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VAGABUNDEN DES ALLS – Leseprobe (Teil 3) des gleichnamigen Romans von Angela Fleischer

VAGABUNDEN DES ALLS

Leseprobe (Teil 3)

des gleichnamigen Romans

von Angela Fleischer

Elde betrat den staubigen Boden des Gefängnishofes und sah sich neugierig um. In der Ferne lagerte ein Schwarm Meovoides, der sich friedlich auf dem Sand niedergelassen hatte. Er verlangsamte seinen Schritt. Doch ohne Erfolg. Die scheuen Tiere bemerkten ihn und der Schwarm erhob sich fiepend in die Lüfte. Majestätisch entfernten sie sich, ihre Schuppen ein grünliches Kaleidoskop im kalten Morgenlicht eines weißen Zwergs.

Elde schenkte ihnen keine weitere Beachtung, suchte sich einen Platz abseits, und begann mit seinen Kräftigungsübungen. Das regelmäßige Training zeigte bereits Wirkung, unter seiner Haut schlummerten harte und sehnige Muskeln.

Wenig später unterbrachen ihn jedoch dieser Y-23 und Eoktwan, die rivianische Nervensäge. Verdammt! Ich kann mir schon denken, was die von mir wollen.

»Ich mache mir große Sorgen«, äußerte der Mechanoide und positionierte sich mit seinen vier Beinen vor ihm. »Eoktwan hat eine schreckliche Anklage gegen Sie ausgesprochen. Sie denkt, Sie seien derjenige, der den Löper getötet hat.«

Elde starrte ihm direkt in die schachbrettartig strukturierten Sehsensoren. »Sie haben keinerlei Beweise.«

»Das ist mir durchaus bewusst«, beschwichtigte Y-23. »Aber mir liegt nun mal die Sicherheit dieses Gefängnisses sehr am Herzen. Ein furchtbarer Mord wie dieser stört den Frieden und das Gleichgewicht. Ich fühle mich verpflichtet, sicherzustellen, dass eine solche Störung nicht mehr vorkommt.«

Sicherzustellen? Was soll das denn bedeuten? »Drohen Sie mir?« Elde versuchte, seine Unruhe zu verbergen.

Y-23’s Sehsensoren leuchteten rot auf. Unerschütterlich freundlich schlug er vor: »Versprechen Sie mir einfach nur, dass es nicht wieder vorkommt. Eoktwan wird dann mit ihrem exzellenten Geruchssinn feststellen, ob Sie Ihr Versprechen ernst meinen. Das genügt mir schon.«

»Sind Sie so eine Art Hirte, der seine Schäfchen hütet?«

Eoktwan spreizte ihre Mundklauen. »Und ob er das ist. Je mehr er rettet, desto toller fühlt er sich.«

»Dann sind Ihre Interessen ja nur egoistisch motiviert«, folgerte Elde.

Am Himmel donnerte es und es fing an zu nieseln. Auf Eoktwans beigefarben-dunkelbraunem Fell glitzerten nach kurzer Zeit Tausende von Wassertröpfchen. Aber niemand störte sich am Regen. Schließlich mussten sie bald wieder in ihre miefigen und kargen Zellen zurück.

Y-23 wedelte dementierend mit seinen Armen. »Das ist nicht wahr. Mitgefühl ist meine Motivation. Wenn ich helfen kann, dann tue ich es.«

Elde leckte sich über die Lippen. Na, was soll’s. Wer bin ich, dass ich anderer Leute Motivationen beurteilen kann? Dieser Mechanoide hat die Milchstraße schon bereist, da habe ich noch an den Zitzen meiner Mutter gehangen.

»Na gut. Ich werde niemanden hier töten.« Einzelne Typen töten bringt mir gar nichts. Ganz im Gegenteil.

Eoktwan schnüffelte mit diesem feuchten, schwarzen Sieb, das sie ihre Nase nannte. »Er sagt die Wahrheit.« Ihre pupillenlosen Augen fixierten ihn schelmisch. »Sag, warum bist du hier?«

»Ich habe gehört, hier gäbe es so tolles Essen.«

Y-23 gab etwas von sich, das sich nach einem schlecht imitierten humanoiden Lachen anhörte. Vermutlich das Resultat eines Programms, mithilfe dessen er seine Sprech- und Verhaltensweisen an Gesprächspartner anpassen konnte. »Ich bin jedenfalls überaus froh darüber, dass dieses unangenehme Problem friedlich gelöst werden konnte.«

»Aber wir wissen doch noch nicht, warum er es getan hat!«, keifte Eoktwan, die Hände vor ihrer flachen Brust verschränkt.

»Sie sind verrückt«, urteilte Elde. »Völlig durchgeknallt.«

»Lieber durchgeknallt als normal.«

»Ich werde nun gehen«, kündigte Y-23 an. »Es gibt noch andere Angelegenheiten, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen.« Der Mechanoide ging und ließ Elde mit Eoktwan zurück. Welches kosmische Verbrechen hatte er bloß begangen, dass er Eoktwans ungeteilte Aufmerksamkeit verdiente? Ah ja, da war ja noch was.

Bald darauf musste er wieder in seine Zelle zurück, die ihn mit ihrem aggressiven Dottergelb, der spärlichen Einrichtung und seinen drei Stawen Haftkameraden begrüßte. Er setzte sich auf seine zerschlissene Hängematte und lehnte sich an der Wand an. In die eine Hand nahm er einen dünnen Polymerbildschirm, in die andere einen Stift, welcher dazu diente, Notizen auf dem Polymerbildschirm zu machen. Doch im Moment brauchte er nichts aufzuschreiben. Denn mit der Zeit fraß sich die Liste der Namen ohnehin von selbst in sein Gehirn. Immer, wenn er die Augen schloss, hörte er den Klang ihrer Silben. Und er wusste, wofür diese Buchstabenkombinationen standen: Häftlinge.

Sie sind Abschaum. Sie verdienen den Tod. Ich sollte sie nicht davonkommen lassen.

Eldes mit gelblichen Nägeln bestückte Finger krampften sich um den Bildschirm, sein Hass – kolossal, die Wut – überwältigend. Sie sind dran schuld. Sie sind an allem schuld.

Er seufzte. Jeder Humanoide hatte nur eine Jugend. Und wenn diese verloren ging, gab es kein Zurück mehr. Alles, was ich bin, was ich war, basiert auf Schmerz und Traurigkeit.

Er versuchte zu weinen, weil ihm das vielleicht für einen Moment Trost spenden würde. Er konnte es nicht. Es überraschte ihn nicht. Vor scheinbar für ihn unendlich langer Zeit waren die Tränen einfach versiegt. Seitdem sehnte er sich danach, das Weinen erneut zu erlernen. Endlich hätte er dann den ersten Schritt auf dem Weg von einem monströsen Psychopathen zu einem normalen Lebewesen getan. Doch stattdessen erfüllte ihn nur diese gewaltige, allumfassende Leere.

Aber ich bin nicht normal, und ich habe eine Aufgabe. So sehr ich auch gelitten habe, es hat mich auf den richtigen Weg geführt. Es hat mir das Wesentliche gezeigt.

Elde lächelte. Er gehörte zu den Bösen, daran gab es nichts zu rütteln. Doch zumindest konnte er sich selbst dafür hergeben, etwas Gutes zu schaffen.

Er würde sie töten, allesamt – das Leid beenden, das sie schufen. Nein! Nicht töten, das brachte nichts. Er musste anders gegen sie vorgehen, intelligenter.

Elde schleuderte die Liste von sich. Er würde dieser Versuchung widerstehen und diese Dinger in Ruhe lassen. Nicht, dass es um sie schade wäre. Aber er dufte seinen Traum keinesfalls durch eine längere Gefängnisstrafe aufs Spiel setzen.

Es ist der einzige Traum, den ich habe.

Völlig unerwartet ging ihm ein Licht auf, wie eine Magnesiumfackel in der Dunkelheit einer mondlosen Nacht. Ich brauche Mitstreiter!

Typisch für seine einzelgängerische Art war ihm niemals der Gedanke gekommen, es mit diplomatischen Mitteln zu versuchen.

Aber wenn er Anhänger sammelte … Es gab doch sicher auch andere, die darunter gelitten hatten.

Und ich sollte schon heute damit beginnen. Sie könnten überall sein. Elde holte sich die Polymerfolie zurück, drehte sie diesmal jedoch auf die Rückseite. Er begann, eine neue Liste seiner potenziellen Verbündeten anzulegen.

Wenig später standen bereits ein paar Namen auf der zweiten Liste. Elde begutachtete sie zufrieden. Wenn ich selbst an den Erfolg glaube, werde ich auch gute Überzeugungsarbeit leisten. Meine Sache ist eine Gute. Die anderen müssen das nur erkennen.

Doch leider musste er einen ganzen Tag abwarten, ehe er wieder Hofgang bekam. Als es so weit war, ging er schnurstracks auf Y-23 zu und blieb schließlich vor ihm stehen. Der Mechanoide tratschte schon wieder mit seinen Mithäftlingen – ein ungünstiger Umstand. Denn Elde wollte weder darauf warten, dass Y-23 sein Gespräch beendete, noch brauchte er Zeugen.

»Y-23, ich muss mit Ihnen unter vier Augen reden. Es ist mir sehr wichtig.«

Der Mechanoide wandte ihm in einer 270-Grad-Drehung seines Kopfes die Primäraugen zu, eine reine Respektsbekundung, da er auch einen Sehsensor auf der Rückseite besaß. »Kann es nicht warten?«

Elde schüttelte den Kopf. Wenn er wartete und in der Zwischenzeit an seine früheren Vorhaben dachte, verfiel er vielleicht wieder seinem Blutdurst. Und das darf nicht geschehen. Ich werde mir nicht alles zerstören!

»Also gut.« Y-23 sagte zu seinen anderen Gesprächspartnern: »Bitte, könntet ihr mich einstweilen alleine lassen? Ich denke, dass es Elde wichtig ist.« Die fünf Gefangenen verließen Y-23.

Elde leckte sich über die Lippen. Er musste seinen Herzenswunsch so verpacken, dass er Y-23 auf seine Seite zog. Aber wie genau sollte er das anfangen? Selbst wenn ich scheitere, gibt es noch andere, die ich überzeugen kann. Das sollte ich niemals vergessen. »Y-23, ich möchte den zivilen Dosisgebrauch stoppen. Es gibt Unzählige, die sich damit ihr Leben ruiniert haben.«

Y-23 schwieg kurz. »Es gibt viele, die das versucht haben. Aber weil fast jeder Intelligenzler ein Dosisnutzer ist, und es eine gewaltige Lobby gibt, hat es nie jemand geschafft. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, wie die Menschen es ausdrücken würden.«

Er trat einen Schritt vor. »Aber niemand ist willens, so weit zu gehen, wie ich es bin!« Seine Stimme klang ihm rau in den Ohren.

Y-23 verharrte unbeweglich auf der Stelle, Gestik und Mimik absolut starr.

Elde fuhr fort, sein Tonfall wieder nüchtern: »Ich würde alles opfern, solange es mich meinem Ziel näher bringt.«

»Hmm, vielleicht hast du tatsächlich eine Chance.« Y-23 tippte sich mit dem einen Greifarm auf den anderen. »Aber welche Opfer müsstest du für deinen Erfolg bringen? Was würde es aus dir machen? Im Leben zählt nicht nur das Ziel, sondern immer auch der Weg.«

»Ich würde mein Leben dafür geben«, wiederholte Elde heiser. »Ich bin ohnehin schon kaputt, und glücklich kann ich auch nicht mehr werden. Es ist mir gleich, was aus mir wird, Y-23. Ich will nur mein Ziel erreichen.«

»Bist du sicher, dass es keine Hoffnung mehr für dich gibt? Ich habe dich lächeln sehen. Aber ich verstehe, du kannst diesen Traum nicht ohne Weiteres fallen lassen.«

»Wirst du mir helfen?« Er setzte sich erneut seine Maske auf und verbarg so gut er es vermochte, welche Tornados in seinem Inneren wüteten.

»Ja, ich werde dir helfen. Aber nur, solange du dein Ziel auf eine friedliche Weise verfolgst. Es gibt schon so viel Blutvergießen in der Galaxis. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass es noch mehr wird.«

Als wenn diese Drogenhändler in ihrer Gier nicht Tausende von Leben auslöschen würden! Sie zu töten rettet viele andere! Aber das will Y-23 ja nicht verstehen. Weil er sonst zugeben müsste, dass es so etwas wie gerechtfertigte Gewalt gibt. Elde verriet jedoch nichts von diesen Gedanken und sagte schlicht: »Danke. Aber ich brauche so viele Verbündete wie möglich. Wenn du noch andere für unsere Sache gewinnen könntest, wäre das großartig.«

»Selbstverständlich«, zeigte sich Y-23 einverstanden, aber Elde vermeinte, ein Zögern zu vernehmen.

***

Allmählich macht mich das nervös.

Die telonidischen Gefängniswachen patrouillierten mit fahriger Unruhe, ihr prachtvolles, weißes Fell wie Schneeflocken im Abendlicht. Elde spähte unauffällig in ihre Richtung. Ob bei der Fellfarbe künstliche Evolution nachgeholfen hatte? Er verwarf den Gedanken wieder. Das war jetzt nicht von Bedeutung.

Konnte es sein, dass der Mord am Drogenhändler die Wachen so verängstigte? Ich hoffe, sie machen keine allzu genauen Untersuchungen. Meine ledrige Haut hinterlässt zwar kaum DNS, aber trotzdem …

Die Wachen begannen, eifrig miteinander zu diskutieren. Vorsichtig näherte sich Elde einer Dreiergruppe. Seine optimierten Ohren funktionierten hervorragend, da seine Vorfahren auf den Gehörsinn besonderen Wert gelegt hatten. Doch die Teloniden sprachen ihr Standard 2 so schnell, dass Elde gar nicht mitkam.

Hätte ich doch nur in der Schule besser aufgepasst.

Die Unruhe in den Stimmen nahm immer mehr zu, und die gutturalen Knurr- und Brülllaute des Standard 2 taten auch ihr Übriges, um Elde zu alarmieren.

Verdammt, da hast du dich selbst reingeritten, Elde! Aber vielleicht weiß ja ein Anderer mehr darüber.

Er beschloss, Eoktwan zu fragen. Sie gehörte zu den wenigen Häftlingen, die er recht sympathisch fand. Jedoch war er sich nicht sicher, ob Rivianer die tiefen Frequenzen des Standard 2 wahrnehmen konnte.

Er entdeckte Eoktwan in der Mitte des Hofes. Dort lag sie mit geschlossenen Augen auf dem Sand und ließ sich die Sonne auf den Pelz brennen. Er trat näher und studierte das Geschöpf mit seinem beigen Pelz und den dunkelbraunen Gliedern. »Eoktwan?«, weckte er sie.

Sie öffnete träge die Augen, setzte sie sich auf, und rekelte sich lässig. »Was ist?«

»Die Wachen, sie sind ziemlich nervös. Weißt du, warum?«

Das hatte ihr Interesse geweckt, und sie musterte ihn neugierig. »Nein, aber ich verstehe auch kein Standard 2. Viel zu tief für meine Ohren.« Sie überlegte. »Du hast allerdings recht, ich rieche in ihrer Nähe Unruhe. Vielleicht weiß Y-23 mehr darüber, was sie beunruhigt.«

Hmm, irgendwie traue ich diesem Y-23 nicht. Aber diese Priestertypen konnte ich noch nie leiden.

Elde folgte seiner Bekannten bis zu Y-23. Leider umringte den Mechanoiden momentan eine Gruppe von Stawen, die offenbar auch alle seine Hilfe in Anspruch nehmen wollten.

Er ist hier wohl die erste Anlaufstelle, noch vor den Wachen.

Eoktwan platzte mitten ins Zentrum der Versammlung und sprach Y-23 an, obwohl der gerade in einem Satz steckte: »Ypsilon, weißt du, warum die Wachen so unruhig sind?«

Y-23 brach seine Ausführungen ab. »Nein, das weiß ich nicht. Das weiß niemand so genau. Aber es geht das Gerücht um, dass sie irgendetwas außerhalb des Gefängnisses beunruhigt.«

»Wahrscheinlich der Krieg«, fuhr ein Stawe dazwischen. »Wir Stawen sind auf dem Vormarsch, und jetzt steckt Josac in der Klemme!«

Das macht Sinn. Elde lächelte. Falls die Stawen tatsächlich hierher kamen, ergab sich möglicherweise eine Fluchtmöglichkeit. Mit jemandem wie mir können die sowieso nichts anfangen. Die interessieren sich eher für die großen Fische.

»Schwer zu sagen«, erwiderte Y-23. »Es ist hier leider sehr schwierig, an Informationen über die Außenwelt zu gelangen. Vielleicht werden die Stawen diesen Sternhaufen erobern, vielleicht aber auch nicht.«

Der Stawe grinste breit und entblößte eine Reihe weißer Zähne. »Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die ganze Galaxis überrennen. Und dann ist Schluss mit diesem bescheuerten Galaktarat.«

Dann weiß also niemand etwas Handfestes. Zu dumm.

Alle Anwesenden ignorierten den Stawen. Es hatte schon so viele politische Debatten gegeben, dass es keinen mehr interessierte. Ein jeder kannte die Vor- und Nachteile des Stawenreichs und Galaktarats. Aber den Krieg interessierte das nicht, der tobte einfach weiter.

Elde ging wieder. Er würde den Wachen in Zukunft besser zuhören. Vielleicht erfuhr er ja dann den Grund für ihre Unruhe. Vielleicht geht’s nur um eine Gehaltskürzung, und diese ganze Aufregung ist umsonst.

***

Forsch presste sie ihren Mund auf seine Lippen. Ihre Zunge tastete nach der seinen, so lange auf der Suche, bis sie eine andere Zungenspitze berührte. Neckisch spielten die Zungen miteinander, während sie ihm mit ihren Händen unter das Hemd fuhr und sich festkrallte. Langsam wurden die Küsse leidenschaftlicher, fordernder, fiebriger. Ihre Hände glitten tiefer.

Schon lange keinen Spaß mehr gehabt. War höchste Zeit …

Ihr Gegenüber fuhr zurück, löste sich aus der Umarmung.

»Ich kann das nicht«, wisperte er beschämt. »Nicht hier. Ich …«

»Was ist los? Bist du impotent, oder was?«

Der junge Soldat starrte sie baff an, die Lippen zu einem O geformt.

Na toll, Pevra! Jetzt hast du’s mal wieder geschafft, was? Pevra schluckte ihren Ärger hinunter. Die plumpe Wortwahl und das mangelnde Feingefühl hatten ihr wieder einmal einen Strick durch die Rechnung gemacht. Sie konnte von einem Jungen doch nicht erwarten, dass er diesen Umgangston verkraftete! Aber die barsche Sprechweise, die sie sich während ihrer Dienstzeit zu eigen gemacht hatte, hielt sich trotz ihrer Bemühungen beharrlich. Noch immer.

»Major, es ist nur so, wenn unsere Zellengenossen aufwachen, wie wird das dann aussehen?«

»Das wird dann so aussehen, als hätten wir viel Spaß miteinander«, flüsterte Pevra.

»Aber Major …«

»Ich habe dir schon tausend Mal gesagt, dass du mich Pevra nennen sollst. Ich bin nicht der Major. Hier bin ich ein Mithäftling, fertig.«

»Aber wenn die anderen sehen, dass ich mit einem Offizier …«

Pevra verdrehte die Augen. Aber das junge Gesicht ihres Gegenübers gaffte sie so verzweifelt an, dass sie beschloss, ihn zu verschonen. Der Kleine kapierte einfach noch nicht die Nutzlosigkeit seiner Scham und Hemmungen.

»Na gut. Aber Mott, du solltest in Zukunft darüber nachdenken, das Leben auszukosten. Es kann nämlich verdammt schnell zu Ende sein. Vor allem als stawischer Soldat.«

»Ja, äh, Pevra.«

Die Glutaugen blickten so unschuldig drein, dass sie ihm nicht mehr böse sein konnte.

»Du kennst dich da sicher besser aus. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie es mir nach fünfzehn Jahren Dienst gehen wird.«

Als der Junge sie an die Länge ihrer Dienstzeit erinnerte, fasste sie sich an die rechte Wange. Die Narbe hob sich deutlich spürbar von der Haut ab.

»Pevra?«

»Ja?«

»Warum hast du dir diese Narbe nicht wegmachen lassen?«

»Das ist eine lange Geschichte«, murmelte Pevra. Einen Moment lang blickte sie ins Leere, und erinnerte sich an damals, an den Tag in der Wüste. Sie gähnte. »Wir sollten jetzt schlafen gehen, Mott. Morgen wird ein langer Tag und wir wollen die anderen doch nicht wecken.«

»Ja, das stimmt. Gute Nacht, Pevra.«

Sie erhob sich und schlich zu ihrer Hängematte hinüber. »Gute Nacht, Mott. Und übrigens ‚tschuldige, dass ich dich impotent genannt habe.«

Der Junge zog eine Grimasse. »Das macht doch nichts.«

Pevra legte sich hin, schloss aber nicht sofort die Augen. Vorher fummelte sie noch ein bisschen an sich herum. Wenn sie keinen Mann zum Geschlechtsverkehr bewegen konnte, dann musste sie sich eben selbst um ihre Bedürfnisse kümmern.

So einfach war das …

Copyright © 2012 by Angela Fleischer

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Geheimnisse Fremder Welten” (GeheimnisseFremderWelten2.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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Vagabunden des Alls (Broschiert – Mai 2012)
von Angela Fleischer (Autor)

Broschiert: 200 Seiten
Verlag: fallen star; Auflage: 1 (Mai 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942322048
ISBN-13: 978-3942322041
Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 17 x 1,6 cm

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3010 nach Christus herrscht Krieg in der Milchstraße.  Jene, die früher Bürger zweiter Klasse waren, haben sich erhoben, um Ungerechtigkeit mit Grausamkeit, Arroganz mit Hass und Korruption mit Fanatismus zu vergelten. Doch inmitten einer fremden und zugleich vertrauten Galaxis existieren auch Lebewesen, die abseits der Schlachten und Gemetzel ihren Träumen folgen – vier Abenteurer, die sich aufmachen, um nach einem geheimnisvollen Raumschiffswrack zu suchen. Aber weh sei denen, die da denken, dass sie dem Krieg entfliehen können. Denn vom Krieg gibt es kein Entkommen. Es gibt niemals ein Entkommen.

Angela Fleischer wurde am 05.08.1986 in Wien als Tochter einer Französin und eines Österreichers geboren. Dort besuchte sie Volksschule und Gymnasium, um sich anschließend dem Studium der Chemie an der Uni Wien zu widmen. Sie hat drei Geschwister und eine Katze mit übernatürlich lauter Stimme. Ihre Lieblingsbeschäftigungen sind das Kochen, das Lesen und das Schreiben. Außerdem nimmt sie häufig an Turnieren des Sammelkartenspiels Magic, the Gathering, teil. Nicht so gerne befasst sie sich mit dem Aufräumen ihrer Wohnung, sodass diese zyklisch in einen Zustand gerät, der nur als apokalyptisches Chaos beschrieben werden kann …

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