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GEFANGEN IN DEN TRÄUMEN DES TRAUMMEISTERS – BAND 1: START INS UNGEWISSE (Leseprobe Teil 1) von Alex P. Jandra

GEFANGEN IN DEN TRÄUMEN DES TRAUMMEISTERS

BAND 1: START INS UNGEWISSE

(Leseprobe Teil 1)

von

Alex P. Jandra

Endlich waren die großen Aasfresser auf der Suche nach neuer Beute und schon wenig später stand die Gruppe erneut vor dem Tor. Marcia probierte es direkt mit dem Rubinschlüssel, was sofortigen Erfolg nach sich zog. Erfreut wurden die Schlüssel verstaut und diesmal schritt zunächst Yam-Yam durch die flimmernde Öffnung, Otomo folgte als Letzter.

Man fand sich in einem leeren Raum wieder, der zur Abwechslung für das Auge nur eine einzelne Tür bot und es gab keinen Rückweg, da hier kein Tor war, noch nicht mal ein aufgemaltes. Umso erstaunter waren sie, unterwegs niemanden verloren zu haben.

»Hier ist man wirklich vor keiner Überraschung sicher«, murmelte Marco in seinen Bart.

»Sehen wir mal, was uns hinter dieser Tür erwartet«, sagte Yam-Yam, als sie sich wieder durch ein Seil gesichert hatten, und öffnete sie problemlos. Ein nur zweieinhalb Schritt breiter Gang führte geradeaus in noch unbekannte Gefilde. Netterweise herrschte überall eine diffuse Beleuchtung, deren Quelle aber nicht erkennbar war. Somit durfte Marcia ihre Kräfte schonen, da man genug sehen konnte, was ihre Lichtbälle zurzeit unnötig erscheinen ließ.

Zwanzig Schritt später bog der Gang nach rechts ab und ging dann in eine aufwärtsführende Treppe über. Am Ende dieser langen Treppe wartete die nächste Entscheidung auf die Sucher, da man einem Quergang nach rechts wie nach links folgen konnte. Sie entschieden sich für den rechten Gang und mussten schon nach fünfundzwanzig Schritt erneut wählen.

Nach etlichen Wegkreuzungen kam langsam die Befürchtung auf, man könnte in einem gigantischen Labyrinth stecken, als auch dieser Gang plötzlich endete. Doch diesmal war es keine Sackgasse, denn in der abschließenden Wand sahen sie die zweite Tür, seit sie hier gestrandet waren. Auf ihr stand in roter Farbe eine gereimte Warnung zu lesen:

Bist Du kein Dieb
Trete ein
Bist Du einer
Lass es sein

Vorsichtig legte Otomo ein Ohr an das Holz und lauschte. Da nichts Alarmierendes zu vernehmen war, ergriff er mutig den runden Türgriff.

Das hinter der Tür liegende Zimmer beherbergte nur einen großen Schrank. Etwas enttäuscht sagte Marcia, mit Blick auf Belae und Zuknich, die inzwischen etwas fröstelten:

»Lasst uns wenigstens einen Blick reinwerfen, vielleicht finden wir darin brauchbare Kleidung«, und öffnete ihn in ihrer bekannt impulsiven und unbekümmerten Art ohne jede Sicherheitsvorkehrung. Und siehe da, als wenn sie jetzt auch noch hellseherische Fähigkeiten hätte, bestand der Inhalt des Schrankes nur aus Bekleidung aller Art. Allerdings hörte sie nun auch zarte, wispernde Stimmen.

»Trag mich!«

»Fühl nur, wie weich ich bin!«

»Ich halte besonders warm!«

»Mich trug einst eine Königin!«

»Ich halte viel wärmer

»Hört nicht auf die Anderen, tragt mich

Man konnte kaum Genaueres verstehen, da es Dutzende waren, die alle durcheinander riefen und sich nun auf die Sucher stürzten. Sie klammerten sich an die Lebewesen, und da diese sich wegen des Sicherungsseils gegenseitig behinderten, gingen die Ersten schon bald zu Boden, da aus dem Schrank in scheinbar endloser Zahl weitere Kleidungsstücke geflogen kamen. Besonders gefährlich waren vor allem die Mäntel und Umhänge, da die Bewegungsfreiheit durch sie weiter eingeschränkt wurde. Aber auch ein kleiner Schal, der sich langsam um einen Hals schlang und den Träger würgte, war nicht zu unterschätzen.

Marcia hatte deshalb schon Schwierigkeiten beim Atmen, auch die anfänglichen Schreie der anderen Frauen waren längst verstummt, dafür kreischten ihnen die Sachen ihre Wünsche und Schmeicheleien direkt ins Ohr. Zusätzlich trat diverses Schuhzeug nach ihnen, was aber nur den Punkt auf dem i darstellte.

Sie merkten in diesem Chaos nicht, dass Yam-Yam ins Taumeln geraten war und in den Schrank stürzte, der irgendwann mit seinem Bombardement aufgehört hatte. Dort fielen alle Kleider von ihm ab und verschwanden, sobald sie den Boden des Schranks berührten. Sofort begann der Umbralla seine Gefährten mit dem Seil in den Schrank zu ziehen, was bei seiner Kraft recht schnell ging. Selbst Otomo, der als Letzter im Schrank ankam, lebte noch, aber sehr viel länger hätte das Ganze nicht dauern dürfen.

Da ertastete Zuknich zufällig einen Riegel, hob ihn aus der Öse und begriff, dass sich nun die Rückwand zur Seite schieben ließ. Der Geheimraum hinter dem Schrank entpuppte sich als kleine Höhle, durch die sie kurz darauf ins Freie gelangten. Als sie realisierten, wo sie sich jetzt befanden, fluchte Marco vehement.

»Verfluchte Hühnerkacke, wir haben uns im Kreis bewegt! Da hat dieser Hurenbock doch tatsächlich falsche Spuren ausgelegt, als wenn die andere Scheiße noch nicht reichen würde!«,

Die Gruppe war an den Ort zurückgekehrt, wo noch immer die kleinen Haufen an Gefangenenkleidung herumlagen. Zwei der Ponchos wurden wieder in Dienst genommen und wärmten nun die Körper der Grimokanerinnen.

Hundert Schritt abseits des falschen Tores errichteten sie ihren Turm und ließen sich von Marcia etwas zu essen besorgen.

TAG LIX

Am Nachmittag erreichten sie das Ende der Schlucht und standen nun staunend vor dem Wrack eines namenlosen Schiffes.

»Tja, was auch immer das zu bedeuten hat, ich habe schon wieder Hunger«, gab der sonst so wortkarge Umbralla von sich, was aber, wie er auf Nachfrage versicherte, nicht an den vielen Knochen lag, die überall zu entdecken waren.

»Wenn das so weitergeht und wir unserem Feind erst als Rentner begegnen, können wir von Glück sagen, wenn er sich bei unserem Anblick totlacht«, versuchte Marco wieder mal witzig zu sein und erntete diesmal tatsächlich das eine oder andere Schmunzeln.

Nach einem einfachen Mahl, welches die Küche der Sklavenfestung unwissentlich gespendet hatte, kontrollierte Otomo den Tisch und sah dort einen aus den Bergen kommenden Fluss, an dessen Ufer eine Farm lag. Wieder in der Küche zurück, fand er nur noch Marco vor, der die dort herrschende Ruhe genoss.

Nachdem ihn der Japaner informiert hatte, kam der Kölner mit dem Meister überein, die Farm am nächsten Tag aufzusuchen.

Als Marco am Abend das Schlafzimmer betrat, lagen die Frauen schon eng aneinandergekuschelt auf dem Bett und schliefen. Als er sich zu ihnen legte, murmelte Marcia:

»Marco?«

»Alles in Ordnung, schlaf weiter.«

TAG LX

Sie waren noch zweihundert Schritt von der Farm entfernt, als mehrere Hunde anschlugen und dann auf sie zurannten. Die Grimokfrauen klammerten sich entsetzt an ihre Beschützer, doch auf halber Strecke stoppte ein Pfiff die Tiere, ein weiterer rief sie zurück zum Haus. Auf einer schmalen Veranda standen die sechs Bewohner der Farm, nur mit ihrer Neugier bewaffnet. Zu deren Füßen legten sich die drei Hunde nieder und gemeinsam mit ihrem menschlichen Rudel beobachteten sie aufgeregt die sich nähernden Fremden.

Als Marco die Hunde sah, während Belae sich an ihn klammerte, machte ihm das keine Angst, im Gegenteil. Er dachte wehmütig an Anjin und freute sich auf den Kontakt zu dessen Artgenossen. Nur noch dreißig Schritt vom Wohnhaus entfernt, hob Marco die rechte Hand und rief:

»Seid gegrüßt, gute Leute. Wir kommen in Frieden und erbitten Eure Gastfreundschaft.«

»Wenn dem so ist«, sagte der älteste der drei Männer, »heißen wir Euch willkommen.«

»Ich bin Richter Marco«, stellte sich der Kölner vor, als die Gruppe das Haus fast erreicht hatte. »Dies ist Meister Otomo, das Fellknäuel hört auf den Namen Yam-Yam und diese drei Schönheiten heißen Marcia, Belae und Zuknich.«

»Ich bin Borian Klopek, meine Frau Dorany, meine Tochter Kirona. Luboss, mein ältester Sohn und seine Frau Neele, mein jüngster Sohn Marisk.«

Ihre Haut war schwarz und glänzend, sie wiesen nicht die Spur von Behaarung auf, soweit man das beurteilen konnte, und hatten ein drittes Auge am Hinterkopf[1], was die Gruppe aber in diesem Moment noch nicht bemerkte.


[1] Marviil. Rasse.

(Zum nächsten Teil)

Copyright © 2014 by Alex P. Jandra

Bildrechte: Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten” (Magie neuer Hrsg und heller.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

ZUM BUCHTITEL:

Gefangen in den Träumen des Traummeisters (Kartoniert)
Band 1: Start ins Ungewisse
von Jandra, Alex P.
.
Verlag:  Elvea
Medium:  Buch
Seiten:  320
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Print 2014 / ebook: Juni 2015
Maße:  185 x 135 mm
Gewicht:  373 g
ISBN-10:  3945600200
ISBN-13:  9783945600207

Beschreibung
Wenn man morgens aufwacht und sich in einer Höhle wiederfindet, statt in seinem Bett, dann ist das schon beängstigend. Wenn man später erfährt, dass man sich nicht mehr auf seinem Heimatplaneten befindet, sondern in den Träumen eines schlafenden Gottes, kann einen schon mal die Verzweiflung packen. Aber bei der Aufforderung, eben diesen Gott zu suchen, um ihn zu wecken, der Weg jedoch durch eine von Magie beherrschte Welt führt und offensichtlich nicht ungefährlich ist, zweifelt man an seinem Verstand. Sechs Wesen, darunter ein Kölner Student, passiert eben dies und nun sollen sie in den Träumen eines Gottes bis zu einem Ort vordringen, der TABHIRONAKEL heißt. Doch wer sind seine fünf Mitstreiter? Kann er sich auf sie verlassen?

Begleite sie auf ihrer Reise, erlebe unglaubliche Abenteuer voller Magie, Gewalt und Sex. Doch sei gewarnt: Der Tod lauert an jeder Ecke! Und in den eigenen Reihen!  Denn hier stirbt es sich schnell! Ihr wisst doch: Nichts MUSS passieren, doch alles KANN passieren!

Autor
Alex P. Jandra, geboren 1966, lebt seit 1957 in Köln. Anfang der 80-er Jahre lebt er einige Zeit in Israel bevor er wieder nach Deutschland zurück kehrte. Er mag Fantasy, Comics und begeistert sich für Musik. Start ins Ungewisse ist Band 1 der Reihe: Gefangen in den Träumen des Traummeisters.

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Updated: 1. September 2015 — 21:52

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