
“Rettungskreuzer Ikarus 46: Welt der Schlafenden”
von
Irene Salzmann

Zum vorherigen Teil

Pakcheon schlief mehr als zwanzig Stunden. Danach hatte er gewaltigen Hunger und lehnte nicht ab, als Cornelius ihm eine ausgewogene Mahlzeit ans Bett brachte.

Cornelius nahm sich einen Stuhl und schaute zu, wie Pakcheon aß.

Nachdem sich sein Magen etwas beruhigt hatte, erkundigte sich Pakcheon: „Warum fragen Sie nicht? Sie wollen doch wissen, was genau passiert ist und ob ich etwas herausgefunden habe.“

„Das hat Zeit.“ Cornelius machte eine wegwerfende Handbewegung. „Sie wären fast … gestorben und haben Ruhe verdient. Lassen Sie sich von mir nicht stören, und genießen Sie Ihr Essen. Wenn Sie schlafen wollen, komme ich später wieder. Das einzige, was zählt, ist, dass Sie gesund sind.“

„Ich habe genug geschlafen“, Pakcheon schob das Tablett zur Seite, „und bin wieder fit.“

Cornelius nahm ihm das Geschirr ab und stellte es auf den Tisch. „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“

Mir beim Duschen den Rücken einseifen. „Ich werde duschen und mich anziehen. Warten Sie so lange? In der Bar stehen gekühlte Getränke, und über das Terminal können Sie etwas zum Lesen oder einen Film anfordern. Aber das wissen Sie ja. Bedienen Sie sich einfach.“

Pakcheon schlug die Decke zurück und begab sich in die Hygienezelle. Auch ohne die Gedanken seines Freundes zu lesen, wusste er, dass dieser verlegen den Blick gesenkt und sich dem Monitor zugewandt hatte, in dem sich Pakcheons nackter Körper spiegelte. Diesmal schaute Cornelius nicht weg. Erwischt! Das Spielchen wurde nie langweilig …

Als Pakcheon einige Minuten später wieder den Wohnbereich betrat, war Cornelius in einen medizinischen Text vertieft, den er in der Datenbank entdeckt hatte. „Ihr Hacker-Programm ist hervorragend. Man findet alles, was man nicht finden darf. Allerdings sollten Sie nicht jeden an Ihr Terminal lassen beziehungsweise, bevor Sie ausziehen, Ihre Änderungen rückgängig machen. Oder wollen Sie Mrs. McLennanes Geheimdienst beschenken?“

„Sie sind nicht jeder“, gab Pakcheon zurück, „und ich werde weder Spuren hinterlassen noch Geschenke machen. Was haben Sie entdeckt?“ Er trug lediglich eine Hose, die halb geschlossen war.

„Dr. Singers Dossier über den Toten.“ Cornelius bemühte sich, seine Augen auf dem Monitor zu lassen.

Köstlich, diese Verlegenheit! „Kann ich es lesen?“

„Es ist Ihr Terminal.“ Cornelius bot Pakcheon den Sessel an und nahm wortlos die Bürste entgegen, die ihm überreicht wurde. „Außerdem werden Sie mit den Fachtermini mehr anfangen können als ich.“

Pakcheon scrollte den Bericht zum Anfang und begann mit der Lektüre. Es fiel ihm jedoch schwer, sich zu konzentrieren, als er spürte, wie die Bürste und schlanke Finger sanft durch sein feuchtes Haar glitten, die Knoten entwirrten, seine Schultern und seinen Rücken streiften … Wer hätte das gedacht? Ich spiele offenbar nicht allein.

Laini Singer hatte festgestellt, dass der Unbekannte keine gravierende Verletzungen – einige über den ganzen Körper verteilte Hämatome und eine winzige Einstichstelle in der linken Armbeuge, vermutlich von einer kürzlich durchgeführten Schutzimpfung – aufwies und den Tod durch die Einnahme einer wenig bekannten Substanz selbst herbei geführt hatte. Das Gift war unter dem Namen Trptys kaum bekannt und stammte von Parée VII. Der Mann hatte das Mittel als Zahnfüllung bei sich getragen, die Kapsel mit der Zunge gelöst und dann zerbissen. Das Gift wirkte umgehend, so dass auch die anwesende Ärztin nicht schnell genug hatte reagieren können, um die Diagnose zu erstellen und das entsprechende Gegenmittel zu verabreichen, einmal abgesehen davon, dass es dieses nicht an Bord der Phoenix gibt.

„Es handelt sich“, ergänzte Cornelius, „um einen Neutralisator, den man mit oder sofort nach dem Trptys einnehmen muss, sonst hat man nicht die geringste Chance. Für gewöhnlich kommt dieses Gift zum Einsatz, wenn man jemanden augenblicklich töten, seltener, wenn man den Tod vortäuschen will. Trptys und Detrptys zusammen versetzen den Betreffenden für mehrere Stunden in einen scheintoten Zustand. Der Unbekannte hätte sich demnach retten können, aber ich bin mir sicher, er wollte … sollte sterben, denn wer diese Prozedur überlebt, ist in der Regel schwer geschädigt: Vor allem das Gehirn und die Organe leiden unter dem langen Sauerstoffentzug, wenn der Scheintot unerkannt bleibt und das Opfer nicht an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird. Die Betroffenen sind anschließend … reine Zombies.“

„Sie wissen viel über Gifte.“

„Über die Gifte der Planeten, die ich besucht habe.“

„Hatten Sie Angst, auf Parée Opfer eines Giftattentats zu werden?“

„Natürlich. Darum habe ich mich informiert. Aber die Gerüchte übertreiben. Das Risiko, dort vergiftet zu werden, ist auch nicht größer als auf Vortex Outpost, Schluttnick Prime oder Pollux Magnus.“ Cornelius legte die Bürste auf den Tisch.

Pakcheon war ein wenig enttäuscht. „Ist Trptys leicht zu bekommen? Und das Gegenmittel? Kann ein Arzt rechtzeitig erkennen, ob er es mit einem Toten oder Scheintoten zu tun hat?“

„Nein, denn sämtliche Vitalfunktionen sinken für mehrere Stunden auf Null. Bloß wenn er einen Tipp bekommt, wird er es auf gut Glück mit der künstlichen Lebenserhaltung versuchen. Allerdings weiß man nie, in welcher Verfassung der Patient zu sich kommt. Meist wäre es für ihn besser, wenn er wirklich gestorben wäre. Beide Gifte werden aus einer seltenen, einheimischen Pflanze gewonnen. Ihre Herstellung und der Handel damit sind auf Parée schon lange verboten, aber es finden sich immer ein paar Leute, die trotz der harten Strafen die Anordnungen missachten. Außerdem gibt es überall Schmuggler, die viel Geld verdienen, indem sie sich auf seltene, kaum bekannte Waren spezialisiert haben.“

„Und Söldner der Schwarzen Flamme.“

Cornelius nickte und wurde blass. „Denken Sie, was ich denke?“

Pakcheon war bereits aufgestanden. Hastig streifte er sich ein ärmelloses Hemd über und nahm eine Jacke aus dem Spint, während er in seine halbhohen Stiefel stieg. „Wenn sich der Fremde das Trptys beschaffen konnte, dann auch das Detrptys.“

„Genau. Und wenn er nicht an Bord seines Wracks Suizid beging, dann deshalb, weil er auf die Phoenix gebracht werden wollte. Lebend. Seine Aufgabe ist also noch nicht erfüllt, und sein eigenes Wohl ist ihm völlig gleichgültig. Ich alarmiere Hellerman. Dann besuchen wir die Krankenstation. Aber machen Sie zuvor Ihre Hose zu.“

***

Als Hellerman im Laufschritt die Krankenstation erreichte, waren Cornelius, Pakcheon und der angeforderte Kampfroboter bereits eingetroffen. Laini Singer saß verstört auf einem Stuhl. Reela Coy hatte die Arme um ihre Kollegin geschlungen und versuchte, sie zu beruhigen. Melton Carlyle untersuchte derweil das offene Kühlfach.

„Der Kerl ist noch am Leben?“ Hellermans Frage war mehr eine Feststellung.

„Ja“, schluchzte Laini Singer, der das Entsetzen im Gesicht stand. „Es tut mir leid. Ich muss bei der Untersuchung etwas übersehen haben … Durch meinen Fehler konnte er aus der Abteilung fliehen und versteckt sich jetzt wer weiß wo. Ich habe nicht einmal bemerkt, dass er verschwunden ist, bevor mir befohlen wurde, die Leiche zu kontrollieren … ich meine … den Mann …“

„Du hast Glück gehabt, dass er dir nichts angetan hat“, redete Reela Coy beruhigend auf sie ein, „dass er schon weg war, als du ins Kühlfach geschaut hast. Wenn du etwas gehört und ihn bei seiner Flucht gestört hättest …“

„Als er zu sich gekommen ist, hat er das Fach von innen geöffnet“, erklärte Carlyle. „Dann hat er die Abdeckung des Lüftungsschachts abgenommen, ist hinein gekrochen und steckt nun irgendwo zwischen den Decks. Er hat offenbar sofort die Flucht ergriffen und gar nicht erst versucht, eine Waffe zu finden oder jemanden anzugreifen. Selbst seine Kleidung ist noch da. Vermutlich fühlte er sich zu schwach, um sich auf eine Auseinandersetzung einzulassen“

„Können Sie seine Gedanken lesen, Mr. Pakcheon?“, erkundigte sich Hellerman.

„Nicht mehr“, erwiderte der Viazianer düster. „Der lange Sauerstoffmangel verursachte einen irreparablen Gehirnschaden. Der Mann ist nicht mehr als ein Instinkt gesteuertes … Tier. Und ebenso unberechenbar und gefährlich. Ihre Gedankenmuster sind viel stärker und überlagern die seinen. Er müsste sich schon in unmittelbarer Nähe aufhalten, damit ich sein Versteck eindeutig lokalisieren kann. Glauben Sie mir, ein geschädigtes Gehirn zu überprüfen, ist für einen Telepathen genauso schlimm wie …“, er schauderte, „dem Todeskampf eines intelligenten Wesens beizuwohnen.“

„Wird er uns attackieren?“, fragte Hellerman.

„Vielleicht, vielleicht auch nicht“, erwiderte Pakcheon und blickte Cornelius an. „Wir wissen nicht, welchen Auftrag er hatte, doch dürfte er so konditioniert worden sein, dass er auch in seinem gegenwärtigen Zustand seine Pflicht zu erfüllen versucht.“

„Hat der Entflohene etwas mitgenommen?“, wollte Cornelius wissen. „Konnte er sich Waffen beschaffen? Ich meine, es muss sich dabei nicht um einen Strahler handeln. Außerdem wird er Wasser und Nahrung brauchen und aus diesem Grund nicht ewig in seinem Versteck bleiben.“

„Ich bin mir nicht sicher“, sagte Laini Singer zögernd. Sie stand auf und blickte sich suchend um, öffnete Schubladen und Schränke, ohne eigentlich zu wissen, worauf sie achten sollte.

„Falls er sich noch vage erinnert, dass Pakcheon eine Bedrohung für ihn darstellt, wird er ihn als ersten unschädlich machen wollen“, überlegte Cornelius. „Jeder von uns ist in Gefahr, aber Pakcheon besonders. Ebenso können wichtige Versorgungseinrichtungen des Schiffs Ziel eines Angriffs werden. Ich gebe Pakcheon Recht: Auch wenn der Mann seinen Verstand eingebüßt hat, könnte er darauf programmiert sein, seine Mission durchzuziehen.“

„Hier!“, rief Carlyle, der zusammen mit Reela Coy seine Kollegin beim Überprüfen des Inventars unterstützte. „In dieser Schublade fehlt … fehlen … mehrere Skalpelle. Oder sind sie gerade im Desinfektionsbad? Ich habe keine benutzt, darum auch nichts zur Reinigung gegeben. Ihr?“

Beide Frauen verneinten.

Cornelius zog eine Braue hoch. Was wollte Carlyle zuerst sagen?

„Er hat sich also bewaffnet“, stellte Hellerman grimmig fest, nachdem er einen kurzen Blick mit dem Arzt gewechselt hatte, „und wird sich wehren, falls er sich bedroht fühlt, oder angreifen, sofern es zu seinem Auftrag gehört, uns zu töten. Von nun an ist keiner mehr allein, bis der Mann gefunden ist. Wir arbeiten immer zu zweit und lösen einander ab, damit trotzdem jeder Schlaf bekommt. An wichtigen Einrichtungen werden Kampfroboter Wache halten. Mr. Pakcheon, ich weiß, dass ich viel von Ihnen verlange, wenn ich Sie bitte, trotzdem mit ihren telepathischen Kräften nach dem Flüchtigen zu suchen. Solange er frei ist, befinden wir uns alle in Lebensgefahr. Leider konnte ich noch nicht mit Ihnen sprechen: Haben Sie in den Minuten, bevor er das Gift nahm, etwas in seinen Gedanken lesen können, das für uns wichtig ist?“

„Nein, nur dass er der Schwarzen Flamme angehört und sein Name Tray Decker lautet. Es ging zu schnell, als dass ich mehr hätte herausfinden können. Allerdings dürfte das erklären, weshalb außer ihm niemand mehr an Bord des Schiffes lebte und warum er sich gefangen nehmen ließ. Er hat sämtliche Mitwisser zum Schweigen gebracht, um seine Mission, die noch nicht abgeschlossen ist, durchführen zu können – und sie gilt der Phoenix, sonst hätten die Söldner gewiss nicht all diese Opfer gebracht.

Der Verlust des Verstandes hat Decker zu einer Killermaschine gemacht, die ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit alles tun wird, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Meine Empfehlung ist: Wenn Decker auftaucht, zögern Sie nicht, und erschießen Sie ihn. Falls Sie versuchen, mit ihm zu reden oder ihn lebend gefangen zu nehmen, wird er die Chance eiskalt nutzen und die Skalpelle oder sonstige Waffen einsetzen. Selbst wenn es gelingen sollte, ihn erneut zu arretieren, kann er uns nichts mehr mitteilen. Sie tun ihm sogar einen Gefallen, wenn Sie ihn … erlösen.“

„Wir sind keine Killer“, erinnerte Hellerman, „sondern Ärzte. Wenn es sich vermeiden lässt, werden wir ihn nicht töten.“

Pakcheon zuckte mit den Schultern und schwieg.

„Sie machen es nur noch schlimmer“, warnte Cornelius, bloß für Pakcheon hörbar. „Erst der Gegenschlag der Kosang, nun Ihr Rat, Decker unschädlich zu machen.“

„Er oder wir“, gab Pakcheon zurück, gleichfalls nur an Cornelius gewandt. „Soll ich langatmig darüber philosophieren, dass es ethisch und moralisch verwerflich ist zu töten, man aber manchmal dazu gezwungen ist, um weitere Todesopfer zu vermeiden? Schönreden macht die Sache nicht besser, selbst wenn man nachvollziehbare Motive für ein solches Vorgehen hat.“

„Ich weiß, wie Sie es meinen. Mir müssen Sie nichts erklären, schließlich kenne ich Sie nun schon eine Weile“

„Wirklich? Wer sagt Ihnen, dass sich hinter meiner menschlich scheinenden Fassade nicht ein Monster verbirgt? Das ist es doch, was hier jeder denkt.“

„Nur weil Sie den Leuten immer wieder Anlass dazu geben. Warum? Sie sind mit den diplomatischen Spielregeln bestens vertraut und könnten Ihre Vorschläge auf weniger drastische Weise geben.“

„Glauben Sie wirklich, wir haben Zeit für Diskussionen und Konferenzen? Nein, Cornelius, die läuft uns davon.“ Die Stimme des Vizianers wurde noch eindringlicher, fast beschwörend. „Wir haben einen Amokläufer an Bord, der etwas vorhat. Vielleicht ist Tuman sein wahres Ziel. Das wäre doch gar nicht so abwegig, oder haben sie vergessen, welche Anstrengungen die Schwarze Flamme unternehm, um den Datenkristall zurückzuerhalten? Nun schenken wir Decker eine Fahrkarte erster Klasse, um dorthin zu gelangen, zu einer Welt, deren Koordinaten verloren gingen, die offenbar keiner außer uns kennt. Solange der Söldner sich frei im Schiff bewegt, müssen wir mit allem rechnen. Decker darf nicht unterschätzt werden. Er ist ein ausgebildeter Kämpfer. Jeder Gegenstand in seiner Hand wird zur Waffe. Er selber ist eine Waffe. Sie alle verkennen die Situation, indem sie immer noch davon ausgehen, dass er begreift, was er tut, und unter Kontrolle zu bringen ist.“

Cornelius seufzte und verzichtete auf eine Antwort. Er verstand die Beweggründe seines Freundes, wusste aber auch, wie dessen direkte Wortwahl auf andere wirken musste, insbesondere nach der Machtdemonstration der Kosang. Pakcheon war klug genug, um das selber zu erkennen. Weshalb er dennoch alle Vorsicht außer acht gelassen hatte, konnte Cornelius nicht nachvollziehen. Wollte er die Phoenix-Crew schockieren und dadurch aufrütteln? Aber vielleicht hatte Pakcheon schon zu viele seiner Karten aufgedeckt, um noch länger überzeugend bluffen zu können. Es wäre für das angeschlagene Vertrauensverhältnis alles andere als heilsam, käme später heraus, das der Vizianer wesentliche Informationen und Hilfsmittel verweigert hätte.

Wie auch immer, es gab wichtigere Probleme, und das, welches als erstes gelöst werden musste, war Decker. Zumindest in diesem Punkt waren sich alle einig.

(…)

ENDE

Copyright (C) 2012 by Irene Salzmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Wer wissen möchte, was vorher passierte und wie es weitergeht, kann das Nachlesen in:

Welt der Schlafenden
Rettungskreuzer Ikarus 46.
von Irene Salzmann

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EAN: 9783864020315
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Atlantis Verlag
epub eBook – 114 Seiten
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Verlag: Atlantis Verlag Guido Latz (2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 386402014X
ISBN-13: 9783864020148
Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,4 x 1,2 cm

Die verzweifelte Lage der vom Wanderlustvirus befallenen galaktischen Zivilisationen bedarf neuer Lösungen. Während die Söldnerin Skyta versucht, die Schwarze Flamme vor dem Untergang zu retten, entsendet das Raumcorps den Rettungskreuzer Phönix auf eine ungewisse Mission: Die Welt der Schlafenden aufzusuchen, in der Hoffnung, dort das Gegenmittel gegen die Seuche zu finden…

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