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NIEMAND KANN DICH MEHR RIECHEN! – Eine Science Fiction-Kurzgeschichte von Martina Müller (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2015 – gedrittelter Preis)

NIEMAND KANN DICH MEHR RIECHEN!

Eine Science Fiction-Kurzgeschichte

von

Martina Müller

(sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2015 – gedrittelter Preis)

(Zur vorherigen Story)
Zuerst waren es vereinzelte Erscheinungen: In irgend einer Ecke der bewohnten Welt brach die Seuche aus. Immer mehr Bewohner merkten, dass ihr Geruchs- und damit ihr Geschmackssinn verschwand. Das Ganze verbreitete sich über die komplette Welt. Daraufhin verloren die Bürger ihre Ambitionen auf schmackhafte Speisen und Getränke. Restaurants wurden geschlossen und die so beliebten Kochsendungen über das netzweite Fernsehen verschwanden eine nach der anderen. Die Auswahl in den Regalen der Märkte reduzierte sich zunehmend. Alle besonderen Geschmacksrichtungen an Speisen wurden nicht wieder aufgefüllt, nachdem sie ausverkauft waren. Von da an wurden vor allem Speisen aus Fetten, Kohlehydraten und zugesetzten künstlichen Vitaminen angeboten. Die Esskultur auf dem Planeten wurde immer ärmer. Das Essen und Trinken verkam zu einer eher lästigen Tätigkeit.

Ein Jahr später hatte sich die Welt total verändert: Die Bürger stopften ihre Pampe in sich rein und nahmen die Welt, wie sie nun war, so hin. Keiner konnte mehr etwas schmecken oder riechen. Das hatte auch zur Folge, dass sich kaum noch jemand richtig wusch. Das tägliche Duschen verschwand in die Vergangenheit, denn ohne Geruchssinn war es egal, ob man vor Dreck strotzte oder nicht. Hinzu kam, dass die Bürger anfingen, ihre Lust an der Sexualität zu verlieren. Ohne den Geruchssinn gab es keinen Anreiz mehr zwischen den Geschlechtern, sich um einen passenden Partner zu bemühen. Bislang passierte das weitgehend unbewusst über das Riechen. Die Sexualität verkümmerte derart, dass sich die Anzahl der Bewohner der Welt immer weiter reduzierte.

Zehn Jahre später waren so wenige übrig, dass es in vielen Teilen der Welt an Arbeitern fehlte, um eine moderne Welt aufrecht zu erhalten. Alles zerfiel nach und nach: die Städte, die Technik und auch die Moral litten darunter. Es kam zu Verrohungen unter den Bürgern, so dass das Militär auch innerhalb der Länder eingriff. Eine weltweite Ausgangssperre wurde verhängt und die, die sich nicht daran hielten, wurden getötet. Vielerorts hatten sich bereits primitivere Formen des Miteinanders etabliert, in welchen das Leben des Einzelnen noch weniger wert war.

Hundert Jahre später waren die meisten Bürger wilden Tieren ähnlich, da bei so wenigen Mitgliedern die Produktion von Nahrung nicht aufrecht erhalten werden konnte. Vielerorts kam es zu Kannibalismus und so manch einer schrecktê nicht mal mehr davor zurück, die wenigen Neugeborenen zu verspeisen, die noch geboren wurden. Man fraß die Kleinkinder sogar fast immer in rohem Zustand, weil das zarte Fleisch sich problemlos ohne Zubereitung verdauen lies.

Tausend Jahre später verschwanden so langsam alle Spuren einer Zivilisation, deren letzte Mitglieder schon vor mehren hundert Jahren ausgestorben waren.

***

Die Siedlerschiffe der BROTANI schwebten zu Tausenden über dem grünen Planeten. Die BROTANI besaßen eine sehr alte Tradition: Bereits vor über 250.000 Jahren hatten sie von ihrem Gott die Aufgabe erhalten, jedes Sonnensystem, das ihnen unter die Augen kam, von Ungeziefer-Planeten zu reinigen. Die letzten 100.000 Jahre hatte sich diese Tradition jedoch verändert: Die BROTANI setzen seitdem mehr auf die Ausbreitung ihrer Lebensform in der Galaxis. Planeten wurden annektiert, zu denen man vor tausenden von Jahren Untersuchungsschiffe entsendet hatte, deren KIs damit beauftragt wurden, einen Virus auszuschleusen, um die vorherrschende Lebensform des jeweiligen Planeten auszulöschen.

Der BROTANI bewegte seinen Rüssel und legte den Schalter um, damit alle Siedlerschiffe das OK bekamen, sich ein Gebiet auf dem Planeten auszusuchen und zu bevölkern. Anschließend löschte der Rüsselträger das Abbild der vor Tausend Jahren vorherrschenden Lebensform hier auf dieser Welt: das Abbild der Echse verschwand für immer vom Monitor …

-Ende-

Copyright (c) 2014 by Martina Müller

Bildrechte: Eingangsgrafik “Bunt Glühendes Fremdwesen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Coverillustration “Invasionsgeschichten1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER AUTORIN:

Die sexuelle Osphresiologie
Die Beziehungen des Geruchssinnes und der Gerüche zur menschlichen Geschlechtsthätigkeit
von Hagen, Albert


Fachbuchverlag Dresden
Medium:  Buch
Seiten:  300
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Januar 2014
Maße:  149 x 211 mm
Gewicht:  432 g
ISBN-10:  3956922336
ISBN-13:  9783956922336

Dr. Albert Hagen beschreibt in seinem Buch \“Die sexuelle Osphresiologie\“ die Beziehungen des Geruchssinnes und der Gerüche zur menschlichen Geschlechtstätigkeit. Einleitend stellt er die sexuellen Gerüche in der Pflanzen- und Tierwelt dar, erklärt dann die verschiedenen Arten der erotischen Gerüche bei Frau und Mann, Geruchsantipathieen, den \“Wohlgeruch der Heiligen\“, den Geruchsfetischismus, erwähnt berühmte Geruchsfanatiker, wie Emile Zola und Iwan Turgenjew, beschreibt die Ethnologie der sexuellen Gerüche, wie zum Beispiel den scharfen Geruchssinn der Massai, Chinesen und anderer Völker, die künstlichen Duftstoffe wie Parfüms und deren Bedeutung, sowie die sexuellen Gerüche in der Literatur. Nachdruck der Originalausgabe aus dem Jahr 1901.

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11 Comments

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  1. Keine Sorge, wird noch lektoriert!

    Ich hatte im TV einen Wissenschafts-Talk über die evolutionäre Wichtigkeit des Geruchs- & Geschmackssinn gesehen. Daher habe ich die Idee bekommen. Ich habe diese Story als eine Art Fortsetzung zu einer anderen Geschichte von mir verfaßt, Weiß jemand welche? 😉

    Ausserdem habe ich einige Feinheiten eingebaut, die vor allem die SF-Leser unter Euch endecken dürften. Schon entdeckt?

    Da dieser beitrag nicht im Storywettbewerb steht, würde ich mir wünschen, Eure Meinungen zu hören, vor allem aus sicht der SF-Leser. Was meint Ihr?

  2. Super Idee, weiter so.

  3. Ab sofort liegt hiermit die überarbeitete Fassung vor. Vielleicht fühlt sich ja jemand berufen, das Teil nach noch unentdeckten Fehlern abzuklopfen.Wäre sehr nett. 🙂

  4. Habe ein paar kleinere Fehler korrigiert. Es ist der ein oder andere Schachtelsatz enthalten. Die solltest du vielleicht auseinander nehmen. Davon abgesehen eine gute Story. Hat mir gefallen. 🙂

  5. Vielen Dank fürs Korrigieren. Jetzt weiß ich aber nicht, ob du nach oder vor dem Bearbeiten tätig wurdest. Soweit ich weiß, hat die Lektorin diese Schachtelsätze aufgelöst in einzelne Sätze. Wenn jetzt noch was da sein sollte, ist das eine neue Aufgabe für die Lektorin, mir ist nämlich nichts mehr aufgefallen, ist auch nicht so mein Ding, diese endlosen Überarbeitungen, nach dem vierten oder fünten Mal schaltet nämlich mein Gehirn einfach aus und läßt sich auch nicht wieder einschalten! 😉

    Da ich die BROTANI bereits vor 100.000 Jahren die Erde vernichten ließ, habe ich die beiden Storys mal miteinander verbunden, auch wenn eine riesige Zeitspanne dazwischen liegt. Ich hoffe es wurde klar, daß es sich bei diesem Planeten nicht um die Erde handelte und die Bürger dieser Welt keine Menschen waren, sondern intelligente Reptilien. Wurde das denn wirklich klar?

    Vielen Dank jedenfalls Günther, für dein Lob. Das tut sicher jedem Autoren gut, auch wenn ich nicht so das Überarbeitungsass bin und eher Freude am Ausspinnen von solchen Idee habe und bei der Form mich eher bei den sehr kurzen Storys wohl fühle … 🙂

  6. Waren nur kleinere Rechtschreibfehler wie Buchstabendreher, „ss“ und falscher Buchstabe. Also nichts Wichtiges und kaum der Rede wert. Inhaltlich würde ich nichts ohne Rücksprache ändern, keine Bange. 🙂

    Das mit dem Planeten wird auf jeden Fall klar.

  7. Finde ich toll, die Story! Martina, dir scheinst diese Form der Science Fiction Literatur und auch die vorliegende Struktur und Länge der Geschichten ziemlich zu liegen. Weiter so, ich lese solche Pralinen im Meer der Süßigkeiten sehr gerne! 🙂

  8. Apropo Süßigkeiten, wo bleibt eigentlich mein Tee? 😉

  9. Und übrigens: ich finde es toll, dass auch solch kurzen Dinger eine Chance auf einen Gewinn haben! 🙂 Und mit kurze Dinger meinte ich nicht die Autorin oder ihre Beine etwa! 😉

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