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ISOLA LUCRETIA – Leseprobe aus dem gleichnamigen Science-Fiction-Kurzroman von Michael Pick

Erstellt von Michael Pick am 24. April 2012

Isola Lucretia

Leseprobe zu:

Isola Lucretia

Science Fiction-Kurzroman

von

Michael Pick

Das Laternenlicht auf der Via del Pellegrino war in dichten Nebel gehüllt. Sirius Savic schlug den Kragen seines Mantels hoch und hämmerte ein zweites Mal gegen das schwarzlackierte Gitterportal am St.-Anna Tor. Endlich steckte ein Schweizer Leibgardist sein rundes, übermüdetes Gesicht durch eine der Zinnen.

„Sirius Savic, MSP.“

Der Ermittler schlug die linke Seite seines Mantels zurück, in dessen Innenrevers seine silberne Dienstmarke in Form des Weltglobus` befestigt war.

Der Wachposten musterte ihn unbeeindruckt. Die aufkommende Dämmerung liftete die Schatten der Nacht über der Straße.

„Besser, Sie verschwinden schleunigst.“

Das Esperanto des Gardisten war stark akzentuiert; Sirius tippte auf eine deutsche Muttersprache.

„Ein ausgezeichneter Rat.“

Der Ermittler tastete die Taschen seines Mantels ab, als suche er etwas.

„Bedauerlicherweise hat ein gewisser …“, Sirius schien gefunden zu haben, wonach er gesucht hatte und zerrte ein nachlässig gefaltetes Papier hervor. Er blätterte es umständlich auseinander, wanderte mit den Augen darüber, bis er den gesuchten Passus gefunden hatte.

„… Kanzler Valgregor … ist Ihnen der Name ein Begriff?“

Der Wachposten verengte die Augenlider zu Schlitzen. Misstrauen war die vorderste Eigenschaft eines Ermittlers. Bezeichnend, dachte Sirius, und fand es unbequem, sich fragen zu müssen, wo sein eigenes Misstrauen war.

„Hier“, er wedelte mit dem Papier in der Hand, „besser, Sie lesen es selbst.“

Ohne den Blick von Sirius zu wenden, nahm der Gardist den Brief. Sirius grub derweil die Hände in die Manteltaschen. An den Rändern der Via del Pellegrino liefen hellgrüne Pipelines wie eine Reihe dicker Raupen. Der Vatikan besaß eine eigene Dampfversorgung. Sie gehörte zu einem System von Versorgungseinrichtungen, denen die Vatikanstadt ihre Selbstständigkeit verdankte.

Der Schweizer Leibgardist verschwand, wahrscheinlich, um seinen Vorgesetzten zu informieren. Im Abstand von zehn Metern befanden sich Druckventile an den Pipelines; zu jedem Haus zweigte ein Versorgungsrohr ab.

„Sie können passieren, Savic.“

Der Gardist war zurück. Drei weitere Soldaten der Vatikanarmee besetzten die inneren Zinnen und den Einlass. Sirius vernahm das Klicken von Ventilen, das Rauschen von Dampf, als er die Leitungen füllte, die Kraft, die er sammelte, um endlich herausgelassen zu werden. Am oberen Ende des Tores regulierten drei Drehventile die Geschwindigkeit, mit der der gusseiserne Einlass im St.-Anna-Portal geöffnet wurde.

Doch noch durfte Sirius die Vatikanstadt nicht betreten. Vier Gardisten schlüpften durch die halb offene Pforte und sicherten die Umgebung. Ein Unteroffizier folgte ihnen, spuckte geflissentlich vor Sirius auf den Gehsteig und musterte den Ermittler von oben bis unten.

„Nehmen Sie die Arme hoch.“

Die kleinen, runden Augen des Unteroffiziers flackerten vor Unruhe, während er andererseits bemüht war, sachliche Routine auszustrahlen. Sirius fragte sich, ob er an seiner Stelle genauso reagieren würde. Langsam, mit der linken Hand, zog Sirius seine Dienstwaffe, eine Kirilenko 13, ließ das Magazin aufschnappen und hielt den leeren Lauf in das Laternenlicht. Zwischen zwei Fingern empfing der Unteroffizier die Waffe und verstaute sie zusammen mit dem Magazin in einem durchsichtigen Beutel, wie sie Sirius zur Beweissicherung kannte.

Kurze Zeit später betrat der Ermittler zum ersten Mal in seinem Leben die Vatikanstadt.

Vom St.-Anna-Tor nehmen zwei Hauptstraßen ihren Ursprung. Der Via del Pellegrino obliegt es, den südlichen Teil der Vatikanstadt zu erschließen, während die Via di Belvedere durch den Norden und Westen der Enklave führt.

Der Unteroffizier und vier Leibgardisten geleiteten Sirius. Genauso gut hätte er ihr Gefangener sein können. Auch an den Ufern der Via di Belvedere liefen grüne Dampfpipelines.

Unmittelbar hinter dem Rohrsystem stießen gewaltige Steinquader aus dem Boden, die die Fundamente noch großartigerer Gebäude bildeten. Wie das Bett eines Flusses, der sich im Laufe der Evolution einen Weg durch die Granitblöcke gefressen hatte, schlängelte sich die Straße an Kirchen, der Banco di Vaticano, einigen kasernenartigen Unterkünften und anderen Gebäuden vorbei und lief zielstrebig auf einen Palazzo zu, zu dessen Eingang breite Marmortreppen führten.

„Palazzo del Cancelliere“, schnorrte der Unteroffizier.

Die rechte Flanke seines Schnurrbartes zitterte, während die aufgehende Sonne Sirius` Rücken wärmte.

„Worauf warten wir noch?“, rief er dem Schnurrbärtigen zu.

Jede Zeit hat ihr Ende.

Der Palazzo del Cancelliere lag am Cortile di Belvedere und glich zu dieser Stunde einem erwachenden Bienenstock. Tausend Geräusche lagen in der Luft, obgleich nicht eines von ihnen eindeutig zu definieren war. Sie glichen einem aufgeregten Flüstern, das jederzeit zu einem reißenden Strom anschwellen konnte.

Die hohen Decken im Erdgeschoss, Sirius schätzte den Abstand zum Boden auf drei Meter, entfalteten aus ihrer Fläche heraus eine Wuchtigkeit, die folgerichtig nicht durch Wandschmuck zu bändigen versucht wurde. Einzig an den Verbindungen zu den Decken fing Stuckwerk die Schlichtheit auf.

Die vier Leibgardisten blieben in der Eingangshalle zurück; der Unteroffizier begleitete Sirius durch ein Dutzend Räume, die in der Art eines Labyrinthes angeordnet waren. Einige von ihnen dienten als Schreibstuben, einige als Aufenthalte.

Sie gelangten in ein schlauchähnliches Zimmer, dessen Wände lindgrün schimmerten. Der Schnurrbart des Unteroffiziers knatterte hier so heftig wie ein Geigerzähler beim Anblick eines Brennstabes. Der Unteroffizier verlangsamte seine Schritte, als wäre er sich seines Weges nicht mehr sicher. Der Raum führte zu einer schwedischgelben Tür, die mit hellgrünen Intarsien verziert war.

Auf der Hälfte des Weges jedoch bog der Unteroffizier ab und lief gegen die Wand. So schien es Sirius im ersten Augenblick. Dann erkannte er die Schlitze, die eine Tür in die Wand zeichneten. Der Palazzo begann, Sirius zu gefallen.

Als Sirius den Raum hinter der Geheimtür betrat, salutierte sein Begleiter einer Person, die im Licht der aufgehenden Sonne hinter einem großen Schreibtisch saß. Der Leibgardist machte eine akkurate Kehrtwende und ließ Sirius zurück.

Der Mann am Schreibtisch lehnte sich nach hinten. Die Sonne blendete Sirius.

„Ermittler Savic …“

Der andere war sehr jung; unverbrauchte Stimme, im Übrigen akzentfreies Esperanto.

„Was für ein Zufall“, murmelte Sirius.

„Wie?“

„Ich hätte niemals angenommen, dass Sie den gleichen Namen wie ich tragen und zudem ebenfalls Ermittler sind.“

Auch wenn Sirius das Gesicht des Mannes nicht genau erkennen konnte, vermochte er sich dessen blöde Miene vorstellen. Es brauchte einige Augenblicke, bis der andere verstand.

„Ein Scherz.“

„Mein Name ist nicht Savic.“

„Nicht?“

Der Mann erhob sich und kam auf Sirius zu.

„Martinius, ich bin der Sekretär von Kanzler Valgregor.“

Der Sekretär machte eine Bewegung, als wollte er Sirius die Hand geben, zog sie aber hastig wieder zurück. Ein Aussätziger hatte ausgezeichnete Chancen auf eine bessere Behandlung.

„Ich bin froh, dass Sie nicht Savic heißen. Es hätte dauernd Verwechslungen gegeben.“

Martinius schwieg, wahrscheinlich erwog er die Möglichkeit, dass Sirius ihn auf den Arm nahm.

„Ich bringe Sie gleich zu Kanzler Valgregor. Wir warten noch auf jemanden.“

Der Sekretär kam einen Schritt näher. Über die glatt rasierten Wangen lief ein öliger Schimmer. Die hellblauen Augen passten weder zu den schwarzen Haaren noch der dunklen Kutte. Das Lächeln auf den blassen, dünnen Lippen wirkte fade.

Es polterte gegen die Tür. Bevor der Sekretär die Erlaubnis geben konnte, stürmte eine Frau in den Raum.

„Können Sie mir erklären, was das Ganze zu bedeuten hat?“

Sie trug eine weiße Haube, ansonsten bestand die Kleidung aus einer ebensolchen Kutte, wie sie Martinius übergezogen hatte.

„Wie, bei allen Heiligen, kann man nur auf die Idee kommen, diesen verfl…, diesen Ungläubigen die Erlaubnis zu geben, bei uns herum zu schnüffeln.“

„Das hätte ich auch gerne gewusst“, pflichtete Sirius bei und erntete einen giftigen Seitenblick.

Der Sekretär strich sich mit der Hand über sein Haar, verbindlich lächelnd.

„Ich bin sicher, der Kanzler wird Ihnen alle Fragen beantworten.“

Das Mädchen grummelte wie ein Bär. Martinius öffnete eine zweiflügelige Tür, die in einen saalähnlichen Raum führte. An der Ostseite des Zimmers flutete das Sonnenlicht durch große Fenster und traf auf der anderen Seite auf deckenhohe Bücherregale. Sirius hatte noch nie in seinem Leben eine solche Anzahl von Büchern gesehen.

Der Raum breitete sich über zehn Meter aus, doch seine Länge übertraf die Breite um das Fünffache. Aus dem Horizont des Zimmers schälte sich ein nussbrauner Schreibtisch heraus, hinter dem ein kahlköpfiger Mann in violetter Robe saß. Der Mann schrieb mit der Hand; flüssig, ohne Pause, ohne aufzusehen.

Martinius hüstelte in seine Faust. Das Mädchen warf dem Sekretär einen verächtlichen Blick zu, schüttelte den Kopf und setzte sich auf einen der Stühle, die vor dem Schreibtisch standen. Es war jener, der am weitesten von Sirius entfernt stand.

Der Mann in der violetten Robe mochte siebzig Jahre alt sein. Mit seinen schmalen Fingern musste er ausgezeichnet Klavierspielen, dachte Sirius. Das Mädchen stampfte mit dem Fuß. Der Sekretär blickte abwechselnd zum Schreiber und zur Nonne.

„Kanzler Valgregor …“

In dem Ton des Mädchens schwang unverhohlene Ungeduld.

„Ich verlange eine Erklärung!“

Zur Bekräftigung knallte sie die Faust auf den Tisch. Unbeeindruckt fuhr der Mann hinter dem Schreibtisch mit dem Geschreibe fort.

„Auch gut“, rief das Mädchen und stand auf. Sie hatte die mandelförmigen Augen zu schmalen Schlitzen verengt und presste die Lippen zu einem dünnen Strich. Dann drehte sie sich um und streifte Sirius mit einem verächtlichen Blick.

Es dauerte eine Weile, bis das Mädchen die ganze Länge des Raumes durchschritten hatte. Als die Tür zuschlug, zuckte der Sekretär zusammen.

In diesem Augenblick sah der Mann am Schreibtisch auf, drehte die Kappe auf den Füllfederhalter und lehnte sich zurück.

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Ermittler Savic. Ich habe Gutes über Sie gehört.“

Lob, fand Sirius, war ein süßer Stachel mit giftigem Inhalt.

„Mein Name ist Valgregor. Meine Aufgabe in der Vatikanstadt ist vergleichbar mit der eines Managers; oder anders ausgedrückt: Ich bin das Mädchen für alles.“

Der Mann lächelte, ohne Sirius aus den Augen zu lassen.

„Eine Berufung, um die man beneidet wird, die aber nicht beneidenswert ist.“

Valgregor hörte auf zu lächeln.

„Sie werden alle Unterstützung erhalten, die erforderlich ist, um den Fall zu lösen. Mein Sekretär“, der violett ummantelte Arm zeigte auf Martinius, „steht Ihnen zur Verfügung. Außerdem habe ich Ihnen unsere beste Ermittlerin zugeteilt. Sie haben sie gerade kennengelernt.“

„Danke“, sagte Sirius nach kurzer Bedenkzeit, „danke, aber nein, danke.“

(…)

© Michael Pick, 2012

Wie die Geschichte weiter geht erfährt man hier:

Michael Haitel (Hrsg.)
ELECTI. STORY CENTER 2011.3
AndroSF 22
ISBN 9783942533355
März 2012, 224 Seiten, Taschenbuch, EUR 13,90 (DE)

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Europa, irgendein Jahrhundert, irgendein Jahr. Der Vatikan ist die letzte kulturelle Hochburg Europas, das letzte Bollwerk von Demokratie, Menschenrechten und funktionierendem Gemeinwesen, umgeben von Dekadenz, Verfall, Verbrechen und Sünde. Irgendwo auf der Welt mag es noch Enklaven geben, die dem entsprechen, was der Vatikan in Europa repräsentiert – aber von ihnen erfährt man nur auf Umwegen, nur in Form vager Informationen und Nachrichten, fast ausnahmslos in Form von Gerüchten.
Und dann geschieht ein Verbrechen …

Friedhelm Rudolph: Electi
Michael Pick: Isola Lucretia
Bernd Illichmann: Die mathematische Formel der Liebe
Isabella Benz: Die Augen der Priester
Arno Endler: Hinter der Barriere
M. E. Rehor: Die elektrische Madonna

Steampunk-Geschichten aus anderen Zeiten …

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DIE GRANATE – eine kurze Geschichte von Martin Ott

Erstellt von Martin Ott am 23. April 2012

Die Granate

eine kurze Geschichte

von

Martin Ott

Er stand neben dem Bett in voller Montur.

Als sie aus dem Bad auf ihn zukam, fühlte er ihre Augen auf seiner Hose. Er schob den Hut ins Gesicht und raunte, “Das ist keine Knarre, das ist eine Granate!” Sie setzte sich auf die Bettkante, schaute zu ihm auf und ergriff seine Gürtelschnalle.

Am Morgen tastete er das Bett neben sich ab. Sie war nicht da und aus dem Bad war nichts zu hören. Hatte er geträumt? Oder hatte er es endlich geschafft, die Frau fürs Leben zu finden. Er stand auf und sah erwartungsvoll in die Küche. Doch dort war sie nicht.

Schließlich bemerkte er einen Zettel auf dem Nachttisch und dann las er in unbekannter Handschrift: “Rohrkrepierer”. Er rannte ins Bad und grub heulend das Gesicht in die Hände.

Nach einer Weile nahm er vom Toilettenpapier und wischte die Tränen weg, atmete tief durch und fing an zu suchen.

Im Arzneischrank nach Aspirin. Leer.

In der Wohnzimmerbar griff er nach der Wodkaflasche. Leer.

In der Küche zog er das kleine Messer aus dem Holzblock. Er hielt inne.

Ruhig ging er zurück ins Schlafzimmer und setzte sich auf die Bettkante. Dorthin, wo sie in der Nacht gesessen hatte. Er beugte sich nach seiner Hose, nahm die Granate heraus und zog den Stift.

- Ende -

© Martin Ott, 2011

Buchtipp des Autors zur Literaturform Microfiction:

Markus Walther: Kleine Scheißhausgeschichten
68 kurze Geschichten

Verlag: Acabus
ISBN-13: 9783941404649
Einband: broschiert
Preisinfo: € 11,90 [D]
Umfang: 155 Seiten, 20 x 14 cm
Erscheinungsdatum: 1. Auflage, 20.09.2010

Kurzbeschreibung
Warum verschwinden immer wieder Socken in Waschmaschinen? Was hat man mit Godzilla gemacht, nachdem er besiegt wurde? Warum gibt es die Zahnfee und den Weihnachtsmann nicht mehr? Zu welcher genauen Uhrzeit ist das Ende der Welt? Dies Zwischendurchlektüre beantwortet in 68 Kurz- und Kürzestgeschichten die wirklich wichtigen Fragen dieser Welt und ganz nebenbei auch einige der Unwichtigen.

Über den Autor
Markus Walther, geboren 1972 in Köln, lebt seit 2006 mit seiner Frau und zwei Töchtern in Rösrath. Der Schwerpunkt seiner schriftstellerischen Arbeit liegt in der Gattung der Kurz- und Kürzestgeschichte.

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BABYMORD – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 23. April 2012

Babymord

Kriminalkurzgeschichte

von

Günther K. Lietz

Fassungslos starrte Allistair O’Neill auf die sterblichen Überreste seiner Frau June. Mitleidlos zog der Leichenbeschauer das blaue Tuch wieder über die blutigen Einzelteile. Neben dem Mann stand ein Mitarbeiter des Departments, seine Sonnenbrille locker in der Hand wippend. Der Beamte wartete einige Sekunden, dann ergriff er das Wort: “Die Leiche ist ziemlich verstümmelt. Da hat jemand ganze Arbeit geleistet. Das Baby haben wir einige Meter weiter gefunden. Der Mörder hat das Ungeborene aus dem Bauch geschnitten. Es liegt in einem extra Fach. Wollen Sie es sehen?”

Allistair blickte langsam auf. “Baby?” kam es ihm schwer über die Lippen. “Was?”

“Sorry, ich wusste nicht, dass Ihnen das unbekannt war. Sehen Sie es mal so, das spart einiges an Alimenten.”

Der Schlag kam ansatzlos und traf den verblüfften Beamten am Kinn.

***

Der Richter hatte ihn zwei Monate in den Knast gesteckt. In dieser Zeit hatten die Cops die Ermittlungen eingestellt. Ermittlungen gegen ihn, den gehörnten und verlassenen Ehemann. Allistair saß im Central Park auf einer Bank und fütterte die Tauben mit Brotresten. Seine Kleidung war ungepflegt, er roch nach billigem Fusel und die Spaziergänger machten einen Bogen um ihn.

Junes Mörder lief irgendwo da draußen herum. Und niemanden kümmerte es. Allistair verdankte nur seinem wasserdichten Alibi, dass er auf freiem Fuß war. Eigentlich hatte er alleine draußen in der Hütte sein wollen. Zum Angeln. Wie jedes Jahr. Auch nach der Trennung war das ein fester Termin für ihn. Er brauchte diese Auszeit, um wieder zu Kräften zu kommen. Ohne June mehr denn je.

Auf der Fahrt zur Hütte war er auf einen Jeep aufgefahren. Der Fahrer des anderen Wagen war sauer gewesen und es hatte eine Rangelei gegeben. Der Sheriff war hinzugekommen und hatte beide in die Ausnüchterungszelle gesteckt. Damit sie wieder zu Sinnen kamen. Ein gutes, starkes Alibi. Allistair hatte Glück gehabt. Ohne den Unfall säße er jetzt sicherlich auf dem elektrischen Stuhl.

Er sah sich den letzten Brocken Brot an, holte aus und donnerte das große trockene Vollkornteigstück einer Taube gegen den Kopf. Der Vogel fiel tot um, irgendwo kreischte ein Kind und jemand empörte sich lautstark. Doch das alles war Allistair egal.

***

“Mann, Alter, mach keinen Scheiß” wimmerte Frank Sander und wedelte abwehrend mit beiden Händen vor dem Gesicht. Er warf einen Blick nach hinten und erschauerte. Zwölf Stockwerke tiefer verliefen die Straßen von Manhatten. “Wir sind doch Freunde.”

Allistair grinste müde. “Wir waren Freunde. Bis du was mit June anfangen musstest, Frank. Mein bester Freund spannt mir meine Frau aus.”

“Mann, das ist auf Junes Mist gewachsen. Sie hat mich angebaggert. Verstehst du? Sie mich!” Franks Stimme überschlug sich. Ängstlich sah er auf die Pistole, die Allistair in der Hand hielt. “Es tut mir leid, Mann. Es tut mir ehrlich leid.”

“June ist tot, Frank. Und niemand will wissen, wer sie umgebracht hat. Nur ich. Aber ich habe gar keine Ahnung, was die letzten Monate passiert ist. Du schon, Frank. Aber du drehst lieber Däumchen, als nach dem Mörder zu suchen.”

Frank sah erneut über die Schulter. Nur noch zwei Schritte und er würde in den sicheren Tod stürzen. “Allistair, Mann, ich habe keine Ahnung. June hatte sich verändert. Ich war nur das Sprungbrett, glaub mir. Sie hat sich an mich herangemacht, um dann weiterzukommen.”

Allistair beherrschte sich mühsam. Es dürstete ihn abzudrücken oder zuzuschlagen, aber er musste sich zusammenreißen. June zuliebe. “Was meinst du? Komme endlich raus damit. Oder ich mach dich auf der Stelle kalt.” Er ging einen Schritt vor und Frank wich einen Schritt zurück.

“Mein Boss, Henry Silverstein, der ist Anwalt. June war gerade frisch mit mir zusammen und ich habe sie auf eine Party unserer Kanzlei mitgenommen. Sie ist sofort auf Silverstein los. Hat ihn umgarnt, heiß gemacht. Eine Woche später waren die beiden zusammen.”

“Und das soll ich dir glauben, Frank? Davon hätte ich gehört.”

“Mann, Alter, ehrlich. Das war mir einfach zu peinlich. Ich habe behauptet, wir wären noch ein Paar. Wollte Gras über die Sache wachsen lassen und irgendwann mal mit der Wahrheit herausrücken. Wollte ja auch keinen Stress mit Silverstein. June ist bei mit ausgezogen und dann in ein Apartment, was er bezahlt hat. Seine Frau durfte ja nichts davon mitbekommen.”

Allistair atmete tief ein. Seine geliebte June ein Flittchen, eine Schlampe? Das konnte er kaum glauben. Aber wenn doch? Mit einem leisen Knurren machte Allistair noch einen Schritt vor und stieß Frank in den Tod.

***

Henry Silverstein in die Finger zu bekommen, war schwer. Der reiche Anwalt war nie alleine anzutreffen. Jedenfalls die ersten Wochen. Doch Allistair lag auf der Lauer und nutzte seine Chance, als sie ihm sich bot.

Silverstein hatte eine neue Geliebte, der er ein Apartment in der City einrichtete und das er stets ohne Leibwächter aufsuchte. Allistair musste nur einen geeigneten Zeitpunkt abwarten, den Anwalt niederschlagen, im Kofferraum verstauen und einen Tag schmoren lassen. Dann war Silverstein bereit zum Plaudern.

Das Auto stand oberhalb der Klippe. Tief unten krachte unermüdlich die Brandung gegen die Felsen. “O’Neill, was soll der Quatsch? Kommen Sie zur Vernunft! Wir können über alles reden. Über alles.”

Allistair lachte auf. “Sie haben meine Frau auf dem Gewissen, Silverstein. Und dafür werden sie bezahlen. Mit ihrem Leben.”

Der Anwalt fuhr sich mit der Hand über die ausgetrockneten Lippen. Seine Stimme war nur noch ein heißeres Krächzen. “Ich habe nichts damit zu tun, O’Neill. Mein Ehrenwort.”

“Ihr Ehrenwort? Das ist nichts wert, Silverstein. Ich weiß nicht was passiert ist, aber Sie tragen Schuld daran. June ist tot. Und mein Kind auch.”

“Ihr Kind?” krächzte Silverstein überrascht.

Allistair sah den Anwalt abschätzend an. “Sie haben es für Ihr Kind gehalten, oder? Denn nur so ergibt Ihre Frage einen Sinn. Das June schwanger war, dass auch das Kind getötet wurde, dass stand in allen Zeitungen. Warum sollten Sie also überrascht sein?”

“O’Neill. Wir können doch über alles reden. Ihre Frau, ich meine, es war nichts Ernstes. Der Skandal, Sie müssen das doch verstehen. Sie wurden von Ihr doch auch betrogen. O’Neill, Sie müssen doch wissen was für eine Schlampe June war. Sie hat mich erpresst, mit dem Kind. Was sollte ich denn machen? O’Neill, legen Sie die Waffe weg. O’Neill …!”

ENDE

Copyright (c) 2012 by Günther Lietz

Buchtipp:


Rosemarie Bus
Es sterben immer drei
Kriminalroman

dtv Paperback
Seiten/Umfang: ca. 384 S. – 19,1 x 12,0 cm
ISBN: 978-3-423-21364-6
Erscheinungsdatum: 01.05.2012

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Die Münchner Journalistin Stella, Mitte dreißig, erhält den Auftrag, eine Geschichte über den Tod einer Kollegin zu schreiben. Valerie wurde in Umbrien erschossen, wo sie mit ihrem älteren Liebhaber Jochen und einigen anderen Deutschen in der »Casa Pornello« wohnte. Unterstützt von ihrer beherzten Mutter Irma und dem Fotografen Luis geht Stella auf Mördersuche. Ist es einer der Mitbewohner, die alle ihre Probleme mit der exaltierten, nymphomanen Valerie hatten? Oder ist etwa die Mafia im Spiel? Während ihrer Recherche verliebt sich Stella in den schönen Maresciallo Luca – und findet heraus, dass er Valerie viel besser kannte, als seine Kollegen von den Carabinieri wissen dürfen.

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SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Fremdwesen”

Erstellt von Galaxykarl am 21. April 2012

“Fremdwesen”

sfbasar.de-Anthologie Band 5

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial

Liebe Besucher, liebe Leser, liebe Community-Autoren

Wieder kann ich Euch einige Beiträge unserer Anthologie auf sfbasar.de vorstellen. Zu erkennen an der roten Bezeichnung “NEU” vor dem Link! Weiterhin sind sämtliche Community-Autoren und solche, die es werden wollen, aufgerufen die Anthologie mit zahlreichen Beiträgen zu bereichern. Rückmeldungen in Form von Lob, Kritik oder Verbesserungsvorschlägen sind auch diesmal ausdrücklich erwünscht.

Der Titel der neuen Anthologie: FREMDWESEN

Und dieser Begriff bezieht sich nicht nur auf Aliens im Genre Science-Fiction, sondern gilt ausdrücklich für alle Wesen, die nicht menschlich sind, also auch Vampire, Werwölfe, Drachen usw. Manche Männer – mich eingeschlossen – sind ja der Meinung, dass Frauen definitiv nicht von dieser Welt sind, aber für diese Anthologie möchte ich sie doch zur Spezies Mensch zählen. Frauen sind einfach göttlich. Ergo fallen sie NICHT in die Kategorie, die hier behandelt werden soll. Auch irdische Tiere würde ich nicht unbedingt zu Fremdwesen zählen, Ausnahme Drachen und ähnliche Fabelwesen, das sie bis dato nicht historisch und archäologisch nachgewiesen werden konnten.

Ich bin trotzdem begeistert von Lothar Bauers Bild. Diese Femme Fatale, mit düsteren, unheimlichen Katzenaugen und blasser Haut trifft den Nagel auf den Kopf. Sie kann Vampir, Catwoman, Sirene oder sonst was sein. Sie soll alle in die Stimmung versetzen, hier mit richtig tollen FREMDWESEN-Beiträgen teilzunehmen.

Grundsätzlich ist hier jeder Beitrag, der sich mit dem Thema befasst, willkommen. Wir suchen nicht nur Geschichten sondern auch Gedichte, Leseproben und Artikel. Das Copyright der eingereichten Beiträge, unabhängig von der Art des Beitrags, muss wie immer beim jeweiligen Autor liegen.

Die zahllosen Beiträge unserer Community-Autoren erwarten wir ebenso gespannt, wie die Kommentare unserer Leser.

Mit galaktischen Grüßen
euer galaxykarl ;-)

Und jetzt zu den Beiträgen:

DAS LIED DER SIRENE  – Science-Fiction-Story von Werner Karl

BUCHREZENSION: DENN DAS BLUT IST LEBEN. GESCHICHTEN DER VAMPIRE – von Frank Fest (Hg.) – Rezension von Michael Drewniok

DER ERSTE MORGEN – eine Fantasy-Horror-Geschichte von Leon Ferri (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2012)

BUCHREZENSIONETERNITY – MEENA HARPER – LIEBE MIT BISS (Band 1) – von Meg Cabot – Rezension von: Yvonne Rheinganz

HOTEL, HOTEL – Auszug (Kapitel) aus dem Roman: “Es gibt kein Ende …” von Vera Anschütz

KEIN SPIEGELBILD – Vampir-Story von Alfred Bekker

BUCHREZENSION: MONSTER. DÄMONEN, DRACHEN & VAMPIRE – von Christopher Dell – Rezension von: Michael Drewniok

NEU= MORGENGRAUEN – eine Kurzgeschichte von little_wonni

NEU= MORGENGRAUEN II – eine Kurzgeschichte von little_wonni

PLASMAABWEISEND – eine Kurzgeschichte von Simone Wilhelmy

RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN II – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

NEU = RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN IV – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

NEU = RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN V – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

SCHICKSAL – Fantasy-Story von Barbara Wegener

BUCHREZENSION: BUCHBESPRECHUNG: VON DER NACHT VERZAUBERT – 1. Band der Trilogie von Amy Plum – Rezension von Iris Gasper

WESEN DER NACHT – Horror-Leseprobe aus der Titelstory aus der Anthologie “Wesen der Nacht” Hrg. Wilfried A. Hary von Vera Anschütz

(wird weiter fortgesetzt!)

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Werner Karl

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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MORGENGRAUEN II – eine Kurzgeschichte von little_wonni

Erstellt von little_wonni am 20. April 2012

Morgengrauen II


eine


Kurzgeschichte


von


little_wonni

>> Zum vorherigen Teil <<

Kaum war die Sonne über den Horizont gekrochen erwachte Brandon. Er hatte nicht nur einen widerlich altkupfrigen Geschmack in seinem Mund, sondern auch noch etliche Haare. Ächzend fischte er die Haare aus seinem Mund und steckte sie zu den anderen fettig verfilzten Strähnen auf seinem Kopf. Ein Blick nach unten bestätigte ihm schon das, was er längst befürchtet hatte: Er war vollkommen nackt und rund um mit Dreck beschmiert. Also hatte er es gestern Abend nicht mehr rechtzeitig nach Hause geschafft. Nun konnte er sich auf die Suche nach seinen Kleidern begeben. Erfahrungsgemäß fanden die sich immer innerhalb eines 3-Kilometer-Radiuses rund um die Stelle an der er aufwachte.

Von Gebüsch zu Gebüsch huschend bahnte er sich seinen Weg durch den Park, welchen er als den wiedererkannte, der sich schräg gegenüber seiner Bar befand. Er war seinem Ziel also so nah gewesen und hatte es dennoch nicht mehr geschafft. Endlich fand er seinen Kleider in einer kleinen Grillhütte wieder, die erstaunlicherweise nicht von irgendwelchen Pennern belagert war.
Schnell schlüpfte er hinein. Nun konnte er wenigstens nicht mehr als Exebitionist verhaftet werden. Allerdings sollte er sich doch schnellstmöglich entweder eine Regenpfütze suchen oder schnell durch den Park in Richtung seiner Bar laufen. Beides barg das Risiko in diesem Zustand gesehen zu werden. Er konnte es sich nicht leisten mit weiß der Himmel was für Flecken im Gesicht, aufgefunden zu werden.

Als sein Blick, dann auf die alte Grillasche fiel, schienen alle seine Probleme gelöst. Schnell schmierte er sich sein Gesicht, Hände und Arme mit der Asche ein. Besser war es einem Camoflage-Militär-Junkie zu gleichen , als einem gemeingefährlichen Irren. Dann machte er sich auf den Heimweg, der nur wenige Minuten beanspruchen sollte.
Alles war ungemein friedlich. Die Vögeln sangen in den Bäumen, Insekten flogen durch das grüne Gras und die ersten Blumen öffneten ihre Kelche im Morgenlicht.Doch zum Verweilen und durchschnaufen blieb ihm keine Zeit.

Den ganzen Weg durch den Park schaffte er ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Schnell lief er über die Straße und kam endlich vor seiner Bar an. Zitternd steckte er den Schlüssel ins Türschloss, als ihm jemand von hinten an die Schulter fasste.
Zuerst wollte er einfach die Tür aufschließen, sich nicht herumdrehen, einfach hineingehen und die Tür von der anderen Seite wieder verschließen. Seine dunkelbeschichteten Barfenster hätten seinen Anblick bestimmt genug verzerrt, dass sein Aufzug nicht aufgefallen wäre. Doch dann erkannte er den Geruch wieder, den er seit Monaten vermisst hatte. Wunderbar blumig stahl sich der Geruch in seine Nase. Eigentlich hatte er schon den Glauben daran verloren, ihr jemals wieder zu begegnen. Die kleine Elfe aus dem Park hatte also endlich den Weg zu seiner Bar hinter sich gebracht. Aber irgendetwas war dieses Mal anders. Unter dem Blumenduft schien der Gestank von Verfall zu lauern.

“Willst du nun deinen eklig-siffigen Mantel zurückhaben oder nicht?” fauchte sie ihn an.

Seufzend gab er seinen Plan auf und drehte sich zu ihr herum und fauchte zurück: “Vier Monate sind aber auch eine verdammt lange Zeit um einen Mantel, den man nicht ausstehen kann zurückzugeben!”

“Wenn man auf seine Scheiß-Visitenkarte auch mal eine richtige Adresse draufschreiben würde, oder sowas hochmodernes wie eine Telefonnummer, müsste man nicht ewig auf seinen Krempel warten!”

Er musterte sie von oben bis unten. Sie war verdammt dünn geworden,  ihre Haare glichen einem Krähennest und ihre Haut war durcheinend wie Pergamentpapier. Tiefe Schatten unter den Augen und ihre aufgesprungenen Lippen erweckten den Eindruck, dass sie seit Tagen nicht einmal mehr Wasser zu sich genommen habe. Das Leben schien ihr die letzten paar Monate übel mitgespielt zu haben. Beunruhigend fand er auch, die beiden riesigen Tragetaschen, die sie mit sich herumschleppte und an die sie sich klammerte, als hinge von ihnen ihr Überleben ab.

Er nahm ihr den Mantel in dem Augenblick ab, als sie zu Boden stürzte.

WIRD FORTGESETZT…

Copyright (c) 2012 by little_wonni

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Fremdwesen01-100-minus16-100.jpg” (Originaltitel: TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Auch Träumen kann gefährlich sein …Jess ist ein impulsives und toughes Mädchen. Doch als sie plötzlich von merkwürdigen Träumen heimgesucht wird, ist sie zunächst verunsichert. Haben diese Träume etwas damit zu tun, dass sie kurz zuvor vom Blitz getroffen wurde? Und warum schwirren ihr plötzlich die Aufenthaltsorte vermisster Menschen im Kopf herum? Aber Jess schüttelt ihre Verwirrung schnell wieder ab und weiß, was zu tun ist: Die vermissten Menschen müssen gerettet werden! Dass das manchmal nicht so einfach ist und dass auch noch das FBI Wind von der Sache bekommt – damit hat sie nicht gerechnet …

Meg Cabot stammt aus Bloomington, Indiana, und lebt mit ihrem Ehemann und ihren zwei Katzen in New York City und Key West. Nach dem Studium hoffte sie auf eine Karriere als Designerin in New York und arbeitete währenddessen u. a. als Hausmeisterin in einem Studentenwohnheim. Mit großem Erfolg, denn immerhin ließ dieser Job ihr genügend Zeit, ihr erstes Buch zu schreiben. Inzwischen hat Meg Cabot mehr als 40 Romane verfasst und ist eine der erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen der Welt. Ihre Plötzlich-Prinzessin-Romane wurden von Hollywood verfilmt.

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VIELE KÖCHE VERDERBEN DEN BREI – Kriminalkurzgeschichte von Günther K. Lietz

Erstellt von Günther Lietz am 16. April 2012

Viele Köche vergiften den Brei

Kriminalkurzgeschichte
von
Günther K. Lietz

Polizeioberkommissar Armin Dübel machte es ich im mittleren Sessel gemütlich. Von hier aus hatte er einen guten Überblick und konnte sich ein Bild von den Dingen machen, die eigentlich hinter der Kamera geschahen. Links von ihm saß Alexandro Kapuzek, Lebensmittelchemiker und selbsternannter Papst der Zusatzstoffe und Aromen. Daneben, mit einer sauertöpfischen Miene und durchgedrücktem Rücken, Martina Roya. Autorin mehrerer Kochbücher, Gast vieler Kochsendungen und Expertin im Bereich der Bio-Lebensmittel.

Rechts von Polizeioberkommissar Dübel hatte sich der stark übergewichtige Olaf Schulz in den Sessel gequetscht und knabberte an einem großen Keks. Seine kleinen Schweinsäuglein huschten aufgeregt im Studio umher und beobachteten die adrette Tontechnikerin, die versuchte den entstandenen Kabelsalat zu entwirren. Ein Beamter stand dabei und achtete auf jede Kleinigkeit. Schulz war übrigens kein Experte, sondern vertrat den Verbraucher und die These, er würde von der Industrie, mittels  Geschmacksverstärker, zum Essen gezwungen.

Noch einen Sessel weiter hockte, mit professionellem Gesichtsausdruck und sehr gelassen, Erika Krainer, die amtierende Bundesverbraucherministerin. Ihr wurde nachgesagt, sie stände der Lebensmittelindustrie nahe und würde Lobbypolitik betreiben. Mit ihr war derzeit gut Quote zu machen, denn sie vertrat ihre Position meist lautstark.

Die Zuschauerränge waren bereits geleert. Vor der ersten Reihe sprach der Notarzt mit einem weiteren Beamten und erklärte die medizinische Situation. Ein Rettungssanitäter räumten die mitgebrachten Kisten wieder ein. Das zweite Rettungsteam war bereits unterwegs, um die Patientin ins nächste Krankenhaus zu bringen.

Armin Dübel atmete tief durch. Er hatte selten mit prominenten Menschen Umgang und ein Fernsehstudio war für ihn absolutes Neuland. Zudem saß ihm der Chef im Nacken. Der wollte schnelle Ergebnisse, um sie der Presse zu präsentieren. Immerhin hatte es vor laufender Kamera einen Mordversuch gegeben. Die Nation hatte zugesehen und war schockiert.

“Entweder fangen Sie jetzt endlich mit ihrer Arbeit an oder ich gehe”, giftete die Ministerin. In Natura war sie eine schreckliche Person. “Ich genieße besondere Rechte. Meine Anwesenheit ist vollkommen freiwillig.” Immerhin war Wahlkampf und Erika Krainer würde die Situation sicherlich für ein paar Prozent ausschlachten.

“Wir alle wollen endlich fertig werden.” Kapuzek räusperte sich. “Meine Termine sind ebenso wichtig wie die Ihren. Vielleicht sogar wichtiger. Immerhin hängt von meiner Expertise ab, ob Sie den Gesetzesentwurf der radikalen Linken abwatschen können.”

“Als ob Ihre Stimme Gewicht hätte, Herr Kapuzek.” Nun mischte sich Martina Roya ebenfalls ins Gespräch ein. Kapuzek war für sie ein rotes Tuch. “Ihre Meinung steht doch schon fest. Dass Sie dabei die Menschen in den Tod stürzen, das ist Ihnen doch vollkommen egal. Sie pumpen alles mit Ihren Chemikalien voll und sehen gemütlich zu, wie die Leute immer dicker werden und dann tot umfallen.”

Schulz schnaufte zustimmend. “Ohne Geschmacksverstärker würde ich gar nicht so viel essen.” Dafür bekam er von Roya ein anerkennendes Nicken.

“Meine Damen und Herren, bitte beruhigen Sie sich alle”, ging Polizeioberkommissar Dübel verbal dazwischen. “Ich versichere Ihnen, dass ich mich beeilen werden und trotzdem Sorgfalt walten lasse. Ihre persönlichen Querelen sind mir vollkommen egal. Entweder sie kooperieren mit mir oder ich lade sie allesamt aufs Revier ein, um dort die Vernehmungen zu führen.”

Sofort waren alle ruhig und Armin Dübel nickte zufrieden. “Das hier ist eine erste Zeugenvernehmung. Ich möchte mir einen Überblick verschaffen, um den Fall gezielt aufzuklären. Für ihre Mithilfe wäre ich sehr dankbar.” Der Polizeioberkommissar winkte die Moderationsassistentin zu sich, eine junge Praktikantin. Sie war verunsichert und klammerte sich an ihre Produktionsnotizen.

“Nur keine Aufregung”, versuchte Dübel die Frau zu beruhigen. “Ich brauche Sie hier, falls ich Fragen zum Ablauf der Sendung habe. Wie ist Ihr Name?”

“Gitte Hansen, Herr Polizeioberkommissar”, antwortete die Assistentin.

Dübel lachte freundlich. “Gut, dann sind die Formalitäten ja geklärt. Könnten wir eine Aufnahme der Sendung sehen? Ab Minute zehn vor der Lasagne?”

“Natürlich, kein Problem, Herr Polizeioberkommissar.” Mit flottem Schritt ging sie zu einem der Regieassistenten hinüber und wechselte ein paar Worte ihm. Kurz darauf flimmerte ein Bild über einen der Monitore, zu Füßen der Gesprächsrunde.

Annette Wilmsen, die bekannte Talkshowmoderatorin, hatte zum Thema Ernährung eingeladen und die Runde war in einem hitzigen Streitgespräch gefangen. Alexandro Kapuzek ergriff nun das Wort und präsentierte eine Mikrowellenlasagne, die er am Morgen in einem Supermarkt eingekauft hatte. Er erklärte die Zusatzstoffe und wies darauf hin, dass alle ganz harmlos seien. Martina Roya widersprach erwartungsgemäß und erklärte, jeder der davon äße fiele tot um. Daraufhin nahm sich Kapuzek die Lasagne vom Beistelltisch und steckte einen Löffel hinein. Er würde den Beweis antreten, dass die Lasagne harmlos sei.

An dieser Stelle griff Wilmsen ein und nahm die Lasagne kurzerhand an sich. Die Moderatorin meinte, sie habe noch nichts gegessen und Hunger. Deswegen würde sie von dem Fertiggericht probieren und bot Olaf Schulz ebenfalls einen Happen an. Der lehnte panisch ab und winkte unbeholfen mit seinen fiel zu kurz wirkenden Armen. Also nahm Wilmsen einen großen Happen, merkte an, dass die Lasagne lecker sei, wurde blau und schnappte nach Luft. Hier ging die Sendung Off Air und griff der Sanitäter ein, bis der Notarzt eintraf. Schnell stand fest, dass es sich um eine Vergiftung handelte. Glücklicherweise ohne tödlichen Folgen für die Moderatorin, die nun einige Tage im Krankenhaus verbringen würde.

Polizeioberkommissar Dübel dachte kurz nach und entschied sich dann für die direkte Konfrontation. “Herr Kapuzek, haben Sie Feinde?”

Der Lebensmittelchemiker sah den Beamten überrascht an. “Ich? Warum denn ich? Ich wurde doch gar nicht vergiftet?”

Martina Roya kicherte. “Verdient hätten Sie es schon, Kapuzek.”

“Also haben Sie ein Motiv?” hakte Dübel nach und die Köchin wurde blass.

“Nein, ich meine, ich habe das nicht so gemeint wie es gerade geklungen hat.” Ihre Stimme überschlug sich beinahe. “Wir haben unsere Differenzen. Aber ganz ehrlich, kein Zusatzstoff ist so schlimm, dass er einen Mord rechtfertigen würde. Ich benutze selbst gekörnte Brühe in meiner Küche. Warum sollte ich da ein Motiv haben?”

Kapuzek schnaubte. “Aha, wusste ich es doch. Sie und Ihre Scheinheiligkeit. Gekörnte Brühe, wissen Sie überhaupt, wie schlimm das Zeug ist? Das wird Ihre Fans aber freuen zu hören.”

Polizeioberkommissar Dübel hob die Hand. “Bitte Ruhe. Das ist vollkommen unwichtig. Sie müssten sich mal reden hören.”

“Sie liegen falsch, Herr Dübel” mischte sich nun die Bundesverbraucherministerin ein und ließ absichtlich den Dienstrang unter den Tisch fallen. Als Ministerin hatte Erika Krainer keine Lust, einem, in ihren Augen, niederem Beamten Respekt zu zollen. “Es war abgesprochen, dass ich einen Löffel Lasagne essen sollte. Der Anschlag galt also mir. Als Ministerin bin ich stets im Fadenkreuz. Vor allem als Bundesverbraucherministerin. Da verstehen die Leute vieles falsch. Dabei handle ich nur zu ihrem besten. Vor allem die Kinder liegen mir am Herzen. Deswegen mein Motto: Für jedes gute Kind eine gute Mahlzeit.”

“Sie spinnen!” rief Martina Roya wütend. “Das klingt vielleicht gut, aber tatsächlich arbeiten Sie hier mit der Lebensmittelindustrie zusammen und bieten Tiefkühlkost an. Das ist einfach schrecklich.”

Erika Krainer blieb gelassen. “Das sagt die Richtige. Wollen Sie mich vielleicht auch vergiften? So wie Herrn Kapuzek?”

“Lassen Sie mich da raus”, sagte dieser nur. “Und mit Ihrem Schulessenprogramm seien Sie mal ganz ruhig. Als ich Ihrem Ministerium medienwirksam Hilfe angeboten habe, hat man mich abblitzen lassen. Wer nicht zahlt, der bekommt auch nichts von mir.”

“Bestechliches Schwein!” rief nun Roya aus.

“Für Sie Bio-Schwein, bitteschön”, entgegnete Kapuzek.

“Ruhe!” rief Polizeioberkommissar Dübel. Langsam verlor er die Geduld. “Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir Herrn Schulz befragen.”

“Mich?” Olaf Schulz sah überrascht aus. “Warum denn mich? Mich hat sicherlich niemand vergiften wollen.”

“Stimmt”, erklärte Armin Dübel. “Ich weiß noch nicht warum, aber Sie haben die Lasagne vergiftet.”

Es wurde mit einem Male still im Studio und alle blickten den dicken Mann an, der kurz vor einem Weinkrampf stand. “Was? Aber warum denn ich? Ich weiß doch gar nicht wie vergiften geht.”

“Wie alle sehen konnte, haben Sie sich mit Händen und Füßen gewehrt von der Lasagne zu probieren, Herr Schulz. Sie wussten, dass die Lasagne vergiftet war.”

“Ja”, wimmerte Olaf Schulz. “Ich habe es gewusst. Ich gebe es zu.”

Dübel war von sich selbst überrascht. Ein Schuss ins Blaue und dann solch ein Treffer. Der Polizeioberkommissar fragte sich allerdings, warum, wann und wie der dicke Mann die Tat begannen hatte.

Schulz fing an zu weinen. “In der Lasagne waren Pilze. Ich bin doch allergisch auf Pilze. Das habe ich vor der Sendung extra angegeben. Pilze sind für mich reines Gift. Da konnte ich doch nichts von essen, obwohl die Lasagne so lecker aussah. Ohne die Allergie hätte ich davon gegessen. Ich schwöre es. Ich stopfe doch alles in mich rein. Es schmeckt einfach so gut. Auch das Biozeug.”

“Sehen Sie!” rief nun Kapuzek aus. “Der ist fett vom Fressen.”

“Ha!” schrie nun auch Martina Roya. “Aber er frisst auch Biozeug.”

“Sie machen mich krank!” schrie Erna Krainer los. “Das ist doch nur ein dummer Verbraucher. Der schlingt alles runter. Deswegen müssen wir bereits bei den Kindern anfangen.”

“Ruhe!” Polizeioberkommissar Dübel war sauer. “Mir reicht es langsam. Das ist ja wie im Kindergarten.” Er seufzte. “In Ordnung, Pilzallergie. Oh, mein Telefon.”

Dübel zog sein Smartphone aus der Tasche und nahm den Anruf entgegen. Das Präsidium. Er war froh über die Pause. Diese Promis waren der reinste Horror. Am anderen Ende war ein Kollege und informierte Dübel, über die aktuelle Entwicklung. Der Polizeioberkommissar beendete das Gespräch und sah betroffen in die Runde. “Ich habe gerade eine traurige Nachricht erhalten. Frau Wilmsen ist auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben. Die Dosis Gift war wohl doch zu stark.”

Kaum war das letzte Wort verklungen, da hallte ein Schrei durchs Studio. Die Regieassistentin Gitte Hansen brach auf einem der vorderen Gästesitze zusammen. Dübel stand auf und ging zu ihr, um sie zu trösten. “Meine Liebe, es tut mir leid. Sie haben Ihre Chefin wohl sehr gemocht?”

“O Gott, ich werde lebenslang ins Gefängnis müssen”, schluchzte sie zitternd. “O Gott, o Gott.”

“Wie kommen Sie denn darauf?” hakte der Polizeioberkommissar nach. Ein ungutes Gefühl breitete sich in seiner Magengrube aus. “Hm?”

“Die Quoten, die verdammten Quoten. Die waren im Keller. Annette meinte, das würde für Aufregung sorgen. Ich sollte das Zeug in die Lasagne schütten. Aber ich wusste ja nicht, wie viel da reinkommt. Sie wollte es sich schnappen, bevor es jemand anderes nimmt. Der Dicke ist doch allergisch, das stand in den Unterlagen. Deswegen hat sie es ihm ja angeboten. Damit keiner auf die Idee kommt, dass Annette von dem Gift wusste. O Gott, o Gott. Ich muss ins Gefängnis. Ich bin doch noch so jung. Ich hätte mich nie darauf einlassen sollen. Und jetzt ist sie tot. Und ich verbringe meine Jugend im Knast. Ich hatte doch noch so viel vor.”

Dübel winkte einen Beamten herbei und ließ die Regieassistentin abführen. Dann ging er zu den Talkshowgästen zurück. “Leider hat sich der Fall auf tragische Art und Weise gelöst. Sie können nach Hause. Hier ist alles erledigt.”

Alexandro Kapuzek grunzte. “Wie ich es immer sage, es kommt auf die richtige Dosis an.”

“Idiot”, fauchte Martina Roya. “Schlussendlich hat sie die Chemie umgebracht.”

“Unsinn.” Bundesverbraucherministerin Erna Krainer erhob sich aus dem Sessel und warf einen mitleidigen Blick auf den heulenden Olaf Schulz. “Das war reine Gier. Quote und Geld. Und niemand denkt an die Kinder. Das ist ein Fall für die Presse.”

Dübel seufzte sauertöpfisch.

ENDE

Copyright © 2012 by Günther K. Lietz

Buchtipp:


Tom Hillenbrand
Rotes Gold
Ein kulinarischer Krimi
Xavier Kieffers zweiter Fall

Kiepenheuer & Witsch Paperback
ISBN: 978-3-462-04412-6
Seiten/Umfang: ca. 350 S.
Erscheinungsdatum: 1. Auflage 19.04.2012
Aus der Reihe: KiWi 1262

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»Tom Hillenbrand regt genussvoll den Appetit der Krimileser an.« Die Welt. Seit der Luxemburger Koch Xavier Kieffer mit Frankreichs berühmtester Gastrokritikerin liiert ist, wird er zu den exklusivsten Events eingeladen. Doch das edle Dinner beim Pariser Bürgermeister endet bereits nach der Vorspeise: Ry’nosuke Mifune, Europas berühmtester Sushi-Koch, kippt plötzlich tot um. Die Diagnose lautet: Fischvergiftung. Doch Kieffer ist skeptisch und deckt schnell Widersprüche auf. Er taucht ein in die Welt der Sushiküche und muss erkennen, dass es Fische gibt, die teurer sind als Gold – und wertvoller als ein Menschenleben.

Tom Hillenbrand, geboren 1972, studierte Europapolitik, volontierte an der Holtzbrinck-Journalistenschule und war Ressortleiter bei Spiegel Online. Der begeisterte Hobbykoch und Foodie verliebte sich während eines mehrmonatigen Luxemburger EU-Praktikums in das Großherzogtum. Sein erster Roman (»Teufelsfrucht«) stand monatelang auf Platz eins der Bestsellerliste in Luxemburg. Tom Hillenbrand lebt in München. Das Hörbuch erscheint im Frühjahr 2012 bei Audio Media.

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RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN V – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

Erstellt von little_wonni am 15. April 2012

Rückkehr mit Hindernissen V


eine


Fantasy-Kurzgeschichte


von


little_wonni

>> Zum vorherigen Teil <<


“Machs kurz, ich hatte noch keinen Kaffee!”, knurrte es auf der anderen Seite der Leitung.

Scheiße. Paul Smith vor dem ersten Kaffee ans Telefon zu holen, grenzte an Selbstmord. Gerüchteweise waren allein deswegen schon dutzende Leute gestorben.

“Ich kann auch noch mal später …”
, setzte er an.

“Wenn du jetzt auflegst, reiße ich dir erst recht den Arsch auf! Wach ist wach! Also was willst du? Und wehe es ist nicht wirklich wichtig.

“Ich brauchen jemanden vom psychologischen Dienst …”

“Dann ruf doch die Psycho-Spaken an! Was habe ich da mit zu schaffen?”, blaffte Paul.

“Es darf keiner vom richtigen psychologischen Dienst sein. Ich hab hier eine verwirrte Elfe, mit Menschenohren, die Dirk gerade erzählt, dass ihr Bruder sie in einen Frosch verwandelt hat.”

“Sicher das Es ne Elfe ist? Könnte doch auch ne normale Bekloppte sein.”

“Nee, die ist ganz sicher echt. Keiner kann nach unserem Duschzeug riechen, wie ne Blumenwiese. Kannst du mir nun helfen?”

“Oh Mann, was interessiert die dich überhaupt? Ihr glaubt doch sowieso keiner.”

“Das ist mein Job, Paul!”

“Schön, schön ich organisier was. Aber eines Tages, möglicherweise jedoch nie, werde ich dich um eine kleine Gefälligkeit bitten …”

Sam rollte mit den Augen. Er kannte Pauls “kleine Gefälligkeiten” zu genüge.

“Okay abgemacht. Aber bitte gleich. Dirk rastet schon vollkommen aus und …”

Er hörte nur noch ein tuten in der Leitung. Solang er denken konnte, beendete Paul Smith so seine Telefonate. Er rieb sich die Schläfen und versuchte das mittlerweile geifernde Brüllen seines Kollegen auszublenden. Chancenlos. Er loggte sich in den Computer ein, um nachzuschauen, was die Kleine verbrochen hatte. Hausfriedensbruch, tätlicher Angriff und Beleidigung. Bei ihrer Verhaftung hatte sie Dirk eine Tasche zwischen die Füße geworfen und er hatte sich auf die Nase gelegt. Deshalb war er also so ungehalten. Er schaute auf die Uhr. Erst kurz vor acht. Das konnte eine lange Nacht werden. Der Gang zur Kaffeemaschine schien ihm die letzte Rettung zu sein. Schnell brühte er zwei Tassen dieses schrecklichen Gesöffs, das sie hier Kaffee nannten, und machte sich auf den Weg ins Verhörzimmer. Auf dem Gang traf er auf eine verführerische Rothaarige, die ihm aus lasergrünen Augen zuzwinkerte, sich lasziv auf dem Empfangstresen räkelte und mit ihrem Goldkettchen spielte, von dem ein Kreuz herabhing.

Kaum sah sie ihn, stieß sie sich vom Tresen ab und kam mit wogenden Schritten auf ihn zu. Sie wickelte sich eine ihrer Locken um den Finger und begann am Ausschnitt ihrer Bluse entlangzufahren. Als sie nur noch einen Wimpernschlag von ihm entfernt war, beugte sie sich vor und flüsterte ihm ins Ohr.

“Psychologischer Dienst, Sie hatten angerufen”, säuselte sie und lehnte sich wieder zurück.

“Äh, nein eigentlich hatte ich nicht …”, er stockte, als die lasergrünen Augen ins Eisblau wechselten und sich die Sünde auf zwei Beinen ein hämisches Grinsen nicht verkneifen konnte. Also beehrte ihn Paul heute persönlich. Das würde verdammt teuer werden.

“Sei nett zu Blondi!”
, raunte er Paul gerade in dem Moment zu, als Dirk die Tür des Verhörzimmers aufriss.

Dieser war über und über puterrot und seine Haare standen in alle Richtungen von seinem Kopf ab, als hätte er sie in reiner Verzweiflung gerauft. Der Anblick der Rothaarigen, kühlte zwar nicht unbedingt sein Gemüt, lenkte ihn aber von seiner Wut auf die Verrückte ab. Sein Kollege setzte ein Lächeln auf, welches einen 400-Watt-Strahler gekonnt in den Schatten stellte.

“Was hat uns denn die Sitte da Schönes mitgebracht?!”

Sam befürchtete schon das Schlimmste, als Paul einen Ausweis aus seinem Ausschnitt herausfischte, eine Augenbraue hochzog und seinem Kollegen den Ausweis direkt vor die Nase hielt.

“Oh”, war dessen Kommentar “Eva Adams, psychologischer Dienst. Tut mir Leid Ma’ am. Ich geh dann mal unsere Verrückte holen. McGrey hol doch schon mal ihr Gepäck.”

Als Paul mit den zwei Tragetaschen und der Handtasche zurückkam, hatte Dirk die kleine blonde Elfe gerade auf den Flur bugsiert und an Paul übergeben. Die schluchzte nun herzerweichend und murmelte immer wieder, dass sie nicht verrückt sei. Auf ihrer Stirn hatte sich mittlerweile eine ordentliche Beule gebildet. Dirk hatte sie wohl nicht besonders sanft in das Polizeiauto einsteigen lassen. Er übergab der Elfe ihre Handtasche, die diese an sich drückte, als sei es ein Rettungsanker und reichte Paul die zwei Tragetaschen.

“Sie kann auch eine nehmen”
, säuselte er mit seiner nervtötenden hohen Stimme. Also reichte er dem Häufchen Elend auch noch eine der schweren Tragetaschen und wurde so sein letztes bisschen Verantwortung für diesen Fall los. Er blickte ihr nach, während sie mit hängenden Schultern und eingezogenem Kopf hinter Paul hertrottete.

Paul war in einem schwarzen Lieferwagen mit seitlichen Schiebetüren gekommen. Er öffnete die Türen und warf die Tragetasche seitlich ins Auto. Die Elfe folgte seinem Beispiel und warf die zweite Tasche genau neben die erste und drehte sich zu ihm herum.

“Sie machen einen ganz schrecklichen Fehler …”, begann Dahlia zu jammern.

Für solche Diskussionen hatte er definitiv keinen Nerv. Er war lange genug nett zu der Elfe gewesen, die es einfach nicht geschafft hatte im entscheidenden Augenblick die Klappe zu halten. Also versetzte er ihr einen kräftigen Stoß gegen die Schultern, sodass sie durch die geöffnete Schiebetür flog und an die Seitenwand des Lieferwagens krachte.

Das Letzte was Dahlia sah, bevor sie bewusstlos wurde, waren lasergrüne Augen, die in ein berauschend leuchtendes Eisblau wechselten. Dann wurde alles um sie herum schwarz .

Das Ende?


Copyright (c) 2012 by little_wonni

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Fremdwesen01-100-minus33-100.jpg” (Originaltitel: TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Das Buch der Schatten – Dunkle Zeichen
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Liebe, Gefahr und Magie – die mitreißende Hexensaga geht weiter!

In letzter Minute wird Morgan von Bree und Robbie aus dem brennenden Haus gerettet, doch Cal und seine Mutter sind bereits spurlos verschwunden. Wie hatte Morgan sich nur so in Cal täuschen, wie seine Liebe für echt halten können? Er hatte einzig und allein ihre mächtige Hexenkraft gewollt. Und trotzdem vermisst Morgan ihn. Doch als sie schwarze Magie in ihrer Nähe spürt, fürchtet sie Cals Rückkehr. Hunter geht den dunklen Zeichen nach, und was er dabei entdeckt, wirft Morgans Weltbild völlig aus der Bahn …

Cate Tiernan wuchs in New Orleans auf und studierte russische Literatur an der New York University. Sie arbeitete zunächst in einem renommierten Verlag in New York, bevor sie beschloss, selbst Schriftstellerin zu werden. Ihre Hexenserie “Das Buch der Schatten” ist ein riesiger Erfolg und wurde in mehrere Länder verkauft; ein Kinofilm ist in Arbeit. Heute lebt Cate Tiernan mit ihrem Mann, zwei Töchtern und zwei Stiefsöhnen, einem Pudel und vielen Katzen in North Carolina.

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RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN IV – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

Erstellt von little_wonni am 14. April 2012

Rückkehr mit Hindernissen IV


eine


Fantasy-Kurzgeschichte


von


little_wonni

>> Zum vorherigen Teil <<

Das war definitiv, die beschissenste Woche ihres ganzen verdammten Lebens. Dabei war ihre Woche noch keinen ganzen Tag alt und sie wusste noch nicht einmal was für ein Wochentag gerade war. Gerne hätte sie dafür alle Schuld ihrem Bruder in die Schuhe geschoben, aber hier hatte sie sich alleine reingeritten.

Die alte Frau hysterisch anzuschreien und mit Kleidungstücken aus ihrer Tasche zu bewerfen, war ihr zunächst wie eine richtig gute Idee vorgekommen. Dies fand aber ein jähes Ende, als die zum Hörer griff und die Polizei anrief. Hätte sie in dem Moment schnell genug geschaltet und wäre das Universum auch nur ein bisschen auf ihrer Seite gewesen, hätte sie es noch schaffen können sich aus dem Staub zu machen. Da aber das Universum im Moment vollkommen gegen sie arbeitete, war die nächste Polizeistreife gerade mal einen Block entfernt gewesen und fing sie am Hauseingang ab, als sie gerade mit den verbliebenen Kleidern in ihren Tragetaschen flüchten wollte.
Das Entgegenwerfen der Tragetasche wurde ihr dann auch noch als Widerstand gegen die Staatsgewalt gewertet und bescherte ihr gleich eine Fahrt ins Polizeirevier. Zu allem Übel hatte sie sich beim Einsteigen auch noch den Kopf angehauen und hatte nun üble Kopfschmerzen. Verzweifelt versuchte sie den Polizisten klarzumachen, dass nichts von dem ganzen Schlamassel ihre Schuld war, was sich aber als mehr als schwierig herausstellte, da sie  von den vielen Treppenstufen aus der Puste war.

“Wie oft soll ich Ihnen das jetzt noch erklären? Nichts von dem, was passiert ist, war meine Schuld! Meinen Bruder sollten sie verhaften, diesen elenden verlogen Mistkerl. Schließlich hat er mich …”

“Ja, ja in einen Frosch verwandelt”
, begann er entnervt. “Das hatten wir schon Miss Bloodstone. Und ich wiederhole mich da wirklich ungern: Zum einen haben wir ihren Bruder nicht in der Wohnung von Frau Rosenberg vorgefunden, also kann er nichts mit der Sache zu tun haben. Frau Rosenberg hat uns mittlerweile bestätigt, dass er vor 7 Monaten aus ihrem gemeinsamen Apartment ausgezogen ist. Er erwähnte auch gegenüber Frau Rosenberg, dass sie und ich zitiere an dieser Stelle “auf einem ganz komischen Trip wären und nicht mehr alle beisammen hätten”. Und zum anderen gibt es keine Menschen, die andere in Frösche verwandeln können!”, endete er brüllend.

“Er ist ja auch ein Elf! Die können zaubern. Und ich konnte auch zaubern, wenn ich meine Ohren noch hätte, würde ich sie auf der Stelle in einen Frosch verwandeln, damit sie mal sehen wie sehr sie sich irren!”
brüllte sie zurück.

In dem Moment öffnete sich die Tür des Befragungszimmers und ein anderer Polizist steckte seinen Kopf durch die Tür. Braune Haare, braune Augen und von der großen Nase einmal abgesehen, ziemlich niedlich.

“Brauchst du auch einen Kaffee, Dirk?”

“Ja bitte, Sam! Und ruf mir jemanden vom psychologischen Dienst.”

“Wieso, was haben wir denn?”, fragte der Braunhaarige.

“Das Übliche kurz vor Vollmond. Hausfriedensbruch, tätlicher Angriff und ach, ja einen bösen Bruder, der sie in einen Frosch verwandelt hat”
, sagte er und zog wissend die Augenbrauen nach oben, “Außerdem sollst du mich in der Dienstzeit nicht mit meinem Vornamen ansprechen.”

“Ja das könnte ein Grund sein den psychologischen Dienst anzurufen, Herr Petersen, Sir!”, frotzelte Sam und verschwand durch die Tür.

“McGrey gibt mir bei den Spätschichten wirklich den Rest”
, murmelte er und schaute Dahlia noch einmal mit einem resignierten Blick an, “Noch einmal von vorne Miss Bloodstone… ”

Dahlia war völlig am Ende. Ihr Kopf tat so unheimlich weh und pochte unaufhörlich. Sie war nicht in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Wenigstens hatten sie sie im Beisein einer Polizisten duschen lassen, sodass sie jetzt nicht mehr den ganzen Schmutz vom Tümpel in den Haaren hatte und ihre Füße wieder schneeweiß waren. Auch hatten sie ihr erlaubt frische Kleidung aus ihrer Tasche zu kramen. Sie trug jetzt einen schwarzen Rock der Handbreit über den Knien endete und eine rote Bluse.
Allerdings verbesserte ihr frisches Aussehen, die Laune des grauhaarigen Polizisten nicht. Vielmehr schien es ihn noch wütender zu machen, als er eh schon war.

“Mein Bruder hat mich in …”, setzte sie erneut an.

“Ich werde mir den Scheiß nicht noch einmal anhören!”, rastete Dirk Petersen nun vollkommen aus.

Sam McGrey hörte die Wutschreie seines Kollegen, durch 2 Bürowände und die geschlossene Tür. Er musste etwas unternehmen, bevor sein Kollege die Kleine endgültig plattmachte. Leider fiel ihm für die Lösung dieses Problems nur eine Person ein. Er griff zum Telefon. Dieser Anruf würde ihn teuer zu stehen kommen …

FORTSETZUNG FOLGT…

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Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN III – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

Erstellt von little_wonni am 13. April 2012

Rückkehr mit Hindernissen III


eine


Fantasy-Kurzgeschichte


von


little_wonni


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Nun war es offiziell: Ihr Leben war nur noch eine einzige große Katastrophe. Zunächst einmal hatte es sie etliche Minuten und einige Tränen gekostet, den Taxifahrer dazu zu überreden, sie in ihrem Zustand ins Taxi steigen zu lassen. Zugegeben, auch sie fand den fleckigen Mantel nicht besonders vertrauenerweckend und ihre mittlerweile schwarzen, nackten Füße schmeichelten ihr auch nicht besonders, aber normalerweise ließ man ein Mädchen in Not doch immer ins Taxi.
Sie hatte ihr Selbstvertrauen gerade damit verarztet, dass der Taxifahrer entweder schwul oder halbblind sei, als ihr siedendheiß einfiel, dass sie gar kein Portmonee dabei hatte. Schnell begann sie unter den misstrauischen Blicken des Taxifahrers den Mantel zu durchwühlen.

Was sie da zu Tage beförderte nagte wirklich an den letzten kümmerlichen Resten ihres schon sehr verstümmelten Nervenkostüms. Neben einer abgetrennten Hasenpfote fand sie ein blutverschmiertes Taschentuch, die Visitenkarte und ein Klappmesser in der einen Manteltasche. Aus der anderen fischte sie jede Menge Tabakkrümel und Zigarettenstummel, eine tote Maus (Ihhh) und 50 Dollar in kleinen Scheinen, was ihre Rettung war. Sie wollte gerade den ganzen Müll im Aschenbecher entsorgen, als sie den Blick des Taxifahrers auffing, der ihr verkündete, dass er gleich jegliche Toleranz gegenüber seinem Fahrgast verlieren würde. Mit spitzen Fingern steckte sie also die ganzen Hinterlassenschaften zurück in die Manteltasche und hielt lächelnd das kleine Bündel mit den Geldscheinen hoch. Dies veranlasste den Taxifahrer dazu, sie wenigstens nicht aus dem Taxi zu werfen. Er verlegte sich stattdessen darauf, sie böse anzustarren.

Vor ihrer Haustür angekommen, bezahlte sie dem Taxifahrer zähneknirschend 30 Dollar inklusive Trinkgeld. Dieser bedankte sich dafür, indem er sie schnellstmöglich aus dem Taxi jagte und mit quietschenden Reifen davon fuhr.

Bekannterweise macht das Unglück nie vor der eigenen Haustür halt. Sie musste feststellen, dass an der Türklingel weder ihr Name, noch der ihres Bruders zu finden war. Also beschloss sie kurzerhand, bei ihrer uralten und schon ziemlich klapprigen Nachbarin Frau Rosenberg zu klingeln. Sie wollte gerade aufgeben, nachdem diese nach dem fünften Sturmklingeln immer noch nicht geöffnet hatte, als der Türsummer betätigt wurde. Die Gegensprechanlage schien wieder einmal kaputt zu sein, denn aus ihr drang nur ein unverständliches Rauschen.

Warum hätte auch der Fahrstuhl funktionieren sollen, dachte sie sich, nachdem sie sich die sieben Stockwerke bis zu dem Apartment von Frau Rosenberg hochgequält hatte. Keuchend und schnaufend kam sie endlich an der Tür an.

“Hast dir ganz schön Zeit gelassen! Ich hab ja nicht den ganzen Tag Zeit hier herumzustehen und auf dich zu warten”, wurde sie krächzend begrüßt.

Im Hintergrund hörte sie in kaum ertragbarer Lautstärke irgendeine dieser furchtbaren Quizshows, mit denen alte Menschen ihren Lebensabend zu verschwenden schienen. Sie holte gerade Luft und setzte zum Reden an, als sie von Frau Rosenberg unterbrochen wurde.

“Kommst jetzt rein und nimmst deinen Krempel mit oder soll ich ihn der Heilsarmee spenden? Der steht mir schon seit Monaten in den Füßen rum. Mach! Ich will meine Quizshow nicht verpassen. Und bleib mit deinen dreckigen Füßen und dem Hippie-Aufzug bloß auf der Flurmatte.”

“Wie meinen Krempel …”, setzte sie gerade an, als die Alte sich herumdrehte und in ihrer Abstellkammer verschwand.

Im nächsten Augenblick krachten ihr zwei große Tragetaschen und ihre Handtasche vor die Füße.

“Hat dir dein Bruder da gelassen”
, teilte ihr die Alte mit, “hat gemeint du würdest bestimmt kommen und es holen, wenn du von deinem Back-to-the-Nature-Tripp zurück bist. Haste ja wohl auch nötig bei dem Aufzug! Netter junger Mann übrigens und so adrett gekleidet. Ganz im Gegensatz zu anderen Leuten.”

Wäre die Frau nicht so alt und zerbrechlich gewesen, hätte Dahlia an dieser Stelle ihren letzten Rest Beherrschung verloren. Anstatt sie anzubrüllen und ihren Bruder als rücksichtloses Arschloch zu titulieren, atmete sie mehrmals tief durch.

“Das wird jetzt aber nicht so’ n Mediationskrams, oder wie der Mist heißt in meinem Flur, junge Dame. Das kannste nämlich draußen machen, wegen dir habe ich schon fast meine ganze Quizshow verpasst.”

Es blitzte rot am Rande ihres Gesichtfeldes auf …

FORTSETZUNG FOLGT…

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Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Alltag-100-minus70-0.jpg” (Originaltitel: Alltag3.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Schwarzes Geheimnis
Die Herren der Unterwelt 7

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Dunkelste Gedanken, böseste Absichten – es gibt nichts, was der unsterbliche Krieger Amun als Hüter des Dämons der Geheimnisse nicht lesen und damit auch manipulieren könnte. Diese Fähigkeit ist auch bei anderen unsterblichen Gestalten sehr begehrt. Selbstauferlegte Isolation scheint Amuns einziger Ausweg zu sein, um sich vor den Qualen der fremden Geheimnisse zu schützen.
Doch die Versuchung, sich wider alle Vernunft der Welt zu öffnen, wird immer größer, als er die betörende Haidee kennenlernt – eine Dämonen-Jägerin, die geschickt wurde, um Amun zu töten …

New York Times- und USA Today-Bestsellerautorin Gena Showalter gilt als Shooting Star am romantischen Bücherhimmel des Übersinnlichen. Ihre Romane erobern nach Erscheinen die Herzen von Kritikern und Lesern gleichermaßen im Sturm. “Die Herren der Unterwelt” gelten als ihre bislang stärkste Serie.

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RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN II – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

Erstellt von little_wonni am 8. April 2012

Rückkehr mit Hindernissen II


eine


Fantasy-Kurzgeschichte


von


little_wonni

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Da hatte er ihr eine Frage gestellt, die sie sich selbst nicht beantworten konnte. Immerhin war es schon 7 Monate her, dass ihr Bruder sie in eine Amphibie verwandelt hatte. Sicherlich hatte er sich schon längst aus dem Staub gemacht. Aber das durfte sie sich nun ganz sicherlich nicht anmerken lassen.

“Klar hab ich eines! Ich werde auch gleich mit dem Taxi dorthin fahren. Mein Bruder wartet schon auf mich. Wir sind um drei zum Kaffee verabredet.”

Der Fremde hob leicht die linke Augenbraue und atmete tief ein. Sein abschätzender Blick machte SIE noch ganz irre.

“Schon klar, Kleine”
, antwortete er leicht amüsiert, “dann würde ich mich an deiner Stelle mal beeilen. Wir haben schon halb fünf durch …”

Ein Schreck fuhr ihr in die Glieder. Er wusste, dass sie log. Und schlimmer noch, er wusste, wo sie waren, sie hingegen hatte nicht den geringsten Schimmer. Sie befanden sich zwar nun auf einem Weg, aber sie wusste nicht, wohin er führte oder wie weit sie vom Rest der Zivilisation entfernt waren. Hier könnte er sie einfach ins Gebüsch zerren und unaussprechliche Dinge mit ihr anstellen. Kein Mensch war unterwegs, keiner würde ihr helfen oder ihre Schreie hören. Andererseits, wenn er ihr etwas hätte tun wollen, hätte er ihr dann seinen Mantel …

“Jetzt mach dir mal nicht gleich ins Hemd! Wäre echt schade um meinen schönen Mantel. Gleich um die Ecke rum führt der Weg aus dem Park raus. Ich bring dich nur schnell zum Taxistand!
” unterbrach er ihr Gedankenkarussell.

Klasse! Der Kerl war also ein Lügendetektor und Gedankenleser in einem. In diesem Moment bogen sie um die Ecke und sie konnte einen Blick auf das Schild des nur wenige Meter entfernten Taxistandes erhaschen. Erleichtert atmete sie auf und bereute es noch im selben Augenblick.
Natürliches hatte es der Typ bemerkt und grinste nun übers ganze Gesicht. Wenn er sie jetzt auch noch auslachte, müsste sie sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ihm die Augen auszukratzen. Zu seinem Glück entschied er sich gegen einen Lachanfall. Anscheinend hatte er ihre wütend entgleisenden Gesichtszüge bemerkt. Stattdessen griff er in die löchrige Hosentasche seiner Jeans und zog ein dreckfleckiges Stück Papier heraus und überreichte es ihr.

“Meine Karte. Falls du dein Zuhause nicht mehr findest. Und natürlich um mir meinen Mantel zurückzugeben!”
Dann zwinkerte er ihr zu, drehte sich um, bahnte sich seinen Weg quer durch das Gebüsch am Wegesrand und war wie vom Erdboden verschwunden, bevor sie sich auch nur eine Antwort darauf hatte überlegen können.

Sie zuckte mit den Schultern und betrachtete sich den Fetzen Papiere etwas genauer, den er ihr in die Hand gedrückt hatte.

Als Kontaktadresse hatte er ihr also eine Bar angegeben. Sie beschloss, sich Zeit zulassen, bis sie den Mantel zurückbrachte. Für eine schmierige Kneipe brauchte sie nämlich echt ein besseres Nervenkostüm. Schnell schob sie die Karte mit spitzen Fingern in eine der Manteltaschen.

FORTSETZUNG FOLGT…

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Copyright (c) 2012 by little_wonni

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Fremdwesen01-100-166-100.jpg” (Originaltitel: TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.


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Schwarze Lügen
Die Herren der Unterwelt 6

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ISBN :      978-3-89941-959-7
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Letzte Preisänderung am 05.07.2011
Seiten/Umfang :      464 S. – 18,6 x 12,5 cm

Produktform : B: Einband
Erscheinungsdatum : 1. Auflage 11.2011

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Sie wollen Gutes und sind doch zum Bösen verdammt: die Herren der Unterwelt. Sechster Teil der preisgekrönten Lords of the Underworld-Serie von New York Times Bestseller-Autorin Gena Showalter.Er darf alles, nur eins ist ihm bei Todesqualen verboten: die Wahrheit zu sagen. Gideon ist der sechste Herr der Unterwelt, und in ihm haust der Dämon der Lüge.
Und so wie er selbst Wahres nicht benennen darf, so erkennt er bei anderen sofort die Lüge. Bis er auf Scarlet trifft, eine ebenfalls unsterbliche Seele. Sie behauptet, seine Frau zu sein: der Mensch, den er einst geheiratet und leidenschaftlich geliebt hat. Doch so wenig Gideon sich erinnern kann, so wenig deutet darauf hin, dass Scarlet lügt.
Im Gegenteil: In ihrer Gegenwart flammt in Gideon ein längst vergessenes Verlangen neu auf. Doch er darf ihm nicht nachgeben, denn damit würde er Scarlet in tödliche Gefahr bringen …

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