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Literatur-Blog

SCHÄUFELE AUF ALIEN-ART – Science-Fiction-Story – mit Rezept – von Cameo Flush

Erstellt von Galaxykarl am Sonntag 24. Juli 2011

SCHÄUFELE AUF ALIEN-ART

Science-Fiction-Story – mit Rezept

von

Cameo Flush

„Liebe Freunde galaktischer Kochkunst, herzlich willkommen hier bei unserem alljährlichen Kochwettbewerb auf Sagittarius V!

Vielleicht haben schon einige von Ihnen von dieser neu entdeckten Spezies – den Menschen – am Arsch der Milch-stra-ße gehört. So nennen diese seltsamen Wesen unsere Spiralgalaxis. Entschuldigung, aber an dieser Stelle muss ich immer lachen. Diese Hominiden halten sich doch tatsächlich für die Spitze der biologischen Entwicklung. Hahahaha! Aber egal, das wird sich bald ändern.

Nun, für die Wenigen, die mich nicht kennen sollten oder für die Wesen, die vielleicht noch nie an Kochen oder gar über einen Koch-Wettbewerb nachgedacht haben, hier meine offizielle Vorstellung:

Mein Name ist Mmhshalabbri-5 und ich stamme hier aus dem Zentrum für intergalaktische Küche. Meine Existenz wurde vor 182 Sonnenumläufen downgeloadet und ich darf von mir behaupten, alle bekannten und unbekannten Rezepte in meinen Speichern zu tragen. Und letztere Kategorie wird nun um eine ganze Reihe neuer, aufregender Gerichte erweitert. Ich hatte die Gelegenheit und die große Ehre, als einer der ersten VR-Koch-Avatare auf diesem kleinen Planeten der Menschen – hihihi, diese einfachen Gemüter nennen sie schlicht Er-de – die wichtigsten kulinarischen Erfahrungen machen zu dürfen.

Selbstverständlich haben mein Team und ich alle Zutaten meines Rezeptes auf Verträglichkeit aller Galaktikervölker – und insbesondere der Jurymitglieder – getestet. Mit Stolz kann ich verkünden, dass diese Menschen eine recht einfache Grundbiologie aufweisen, die selbst die verschiedensten Mägen und Verdauungssysteme der Galaktiker-Gemeinschaft ohne Weiteres vertragen. Ob Sie – ja Sie, das Publikum – die menschlichen Gerichte aber als schmackhaft, eventuell sogar als delikat bezeichnen werden, überlasse ich Ihren Gaumen. Oder was immer Sie an Geschmacksorganen besitzen mögen, hahaha.

Bevor ich jedoch mit meinem Koch-Beitrag beginne, möchte ich Sie kurz einstimmen auf diese neue Spezies: Sie haben eine glatte Haut und nur sehr wenig Fell. Ganz erstaunlich ist die Tatsache, dass manche Exemplare recht borstige, dafür aber sehr vereinzelte Haare tragen. Andere dagegen besitzen viel mehr Fell, dafür aber deutlich feiner. Sehr seltsam. Außer einem recht hässlichen Kopf aus dem zwei – tatsächlich nur zwei! – Augen dümmlich glotzen, tragen sie mitten im Gesicht ein Riechorgan mit ebenfalls zwei Atemöffnungen. Diese Nase ist rund geformt; fast so wie die eleganten Rüssel der Baldoorianer. Weiterhin haben diese Menschen vier Extremitäten, auf denen sie sich mehr oder weniger geschickt vorwärtsbewegen. Den Abschluss bildet ein – in der Regel -spiralig geringelter Schwanz, über dessen Funktion unsere Exobiologen noch rätseln. Der ganze Körper dieser Menschen ist aber das Erstaunlichste an ihrer Erscheinung: Es gibt in nämlich in Hunderttausenden, ja vielleicht sogar Millionen Varianten. Bei unserem ersten Besuch haben wir kein Exemplar gefunden, das exakt einem anderen glich.

Doch nun zurück zu unserem Koch-Wettbewerb. Auf der Suche nach einem siegverdächtigen Gericht stieß ich bei einem kleinen Volk auf der nördlichen Hemisphäre auf einen Begriff, der alleine schon beim Aussprechen meine virtuellen Verdauungssäfte zum Sprudeln bringt: Schäu-fe-le! Ich betone diese kulinarische Rarität deswegen so besonders, da sie von den Einheimischen mit einer schon fast religiös zu nennenden Ehrfurcht ausgesprochen wird. Im gleichen Augenblick, als ich dieses Wort hörte, wusste ich: Das ist mein Sieger-Rezept!

Bitte stellen Sie also Ihre sämtlichen sensorischen Systeme auf höchste Sensibilität und ich verspreche Ihnen eine Überraschung. Selbstverständlich dürfen Sie wie gewohnt Downloads dieser Präsentation vornehmen und vor allem ihre Geschmackstransmitter auf vollen Empfang schalten. Viel Vergnügen!

Ich beginne mit der natürlichen Umgebung, in der wir das Rohmaterial für Schäufele angetroffen haben. Es war an einem Meeresstrand mit feinstem weißen Sand. Am Ufer wälzten und sonnten sich die Tiere, die den Hauptbestandteil des Gerichtes bilden. Wie gesagt, die körperliche Differenziertheit auf diesem kleinen Planeten, der übrigens von den Menschen Terra genannt wird, ist äußerst vielseitig. Auch diese Tiere am Strand spiegelten diese Vielfalt wider. Manche Exemplare hatten helle, fast weiße Haut, andere hatten Brauntöne in allen Schattierungen und wieder andere besaßen rote, strahlende Flecken, die seltsam mit der weißen Haut kontrastierten.

Wir fingen ohne Probleme eines dieser Tiere und wunderten uns nur kurz, dass es weder einen kurzen noch einen geringelten Schwanz aufwies, sondern eher einen gestreckten, an dem zwei kleine Kugeln hingen. Doch das ist für die Zubereitung von Schäufele nicht relevant. Denn das leckerste Teil dieses Tieres stellt das Fleisch rund um die Schulterknochen dar, von denen es – wieder einmal – zwei besitzt. Das Tier zappelte zwar etwas, als wir es betäubten, schließlich sind wir ja keine Barbaren, aber ein wirklich seltsamer Laut ließ uns kurzfristig innehalten. Er klang irgendwie so ähnlich wie: „Naaaainnn!“ Aber ich kann mich auch täuschen. Wie gesagt, unsere Exobiologen sind zurzeit mit der Klassifizierung noch schwer beschäftigt.

Man trennt also zwischen Halsansatz und Körper die Schulter vom Rest und entfernt anschließend die wenigen Fellteile. Das Blut sollte nicht völlig auslaufen, denn sonst verliert das Fleisch seine Saftigkeit. Das von uns ausgewählte Exemplar wies eine ausreichend dicke Fettschicht auf, die sehr wichtig für den perfekten Abschluss des Gerichtes ist. Doch dazu später mehr. Es war richtig lustig anzusehen, wie das Exemplar versuchte, mit seinem fetten Leib dem Jagdteam zu entkommen. Es erhob sich sogar unter kräftigem Schnauben auf zwei seiner Extremitäten und wollte sich ins Meer retten. Wahrscheinlich seine eigentlich natürliche Umgebung. Unsere Forscher vermuten, dass diese Unterart gerade dabei ist, den endgültigen Schritt vom Meer aufs Land zu vollziehen. Ach, wie war das aufregend.

Doch weiter mit der Zubereitung. Und ich bitte Sie nun um allerhöchste Aufmerksamkeit. Anstelle die natürliche Frische zu erhalten, wird das Schäufele nicht roh genossen, sondern es wird erhitzt, ja richtiggehend verbrannt! Die Menschen setzen dieses wunderbare Stück Natur echtem Feuer aus. Und dies nicht nur wenige Zeiteinheiten lang, sondern sage und schreibe 5 Priklacks! Um die Exotik noch zu steigern, muss das gute Stück alle halbe Priklacks mit der austretenden Flüssigkeit übergossen werden. Sollten Sie diesen Schritt vergessen, werden Sie am Ende ein vertrocknetes braunes Stück Kohle auf dem Teller liegen haben. Der wahre Kenner macht dazu aber noch Folgendes: Die möglichst dicke obere Fettschicht wird in Rauten eingeschnitten. Nur Barbaren und Kulturbanausen schneiden Rechtecke – oder noch schlimmer: Quadrate. Wagen Sie es niemals, Ihren Gästen solch verhunzte Schäufele aufzutischen. Damit gewinnen Sie keinen Kometen am blauen Band!

Während der Garzeit des Fleisches – und bitte nicht das Übergießen vergessen!  -, können Sie sich mit den Beilagen des Gerichtes beschäftigen. Absolut zwingend – und ich meine das todernst – ist es, runde weißlichgelbe Bodenknollen zu servieren, die man vorher geschält, in feine Fasern zerrieben und – halten Sie sich fest – ge-schwe-felt hat. Sollten Sie diesen Schritt vergessen, werden diese Knollen eine ungesund grünliche Farbe annehmen. Sie müssen die geschwefelte Masse zu faustgroßen Kugeln formen und in kochendes Wasser werfen. Für etwa ein Zehntel der Zeit, die Sie für das Fleisch benötigen, verbleiben diese Kugeln im heißen Wasser. Sie sehen also, diese Terraner kennen den Begriff Zeitmanagement.

Der Perfektionist unter Ihnen reicht zu Schäufele mit Bratensaft und den Knollenkugeln noch Vegetarisches. Hier gibt es wiederum eine Vielfalt an grünem Zeug, was auf Terra an jeder Ecke wächst. Im krassen Gegensatz zu dem angebrannten Fleisch, den in kochendes Wasser gestürzten Knollenkugeln, wird die vegetarische Beilage roh verzehrt. Ich habe beobachten können, wie Einheimische zwei verschiedene Flüssigkeiten darüber gegossen haben. Wahrscheinlich dient es dazu, das ansonsten recht trockene Blattwerk durch den Schlund in die Verdauungssysteme zu transportieren.

Und nun zum Schluss die Krönung und sozusagen die finale Kontrolle, ob Ihr Schäufele gelungen ist oder nicht: Die rautenförmig eingeschnittenen Fettteile sollten am Ende der Garzeit einen Farbton angenommen haben, der zwischen Hell- und Dunkelbraun liegt. Der Fachmann nimmt ein Besteck und klopft damit auf eines dieser Rautenteile. Ist es perfekt, muss es sich hart anhören. Im Munde soll es beim Kauen krachen. Daher nennt man diese Teile auch in Fachkreisen Krachele.

Natürlich haben mein Team und ich auf Terra eine Weile gebraucht, um dieses Gericht in allen Details korrekt zubereiten zu können. Und glauben Sie mir, es waren etliche Versuche nötig, um die vorgeschriebene Konsistenz aller Bestandteile zu erzielen. In unserer Verbundenheit gegenüber diesem neuen Mitglied unserer großartigen galaktischen Gemeinschaft haben wir natürlich auch mehrere der Einheimischen eingeladen, um an diesem von uns zubereiteten Festmahl teilzunehmen.

Als wir jedoch die Hauben unsere Servierplatten hoben, stießen viele wieder diesen komischen Laut aus, den auch das Tier von sich gab, als wir es fingen: „Naaaainnn!“

Nun ja, wir wissen ja aus Erfahrung, dass es nicht leicht ist, eine neue Spezies – und dazu noch eine recht primitive – in unsere Gemeinschaft aufzunehmen. Wie auch immer: Ich wünsche Ihnen guten Appetit!“

Die Zutaten:
- Ein möglichst frischer Terraner mit ausreichender Fettschicht
- Ein Korb voll Bodenknollen, Klasse festkochend
- Diverse rohe Vegetationsexemplare, sortenrein oder gemischt, je nach Geschmack
- Zwei Flüssigkeiten; eine davon sehr schmierig, die andere verursacht pur genossen Schütteln
- mehrere Gewürze, ich empfehle hier, die heimischen zu verwenden
Vorbereitung:
Das schwierigste ist die richtige Produktauswahl. Achtung: Fluchtgefahr
Gesamtzubereitungsdauer:
5 Priklacks

Ende

Copyright © 2011 by Cameo Flush

Buchtipp des Autors:

Ringlein, Birgit
Apfelkiechla und Zwiebelblootz

Die besten fränkischen Spezialitäten

Foto(s) von Pump, Günter
Verlag :      Husum Druck- und Verlagsgesellschaft
ISBN :      978-3-89876-323-3
Einband :      gebunden
Preisinfo :      9,95 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 18,00 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Seiten/Umfang :      96 S., zahlr. farb. Abb.
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      2. Aufl. 03.2011

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Bodenständig ist das Essen in Franken, deftig und lecker. Ob Fleisch, Fisch, Gemüse oder Süßspeisen, die Gerichte sind immer reichhaltig. Aus der Vielfalt traditioneller fränkischer Küche hat Birgit Ringlein die besten Rezepte ausgewählt: Von Weinsuppe und der andernorts schon fast exotisch anmutenden Maronisuppe über Eintöpfe und deftige Hauptgerichte wie Würzburger Fuhrmannsbraten und Bamberger Bierzwiebel reicht das Repertoire. Der Schwerpunkt liegt auf der kunstgerechten Zubereitung von traditionell Bewährtem und Geliebtem. Auch Gemüse wie „Krehgmies“ oder „Sauergraud wie bei da Oma“, die in der fränkischen Küche unentbehrlichen „Gleeß“ (Klöße), Nachspeisen wie Kirschenmichel oder Apfelstrudel im Blätterteig und Rezepte für eine zünftige Brotzeit machen schon beim Lesen Appetit. Im Kapitel „Gebäck“ findet man u. a. den Klassiker „Elisenlebkuchen“ und die Dinkelsbühler Schneckennudeln. Zu den einzelnen Gerichten gibt die Autorin Getränkeempfehlungen, und im Bier- und Weinland Franken haben natürlich auch Rezepte für Warmbier und „Kirschglüher“ ihren selbstverständlichen Platz. Wer fränkische Spezialitäten gemütlich zu Hause bei einem Bocksbeutel oder zünftigen Bier genießen möchte, der wird hier garantiert fündig.

Birgit Ringlein, geb. 1956 in Bayreuth, lebte lange Zeit unter anderem in den USA und in Tunesien, wo sie als Geschäftsführerin arbeitete. Im Jahr 2000 kehrte sie nach Bayreuth zurück und ist seitdem als Lehrstuhlsekretärin bei der Universität Bayreuth beschäftigt. Einige Zeit war sie Vorstandsmitglied der Uni-Gourmets e.V. Bayreuth. Die begeisterte Hobby-Köchin widmet sich in ihrer Freizeit dem Schreiben von Koch- und Backbüchern.

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5 Kommentare zu “SCHÄUFELE AUF ALIEN-ART – Science-Fiction-Story – mit Rezept – von Cameo Flush”

  1. jademond sagt:

    Ich schließe mich lautmäßig dem gefangenen Tier an : „Naaaainnn!“ *lach*

  2. Galaxykarl sagt:

    Hallo zusammen, hier mein Buchtipp. Und der ist sogar brandaktuell (März 2011):
    http://www.amazon.de/Apfelkiechla-Zwiebelblootz-besten-fr%C3%A4nkischen-Spezialit%C3%A4ten/dp/3898763234/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1311519936&sr=1-1

    Mit fränkisch-galaktischen Grüßen
    galaxykarl ;-)

  3. Detlef Hedderich sagt:

    Buchtipp eingearbeitet, gebt mir mal Bescheid, ob ok so und wie der Titel zur Story passt und ob Euch das Buch tangiert!

  4. Detlef Hedderich sagt:

    Köstlich! Im waren Sinne des Wortes! Kann es was leckereres geben auf Sagittarius V? :) Ich hoffe, es gibt demnächst eine Fortsezung, der der die weiteren diplomatischen Bezihungen mit diesen Bewohnern von Terra beschrieben wird?

  5. Micha sagt:

    Au weia, das ist schwarzer Humor von der pikanten Sorte! Es ist ja wirklich gut geschrieben, aber trotzdem gruselt’s mich bei dem Rezept.

    Gibt es nicht einen Gruselfilm, in dem auch solche Rezepte zubereitet werden? Kennt den jemand? Ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern.

    Mir ist da ein “saumäßiges” Schäufele lieber ;-)

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