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Literatur-Blog

JÄGER VERSUS MENSCH – SF-Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz

Erstellt von Günther Lietz am Sonntag 18. April 2010

Jäger versus Mensch

Kurzgeschichte von

Günther Kurt Lietz

Die schweren Tritte seines TAIPAN-Kampfanzugs hallten in der Leere des Raums wieder. Anrototh Mwabashi war sich des Lärms bewusst und setzte ihn als Lockmittel ein. In den Händen des hochgewachsenen und gut aussehenden Mannes ruhte eine ausgefahrene MAMBA-Sturmlanze. Sie maß in der Länge ebensoviel wie Mwbashi in der Höhe. Ihre Spitze war verdickt und pulsierte in einem sanften Orange.

Die Sensoren des TAIPAN meldeten den Angreifer und Mwbashi reagierte. Der Mensch ließ sich in einer eleganten Drehung in die Hocke herab. Auf dem Schirm seines Helms kam das Wärmebild einer vierarmigen Kreatur in Sicht, das Maul des eiförmigen Kopfes zum Biss weit aufgerissen. Vom Kampfanzug unterstützt glitt die MAMBA nach oben und die drei roten Punkte ihrer Zielerfassung vereinten sich im Zentrum des Feindes. Mwbashi drückte ab!

Aus der Spitze der Kampflanze löste sich ein Energieblitz und erhellte kurz die düstere und verlassene Brücke des Raumfrachters ORIONS STURZ. Das außerirdische Wesen wurde im Körperzentrum getroffen und nach hinten geschleudert. Es krachte gegen die Rückwand und fiel schwer zu Boden. Mit einem letzten Aufbegehren versuchte es sich erheben, seinem Fluchtinstinkt nachzugeben, scheiterte jedoch kläglich. Heißer, ätzender Dampf stieg von der Kreatur auf.

Mwbashi ging an das Wesen heran und trat gegen den verendenden Körper. In der gepanzerten Haut der Kreatur bildeten sich breite und tiefe Risse. Unter normalen Umständen würde stark ätzendes, säureartige Blut aus den Wunden rinnen und sich durch den Metallboden fressen. Doch der Energiestoß der MAMBA hatte die Zellstruktur verändert. Das Blut war geronnen und zu dicken Klumpen verkommen. Das Wesen starb von Innen heraus, ohne Möglichkeit einer Gegenwehr. Schmerzen und Hoffnungslosigkeit ließen die Kreatur ein letztes Mal erzittern.

“Friss meine Hosen!” Mwbashi hantierte an der MAMBA und glich den Energievorrat der Kampflanze mit dem TAIPAN ab. Der Soldat fluchte leise und schlug mit der flachen Hand gegen das Ende der Waffe. Dann ging er weiter ins Schiff hinein.

Die ORIONS STURZ war bei ihrem Eintritt ins Sonnensystem entdeckt worden. Sie sendete zwar ein Standardprotokoll, aber es gab keine Reaktionen auf Anfragen der Flugsicherheit. Die Mondstation hatte daraufhin einen Notfallkode übermittelt und das Programm des Navigatonscomputers überschrieben. Anschließend wurde Mwbashi losgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen.

Der Soldat war für solche Fälle ausgebildet. Er gehörte zu einer Spezialeinheit aus Wales, die sich außerirdische Technologien zueigen machte. Die Sicherheit Englands, der Erde und des Sonnensystems standen stets auf dem Spiel, wenn er oder einer seiner Kollegen angefordert wurden. So auch in diesem Fall.

An Bord der ORIONS STURZ herrschte Totenstille. Das Raumschiff hatte vier Besatzungsmitglieder, die nun allesamt tot waren. Die Außerirdischen missbrauchten die Körper der Menschen als Wirte. Das war ihre Natur – und dafür mussten sie vernichtet werden. Die Kreaturen kannten weder Mitleid noch Gnade. Sie spürten keine Freude am Töten. Sie waren einzig und alleine aufs Überleben aus. Ihre Körper passten sich innerhalb einer Generation an neue Umweltbedingungen an. Evolution im Zeitraffer.

Mwbashi mochte die Außerirdischen. Obwohl sie tödlich waren und den Menschen in jeglicher Hinsicht überlegen, waren es ehrliche Gegner. Sie ließen keine Fragen offen, suchten kein klärendes Gespräch und Hinterhältigkeit war ihnen nur im Sinne eines Sprungs in den Rücken bekannt. Das war ein ehrlicher Umgang miteinander. Du oder ich!

* * *

Über den Sichtschirm von Cazador liefen unzählige Sensormeldungen und wurden stetig angepasst. Der Jäger hatte seinen Kampfanzug magnetisiert und hing über dem Menschen an der Decke. Das Tarnfeld war aktiviert und so konnte er in Ruhe den Mann beobachten. Cazador zollte ihm Respekt, denn immerhin hatte er nun bereits den dritten Säurespucker ausgeschaltet. Dieser Mensch war vielleicht die perfekte Beute und würde eine hervorragende Trophäe abgeben.

Lautlos und im Schutz des Tarnfelds folgte Cazador dem Mann. Dem Jäger war aufgefallen, dass der Kampfanzug des Menschen zu viel Energie verschlang und somit die Effektivität der Kampflanze mit jedem Schuss reduzierte. Da! Das dritte Jungtier war nun ebenfalls vernichtet. Das würde dem Mutterwesen missfallen. Laut Cazadors Sensoren bewegte es sich bereits auf ihre Position zu. Es würde ein spannender Kampf werden und der Sieger zur Beute des Jägers. Es war eine gute Idee, das Schiff der Menschen mit einem Säurespucker zu infizieren. Die natürliche Auslese würde zeigen, was für eine Trophäe er in die Halle der Jäger bringen würde.

Der große Säurespucker brach nun durch das Schott und sprang auf den Menschen zu. Der hantierte an der Energiezufuhr seiner Kampflanze und wich im letzten Augenblick dem Zungenstoß des Spuckers aus. Eine beachtliche Reaktion, erkannte Cazador an. Das war jedoch weitgehend der Verdienst des Kampfanzugs, den die Menschen gestohlen hatten. Sie waren in ihrer Entwicklung zu primitiv für solche Technlogien.

Nein, die von dem Menschen eingesetzte Technik war außerirdischen Ursprungs und von Cazadors Volk entwickelt worden. Einst auf den Krieg und dann auf die Jagd optimiert, war sie jeglicher menschlichen Technologie weit überlegen. Doch einer der Jäger war selbst zur Beute geworden. Er war auf der Erde zu leichtfertig auf die Jagd gegangen, hatte Fehler gemacht. Und die Technologie einer außerirdischen Rasse war in die Hände eines Planeten voller Affen gefallen.

Cazador unterdrückte einen anerkennenden Ruf, als sich der Mensch zur Seite rollte, somit den Klauen des Außerirdischen entging, seine Kampflanze in den Mund der Bestie rammte und abdrückte. Der Kopf der Kreatur platzte weg und es regnete im ganzen Raum dickliche Säurebrocken. Der Jäger war erfreut, seine Beute stand fest.

* * *

Anrototh Mwabashi atmete erleichtert auf. Bis jetzt war alles nach Plan verlaufen. Zugegeben, die Idee den Kopf seines Feines platzen zu lassen, die war verwegen. Aber der Effekt war einfach unschlagbar. “Mwabashi an Captain, alle Außerirdischen erledigt.”

“Alle?” Die Stimme von der Erde klang leicht amüsiert.

Der Soldat sah zur Decke auf und gab mit der MAMBA einen Schuss in die Luft ab. Das Tarnfeld des Jägers kollabierte und der Außerirdische wurde sichtbar. Die Magnetisierung des Anzugs brach zusammen und er stürzte nach unten. Das Visier seines Helms zerbarst dabei. Ein leises, ungläubiges Zischen war zu hören.

“Alle. Ich habe auch den Jäger erledigt. Hing genau über mir und hat bis zum Schluss gewartet, anstatt mich im richtigen Augenblick zu erledigen. Ich musste nur genug Blut spritzen lassen und gucken, wo es in der Luft kleben blieb.”

Ein anerkennendes Lachen erfüllte den Helm des TAIPAN. “In den guten alten Zeiten haben wir noch Mehl oder Wasser benutzt. Komm nach Hause, Anrototh. Die Weihnachtsfeier beginnt gleich.”

Mwabashi schaltete die Kommunikation ab und trat gegen den sterbenden Körper des Jägers. “Friss meine Hosen!”

Ende

Copyright (c) 2010 by Günther Kurt Lietz

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-140-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Kriegsverbrechen verjähren nicht. 50 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs entschließt sich B‚la Vallaire, inzwischen Professor in Kanada, den Dämonen der eigenen Vergangenheit gegenüberzutreten. Als Zeuge, der nicht vergessen kann, zeigt er seinen Vorgesetzten an, der vor seinen Augen in einem Panzergraben sieben Menschen erschoss. Dabei muss Vallaire seine Mitwirkung in der Waffen-SS enthüllen, in die er als junger Mann nicht ganz freiwillig geraten war. Er bezahlt einen Preis dafür. Wegen seiner Mitgliedschaft wird ihm seine Professur in Montreal aberkannt. Sein öffentliches Bekenntnis weckt das Interesse des Physikers Vincent in Boston, dessen Vater am gleichen Ort gedient hat wie Vallaire. Er und seine Schwester Saskia in Deutschland begeben sich auf Spurensuche in der Vergangenheit. Vincent wird nahegelegt, den Verdacht, dass der eigene Vater im Zusammenhang mit der Tat stehen könne, auf sich beruhen zu lassen. Doch seine Schwester entschließt sich, das immer noch verbreitete Muster des Verdrängens und Verschweigens aufzulösen. Die von Vallaire angestoßene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verändert das Leben der drei Beteiligten mehr, als sie es sich hätten vorstellen können, und besonders Saskia bekommt zu spüren, wie Vergangenheit unversehens bis in die Gegenwart wirkt.

Celia Isabel Gaissert. Lebt in Hamburg. Studium der Rechtswissenschaften und Promotion im Europarecht. Tätigkeit als Rechtsanwältin in Berlin und in Projekten der Regierungszusammenarbeit in Ost- und Südosteuropa. Schwarz wie eine Mamba“ ist ihre erste literarische Veröffentlichung.

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21 Kommentare zu “JÄGER VERSUS MENSCH – SF-Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz”

  1. Detlef Hedderich sagt:

    Was genau rauchst du da?

  2. Galaxykarl sagt:

    Haleluja,

    ja Taysal, gib´s ihnen. Diese arroganten, selbstsicheren Krabbengesichter haben eine vor den Latz bekommen. Es ist – glaube ich – eine der vielen, absolut richtigen Grundsätze von Sun Tzu (“Die Kunst des Krieges”): Unterschätze nie einen Feind, und schon gar keinen, der Zugang zu neuer Technologie hat. Das haben die Japaner nach dem 2.Weltkrieg kapiert und das Autorenteam von Perry Rhodan in den ersten beiden Zyklen. Hole dir, was du holen kannst, spare Ressourcen und Zeit, Zeit, Zeit. Und dann, verbessere es! Nochmal haleluja, hat mir super gefallen.

    Wenn du dran feilen willst: Für was steht TAIPAN ? TarnAnzugIndividiellProgrammierbar äh… AußerNachts?

    Bitte, bitte, schreib weiter.

    mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl ;-)

  3. Detlef Hedderich sagt:

    Gib 100 Schimpansen je eine MP in die Hand, die können trotzdem keinen Krieg gewinnen.

    Gib ihnen 100 Knüppel, da sieht es schon besser aus.

    Gib ihnen 100 Bananen, dann weisst due was Sache ist!

  4. Felis Breitendorf sagt:

    Hallo Günter,

    fein, dass du jetzt auch mitmischst, in unserem Gemenge aus Aliens, Predatoren und sonstigem galaktischem Geschmeiß!

    ;)

  5. Taysal sagt:

    @Galaxykarl
    Danke für Dein Lob. Freut mich, dass Du einen kleinen Teil der Sidekicks tatsächlich zuordnen konntest (Sun Tzu, PR). Ich mag Verknüpfungen und Adaptionen, so wartet auch dieser Text auf der Metaebene mit etlichen kleinen Spielereien auf.

    Das trifft auch auf TAIPAN, MAMBA und ORION zu:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Taipan#Lebensweise_und_Ern.C3.A4hrung
    http://de.wikipedia.org/wiki/Taipan#Verhalten_gegen.C3.BCber_Menschen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Taipan#Wirkung
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mambas
    http://de.wikipedia.org/wiki/Orion_%28Sternbild%29

    Mal sehen, ob ich die Shortstory irgendwann mal überarbeite oder eine Fortsetzung schreibe …

  6. Taysal sagt:

    @Felis
    Nein, da hast Du was vollkommen falsch verstanden.

  7. Detlef Hedderich sagt:

    Wie gefällt die meine Fortsetzung deiner Story?

    Verklagst du mich jetzt?

  8. Taysal sagt:

    Das ist keine Fortsetzung, da sie in keinerlei Zusammenhang zu meiner Geschichte steht. Ich bezeichne das mal wohlwollend als Fanfiction.

  9. Detlef Hedderich sagt:

    Hä? Du bist auf dem falschen Dampfer, absolut!

  10. Detlef Hedderich sagt:

    Was hat das denn mit Fanfiction zu tun?

    Du hast mal wieder gar nichts kapiert!

    Das sollte ein Joke sein, den du nicht gerafft hast…

  11. Taysal sagt:

    Es gibt keinen Grund einen Flame zu eröffnen. Cheese’n'Troll. :/

  12. Detlef Hedderich sagt:

    Ok, Friede!

    :)

  13. Helmut Brenner sagt:

    Scheint ja eine echte Vorgeschichte zu haben, diese Story, die ich aber nicht so recht nachvollziehen kann.

  14. Felis Breitendorf sagt:

    Ist aber schon vor ziemlich genau einem Jahr geschehen.

  15. Detlef Hedderich sagt:

    Jetzt gibt es eine Schwarze Mamba!

  16. Felis Breitendorf sagt:

    Das ist lustig mit dem Buchvorschlag! :D

  17. Simone Wilhelmy sagt:

    “Friss meine Shorts” *g*
    Aikaramba!

    Naja SciFi – nicht ganz meine Genre, aber das Ende ist klasse.

  18. Corinna Klebe sagt:

    “Friss meine Shorts” hatte ich schon in einer anderen Geschichte hier auf der Seite gelesen, weiß nur nicht mehr welche es war. Ist das so ein Schlüsselbegriff, dass Ihr den öffters benutzt?

  19. sfbasar.de » Blog Archiv » MENSCH VERSUS ABDITUM MENTIS – ODER: DIE KORREKTUR DER INFORMATIONSVERBREITUNG VON KONTAKTEN MIT AUSSERIRDISCHEN – SF-Kurzgeschichte von Detlef Hedderich sagt:

    [...] Gedanken öffnet er die Sicht auf das vor ihm schwebende primitive Raumvehikel mit der Aufschrift ORIONS STURZ. Mithilfe seiner KI-Fähigkeiten und dem Raum-Zeit-Sonar springt ein Teil seines Selbst in die [...]

  20. sfbasar.de » Blog Archiv » SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Waffentod – Im Meer der Zeiten” sagt:

    [...] NEU JÄGER VERSUS MENSCH – SF-Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz [...]

  21. Konstantin W. sagt:

    Das ist mir alles nur ein Rätsel … :(

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