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Literatur-Blog

DAS TRAUMMÄDCHEN 2 – Eine Fortsetzung von Christa Kuczinski

DAS TRAUMMÄDCHEN 2

Eine Fortsetzung

von

Christa Kuczinski

Zum 1. Teil von Felis Breitendorf

Ich wachte in einem sterilen Krankenzimmer auf und hatte plötzlich mehr als ausreichend Zeit, um über die zurückliegenden Ereignisse nachzudenken.

Bevor es zum Eklat gekommen war, erschien mir die Möglichkeit, die Entwicklung auf dem Gebiet der virtuellen Realität kostenlos zu nutzen, durchaus reizvoll.

Vor mehr als zwanzig Jahren hatte ich meinen 18. Geburtstag, in Gesellschaft einer Flasche billigen Fusels verbracht.

Durch das großzügige Angebot der Firma, war in mir der Gedanke gereift, das meine pubertierenden Wünsche von damals endlich in Erfüllung gehen könnten. Nur aus diesem Grund hatte ich mich überhaupt auf dieses Experiment eingelassen.

Dass es sich bei mir, ebenso wie bei zehn weiteren Bemitleidenswerten, um einen Probanden handelte, an denen die neue Technologie getestet wurde, kam mir zum damaligen Zeitpunkt nebensächlich vor.

Niemand hatte mich darauf hingewiesen, dass dieses Programm noch in den Kinderschuhen steckte.

Die perfekte Feier im Kreise meiner Freunde, von denen ich keinen einzigen wiedererkannte und das dazu gebuchte Blind-Date, das anders verlief als erhofft, ließ mich erkennen, dass etwas schrecklich schiefgelaufen war. Meine Illusion hatte sich ebenso wie das Computerprogramm verselbstständigt.

Mich nach einer durchzechten Nacht freiwillig in die Nähe eines Friseurs zu begeben, um meiner vermeintlichen Traumfrau einen geschmacklosen Haarschnitt und darüber hinaus ein unattraktives Äußeres zu verpassen, war ein weiteres Indiz für einen schwerwiegenden Systemfehler gewesen.

Und dennoch ließ ich mich zum Ende hin auf einen zweifelhaften one-night-stand ein, den zu buchen, mir im Vorgespräch abgeraten worden war.

Vermutlich war dies der Auslöser einer Kettenreaktion, die leider nicht nur den Zentralcomputer, nach einer langen Reihe von Fehlfunktionen, abstürzen ließ.

Im Nachhinein fiel mir nur eine mehr als dürftige Erklärung dazu ein.

Mein Geist musste sich in einem künstlich erzeugten Dämmerschlaf befunden haben.

Denn zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs war ich unfähig einen klaren, gar konstruktiven Gedanken zu fassen, oder meinen schwächlichen Körper unter Kontrolle zu halten.

Zugegeben, unter einem gestählten Körper stellte ich mir etwas anderes vor.

In jungen Jahren hatte ich die muskelbepackten, nackten Oberkörper und die Sixpacks, die einem inklusiv strahlend weißer Zähne, von jedem Plakat, an jeder verdammten Ecke in der Stadt entgegen sprangen, wirklich beneidet.

Zu dieser Kategorie Supermann gehörte ich jedoch nie. Dennoch fühlte ich mich im Moment der Vereinigung, mit Ina, diesem Wesen, diesem Traum weiblicher Verführung, wie jene, die, wenn auch nur für kurze Zeit, die Aufmerksamkeit und das Interesse des anderen Geschlechts auf sich zogen. Schon damals hatte man die Sehnsüchte und Träume der Menschen effektiv genutzt, um daraus bestmöglichen Profit zu schlagen.

Meine Gedanken schweiften erneut zurück zu diesem verhängnisvollen Morgen, mit Grauen aber auch einer gehörigen Portion Trotz.

Inas geschmeidiger Körper, die Wärme ihrer glatten Haut, die Verheißung in ihrem feurigen Blick, das alles konnte und wollte ich nicht vergessen, war es das einzige, was mir geblieben war. Hin und wieder, wenn ich mir meiner ausweglosen Situation bewusst wurde, öffnete ich die beschädigte Datei, um einen schmachtenden Blick auf ihre unscharfe Kopie zu werfen.

Eine junge Frau beugte sich über mein Bett, verdeckte mit ihrer schlanken Figur, die in einem enganliegenden weißen Kittel steckte, das kleine Fenster meinem Krankenbett gegenüber und blockierte so den schwachen Sonnenstrahl, der jeden Morgen um die selbe Zeit über meinen nutzlosen Körper wanderte, wie um dessen irreparablen Schäden zu scannen.

„Herr Lehme?“, wie aus weiter Ferne drang die nachsichtige, sanfte Stimme in mein Bewusstsein und katapultierte mich mit einer Härte, an die ich mich wohl nie gewöhnen würde, in die graue Realität zurück.

Ich blinzelte ins grelle Licht des aufziehenden Morgens, dem ich nichts Positives abgewinnen konnte. Zeitgleich schloss sich die Datei mit einem lauten Knall, der unangenehm in meinem Kopf widerhallte.

Langsam hob ich die Hand einige Zentimeter über das faltenlose, gestärkte Laken. Mit äußester Konzentration bewegte ich jeden einzelnen Finger, was auf Außenstehende wie eine aus der Starre erwachte Spinne wirken musste, in dessen Netz ich mich verfangen hatte.

„Herr Lehme. Die Firma WRRRLLOBBS expandiert und hat sich großzügigerweise dazu bereit erklärt, Ihnen ein weiteres Angebot zu unterbreiten.

Sehen Sie es einmal von der positiven Seite. Ebenso wie bei diesem Projekt; mit Hilfe der modernen Technologie, den Menschen Urlaub von dem eigenen Ich zu ermöglichen, könnten Sie erneut einer der Vorreiter sein, der in einen erholsamen, eisigen Tiefschlaf versetzt wird. Durch diese Maßnahme ist es uns möglich, ihre Nerven und Synapsen wiederherzustellen. Vermutlich wird ihr limbisches System danach einige Schwachstellen aufweisen, doch diesem Umstand, messen wir keine große Bedeutung bei.“

Ich hörte ihr kaum zu, denn so langsam kam mir der Verdacht, dass es mehr, weitaus mehr Menschen gab, die diese mehr als fragwürdige Firma bereits in Anspruch genommen und sich der darauf folgenden Rehabilitation unterzogen hatten.

-Ende-

Copyright (C) 2012 by Christa Kuczinski

Bildrechte: “Virtuelle Welten” (http://sfbasar.filmbesprechungen.de/wp-content/uploads/virtuelle-welten-cover.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

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9 Comments

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  1. Also Christa hat eine Story von Felis Breitendorf von 2010 hier fortgesetzt. Was sagen unsere Communityautoren dazu, gelungen?

  2. Für mich hat Christa hier eine extreme Themenwende vorgenommen. Der Text von Felis hatte was echt persönliches, Christa schreibt dagegen ziemlich statisch in Richtung Kritik an VR-Modellen. Ist bestimmt nur ein Zufall, dass die Neuverfilmung von „Total Recall“ gerade in die Kinos kam? 😉 http://www.total-recall-film.de/

  3. Hi Irene,

    ja es ist ein Zufall, allerdings könnte es durchaus sein, dass er mich indirekt beeinflusst hat. 😉

  4. Nö, ich meinte die Urversion, die ich vor zig Jahren gesehen habe. 😉
    Hat jemand von euch vor, die Neuverfilmung im Kino zu sehen?

  5. Ich habe jetzt nochmal beide Versionen hintereinander gelesen und denke, dass es von diesen Beiden eine weitere Fortsetzung geben sollte, die aber in eine völlig andere Richtung gehen sollte. So jedenfalls sollte das alles nicht enden. Was meinen die Autoren zu diesem Vorschlag?

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