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VON HARTER HAND GEFÜHRT – eine Kurzgeschichte von Detlef Hedderich (sfb-Preisträger Platz 2 im Storywettbewerb 4/2012)

VON HARTER HAND GEFÜHRT

eine

Kurzgeschichte

von

Detlef Hedderich

Ich hatte es endlich geschaft und mich zum Geschäftsführer hochgearbeitet. Siebzehn lange harte Jahre hatte ich dafür gebraucht. Endlich. Ich genoß es wirklich durch „meine“ Firma zu streifen und meine Mitarbeiter allein mit meiner Anwesenheit auf ein vielfaches ihrer sonstigen Arbeitgeschwindigkeit zu beschleunigen. Ich führte die Firma im lezten Jahr zu einem einzigartigen Erfolg. Wir hatten an der Börse um 3 Punkte zugelegt im letzten Quartal. Das war vor allem meiner harten Hand, meinem Führungstil zu verdanken.

Deshalb sah ich es gerne, dass, wenn man mich in den Fluren der einzelnen Abteilungen sah, meine Mitarbeiter sofort zwei Gänge zulegten um ihre jeweilige Tätigkeit zu verrichten.

Als ich um die Ecke bog und sah, wie der Leiter der Werbeabteilung gerade mit einem mir unbekannten Mitarbeiter sprach, der offenbar noch neu war, da entflammte mein Herz! Ein Neuer, der offenbar noch nicht wußte, wie wichtig es mir war, dass man nicht rumstand und nichts tat, vor allem, wenn man meine Wenigkeit den Bürogang entlang laufen sah. Der Leiter der mit dem Rücken zu mir stand, als er mit dem Neuen spach, verschwand darauf hin in der Tür des Büros und so schaute mir der Neue direkt ins Gesicht.

Doch statt vor Ehrfurcht im Boden zu versinken oder sofort seiner Beschäftigung nachzugehen, schaute er mich nichtssagend an. Na warte, Bürschchen, du wirst mich kennenlernen!

Als ich auf ihn zulief und fragte, wie er denn heisse, stammelte er einen Namen, den ich nicht sofort verstand, daher fragte ich ihn erneut. Der Mann sagte mir, er würde ´Michael Meiser´ heissen. Ich fragte ihn: „Guter Mann, sagen Sie mir mal, was Sie für Ihre Arbeit im Monat bekommen? Wieviel erhalten Sie auf Ihr Gehaltskonto?“

Der Mann schien irgendwie verwirrt. Ich erklärte ihm: „Hören Sie guter Mann, ich habe Ihnen eine klare Frage gestellt, und denke, dass ich als Geschäftsführer dieser Firma hier, von Ihnen eine Antwort darauf erhalten kann!“

Der Mann schaute mich unsicher an und murmelte: „So um die 1000 Euro im Monat“

Aha, also 1000 Euro im Monat fürs Faulenzen! Ich griff in meine Tasche und holte meine Geldbörse raus, zog vier 500er daraus hervor und gab sie dem Mitarbeiter mit den Worten: „Hier sind 2000 Euro! Ich erwarte dafür, dass Sie sich hier nicht mehr blicken lassen! Ist das klar?“

Ich händigte ihm die Scheine aus, die er mit unsicherer Hand annahm und mich total bekloppt anschaute.

Ich erklärte ihm noch, dass alles weitere per Post erledigt werden würde. Er nickte kurz und verschwand durch die Ausgangstür.

Zufrieden atmete ich tief ein als mein Leiter der Werbeabteilung aus der Bürotür trat und mich fragte: „Chef, haben Sie den Pizzaboten gesehen, der bekommt noch 12 Euro…?“

ENDE

Copyright (c) 2011 by Detlef Hedderich

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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20 Comments

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  1. Ich habs mir jetzt doch anders überlegt und was neues reingestellt!

  2. Ich glaube, ich werde Pizzabotin. Kennt jemand so einen Chef? Dann bitte bei mir melden.

  3. Klasse! Die letzten Absätze habe ich schon geahnt, was passiert und bis zum Schluss durchgelacht.:D

    Jedenfalls wünsche ich Dir damit viel Erfolg beim Wettbewerb. Schade, dass es nun doch keine SF-Story ist 🙁

  4. @Ati
    Das wird jeder Chef nur einmal machen, schätze ich. Oder du schenkst ihm beim „Rausschmiss“ eine Vergiss-Alles-Pille ;-), dann kannst du jeden Monat oder so vorbeischauen.

    Ist so ein Verdienst eigentlich steuerfrei?

  5. Hihihi, wie cool 🙂 Ich könnte mir vorstellen, du hattest da einen ganz bestimmten realen (Ex)Chef vor Augen?! :O)

  6. @Micha
    Strenggenommen ist es ja Trinkgeld, keine Ahnung ob der Chef das zurückverlangen kann..

    @Aileen
    Eigentlich nicht, da ich fast immer selbständig, als Subunternehmer oder freiberuflich unterwegs war.

    Aber du hast mich da auf eine Idee gebracht, eine kleine Anekdote aus meinen frühen Jahren als Story hier reinzustellen, mal sehen…

  7. Die meisten Chefs sind doch gar nicht von diesem Planeten!

    So weltfremd, so abgehoben, so völlig neben der Spur, ohne die geringste Ahnung, was ihre Belegschaft wichtig ist. Und damit ihrer Arbeit und ihrem Erfolg! Die können einfach nicht von hier sein, die haben eine ganz anders geartete Denkweise, eben außerirdisch.

    Und die wenigen, die es wirklich können, sind auch wieder nicht von der Erde, sondern sind getarnte Engel …;-)

    Aber mit beiden komme ich klar. Die richtig Schwierigen, sind die Chefs, die jeden Tag einen anderen Charakter zu besitzen scheinen. Manche sind schlimmer als die launigsten W… äh, Damen.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl ;-))

  8. Also bitte galaktischer Karl, bitte nicht immer so abwertend über uns Frauen! Wir sind nicht launisch sondern einfühlsam und dann kann es schon mal passieren, dass wir einen schlechten Tag erwischen! 😉

  9. Hallo Irene,

    ich geb dir Recht. Von den Tausenden, ja Millionen Frauen, die ich kenne, sind tatsächlich nur 2 launisch, die aber dann so richtig. Ist doch ein guter Schnitt, nicht wahr?

    Mit frauenfreundlich-galaktischen Grüßen
    galaxykarl ;-))

  10. Und die leben dann in Eurem Haus?

  11. Jepp, die leben bei mir im Haus. Mein Liebelein natürlich und meine Katze Lizzy.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl 😉

  12. Wenn die Katze von all den Frauen gestreichelt wird, hat die oben aber kein Fell mehr, oder? 😉

  13. Na, dann gibt es immer eine Streichelparzelle prowoche an der die Katze gestreichelt werden darf, die dann wechselt…

  14. Und ich habe nicht „Muschi“ gesagt!!

  15. Felis Breitendorf

    Lustig! 🙂

  16. Haha, Triumph des einfachen Mannes! 😀

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