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ICH HATTE NOCH NIE EINE INTIME BEZIEHUNG ZU EINER FRAU – Eine Shortstory von Martina Müller und Ottmar Holdersen

ICH HATTE NOCH NIE EINE INTIME BEZIEHUNG ZU EINER FRAU

Eine Shortstory

von

Martina Müller und Ottmar Holdersen

Ich bin ein normal aussehender Mann mit 52 Jahren Alter und hatte noch niemals eine intime Zweierbeziehung  zu einer Frau. Das äußerste, was ich bisher erleben durfte, war eine Umarmung mit einer trauernden Frau, die ich trösten durfte, als ihre Beziehung kaputt ging. Das war das einzige mal, dass meine Lippen flüchtig, die einer Frau berührt haben.

Ich meine, dass das bislang an mir lag, ich zu unsicher, zu schüchtern war und es mir an Selbstbewußtsein mangelte. Meistens bin ich zuhause und schaue mir Filme an oder ich bin am Lesen. Selten gehe ich mal aus dem Haus. Als Versicherungskaufmann bin ich tagtäglich mit Unglücksfällen konfrontiert. Meine Aufgabe ist es, festzustellen, welche Lebensweise zu wie vielen Unfällen in den eigenen vier Wänden führt. Ich bewerte die Fälle, die mir auf den Tisch gelegt werden und trage diese in den Computer ein. Eine solche Arbeit treibt einen schnell in Depressionen, für die ich sogar seit Jahren in Therapie bin.

Vor vier Monaten hat sich mein Leben komplett geändert: Ich habe einen anderen Mann kennengelernt. Einen jungen Mann, der bei einem Botendienst arbeitet und mir gelegentlich Pakete mit Filmen und Büchern liefert. Dieser junge Mann, nennen wir ihn Dieter, ist ein sportlicher, gut aussehender 24jähriger. Bei unserem geschätzten zehnten Kontakt hat mich das Klingeln auf dem falschen Fuß erwischt, als ich kurz vorher aus einem langen Schlaf aufgewacht war und anfing zu onanieren. Als es klingelte hatte ich nicht mehr die Zeit mich anzukleiden und ging deshalb nackt an die Tür, die ich nur ein kleines Stückchen öffnete.

Bei dem was folgt, denken Sie bestimmt, dass ich komplett verrückt bin, aber dem ist nicht so. Der genannte Botenjunge hatte zwei Sendungen für mich und ließ mich zuerst die Bestätigung unterschreiben, dann gab er mir umständlich die beiden Pakete. Dabei klappte die Tür ein wenig mehr auf und der Junge sah, dass ich mit einer Erektion vor ihm stand. Ich packte die beiden Päckchen und warf sie kurz hinter mich. Schnell wollte ich die Tür wieder schließen, doch der Junge hatte plötzlich meinen Penis in der Hand und fing an, diesen zärtlich zu massieren. Ich schluckte und schaute ihn an und mußte mich räuspern. Mir verschlug es die Sprache.

Was man jetzt vermuten könnte, ist, dass dieser junge Mann ein Homosexueller ist, das ist aber nicht der Fall. Dieter hat selbst seit zwei Jahren eine Freundin. Und er ist glücklich mit ihr, wie er mir später in einem Brief mitteilte. Ich selbst hatte auch noch niemals eine Beziehung zu einem Mann, noch fühlte ich mich jemals zu Männern hingezogen.

Ich verstehe es selbst nicht. Und auch Dieter hat keine Erklärung dafür, warum er mich angefaßt hat. In seinem Brief teilte er mir mit, dass er, obwohl er nur kurz meinen Penis massierte und ich noch an der Tür einen heftigen Orgasmus bekam und ejakulierte, er sich nicht erklären konnte, warum er das überhaupt gemacht hat. Er bat mich in seinem Schreiben, ob wir die Sache nicht einfach vergessen könnten und er nun wieder nur mein Paketbote sein kann. Ansonsten würde er sich versetzen lassen.

Als Dieter mir nach drei Wochen wieder eine Sendung zustellte, erklärte ich ihm, dass ich mit allem einverstanden bin, was er in seinem Brief vorschlug. Er lächelte mich glücklich an und schien total erleichtert, als er die Treppen hinunterging.

Manchmal muß ich noch an dieses Erlebnis denken und ich verstehe nicht, wie mich das so elektrisieren konnte. Ich bin noch immer ohne Beziehung, aber ich sehe das Leben jetzt total anders. Ich bin der Meinung, dass ich doch überhaupt nicht so schlecht dran bin: Ich habe einen Job, ein Auto, eine Wohnung, Geld zum Essen und kann mir jedes Jahr einen Urlaub leisten. Ich habe keine ernsthaften Krankheiten und meine Depressionen sind inzwischen auch stark zurückgegangen.

Irgendwie hat mich das Erlebnis mit Dieter verändert. Er hat mich nicht schwul gemacht, wie man jetzt vielleicht vermuten könnte. Ich sehe lediglich das Leben in einem ganz anderen Licht. Ich frage mich, ob eine Frau das verstehen und sich vorstellen könnte, trotz dieser Sache meine Partnerin zu werden?

-Ende-

Copyright (c) 2012 by Martina Müller und Ottmar Holdersen

Bildrechte: “Tabu-Brecher” (tes-tabu2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

BUCHTIPP DER AUTORIN:

Kaiser-Mühlecker, Reinhard
Wiedersehen in Fiumicino

Roman

Verlag :      Fischer Taschenbuch
ISBN :      978-3-596-19370-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 20.08.2012
Seiten/Umfang :      ca. 320 S. – 19,0 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 17.08.2012
Aus der Reihe :      Literatur 19370

Joseph geht für eine NGO nach Argentinien, um sieben Monate in Buenos Aires zu arbeiten. Seine Freundin hat er ohne ein Wort im heimatlichen Österreich zurückgelassen. Unbeirrbar folgt er seinem Interesse, seinem Inneren, seiner Intuition. Doch immer wieder kommt er an den Punkt, an dem er das Gefühl hat, es ginge nicht weiter. Dann wendet er sich ab. In Buenos Aires begegnet er Savina, doch auch bei ihr wird er nicht bleiben. Auf seine Mitmenschen übt Josephs grenzenlose Unabhängigkeit eine eigenartige Faszination aus. Unvermittelt kehrt er nach Österreich zurück und muss erkennen, dass die Welt sich weitergedreht hat.

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8 Comments

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  1. Interessante Geschichte. Frage mich, wie eine Autorin auf solch einen Stoff kommt?

  2. Christa Kuczinski

    Die Geschichte regt zum Nachdenken an.

    Eine Autorin, die aus der Sicht eines Mannes schreibt. Das gefällt mir 😉

    Diese Stelle könnte etwas deutlicher sein: Ich sehe lediglich das Leben in einem ganz anderen Licht.

    Lg Christa
    die eigentlich gar keine Zeit hat sich im Net. herumzutreiben, bin auch schon wieder weg …)

  3. Ich als Mann finde sowas sehr befremdlich, wenn eine Autorin versucht aus der Sicht eines Mannes zu schreiben, vor allem bei einem derartigen Thema.

  4. Schickes Bild. Aber was hat das mit der Story zu tun?

  5. Das ist ein Verweis auf die Antho in die es reinkommen wird.

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