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HUTÄTÄ – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Buch von Thomas Vaucher

HUTÄTÄ

Leseprobe (Teil 2)

aus dem gleichnamigen Buch

von Thomas Vaucher


(zum vorherigen Teil)

3.

Als Maria am nächsten Morgen das Wohnzimmer betrat, war der Schwarze Saler gerade dabei, ein Feuer im Kamin zu entfachen. Der Tisch war bereits gedeckt, und Maria setzte sich müde auf einen Stuhl.

Es hatte nicht funktioniert. Natürlich hatte es das nicht, was hatte sie sich auch nur eingebildet? Dass an einem neuen Ort alles besser werden würde? Maria verzog verächtlich die Lippen. Nichts war besser geworden. Jakob war noch immer derselbe Quengelgeist wie zuvor. Die halbe Nacht hatte sie sich mit ihm gestritten, hatte einen dieser ewigen Machtkämpfe geführt, aus denen am Schluss nie jemand als Sieger hervorging.

Maria seufzte. Sie fühlte sich müde und gerädert.

Der Schwarze Saler richtete sich auf und sah sie fragend an. Offenbar hatte er ihren Seufzer gehört. Hinter ihm leckten bereits die ersten Flammen empor und begannen damit, eine wohlige Wärme in dem bitterkalten Wohnzimmer zu verbreiten.

«Habt Ihr nicht gut geschlafen?», wollte der Knecht wissen.

«Überhaupt nicht», antwortete Maria. Sie seufzte erneut. «Jakob wollte wieder einmal nie ins Bett. Es war ein endloser Kampf.»

«Warum wollte er denn nicht ins Bett?»

«Wenn ich das wüsste, hätte ich das Problem schon längst gelöst», antwortete Maria. «Es ist jeden Abend dasselbe Theater, seit mein Mann vor zwei Jahren gestorben ist. Und dies, obwohl wir miteinander abgemacht hatten, dass wir hier neu beginnen würden. Er hat mir versprochen, dass er von nun an versuchen will, mir zu gehorchen. Aber es waren natürlich wieder einmal nur leere Worte. Ich weiss bald nicht mehr, was ich noch machen soll.»

Der Schwarze Saler öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen. Doch schliesslich schloss er ihn wieder und sah sie nur noch einen Moment lang sonderbar an. Dann drehte er sich um und hängte einen Kessel Wasser über das Feuer.

«Habt Ihr … ihm schon einmal mit dem Hutätä gedroht?», fragte er schliesslich zögernd.

«Mit wem?»

«Sagt bloss, Ihr kennt den Hutätä nicht?»

Ehe Maria etwas antworten konnte, klopfte jemand an die Türe. Maria erhob sich und schlurfte in den Flur hinaus. Als sie die Eingangstüre öffnete, wehte ein kalter Wind herein. Vor der Türe stand ein alter Mann, der nur in ein paar mitleiderregende, alte Lumpen gehüllt war.

«Grüss Gott», ertönte die schwächliche Stimme des alten Mannes, «bitte habt Mitleid mit einem armen Mann. Ich bitte Euch nur um ein Stückchen Brot, ich habe schon so lange nichts mehr gehabt.»

Zorn kochte in Maria empor. Sie hatte kaum geschlafen, und ihre Hoffnungen, mit ihrem störrischen Sohn in diesem neuen Heim besser zurechtzukommen, hatten sich gerade in Luft aufgelöst, und da kam dieser Bettler und hatte das Gefühl, sich ihr hart erarbeitetes Brot erschleichen zu können? Sie spürte, wie sich all ihr aufgestauter Ärger über den armen Mann zu ergiessen drohte, doch es war ihr egal.

«Ist das mein Fehler?», blaffte sie ihn an. «Ich kriege auch nichts geschenkt! Von frühmorgens bis spätabends rackere ich mich ab, damit am Ende etwas Essbares auf dem Tisch steht. Auch in der grössten Hitze pflüge ich das Feld, mähe das Korn, binde die Garben und schlucke beim Dreschen Staub. Ich schwitze und nehme Blasen und Schwielen in Kauf.» Sie hielt kurz inne und lachte verbittert auf, währenddessen der arme Bettler immer kleiner zu werden schien. «Aber interessanterweise klopfen die Bettler nie während dieser Zeit an meine Türe», fuhr sie umgehend fort, «die haben wohl Angst, helfen zu müssen. Aber kaum dringt der süsse Duft des frischgebackenen Brotes nach draussen, so strömen sie in Scharen herbei wie Motten, die das Licht umschwärmen. Sie schauen recht jämmerlich drein und betteln: Ich bitte Euch um Gottes Willen um ein Stückchen Brot. Aber ich sage dir: Wenn du Brot willst, dann komm das nächste Mal vorbei, wenn es Arbeit gibt, ansonsten mach, dass du fort kommst und verdiene dir dein Brot selbst, wie jeder andere anständige Mensch auch!»

Maria schlug dem verdutzten Bettler die Türe vor der Nase zu, schloss für einen kurzen Moment die Augen und atmete ein paar Mal tief durch, um sich zu beruhigen.

«Es sind nicht alle Bettler faul», sagte der Schwarze Saler hinter ihr leise. Sie hatte nicht einmal gehört, wie er hinter ihr in den Flur getreten war. «Wohl mögen Eure Vorwürfe auf einige zutreffen, doch gibt es auch jene, die unverschuldet in Not geraten sind. Christus lehrt uns, dass wir jenen armen Menschen zur Seite stehen sollen, wo immer es uns möglich ist.» Ein vorwurfsvoller Ton schwang in seiner Stimme mit, und Maria konnte ihn sogar verstehen. Dennoch machte sie sein Einwand nur noch wütender. Sie wollte nun nicht auch noch von ihm zurechtgewiesen werden. Nicht jetzt und nicht von einem Knecht!

«Wenn sie Brot wollen, sollen sie arbeiten gehen», erwiderte sie deshalb nur störrisch, ohne sich zu ihm umzudrehen, denn insgeheim wusste sie nur zu gut, dass er recht hatte.

Einen Moment lang war es ruhig in dem schmalen Flur. Schliesslich drehte sich Maria doch zu ihrem Knecht um, ging an ihm vorbei in die Wohnstube zurück und fragte: «Du hast vorhin von einem Hutätä gesprochen? Was soll das sein?»

Der Schwarze Saler war ihr in die Wohnstube zurück gefolgt und hatte sich eben an den Tisch gesetzt. Nun erhob er sich rasch wieder und begab sich in Richtung Küche.

«Nichts», antwortete er etwas zu schnell über die Schulter hinweg, «vergesst das wieder, das war nur ein dummer Spruch. Ihr würdet ja sowieso nicht daran glauben.»

Maria trat rasch hinter den Schwarzen Saler, ergriff ihn am Arm und drückte bestimmt und fest zu.

«Ich bin bereit, an alles zu glauben, falls es mir hilft, Jakob ins Bett zu bringen, das kannst du mir glauben! Also erzähl!»

Der Schwarze Saler drehte sich nun tatsächlich wieder zu ihr um und musterte sie einen Moment lang abschätzend von oben bis unten. Endlich rang er sich zu einer Antwort durch.

«Also gut», seufzte er, «aber sagt nachher nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.» Als er weitersprach, war seine Stimme zu einem Flüstern verkommen und ein ernster Ausdruck war in sein Gesicht getreten. «Der Hutätä ist der Grund, warum man nachts lieber zuhause bleiben sollte. Er ist der wilde Nachtjäger, der mit einer Schar von tausend Hunden durch den Wald zieht. Manche nennen ihn auch den Schwarzen Mann.»

«Nun, vom Schwarzen Mann habe ich auch schon gehört», meinte Maria vorsichtig, «aber der ist doch bloss Erfindung!»

Der Schwarze Saler schnaubte verächtlich und funkelte sie zornig an.

«Seht Ihr, ich sagte doch, Ihr glaubt mir nicht!» Er drehte sich um und wollte gehen, doch Maria fasste ihn abermals beim Arm.

«Entschuldige, so war das nicht gemeint. Wieso sollte man denn nachts zuhause bleiben? Oder was kann man denn tun, wenn man ihm in der Nacht begegnet?», fragte sie deshalb versöhnlich. Der Schwarze Saler schüttelte resignierend den Kopf und setzte sich schliesslich an den Tisch. Nachdem auch Maria sich ihm gegenüber hingesetzt hatte, fuhr er fort: «Falls man doch einmal so unvorsichtig war und nach Einbruch der Dunkelheit im Freien weilt und ihm begegnet, muss man sich an den Wegrand stellen, der vorbeistürmenden, wilden Jagd den Rücken zudrehen und sich ja nicht nach ihr umdrehen, sonst ergeht es einem übel. Wenn man auf freiem Feld vom Nachtjäger überrascht wird, muss man sich auf den Boden legen, den Kopf zur Erde drücken, die Arme darüber kreuzen und warten, bis der Spuk vorbei ist. Wenn man Glück hat, reitet die wilde Jagd vorbei, doch manchmal wird man vom Hutätä etwas gefragt, und wenn man die Antwort nicht weiss, wird man mit einem ungeheuren Fläri oder noch Schlimmerem bestraft.» Der Schwarze Saler hielt einen Moment inne, um seine Worte wirken zu lassen.

Maria schmunzelte. Er hatte tatsächlich Recht gehabt, sie glaubte nicht an solche Geschichten, doch womöglich würde es ihr Sohn Jakob tun. Deshalb versuchte sie, mehr über diese Sagengestalt zu erfahren.

«Der Hutätä fragt? Was fragt er denn so?» Maria konnte ein spöttisches Lächeln nun doch nicht ganz unterdrücken, doch dem Schwarzen Saler schien es nicht weiter aufzufallen.

«Zum Beispiel will er wissen, welche Stunde es ist», antwortete ihr der Knecht.

«Und? So schwierig ist das nun auch wieder nicht, oder?»

Der Schwarze Saler lachte kurz und humorlos auf.

«So einfach ist das nicht, Frau Cotting. Es gibt auf jede Frage nur eine richtige Antwort, und die richtige Antwort auf jene Frage ist:

Ob spät am Abend

Oder am Morgen beizeiten

Ich lobe Gott zu allen Zeiten. (2***)

Und fragt er, wohin der Weg führe, so muss die Antwort lauten:

Ein jeder Weg

Ob schmal – ob breit

Er führt in die Ewigkeit.»(3***)

«Und woher weisst du die Antworten auf diese Fragen?», wollte Maria wissen.

«Diese werden von Generation zu Generation weitergegeben», antwortete der Hüne ehrfürchtig. «Es wundert mich, dass Ihr noch nie davon gehört habt.»

«Das habe ich tatsächlich noch nicht, aber die Geschichten sind interessant. Erzähl weiter!» Maria schaute ihren Knecht erwartungsvoll an. Dieser beugte seinen Oberkörper etwas nach vorne, bis er ihr so nah war, dass sie seine Augenfarbe erkennen konnte. So leise, als würde er ihr ein Geheimnis verraten, fuhr er fort: «Es gibt viele Geschichten über den Hutätä. In der Nähe des Dorfes Düdingen begegnete einst ein verspäteter Kilter der wilden Jagd. Statt ihr auszuweichen, blieb er trotzig mitten auf dem Wege stehen. Plötzlich stand hoch zu Pferd der Nachtjäger vor ihm. Er schwang drohend ein Beil und fragte: «Junge! Für was ist die Nacht?» Der Bursche antwortete frech: «Für was man sie halt gerade braucht.» Da hob der Hutätä das Beil empor, schlug es ihm wuchtig in die Schulter und ritt hohnlachend von dannen. Ein ganzes Jahr lang trug der junge Mann das Beil samt Stiel mit sich herum. Es war wie mit dem Leibe verwachsen, und niemand konnte es herausziehen. Schmerzen verursachte es ihm zwar nicht, aber das Ding war heillos unkommod, und wer ihn also sah, der musste laut herauslachen. Endlich konnte ihm ein alter Mann den Rat geben, er solle sich, wenn die wilde Jagd um den Weg sei, wieder an jenen Ort begeben, aber diesmal sich schön bescheiden am Wegrand aufstellen und der Strasse den Rücken kehren. Er tat so. Die nächtliche Jagd stürmte heran. Plötzlich hörte er hinter sich das bekannte Hohngelächter des Nachtjägers, und gleichzeitig fühlte er, wie das Beil mit einem Ruck ihm aus der Schulter gezogen wurde.»(4***) Der Schwarze Saler lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und schaute Maria erwartungsvoll an.

«Eine spannende Geschichte. Ein richtiges Ammenmärchen», meinte Maria spöttisch.

«Macht Euch ruhig über mich lustig», grunzte der Schwarze Saler gekränkt und stand auf. «Ich sagte doch, es sind keine Geschichten für Euch, aber Ihr wolltet sie ja unbedingt hören.»

«Erzähl ruhig weiter!», sagte Maria schnell, «wenn ich auch nicht daran glaube, so tut es doch vielleicht Jakob.»

Der Schwarze Saler schnaubte verächtlich und schwieg einen Moment beleidigt, doch Maria sah ihm an, dass er bald weitererzählen würde. Zu tief schien in ihm der Glaube an diese Wesen verwurzelt, als dass er die Gelegenheit, jemanden von deren Existenz zu überzeugen, ungenutzt verstreichen lassen würde. Und sie sollte Recht behalten.

«Einst stürmte die wilde Jagd gegen die Horia hinauf. In der Gegend von Jetschwil befand sich ein mutwilliger Junge noch auf der Strasse. Als der Spuk an ihm vorbeiraste, schrie er ins Getöse: «Hutätä, wo willst du hin?» Da brüllte ihm jemand mit fürchterlicher Stimme ins Ohr: «Nach Lustorf zu!» Gleichzeitig empfing er ein Fläri, dass ihm die Wangen wie Feuer brannten, und der Kopf wie ein Määs aufschwoll.»(5***)

«Der arme Junge», meinte Maria schmunzelnd.

«Es gibt unzählige Geschichten, Frau Cotting, soll ich wirklich …?»

«Ja, gerne, nur immer weiter!»

Der Schwarze Saler seufzte ergeben, doch Maria sah ihm genau an, dass er auf diese Antwort gehofft hatte.

«Auf einem einsamen Bauernhofe war an einem stürmischen Winterabend die ganze Familie um den Tisch versammelt. Da zog auf einmal die wilde Jagd vorbei. Man hörte das Bellen der Hündlein und die Lockrufe des Jägers. Jetzt öffnete der Bauer ein Fenster und rief spottend hinaus: «Huu-tä-tä, Huu-tä-tä!» Da sauste ein Pferdefuss hart an seinem Kopfe vorbei und fiel polternd auf den Zimmerboden. Draussen aber ertönte die Stimme des Jägers:

«Hast mir geholfen zu jagen –

kannst mir nun helfen zu gnaagen!»

Der stinkende Pferdefuss war nicht mehr von der Stelle zu bringen und blieb jahrelang in der Stube (6***), so erzählt man sich.»

«Das ist ja eklig», warf Maria ein, «aber so böse erscheint mir dieser Hutätä gar nicht. Alles, was man riskiert, ist demnach eine schallende Ohrfeige?»

Offenbar hatte sie etwas sehr Dummes gesagt, denn der Schwarze Saler verdrehte unmerklich die Augen und schüttelte den Kopf.

«Nicht immer ging es so glimpflich aus. Einmal ging die wilde Jagd der Ärgera entlang. Das war ein schauriges Heulen und Schreien und Schnauben in jener Nacht. Eine Frau öffnete das Fenster, lehnte sich hinaus und rief: „Nun schweig endlich, du alter Brüeli!» In diesem Augenblick erhielt sie einen Chlapf, der beide Wangen traf und wie Feuer brannte. Die Wangen der Frau färbten sich dunkelrot und wurden schliesslich schwarz. Die Zähne fielen ihr aus dem Munde, und nach zwölf Tagen starb sie unter den schrecklichsten Schmerzen.»(7***)

Maria verzog angewidert das Gesicht. Der Schwarze Saler holte eben zur nächsten Geschichte aus, doch nun hatte sie langsam genug gehört.

«Die Geschichten sind wirklich interessant, aber was hat das Ganze mit Jakob und meinem Problem zu tun?», fragte sie deshalb, ehe der Schwarze Saler mit einer neuen Erzählung beginnen konnte.

Der Knecht beugte sich wieder nach vorne, was Maria dazu brachte, leicht zurückzuweichen. Seine Worte waren so leise, dass sie sich konzentrieren musste, sie zu verstehen.

«Man erzählt sich, dass der Hutätä die kleinen, unfolgsamen Kinder raubt und sie zu sich in den Wald nimmt. Noch nie hat jemand ein vom Hutätä geraubtes Kind wiedergesehen, heisst es.»

Nun dämmerte es Maria, auf was der Schwarze Saler hinauswollte.

«Du meinst, ich soll dem Jakob damit drohen, der Hutätä würde ihn rauben, wenn er nicht folgsam sei?»

Der Schwarze Saler lehnte sich in seinem Stuhl wieder zurück und nickte.

«Das wird landauf, landab so gemacht», sagte er. «Schon meine Eltern haben mir mit dem Hutätä gedroht, wenn ich nicht artig war. Bei mir hat es damals gewirkt.»

Maria seufzte.

«Ich glaube nicht, dass das bei Jakob etwas nützen wird, aber ich habe eine bessere Idee.»

Der Schwarze Saler schaute sie fragend an.

«Zu Beginn machen wir es so, wie du es vorgeschlagen hast. Wenn Jakob heute Abend wieder nicht ins Bett will, werde ich ihm mit dem Hutätä drohen und ihm erzählen, dass dieser die unfolgsamen Kinder raubt und sie zu sich in den dunklen Wald verschleppt. Doch wenn er dann immer noch nicht folgen will, inszenieren wir eine Entführung.»

«Eine Entführung?» Der Schwarze Saler schaute plötzlich alarmiert. «Wie meint Ihr das?»

«Wie ich es sagte. Du wirst hinausgehen, einen schwarzen Mantel überstreifen und vor dem Fenster laut und bedrohlich Huu-tä-tä, Huu-tä-tä rufen, genau wie du es vorhin in der Geschichte getan hast. Ich werde dann das Fenster öffnen und dir Jakob hindurch reichen. Du nimmst ihn unter deinen Mantel, läufst mit ihm einmal um das Haus und bringst ihn mir dann wieder zurück. Das wird ihm dann hoffentlich einen schönen Schrecken einjagen, so dass er ein für allemal von seiner Sturheit geheilt ist.»

«Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist, Frau Cotting», meinte der Schwarze Saler, «mit dem Hutätä sollte man keine Spässe treiben.»

«Aba! Es gibt ihn ja gar nicht, also hör endlich auf, an diese Ammenmärchen zu glauben!»

«Ich halte es trotzdem für keine gute Idee!»

«Das musst du auch nicht», meinte Maria kühl, «du musst nur tun, was ich dir sage. Die Verantwortung dafür übernehme ich.»

(…)

(Zum nächsten Teil)

Anhang:

(2***) German Kolly, Sagen und Märchen aus dem Senseland, 1965, S. 284

(Im Original ist der Vers in Senslerdeutsch gehalten und lautet wie folgt:

«Sigenes spat am Abe

Oder am Morge bizite,

I lobe Gott zu alle Zite.»)

(3***) German Kolly, Sagen und Märchen aus dem Senseland, 1965, S. 284

(Im Original ist der Vers in Senslerdeutsch gehalten und lautet wie folgt:

«A jeda Wäg,

Ob schmal – ob briit,

Är füert i d’Ewigkiit.»)

(4***) German Kolly, Sagen und Märchen aus dem Senseland, 1965, S. 284-286

(Im Original ist die Antwort des Burschen in Senslerdeutsch gehalten und lautet wie folgt:

«Fur was mu si eppa grad brucht.»)

(5***) German Kolly, Sagen und Märchen aus dem Senseland, 1965, S. 286

(Im Original sind Frage und Antwort in Senslerdeutsch gehalten und lauten wie folgt:

«Hutätä – wa wüt du hii?»

«Ga Lustorf zue!»)

(6***) German Kolly, Sagen und Märchen aus dem Senseland, 1965, S. 286

(Im Original ist der Ausruf des Hutätä in Senslerdeutsch gehalten und lautet wie folgt:

«Hesch mer hälfe jage –

Chasch mer hälfe gnage!»)

(7***) German Kolly, Sagen und Märchen aus dem Senseland, 1965, S. 287

(Im Original ist der Ausruf der Frau in Senslerdeutsch gehalten und lautet wie folgt:

«Schwüg doch, du alta Brüeli!»)

Glossar (in alphabetischer Reihenfolge):
Aba – Ach was, nicht doch, Ausruf der Ablehnung, der Gleichgültigkeit
Anken – Butter
Brüeli – Schreihals, Schreier
Chapeau – Aus dem Französischen („Hut“), Ausdruck für „vor jemandem den Hut ziehen“, jemandem seine Ehrerbietung zeigen
Chlapf – Ohrfeige
Fäärlimoora – Fluchwort, Bedeutung: Mutterschwein
Fläri – Ohrfeige
Fueder – Fuder, Wagenladung
Gepsi – Aufrahmgefäss zur Rahmbildung der Milch
Gnaagen – Nagen, mit den Zähnen Fleisch von einem Knochen reissen
Hiimetli – Heimwesen, Bauerngut
Hümublaui – Schwyneschwarta ù d Chue chauberet ùf ùm
Häppereblätz – Umgangssprachliche Fluchtirade
Kilter – Kiltgänger, abendlicher Besucher, Freier
Määs – Grosses Gefäss (besonders für Getreide und Früchte) mit ca. 15-20 Liter Volumen
Misere – Vom Französischen „misère“ für „Schlamassel“, „Elend“
Namsen – Nennen, benennen
Nydla – Schlagrahm, Schlagsahne
Partu – Aus dem Französischen „partout“ („überall“) für „absolut, um jeden Preis, unbedingt“
Pùfett – Aus dem Französischen („buffet“), Möbel für verschiedene Dinge wie zum Beispiel Geschirr oder Bücher
Santihanstag – Geburtstag und Ehrentag des Heiligen Johannes (der Täufer), der 24. Juni
Schopf – Holzschuppen
Tennboden – Oberbühne der Scheune
Unkommod – Unbequem, ungemütlich
Verlocht – Umgangssprachlich für „vergraben“
Welscher – Ein Französischsprachiger, jemand aus der französischsprachigen Schweiz

Copyright © 2012 by Thomas Vaucher

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

WER WISSEN MÖCHTE, WIE DIE GESCHICHTE WEITERGEHT, ERFÄHRT DIES IN FOLGENDEM BUCH:

Thomas Vaucher
Hutätä

Senseland Verlag, N. N., Schweiz, 12/2012
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Dark Fantasy
ISBN 978-3-03718-720-3
Titelgestaltung und Illustrationen im Innenteil von Ingo Römling
Karte von Thierry Fontana

www.thomasvaucher.ch
www.hutaetae-musical.ch
www.monozelle.de

Leider über keine der üblichen Verkaufsplattformen erhältlich. Bitte direkt beim Verlag oder Autor bestellen.  (Anm. d. Redaktion)

Titel (auf Wunsch signiert) erhältlich beim Autor

„Wüuda Jieger, Hutätä,
i wüu dier dini Antwort gää.
Dùnku, mächtig, regierschù d Nacht,
tuusig Hünn si dini Strittmacht.
Wüuda Jieger, Hutätä,
König vo de Nacht.“

Maria Cottings Sohn verschwindet nachts – für sie steht fest, dass nur der Nachtjäger Hutätä ihn entführt haben kann. Zuvor war Maria mit ihrem Sohn Jakob an ihrem neuen Hof angekommen. Dort wartet schon ihr Knecht, der Schwarze Saler (Alfons Neuhaus), auf sie, den sie sofort damit konfrontiert, dass fortan ein anderer Wind herrschen wird, als sie merkt, dass er an so manches Ammenmärchen glaubt. Marias Mann ist vor zwei Jahren gestorben, seither will Jakob nicht mehr schlafen, und es gibt jeden Abend einen Kampf zwischen seiner Mutter und ihm. Maria ist durch das entbehrungsreiche Leben hart gegen sich und andere geworden.

Von dem Schwarzen Saler hört sie zum ersten Mal von dem Hutätä, dem Nachtjäger,  dem Scharzen Mann, der kleine unartige Kinder raubt. Damit Jakob folgsamer wird, will Maria ihm die Geschichte des Hutätä erzählen, und sollte das keinen Eindruck auf ihren Sohn machen, will sie mit ihrem Knecht, der sich als Hutätä verkleiden soll, Jakobs Entführung fingieren, um ihn gehorsamer zu machen – doch Letzteres geht alles gehörig schief, denn Jakob wird tatsächlich von dem Hutätä entführt, und seine Mutter fühlt sich fortan schuldig. Zusammen mit dem Knecht macht sie sich sofort auf die Suche nach ihrem Sohn. Dabei begegnen sie dem Geist des Ritters Velga und kehrt unverrichteter Dinge auf dem Hof zurück. Dort taucht ein leibhaftiger Zwerg auf. Maria dämmert immer mehr, dass an den von ihr so belächelten ‚Ammenmärchen‘ mehr dran ist, als sie bisher geglaubt hat. Auf der weiteren Suche nach ihrem Sohn erlebt sie noch etliche Überraschungen – doch die größte Überraschung ereilt sie zum Schluss dieser ungewöhnlichen Novelle, die auf überlieferten Sagen aus dem freiburgischen Senseland basiert.

Mehr sei über die Handlung nicht verraten, außer dass es im Anschluss daran noch eine Danksagung, ein Glossar, eine Zitate-Übersicht und eine Liste der Sagen, die vollständig in der Handlung vorkommen, und eine Liste, aus welchen Sagen einzelne Elemente/Figuren vorkommen, gibt. Das hübsche  Hardcover ist insgesamt sehr schön aufgemacht – u. a. mit Innenillustrationen, die sehr gut zum Duktus der Erzählung passen. Und es stört auch nicht, da es sich ja um Sagen aus der Schweiz handelt, die einfließen, und dass das Lektorat den für die Schweizer bekannten übergebührlichen Gebrauch des „ss“ nicht angeglichen hat.

Der Autor Thomas Vaucher ist gleichzeitig auch Musiker (Keyboarder) der Metal-Band Emerald. Mit dem „Hutätä“-Projekt beweist er wieder einmal, wie eng Literatur und Musik verbunden sind, denn er ist natürlich auch in das „Hutätä“-Musical involviert. Mehr darüber auf: www.hutaetae.ch

Eine unterhaltsame Novelle, in die Sagen aus dem Senseland eingeflossen sind!

Copyright © 2013 by Alisha Bionda (AB)

Titel (auf Wunsch signiert) erhältlich beim Autor

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