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MARC ZEICHNET SCHWARZ-WEISS – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Roman von Karsten Harms

MARC ZEICHNET SCHWARZ-WEISS

– Leseprobe (Teil 1) –

aus dem gleichnamigen Roman

von Karsten Harms

Prolog

Es gibt Zeiten im Leben, da frage ich mich, ob ich selbst allmählich verrückt werde oder ob vielleicht doch eher die anderen nicht ganz richtig im Kopf sind und ich das einfach nur aufgrund meiner wachsenden Lebenserfahrung besser erkenne. Je älter ich werde, desto mehr häufen sich diese Zeiten. Das hat wohl damit zu tun, dass ich mit den Jahren gelassener geworden bin – dies aber zugegebenermaßen nur gegenüber meinen eigenen Fehlern und Macken. Die Verrücktheiten der anderen wiederum erkenne ich umso schärfer, was dazu führt, dass mich Jüngere bisweilen – trotz meiner gerade mal fünfunddreißig Jahre – für einen nörgelnden, unzufriedenen Sack halten. In der Tat rege ich mich vielfach über dies oder das auf; ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich anderen Menschen kopfschüttelnd hinterherschaue und meine, einmal mehr einen völlig wahnsinnigen Angehörigen unserer Gesellschaft identifiziert zu haben.

Wer also ist wirklich verrückt? Ich oder die anderen?

Fakt ist, dass ich es bin, der „auffällig“ geworden und kürzlich eingeliefert worden ist. Daran lässt sich nichts deuteln! Auch lässt sich daran nichts ungeschehen machen. Sitze ich doch gerade tatsächlich in einem Zimmer einer großen Institution für psychische Gesundheit und langweile mich zu Tode. Sollte damit meine soeben gestellte Frage, wer von uns verrückt ist, bereits beantwortet sein? – Nein, mitnichten!

Vor Kurzem bin ich beispielsweise im Odenwald gewesen. Ich weiß noch, wie ich in einem kleinen Dorf angehalten und mich auf eine Bank gesetzt habe, um die Frühlingssonne zu genießen, die vom azurblauen Himmel lachte. Ich saß da, alles war lauschig und friedlich. Ich beobachtete gerade zwei kleine Jungen, die am Rande der Straße vor einer Hofeinfahrt mit Holzfiguren spielten, als plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ein Motorrad mit Beiwagen um die Ecke schoss und in einem Affentempo die Hauptstraße entlang fegte. Die spielenden Jungen zuckten zusammen; auch ich erschrak. Die beiden Typen auf dem Gespann waren bestimmt mit mindestens 100 Kilometern pro Stunde unterwegs. Unglaublich! Wer so etwas schon einmal gefahren ist, weiß, wie schwer diese Dinger zu lenken sind – die kleinste Unaufmerksamkeit, der kleinste Fehler führt dazu, dass das Gefährt außer Kontrolle gerät. Und jetzt stellt euch mal vor, ihr rast mit über 100 km/h auf einem solchen Motorradgespann durch eine kleine Ortschaft, die kurvige Straße entlang … vorbei an kleinen Jungen, die selbstvergessen auf dem Bürgersteig spielen. Jeden Moment kann eine Katastrophe geschehen!

Ihr könnt sagen, was ihr wollt – das nenne ich wahrhaftig verrückt!

Dann ist vor einigen Wochen mal etwas in Ludwigshafen passiert. Nach einem abendlichen Kneipenbesuch schlenderte ich zu meinem Wagen, den ich einige Straßen weiter abgestellt hatte. Während ich die dunklen Gassen entlanglief, schaute ich hier und da aus reiner Neugierde durch ein Fenster, spähte im Vorübergehen in fremde, beleuchtete Zimmer.

Das mache ich manchmal ganz gerne, keine Ahnung warum. Jedenfalls war ich schon fast bei meinem Auto angekommen, als ich durch das offene Fenster einer Erdgeschosswohnung blickte und einen fetten, hässlichen Kerl sah, der energisch auf eine junge Dame einredete, die verschüchtert und mit Tränen im Gesicht in einem Sessel hockte. Ich blieb verdutzt stehen, trat etwas näher heran. Der Mann hielt einen Hähnchenschlegel in der Hand, biss davon ab, schrie mit vollem Mund erneut die Frau an und spuckte dabei. Widerwärtig! Dann plötzlich holte der Typ mit seiner freien Hand aus und schlug der Frau mitten ins Gesicht. Sie hielt schützend ihre Hände nach oben, während es weitere Schläge hagelte. An diesem Punkt muss der Fiesling mich gesehen haben; er starrte zu mir nach draußen und grinste. Ehrlich, er tat nichts anderes, als mich blöde anzufeixen – mir wurde ganz mulmig dabei. Dann biss er wieder vom Hähnchen ab, kaute genüsslich, kam zum Fenster und spuckte mir einen Knorpel vor die Füße. Genau das war der Zeitpunkt, an dem ich mir dachte, dass wahrscheinlich nicht ich, sondern doch eher die anderen verrückt geworden sind. Ich beschloss, schnell das Weite zu suchen; mit solchen Typen sollte man sich besser nicht anlegen.

Nun, egal wer auch immer von uns wahnsinnig ist – hier in diesem Institut, in dem ich dummerweise gelandet bin, ist es echt furchtbar! Sehr einsam. Und kühl. Mein Zimmer ist schrecklich klein und müsste dringend einmal renoviert werden; es ist alles andere als wohnlich oder gemütlich. Und die Flure draußen sind auch nicht besser: grau und kahl! Außerdem sind die Böden aus Linoleum oder einem ähnlichen Zeug, so dass man den ganzen Tag laut hallende Schritte hört, weil ständig irgendwer dort herumläuft. Ich merke genau, wenn sich einer meinem Zimmer nähert; die Schritte werden dann nach und nach lauter, bis sie schließlich langsamer werden und dann verstummen, um von einem Klopfen gegen die Tür abgelöst zu werden. Das ist zum Verrücktwerden! Ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt, aber jedes Mal, wenn ich da draußen Schritte höre, warte ich darauf, dass es endlich ans Zimmer klopft … und dann bin ich fast schon enttäuscht, wenn einer nur vorbeiläuft.

Die langen, fensterlosen Flure hier im Obergeschoss sind sowieso ein einziger Graus. Allein schon die Beleuchtung macht mich depressiv. Kennt ihr das hässlich kalte Neonlicht, das von Röhren an der Decke unbarmherzig grell auf einen herunterstrahlt? Das gibt es häufig in großen öffentlichen Gebäuden, beispielsweise in Ämtern, Behörden, in Universitäten oder Krankenhäusern. Überall dort, wo ein solches Licht scheint, wirkt die Umgebung trostlos und ungemütlich.

Jedenfalls finde ich das Ambiente hier grausam. Wenn die möchten, dass ich Mut schöpfe und lebenslustiger werde, sollten sie erst einmal das Licht gegen ein wärmeres, gemütlicheres austauschen. Selbst in meinem Zimmer baumelt eine hässliche Energiesparlampe von der Decke herab und taucht mein Dasein in ein viel zu helles, kaltes Weiß. Über solch unsensible Dinge kann ich mich wirklich aufregen! Möchten die denn nicht, dass sich die Leute hier wohlfühlen?

Apropos. Ich weiß noch, da war ich einmal mit einer Freundin in Mannheim Unterwäsche kaufen. Also besser gesagt: sie wollte Unterwäsche kaufen – richtig schöne mit Spitze und so. Etwas, das sexy ist! Wir sind also in einen Laden in der Innenstadt hinein und sie probierte ein paar Dinge aus. Zur Beratung rief sie mich immer zu sich in die Umkleidekabine.

Aber soll ich euch etwas sagen? In der Kabine war so grelles Licht, dass man wirklich jede unschöne Stelle an sich entdecken musste, selbst dann, wenn man versuchte, darüber hinwegzusehen. Meiner Freundin ging es damals natürlich nicht anders; gleichgültig, was sie anprobierte, nichts konnte sie restlos überzeugen. Welche selbstkritische Frau ist schon mit einem derart perfekten Körper ausgestattet, dass ihr ein solch unbarmherziges Licht nichts anhaben kann? Ich habe mich damals gefragt, wie unsensibel ein Wäscheverkäufer sein muss, um derart einfache und naheliegende Dinge nicht zu bemerken.

Nun, jedenfalls bin ich schon seit zwei Wochen hier in der Klinik. Ist ziemlich lang, wenn ihr mich fragt. Ich muss ein wirklich schwerer Fall sein! Wahrscheinlich bin ich ein richtiger Verrückter, ein Durchgeknallter wie Tyler Durden aus dem denkwürdigen Spielfilm Fight Club, und die müssen sicherstellen, dass sie keinen derart Irren wieder auf die Gesellschaft loslassen. Meine Güte, zwei Wochen! Wenn ich nicht meinen Zeichenblock und die Stifte dabei hätte, wäre ich wohl schon vor Langeweile gestorben. Schließlich muss man sich mit irgendetwas beschäftigen, man kann nicht nur rumsitzen und Däumchen drehen. Mein Nachbar beispielsweise trägt den ganzen Tag lang einen drahtlosen Kopfhörer und lauscht klassischer Musik – meistens Schumann oder Mozart. Oder er wirft vom Bett aus kleine Papierkügelchen in den Papierkorb; das ist seine ganz eigene Form von Basketball. Jeder braucht seinen Zeitvertreib. Der eine macht dies, der andere macht das – und ich zeichne halt.

Nachdem ich eingewiesen worden war, hing ich erst einmal einen Tag am Tropf und bekam flüssige Nahrung, weil ich enorm geschwächt war. Ein Haufen Gifte sollte zudem aus meinem Körper herausgespült werden; ich musste literweise Wasser trinken. Dann bekam ich über den

Tropf zusätzlich jede Menge Antibiotika – die Ärzte hatten meinen trockenen Husten bemerkt und meinten, ich hätte eine angehende Lungenentzündung. In der zweiten Woche machten die Leute alle möglichen Untersuchungen mit mir: die Gehirnströme wurden gemessen, meine Motorik, meine Reflexe untersucht. Bis heute werde ich täglich durchgecheckt. Dann kommen immer zwei Typen, holen mich aus meinem Zimmer ab und begleiten mich zum Stationsarzt. Sehr rührend. Himmel, die nehmen das aber auch genau mit den Untersuchungen! Man könnte meinen, bei meinem Körper sei wirklich alles aus dem Ruder gelaufen. Aber die Ärzte werden schon wissen, was sie tun. Es vergeht kein Tag, an dem ich von denen nicht zu hören bekomme, dass ich viel trinken, mich schonen und viel schlafen soll. Ich muss hier unbedingt zur Ruhe kommen, das ist mir mittlerweile klar. Letzte Woche noch habe ich täglich Spritzen und irgendwelche Mittel zur Beruhigung bekommen, damit ich nicht so zappelig bin. Die Schwestern meinten, das täte mir gut; sie sagten, ich sollte den Ball eine Zeit lang flacher halten, damit sich mein Körper regenerieren kann.

Und dann wird von mir erwartet, dass ich hier alles Mögliche erzähle; jeden Tag geht das so, immer vormittags von neun bis zehn. Wenn es so weit ist, muss ich mich im Ärztezimmer auf der Station ein Stockwerk tiefer einfinden; anschließend werde ich zur Sprechstunde gebracht, um mit einem Psychologen ein nettes Pläuschchen zu halten. Ich habe schon das Gefühl, Fransen am Mund zu haben. Die wollen wissen, wie es mir und meinen Eltern geht, was mich beschäftigt, warum ich dies und jenes getan habe. Viele Fragen zielen darauf ab, was ich über mich denke und ob ich mir meiner selbst bewusst bin. Meine Güte, wie hochtrabend philosophisch sich das anhört! Man könnte glauben, die meinen, ich wäre dumm und würde nicht verstehen, worum es geht. Sich seiner selbst bewusst sein … Klar, das ist die Grundlage jeglichen Selbstbewusstseins, wie bereits der ursprüngliche und eigentliche Sinn des Wortes verrät. Wer sich seiner selbst nicht bewusst ist, wer also über die eigene Person nicht Bescheid weiß, kann folglich nicht selbstbewusst sein. Als wenn ich das nicht kapieren würde! Ja, in diese Richtung scheinen in der Tat all die Gespräche abzuzielen – das ist einfach zu durchschauen. Die wollen wissen, was ich glaube, wer ich bin, was mich ausmacht, wie ich mich selbst in irgendwelchen Dingen einschätze und ob ich mich meiner Meinung nach authentisch verhalte. Du liebe Zeit, wahrscheinlich vermuten die, ich sei in der Tat nicht ganz richtig im Kopf und stünde völlig neben mir! Einmal haben die mich sogar gefragt, ob mir der Name Eugen Beuler oder Bleuler oder so ähnlich etwas sagt. Ich habe gedacht, jetzt schlägt es aber dreizehn! Zugegeben, ich habe Abitur, habe auch studiert, aber bin ich deshalb gleich ein wandelndes Lexikon? Was soll das für ein Kerl sein? Den Namen habe ich noch nie gehört!

(Zum nächsten Teil)

Copyright © 2013 by Karsten Harms / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Wenz-Verlages.
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Bildrechte: “Psychogenese – Dem Wahnsinn auf der Spur” (Psychogenese5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Psychogenese-50-minus^20-0.jpg” (Originaltitel: Psychogenese5.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Und hier geht es zum Buch von Karsten Harms:

Harms, Karsten
Marc zeichnet schwarz-weiß

Verlag :      Wenz Verlag
ISBN :      978-3-937791-42-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      13,95 Eur[D] / 14,40 Eur[A] / 20,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 21.02.2013
Seiten/Umfang :      516 S., schw.-w. Zeichn. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      03.2013

Engel oder Teufel? Liebe oder Triebe? Vitalität oder Selbstmitleid? Marc schwankt zwischen Extremen und versucht dabei stets, sich selbst treu zu bleiben. Seine Mitmenschen, ob mit guten oder schlechten Absichten, sind dabei nicht immer hilfreich: sei es der überhebliche Chef, dessen herablassenden Tadel Marc sich nicht länger gefallen lassen will – woraufhin er prompt gefeuert wird; sei es die Exfreundin, die statt Mitgefühl nur Vorwürfe zu bieten hat oder die spannende neue Bekanntschaft, die Marc dermaßen verwirrt, dass er kaum wagt, ihren Brief zu öffnen. Am Ende einer ereignisreichen Woche findet er sich in einer psychiatrischen Klinik wieder und rekapituliert, was ihn und die Welt an diesen Punkt gebracht hat.

Karsten Harms, gebürtiger Berliner und studierter Molekularbiologe, schreibt seit vielen Jahren Kurzgeschichten, stets mit einer gesunden Portion Ironie und Bissigkeit. „Marc zeichnet schwarz-weiß“, ein polarisierender, gesellschaftskritischer Roman, ist seine erste literarische Publikation. Der Autor lebt und arbeitet heute im Rheinhessischen.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei ebooks.de/Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Updated: 7. August 2013 — 18:20

22 Comments

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  1. Hallo Karsten und Willkommen :-).

    Der Text ist recht gut lesbar, aber ich vermisse einen roten Faden. Worauf zielst du ab? Mir fehlt ein bisschen die Motivation zum Weiterlesen (es ist ja nur eine Leseprobe). Vielleicht geht ja später noch „die Post ab“ ;-). Nicht falsch verstehen, Action braucht’s nicht unbedingt, aber dann sollte der Verstand ein bissl beansprucht werden ;-).

  2. Hi Micha!

    Danke dir für deinen Kommentar!

    Dass du nach einem roten Faden in einer kurzen Leseprobe fragst, die darüber hinaus den Anfang des Buches darstellt, ist interessant. Ein roter Faden kann sich doch erst mit der Zeit herauskristallisieren. Und dieser Faden existiert – neben der fortlaufenden Handlung – allerdings. Marc kritisiert die Gesellschaft, kritisiert unsere aktuelle Zeit. Und letztendlich ist das auch das Ziel des Buches: die Misstände und Fehlentwicklungen, die sich hierzulande mehr und mehr abzeichnen, sollen offen dargelegt werden… und der Leser soll sich darüber Gedanken machen und eine eigene Meinung dazu bilden.

    Der Protagonist übt Kritik und polarisiert dabei ganz gerne (deshalb auch der Titel: schwarz-weiß als Bild für die gegensätzlichen Extreme); Marc ist bei allem aber selbst ziemlich zerissen, gar hin- und hergerissen… und bisweilen entlarvt er sich mit seiner Kritik sogar selbst, denn er ist ja nicht besser oder schlechter als all die anderen Menschen der Gesellschaft. Er kritisiert Dinge und macht es schließlich – gänzlich unbewusst – selbst. Das hat eine gewisse Tragik und Komik!

    Diese Zwiespalte, diese Ambivalenz, diese Gegensätzlichkeit, die in uns allen wohnt, ist neben der Gesellschaftskritik DER rote Faden des Buches. Dieses Thema des Romans, durch Titel und Cover bestens in Szene gesetzt, findet sich immer wieder! Jeder von uns kennt es: man möchte eigentlich dies oder das tun, macht dann aber doch etwas anderes. Man will etwas unbedingt – aber man kann irgendwie nicht. Oder man nimmt sich etwas vor, tut es dann aber doch nicht. Wir alle sind zwiespältig… Engel und Teufel – auf wen soll man hören?

    Übrigens, dein Verstand wird bei diesem Buch garantiert beansprucht; sehr sogar! Der Leser wird regelrecht gefordert. Wenn du bei der Leseprobe allerdings Niveau vermissen solltest, würde mich brennend interessieren, was du sonst für Literatur liest. Alles ist ja bekanntlich relativ 🙂

    Lieben Gruß!
    Karsten

  3. Lieber Karsten, schönen Dank für deinen Kommentar. Du hast recht, die Leseprobe ist etwas kurz. Vielleicht sollten wir beim Verlag anfragen, ob wir davon eine Fortsetzung posten können. Was meinst du?

  4. Hi Karsten,

    über „Niveau“ habe ich nichts gesagt. Möchte ich auch nicht. Der Begriff impliziert Objektivität, braucht einen Maßstab und wird meistens im subjektiven Kontext verwendet. Hört sich geschwollen an? Ok, deshalb mag ich ihn auch nicht so ;-).

    Genau, mit „Verstand beanspruchen“ war gemeint, dass es was zum Grübeln gibt. Möglichst jenseits dessen, worüber man sich tagtäglich Gedanken macht. Mit neuen Gesichtspunkten, neuen Informationen usw.
    Oder: tolle Lyrik, irre formulierter Text …
    Oder: eine spannende/ergreifende/nette/gruselige/… Handlung
    Oder das lose Ende eines roten Fadens (auch wenn man den nur vermuten kann oder sich als Sackgasse erweist)

    Und genau da hatte ich noch nicht viel erkennen können. So arg viel „Gesellschaftskritik“ habe ich auch nicht gesehen. Kommt vielleicht noch.

    Bei einer Leseprobe wünsche ich mir, dass sie mich neugierig auf das macht, was (vielleicht) kommt. Für mich war diesbezüglich leider noch nicht viel dabei.

    VG
    Micha

  5. Hallo Detlef! Hallo Micha!

    Ggf. könnte man beim Verlag nachfragen, den gesamten Prolog zu posten… das sollte einen noch besseren Überblick über das geben, was einen erwartet, weil etwas später im Prolog auch die Handlung angedeutet wird. Detlef, frage beim Wenz-Verlag ruhig mal nach. Letztendlich sollte dann aber der Verlag darüber entscheiden.

    Insgesamt glaube ich, dass aber auch die Leseprobe in seiner jetzigen Form ausreichen könnte. Ich habe auf der Leipziger Buchmesse gemerkt, dass etliche Leute beim Lesen dieser Leseprobe neugierig geworden sind, weil viele der Gedankengänge des Protagonisten sofort wiedererkannt worden sind.
    Wenn sich nach dem Lesen dieser Leseprobe keinerlei Neugierde einstellt, ist halt des Interesse des Lesers anders gewichtet; das ist kein Problem – alles ist Geschmackssache. Man springt an – oder man springt nicht an 🙂

    Und Micha: glaube mir, das Buch ist seeeehr gesellschaftskritisch! Der Protagonist nimmt kein Blatt vor den Mund, nimmt unsere aktuelle Zeit ganz schön aufs Korn! Einige Bekannte von mir haben sich sogar auf den Schlips getreten gefühlt und meinten: „Na, das ist aber etwas heftig!“
    Natürlich kann ein Buch nicht gleich zu Beginn in die Vollen gehen… das würde allzu viele Leute abschrecken.

    Das Buch ist ein schöner Mix aus Gesellschaftskritik – aus dem, was hierzulande viele denken, aber nur wenige sagen – und aus einer ziemlich verrückten und doch alltäglichen Handlung, die zeigt, wie irre unsere aktuelle Zeit geworden ist.

    Und nicht zu vergessen sind die ironischen Zeichnungen voll mit schwarzem Humor!!! Das macht das Buch im heutigen Belletristik-Markt ziemlich einmalig, wie ich finde!

    Nochmal viele Grüße!

    Karsten

  6. Ich frage einfach nächste Woch beim Verlag an, ob wir nicht einfach einen zweiten und dritten Teil der Leseporbe nachschieben können, dann hätten wir auch was für die nächsten beiden Leseproben-Awards dieses Jahr, ok? Viele Verlage machen das bei uns so. Schau doch mal in den Award-Wettbewerb oben, Karsten!

  7. Lieber Detlef, ja, OK, frage bitte beim Verlag einfach nach. Dein Vorschlag hört sich gut an! 🙂

  8. So, hier die Stimme aus dem Verlag:

    Natürlich geben wir gerne einen längeren Teil des Inhaltes frei und freuen uns auf weitere Kommentare und Eindrücke.

    Viel Freude beim Lesen wünscht

    VB

  9. Du Detlef, wie ist eigentlich der genaue Link der Seite mit meinem Buch und der Leseprobe hierdrin?? Oben im Browserfenster erscheint immer nur der Link der Homepage… und wenn man den kopiert, landet man auch auf der Homepage. Das ist schade, denn ich würde den genauen Link zu meinem Buch und der Leseprobe gerne Interessenten schicken, die neugierig geworden sind. Lieben Gruß! Karsten

  10. Der Autor scheint zu schreiben, wie er spricht, z. Bsp. „Ein Haufen Gifte sollte zudem aus meinem Körper herausgespült werden; ich musste literweise Wasser trinken.“ Heißt es nicht „Ein Haufen Giftstoffe sollten…“ Sorry, ich bin an dem Satz total hängengeblieben, als ich ihn las….
    Ansonsten ganz nett geschrieben 😉

  11. Vielen Dank für deinen Kommentar, Eileen. Wer möchte noch was zu diesem Thema oder Werk sagen?

  12. @ Eileen

    Ich weiß nicht, wie du das gemeint hast, aber ich finde es manchmal gar nicht so schlecht, wenn man schreibt wie man spricht. Viele „junge Autoren“ denken, man muss sich beim Formulieren „einen abbrechen“, aber oft genug hört es sich dann ziemlich unnatürlich oder gestelzt oder gewollt und nicht gekonnt an.
    Hier finde ich den Schreibstil recht gut. Aber das ist, wie immer, Geschmackssache ;-).

    Bei dem Satz mit den „Giften“ ist es „der Haufen“, der heraus gespült werden soll. Gemeine Stolpersteine ;-).

  13. Huhu! 🙂

    Wollte mich mal wieder als Autor hier einklinken!

    Zum Thema Schreibstil des Buches:
    der Stil ist ganz bewusst genau so gewählt! Der Text ist nicht zu „hochtrabend“ formuliert, nicht zu schwer zu lesen, denn sonst würden 80% unserer Gesellschaft vom Verständnis her aussteigen. Auch würde man Marc sonst nicht abnehmen, dass er ein ganz normaler Typ, ein Mensch wie du und ich ist.
    Andererseits aber ist der Text auch nicht zu einfach, zu umgangssprachlich formuliert, damit der Schreibstil zum Niveau des Buches und zur Reflektiertheit von Marc passt. Ich finde, mir ist da ein sehr guter Mittelweg gelungen! Mir wurde von vielen Seiten auch schon bestätigt, dass das Buch schön und flüssig zu lesen ist!

    Überhaupt ist das Feedback zum Roman außerordentlich gut! Einige fühlen sich zwar auf den Schlips getreten; klar, alles ist Geschmacksache! Aber den reflektierten Menschen in unserem Lande spricht das Werk aus dem Herzen! Die allermeisten erkennen sich selbst oder eigene Gedanken in dem Text wieder; sie finden es spannend und unterhaltsam, lustig… und gar lehrreich! Das Buch regt zum Nachdenken und zum Schmunzeln an! 🙂

    Eine Leseprobe gibt ja immer nur einen ersten Eindruck – der Rest stellt sich erst mit dem gesamten Werk ein! Und hey, das Buch hat 516 Seiten!! Was sind da im Vergleich ein paar Seiten Leseprobe?? 🙂

  14. Vielen Dank, Karsten für deinen Kommentar. Es wird später noch einen dritten Teil geben. zum zweiten Teil geht es hier:

    http://sfbasar.filmbesprechungen.de/buecher/marc-zeichnet-schwarz-weiss-%e2%80%93-leseprobe-teil-2-aus-dem-gleichnamigen-roman-von-karsten-harms-2/

  15. Lieber Karsten,

    also ich habe mich in deinen ersten sieben Zeilen wiedergefunden. Ein bisschen viel Ausrufezeichen für meinen Geschmack, aber nach meiner Meinung einer der besten Texte seit langer Zeit hier. Und ja: Ich bin neugierig geworden, warum dein Protagonist eingeliefert wurde.
    Wenn der Erzählstil deines Protas beabsichtigt ist und sich auch so durch den ganzen Roman zieht, dann ist es OK. Du hast ja recht: Nicht jeder Mensch spricht und schreibt nach dem Duden. Das ist der Vorteil der Ich-Erzählform. In der auktorialen Form wären aber viele Sätze korrekturbedürftig.

    Ich wünsche dir viele Buchkäufer und weiterhin viel Spaß am Schreiben.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl 😉

  16. Lieber Karsten, liebe Leser,

    ich habe das Buch gelesen und mich nicht nur in den ersten sieben Zeilen wiedergefunden, sondern im Laufe des Buches sogar immer wieder!
    Der Protagonist spricht endlich mal Dinge aus, die viele zwar denken, aber nur wenige zu sagen wagen. Ich habe mich des öfteren bei dem Gedanken „…wie wahr, wie wahr…“ ertappt.
    Wer weiter liest wird feststellen, dass sehr wohl ein roter Faden und Handlung vorhanden sind.
    Bei einigen Passagen musste ich wirklich lachen, andere haben mich zum Nachdenken angeregt.
    Zudem finde ich den Schreibstil einfach klasse!
    Ich kann das Buch nur wärmstens weiterempfehlen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

    Liebe Grüße
    Birgit 🙂

  17. Hoffen wir also auf viele Bestellungen von diesem Titel, es scheint sich ja echt zu lohnen, dass man es sich zulegt.

  18. Du Detlef, mal eine kurze Frage: das Bild, das auf dieser Seite hier ganz oben erscheint, gehört das dorthin? Mich verwirrt es immer ein bisschen, wenn ich hier auf die Seite gehe…
    Es ist ja kein Bild aus meinem Roman. Wäre es ggf. besser, das Cover meines Buches ganz oben auf die Seite zu stellen? Oder vielleicht eine schöne Zeichnung aus meinem Buch?
    Viele sonnige Grüße! Karsten 🙂

  19. Hallo Karsten, dass ist das Subcover der Anthologie in der deine Leseprobe bei uns eingestellt wurde, da diese Anthologie (am besrten mal auf das Subcover klicken, dann kommtst du auf das Editoial der Anthologie)bzs. das Cover auf vielen befreundeten Seiten steht und durchklickbar auf unser Editoral ist, von wo man auch auf deine Leseprobe kommt. Das erhöht die Menge der Besucher und Leser der Anthologie und bewirkt, dass es mehr Bestellungen von den Titel gibt, die als Links in der Anthologie stehen. So mit povitierst auch du, bzw. dein Verlag davon, dass dadurch mehr von deinen Büchern über uns bestellt werden. Wenn du mehr wissen willst, meine Telefonnummer steht hier im Impressum, dann kann ich dir weiter Infos geben.

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