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Literatur-Blog

PREISRÄTSEL / GEWINNSPIEL: 10 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Unsere Welt 2050 – Herausgegeben von Brendle, Christine

Unsere Welt 2050

Herausgegeben von Brendle, Christine
Verlag :      Brendle, Christine
ISBN :      978-3-9812497-5-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,50 Eur[D] / 12,90 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 22.09.2010
Seiten/Umfang :      ca. 175 S. – 20,5 x 12,5 cm
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 17.09.2010

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„Sie grinst, denn sie ist von ihrer „neugewonnenen Unmenschlichkeit“ begeistert, ja geradezu ergriffen. Ihre Eltern waren damals entsetzt, als sie von ihrem Vorhaben erfuhren. Etwas ungewohnt ist es ja schon, als ihre Zunge zum ersten Mal die neuen spitzen Zähne spürt. Schmerzen hat sie keine. Da ist nur dieses Gefühl, dass ihr Körper an unzähligen Stellen seine Form verändert hat. Der Eingriff ist inzwischen Routine, denn nicht wenige folgen inzwischen diesem Schönheitsideal, wenn auch aus anderen Gründen …! Langsam werden ihr unter Aufsicht eines Arztes alle Verbände abgenommen. Das Gehör würde sich in den nächsten Tagen noch wesentlich verbessern, meint er. Ihre Hände stecken noch in den „postoperativen Gelhandschuhen“, bevor sie vom Arzt geöffnet werden. Zunächst ist nichts Ungewöhnliches zu entdecken. Die Nägel sind sogar noch etwas kürzer geschnitten als vorher. Doch als der Arzt mit seinem

Daumen zwischen Elle und Speiche drückt, fahren ihr hellbraune Krallen aus den Fingerspitzen! Ihre Mutter darf dabei sein und sie gerät in Verzückung. Sie bewundert die Schönheit ihrer Tochter, und vor allem gefallen ihr die Schnurrhaare …

„Kitty“ ist eine von jenen Geschichten, die im wahsten Sinne des Wortes unter die Haut gehen. Auf diesen wenigen Seiten (die das Potential für einen Roman besitzen!) lässt Kristina Kesselring eine sehr eindringliche Zukunftsvision entstehen. Diese wirkt keinesfalls statisch kühl, sondern beängstigend realistisch. Kitty ist nicht nur technisch-utopische Fiktion, sondern wirkt wie der winzige Ausschnitt einer „real existierenden“ Zukunft. Die Autorin beschreibt die Situation in einer natürlichen Selbstverständlichkeit und über jeden Zweifel erhaben. Es scheint also gar keine Geschichte zu sein, sondern Wahrheit in einer gar nicht mal so weit entfernten Realität!

Einer überaus düsteren und beängstigenden Vision begegnen wir in „Morgen bist du ein anderer“, dem Gedicht von Dr. Klaus-Peter Walter. Da liegt es, „das Ding“. An Maschinen angeschlossen. Es lebt noch, das Gehirn in der Salzlösung …! Wer vermag sich dieses entsetzliche Grauen auch nur annähernd vorstellen? Nichts hören, nichts sehen, nichts fühlen … ja nicht einmal schreien können? Nur noch „Sein“ und einem wissenschaftlichen Zweck dienlich sein?

Auch Rebecca Schick sieht mit Sorge in die Zukunft. Jede Individualität wird durch Technologie vernichtet. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt auf 115 Jahre. Unsere Nahrung wird von Computern zusammengestellt und optimiert. Krankheiten treten eher selten auf. Wir sind alle topfit … doch haben nichts mehr zu tun, da uns Maschinen alles abnehmen. Selbst Reisen entfällt, weil man sich an jeden beliebigen Ort „beamen“ lassen kann. Den Menschen geht es „körperlich“ gut, doch eigentlich sind sie in so einer Welt komplett überflüssig. Es bleibt nur noch die systematische Verblödung .welche Stephanie Längl in ihrer Geschichte „85 Jahre Eis“ auf die Spitze treibt! Sean wacht nach 85 Jahren Kälteschlaf auf. Niemand scheint im Labor zu sein. Er flüchtet, denn schnellstens möchte er in die Zivilisation zurück. Doch eine solche scheint es nicht mehr zu geben. Seine Stadt erstickt im Müll und die Bewohner in geistiger Umnachtung! Noch negativer sieht Keith Petri mit „Wie wird es den Menschen im Jahr 2050 gehen“ in die Zukunft …

Auch die anderen Autorinnen und Autoren haben eine Menge zu bieten und beschäftigen sich auf sehr kreative Art und Weise mit dem gegebenen Thema. Manchmal mehr, manchmal weniger komplex. „Miteinander“ von Brigitte Rippe spendet Hoffnung auf eine positive Entwicklung, Gernot Erler weiß in „Poesie 2050“ über die künftige Bedeutung von Poesiealben zu berichten, andere erzählen über die längst realisierte Stromerzeugung in der afrikanischen Wüste, erklären was ein Internet-Psychiater ist, wie Finnisch zur Weltsprache wurde oder stellen uns eine Oma vor, die ihrer Enkelin beibringen will, was ein Buch ist!

Der Rezensent bedauert ausdrücklich, nicht jeder einzelnen Autorin und jedem einzelnen Autor die notwendige Erwähnung schenken zu können. Doch niemand geht in dieser außerordentlich lebendigen Anthologie unter, dem gemeinschaftlichen Projekt von Verlegerin Christine Brendle und Lehrer Bertram Weber sowie seinen 14 Schülern des Seminarkurses 2010 an der Walter-Groz-Schule Ebingen. Unzählige Arbeitsstunden und viel Herzblut haben die hochmotivierten Schülerinnen und Schüler schon in der Planungsphase des Projektes investiert und waren somit von der Idee bis zum fertigen Buch aktiv in den Entstehungsprozess eingebunden. So teilten sie sich nicht nur Zuständigkeitsbereiche für Werbung/Akquisition, Texte sowie Druck-Buchblock-Layout, sondern auch für Kalkulation und PR-Arbeit! Schade nur, dass am Ende die Zeit nicht reichte, und somit einige Fehler, typografische Schnitzer und ein doppelter Text („Zukunftstraum“ gibt es gleich zweimal!) übersehen wurden. Allerspätestens hätte dies bei der Kontrolle der letzten Korrekturfahnen kurz vor Drucklegung auffallen müssen!

Diese zweifellos sehr unerfreulichen Tatsachen können mir aber das Gesamtbild nicht wesentlich trüben. Aus Fehlern soll man ja bekanntlich lernen, und die erste Auflage ist ja nicht die letzte Auflage! Ich würde in diesem Fall den Spieß sogar umdrehen und aus der Not eine Tugend machen, denn bevor die zweite Auflage erscheint, sollten sich alle Büchernarren einmal überlegen, ob sie mit dem Kauf eines Buches aus der ersten Auflage nicht eventuell ein wertvolles Unikat erwerben! Wer weiß, was ein Sammler für die Erstausgabe von „Unsere Welt 2050“ in vierzig Jahren zahlen würde!

„Unsere Welt 2050“ macht eines klar. Die Zukunft kann niemals bereist werden. Expeditionen in diese Richtung werden immer theoretisch bleiben, obwohl auch und gerade ich diese Gedankenexperimente immer wieder gerne durchgespielt habe. Doch etwas, was noch nicht existiert, kann nicht besucht werden. Die Zukunft ist noch nicht da, sie existiert noch nicht. Es sind wir Menschen, die sie erst noch gestalten und bauen müssen, und auf welch grundverschiedene Wege dies führen kann, zeigt dieses Buch. Trotz unterschiedlichster Ansätze stehen die Arbeiten in einem unsichtbaren Zusammenhang und bilden somit eine untrennbare Einheit. Sehr deutlich werden Ängste, aber auch Hoffnungen der Autorinnen und Autoren.

Boris Palmer sieht es positiv. Der „grüne“ Oberbürgermeister von Tübingen, Sohn des legendären „Remstalrebells“ Helmut Palmer, benötigt für seinen Ausblick lediglich eine halbe Seite. Dennoch sind seine Worte für ein Fazit in dieser Sache geradezu prädestiniert. 2050 würden ganz sicher sehr viele Windräder auf der Schwäbischen Alb stehen. Autos gäbe es keine mehr und die „Regionalstadtbahn“ würde im Zehn-Minuten-Takt fahren. Überall an den Bahnhöfen würden Leih-Farräder stehen. Ab 2010 seien die Erfolge im Klimaschutz sehr erfolgreich gewesen. Sehr glücklich wären darüber auch die Enkel der ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Walther-Groz-Schule in Ebingen, die 40 Jahre zuvor die gute Idee hatten, eine zukunftsweisende Vision für die Welt im Jahr 2050 zu entwerfen und zu leben.“
Thomas Lawall – August 2010

Leseprobe:

„Ich werde die Verbände jetzt lösen. Anfangs werden Sie die neuen Eindrücke verwirren, aber das wird sich legen … Sind Sie bereit?“
Ich nickte, ohne die Richtung erkannt zu haben, aus der der Arzt sprach. Vier Tage lang hatte ich die Verbände nun tragen müssen und war wohl zu Recht etwas desorientiert, immerhin bedeckte der Verband beinahe meinen ganzen Kopf. Ich fühlte den Druck als mir routinierte Finger die Verbandsklammern öffneten. Irgendwoher erschallte die Stimme meiner Mutter.
„Du musst keine Angst haben, Caterine. Mommy ist hier.“
„Weiß ich doch“, nuschelte ich nervös und automatisch fand meine Zunge die kleinen spitzen Zähne, die seit kurzem meinen Mund säumten. Ich hatte mich schon ein halbes dutzendmal geschnitten und die „PHE’s“ der Klinik kamen gar nicht damit nach, mir Wundkleber mit Erdbeergeschmack zu bringen. Meine Zunge war rauer als zuvor, doch das war nicht unangenehm. Auf das Ziehen um mein Zahnfleisch, dort, wo mir die neuen Zähne gewachsen waren, hätte ich dagegen gerne verzichtet. Meine Mutter legte unterdessen ihre schmale Hand auf meine Schulter und drückte zu, als bräuchte ich jemanden, an den ich mich, wegen der schrecklichen Schmerzen, klammern könnte. Mal abgesehen davon, dass mir klammem momentan nicht möglich war, brauchte wohl meine Mutter gerade mehr Beistand als ich. Ich hatte keine wirklichen Schmerzen, nur diesen ständigen Druck und das Pulsieren an vielen Stellen meines Körpers. Es war, als wollte mein Leib die Grenzen, die ihm die Natur gesetzt und die ich nun erweitert hatte, noch mehr sprengen. Es hatte nicht halb so weh getan, wie ich angenommen hatte. Seit Jahren wurde dieser Routineeingriff durchgeführt, doch ich wusste, nur die wenigsten, die diesem Schönheitsideal folgten, hatten dieselben Gründe wie ich. Von alleine wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, mich so einem Eingriff zu unterziehen. Aber ich wollte es für ihn. Für uns. Samuel hatte mich gebeten, es nicht zu tun. Er würde mich auch so lieben, auch wenn wir nicht offiziell zusammen sein durften. Aber in diesem Punkt gab ich nicht nach. Wenn sie uns, so wie wir waren, nicht erlauben wollten, zusammen zu sein, dann musste es eben sein. Mein Menschsein war ein kleiner Preis für die Liebe. Als ich sagte, dass ich mich „splicen“ lassen würde, waren meine Eltern entsetzt. Sie fanden es unnatürlich und zu extrem. Warum ich mir nicht die Brüste vergrößern, oder ein Reflexionstattoo stechen lasse, fragten sie mich. Dabei tauschten sie über den Esstisch den typisch besorgten Blick, den man wohl erst nach 30 Jahren Ehe perfektioniert hat. Irgendwie verstand ich ihre altmodischen Bedenken. Immerhin waren sie beide Menschen und keiner von beiden hatte je mehr als gewöhnliche Nanoröhrenimplantate erhalten….

Wir danken dem Verlag und dem Rezensenten für die Veröffentlichungsrechte dieser Buchrezension und der Leseprobe!

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Preisrätsel 10 x 1 Exemplar: Wer ein Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Die vorliegende Anthologie ist ein gemeinschaftliches Projekt von Verlegerin Christine Brendle und Lehrer Bertram Weber sowie seinen 14 Schülern des Seminarkurses 2010 der Walter-Groz-Schule in welcher Stadt?  (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 100 richtige Mails eingetroffen sind, werden die Gewinner daraus gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! DIE GEWINNER LAUTEN: Annette Keller, Rolf Schuler, Angela Büscher, Alexandra Krug, Ivonne Ebertzen, Axel Dinc, Arzu Cupik, Anna Neher, Christina Bartoli und Daniel Cavs. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN AUCH UNSEREM SPONSSOREN UND ALLEN TEILNEHMERN!

Updated: 25. Februar 2011 — 18:58

4 Comments

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  1. Auch zu diesem Buch haben wir noch keine Buchrezenion auf buchrezicenter.de! Bitte meldet Euch bei Frau Christine Brendle vom Brendle Verlag, Sie läßt Euch gerne ein Besprechungsexemplar zukommen.

  2. Hallo Detlef,

    diese Buchvorstellng ist doch schon sehr umfangreich und aussagekräftig. Da wäre doch eine Rezi dazu äh … doppel gemoppelt.

    mgg
    galaxykarl 😉

  3. Felis Breitendorf

    Na, wenn doch einer Bock drauf hat?!

  4. DIE GEWINNER LAUTEN: Annette Keller, Rolf Schuler, Angela Büscher, Alexandra Krug, Ivonne Ebertzen, Axel Dinc, Arzu Cupik, Anna Neher, Christina Bartoli und Daniel Cavs. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN AUCH UNSEREM SPONSSOREN UND ALLEN TEILNEHMERN!

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