Weltennebel vertreiben Sommerloch
Autorenlesung mit Aileen P. Roberts
Am gestrigen Samstag zogen in Erlangen Nebel auf. Mystische, zauberhafte, ja fantastische Nebel und verdrängten das Sommerloch. Wo? Im Lesecafé der Buchhandlung Thalia im Zentrum der Stadt (Wir hatten ja rechtzeitig eine Vorankündigung dazu hier im sfbasar). Aileen P. Roberts las aus ihrem neuesten Buch „Das magische Portal“, Band 1 der „Weltennebel“-Trilogie.
Und trotz des wirklich ersten sonnigen Wochenendes des nach langen Perioden regnerischen und stürmischen „Sommers“, fanden sich erstaunlich viele Besucher ein. Die fast 30 Fantasy- und Roberts-Fans bestanden zu gut einem Drittel aus Männern. Und ich habe aufgepasst; es waren nicht nur zufällig im Café ihren Cappuccino trinkende Lesefreunde, sondern gezielt zu dieser Lesung gekommene Gäste.
Nun ist es ja fast schon ein Zeichen für den Guten Ton, das ein Büchertempel eine Oase anbietet, in der sich ein Bücherfreund entspannt hinsetzen und in diesem oder jenem Buch blättern, ein wenig hineinschnuppern und sich dann für seinen Favoriten entscheiden kann. Umso angenehmer ist das, wenn man dabei eben eine Kaffeespezialität genießen kann. Und noch schöner ist es, wenn die Dame hinter dem Cafétresen – sei es aufgrund einer Anweisung oder eigener Aufmerksamkeit – die Bestellungen heißer Getränke auf die Zeit vor der Lesung beschränkt.
Nur hat man leider vergessen, dass fauchende, milchschaumspotzende und Kaffeebohnen mahlende Monstermaschinen auch außerhalb einer Lesung wenig zum Charakter – und Funktionieren! – einer Ruhe-, Genießer- oder Leseoase beitragen. Das Versäumnis kann man aber nicht der Buchhandlung zuweisen, sondern den Herstellern solcher Lärmgeräte. Aber das nur am Rande.
Viel wichtiger ist, dass uns Aileen P. Roberts erneut in eine Welt führt, in der aus den Nebeln fremder Länder sich langsam allerlei magische Wesen schälen. Ob dies nun zu Anfang noch schemenhafte Nebelfetzen sind, die sich zu Banjis, Zwergen, Pferden und Drachen formen und verdichten oder zu mordsgefährlichen Dunkelelfen, die so gar nichts mit dem üblichen Bild zu tun haben, dass man sich allenthalben von Elfen macht. Sie alle bilden eine Welt fern der unseren.
Roberts liest gut ein halbes Dutzend kleiner Abschnitte, erklärt Ausgangssituationen, verknüpft die Teile miteinander, ohne den Zuhörern zu viel zu verraten. Geschickt stoppt sie an Stellen, an denen man mehr hören möchte. Was ist mit Darian und Mia, der geheimnisvollen Frau, die den jungen Mann aus unserer modernen Zivilisation in die mittelalterlichen Weltennebel führt? Was hat es mit dem Feuer der Drachen zu tun? Und wer ist Freund und wer ist Feind?
Bei einige humorvollen Stellen merkt man der Autorin an, dass ihr diese auch zum Vorlesen besonders liegen. Sie genießt die Worte, die sofort bei den Zuhörern und ihr selbst ein Lächeln erzeugen und schafft es, einzelnen Handlungsträgern ein wenig eine eigene Stimme zu verleihen.
Leider war die Akustik – wie fast bei allen Buchhandlungen – nicht geeignet, die Stimme einer jungen Frau zu unterstützen. Auch ein Punkt, den sich Architekten und Ladeninhaber überlegen sollten. Wenn man schon Autoren für Lesungen gewinnen kann, dann sollten die Rahmenbedingungen auch so gut wie möglich sein. Schließlich sollen alle etwas davon haben: Das Publikum (was ja potenzielle Käufer sind), der Autor (neue Fans und ein direktes Feedback, wie sein Werk ankommt) und eben die Buchhandlung, die mit einer gelungenen Lesung den roten Teppich ausrollt für wiederholt kommende Gäste im Lesecafé und nicht zuletzt für weitere Buchverkäufe.
»Das wird garantiert nichts mehr mit der weißen Weihnacht, die der Wetterbericht versprochen hat.« Missmutig blickte Ciaran in den strömenden Regen hinaus, während Deana noch immer begeistert Weihnachtsgeschenke für ihre Freunde und Familie einpackte.
»Ach was, das Wetter ändert sich bei uns in Schottland schnell, das solltest du doch inzwischen wissen«, meinte Deana unbekümmert und beobachtete ihren Freund schmunzelnd, der so angestrengt aus dem Fenster sah, als wolle er den Regen allein mit seinem finsteren Blick vertreiben. Plötzlich sprang er auf. »
Endlich ist die Post da!« Schon rannte er hinaus und kam kurze Zeit später mit deutlich entspannterem Gesichtsausdruck zurück. Seine langen schwarzen Haare klebten ihm allerdings klatschnass am Kopf und das Päckchen sah auch ein klein wenig lädiert aus.
»Was ist denn da drin?«, wollte Deana wissen und streckte ihren Kopf interessiert vor, aber Ciaran stupste sie nur auf die Nase.
»Sei nicht so neugierig.«
»Ist das mein Weihnachtsgeschenk?«
»Wer weiß.« Ganz offensichtlich kostete Ciaran die Ungeduld seiner Freundin so richtig aus und eilte dann die knarrenden Stufen des kleinen Cottages hinauf.
Deana schob die Unterlippe vor, als er wieder ins Wohnzimmer kam. »Du bist gemein.«
»Es wäre ja keine Überraschung, wenn du schon wüsstest, was drinnen war«, meinte er und verwuschelte ihr die rotblonden Locken, woraufhin sie empört aufschrie. »Komm, Deana, wir müssen die Pferde noch füttern.«
Wenig begeistert zog sich Deana ihre Regenjacke und die Gummistiefel an, aber als sie ins Freie traten, hatte der Regen zumindest etwas nachgelassen, auch wenn die bleigrauen Wolken heute so tief hingen, dass man nicht einmal die nahe Bucht sehen konnte. Der dichte Nebel, der sich über das Land senkte, verlieh der einsamen Highlandszenerie direkt etwas Gespenstisches.
Deana musste an die vielen Geschichten aus dem Feenreich denken, die ihre Großmutter ihr als Kind erzählt hatte, und heute hatte sie das Gefühl, geisterhafte Wesen würden über ihre Wange streifen, als sie an Ciarans Seite den Berg hinauf zur Farm ihres Onkels Cameron wanderte.
Dieser lag lauthals fluchend unter seinem Traktor und kam mit ölverschmiertem Gesicht darunter hervor, als er die beiden hörte.
»Das dumme Ding hat seinen Geist aufgegeben.« Der kräftige Mann mit den kurzen rötlichen Haaren behielt seine düstere Miene deutete jedoch nicht lange bei, sondern deutete lächelnd auf die prächtige Kiefer, die unweit der Pferdekoppel am Zaun lehnte. »Zumindest konnte ich den Weihnachtsbaum noch aus dem Wald holen.«
Deana musste schmunzeln, als sie das Gesicht ihres Onkels sah, welches sie jetzt an einen kleinen Jungen erinnerte, und sie wusste, dass er trotz der rauen Schale, die er häufig zur Schau stellte, die Weihnachtszeit sehr liebte.
»Der Baum ist wirklich toll«, lobte sie deshalb. »Es wird sicher ein schönes Weihnachtsfest.«
Als Ciaran skeptisch in den wolkenverhangenen Himmel sah, stieß sie ihn in die Seite. »Komm schon, alter Pessimist, lass uns die Ställe ausmisten.«
Ein lautes Wiehern ließ Deana die Weide hinaufblicken, und da kam auch schon ihre Highlandponystute Rhanna in halsbrecherischem Galopp den Berg hinab gestürmt.
Das Pferd mit dem dichten, gräulich braunen Winterfell erinnerte an einen Teddybär, als es schließlich bei Deana am Zaun stand und sich genüsslich den Hals kraulen ließ.
»Du bekommst später dein Heu«, versprach Deana und verstrubbelte Rhanna den schwarzen Schopf, bevor sie Ciaran zu der Scheune folgte, in welcher die Stuten mit Fohlen untergebracht waren.
Nachdem sie unzählige Schubkarren voll Mist auf den nahen Misthaufen gefahren, vorwitzige Highlandponyfohlen gestreichelt und Heu in den Boxen verteilt hatten, setzten sie sich auf einen großen Strohballen und überlegten gemeinsam, ob sie auch wirklich alle Geschenke beisammen hatten, bis sie ein lauter Schrei aus ihrer Unterhaltung riss.
Sie sahen sich kurz an und rannten dann hinaus. Draußen bot sich ein bizarrer Anblick.
Wie ein Rohrspatz schimpfend stand Tante Maude am Zaun und rang mit Rhanna um die kläglichen Überreste des Weihnachtsbaumes.
Das Pony hatte sich wie ein Hund in die Spitze verbissen und Deana musste ihren aufsteigenden Lachreiz unterdrücken, denn Rhanna und Tante Maude erinnerten sie plötzlich an zwei Kontrahenten beim Tauziehen auf den Highlandgames. Aber jetzt schob sie solche Gedanken beiseite und spurtete los.
»Lass unseren Weihnachtsbaum los, du haariges Ungetüm«, tobe Tante Maude, und ihr rundliches Gesicht mit den kurzgeschnittenen grauen Haaren färbte sich röter und röter.
Deana sprang über den Zaun, fuchtelte hektisch mit den Händen und Rhanna ließ los – leider etwas zu abrupt, denn Tante Maude landete mitsamt des Baumes auf ihrem ausladenden Hinterteil – mitten in einer schlammigen Pfütze.
Rhanna hingegen suchte, wilde Bocksprünge machend, wohlweißlich das Weite und Deana konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich ein triumphierender, schelmischer Ausdruck auf ihrem Ponygesicht breit machte, als sie ein Stück entfernt stehen blieb und laut schnaubte.
Gerade half Ciaran der tobenden Maude auf die Füße, die sich, wie ein Bierkutscher fluchend, vergeblich den Schlamm von der Wollhose rieb.
»Den Baum können wir vergessen«, stellte Ciaran praktisch fest, nachdem er den mehr als mannshohen Nadelbaum, dessen Spitze fehlte, und der an einer Seite komplett abgenagt war, aus der Pfütze gezogen hatte.
»Dieses Pferd ist das Chaos in Person, wir sollten Rhanna statt des Truthahns als Festbraten auftischen!« Tante Maude stapfte davon und Ciaran sah ihr besorgt hinterher.
»Oh je, jetzt ist sie aber wirklich wütend.«
Deana hingegen winkte ab. »Ach was, sie regt sich immer furchtbar über Rhanna auf, aber ich habe sie schon oft gesehen, wie sie ihr heimlich Karotten füttert oder sie streichelt, wenn sie am Zaun steht. Tante Maude ist wie ein schottischer Regenschauer, heftig wenn er niedergeht, aber Minuten später auch schon wieder vorüber.«
Mit skeptischem Blick betrachtete Ciaran den Baum. »Was machen wir denn jetzt.«
»Wir sollten Onkel Cameron bitten, einen neuen zu holen.« Das war das Einzige, was Deana einfiel.
Wie nicht anders zu erwarten, war auch Onkel Cameron nicht gerade begeistert von Rhannas Aktion, andererseits gab er zu, dass es nicht sehr klug gewesen war, den Baum an den Koppelzaun zu lehnen, und so versprach er, sein Bestes zu tun, um den Traktor zu reparieren und morgen rasch einen neuen Baum zu besorgen.
Am nächsten Tag erinnerten die Highlands an eine Märchenlandschaft, denn über Nacht war der Nebel gefroren, und Raureif hatte Bäume und Büsche in bizarre, an phantastische Wesen erinnernde Gebilde verwandelt, die in der hervorbrechenden Sonne glitzerten.
»Keine weiße Weihnacht aber gar nicht so übel, oder?«, meinte Deana, als sie mit Ciaran am Morgen zur Farm lief. Die Straße war tückisch vereist und sie mussten aufpassen, damit sie nicht hinfielen.
»Der Traktor läuft, aber es ist viel zu glatt.« Kopfschüttelnd blickte Onkel Cameron auf das Baumskellet. »Das war mal wieder eine Glanzleistung von Rhanna.«
»Wir werden sehen, dass wir zumindest ein paar Zweige aus Granny Anabells Garten bekommen«, lenkte Deana ein.
»Weihnachten ohne Baum, das hatten wir noch nie«, brummte
Onkel Cameron missmutig, hob dann jedoch resigniert die Arme und versprach, gegen 17 Uhr zur Weihnachtsfeier zu kommen.
Am Abend war das gemütliche alte Cottage von Granny Anabell festlich mit Zweigen geschmückt, und auch wenn sich Deana einiges wegen des fehlenden Baumes anhören musste, so waren letztendlich doch alle zufrieden.
Der Truthahn brutzelte im Ofen und verbreitete bereits einen verlockenden Duft. Deanas Eltern Alisha und Roderick, ihre Schwester Jeanie, Ciarans Großvater Brandon O’Connell, sowie Tante Maude und Onkel Cameron saßen im Wohnzimmer und ließen sich Granny Anabells Weihnachtsplätzchen schmecken.
Eigentlich hätten noch Deanas Cousin und Cousine mit ihrer Familie kommen sollen, aber die Straßen waren noch immer so vereist, dass sie abgesagt hatten.
»Die Kirche werden wir heute wohl ausfallen lassen müssen«, stellte Roderick MacLennan fest und fuhr sich mit der Hand über seinen Vollbart.
»Macht nichts, dann gibt’s eher Geschenke«, meinte Jeanie, Deanas drei Jahre jüngere Schwester, vorwitzig.
»Du warst ohnehin nicht brav«, knurrte ihr Vater, »du bekommst nichts vom Weihnachtsmann.«
»Weihnachtsmann!« Die Sechzehnjährige mit den blonden Engelslocken und dem ebenmäßigen Gesicht, welches darüber hinwegtäuschte, dass sie es faustdick hinter den Ohren hatte, blies die Backen auf. »Dad, ich befürchte, du hast verpasst, dass ich schon seitdem ich fünf bin nicht mehr an ihn glaube.«
»Man sollte sich nie zu sicher sein, was Mythen und Legenden betrifft«, rügte Granny Anabell. »Ich kenne da eine Geschichte aus der Zeit, als die Clans in den Highlands noch gemeinsam Weihnachten feierten …«
Sofort beugten sich alle gespannt nach vorne, selbst die Erwachsenen, denn Granny Anabell war eine hervorragende Geschichtenerzählerin, die jeden in ihren Bann ziehen konnte. Allerdings klopfte es nur Augenblicke später an der Tür. Mit einem bedauernden Achselzucken öffnete Granny Anabell und kurz darauf stand Ron Murdock, ein Fischer mit buschigem schwarzem Bart, in der Tür.
»Hier haben wir unseren Weihnachtsmann«, kicherte Jeanie und Deana grinste zustimmend. Das Lachen verging ihr allerdings kurz darauf, als Ron mit seiner heiseren Stimme bellte: »Da ist grad ‘n Pferd die Straße in Richtung Ardmore entlang getrabt. Wollte euch nur bescheid sagen.«
»Verflucht noch mal, können die pelzigen Biester einen nicht einmal an Weihnachten in Ruhe lassen«, ereiferte sich Tante Maude, war jedoch eine der ersten, die nach ihrer Jacke griff. »Deana, Ciaran, ihr fahrt mit mir. Cameron, du nimmst Roderick und Alisha mit. Brandon bewacht das Telefon«, sie fuchtelte in Richtung ihrer Schwiegermutter, »und du achtest auf den Truthahn.«
»Wie gut, dass wir »General Maude« haben«, bemerkte Granny Anabell kopfschüttelnd.
»Wir müssen erst noch ein Halfter holen«, wandte Deana ein. »Nimm das hier«, Ciaran hielt ihr sein Geschenk entgegen, »ich habe dir das Lederzaumzeug für Rhanna geschenkt, das du dir schon so lange wünschst.«
Eilig riss Deana das Papier auf und lächelte Ciaran dankbar an, als sie das weiche Lederzaumzeug in der Hand hielt. Insgeheim befürchtete sie ohnehin, dass Rhanna der Ausreißer war, denn ihr Pony verschwand häufig auf bisher unerforschten Wegen aus der Koppel.
Schon rannten alle aus der Tür und stiegen in die Autos. Die Straße war wirklich sehr rutschig und Maude musste ganz vorsichtig fahren, um nicht von der Fahrbahn abzukommen.
»Wer weiß, ob sie nicht in eine der Weiden abgebogen ist«, jammerte Deana und starrte angestrengt in die Nacht. Zumindest war der Himmel klar und der Mond und die Sterne spendeten ein klein wenig Licht, aber von einem Pony war keine Spur zu sehen.
»Dann steigt ihr aus und ich fahre langsam weiter, später hole ich euch ab, wenn ihr nichts findet«, bestimmte Tante Maude. »Habt ihr ein Handy?«
Ciaran nickte und schnitt dann eine Grimasse. »Sofern hier ausnahmsweise mal Empfang ist.« In den Highlands war es häufig ein Glücksspiel, mit einem Mobiltelefon telefonieren zu können.
Kalte Luft schlug ihnen entgegen und Ciaran legte Deana tröstend einen Arm um die Schultern. »Wir finden das Pferd schon.«
»Es ist Rhanna, ich bin mir sicher«, schniefte sie. »Wenn sie auf der glatten Straße ausrutscht und sich ein Bein bricht …«
»Hey, mach dir keine Sorgen«, Ciaran drückte sie an sich, »deine Granny sagt doch immer, Rhanna sei ein kleiner Kobold und sie wird ganz sicher von den Feen beschützt.«
Seufzend hob Deana die Arme, dann machten sie sich auf den Weg. Sie suchten jeden Feldweg ab, schauten in jede geöffnete Weide, Deana rief den Namen ihres Ponys, aber sie konnten das Pferd einfach nicht finden.
Nach einer Weile rief Onkel Cameron an und bestätigte, dass Rhanna nicht auf ihrer Koppel gewesen sei.
»Ich habe es gewusst«, schimpfte Deana und eine Falte bildete sich auf ihrer Stirn.
Als sie sich schließlich mit Tante Maude trafen, meinte diese: »Wir brauchen mehr Leute, wir klingeln einfach die Nachbarn raus, die sollen helfen.« Schon walzte sie auf das erste kleine Cottage zu, dessen Fenster einladend erleuchtet waren.
»Die Leute werden sicher nicht sehr erfreut sein, wenn wir ihre Weihnachtsfeier stören«, bemerkte Ciaran kritisch.
»Hier bei uns hilft man sich in Notlagen, das geht schon in Ordnung.« Auch Deana eilte los, den skeptischen Ciaran an ihrer Seite, der sie noch immer davon abhalten wollte, die Dorfbewohner zu stören. Er war in einer Großstadt aufgewachsen und lebte erst seit kurzem hier auf der Isle of Skye, daher kamen ihm viele Eigenarten der Hochlandschotten seltsam vor.
Nachdem sie allerdings an drei Häusern geklingelt, und sich sofort mit Taschenlampen bewaffnete Nachbarn ihrer Suche angeschlossen hatten, war er ein wenig beruhigter. Von überall her waren leise Rufe zu hören, Taschenlampen, hier und da sogar Fackeln, leuchteten in der Nacht auf, nachdem sich alle auf die Suche nach dem entflohenen Pony machten.
»Bei so vielen Helfern sollte es ein Kinderspiel werden«, meinte Ciaran aufmunternd, vor seinem Mund bildeten sich beim Sprechen weiße Wolken und er rieb die Hände aneinander.
»Jeanie wollte dir Handschuhe schenken.« Deana schnitt eine Grimasse. »Leider ist Rhanna vor der Bescherung ausgebrochen.«
Sie stapften über vereiste Weiden weiter in Richtung Ardmore, ganz am Ende der Inselzunge Waternish, und langsam gab Deana wirklich die Hoffnung auf. Vielleicht war Rhanna auf irgendwelchen Umwegen schon wieder nach Hause gelaufen und sie suchten hier vergeblich die ganze Gegend ab.
»Sieh mal!«, rief Ciaran urplötzlich und deutete auf ein einsames Haus, welches abseits der Straße am Meer lag. In der Ferne konnte man erkennen, dass im Eingang Licht brannte und Deana glaubte, die Silhouette eines Pferdes zu erahnen.
»Ich dreh ihr den Hals um, so weit ist sie noch nie gelaufen«¸ schimpfte Deana und rannte los.
Ihr Verdacht bestätigte sich. Mit umwerfend unschuldiger Miene stand Rhanna am Eingang des kleinen, einstöckigen weißen Hauses und ließ sich von Mrs. MacPherson mit Äpfeln füttern. Deanas wütendes Gesicht wandelte sich allerdings, als sie sah, wie verzückt die kleine, hutzelige Frau war.
Mit zärtlicher Stimme redete sie in gälischer Sprache auf Rhanna ein, streichelte ihr liebevoll über die volle schwarze Mähne und lachte, als das wuschelige Pferd mit dem Kopf nickte.
»Guten Abend, Mrs. MacPherson, mein Pony ist ausgerissen.«
»Ach, so ein liebes Tier. Allerdings bin ich ganz schön erschrocken, als sie plötzlich ihre Nase an meinem Fenster plattdrückte«, gab sie leise lachend zu. Wehmütig streichelte sie über Rhannas Nüstern, die sich ihr in Erwartung eines neuen Leckerbissens entgegenreckten. »Sie ist ein kleiner Weihnachtsengel und heute mein einziger Besuch.« Mrs. MacPhersons Stimme klang traurig, als sie dies sagte.
»Als Engel bezeichnet Rhanna normalerweise kaum jemand«, grummelte Deana, während sie dem Pferd ihr neues Zaumzeug überzog, dann runzelte sie die Stirn. »Sonst kommen doch immer ihre Kinder über Weihnachten zu ihnen, Mrs. MacPherson.«
»Ja, das stimmt, aber sie wollten erst heute gegen Abend losfahren und die Straßen waren zu glatt«, seufzte die alte Frau betrübt.
»Oh, das tut mir leid.«
»Möchtet ihr eine Tasse Tee zum Aufwärmen?«, schlug Mrs. MacPherson vor und lächelte dabei so freudig, dass Deana es ihr nicht abschlagen konnte.
»Ich sage rasch den anderen Bescheid, wo wir sind«¸ meinte Ciaran und lief auf der Suche nach Empfang im Garten auf und ab.
Nach und nach versammelten sich die fleißigen Helfer im Garten von Mrs. MacPherson, sie lachten über Rhanna, die zufrieden und mit dick aufgeplustertem Fell zwischen ihnen stand und versuchte, ihre Nase in Tassen mit Tee oder heißem Whisky zu stecken.
Bald standen an die dreißig Männer, Frauen und Kinder vor dem Haus, unterhielten sich angeregt, und ließen sich ihr Getränk schmecken, während Mrs. MacPherson mit strahlenden Augen und geröteten Wangen umher eilte und Getränke und Plätzchen verteilte.
Einige Fackeln steckten inzwischen im Boden, die Sterne funkelten so nah und prächtig vom Himmel, dass es trotz der Kälte richtig gemütlich war.
Ciaran schlang seine Arme von hinten um Deana. »Ich glaube, Rhanna ist wirklich ein kleiner Weihnachtsengel. Wäre sie nicht ausgerissen, hätte Mrs. MacPherson den Abend ganz allein verbringen müssen, und jetzt ist halb Waternish bei ihr im Garten versammelt.«
Lächelnd lehnte sich Deana an ihn. »Da hast du Recht, es ist wie in der Geschichte, die Granny vorhin begonnen hat. So ähnlich muss es gewesen sein, als die Clans früher zusammen gefeiert haben. Irgendwie gefällt es mir.«
»Warum frieren wir uns hier eigentlich den Hintern ab?«, durchbrach Tante Maudes energische Stimme die romantische Stimmung. »Roderick, mach den Pub auf, wir sollten dort alle gemeinsam feiern, Anabells Truthahn reicht ohnehin für eine halbe Kompanie.«
Deanas Vater stimmte nur zu gern zu, und viele der Nachbarn meinten, sie würden ihre Kinder nur noch zu Hause abholen, und später Essen und Getränke mitbringen. Maude nahm die alte Mrs. MacPherson gleich im Auto mit, nur Deana und Ciaran liefen durch die sternenklare Nacht zurück zu Onkel Camerons Farm und sperrten Rhanna vorsichtshalber in eine Box.
»Ich glaube nicht, dass sie noch mal ausreißt«, meinte Ciaran und zwinkerte Deana zu. »Wer weiß, ob ihr nicht wirklich eine kleine Fee ins Ohr geflüstert hat, dass heute jemand sehr einsam ist.«
Weitere Geschichten aus den schottischen Highlands und von Deana, Ciaran und Rhanna gibt es in der Jugendromanreihe “Deana und der Feenprinz” von Aileen P. Roberts
Nein, nein, nicht was Sie denken. Ich spreize meinen kleinen Zeigefinger nicht ab! Der „Afternoon Tea and Reedings“ ist ein fester Termin im Café „Lebenslust“ im Herzen Fürths i. Bay. Zumindest für die Freunde schottischer Kultur. Jeweils am letzten Freitag im Monat zwischen 16.00 und 18.00 Uhr kann man Lesungen abwechselnd in Deutsch und Englisch erleben. Das fränkische Fürth und das schottische Renfrewshire sind seit vielen Jahren Partnerstädte. Und da passt es wie die Faust eines Highlanders auf das Auge eines englischen Besatzers, dass zu schottischem Tea und typischen Snacks – Scones (saulecker) – auch noch Literarisches mit schottischem Hintergrund das Ohr erfreut.
Aileen „P.“ Roberts las aus ihrem Roman „Rhiann – Nebel über den Highlands“. Nun ist das Café „Lebenslust“ ein Kleinod im wahrsten Sinne des Wortes. Laut Auskunft der beiden Betreiberinnen Birte Baumgärtner und Monika Ginser das kleinste freistehende Gebäude in Fürth, mit malerischem Eingang, verwinkeltem Verkaufsraum und sau-gemütlichem oberen Stockwerk, in dem gerade mal 25 Leute Platz finden. Das ist Vor- und Nachteil gleichermaßen, die Stimmung ist eher familiär, der Funke zwischen Autorin und Publikum sprang sofort über. Schottische Fans meets Schottland-Roman, schöner geht es nicht.
Warum ich das P im Namen der Autorin in Anführungsstriche setze? Na, weil sie mir verraten hat, dass das P für Pictsie steht. Die mythischen Pikten, also die sagenumwobenen Vorfahren der schottischen Kelten, sollen nach Lesart der Freunde der Autorin wie diese recht quirlig gewesen sein. In der Realität waren sie knallharte Krieger, die den Römer das Leben mehr als schwer machten.
Aileen P. Roberts fühlt sich sichtlich wohl, startet mit einer kleinen Einführung in die Romanhandlung, in der es nicht nur um Schottland-Ponys und die 16-jährige Mara als Au-pair-Mädchen geht. Kein Kinderroman, eher ein Zwischending, aus Jugend- und Liebesroman. Wobei sich Letzteres definitiv auch auf das Land bezieht. Zitate mit skurrilen Schottendialekten bringen beide – Publikum und Autorin zum Lachen, mancher erkennt gurrend-rollende R´s aus seinem letzten Urlaub. Leseproben mit Zwischenerklärungen lockern das Ganze auf. Ein leichter Termin: Die perfekte Zielgruppe trifft auf eine Autorin, welche die Begeisterung für Land und Leute mit den Zuhörern teilt.
Als nach viel zu rasch verstrichener Zeit die Gäste das Café verlassen, regnet es. „Bestes Schottland-Wetter“ kommentiert ein netter Herr lächelnd und streicht sich den grauen Bart. Unwillkürlich stellt man ihn sich in einem Kilt und Dudelsack vor. Und natürlich mit einer heißen Tasse Earl Grey in der Hand.
(Diese Story ist ein Auszug aus dem Fantasyroman “Dìonàrah – Das Geheimnis der Kelten”)
Kurzbeschreibung:
Ceara O´Reilley, eine junge Archäologiestudentin, hatte eigentlich nie wieder nach Irland zurückkehren wollen. Doch dann geschieht bei Ausgrabungen etwas, das ihr Leben verändert.
Im Grab eines keltischen Clanführers entdeckt Ceara ein geheimnisvolles Tor, welches sie magisch anzuziehen scheint. Ausgerechnet mit Eric, den sie überhaupt nicht ausstehen kann, landet sie am Tag der Sommersonnenwende plötzlich in einer fremden und mystisch anmutenden Welt.
Ehe die beiden begreifen können, was gesehen ist, werden sie auch schon angegriffen.
Was hat es mit den mysteriösen Dämonenreitern und den todbringenden Schattenwölfen auf sich? Wer sind die schöne Fiilja Fio´rah und der geheimnisvolle Krieger Daron, der sie in letzter Sekunde rettet? Und warum soll ausgerechnet Ceara der Schlüssel zur Befreiung Dìonàrahs sein?
Für die junge Irin ist dies alles unbegreiflich, aber Krethmor, der Schattenmagier, fürchtet sie, während sein Erzfeind Myrthan all seine Hoffnung in sie legt.
Die Jagd auf die sieben magischen Runen beginnt …
Die Insel der Nyrmengeister
Der nächste Morgen brach neblig an, doch es war nicht mehr ganz so bitterkalt wie in den letzten Tagen. Nach einem Frühstück aus halb gefrorenen Beeren brachen sie auf. Es ging weiter durch das felsendurchsetzte Land. Nur hier und da ragten Büsche oder verkrüppelte Bäume aus dem Boden und auch Gras wuchs nur vereinzelt. Trotzdem hatte diese felsige Landschaft einen gewissen, eigenwilligen Reiz. Die vielen bizarren Felsformationen sahen sehr ungewöhnlich und geheimnisvoll aus und aus manchen Felsspalten ragten schon die ersten Frühlingsblumen.
Einmal hörte die kleine Gruppe das Geklapper von beschlagenen Hufen und Fio´rah verschwand, um die Dämonenkrieger abzulenken. So erreichten die vier ungleichen Gefährten den Rand des Nyrmensees, als die Sonne ihren höchsten Punkt bereits überschritten hatte.
»Wow, der See ist groß«, staunte Eric und kniff die Augen zusammen.
»Der Nyrmensee ist beinahe so groß wie ganz Huellyn«, erklärte Fio´rah.
Ceara blickte nachdenklich auf die endlos scheinende, glitzernde Oberfläche des Sees. In der Ferne konnte sie wabernde Nebelschwaden ausmachen.
»Wie kommen wir hinüber?«
»Der See ist im Winter dick gefroren, das ist ein Vorteil. Die Seeungeheuer bleiben unter dem Eis.«
»Sehr beruhigend«, knurrte Eric und setzte vorsichtig einen Fuß auf die eisige, glitzernde Oberfläche des Sees.
»Gut«, meinte Fio´rah, »ihr könnt morgen gehen. Ich werde versuchen, die Reiter abzulenken.«
»Wieso sind diese Furchenfratzen eigentlich hinter uns her?«, fragte Eric skeptisch und sprang wieder auf festen Boden, als unter dem Eis eine merkwürdige, schlangenförmige Kreatur herum schwamm.
»Ich befürchte, Krethmor und seine Schergen haben ebenso wie ich bemerkt, dass sich das Weltentor geöffnet hat«, erwiderte die Fiilja.
»Weltentor!«, rief Ceara aus. So wurde es also genannt. »Wie hast du es bemerkt, Fio´rah?«
»Oh, es war wie eine ganz feine Erschütterung, eigentlich kaum wahrnehmbar. Nur magische Geschöpfe können es spüren, oder vielleicht auch sehr feinfühlige Menschen, die ein Weltentor in ihrer Nähe haben. Krethmor hat eines in Kes´kadon. Eines steht in Myth´allan und ein weiteres soll auf der Feeninsel sein. Das in Thindas wurde zerstört. Ich wusste gar nicht, dass es ein fünftes gibt.« Fio´rah seufzte. »Ich spürte, dass die Magie aus dem Waldreich von Fearánn kam und brach so schnell ich konnte dorthin auf. Doch zum Glück war Daron bereits in der Nähe und hat euch geholfen.«
»Na, zum Glück sind wir nicht bei diesem Krethmor rausgekommen«, stellte Ceara schaudernd fest.
»Ja, das war wirklich Glück. Aber man weiß ohnehin nicht, wie diese Tore funktionieren und ob alle in verschiedene Welten führen. Angeblich sind in früherer Zeit die Elfen und Feen auch innerhalb Dìonàrahs durch die Tore gereist, aber das muss alles schon sehr lang her sein«, sagte Fio´rah nachdenklich. »Wir werden noch eine Nacht hier verbringen, dann könnt ihr über den See gehen.«
»Sag mal, Fio´rah«¸ fragte Ceara plötzlich, »habt ihr schon mal irgendetwas von einem Volk gehört, das sich Kelten nannte?«
Die Fiilja schüttelte den Kopf und auch Daron wusste nichts davon. Ceara seufzte, es wäre doch zu schön gewesen, wenn sie das Geheimnis des Tores vollständig gelüftet hätte.
Die vier Gefährten verbrachten den restlichen Tag und eine weitere unruhige Nacht am Rande des Nyrmensees. Am Morgen standen alle schon bald auf und machten sich bereit, an diesem Tag den See zu überqueren.
Obwohl es noch sehr früh war, blickte Daron nervös zur Sonne hinauf und drängte: »Wir sollten aufbrechen, damit wir bei Tageslicht zurück sind.«
Fio´rah verschwand in den Felsen. Eine Sekunde später konnte man sie nicht mehr erkennen, sie schien mit den Steinen verschmolzen zu sein.
»Scharfe Braut«, murmelte Eric erneut und Ceara schüttelte genervt den Kopf.
Zu dritt liefen sie vorsichtig über die spiegelblanke Oberfläche des Sees. Immer wieder knirschte und ächzte das Eis unter ihnen. Ceara und Eric blieben stehen und hielten die Luft an, doch Daron meinte, das Eis wäre dick und würde halten, und so gingen sie angespannt weiter. Immer wieder glitten merkwürdige Schatten unter ihnen durchs Wasser.
»Seeschlangen, Kraken, Ungeheuer, was weiß ich«, antwortete Daron auf Erics Frage, was das für Tiere seien.
Der fing an, ununterbrochen vor sich hin zu schimpfen und zu jammern.
»Sie können dich hören«, meinte Daron mit gerunzelter Stirn. Daraufhin verstummte Eric.
Vorsichtig ging es weiter über das glatte, spiegelnde Eis, während der Tag langsam voran schritt. Der Nebel wurde zunehmend dichter und Darons Gesicht immer angespannter. Irgendwann blieb er stehen und hielt sich stöhnend die Ohren zu.
»Was ist denn?«, fragte Ceara mit gerunzelter Stirn.
»Die Geister«, stöhnte er. »Hört ihr sie nicht?«
Ceara und Eric blickten sich an, dann schüttelten sie einstimmig die Köpfe. Zwar hatte Ceara schon seit einiger Zeit ein unangenehmes Gefühl, das sich in ihrer Magengrube breitgemacht hatte, doch hören konnte sie nichts.
»Das ist gut.« Mit angespanntem Gesicht ging Daron weiter in den dichten Nebel hinein.
»Willst du lieber zurückgehen?«, fragte Ceara, doch Daron schüttelte den Kopf.
»Nein, es geht schon. Nur die Insel kann ich nicht betreten.«
Ceara warf ihm einen mitleidigen Blick zu und lief weiter. Bald wurde der Nebel noch dichter und wirkte undurchdringlich. Hin und wieder lichtete sich die weißgraue Nebelsuppe und man konnte Festland erkennen, allerdings sah man nie, wie groß die Insel war oder was sich darauf befand.
Irgendwann blieb Daron stehen und fiel auf die Knie, wobei er seinen Kopf umklammerte.
Ceara kniete sich neben ihn und fragte ängstlich: »Was ist denn los?«
»Diese Schreie«, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. »Ich kann nicht weiter.«
»Na gut«, meinte sie. »Dann warte doch lieber außerhalb des Nebels.«
Er schüttelte gequält den Kopf. »Nein, ich warte hier, aber macht schnell.«
Eilig zerrte Ceara Eric am Ärmel hinter sich her in den dichten Nebel, von dem man beinahe denken konnte, er hätte feste Formen. Als sie die Insel endlich betraten, war es so, als ob sich eine eisige Hand um ihr Herz legen würde.
Eric machte ein entsetztes Gesicht und keuchte: »Ich verschwinde.«
Doch Ceara schüttelte den Kopf. »Nein, wir finden diesen Schlüssel, sonst kommen wir am Ende nie mehr nach Hause.«
Leise vor sich hin fluchend folgte Eric ihr. Durch die Nebelschwaden konnten sie kaum etwas erkennen. Der Boden war eben und mit gefrorenem Gras bedeckt.
Urplötzlich tauchte eine etwa drei Meter große Gestalt auf, die aus Nebel zu bestehen schien und ständig ihre Form wechselte. Einmal war es eine wunderschöne junge Frau, dann ein uralter, gebeugter Mann und anschließend wieder ein unbeschreibbar hässliches Monster.
»Oh Shit!« Eric würgte.
Ceara hingegen war sprachlos und tastete mit zitternden Händen nach ihrem Schwert.
»Das Schwert wird dir nichts nützen, Kind der grünen Insel«, ertönte eine mächtige Stimme, die in ihrem Inneren widerzuhallen schien.
Sie schluckte und ließ die Hand sinken.
»Komm mit. Der Fremde muss zurück bleiben. Er ist nicht der Richtige. Er wurde nicht in der Prophezeiung genannt«, fuhr die Stimme fort.
»Hey, Mann, kein Problem«, sagte Eric zittrig. »Ich ww… warte hier.«
Unentschlossen blickte sich Ceara um und folgte schließlich diesem merkwürdigen Wesen. Der Nebel lichtete sich ein wenig und Ceara fand sich in einem riesigen Steinkreis wieder, der sie irgendwie an Stonehenge erinnerte. Das Wesen, das wohl ein Nyrmengeist sein musste, nahm die Gestalt einer alten Frau an. Ceara schluckte. Jetzt sah das Nebelwesen aus wie die alte Moira, die bei den Gipsys immer Geschichten am Lagerfeuer erzählt hatte, als Ceara noch ein Kind gewesen war.
»Willst du die Mächte in Gleichklang bringen?«, fragte der Nyrmengeist.
Ceara nickte unsicher.
»Bist du bereit, das Erbe deiner Vorfahren anzutreten und eine Kriegerin zu werden?«
Sie nickte erneut und sagte mit einer Stimme, die gar nicht ihr zu gehören schien: »Ich will es versuchen.«
Der Geist änderte kurz die Gestalt und wurde anschließend wieder zu der alten Moira. »Dann blicke in den Kristall und sehe!« Der Nyrmengeist deutete auf einen Sockel in der Mitte des Steinkreises, auf dem ein leuchtend weißer Kristall stand.
Langsam, mit zitternden Beinen, kam Ceara näher.
»Lege deine Hand darauf«, verlangte der Geist.
Ceara schloss ihre eiskalten, zittrigen Hände um den Kristall. Zunächst geschah gar nichts, doch dann erwärmte sich der Kristall und begann zu leuchten. Bilder flackerten auf und verschwanden. Ceara starrte angestrengt hinein. Sie sah einen Turm, umgeben von zackigen Bergen. Ein alter Mann mit stahlgrauen Haaren und einem langen Bart war offensichtlich darin gefangen. Plötzlich schien er sie mit stechenden, eisblauen Augen anzublicken.
»Ich bin Myrthan. Befreit mich!«
Es durchfuhr Ceara wie ein Blitz und sie taumelte zurück. Der Kristall erlosch. Ceara blieb verwirrt stehen. Was sollte das?
Der Nyrmengeist erschien nun in der Gestalt des Mannes, den sie gesehen hatte.
»Und jetzt?«, fragte Ceara unsicher.
»Nun weißt du, was zu tun ist.«
»Nein, ich sollte einen Schlüssel finden«, rief sie.
Der Wind frischte auf und der Nebel verzog sich ein wenig. Ceara konnte Eric nicht weit von sich entfernt sehen, der sich gehetzt umblickte und in der Ferne entdeckte sie Daron, der immer noch am Boden kniete. Der Nyrmengeist begann sich aufzulösen.
»Warte! Wo ist der Schlüssel?«, schrie sie gegen den stärker werdenden Wind.
Noch einmal nahm der Nyrmengeist die Gestalt Moiras an, bevor er verschwand.
»Du hast ihn immer gehabt«, donnerte die Stimme in ihrem Kopf.
Ceara O´Reilley, eine junge Archäologiestudentin, hatte eigentlich nie wieder nach Irland zurückkehren wollen. Doch dann geschieht bei Ausgrabungen etwas, das ihr Leben verändert.
Im Grab eines keltischen Clanführers entdeckt Ceara ein geheimnisvolles Tor, welches sie magisch anzuziehen scheint. Ausgerechnet mit Eric, den sie überhaupt nicht ausstehen kann, landet sie am Tag der Sommersonnenwende plötzlich in einer fremden und mystisch anmutenden Welt.
Ehe die beiden begreifen können, was gesehen ist, werden sie auch schon angegriffen.
Was hat es mit den mysteriösen Dämonenreitern und den todbringenden Schattenwölfen auf sich? Wer sind die schöne Fiilja Fio´rah und der geheimnisvolle Krieger Daron, der sie in letzter Sekunde rettet? Und warum soll ausgerechnet Ceara der Schlüssel zur Befreiung Dìonàrahs sein?
Für die junge Irin ist dies alles unbegreiflich, aber Krethmor, der Schattenmagier, fürchtet sie, während sein Erzfeind Myrthan all seine Hoffnung in sie legt.
Nach wie vor befindet sich Ceara in Adamaths Gewalt, während Daron in den Katakomben des Schlosses von Huellyn um sein Leben kämpft. Krethmor schart weitere Dämonenreiter und Schattenwölfe um sich und selbst über der mächtigen Festung Druidor, die als uneinnehmbar gilt, brauen sich dunkle Wolken zusammen. Immer noch fehlen einige der geheimnisvollen Runen und Norn, der uralte Hüter des Waldes, wartet im Waldreich von Fearánn auf die Gefährten. Wird er nun endgültig Darons Leben fordern?
Haben Myrthan und seine Freunde überhaupt noch eine Chance, gegen Krethmors endgültigen Schlag zu bestehen? Und welche Rolle spielen die geheimnisvollen Feen auf der wandernden Insel?
Düster sind die Aussichten für Dìonàrah und die Weltenwanderer.
“Rhiann – Sturm über den Highlands”, die Fortsetzung von “Rhiann – Nebel über den Highlands”.
Mara und ihr Highlandpony Rhiann leben nun schon seit über einem Jahr in Clachtoll an der Schottischen Westküste und eigentlich scheint ihr Glück vollkommen. Neue Pferde ziehen auf der Farm der MacKinnons ein und auch Rhiann hält einige Überraschungen parat. Ausserdem sorgt der Besuch aus Deutschland für einigen Wirbel. Aber mit Hilfe ihrer Freunde bekommen Mara und Ian alles in den Griff. Doch dann spricht Hamish, der Schäfer, eine Warnung aus: Dunkle Gewitterwolken ziehen über dem jungen Glück von Mara und Ian auf. Mara verliert ihre Lehrstelle, Ian hat Stress in der Uni und Geldprobleme, da er die Praxis nun alleine übernehmen soll, ausserdem taucht ein junger Franzose auf, der für Ians Geschmack ein wenig zu viel Interesse an Mara zeigt …
Band 2 der Jugendromantrilogie aus Schottland, für Jugendliche ab 12 und Erwachsene, die Schottland lieben.
Leseprobe:
Maras Eltern riefen zu Beginn des neuen Jahres ständig an und fragten, wann sie denn endlich mal wieder nach Deutschland kommen würde. Eine Zeit lang konnte Mara sie vertrösten, doch zum einen zog es sie momentan noch überhaupt nicht dort hin und zum anderen war sie froh, Ian endlich wieder öfters zu sehen und der wollte nicht schon wieder fliegen.
»Lade sie doch einfach hierher ein«, hatte er gesagt. »Irgendwann fliege ich vielleicht mal wieder mit, aber dann möchte ich zumindest alle Prüfungen hinter mich gebracht haben.«
Mara war nicht wirklich begeistert gewesen. Sie konnte sich ihre Eltern einfach nicht in Clachtoll vorstellen. Doch auch Ians Großeltern hatten sie schließlich überredet. Sie würden ihnen das Gästezimmer gerne zur Verfügung stellen. Mara hatte letztendlich mit einem komischen Gefühl in der Magengegend zugestimmt und ihre Eltern würden nun Ende Mai oder Anfang Juni für zwei Wochen zu Besuch kommen. Maras älterer Bruder Markus und seine Freundin Linda wollten etwas später anreisen und nur für eine Woche bleiben. Mara hielt das Ganze für eine wahre Invasion, doch Ian versuchte sie immer wieder zu beruhigen.
»Jetzt komm schon, so schlimm sind sie doch auch wieder nicht.«
»Wer hat denn achtzehn Jahre dort gelebt? Du oder ich? Und dann auch noch diese dämliche Linda«, erwiderte sie an einem kalten Winterabend vor dem offenen Kaminfeuer mal wieder entnervt.
Dem konnte Ian natürlich nicht widersprechen. Eigentlich freute sich Mara ja auch, ihre Eltern und natürlich besonders Markus wieder zu sehen. Auf Linda, Markus´ Freundin, hätte sie allerdings gut verzichten können. Sie war sich ziemlich sicher, dass dies die schrecklichsten zwei Wochen des Jahres werden würden!
Aileen P. Roberts ist das Pseudonym der Autorin Claudia Lössl. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte sie vor einigen Jahren durch ihren Mann. Als dieser mit der Arbeit an einem Buch begann, beschloss sie, sich ebenfalls als Schriftstellerin zu versuchen. Seither hat sie bereits mehrere Romane im Eigenverlag veröffentlicht und sich eine große Fangemeinde aufgebaut. Sie lebt mit ihrem Mann in Süddeutschland.
Zum Buch:
Rhiann – Nebel über den Highlands ist das erste Buch der Autorin Aileen P. Roberts und der Beginn einer wundervollen Geschichte, die ihre Fortsetzung in den Büchern „Rhiann – Sturm über den Highlands“ und „Rhiann – Verschlungene Pfade“ findet.
Gleich zu Anfang der Geschichte lernt der Leser die Highlands kennen. Ein alter Mann muss ein Highlandpony verkaufen um seine Schulden begleichen zu können. Es zerreißt ihm fast das Herz; denn zu diesem Pony – Rhiann – hat er eine ganz besondere Beziehung.
Dann schwenkt die Handlung und man lernt die junge sechzehnjährige Mara kennen. Mara hat Probleme in der Schule, steckt mitten in der Pubertät und durchlebt auch so einige Schwierigkeiten in ihrem Elternhaus. Sie ist so ganz anders als ihre Eltern sich das wünschen und hat auch keinerlei Vorstellungen von ihrer Zukunft. Ihre Eltern wollen sie in eine Rolle und in ein Leben hineindrängen, das keineswegs zu dem jungen Mädchen passt. Nur Maras Großvater hat das erkannt, aber er ist leider vor einigen Jahren verstorben. Maras größte Liebe gehört den Pferden und so verbringt sie jede freie Minute auf einem nahe gelegenen Pferdehof. Mit Hilfe ihrer Freundin schafft sie sich sogar ein eigenes Pony an, welches zunächst sehr schwierig im Umgang scheint. Das aber spornt Mara nur noch an und so wird ihr kleines Pony Ruby immer zutraulicher.
Nachdem Mara im zweiten Anlauf den Schulabschluss schafft, geht sie als Aupairmädchen nach Schottland. Dort fühlt sie sich sofort zu Hause, so als wäre sie dort geboren. Merkwürdigerweise spielen bei diesen Empfindungen auch ihr Großvater und ein geheimnisvoller Schäfer, dem Mara in Schottland immer wieder begegnet, eine geheimnisvolle Rolle. Und dann lernt Mara auch noch Ian kennen….
Diese Geschichte ist zauberhaft geschrieben und dürfte vor allem jungen Pferdeliebhaberinnen gefallen. Es ist eine sehr schöne Mischung aus Pferderoman und Liebesroman und greift auch Probleme junger Leute in der Pubertät auf. Die eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen der schottischen Highlands runden das Ganze ab und machen dieses Buch zu einem „Rundum-Glücklich-Paket“.
Es ist einfach schön zu lesen, auch wenn das Leben durchaus andere Seiten haben kann.
Preisrätsel 1 x 1 Exemplar mit Widmung direkt von der Autorin für den Gewinner geschrieben und an diesen zugesandt: Wer also ein Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Der wie vielte Band der Trilogie ist Rhiann – Nebel über den Highlands? Sobald 20 richtige Mails eingetroffen sind, werden die Gewinner daraus gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Der Gewinner lautet: Neele Karg. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH. Die Autorin wird sich direkt melden für das Buch mit der Widmung! Wir danken damit auch der Autorin und dem Cuillin Verlag!
Aileen P. Roberts ist das Pseudonym der Autorin Claudia Lössl. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte sie vor einigen Jahren durch ihren Mann. Als dieser mit der Arbeit an einem Buch begann, beschloss sie, sich ebenfalls als Schriftstellerin zu versuchen. Seither hat sie bereits mehrere Romane im Eigenverlag veröffentlicht und sich eine große Fangemeinde aufgebaut. Sie lebt mit ihrem Mann in Süddeutschland.
Zum Buch:
Rhiann – Nebel über den Highlands ist das erste Buch der Autorin Aileen P. Roberts und der Beginn einer wundervollen Geschichte, die ihre Fortsetzung in den Büchern „Rhiann – Sturm über den Highlands“ und „Rhiann – Verschlungene Pfade“ findet.
Gleich zu Anfang der Geschichte lernt der Leser die Highlands kennen. Ein alter Mann muss ein Highlandpony verkaufen um seine Schulden begleichen zu können. Es zerreißt ihm fast das Herz; denn zu diesem Pony – Rhiann – hat er eine ganz besondere Beziehung.
Dann schwenkt die Handlung und man lernt die junge sechzehnjährige Mara kennen. Mara hat Probleme in der Schule, steckt mitten in der Pubertät und durchlebt auch so einige Schwierigkeiten in ihrem Elternhaus. Sie ist so ganz anders als ihre Eltern sich das wünschen und hat auch keinerlei Vorstellungen von ihrer Zukunft. Ihre Eltern wollen sie in eine Rolle und in ein Leben hineindrängen, das keineswegs zu dem jungen Mädchen passt. Nur Maras Großvater hat das erkannt, aber er ist leider vor einigen Jahren verstorben. Maras größte Liebe gehört den Pferden und so verbringt sie jede freie Minute auf einem nahe gelegenen Pferdehof. Mit Hilfe ihrer Freundin schafft sie sich sogar ein eigenes Pony an, welches zunächst sehr schwierig im Umgang scheint. Das aber spornt Mara nur noch an und so wird ihr kleines Pony Ruby immer zutraulicher.
Nachdem Mara im zweiten Anlauf den Schulabschluss schafft, geht sie als Aupairmädchen nach Schottland. Dort fühlt sie sich sofort zu Hause, so als wäre sie dort geboren. Merkwürdigerweise spielen bei diesen Empfindungen auch ihr Großvater und ein geheimnisvoller Schäfer, dem Mara in Schottland immer wieder begegnet, eine geheimnisvolle Rolle. Und dann lernt Mara auch noch Ian kennen….
Diese Geschichte ist zauberhaft geschrieben und dürfte vor allem jungen Pferdeliebhaberinnen gefallen. Es ist eine sehr schöne Mischung aus Pferderoman und Liebesroman und greift auch Probleme junger Leute in der Pubertät auf. Die eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen der schottischen Highlands runden das Ganze ab und machen dieses Buch zu einem „Rundum-Glücklich-Paket“.
Es ist einfach schön zu lesen, auch wenn das Leben durchaus andere Seiten haben kann.
Für Silvester hatte Leslie eine große Party geplant und massenhaft Einladungen verschickt. John stöhnte schon die ganz Zeit und überlegte, wo sie die vielen Leute unterbringen sollten. Doch Leslie war unbekümmert und backte und kochte mit Hilfe von Mara leckere Sachen.
Am Vormittag des Silvestertages war John nach Lochinver gefahren, um noch mehr Getränke zu kaufen und kam später mit einem vollgepackten Auto zurück.
Sie räumten das Wohnzimmer leer, wandelten den Fernsehschrank in ein Buffet um, und dekorierten alles mit Luftschlangen und Ballons.
Mara überlegte die ganze Zeit, was sie anziehen sollte. Schließlich meinte Leslie, sie solle doch das neue Shirt von ihrer Tante mit ihrer schwarzen Jeans anziehen. Mara stimmte zu und Leslie war ganz begeistert, als Mara später umgezogen aus ihrem Zimmer kam.
»Hey, das steht dir echt gut, jetzt lass mal noch die Haare offen!«, rief sie aus und machte sich daran, Maras lange, dicke Haare zu bürsten bis sie glänzten. Dann war Leslie endlich zufrieden mit dem Ergebnis und nickte anerkennend.
Mara blickte kritisch in den Spiegel, musste dann aber zugeben, das sie sich einigermaßen sehen lassen konnte.
Gegen 22 Uhr trafen die ersten Gäste ein und jeder wurde mit einem Drink begrüßt. Einige Leute kannte Mara aus dem Dorf. Viele waren ihr jedoch unbekannt, aber alle waren sehr nett und unterhielten sich kurz mit ihr. Die Kinder wuselten aufgeregt zwischen den vielen Menschen herum.
Um 23 Uhr war das Haus gerammelt voll. Musik dröhnte aus der Stereoanlage, und überall war Lachen und Gerede zu hören.
Mara hatte schon zwei Gläser Wein getrunken und sich in den Sessel am Fenster zurückgezogen. Bei dieser Lautstärke und den vielen Leuten, die sich alle im schönsten schottischen Dialekt unterhielten, verstand sie kaum etwas. Sie setzte sich hin und beobachtete alles neugierig.
Die MacKinnons waren inzwischen auch gekommen, hatten Mara kurz zu gewunken und unterhielten sich gerade mit einem Mann, der etwa in Mr. MacKinnons Alter sein musste. Whisky wurde ausgeschenkt und man prostete sich zu.
Mara fiel ein großer junger Mann auf, den sie noch nie gesehen hatte. Er hatte dunkelblonde, etwas verwuschelte Haare, die ihm ins Gesicht hingen, und ein nettes Lächeln. Er stand mit John in der Tür und schaute immer wieder zu ihr herüber.
Leslie kam vorbei und fragte: »Alles okay, Mara? Langweilst du dich?«
»Nein, alles in Ordnung, es ist nur etwas anstrengend, sich bei dem Lärm in einer fremden Sprache zu unterhalten.«
»Das kann ich verstehen, manche sprechen auch noch Gälisch, das kann nicht mal ich richtig. Ich hatte es zwar in der Schule, war aber der Meinung, das sei nicht so wichtig. Aber verrate das Brian nicht, mittlerweile ist Gälisch wieder stark im Kommen!«, sagte Leslie grinsend.
Mara und Leslie unterhielten sich noch ein wenig, bis Leslie Mara lachend anstupste. »Schau mal, da interessiert sich jemand für dich!« Ihr Grinsen wurde noch breiter, während sie mehr oder weniger unauffällig in Richtung des jungen Mannes deutete.
Mara wurde rot.
»Wer ist das denn?«, fragte sie so beiläufig wie möglich.
»Das ist der Enkel von den MacKinnons, Ian heißt er, müsste jetzt ungefähr dreiundzwanzig Jahre alt sein. Ich habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen, aber ich muss sagen, der hat sich rausgemacht!«, lächelte Leslie vielsagend. »Komm, ich stell ihn dir mal vor.« Leslie zog Mara auf die Füße.
»Nein, das ist ja total peinlich!«, widersprach Mara und wollte gerade in der Küche verschwinden, doch da steuerte dieser Ian auch schon auf sie zu.
Blaue Augen schienen sie gefangen zu halten, dann streckte er ihr die Hand hin.
»Hi, ich bin Ian«, sagte eine angenehme Stimme.
»Ähhmm, Mara«, stotterte sie unbeholfen und hätte beinahe ihr leeres Weinglas fallen lassen.
»Mara, schöner Name«, meinte Ian mit einem netten Lächeln.
Die Art, wie er ›Mara‹ aussprach, ließ ihr einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
»Soll ich dir noch ein Glas Wein holen?«, fragte Ian.
»Nein, ähm, na ja, vielleicht doch, warum nicht …«, stammelte sie und wurde noch röter.
Verdammt, warum steh ich jetzt da wie eine blöde Kuh und bringe kein Wort heraus?, dachte Mara.
Ian schien das nicht zu stören. Er nahm ihr Glas, lächelte ihr zu und meinte zwinkernd:
»Aber nicht weglaufen!«, und verschwand in der Küche.
Doch genau das hätte Mara in diesem Moment gern getan. In das tiefste Loch verschwinden und oben zugraben!
Sie atmete tief durch.
Ruhig bleiben!, sagte sie zu sich selbst.
Ein paar Minuten später stand Ian wieder vor ihr, er hatte sich selbst ein Bier mitgebracht und prostete ihr zu.
»Slàinte!«
Mara hatte im Laufe des Abends gelernt, dass das hier soviel wie ›Prost‹ hieß.
»Slàinte mhath!«, antwortete sie und dachte dann sarkastisch: Wow, ich kann ja doch reden!
Ian verschluckte sich fast an seinem Bier. »Gälisch kannst du also auch schon, alle Achtung!«
Mara schüttelte den Kopf. »Nur ein paar Worte.«
Dann unterhielten sie sich über alles Mögliche und Mara entspannte sich etwas. Ian erzählte, dass er in Edinburgh Tiermedizin studierte, jetzt im sechsten Semester sei und seine Großeltern ein paar Tage besuchte.
Mara erzählte ein wenig von Deutschland, wie gut es ihr hier in Schottland gefiel und dass sie die Pferde seines Großvaters ritt.
»Das ist eine große Ehre«, meinte Ian. »Grandpa lässt nicht jeden an seine Highlandponies ran!«
Plötzlich ertönte eine Geige. Ein älterer Mann fing an zu spielen und sofort klatschten alle Gäste mit. John holte seine Gitarre und irgendjemand begann an zu singen. Alle stellten sich im Kreis um die Musiker und klatschten im Takt. Es wurde sehr eng, doch einige schafften es sogar noch zu tanzen.
»Möchtest du auch tanzen?«, fragte Ian und zog sie schon in die Mitte des Raumes.
»Nein, ich kann nicht«, wehrte sich Mara.
»Ach komm schon, ist doch ganz leicht!«
»Nein, wirklich nicht, ich schau lieber zu«, meinte Mara, der sowieso schon leicht schwindlig vom Wein war. In diesem Moment bereute sie es, den Tanzkurs von ihren Eltern nicht eingelöst zu haben.
Ian zuckte mit den Achseln, blieb aber bei ihr stehen.
Die Stimmung wurde immer ausgelassener. Whiskygläser wurden aufgefüllt, alle lachten und klatschten im Takt der Musik, die wirklich ins Blut ging.
»Mara, macht es dir etwas aus, wenn ich mit meiner Granny tanze?«, fragte Ian etwas später.
Mara schüttelte den Kopf und Ian schrie seiner Großmutter, die nur ein paar Schritte von ihnen entfernt stand, zu: »Granny, darf ich bitten?«, und verbeugte sich vor der alten Frau. Dann zog er sie auf die improvisierte Tanzfläche.
Die kleine, rundliche Granny Kate hielt sich wirklich gut. Wenig später kam Ian lachend und außer Atem zurück.
»Deine Großmutter ist wirklich toll«, sagte Mara.
Ian nickte. »Als junges Mädchen war sie auf jedem Ceilidh zu finden.«
Bevor Mara fragen konnte, was ein Ceilidh war, schrie irgendjemand: »Noch fünf Minuten bis Mitternacht!«
»Ich hol mir noch schnell ein Glas Whisky, möchtest du auch eins?«, fragte Ian.
»Nein, danke, ich mag keinen Whisky, aber einen Baileys hätte ich gerne.«
Ian nickte, bahnte sich einen Weg durch die Menge und kam kurze Zeit später mit zwei Gläsern in der Hand zurück.
Alle gingen nach draußen und zählten die letzten Sekunden bis zum neuen Jahr. Ian stand dicht neben ihr. Es war ziemlich kalt und windig, doch der Himmel funkelte sternenklar.
»Fünf, vier, drei, zwei, eins – Happy New Year!«, ertönte es von überall.
Auch Ian hatte Mara in den Arm genommen und ihr einen Kuss auf die Wange gedrückt. Eine Sternschnuppe fiel vom Himmel.
»Wünsch dir was«, flüsterte Ian ihr ins Ohr.
Mara schloss die Augen.
Ich will hier nie wieder weg, dachte sie spontan.
Ian drehte sie zu sich um und fragte lächelnd: »Hast du dir etwas gewünscht?«
Mara nickte.
»Ich auch«, meinte Ian und legte einen Finger auf seine Lippen. »Aber nicht verraten, sonst geht es nicht in Erfüllung!«
Dann wurden die beiden vom Strom der ›Happy New Year‹ wünschenden getrennt.
Mara war ganz durcheinander. Sie ließ alle Umarmungen und Wünsche über sich ergehen. Schließlich kam Ian wieder zurück und sie gingen ins Haus. Draußen war es doch ziemlich kalt.
Die ausgelassene Stimmung hielt an. Ian erzählte lustige Geschichten aus der Uni und von seinem besten Freund Sean, den er ›Crazy Irishman‹, also den verrückten Iren, nannte.
Die beiden teilten sich ein Appartement. Sean wechselte mindestens alle zwei Semester sein Studienfach, zurzeit sei es Ägyptologie. Doch Sean hatte bereits angekündigt, dass ihn die ›Dead wrapped bastards‹ schon wieder nervten. Außerdem war Sean legendär für seine Kneipentouren und Partys. Sein Lebensmotto war: Geh nie vor zwei Uhr nachmittags in eine Vorlesung!
Mara genoss den Abend in vollen Zügen.
Später kam Leslie zu den beiden und meinte mit einem Zwinkern: »Schön, dass ihr euch so gut versteht. Ian, dein Großvater hat gesagt, dass du Mitte Januar für die Semesterferien zu ihm kommst, um ihm bei Reparaturen zu helfen.«
Maras Herz schlug höher.
»Meinst du, du könntest Mara dann ein bisschen die Gegend zeigen? Ich habe schon ein ganz schlechtes Gewissen, weil wir bisher kaum weggekommen sind!«, fuhr Leslie fort und blickte Ian fragend an.
Ian versicherte, dass er das sehr gern tun würde und sagte dann zu Mara gewandt: »Und wenn du willst, fangen wir gleich morgen damit an, ich bin noch zwei Tage hier«, und füllte ihr Weinglas nach.
In Maras Kopf drehte sich alles und sie wusste nicht, ob das nur vom Alkohol kam!
Gegen zwei Uhr morgens brachen die ersten Gäste langsam auf. Ian fuhr mit seinen Großeltern nach Hause. Vorher hatte er Mara noch versichert:
»Ich rufe dich morgen an, okay?!« Anschließend hatte er sie kurz umarmt und war gegangen.
Mara schwebte wie auf Wolken. Sie war beschwipst, müde und aufgekratzt zugleich. John fand sie schließlich, etwas dämlich grinsend, in der Küche auf einem Stuhl sitzend, während der heftig angetrunkene alte Mr. Lachlan ihr etwas auf Gälisch erzählte und überhaupt nicht mitbekam, dass das Mädchen keinen Ton verstand.
»Auf ins Bett, Lass, du kippst ja gleich vom Stuhl!«, sagte John und führte die leicht schwankende Mara in ihr Zimmer.
Die schaffte es gerade noch, die Zähne zu putzen und sich auszuziehen, bevor sie bleischwer ins Bett fiel. Alles um sie herum drehte sich und in ihren Ohren dröhnte immer noch die Musik. Mara sah Ian vor sich, wie er sie anlächelte. Von unten drangen Stimmen und Lachen herauf.
Schließlich schlief sie ein.
Am nächsten Morgen wachte Mara bereits kurz nach 9 Uhr mit leichten Kopfschmerzen auf. Im Haus regte sich nichts. Mara wollte sich wieder in die Bettdecke kuscheln, doch irgendwie konnte sie nicht mehr einschlafen.
Schließlich stand sie stöhnend auf und überlegte, was am letzten Abend Traum, und was Wirklichkeit gewesen war. Sie duschte und ging dann halbwegs wach in die Küche, räumte den Küchentisch ab und kochte Kaffee.
Kurz darauf kamen ein verkatert aussehender John, er war bis fünf Uhr aufgeblieben und hatte etwas zu viel getrunken, und eine bereits wieder gutgelaunte Leslie in die Küche.
»Mara, du bist ein Schatz!«, seufzte Leslie, trank ihren Kaffee und gab den Kindern Frühstück. Damit die Kinder nicht im Weg waren, setzte sie diese schließlich vor den Fernseher.
»War doch nett gestern mit Ian, oder?«, fragte Leslie mit vielsagendem Grinsen im Gesicht.
Also hatte Mara das Ganze doch nicht geträumt. Und soweit sie sich erinnern konnte, hatte Ian ihr versprochen, heute anzurufen. Sie blickte auf die Uhr – erst kurz nach zehn, da war er vielleicht noch gar nicht wach.
Leslie begann, das Chaos, das die vielen Gäste hinterlassen hatten, zu beseitigen. John verschwand wieder grummelnd in seinem Schlafzimmer und Mara bot Leslie an, beim Aufräumen zu helfen.
Doch so recht bei der Sache war Mara nicht. Ständig schaute sie von der Uhr zum Telefon, stellte schmutziges Geschirr in den Kühlschrank, anstatt in den Geschirrspüler und warf vor Schreck einige Gläser vom Tisch, als es dann endlich doch klingelte. Es waren allerdings nur Leslies Eltern, die ein frohes neues Jahr wünschen wollten.
Leslie scheuchte Mara aus der Küche, die sich vor den Fernseher setzte, jedoch nicht wirklich etwas mitbekam. Es war bereits 14 Uhr und Ian hatte immer noch nicht angerufen.
John war wieder aufgetaucht und saß mit im Wohnzimmer und trank Tee. Er wunderte sich über Maras düstere Stimmung – so kannte er sie gar nicht.
Leslie kam mit einem Teller Kekse herein, doch Mara hatte keinen Hunger. Sie nahm sich ein Buch, konnte sich aber nicht konzentrieren und las jede Zeile dreimal.
Wahrscheinlich denkt er gar nicht mehr an mich und ist schon zurück nach Edinburgh gefahren, dachte Mara.
Ihr Gesichtsausdruck wurde immer finsterer.
Um 15 Uhr klingelte erneut das Telefon.
Mara zwang sich sitzen zu bleiben und unbeteiligt zu schauen, doch sie hatte die Finger so fest um das Buch geklammert, dass die Knöchel schon weiß wurden.
Leslie kam lächelnd herein. »Mara, für dich!«
Mara schoss aus dem Sessel und stolperte über Murphy, der beleidigt miauend unter dem Sofa verschwand.
Sie atmete kurz durch und sagte dann: »JA?!«
»Hallo, Mara«, kam die leicht verkatert klingende Stimme von Ian, »ich bin erst spät aufgestanden und hab dann noch mit meinem Großvater die Tiere gefüttert.«
Mara entspannte sich. Also hatte er sie doch nicht vergessen!
»Wenn das Wetter hält, können wir morgen zum Stac Polly fahren. Magst du Bergwandern?«, fragte Ian unsicher.
»Ja klar, gerne!«, kam die begeisterte Antwort von Mara.
»Super, ähm, und ich wollte später noch mit Duke zum Strand gehen. Möchtest du mitkommen, Mara?«
Und ob sie wollte!
Die beiden verabredeten sich für halb vier an der Straße. Mara legte den Hörer auf, polterte die Treppe hoch und kam kurze Zeit später dick angezogen und pfeifend wieder herunter.
Sie rief gutgelaunt: »Ich bin mal kurz weeeg!«, und rannte an dem immer noch müden John vorbei, der zusammenzuckte, als die Haustür ins Schloss krachte.
»Die ändert sich ja schneller als das schottische Wetter«, grummelte John.
»Frisch verliebt, würde ich sagen!«, meinte Leslie und gab ihrem Mann einen dicken Kuss auf den Mund.
Mara lief den Weg zur Straße hüpfend hinunter. Die Müdigkeit und die schlechte Laune waren wie weggeblasen. In der Ferne konnte sie eine Gestalt in einer dicken Jacke mit einem Hund sehen.
»Schön, dass du gekommen bist«, begrüßte Ian sie lächelnd.
Dann liefen sie gemeinsam über den Sandstrand. Die Flut kam gerade schäumend herein und sie lachten über Duke, der versuchte, Möwen zu jagen. Ian erzählte Mara, dass der Stac Polly sein Lieblingsberg im Assynt war, so nannte man die gebirgige Landschaft dieser Gegend, und dass man von dort die beste Aussicht hatte.
Sie redeten über alles Mögliche und Ian erzählte, dass seine Eltern vor drei Jahren zusammen mit seiner jüngeren Schwester Megan nach Neuseeland ausgewandert waren und dort ein kleines Whiskygeschäft führten. Er hatte sie seitdem nicht mehr gesehen, da er, wie er mit verzogenem Gesicht meinte, nur im äußersten Notfall in diese ›fliegenden Blechkisten‹ steigen würde! Aber er telefonierte regelmäßig mit seinen Eltern und sie schrieben sich häufig.
Mara und Ian liefen zurück zur Farm der MacKinnons und Mara begrüßte die beiden Stuten. Es wurde langsam wieder dunkel und Ian zeigte ihr die Abkürzung durch die Hügel. Der Schafspfad war ziemlich steinig und rutschig und mündete ein Stück vor dem Grundstück der Murrays in einen Feldweg. Immerhin war dieser Weg erheblich kürzer als über die Straße.
»Aber geh hier nicht im Dunkeln, sonst verläufst du dich noch!«, sagte Ian und versprach, am nächsten Tag um zehn Uhr zu ihr zu kommen. Dann war er in den Hügeln verschwunden.
Mara kam gerade richtig zum Abendessen. Sie erzählte von ihren Plänen, morgen auf den Berg zu steigen. Dann stockte sie verlegen und fragte Leslie mit schlechtem Gewissen, ob es ihr überhaupt recht sei, wenn sie einfach wegginge, wo doch nicht ihr freier Tag wäre.
Doch Leslie winkte ab. »Du hast in den letzten Monaten so viel mit den Kindern unternommen, auch an deinen freien Tagen. Genieß die Zeit mit Ian, er muss sowieso bald wieder weg.«
Maras Miene verfinsterte sich etwas. Daran wollte sie jetzt nicht denken!
Der nächste Tag begrüßte sie mit leichtem Nieselregen, doch als sie mit Ians altem grünen Landrover Defender über die Highlandstraßen holperten, kam die Sonne schon wieder heraus. Mit reichlich Proviant ausgestattet zogen die beiden gutgelaunt los und kletterten auf den Gipfel des Stac Polly.
Der Weg war ziemlich steil und an manchen Stellen mussten sie über Geröllfelder klettern. Als sie dann nach zwei Stunden am schneebedeckten Gipfel ankamen, waren sie ganz schön außer Atem. Doch der Ausblick entschädigte sie für alles.
Mara staunte. Sie konnte über endloses mit Seen durchsetztes Heideland blicken, das sich in sanften Hügeln bis zum Meer zog. Die Gipfel der anderen Berge schimmerten in der Sonne, die alles funkeln und glänzen ließ.
Mara war sprachlos, das alles wirkte so unwirklich schön, dass man meinen konnte, man blicke auf ein Landschaftsmodell.
Ian sagte leicht fröstelnd im kalten Wind: »Im Sommer ist es natürlich noch schöner.«
»Kann ich mir gar nicht vorstellen«, murmelte Mara fasziniert.
Eine plötzliche Windböe riss sie fast von den Füßen, sodass Ian sie auffangen musste.
»Ich glaube, wir suchen uns ein bisschen Schutz«, schlug er vor und nahm sie an der Hand.
Sie setzten sich in den Schutz eines überhängenden Felsens, tranken heißen Tee und ließen sich ihre Sandwiches schmecken.
Doch bald mussten sie sich an den Abstieg machen. Die Sonne war hinter den Wolken verschwunden und es würde nicht mehr viel Tageslicht übrig bleiben.
Im letzten Licht des schwindenden Tages liefen sie zum Auto zurück und fuhren nach Hause. Ian hielt vor der Haustür der Murrays an und sagte etwas unglücklich dreinschauend: »Ich muss morgen wieder fahren, aber ich komme in drei Wochen zurück, sobald die Prüfungen vorbei sind!«
Auch Mara machte ein trauriges Gesicht. Keiner wollte sich so recht verabschieden.
Schließlich kam Fiona aus der Tür gestürmt und rief: »Mara, Mara!«
Ian legte kurz seine Hand auf ihre und Mara stieg aus.
»Ich ruf dich an!«, rief Ian ihr hinterher. Dann startete er sein altes Auto und fuhr klappernd davon.
»Mara, Sheepies suchen!«, sagte Fiona und zog Mara mit sich zur Schafskoppel hinter dem Haus.
Mara seufzte und blickte Ian hinterher. Dann folgte sie dem kleinen Mädchen, das sich in den Kopf gesetzt hatte, ein Schaf zu streicheln.
Die nächsten drei Wochen zogen sich für Mara endlos dahin. Ian rief zwar wie versprochen gelegentlich an, doch da er Prüfungen schrieb, hatte er nicht viel Zeit.
Mara schwankte zwischen Hoffnung und Zweifeln. Meinte Ian es wirklich ernst mit ihr, oder war sie für ihn nur ein kleiner Urlaubsflirt?
Sie beschloss, etwas von ihrem gesparten Taschengeld auszugeben und Julia aus der Telefonzelle anzurufen. Die war vor Freude ganz aus dem Häuschen und versicherte, dass es den Pferden gut ginge. Ruby wäre brav und würde sich anstandslos von ihr longieren und führen lassen.
Julia riet ihr, die Sache mit Ian einfach auf sich zukommen zu lassen und ihr alles haarklein zu schreiben. Außerdem erzählte Julia noch, dass Karsten sich als Idiot herausgestellt hatte und sie wieder Single sei. Dann waren auch schon über zehn schottische Pfund im gierigen Schlund der Telefonzelle verschwunden und die Mädchen legten auf.
Mara versuchte, sich so gut es ging abzulenken. Sofern es das Wetter zuließ ritt sie aus und kümmerte sich ansonsten um die Kinder.
Dann kam endlich der ersehnte 20. Januar. Mara spielte gerade mit den Kindern im Hof Ball, als Ian laut hupend die Straße hochgefahren kam.
»Ich wollte dich als Erstes sehen!«, rief er ihr entgegen, zögerte kurz und nahm Mara dann in den Arm.
»Kommt doch rein, ich habe Applepie gebacken!« Leslie winkte ihnen vom Fenster aus zu.
Also ging Ian mit hinein und sie setzten sich um den großen Küchentisch. Er erzählte von Edinburgh, seinen Prüfungen und dass er jetzt endlich Ferien hatte. Nachdem der Apfelkuchen aufgegessen war, brach Ian zu seinen Großeltern auf.
»Sehen wir uns morgen?«, wollte Ian wissen und blickte Mara erwartungsvoll an.
»Na klar!«, antwortete diese strahlend. »Ich komme morgen vorbei, wenn ich die Kinder weggebracht habe.«
Der nächste Tag war ungewöhnlich mild für Ende Januar, fast meinte man schon, einen Hauch von Frühling zu erahnen.
Mara brachte die Kinder zur Schule und lief dann den Weg zur Farm der MacKinnons hinauf. Ian und sein Großvater arbeiteten auf dem Dach und tauschten Ziegeln aus.
»Hi, Mara, ich bin gleich fertig. Kannst du kurz warten?«, fragte Ian gutgelaunt.
»Okay, ich reite solange mit Heather auf der Koppel«, antwortete Mara.
Nachdem Mara geritten war und gerade absattelte, kam Ian zur Pferdekoppel hinauf.
»Hast du noch Lust auf einen Spaziergang, dann zeige ich dir meinen Lieblingsplatz?«
»Klar, bis um eins habe ich Zeit«, sagte Mara und räumte ihren Sattel auf.
Sie liefen über matschige Schafspfade und kleine Hügel bis weit ins Hinterland hinein. Hier war Mara noch nie gewesen. In einem Tal mit vereinzelten, vom Wind verkrüppelten Bäumen, stand ein kleiner Steinkreis und Mara blieb überrascht stehen.
»Das ist der ›Cuairtich a dàn‹. Keiner weiß so recht, wofür diese Steinkreise gebaut worden sind. Manche sagen, sie hätten als Versammlungsort der Druiden gedient. Andere meinen, es sei eine Opferstelle gewesen. Der hier ist natürlich nicht so bekannt wie Stonehenge oder so, aber ich finde, er hat irgendwas Magisches an sich.« Ian blickte Mara unsicher ins Gesicht. Hielt sie ihn jetzt für verrückt?
Mara schaute sich fasziniert um. »Wunderschön ist es hier. So ein ähnlicher Platz ist auch in Deutschland meine Lieblingsstelle, auch wenn es nicht direkt ein Steinkreis ist.«
Sie setzten sich auf einen Felsen. Hier in der Senke war es richtig warm. Mara erzählte vom Druidenhain und ihrem Großvater. Es war, als ob sie sich schon ewig kennen würden. Mit Ian konnte Mara über Dinge reden, die sie sonst allerhöchstens Julia anvertraute.
»Du, Mara, was ich dich schon die ganze Zeit fragen wollte.« Ian räusperte sich. »Hast du die Kette mit dem keltischen Anhänger eigentlich von deinem Freund in Deutschland?«
Mara schüttelte den Kopf. Irgendwie fand sie, dass Ian erleichtert aussah, als sie den kleinen Anhänger unter ihrem Pullover hervorholte und sagte: »Nein, den habe ich von meinem Großvater, genauso wie meinen Namen.«
Dann erzählte sie die Geschichte von ihrer Namensgebung. Ian musste herzlich lachen und meinte, bei ›Dörthe‹ würde man sich ja die Zunge brechen.
»Dein Grandpa war sicher sehr nett, ich hätte ihn gerne kennen gelernt. Weißt du eigentlich, dass du einen schottischen Namen hast?«
Mara blickte ihn verdutzt an und Ian fuhr fort. » ›mara‹ ist Gälisch und bedeutet ›Meer‹. Passt irgendwie zu dir«, meinte er lächelnd.
Mara liebte die Art, wie er ihren Namen aussprach.
»Ob mein Opa das gewusst hat?«, murmelte sie nachdenklich und blickte zu Boden.
»Du vermisst ihn, oder?«, fragte Ian leise.
Mara nickte und biss sich auf die Lippe.
Ian nahm sie wortlos in den Arm. So saßen sie eine ganze Zeit lang und ließen sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Dann musste Mara los, denn Fiona wartete sicher schon auf sie.
Mara und Ian trafen sich jetzt fast jeden Tag. Sie gingen am Vormittag spazieren oder saßen bei schlechtem Wetter in Granny Kates gemütlicher Küche. Abends fuhren sie gelegentlich nach Lochinver, wo Mara einige junge Leute kennen lernte, die sich im ›Boatsman Inn‹, einem gemütlichen Pub, trafen. Dort spielten sie Billard oder hörten Musik und unterhielten sich. Die jungen Leute waren alle sehr nett und nahmen Mara herzlich auf. Besonders mit Susan aus Achmelvich verstand sich Mara sehr gut. Sie arbeitete im Sommer auf dem Campingplatz ihres Vaters und war wie Mara siebzehn Jahre alt.
An einem Sonntag wollten Mara und Ian ganz in den Norden Schottlands nach Durness fahren. Zum Glück regnete es gerade nicht und der Wetterbericht hatte für den Nachmittag sogar einige sonnige Abschnitte gemeldet.
Sie fuhren auf den engen Highlandstraßen nordwärts und Ian erzählte Mara, was er über die Gegend wusste. Die Landschaft wurde, auch wenn Mara es kaum glauben wollte, immer wilder und menschenleerer. Die Heidekrautfelder waren mit riesigen Felsblöcken durchsetzt, zwischen denen einzelne Schafe grasten.
Sie machten in einem kleinen Dorf Pause und tranken bei zwei alten Leuten Tee und aßen ein paar Sandwiches. Die alten Leute hatten den unteren Raum ihres Cottages vor vielen Jahren in ein Café umgebaut. Es war alles uralt, aber irgendwie gemütlich. Draußen pfiff der Wind ums Haus, aber vor dem flackernden Torffeuer ließ es sich aushalten.
Der alte Mann erzählte, wie er nach dem Krieg sein Cottage ganz allein aufgebaut und eine Zeit lang Highlandcattle und Schafe gezüchtet hatte. Er musste schon weit über achtzig Jahre alt sein.
Irgendwann brachen sie wieder auf und fuhren bis nach Durness. Dort zeigte Ian Mara einige schöne Buchten mit weißen Sandstränden. Außerhalb des Dorfes lag ein wunderschöner Strand, den man bei Ebbe kilometerlang entlang wandern konnte.
Der Wind war ziemlich kalt, doch in der immer wieder hervorkommenden Sonne strahlte und glitzerte alles. Sie liefen über den strahlend weißen Sandstrand, während die Wellen ans Ufer rollten und der Wind ihnen die Luft zum Atmen nahm. In einer kleinen Höhle hielten sie atemlos an.
»Puh, ganz schön heftig der Wind! Und wie gefällt`s dir hier ganz im Norden?«, fragte Ian.
»Wirklich schön hier, aber der Wind reißt einem ja fast die Haare vom Kopf. Trotzdem, ich finde das passt irgendwie hierher«, meinte Mara.
Ian nickte und fuhr sich durch die zerstrubbelten Haare.
»Wenn man Glück hat, kann man von den Klippen aus sogar Wale sehen. Wollen wir hoch in den Pub gehen und etwas essen?«, schlug Ian vor.
Mara stimmte zu und sie kämpften sich die letzten Meter vom Strand bis zum Auto. Im Pub neben dem Campingplatz bestellten sie mit vom Wind geröteten Gesichtern einen heißen Tee und eine Suppe zum Aufwärmen.
»Jetzt siehst du aus wie ein Highlandcattle«, sagte Ian grinsend.
Mara blickte in die Scheibe und musste selbst lachen. Die Haare standen ihr kreuz und quer vom Kopf ab und waren durch den Wind total zerzaust.
Sie steckte zwei Finger durch die Zotteln, senkte den Kopf und machte »Muuuh«.
Ihr fiel ein alter Mann auf, der gerade einen Krabbencocktail aß. Mara beugte sich zu Ian und sagte grinsend: »Schau mal seine Schuhe an, der hat ja Riesenfüße!«
»Oh, damit kann er im Winter gleich Skifahren«, gab Ian lachend zurück.
Dann kam die Suppe, die Bedienung bezeichnete es als ›Cullen Skink‹, was sich als eine köstliche, cremige Fischsuppe mit geräuchertem Hering herausstellte.
Als es dämmerte, fuhren sie zurück nach Clachtoll. Es war ein schöner Tag gewesen, den beide genossen hatten.
Ian und Mara wurden immer vertrauter miteinander. Sie waren oft verwundert, wie viele Gemeinsamkeiten sie hatten und dass sie über die gleichen Dinge lachen, oder sich aufregen konnten.
Eines Tages, als sie gemeinsam an der Koppel standen und Heather und Mary beobachteten, die genüsslich ihr Heu kauten, fragte Mara: »Sag mal, kannst du eigentlich auch reiten?«
»Nee, ich habe schon ewig auf keinem Pferd mehr gesessen«, antwortete Ian ausweichend.
»Also kannst du es doch, oder?!«, bohrte Mara nach.
Ian zuckte mit den Schultern. »Na ja, so mit fünfzehn bin ich das letzte Mal geritten. Das ist schon ewig her!«, gab er widerstrebend zu.
»Ja, ja, jetzt bist du schon ein alter Mann! Soll ich dir einen Krückstock holen?«, witzelte Mara und grinste ihn frech an.
Ian kitzelte sie durch, bis sie quietschend um Gnade bettelte.
»Also, komm schon, morgen machen wir einen Ausritt, abgemacht?«, sagte Mara, als sie wieder Luft zum Sprechen hatte.
Ian blickte sie skeptisch an, dann hellte sich sein Gesicht auf. »Aber nur, wenn du das nächste Mal mit mir tanzt!«
Mara willigte mit gerunzelter Stirn ein.
Am nächsten Tag sattelten sie die Pferde. Ian nahm die etwas größere Heather. Trotzdem sah es schon ziemlich lustig aus, da Ians lange Beine weit an dem Pony herunterhingen und er sich die ersten Meter, etwas blass im Gesicht, krampfhaft am Sattel festhielt. Doch nach und nach gewöhnte er sich wieder ans Reiten.
Sie ritten durch die Hügel und dann hinunter zum Meer. Am Sandstrand, an dem Mara meistens galoppierte, schien Heather Ians Sattelfestigkeit prüfen zu wollen. Sie machte einen kleinen Freudensprung und galoppierte los.
Ian wurde unsanft nach hinten gerissen und konnte sein Pferd erst ein paar hundert Meter weiter stoppen. Er hielt krampfhaft die Zügel fest, als Mara ihn schließlich eingeholt hatte und murmelte etwas, das stark nach ›wee witch‹ klang.
»Die ist wohl verrückt geworden«, schimpfte er.
»Da musst du erst mal mein Pferd in Deutschland erleben, die kann buckeln!«, lachte Mara, dann biss sie sich auf die Lippen.
Ian schaute sie erstaunt an. »Du hast ein eigenes Pferd? Wusste ich gar nicht!«
Außer Julia und Nadja hatte Mara bisher keinem Menschen von ihrem Pony erzählt. Doch was konnte es schon schaden, wenn Ian es erfuhr?
»Ich erzähle dir jetzt ein Geheimnis. Kannst du den Mund halten?«, fragte sie ernst.
»Ich gelobe, zu schweigen!«, verkündete er und hob feierlich eine Hand.
Das schien Heather als Zeichen anzusehen, wieder loszustürmen.
»Komm schon, lass sie laufen!«, schrie Mara gegen den Wind und galoppierte an Ian vorbei.
Der machte ein unglückliches Gesicht und hielt sich am Sattel fest, dann donnerten sie über den Strand.
Ian schimpfte später, jedoch mit einem lustigen Funkeln in den Augen, über ›crazy Lassies‹. Dann ritten sie im Schritt weiter und Mara erzählte ihm die ganze Geschichte von ihr und dem Pony. Ian staunte nicht schlecht.
»Diese Julia scheint ja eine ganz tolle Freundin zu sein! Was für eine Rasse ist denn deine Ruby?«, fragte er interessiert.
Mara zuckte mit den Achseln.
»Irgendeine Pony-Mischung.«
»Hast du ein Foto mitgenommen?«
Mara nickte und versprach, Ian die Bilder bei der nächsten Gelegenheit zu zeigen. Später sattelten sie die Pferde ab und Ian begleitete Mara über den Weg durch die Hügel nach Hause.
Am nächsten Tag regnete es in Strömen. Granny Kate hatte wieder Shortbread gebacken und ihr Mann war zum Einkaufen nach Lochinver unterwegs. Mara und Ian saßen in der Küche und tranken Tee, später holte Mara die Fotos von ihrem Pony heraus.
»Hey, könnte ein Highlandpony sein!«, rief Ian aus.
»Ich glaube nicht, dass es in Deutschland welche gibt. Ich habe erst hier von der Rasse gehört«, meinte Mara skeptisch.
Ian zuckte mit den Schultern. »Frag doch mal Grandpa, der weiß es bestimmt.«
Wenig später kam Mr. MacKinnon mit einem Korb voller Lebensmittel herein.
»Grandpa, schau doch mal, was könnte das für ein Pferd sein? Es gehört Maras Freundin.« Ian zwinkerte Mara zu, während er seinem Großvater die beiden Fotos hinhielt.
»Das ist eindeutig ein Highlandpony, und ein sehr hübsches noch dazu!« Der alte Mann wurde ernst. »Ich hatte selbst mal eine Stute, die sah so ähnlich aus.«
Mara fragte vorsichtig: »Und wo ist sie jetzt?«
»Sie starb bei der Geburt ihres Fohlens. Das Fohlen musste ich verkaufen«, antwortete Mr. MacKinnon knapp und verließ hastig den Raum.
Mara meinte, seine Augen feucht schimmern zu sehen.
Ian seufzte. »Mein Großvater hat früher Highlandponies gezüchtet. Er musste vor ein paar Jahren aufhören, hat sich nicht mehr gelohnt. War sehr schwer für ihn. Nur die beiden alten Stuten konnte er behalten.«
Mara tat der alte Mann leid. Sie mochte ihn so gern und wusste selbst, wie sehr einem seine Pferde ans Herz wachsen konnten.
Ruby ist also ein Highlandpony, merkwürdig!, dachte Mara.
Die nächsten Tage verbrachten Ian und Mara damit, Ausflüge in die Umgebung zu machen. Ian zeigte ihr die schönsten verstecktesten und geheimnisvollsten Flecken der Gegend, zu denen sonst kaum Touristen kamen.
Einmal stießen sie bei einer Wanderung auf einen alten, verlassenen Friedhof. Viele der Grabsteine waren schon mit Moos und Ranken überwuchert und man konnte kaum noch die Schrift lesen.
»Komisch, oder? Jetzt latschen wir da auf den Gräbern von irgendwelchen Leuten rum. Ich würde gerne wissen, wie die damals gelebt haben«, sagte Mara gedankenversunken und wischte das Moos von einem Grabstein mit keltischem Kreuz, auf dem das Datum 1825 zu sehen war.
»Ja, geht mir auch so«, meinte Ian. »Hey, schau mal, das scheint sogar ein Verwandter von mir zu sein – Alsdair MacKinnon.«
»Wow, der ist 1873 gestorben, er ist ja über hundert Jahre geworden«, meinte Mara verwundert.
»Hier werden viele Leute sehr alt, schau dir mal meine Urgroßeltern an, die leben auf der Isle of Islay. Mein Urgroßvater ist jetzt neunundneunzig und meine Urgroßmuter siebenundneunzig. Das ist keine Seltenheit, viele Leute werden dort über hundert.« Ian grinste. »Die beiden sind echt lustig. Sie behaupten immer, der Whisky würde sie von innen konservieren.«
Mara musste lachen und Ian erzählte weiter: »Die Eltern von meiner Mum leben auch noch dort, die sind auch schon über siebzig. Auf jeden Fall sind meine Urgroßeltern schon etwas eigenbrötlerisch und stur. Wenn sie jemanden nicht mögen, reden sie nur Gälisch miteinander. Sie wohnen in einem uralten Cottage und haben noch nicht mal eine Zentralheizung. So einen modernen Schnickschnack mögen sie nicht.«
»Was, womit heizen sie denn dann?«, fragte Mara erstaunt.
»Mit Torf, so wie es früher alle getan haben. Vor ein paar Jahren kam mal so ein Typ von der Regierung und wollte ihnen ein günstiges Darlehen anbieten, damit sie sich eine Zentralheizung einbauen lassen können. Der Mann war auch noch Engländer. Mein Urgroßvater hat gemeint, so einen Blödsinn brauchen sie nicht und er solle verschwinden. Als er weiter versucht hat die beiden zu bequatschen, hat mein Urgroßvater auf seine Fragen nur Gälisch geantwortet. Der Mann wäre fast verzweifelt.«
»Und was war dann?«, fragte Mara gespannt. Sie fand die ganze Geschichte ziemlich lustig.
»Na ja, das Einzige, was mein Urgroßvater dann noch gesagt hat war, dass man der englischen Regierung sowieso nicht trauen könne, das hat man ja in den vergangenen Jahrhunderten gesehen und er solle jetzt verschwinden, sonst würde er seine Hunde auf ihn hetzen! Meine Urgroßeltern haben zwei irische Wolfshunde, absolut gutmütige Tiere, aber als meine Urgroßmutter die beiden dann ins Wohnzimmer gelassen hat, ist der Mann kalkweiß geworden und hat seine Beine in die Hand genommen. Ich glaube, so schnell ist noch nie jemand in sein Auto gesprungen!«
Mara waren vor Lachen schon die Tränen gekommen.
»Oh Mann, die zwei sind ja wirklich cool. Ich mag solche Originale, die sich nicht verbiegen lassen und ihre Meinung sagen«, gluckste Mara.
Dann erzählte Ian noch, was für ein Drama es gewesen war, als sein ›Islay Grandpa‹, wie er ihn immer nannte, den Urgroßvater 1960 überzeugen wollte, sein Strohdach gegen eines aus Ziegeln zu tauschen.
»Die beiden wären sich fast an die Gurgel gegangen. Schließlich hat sich Grandpa Calum dann aber durchgesetzt. Allerdings, sobald mal eine Ziegel kaputt ist, bekommt er das natürlich von meinem Urgroßvater vorgeworfen.«
»Calum, yerr moderrrn stuff is bloody rrrrotten rrrrubish«, machte Ian seinen Urgroßvater mit tiefer, grollender Stimme nach. »Eine Zeit lang haben die beiden in zwei unterschiedlichen Destillerien auf der Insel gearbeitet, das war ziemlich übel. Jeder behauptete, den besseren Whisky zu produzieren und keiner gab nach. Aber an sich mögen sie sich schon und wenn´s drauf ankommt, halten sie zusammen«, sagte Ian überzeugt.
Er hatte das Ganze so lebhaft erzählt, dass Mara sich richtig vorstellen konnte, wie die zwei alten Männer auf einer windumtosten Insel auf einem Dach standen und sich anbrüllten…
Anmerkung der Redaktion: Liebe Leser, diese Kurzgeschichte ist ein Kapitel aus einem Roman der Autorin, das für unsere Homepage zu einer Kurzgeschichte umfunktioniert wurde. Wer gerne die ganze Geschichte lesen möchte, oder einfach nur wissen möchte, wie es weitergeht mit der Protagonistin, der kann den Roman dazu über einen unserer Bestellinks käuflich erwerben:
Aileen P. Roberts
Rhiann – Nebel über den Highlands
Verlag : Cuillin Verlag
ISBN : 978-3-9810966-0-6
Einband : Paperback
Preisinfo : 12,50 Eur[D]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang : 296 S. – 21 x 14,5 cm
Gewicht : 400 g
Rhiann – Nebel über den Highlands ist die Geschichte von Mara, einem Mädchen aus Deutschland und dem Pony Rhiann, die das Schicksal zusammenführt.
Mara ist fünfzehn Jahre alt. Ihre Freizeit verbringt sie meist mit Freunden im Reitstall und ihrem Pflegepferd Odin. Sie hat einige Probleme in der Schule und mit den Eltern. Außerdem weiß Mara nicht, welchen Beruf sie lernen soll. Trotz allem kauft sie sich mit Hilfe ihrer besten Freundin Julia heimlich ein Pferd.
Als Mara siebzehn ist und endlich den Schulabschluss hat, beschließt sie, ein Jahr lang als Aupairmädchen nach Schottland zu gehen. Mara lernt die raue Nord-Westküste Schottlands mit ihren Bergen und Stränden kennen und lieben. Warum fühlt sie sich zu den schottischen Highlands und seinen Bewohnern so sehr hingezogen? Und wer ist der geheimnisvolle alte Schäfer, dem sie immer auf ihren Ausritten mit den Higlandponies Mary und Heather begegnet? Außerdem trifft Mara ihre erste große Liebe.
Nach einem halben Jahr müsste sie eigentlich zurück nach Deutschland. Doch wie geht alles weiter …?
am Freitag ist Beltane, einer der wichtigsten keltischen Feiertage. In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai beginnt der keltische Sommer. Auch am 1. Mai selbst wird weitergefeiert.
Anlässlich dieses Feiertages gibt es ein Gewinnspiel, bei dem unter allen richtigen Einsendungen ein signiertes Exemplar von Dìonàrah – das Geheimnis der Kelten verlost wird.
Drei Fragen sind zu beantworten.
1. Wie heißt der Schattenmagier?
2. Was ist in das Tor eingemeisselt, vor dem Ceara und Eric stehen?
3. An welchem Tag geraten Ceara und Eric in die andere Welt?
Schaut euch ein bisschen auf meiner Website um, dann findet ihr sicher die richtigen Antworten: http://www.aileen-p-roberts.de
Das Gewinnspiel läuft bis 1. Mai und der Gewinner wird im nächsten Newsletter und auf Facebook veröffentlicht.
In diesem Sinne, einen fröhlichen keltischen Sommeranfang!
Ceara O´Reilley, eine junge Archäologiestudentin, hatte eigentlich nie wieder nach Irland zurückkehren wollen. Doch dann geschieht bei Ausgrabungen etwas, das ihr Leben verändert.
Im Grab eines keltischen Clanführers entdeckt Ceara ein geheimnisvolles Tor, welches sie magisch anzuziehen scheint. Ausgerechnet mit Eric, den sie überhaupt nicht ausstehen kann, landet sie am Tag der Sommersonnenwende plötzlich in einer fremden und mystisch anmutenden Welt.
Ehe die beiden begreifen können, was gesehen ist, werden sie auch schon angegriffen.
Was hat es mit den mysteriösen Dämonenreitern und den todbringenden Schattenwölfen auf sich? Wer sind die schöne Fiilja Fio´rah und der geheimnisvolle Krieger Daron, der sie in letzter Sekunde rettet? Und warum soll ausgerechnet Ceara der Schlüssel zur Befreiung Dìonàrahs sein?
Für die junge Irin ist dies alles unbegreiflich, aber Krethmor, der Schattenmagier, fürchtet sie, während sein Erzfeind Myrthan all seine Hoffnung in sie legt.
Nach wie vor befindet sich Ceara in Adamaths Gewalt, während Daron in den Katakomben des Schlosses von Huellyn um sein Leben kämpft. Krethmor schart weitere Dämonenreiter und Schattenwölfe um sich und selbst über der mächtigen Festung Druidor, die als uneinnehmbar gilt, brauen sich dunkle Wolken zusammen. Immer noch fehlen einige der geheimnisvollen Runen und Norn, der uralte Hüter des Waldes, wartet im Waldreich von Fearánn auf die Gefährten. Wird er nun endgültig Darons Leben fordern?
Haben Myrthan und seine Freunde überhaupt noch eine Chance, gegen Krethmors endgültigen Schlag zu bestehen? Und welche Rolle spielen die geheimnisvollen Feen auf der wandernden Insel?
Düster sind die Aussichten für Dìonàrah und die Weltenwanderer.
Zukünftige Projekte: Kurz vor der Leipziger Buchmesse habe ich die Zusage vom Goldmann Verlag für einen weiteren Fantasydreiteiler bekommen, was mich natürlich wahnsinnig gefreut hat! Das Manuskript für einen historischen Schottlandroman und für ein Kinderbuch habe ich ebenfalls noch in der Schublade liegen. Außerdem soll Deana und der Feenprinz noch fortgesetzt werden. Also – es wird nicht langweilig!